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polis aktuell Nr.

4 2012

Partizipation von Kindern und


Jugendlichen
oo Partizipationsbegriff, Stufen und Qualität von
Beteiligung
oo Partizipation von Kindern und Jugendlichen als
Balanceakt und Kinderrecht
oo Wo und wie können sich junge Menschen beteiligen?
oo Partizipationsfelder: Schule, Gemeinden und Schul-
Gemeinde-Kooperationen, e-Partizipation, europä-
ische Ebene, gemeinnützige Organisationen
p o l i s aktuell 2012

Liebe Leserin, lieber Leser!

Von Partizipation ist oft die Rede und vielfach wird recht Das Heft lotet verschiedene Facetten des Themas aus, u.a.
Unterschiedliches darunter verstanden. Zwischen „die eigene die Stufen der Beteiligung, Qualitätskriterien oder Partizipa-
Meinung sagen dürfen“ und „mitentscheiden“ mit entspre- tion als Kinderrecht. Darüber hinaus finden Sie einen Über-
chender Verantwortlichkeit liegt allerdings ein weiter Weg. blick zu politischen Gremien und Interessenvertretungen.
Kinder und Jugendliche werden von Erwachsenen meistens Über den Tellerrand der Schule hinaus folgt ein Streifzug
dazu eingeladen, Informationen zu erhalten oder etwas mit- durch verschiedene Bereiche von Beteiligung – etwa Schul-
zuteilen, in erster Linie im Rahmen eines Projektes. Wesent- Gemeinde-Kooperationen, e-Partizipation oder das Engage-
lich seltener ist die Mit-Entscheidung oder Mit-Beteiligung. ment in Non-Profit-Organisationen.

Einigkeit gibt es darüber, dass eine lebendige Demokratie Linktipps und Vorschläge für Aktivitäten im Unterricht run-
die soziale und politische Partizipation der Bevölkerung den wie immer das Thema ab.
braucht. Allerdings wird gerade jungen Menschen generell
Wir wünschen Ihnen viel Freude bei der Umsetzung des The-
wenig Beteiligungsfreudigkeit attestiert. Sind Initiativen,
mas und freuen uns über Feedback zum Heft.
die Kinder und Jugendliche darin bestärken, aktiv an der
Gesellschaft teilzunehmen und sie mitzugestalten somit
Elisabeth Turek
sowieso „verlorene Liebesmüh’“? Die Antwort ist klar: junge
für das Team von Zentrum polis
Menschen sind keine homogene Gruppe und zweitens ist Par-
elisabeth.turek@politik-lernen.at
tizipation kein punktuelles Ereignis, sondern ein Lernpro-
zess. Empirische Studien zeigen, dass erfolgreiche und viel-
fältige Erfahrungen in Sachen Beteiligung die Bereitschaft
stärken, sich erneut einzubringen. Ernst gemeinte Angebote
in Schule, Gemeinde und Freizeiteinrichtungen sind daher
umso maßgeblicher für die Entwicklung aktiver BürgerIn-
nenschaft und das vielzitierte „Einmischen in die eigenen
Angelegenheiten“.

1 PQartizipationsbegriff , S tufen und


ualität von B eteiligung
Der Verein beteiligung.st (Graz) wollte von jungen Menschen wissen, was sie unter Partizipation bzw. Beteiligung
verstehen.

Partizipation ist … ... andere zu ermuntern, aufzu-


… die Möglichkeit haben, mitbestim- stehen und sich für ihre Rechte
men zu dürfen, sich selbst einzubrin- und Wünsche einzusetzen.
... sich aktiv ins
gen und Dinge verändern zu können. politische und
... die eigenen Interessen zu vertre-
ten, sich mit anderen auszutauschen gesellschaftliche
und auch deren Meinung zu akzep- Leben einzubringen.
… nicht nur zu reden und sich zu
tieren sowie neue Sichtweisen und beschweren, dass sich etwas verän-
Blickwinkel kennen zu lernen und dern soll, sondern die Initiative zu
... offen sein für Neues und Ideen
gemeinsam an einer Lösung zu arbei- ergreifen und selbst etwas zu tun.
von anderen, aber trotzdem nicht
ten, mit der alle gut leben können.
zu faul sein, um nachzudenken und
auch eigene Ideen einzubringen.
... in Diskussionen Ideen und Vorschläge liefern
sowie mit Anderen konstruktiv an Lösungsvor-
schlägen zu bestimmten Themen arbeiten.

Und die Conclusio? Sie lautet: Beteiligung ist eine freiwillige Handlung, bei der durch unsere Mitbestimmung etwas verändert
wird (Ergebnis einer Fokusgruppe mit neun TeilnehmerInnen zwischen 16 und 20 Jahren, fünf Mädchen, vier Burschen,
2011 in Graz, organisiert vom Verein beteiligung.st).

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1.1 P artizipation : ein schillernder tion der BürgerInnen als unbedingte Voraussetzung dafür
B egriff mit F ragezeichen an, die Qualität der Repräsentation sicherzustellen und
zu kontrollieren, aber auch diese zu stimulieren.
Der Partizipationsbegriff ist in diesem Heft weit gefasst.
Partizipation braucht einerseits das Engagement von
Er bezieht sich sowohl auf die politische als auch auf die
Menschen, auf der anderen Seite das Teilen von Verant-
bürgerInnenschaftliche und soziale Beteiligungspraxis
wortung und das Abgeben von Macht. Genau in diesem
von Kindern und Jugendlichen in schulischen und außer-
Spannungsfeld findet Partizipation statt – egal ob es
schulischen Bereichen.
sich um Familie, Schule oder Betrieb handelt. Das Poten-
Partizipation klingt positiv. Es geht schließlich um mit- zial einer aktiven Praxis von Demokratie endet nicht bei
reden und mitentscheiden – im eigenen Lebensumfeld, Wahlen, Volksabstimmungen oder Volksbefragungen. Es
in der Gemeinde, im öffentlichen Raum, am Arbeitsplatz, betrifft alle Bereiche des gesellschaftlichen und poli-
in der Schule oder bei wichtigen gesellschaftspolitischen tischen Lebens. Im Kern geht es darum, was aktive Bür-
Angelegenheiten. Der Begriff Partizipation hat seine gerInnenschaft ausmacht: die Erfahrung und Einstellung
Wurzeln im lateinischen Wort particeps (= an etwas teil- des Individuums, dass es selbstwirksam ist und durch ver-
nehmend) und meint Beteiligung, Teilhabe, Mitwirkung, antwortliche Beteiligung Veränderungen erreichen kann,
Mitbestimmung und auch Mitentscheidung. Wie das dann die Auswirkungen auf Gegenwart und Zukunft haben.
in der Praxis umgesetzt wird, ist recht unterschiedlich. Oder einfacher gesagt: das Vertrauen auf das persönliche
Für die einen bedeutet Beteiligung, sich freiwillig für eine und gesellschaftspolitische Veränderungspotenzial.
Sache zu engagieren (im Gemeinwesen, in BürgerInnen-
Partizipation ist ein Erfahrungsprozess, in dem für alle
beteiligungsverfahren, bei Interessenvertretungen, Par-
Beteiligten viel zu lernen ist. Unter anderem auch des-
teien oder in Initiativen der Zivilgesellschaft), für andere,
wegen, weil man vielleicht etwas riskiert, indem man
alle paar Jahre zu wählen und in der Zwischenzeit der
die eigenen Ideen und Einstellungen zu erkennen gibt.
Demokratie „zuzuschauen“.
Und zweitens, weil es um das Aushandeln unterschied-
Dass funktionierende Demokratien von der Beteiligung licher Interessen, Sichtweisen und Bedürfnisse geht –
der Bevölkerung leben und auf ihre politische und sozi- was manchmal anstrengend ist. Hier gilt bekanntlich:
ale Partizipation angewiesen sind, ist nichts Neues und Partizipieren lernt man durch Partizipation. Die Kompe-
wird vielleicht mit einem Gähnen abgenickt. Ja, schon, tenzen, die sich dabei langfristig entwickeln (können) –
denken viele, aber davon ist immer weniger zu merken kommunizieren, Meinung vertreten und argumentieren,
und das politische Geschehen lässt sie daran zweifeln, Eigeninitiative und kreatives Potenzial entwickeln usw.
ob ihre Beteiligung auch wirklich etwas verändern kann. – spielen in der Politischen Bildung ebenso wie in der
Sie argumentieren, dass Demokratien durch den globa- Bildung für nachhaltige Entwicklung und im Rahmen der
len Finanzkapitalismus, die Wirtschaftskrise und den Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen (siehe
Vertrauensverlust in politische Institutionen (Stich- www.bmukk.gv.at/medienpool/17454/Schlüsselkompe
wort: Korruption) ausgehöhlt werden oder wurden (vgl. tenzen.pdf) eine zentrale Rolle.
Colin Crouch, Postdemokratie, siehe Literaturtipps). Wie
Das Verständnis von Partizipation hat sich im Lauf der
viel Spielraum gibt es für „Mitentscheidung“, wenn Ent-
Jahrzehnte gewandelt. War sie bis in die 1970er-Jahre
scheidungen in globalen Zusammenhängen zusehends
hinein in erster Linie auf formelle politische Instrumente
undurchschaubar werden und sich erfahrbaren Mitwir-
und Handlungen bezogen, durch die BürgerInnen Ein-
kungsmöglichkeiten entziehen?
fluss auf politische Entscheidungen und Macht nehmen
Es gibt zahlreiche Gründe für (berechtige) Skepsis ange- konnten (z.B. durch das Wahlrecht), weitete sich die
sichts der Krisen repräsentativer Demokratien. Die zen- Bedeutung allmählich auf ganz unterschiedliche Lebens-
tralen Fragen, die bleiben, sind: Was sind die Alterna- zusammenhänge aus. Es ging immer mehr um die Frage,
tiven, welche Modelle und Ideen eröffnen Perspektiven wie das Gestaltungsprinzip Demokratie auf allen gesell-
für eine „Demokratie von unten“, für eine partizipative, schaftlichen Ebenen verwirklicht werden konnte – als
inklusive Demokratie und eine starke Zivilgesellschaft? Weg zu mehr Gerechtigkeit in Institutionen, Arbeitswelt
und Verwaltung. Emanzipatorische Lernprozesse der
Eine wachsende Zahl von AutorInnen und Initiativen ver-
„Ermächtigung“ und „Selbstermächtigung“ („Empower-
sucht, darauf Antworten zu finden. Der Historiker Paul
ment“) jener sozialen Gruppen, die bislang von Mitbe-
Ginsborg sieht z.B. gerade die kontinuierliche Partizipa-

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stimmung und Teilhabe an Gesellschaft und Politik aus- Zielvorstellung, als eine Methode oder als eine Mode
geschlossen waren, sollten den Weg dorthin bereiten. verstanden?
In diesem Zusammenhang hinterließen vor allem die
Partizipation hat in den letzten Jahrzehnten eine starke
schwarze Bürgerrechtsbewegung in den USA, die Frau-
Aufwertung erfahren, gerade im Kinder- und Jugendbe-
enrechtsbewegung und die politische Bildungs- und
reich ist sie sehr sozial erwünscht. Mittlerweile kommt es
Gemeinwesenarbeit von Paolo Freire nachhaltige Spuren
nur selten vor, dass in einem Projektantrag oder Wettbe-
in der Geschichte.
werb nicht das Kriterium Partizipation nachgefragt wird.
Chancengleichheit und Inklusion sind nach wie vor die
Mehrere Studien (u.a. Shell-Studie 2010, Institut für
markantesten Ziel- und Wegmarkierungen für Partizipa-
Jugendkulturforschung, ePartizipation – „Jugend aktiv“)
tion. Die Herausforderung liegt für InitiatorInnen von Par-
belegen, dass sich die Begeisterung junger Menschen für
tizipationsprozessen daher vor allem darin, Menschen mit
soziale und politische Partizipation in Grenzen hält. Für
ganz verschiedenen gesellschaftlichen Orientierungen zu
die Mehrzahl ist Demokratie und Beteiligung zwar positiv
erreichen, vielfältige Bedürfnisse (z.B. von Mädchen und
besetzt und sie macht überwiegend vom Wahlrecht ab 16
Burschen, rhetorisch mehr oder weniger Begabten usw.)
Jahren Gebrauch – über das Wählen hinaus ist aber nur ein
zu berücksichtigen und sehr genau darauf zu achten, dass
relativ kleines Segment tatsächlich „mitwirkungsbezo-
sich auch wirklich ALLE beteiligen können.
gen“ (Stichwort „passive DemokratInnen“). Das Resümee
einer Studie über das aktive IKT-NutzerInnenverhalten
Tipp Literatur
von Salzburger Jugendlichen fällt in punkto Partizipation
Crouch, Colin: Postdemokratie. Frankfurt a. M.: Suhr- nüchtern aus: Das derzeitige Engagement zur Beteiligung
kamp, 2008 liegt – über die eigene Betroffenheit hinaus – bei maxi-
mal 14 bis 15% und bei den meisten Themen noch deut-
Ginsborg, Paul: Wie Demokratie leben. Berlin: Wagen-
lich darunter, etwa bei 5 bis 8% (Befragung von ca. 900
bach, 2008
Jugendlichen, 14 bis 24 Jahre).

1.2 I m F okus : K inder Zweifellos sind die Partizipationsformen vielfältiger


geworden und daher ist eine zielgruppenspezifische bzw.
und J ugendliche differenzierte Betrachtungsweise notwendig – schließ-
lich sind Kinder und Jugendliche keine homogene
Wenn es um junge Menschen im Zusammenhang mit Par-
Gruppe. Während traditionelle verbandliche Beteiligungs-
tizipation geht, fallen vor allem drei Dinge auf: Meistens
formen (Kirche, Vereine, Parteien) zurückgehen, bevor-
ist von einem (außerschulischen) Projekt die Rede – einer
zugen viele Jugendliche thematisch fokussierte (Non-
Sache, die „besonders“ ist und sich vom Alltag abhebt.
Profit-Organisationen genießen hohe Sympathiewerte)
Langfristige, in den Alltag integrierte Formen, ziehen
bzw. webbasierte, hierarchiearme Formen. Jugendliche
schulisch oder außerschulisch wesentlich seltener Auf-
tendieren dazu, sich da und dort kurzfristig und eher
merksamkeit auf sich.
kleinräumig zu engagieren (von duty-based citizenship zu
Zweitens: Jüngeren Generationen werden (über Pro- engaged citizenship), viele möchten sich nicht langfristig
jekte hinaus) nur wenige Möglichkeiten eingeräumt, binden, schon gar nicht an Politik und Verbände.
sich bemerkbar zu machen oder gar mitzuentscheiden –
Nicht nur die Beteiligungsformen selbst, auch Krite-
gerade dann nicht, wenn es um zukunftsweisende Ange-
rien wie ländlich/urban, der Bildungshintergrund (d.h.
legenheiten für die nächsten Generationen geht.
mehr Engagement bei höherer Bildung) oder das Alter
Eine dritte Erkenntnis: Es ist wichtig, genauer hinzu- (je älter, desto stärkeres politisches Interesse) spielen
schauen, was „Partizipation“ jeweils bedeutet. Was steckt eine ausschlaggebende Rolle. So engagieren sich etwa
hinter einem Projektnamen und stimmt die Ankündigung in ländlichen Zonen Österreichs Jugendliche etwa gleich
mit dem Inhalt überein? Sind Kinder und Jugendliche häufig wie Erwachsene im sozialen, kulturellen, religi-
Objekte oder werden sie als Subjekte ernst genommen? ösen, sportlichen Bereich oder in der Katastrophenhilfe
Geht es um Mitsprache, um Mitwirkungsrechte oder um (siehe polis aktuell 9/2010: Freiwilliges politisches Enga-
das Recht, mitzuentscheiden? Wird Partizipation als eine gement). Jugendliche mit niedrigem Bildungsniveau, die
nicht in Verbänden oder Institutionen organisiert sind

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und z.T. jene mit Migrationshintergrund, können hinge- … schon einmal an einer Demonstration teilgenommen
gen nur schwer erreicht und motiviert werden. hat.
… schon einmal einen LeserInnenbrief zu einem poli-
Über die Jahre hinweg zeige sich sogar ein relativ sta-
tischen Thema geschrieben hat.
biles Beteiligungsniveau von Jugendlichen und jungen
… schon einmal bei einer Wahl (in und außerhalb der
Erwachsenen, meinen einige AutorInnen. Es sind in erster
Schule) beteiligt war.
Linie die Ausdrucksformen und zweitens die Motive für
… schon einmal auf Bezirks- oder Gemeindeebene bei
Engagement, die sich verändert haben. Nutzenerwä-
einem partizipativen Projekt (= Beteiligungsprojekt) mit-
gungen treten immer stärker in den Vordergrund oder
gemacht hat.
anders gesagt: Der Output soll spürbar sein, damit eigenes
… sich irgendwo nicht beteiligen konnte, weil nur Mäd-
Engagement als sinnvoll erkannt werden kann.
chen/Burschen zugelassen waren.
… sich an einer Abstimmung im Internet beteiligt hat.
Tipp Literatur
… sich im Internet an politischen Diskussionen (Foren,
Betz, Tanja; Gaiser, Wolfgang; Pluto, Liane (Hrsg.): Par- Blogs etc.) beteiligt hat.
tizipation von Kindern und Jugendlichen. Forschungs- … überlegt, sich für eine politische Partei zu engagieren
ergebnisse, Bewertungen, Handlungsmöglichkeiten. oder dies bereits tut.
Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag, 2010 ... überlegt, sich freiwillig in einer gemeinnützigen (Non-
Profit) Organisation zu engagieren.
Maier-Rabler, Ursula; Hartwig, Christiana: ePartizipation
… als InteressenvertreterIn für andere tätig ist oder war
– „Jugend aktiv“. Das aktive IKT-Nutzerverhalten von
(z.B. als KlassensprecherIn, SchülervertreterIn etc.) oder
Salzburger Jugendlichen mit besonderer Berücksichti-
gerne wäre.
gung von (politisch) partizipativen Formen von Internet
… unbezahlte Freiwilligenarbeit geleistet hat (außerhalb
und mobiler technischer Kommunikation. Salzburg:
der Familie).
ICT&S Center, 2007. Download der Zusammenfassung:
… in einer Jugendorganisation tätig ist/war.
www.icts.sbg.ac.at/media/pdf/pdf1318.pdf
… sich für eine religiöse Einrichtung engagiert (hat).
Stange, Waldemar; Meinhold-Henschel, Sigrid; Schack,
Durchführung (ca. 20 Minuten): Die SchülerInnen zie-
Stephan: Mitwirkung (er)leben. Handbuch zur Durchfüh-
hen eine Karte und suchen jemanden, der die beschrie-
rung von Beteiligungsprojekten mit Kindern und Jugend-
bene Erfahrung entweder selbst gemacht hat oder
lichen. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, 2009
jemanden kennt, auf die oder den das zutrifft.
Anschließend Austausch im Klassenplenum. Dabei
Methodentipp (ab der 7. Schulstufe) steht nicht so sehr im Vordergrund, wer welche Erfah-
rung gemacht hat, sondern z.B. Fragen wie: Was habt
Beteiligungserfahrungen von SchülerInnen: Die Schü-
ihr Neues erfahren (über eure KlassenkollegInnen,
lerInnen führen zu Themenbereichen rund um Beteili-
über Beteiligung)? War es leicht/schwer, jemanden mit
gung ein Kurzinterview mit einem/einer Klassenkolle-
der entsprechenden Erfahrung zu finden?
gen/in durch und machen Notizen (Was war der genaue
Diskussionspunkte und Klassenbild:
Hintergrund? Aus welchen Gründen hat sich jemand
•• Was sind die Gründe für Beteiligung? In welchen
beteiligt oder nicht beteiligt?). Danach Diskussion.
Bereichen gibt es die stärkste Beteiligung, in wel-
Ziele: Erfahrungen der KlassenkollegInnen zum Thema chen die geringste? Welche Gründe gibt es, sich nicht
Partizipation/Beteiligung kennen lernen und mitei- zu beteiligen?
nander ins Gespräch kommen. Reflexion zur Frage der •• Was bringt Partizipation für Kinder/Jugendliche?
Motivation für Beteiligung. •• Wo sollten Kinder und Jugendliche mehr mitreden
und mitentscheiden dürfen?
Vorbereitung: Die Lehrkraft notiert die Fragekarten auf
•• Was wäre für euch besonders wichtig, wofür würdet
festeres A4-Papier (jeweils drei oder vier kommen auf
ihr euch gern engagieren (Thema, Bereich, Organisa-
eine Seite), diese werden dann als Papierstreifen aus-
tion usw.)?
geschnitten. Abhängig von der Gruppengröße können
Quelle (adaptiert): Impuls 1 (Erfahrungsaustausch),
die Inhalte mehrfach verwendet werden.
aus: www.reininsparlament.at > Unterrichtsmateri-
Fragekarten: Suche jemanden in deiner Klasse, die/der … alien zur Vorbereitung auf das Jugendparlament

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1.3 I ntensität , S tufen und nungen und Bedürfnisse zum Jugendzentrum vor den
Q ualität von B eteiligung : W ie EntscheidungsträgerInnen auszusprechen. Eventuell
beeinflusst dieser Schritt das Vorhaben, jedoch bleibt
weit geht P artizipation ? die Letztentscheidung bei den politischen und/oder
finanziell Verantwortlichen. Die Mehrzahl von Parti-
1.3.1 Intensität und Stufen zipationsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche
der Beteiligung gehört dieser Stufe an.

•• Mit-Entscheidung: Nein, so
Das Spektrum der Intensität von Partizipation reicht von Unter folgenden nicht!
Die Beteiligten können Bedingungen ….

Mitsprache über Mitwirkung und Mitbestimmung bis


mitentscheiden, ob Nein, so
hin zu mitverantwortlicher Selbstbestimmung. Andere Unter folgenden nicht!
etwas zustande kommt Bedingungen ….
Gradmesser, die für Beteiligung herangezogen werden, Wir wollen
oder nicht. Im Fall des ….

sind etwa „Information“, „Konsultation“ und „Koopera-


Jugendzentrums haben sie bei der Planung ein Stimm-
tion“. Jugendliche sehen „informiert sein“ und „Wissen“ Wir wollen
recht und sind auch in das Konzept und die Realisie-
….
als wesentlich für spätere Beteiligung an (O-Ton aus der In diesem Bereich
rung des Jugendzentrums eingebunden. braucht es noch …
Fokusgruppe, siehe Seite 2 dieses Hefts: „Wir brauchen
Grundinformationen zu Wegen, wie wir etwas tun, uns •• Mit-Beteiligung: Die In diesem Bereich
Wer
braucht es macht
noch …
beteiligen, den ersten Schritt machen können sowie Infor- Beteiligten sind sowohl was?

mationen zu unseren Rechten.“). Informiert sein oder wer- an den Entscheidungen


den, ist zwar eine Voraussetzung, zählt aber noch nicht zur Planung als auch Wie können wir
Wer macht
was?
das organisieren?
zur eigentlichen Partizipation. Im Folgenden das Modell an der Gestaltung und
der Partizipationspyramide. Sie eignet sich, um den Umsetzung des Projekts Wie können wir
das organisieren?
Grad der Mitentscheidung der Beteiligten einzuschätzen eingebunden – selbst
(im außerschulischen und schulischen Bereich) und zu wenn die finanziellen Mittel von den Entscheidungs-
bestimmen, was mit Partizipation jeweils gemeint ist. trägerInnen kommen. Im Fall des Jugendzentrums
übernehmen sie langfristig im laufenden Betrieb
Die fünf Stufen der Partizipationspyramide
Verantwortung.

5
•• Selbstverwaltung: Die Wir haben hier alleine das
Sagen und die Verantwortung
Selbst- echte Jugendlichen initiieren
verwaltung Formen/Stufen
der Partizipation entweder in Eigenregie
Mit-Beteiligung 4

Mit-Entscheidung
das Jugendzentrum
3
Voraussetzungen für oder es werden Res-
Mit-Sprache 2
Partizipation; unechte
Formen/Stufen
sourcen von Erwachsenen zur Verfügung gestellt,
Information 1
der Partizipation
über welche die Jugendlichen entscheiden und die sie
Partizipationspyramide. Quelle: funtasy projects, www.funtasy-projects.ch verwalten.

Die Pyramide wird anhand des Beispiels eines fiktiven


1.3.2 Qualitätskriterien für
Jugendzentrums, das in einer Gemeinde gebaut werden
soll, verständlich. Kinder- und Jugendbeteiligung
•• Information: Die Was macht die Qualität von gelungener Partizipation von
Jugendlichen werden Information
Information Kindern und Jugendlichen aus? Zugespitzt könnte man
vom Vorhaben in sagen, die Qualität ergibt sich aus den Aspekten: „gut zu
Kenntnis gesetzt bzw. EntscheidungsträgerInnen
EntscheidungsträgerInnen Jugendliche/Beteiligte
Jugendliche/Beteiligte Entscheidungen kommen“ (Prozess) und „gute Entschei-
informieren sich selbst. dungen zu treffen“ (Ergebnis).

•• Mit-Sprache: Die Arbeitsgemeinschaft Partizipation (ARGE Partizipa-


Jugendliche werden Information
Information tion, www.jugendbeteiligung.cc), in der alle österrei-
befragt und ein- chischen Landesjugendreferate, das Amt für Jugendar-
EntscheidungsträgerInnen Jugendliche/Beteiligte
geladen, ihre Mei- EntscheidungsträgerInnen Jugendliche/Beteiligte
beit Bozen und das bm:wfj vertreten sind, hat folgende

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Qualitätskriterien erarbeitet (gekürzt, aus: www.jugend •• Generationenübergreifender Dialog


beteiligung.cc > Grundsätzliches > Qualitätskriterien):
•• Öffentlichkeitsarbeit: Informationen sicherstellen,
•• Freiwilligkeit und Wertschätzung von Kindern und Resonanz für die Anliegen von Kindern und Jugend-
Jugendlichen (als gleichwertige PartnerInnen und lichen stärken.
ExpertInnen ihrer Lebenswelten)
•• Laufende Dokumentation und Reflexion: Der Pro-
•• Kompetente Begleitpersonen/ModeratorInnen (oder jektverlauf wird gemeinsam von allen Beteiligten
gegebenenfalls auch ExpertInnen) stehen beratend nachbesprochen.
und unterstützend mit kinder- und jugendgerechtem
•• Geschlechtssensibilität: Gleichberechtigte Mitarbeit
methodischem, sozialem und pädagogischem Reper-
von Mädchen und Burschen, die gleichermaßen davon
toire zur Seite.
profitieren können. Arbeitsformen, die auf die jewei-
•• Eigenaktivität: Kinder und Jugendliche überlegen ligen Bedürfnisse abgestimmt sind.
selbst, welchen Themen sie sich widmen wollen und
Inhalte der Qualitätskriterien für Kinder- und Jugend-
welche Schwerpunkte sie sich setzen. Sie sind in mög-
beteiligung finden sich auch in internationalen Doku-
lichst allen Phasen der Projekte aktiv beteiligt.
menten wie der Agenda 21 (www.nachhaltigkeit.at >
•• Gemeinsame Zielformulierung: Alle am Vorhaben Lokale Agenda 21), in der Kinderrechtskonvention der
Beteiligten definieren gemeinsam die Ziele und stecken Vereinten Nationen, dem Weißbuch Jugend der Euro-
den Rahmen ab (Zeit, Ressourcen, Verbindlichkeiten). päischen Union (2001) und der (revidierten) Europä-
ischen Charta der Beteiligung der Jugend am Leben der
•• Verbindlichkeit: Gemeinsame Vereinbarungen werden
Gemeinde und der Region (Europarat, 2003).
verbindlich umgesetzt. Die dafür notwendigen Ressour-
cen (finanziell, zeitlich, personell, räumlich etc.) sind
Anleitung zum Misslingen partizipativer Vorhaben:
vor der Miteinbeziehung von Kindern und Jugendlichen
 Erwachsene machen Dinge zum Thema, die für Kinder
vorzusehen.
und Jugendliche belanglos sind.  Kinder- und Jugend-
•• Überparteilichkeit liche werden nicht ernst genommen.  Alibihandlungen
für die Bedürfnisse der Erwachsenen.  Instrumentali-
•• Transparenz und Überschaubarkeit: Die Projekt-
sierung von Kindern/Jugendlichen in Vorzeigeprojekten.
schritte und Prozesse werden in verständlicher Form
allen Beteiligten zugänglich gemacht.

2 Partizipation von Kindern und Jugendlichen


Die Jugend von heute liebt den Luxus und vorwegzunehmen, was herauskommen soll, die Sicht der
verachtet die Autorität. Sie widerspre- Kinder wahrnehmen und sie in Planungen einbeziehen
chen ihren Eltern, legen die Beine über- oder altersadäquate Beteiligungsangebote entwickeln
einander und tyrannisieren ihre Lehrer. und Grenzen transparent halten. Es geht darum, zwischen
Sokrates 469 bis 399 v. Chr. Autonomie und Abhängigkeit Räume für Beteiligung zu
schaffen oder zu erweitern. Räume, in denen Kinder und

2.1 B alanceak t Jugendliche auch andere Rollen als jene einer vorwiegend
aufnehmenden und geführten ausprobieren können.

Beteiligung ist im Zusammenhang mit Kindern und Darüber hinaus gibt es noch einen zweiten Balanceakt:
Jugendlichen ein Balanceakt. Die Sozialpädagogin Rain- Gemeinsames Handeln, Planen und Mitentscheiden bei
gard Knauer meint damit eine Haltung von Erwachse- Themen, die den Beteiligten am Herzen liegen, ist etwas
nen gegenüber jungen Menschen: Unterstützung ohne anderes als das Übertragen von „Erwachsenenpolitik“ auf
Bevormundung, Begleiten und Ermöglichen, ohne schon Kinder. Dennoch braucht es auch wirksame Kinder- und

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Jugendpolitik als Querschnittsmaterie – politische Struk- Zwei Artikel sind in diesem Zusammenhang maßgeblich:
turen für und mit jungen Menschen. Schließlich geht es Artikel 12 bezieht sich auf die Achtung vor der Meinung
um mitreden und mitentscheiden in ALLEN Lebensbe- des Kindes und das Recht auf Partizipation, auch Artikel
reichen und bei ALLEN Entscheidungen, die junge Men- 3 spielt eine herausragende Rolle (bei politischen, recht-
schen betreffen (nicht nur den Skaterpark!). lichen und gesellschaftlichen Entscheidungen sollen die
Interessen und Belange der Kinder vorrangig berücksich-

2.2 E nt wicklung von F ähigkeiten tigt werden).

Der Kinderrechtsansatz versteht Kinder (definiert als alle


Der Rahmen von Partizipation ändert sich klarerweise jungen Menschen unter 18 Jahren) als eigenständige und
mit dem Alter und der Entwicklung kognitiver und sozi- selbstberechtigte Persönlichkeiten und stärkt sie darin,
aler Fähigkeiten junger Menschen. Kinder zwischen vier sich für ihre Rechte einzusetzen und sie auch einzufor-
und sechs Jahren können laut Entwicklungspsychologie dern. Im Schulkontext zählen zu den Kinderrechten etwa
ihre Meinung vertreten, wenn es um die eigene Wohn- Schutz vor Gewalt/Bullying, Recht auf Freizeit/Sport
umgebung oder um Spiel- und Aufenthaltsorte geht. (z.B. Einhaltung von Pausen, Ausmaß von Turnstun-
Zwischen sechs und zehn Jahren überblicken Kinder den den), adäquates Nahrungsangebot, adäquate Lernumge-
unmittelbaren Lebensbereich (Wohnumfeld, Schule). Die bungen (z.B. Klassengestaltung) bis hin zum Verbot der
Zahl der Klassenräte und Schulparlamente – auch in der Diskriminierung z.B. nach Herkunft, Geschlecht oder
Volksschule – ist im Ansteigen begriffen und es ist klar: Behinderung.
Kinder können mit entsprechender kompetenter Beglei-
Mit dem Grundprinzip, Kinder in allen sie betreffenden
tung bereits in jungen Jahren soziale Verantwortung
Angelegenheiten zu beteiligen, werden sie als Akteu-
übernehmen und sind sowohl zu Mitgestaltung als auch
rInnen bestärkt, aktiv ihr Umfeld einzuschätzen, Dinge
zur Mitentscheidung fähig.
nicht kritiklos hinzunehmen und Verantwortung zu
In der Sekundarstufe I erweitert sich das Potenzial für übernehmen.
Abstraktionsvermögen und für das Erkennen von gesell-
Österreich hat im Jänner 2011 das „Bundesverfassungs-
schaftlichen und politischen Strukturen.
gesetz über die Rechte der Kinder“ beschlossen. Artikel
4 legt dabei folgendes fest: „Jedes Kind hat das Recht auf
Tipp Literatur
angemessene Beteiligung und Berücksichtigung seiner
polis aktuell 8/2008: Politische Bildung von Anfang an Meinung in allen das Kind betreffenden Angelegenheiten,
www.politik-lernen.at/site/gratisshop/shop.item/ in einer seinem Alter und seiner Entwicklung entspre-
105458.html chenden Weise“.

2.3 P artizipation als K inderrecht "Die Vertragsstaaten sichern dem Kind, das
fähig ist, sich eine eigene Meinung zu bilden,
Während soziale und politische Partizipation von Kindern
das Recht zu, diese Meinung in allen das Kind
und Jugendlichen sozusagen in aller Munde ist, bleibt
berührenden Angelegenheiten frei zu äußern,
oft ein Aspekt unterbelichtet: Partizipation ist keine
und berücksichtigen die Meinung des Kindes
Gnade, die von Erwachsenen gewährt wird, sondern ein
angemessen und entsprechend seinem Alter
Kinderrecht. Eines der vier zentralen Grundprinzipien,
und seiner Reife.
von denen die Kinderrechtskonvention (KRK) getragen
wird, ist das Kinderrecht auf Partizipation. Die 1989 ver- Zu diesem Zweck wird dem Kind insbesondere
abschiedete UN-Kinderrechtskonvention setzt neben der Gelegenheit gegeben, in allen das Kind berüh-
Schaffung gesicherter Lebensgrundlagen für die persön- renden Gerichts- oder Verwaltungsverfahren
liche Entwicklung (provision) und dem Schutz vor Gewalt entweder unmittelbar oder durch einen Vertre-
(protection) Beteiligungsrechte als dritten Schwerpunkt ter oder eine geeignete Stelle im Einklang mit
(participation). Er ist der jüngste Themenkomplex in der den innerstaatlichen Verfahrensvorschriften
Kinderrechtsdebatte. gehört zu werden." (KRK, Art. 12)

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Methodentipp (Volksschule, auch für Sekundarstufe I Impuls (ab der 7. Schulstufe): Alltag, Schule, Freizeit:
adaptierbar): Wer bestimmt? Wo sollten Kinder/Jugendliche eurer Meinung nach
mehr zu sagen haben? Und was sagt ihr dazu?
In der Übung geht es um Fragen, die sich darum drehen,
wer in der Familie in welcher Situation entscheiden soll Schritt 1: Die SchülerInnen überlegen in Kleingruppen
(Kinder, Eltern, beide gemeinsam). Wie im Ampelspiel eine kurze Geschichte (Szene) zum Thema Mitreden/
halten die Kinder nach jeder Frage dafür eine Farbkarte Beteiligung oder Nicht-Beteiligung von Kindern und
hoch und signalisieren ihre Antwort. Ältere Kinder kön- Jugendlichen. Dafür bietet sich die Schule an, aber
nen in der Kinderrechtskonvention nachschauen, auf auch die Plätze, wo sich Jugendliche gerne aufhalten
welche Rechte der KRK sich die Fragen beziehen. (z.B. Parks, Jugendzentrum etc.).
Schritt 2: Zur Idee der Geschichte passend, machen
Download der kompletten Übung aus dem COMPA-
sie mit einer Digitalkamera (alternativ: Handykamera
SITO – Handbuch zur Menschenrechtsbildung mit
oder Smartphone) fünf bis zehn Fotos, die als Bildge-
Kindern (Hrsg.: Bundeszentrale für politische Bildung/
schichte zusammen einen Sinn ergeben. Anschließend
Deutsches Institut für Menschenrechte/Europarat,
werden die Fotos entweder im normalen Fotoformat
2009) unter
oder in größeren Formaten auf dem PC ausgedruckt.
www.compasito-zmrb.ch/uebungen/eintrag/36/
Schritt 3: Die SchülerInnen gestalten eine Collage mit
Download der vereinfachten Fassung der Kinderrechts-
zu den Bildern passenden Sprech- bzw. Gedankenbla-
konvention: polis aktuell 7/2009: Kinderrechte sind
sen, Erzähltexten, Kreativelementen usw.
Menschenrechte.
Schritt 4: Präsentation in der Klasse
www.politik-lernen.at/site/gratisshop/shop.item/
Schritt 5: Nachbesprechung. Themensammlung clu-
105681.html
stern und gemeinsam besprechen, was mit den Ergeb-
nissen passieren soll (z.B. Ausstellung in der Schule?).

2.4 W o und wie können sich Idee: Elisabeth Turek

K inder und J ugendliche beteiligen ? Tipp Link


Medienwerkstatt „Reflect and Act!“, www.reflect.at

Erfahrungen von partizipativen Prozessen in der Schule


haben günstige Auswirkungen auf die Beteiligung in der
Freizeit und in der Gemeinde, letztlich auch auf politische
Beteiligung im weiteren Sinn. Je vielfältiger und posi-
tiver die Möglichkeiten und Erfahrungen, desto stärker
die Bereitschaft, sich erneut einzubringen. Jugendliche
beteiligen sich dann besonders stark an Beteiligungsan-
geboten und -projekten am Wohnort, wenn sie

1. besonders gut informiert sind über diese

Die oben dargestellte Grafik zeigt: Kinder und Jugend- 2. einen großen Erfahrungsschatz verbunden mit einem
liche sind in vielfältige Lebens- und Alltagswelten und hohen Qualifikationsempfinden in punkto Partizipa-
somit potenziell in zahlreiche Beteiligungssphären einge- tion haben
bunden – von Schule bis zu Freizeitbereichen und virtu-
3. viele Mitwirkungsmöglichkeiten in der Schule haben.
ellen Communities. Ab 16 Jahren ist durch das Wahlrecht
auch die Möglichkeit der formellen politischen Partizipa- Erleben Kinder und Jugendliche Beteiligung in einem
tion gegeben. Bereich erfolgreich, hat das auch günstige Auswirkungen
auf andere Bereiche. Besonders unter diesem Blickwinkel
sind erfolgreiche Kooperationen zwischen Schulen und
2.4.1 Partizipationsspirale
Gemeinden bzw. Schulen und außerschulischen Einrich-
Die groß angelegte empirische Studie mitWirkung! der tungen zukunftsweisend für alle Beteiligten.
Bertelsmann Stiftung (Deutschland) belegt: positive

w w w. p o l i t i k- ler nen.at 9
p o l i s aktuell 2012

Knauer, Raingard: Alltagsbeteiligung von Kindern und


Jugendlichen. Baustein B 4.2. Veröffentlichung im Rah-
men der Beteiligungsbausteine des deutschen Kinder-
hilfswerks (2009). Download unter
www.kinderpolitik.de/beteiligungsbausteine/pdf/b/
Baustein_B_4_2.pdf

Möglichkeiten für Feedback und Alltags- polis aktuell Nr. 7 2011

partizipation im Schulbereich sind in Klassengemeinscha


ft

der Ausgabe von polis aktuell zum Thema


Klassengemeinschaft zu finden.
polis aktuell 7/2011: Klassengemeinschaft o Klassenklima: Blitzlichter zur Bestandsaufnahme
o Von der Gruppe zum Team: Themen und Übungen
o Klassengemeinschaft und Politische Bildung
o Soziales Lernen
o Links und Materialien

2.4.3 Formen der Beteiligung


von Kindern und Jugendlichen
Projektbezogene Formen
Quelle: Olk, Thomas; Roth, Roland: Mehr Partizipation wagen.
Argumente für eine verstärkte Beteiligung von Kindern und Sie haben einen zeitlich begrenzten Planungs- und Durch-
Jugendlichen. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung (Hrsg.), 2007 führungshorizont, sind von den Aufgaben her überschau-
bar und zeigen sichtbare Ergebnisse. Ihre Integration in
2.4.2 Alltagspartizipation den Alltag ist allerdings nicht in allen Fällen möglich.

Der Stellenwert jener Beteiligung, die dort passiert, wo Beispiele:


der Alltag gelebt wird, sollte nicht unterschätzt werden.
•• Schule: Projektunterricht, Schulprojekte, Schulräume
Denn Alltag ist das, was nicht auffällt und Alltag gibt
oder Schulfreiräume
Sicherheit. Alltagspartizipation bedeutet, dass Beteili-
gung selbst zum Alltag wird – etwa durch Beteiligungs- •• Kommunalpolitische Projekte zu Spielplatz-, Sport–
rituale (z.B. Klassenrat) und Feedback oder generell und Freizeitanlagengestaltung, Verkehrsplanungen,
durch Mitsprache als Teil des Alltags. Die selbstverständ- Kulturveranstaltungen usw.
liche, in den Alltag integrierte Beteiligung, ist meistens
unspektakulär, aber wirksamer als so manches Vorzeige- Tipp Links zu Par t izipat ionsprojekten
projekt. Ihre wichtigsten Ressourcen sind der Dialog und
Jugendhomepage des Vereins beteiligung.st (Steier-
die Zeit. Zeit, um zuzuhören, zu beobachten, Ideen zu
mark): www.beteiligung.st/jugend
besprechen, Vereinbarungen auszuhandeln, Informati-
Spannende Impulse sind auf www.beteiligung.st/jugend/
onen weiterzugeben und zu planen.
Projekte zu finden!
Besonders diese Art der Beteiligung will gelernt sein –
Arge Partizipation: www.jugendbeteiligung.cc > Formen
nicht nur von Kindern und Jugendlichen. Für die Schule
und Beispiele > projektbezogen
heißt das: Partizipation bleibt nicht alleine auf die Arbeit
mit SchülerInnen eingegrenzt, sondern sie wird von Lehr- Demokratiezentrum Wien: Auf der Webseite ist eine
kräften selbst gelebt und von der Schulleitung ermöglicht Beschreibung von insgesamt 37 Partizipationspro-
bzw. gefördert. jekten in Wien zu finden, unterteilt nach Bezirken und
Altersgruppen:
Tipp Literatur www.demokratiezentrum.org/themen/wien/
partizipation/partizipationsmoeglichkeiten.html
Zeitschrift ULTIMO Spezial. Jugendbeteiligung in
Theorie & Praxis (2011). Nähere Informationen
Offene Formen
und kostenlose Bestellung: www.akzente.net/
ULTIMO-Spezial-Jugendbeteiligung.2626.0.html In unregelmäßigen Abständen artikulieren Kinder und
Jugendliche ihre Meinung und Bedürfnisse (im Gespräch,

10 www.politik-ler ne n . a t
Nr. 4 P ar tizipation v o n K i n d e r n u n d J u ge n d l i c h e n

in Diskussionsrunden, in Umfragen) oder sie bringen sich


Methodentipp
in Organisationen ein.
Unterrichtssequenz zu zentralen politischen Partizi-
Beispiele: Kinder- und Jugendforen in der Gemeinde,
pationsmöglichkeiten auf der Webseite des Demokra-
Schul- und Klassenforum (z.B. zu Hausordnung, Lehr-
tiezentrums Wien (Volksabstimmung, Volksbegehren,
plan, Leitbild etc.), Kinder- und Jugendbefragungen,
Volksbefragung, BürgerInneninitiative usw.):
Internetabstimmungen (E-Partizipation), Open-Space-
www.demokratiezentrum.org/bildung/lernmodule/
Konferenzen, Sprechstunden von BürgermeisterInnen für
partizipation/unterrichtssequenz-3.html
Jugendliche, Freiwilligenarbeit in NPOs
Arbeitsblatt: www.demokratiezentrum.org/fileadmin/
Parlamentarische Formen, verfasste Formen, media/pdf/ab_partizipation_zit.pdf
repräsentative Formen

Modelle direkter Beteiligung, die durch Kontinuität und


formale Strukturen gekennzeichnet sind, z.B. Kinder-
und Jugendgemeinderäte bzw. Jugendlandtag oder Mög-
Impuls (ab der 4. Schulstufe)
lichkeiten politischer Partizipation (Wahlen, europäische
BürgerInnenintiative), Wahl der Klassen- und Schulspre- Die SchülerInnen recherchieren gemeinsam mit den
cherInnen, SchülerInnenparlamente. Eltern und/oder Lehrkräften: Welche speziellen
Einrichtungen für Kinder und Jugendliche gibt es in
Jugendliche nehmen formal durch gesetzliche Maßnah-
meiner Gemeinde? Wer ist dort Ansprechperson für kin-
men an Entscheidungsprozessen teil, etwa im Rahmen der
der- und jugendspezifische Anliegen? Gibt es Jugend-
Wahlaltersenkung oder der Bestellung eines Kinder- und
beauftragte oder Sprechstunden des Bürgermeisters/
Jugendbeauftragten. Die Instrumente/Elemente direkter
der Bürgermeisterin für Kinder- und Jugendliche?
Demokratie und politischer Partizipation, an denen sich
Jugendliche ab 16 Jahren in Österreich beteiligen kön-
nen: Volksabstimmung, Volksbegehren, Volksbefragung,
BürgerInneninitiative, Petitionen und Wahlen ( EU-
Ebene siehe Seite 18).

Who is who? Politische Institutionen und Modelle für Kinder- und Jugendgemeinderäte
Kinder- und Jugendpartizipation Beraten EntscheidungsträgerInnen in Kinder- und
Jugendfragen. Die Kinder/Jugendlichen können entwe-
BUND
der gewählt und von den anderen Jugendlichen entsandt
Bundesjugendvertretung (BJV)
werden oder der Zugang zum Kinder- und Jugendgemein-
Gesetzlich verankerte Vertretung von 51 Kinder- und
derat ist generell offen für alle Interessierten.
Jugendorganisationen für Anliegen junger Menschen.
www.jugendvertretung.at Jugendforum
Jugendforen als niederschwellige partizipatorische Form
GEMEINDEN
können auf verschiedene Arten gebildet werden – als
Kinder- und JugendbeauftragteR
lose Zusammenkunft von Jugendlichen und Erwachsenen,
Jugendbeauftragte sind Sprachrohre der Kinder und
über eine Wahl von VertreterInnen des Jugendforums
Jugendlichen in einer Gemeinde. Sie beraten die
oder nach dem Delegationsprinzip (Jugendorganisa-
Gemeinde in Jugendfragen und kümmern sich darum,
tionen, -vereine und freie Jugendinitiativen entsen-
dass diese Zielgruppe bei jugendrelevanten Projekten
den VertreterInnen zu regelmäßigen Treffen). Einem
eingebunden werden (z.B. durch Abhaltung von Jugend-
Jugendforum kann die Aufgabe übertragen werden, Mit-
gemeinderäten, Jugendsprechtage etc.)
gestaltungsmodelle und -projekte zu initiieren und zu
Kinder- und Jugendgremien betreiben.
Überblick zu Modellen der Jugendbeteiligung:
Jugendrat
www.invo.at/downloads/wissen-beteiligungsformen/
Ein einfaches Modell der Jugendbeteiligung für Gemein-
modelle-jugendbeteiligung

w w w. p o l i t i k- ler nen.at 11
p o l i s aktuell 2012

den. In Vorarlberg werden z.B. 12 bis 18 Jugendliche per Beispiel: Jugendlandtag in der Steiermark
Zufall ausgewählt. Sie entwickeln Lösungs- und Verbes- www.kinderrechte.gv.at/home/im-fokus/kr-politik/
serungsvorschläge zu Themen, die sie interessieren und partizipation/mehr-dazu/content.html
fassen die Ergebnisse in einem gemeinsamen Statement
ARBEITSBEREICH
zusammen.
Jugendvertrauensräte
www.invo.at/foerderung/generationenuebergreifende-
Ab fünf Arbeitskräften unter 18 Jahren in einem Betrieb
beteiligung/generationenuebergreifende-beteiligung/
kann einE Jugendvertrauensrat/-rätin als Anlaufstelle
foerderung/jugendrat
für Lehrlinge und jugendliche ArbeitnehmerInen und als
Jugendparlament VermittlerIn zwischen den Anliegen der jungen Beleg-
Unter dem Begriff Jugendparlament werden sehr unter- schaft und der Betriebsleitung gewählt werden (für zwei
schiedliche Strukturen verstanden – von außerschu- Jahre).
lischen Beteiligungsinitiativen (z.B. im Jugendzentrum) www.jugendvertrauensrat.at
bis zu Interessensvertretungen für Kinder und Jugend-
EUROPA
liche in Gemeinden, wo Jugendparlamente Anträge
European Youth Parliament (EYP)
ausarbeiten, die den PolitikerInnen vorgelegt werden.
Das Europäische Jugendparlament bietet dreimal jährlich
Im österreichischen Parlament findet halbjährlich ein
250 SchülerInnen zwischen 16 und 19 Jahren aus ganz
Jugendparlament, mit Jugendlichen der 9. Schulstufe
Europa die Möglichkeit, die Arbeit des Europäischen Par-
statt (aus dem Bundesland, das gerade dem Bundesrat
laments kennenzulernen. Jeweils zehn österreichische
vorsitzt). Einen Tag lang übernehmen die SchülerInnen
TeilnehmerInnen können dabei in der Diskussion mit
die Aufgaben von PolitikerInnen.
Gleichaltrigen aus verschiedenen Staaten ihre eigene
www.reininsparlament.at
Meinung zu aktuellen europäischen Themen vertreten.
LÄNDER Sie erstellen eine Resolution, die dem Europäischen Par-
Jugendlandtag lament, der Europäischen Kommission und dem Europä-
Jugendliche Abgeordnete aus verschiedenen Regionen ischen Rat übergeben wird.
eines Bundeslandes nehmen selbst den Platz auf der www.europarl.at/view/de/JUGEND/school/europan_
Regierungsbank ein und übermitteln in Form von Anträ- youth.html
gen ihre Wünsche und Forderungen an die zuständigen www.eypaustria.org
Mitglieder der Landesregierung. Die Zahl der Abgeordne-
ten-Plätze ist klar geregelt .

3 Qverschiedenen
uerfeldein : P artizipation in
B ereichen
3.1 S chüler I nnenbeteiligung vertretung) sowie im Schülervertretungsgesetz verankert.
und demokratische S chule Sie betreffen individuelle (Recht auf Beteiligung an der
Gestaltung des Unterrichts bzw. der Wahl der Unterrichts-
Auf der Schulebene bedeutet das Kinderrecht auf Partizi- mittel, Anhörung, Abgabe von Vorschlägen usw.) sowie
pation, dass Kinder und Jugendliche sich aktiv in schu- kollektive Rechte (Mitverwaltung und Interessenvertre-
lische Gestaltungs- und Entscheidungsprozesse einbrin- tung) der SchülerInnen. Das Klassen- und Schulforum ist
gen können – in den sie betreffenden Angelegenheiten. für die erste bis vierte Schulstufe vorgesehen, Beratungs-
Die Modelle konventioneller SchülerInnenbeteiligung und Entscheidungsgremien in den mittleren und höheren
und gewählter VertreterInnen sind im österreichischen Schulen, den Berufsschulen und den Polytechnischen
Schulunterrichtsgesetz (Wahl der Klassen- und Schul- Schulen sind die Schulgemeinschaftsausschüsse.
sprecherInnen, der Landes- oder BundesschülerInnen-

12 www.politik-ler ne n . a t
Nr. 4 P ar tizipation v o n K i n d e r n u n d J u ge n d l i c h e n

Darüber hinaus gibt es an zahlreichen Schulen Öster- ENSI-Teams (ENSI = Environment and School Initiative,
reichs Schulparlamente. Auf Bundesebene hat die Bun- internationales Netzwerk zur Unterstützung aktiver For-
desschülerInnenvertretung ein SchülerInnenparlament men des Lernens und der Förderung des Umweltbewusst-
eingerichtet, landesweit beruft die jeweilige Landesschü- seins) unterscheidet drei Varianten der Beteiligung von
lerInnenvertretung SchülerInnenparlamente ein. SchülerInnen:

1. SchülerInnen äußern sich und werden gehört (liste-


Tipp Literatur ning). Formen: schriftliche oder mündliche Befra-
gungen, Interviews, Sitzkreise. Die LehrerInnen
Detaillierte Informationen zu SchülerInnenvertre-
lernen die Sichtweisen der SchülerInnen kennen und
tungen, Klassenrat und Schulparlamenten
ziehen Schlussfolgerungen daraus.
Wissenswertes für SchülervertreterInnen:
2. Schülerinnen definieren in Zusammenarbeit mit Lehr-
www.eduhi.at/dl/Wissenswertes_fuer_Schuelerver
kräften Ziele und realisieren sie (cooperation). Schüle-
treterInnenInternetversion_.pdf
rInnen übernehmen gemeinsam mit Lehrkräften auch
Das Heft wurde im Rahmen der Demokratie-Initiative
selbst Verantwortung (für Schwerpunktsetzung des
erarbeitet, um praktische Schuldemokratie einfach zu
Unterrichts, Recherchen, Interpretation von Daten,
kommunizieren.
Umsetzung). Formen der Freiarbeit, Einfluss auf
Gestaltung und Durchführung eines Klassenrates. Auswahl von Inhalten und Arbeitsmethoden, offene
http://blk-demokratie.de/fileadmin/public/doku Arbeitsaufträge etc.
mente/Bausteine/bausteine_komplett/Klassenrat.pdf
3. SchülerInnen übernehmen primäre Verantwortung für
Quelle: Demokratie-Baustein „Klassenrat“ ,
Planung, Durchführung, Initiativen zur Gestaltung
www.blk-demokratie.de (BLK-Programm „Demokratie
des Lernens und Lehrens. SchülerInnen definieren
lernen & leben“, 2004)
in Eigenverantwortung Ziele und realisieren sie
Posch, Peter und das ENSI-LehrerInnenteam: 9x Parti- (leadership).
zipation – Praxisbeispiele aus der Schule. Wien: Über-
Demokratie lernen und Partizipation werden im Schul-
reuter, 2006
kontext oft synonym verwendet, wenn es um demokra-
Eikel, Angelika; de Haan, Gerhard tiepolitische Handlungskompetenzen geht – mit leicht
(Hrsg.): Demokratische Partizipation unterschiedlichen Blickrichtungen. Bleibt Demokratie-
in der Schule. Ermöglichen, fördern, bildung nicht nur eine abstrakte Größe, sondern ist Teil
umsetzen. Schwalbach/ Ts: Wochen- einer demokratisch-partizipativen Schulkultur, dann
schau-Verlag, 2007 verlangt sie allen Beteiligten viel ab an Durchhaltevermö-
gen beim Aushandeln und Kompromisse schließen – z.B.,
wenn die SchülerInnen in einem Schulparlament die For-
Beteiligung kann über formale Gremien hinaus theore- derung einbringen, in Unterrichtsangelegenheiten (z.B.
tisch und praktisch an vielen alltäglichen Dingen des Methoden im Unterricht oder Prüfungsmodus) mitzuent-
Schulalltags anknüpfen: scheiden. Letztlich ist aber jede Schule so demokratisch,
wie sie Mitsprache und Mitentscheidung in einem hierar-
•• Schulalltag (Regeln, Schulkultur, Zusammenleben in
chischen System ernst nimmt.
der Klasse, Zeitgestaltung usw.)
In den (internationalen, europaweiten und nationalen)
•• Schulgestaltung (Schulräume, Freizeitbereich, Schul-
Zielvorstellungen der Bildungspolitik haben Partizipa-
buffet usw.)
tion, demokratische Schulentwicklung und selbststän-
•• Netzwerkarbeit in und außerhalb der Schule (Schulso- diges Lernen einen hohen Stellenwert. In der schulischen
zialarbeit, Jugendorganisationen, Sportvereine usw.) Praxis selbst ist Partizipation über zahlreiche, teilweise
voneinander isolierte Versuche, noch nicht hinausge-
•• Unterricht und Lernen (partizipative Lehr- und
kommen – stellt der Leiter des österreichischen ENSI-Leh-
Lernkonzepte)
rerInnen Teams fest (siehe Literaturtipp 9x Partizipation
Ein wesentliches Element für Beteiligung im Schulalltag – Praxisbeispiele aus der Schule). Gelebte Demokratie an
ist partizipatives Lernen. Ein Modell des österreichischen

w w w. p o l i t i k- ler nen.at 13
p o l i s aktuell 2012

der Schule ist daher meistens nicht Alltag, sondern wei-


Studie mitWirkung! und der Aspekt Schule
terhin ein „Zukunftsprojekt“.
„mitWirkung!“ ist eine der bislang umfassendsten wis-
Das Schulentwicklungsprogramm Demokratie lernen &
senschaftlichen Studien zum Partizipationsverhalten
leben der deutschen Bund-Länder-Kommission (BLK) für
junger Menschen in Deutschland (mehr als 12.000 Kin-
Bildungsplanung und Forschungsförderung beeinflus-
der und Jugendliche zwischen 12 bis 18 Jahren wurden
ste in den letzten Jahren maßgeblich die Debatten rund
befragt sowie Schul- und Verwaltungspersonal). Sie
um eine demokratisch-partizipative Schule. Hauptziele
bringt im Hinblick auf Schule folgende Ergebnisse:
des Programms, das in 200 Schulen Deutschlands imple-
Hohe Partizipationswerte gibt es nach der Einschät-
mentiert wurde, waren die Förderung von demokratischer
zung von SchülerInnen bei der Sitzordnung in der
Handlungskompetenz, die Entwicklung einer demokra-
Klasse, der Ausgestaltung des Klassenzimmers oder
tischen Schulkultur sowie die Stärkung der Bereitschaft
bei Klassenfahrten. Die Werte sinken dort ab, wo es
junger Menschen, aktiv an der Zivilgesellschaft mitzuwir-
um den Unterricht selbst geht (Unterrichtsgestaltung,
ken. Warum das von Bedeutung ist, ist auf der Webseite des
Themenauswahl usw.), noch stärker bei Fragen der
BLK-Programms (das 2007 endete) zu lesen: Die Schule hat
Leistungsbewertung und bei Hausaufgaben. Überra-
als einzige Institution die Chance, alle Kinder und Jugend-
schenderweise sind die Einschätzungen von Lehrkräf-
lichen zu erreichen und für die Demokratie zu gewinnen.
ten diesbezüglich markant höher (d.h. wie sie Schüle-
Nähere Informationen: http://blk-demokratie.de/
rInnen in Unterrichtsbelangen einbeziehen).
Ein anschauliches Beispiel guter Praxis für Schuldemo-
Repräsentative Formen der SchülerInnenvertretung
kratie ist das SchülerInnenparlament am Akademischen
bzw. -mitverwaltung spielen für die SchülerInnen
Gymnasium Innsbruck (seit 2004 eingerichtet). Dazu
nur eine untergeordnete Rolle – im Gegensatz zu den
gibt es einen ausführlichen Projektbericht und einen
Schulleitungen, die sie viel relevanter einschätzen.
Film (6,59 min.) über das erste SchülerInnenparlament.
Hingegen sind Projekte und Themen, die das Enga-
Nähere Informationen: www.agi.tsn.at > Projekte > SIP
gement herausfordern (z.B. Gewaltprävention, Hilfe
Film und Projektbericht (Webseite des Demokratiezen-
für Menschen in Not) für die Jugendlichen wesentlich
trums Wien): www.demokratiezentrum.org/bildung/lern
attraktiver.
module/schuldemokratie/unterrichtssequenz-2.html
Die wichtigsten Einflussgrößen für Partizipation in der
Der Film eignet sich als Anregung für den Unterricht
Schule sind die Zufriedenheit der Kinder und Jugend-
(Sekundarstufe II). Danach kann mit SchülerInnen erör-
lichen mit dem Ergebnis und dem Prozess ihres Mitwir-
tert werden, welche Themen den SchülerInnen im Film
kens sowie mit dem gesamten Klima in der Schule.
wichtig waren und wie sie selbst ein SchülerInnenparla-
ment an ihrer Schule einschätzen würden. Fatke, Reinhard; Schneider, Helmut: Kinder- und Jugend-
partizipation in Deutschland. Daten, Fakten, Perspekti-
ven. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, 2005

Methodentipps Politik Lernen in der Schule (Übung als Download): www.


politik-lernen.at/site/praxisboerse/article/103915.html
Schulgemeinschaft: Gelebte Demokratie?
(9. bis 12. Schulstufe) Lernmodule zur Demokratie in der Schule
Die Klasse macht eine ExpertInnenbefragung zur Schü- (ab der 8. Schulstufe)
lerInnenvertretung und bereitet die Ergebnisse für eine Vier Lernmodule geben den SchülerInnen anhand von
Ausstellung auf. Darauf folgt eine eingehende Beschäf- zwei Beispielen (SchülerInnenparlament in Innsbruck,
tigung mit der SchulsprecherIn- bzw. Klassenspreche- siehe weiter oben, und Projekt „Word up“ in Kooperation
rInnen-Wahl. Abschließend analysieren die SchülerInnen mit der Bezirkspolitik Wien-Liesing) Anregungen, wie
den Stand der Demokratie an der eigenen Schule und sie eine erweiterte Mitsprache inner- und außerhalb
diskutieren zum Thema Mitbestimmung: Lebt unsere der Schule realisieren können. Anleitungen, Filme und
Schule Demokratie? Was wäre, wenn es die Mitbestimmung Arbeitsblatt als Download unter: www.demokratiezen
nicht gäbe? Details in der Praxisbörse von Zentrum polis – trum.org/bildung/lernmodule/schuldemokratie.html

14 www.politik-ler ne n . a t
Nr. 4 P ar tizipation v o n K i n d e r n u n d J u ge n d l i c h e n

Quelle: Demokratiezentrum Wien, Lernmodule zur Demo- Gestaltung von Plakaten und Präsentation. Die Ergeb-
kratie in der Schule nisse können anschließend der Direktion, dem Klassen-
vorstand oder anderen Klassen vorgestellt werden.
Perspektivenwechsel zur Beteiligung in der Schule (ab
Quelle: TrainerInnenteam von Zentrum polis – Politik Ler-
der 6. Schulstufe, Schritt 2 ab der 8. Schulstufe)
nen in der Schule
Schritt 1: Bildung von vier bis fünf Kleingruppen zu fol-
genden Fragen: Schritt 2 (ab der 8. Schulstufe):
•• Stellt euch vor, ihr seid LehrerInnen – was würdet ihr Mitbestimmungsmöglichkeiten in der Schule: Demokratie
für mehr Beteiligung an der Schule tun? heißt mitbestimmen – was könnt ihr/würdet ihr gerne in
•• Stellt euch vor, ihr seid Direktor/Direktorin – was wür- der Schule mitbestimmen?
det ihr für mehr Beteiligung an der Schule tun? Arbeitsblatt/Kopiervorlage unter
•• Stellt euch vor, ihr seid PolitikerInnen – was würdet ihr www.demokratiezentrum.org/fileadmin/media/pdf/
für mehr Beteiligung an der Schule tun? ab_schule_mitbestimmungsmoeglichkeiten.pdf
•• Und als SchülerInnen? (Quelle Arbeitsblatt: Demokratiezentrum Wien, Lernmo-
dule zur Demokratie in der Schule)

3.2 P artizipation in G emeinden und und Jugendlichen in der Gemeinde. Für die Kommunika-
S chul -G emeinde -K ooperationen tion braucht es dafür meistens PartnerInnen, etwa Initi-
ativen der außerschulischen Jugendarbeit oder Schulen.
Während Jugendliche in der Familie einen hohen oder
Mittlerweile sind Jugendforen, Jugendbeauftragte,
sehr hohen Grad an Beteiligungsmöglichkeiten sehen
Bezirksjugendgespräche oder Jugendlandtage keine Sel-
(74,6%), sind die Einschätzungen für die Kommune und
tenheit mehr. Einige Bundesländer haben sogar Bestim-
die Schule relativ gering (13,6% für Kommunen, 15% für
mungen zur verpflichtenden Einbeziehung Jugendlicher
Schule, Studie mitWirkung!). Der Nachholbedarf in diesen
(Jugendgesetze, Jugendförderungsgesetze, Volksrechte-
Bereichen ist augenscheinlich.
gesetze, Gemeindeordnungen), die von verbandlicher
Aus der Partizipationsspirale, aber auch aus anderen Stu- und offener Jugendarbeit, Landesjugendreferaten und
dien, lässt sich ableiten, was die Mitwirkung und Betei- Gemeinden umgesetzt werden.
ligung junger Menschen besonders fördert oder fördern
Schulen und Gemeinden sind in vielfacher Hinsicht mit-
würde:
einander verbunden und aufeinander angewiesen – etwa
ÖÖpositive Erfahrungen im unmittelbaren Lebensraum durch die Schulerhaltung der Gemeinden im Pflichtschul-
(d.h. in Schule, Vereinen und in der Kommune) mit bereich oder die Verkehrsplanung und auf der anderen
entsprechenden Informationen über lokale Betei- Seite durch die Impulse, die Schulen für das Sport- und
ligungsangebote, Entscheidungsstrukturen und Freizeitleben in der Gemeinde geben.
Vorhaben
Die Initialzündung für Schul-Gemeinde-Kooperationen
ÖÖdie Stärkung des Vertrauens in die eigenen
geht oft von Einzelpersonen im Rahmen von zeitlich
Kompetenzen
begrenzten Projekten aus – in Einzelfällen entwickelt sich
ÖÖdass die Konsequenzen des eigenen Verhaltens an
daraus eine dauerhafte, institutionalisierte Zusammenar-
konkreten Vorhaben und Projekten erfahrbar werden
beit, die sich allmählich auch auf soziale Netzwerke und
ÖÖandocken an Themen, die Jugendliche interessieren
außerschulische Jugendarbeit ausdehnt.
(z.B. Lifestyle, Veranstaltungen, Umwelt) und als
Anknüpfungspunkte für gesellschaftspolitische The- Eine erste Exploration von Schule-Gemeinde-Koopera-
men mit ausgewiesenem hohem Informationsdefizit tionen in Österreich (2007 im Rahmen der Demokratie-
(z.B. Jugendpolitik, Europa/Globalisierung) nutzen Initiative „Entscheidend bist DU!“ des bm:ukk, mittels
Online-Erhebungen und ExpertInneninterviews) ergab
Entsprechende Angebote der Gemeinden, ihre politische
folgendes Bild:
Unterstützung und eine zielgruppengerechte Kommuni-
kation sind daher ausschlaggebende Größen, wenn sich ÖÖPflichtschulen kooperieren am häufigsten mit Gemein-
etwas verändern soll in Richtung Beteiligung von Kindern den, an zweiter Stelle kommen die berufsbildenden

w w w. p o l i t i k- ler nen.at 15
p o l i s aktuell 2012

höheren Schulen. Die geringste Zahl der Kooperati- •• Gemeindeentwicklung: Die Kooperation leistet
onen gibt es im AHS-Bereich. einen Beitrag zur Einbindung der Schule in die
ÖÖInsgesamt konnten 19 Schul-Gemeinde-Kooperati- Gemeindeentwicklung.
onen aus allen Bundesländern erhoben werden.
Details: www.fairnessaward.at/content/docs/BMUKK-
ÖÖDie Aktivitäten waren/sind vielfältig und reichten
Flyer_Kooperation-endg.pdf
von SchülerInnenparlamenten bis zum Angebot
von public services (Arbeit im Gemeinwesen in enger
3.2.1 KlassensprecherInnentreffen und
Kooperationen mit sozialen Einrichtungen, Ver-
einen Kommunen usw.), Dauerausstellungen und Freiluftwohnzimmer: Mitbestimmung
Flurreinigungsaktionen. für ein jugendfreundliches Dornbirn
ÖÖDer thematische Fokus liegt auf umweltbezogenen
(Textbeitrag von Elmar Luger)
Aktivitäten (Energie und Wassermanagement,
Solarenergie), aber auch die lokale Wirtschaft ist Seit März 1996 haben junge MitbürgerInnen Dornbirns
Bezugspunkt. die Möglichkeit, sich aktiv in die Gestaltung eines jugend-
ÖÖDie Zusammenarbeit wird oft durch „neutrale“ Initiati- freundlichen Dornbirns einzubringen. War es bis zu diesem
ven vermittelt (Klimabündnis, Agenda 21, außerschu- Zeitpunkt eher eine Jugendarbeit für die Jugendlichen,
lische Jugendarbeit usw.) so wurde damals mit dem ersten KlassensprecherInnen-
treffen eine neue Zeitrechnung eingeläutet: Nicht nur
Eine systematische Analyse von Gemeinde-Schule-Koo-
für, sondern vor allem mit den Jugendlichen sollen Ideen
perationen ist derzeit noch ausständig.
umgesetzt werden. Dies passiert heute auf vielfältige Art
und Weise.
Tipp Links
Beschluss der Stadtvertretung vom 25. Juni 1998:
Auf der Webseite der Arge Partizipation, „Die Dornbirner Jugend wird in geeigneter Weise in alle für
www.jugendbeteiligung.cc, gibt es mehrere Leitfäden sie wichtigen Entscheidungsprozesse laufend miteinbezo-
und Anregungen zum Thema Beteiligung junger Men- gen. Besonders Wert soll bei der Weiterentwicklung des Pro-
schen in Gemeinden und Städten, u.a. folgende: jektes auf gegenseitigen Respekt, eine gegenseitige Wert-
schätzung der Generation und solidarisches Handeln gelegt
•• Leitfaden zur nachhaltigen Beteiligung von jungen
werden.“
Menschen in Gemeinden: www.jugendbeteiligung.cc/
fileadmin/downloads/Leitfaden_Gemeinde.pdf Zwischenzeitlich haben mehr als 20 Klassenspreche-
rInnentreffen stattgefunden, das Konzept wurde im
•• Beteiligungs-Check zum Überblick verschaffen, ins
Laufe der Jahre weiterentwickelt. Wie läuft heute so ein
Gespräch kommen, Ideen für weitere Planungen:
KlassensprecherInnentreffen ab? Alle Klassenspreche-
www.jugendbeteiligung.cc/fileadmin/downloads/
rInnen der 8. und 9. Schulstufe werden Anfang Oktober
methoden/jugendbeteiligung_cc_Beteiligungs
vom Bürgermeister ins Dornbirner Rathaus eingeladen.
check.pdf
Durchschnittlich folgen ca. 90 SchülerInnen dieser Ein-
ladung in den Sitzungssaal, wo auch der Stadtrat und
die Stadtvertretung ihre Entscheidungen treffen. Den
Was sind die Merkmale erfolgreicher Schul-Gemeinde- ganzen Tag über wird das Rathaus von den Jugendlichen
Kooperationen? Eine ExpertInnengruppe hat 2008 vier in verschiedenen Besprechungszimmern „besetzt“. Alle
Kriterien als ausschlaggebend definiert: Jugendlichen besuchen folgende vier Workshops, die vor
allem Informationen bieten und der Politischen Bildung
•• Nachhaltigkeit: Die Kooperation ist längerfristig bis
dienen:
dauerhaft angelegt.
•• Partizipation der SchülerInnen: Die Kooperation zeich-
net sich durch freiwillige Mitwirkung und aktive Mit-
entscheidung der SchülerInnen aus.
•• Schulentwicklung: Die Kooperation mit der Gemeinde
ist Teil der Schulentwicklung.

16 www.politik-ler ne n . a t
Nr. 4 P ar tizipation v o n K i n d e r n u n d J u ge n d l i c h e n

1. Angebote zum Mitmachen in bestehendem


Jugendnetzwerk
Dornbirn bietet eine Menge für Jugendliche: In mehr
als 100 Vereinen finden sie ein attraktives Freizeitan-
gebot (z.B. im Rahmen der offenen Jugendarbeit, in
Jugendwerkstätten, Beteiligungsprojekten, Musikak-
tivitäten wie einem Jazzseminar oder vier Jugendblas-
musikkapellen usw.).
2. Rechte und Pflichten des/der KlassensprecherIn
Dabei geht es u.a. um die Frage, wie in dieser Funktion
gegründet. Die Workshops werden ganz nach den Bedürf-
am besten die Interessen wahrgenommen werden
nissen und Anliegen der Jugendlichen entwickelt und
können.
umgesetzt. Heuer wurde zum Thema Mobbing ein Flyer
3. Entscheidungsebenen Stadt/Land/Österreich/EU
entwickelt.
Dieser Workshop befasst sich mit den Aufgaben und
Kompetenzen der Stadt Dornbirn, dem Land Vorarlberg, Ein weiteres Projekt der Stadt Dornbirn ist das „Freiluft-
dem österreichischen Staat und der Europäischen wohnzimmer für Jugendliche“, in das mehr als vierzig
Union – je nachdem, wo gerade der Schwerpunkt des Jugendliche eingebunden waren. Die Idee zum „Freiluft-
jugendlichen Interesses liegt. wohnzimmer“ entstand bereits 2009 beim Klassenspre-
4. Konkretes Beteiligungsprojekt: Von der Idee zum cherInnen-Treffen. 2010 wurde dann mit den Jugend-
Projekt lichen, den Verantwortlichen der Stadtplanung, dem
In diesem Workshop werden Möglichkeiten zur Einrei- Vorarlberger Architekturinstitut und einem Architekten
chung von Projektideen beim Verein JugenDornbirn aktiv das Projektvorhaben geplant und entwickelt. In der
vorgestellt. Beteiligung heißt, sich in die eigenen Phase der Planung stellten die Architekten die ersten Ent-
Angelegenheiten einzumischen. Hier können Jugend- würfe vor und die AnrainerInnen wurden direkt vor Ort mit
liche eigene Ideen entwickeln und ein Projekt für die den Jugendlichen angehört. Dabei konnte eine Einigung
Umsetzung vorbereiten. gefunden werden, sodass das Projekt auch von der Politik
genehmigt wurde. Für die Gestaltung wurden unübliche
Ideen Jugendlicher umgesetzt. So war der Sport- und
Laurenz, 16 Jahre, HTL Dornbirn:
Bewegungsraum nicht klassisch eckig mit den bekannten
Ich bin zum ersten Mal auf dem Klassensprechertreffen. So
Fußballtoren – nein, es wurde ein runder Käfig mit selbst
können wir uns gegenüber Lehrpersonal und Schule besser
entworfenen und gesprühten Graffitis. Am 14. Juli 2010
durchsetzen und mehr mitreden. Der Jugendstadtplan ist
war es dann endlich soweit: Der Platz wurde offiziell eröff-
ein Treffer ins Schwarze. Alles ist darauf zu finden. Beson-
net und an die Jugendlichen übergeben.
ders wichtig finde ich, dass Jugendliche wissen, wohin sie
gehen können, um sich zu schwierigen Themen beraten zu Jugendabteilung Stadt Dornbirn und Verein „jugendornbirn
lassen. – meine Stimme zählt!“, Elmar Luger, elmar.luger@dornbirn.
at, www.jugendornbirn.at
Maria, 14 Jahre, BG Dornbirn:
Hier hat man die Gelegenheit, sich über Jugendangebote
und Institutionen zu informieren und diese kennen zu ler- 3.3 e -P artizipation
nen. Im Workshop „Rechte und Pflichten eines/einer Klas-
sensprecher/in“ habe ich viel Neues mitnehmen können. e-Partizipation ist die Einbindung in Diskussions-, Ent-
Der Jugendstadtplan bietet Jugendlichen eine super Über- wicklungs- und Entscheidungsprozesse mittels IKT
sicht und ist eine wichtige zusätzliche Informationsquelle. (Informations- und Kommunikationstechnologien) wie
Toll finde ich, dass man versucht, ihn mit den Jugendlichen Internet oder elektronischen Medien. Die elektronischen
weiter zu entwickeln. Beteiligungsformen und -verfahren umfassen Informati-
onen, Konsultationen, Eingaben, Debatten und Abstim-
Nach diesem Treffen bereiten einige interessierte Jugend-
mungen. Ein Beispiel wäre eine e-Petition von Bürge-
liche die Fachtagung „Zeigt, was in euch steckt“ für den
rInnen, in einem anderen Fall könnte eine Regierung
Februar desselben Schuljahres vor. Diese wurde auf Ini-
zu einer Stellungnahme über einen Gesetzesvorschlag
tiative der damaligen SchulsprecherInnen vor drei Jahren

w w w. p o l i t i k- ler nen.at 17
p o l i s aktuell 2012

im Web einladen. Der Begriff der elektronischen Parti- gliedern des Bundesrates, EU-Abgeordneten und Regie-
zipation fällt oft in Zusammenhang mit e-Government, rungsmitgliedern beinhaltet.
e-Administration und e-Demokratie (nähere Informati-
onen dazu siehe www.partizipation.at/e-participation. 3.4 E uropäische B eteiligung
html). Die Chance von e-Partizipation liegt vor allem von K indern /J ugendlichen
in größerer Transparenz und in neuen Zugängen für
Beteiligungsprozesse. Ob alt oder jung – nur wenige wissen genau, welche
Optionen junge Menschen konkret für Beteiligung im
Wird e-Partizipation breiter gedacht, fallen darunter
Rahmen der EU nutzen können. Im Folgenden eine
auch politische Entscheidungs- und Meinungsbildungs-
Zusammenstellung.
prozesse im Netz. „Mit ein paar Klicks bist du dabei, das
gibt vielen ein gutes Gefühl“, meinte eine 17-Jährige zur •• Europäisches Jugendparlament (EYP, siehe Seite 12,
Möglichkeit, sich per Internet an Protestaktionen oder www.eypaustria.org)
Kampagnen beteiligen zu können. Dass man dabei schnell
•• Ab 16 Jahren können Österreichs Jugendliche:
auch in den bildlichen „Fettnapf“ steigen kann, passiert
ÖÖMitglieder des EU-Parlaments wählen
das eine oder andere Mal, wenn Dinge aufgebauscht bzw.
ÖÖan einer grenzüberschreitenden Europäischen
verkürzt im Web dargestellt werden und einen Hype aus-
BürgerInneninitiative teilnehmen (seit April 2012)
lösen. Davon abgesehen: Wenn sich Engagement vom vir-
oder diese starten (zur Anregung neuer Rechts-
tuellen in den realen Raum bewegt, kann es schon einmal
vorschriften im Verantwortungsbereich der EU).
gelingen, spontan über einen Blog eine Lichterkette für
Mind. 1 Million EU-BürgerInnen aus mind. 7 Mit-
Menschenrechte im öffentlichen Raum zu organisieren
gliedsstaaten sind erforderlich, Start ist ein soge-
und dafür eine Community von mehreren hundert Men-
nannter „Bürgerausschuss“: http://ec.europa.eu/
schen zu gewinnen. Dass Jüngere das Web 2.0. oft effizi-
citizens-initiative/public/basic-facts
enter als die älteren digital immigrants oder auch als Bil-
ÖÖan einer öffentlichen Konsultation der Europäischen
dungseinrichtungen nützen, ist kein Geheimnis.
BürgerInnen teilnehmen („Deine Stimme in Europa“):
Mit diesem Ausblick ergeben sich neue Dimensionen für http://ec.europa.eu/yourvoice/index_de.htm
die Politische Bildung. Im Idealfall trägt diese dazu bei, ÖÖBeschwerden einreichen beim Europäischen Bürger-
Chancen für gesellschaftliche und politische Beteiligung beauftragten
im Web wahrzunehmen, Handlungskompetenzen zu stär- www.ombudsman.europa.eu/start.faces
ken und die kritische Urteilskraft zu fördern. ÖÖan Umfragen und Debatten teilnehmen
ÖÖan europäischen BürgerInnenkonferenzen teilneh-
Tipp Links men: www.europaeische-buergerkonferenzen.eu/at/

Polipedia (Demokratiezentrum Wien und ICT&S Center der Übersicht zu Beteiligungsmöglichkeiten:


Universität Salzburg): eine multimediale Wiki-Plattform http://europa.eu/take-part/index_de.htm
zu den Themen Demokratie, Politik und Partizipation, die
für die Politische Bildung genutzt werden kann.
PoliPedia.at entsteht von Jugendlichen für Jugendliche.
Tipp Link
www.polipedia.at
Jugendpartizipation in Europa (Barbara Tham)
www.MeinParlament.at : Direkte Möglichkeit, mit poli-
www.politischebildung.com/pdfs/28_jugendpart.pdf
tischen AkteurInnen in Kontakt zu treten. Webseite des
Vereins Politik Transparent e.V.

www.partizipation.at/e-participation.html
Hintergrundwissen zu e-government, e-Administration Unterrichtstipp für den Englischunterricht in der
usw., Praxisbeispiele (z.B. abgeordnetenwatch.de) Oberstufe Simulation eines Europäischen Jugendpar-
laments (EYP)
www.meineabgeordneten.at
Die erste Transparenzplattform, die öffentliche Daten zu Anleitung für Lehrkräfte unter
allen österreichischen Nationalratsabgeordneten, Mit- www.eyp.org/docs/school/9_Teaching_Material.pdf

18 www.politik-ler ne n . a t
Nr. 4 P ar tizipation v o n K i n d e r n u n d J u ge n d l i c h e n

3.5 B eteiligung junger Methodentipp


M enschen in NGO s (N icht - www.aktivwerden.at: Nichtstaatliche Organisationen
R egierungs -O rganisationen ) kennenlernen
Die Seite www.aktivwerden.at bietet einen Selbsttest
Europaweit ist die Teilnahme an Wahlen bei Menschen für SchülerInnen an, der bei der Auswahl jener nicht-
zwischen 15 und 25 Jahren in Deutschland, Italien und staatlichen Organisationen hilft, welche den Interes-
Österreich am stärksten ausgeprägt. Eine Studie von sen der SchülerInnen nahe kommen.
SORA (Institute for Social Research and Consulting, Wien) Übung in der Praxisbörse von www.politik-lernen.at:
wirft Licht auf einen weiteren Aspekt: Ein Trend lässt sich Kleingruppen recherchieren zu Organisationen, stellen
in ganz Europa beobachten: Fast zwei Drittel aller Jugend- einige vor und wählen ein oder zwei aus, die zu einem
lichen sehen Wählen als die effektivste Form der politischen Gespräch in die Schule eingeladen werden.
Beteiligung an. Sie erachten aber die Mitarbeit in NGOs als Genaue Anleitung und Links: www.politik-lernen.at
wirkungsvoller als die Mitarbeit in politischen Parteien. > Praxisbörse > Volltextsuche: „www.aktivwerden.at“
(aus: Westphal, Sabine: Der Blick über den Tellerrand. eingeben
Jugend und Politik im europäischen Vergleich. Projekt
EUYOUPART, 2003 - 2005, www.sora.at) Mit dieser Blick- und der Arbeit gemeinnütziger Organisationen mit den
richtung bietet sich an, das Thema der Freiwilligenarbeit SchülerInnen unter die Lupe zu nehmen.

4 Link tipps
www.oekolog.at renz (alle österreichischen Landesjugendreferate, das Amt
ÖKOLOG ist das Basis-Programm des bm:ukk zur Bildung für für Jugendarbeit der Autonomen Provinz Bozen/Südtirol
Nachhaltigkeit und Schulentwicklung an österreichischen sowie das bm:wjf sind als Mitglieder vertreten). Webseite
Schulen. ÖKOLOG-Schulen verbinden Engagement für die mit Praxisbeispielen, Methoden, Dokumentationen u.v.m.
Umwelt mit sozialen und ökonomischen Fragestellungen zur Jugendbeteiligung.
und versuchen das tägliche Leben in der Schule im Sinne
www.schulfreiraum.com
einer nachhaltigen Entwicklung zu gestalten. Partizipa-
Österreichische Plattform rund um das Thema „Schulfrei-
tion ist für sie selbstverständlich – von der Planung bis
raum“ (Schulhof, Schulgarten, Schulgelände, Schulsport-
zur Umsetzung arbeiten alle Gruppen der Schulgemein-
anlagen etc.). Als Teil der internationalen learnscape
schaft mit. Durch aktive Teilnahme an Entscheidungspro-
Plattform bietet www.schulfreiraum.com Informationen
zessen lernen die SchülerInnen verantwortungsbewusstes
und Hilfestellung zur Entwicklung eines individuellen
Handeln und Eigeninitiative.
Schulfreiraumes.
www.partizipation.at
www.politische-bildung.at > Themendossiers > Partizipa-
(Informationswebseite des Bundesministeriums für
tion von Kindern und Jugendlichen
Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft,
inhaltliche Betreuung: ÖGUT) Wir möchten’s wissen! Wie Kinder und Jugendliche bei
Die Webseite bietet Basisinformationen zum Thema Parti- Entscheidungen auf europäischer und internationaler
zipation und nachhaltige Entwicklung sowie Einblicke in ebene mitreden können.
weiterführende Themen. Darüber hinaus stehen über 100 Eine Informationsbroschüre für junge Menschen (ent-
Praxisbeispiele gelungener Partizipationsprozesse zur wickelt von der Children’s Rights Alliance for England,
Verfügung (übersichtlich angeordnet) sowie ein Überblick London, und dem Ludwig Boltzmann Institut für Men-
zu unterschiedlichen Methoden der Beteiligung, Fachlite- schenrechte in Wien).
ratur, Veranstaltungen zum Thema u.v.m. Kostenloser Download über den polis Shop:
www.politik-lernen.at/site/gratisshop/shop.item/
www.jugendbeteiligung.cc
105993.html
(Arbeitsgemeinschaft Partizipation). Seit 1991 arbeitet
die ARGE im Auftrag der Landesjugendreferentenkonfe-

w w w. p o l i t i k- ler nen.at 19
polis aktuell Nr. 4 2012

Young Ideas for Europe – Jugend denkt Europa

Eine Initiative der

www.youngideasforeurope.eu

Ziel dieses Projekts ist es, Jugendliche vermehrt für europäische Themen
zu interessieren und darauf vorzubereiten, Europa politisch, wirtschaftlich
und gesellschaftlich mitzugestalten.

Zentrum polis hat erstmals für Österreich die Koordination und Durchführung
einer Projektwoche übernommen. Hier finden Sie eine Nachlese:

www.politik-lernen.at/jde/projektwoche
P.b.b. Verlagspostamt 1010 Wien, GZ 03Z035275M

polis aktuell: Partizipation von Kindern und Jugendlichen, Nr. 4/2012


Herausgeber: Zentrum polis – Politik Lernen in der Schule, Helferstorferstraße 5, 1010 Wien
T 01/42 77-274 44, service@politik-lernen.at, www.politik-lernen.at
Autorin dieser Ausgabe: Elisabeth Turek, grafische Mitarbeit: Ingrid Ausserer, Beitrag: Elmar Luger
Fotos im Kern: fotolia.de, Elmar Luger
Zentrum polis arbeitet im Auftrag des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur –
Abteilung I/6. Projektträger: Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte – Forschungsverein