Sie sind auf Seite 1von 8

review

Neuropsychiatr
https://doi.org/10.1007/s40211-019-0307-4

Verstimmt, verzerrt, vergesslich: Das Zusammenwirken


emotionaler und kognitiver Dysfunktionen bei Depression
Lorenz B. Dehn · Thomas Beblo

Eingegangen: 21. September 2018 / Angenommen: 2. März 2019


© Springer-Verlag GmbH Austria, ein Teil von Springer Nature 2019

Zusammenfassung Bei Depressionen kommt es cha- Schlüsselwörter Depression · Emotionen · Kognition ·


rakteristischerweise zu Veränderungen des emotiona- Motivation · Rumination · Neuropsychologie
len Befindens, z. B. dem verminderten Erleben positi-
ver Emotionen, sowie zu kognitiven Beeinträchtigun- Depressed, biased, forgetful: The interaction of
gen, wie Konzentrations- und Gedächtnisschwierig- emotional and cognitive dysfunctions in
keiten. Diese emotionalen und kognitiven Dysfunk- depression
tionen sind eng miteinander verknüpft und tragen
entscheidend zur Entstehung und Aufrechterhaltung Summary Major depressive disorder is characterized
der depressiven Symptomatik bei. So zeigen Patien- by changes in the emotional state, e. g. the diminished
ten mit Depression beispielsweise eine negativ-ver- experience of positive emotions, as well as cognitive
zerrte Informationsverarbeitung, die sowohl die Auf- impairments such as concentration and memory dif-
merksamkeit und das Gedächtnis als auch die Re- ficulties. These emotional and cognitive dysfunctions
aktion auf Feedback betrifft. Hinzu kommt eine er- are closely interrelated and play a key role for the
höhte Vermeidungsmotivation bezüglich negativ be- development and maintenance of depressive symp-
werteter Zustände und eine gleichzeitig verminderte toms. For instance, patients with depression show
Motivation zur Annährung an positive Ziele. Zudem negatively biased information processing that affects
zeigen depressive Patienten auch häufig einen verän- attention and memory as well as their reaction to
derten Denkstil, der als Rumination bezeichnet wird feedback. In addition, there is an increased moti-
und das wiederholte, intensive Nachdenken über Ur- vation to avoid negatively evaluated conditions and
sachen, Folgen und Symptome der eigenen negativen at the same time a reduced motivation to approach
Gefühle umfasst. Die verschiedenen Zusammenhän- positive goals. Furthermore, depressed patients often
ge zwischen diesen emotionalen, motivationalen und show a specific style of thinking, called rumination,
kognitiven Symptomen depressiver Patienten sollen in which involves repeated, intensive thinking about the
dieser Arbeit übersichtsartig dargestellt werden. Dabei causes, consequences and symptoms of one’s own
wird vor allem auch der Einfluss ihres Zusammenwir- negative feelings. In this review, the different rela-
kens auf die kognitive Leistungsfähigkeit genauer be- tionships between emotional, motivational and cogni-
leuchtet. Die hier hervorgehobene klinische Relevanz tive symptoms of depressive patients will be presented
der emotional-kognitiven Dysfunktionen sollte auch and the influence of their interaction on cognitive per-
in therapeutischen Interventionen vermehrt Berück- formance will be discussed. The highlighted clinical
sichtigung finden. relevance of emotional-cognitive dysfunctions should
be considered more often in therapeutic interventions
for depressed patients.

Keywords Depressive Disorder · Emotions · Cogniti-


L. B. Dehn () · T. Beblo
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie –
on · Motivation · Rumination · Neuropsychology
Forschungsabteilung, Evangelisches Klinikum Bethel
(EvKB), Remterweg 69–71, 33617 Bielefeld, Deutschland
Lorenz.Dehn@evkb.de

K Emotional-kognitive Dysfunktionen
review

Einführung tienten systematisch dar. Ein besonderes Augenmerk


legen wir dabei auf kognitive Leistungen depressiver
Die Hauptsymptome einer Major Depression be- Patienten.
treffen Veränderungen des emotionalen Befindens.
Hierzu zählt sowohl das Auftreten von übermäßigen Negativ-verzerrte Verarbeitung
negativen Emotionen wie depressive Stimmung oder
Angst, als auch das Erleben verminderter positiver Kognitive Modelle der Depression gehen davon aus,
Emotionen (Anhedonie) sowie ein geringeres Interes- dass der Beginn, die Aufrechterhaltung und das Wie-
se und eine verminderte Motivation für angenehme derauftreten depressiver Episoden mit einer negativ
Aktivitäten [1, 2]. Wichtige Symptome stellen auch verzerrten Informationsverarbeitung verbunden sind
kognitive Veränderungen dar, die sich sowohl auf kog- [20, 23]. Das einflussreiche Modell von Beck [24] pos-
nitive Inhalte („Gedanken an den Tod“) als auch auf tuliert beispielsweise, dass die Informationsverarbei-
kognitive Leistungen beziehen. Beeinträchtigungen tung bei Depression durch negative Schemata verzerrt
kognitiver Leistungen bei Depression umfassen ge- wird. Schemata werden hierbei als früh erworbene,
mäß den Diagnosekriterien von DSM-5 [1] oder ICD- überdauernde negative und dysfunktionale Überzeu-
10 [2] sowohl eine verminderte Fähigkeit zu denken gungen verstanden. Diese Schemata dienen als Filter
oder sich zu konzentrieren als auch eine verringer- widersprüchlicher Informationen, erleichtern die Ver-
te Entscheidungsfähigkeit. Meta-Analysen zeigen bei arbeitung konsistenter Informationen und bestimmen
depressiven Patienten im Vergleich zu gesunden Kon- die Interpretation der Umwelt. Entsprechend dieser
trollpersonen insgesamt breite, moderat ausgeprägte Schemata schätzen depressive Patienten die eigene
kognitive Beeinträchtigungen in den Funktionsberei- Person, die Welt und die Zukunft konsequent nega-
chen Aufmerksamkeit, Verarbeitungstempo, Gedächt- tiv ein [25].
nis und Exekutivfunktionen [3–6]. Ein eindeutiges De- In Übereinstimmung mit diesem Ansatz gehen as-
fizitprofil ist dabei allerdings nicht ersichtlich [7, 8]. soziative Netzwerkmodelle davon aus, dass es Asso-
Die Defizite sind nicht nur während einer depressiven ziationen zwischen „mentalen Knoten“ gibt, die kog-
Episode nachweisbar, sondern ebenso im remittierten nitive Konzepte, Erinnerungen oder Emotionen reprä-
Zustand, wenn auch geringer ausgeprägt [9]. Bereits sentieren [26]. Solche Knoten können durch interne
bei erstmalig auftretenden depressiven Episoden lie- oder externe Reize aktiviert werden, wobei sich die-
gen kognitive Defizite vor [10], wobei die Defizite se Aktivierung dann über assoziative Bahnen auf ver-
mit jeder folgenden Episode deutlicher zu werden wandte Knoten ausbreitet. Wird bei depressiven Pati-
scheinen [11]. Zu berücksichtigen ist außerdem, dass enten z. B. der „Traurigkeitsknoten“ aktiviert, hat dies
depressive Subtypen, die zusätzliche oder deutlicher zugleich eine Ausbreitung der Aktivierung über das
ausgeprägte Symptome beinhalten (z. B. psychoti- assoziative Netzwerk und damit eine verstärkte Akti-
sche oder „melancholische“ Symptome), aber auch vierung verbundener Knoten zur Folge, die Konzep-
komorbide Erkrankungen (z. B. Angststörungen) mit te wie „Versagen“ oder „Inkompetenz“ repräsentieren
stärker ausgeprägten kognitiven Beeinträchtigungen können. Durch diese assoziative Aktivierung wird der
einhergehen [12–14]. Hinsichtlich demographischer emotionale Zustand aufrechterhalten und es kommt
Faktoren kommt besonders dem Alter eine wichti- zu einer negativ verzerrten Wahrnehmung und Ver-
ge Funktion für die kognitiven Beeinträchtigungen arbeitung, die mit der vorherrschenden depressiven
depressiver Patienten zu. So zeigen ältere depressive Stimmung kongruent ist [27].
Patienten stärkere Beeinträchtigungen als jüngere Pa- In Übereinstimmung mit diesen und weiteren kog-
tienten, wobei insbesondere Personen mit einem spä- nitiven Modellen (z. B. [28, 29]) gibt es deutliche
ten Erkrankungsbeginn (50–65 Jahre) betroffen sind Evidenz für eine stimmungskongruente negative Ver-
[4, 15]. Insgesamt sind kognitive Beeinträchtigungen zerrung bei Depression, die verschiedene Bereiche
ein extrem häufiges und lang andauerndes Symptom der Informationsverarbeitung wie Aufmerksamkeit,
[16], sie sind mit weiteren Depressionssymptomen Gedächtnis und Verarbeitung von Feedback betrifft
assoziiert (z. B. einer erhöhten Suizidalität) [17] und [30].
beeinträchtigen die psychosoziale Funktionsfähigkeit
der Patienten [18, 19]. Aufmerksamkeitsbias: Zahlreiche Forschungser-
Kognitive und emotionale Dysfunktionen sind gebnisse weisen darauf hin, dass Patienten mit De-
nicht nur Korrelate der Depression, sondern tragen pression eine selektive Ausrichtung ihrer Aufmerk-
entscheidend zur Entstehung, zur Aufrechterhaltung samkeit auf negativ bewertete emotionale Informatio-
und zum Wiederauftreten depressiver Symptome bei nen zeigen. Eine solche Aufmerksamkeitsverzerrung
[20, 21]. Dabei ist davon auszugehen, dass emotio- (bias) wurde in Richtung verschiedener stimmungs-
nale und kognitive Depressionssymptome vielseitig kongruenter Reize beobachtet, z. B. sozial bedrohliche
miteinander verbunden sind und sich gegenseitig ver- Worte sowie negative und depressive Worte, Gesichter
stärken [12, 22]. Mit dieser Übersichtsarbeit stellen wir und Bilder [31, 32]. Für eine erhöhte Aufmerksamkeit
die Zusammenhänge zwischen emotionalen, motiva- für negative Reize spricht auch der Befund einer be-
tionalen und kognitiven Symptomen depressiver Pa- sonders beeinträchtigten Gedächtnisleistung von Pa-

Emotional-kognitive Dysfunktionen K
review

tienten mit Depression, wenn beim Lernen zusätzlich aufgefordert werden, bestimmte Lebensereignisse zu
zum Lernmaterial störende Ablenkreize mit negativer erinnern, geben sie im Vergleich zu gesunden Kon-
Valenz dargeboten werden [33]. Der Aufmerksam- trollprobanden weniger spezifische Erinnerungen an
keitsbias verschwindet bei kürzeren oder maskierten [43]. Diese verminderte Abrufspezifität wird als Stra-
Reizvorgaben, was auf eine verzerrte Verarbeitung in tegie zur Affektregulation gesehen, da sie depressiven
späteren Phasen des Verarbeitungsprozesses hinweist Personen möglicherweise helfen könnte, das Aufkom-
[21, 34]. Einige Studien deuten jedoch darauf hin, men aversiver Emotionen zu vermeiden oder zumin-
dass depressive Personen ihre Aufmerksamkeit nicht dest zu minimieren, indem weniger konkrete (negati-
häufiger auf negative Reize ausrichten als gesunde ve) Ereignisse erinnert werden [44]. Neben einer sol-
Kontrollprobanden. Vielmehr lassen sie Schwierig- chen funktionellen Vermeidung scheinen sowohl Ru-
keiten erkennen, ihre Aufmerksamkeit wieder von minationsprozesse als auch beeinträchtigte exekuti-
negativen Reizen zu lösen [35], was auf die Beteili- ve Kontrollleistungen zu dem übergeneralisierten Ge-
gung (gestörter) kognitiver Kontrollprozesse hinweist dächtnisabruf bei Depressionen beizutragen [45].
[29]. Diese Schwierigkeiten können dazu führen, dass
die Aufmerksamkeit selektiv auf stimmungskongru- Feedback Verzerrung: In Übereinstimmung mit den
ente Informationen gerichtet ist und dadurch wie- kognitiven Theorien der Depression beurteilen de-
derkehrende Gedankenkreise entstehen [36]. Weitere pressive Menschen nicht nur ihre eigene Leistung
Studien legen nahe, dass Menschen mit Depression negativer, sondern zeigen auch eine verstärkte ne-
nicht nur größere Probleme haben, ihre Aufmerk- gative Wahrnehmung und Erinnerung für entspre-
samkeit von negativen Reizen weg zu verschieben, chende Rückmeldungen von anderen Personen [46].
sondern allgemeine Schwierigkeiten aufweisen, ihre Beispielsweise erinnern sie sich nach Testaufgaben
Aufmerksamkeit von emotionalen auf nicht-emotio- eher an die Erfahrung des Scheiterns und weniger
nale Reize zu verlagern. Dies deutet erneut auf eine häufig an den Erfolg als nicht-depressive Personen
Dysfunktion aufmerksamkeitsbezogener Kontrollpro- [35]. Außerdem zeigen depressive Patienten auch
zesse mit einer generellen Tendenz zu emotional eine verminderte Aufgabenleistung nach einer Feh-
relevanten Reizen hin [37]. Diese Ergebnisse stehen lerrückmeldung, was auf eine höhere Empfindlichkeit
jedoch im Widerspruch zu Studien, die eine Abwen- gegenüber negativer Rückmeldung hindeutet [47, 48].
dung der Aufmerksamkeit weg von positiven Reizen Allerdings scheint die Reaktion auf negative Rück-
zeigen [38]. meldungen bei depressiven Patienten von der Art
des Feedbacks abhängig zu sein: In Studien zeigte
Gedächtnisbias: Da Gedächtnisleistungen von der sich, dass Patienten eine unbeeinträchtigte Leistung
Aufmerksamkeit abhängen, deuten die Ergebnisse aufwiesen, wenn die vorherige Rückmeldung zwar
zur Aufmerksamkeitsverzerrung bereits darauf hin, negativ, aber adäquat war, während ein irreführendes
dass depressive Patienten auch einen Gedächtnisbias Feedback anschließend zu einer Leistungsminderung
für emotional negative Inhalte aufweisen. Tatsäch- führte [49, 50]. Neben dieser Hypersensitivität für
lich zeigte sich bei dysphorischen Probanden, dass negatives Feedback gibt es Hinweise darauf, dass
ein Aufmerksamkeitsbias für negative Wörter auch depressive Patienten außerdem hyposensitiv auf po-
den freien Abruf von negativen Wörtern voraussagte sitives Feedback reagieren [22].
[34]. Ein depressionsbezogener Gedächtnisbias wurde
ebenfalls für die Erkennung von traurigen Gesichtern, Reduzierte Motivation
den Abruf negativer selbstbezogener Informationen
und negativer oder depressiver Wörter identifiziert Anhedonie stellt eines der Hauptmerkmale der De-
[39]. Dieser verzerrte Erinnerungsabruf ist für das pression dar und wird als „vermindertes Interesse und
explizite deutlicher als für das implizite Gedächt- Vergnügen an den meisten Aktivitäten des Tages“ defi-
nis ausgeprägt und scheint erst in späteren Phasen niert [1]. Hieran wird bereits deutlich, dass Anhedonie
der Verarbeitung aufzutreten [35]. Allerdings zeigen neben der Unfähigkeit, Freude zu empfinden, auch
schwer erkrankte Patienten auch einen impliziten Motivationsdefizite impliziert [51–53]. Die enge Bezie-
Verarbeitungsbias, was darauf hindeutet, dass depres- hung zwischen Anhedonie und Motivation wird auch
sionsbezogene Informationen sogar automatisch akti- durch Barch et al. [53] unterstrichen. Die Autoren
viert werden können [40, 41]. Darüber hinaus hat sich diskutieren sechs Mechanismen mit möglicher Re-
gezeigt, dass die stimmungskongruente Gedächtnis- levanz für Motivationsdefizite depressiver Patienten:
verzerrung bei Depressionen durch selbstfokussierte (1) Reaktionsfähigkeit auf positive Reize (Belohnung),
Aufmerksamkeit und Rumination [42] noch verstärkt (2) Belohnungsantizipation und Wollen, (3) Beloh-
werden kann. nungs- und Verstärkungslernen, (4) Darstellung und
Das autobiographische Gedächtnis bei Depression Aktualisierung von Informationen über die Verstärker-
wird nicht nur durch einen verstärkten Abruf negati- qualität von Belohnungen, (5) Aufwand für Verhalten
ver Informationen beeinflusst, sondern zeichnet sich und (6) Planung und zielgerichtetes Handeln.
auch durch eine vermehrte Wiedergabe übergenerali- Bei Depression deuten die meisten Studien auf ei-
sierter Erinnerungen aus: Wenn depressive Patienten ne verminderte Reaktionsfähigkeit auf positive Reize

K Emotional-kognitive Dysfunktionen
review

hin (Mechanismus 1), einschließlich primärer Beloh- sind. In einer aktuellen neuropsychologischen Studie
nungen (z. B. Nahrung) und sekundärer Belohnungen fanden Moritz et al. [61] bei depressiven Patienten
(Geld). Hinsichtlich der Antizipation und des Wollens im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen deutli-
von Belohnungen (Mechanismus 2) zeigt eine Studie che Hinweise auf erhöhte Ängste aufgrund schlech-
von Sherdell et al. [54], dass bei der Depression dieses ter Testleistungen negativ beurteilt zu werden, aber
„Wollen“ noch stärker reduziert ist als die Reaktions- gemischte Ergebnisse hinsichtlich ihrer Motivation.
fähigkeit auf positive Reize (Mechanismus 1). Mög- Eventuell scheinen Motivationsdefizite eher für all-
licherweise hängt dieses reduzierte Wollen mit einer tagsbezogene kognitive Funktionen relevant zu sein
reduzierten Erwartung positiver Erlebnisse depressi- als für kognitive Leistungen, die in einer künstlichen
ver Patienten zusammen [55]. Dabei scheint die Mo- neuropsychologischen Testumgebung erbracht wer-
tivation nur dann eingeschränkt zu sein, wenn eine den, in der ein strukturierender und motivierender
Belohnung erwartet wird („Annäherungsmotivation“), Testleiter anwesend ist [62, 63]. Um den Einfluss der
nicht aber, wenn eine Strafe erwartet wird oder eine Motivation auf die kognitive Leistungsfähigkeit bei de-
Strafe vermieden werden kann („Vermeidungsmotiva- pressiven Patienten abschätzen zu können, sind also
tion“) [56]. Im Gegenteil scheint die Vermeidungsmo- weitere Untersuchungen notwendig. Bei planungs-
tivation bei depressiven Patienten sogar erhöht zu sein relevanten kognitiven Prozessen und zielgerichtetem
[39]. In Übereinstimmung mit Hayes et al. [57] Kon- Handeln (Mechanismus 6) schließlich, sind die Hin-
zept der „Experiental Avoidance“ (also der allgemei- weise auf eine Beeinträchtigung depressiver Patienten
nen Vermeidung von Emotionen, Gedanken, Erinne- insgesamt weniger deutlich.
rungen und anderen Erfahrungen), wies Trew darauf
hin, dass Vermeidung (z. B. angstbesetzter Situatio- Rumination
nen) zu einer kurzfristigen Linderung des Leidens bei-
tragen kann, letztlich aber häufig zu einer Verschär- In der Forschung hat sich Rumination bzw. Grübeln
fung des vermiedenen (aber nicht gelösten oder ak- zunehmend als ein sehr bedeutsamer kognitiver Me-
zeptierten) Problems führen kann. Trew geht zudem chanismus für die Entstehung und Aufrechterhaltung
davon aus, dass dabei beide Motivationssysteme in ei- von Depressionen herausgestellt [64]. Unter verschie-
ner gegensätzlichen Beziehung stehen, d. h. eine ver- denen Definitionen und Modellen der Rumination hat
stärkte Vermeidungsmotivation schwächt die verrin- sich dabei die Response-Style-Theory (RST) von Susan
gerte Annäherungsmotivation weiter ab und umge- Nolen-Hoeksema [42, 65] als die wohl einflussreichste
kehrt. Somit verstärken sich insgesamt die negativen Theorie etabliert [66, 67]. In der RST wird Rumination
Auswirkungen beider dysregulierten Motivationssys- als ein sich immer wiederholendes Nachdenken über
teme. die Ursachen, Folgen und Symptome negativer Ge-
Beeinträchtigungen von depressiven Patienten fühle aufgefasst. Im Gegensatz zu Sorgen, die sich ty-
wurden auch in Bezug auf die anderen von Barch et al. pischerweise auf zukünftige Ereignisse und erwartete
[53] beschriebenen Motivationsmechanismen gefun- Bedrohungen beziehen, ist Rumination eher vergan-
den. So fassten Barch et al. und Pizzagalli [55] die genheits- oder gegenwartsorientiert und konzentriert
Evidenz für ein beeinträchtigtes Verstärkungslernen sich auf emotionsrelevante Fragen zu Selbstwert, Sinn
(Mechanismus 3) depressiver Patienten zusammen. und Verlust [42].
Das heißt, Patienten haben Probleme Verhaltenswei- In ihrem interaktiven Ruminationsmodell schla-
sen zu etablieren, die mit positiven Folgen verbunden gen Ciesla und Roberts [68] vor, die strukturellen
sind. Interessanterweise scheint sich dies in erster Merkmale des Nachdenkens (sich wiederholend) von
Linie auf implizite Lernprozesse auszuwirken, wäh- seinen typischerweise negativen Inhalten, wie z. B.
rend das explizite Verstärkungslernen intakt zu sein negative Überzeugungen oder interne Zuschreibun-
scheint. Darüber hinaus weisen depressive Patienten gen für negative Ereignisse [69], abzugrenzen. Dabei
Beeinträchtigungen in Bezug auf kognitive Prozesse wird angenommen, dass die wechselseitige Beziehung
auf, die mit der inneren Repräsentation von Ver- zwischen depressivem Affekt und negativen Kognitio-
stärkerqualitäten einer Belohnung zusammenhängen nen durch ruminatives, also repetitives Nachdenken
(Mechanismus 4). Depressive Patienten sind auch we- verstärkt wird. So wurde gezeigt, dass vor allem die
niger bereit, körperliche Anstrengung zu investieren, Koexistenz von Rumination und negativen Gedanken
um Belohnungen zu erhalten (Mechanismus 5). Ihre mit Depressionen verbunden ist [68].
Bereitschaft, kognitive Anstrengungen zu unterneh- Das vermehrte Auftreten von Rumination bei ne-
men, ist leider noch nicht ausreichend untersucht gativer (depressiver) Stimmung wird durch das Atten-
worden. Auch die neuropsychologische Forschung tional Scope Modell (ASM) von Whitmer und Gotlib
[58–60] kann bisher noch keine klaren Ergebnisse [70] erklärt. Demnach gehen Stimmungsveränderun-
zu den Fragen liefern, ob depressive Patienten über- gen mit einer Anpassung der Aufmerksamkeitsbrei-
haupt eine verminderte Motivation zur Bewältigung te einher. Während positive Stimmung den Aufmerk-
neuropsychologischer Aufgaben aufweisen und – falls samkeitsbereich zu erweitern scheint [71], schränkt
ja – ob diese Motivationsdefizite für kognitive Be- negative Stimmung diesen ein, d. h. es stehen weniger
einträchtigungen bei Depressionen verantwortlich Informationen aus der Umwelt und dem Langzeitge-

Emotional-kognitive Dysfunktionen K
review

dächtnis zur Verfügung, sodass schließlich nur ein be- wechseln. So kommt es nach Nolen-Hoeksema et al.
grenzteres Informationsangebot im Arbeitsgedächtnis [42] bei grübelnden Patienten (unabhängig von der
verfügbar ist. Wenn weniger Informationen verfügbar Stimmung) zu mehr Wiederholungsfehlern, stereoty-
sind, steigt zugleich die Wahrscheinlichkeit, dass sich pen Antworten und einer Hemmung bisher nützlicher
Gedanken wiederholen. Während ein solcher rumi- Strategien. Das bedeutet, dass ruminierende depres-
nativer Denkstil bei nicht-depressiven Personen un- sive Personen einen doppelten Nachteil bei Aufgaben
ter gewissen Umständen auch vorteilhaft sein kann, haben, die einen weiten Aufmerksamkeitsbereich er-
vor allem, wenn sich die Rumination nicht auf nega- fordern: Zum einen werden sie ganz allgemein durch
tive Kognitionen bezieht [72], führt eine zunehmende die wiederkehrenden negativen Gedankeninhalte ab-
depressive Stimmung leicht zu einer Abwärtsspirale gelenkt, und zum anderen wirkt sich der verengte Auf-
[68, 70]: Negative Stimmung ruft eine Verengung der merksamkeitsbereich negativ auf entsprechende Auf-
Aufmerksamkeit auf negative Gedankeninhalte her- gaben aus.
vor, was wiederum die schlechte Stimmung weiter in-
tensiviert, insbesondere, wenn die Gedanken ständig Schlussfolgerungen
wiederholt werden.
Eine weitere (maladaptive) Funktion der Ruminati- Emotionale und kognitive Depressionssymptome sind
on könnte darin bestehen, dass sie durch den Fokus eng miteinander verknüpft. So zeigen depressive Pa-
auf Gedanken die Vermeidung von Gefühlen impli- tienten einen stimmungskongruenten negativen Ver-
ziert [66]. Wie bereits dargelegt, hat die Vermeidung arbeitungsbias und einen ruminativen Denkstil, d. h.
von Erfahrungen vor allem auf lange Sicht negative sie denken intensiv über die Ursachen, Folgen und
Auswirkungen [57]. Es kann davon ausgegangen wer- Symptome ihrer negativen Gefühle nach. Außerdem
den, dass Patienten durch Rumination eine sponta- zeigen sie eine verminderte Annäherungsmotivati-
ne emotionale Linderung erfahren, ihren psychischen on, während die Motivation zur Vermeidung negativ
Allgemeinzustand aber kontinuierlich verschlechtern. bewerteter Zustände erhöht ist. Die große klinische
Die kognitive Leistungsfähigkeit wird durch Rumi- Relevanz dieser emotional-kognitiven Dysfunktionen
nation ganz allgemein negativ beeinflusst, da Rumina- spiegelt sich in Studien wider, die darauf hinweisen,
tion (z. B. über die Gründe, warum man sich schlecht dass sie zum Auftreten, zur Aufrechterhaltung und
fühlt) von kognitiven Aufgaben ablenkt [65]. Dement- zum Rückfallgeschehen der Depression beitragen [20,
sprechend zeigen mehrere Studien, dass sich Rumi- 21]. Damit bieten die emotional-kognitiven Dysfunk-
nation negativ auf Arbeitsgedächtnisleistungen [73], tionen auch vielversprechende Ansatzpunkte thera-
Inhibition [74], kognitive Flexibilität [75], Problemlö- peutischer Interventionen, wie es in einigen psycho-
sung [76] sowie die Spezifität des autobiographischen therapeutischen Behandlungsprogrammen bereits
Gedächtnisses [77] auswirkt. Das Attentional Scope erfolgreich umgesetzt wurde, z. B. die Acceptance
Modell (ASM; [70]) legt außerdem nahe, dass Rumi- and Commitment Therapy (ACT) zur Verminderung
nation mit einem verkleinerten Aufmerksamkeitsbe- von Vermeidung [78], metakognitive Behandlungs-
reich in Verbindung steht und damit zu Schwierigkei- programme zur Reduktion von Rumination [79] sowie
ten führt, bei Bedarf flexibel zwischen Strategien zu

Abb. 1 Modell depressions-


assoziierter kognitiver De-
fizite („DECODE“; genaue
Erläuterungen zu den Zah-
len im Text)

K Emotional-kognitive Dysfunktionen
review

das selektive Aufmerksamkeits-Training zur Verringe- das Training kognitiver Funktionen (Exekutivfunktio-
rung des Aufmerksamkeitsbias [80]. nen, Aufmerksamkeit, Gedächtnis) beinhaltet. Es zeig-
Die emotional-kognitiven Dysfunktionen wirken te sich, dass die durch dieses Programm gesteiger-
sich zusätzlich negativ auf die kognitive Leistungs- ten Exekutivfunktionen auch zu einer Verbesserung
fähigkeit aus mit weiteren negativen Auswirkungen des psychosozialen Funktionsniveaus beitrugen. Mit
für Entwicklung und Verlauf einer Depression. Be- einem kombinierten Trainingsprogramm aus Arbeits-
merkenswert ist, dass dabei nicht nur kognitive Leis- gedächtnisaufgaben und Übungen zur Emotionsiden-
tungen betroffen sind, die sich auf emotionale Sti- tifikation erzielten Iacoviello et al. [83] bei depressiven
muli beziehen („Hot Cognition“, z. B. Lernen positiv Patienten positive Ergebnisse hinsichtlich Depressi-
bewerteter Wörter), sondern auch allgemeine kogni- vität und Verarbeitungsbias. In zukünftigen Studien
tive Leistungen, die unabhängig von der Valenz der sollte das Potential weiterer therapeutischer Ansät-
Reize sind („Cold Cognition“, z. B. Lernen neutraler ze zur Verbesserung emotional-kognitiven Dysfunk-
Wörter). In unserem Modell der „depressions-asso- tionen im allgemeinen und der kognitiven Leistungs-
ziierten kognitiven Defizite“ (DEpression-associated fähigkeit im Besonderen ausgelotet werden. Auch wä-
COgnitive DEficits; „DECODE“; [81], s. Abb. 1) werden re es hilfreich zu erforschen, bei welchen Depressions-
einige dieser Beziehungen zwischen (a) dysfunktiona- symptomen welcher Ansatz oder welche Kombination
len kognitiven Prozessen und Motivationseinbußen, von therapeutischen Ansätzen besonders wirksam ist.
(b) emotionsbezogenen kognitiven Leistungen und
Interessenkonflikt L.B. Dehn und T. Beblo geben an, dass
(c) allgemeinen kognitiven Leistungen zusammenfas- kein Interessenkonflikt besteht.
send dargestellt (vgl. [22]).
Die negativ-verzerrte Orientierung depressiver Pa- Hinweis des Verlags Der Verlag bleibt in Hinblick auf geo-
tienten äußert sich u. a. in veränderten kognitiven grafische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröf-
fentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Reaktionen auf emotional relevante Informationen,
z. B. einer bevorzugten Verarbeitung negativer Reize
(Pfeil 1). Die negative Orientierung führt auch dazu, Literatur
dass depressive Patienten besonders empfindlich auf
negatives Feedback reagieren und weniger empfäng- 1. American Psychiatric Association. Diagnostisches und sta-
lich für positive Rückmeldungen sind (Pfeil 2). Das tistisches Manual psychischer Störungen-DSM-5®. Göttin-
gen: Hogrefe Verlag; 2014.
ist auch für die Motivation der Patienten relevant,
2. Weltgesundheitsorganisation, WHO. InternationaleKlassi-
da Annäherungs-Motivation von der Erwartung po- fikation psychischer Störungen. ICD-10 Kapitel V (F) Kli-
sitiver Erfahrungen abhängt. Belastende Ereignisse nisch-diagnostische Leitlinien. ICD-10. Bern/Göttingen:
im Allgemeinen sowie negative Rückmeldungen im Verlag Hans Huber; 1991.
Besonderen sind bekannt dafür, dass sie Rumination 3. Christensen H, Griffiths K, Mackinnon A, Jacomb P. A quan-
auslösen (Pfeil 3). Dabei ist Rumination schwieriger titativereviewofcognitivedeficitsindepressionandAlzhei-
zu kontrollieren für jene Patienten, die eine vermin- mer-type dementia. J Int Neuropsychol Soc. 1997;3:631–51.
4. Bora E, Harrison B, Yücel M, Pantelis C. Cognitive im-
derte exekutive Kontrolle über negative Gedanken
pairment in euthymic major depressive disorder: a meta-
zeigen (Pfeil 4). Weiterhin kann eine dysfunktionale analysis. Psychol Med. 2013;43:2017–26.
Feedback-Verarbeitung und eine verminderte Mo- 5. Rock PL, Roiser JP, Riedel WJ, Blackwell AD. Cognitive
tivation die allgemeine kognitive Leistungsfähigkeit impairment in depression: a systematic review and meta-
negativ beeinflussen (Pfeil 5). Auch die Rumination analysis. Psychol Med. 2014;44:2029–40.
hat negative Auswirkungen auf die allgemeine kogni- 6. Baune BT, McAfoose J, Leach G, Quirk F, Mitchell D. Impact
tive Leistungsfähigkeit (Pfeil 7) und die Spezifität des of psychiatric and medical comorbidity on cognitive func-
tion in depression: Comorbidity and cognition in MDD.
autobiographischen Gedächtnisses (Pfeil 6). Zudem Psychiatry Clin Neurosci. 2009;63:392–400.
kann die verminderte Spezifität des autobiographi- 7. Beblo T. Die Bedeutung kognitiver Beeinträchtigungen bei
schen Gedächtnisses auch eine direkte Folge vermin- depressivenPatienten.ZFür.Neuropsychol.2016;27:69–83.
derter exekutiver Kontrolle sein (Pfeil 8). Schließlich 8. Porter RJ, Robinson LJ, Malhi GS, Gallagher P. The neuroco-
beeinflusst die allgemeine kognitive Leistung (z. B. gnitive profile of mood disorders – a review of the evidence
Aufmerksamkeits- und Exekutivfunktionen) auch die and methodological issues. Bipolar Disord. 2015;17:21–40.
9. Hasselbalch BJ, Knorr U, Kessing LV. Cognitive impairment
emotionsbezogene kognitive Leistung (Pfeil 9). Neben
in the remitted state of unipolar depressive disorder: A
den in dieser Abbildung dargestellten Mechanismen systematic review. J Affect Disord. 2011;134:20–31.
können freilich noch weitere Wirkzusammenhänge 10. Lee RS, Hermens DF, Porter MA, Redoblado-Hodge MA. A
angenommen werden, z. B. kann Rumination eine meta-analysis of cognitive deficits in first-episode major
negative Orientierung noch verstärken. depressive disorder. J Affect Disord. 2012;140:113–24.
Mit dem Einbezug der kognitiven Leistungsfähig- 11. Gorwood P, Corruble E, Falissard B, Goodwin GM. Toxic
keit bieten sich somit weitere Ansatzpunkte therapeu- Effects of Depression on Brain Function: Impairment of
Delayed Recall and the Cumulative Length of Depressive
tischer Anstrengungen. Tatsächlich entwickelten bei-
Disorder in a Large Sample of Depressed Outpatients. Am J
spielsweise Deckersbach et al. [82] ein integratives Re- Psychiatry. 2008;165:731–9.
mediationsprogramm, das nicht nur auf den Umgang
mit depressiven Emotionen fokussiert, sondern auch

Emotional-kognitive Dysfunktionen K
review

12. Porter RJ, Bourke C, Gallagher P. Neuropsychological Im- ring the coherence among information-processing biases.
pairment in Major Depression: Its Nature, Origin and Clini- Behav Res Ther. 2010;48:219–25.
cal Significance. Aust N Z J Psychiatry. 2007;41:115–28. 35. Wisco BE. Depressive cognition: Self-reference and depth
13. Beblo T, Sinnamon G, Baune BT. Specifying the neu- of processing. Clin Psychol Rev. 2009;29:382–92.
ropsychology of affective disorders: clinical, demogra- 36. Joormann J, Yoon KL, Zetsche U. Cognitive inhibition in
phic and neurobiological factors. Neuropsychol Rev. depression. Appl Prev Psychol. 2007;12:128–39.
2011;21:337–59. 37. Malhi GS, Byrow Y, Fritz K, Das P, Baune BT, Porter RJ, et al.
14. Bosaipo NB, Foss MP, Young AH, Juruena MF. Neuropsycho- Mood disorders: neurocognitive models. Bipolar Disord.
logical changes in melancholic and atypical depression: A 2015;17:3–20.
systematic review. Neurosci Biobehav Rev. 2017;73:309–25. 38. Leppänen JM. Emotional information processing in mood
15. Herrmann LL, Goodwin GM, Ebmeier KP. The cognitive disorders: a review of behavioral and neuroimaging find-
neuropsychology of depression in the elderly. Psychol Med. ings. Curr Opin Psychiatry. 2006;19:34–9. https://doi.org/
2007;37:1693–1702. 10.1097/01.yco.0000191500.46411.00.
16. Conradi H, Ormel J, De Jonge P. Presence of individual 39. Trew JL. Exploring the roles of approach and avoidance
(residual) symptoms during depressive episodes and peri- in depression: An integrative model. Clin Psychol Rev.
ods of remission: a 3-year prospective study. Psychol Med. 2011;31:1156–68.
2011;41:1165–74. 40. Ellwart T, Rinck M, Becker ES. Selective memory and me-
17. Richard-Devantoy S, Berlim M, Jollant F. A meta-analysis mory deficits in depressed inpatients. Depress Anxiety.
of neuropsychological markers of vulnerability to suicidal 2003;17:197–206.
behaviorinmooddisorders.PsycholMed.2014;44:1663–73. 41. Romero N, Sanchez A, Vazquez C. Memory biases in remit-
18. McIntyre RS, Cha DS, Soczynska JK, Woldeyohannes HO, ted depression: The role of negative cognitions at explicit
Gallaugher LA, Kudlow P, et al. Cognitive deficits and func- and automatic processing levels. J Behav Ther Exp Psychia-
tional outcomes in major depressive disorder: determi- try. 2014;45:128–35.
nants, substrates, and treatment interventions. Depress 42. Nolen-Hoeksema S, Wisco BE, Rethinking Rumination LS.
Anxiety. 2013;30:515–27. Perspect Psychol Sci. 2008;3:400–24.
19. Evans VC, Iverson GL, Yatham LN, Lam RW. The relation- 43. King MJ, MacDougall AG, Ferris SM, Levine B, Mac-
shipbetween neurocognitiveandpsychosocial functioning Queen GM, McKinnon MC. A review of factors that mo-
in major depressive disorder: a systematic review. J Clin derate autobiographical memory performance in patients
Psychiatry. 2014;75:1359–70. with major depressive disorder. J Clin Exp Neuropsychol.
20. Mathews A, MacLeod C. Cognitive vulnerability to emotio- 2010;32:1122–44.
nal disorders. Annu Rev Clin Psychol. 2005;1:167–95. 44. Williams JMG, Barnhofer T, Crane C, Herman D, Raes F,
21. Kircanski K, Joormann J, Gotlib IH. Cognitive aspects of Watkins E, et al. Autobiographical memory specificity and
depression. Wiley Interdiscip Rev Cogn Sci. 2012;3:301–13. emotional disorder. Psychol Bull. 2007;133:122–48.
22. Roiser JP, Sahakian BJ. Hotandcoldcognition in depression. 45. Williams JMG. Ca pture and r umination, f unctional
Cns Spectr. 2013;18:139–49. a voidance, and e x ecutive control (CaRFAX): Three
23. Gotlib IH, Joormann J. Cognition and depression: cur- processes that underlie overgeneral memory. Cogn Emot.
rent status and future directions. Annu Rev Clin Psychol. 2006;20:548–68.
2010;6:285–312. 46. Murphy FC, Sahakian BJ, O’Carroll RE. Cognitive Impair-
24. Beck AT. Kognitive therapie der depression. Bd. 23. Wein- ment in Depression: Psychological Models and Clinical
heim/Basel: Beltz; 1999. Issues. In: Ebert D, Ebmeier KP, Hrsg. Basel: KARGER. Adv.
25. Beck AT. The evolution of the cognitive model of depres- Biol. Psychiatry, Bd. 19. 1998. S. 1–33.
sion and its neurobiological correlates. Am J Psychiatry. 47. Steffens DC, Wagner HR, Levy RM, Horn KA, Krishnan KRR.
2008;165:969–77. Performance feedback deficit in geriatric depression. Biol
26. Bower GH. Mood and memory. Am Psychol. 1981;36:129. Psychiatry. 2001;50:358–63.
27. Power M, Dalgleish T. Cognition and emotion. New York: 48. Elliott R, Sahakian BJ, Herrod JJ, Robbins TW, Paykel ES.
Psychology Press; 2008. Abnormal response to negative feedback in unipolar de-
28. Ingram RE. Toward an information-processing analysis of pression: evidence for a diagnosis specific impairment.
depression. Cogn Ther Res. 1984;8:443–77. J Neurol Neurosurg Psychiatry. 1997;63:74–82.
29. Joormann J. Cognitive Inhibition and Emotion Regulation 49. MurphyFC,MichaelA,RobbinsTW,SahakianBJ.Neuropsy-
in Depression. Curr Dir Psychol Sci. 2010;19:161–6. chological impairment in patients with major depressive
30. Everaert J, Koster EH, Derakshan N. The combined cog- disorder: the effects of feedback on task performance. Psy-
nitive bias hypothesis in depression. Clin Psychol Rev. chol Med. 2003;33:455–67.
2012;32:413–24. 50. Tavares JT, Drevets W, Sahakian B. Cognition in mania and
31. Peckham AD, McHugh RK, Otto MW. A meta-analysis of depression. Psychol Med. 2003;33:959–67.
the magnitude of biased attention in depression. Depress 51. Thomsen KR. Measuring anhedonia: impaired ability to
Anxiety. 2010;27:1135–42. pursue, experience, and learn about reward. Front Psychol.
32. Bourke C, Douglas K, Porter R. Processing of facial emo- 2015;6:1409.
tion expression in major depression: a review. Aust N Z J 52. Treadway MT, Zald DH. Reconsidering anhedonia in de-
Psychiatry. 2010;44:681–96. pression: lessons from translational neuroscience. Neuro-
33. Beblo T, Mensebach C, Wingenfeld K, Schlosser N, Rull- sci Biobehav Rev. 2011;35:537–55.
koetter N, Schaffrath C, et al. The impact of neutral and 53. Barch DM, Pagliaccio D, Luking K. Mechanisms underly-
emotionally negative distraction on memory performance ing motivational deficits in psychopathology: similarities
and its relation to memory complaints in major depression. and differences in depression and schizophrenia. In: Simp-
Psychiatry Res. 2010;178:106–11. son E, Balsam PD, Hrsg. Behav. Neurosci. Motiv., Berlin/
34. Koster EHW, De Raedt R, Leyman L, De Lissnyder E. Mood- Heidelberg: Springer; 2015. S. 411–49.
congruent attention and memory bias in dysphoria: Explo-

K Emotional-kognitive Dysfunktionen
review

54. Sherdell L, Waugh CE, Gotlib IH. Anticipatory pleasure pre- 69. Abramson LY, Seligman ME, Teasdale JD. Learned help-
dicts motivation for reward in major depression. J Abnorm lessness in humans: Critique and reformulation. J Abnorm
Psychol. 2012;121:51. Psychol. 1978;87:49.
55. Pizzagalli DA. Depression, stress, and anhedonia: toward 70. Whitmer AJ, Gotlib IH. An attentional scope model of
a synthesis and integrated model. Annu Rev Clin Psychol. rumination. Psychol Bull. 2013;139:1036.
2014;10:393–423. 71. Fredrickson BL, Branigan C. Positive emotions broaden the
56. McFarland BR, Klein DN. Emotional reactivity in depres- scope of attention and thought-action repertoires. Cogn
sion: diminished responsiveness to anticipated reward but Emot. 2005;19:313–32.
not to anticipated punishment or to nonreward or avoi- 72. Andrews PW, Thomson JA Jr. The bright side of being
dance. Depress Anxiety. 2009;26:117–22. blue: depression as an adaptation for analyzing complex
57. Hayes SC, Wilson KG, Gifford EV, Follette VM, Strosahl K. problems. Psychol Rev. 2009;116:620.
Experiential avoidance and behavioral disorders: A func- 73. Joormann J, Gotlib IH. Updating the contents of working
tional dimensional approach to diagnosis and treatment. memory in depression: Interference from irrelevant negati-
J Consult Clin Psychol. 1996;64:1152. ve material. J Abnorm Psychol. 2008;117:182.
58. Benitez A, Horner MD, Bachman D. Intact cognition in 74. Philippot P, Brutoux F. Induced rumination dampens exec-
depressed elderly veterans providing adequate effort. Arch utive processes in dysphoric young adults. J Behav Ther Exp
Clin Neuropsychol. 2011;26:184–93. Psychiatry. 2008;39:219–27.
59. Richards PM, Ruff RM. Motivational effects on neuro- 75. Watkins E, Brown R. Rumination and executive function
psychological functioning: comparison of depressed ver- in depression: An experimental study. J Neurol Neurosurg
sus nondepressed individuals. J Consult Clin Psychol. Psychiatry. 2002;72:400–2.
1989;57:396. 76. Donaldson C, Lam D. Rumination, mood and social
60. Scheurich A, Fellgiebel A, Schermuly I, Bauer S, Wölfges R, problem-solving in major depression. Psychol Med.
Müller M. Experimental evidence for a motivational origin 2004;34:1309–18.
of cognitive impairment in major depression. Psychol Med. 77. Crane C, Barnhofer T, Visser C, Nightingale H, Williams
2008;38:237–46. JMG. The effects of analytical and experiential ruminati-
61. Moritz S, Stöckert K, Hauschildt M, Lill H, Jelinek L, Beblo T, on on autobiographical memory specificity in individu-
et al. Are we exaggerating neuropsychological impairment als with a history of major depression. Behav Res Ther.
in depression? Reopening a closed chapter. Expert Rev 2007;45:3077–87.
Neurother. 2017;17:839–46. 78. Hayes SC, Wilson KG. Acceptance and commitment ther-
62. Lahr D, Beblo T, Hartje W. Cognitive performance and apy: Altering the verbal support for experiential avoidance.
subjective complaints before and after remission of major Behav Anal. 1994;17:289–303.
depression. Cogn Neuropsychiatry. 2007;12:25–45. 79. Teismann T, Von Brachel R, Hanning S, Grillenberger
63. Potvin S, Charbonneau G, Juster R-P, Purdon S, Tourjman M, Hebermehl L, Hornstein I, et al. A randomized con-
SV. Self-evaluation andobjectiveassessmentof cognition in trolled trial on the effectiveness of a rumination-focused
major depression and attention deficit disorder: Implicati- group treatment for residual depression. Psychother Res.
ons for clinical practice. Compr Psychiatry. 2016;70:53–64. 2014;24:80–90.
64. Barnow S, Aldinger M, Ulrich I, Stopsack M. Emotionsre- 80. Wells TT, Beevers CG. Biased attention and dysphoria:
gulation bei depression: ein multimethodaler Überblick. Manipulating selective attention reduces subsequent de-
Psychol Rundsch. 2013;64:235–43. pressive symptoms. Cogn Emot. 2010;24:719–28.
65. Nolen-Hoeksema S. Responses to depression and their 81. Beblo T. Neuropsychological Impairment of Patients with
effects on the duration of depressive episodes. J Abnorm Depression. In: Baune B Tully P Ed Cardiovasc Dis Depress
Psychol. 1991;100:569. Heidelberg: Springer;. 2016;p:123–44.
66. Smith JM, Alloy LB. A roadmap to rumination: A review of 82. Deckersbach T, Nierenberg AA, Kessler R, Lund HG, Ame-
the definition, assessment, and conceptualization of this trano RM, Sachs G, et al. Cognitive rehabilitation for bipolar
multifaceted construct. Clin Psychol Rev. 2009;29:116–28. disorder: an open trial for employed patients with residual
67. Teismann T, Steinfeld B, Willutzki U, Rumination Ab- depressivesymptoms.CnsNeurosciTher.2010;16:298–307.
lenkung MJ. Ausgewählte Befunde zur Response Sty- 83. Iacoviello BM, Wu G, Alvarez E, Huryk K, Collins KA, Mur-
les Theorie. PPmP. Psychother Psychosom Med Psychol. rough JW, et al. Cognitive-emotional training as an inter-
2011;61:126–32. vention for major depressive disorder. Depress Anxiety.
68. Ciesla JA, Roberts JE. Rumination, negative cognition, 2014;31:699–706.
and their interactive effects on depressed mood. Emoti-
on. 2007;7:555.

Emotional-kognitive Dysfunktionen K