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OGH № As-418-2019 RECHTSPRECHUNG

abgerechnet, wenn der Vertrag in akzeptabler Quali- tung vorsehen, wenn es einen festen Kostenvoran-
tät und innerhalb der vereinbarten Zeiträume erfüllt schlag gegeben hat. Art. 631 des ZGB definiert nur
wurde. den Tatbestand, wenn ein ungefährer Kostenvoran-
schlag wesentlich überschritten wird. Dabei schützt
Anmerkung des Herausgebers: Der Unternehmer die Norm die Interessen des Bestellers.
musste die Arbeit innerhalb von 120 Tagen abschlie- 2. Im Falle einer Kostenüberschreitung bei einem
ßen, wobei 25% der Arbeit in 30 und 50% in 60 Kalen- ungefähren Kostenvoranschlag kann der Unterneh-
dertagen fertiggestellt werden sollten. Im Vertrag mer die Mehrkosten nur dann verlangen, wenn er
wurde auch die Vertragsstrafe für den Fall eines Ver- den Besteller über die Kostenüberschreitung unver-
stoßes in Höhe von 1% des Vertragswertes festgelegt. züglich im Kenntnis setzt und von ihm die Zustim-
Nach 30 Tagen waren 25% der Arbeiten nicht abge- mung zur Fortsetzung der Arbeit erhält.
schlossen, obwohl sie innerhalb von 120 Tagen nach 3. Im Falle einer wesentlichen Kostenüberschrei-
dem Vertrag abgeschlossen waren. Nach der Ent- tung bei einem festen Kostenvoranschlag kann der
scheidung der ersten Instanz wurde der Unternehmer Unternehmer den Besteller auffordern, den Vertrag
zur Zahlung eines reduzierten Betrags der Vertrags- an die veränderten Umstände anzupassen.
strafe verurteilt. Das Verfahren wurde auf Initiative
des Klägers in der zweiten und dritten Instanz fortge- Der geplante Bau wurde entsprechend dem er-
setzt, wo er die vertraglichen Bedingungen für die neuerten Projekt durchgeführt, was die Kosten der
Auferlegung der Geldstrafe zum Ausdruck gebracht durchzuführenden Arbeiten erhöhte. Der Besteller
hat. Das Berufungsgericht und das Revisionsgericht hat die Kosten, die dem Unternehmer entstanden
stellten klar, dass die Erfüllung der Verpflichtung in sind, nicht vollständig beglichen. Der Unternehmer
akzeptabler Weise innerhalb einer bestimmten Frist reichte eine Klage ein und verlangte die Zahlung des
die Auferlegung der Vertragsstrafe in voller Höhe unbezahlten Teils des Honorars.15 Der Beklagte be-
unzulässig machen würde. Nach Ansicht des Revisi- stritt die Forderung und erklärte, dass der Unter-
onsgerichts sollte die Verhängung einer Vertrags- nehmer ein kleineres Gebäude, als es vereinbart war,
strafe als Sanktion nicht über den in Art. 417 des ZGB gebaut habe.
vorgesehenen rechtlichen Zweck hinausgehen. Das Berufungsgericht gab der Klage des Unter-
nehmers statt und begründete dies mit der Unbere-
Nino Kavshbaia chenbarkeit der Kostenüberschreitung. Nach der
allgemeinen Regel kann der Unternehmer nur das
17 – 3/2020 vereinbarte Honorar beanspruchen, mit Ausnahme
des Vorliegens kumulativer Bedingungen, die in Art.
Anspruch des Unternehmers auf die Mehrvergü- 631 des ZGB vorgesehen sind. Insbesondere
tung bei einem festen und ungefähren Kostenvoran- a. Die Parteien einigten sich auf den ungefähren
schlag Kostenvoranschlag für die ausgeführten Arbeiten;
b. der Unternehmer überschritt den Kostenvoran-
OGH, Urt. v. 30. Dezember 2013 № AS-888-834- schlag erheblich;
2012 c. es war unmöglich, die Überschreitung des Kos-
tenvoranschlags beim Vertragsabschluss zu berück-
Art. 631 und 398 des ZGB sichtigen;
d. der Unternehmer informierte den Besteller un-
1. Im Falle eines Anspruchs des Unternehmers verzüglich über die Überschreitung des Kostenvoran-
auf Mehrvergütung ist zunächst die Art des verein- schlags.
barten Kostenvoranschlags zu bestimmen, da die für
den Werkvertrag geltenden Vorschriften keinen 15
Andere Umstände des Falls, die sich nicht mit dem Thema
Erstattungsanspruch wegen der Kostenüberschrei-
Überzahlung befassen, wurden nicht angesprochen.

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Mariam Gamkhuashvili Zeitschrift für Rechtsvergleichung 3/2020

Nach Ansicht des Berufungsgerichts lässt der un- geeinigt haben, für den Art. 631 ZGB nicht gilt. Das
gefähre Kostenvoranschlag auch auf die mögliche Revisionsgericht entschied zu Recht, dass im Falle
Notwendigkeit einer Änderung schließen, die eine einer Kostenüberschreitung der Unternehmer ein
Rückerstattung durch den Besteller einschließen einziges Mittel zur Verfügung steht - die Aufforde-
würde. rung, den Vertrag gemäß Art. 398 ZGB an die verän-
Das Berufungsgericht hat nicht berücksichtigt, derten Umständen anzupassen, so dass die Differenz
dass im Falle eines ungefähren Kostenvoranschlags zwischen den Preisen ausgeglichen wird. Macht der
für die Kostenüberschreitung fehlerhaft kalkuliert Unternehmer von diesem Recht keinen Gebrauch
sein kann. Die Einigung über das Architekturprojekt, und führt die Arbeiten trotzdem weiter aus, so ver-
die in diesem Fall geändert wurde, wurde notwendig, liert er das Recht auf eine Mehrvergütung.
weil das erste Projekt die Nachbargrenze verletzte, Sowohl bei festen als auch bei ungefähren Kos-
was wahrscheinlich auf die falsche Vorbereitung des tenvoranschlägen reicht es nicht aus, dass der Be-
ersten Projekts hindeutet. Demnach wäre die Nicht- steller die Erhöhung des Kostenvoranschlags für
berücksichtigung der Unternehmerinteressen nicht möglich gehalten hat. Es ist wichtig, dass er zu dem
mehr sachgerecht (in diesem Fall die Entziehung des Zeitpunkt, zu dem er über die Notwendigkeit von
Rechts auf Rückerstattung). Folglich müssen wir die Mehrausgaben informiert wurde, die Kostenüber-
Benachrichtigungspflicht als ein entscheidendes Kri- schreitung genehmigt und dem Unternehmer die
terium betrachten, dessen Missachtung dem Unter- Fortsetzung der Arbeit bestätigt. Wenn der Besteller
nehmer das Recht auf Entschädigung nimmt. mit dem geänderten Kostenvoranschlag nicht einver-
Der Oberste Gerichtshof schloss sich der Argu- standen ist, kann er den Vertrag gemäß Art. 398 Abs.
mentation des Gerichts zweiter Instanz nicht an und 3 und 631 Abs. 2 des ZGB kündigen; in diesem Fall ist
wies zu Recht darauf hin, dass sich die Parteien im er verpflichtet, die Kosten für die bereits ausgeführ-
vorliegenden Fall auf einen festen Kostenvoranschlag ten Arbeiten zu erstatten.

Mariam Gamkhuashvili

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