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IV

Vorwort ausgaben des Wohltemperierten Kla- Abschrift Anna Magdalena Bach und
viers, Teil 1, blieb lange verborgen. Fa- Johann Friedrich Agricola, Mus. ms.
talerweise hielt man lange Zeit drei der Bach P 202; Abschrift Johann Gottfried
wichtigsten Abschriften, die sich in der Walther, Mus. ms. Bach P 1074; Abschrift
J. S. Bachs Wohltemperiertes Klavier, Anlage und im Schriftbild um Nähe Johann Christoph Altnickol, Mus. ms.
erster Teil, ist in einer autographen Rein- zum Bachschen Original bemühen, Bach P 402 (alle: Staatsbibliothek zu
schrift von 1722 erhalten. Der Titel, der ebenfalls für Autographe – ein folgen- Berlin · Preußischer Kulturbesitz, Mu-
sich bei Bach übrigens nur auf Teil I be- schwerer Irrtum. Man sah sich so mit sikabteilung mit Mendelssohn-Archiv).
zieht, lautet: Das Wohltemperirte Cla- angeblich insgesamt vier Autographen Die Abschriften Meißner und Walther
vier. oder Praeludia, und Fugen durch konfrontiert, die in zahlreichen Details überliefern das Textstadium 1, Anna
alle Tone und Semitonia, So wohl terti- voneinander abwichen. Die unterschied- Magdalena Bach zeigt das zweite Sta-
am majorem oder Ut Re Mi anlangend, lichen Lesarten hielt man für gleichbe- dium, Altnickol überliefert Stadium 3;
als auch tertiam minorem oder Re Mi Fa rechtigte Varianten. Erst die moderne Anonymus 5 geht auf eine Fassung des
betreffend. Zum Nutzen und Gebrauch Bachforschung, vertreten vor allem Wohltemperierten Klaviers zurück, die
der Lehrbegierigen Musicalischen Ju- durch Walther Dehnhard und Alfred vor Stadium 1 liegt, und lediglich durch
gend, als auch derer in diesem studio Dürr, erkannte den wahren Sachverhalt. nachträgliche Korrektureintragungen
schon habil seyenden besonderem Zeit Drei der vermeintlichen Autographe lie- auf den Stand des Stadiums 1 gebracht
Vertreib auffgesetzet und verfertiget von ßen sich als Abschriften identifizieren, wurde (Meißner, Anna Magdalena und
Johann Sebastian Bach. p.t: HochFürst- die auf die einzige und authentische Ei- Anonymus 5 wurden fälschlich als Au-
lich AnhaltCöthenischen CapelMeistern genschrift zurückgehen. Die zunächst tographe bewertet).
und Directore derer Cammer Musiquen. rätselhaften Textabweichungen waren Zahlreiche Abweichungen der Ab-
Anno 1722. Bach formuliert hier den nun leicht zu erklären. schriften, sofern sie sich nicht als Kon-
großen Anspruch seiner Sammlung. Sie Bach hatte das Werk 1722 in Rein- sequenzen der Textstadien 1–4 im Auto-
will pädagogisches Lehrwerk und Her- schrift niedergeschrieben. Hiervon exis- graph erklären lassen, sind das Ergebnis
ausforderung für den versierten Spieler tieren Abschriften, die dieses erste von Schreibversehen oder stellen eigen-
gleichermaßen sein. Textstadium festhalten. In der Zeit bis mächtige Textveränderungen durch die
Bach komponierte sein Werk in einer etwa 1732 trug Bach erste Änderungen Schreiber dar. Die Abschriften helfen
Zeit, in der man sich um die noch heute in sein Autograph ein. Das so überarbei- aber dort, wo das Autograph einmal
gültigen Verfahren der temperierten tete Manuskript diente nun wiederum punktuell schlecht zu lesen oder gar un-
Stimmung von Klavierinstrumenten be- als Vorlage für Abschriften, die ein vollständig ist. So fehlt im Autograph
mühte, die das Musizieren in allen Ton- zweites Textstadium wiedergeben. Wohl ein Blatt, das die Fuge 13 komplett und
arten gestattete. Auf nach älteren Syste- nach 1736 unterzog Bach sein Auto- die Anfangstakte von Praeludium 14
men gestimmten Instrumenten waren graph einer erneuten Revision, die sich enthält.
lediglich ausgewählte Tonarten darstell- in Abschriften dieses dritten Textstadi- Herausgeberzusätze sind dann einge-
bar. So ist Bachs Interesse an der Erpro- ums niederschlägt. In den vierziger Jah- klammert, wenn deutlich gemacht wer-
bung des gesamten Dur-Moll-Bereichs ren des 18. Jahrhunderts trug er schließ- den soll, dass die betreffenden Zeichen
nur zu verständlich. lich dritte und letzte Korrekturen ein, (z. B. Bögen, Artikulationsangaben, in
Welchen Wert Bach dem ersten Teil die die Endredaktion des Werks (Text- ganz wenigen Fällen Akzidentien) im
seines Wohltemperierten Klaviers bei- stadium 4) darstellen. Die angeblichen Autograph fehlen. Von dieser Kenn-
maß, zeigt seine intensive Arbeit am Varianten der Quellen entpuppen sich so zeichnungsmöglichkeit wurde bewusst
mustergültig geschriebenen Autograph, als von Bach verworfenen Notierungen, auch dann Gebrauch gemacht, wenn
das er seinen Schülern immer wieder als die durch die Fassung letzter Hand über- sich solche im Autograph fehlende Zei-
Kopiervorlage für Abschriften zur Ver- holt sind. chen in Abschriften finden. Diese Maß-
fügung stellte. Das Werk wurde bereits Unbestrittene und eindeutige Haupt- nahme ist deshalb angebracht, weil Zu-
zu Bachs Lebzeiten von Kennern hoch quelle unserer Ausgabe ist also das Au- sätze in Abschriften sicherlich häufig
geschätzt, stand aber als allzu retro- tograph (Staatsbibliothek zu Berlin · nicht von Bach autorisiert sind, sondern
spektiv – die Form der Fuge galt als ver- Preußischer Kulturbesitz, Mus. ms. Verbesserungen oder Veränderungen
altet – den musikalischen Modetrends Bach P 415, auch im Faksimile erschie- durch die Abschreiber darstellen.
der Zeit entgegen. So erklärt es sich nen). Folgende Abschriften wurden er- Sporadisch wurden Ornamente im
auch, dass die Sammlung erst ca. 50 gänzend zurate gezogen (darunter die Kleinstich aus den genannten Abschrif-
Jahre nach Bachs Tod zum ersten Mal drei irrtümlich für Autographe gehalte- ten übernommen. Auch hierfür gilt, was
gedruckt wurde, während sie bereits in nen Handschriften): Abschrift Christian einschränkend zur Bewertung dieser Se-
zahlreichen Abschriften verbreitet war. Gottlob Meißner, Haags Gemeente Mu- kundärquellen gesagt wurde. Gelegent-
Die wahre Bedeutung des Autographs seum, Den Haag, 69 D 14; Abschrift lich ersetzen die Abschreiber originale
als der überragenden Quelle für Neu- Anonymus 5, Mus. ms. Bach P 401; Ornamente Bachs durch andere Zeichen.
V

Hierin und in der von Abschrift zu Ab- for Bach’s collection, which sets out to manuscripts based on the sole authentic
schrift variierenden Art der Ausschmü- be both a manual of instruction and a original in Bach’s own hand. The seem-
ckung zeigt sich der freie Gebrauch der challenge to accomplished performers. ingly enigmatic discrepancies in the text
Zeit im Umgang mit den Verzierungs- Bach composed this work at a time were now easily accounted for.
zeichen. Insofern dürfen die Ornamente when efforts were being made to devise Bach, as already mentioned, wrote
sowohl des Autographs (Normalstich) the system of tempered tuning still used out his work in fair copy in 1722. A
wie auch die der Abschriften (Klein- on keyboard instruments today. This number of handwritten copies were
stich) als Vorschläge für die eigene Ge- system allows performers to play in eve- made from that manuscript, thereby
staltung aufgefasst werden. Die Zeichen ry key, whereas instruments tuned in ac- preserving the text at the first stage of
tr, e und w stehen bei Bach gleichbe- cordance with earlier systems permitted its evolution. In the years up to around
deutend für den gewöhnlichen Triller. only a limited number of keys. It is thus 1732 Bach entered a number of initial
Die Verzierungstabelle, die Bach im Kla- fully understandable that Bach was in- changes in his autograph. In this revised
vierbüchlein für Wilhelm Friedemann terested in exploring the entire range of state, the manuscript again served as a
Bach niedergeschrieben hat, erläutert major and minor keys. model for copies that preserve a second
einige für Bach wesentliche Ornamente The high value Bach attached to Part stage of the text. Probably some time
(siehe Seite VII). 1 of his Well-Tempered Clavier is appar- after 1736 Bach once again subjected
Wichtigere Textprobleme werden in ent in the painstaking care he spent on his manuscript to a revision which in
den Bemerkungen am Ende dieses Ban- his exemplary autograph manuscript. turn left its mark on the copies made
des angesprochen. Weiterhin teilen wir Time and again he placed this manu- from it, thereby preserving a third stage
alle wesentlichen von Bach im Auto- script at the disposal of his pupils so of the text. Finally, in the 1740s, he en-
graph getilgten und durch Änderungen that they could make personal hand- tered a third and final series of emenda-
verworfenen Lesarten in den Bemerkun- written copies of it. Even during Bach’s tions that represent the work in its final
gen mit. Für bereitwillig zur Verfügung lifetime the work was highly regarded redaction, or stage 4. The alleged vari-
gestellte Quellen sei den genannten by connoisseurs. All the same, its highly ants in the sources thus turn out to be
Bibliotheken gedankt. retrospective nature (the fugue was al- readings rejected by Bach himself and
ready considered an outdated form) ran rendered obsolete by his final definitive
München, Frühjahr 1997 counter to the musical fashions of the version.
Ernst-Günter Heinemann day. This also explains why the collec- There is thus only one uncontested
tion did not appear in print until some principal source for our edition: Bach’s
fifty years after Bach’s death, by which autograph manuscript. Its present loca-
time, however, the work had already tion is the Staatsbibliothek zu Berlin ·
been disseminated in innumerable Preußischer Kulturbesitz, Musikabtei-
handwritten copies. lung mit Mendelssohn-Archiv (Mus. ms.
The primary source for every new Bach P 415); it has also been published
Preface edition of Part 1 of the Well-Tempered in facsimile. We have also consulted sev-
Clavier is Bach’s autograph manuscript. eral of the pupils’ copies, among them
For a long time the full significance of the three mistakenly thought to be auto-
this manuscript remained shrouded in graphs. These include the Christian
Part 1 of Johann Sebastian Bach’s Well- obscurity. By an ill stroke of fortune, Gottlob Meißner MS (Gemeente Muse-
Tempered Clavier has survived in a three of the most important manuscript um, The Hague, 69 D 14) and a group
complete autograph fair copy dating copies that deliberately sought to imitate of MSS likewise located at the Staats-
from the year 1722. The title translates the layout and handwriting of Bach’s bibliothek zu Berlin · Preußischer Kul-
roughly as follows: The Well-Tempered original were long thought to be auto- turbesitz, Musikabteilung mit Mendels-
Clavier, or preludes and fugues in every graphs as well. This mistake had dire sohn-Archiv: the Anonymous 5 MS
key, including those with the major consequences: editors saw themselves (Mus. ms. Bach P 401), the Anna Mag-
third and those with the minor third, for confronted with a total of four allegedly dalena Bach and Johann Friedrich Agri-
the use and benefit of inquisitive young autograph manuscripts that differed cola MS (Mus. ms. Bach P 202), the Jo-
musicians and for the special diversion from each other in myriad details, and hann Gottfried Walther MS (Mus. ms.
of those already well-versed in this every deviation was thought to represent Bach P 1074) and the Johann Christoph
study, set down and composed by Jo- a legitimate alternative reading. Not Altnickol MS (Mus. ms. Bach P 402). Of
hann Sebastian Bach, chapel-master until the days of modern Bach research, these, the Meißner and Walther MSS
and director of chamber music to the primarily that of Walther Dehnhard and preserve the first stage of the text, while
Prince of Anhalt-Cöthen, in the year Alfred Dürr, was this state of affairs re- Anna Magdalena Bach and Altnickol
1722. This title, which, incidentally, vealed in its true light. The three puta- present stages 2 and 3, respectively.
only applies to Part 1, raises high claims tive autographs proved to be copyist’s Anonymous 5 derives from a version of
VI

the Well-Tempered Clavier that ante- Major textual problems are discussed l’utilisation de l’intégral des tonalités, et
dates stage 1 and was only brought up in the Comments appearing at the end of majeures et mineures.
to the level of stage 1 through later this volume. The Comments also include L’autographe définitif, que le compo-
insertions. (The manuscripts wrongly all essential readings deleted by Bach in siteur mettait régulièrement à la dispo-
thought to be in Bach’s hand were Meiß- his autograph and overridden by his lat- sition de ses élèves comme modèle de
ner, Anna Magdalena and Anonymous 5.) er changes. We wish to thank the men- copie, témoigne encore d’un travail in-
Many of the discrepancies in the cop- tioned libraries for graciously placing tensif de la part du compositeur et ré-
yist’s MSS cannot be explained as out- source materials at our disposal. vèle par là même l’importance accordée
growths of stages one to four in the evo- par Bach à la première partie de son
lution of the autograph text. Either they Munich, spring 1997 Clavier bien tempéré. Cette œuvre fut
are slips of the pen or willful alterations Ernst-Günter Heinemann certes hautement appréciée de ses con-
on the part of the copyist. However, temporains, mais elle apparut en même
these manuscripts help to explain a few temps comme trop rétrospective, c’est-
passages where Bach’s autograph is in- à-dire, la forme de la fugue étant consi-
distinct or even incomplete. For exam- dérée alors comme démodée, comme par
ple, the autograph lacks a leaf contain- trop opposée aux modes et courants mu-
ing the whole of Fugue XIII and the sicaux de l’époque. Ceci explique pour-
opening bars of Prelude XIV. quoi, alors que le recueil était déjà dif-
Editorial additions are enclosed in fusé à travers de nombreuses copies, il
parentheses wherever they are meant Préface a fallu encore quelque 50 ans après la
to indicate that the relevant signs (e. g. mort du Cantor pour voir paraître la
slurs, articulation marks and, in a very première édition.
few cases, accidentals) are lacking in the L’importance décisive de l’autogra-
autograph. We also used parentheses to Le Clavier bien tempéré, premier livre, phe en tant que source primordiale des
identify those cases where the missing de J. S. Bach est conservé sous la forme nouvelles éditions du Clavier bien tem-
signs are found in pupils’ copies. This de la mise au propre autographe de péré, 1er livre est restée longtemps igno-
practice proved necessary since many of 1722. Le titre, qui ne se réfère d’ailleurs rée. À la suite d’une fâcheuse méprise,
the additions to these MSS were surely chez Bach qu’au seul premier livre, a le lourde de conséquences, on a longtemps
not authorized by Bach, but merely rep- libellé suivant: Le Clavier bien tempéré. tenu à tort pour des autographes trois
resent improvements or changes intro- ou Préludes et Fugues dans tous les tons des principales copies, soucieuses de
duced by the person making the copy. et demi-tons, concernant tant la tierce fidélité à l’égard de l’original de Bach,
A very small number of ornaments majeure, ou Ut Ré Mi, que la tierce mi- tant en ce qui concerne la présentation
in small print were taken over from the neure, ou Ré Mi Fa. Pour le profit et et la disposition que du point de vue
above-named pupils’ copies. Here, too, l’usage des jeunes musiciens désireux de graphique. On s’est ainsi trouvé face
the reader is referred to the above cave- s’instruire, aussi bien que de ceux qui à quatre soi-disant originaux au total,
ats regarding the value of these sources. ont déjà acquis une habileté dans cette présentant entre eux nombre de diver-
Occasionally the copyists substituted étude, composé et confectionné par Jean gences. Il allait de soi dans un tel con-
other signs for Bach’s original orna- Sébastian Bach. p. t.: Maître de Cha- texte que les variantes présentées par
ments. This practice illustrates the li- pelle du prince Léopold d’Anhalt ces «autographes» semblaient toutes
cense allowed at that time in dealing Köthen et Directeur de sa Musique de égales en valeur. Il a fallu attendre les
with ornamentation marks. The same chambre. Anno 1722. Le Cantor for- travaux de la recherche musicologique
can be said of the style of embellish- mule ici la grande ambition de son re- moderne, représenté en particulier par
ment, which varies from copy to copy. cueil, à savoir d’être à la fois un ouvrage Walther Dehnhard et Alfred Dürr, pour
Ornaments taken from the autograph didactique et pédagogique, et un défi mettre les choses au point. Trois des
(in normal print) and from the copyist’s pour l’instrumentiste chevronné. «autographes» ont été ainsi identifiés
manuscripts (in small print) should Bach a composé son œuvre à une épo- comme étant en réalité des copies issues
therefore be regarded merely as sugges- que où l’on cherchait encore à réaliser du seul autographe authentique. Il était
tions for the reader’s own interpretation. l’accord des instruments à clavier selon alors aisé d’expliquer la présence de ces
In Bach’s handwriting, the sings tr, e le système du tempérament égal, sys- variantes, assez incompréhensibles à
and w are equivalent and stand for the tème, toujours utilisé aujourd’hui, per- première vue.
ordinary trill. A number of ornaments mettant l’usage de tous les tons. Les ins- C’est en 1722 que le compositeur met
essential to Bach’s music appear in the truments accordés sur la base de systè- au propre son texte. On possède des co-
table that he added to the Klavierbüch- mes plus anciens n’autorisaient que pies attestant de ce premier stade. Au
lein for Wilhelm Friedemann Bach. We l’emploi de tonalités données. On com- cours des dix ans suivants, jusque vers
present this table on page VII. prend donc l’intérêt de Bach concernant 1732 donc, Bach inclut un certain nom-
VII

bre de premières corrections à son auto- tent le stade 1, celle d’Anna Magdalena des copies. Ce qui a été précédemment
graphe. Le manuscrit ainsi révisé sert à Bach le stade 2; Altnickol correspond au dit concernant les précautions à prendre
son tour de modèle pour des copies, les- stade 3 et Anonymus 5 reprend une ver- quant à l’évaluation des sources secon-
quelles révèlent donc ce deuxième stade sion du Clavier bien tempéré antérieur daires est également valable ici. Les co-
d’élaboration. Bach procède ultérieure- au stade 1, version qui avait été rendue pistes remplacent parfois les ornements
ment, probablement après 1736, à une conforme au stade 1 par corrections ra- originaux du compositeur par d’autres
nouvelle révision, qui se répercute à son joutées après coup (Meißner, Anna Mag- notations. Une telle pratique de même
tour dans de nouvelles copies correspon- dalena et Anonymus 5 ont été évalués que la variabilité de notation des agré-
dant à ce troisième stade. Au cours des par erreur en tant qu’autographes). ments entre les différentes copies font
années 40 enfin, il apporte encore des Les nombreuses divergences présen- apparaître la grande liberté qui régnait
corrections, les troisièmes et dernières, tées par les copies – pour autant qu’elles à l’époque dans l’usage des signes d’or-
l’autographe présentant alors la rédac- ne résultent pas de stades 1 à 4 du texte nementation. C’est pourquoi lesdits
tion finale de l’œuvre (stade 4). Les soi- – proviennent d’erreurs de copie ou sont agréments, aussi bien ceux de l’autogra-
disant variantes s’avèrent ainsi n’être le résultat de modifications apportées phe (caractères normaux) que ceux pro-
en réalité que des notations finalement par les copistes de leur propre chef. Ces venant des copies (petits caractères), ne
écartées par le compositeur et rendues copies constituent cependant une aide peuvent tenir lieu que de propositions
caduques par sa dernière version auto- non négligeable là où l’autographe est d’exécution laissées à la libre initiative
graphe. ponctuellement illisible ou même s’avère de l’interprète. Les signes tr, e et w sont
C’est donc cet autographe (Staatsbi- incomplet. C’est ainsi qu’il manque utilisés indifféremment par Bach pour le
bliothek zu Berlin · Preußischer Kultur- dans l’autographe une page comportant trille (tremblement) normal. La table
besitz, Musikabteilung mit Mendels- le texte de la fugue 13 ainsi que les pre- d’agréments, notée par Bach lui-même
sohn-Archiv, Mus. ms. Bach P 415, pu- mières mesures du prélude 14. dans le Klavierbüchlein écrit à l’inten-
blié aussi en facsimilé) qui constitue Les rajouts de l’éditeur sont placés tion de Wilhelm Friedemann Bach, four-
sans conteste la source principale de la entre parenthèses lorsqu’il s’agit de nit des indications précieuses sur les
présente édition. Les copies ci-dessous signaler que les signes correspondants principaux ornements utilisés par le
énumérées, dont les trois considérées (p.ex. liaisons, signes d’articulation, compositeur (voir ci-dessous).
longtemps à tort comme des autogra- accidents dans un tout petit nombre de Les problèmes de texte importants
phes, ont également été consultées en cas) font défaut dans l’autographe. Il a sont explicités dans les Remarques pu-
complément: copie Christian Gottlob été également recouru à cette même spé- bliées à la fin du volume. Nous signalons
Meißner, Haags Gemeente Museum, cification quand des signes ou indica- également toutes les variantes impor-
La Haye, 69 D 14; copie Anonymus 5, tions absents de l’autographe sont pré- tantes supprimées ou écartées par cor-
Mus. ms. Bach P 401; copie Anna Mag- sents dans une copie. Une telle caracté- rection par Bach dans l’autographe.
dalena Bach et Johann Friedrich Agri- risation apparaît justifiée dans la me- Nous adressons tous nos remerciements
cola, Mus. ms. Bach P 202; copie Jo- sure où les rajouts des copies sont sans aux bibliothèques citées pour les sources
hann Gottfried Walther, Mus. ms. Bach doute très souvent des rajouts non auto- aimablement mises à notre disposition.
P 1074; copie Johann Christoph Altni- risés par Bach mais des améliorations ou
ckol, Mus. ms. Bach P 402 (les 4 derniè- modifications effectuées arbitrairement
res, exclusivement: Staatsbibliothek zu par les copistes.
Berlin · Preußischer Kulturbesitz, Mu- Un certain nombre d’ornements, im-
sikabteilung mit Mendelssohn-Archiv). primés en petits caractères dans cette Munich, printemps 1997
Les copies Meißner et Walther représen- édition, ont été repris çà et là du texte Ernst-Günter Heinemann
VIII

Zur Ausführung bei diesem Stück handelt es sich wahr- angaben finden sich in Band I (im
scheinlich um eine Orgelkomposition, c-moll-, e-moll- und h-moll-Präludium
weshalb man die letzten Takte mit zwei und in der h-moll-Fuge) und eine ein-
Händen allein nicht ausführen kann). zige in Band II (im h-moll-Präludium).
Zu Recht bezeichnete Hans von Bülow Deshalb wollen meine hier abgedruck- Die forte- oder piano-Angaben (Band II,
das Wohltemperierte Klavier Bachs als ten Fingersätze ohne den Einsatz des gis-moll-Präludium) legen Manual-
das „Alte Testament der Musik“, wäh- rechten Pedals verstanden und genutzt wechsel auf dem Cembalo nahe. Eine
rend Beethovens 32 Klaviersonaten das sein. Ist die Verwendung des Pedals ver- der Freuden des Bach-Spielens ist, dass
„Neue Testament“ darstellen. In der Re- boten? Sicherlich nicht. Aber das Pedal er uns die Freiheit zur eigenen Entschei-
ligion – wie in der Musik – unterliegen sollte erst dann (äußerst sparsam) ein- dung überlässt: Herausforderung und
Testamente der Interpretation, die zu gesetzt werden, wenn der Pianist das große Unabhängigkeit gleichermaßen.
endlosen Debatten und Diskussionen Stück auch ohne dessen Hilfe bewältigt Verzierungen sind lebensnotwendige Be-
führen. In jeder Epoche werden Wissen- hat. Es kann Farbe in den Klang brin- standteile der „48er“. Einige davon sind
schaftler den identischen Text je unter- gen, es kann aber auch die kontrapunk- notiert, andere nicht. Bach überlieferte
schiedlich auslegen. Undenkbar ist also tischen Linien verwischen. uns in seinem „Notenbüchlein für Wil-
die eine gültige Lösung, die jedermann Fingersätze und Artikulation hängen helm Friedemann Bach“ die korrekte
gefällt oder überzeugt. Während ich die stets voneinander ab, und meine Finger- Ausführung seiner Verzierungszeichen
Fingersätze für die vorliegende Ausgabe sätze „funktionieren“ nur in Verbin- (siehe die Tabelle auf S. VII). Und den-
ausarbeitete, war ich mir der schieren dung mit einer bestimmten, beabsichti- noch: Bis heute wird endlos zum Bei-
Unmöglichkeit meiner Aufgabe bestän- gten Artikulation. Die Henle-Ausgabe spiel über die Frage debattiert, ob man
dig bewusst, weshalb ich auch dem An- druckt völlig zu Recht den „Urtext“ ab, nun einen Triller mit der Hauptnote
gebot des G. Henle Verlags zunächst zu- genau so, wie ihn der Komponist nieder- oder mit der oberen Nebennote beginnt.
rückhaltend gegenüber stand. Finger- legte. Es bleibt also dem Spieler über- Ich darf an die Worte Carl Philipp Ema-
sätze sind praktische Vorschläge für den lassen, Phrasierung und Artikulation nuel Bachs erinnern: Verzierungen die-
Ausführenden. Von jemandem, der – festzulegen, denn Bachs Partituren ent- nen dazu, die Musik gefälliger zu ma-
hoffentlich – beträchtliche Erfahrung halten höchst selten Bogensetzungen. chen. Nicht, um sie zuzuschütten. Der
mit dem fraglichen Werk hat: Wer zu ei- Die meisten Pianisten des 19. Jahrhun- gute Geschmack entscheidet über deren
ner tückischen Expedition auf ein Berg- derts bevorzugten ein Bach-Spiel, das richtige Anwendung. Außer der Orgel
massiv aufbricht, der tut gut daran, sich „sempre legato“ und „cantabile“ war. kann kein Tasteninstrument lange No-
der Begleitung eines erfahrenen Berg- Als Reaktion darauf – oder in Rebellion ten auch lang klingen lassen. Im Mo-
führers zu versichern. dagegen – bescherte uns das 20. Jahr- ment des Anschlags beginnt der Ton
Die „48er“ sind ein schwer zu erfas- hundert die „Neue Sachlichkeit“ mit beständig leiser zu werden. Deshalb
sendes, mysteriöses „Bergmassiv“. Für Pianisten, die nun durchweg das Gegen- scheint es mir völlig legitim, lange, über
welches Instrument hat Bach sie ge- teil praktizierten, also ein gestoßenes mehrere Takte gehaltene Noten noch-
schrieben? Wir wissen es nicht. Sein Be- „sempre staccato“. Beide Zugänge sind mals anzuschlagen, um ihr völliges Ver-
griff „Clavier“ zielt lediglich auf das falsch, denn sie sind einseitig. Wir kön- klingen zu vermeiden. Wann und an
Tasteninstrument im Allgemeinen; dem- nen allen zeitgenössischen Lehrwerken welcher Stelle wir dies tun sollten, ist ei-
nach sind einige Stücke vielleicht für entnehmen, dass die Musik des 18. Jahr- ne weitere unserer Wahlmöglichkeiten.
das Cembalo, andere für die Orgel, wie- hunderts nach abwechslungsreicher Auf dem Klavier – nicht auf dem Clavi-
der andere für das Clavichord gedacht. Artikulation verlangt. Demnach könn- chord – kann die Ausführung von Ak-
Kann man sie auf dem modernen Kla- ten – nur als Beispiel – vier unbezeich- korden problematisch werden, denn
vier spielen? Aber ja, man kann und nete Sechzehntelnoten wie folgt ausge- diese tendieren häufig dazu, zu stark
sollte es auch, allerdings keinesfalls aus- führt werden: und perkussiv zu klingen. Das kann
schließlich. Alle Tasteninstrumente man vermeiden, indem man Akkorde
Bachs unterscheiden sich in mehreren œœœœ œö œö œö œö œœœœ œö œ œ œ mit einem Arpeggio bricht. Arpeggi
Aspekten vom modernen Klavier; einer können sehr erfindungsreich eingesetzt
davon ist das Fehlen eines Haltepedals. œö œ œ œö œ œ œ œö œö œö œ œ œ œ œö œö werden, wie zum Beispiel in der Chro-
Dieses prächtige Hilfsmittel ist uns von matischen Fantasie oder zum Schluss
unschätzbarem Nutzen für Beethovens Bach hat diese Ausführungsdetails des d-moll-Präludiums aus Band I.
und spätere Musik, aber sicherlich nicht nicht in seine Partituren hineingeschrie- Das Wohltemperierte Klavier stellt ei-
für die Musik Bachs. Man kann das ge- ben – er und seine Zeitgenossen benöti- ne unvergleichliche Sammlung dar, de-
samte Wohltemperierte Klavier wunder- gten sie nicht –, aber er erwartete hierin ren Stücke nahezu alle unterschied-
bar spielen, ohne ein einziges Mal das zweifellos Abwechslung. Genauso spär- lichen Charaktere und Gattungen der
Pedal zu treten (ausgenommen den lich sind Bachs Angaben zu Tempo und Bach’schen Musik beinhalten. Bestimm-
Schluss der a-moll-Fuge in Band I, denn Lautstärke: Ein paar wenige Tempo- te Präludien und Fugen könnten Be-
IX

standteil seiner Kirchenmusik sein, – has had considerable experience with without marks can be executed as fol-
während wiederum andere an Tänze wie the works in question: when embarking lows:
Allemanden, Couranten und Giguen er- on a treacherous mountain expedition it
innern. Für den Spieler ist es von größ- is advisable to have a good guide. œœœœ œö œö œö œö œœœœ œö œ œ œ
ter Bedeutung, dass er mit all diesen The “48” are very elusive, mysterious
Formen vertraut ist und sie entspre- “mountains.” What instrument did Bach œö œ œ œö œ œ œ œö œö œö œ œ œ œ œö œö
chend versteht. Jeder, der ernsthaft an have in mind when he wrote them? We
diesem Werk interessiert ist, wird ver- do not know. The word “Clavier” sug- Bach may not have marked these de-
schiedene moderne Notenausgaben stu- gests only keyboard, with some pieces tails in his scores – he and his contem-
dieren wollen. Von beiden Bänden des intended for the harpsichord, others for poraries didn’t need them – but he cer-
Wohltemperierten Klaviers sind außer- the organ or the clavichord. Can they be tainly expected variety. His instructions
dem Faksimile-Ausgaben der Hand- played on the modern piano? Yes, they concerning tempi and dynamics are
schrift Bachs erhältlich, genauso wie can and they should be, although by no equally rare: a few tempo markings in
zahllose Ausgaben unterschiedlichster means exclusively. Bach’s keyboard in- Book I (the c-minor prelude, e-minor
Qualität. Wir haben die Wahl. Wie schon struments all differ from the piano in prelude, b-minor prelude and fugue),
Robert Schumann sagte: „Das Wohltem- more than one way, one difference being and a single one in Book II (the b-minor
perierte Klavier sei Dein täglich Brot“. that they do not have a sustaining pedal. prelude). The forte and piano indica-
This magnificent device serves us inval- tions (Book II, gk-minor prelude) sug-
Florenz, Frühjahr 2007 uably in Beethoven’s music and after- gest a change of manuals on the harpsi-
András Schiff wards, but certainly not in Bach. The chord. One of the beauties of playing
entire WTC can be played perfectly well Bach is that he gives us the freedom to
without touching the pedal (with the ex- make choices. This is a challenge but al-
ception of the end of the a-minor fugue so a great liberty. Ornaments are vital
in Book I. This cannot be executed with elements of the “48.” Some are notated,
two hands alone, because it is probably others are not. In his “Notenbüchlein
an organ piece). Thus the present fin- für Wilhelm Friedemann Bach” he has
gerings are meant to be for the hands given us the correct execution of his em-
alone, not for the feet. Is the use of the bellishments (cf. the table on page VII).
sustaining pedal forbidden? Of course Still, even today there are endless argu-
not. But it must be used sparingly, after ments about such questions as whether
the pianist has mastered the piece with- a trill ought to start on the main note or
out its help. It can add colour to the so- on the upper auxiliary. Let’s remember
nority but it can also blur contrapuntal Carl Philipp Emanuel Bach’s words: or-
Notes on the execution textures. naments are there to make music more
Fingerings always depend on articu- agreeable, not more crowded. Their ap-
lation, and mine only work with a par- plication is a matter of good taste. Key-
ticular articulation in mind. The Henle board instruments – with the exception
Hans von Bülow has rightly called edition – rightly – prints the “Urtext,” of the organ – cannot sustain long notes.
Bach’s Well-Tempered Clavier the Old just as the composer wrote it. Bach al- Once a note has been played, it starts to
Testament of music – with Beethoven’s most never wrote marks of phrasing and diminish. Therefore it is absolutely le-
thirty-two piano sonatas representing articulation in his scores, so it is up to gitimate to repeat notes that are slurred
the New Testament. In religion – as in the player to provide them. Most pian- over several bars, if this prevents their
music – testaments are subject to inter- ists of the nineteenth century tradition disappearance. When and where to do
pretations that lead to endless debate liked to play Bach “sempre legato”, em- this is another of our choices. Chords on
and discussion. In every era, each schol- phasizing the vocal line. As a reaction – the piano – not on the clavichord – can
ar may interpret the same text different- or revolt – against this the twentieth be problematic, for they often tend to
ly. Finding a single solution that will century gave us “Neue Sachlichkeit” sound heavy and percussive. To avoid
please or convince everyone is unimagi- (new objectivity), with pianists who this, it helps to break them by playing
nable. When working on the fingerings went to the other extreme and played them arpeggiando. Arpeggi can be used
for the present edition I was constantly “sempre staccato”, in a detached man- very creatively, as in the Chromatic
aware of the sheer impossibility of my ner. Both approaches are wrong because Fantasy, or the end of the d-minor prel-
task, hence my initial reluctance to ac- they are one-sided. All contemporary ude in Book I.
cept the invitation of G. Henle Verlag. treatises teach us that eighteenth-centu- The Well-Tempered Clavier is an in-
Fingerings are practical suggestions to ry music requires varied articulation. comparable collection of pieces repre-
the player by someone who – hopefully Thus – for example – four semiquavers senting nearly all the different charac-
X

ters and genres in Bach’s music. Certain ce de l’œuvre en question: quiconque le XXe siècle imposa une «objectivité re-
preludes and fugues could be parts of entreprend une aventureuse expédition trouvée» avec des pianistes jouant, au
sacred works, while others are reminis- en montagne fait bien de s’assurer la contraire, résolument «sempre staccato».
cent of dances such as allemandes, cour- compagnie d’un guide expérimenté. Les deux approches sont fausses, car
antes, and gigues. It is most important Les «48» sont un fuyant et mysté- unilatérales. Toutes les méthodes pu-
that the player should be familiar with rieux «massif montagneux». Pour quel bliées à l’époque nous enseignent que
these forms, and recognize them. Every- instrument Bach l’a-t-il écrit? Nous la musique du XVIIIe siècle exige une
one seriously interested in this work will l’ignorons. Le terme «Clavier» renvoie articulation diversifiée. Ainsi – à titre
wish to study it in different modern edi- d’une manière générale à un instrument d’exemple – quatre doubles croches,
tions. Facsimile reproductions of the à clavier; ainsi certaines pièces auront sans autre indication, peuvent être exé-
manuscripts of both books are available, peut-être été composées pour le clave- cutées ainsi:
as are countless editions of varying cin, d’autres pour l’orgue, et d’autres
quality. The choice is ours. As Robert encore pour le clavicorde. Peut-on les œœœœ œö œö œö œö œœœœ œö œ œ œ
Schumann has said: “The Well-Temper- jouer sur un piano moderne? Oui, on le
ed Clavier should be Thy daily bread.” peut et on le devrait, mais non point ce- œö œ œ œö œ œ œ œö œö œö œ œ œ œ œö œö
pendant de manière exclusive. Tous les
Florence, spring 2007 instruments à clavier de Bach se distin- Bach n’a pas consigné de tels détails
András Schiff guent à bien des égards d’un piano mo- d’exécution dans ses partitions – lui-mê-
derne; l’un d’entre eux est l’absence de me et ses contemporains n’en avaient
la pédale de tenue. Ce superbe et utile nul besoin –, mais il est sûr que la diver-
accessoire est d’un bénéfice incompara- sité allait de soi. De même, Bach n’a
ble pour la musique de Beethoven et cel- laissé que de rares indications de tempo
le qui suit, mais certainement pas pour et d’intensité: on trouve ici et là quel-
celle de Bach. On peut exécuter magnifi- ques indications de tempo dans le Pre-
quement l’ensemble du Clavier bien mier livre (dans les préludes en ut mi-
tempéré sans utiliser une seule fois la neur, mi mineur et dans le prélude et la
pédale (à l’exception de la fin de la fu- fugue en si mineur) et une seule dans le
gue en la mineur du Premier livre, car Second livre (dans le prélude en si mi-
Observations pratiques cette pièce a très vraisemblablement été neur). Les indications forte ou piano
composée pour l’orgue, et c’est pourquoi (Second livre, prélude en solk mineur)
les deux mains ne suffisent pas à exécu- suggèrent des changements de clavier
ter les dernières mesures. Les doigtés pour une exécution sur clavecin. L’un
Hans von Bülow avait qualifié, à juste que l’on trouvera ici sont destinés à ser- des charmes de la musique de Bach est
titre, le Clavier bien tempéré de Bach vir l’exécution de ce passage sans faire qu’elle nous laisse la liberté de faire des
d’Ancien Testament de la musique, par appel à la pédale droite. Mais la pédale choix: il y a là à la fois un défit et une
opposition à un Nouveau Testament in- devra seulement être utilisée (et avec la liberté extrême. Les ornements sont un
carné par les 32 Sonates pour piano de plus grande parcimonie) lorsque le pia- élément vital des «48». Certaines sont
Beethoven. En matière de religion – niste sera parvenu à maîtriser ces pièces notées, d’autres non. Dans son Noten-
comme en matière de musique –, les tes- sans cette aide. Elle peut enrichir la cou- büchlein für Wilhelm Friedemann Bach,
taments sont sujet à interprétations et leur du son, mais elle peut également Bach a consigné l’exécution correcte de
sources d’infinis débats et discussions. À gommer les lignes du contrepoint. ses ornements (voir tableau p. VII). Et
chaque époque, les chercheurs livreront, Les doigtés dépendent toujours du pourtant, aujourd’hui encore, on discute
d’un même texte, d’autres interpréta- phrasé, et les miens ne «fonctionnent» à l’infini de savoir si le trille doit com-
tions. Il est donc impensable de trouver que si l’on a à l’esprit un phrasé bien mencer par la note principale ou par la
une seule solution susceptible de con- précis. L’édition Henle reproduit très lé- note voisine supérieure. Je voudrais rap-
vaincre tout le monde. Alors que je tra- gitimement l’Urtext, tel qu’il a été mis peler les propos de Carl Philipp Ema-
vaillais aux doigtés pour la présente édi- par écrit par le compositeur. Bach a ra- nuel Bach: les ornements servent à ren-
tion, j’ai été à chaque instant conscient rement noté des indications de phrasé dre la musique plus agréable, et non pas
de l’impossibilité, pure et simple, de ou d’articulation; il revient par consé- à la surcharger. Le bon goût décide de
mon travail. C’est pourquoi je n’ai tout quent à l’exécutant de les imaginer. La leur juste usage. A l’exception de l’or-
d’abord accueilli qu’avec réticence l’of- plupart des pianistes du XIXe siècle pré- gue, aucun instrument à clavier ne peut
fre de la Maison Henle. Les doigtés sont conisaient un jeu «sempre legato» met- tenir les notes longues. Une fois la note
des suggestions pratiques proposées à tant par ailleurs en évidence la teneur attaquée, le son ne cesse de faiblir. C’est
l’exécutant par quelqu’un qui – il faut cantabile. En réaction – ou plutôt en ré- pourquoi il me semble tout à fait légi-
l’espérer – possède une bonne expérien- bellion – contre ce type d’interprétation, time de rejouer les notes tenues sur plu-
XI

sieurs mesures afin d’éviter qu’elles ne Le Clavier bien tempéré forme une tions modernes. Il existe des éditions
s’éteignent. Il nous appartient de déci- collection de pièces unique en son genre fac-similées du manuscrit autographe
der quand et comment il convient de le dont presque chacune illustre un carac- des deux volumes du Clavier bien tem-
faire. Sur le piano – et non sur le clavi- tère et un genre musical différent. Cer- péré ainsi que d’innombrables éditions
corde – la réalisation d’accords peut de- tains préludes et fugues pourraient être de diverses qualités. Nous n’avons que
venir problématique, car ils ont tendan- des sections d’œuvres sacrées, tandis le choix. Comme le disait déjà Robert
ce à sonner trop fort et de manière trop que d’autres évoquent des types de dan- Schumann: «Que le Clavier bien tempé-
percussive. Cela peut être évité en arpé- ses, allemandes, courantes ou gigues. Il ré soit ton pain quotidien».
geant ces accords. Les arpèges peuvent est extrêmement important que l’exécu-
être introduits de manière très inventive, tant se familiarise avec ces formes et sa-
comme dans la Fantaisie chromatique et che les reconnaître. Celui qui s’intéresse
à la fin du prélude en ré mineur du Pre- sérieusement à cette œuvre sera sans Florence, printemps 2007
mier livre. doute enclin à comparer plusieurs édi- András Schiff

Urtextausgabe Broschur/Paperbound edition: HN 14


Urtextausgabe Leinen/Clothbound edition: HN 15
Ausgabe ohne Fingersatz/Edition without fingering: HN 1014
Studienedition (ohne Fingersatz) zu dieser Ausgabe: HN 9014
Study score (without fingering) for this edition: HN 9014
Printed in Germany