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Der Trick mit Inflation und Deflation


Donnerstag, 24. Juli 2003

von Reinhard Deutsch

Inflation ist in Wahrheit immer Aufblähung der Geldmenge und nicht Preissteigerung.

In Politik und Wirtschaft müssen wir immer mehr davon ausgehen, dass mit Täuschung, Tricks und Fälschungen gearbeitet
wird. Wenn Bush und Blair eine plumpe Fälschung als Vorwand für einen Krieg benutzen und man davon ausgehen muss,
dass selbst Regierungskreise in den Anschlag auf das World Trade Center verwickelt waren, dann darf man beim Geld –
dem Machtinstrument schlechthin – erst recht auf Tricks und Täuschungen gefasst sein. Inflation und Deflation sind solche
Trickinstrumente. Schauen wir uns den Täuschungsvorgang einmal genauer an.

Schon die Verwendung der Begriffe Inflation und Deflation dient der Verwirrung und Ablenkung vom eigentlichen
Geschehen. Im Publikum wird Inflation mit steigenden Güterpreisen und Deflation mit fallenden Güterpreisen gleichgesetzt
und das ist bereits eine Täuschung – damit ist das Publikum bereits den Täuschern auf den Leim gegangen. Lassen Sie sich
nicht davon irritieren, dass auch Professoren, Sachverständige und Lexika diese Leseart verbreiten, benutzen Sie einfach
Ihren eigenen Verstand.

Wenn durch Wetter, Missernten, Krankheiten etc. ein Gut knapper und damit teurer wird, spricht man sinnvoller Weise
von Teuerung. Dies ist ein normaler marktwirtschaftlicher Vorgang, weil die Preise ja Knappheiten signalisieren sollen.
Umgekehrt, wenn durch erhöhte Produktivität oder technischen Fortschritt ein Produkt, wie etwa Computer, in größeren
Mengen und billiger produziert werden kann, fällt sein Preis. In einer Marktwirtschaft ist es Aufgabe der Preise, zu
schwanken und so den Konsumenten und Produzenten Knappheiten zu signalisieren.

Inflation und Deflation haben aber mit solchen Preisschwankungen nicht das Geringste zu tun. Es werden mit Inflation
und Deflation keine Knappheiten signalisiert. Die Preise steigen zwar, aber nicht weil irgendetwas knapper wird, etwa
durch Missernten, sondern weil das Geld wertloser wird. Es steigen also nicht alle Preise, sondern alles Geld wird
wertloser, weil von diesem Zeug immer mehr erzeugt wird. Erkennen Sie den Trick? Wie bei jedem normalen Zaubertrick
wird die Aufmerksamkeit des Publikums in eine falsche Richtung gelenkt.

Seht her – die bösen Unternehmer erhöhen die Preise und die Gewerkschaften die Löhne – wir Regierung und Zentralbank
müssen die Inflation bekämpfen, welche Unternehmer und Gewerkschaften verantwortungslos herbeiführen. Wir müssen
leider die Zinsen raufsetzen, oder gar die Preise vorschreiben. Damit wird davon abgelenkt, dass es Regierungen und
Zentralbanken sind, welche durch zusätzliche Gelderzeugung aus dem Nichts, also durch Drucken, von legalem
Falschgeld die Geldmenge erhöhen, was sich in einer Erhöhung des allgemeinen Preisniveaus niederschlägt.

Diese Erhöhung des Preisniveaus hat aber nicht das Geringste mit der Preisbildung bei Gütern und Dienstleistungen zu
tun. Die Preisverhältnisse bleiben theoretisch alle gleich, es muss nur für alles immer mehr Papier hergegeben werden.
Nicht der Brötchenpreis steigt sondern das Geld wir immer schlechter, immer wertloser. Weil wir aber alle auf den
Brötchenpreis starren, halten wir Inflation für Preissteigerung und nicht für Geldentwertung – das ist der Ablenkungstrick.

Inflation ist also in Wahrheit immer Aufblähung der Geldmenge und nicht Preissteigerung. Deflation heißt Geldvernichtung
und nicht fallende Preise. Wie wird die Geldmenge aufgebläht? Durch Verschuldung – indem sich, insbesondere der Staat
zusätzlich verschuldet und die Banken in Höhe der zusätzlichen Schuld Geld aus dem Nichts erzeugen.

Wie wird die Geldmenge abgebläht? Indem Schulden durch Bankrott verschwinden und damit das zusätzlich aus dem
Nichts erzeugte Geld wieder ins Nichts verschwindet. Inflation und Deflation sind rein monetäre Phänomene und keine
Preisphänomene. Es handelt sich um Zunahme oder Abnahme der Kreditmenge oder Schuldmenge oder Geldmenge,
was alles das Gleiche ist. Wie Murray Rothbart klar nachgewiesen hat, kann die Geldmenge für immer und ewig
unverändert bleiben, sie muss nicht verändert oder reguliert werden. Wir brauchen keine Zentralbank, welche die
Geldmenge reguliert.

Erst dadurch, dass Staat und Banken gemeinsam die Geldmenge auf- und abblähen entstehen Inflation und Deflation.
Geld wird wertloser oder wertvoller. Weil wir diesen Vorgang aber nur an Preisen erkennen können, glauben wir irrtümlich
die Preise würden steigen, obwohl in Wahrheit das Geld wertloser wird.

Der umgekehrte Vorgang, nämlich dass in der Deflation Geld immer wertvoller wird, ist allerdings auch schon wieder so
eine Gedankenfalle. Irgendwie ist es ja ein logischer Widerspruch, dass ungedecktes Papiergeld, das ohne Kosten
beliebig aus dem Nichts erzeugt werden kann, immer wertvoller werden soll. In Wirklichkeit wird das Zeug auch nicht
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immer wertvoller sondern nur immer knapper, weil immer mehr Geld durch Konkurse und Preisrückgänge vernichtet wird
und so entsteht die Illusion, das noch verbleibende Geld würde immer wertvoller. Im Grunde sind deflatorischer Crash und
Hyperinflation der gleiche Sachverhalt. In beiden Fällen ist das Ergebnis die Zerstörung von Geld und Kredit.

Werfen wir nach diesen geldtheoretischen Überlegungen noch einen kurzen Blick auf ein praktisches Problem, nämlich die
Frage, wie verhalten sich Immobilien bei Inflation und Deflation, wenn dies als Aufblähen und Abblähen der Geldmenge zu
verstehen ist. Es kann durchaus sein, dass sich das Aufblähen der Geldmenge nur in ganz bestimmten Marktsegmenten
auswirkt und andere Bereiche unberührt lässt. So haben wir derzeit keine Steigerung bei den Güterpreisen, trotz steigender
Geldmenge. Wir hatten aber extreme „Inflation“ bei den Aktienpreisen. Nachdem diese Aktienblase geplatzt ist, haben wir
jetzt eine „Inflation“ bei den Immobilienpreisen und den Anleihepreisen. Die eigentliche Geldvernichtung muss
logischerweise bei Anleihen und Immobilien stattfinden, weil dies die größten Geldreservoirs sind. Geldvernichtung bei
Anleihen bedeutet starke Preissenkung (Kursverluste), ähnlich wie in Argentinien, Russland, Mexiko etc. Ironischerweise
ist bei Immobilien beides denkbar, also extremer Preisverfall im deflatorischen Crash wie auch extreme Preissteigerung
in der Hyperinflation. Sie bekommen dann für eine Hütte 10 Milliarden geboten. Nur wird niemand seine Hütte für 10
Milliarden Altpapier verkaufen. Als Sachwerte können Immobilien also sowohl vor Inflation wie vor Deflation schützen –
vorausgesetzt, man hat sie billig gekauft und nicht beliehen. Hat man sie stark beliehen, ist Inflation gut und Deflation
schlecht.

Reinhard Deutsch

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