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Auf der Suche nach Konstruktionen der Macht.

Die Festprozession des Osiris in Karnak


Andrea Kucharek

Abstract

The structures devoted to the cult of Osiris in the huge temple precinct of Amun-Re at Karnak are of
conspicuously small size compared to the growing importance of the Egyptian god of the dead during
the first millennium B.C. Moreover, most of them are confined, chronologically, to a time-span of about
250 years, and, geographically, to the rather peripheral northeastern sector of the temple precinct. Archi-
tecturally, most of these structures are more or less uniform, small chapels erected along the processio-
nal route of the god. This route, as definable by these chapels, does not follow the usual linear course
but takes a wide curve towards the north and then back south to the ‘tomb’ of Osiris. I suggest that this
route may have been a transposition of the processional route of Osiris at Abydos. Most of the chapels
were built either by the ‘god’s consort of Amun’, a female governor of the southern regions acting on
behalf of the kings residing in the north, or jointly by the consort and the reigning king. In a number of
these chapels, the major official of the consort is depicted, thus being present at the rituals performed by
the god’s consort. A considerable private influence on the erection of these chapels is suggested, thereby
ensuring divine benevolence and secular prestige for the persons involved.

Einleitung

Das allgemeine Bild altägyptischer Architektur ist vor allem von monumentalen Strukturen geprägt.
Die Pyramiden der Könige des Alten Reiches (um 2500 v. Chr.) galten bereits in vorchristlicher Zeit als
Denkmäler des Größenwahns ihrer Erbauer. Herodot beschreibt im 5. Jahrhundert v. Chr. die Könige
Cheops und Chefren, die Bauherren der beiden großen Pyramiden von Gisa, als gottlose Schurken,
die die Tempel schlossen und das gesamte Volk für den Pyramidenbau in die Knechtschaft zwangen.
Der Erbauer der dritten, sehr viel kleineren Pyramide hingegen, Mykerinos, sei gutherzig und gerecht
gewesen. Offensichtlich bemaßen Herodot bzw. seine Informanten die Schlechtigkeit des jeweiligen
Herrschers in genauer Proportion zur Größe seiner Grabstätte.
Die Grabanlagen der Könige späterer Epochen waren unauffällig im Fels oder unter dem Erdboden
verborgen. Nun aber wuchsen die Tempel der Götter zu Maßen heran, die die Welt erstaunten. Auch
diese galten aber nicht allein als Zeugen großer Frömmigkeit. Noch heute sind die Kolossalstatuen ihrer
Erbauer auffälliger Bestandteil eines Tempelensembles, und anhand eines gestürzten Kolosses lassen
sich trefflich Überlegungen über die Eitelkeit des Machtanspruchs anstellen, man denke an Shelleys
berühmtes Gedicht Ozymandias, dem die geborstene Riesenstatue Ramses‘ II. in seinem Totentempel in
Theben als Sinnbild vergangener Größe bzw. vergänglichen Größenwahns diente.

Karnak

Ägypten war die monumentale Kultur des Altertums par excellence, und abgesehen von den Pyramiden
von Gisa wird das wohl nirgendwo augenfälliger als in Karnak. Karnak, am Ostufer des Nils nahe dem
heutigen Luxor, dem antiken Theben, gelegen, wird oft knapp als ‚Tempel’ bezeichnet. Tatsächlich han-
delt es sich um ein hochkomplexes, über mehr als zwei Jahrtausende gewachsenes Gebilde aus zahllosen

 Herodot, Historien 2.124-8 (Horneffer und Haussig 1971, 153-5), 129-34 (Horneffer und Haussig 1971, 155-7).
 Shelleys Beschreibung beruht auf Diodorus Siculus, The Library of History 1.47 (Oldfather 2004, 167-9).
 Andrea Kucharek

Gebäuden, Höfen und anderen Strukturen, das von einem Netz kulttopographischer und kulthistorischer
Bezüge übersponnen ist. Karnak war der Haupttempelbezirk des ägyptischen Reichsgottes Amun-Re.
Es gehört jedoch zum Wesen eines ägyptischen Tempels, dass er niemals nur einer einzigen Gottheit
Wohnung bietet, sondern zumindest auch dessen engerer Familie. In einer Anlage von den Ausmaßen,
der theologischen Bedeutung und historischen Tiefe Karnaks ist schlussendlich fast jede Gottheit im
Rahmen eines Gastkultes irgendwie vertreten gewesen.
Betrachtet man einen Plan des Tempelbezirks (Taf. 18), stellt man fest, dass der Gedanke des Weges
vorherrscht. So lässt sich vom Haupteingang der Tempelanlage über Hunderte von Metern – und, das
sei hinzugefügt, in diachroner Perspektive über gut 2000 Jahre hinweg – eine schnurgerade, ununter-
brochene Linie bis zum Barkensanktuar ziehen. Die Achse selbst lässt sich bis zum rückwärtigen Tor
verfolgen. Weniger streng verläuft die rechtwinklig dazu angelegte Nord-Süd-Achse. Weitet man den
Blick auf die Region Theben, so stellt sich heraus, dass die Wege nicht an den Mauern des Tempelbe-
zirks enden, sondern Verbindungen herstellen mit anderen Tempeln und dass sie dabei auch den Nil
überschreiten. Bemerkenswert ist die Kompromisslosigkeit, mit der Stadt, Feld und wüstes Land von
den schnurgeraden Straßen durchschnitten wurden.

Prozessionen

Diese Wege sind nicht die Wege der Menschen. Es sind die Wege der Götter. In Ägypten bedeutete ein
Götterfest zu feiern eine Prozession durchzuführen, wobei die Gottheit ihre Wohnung im Tempelinne-
ren, das Sanktuar, verließ. Je nach Anlass fand die Prozession innerhalb des Tempels oder des Tempel-
bezirkes statt oder sie verließ diesen geheiligten Bereich und begab sich in den profanen Außenraum.
Ausgangs- und Endpunkt einer Prozession waren gewöhnlich Tempel. Der Festweg dazwischen war
oft architektonisch gefasst. Die den Grundriss von Karnak geradezu beherrschenden, hintereinander
gestaffelten Höfe entlang der Hauptachsen, die jeweils von einem breiten Torbau, dem Pylon, beschlos-
sen werden, sind nichts anderes als architektonische Gestaltungen des Festweges, die im Verlauf von
Jahrhunderten nach und nach an die bestehenden Strukturen angefügt wurden. Flankierende Reihen
von Sphingen begleiteten die Prozessionsstraße außerhalb der Höfe. Oft ist eine besonders sorgfältige
Pflasterung der Straße mit Steinplatten nachzuweisen. Bei längeren Wegstrecken boten so genannte
Stationsheiligtümer Gelegenheit zum Darbringen von Opfergaben an die reisende Gottheit und zu wei-
teren rituellen Handlungen. Nicht zuletzt erlaubte die Rast einen reibungslosen Wechsel der Träger der
gewichtigen Götterbarke.
Diese Elemente altägyptischer Festarchitektur treten in Karnak, der größten Tempelanlage Ägyptens,
besonders deutlich zutage. Sie sind aber an den meisten ägyptischen Tempeln nachzuweisen. Umso
bemerkenswerter gestaltet sich der Befund einer Untersuchung des architektonischen Rahmens der Osi-
risprozession in Karnak.

Osiris

Osiris ist allgemein als der Totengott der Ägypter bekannt. Dieser Aufgabenbereich wird in seiner
Mumiengestalt unmittelbar sichtbar. Krone und Szepter weisen hingegen unmissverständlich darauf hin,
dass es sich bei Osiris auch um einen Herrscher handelt. Im Mythos war Osiris einst König von Ägyp-
ten gewesen. Nach seinem gewaltsamen Tod von der Hand seines Bruders Seth wurde er Herrscher des
Jenseits. Auch aus religionshistorischer Perspektive ist Osiris engstens mit dem Königtum verbunden,

 Karten der thebanischen Prozessionsstraßen bei Cabrol (2001, Taf. 3-8).


 Vgl. dazu Cabrol 2001, 712-5.
 Zu Prozessionen in Theben, insbesondere in Karnak, s. Kemp 1989, 201-13; Fitzenreiter 2003, 143-7.
 Eine minutiöse Studie der thebanischen Prozessionswege (ohne den hier vorgestellten) hat Cabrol (2001) vorgelegt.
 Zum Osirismythos s. Assmann 1984, 149-77.
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da sein Ursprung im königlichen Bestattungsritual der Frühzeit liegt. Die Könige dieser Epoche wurden
im oberägyptischen Abydos begraben, und Abydos blieb die zentrale Verehrungsstätte des Osiris.
Wenn auch im späteren Alten Reich die Zuständigkeit des Osiris sich vom königlichen Jenseits auf
das Jenseitsschicksal aller Ägypter ausdehnte, bedeutete das keineswegs eine Abschwächung der herr-
scherlichen Identität des Osiris. Diese Herrschaft war im übrigen nicht auf das Totenreich beschränkt:
Auch die Lebenden würden einmal sterben und damit schließlich Untertanen des Osiris werden, und als
Ursprung der Nilüberschwemmung stand Osiris zudem am Ausgangspunkt sämtlicher Lebensmittel-
produktion und damit des Lebens überhaupt im Nilland. Dieser letztgenannte Aspekt des Osiris, der im
Lauf der Zeit immer mehr an Bedeutung gewann, wird im Folgenden noch eine wichtige Rolle spielen.
Jeder Verstorbene wurde, wie man sagt, ‚zu einem Osiris’, er oder sie wurde dem Gott wesensver-
wandt. Ein Verstorbener wurde daher ‚Osiris NN’ genannt. Insbesondere unter dem Aspekt der Gene-
rationenkontinuität, der Weitergabe von Wesen und Amt an die nachfolgende Generation, war das Osi-
rismodell von großer Bedeutung. Vorbild der Bindung zwischen Lebenden und Toten waren Osiris
und sein Sohn Horus. Auch hier tritt wieder das Königtum in den Vordergrund. Osiris, der zu Lebzeiten
König von Ägypten gewesen war, hatte seinem Sohn Horus dieses Königtum vererbt. Folglich war jeder
lebende König eine Inkarnation des Horus, jeder verstorbene König ein Osiris.

Osiris in Karnak

Obwohl die Tempelanlage von Karnak über gut zwei Jahrtausende hinweg in Betrieb war und minde-
stens in der zweiten Hälfte dieses Zeitraums Osiris hier eine theologisch herausragende Stellung ein-
nahm, sind die archäologischen Befunde für seinen Kult vergleichsweise spärlich, vor allem aber von
so bescheidenen Ausmaßen, dass sie neben den sonstigen Tempelbauten praktisch verschwinden10. Sie
konzentrieren sich im nördlichen, vor allem im nordöstlichen Bereich der Tempelanlage, der heute von
einer gewaltigen Umfassungsmauer der 30. Dynastie umgeben ist, zum Zeitpunkt der Errichtung der
Bauten aber noch außerhalb des abgeschlossenen Tempelbezirks lag (Taf. 19)11. In dieser Zone sind drei
Gruppen osirianischer Strukturen auszumachen, bei denen es sich – von wenigen Ausnahmen abgesehen
– um so genannte Osiriskapellen handelt. Nur die zentralen Elemente der kleinformatigen Bauten beste-
hen aus Stein, der Rest wurde aus Lehmziegeln aufgemauert. Jede der drei Gruppen besteht aus einigen
mehr oder minder linear aneinander gereihten Kapellen. Die östlichste, aus vier Bauten bestehende
Kapellengruppe (Taf. 19 [I]) besitzt darüber hinaus einen klaren gemeinsamen Bezugspunkt im Grab
des Osiris (Taf. 19 [A]). Das Osirisgrab war ein wichtiges Ziel der Festprozession; hier wurde jedes Jahr
eine kleine, aus Sand und Gipsstuck gefertigte Figur des Osiris bestattet, die während des abgelaufenen
Jahres als Garant für die Fruchtbarkeit des Landes in einem Heiligtum bewahrt worden war12. Aufgrund
neuerer Ausgrabungen lässt sich eine zunehmende Formalisierung der Grabanlage nachweisen. In den
ersten Jahrhunderten (um 1000-600 v. Chr.) scheint eine oberirdische Markierung der einzelnen Grab-
stätten nicht stattgefunden zu haben; ohne erkennbare Ordnung liegen sie beziehungslos beieinander, so
dass man wahrscheinlich lediglich von einer Art Einfriedung ausgehen kann, innerhalb derer die Figuren
bestattet wurden. In einer zweiten Phase (ab 600 v. Chr.) wurde sukzessive ein merkwürdiges tunnelför-
miges Gebilde aus Ziegeln angelegt, in dem die Osirisfiguren in kleinen Nischen abgelegt wurden (Abb.
1; Taf. 19 [A rechts]). Diese Grabanlage lag aller Wahrscheinlichkeit nach nicht unter freiem Himmel,
sondern war von einem baumbestandenen Erdhügel überwölbt. In dieser Form ist das Osirisgrab in
mehreren bildlichen und schriftlichen Darstellungen der Spätzeit – auch in Karnak – überliefert13. Erst in

 Griffiths 1980; Wegner 1996, 9-59.


 Vgl. Assmann 1991, 96-137.
10 Die kleinste der osirianischen Strukturen wurde als „le plus petit des monuments religieux de l‘Égypte, perdu dans
l‘immensité de Karnak“ beschrieben (Georges Legrain, nach Leclant 1965, 26).
11 Wie vor der 30. Dynastie die Umfassung jener Tempel und sonstigen Heiligtümer gestaltet war, die außerhalb des
Amuntempelbezirks gelegen sind, ist noch weitgehend unerforscht. Die Osiriskapellen besaßen wohl eine einfache
Lehmziegelumwallung, vgl. Coulon und Defernez 2004, 148 Abb. 7, 152.
12 Zu den Osirisgräbern in Karnak s. Coulon et al. 1995; Leclère und Coulon 1998; Leclère 2002; Leclère 2003.
13 Beispielsweise Coulon et al. 1995, Taf. 12.
 Andrea Kucharek

Abb. 1. Das Osirisgrab der 2. Phase in Karnak. Nach: Leclère 1996, 10.

einer dritten Phase wurde gegen Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. ein rechtwinkliges, ungleich größeres
Gebäude aufgeführt (Taf. 19 [A links]). Verlässlichen Rekonstruktionen zufolge enthielt diese Struktur
nicht weniger als 720 Bestattungsnischen. Das Gebäude wurde in einer eigens angelegten Grube errich-
tet und war höchstwahrscheinlich, genau wie sein Vorgänger, überhügelt. Es fand also eine erhebliche
Rationalisierung, aber auch eine Monumentalisierung statt, in der sich die stetig ansteigende Bedeutung
des Osiriskultes spiegelte.
Südöstlich des Osirisgrabes, fast in der Achse des Haupttempels (Taf. 19 [T]) und von dieser aus zu
betreten liegt ein etwas komplexerer Bau (Taf. 19 [B]), der dem in Karnak begrabenen Osiris geweiht
war und in dem man vermutlich die dem Grab assoziierte Verehrungsstätte des Gottes erkennen darf14.
Eine zweite Gruppe von Osiriskapellen liegt hinter der Umfassungsmauer des Tempels des Month
nördlich des Amunbezirks (Taf. 19 [II])15. Ob neben der Ausrichtung auf den vor den Kapellen gelege-
nen Abschnitt des Prozessionsweges ein Bezugspunkt im Monthbezirk selbst vorhanden war, der den
Standort der Kapellen am Weg bestimmte, ist nicht mehr festzustellen16.
Ähnliches gilt für die dritte, westlichste Gruppe (Taf. 19 [III]): Die Fassaden der drei Kapellen sind
auf den Prozessionsweg ausgerichtet, die Frage nach einem Bezugspunkt hinter den Kapellen ist unge-
klärt17. Der Weg führt nach Süden auf den axial gelegenen Amuntempel zu.
Alle drei Gruppen sind offenkundig auf einen Weg hin ausgerichtet. Obwohl praktisch nur anhand
der Kapellenorientierung18 und daher nur sehr bruchstückhaft nachzuweisen, erscheint es plausibel,

14 Dieser Tempel ist bis auf einige Inschriften so gut wie unpubliziert, vgl. Porter et al. 1994, 207. Nur die beiden jüngsten
osirianischen Strukturen in Karnak, das letzte, ptolemäerzeitliche Osirisgrab und der in seiner jüngsten Stufe römerzeitliche
Tempel, sind in ihrer Ausrichtung streng auf den Haupttempel bezogen.
15 Auch diese Umfassungsmauer stammt, wie diejenige des Haupttempels, aus der 30. Dynastie und ist damit wesentlich
jünger als die Kapellen.
16 Auch diese Kapellen sind faktisch unpubliziert, vgl. Porter et al. 1994, 13-5.
17 Im Verlauf der jüngsten Grabungen wurden hinter der mittleren Kapelle Reste eines Gebäudes freigelegt, das
möglicherweise als Lebensmittelmagazin diente. Die Ausgräber vermuten einen direkten Bezug zu der Kapelle, die dem
‚Osiris, Herr der Speisen’ geweiht war: Coulon und Defernez 2004, 160-90.
18 An einer Stelle sind geringfügige Reste der originalen Pflasterung nachweisbar, s. Coulon und Defernez 2004, 145.
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diese Bruchstücke als Fragmente eines einzigen Wegverlaufs zu deuten. Die Kapellen gestalten den Weg
nicht, sondern flankieren ihn lediglich abschnittsweise. Keinerlei monumentale Elemente wie Sphingen
oder Säulenreihen lassen sich hier nachweisen, kein geradliniger Wegverlauf. Diese Straße fällt voll-
kommen aus dem rechtwinkligen Koordinatensystem der Tempelanlage heraus. Sie steht damit in auf-
fälligem Gegensatz zur üblichen Führung von Prozessionswegen, wie sie innerhalb Karnaks und über
Karnak hinaus in der Region Theben zu verfolgen ist.
Jede Kapelle ist einem bestimmten Aspekt des Osiris geweiht, der in einem Epitheton zum Ausdruck
kommt, das zusammen mit dem Namen des Gottes in eine Königskartusche eingeschlossen ist. Die
Epitheta betonen vor allem die bereits angesprochene Rolle des Osiris als Erhalter und Ernährer19. Sein
Königtum wird durch die erwähnte Einschreibung des Namens in eine Kartusche (das einen Königs-
namen umgebende Oval) hervorgehoben. Einige Beinamen wie ‚Herrscher der Ewigkeit’ bezeichnen
Osiris in seiner ursprünglichen Funktion als Totengott. Die Namen des Osiris in den Kapellen am Osi-
risgrab nehmen deutlich Bezug auf die Grabstätte20, wohingegen für die beiden anderen Gruppen eine
entsprechende Regelhaftigkeit nicht festzustellen ist.
Architektur und Dekoration der Kapellen sind bis auf sehr wenige Ausnahmen nur bruchstückhaft
bekannt, doch kann bereits der Grundplan des steinernen Nukleus Aufschluss über die allgemeine Funk-
tion dieser Bauten geben. Dass die Funktion eines Gebäudes seine Gestaltung bestimmt, ist eine triviale
Beobachtung, die hier aber eine grundlegende Feststellung erlaubt. Was vorhin über die Tempelanlage
von Karnak gesagt wurde, gilt im Einzelnen auch für einen ägyptischen Tempel ‚typischer’ Ausführung:
Er ist im Wesentlichen axial angelegt. Vom äußeren Tempeltor bis zum tief innen gelegenen Sank-
tuar führt ein schnurgerader Weg, der die Mittelachse des Tempelhauses bildet. Das innere Ende dieser
Achse öffnet sich in das Barkensanktuar, von dem aus das Gottesbild zur Prozession aufbrach21. Damit
verglichen weisen die Osiriskapellen einen grundlegenden Unterschied auf: Zwar besitzen die meisten
von ihnen einen durch Säulen und Tore markierten, axial angelegten Zugang, der in vielen Fällen auch
auf einen in der Mitte der Fassade des Tempelhauses befindlichen Eingang hinführt. Hinter der Fassade
bricht das axiale Wegprinzip dann aber ab: Man befindet sich in einem Vorraum, von dem aus man seit-
lich in eine weitere Kammer gelangt22. Diese architektonischen Charakteristika zeigen, dass es sich bei
den Osiriskapellen weder um vollwertige Tempel – mit einem zentralen (Barken)Sanktuar – handelt,
noch um Stationskapellen, den für prozessionswegbegleitende Bauten üblichen Typ mit lang gestreck-
ten Räumen zur Aufnahme der Prozessionsbarke. Das Prinzip der geknickten oder auch verschobenen
Achse ist hingegen bei anderen Kapellen des Osiris, in denen alljährlich die Mysterien von Tod, Auf-
erstehung und Herrschaftsübertragung im Verborgenen vollzogen wurden, die Regel (Abb. 2). Diese
Merkmale erlauben den Schluss, dass die Osiriskapellen von Karnak nicht einem kontinuierlichen Kult-
betrieb dienten, sondern nur anlässlich der Osirisfestlichkeiten aktiviert wurden. Die Kapellen waren
nicht Wohnstätte, sondern Werkstätte der Gottheit mit einem eng definierten Aufgabenbereich23.
Ein ‚klassischer’ ägyptischer Tempel zeichnete sich, wie eben angesprochen, durch eine ausgeprägte
Mittelachse aus, den Beginn des ‚Gottesweges’24, auf dem sich die Gottheit zur Prozession begab. Ebenso
geradlinig verliefen auch die Prozessionswege außerhalb von Tempelhaus und Tempelbezirk. Ein Gott
ging keine krummen Wege, wenn es sich vermeiden ließ. Der Prozessionsweg des Osiris, zumindest

19 Beispielsweise ‚Osiris, Herr des Lebens’ (mehrfach), ‚Osiris, der Lebensstifter’, ‚Osiris, Herr der Speisen’.
20 ‚Osiris, der den Ischedbaum eröffnet’, ‚Osiris inmitten des Ischedbaumes’. Isched war der Name des den Grabhügel des
Osiris bekrönenden Baumes.
21 Es handelt sich hierbei, wie oben bereits angedeutet, um den Weg des Gottes, der von dem Weg des Priesters zu unterscheiden
ist, der den Tempel durch Seiteneingänge betrat. Es ist außerdem zu unterscheiden zwischen dem Barkensanktuar und dem
eigentlichen Kultbildsanktuar, das vor der Spätzeit oft seitlich hinter dem Barkensanktuar lag; s. zu beidem Fitzenreiter
2003.
22 Die sechs Kapellen der zweiten Gruppe weisen als ein weiteres Element, das sie von den zwei anderen Gruppen
unterscheidet, einen den beiden Kammern vorgelagerten Raum auf. Der Kapelle des ‚Osiris, Herrscher der Ewigkeit’ am
Osirisgrab (Taf. 19 [I rechts]) wurde ein solcher Vorraum erst nachträglich angefügt.
23 Die Dekoration der einzigen publizierten Inneren Kammer einer Osiriskapelle (Leclant 1965, 33 Abb. 9, 34 Abb. 10-2)
zeigt zum einen das Ritual des ‚Aufrichtens des Djed-Pfeilers’, das eng mit der Bestattung des Osiris verknüpft ist, zum
anderen Totenopfer und Verklärungen für Osiris in einer Darstellungstradition, die seit dem Alten Reich vor allem in
Gräbern für Privatpersonen belegt ist, an eine Gottheit gerichtet m.W. jedoch einzig dasteht. Die ebenfalls abgebildeten
Prozessionsstandarten reflektieren den formalen Rahmen des Geschehens.
24 So die ägyptische Bezeichnung des Prozessionswegs, vgl. Cabrol 2001, 61-4.
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Abb. 2. Osiriskapellen auf den Dächern der Tempel von Dendera und Edfu. Nach: Cauville 1997, Taf. 2; Waitkus
1999, 159 Abb. 1.

der anhand der Kapellenanordnung nachvollziehbare Abschnitt hin zum Grab, verfolgte hingegen kei-
neswegs eine gerade Linie. Er beschrieb vielmehr einen west-östlich orientierten, weit nach Norden
ausgreifenden Bogen mit nur geringer Markierung des Weges (Taf. 1925). Über die Gründe für diesen
exzentrischen Wegverlauf26 lassen sich einstweilen nur Vermutungen anstellen. Möglicherweise liegt
eine absichtliche Transposition der Prozessionstopographie von Abydos, dem Hauptkultort des Osiris,
vor. Dort folgte der Festzug dem natürlichen Verlauf eines Wadi, eines ausgetrockneten Flussbettes, das
ebenfalls einen Bogen nach Norden beschreibt (Taf. 20)27. Entsprechend der Lage am westlichen Nilufer
verlief dort der Weg des Gottes von seinem Tempel zu seinem Grab in der alten Königsnekropole in
ost-westlicher Richtung. Diese These einer Übertragung der ‚sakralen Landschaft’28 gewinnt an Plausi-

25 Der eingezeichnete Wegverlauf kann und soll nur eine ganz allgemeine Vorstellung vermitteln, da sich – jedenfalls anhand
des bislang publizierten Materials – keine detaillierteren Aussagen dazu treffen lassen.
26 Exzentrisch nicht nur wegen der nichtlinear angelegten Strecke, sondern auch wegen ihrer polaren Ausrichtung: Norden
(hier ausgeprägt in der Lage nördlich des Haupttempels und der Ausbiegung nach Norden) und Osten (hier als Zielort =
Grabstätte des Osiris) besaßen im ägyptischen Weltbild eine geringere Wertigkeit als Süden und Westen (s. Fitzenreiter
2004, 140-1). Auch diese Beobachtung spricht für die oben vorgetragene These einer Übertragung des Wegverlaufs.
27 S. Kucharek (im Druck).
28 Fitzenreiter (2003, 151) interpretiert die Struktur von Tell el-Amarna, der quasi aus dem Boden gestampften Residenzstadt
des Echnaton, als „inverse Interpretation von Theben“, Pamminger (1992, 115) die ungewöhnliche nordsüdliche
Ausrichtung des Luxortempels als „Transposition der geographischen Realität und der theologischen Ideologie in
Sakralarchitektur“. Zur Einbindung der natürlichen Topographie in Kult und Politik Ägyptens s. Richards 1999. Die
Transposition von mythischen Topographien auf sakrale Strukturen ist in Ägypten wohlbekannt. So ist jeder Tempel ein
Abbild des ‚Urhügels’, des ersten Schöpfungsortes, bzw. ruht auf ihm (Martin 1986).
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Abb. 3. Die Prozessionsbarke des Osiris in Abydos im Giebelfeld der Stele Lyon H 1379. Im Barkenschrein der
Abydosfetisch (eingerahmt). Nach: Fischer 1988, Taf. 18a.

bilität dadurch, dass es spezifisch der Osiris von Abydos war, der bei der Prozession in Karnak verehrt
wurde. Konkret handelte es sich bei dem Prozessionsbild um den so genannten ‚Abydosfetisch’, ein
Gebilde letztlich ungeklärter Herkunft und Bedeutung, das für den Gott stand und bei den Osirisfeiern in
Abydos in einer Prozessionsbarke erschien (Abb. 3). Ebendieser Abydosfetisch ist in Karnak in einigen
Osiriskapellen sowie auf zahlreichen Tempelstatuen abgebildet, oft mitsamt den Tragstangen (Abb. 4).
Er war offenbar ein zentrales Objekt der Prozessionsfeierlichkeiten, ohne dass seine genaue Funktion
geklärt wäre29.

Soziohistorische Dimension

Osirisfiguren wurden in Karnak spätestens seit Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. feierlich bestattet;
diese Praxis wurde nachweislich noch unter römischer Herrschaft im 1. Jahrhundert n.Chr. ausgeübt30.
Umso bemerkenswerter erscheint daher der vergleichsweise enge Zeitrahmen, in dem die Osiriskapellen
errichtet wurden. Er umfasst die grob 400 Jahre von der 22. bis zur 26. Dynastie (945-525 v. Chr.). Es
sind die Befunde dieser Zeit und vor allem der 25. und 26. Dynastie (ca. 750-525 v. Chr.), in deren Ver-
lauf die meisten Osiriskapellen errichtet wurden, die der folgenden Darstellung zugrunde liegen.
Historisch betrachtet bildet der genannte Zeitraum keine einheitliche Epoche (Abb. 5). Nach der
gängigen Einteilung wird die Zeit der 22.-25. Dynastie der sog. 3. Zwischenzeit zugerechnet, deren
Beginn jedoch bereits die 21. Dynastie markiert. Die 21.-24. Dynastie wiederum bildet innerhalb der 3.
Zwischenzeit die ‚Libyerzeit’, da die Herrscher dieser Linie ursprünglich aus dem Westen eingewan-
dert waren. Die letzte Libyerdynastie wurde von nubischen Eroberern abgelöst, den ‚Kuschiten’, deren
Herrschaft als 25. Dynastie gerechnet wird, die die 3. Zwischenzeit abschloss. Die letzte Dynastie, die in
Karnak dem Osiriskult in hervorragender Weise Denkmäler setzte, war die der Spätzeit zugerechnete 26.
Dynastie, deren Könige aus Sais im Delta stammten; diese Zeit wird daher oft als ‚Saitenzeit’ bezeich-

29 Überlegungen bei Koemoth (2001) sowie Eaton (2004, 416-25).


30 Die ältesten Osirisgräber stammen aus dem frühen 1. Jahrtausend. Der Osiristempel am Grab (Taf. 19 [B]) wurde unter dem
römischen Kaiser Tiberius letztmals erneuert. Ebenfalls aus römischer Zeit stammt ein Papyrus, in dem der Ritualablauf
während der Osirisprozession in Karnak leitfadenartig aufgezeichnet ist (Barguet 1962).
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Abb. 4. Die Statue des Hor (22. Dynastie) aus der Kapelle des Osiris, der den Ischedbaum eröffnet in Karnak.
An der Seitenfläche eine Darstellung des Abydosfetischs mit Tragstangen und Prozessionsstandarten. Nach:
Jansen-Winkeln 1985, Taf. 32.

net. Letztlich war freilich auch diese Dynastie libyscher Abstammung. In politischer Hinsicht war der
gesamte Zeitraum eine unruhige Epoche, in der selten ein König unangefochten über ganz Ägypten
herrschte31.
Dieser historischen Heterogenität steht ein einender Faktor gegenüber. Genau in der Zeit, in der in
Karnak Osiriskapellen errichtet wurden, regierte in Theben eine ‚Gottesgemahlin des Amun’. Diese Frau
war stets eine Königstochter, die in aller Kürze als oberägyptische Statthalterin ihrer im Nildelta resi-
dierenden Dynastie charakterisiert werden kann. Als kultische Gemahlin des Hauptgottes von Karnak
ging sie keine irdische Ehe ein und konnte daher keine eigene Dynastie begründen, sie besaß allerdings
echten königlichen Status. In kultischer Hinsicht bedeutete das beispielsweise, dass sie eigenständig den
Götterkult vollziehen konnte und in bildlichen Darstellungen diese Rolle alleine oder gleichberechtigt
mit dem regierenden Herrscher ausfüllte. Die Vererbung ihres Amtes geschah durch Adoption einer
Nachfolgerin. Die beiden letzten Amtsinhaberinnen übernahmen sogar die bis dahin stets von einem
Mann ausgeübte Würde des Hohenpriesters des Amun, des höchsten geistlichen Amtes in Karnak.
Dass Osiriskapellen nur in der Epoche der Gottesgemahlinnen errichtet wurden, ist nachweislich kein
zufälliges Zusammentreffen, da mit ganz wenigen Ausnahmen ebendiese Gottesgemahlinnen alleine
oder zusammen mit dem regierenden König als Bauherrinnen der Kapellen firmieren.
Im Vergleich zu ihrer Machtfülle und in Anbetracht eines Amtes, das weit über 200 Jahre lang unun-
terbrochen ausgeübt wurde, fällt die Bilanz der Bauwerke der Gottesgemahlinnen eher bescheiden aus32.
Wenn auch insgesamt die Epoche der 22. bis 26. Dynastie speziell in Oberägypten nicht eben von
großer Baufreude geprägt war, sind doch in Hinsicht auf die Gottesgemahlinnen einige Besonderhei-
ten zu registrieren. So tragen die Bauten dieser Zeit im Amunbezirk von Karnak selbst nur die Namen
der regierenden Könige, die Gottesgemahlinnen finden dort keinerlei Erwähnung. Nur außerhalb des
Amunbezirks ließen sie die bescheiden dimensionierten Kapellen aufführen, die alle einem einheitli-

31 Einen Überblick über diese bewegte Zeit unter besonderer Berücksichtigung des Aspekts der ‚Fremdherrschaft’ gibt
Jansen-Winkeln (2000).
32 Die einzigen Bauwerke, die den Gottesgemahlinnen abgesehen von den Kapellen in Karnak zugeordnet werden können,
sind ihre Grabkapellen auf der Westseite von Theben in Medinet Habu. Obwohl ihr Herrschaftsgebiet deutlich über
Theben hinausging, ist ihre Bautätigkeit praktisch auf diese beiden Punkte beschränkt geblieben. Lediglich in Medamud,
einige Kilometer nördlich von Theben, sind noch Reste einer Kapelle der Gottesgemahlin Schepenupet II. gefunden
worden, zusammen mit Blöcken einer etwa zeitgenössischen Osiriskapelle (unpubliziert, vgl. Coulon 2003, 56).
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Abb. 5. Chronologische Übersicht.

chen Schema verpflichtet waren und die überraschenderweise nicht dem Amun, dem göttlichen Gemahl
der Bauherrinnen, geweiht waren, sondern Osiris33. Die Gründe für diese auffallende Einschränkung
sind bislang ungeklärt.
Für die Tatsache der engen Bindung an Osiris insbesondere seitens der Gottesgemahlinnen kann
hingegen eine zumindest partielle Begründung versucht werden. Hier spielt das seit dem Neuen Reich
immer stärker hervortretende Wesen des Osiris als universaler Ernährer und Erhalter, als Herrscher nicht
nur über die Toten, sondern auch über die Lebenden, eine gewichtige Rolle.
Amun-Re, der Hauptgott von Karnak, war eine Erscheinungsform des Sonnengottes, als dessen
‚Leichnam’ Osiris galt. Der Sonnengott vereinte sich allnächtlich an der tiefsten Stelle der Unterwelt mit
Osiris und erneuerte dadurch seine Lebenskraft. Zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang durch-
zog der Sonnengott auf einer westöstlichen Bahn das Totenreich, wobei er den Toten Licht und Leben
spendete34. Diese enge Verbindung von Amun-Re und Osiris war sicherlich ein Auslöser der verstärkten
Bautätigkeit für Osiris in Karnak. Gleichzeitig wuchs aber auch seine bereits angedeutete Position als
der Lebensspender für Ägypten überhaupt, die sich im theologischen Bild der Verwesungsflüssigkeit des
Osirisleichnams als Überschwemmungswasser ausdrückte35. In beiden Fällen ist das Motiv der Regene-
ration unübersehbar: Der – tagsüber gealterte – Sonnengott verjüngt sich durch die nächtliche Vereini-
gung mit seinem Körper in der Unterwelt und kann so am nächsten Morgen als Sonnenkind wieder im
Osthorizont erscheinen und erneut seine Himmelsbahn beschreiten. Die periodisch auftretende Nilüber-
schwemmung aber, die die Äcker befruchtete und bewässerte, erhielt das ganze Land – von den Göttern
bis zum letzten Wurm – am Leben. Die Gewährleistung der steten Wiederkehr der zyklischen kosmi-
schen Phänomene von Sonnenlauf und Nilüberschwemmung und damit die Welterhaltung war Aufgabe
des Herrschers, die er durch vorschriftsgemäß vollzogenen Kult erfüllte. Im Gegenzug verliehen die
Götter dem König eine lange und erfolgreiche Regierung. Osiris wurde im Verlauf des 1. Jahrtausends
v. Chr. zum Exponenten dieses Systems der Schöpfungserhaltung. Aus dem Jenseits heraus sorgte der
König des Totenreiches für das Wohlergehen des Diesseits, vorausgesetzt, sein im regierenden Herr-
scher inkarnierter Sohn Horus sorgte durch Kult- und Festvollzug für seinen Vater Osiris. Diese Bezie-
hung nimmt in den Osiriskapellen in Karnak Gestalt an, in denen im Verlauf der Osirismysterien der tote

33 Tatsächlich ist der Hauptgott von Karnak in der Wanddekoration der Kapellen stets mehr oder weniger prominent vertreten,
an der Weihung an Osiris ändert dies jedoch nichts. Auch Statuen der Gottesgemahlinnen sind, soweit beschriftet, entweder
mit einer Weihung an Osiris oder, bei Bronzestatuetten, mit Bildern des Osiris, des Abydosfetischs und/oder der ebenfalls
in die osirianische Theologie eingebundenen Barke des Gottes Sokar versehen (Perdu 1996; Delange et al. 1998, 72-3).
34 Zur Verschmelzung osirianischer und solarer Theologie in der 3. Zwischenzeit in Theben vgl. Niwinski 1987-88.
35 S. Assmann 2003.
10 Andrea Kucharek

Gott belebt und zum Herrscher der Unterwelt erhoben wurde, bevor er am Ende des Prozessionsfestes
zu Grabe getragen und dergestalt in sein jenseitiges Reich eingeführt wurde. Dank ihres königlichen
Status konnte die Gottesgemahlin des Amun in die sonst dem König vorbehaltene Horusrolle eintreten.
Erstaunlich bleibt bei allem die Anzahl der nachweisbaren Kapellen: Unter der Herrschaft von insge-
samt sieben Gottesgemahlinnen entstanden etwa zwanzig der kleinen Bauten36. Eine Erklärung dafür
ist, dass jede Gottesgemahlin jeder Kapellengruppe eine weitere Kapelle hinzufügen wollte. Ich möchte
noch eine weitere Möglichkeit vorschlagen, die die erste Begründung nicht ausschließt.
Trotz des schlechten Erhaltungszustandes der meisten Kapellen und trotz der sehr unvollständigen
Publikationslage ist ein höchst ungewöhnliches Element nicht zu übersehen: Die Präsenz von Privatper-
sonen. In einem bisher nicht dagewesenen Maß wurde der jeweils höchste Beamte einer Gottesgemah-
lin, der Obervermögensverwalter, der mächtigste Mann im Staat, in die Kapellendekoration mit einbe-
zogen37. Schon seit Jahrhunderten hatte es das Institut der Tempelstatue gegeben, der durch königliche
Gunst im Tempel aufgestellten Statue einer Privatperson. Sie sollte den Dargestellten für alle Zeiten
in den Genuss der Opfergaben bringen, die der Gottheit im Tempel dargebracht wurden. Gleichzeitig
übernahm die Tempelstatue eine Funktion, die zuvor der Grabanlage und ihrer Ausgestaltung zugekom-
men war: Sie verstetigte die Erinnerung an den Statuenbesitzer, was sich vor allem in den ausführlichen
biographischen Inschriften dieser Statuen ausprägt38. In den Osiriskapellen aber manifestiert sich eine
Steigerung sowohl des weltlichen Prestiges als auch des göttlichen Wohlwollens für die betreffende
Person. Verglichen mit der unmittelbaren Gottesbegegnung, die die Gegenwart beim Götterkult impli-
ziert, mutet die Bitte um Opfergaben und Gebete, wie sie für Tempelstatuen charakteristisch war, gera-
dezu bescheiden an. Durch die Anbringung seines Namens auch an den von außen sichtbaren Toren
der Kapelleneinfriedung blieb das außerordentliche Privileg des Obervermögensverwalters auch seinen
Mitmenschen nicht verborgen39.
Eine Vorstufe dieser erstaunlichen Entwicklung lässt sich durch einen glücklichen Zufall fassen.
Die älteste datierbare Osiriskapelle in Karnak aus der 22. Dynastie, am Osirisgrab gelegen, enthält
keine Darstellung oder Erwähnung einer Privatperson oder einer Gottesgemahlin40. Im Vorhof der
Kapelle waren jedoch die Statuen eines hochrangigen Beamten und Priesters namens Hor (Abb. 4) und
seiner Frau Schepensopdet aufgestellt41. In Art und Beschriftung entsprechen sie weitestgehend den
zahlreichen sonstigen Tempelstatuen42. Die Statue des Hor trägt außerdem einen Schenkungsvermerk
des Königs. Hor berichtet im autobiographischen Teil der Statueninschrift allerdings, dass er selbst die
Kapelle erbaut habe, und nicht nur dies, sondern er bezeichnet sich ausdrücklich als ihr Urheber und
Nutznießer: „Gott war es, der es (die Errichtung der Kapelle) in mein Herz gegeben hatte, damit meine
Lebenszeit lang sei.“43 Kapelle und Statuen stehen, je für sich betrachtet, ganz im Rahmen der bestehen-
den Konventionen: Der Kultbau zeigt ausschließlich den König und die verehrten Gottheiten. Die Tem-

36 Abgesehen von den 14 Kapellen, die auf die drei in diesem Aufsatz behandelten Gruppen verteilt sind, sind noch einige
vereinzelt stehende sowie diverse Blöcke von nicht mehr lokalisierbaren Kapellen bekannt.
37 Zum Obervermögensverwalter der Gottesgemahlinnen vgl. Graefe 1981.
38 Vgl. Guksch 1994, 16-7; Assmann 2004, 7.
39 Vorläufer dieser Erscheinung sind in der 21. Dynastie in Memphis bezeugt, wo Türstürze und Türpfosten eines kleineren
Amunheiligtums Darstellungen bzw. Namen des Hohenpriesters von Memphis und des Priesters des Heiligtums tragen.
Am selben Ort wurde auch ein entsprechend gestalteter Türsturz aus der Zeit Osorkons I. vom Beginn der 22. Dynastie
gefunden (Porter et al. 1981, 853-4). Zwischen diesen und dem ersten Auftreten in Karnak liegt ein Zeitraum von ca. 200
Jahren.
40 Das Fehlen einer Gottesgemahlin in einer Osiriskapelle ist höchst ungewöhnlich, wenn auch nicht ganz einzigartig.
Denselben Befund bietet die Dekoration der einzigen südlich des Amuntempels gelegenen, recht gut erhaltenen
Osiriskapelle (Porter et al. 1994, 278), obwohl im Zeitraum ihrer Errichtung permanent Gottesgemahlinnen im Amt
waren. Obervermögensverwalter der Gottesgemahlinnen sind erst seit der 25. Dynastie bezeugt.
41 Zu dieser Kapelle und den erwähnten Statuen vgl. Redford (1986), der auch auf eine dritte, in situ im Vorhof der Kapelle
aufgefundene, fragmentarische Statue des Hor und der Schepensopdet eingeht; Coulon 2005, 334-6; Jansen-Winkeln
1985, 136-67, 506-14, 520-6, Taf. 30-3, 37-40.
42 In der chronologischen Abfolge der Privatstatuen tut sich mit der dem hier besprochenen Zeitraum unmittelbar
vorangehenden 21. Dynastie (ca. 1070-945 v. Chr.) eine eklatante Lücke auf: Aus dieser Periode ist keine einzige
Privatstatue bekannt (vgl. Eaton-Krauss und Jansen-Winkeln 2001, 3, 9). Erst mit der frühen 22. Dynastie setzt wieder
eine umfangreiche Statuenproduktion ein.
43 Jansen-Winkeln 1985, 142. Die Worte „Ich bin gekommen, damit ich in [dieser Kapelle] bin“ auf der Statue der
Schepensopdet unterstreichen die Zusammengehörigkeit von Statue und Kapelle (Jansen-Winkeln 1985, 159).
Auf der Suche nach Konstruktionen der Macht 11

pelstatue, die einer Privatperson als besondere königliche Gunstgabe zuteil wurde, ist zum Zeitpunkt
der Kapellenerrichtung eine uralte Einrichtung. Erst aus der Kombination beider Objektgattungen ergibt
sich eine neue Perspektive, aus der heraus die Osiriskapelle auch als privat initiiertes frommes Werk zu
individuellem Nutzen verstanden werden kann.
Sehen wir uns im Vergleich die jüngste Osiriskapelle vom Ende der 26. Dynastie an44. Eine Statue
des nunmehr waltenden Obervermögensverwalters Scheschonq ist nicht erhalten. Trotzdem kann am
Anteil dieses Beamten an der Kapelle kein Zweifel bestehen. In praktisch jeder Szene, die seine Herrin,
die Gottesgemahlin Anchnesneferibre, bei der Kultausübung vor einer Gottheit zeigt, ist auch Sche-
schonq anwesend: Er steht hinter der Gottesgemahlin und ist entsprechend seiner geringeren Würde
in kleinerem Maßstab dargestellt45. Er partizipiert nicht handelnd am Kult, aber bereits die bloße Ein-
beziehung in die Kultsphäre des Göttlichen bedeutete für eine Privatperson allerhöchstes Privileg. Die
Gottesgemahlin fungierte für ihn als ‚Mittlerin’ zur Gottheit46. Nach außen hin verkündete der Name
des Scheschonq an den Türpfosten unübersehbar seine Ausnahmestellung47. Das zwischen König bzw.
Gottesgemahlin und Gott vonstatten gehende Kultgeschehen auf der einen Seite und die Präsenz einer
Privatperson auf der anderen Seite sind nun nicht mehr separabel. Während Scheschonqs Vorläufer in
der 22. Dynastie sich noch in Gestalt eines althergebrachten Mediums mit einer Position im Vorhof
des Heiligtums begnügt hatte, waren im Verlauf der 25. Dynastie die Obervermögensverwalter in das
Sanktuar selbst vorgedrungen. Die Frage, ob sie dies nur in effigie, im Bild taten oder ob sie leibhaftig
an den Osirisriten teilnahmen, kann nicht eindeutig beantwortet werden. Es gibt aber durchaus Indizien,
die dafür sprechen48.
Wenn tatsächlich hochrangige Privatpersonen, vor allem Obervermögensverwalter, eine der treiben-
den Kräfte des Kapellenbaus waren, könnte dies eine Erklärung dafür liefern, warum mit dem Ende des
Amtes der Gottesgemahlin des Amun auch die Errichtung von Osiriskapellen ein jähes Ende fand. Es
ist bekannt, dass die Osirismysterien in Karnak noch im ersten nachchristlichen Jahrhundert vollzogen
wurden, und aus der vorangehenden Ptolemäerzeit sind vereinzelt Priester der in den Kapellen verehrten
Formen des Osiris belegt. Einer dieser Priester erweiterte sogar im eigenen Namen – nicht im Namen
des Herrschers! – die älteste Osiriskapelle am Gottesgrab49. Die einzigartige Verquickung von königli-
cher und privater Initiative blieb aber auf die Epoche der Gottesgemahlinnen beschränkt und ist daher,
so mein Vorschlag, in der spezifischen Herrschafts- und Verwaltungsstruktur der Zeit zu suchen.
Meine These lautet, dass die Osiriskapellen von Karnak ihre Existenz grundlegend der verstärkt
im ersten vorchristlichen Jahrtausend erfolgten Wesensverschiebung bzw. -erweiterung des Totengot-
tes Osiris hin zum allumfassenden Nährer und Erhalter der Schöpfung hin verdanken. An ihrer Lage
und Architektur ist ihre Funktion als Stätte geheimer Rituale im Verlauf einer Festprozession ablesbar.
Diese Rituale zielen auf die Wiederherstellung der königlichen Person des toten Gottes Osiris auf dem
Weg zu seinem künftigem Herrschaftsbereich, dem Totenreich, und dienen gleichzeitig der Übertragung
seines irdischen Königtums auf den regierenden Herrscher. Mit dem Grab des Osiris findet die Schnitt-
stelle zwischen Diesseits und Jenseits eine konkrete Verortung. Der Prozessionsweg bildete vielleicht

44 Coulon 2003; Coulon und Defernez 2004.


45 S. beispielsweise Coulon 2003, 49 Abb. 2.
46 Zum Konzept des Mittlertums in Ägypten vgl. Radwan 1991, Pamminger 1996. Auf Stelen und im ägyptisch verwalteten
Nubien ist der König als Mittler für eine Privatperson seit dem Neuen Reich belegt. In einem Tempel im ägyptischen
Mutterland war dies zu jener Zeit nicht denkbar, wie die einzige Ausnahme zeigt: Die Darstellungen des hohen Beamten
Senenmut im Totentempel der Königin Hatschepsut (18. Dynastie) in Deir el-Bahari (Theben-West) wurden zwar mit
ihrer ausdrücklichen Erlaubnis, aber sämtlich an verborgenen Stellen angebracht (Dorman 1988, 6, 125).
47 Coulon und Defernez 2004, 157 Abb. 12.
48 So trägt der Obervermögensverwalter Harwa auf zwei seiner zahlreichen Statuen den Titel eines ‚Priesters des ‚Osiris,
der Lebensstifter’’. ‚Der Lebensstifter’ war eine Form des Osiris, der eine zeitgenössische Osiriskapelle geweiht war.
Die Vermutung, dass die beiden Statuen zur Kapelle gehörten und dass Harwa dort priesterliche Funktionen ausübte,
liegt nahe. Zu den Statuen s. Gunn und Engelbach 1931, 803; Gunn 1934, 136, 141. Für die Osirisprozessionsfeste des
Mittleren Reiches in Abydos (um 2000 v. Chr.) ist die Übernahme priesterlicher Ämter durch Verwaltungsbeamte für die
Dauer des Festes bezeugt, vgl. Kucharek (im Druck).
49 Coulon 2005, 337-9.
12 Andrea Kucharek

die Kulttopographie des zentralen Osiriskultortes Abydos ab50. Die auffallende Anzahl der Kapellen
kann durch die Pluralität ihrer Bezugspunkte erklärt werden, wobei bedauerlicherweise bei zwei der
drei Gruppen dieser Bezugspunkt im Dunkel liegt. Eine weitere Motivation für die Errichtung mehre-
rer Kapellen innerhalb der Regierungszeit einer Gottesgemahlin ist vermutlich im privaten Sektor zu
suchen. Für fast jeden Obervermögensverwalter der 25. und 26. Dynastie ist eine Beteiligung an einer
Osiriskapelle nachzuweisen. In erheblicher Ausweitung des alten Privilegs der Tempelstatue erobern
diese hohen Beamten den sakralen Raum, um dadurch göttliche Gunst und weltliches Prestige zu erlan-
gen51. Letzteres wird durch die Lage der Kapellen außerhalb der Umfassungsmauern des Amuntempels
auch für die Allgemeinheit deutlich fassbar. Die periphere Lage impliziert zwar zum einen einen minder
sakralen Status, stellt aber zum anderen eine gewisse Öffentlichkeit sicher. An dieser Schnittstelle hei-
liger und profaner Räume stellten Gottesgemahlin und Obervermögensverwalter ihren Anspruch auf
Gottesnähe zur Schau.

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50 Der Stellenwert von Abydos lässt sich auch daran ablesen, dass dies außerhalb Thebens der einzige Ort war, an dem die
oberägyptischen Herrscher der Libyerzeit nennenswerte Denkmäler hinterließen. In der folgenden 25. Dynastie wurden
zudem zahlreiche weibliche Mitglieder des Königshauses in Abydos begraben.
51 Wahrscheinlich konvergieren hier mehrere Strömungen und Motive, die im vorliegenden Rahmen aber nicht diskutiert
werden können. Erwähnt sei die bereits angedeutete Funktionsannäherung von Grab und Tempel seit dem späteren Neuen
Reich, die sich zum einen in der Verehrung von Gottheiten im Grab niederschlug, zum anderen aber die so genannte
‚Sakralisierung des Diesseits’, die sich im Wunsch des Verstorbenen nach zeitweiser Rückkehr in die Welt der Lebenden
und insbesondere nach der Teilnahme an Götterfesten niederschlug. Gerade in der Sphäre des Totengottes Osiris, dem
auch im Privatgrab eine prominente Rolle zukam, scheint die Möglichkeit einer Annäherung von Grab und Tempel
besonders groß. Auf formale Vorläufer in der 21. und 22. Dynastie im Delta wurde oben verwiesen.
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Tafel 20
Kucharek, Auf der Suche nach Konstruktionen der Macht

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