Sie sind auf Seite 1von 7

Arbeitsblatt zur Novelle

Hintergrundinformationen: Der junge Leutnant


Gustl ist von einem Bäckermeister in seiner Ehre
tödlich gekränkt worden. Da ein Duell mit einem
nicht satisfaktionsfähigen Zivilisten für einen
Offizier unmöglich ist, glaubt Gustl, sich
erschießen zu müssen, um nicht mit der Schmach
leben zu müssen.

Schnitzlers Novelle erschien 1900 in der


Weihnachtsbeilage der Neuen Freien Presse.
Seine Kritik am Militarismus und seine literarische
Diagnose eines "autoritären Charakters" führte zu
heftigen Polemiken gegen Schnitzler. Weil er die
"Standesehre" der Armee geschädigt hätte, wurde
Leutnant Schnitzler von einem Ehrengericht des
Offiziersrangs enthoben und zum gewöhnlichen Soldaten degradiert.

"Lieutenant Gustl ist einer der allerersten Texte der Weltliteratur, die in Kenntnis
psychoanalytischer Thesen zum Unbewussten verfasst worden sind. ... Seine Figur
drückt Gedanken und Gefühle gleichsam unmittelbar aus, in der ersten Person und
im Präsens; diese in der deutschen Literatur bis dato noch nicht dagewesene
Erzählform sollte man dann den ,,Inneren Monolog‘' nennen".
Leutnant Gustl ist ein deutsch-österreichischer
Fernsehfilm aus dem Jahre 1963 nach Motiven
der gleichnamigen Novelle von Arthur Schnitzler.
Hauptdarsteller: Peter Weck – Leutnant Gustav
Wilfert; Anna – Christiane Hörbiger
Nebenrolle: Hans Moser
Weitere Informationen:
https://www.film.at/leutnant_gustl
1) Vergleiche die Novelle und den Fernsehfilm: Notiere dir
Unterschiede und Gemeinsamkeiten!
Novelle Fernsehproduktion (1963)

Link zur Verfilmung: https://youtu.be/IW-RcpY--6k

2) Notiere die Zeit- und Raumstruktur der Novelle!

3) Charakterisiere die Figur Gustl! Erläutere anschließend, was


diese Figur über den Zustand der Armee (und in der Folge
auch über die Bevölkerung als Ganzes) um 1900 aussagt.
Protagonist dieser Novelle ist Gustl, der etwa 23-jährige Lieutenant der
österreichisch-ungarischen Armee, dessen Nachname der Leser nicht
erfährt und der hier nur mit seinem Kosenamen „Gustl“ (für „Gustav“)
bezeichnet wird.
Wiener Moderne (1890 – 1910)

Nach der militärischen Niederlage gegen Preußen 1866 sowie der Auflösung des
Deutschen Bundes konstituiert sich 1867 die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn.
Franz Joseph ist als doppeltes Staatsoberhaupt zugleich auch Kaiser von Österreich
und König von Ungarn. Die Vielzahl an Völkern, Kulturen, Sprachen und Religionen
in dem Habsburgerreich verursacht aber schnell wachsende nationale,
wirtschaftliche und gesellschaftliche Spannungen. Politische Kompromisse und
Notlösungen führen in die Krise und später zu dem Untergang der Donaumonarchie.

Wien zählt 1900 fast zwei Millionen Einwohner und


zieht künstlerische Talente aus dem gesamten Reich
an. Die Stadt erlebt eine Blütezeit in der Musik, der
Malerei, der Architektur, der Philosophie und der
Literatur. Der Kulturbetrieb in der österreichischen
Hauptstadt zwischen etwa 1890 und 1910 wird als
„Wiener Moderne“ bezeichnet.

Die „Wiener Moderne“ bildet in der Literatur einen


Oberbegriff und kennzeichnet die Produktion der
Schriftsteller in Wien in der Umbruchszeit der
Jahrhundertwende. Die Schriftsteller werden damals
durch vielfältige, teils sich widersprechenden
europäischen Kunstströmungen in Europa beeinflusst:
Ästhetizismus, Impressionismus, Jugendstil,
Symbolismus, Dekadenz oder Neuromantik. Die
„Wiener Moderne“ ist ein Teil der literarischen der
„Moderne“ und charakterisiert sich als Gegenströmung zum Naturalismus.

Die Wiener Moderne wird auch als "Kaffeehausliteratur" bezeichnet, weil die Autoren
sich regelmäßig in Cafés zusammen mit anderen Künstlern treffen, um miteinander
zu diskutieren und Feuilletons oder
fragmentarische Texte zu verfassen. Es
entstehen verschiedene Gruppierungen von
Intellektuellen, die sich in bestimmten Cafés
versammeln und einander inspirieren.

Die Autoren lehnen die konservative Kunst


und Kultur des Kaiserreichs ab und
entwickeln eine Vielzahl neuer Stile und
Formen im Anschluss an die Moderne. Die
Wiener Moderne ist eng mit dem „Fin de Siècle“ (frz. für „Ende des Jahrhunderts“)
verknüpft. Die politische Instabilität überträgt sich auf das pessimistische
Lebensgefühl der Künstler, die den kulturellen Verfall, die Dekadenz und den Tod zu
künstlerischen Elementen in ihren Werken erheben und thematisieren. Aufgrund der
Zensur müssen viele der jungen Autoren ihre Werke in Deutschland veröffentlichen.

Großen Einfluss auf die Schriftsteller übt der


Begründer der Psychoanalyse, der Wiener
Psychologe Sigmund Freud, aus, dessen Buch und
Traumtheorie ("Traumdeutung") 1899 erscheint.
Freund befasst sich mit der Erforschung des
Unbewussten und legt die Grundlage für viele Werke
der Wiener Moderne. Die Autoren porträtieren und
kritisieren die zeitgenössische Wiener Gesellschaft.
Zentrale Motive der Dichtung sind das komplizierte
Innenleben und die Kommunikationslosigkeit des
Menschen. In vielen Texten rücken die Motive der Identitätskrise, der Verzweiflung,
der Unsicherheit und der Hilflosigkeit des Menschen angesichts der unsicheren
zeitlichen Umstände in den Vordergrund. Der innere Monolog kommt in den
modernen Romanen bewusst zum Einsatz, um tiefe Einblicke in das geistige und
seelische Leben der Figuren zu vermitteln.
Bedeutende Autoren der Wiener Moderne sind Hugo von Hofmannsthal, Arthur
Schnitzler, Hermann Bahr, Rainer Maria Rilke und Stefan George.

Merkmale

1. Nationale, wirtschaftliche und gesellschaftliche Spannungen


2. Gegenströmung zum Naturalismus
3. Einfluss von mehreren zeitgenössischen Strömungen: Ästhetizismus,
Impressionismus, Jugendstil, Symbolismus, Dekadenz und Neuromantik
4. Gruppierungen von Intellektuellen in der Hauptstadt Österreichs
5. Krise der Sprache und des Bewusstseins
6. Das komplexe Innenleben des Individuums
7. Verfall, Dekadenz und Tod
8. Auseinandersetzung mit der Sexualität

Online-Ausstellung: https://moderne.wien.info/de/

Freiwillige Vertiefungsmöglichkeit: https://www.km-bw.de/site/pbs-bw-


new/get/documents/KULTUS.Dachmandant/KULTUS/Seminare/seminar-esslingen-
gym/pdf/kaffeehaus_kultur_wien.pdf