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These 1:

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und China scheitern in der Anfangsphase
beider Staaten an der engen Beziehung Chinas zu den arabischen Staaten und Chinas
Unterstützung der palästinensischen Befreiungsbewegung sowie an Israels Annäherung an
die USA.

Israels Staatsgründung geschah am 14. Mai 1948, die Volksrepublik China wurde am
01. Oktober 1949 gegründet  beide Staatsgründungen lagen also zeitl. eng
beieinander.
• Israel hat China auch sehr bald anerkannt, (nämlich am 09. Januar 1950) und nun
stellte sich die Frage nach der Aufnahme von diplomatischen Beziehungen.
• Mitte der 50er Jahre verschrieb das kommunistische China sich dann letztendlich
aber dem Kampf gegen den Imperialismus und sah eben in den USA und Israel den
Hauptfeind.
 Von nun an unterstütze China eben die arabischen Staaten und auch die
Palästinenserbewegung:
• Im Mai 1956 nahm China diplomatische Beziehungen zu Ägypten unter Nasser auf
und gewährte1964 der PLO diplomatischen Staus.
• Des Weiteren lieferte China Waffen und Ausrüstung an die Palästinenser und
bildete auch deren Kämpfer aus.
• Israel orientierte sich dann in den 60er Jahren an den USA und aus diesen Gründen
kam es nie zu diplomarischen Beziehungen zwischen beiden Ländern.

 Aus israelischer Sicht bleibt festzustellen, dass man Asien im Allgemeinen


und eben auch China diplomatisch und außenpolitisch kaum im Blick hatte
und beinahe völlig vernachlässigt hat. Man selbst befindet sich zwar auf dem
asiatischen Kontinent, politisch-kulturell und wirtschaftlich hat man sich aber
eher dem Westen zugehörig gefühlt. So schreibt Yitzhar Shichor, dass Asien
für China von 1950 bis 1980 „terra incognita“ war.

These 2:
Chinas Öffnungspolitik sowie sein Verlangen nach militärischer Ausrüstung und
Technologie Ende der siebziger Jahre führte zu einer Annäherung Chinas an Israel.
Israel, das im Verlaufe seiner Kriege zahlreiche sowjetische Waffen erbeutet und sie
ausgewertet hatte, war für China der ideale Waffenlieferant.

Zu Beginn der 70er Jahre gab es zaghafte Annäherungsversuche zwischen Israel und
China, aber alles inoffiziell und in einem ganz kleinen Rahmen.
• 1976 stirbt Mao Zedong und 1978/79 erfährt China dann unter Deng Xiaoping
wirtschaftliche Reformen und eine Öffnungspolitik gegenüber der Welt und
insbesondere auch gegenüber dem Westen.
• Zu der Zeit war der chinesisch-sowjetische Konflikt auf dem Höhepunkt.

 Nun war aber bis dato die Sowjetunion Chinas Hauptwaffenlieferant gewesen
und da der Westen sich weigerte dem kommunistischen China Waffen zu liefern,
war China nun von externen Waffenlieferungen beinahe vollständig abgeschottet.

Was macht China? Es wendet sich an Israel, das mit der sowjetischen
Waffentechnologie bestens vertraut ist  Die Gründe dafür waren:

1) Sowjetische Waffenlieferungen an Israel in dessen Anfangsphase.


2) Erbeutung sowjetischer Waffen in diversen Kriegen gegen arabische Staaten,
die von der Sowjetunion mit Waffen versorgt wurden. (Unabhängigkeitskrieg,
Sechstage-Krieg, Jom Kippur-Krieg).

Israel, das in den 70er Jahren auch Waffen an Taiwan geliefert hat, entschied sich
letztendlich (unter Menachin Begin) ausschließlich Waffen an China zu liefern.

 Dazu gehörte eben auch das Liefern von Ersatzteilen und die Entwicklung
moderner Zusatzgeräte. So wurde China in den nächsten Jahren für Israel der
größte Absatzmarkt für Waffen.

Die Waffenlieferungen waren jedoch nicht nur militärisch, sondern auch politisch
von großer Bedeutung, da sie das Fundament für weitergehende Kooperationen
zwischen Israel und China legten.
• So kam es auch zu Kooperationen und wirtschaftlichen Beziehungen in anderen
Bereichen wie u.a. der Landwirtschaft, der Wissenschaft und der Medizin.
 Jedoch waren die Beziehungen immer noch geheim und inoffiziell.

Bis Mitte der 80er Jahre durften nur Israelis mit doppelter Staatsangehörigkeit, die
einen Reisepass eines anderen Landes besaßen nach China einreisen.

 China, das immer noch enge Beziehungen zu den arabischen Ländern


(Ägypten, Irak, Syrien) & den Palästinensern hatte, hatte kein Interesse daran,
dass seine Verbindung mit Israel bekannt wurde.
 Im November 1988 hat China sogar Palästina als Staat anerkannt.

1986 öffnete Israel ein Konsulat in Peking und es fanden (zwar immer noch zaghaft)
aber trotzdem erste offizielle Gespräche statt.

These 3:
Das Ende des Kalten Krieges und die Madrider Nahost-Friedenskonferenz (Okt/Nov 1991)
veränderten die politische Landschaft, so dass es im Januar 1992 zu der Aufnahme
diplomatischer Beziehungen zwischen China und Israel kommen konnte.
1) Das Ende des kalten Krieges führte auch zu einer Entspannung im israelisch-
chinesischen Verhältnis, da beide zuvor, den sich gegenüberstehenden Seiten
angehörten.
2) Bei der Madrider Konferenz verhandelte Syrien, der Libanon, Jordanien &
eine palästinensische Vertretung offiziell mit Israel. Wieso sollte China also
keine offiziellen Beziehungen zu China haben?

 Konsequenterweise kam es im Januar 1992 (nur wenige Monate nach der


Madrider Konferenz) offiziell zu der Aufnahme diplomatischer Beziehungen
zwischen China und Israel.

These 4:
Israels Waffen- und Technologielieferungen an China sind eine Belastung für das U.S.-
israelische Verhältnis. Die USA, als Patron Tawains, kann kein Interesse daran haben, dass
Israel China mit modernster Waffentechnologie ausstattet.

• Israel ist der siebtgrößte Waffenexporteur weltweit und Chinas zweitgrößter


Waffenlieferant.
• Israel wiederum hat einen großen Teil seiner Waffentechnologie von den USA.
• Die USA, die mehrfach betont hat Taiwan bei einem chinesischen Angriff zu
verteidigen, kann natürlich kein Interesse haben, bei einem möglichen Konflikt mit
China, seinen eigenen, hoch entwickelten Waffensystemen gegenüberzustehen.

 Deswegen hat die USA Israel schon öfters gedroht die mehrere Milliarden
schwere Militärhilfe zu entziehen, wenn es weiterhin die neueste Waffentechnologie
an China weiterverkauft. Israel ist deshalb auch schon aus vereinbarten
Waffengeschäften mit China ausgestiegen, was die Chinesen wiederum verärgert
hat.
 Wir haben in dieser Dreckeckskonstellation also einen ständigen Unruheherd.
Für China ist Israel als Waffenlieferant besonders wichtig, da seit dem Massaker auf
dem Platz des himmlischen Friedens 1989 von der EU und den USA ein Waffen-
embargo gegen China verhängt wurde.

These 5:
China hat stark an strategischer Bedeutung für die israelische Außenpolitik gewonnen. Israel
kann es sich u.a. aus Sicherheitsaspekten nicht leisten mit China ein wirtschaftliches und
diplomatisches „Schwergewicht“ gegen sich zu haben.

• China ist als Land mit Vetorecht im UN-Sicherheitsrat wichtig für die Sicherheit
Israels.
• China hat sich lange geweigert Sanktionen gegen Iran bezüglich dessen
Nuklearprogramms zu unterstützen.  Im Juni 2010 hat es jedoch der Resolution
1929 zugestimmt.
• Wie im Nachhinein bekannt wurde, ist im Februar 2010 eine israelische Delegation
nach Peking gereist und hat dort wohl den Chinesen aufgezeigt, was ein iranischer
Angriff auf Israel für Chinas Wirtschaft bedeuten würde, nämlich vor allem
Unsicherheiten bei der Lieferung von Öl an China.
• In wie weit Israel da jetzt wirklich Einfluss nehmen konnte bleibt natürlich unklar,
aber es zeigt schon wie wichtig China für die Interessen Israels sind.

 Wenn man jetzt Punkt 4) und 5) kombiniert ergibt sich für die israelische
Außenpolitik ein Vabanque-Spiel. Auf der einen Seite ist man natürlich von dem
Hauptverbündeten USA abhängig. Auf der anderen Seite sollte man eben China
auch nicht zu arg verärgern.

Wirtschaftlich gesehen ist China Israels Haupthandelspartner in Asien.


Die Hauptbereiche der israelischen Exporte sind neben der Waffenindustrie vor
allem die Wasserwirtschaft (also der Verkauf von Bewässerungssystemen und
Entsalzungsanlagen), Telekommunikationsausrüstung, die Landwirtschaft
(Urbarmachung von Wüstengelände) und die Nutzung der Sonnenenergie.

2006 betrug das Handelsvolumen zwischen beiden Staaten 3,8 Milliarden Dollar,
2009 sogar 4,5 Milliarden Dollar. 1991 waren es gerade einmal 30 Mio. US-Dollar
gewesen.
Also auch wirtschaftlich gewinnt China immer mehr an Bedeutung für Israel.