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Wortstellung im einfachen Satz

Die Satzglieder – Subjekt, Objekte und Adverbialien sind im Althochdeutschen ebenso wie in der
deutschen Gegenwartssprache beweglich. Ihre Stellung im Satz hängt auch in dieser Zeit aufs engste mit
der kommunikativen Satzperspektive zusammen.
Das Substantiv erscheint meist als Ausgangspunkt des Satzes und nimmt in diesem Fall die erste
Stelle ein (die gerade Wortfolge):
Sum man habêta zuuêne sani (Ein gewisser Mann hatte zwei Söhne).
Ih wallôta sumaro enti wintro sehstic ur lante (Ich wanderte sechzig Sommer und Winter
außerhalb des Landes).
Er flôh in thaʒ gibirgi (Er floh ins Gebirge).
Die invertierte Wortfolge ist durch die Nachstellung des Subjekts gegenüber dem Prädikat
gekennzeichnet. Das Subjekt nimmt die zweite oder dritte Stelle im Satz ein. Es ist entweder ebenso wie
bei der geraden Wortfolge Ausgangspunkt der Mitteilung (das Thema) oder das Mitgeteilte (das Rhema).
Ungewöhnlich für die deutsche Gegenwartssprache ist die Zweitstellung des Subjekts im
Aussagesatz. Im Althochdeutschen ist sie häufig, da der Aussagesatz oft mit dem verbalen Prädikat
beginnt.
Forn her ôstar giweit, flôh her Otachres nîd (Einst reiste er ostwärts, er floh vor Odoakers Zorn).
An die erste Stelle im Satz rückt oft ein Objekt oder Adverbiale. Dies geschieht zum Beispiel, wenn das
Objekt oder Adverbiale die Verbindung des Satzes zum Vorausgehenden Satz herstellt und so den
Zusammenhang zwischen den Geschehnissen betont: meistens ist es ein lokales oder temporales
Adverbiale, besonders tho „da“, „dann“:
Quam thô uuîb fon Samariu sceffen uuʒʒar. Thô quad iru der heiland: gib mir trinkan. Thô quad
imo uuîb thaz samaritanisga… (Es kam da ein Weib aus Samaria Wasser schöpfen. Da sagte ihr
der Heiland: “gib mir zu trinken”. Da sagte ihm das samaritanische Weib …).
In diesen Beispielen sind das vorgeschobene Adverbiale sowie das an der dritten Stelle stehende
Subjekt Ausgangspunkt der Erzählung.
Das Objekt oder das Adverbiale werden an die erste Stelle auch zwecks der Inversion des Subjekts
vorgeschoben; das Subjekt rückt hinter das Prädikat und wird als das Rhema hervorgehoben:

In dagon eines kuninges was ein êwarto (In den Zeiten eines Königs lebte ein Priester).
Besonders häufig dient zur Inversion des Subjekts das Adverb thar in Verbindung mit dem Verb
wesan „sein“:
Thar wuuas man alter „Da war ein alter Mann“, eigentlich: „Es lebte ein alter Mann“.
Weniger verbreitet ist im Althochdeutschen die Voranstellung des Subjekts als das Rhema.
Vorangestellt werden manchmal auch die anderen Satzglieder, wenn sie im Satz das Rhema sind:
Einen kuning uueiʒ ih (Ich kenne einen König). Tot ist Hiltibrant (Tot ist Hildebrand)
Wenn ein Objekt oder ein Adverbiale das Rhema des Satzes sind, stehen sie gewöhnlich nach dem
Prädikat, möglichst am Satzende:
Thô nam her skild indi sper (Da nahm er Schild und Lanze).
Thô quam her zi Nazarêth (Da kam er nach Nazareth).
Wenn im Satz mehrere Objekte vorhanden sind, gilt derselbe Grundsatz der Nachstellung des
Rhemas:
Inti gibar ira sun êristboranon inti biuuant inan mit tuochum (Und sie gebar ihren
erstgeborenen Sohn und wickelte ihn in Tücher)

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