Sie sind auf Seite 1von 642

MEISTER.

ECKHART
Die deutschen und lateinischen Werke
Herausgegeben im Auftrage
' '
der Deutschen Forschungsgemeinschaft
' .

Die deutschen Werke

Herausgegeben und übersetzt von

JOSEF QUINT .

Erster Band

Predigten Erster Band

W. K O HLHAMMER V,ERLAG
MEISTER ,ECKHARTS
PR:EDIGTEN
l.'

, Hera~~gegeben und .übersetzt

von

JOSEF' QUINT

*
ERSTER BAND

(\yjja·
\f:ff)·

W. t<.OH'LHAM NIER VERLAG


Nachdruck verboten - Alle Rechte vorbehalten
©. Copyright by Verlag W. Kohlhammer GmbH. erstmalig 1958
Recht zur fotomechanischen Wiedergabe nur nach Rückfrage beim Verlag
Druck: W. Kohlhammer Stuttgart .1958
D e m An d e ~ .k e n an

~ ADOLF SPAM~R

t 20.6.1953
VORWORT
) r

Wenn ich hiermit d~n ersten Band der deutschen Predigten Meister Eckharts
in der .A,hteilung „Die deutschen Werke" die~er Gesa:mtausglilie abschließe und der
öffent_lichkeit · vorlege, so hat der leitende HeraU:sgeber der lateinischen Werke,
J o s e ph K o c h ,'im, Vorwort zum 4: Band, der im verg~enen' Jahr ersi:hien .und
' ~He _Ser.mones enthält, bereits' das ,Nötige über die Schwierigkeiten :und die· dadurch·
bedingten Stockungen im Fortgang der Ausgabe seit ihrer Inangriffnahme im Jahre
1934 gesagt: es gilt im gleichen, wenn nicht:in: höherem Maße für die Herausgabe
der deutschen. wie für ·die der· lateinischen Werke. Die Problematik. der Editiöns-
arbeit li:egt für die lateinischen Werke in d~r Spi4-lid1:k;eit, für die deutschen, .ins-
besond~re für die Predigten, hingegen in. der Fülle und Variabilität ~er handschrift-
lichen Überlieferung, sie liegt aber weiterhin in der Fragwürdigkeit bzw~ Ungewiß-
:heit der Echtheit und der Zuverlässigkeit der überlief(iten deutschen Texte. Zu
. diesen Sdiwierigkeiten kommt die des zeitraubenden ulJ.d oft riad:i langem Sut½i:en .
dod:i erfolglosen Bemühens um den Nad:iweis der von Eck.hart in den :deutsdu~n ·
Werken meist sehr ungenau und namenlos· zitierte'n Qu:ellentexte. ·Im bra:u:d:ie das
.. alles im einzelnen nicht näher zu erläutern, es ist oft genug betont und dargetan
worden; Wenn di~ wenigen Eingeweihten ·und Urteilsfähigen ob der ·genannten
ungewöhn:lid:ien Ersd:iwerungen eine kritisd:ie Gesamtausgabe der deutsd:ien Werke ·
E&harts zu unternehxp:en nod:i .zu. Beg:i'.nn unserer Arbeit als auf absehbare Zeit ..
, uriJnöglid:i ansehen zu müssen glaubten; und wenn das Tempo des Fortsd:ireitens.
.der Edifüm denn aud:i ~US den angegebenen Gründen schon vor dem ZWßiten w eH~
kriege"nicht zügig sein konnte, so brad:ite der Krieg und die erste Nad:tkriegszeit so
erheblid:te Störungen und, Verluste, daß diese unter besonders erschwerten ITm-
·ständen erst nad:t Jahren und teilweise bis jetzt nod:i nid:it ganz wieder wetigemad:tt
werden konnten~ Nachdem id:i bereits Anfang Oktob{;lr 193'9 auf kurie Zeit zum.
Heeres<lienst efugeioge:n worden war, wwde idi 1944 zum zweiten Male einberufen
und geriet im Mai 1945 in der Tsched:tei in russisd:ie Gefangensd:taft. I~ Bresiau ·
ging mit ;meiner gesamten Habe' incl. meiner Bibliothek, Kollegmanuskripte und ·
Materialsammlungen· auch· ein erheblicher Teil · der 1,Carteien, ·Kollektaneen, der ·
bibliographisd:ten 'und $6nstigen wissensd:taftlid:ten HiHsmittei ·der E~ha:rt-Ausgabe

zugrunde; .Die ·wesentlichsten .Materi~lien, insbesondere die umfassende Fülle der
• • . . . •. - . • 1

_ Handschri(tenphotokopien, ·der' Filnie und .der Varii:J,nte,naufnahmen, waren aller~


din:gs ~eitig u,nter limsiclitigem Einsatz meines damalig~n wissensd:iaftlid:ien Mit-
- , Ei(rbeiters Dr. He rihe r t F·i scher nach Mitteldeutsch.land verbrad:it ~nd so vor
dem Untergang gerettet worden,' wofür ich auch' an dieser Stelle Herrn Dr.. Fi~cher
~ar~en Dank sage. : · . _ · · ·
· . Nach meiner Rückkehr aus Gefangenschaft war id:t durch die Notwendigkeit
völligen Neuaufbaus infolge des Totalverlustes meiner Habe und .materiellen
c;undlage und durch. die 1948 erfolgte Übernahme des Ordinariats für germanische
Philologie an der neu gegründeten Universität des Saarlandes so stark in Anspruch
genommen:, d_aß es mir :O:ur sehr schwer gelang; die Arbeii,an der Eckhart:Ausgabe
wieder aufzunehmen und zu fördern. Wenn mir diese Arbeit durch Bereitstellung
un..d volle Ausstattung eines besonderen Raumes im neuen Bibliotheksbau der Saar-
Universität erleichtert wurde, so habe ich dies dem verständnisvollen Interesse des
damaligen Rektors Prof. Dr. Joseph Fr an<; o is An ge 11 o i zu danken. Nach
.Fertigstellung der 5. Lieferung der deutschen Predigten hielt ich es, gedrängt durch
Anfrage~ und· Bitten von verschiedenen Seiten, für geraten, zunächst ~ine Neu-
ausgabe von Philipp Strauchs Ausgabe des „Trostbuclies" mit dmii Sermon.
„Vom edlen Menschen" in Lieizmanris „Kleinen · Texten" und zugleich die große
A.µ,sgabe .dieser beiden Texte in den ersten beiden Lieferungen des 5. Bandes dieser
Ausgabe 'zu ·veranstalten. Erst dann und nachdem ich auf Drängen des .Verlages·
C a r 1 H ans er , München, eine neue Übersetzung ·ausgewählter deutscher Eck-· '
hart-Texte, darunter der Predigten des vorliegenden Bandes, bearbeitet hatte,
konnte ich .an den Abschluß dieses ersten 'Predigtbandes gehen. . .
. 'Wie ich in der .Einleitung zur '.t Lieferung (unten S. XIX) 1936 schrieb, soll für
die Reihenfolge der Predigten in der Neuausgabe der Rang der Echtheitsbezeugung
bzw. -kriterien .entscheidend sein. Demgemäß .enthält der vorliegende Band zu-
nächst die Abteilung ·der durch die sog. Rechtfertigungsschrift i,n Verein mit der
Bulle .und dem. ,,Gutachten" .als echt bezeugten· Predigten; soweit sie als solche bis„
her bekannt geworden bzw. nachgewiesen worden sind. Es folgt als 2. Abteilung
die Gruppe ion Predigten, die durch bisher erkannte bedeutungsvolle Oberein-
stimmungen mit den Sermones des 4. Bandes der latei.nisdien Werke als echt erwiesen
werden. Es bleibt ahzuwart~n, ob sich ,in' Zukunft von den bisher noch nicht in
deutschen Predigten ·ri.ad:igewiesenen wenigen Exzerpten der „Rechtfertigu,ngs;. ·
· schrift''; der Bulle und des „Gutachtens" noch das eine oder andere in eine.:ni bereits
bekanr).ten oder noch unbekanµten deutsdien Predigttext auffinden und der betref.:.
fende Text auf diese Weise als echt erweisen läfü, ob fernerhin eine erneute und
wiecie~holte Prüfung nicht noch bezeichnend.e inhaltliche Übereinstimmungen, zwi-
schen deutschen Predigten und Sermones aufdeckt,. die bisher übersehen oder ILicht
erkaruit wurden, wiewohl dies m. E. kaum zu erwarten·sein dürfte. Ich glaubte ver-
sichert sein zu können, daß mit den in diesem Bande vereinigten Predigten die
beide!). bezeichneten A.bteilungeri. als, wenn; amh mif Vorbehalt, geschlossen .an-·
gesehen werden dü.rfen. Damit ist denn zugleich ein sinnvoller Abschluß für diesen
Band· gegeben.
Was die Grundsätze anbelangt, nach denen diese Ausgabe der deutschen Pre:>
digten gestaltet wurde,.so habe ich sie 1936 in der ,;Einleitung" (unten S. X! f.) kurz
d,argelegt. Danach gründet die neue Ausgabe auf der gesamten bisher bekannt-.
gewordenen handschriftlichen Überlieferung. Jch habe 1940 das Ergebnis ineiILer
für die Zwecke der Ausgabe ·unternommenen Bibliotheksreisen unter dem Titel
"Neue Handschriftenfunde zur tlherlieferung .der :deutschen ·werke Meister· Eck-
harts und seiner Schule" im 1,Band. der· dieser Ausgabe beigegebenen ;,Unter-

VIIi
sudmngen" bekanntgemacht. Es war eine stattliche Beute bisher unbekannter
handschriftlicher Eckhart- · und sonstiger Mystiktexte, wie Kar 1 Br et haue r
in seiner eingehenden. und. würdigenden fü;sprechung im· Anzeiger für deutsches
Altertum 66, 1952, S. 123 ff. feststellte. Der Krieg, verhinderte weitere Auslands~
reisen, die ich auch .nachher, durch die oben kurz angedeuteten Umstände verhin"
dert, nicht ausführen konnte, aber zu gegebener Zeit noch nachzuholen gedenke.
Das Gesamt der bisher bekannten Eck.hart-Handschriften deutscher Werke, für die
F r an z P f e i ff e r nach seiner· allerdings unverläßlichen Angabe im Vorwort seines
Eckhart-Textbandes nur 45 Handschriften zur Verfügung standen, umfaßt heute
weit über 200 Nummern. ·
Die. Kritik hat die textkritische Methode, die ich für di~ Herstellung der Predigt-
texte auf der handschriftlichen Grundlage ankündigte und befolgte, gutgeheißen
und gegen meine Entscheidungen an inhaltlich schwierigen oder problematischen
Textstellen bisher, soweit ich Kenntnis davon gewann, keine überzeugenden Ein-
wendungen erhoben. Das heißt natürlich nicht, daß mein Text überall gegen Zweifel
und Einwand gesichert ist; es soll nur besagen, daß mir bisher keine besseren
Lösungen für problematisch überlieferte Stellen gelangen oder angeboten wurden.
Ich muß hier betonen, daß die Mehrzahl aller Echtheits- und Richtigkeitsentschei~
dungen, wie sie auf Grund voii Eckhart-Gesamtdeutungen und -auffassungen oder
auch von terminologischen und stilistischen Uµtersuchungen und „Beobachtungen"
getroffen :wurden, problematisch bzw. verfehlt sind. Das gilt etwa für die katego-
rischen Echtheits~ bzw. Unechtheitsentscheidungen von K ä t e O 1 t m a nn s, Meister
Eck.hart, Frankfurt (Main) 1935, S. 9 und anderer, aber auch für textkritische Ent-
scheidungen oder Vorschiäge, wie sie etwa Theo p h o r a Schneider in ihrer
Arbeit „Der intellektuelle Wortschatz Meister Eckeharts", Berlin 1935, oder Bart-
h o.l d Peters in seinem Buch „Der Gottesbegriff Meister Eckharts"·, Harburg·-
Wilhelmsburg 1936, und andere vorgetragen haben. Es braudit nicht"besonders
betont zu werden, daß die Grenze zwischen objektiver und subjektiver Varianten-
Kritikgefährlich unscharf und nicht leicht einzuhalten ist und .daß Textkritik an
den so brüchig, überlieferfendeutschen Predigttexten Eckharts ohne Divination und .
ohne ein gewisses Gespür für Eckhartische Möglichkeiten kaum gelingen kann. Es
ist ebenso gewiß, daß ich selbst die eine oder andere Textände;ung, die ich in mei-
nern. Buche „Die Überlieferung der deutschen Predigten Meister Eckeharts", Bonn
· 1932, auf Grund einer eingehenden Varianten-Kritik vorschlug; zurücknehmen oder
modifizieren mußte. Entscheidend ist, daß die Textherstellung ohne so oder so ge-
artetes, aus einer mehr oder weniger einseitig gewaltsamen Gesamtkonzeption der
Eckhartischen Verkündigung gespeistes Vorurteil unter Auswertung der gesamten
handschriftlichen Überlieferung erfolgt. Der besonnenste, · kenntnisreichste. und
urteilsfähigste Kritiker, der mit gebotener Vorsicht sich an der Diskussion der be-
rührten Fragen beteiligte, war neben dem zu früh verstorbenen Ec:khart-Forsdier
Ma~tin Skutella immer wieder Karl Brethauer, dem ich für seine för-
dernden Besprechungen und Anregungen aufrichtigen Dank ~age.
Brethauer hat sich denn auch zur Normalisierung der Predigttexte im -Sinne

IX
des .nor.mierlen Mittelhocq.deutsch der ,Ausgaben hochmiftelalterlidier .Denkmäler
bekannt, wie ich es für diese Ausgabe wählte. Diese Normalisierung wurde von
.mir ~llerdirig~, zumal was.die.Beh1;1.ndlung des tonschwa:chen e und seiner Apokope
und Synkope oder Bewahrung betrifft, nicht mit absoluter Konsequeni gleichförmig
. durchgeführt. Es sind vielmehr, zumal in den ersten Texten, gelegentlich Sd,.wan-
kungen der Pfeifferschen Ausgabe; wie-sie sich auch in den „klassischen" Ausgaben·
der mittelhochdeutschen Denkmäler finden, stehen geblieben, so, denn audi das
Nebeneinander von seit und saget, treitund treget. . .. .
Was den V~riantenapparat betrifft, so habe ich entsprechend :m~iner Arikündi~
gling und Begründung in der ,,Einleitung" (unten S. XXV ff.) sämtliche irgendwie:
beachtlichen· Varianten" verzeichnet. Erfahrungen, wie ich sie bei Diskussionen .über
' hestimm.te Textstellen und ihr Verständnis machen mußte, ließen es inir geraten ·
. und nötig er~cheinen, bisher am vÖll~tändigen Varianten~pparat festzuhalten: Es
kann und soll von mir im weiteren Verlauf der Ausgabe nur von Fall zu Fall dar~.
über ehtsd:tieden werden, wie weit der Variantenapparat beschnitten werden darf,·
ohne daß dadurch die Kontrollierbarkeit und Verläßlichkeit der von mir erstellten
Texte leidet, Man mag bei weniger problemgeladep.en' und ~eniger korrupt über-
lieferten Texten: der deutschen Mystik mit re4uziertem Variantenappa~at auskom-
men. Meister Eck.hart ist fraglos ein Sonderfall. Angesichts der ungewöhnlichen
Schwierigkeit 'd~ richtigen Verständnisses seiner so vielfältig ze:rs,etzt und entstellt
überlieferten Predigttexte kann man bei :dem bisherigen völlige~ ,Mangel eines ver-
läßlichen Variantenapparaies zu Pfeiffers Ausgabe der handschriftlichen Varianten -
schwerlich zuviel, sehr leicht aber ,zu. wenig bieten. Pie 3 Eckhartpredigten, die
K µr( Ruh in seinem Textbüchlein ;,Altdeutsche Mystik"; Bern o>J. (1950), unter
ungebührlicher Ausnutzung und Kopi~rung meiner zugehörigenVariantenapparate
und textkritischen Bemühungen für · Übungszwecke · geTmanistischer Seininarien
zubereitet hat, bedeuten, wie mir sdiei;nt, auch für den angegebenen Zweck, einen
bedauerlichen Rückschritt im Ve~gleich zu dem, was in dieser Hinsicht bisher von
anderen geboten wurde. Durch diese Leistung hat Ruh sich nicht genügend als auto-
risiert ausgewiesen, im Falle Eckharts über die Handhabung des Variantenapparats
mitzusprechen,,wie er es kürzlich versucht hat (vgl. Wirkendes Wort 7. Jg., 1957,
S.137). . .
Wie ich auf. S. 262 angegeh<;in habe, wurden übereinstimmende Varianten meh-.
rerer Handsdiriften im Variantenapparat v~n Predigt 16h ab nicht mehr; wie bis'
dahin (vgl. Einleitung unten S. XXVII), in nor:m,aHsiertem Mittelhochdeutsch, sondern
in· der Orthographie ·der Handschrift wiedergegeben, deren Sigle an erster Stel}e,
aufgeführt ist: Die. Varianten der Hss. N 8 und Sa zu Predigt 2 sind auf S. ?99 ff. im .
Verzeichnis der „Naditräge und Berichtigungen" zu S. 21 ff. nachgetragen. Die. auf
S. 254 angekündigte Wiedergabe der Predigt nach N8 im vollen Wortlaut im Anhang
zur 1. Abteilung ist demgemäß unierblieben. · . ,
Der kotnmehtierende Apparat·derA:ö.merkungenkonnte, was die Textparalle-
len u.nd den. Nachweis der Quellen bzw. der benannten und unbenannte~ ,Autore~-
zitate betrifft, .fe weiter um· so intensiver und fülli~er ausgestaltet ·werden. Das ·
:,1

X.

'··.
wurde von allen bisherigen Kritikern als eine willkommene Hilfe für das bessere
Verständnis der Predigttexte begrüßt. Die beiden Abteilungen der Ausgabe ergän-
zen und erleichtern ihre Arbeitin diesem Bezug im Fortgang der.Edition mehr und
mehr, indem sie auf beiden Seiten eine Fülle von so oder so interessanten und wich-
tigen Textparallelen verzeichnen und Textzitate verifizieren. Dabei finde ich für
die deutschen Werke allerdings eine bedeutend stärkere Stütze an den bereits her-
ausgegebenen lateinischen Werken, als mein Kommentar sie für die Herausgeber
der lateinischen Texte. zu sein vermag, insofern als die Autorenzitate von Eck.hart
· in den lateinischen Werken eindeutiger im Wortlaut wiedergegeben und die Autoren
sowie die Fundstellen gena~er benannt bzw, bestimmt sind oder werden können
als in den deutschen: Predigten (vgl. auch Einleitung unten S. XXIX). Trotzdem konnte
eine Reihe von Zitaten, die auf S. 538 verzeichnet sind, bisher nicht naclige:wiesen
we~den. Ansonsten gestattet das auf ff. 532 ff. gebotene dreiglied1;ige Verzeichnis den
leichten überblick über die im Kommentar z,u den einzelnen Predigten erfolgten
Nachweise von Textzitaten und sonstigen beigezogenen Autoren. Dafl die Heraus-
geber der lateinischen Werke sich, wie J. Koch im Vorwort des 4. Bandes S. VIII
sagt, entsclilossen, den Band der Sermones als ersten zum Absclilufl zu bringen, weil
die Beziehungen zwischen den deutschen Predigten und den Sermones am engsten
sind und mir daher die weitere Editionsarbeit an den Predigten erleichtert wird 1
habe ich dankbar begrüßt.
Damit man Textparallelen, die icli Predigten der Ausgabe Pfeiffers m1d anderer
Druckorte entnahm, in gegebenenfalls abgeändertem Wortlaut im vorliegenden
Bande leicht auffinden kann, dafern die betreffende Predigt im vorliegenden Bande
nachträglicli bereits neu herausgegeben wurde, habe ich auf S. 527. eine Synopse ge-
boten, in der die in den Ausgaben entsprechenden Predigtnummern einander gegen-
übergestellt sind. Da ich jeweils am Innenrand der Textseiten: die Seiten- und
Zeilenzahlen der früheren Ausgaben in Fünferzählung angebe, ist unter Benutzung
der Synopse das A:uffindep der genannten Textparallelen in dieser Ausgabe tun-
lichst erleichtert. Ich hoffe damit einem Wunsche entsprochen zu haben, der ge-
legentlich .in Besprechungen geäußert wurde. Textparallelen aus dem BgT und aus
.VeM werden, wie die Bemerkung auf S. 392 angibt, von Predigt 23 an nach meiner
N eua11-sgabe im 5. Band S. 8 ff. und 109 ff. ~itiert.
über die Übersetzung der Predigten, die ich aus Raumgründen den Original-
texten geschlossen folgen lassen mußte, habe ich das Nötige in der Vorbemerkimg
auf S.427 gesagt unter Hinweis auf das, was ich im Na~hwort meiner im Verlag
C~rl Hauser; Münclien 1955 erschienenen Übersetzung ausführte. Icli darf auch
hier darauf hinweisen, daß es mir bei dieser Übersetzung in, erster Linie auf die,
. .
Genauigkeit bzw. Richtigkeit der Wiedergabe der Originaltexte ankam. Inzwisclien.

hat n;i,.aii indessen auch· bemerkt und in vielen Besprecliungen zu meiner Freude
anerkannt 1 dafl ich das ästhetisch-stilistische Moment nicht vernachlässigte. Indes-
sen: de gustibus non. est disputandum.
Ich habe diesem Bände neben den verschiedenen Indizes auch sclion ein Wörter-
.. verzeichnis. (S. 550 ff.). beigegeben und midi in den Vorbemerkungen dazu über seine

XI
Aruage geäußert. Im Hinblick darauf, daß die Fertigstellung d~r. Ausga:be noch
geraume Zeit in Anspruch: nehmen wird, hielt ich es für dringend erwünscht, dem
Forscher un~ Leser bereits jetzt den überblick über c:i~n von Eck.hart in dieseiµ .
. Predigtbande verwendeten Wortschatz in seinen Bedeutungsnuancierungen und .
· zugleiclrdieleidite Auffindung einer gesuchten Textstelle zu ermögliclren.. · ' ..
Bei der Umsetzung der 1936 geschriebenen Einleitung in Antiqua~Satz habe ich
bewußt darauf verzichtet', Änderungen oder Ergänzungen vorzunehmen. Erst,
wenn alle Predigten in dieser Ausgabe beisammen ~ein ~erden, kann ein überblick
und eine „Ein:fü~rüng" in das deutsche PredigtwerkEckharts geboten werden; ähn-
lich: der, wie sie J. Koch den Sermones im, 4. Band der lateinischen Werke voraus~
·. gesdiickt hat. Erst dann auch werden einige Anregungen Beachtung finden können,
d,ie auf die übersichtliche Zusammenstellung aller Rück.verweise und auf die Er:
mögliclrung der überschau über die Gruppierung· der deutschen Predigten in 4en
. Handschriften zielen, wie ich sie in .meinem oben erwähnten Bnclre ansatzweise zu
bieten versucht habe. · ·
Die ursprüngliche Titulatur der 1. Lieferung verzeichnete in der Abteilung „Die
deutschen Werke" als Mitarbeiter Herrn Oberstudiendirektor Dr. Max Pa h n cke
und Herrn Prof. Dr. Ad o H Spam er. Di~ Mitarbeit der beiaen Herren blieb auf ·
die Durchführung der in .meinem oben erwähnten „Reisebericht" S. VII vermerkten
Bibliotheksreisen und auf die Teilnahme an den Besprechungen der ehemaligen
Eckhart.:Kommission beschränkt. ·
A d o 1 f S p a m er ist ,am 20. Juni 1953 in Dresden gestorben. Sein großer
Mystik-Forschungsbericht, in der Behaghel-Festsclrrift „Germanische Pliilologie",
Heidelberg 1934, S, 331-379, seine „Texte aus der deutschen Mystik, des 14. und
15. Jahrhunderts'', Jena 1912, ·seine Disse:r_ta,tion „über die Zersetzung und Ver-
erbung in den deutschen Mystikertexten", Gießen 1910, und sein grundlegender
großer Aufsatz „Zur 'Oberlieferung der Pfeiffer'sclren Eckeharttexte", PBB 34,: 1909,
S. 307-420, haben Spamer a:ls einen der bedeutendsten und kenntnisreichsten My-
stik-, insbesondere Eck.hart-Forscher unter den wenigen Germanisten ausgewiesen,
die sich mit P,roblemen der Mystik, insbesondere mit ihrer 'handschriftlichen über-
. Heferung befafüe.h. Ohne. sein~ umfassenden, :mit ungemeiner Sorgfalt urid Liebe
betriebenen Handsclrriftenforsclrungen, -beschreibungen tmd. Analysen, wie. sie vor- · ·
zügliclr in dein genanl)cten Aufsatz und in 'seinerDissertation Niederschlag gefunden ·
. haben, hätte ich mein Buch' über ,,Die überlieferung der ·Deutschen ·Predigten
Meister Eckeharts" nicht sclrreibe:r:i urtd hätte diese Ausgabe der deutschen Werke
des g.roße11 Mystikers 1934 noch nicht in Angriff genommen werden kö~en. Vier-
zeh~· schwere Bände· Kollektaneeri, die Beschreibungen· und Analysen von vielen,
bedeutenden Mystikhandsclrriften ·enthalten und die Spanier .mir gleich: nach· der
, Inangriffnahme der· Arbeiten an der Ausgabe schon für längere Zeit ausli~h; hat
daslristjtut für Volkskunde der Deutschen Akademie der Wissenschaften z1i ß'erlin
als Dauerleihe für die Zwecke der neuen Eck.hart-Ausgabe aus dem Sp11mer--Nachlaß
zur Verfügung gestellt, wofür ich hiermit auch öffentliclr dem gena:nnfe'u Institut
meinen aufrichtigen Dank abstatte. Dafern ich obisher Unbekanntes bzw. Niclrtver-

XTI.
öffentlichtes aus Sp~m~rs ICollektane~n im ~eiteren ·Verlauf der Ausgabe. ben.:.itzen
sollte, werde ich die Fundstelle in den Nad:ilaß~Bänden. jew:eils angeben,. Dieser
1. Band der d~utschen Predigten ,_Meister Eckharts sei dem Andenken an Adolf ·.
Spamer gewidmet. , •. . - . _ .. - . .·
Zun1 S&luR habe ich allen.denen meinen aufrichtigen und .herzlichen Dan1c zu
sagen, die mir beL _der :bisherigen Arbeit an der Herausg4b,e der deutschen Werke
Meister' Eckharfä .vielfältig ihre Hilfe angedeihen ließen.· Daß ich diesen Dank ·bei
d,er oben kurz. charakterisierten naturgegebene~ engen Verbindung der beiden
-Abteilungen der Außgabe'in erster Linie dem leitenden He:i:aüsgeber der lateinischen
We,rke/Her;rnProf. Dr. Joseph Ko,ch schulde, bedarf keiries weiteren\Vortes ·
der_ Beg'riuidung'._ Mein Dank gilt ·weiterb.in-im besonderen dein _Freunde; de,r als
einer der Herausgeber- der lateinischen Werke seinen .Beitrag zuril 5. Band~·dieser
Abieilung ünser_er Ausgabe bere:its geleistet und nun schon Jahrzehnte liindurch.
meip.e Eck.hart- und My;stikforschU:ngen 11.nd -arbeiten durch sein reges Interesse
und. durch seinen unschätzbaren Rat aus tiefster und umfassendster. Sachkenntnis .
_gefördert hat, He~;n Prof. Dr. Bernhard Q e y er. Und der Dank -folge _hiernach
'an den gemeinsamen'Freund in B~n,·Herrn Prof. Dr.,Fri,edric,h Heyer, der
mich zumal iri. Fragen ,der.Form und der Technik dieser Ausgabe mit seinem sicl;tern ·· ·-
Urteil und. seinein feinen Geschmack. oft beraten und unterstützt hat.. Mein Dank
. al)er ri~tet sich ~eiterhin a11 die ·zahlreichen in- und ausländi;chen Bibliotheken,
die mit .den Zugang zu ihren Handschriftenheständen an Ort _und Stelle bereit-
willigst verstatteten und mir ihre Handschriften oft auf l~nge Zeit zur BenutzUIJ,g
• "' .. ,.'r, /,
v.nd zur Anfertigung von Photokopien oder Filmen nach Bonn; Breslau,· Saar-
brück.e:µ .und Köln, ausliehen. Ihren Leitern und Verwaltungen darf ich l;,ei der Fülle
-ihrer Zahl hiermjt allen gemeins~m herzlichen Dank sag~n. Dieser Da:nk aber gilt
- im besonderen dem Leiter 1der Handschriften-Abteilung_ der Berliner Staatsbiblio~
thek, Herrn Dr. Hel ni u t ]3 o es e, der mir aus au_s~egloser _Verlegen:heit half .
durch :iiid:i:t ermüdendesBeniüh~n zur.Beschaffung ·dringend• benötigter Photokopien · ·
, für midi_. sonst· nidit erreichbarer ausländischer Handscliriften. Herzlidien Dank
· möchte ich hlerniit _auch· dem ehemalige~ Leite~ der Ha~dschriften.;Abteilung der'
• Bonner Universitätsbiliothek, Herrn Ersten Bibliotheksrat Dr: Paul Otto, aus-
-,sprechen, der mir in det Zeit .meiner Eckhart~rbeitenia Bonn den Verkehr niit vielen
. ·iÜ„ und a~sliindiichen Biblio±heken, vermittelte und ihre zahlreic:hen Haudsmrfften
in Bonri bequenizu benutzen: ermöglichte. Dem Kanzler der Uni~er~itätKöln, Herrn •
· Fri e d ri eh Schneider~ aber sage ich aufric:htigep_ Dank ·für die, tJbe:dassung
und'Ein'.richtU:ng .ei:O.ecs :(ü~ µie.Zw~ck.e der Eck.hart-Au~gabe geeigneten Aibeit~-'
raumes:-
N"ichf zuletzt aber ·gilt rilein Dank den vielen Wissenschaftlichen fülfskräf ten
'und stµdentischen Heifer:ri, di~ im Laufe der Vor';; ·und Nac:hkriegsjahre kürzer,~er -
)ä:nger .~tgewirkt haben, die u1annigfachen, oft spröderi und. zeitr1;1,uhenden Ar,.
beittl:ii zu leisten, ,die' zur Bew~ltigung einer s~ großen Editiol). wie ,der Eckhart-
Gesamtausgal:Je erford_erlic:h sind: B~so:r;i.de:ter Dank gebührt meinen ,wissens&aft-
lid:ien" Mitarheitern uii.d Sd:rül~rn, H~rrn: Dr. Heribert Fis<::her und Herrn

XIII.

/ .·
Dr. Eduard Schaefer, die mir, der eine in Breslau, der andere in Saarbrücken,
lange Zeit hindurch wertvolle Dienste insbesondere bei der Bearbeitung der Texte
und ihrer Apparate sowie beim mühsamen Lesen der Druckkorrekturen geleistet
k~ .
Als Herausgeber der deutschen Werke Eckha;rts in. dieser Gesamt~usgabe
möchte ich dieses Vorwort nicht schließen, ohne den beiden Instanzen aufrichtig und
herzlich zu danken, die das weitgespannte Unternehmen durch ihre Förderung und
ihren aktiven Beitrag ermöglichen: der Deutschen Forschungsgemein~
s c h a f t, die die Ausgabe mit den nötigen, nicht unerheblichen Mitteln ausstattet,
und dem Verlag W. K oh 1 h am m er, der uriter dem besonderen und une:rmüd~.
liehen Einsatz seines Verlagsleiters, Herrn Dr. 0 sk a r Rü h 1 e, den Druck der
. Ausgabe als eines seiner bedeutsamsten Unternehmen durchführt. Diesem Dank
sei auch seitens der Abteilung der deutschen Werke der herzliche Dank an die
Setzer verbunden, die die schwierigen Manuskripte mit ihren komplizierten Appa-
raten, Spezialtypen und Satzwechseln nun schon Jahre hindurch mit großer Zuver-
lässigkeit und Umsicht setzen.

Köln, den 20. September 1957 Josef Quint

XIV
IN HALT SV ERZE ICH NI S

Vorwort ... , ................. , ..... , .......................................................... Vll '


Einleitung. ....................... ·, ............... ;.- ... :· .. ,t, •• : ••••••••••.•••••••••.•....••.•..••••

1. Abteilung
'\ '
Durcli die ,;Reclitfertigung~chrift''
als eclit bezeugte Predigten
1 Intravit ··1esus· in templum ... Wir lesen in 'dem. heiligen ew.angelio, daz unser herre
giene· in den .tempel ', ........ ,................ .- ........ , ..... , ..................... , . . . . . . 3 ··
2. Intravii Iesus in quoddam castellum ... Icli hän ein wörteiin gesproclien des ersten· in
dem ·1atine, daz'stiit gescliriben in dem ewangelio uhd spricliet also ze tiutsclie: ·'.unser
herre.Jesus Krisfüs der giene 1if in ~in bürgelin ...... ; ....................... : . . . . . . 21
3 Nunc scio vere ... Do P~trus ,von dem gewalte des hohen obersten gotes ............. ,, . 46
4 Omneaatumoptimum ... Sant Jacob spricliet :in der epistel: 'diu aller beste gäbe . . . . . . 58
5a In :hoc apparuit cliari.tas· ... Sant. Johannes spriclit: 'Doran ist unns gottes. liebe ge-
offenbart . ·.. ·.................. , ................ , .· ... ·.................. ·................ ·. 75
5b In 'höc apparuit cacltas ... 'In dem is.t uns erzeiget und erscliinen gotes minne . . . . . . . . 83
6 Iusti vivent in. aeternum ... 'Die gerehten' suln leben ewicliche ..... : ............. ,.. '.. 97
7 Populi eius ... ·oe-r propl;tete spricliet: ·'herre, des volkes, daz in dir ist, des erbarme
,dich.' .. : , ....: ............. ·. : ....... '. . '. .... , . ;, .. ·.......... ·... ·.......... , . . . . . . . . . . . . . . . 116
8 In occisione gladii ... Man liset von den marterreren, daz 'sie tot sint under dem swerte' 12.5
. 9 Quasi st(;llla matutina .. : 'Als ein morg.ensterne miten in dem nebel . . . . . . . . . . . . . . . . . . 138
10 In diebus suis placuit deo ... Diz "\fort, daz ich gesprochen ha.n in latine, daz ist ge-
scliriben in der epistel; und mac nian ez spreclien von einem heiligen bihter, und
spricliet,daz: worl ze tiu~cl:i,e. also: 'er ~st inne vu,nden gereht in sinen tagen ....... ,... 159
11 Impletum est te:uipus Eli!!labeth ; .. 'Elizabeten zit ist ervüllet .................. , . . . . . . . . 175
12 Qui audit me ... Daz wort, daz icli 'gesproclie:q. ha.n in latine, daz spricliet diu ewige
wisheit des vaters und sprich.et: 'swe;r mich hreret . .'. , ........................ , .. .. . 190
13 Vidi supra mrintem S'yon ... Sant Johannes sacli ein lamp _stiin uf dem berge· Syon ..... 207
1~a Sant Johannes.sacli in einer gesiclitte vf dem berge syon .·............................. 223
14 Sur,ge illuminare ihe;rusalem . , , Dit wort, dat icli. h.aynt gespro~en in dem latine, Dat
steit gesclireuen in. der epistelen ........•... , , ,.. , ..............•........ ,, ........ :, , . ,?27
15.. Homo quida:m nobilis ; .. Dis wort ist gesclirihen in dem ewangelio vnd spi,iclit in tu.tscli:
. 'Es·wa~ a:fo edel·~entscli ..... ; ........... , .. .'.:.·.: ...... .' .... ·...._........ ·.· ...... ; ..... 242
1.6a Een meester spr~ct: ware. alle, middel af............. , ... : ..... , ............... : ........ 257
, 16b Quasi vas auri soltdum ... Ich Mn ein wörteUri gesproclien in dem latine, daz liset man
. Mute. in der epistel. da:z ,mac man spreclien von sant Augustin:us ....... : . . . . . . . . . . . . 261

2. 'i\hteiJung · •
Dur<h ühereinstimm11I1g--mit Predigten d~ ,.Opus serm~num"
als. e,clit erwiesene Predigten
17, Q~( .odit animam suam Icli: Mn
~in, "'~rt'. in l~tine gesproclien, daz: spricliet unser .
herre in sininll ewangelio: 'swer .sine sele, ha.zzet .....•.....•. ·........... , ........,.•... 279
1 18 .A~olescens, tihi dico: surge; .. ·Unse,r·herre·gienc ze einer stat;.diu hiez Naim' .... ,'...: .., 29.4. '/

19 Sta in porta domus domini .... Unser ht::r;re spricliet; 'in der po:r;te des goteshuses stant . 308
20a Homo quidam fecit cenam magnam ... Sant Lucas scb.ribet uns in ·sinem ewangeliö: 'ein
menscb.e hiite gemach.et eine äbentspise ................................................ 322
20h Homo quidam fecit cenam magnam ... 'Ein menscb.e macb.e,te eine abentspise ........ 340
21 Unus deus et pater omnium .... Ich han ein wort gesprochen in der latine, daz sprich.et
sant Paulus in der epistel: 'ein got und vater aller .. .. . . .. . .. .. .. .. .. .. .. . . .. . .. .. .. 353
22 Ave, gratia plena ..• · Diz wort, daz ich gesprochen han in latine, daz · stat geschribe~
in dem heiligen ewangeliö und sprichet als vil ze tiutsche: 'gegrüe.zet sist du ........ 371
23 'Jesus hiez sine jüngem ufgan in ein scb.iffelin ........................................' 390
24 · Sant Paulus Sprich.et: 'intuot iµ', inniget iu 'Kristum' .................................. 411

Übersetzung
der Predigten 1-24
Vorbemerkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 427
1 Intravit Iesus in templum ....................... : ..................................... , 429
2 Intravit Iesus in quoddam castellum ................................................_.. 434
3 Nunc scio vere ......................................................................... 439
4 Omne datum optimum .............................•................... , . . . . . . . . . . . . . . 442
5a In hoc apparuit caritas ......................................................... , . . . . . . 446
5b In hoc apparuit caritas . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 449
6 Iusti vivent in aeternum .............................................................. : 452
7 Populi eius . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 456
8 In occisione gladii ....................................... , . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 459
9 Quasi stella matutin:a ................................................................. 462
10 In diebus suis placuit. deö ..... ·. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 467
11 Impletum est tempus Elizabeth . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 472
12 Qui audit me ...... , .................................... : .............. ; , ............. 476
13 Vidi. supra montem Syon ................... _, ................................ , ......... 480
13a Sankt Johannes sah in einer Schau ....... -. ............................................. 483
14 Surge illuminare iherusalem . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . 485
15 Homo ·quidam nohilis ... , ...............................................· ....... , . . . . . . . 488 ·
16a Ein Meister sagt: Wäre jedes dr_ennende> Mittel weg ............. : ................ : ... 491
16b Quasi vas auri solidum .... : ....................................... : . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 492
17 Qui odit animam suam ......................................... -. . .. .. .. .. .. .. . . . . .. . .. 496
18 Adolescens, tibi dico: surge ..................... , ..................................... 499
19 · Sta in porta domus domini ............................................................ 502
20a Homo quidam fecit cenam magnam .................................................. 505
20b Homo quidam fecit cenam magnam ........................................ : . . . . . . . . . 509
21 Unus deus et pater omnium . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 513
22 Ave, gratia plena .. , .........· ............. ·... .-........................................... 517
23 'Jesus hieß seine Jünger auf~teigen auf ein Schifflein .' ............................ , ... : 521
24 Sankt Paulus spricht: 'Nehmt in euch hinein', verinnerlicht euch 'Christum' ............ 524

INDIZES
Vergleichstabelle der Nummern der in diesem Bande enthaltenen Predigten und der ent•
· sprechenden Nummern oder F'undstellen bisheriger Ausgaben ........................ 527
Alphabetisches Verzeichnis der Predigten nach ihren Anfängen ........... , ...... , ... ·.... ,. 528
Verzeichnis der in den. Predigten ausgelegten Schrifttexte .. , •..... ; ................. .' ....... 530
Verzeichnis der in den Anmerkungen und V orbemerkutigen zu den Predigten dl.eses Bandes
aufgeführten Autörenzitate, Quellentexte vnd Textparallelen ........................... 53::l

XVI
A. Ye:rzeiclinis der vo,n Eckhart s~lbst mit Namensnennung angeführten Textzitate 532
B. Verzeiclinis der Zitate, die Eckhart nur durcli einen allgemeinen Hinweis ohne Nen-
nung eines bestimmten Autorennaß!.ens e;Is „Meister 1'~Zitate anführt .... : ...... , ..... 534 ·
. C Verzeichnis, der vom Herausgebe~ angefµ.hrten Zitate uhd Textparallelen ... ;. . . . . . . 539
Ve:rze.iclini!nler aus Predigte11 dieses Bandes exzerpierten Artikel der. BuUe, des Avig:noner
,.Gut,aclitem," tmd der sog. ,.Reclitfertigungssclirift" ...................... -. ..•......._. . . . . . 547,
_Wörterverzeiclinis ......... O'. ••. , •• ; •; .• "' •.• , • : ••·: ............... ·•••••• -• •••.••• , •••• ., •• , •·•.• • • • • • 550
P ·e~s.on.'e~erz-e1·-1.n·1·s,
Cll
.1:..1.l'
· ·
••••- •••••••.••••••••• · ~ · ~ · · · ~ · \ · · · · · · · · · · · · · · ~ · - . · ~ · · · · · · · · · ~ · · · - - · · · , · · · · · · · · ·
588

., Nam;träg'e: u.nd Berichi:~griri~~n .._.. ~ ..... .'·.... ~ ............... _.. ~. ,'· .. ~· ...... ; .......... ~ ..... ;.. . 591

\.

.\

' . - .
XVII
EINLEITUNG

In der, vorliegenden· Ausgabe der „Deutschen Werke" Meister Eckharts sollen


sä mtli ehe Texte herausgegeben w~rden, die au:f Grund inn~rer oder äußerer
Kriterien mit Sicherheit ode;r. mit mehr ~der weniger Wahrscheinlichkeit für den
großt:n Mystiker als ihren Autor in ,A11spruch genommen w~rden können. Diese
Ausgabe' wird daher nicht nu:r die von Franz Pf e i ff er in seiner Erstausgabe ge- r

botenen Text~, sond~rn darüber hinaus alle jene Stücke enthalten, die seit Erschei-
neµ der PfeiffeX:schen, bisher ei~zigen Gesamtausgabe von 'einer Reihe vo..:i. Forsqiern,
insbesondere vo:i:.. Wilhelm Pr e g er , Wilhelm. .W a c k e r n a g e 1, Eduard S i e -
.vers, .Auguste· J und t, Franz J oste s, lludolf Langenberg, Adolf Sp a-
mer, Philipp Strau eh, Max Pahnc'ke, Martin S ku tella, Karl B retha uer
. und VOil mir selbst aufgefunden und an .verschiedenen Orteri herausgegeben wur- .
clen; Sie wird anderselis das eine oder andere Stück, das entweder von Pfeiffer oder
von: anderen mit Unrecht für Eck.hart in·, Anspruch genommen wurde, ausscheiden.
, Da aber die Echthejtsfrage für die deutschen Werke Meister Eckharts, vor allem
für die wichtigste~ unte; ihnen, die deutschen Predigten, bei einem sehr großen Teil
der Stücke ungemein schwierig rind wegen der besonderen Eigenart der Überliefe-
rung vielleicht ni~ restlos zu lösen ist, darf die erste· kritische und Vollständigkeit
11nstrebende Gesamtausgabe ihren Rahmen· nicht ängstlich zu eng wählen; im .
Gegenteil: eine ihrer Hauptaufgaben sieht sie d~rin, die Diskussion über die.Edit-·
heit,u:rid den Umfang des deutschen Werkes Eckharts durch möglichst u):nfassende ·
. , DarbietuD.g der gesamten für diese Diskussion ernstlich in Frage kommenden hand-
schriftlichen überlieferung erneut anzuregen und ihr eine .verläffüche Basis zu
O

schaffen. Und ;sie selbst sucht in den Vorbemerkungen zu je'tleni ein.zeinen Stü~
unter der überschrift „Echtheit" die Frage so weit zu lösen, wie es beim jetzigen
S!and qer Eckhartforschung 'möglich i~t. Sie erhebt. darüber· hinaus den schw1;1nken-
. den~Sicherheitsgrad der Ed:itheit zum Prin~ip der Anor.dnuilg und Einteilung ·der
dmitschen Werke Meister Eckharts. , . . .. .. .
Die. naturgegebene Aufteilung i11.Predigten, Traktate und Sprüche behält die
n~ueAusgabe bei. Innerhalb der drej einzelnen Abteilungen, insbesondere. im ersten
.Teil, der die· Predigten. enthält, h~be ich die Stücke dem Grade. der ,Echtheit. nach
.· , aufeinander folgen lassen. D1e relativ sicherste Bezeugung innerhalb des Umkreis'es ·
der, deutschen Werke des Meisters ist fraglos d:iejenige durch die sog. Rechtferti-
guugsschriffdes Jahres 1326, und so ergab sich für den bei weitem umfarigreichisten
und bedeute~dsten 'I'eil der Ausgah'e,. d.h. für die deutschen Predigten, ei:hr. erste,
gesicherteste Gruppe von Stücken\ aus, denen nachgiwiesenermaßen Sätze öder
Abschnitte in ,latei:i;iisdier übersetz:ung in die Akten des Kölner lnquisiHonsprozesses .
aufgenompiell'worden sind. Für. einen Teil dieser Stücke bezeugen in übereinstim-
inung .mir 4er ,,Rechtfertig~ng~sch;riH" ·ein vor knelem vön Franz P e 1s, t er 'heraus-.

II* XIX

1.

\
gegebenes „Gutachten" aus dem in Avignon gegen Eck.hart durchgeführten Unter-_·
suchungsverfahren und die Verurteilungsbulle „In agro dominico" Johanµs XXII.
die Echtheit; indem sie gleicherweise wie die „Rechtfertigungsschrift'' Stücke aus
4en betreffenden Predigten als häretisch, häresieverdächtig oder anstößig aufführen.
~ür den _Rest der Predigten. und· ihre Aufeinanderfolge konnte nidits anderes als
der Grad der äuHeren, han,dschriftlichen direkten oder indirekten '!3ezeU:gung für
Meister Eck.hart maßgebend sein. Alle anderen Anordnungsprinzipien, die man
hätte wählen ki;innen und die Pfeiffer für seine Ausgabe bereits erwogen hatte (Mei-
ster Eck.hart S: VII), ·so etwa die in den ·großen Predigtsammelhandsc:hriften des
Mittelalters -geläufige Anordnung _der einzelnen Stücke nach dem Kirchenjahr oder.
qie Zusammenfassung von einzelnen Predigtgruppen nach dem Inhalt, erwiesen s1ch
bei genauerer Prüfung als undurchführbar oder zum mindesten für cµe vorliegende
Ausgabe ungeeignet. Sö folgen de11:n in_ dieser Ausgabe auf die durch di~ lateinischen·-
--Proze~akten für Eck.hart gesicherten Predigten zunächst diejenigen Stücke, die
_,- 4ands~riftlich am häufigsten dem Meister zugewie'sen sind. In .der Folge·schließen
sich ihnen _dann die äußerlich iilll)ler ·schwächer bezeugten Stücke .an, bis zum
qchluß diejenigen Predigten. geboten, werden, deren Echtheit nur auf Grund innerer
oder indirekter Kriterien gesichert· oder wahrscheinlich gemacht werden kann.
· Ich bin.mir durchaus bewußt, daß die namentliche Zuwei~ung einer Predigt an
- Eck.hart durch einen entspredi:enden Ver.merk in den Handschriften. kei:Ii.eswegs
immer ein verläßliches Echtheitskriterium zu sein brau Ch t und daß erst recht
das Fehlen eine~ solchen handschriftlichen Zuw~isung kein Kriterium der Unecht-
heit des in Frage stehenden Stückes sein kann. Ein Blick auf diejeweils am Anfang
der Variantenapparate unter der übe:r;schrift „Zuweisung(en)" verzeichneten hand-
sdi:riftlichen Autoren.vermerke läßt erkennen, daß die direkte Bezeugung für die ;
durch die Prozeßakten am meisten für Eck.hart gesicherten Stücke mitunter sehr
schwach_ ist, ja daß beispielsweise bei der unter Nr. 5 a gebotenen sicher echten
Predigt jede handschriftliche Zuweisung fehH. Innere Kriterien können. durchaus -
stärkere Beweiskraft haben als äußere namentliche Bezeugung. Gleichviel ist es bei
·der außerordentlich heiklen Echtheitsfrage der Eckbartischen Uberlieferung und
dem augenblicklichen Stand der Forschung geböten, in erster Linie den handschrift7
liehen direkten Bezeugungen Aufmerksamkeit und Vertrauen zu schenken und erst
in zweiter Linie Entscheidungen auf Grund innerer Kriterien. zu treffen.
Was die G r u n d 1a g e de r h an d s c h r if t li c h e n Üb er li e f er u n g an-
betrifft, so soll die ne1;;_e Ausgabe prinzipiell auf dem Grunde der gesamten auf u~ · '
gt;,kö:mmenen ha:ridschrif tlichen Vberlieferung erstehen. Sie beschränkt sich demnach
nicht auf die Auswertung der von Pfeiffer benutzten und seither ,mehr oder weniger
zufällig durch gelegentliche Funde bekanntgewmden.en. Eckhartha:n.dschriften.; -;ie
ersfrebt vielmehr eine möglichst lückenlose Erfassung aller erhaltenen handschrift-
lichen Texte. Zu diesem Zwecke wurden planmäßige Bibliotheksreisen durd:tg~führt;
auf denen die Handschriften.bestände der in. Frage kommenden in- und a"-slän-
dischen Bibliotheken. auf Eckhartstücke hin untersucht wurden. Auf diese Weise
konnte ich eine Fülle unbekannter Haridsdtriften mit Predigten, Traktaten; Sprü-

XX

--
chen, Fragiii.enten, Mosai~stück.en usw. a~f:finden, über die ich an anderer Stelle
ausführlicher berichten werde. Es versteht sich von selbst, daß bei der Anonymität
der. Mehrzahl aller Mystiktexte im .a.ilgemei:o,en und Eckhartstücke im besondere;n
die Aufspürung des gesamten erhaltenen überlieferu.ngsmaterials das zwar anztl-
stre~ende Ziel ist, daß aber dieses· Ziel praktisch kaum ganz erreicht werden 'kan:fr,
Trotz eystematischer Bibliotheksforschungen, die sich ini ganzen immer nur aüf
öffentlictie Bihliotheken beschränken und, wenn sie nicht unabsehbare Zeit in Al}-
spruch nehmen sollen, mehr oder w:~niger .kursorisch durchgeführt werden müsse:µ;
werden· in Zukunft mit großer Wahrscheinlichkeit gelegentlidte und zufällige Hand-
.· ·· schrHtenfunde Nachträge zur handschriftlichen überlieferung der deuJschen Werke
EckhaHs bringen. Es stehfindessen zu hoffen, daß solche nachträglichen Funde das
überlieferungsbild, das sich aus den °für diese Ausgabe ausgewerteten Handschrifte:n
. ergeben hat,' im ganzen kauin wesentlich verandern werd~n. ·
· · Tn~den Vor bemerk u n gen zu jedem einzelnen Stück der Ausgabe sind alle.
Handschriften verzeichnet, in denen der betreffende Text ganz oder zlim Teil übet~.
li~fert ist. Ich habe bei allen den Texten, die :Pf~iffer in seiner Ausgabe noch nicht
. benutzt hat und die erst .n~cb. der grundlegenden Untersuchung Adolf Spam e rs
,,Zur Überlieferung der Pfeiffer'sche:q Eckeharttexte"' (PBB 34, 1909, S. 30'7~20) .auf-
gefunden und veröffentlicht wurden, die einschlägige Literatur vermerkt. Bei
Stücken, die erst im. Verlauf der Vor~beiten zu dieser Ausgabe gefunden wurden,
ist an,~egeben, ob der jeweilige Text vom Herausgeber oder von einem sei!1er Mit-
. arbeiter identifiziert wurde.
Die Vorbemerkungen enthalten jeweils an zweiter Stelle unter der Überschrift
.Filiation der Handschriften knapp gefaßte Angaben über die.verwandt-
schaftlichen Beziehungen zwischen den handschriftlichen Texten. Bei den von
Pf eiffer in seiner Ausgabe edierten Predigttexten konnte ich -a~f die eingehende
. Analyse in meinem Buche „Die überlief erung · der deutschen Predigten Meister
Eckehjll'ts'' (Bonn 1932) verweisen, die eventuell neu hinzugekommenen "hand-
sdir1ftlichen Texte knapp charakterisieren 'und in· das bisher bekannte 'Filiations-
schema einordnen. Der Abschnitt Filation enthi:ilt weiterhin Angaben über ge-
legentlich eirigef~hrte Gruppensiglen des y ariantenapparats, die ;bei durchgehends
gesdiloss~n auftretenden.Verwandtschaftsgruppen d.er Handschriften zur Entlastun:g
· und Vereinfachung der oft sehr umfangreichen Variantenapparate dienen solle'.ti.
Unter der 'tlbersdtrift Text k o n s ti tu i er u n g bieten die Vorbemerkungen
dann .weiter kurzgef afüe Angaben über das Verfahren, nach dkii1 der .kritische Text·
'dieser Ausgahe: bei den einzelnen Stücken hergestelit wurde. · · · .
Außerdem ~erzeichnen die. Vorbemerkungen. alle· aus· dem betreffenden Stück
in die sog. Rechtfertigun.gsschrift; in d&s sog. Gutachten und in die Bulle aufgenom"
. menenTex:tbesfandteHe lind ihren Fundort i'n den Ausgah~n ·von Gabriel Th er y,
Franz P e 1s t er u-~d Beinricli D e ni f 1e ; ferner gegebenenfalls Literaturangaben ·
über schon vorhandene kritischeAusgaben d~r je~eiligen Texte und, über die über~
iietzung der Stücke in den drei bekanntes'te11 · und umfangreichsten ühersetzungerl
,vo:µHerman~:B ü ttn er, Walter L e n.ma·n n:undFriedrich Sc h ril z e-M a i zier.

.XXI
Unter der Überschrift Echtheit folgen schliefüich noch, wie oben bereits be-
merkt, Ausführungen darüber, inwieweit das in Frage stehende Stück fü,r Eckhart
als seinen Verfasser gesichert ist oder nicht. 'Dieser Schlußabschnitt der Vorbetjier-
kungen wird bei starker Umiusgeglichenheit der handschriftlichen Überlieferung,
insbesondere dann, wenn die handschriftlichen Texte so starke Abweichungenunter-
ei:r:iander zeigen, daß man geradezu von verschiedenen Fassungen des Sfücks reden
muß, mehr oder weniger eingehende vergleichende Inhaltsanalysen und wertende
Beurteilung der einzelnen überlieferten Texte enthalten.
Die in dieser Ausgabe edierten Texte sind kritische Texte im strengen
Sinne. über die grundlegenden Fragen der Textkritik in bezug auf die deutschen
· Predigten Meister Eckharts habe ich mich in einer Auseinandersetzung mit ab~
weigienden Ansichten .. iri der Einleitung meines Buches ausführlich geäußert, und
ich kann es mir um so mehr ersparen, diese Ausführungen hier zu wiederholen, als
ich jeizt auf Max Pa hn c k es Besprechung meines Buches (ZfdPh 60, 1935, S. 60
bis 69) verweisen kann, wo nach eingehender Darlegung des textkritischen Problenis
. der Eckhartischen Predigten schliefüich, wenngleich nicht ohne ein gewisses Be-
dauern, festgestellt wird, daß das von mir gewählte und in meinen „Mystikertexten"
bereits früher angewandte Verfahre~ textkritischer Bearbeitung das für eine kri-
tische Ausgabe einzig mögliche Verfahren ist und daß die Edition der einzelnen
Predigten als mehr oder weniger getreuer Abdruck der als beste erkannten Hand-
schrift unter Beibehaltung der hsl. Orthographie, wie sie von K a rl Br et haue r
gefordert wurde, allenfalls philologischen Sonderwünschen zum Zwecke periphe-
rischer rein gerlllanistischer Spezialforschung, nicht aber dem dringenden Bedürfnis
der Philosophen, Theologen und Kulturhistoriker nach einer Ausgabe entsprechen
würde, die das Ideengut des großen Mystikers in möglichst ursprünglichem Wort-
laut darbie.tet. Die Texte dieser Ausgabe wollen demnach eine· soweit wie möglich
erreichbare Rekonstruktion des jeweiligen Originals unter textkritischer Ausnutzung
und Auswertung des gesamten auf uns gekommenen handschriftlichen überliefe- ·
rungsmaterials darstellen. Mit Ausnahme cler gelegentlich als solche ausdrückfü-h
bezeichneten Abdrucke steht keiner der in dieser Ausgabe enthaltenen Texte ge~au
so, wie er hier geboten wird, in irgendeiner der benutzten. Handschriften. Denn alle
handschriftlichen Texte, und selbst die besten unter ihnen, weisen niehr oder weni-
ger starke Fehler und Verderbnisse auf. Diese Fehler aber wurden mit Hilfe der
übrigen handschriftlichen Überlieferung auf Grund äußerer und innerer Echtheits-
kriterien zu verbessern versucht. Jch muß betonen, daß das von mir gewählte Te~t,
konstituierungsverfahren keineswegs dahin zu führen braµcht, daß die erstehenden
Texte aus den verschiedenartigsten Bestandteilen zusammengestückelte Mosaik~
gebilde werden. Die Texte bauen sich vielmehr jeweils auf der als beste erkannten
Handschrift der ursprünglichen Handschriftengruppe auf und folgen dieser Hand--
schrift bzw. dem Text ihrer Gruppe mit Ausnahme der Stellen, an denen der
Führertext inhaltlich als fehlerhaft erkannt werden .kann. Der auf diese Weise
zustandekommende kri~ische Text erreicht demnach den Grad dedJ;rsprünglichkeit,
der nach Lage der handschriftlichen überlief erung überhaupt erreicht werden kann.

XXII
Das hier angewandte Editionsprinzip unterscheidet sich grundsätzlich· nicht
v;on demjenigen, das Pfeiffer bei seiner verdie;nstvollen Erstausgabe angewandt hat
und das für die groflen Ausg(!,ben der mittelalterlichen Literaturdenkmäler verbind-
lich warµnd ist. Wenn der Text der neuen Eck.hart-Ausgabe trotz.dem wesentlich
verschie.den ist von dem der Pfeiffersche,n Ausgabe, so liegt,das daran, dafl er im
. ganzen auf breiterer handsp:uiftlicher Basis ruht als PfeiffersText, dafl für viele
Stücke nach eingehender Variantcnkritik und Feststellung der verwandtschaftlichen
Bindungen zwischen den einzelnen handschriftlichen Texten eine andere Führer-
handschrift oder Führergruppe gewähH werden muflte als die, 'der Pfeiffer folgte,
urid dafl schliefllich die zahlreichen Fehlentscheidungen Pfeiffers in der.Bestimmung
des ursprünglichen Textes auf Grund innerer und äußerer Richtigkeitskriterien
1

korrigiert werden konnten. Der neue Text weicht demnach weitüher die Zahl der in
meinem Buch verzeichneten etwa 2300 Textbesserungen zti den Pfeifferschen Predigt.,.
texten hinaus vom Text der alten Ausgabe ab. Und diese Abweichung besteht, ab-
gesehen von den bereits aufgeführten Momenten, auch darin, daff ich im Gegensatz
zu Pfeiffer die freie Konjektm: bei der Textgestalt~ng auf ein Minimum beschränkt,.
um nicht zu sagen gänzlich ausgeschaltet habe. In der Erkenntnis, d.:ü¾ die Eckhar-
tische Denk.,. Uild Ausdrucksweise außerordentlich eigenwillig, immer wieder paradox
und überraschend ist, habe ich mich nur in solchen Fällen zu eine.r freien Konjektur
verstehen können, in denen die überlieferten Texte .ohne weiteres als verderbt zu
erkennen waren und das Ursprüngliche fast mit Sicherheit aus de.n:i textlichen Zu-
sammenhang herausgelesen werden konnte. .
· Dafl der.neue Text an allen Stellen unanfechtbar richtig und ursprünglich sei,
wird niemand weniger behaupten als ich selbst. Bei einer im ganzen so hochprobl1:1-
matischen handschriftl1chen Überlieferung, wie sie den deutschen Werken Eckharts
eignet, mufl selbst'bei sorgfältigster und eingehendster Verarbeitung und Sichtung
aller handschriftlichen Varianten immer ein beachtlicher Rest von strittigen und
ungewissen Textstellen übrig bleiben. Nidits wird der Ausgabe dienlicher und der
Eckhartforschung heilsamer sein, als daß sich über möglichst zahlreiche Textstellen
eine eingehende sachliche Diskussion entspinnt. Fast zu meinem Bedauern hat die
Fülle von Textändermigsvorschlägen zur Avsgabe Pfeiffers, die ich in meinem Buche
vorgetragen habe, bisher sozusagen nirgends in der Kritik zum Widerspruch gereizt;
und dies steht in Einklang mit der Tatsache, daß abgesehen von Franz Pfeif f er,
Adolf Lasso n und Alfred Lot z e fast niemand eigentliche Textkritik an den
deutschen Predigten Eckharts in g;ößerem Umfang geleistet hat. Möge der neue
Text eine um so regere sachliche Kritik der Berufenen finden. Der Berufenen, denn
nicliLjeder, der sich. dafür hält, ist zum Kritiker so heikler textkritischer Problerne,
wie sie die Eckhartübedieferung auf wirft, bestelH. Die Textkritik Eckhartischer ·
Predigten. legt vielmehr Fallen über Fallen, lind nur der, der hundertmal diesen
Fallen begegnet ist, ,weiß sich mit der nötigen Vorsicht vor Fehltritten zu schützen.
Id1 bin da'.rauf gefaßt, da.ß die Kritik der Germanisten, wie stellenweise bereits
angekündigt wurde, weniger den Inhalt als die F o·r m der neuen Texte kritisieren
.wird. Ich habe die neue Ausgabe einheitlich in einem normalisierten oberdeutschen

XXIII
Mittelhodi.deutsdi mif der ühlidien Längenbezeidmung gehalten. Das ist keines-
wegs in bewu:füer Gegr1erschaft gegen die·_ moderne Bestrebu~g gesdiehen, das
sidier· bis zu gewissem Grade künstliche Normalmittelhodideutsch 'unserer klassi-
schen Ausgflberi zu überwinden und in den Texten neuerer Ausgaben di~ indivi-
duelle orthographische und dialektische ·Prägung der handsdiriftlidi überliefertel;l
Texte stärker zur Geltung kommen zu lassen. Die Gründe_ dafür, daß idi für di~.
kritische Ausgabe der deutschen Werke Meister Eckharts, insbesondere für die Pre~
digten, Normalisierung der überlieferten Texte forderte und in dieser Ausgabe durdi~
geführt habe,. wurQ.en in. der Einleitu:hg meines Buches ausführlidi dargelegt und,
braudien daher hier nicht wiederholt zu werden. Die· neue Ausgabe weicht audi in
dieser Beziehung grundsätzlidi nicht von Pfeiffer ab. Sie ist nur konsequenter als ..
die Erstausgabe. Pfeiffers Texte schwanken nicht .nur erheblich in der Orthographie, .·
in der Behandlung der Apokop·e und, Synkope des tonsd:twad:ien e, in der Verwen-'
dung von Parallel- und Doppelformen der Verbal- und Nominalflexion. u. a.; sie
zeigen auch einen leichten mehr oder weniger durchgehenden Einschlag alemal).-
. riisdier Spracheigentümlidikeiten, . insbesondere die durdigehende Verbalendung
· · -ent für die 2. Pluralis. Pfeiffer ließ sidi zu dieser leichten alemannisdien. Färbung .
seiner Texte durch die Annahme veranlassen, daR Eckharts Heimats-' und Geburtsort
Straßburg ,gewesen sei (S;IX) und daß Eck.hart daher von Hause aus Alemannisd:t
gesprodien habe. Wir wissen heute, daß clem nicht so ist, daß Eckharts Wiege vi~l-
mehr im Thüringisdien stand und daß kaum je auszumadien sein wird, weldien
Dialekt er in seinen langen Wanderjahren an den versdiiedensttn Orten Süd- uncl ·
Mitteldeutsdilands gesprodien hat. Pfeiffer hat denn auch keineswegs nur aleman-
nisdie Idiotismen seinem normalisierten Text untermischt:_ ziemlich regellos hater
vielmehr hier und da aus den von ihm gewählten handsdiriftlidien Führertexten
die eine oder · andere orthographisch oder dialektisch singuläre· Eigentümlidikeit
entnommen und in seinen Text eii;.gefügt. Die in der .neuen Ausgabe durdigeführte
_Normalisierung aller Texte ist _für jeden geboten, der nicht in ein heillosesDilemm~
geraten und nicht zu einer Ausgabe gelangen will, deren buntes Durcheinander
hete~ogenster 'Dialekfouancl:ln in der Abfolge der einzelnen Stücke zwar den Schein
einer reizvollenPatina: hat, wobei aber eben diese Patina besten,falls die vo~ den
v{lrsdiiedenen Sdireibern herrührende I>seudopatina ist und nidits ·zu tun hat mit ·
der Frage_ nach mögliclister Echtheit und Ursprünglichkeit der spradilichen Form
Eckhartischer Predigttexte. Ich muß vielmehr behaupten, daß die norm~lisierten
T.exte in gewissem Sinne relativ echter und m:sprünglidier sind als die von den
mittelalterlidien Sdireibern mit ihren schwankenden Dialekten angefertigten K o-.
pi e n v.o n Nach s c h r i f t e n Eckhartisd1er Predigttexte. _ ·
Es gibt zwar Fälle,· in denen die Beibehaltung der handschriftlidien Schreibung··
und des handschriftlichen Dialekts gefordert erscheint und dann audi in ,dieser ·
Ausgabe durdigeführt ist. Es handelt sich um die Fälle, iri. denen ein Predigttext nur
in. einer oder dodi vollständig nur- in einer Handsdirift überliefert ist, un,d \Veiterhin
um den Fall, daß eine Predigt nur _in einer oder mehreren. niede:rdeutsclie~ oder
niederländisclien Handschriften erhalten ist. Im 1~tzteren Falle muß ~an: b~i den

XXIV
starken Unterschieden zwischen Hochdeutsch und Niederdeutsch bzw. Niederländisch
nicht nur in bezug auf lautliche Momente, sondern auch auf dem Gebiet des Wort-
sdiatzes und der Syntax geradezu von Vbersetzungen sprechen. Eine Rücküber-
setzung ins Hochdeutsche aber könnte niemals von Willkürlichkeiten frei sein und
würde jedenfalls eine noch weitere Entfernung von relativer Ursprünglichkeit be-
deuten, als es die Übertragung i~s Niederdeutsche oder Niederländische schon not-
wendig ist. In den genannten beiden Fiillen sind die Texte demnach in handschrift- ·
licher Orthographie unter Beibehaltung des Dialekts geboten. Die Orthographie
wurde allerdings dabei durchgeh~nds in gewohnter Weise leicht geregelt, indem
· anlautendes vund j mir' für die entsprechenden Konsonanten, nicht auch für u und i
verwendet wurden. Majuskeln der Handschriften wurden, abgesehen von ·Eigen-
namen, nur am Satzbeginn beibehalten. Im übrigen habe ich die gleiche Normalisie-
rung der Orthographie durchgeführt, die weiter unten für den Variantenapparat
aufgeführt ist. '
Was die Zeichensetzung angeht, so wurden die Texte mi:>glichst sinngemäß
nach modernen Regeln interpunktiert und dabei tunlichst darauf Bedacht genom-
men, daß schon durcb. .die Interpunktion der Sinn·der Ausführungen des Predigers,
so wie ihnder Herausgeber verstand, verdeutlicht wurde. Hat doch Pfeiffers Aus-
gabe an vielen Stellen nur durch falsche oder irreführende· Interpunktion das Ver-
ständnis ihrer Texte verbaut oder gar unmöglich gemacht.
Alle Schriftzitate wurden im Text durch die Redezeichen ' .. .', die übrigen
abgrenzbaren Autorenzitate in »... « eingefaßt. Alle mehr oder weniger dem Um-
fang nach nicht bestimmbaren Zitate der Meister oder eines Meisters wurden nur
am Anfang durch einen Doppelpunkt gekennzeichnet.
Alle Texte haben am äußeren Rand in großen Zahlen Z e i 1 e n zäh 1u n g, die
· auf jeder Seite neu beginnt. Zur leichten Kontrolle und Vergleichung mit den Texten
der Pfeifferschen Ausgabe habe ich am Innenrand in 'kleinen Zahlen die Seiten- und
Zeilenzählung Pfeiffers beigefügt.
Die 1 a t ein i sehen Schrift texte am Kopf der Predigten werden in dem
Wortlaut und in dem Umfange aufgeführt, wie sie in der Handschrift stehen, die····
ihren Text am vollständigsten bietet.
Im ersten Apparat unter dem Text der einzelnen Stücke werden die latei-
nischen Predigtvorsprüche sowie alle anderen Schriftzitate verifiziert ·und gegebe-
nenfälls Abweichungen derVulgata verzeichnet.
Der z weife Ap p a rat e~thält sämtliche irgendwie beachtlichen Varianten
der in den Vorbemerkungen verzeichneten Handschriften zum kr{tischen Text. Nicht
aufgenommen sind in diesen Apparat rein orthographische hnd dfalektische Va-
rianten, völlig belanglose Nichtigkeiten wie dan statt man nach dem Komparativ,
also statt als und umgekehrt, denne statt danne, menne statt manne~Uebe, liebhaben
staH minne, minnen in den Taulerdrucken u.. ä. Ebenso blieben Abweichungen der
Handschriften von der Wortstelhmg de$ kritischen Textes meist milierü&sichtigt.
Randbemerkungen, Überschreibungen: Tilgungen-und Nachträge sind im Apparat
nur dann aufgeführt;wenn sie belangreich und für.die Bewertung der handschrift-

XXV
liehen Überlieferung irgendwie von Bedeutung sind. Bei offensichtlich durchgehends
stark verderbten unursprünglichen Texten habe ich, um denVariantenapparat nicht
überflüssig zu belasten, keine Vollständigkeit der Varianten angestrebt. Das gilt
nicht von den. Texten, die zwar vom kritischen Text weitgehend abweichen, deren
Wortlaut indessen an sich durchaus sinnvoll undjedenfafü nicht ohne weiteres als
verderbt zu erkennen ist. Man. kann in solchen Fällen von Pa r alle 1f a s s u n g e n
spr~chen, ohne daß damit etwas darüber ausgemacht zu sein braucht, ob im jeweili-
gen Falle der Paralleltext als von' Eck.hart selbst stamrp_end oder als spätere Be~
arbeitung durch einen Schreiber angesehen werden soll. I?ie Entscheidung darüber,
ob in diesen Fällen die Varianten vollständig in den Apparat aufgenommen oder
aber· der ganze Text der betreffenden Handschrift als Parallelfassung.gebotenwerden
soJlte, wurde jeweils besonders begründet gefällt. Ebenso wurde bei kleineren F r a g-
m e n t e n · wie beispielsweise bei den aus vielen kurzen Textstücken zusammen-
gesetzten großen Mosaikgebilden etwa der Hs. Ka1 im allgemeinen nur inhaltlich
beachtliche Lesarten verzeichnet. Im übrigen aber ist der Apparat vollständig. Er
enthält auch einen großen Teil sichtlich verderbter Varianten, die in ihrer Verderbt-
heit für die Beurteilung des .gesamten überlieferungsbefundes und des kritischen
Textes irgendwie von Belang sein könnten und vor ~Uem für die Erkenntnis der
Abhängigkeits- und Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der handschriftlichen
Überlieferung wichtige Fingerzeige zu' liefern vermöchten. Mit· der Lieferung dieses
Apparates dürfte eine der dringendsten, wenn nicht die dringendste Forderung, die
alle Eckhartforscher seit Jahrzehnten an die Germanistik gestellt haben, endlich
ihre Erfüllung finden. Denn dieser Apparat setzt Jeden Forscher in den Stand, den
kritischen Text an der handschriftlichen überlief erung genau zu prüfen. und sich
ei:ri eigenes Urteil zu bilden. Da nun aber die textkritische Aufgabe insbesondere
bei den deutschen Predigten Eckharts bei der problematischen Überlieferung und
den ungemein schwierigen und eigenwilligen Gedankengängen Eckharts fraglos zu
den heikelsten Aufgaben mittelalterlicher Textkritik gehört und der Beurteiler stets
den gesamten Vberlieferungsbefund kennen muß, um sich eine eigene Meinung
über den kritischen Text bilden zu. können, so war die. Mittejlung des vollen Va-
riantenapparats mit sämtlichen irgendwie belangreichen Varianten geboten.
·Am Kopf des Apparates sind unter den bejden Titeln Zuweisungen und
übers c h r i f t e n aHe handschriftlichen Autore~vermerke, Überschriften und son-
stigen sich jeweils auf den ganzen Text beziehenden Notizen wegen ihrer Bedeu-
tung und zur leichteren übersieht l,!'esondert aufgeführt. Der Apparat ist gemischt
positiv-negativ, d. h. er führt Je nach der Zweckmäßigkeit entweder nur .die Hand-
schriften auf, die vom kritischen Text abweichen, oder er verzeichnet außerdem die
Siglen derjenig'en Handschriften, die den kritischen Text stützen. Auf die Auf-
führung eines Lemmas wird gewöhnlich zurErleichterung des Apparats dan~ ver~
zichtet, wenn überdie Zuordnung von Variante und kritischem Text kein Zweifel
möglich erscheint. An allen Stellen, an denen der neue Text von dem der Pfeiffer-
schen Ausgabe abweicht, zeigt die Sigle Pf im Apparat an, welcher Handschrift
oder welcher Handschriftengruppe Pfeiffer mit seinem ':fext gefolgt ist. Auf diese

XXVI
Weise ist.die vergleichende BeurteHung der beiden Ausgaben an Hand der hand-,'
· ,schriftlichen Überlieferung, wie ich hoffe, wesentlidi·.erleichtert. '. ·
· ·. Der Entlastung d~s ·Apparates dient,, wie oben :bereits kurz bemerkt, die g~-
legentliche Einführung von Gruppen s i g 1e n, mit Hilfe deren durchgehends
geschlossen auftretende . Hari.dsdiriftengruppen zusammengefaßt· und bezeichnet
w:erden. Die Auflö,sung dieser ·Siglen gesd:rieht jeweils in den Vorbemerkungen
· unter dem Abschnitt ,;Filiation". 1 ·

DieVarianten we:r:den in .möglichst genauer orthographischertlbe;reinstiinmung


mit deri. handsd:rtiftl~ch überlieferten Texten geboten; wofern es sfch um Einzel~
vlirianten handelt, die jeweils 'nur in einer Handschrift stehen. Nicht berücksichtigt
bei der Wiedergabe sind lediglich die Punkte üb~r dem y und gelegentliche den
Druck· zu stark belastende ungewöhnliche diakritische Zeichen über einzelnen Buch-
1 staben,:die dann durch verwandte Zeiclien ersetzt-wurden. Ferner w'urd~ 3 durcli z,

f :durch s wiedergegeben. Im:' ~llgemeinen wurden die Abkürzungen .a11fgelöst,


mitu;nter aber auch beibehalten, insbesondere dann, wenn ihre. Auflösung· nicht
völlig eindeutig w:ar, so 'etw~ der t;-Sclinörkel, ~umal in niede·rdeutschen und
niederländischen Texteti., aber auch mitun:ter dz, wz; WC, ht (i.n niederdeutschen
und niede'rländischenTexten für hd. ~ heit).: In allen Fällen, i~ denen eine Variante
von mehreren 'Handschriften geboten wird, wurde das betreffende Wort oder Text-
stück .wie im. kritischen Text normalisiert (doch vgl. die Schlußbemerkung S. 262).
Alle hand~chriftli'clien:· Texte, die vom kritischen Text abweichen und mit dem
· 'Pfeiffe~schen Text übereinstimmen, sind in· der Pfeifferschen Orthographie auf-
gefiihrt, und die Re,ihe der hi:n:ter diesen Varianten stehenden Siglen wird stets '
angeführt durch die SigleP/. · ·,
- Der dritte Apparat hat wesentlich kommentierenden Charakter. ln;ihm· i .
werden als Wichtigstes Text .P' a r a 11 e le 1i aus deutschen -qnd.lateiniscl:i1;in Texten
, zu den einzel:ri.en Stellen des kritisclien Textes geboten; Für das 'richtige Vers.fäidnis .
Eckliar#sdier Äußerungen ist es von größter Widitigkeit, sie nicht nur in sich, d. h.
· _dem._jew:eiligen Wortlaut dey, betreffenden Einzelstelle nadi ·verstehen zu wollen, .
sondern auch· den· gedanklichen Umkreis kennenzulernen, innerhalb dessen die be-
'. ,·:,\
'
treff~:nd/Äußerung des Predigers sonst noo1 v9'rkom:titt. Unter Textparallelen. sind ·
dann·n~fürlich·nichf nur Stellen zu verstehen', an denen der Wortlaut der zu er~·
·' läuternde~ Texf!itelle mehr, oder' w~niger wörtlich wied~rkehtt, sondern mehr noch
solilie, ari denen der. gleiche' oder ganz verwanclte Gedanke oder Ideenkompl~x
unf~r.Umstäiiden sogar stark ·abweichend fo~uliert ,w'iederkeh'rt: Afa i~te:ressan-
_teste und·wichtigEite Parallelen müssen sogar die Stellen gelten, an denen de~ Pre-,
'. 4igef sich zlim gleichen Geg~nstand völlig oder, teilweise gegensätzlidi äußert. oder, .
-· doch zu :"äuße1m scheint . . .· . · .· _ · ·. . · , ·. · , ·· , · ·
... · Die' im, tltiiten Appar~t, a~fgefülitte:fi Parallelen wurcle'n natü~lich nicht nur'
de:t;t Pfei:ffe;sclien, sondern auch and.ererr für Eckhart, beanspruchten· Texten ent-,
_no:mui'.en.· Dabei ~rhebt sich U:11rn ·wiedel' die lrrage nadi der Echtheit der Stücke, aus ..
. den~n die Earallelstelleh gesdiöpft ;ind.. Ich gestehe, da1lich ,in dieserµ Punkfonicht
,· • ' -,, ·' • • • < •• / •

'xxvn
ängstlich gewesen bin. Wiewohl die Echtheit des einen oder anderen Stücks der
Pfeifferschen Ausgabe, insbesondere bei der Mehrzahl der Traktate, sehr in Frage
steht, habe ich mich nicht gescheut, auch aus diesen Stücken Parallelstellen auf~
zuführe.n, Denn, selbst zugegeben, daß die Mehrzahl der· deutschen Traktate, die
Pfeiffer edierte, in dieser\ Form nicht von Eckhart stam~en werden, so wird man
'

kaum , ernstlich bezweifeln, daß sie im wesentlichen Eckhartisches Gedankengut


enthalten, wie denn ja doch eine Fülle von Predigtstücken als Bestandteile einzelner
Traktate nachgewiesen werden konnten. Aber selbst, wenn die betreffenden Stücke
letztlich als nicht von Eckhart stammend erwiesen werd~n können, so dienen .die
aus ihnen entnommenen Parallden mit dazu, die in Frage stehende Eckhartische
Textstelle aus ihrer Isolierung zu lösen und durch zeitgenössische Äußerungen aus
dem gleichen Geistesumkreis, dem Eck.hart angehörte, von verscliiedensten Seiten
zu beleuchten. Diesem Zweck sollen auch die Parallelen dienen, die aus bekannten
. anderen Mystikern um und nach Eckhart wie Tauler, Seuse, Ruusbroek, Johannes
von Sterngassen und weiteren insbesondere von J o s t es und Strauch. heraus-
gegebenen Autoren der sog. Schule Eck.harts geschöpft wurden. Alle deutschen
Textparallelen wurden, sofern sie nicht in den bereits gedruckten Stücken dieser
Ausgabe stehen, nach 'den bisherigen Ausgaben zitiert. Eine andere Möglichkeit gab
es praktisch nicht. Die Einführung von Paragraphen nach dem Muster der lateini-
schen Abteilung, .mit Hilfe deren Textstellen dieser Ausgabe, die noch nicht gedruckt
sind, hätten zitiert werden können, konnte in der deutschen Abteilung deshalb nicht
durchgeführt werden, weil sie eine präzise Bestimmung der Vergleichsstellen, wie
sie bei den deutschen Texten notwendig, bei den lateinischen nicht unbedingt er-
forderlich ist, nicht zuläßt. Stellen aus dem „Trostbuch" (bei Pfeiffer Traktat Nr. 5)
und den „rede der undersdieidunge" (beiPfeiffer Traktat Nr.17) wurden nad:t den
Sonderausgaben von Strauch und Ernst Die der i eh s zitiert; den Stellennach-
weisen sind indessen jeweils die entsprechenden Seiten- und Zeilenzahlen der
Pfeifferschen Ausgabe beigefügt. ·
Es versteht sich von selbst, daß es beim Nachweis vonTextparallelen nicht auf
Vollständigkeit abgesehen sein kann. Bekanntlich hat Eck.hart seine Lieblings-
gedanken, Grundgedanken, die immer wieder in neuer Formulierung wiederkehren~
Bei solchen häufig sich wiederholenden Äußerungen konnte immer nur eine Aus-
wahl von Parallelstellen geboten werden, die durch Vor- und Rück.verweise auf
weitere Zusammenstellungen ergänzt wurden. Aber auch sonst ma'.chen die Paral-
lelennachweise keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Register, das am Schluß
der Ausgabe geliefert werden soll, wird viele Ergänzungen zu den i.in dritten Ap-
parat nachgewiesenen Parallelen ermöglichen. ,
Was für die aus deutschen Texten beigebrachten Parallelen gilt, gilt in höherem
Grade für die aus den lateinischen Werken Eckharts nachgewiesenen Vergleichs-
stellen. Hier kann es sich nur darum handeln, daß insbesondere zu deutschen Stel-
len, die stark spekulativ-philosophischen und theologischen Inhalts sind, Vergleichs-
stellen aus lateinischen Werken aufgewiesen werden, die dazu angetan sind, in der
deutschen Formulierung schwer zu verstehende Stellen durch den eindeutigeren

XXVIII
lateinischen Ausdrv.dc verständli.cher zu machen. Auf Vollständigkeit kann dabei
um. so eher verzichtet werden, als die Abteilung „Lateinische Werke" dieser Aus-.
gabe in ihren Apparaten ein Stück parallellaufender Arbeit leistet, indem sie
deutsche . Vergleichsstellen zu den lateinischen .Texten beizubringen sucht. Eigent-
lidie Parallelen können aber auch naturgemäß zwischen deutschen Predigttexten
und lateinischen Werken verhältnismäßig wenig zahlreich sein, weil der innere und
äußere Tenor der· deutschen Predigten, die zum großen Teil ethisch-praktische
Fragen behandeln, meist ein anderer sein muß als derjenige. der lateinischen
Schriftkomnientare und Quaestionen mit ihrem vorwiegend wissenschaftlichen spe-
kulativen Inhalt Einzig von den lateinischen Predigten, die bekanntlich zum großen
Teil bloße Predigtskizze:U sind, wird .man von vornherein größere Ergiebigkeit in
bezug auf wirkliche Textparallelen zu deutschen Predigten erwarten, und tatsäch-
lich liefern die sermones einen Ha1J.ptanteil an Vergleichsstellen.·
Zu den wichtigsten Nachweisen des dritten Apparates gehört die I de ntif i-
z i er u n g der in die Kölner oder Avignoner Prozeßakten einge-
e
g a ng n e n 1 a t e i n i s c h e n T ext ex z e r p t e mit den Originalstellen in den
jeweiligen deutschen Texten~ denen sie entnommen wurden. Die lateinischen Text-
stücke der Kölner Rechtfertigungsschrift, des Avignoner Gutachtens und der Bulle
Johanns XXII. wurclen unter Angabe des Druckortes aus den Ausgaben von Thery,
Pelster und· Denifle mit Bezeichnung der ihnen entsprechenden deutschen Text-
bestandteile abgedruckt. Nur gelegentlich ist neben Thery auch auf die ältere Aus-
gabe von Augustinus D an i el s und die Übersetzung von Otto K a r r er und
Herma Pi es c h verwiesen.
Außer den bisher aµfgeführten Nachwei.sen fällt dem dritten Apparat die
Aufgabe zu, Autorenzi taJe zu verifizieren, Quellennachweise und
Fund stellen in der scholastischen und patristischen Literatur
zu Textstellen, vorzuführen, deren Verständnis durch solche Quellennachweise er-
leichtert und vertieft w.erden kann. Was die Autorenzitate angeht, so muß aller-
dings gleich gesagt werden, daß sie in den deutschen Werken des Meisters meist so
· unbestimmt in der Quellenangabe und so stark den Zwecken des Predigers ent-
sprechend umgestaltet und umformuliert sind, daß ein einig6rmaßen verläßhcher
Nachweis ihrer Herkunft fast a,ussichtslos und müßig erscheint. Das gilt so ziemlich
für die überwiegende Mehrzahl ·aller Zitate, die nicht durch Nennung eines be-
stimmten Autors, sondern durch die unbestimmte Wendung ein meister sprühet,
ein heilige sprühet, die· meistf!r sprecherd, die heiligen sprechent u.ä. eingeführt
werden. Die Bestimmung der Quellen, aus denen Edchart in solchen Fällen schöpft,
kann meist nicht durch systematische Suche gelingen, sie ist vielmehr Sache glück-
lidien Zufalls. Spielt aber der Zufall einem die sicher richtige Fmidstelle des Eck-
hartischen Zitats in die. Hände, so muß man erkennen, daß der Meister mit dem .
Gewährstext so frei gespialtet hat, daß man kaum noch von. einem echten Zitat
sp:r:edien kann. Die zu den betreffenden Te~tstellen gegebenen Nachweise wollen
demnach zum großen Teil nidit als gesicherte Identifizierungen, sondern höchsten.s
als ~ermutHdie Verweisstellen oder. als Vergleichsstellen gewertet sein. Sowohl irr

XXIX
bezug auf die Autorenzitate, wie bezüglich der übrigen Quellennachweise und Par-
allelen aus der mittelalterlich theologischen Literatur wird die Abteilung der deut-
schen Werke wesentliche Erweiterung und Ergänzung· durch die entsprechenden
Nachweise im dritten Apparat der lateinischen Abteilung erwarten dürfen. Abge-
sehen davon, daß die fach- und sachgemäße Lösung der bezeichneten Aufgabe nicht
Sache des Germanisten sein kann, handelt es sich in den lateinischen Werken Eck-
harts um wissenschaftliche Werke des Meisters, in denen er. seine Quellen um vieles
genauer und ausführlicher angibt. Während der Prediger sich in einer deutschen
Predigt z, B. nur auf einen heidenisdwn meister beruft, ist in einer inhaltlich ver-
wandten lateinischen Predigtskizze dieser heidnische Meister als Avicenna bestimmt.
· Die Quellen und Parallelen zu Eckharts Lehren, die natürlich für die deutschen
Werke die gleichen .sein werden wie für die lateinischen, können nach dem Gesagten
bei weitem genauer und eingehender in der lateinischen, Abteilung nachgewiesen
werden als in der deutschen, die bewußt von vornherein darauf verzichten muß,
auf diesem Gebiet Endgültiges und Erschöpfendes zu leisten.
Schließlich h.:J.be ich mir für den dritten Apparat noch die Aufgabe gestellt,
s eh wer zu verstehende Textstellen zu erläutern oder zu ·üb er-
setz.en, doch nicht so, daß ich einen regelrechten Kommentar zum Text hätte
liefern wollen. Ebensowenig sollen diese Erläuterungen in die theologisch-philoso-
phisch-geistesgeschichtliche Diskussion der Gesamtbewertung und -beurteilung der
Eckhartischen · Mystik eingreifeii, geschweige sie bestimmen. Es handelt sich viel-
mehr um nur gelegentliche, soweit wie möglich rein philologische Erläuterungen, die
den konkreten Sinn der betreffenden sprachlich nicht ohne weiteres verständlichen
Stellen zu verdeutlichen suchen. In vielen Fällen wird es sich um bloße Über-
setzung der in Frage stehenden Textstellen handeln; wobei die Übersetzung aller-
dings meist paraphrasierend sein muß, wenn sie ihren Zweck nicht verfehlen will.
Wahrscheinlich werde ich in diesem Punkte viel weniger leisten können, als der
Mehrzahl der Leser erwünscht ist. Die Raumknappheit läßt eine stärkere Ausbrei-
tung der kommentierenden Erläuterungen und Übersetzungen nicht zu, und So habe
ich mich oft damit begnügt, auf Erläuterungen in meinem Buche zu verweis·en. Die
Übersetzung, die diese Ausgabe neben der Edition der mittelhochdeutschen Texte
liefert, wird das an Erklärungen nachholen, was der drit.te Apparat unter dem
mittelhochdeutschen Text nicht mehr bewältigen kann.
Gelegentlich habe ich an inhaltlich bedeutenden Stellen die Übersetzungen
von B ü tt n er , Le h m: a n n und S c h u 1 z e - M a i z i e r vorgeführt, um sie kri-
tisch zu beleuchten und das Auge des Lesers für versteckte S<;hwierigkeiten des
richtigen Verständnisses Eckhartischer Texte dadurch zu schärfen, daß ich zeigte,
wie sehr selbst so tüchtige Kenner und verdienstliche Eckhartforscher, als welche
die drei genannten Übersetzer anerkannt werden müssen, mitunter in die Irre ge-
gangen sind. Die von mir auf solche Weise gelegentlich geübte Kritik·soll demnach
keineswegs die Leistung und das Verdienst d,er Übersetzer für die Eckhartforschung
schmälern. Ich stehe vielmehr nicht an,· zu erklären, daß die Übersetzer und in
erster Linie der äußerst gewandte Hermann Büttner bisher für das Verständnis

XXX
· und die Erschließung der de~tschsprachigen Werke Meister Eckharts mehr geleistet
haben als die· Germanisten.
Die t.extkritische Bearbeitung und spracltlime Durchforsd:i.u~g der überlieferten
deutschen Werke ~ines unserer tiefsten Denker und gewaltigsten Sprachschöpfer
ist aber wie nur wenige ein~ ureigene Angelegenheit und Aufgabe der Germanisten;
deren ßewältigung ihnen v011 niemand abg~nommen werden kann und wird; Möge ",'.\ ···:,'
diese Ausgabe· der deutschen Werke Meister· Eckharts einen Teil der.· Ehrenschuld·
abtragen, die schon zu lEmge auf der Germanistik lastet. .

'~-

XXXI

_:!i',
Erste Abteilung

~ Durch die „Rechtfei;tigungsschrift"


als echt bezeugte Predigten
_PREDI,G.T_ 1 (Pf: Nr.VI S. 33~38)

P:andsiBri_ftlfm.eJtberlieferung: (skl;i. :Q u,i n t.S. 84; Spam er :PBB 34 S, 34-0 f., Bk u te ll a ZfdA 68
~-,J~;.-Thfry ,S,2;i&f.).:,
0 ·-- . ·
Bi::,-::t h-'-"-2r,_ F'ra:gment' ...:...- S;. 9;9 -·-Wiltil-S.- 20,4 tot mfr:eirier Aniahl' -von Lüdi:e-:ii'. -
ß 4 f. 132:r-134v; - · ·
~ 9. f. 1'2'8v.,.-tB4-v;_ (Bl.J51 isqn, der Hs_. nicht mitgezä,hlt).
B~{ - f'. 143r~f4'8r; -vgl. Sk u f eUa ZfdA. 6'2' S. 10'2',
~t~ : f:Ü'2'f)J::-'-118yb; ~gL 'Hol eh S: 40. · --- ·
Bfiiii f.166rC.:...169v; vgl. Strauch ZfdPli 54·s.2s5 ..
}3~(i,) f. 62r~8v; vgt Str°1,1.ü eh ·a. a. b. S. 292.
B'i' f. f86rb~_18'2'vb. ·_ __ · ·
KT f. 80ra---,-8lv1,1.; _ .
M2 f .. 1'2"2'v-180v,. aHe Zhlg.: f. 1!?2v-f95v. _
Mafif, 128v-~32r, identifiziert von Qu.in t. _ . _ ..
Mei_ f. 124va.;_12'2'ra. Der Te:x;t zeig_f, st!).rke Abweichungen von alle~ anderen Textzeugen. Seiil:e
_Varianten _werden im Apparat nu;r gelegentlich _aufgeführt. - - . - · .:
P~ · f. 244v-245v, Fragment · S. 9,9 Wilta.....:..s. 20,4 tot mit Lüdi:en wie B1.
Sig f._ '2'v-13v.
, Sto f; 33r,'--'-38v; a1te Zhlg.: _f. 41r...:...46v, , _ _ _
St:ra .t 1;i2r...:...t59v, alte Zhlg.:'f. 149r-'-15'2'v; vgl. Spam er PBB 34 S. 349.
· Ti f. '2'5r-'2'8r. - - - - - - -
WL f. 3ra:.:...,..5rb; vgl. Bulletin de Theologie ancienne et medievale, Avril 1933, p. 101; Bret-
h' au er A.fd.A 53 S. 51. · · · ·

Filiation der Hs~: sieh Quint S. 85::.._f05, ri:i.sbespnd~re s: 104 f. Filiatio~sscheina '(Quint S. 104'):
St5BSr__:_:St11Bu-BT KT : Br2-ß9...:...ß,P,-BraaM2-Bra11Sfrs, -
Wi _isf engstens verwandt mit B1P1 (ß9Br2), --
Mai,· , ist· engstens verwandt mit StrsBra2, - _. _ _ __ _
:t;)ie beiden großen Gruppen, die oben durch_ vonefnahder getrennt sind, berühren ·sich am
engsten in ~T (KT) einerseits und Br2 (B 9) andere:rs_eits .. Die extremen Gegensätze bilq.en die
Gfoppen 8t5ß4,Tr und Bra2StrsMai1, · _
Im Variantenl!:P.P~rat_ sfad durch Siglen bezeichnet ·ilie Gruppen: _ _.
a . .c..... SigßuSt.iftTrBT KT - . fJ- -:- Bra2SfraMai{BraaM,;B0Br;iB1P1
a,. ___:_ StgBtiSt.B"'Tr - - fJ1 •. Bra~StraMai1Bra8M, -
a2 =·S4BS:t · · fJ2 · , ~:ra2StrsMai1

Textko:nstituierung: Der Text · wurde· nach' den bei Q u in f s, f04f. gegeb~rien, Ridi:tlinien ko~~ ·
stituiert, d._h.'er stützf sich im wesentlichen auf die Gruppe -ß, ilie im ganzen verläßlicher 1st
afä die Gegerigruppe ~- . - -
,,Red:dferligungssmirift":. § IJ 4__ ad. 9 (Th er y S. 180) µnd IL 52 (S. 258) ·= S„ 20i3~5.
textneuau~gabe: Quin:t; M:y~tikertexte
... > • •• ' •• ... ··,
s:. 48ff•. -•
• '

&;htJr~it1:- .gesid1er.t d.u:rch: RS: Hsl. Bezeugung: gfoh'.unteh, im. Eingang des,,Vaxiantenappar~ts. , - ·
1 '

1*

\ )
l n t r a v i t l e s u s in t e m p 1um et ,C ö e pit
eicere vendentes et ementes. Mafthaei.
Wir lesen in dem heiligen ewangelio, daz unser herre giene in den tempel
und was uzwerfende, die da. kouften und ve~kcxi).ften, und spracli .ze den
5 andern, die da haten tuben und sogetaniu dinc,. veile: 'tuot diz hin, tuot qiz as,a5
1t Matth. 21,12: Et intravitJesus in templum Dei, et eiciebat omnes vendentes et ementes;
Marc. 11,15: Et cum introisset in. templum, coepit eicere vendentes· et ementes fo templo;
Luc. 19,45: Et i:ngressus in templu!Il, c.oepit eicere vende1ttts in illo et e:rnentes. Vgl. aud,, unten
S. 12,6f.; 14,Bf. 5f. loh. 2,16 .
Z uro e i s un gen: Meister eckehartz bredigen von cler ynnerHche:n gehurt xpi (rote übersdirift}.
Die Zuweisung gilt für die vorliegende Predigt und den in der Hs'. folgenden Traktat Pf. Nr. 9, dem die.
rote Vbersdirift Dis ist eine gtite bredige von abegesch.eide:11em leben (f. ;;Bv u,nten) vorangestellfist
Spamers Angabe (PBB '34 S. '38'3 ), keine Hs. gebe einen Verfasser des Traktats an, ist demnadi nidit ganz
zutreffend. St. .Dise folgenden schrifften sind etlidie de.sz · H. Tauleri vnd Bruder Eckharts. l
A0 1300 sind vil hohe sadien vnd die / rechte vralten exemplaren / (das Folgende auf d. Rand)
wz getruckt ist gezeichnet / wa disz zeichen (1 mit drei übergesetzten Punkten) steh.et dz hab / idr
abgeschrieben .Das Ganze von Sudermanns Hand auf dem sonst leeren Bl. 1'}1v. B, M Eckhart
Ti,rnlerus. Dise Predigt sind zum theil getl'.uckt worden zu basel A0 1522 vnd zu Cöllen A0 1543
aber nitt alle. Ist auch in de getr. vil ausz gelassen das alhie zufinden ist (von Sudennanns Hand
auf d. Rand von f. 1r), B, (In P1 steht f. 2J9v: Diz sint meister Eckehardes bredigen) · Ein andere
predig maister ekcharts eodem (rote Vbersdirift) Me,
Überschriften: Das got die koplute treip vsser. dem Tempel (rot)Auf d.Rand, von Suder-
mann: Taul. Fol. 186b B11 Assit in principio sancta maria mea (auf d. oberen RandJTaulerus
fol. 186 Im getruckten zu basel ( auf d. r. Rand, von Sudemiann) B. Des dicendaechs naer haH-
·vasteneil l;iout men dit euwangelium Ende leert vanden' tempel gods Br, Sequitur plus i:n
isfo tempore (rot) Bra, vnser herre warf vz dem tempel die do keiften vnd verkoften (rot} P,
Wie men one warvmbe gotte dienen soi. (rot) St, An deni 'mentag (über getilgtem zinstag) nach
mitter fasten ·oder an dem Balmtag (rot) Strs sta~ am taller blat clxxx1x (auf d. unt. Ra,nd)
Mai, Vff Zinstag nach Inuocauit BT Des selbigen Palmsuntages die ander Predig KT
1 f. Intravit bis Matthaei. B.Tr] fehlt in allen and. Hss. Vff Zinstag nach Inuocauit. Wie der
mensch in allen Seinen wercken gott allein SO} ansehen Vnd 1auterlich meinen Oll alles eygen / v:nd
die selbigen werck frey ledig würcken allein got zu eren / vnd desz seinen gar :nichts suchen/ noch
keins lonsz begeren noch hoffen. Item (damit er zu seim aller nehsten vnd besten mög kommen)
(Klammern i.,;_ BT} solche werck auch wffrcke on alle eygenschafft der bekaritheit mit zeyt / oder
zal / vor oder nach vnd on weise. Item wie das göttlich wort sich selber spricht vnd offembart in
der seel / Alles mit hohem sinn vnd subtilich gezogen vff etliche wort desz heütigen Ewangelij,
Matthei XXJ. Iritrauit iesus in templum (f.186rb) dei / et eijciebat omnes vendenjes et ementes. BT
Des selbigen Palmsuntages die ander Predig / Wie der mensch alle kauffmansch!lfft der ey.gen°
süechung ausztreihen soll ausz dem tempell seyner seel / Qott lauterlich meynenn / über alle
z.eit. vnd zall / vor oder nach / vff das das gÖtlich wort in .seyner seel sprechen möge. (f. 80ra)
INtrauit Jesus in templmn et eijc~ebat omnes ementes et .uenclentes. Matt. XXI. KT 3 W~r
lesen] [] En leest Br, Wir lesen bis daz fehlt Wi in bi$ ewangeliö,] vff den heutfgenn Palip.
Suntag KT unser herre] Vnsser lieber herre ihs xpc Wi vns·e:t-lieber herr KT den] dem B9 B11
Wt 4' und 1 fehlt Bu was uzwerfende] warff ausz KT, ' da fehlt füTr 4 f. ze den andern,
(andern fehlt Wi), die da häten tuben und sögetäniu '(spllidi Bra., vnd ancler B9) dinc veile (v~He
fehlt-BrasM2B 9 Wi und bis veile fehlt Br,) Bra2StraBrasM2B9Br2Wi zu den andern die'da hetten titb,en
vnd sötte {vor sötte i$t ander getilgt) ding hette vail Mai, ztto den, die da (da fehlt B4TrMe1 ) tilpen
· veile heten (tawben ·verchawfften Me,) PfaMe, 5 'fo:ot1 ] werffint Braa diz 1 ] daz lJ:i.Tr8t5 deze
Br. . hin, tuot diz (es M2 deze Br2 hin, b(s diz fehlt Br11~.Ma.i,) enwec!'(tuo:t 2bis enwecl' .fehlt Br1;tu)~.

4,
lntravit Iesus in templum

enwec!' Wa~ umbe was Jesus uzwerfende, die da kouften und verkouften
:und hiez die h:in tuon, die .da haten tuben? 1 Er enmeinte anders niht; wän
daz er den tempel wolte ledfö han, rehte als ob er sprreche: ich han reht ze
disem tempel und wil aleii:i,e °'&r inne sin und herschaft dar inne han. W az ist
daz gesprochen? Dirre temp.el, da got inne hersehen wil gewalticlfohe nach 5
sinein willen, daz ist des mell,sche:µ sele 2, die er so rehte glich nach im selber
so gebildet ·und geschaffen hat, als wir lesen, daz unser herre sprach: 'machen.
·. wir den menschen nach unserm bilde und ze unser glichnisse.' Und daz hat er
ouch getan. Als· glich hat er . des menschen sele gemachet im $elber, daz in
himelriche noch in ertriche von allen herliehen creäluren, diu got so wü:~mic- 10
. ? f. Gen. 1,26
War umbt was Jesus uzwerfende, die da kouffen u:qd verkouften und hiez die (hiesz ene M2
hiet den genen Br, hiess es jn Bras) hin tuon, die dä haten tuhen? Er enmeinte (die da haten bis
wan dazfehlt M., abgeglitten/ Er bis niht, fehlt Bras)ß,Br,] enweg War vnih was jhs vsz werffende
He meynde Wi hinnen. vmb waz jhs vss wurfe ,die da k6fftent vnd verk6fftent vnd hiesse ene hißn
tun die da tuben hetten vnd so getan·ding Er maincit Bo hin!' (hinweg 'J)T KT) Er enmeiiide Pfa
2 wan bis 3 han1,] Vnd wolt den temp~i ledig haben Bra8 er wolt den tempel ledig haben M,
sunder er wolte .den t. l. h. ßo· 3 daz fehlt B,Tr tempel fehlt B,Tr. sprreclie: aWi]
spreclien (spr/hh Bra,) wolte: ß icli hän' bis 4 hän.] icli wil den tempel ledig him wa;n icli haii reclit
zu dem teinpel vnd wil allain 'daz er mine sin. B9 4 sin fehlt Bta, vnd allein darinn herrschafft
haben. BT KT dar inne• fehlt Wi hän. fehlt Bra, 4 Waz ist bis 5 gewalticliclie] Wer
ist nun diser tempel da gott herrschafft gewaltigklicli wil inn haben BT KT 4 W az] Wie ß,
5. daz] diz a2BaBr, Dirre l wan diser B0 dan der Wi Der ß,M, da got inne (inne fehlt M2
dar jnne jhesus Ba) hersclien wil gewalticliclie St,B11BraaMoB0 da got inne (dz got selber jn Mai,)
Mrsclien (hetsdiat, Bra2) wil gewalticliche ß, da got inne herscliaft wil gewalticliche han B,Tr do
got gewalteclicli wil herscliaft ymie haben StG da gott herrscliafft gewaltigklicli wil in:n haben
BT KT dli.er god herscap in hebhen wilt Br, da jhs in herre .wille syn geweldeclich Wi 6 daz
ist] ez ist ß,BoWi rehte bis ? hat,] reclite te sijnder gelikennessen geheelt heeft na hem ende
gescapen Br, 6 nacli fehlt Ba ? gebildet und gescliaffen] geschaffen vnd geinacliet ß 9
wir lesen] mit lesen ßg w. lezen in gehisi Br, gesclirieben steet Wi · daz 'unser bis 9 getan.
fehlt Wi ? unser herre] got BTKTBra8 Lassent vns maclien BTKT 8 den mensclien] ·
disen m. Bras einen m. M2B9Me, bilde fehlt Bra, vnd 6cli.zü Bu ze unser fehlt BT KT
ze] nacli Ba gliclinisse] glicli ß2 Und daz (disz BT KT) ßBT KTDaz Pfa1 er aB9Wi]got fJ,Br,
9 Als] vnd also BT KT Als glicli bis selber,] God heeft des mensclien siele alzo gelic hem ge-·
maectBrg desJ den Bra2 . geril.adiet (gemacliet fehlt M2) im ß,BaWi gemachet nacli im'Pfa:
10 ertriclie bis 6,List als] ertriclie ilihtes (nihfes fehlt M2) niht enist von allen herliehen creaturen:
(allen den h. er. Braa), die got so wünnicliclie gescliaffen (bescliaffen M,), hat (got ·geschaffen hett
so wunnenklidien Bras), keiniu ist· (eri'ist nindert. keiniu. BrasMo), diu im als (also Bras so M,)
glicli si als ß, ertricli v~n allen h~:rlichen Greaturen die got so wunderlicli geschuff ist enkain got
so gelicli als B9 eerterike van allen , dten wunncliliken creaturen die god so eerliken gescapen
heeft negeen .creature , en , es die gode alsoe gelic es als Br, ertriclie van" allen den· herliclien
creaturen d~e god ye so wonderlich gescliuff ist gode, keyne so gli'cli als Wi, ertriclie gote niht
sö, glicli enist sö Pfa. erden das im 'got als ghdcli hab pesch.affen als Mei
"Der Fragesatz fehlt bei Pf. urid i;,_. a: Es l~uditet libet ohn:e weiteres ein, da/! der f oigende Sittz;
Er enmeinfe usw. die Antwort auf eine Frage sein mu/!, die vo'rher gestellt rourde und die in der ·
a-Gruppe (lusgefallen ist. Derübergahg vom bloßen Zitat des Bibeltextes zurE;icegese is(bei Pf. und
S'einer Geroäh,:sgruppe· abrupt. ~ Vgl. Serm. XXIV n. 249: Domus mea·. Nota priino quod domu.s
tief est ipsal esseritia änimae cui solus deus illabitri'r et ipse nudus. ibid: n. 234: Sequitur de·
d~o quae esf fi:delis ahi~a: Pf. S; :1?0;6 f., Tau' l e-r S. 61,'J ff.; 392,22 ff,
: Pr,edigt 1 ·

!ich $es,chaffen hat, keiniu ist, ·diu. im .als gli~ ist. als des mens,chen 's.ele aleiA~.
He! umbe w~l got disen tempel ledic han, daz ouch , niht :i;Ii.e d_ar inne .·l!!i s5
dan er aleine 1. Daz ist dar umbe,. daz im dirre tempel ·f1Ö wolgevellet, :wa:ri
·-er· im alsö rehte glich istund iiu
,selber 2 also wol behaget in' disem te;mpel.
5 swen:iie er aleine dar. inne ist.. . . . ·, · . ,'
Eya, nu merket! Wer waren .die liute, die da kou{ten u:;nd v:erkouften, und
wer sint .sie noch? Nu merket mich vil rehte .! 1.ch wil nu .zemale riiht p_redigen,
dan von guoten liU:ten. Nochdenne wil_ ich ze disem male bewisen, welhe:z die 84,5

koufliute da Wären und noch sint, ..die alsö kauften und verkouften und noch
10 tuont, .die um;er ,herre u_zsluoc _und uzt_rejp .. Und. daz tuot f;lr Iioc4 allen den,
die_ da koufent und verkoufent in disem tempel: der enwil er etnen _e~;nigen
1 alei:ne. fehlt BtoB,T KT Mo 2 Her uniQe bis 3 Daz ist fehlt Bhi · 2 vnd dz Mai 1 das er
,oum St5 . niht me] nieman B9 me f ehltBra~ 3 dar fehlt Wi da~ umbe] 'nur d. M, vmb nimtes·
mer denne Bra3 niener. vmb won B0 v:inb das Br, - daz· im] wan i.m ß2 dirre l der StraMaiiM~.Wi
so rehte wol Pfa dar umbe bis geveHet,] Ende d<omnie Iieualfhem desen fo:inpel alzo wel Br,
3 gevellet bis 6 merket!] behagt vnd jm als glim ist. Eya nvn merkent Bo . 3 wan] vnd Wi .
4 rehte fehlt ßWi und bis 6 merket!] ende om 'datti hem selue alzo wel behaegt als hi in desen
tempel alleene- es so es al sijn spel in desem tempel der sielen alleene te sfüe Ay nv nierct Br2
4 und im bis tempel, a] 'und er im selber (selber fehlt ßo) also wol gevellet in disem (dem Mai1) tem-
pel Brasß2Wi und im bis 5 ist.] daz er alaih dar jnn wil sein M, ge;ellet BT KT 6 Eyä fehlt Pfa
Wer] waz Wiß,Bo wie M,BTb KT die liute, fehlt Br, dä fehlt TrWi 7 sie]. die Bo .nom?] odt
Stt8 auch Mai 1 Ni1] Sehet, ni1 ß, Ni1 merket bis' rehte 1] merct dat wel B~. ntlch bis 9 sint,
fehlt Be 7 vil fehlt BT KT remt wa:nt im Wi .ni1 zemäle] ni1 ze disem mäle·.ß1Br2 ·nu nyt zu
male Wi ni1 bis 8 liuteri.] ni1 (nu] eum M,) zemäle niht sagen von guofon (von den guoten St,B,BnStG;
in Trist zwischen von und guoten de ausradiert und vor von über der Zeile von and. Hand dan nach-
getragen,) liuten. cti: nüt zemal sagen (nun zemal [zemal fehlt KT] a:Ilein sagen BTb KT) von den
guten leüten BT KT 7 predigen] spreken Br~ '8 liuten. bis 10 den,] leüten die also kaufften
vnnd verkaufften die vnser herr auszschlüg vnd ausztreib. (vnd wil · diszmal von groben sundern
sweigen die wissentlim in todt sunden sein) vnnd dz thut er noch allen den KT 8 Nomdenne]
aum M2 vnd dannom BT nam dem Mai1 im ze J im iu ze ß, im oum zü Braa im n:u zü (mole) Bu
wil im bis bewisen,] wil im um. bewysen Wi willic V dat bewizen Br.· welhez] wer BraaSt;,Tr
fehlt ·wi 9 dä fehlt St~Str8 dä wären bis 10 tuont, fehlt Wi 9 nom1 fehlt M2 die also bis 10
i:uont, fehlt Br, 9 kauften] koufent Bra,Bras verkauften (vel'.koffent Bra 8 verkoffent Bra_2 -ver-
koffent B 9) und nom tuont (nom laider tund Braa), die (die bis 11 tempel: fehlt Bo) ß1Bo verkouften
(Jierkofent St.), die Pfa . 10 h. dä i1zsluöc ß. vs:z drybet vnd VSZ slehet Wi u:µd i1ztreip.
Und' fehlt Bra, Und daz bis 7,1 iäzen. fehlt Wi 10 Und fehlt ß2 tuot fehltB4Tr allen
den, die aBra8 J Alle die ß.M.Br2 allen bis 11 teinpel:] AÜe die in deze tempel coopen ende
v<coopen Br, · 11 kouften und verkauften StraMai1 disem] dem M2 einen einigen] erikainen
Bo eennen Br2 einen fehlt KT er bis 7,1 läzen.] er inen ain airiiges dinge nit lassen Bra3

1 2f. = Pf. S. 408,22/23. Der Traktat Pf. Nr. 3 enthält Pf. S. 408,20-409,19 Exzerpte aus unseret

Predigt, .cJ,ie Pa h n k e. Kl. B. S .. 4 im Einz. nachgewiesen hat. Der Wortlaut des Traktattextes stimmt
im ganzen mit dem Predigttext der Hs. Me1 überein (ugl ..Quint S. 84 u. 103 f.). _. Das Subjekt zu
Z. 4 behaget ist wohl ,,Gott" und aus den beiden uoraufgehenden Dativen im zu entnehmen. Die
Texte Br,, Braa, Wi und ß2 hdben und er im (ende om.datti hem Br,), Übersetzung VOii, z.'1-,-5:
,,Das. ist deshalb, roeil ihm dieser Tempel so wohlgefällt, denn er ist ihm so recht gleich l!,nd e,r(scil.
Gott) gefällt sich so .wohl in diesem Tempel, wenn er allein darin ist." Schulz e:M a i zi e rs 2 über,
set,ung (S. 232) is_t falsch: ,, Und das ist der Grund, warum· i.hm dieser Tempel so recht wohlgefällt, wenn
er ihm so're'mi gemiiP ist,- roarµm es ihm so roohl behagt in diesem Tempel, wenn er allein darin ist."
' , , , ·• • ,,,.;·~~ ,,:.;- ,, ;·~· •' ..... ~·:·:--~ ... , •' ., .. - •.••••,, ••• , • • , . . . . . . . c. . . . . . , . · ' ·~ --~ ~
Intravit lesus in templum

10 dar inne niht lazen. Sehet, diz sirrt allez koufliute, die sich hüetent vor groben
sünden und wreren gerne guote liu.te und tuont ir guoten werk gote ze eren,
als vasten, wachen, beten und swaz des ist, aller hantle guotiu werk, und tuont
sie doch dar umbe, daz in unser heue etwaz dar umbe gebe, ode:r daz in got
rn iht dar umbe tuo, daz in liep · si: diz sirrt allez koufliute 1• Daz ist grop ze 5
veistanne, wan sie wellent daz eine umbe ,daz andcr geben und wellent als&
koufen mit unserm herren. An disem koufe sint sie betrogen 2• Wau allez, daz
sie haut und allez, daz sie vermügen ze würkenne, greben sie daz allez durch got,
daz sie haut, und würhten sich zemale uz durch got, dar umbe enwrere in got
20 nihtes niht schuldic ze gebenne noch ze tuonne,· er enwolte ez denne gerne 10
vergebene tuon 3• Wau 'daz sie sint, daz sirrt sie von gote, und daz sie haut,

1 dar inne niht läzen.J nit darjnn beleihen M, Sehent lieben kinder disz BT KT alle M,
hüetent] hietfen Sirs hietteri Mai,· groben] grossen Bu 2 und ir (i:r] diu Wiß,) guoten werk tuont
(tunt si Bo) ß,BoWi ir fehlt Br2 guoten] goede Br, grössen Bu fehlt BT KT gote ze eren aB.Wi
gode teender eren Br, fehlt ß, 3 als fehlt Wi ß,B9 wachen, fehlt ß2 wachet vnd bedent Wi
swaz des] des gelijcs wat. dat Br2 swaz fehlt Bras swaz des ist, fehlt B9 des] daz WiBu guoter
werke B11 Bra2Bra 8 4 sie] sich B4 sy(aus sich korrigiert) Tr doch fehlt Wi · in1 fehlt St0 Mai,
unser herre J got WiBr2B0 unser herre got Bra.M, here doch ettewas B11 etwaz dar umbe]
dar umbe iht Bra2Str. dar vmb (s)ich Mai, yet d< vore Br2 iht BrasM2 4 daz in 2 bis 5 umbe
fehlt Wi BT KT 4 daz in got fehlt Br2B9 5 iht] etwaz ß1 B9 ye Br2 daz in liep si:] dat zi
gerne hadden ofte daer hem lief toe ware Br, si :. diz] sey vnd süechen sich selbs in allen dingen
Dysz KT daz 1 ] . doe das Wi diz] daz Bras allez fehlt StaM2 koufliute.J koffer Bra,
Daz] ende dit Br, grop J gut B11 ront Br2 5f. ze verstänne,fehlt Bra 3 M2 6 wan wir wellint
ains vmb. Bra. daz 1 fehlt B.Tr umbe J vnd B9 alsö fehlt Bra 3 ? koufen bis herren.] met
gode coop:uianscapen Br2 unserm herren.] got Bo herren.] h,re got Bra. An bis betrogen. ß]
unde werdent (vnd die werdent St.) an dem koufe betrogen. Pfa , ?ff. Wan allez, daz sie hänt
und allez, daz sie (allez, daz sie fehlt Bra,) vermügen ze würkenne (zü wunschent Bra.), greben sie
daz allez (allez daz BrasM2) durch got, daz sie hänt,. und wurhten (fürchten M2 würchtent Bras),sich
zemäle uz .durch got (zemal &eh· durch got Bra. il.z durch got ·fehlt M2), dar umbe ß, ] won alles daz
su habent vnd daz s11 mugent gewurkenne gäbint si daz alles durch got vnd weierchten (!) sych
zemal vss darumb B9 wann so sy als das sy haben oder vermügen durch gots willen gäben dar
vmb Me, Geben sy alles das sy .hant durch god vnd wyrckten sich zU: male vsz dar vmb. (? W an
allez. bis 8 würkenne, fehlt) Wi wan allez, daz sie habent unde vermügenf ze würkende, daz
gebent (habent BTb KT) sie allez durch (von BTb KT) got, daz sie sich zemäle il.z würketen
(wurckent B11Sta) durch got (daz sie bis got felilt BT KT, Homöoteleuton!). Dar umbe Pfa , W ari
bis 11 tuon.] want alle. dat zi hehben ende alle dat zi goets conrten gewerken ende alle dat sij
goets vermogen te doene het zij vterlic ofte i:imerlic dat zijn si sculdich te werckene. Ende al w<t
mogelic dat zij alle dat de werelt beuaen heeft om gode gauen. Ende dat si alle de duegdelike
wercken die gedaen sijn ende sullen werden van allen menschen vaJL den beginne der werelt
toten eynde der werelt alleene wrachten om gods wille / Nochtan enware hem god niets. niet
sculdich daer voi:re te cfoene / ofte yet omme te gheuene hij en wout doen te vergheefs van
zijnder groeter .goedertirenheit. Br2 got.2] gottes Mai 1 9f. got zemäle nihtes niht BrasM2
10 noch ze tuon:o.e, fehU WiBo er] es Bo enwelle Pf 10f. geren vnd vergeben tun Bo gern
tun ze vergebentz Str3 11 daz 1 ] waz Tr · sie• fehlt Bras (Seitenwemsel !) sy ie von Bra2
und daz bis 8,1 von gote fehlt B9a. (H,omöoteleuton!) und daz] ende alle dat Br2 ·
1 Zu Z. 1-S, 8,? vgl.Pf. S.66,5ff.; ?0,16ff.; 58,8ff.;136,15tf.; 14?,18ff./28tf.; j??,9ff.; 189,16ff.; Taule r

S.'?6,2'Jff . ; 'J92;2?ff.; 'J9'J,12ff. 2 V gl.Pf.S. 289,'J'Jff. 3 Z. '?-11: vgl.Quint S.106. Obersetzung der
Stelle: ,,Denn, wenn sie alles; roas sie besitzen:, und alles, was liie zu wirken vermögen, ihren ganzen Be-
Predigt 1

d1:1,z haut sie von gote und niht von in selber. Dar umbe enist in got umbe
iriu werk und umbe ir geben nihtes Iliht sclmldic., er. enwellez denne genre
tu.on v9n sin,er gnade und niht muhe iriu werk noch umbe ir gabe, wan sie 2a
engebent von dem irn niht, sie enwürkent ouch von in s~lber nihti, als
5 Kristus selber sprichet: 'ane mich müget ir niht getuon.' Diz sint harte törehte
liute, die also koufen weHent. mit unserm herren; sie hekennent der warheit
kleine oder niht. Dar umbe sluoc sie unser herre ·uz dem tempel und treip
sie uz. Ez enmac niht bi einander gestan daz lieht und diu vinsternisse. Got. so
9-er ist diu warheit und ein lieht in im selber 2• Swenne denne got kumet in
10 dis,en tempel, sö vertribet er uz unbekantnisse, daz ist vinsternis('le; und offen-· _
5 loh. 15,5
. 1 und bis von] ende niets nieten hebben zij van Br2 vnd dar vmb Br~ Dar umbe bis
4selber niht, fehlt BD (Homöoteleuton/) · Dar umbe' bis 3 gäbe, wan fehlt Wi 2 iriu werk]ir
würken Braaltf2 hare ghiften Br. und] noch ß,Br.. er enwellez bis 3 gäbe, fehlt Br. 3 sinen
g;nad,en Str8 iriu werk]ir würken ß, geben Bra8 4 engebent auch van Wi von dem irn]
vo.n jt,em gut Bras ouch fehlt B,Tr von• S/2 van ( getilgt, darüber myt von ders. Hand) Wi mit
(darüber von and. Hand: von) B, mit TrStijB11Bra2 (nit) SirsMai,Bra 8M2Br2 ausz BT KT als] won BD
5 Kristus ß2BT KT unser herre Bra8M2Br2B9Wi got Pfai. selber fehlt BTKTBD sprichet:J sprach
ifli.BT KT Bra8 'äne bis getuon.'] svnder enmugend Bra2 ir niht] ir guotes niht Pfa, getuon.'
fehlt WiM2SirsMai,B9 Diz bis 7 niht. fehlt B9 5 Diz bis 6 sie J Ende daer omme zijnt h~de
~otte ende doerachtege Hede die alsoe coopmanscapen willen iegen gode ende zij Br. Dis ist ,ain
herti red dar vmb lügent die also kouffen wellint jn got. si Bra 3 5 harte] gar ß2Wi 6 liute,]
menschen BT KT koufen] verkoffen B 1, 7 kleine oder] gar wenig oder BT KT fehlt BrasM2
oder niht.J und als vil als niht ß2 ende recht als niet Br. vnd als mer als nyt Wi sluoc sie] dreif
sie Wi unser herre ß, WiB9 got PfaBr2 7 sluoc bis 8 uz.J slouchze ende dreefze god vten tempel
ßr2 7f. und treip sie uz. fehlt Bra2BraaM2Wi 8 enmag mit ainande;r nit. stan BD niht bi] mit
nihte mit ß, myt nyt myt Wi einander] een Br2 bestän ß, ( auf!er Bra8} stain B0 staen Br2 daz fehlt Br.
diu fehlt Br12 vinsternisse (duysternisse Br2). Got (vinsternusse won got B0 fynsternisse vnd goll
Wi} aB0Br2Wi vinsterm'rss vnbekantnust. der warhait das ist ain vinsternust vnd got Bra2 dünster-
nüsz (vinsternusz Mtli,) vnd bechantnüss der warhait (vnll ainliecht in im selber etc; der Vergleich
mit Bra2 zeigt, da/! der Scfireiber von Sir.Mai, vom ersten wärheit auf das zroeite abgeglitten ist.) Sirs
Mai, winsternusse vnd bekant11usse der warhait daz ist ain winsternusse vnd geit Braa vinsternüsz
der warhait daz ist ain trügnüsz wann· got M2 8 Ez bis 10 sö] wann Hecht vnd vinster mag pey
ein ~nd.er nicht pesten. wann got der dy warhait vnd ein_ Hecht in im selber ist wann der in den
tempel de,r sei chümbt so Me, 9 diu wärheit und ein lieht] ain liecht vnd ain warhait 80 een licht
ende de waerht Br2 ein] das BT KT 10 diesem Wi vertribet] tribet PfaB9Braa er fehlt Bra8
uz fehlt Wi ·unbekantiiisse, daz ist vinsternisse (dünstemüss Sirs tunkelnussi Bras duysternisse Wi
daz ist v. fehlt Bra2B0), ß,B0 die duysternesse. dat es die onbekennesse Br.2 unbekantnisse unde
vinsJernisse Pfa 10 SQ bis .offenbaret] so vertreibt ·er alle vinsterm1s vnd. offenbart Me;

.sitz, hingeben würden um Gottes roillen und sicfi um Gottes roilten ausroirkten, so roii.re ihnen Gott dafür
als Gegenleistung nicfits zu geben, nocfi a1.J,cfi zu roirken scfiuldig, es sei denn, er roollte es. freiroillig
iJnd umsonst tun." Schulze-:M.aizier•.(S.2'J'J).liat sirii, diese Übersetzung zu .eigen :gemacfit:
- 1 S. ?,?-oben Z. 4. vgl. Serm. XXV n. 256: Quiä igifor sine merito, gratis et pro. nihilo dat delis

n.
sua dona et gratiam... ; Serm.XLIII 4J1: Tertio gnitissiv.e gratuito. Gratus sive gratia .agensacci- .
pit, qui seit vel recognoscit se dona dei recipere gratis, id est pro nihilo. dupliciter, scilicet exparte
dei qui nihil sui_ intendit aut quaerit ex dQp.is sui~ et iterum ex parte sui ip_sius, id estpi:o nullo
Sll() merito. HinG est quod homo accipien,s.n.on, meruit nec meretur, s.ed nec mereri potest don,u111 dei.
2 V' gt Pf. ß. 25,2Jf. ;, 80,24; B'J,'Jtf;; 81,,?; 1-1?.,1?; Pa,:, an. S, 12?,19; vgl. aucfi unten; S,. J8,6f. ·

8
Intravit Iesus in· templum

baret sich selber mit liehte und mit. warheit. Denne sint die koufliute enwec,
95 1;1.ls diu warheit wirt bekani, und diu: warheit begert de.keiner koufmanschaft.
Got ensuochet des sinen niht; in allen sinen werken ist er ledic und vri und
würket eie uz rehter minne. Also tuot ouch dirre mensche, der mit gote ver-
einet ist; der stat ouch ledic und vri in allen sinen werken und würket sie 5
40 aleine gote ze eren und ensuochet des sinen niht, und got der würket ez in im.
Ich spriche noch me: alle die wile der mensche ihtes iht suochet in allen
sinen werken vo'n allem dem, daz got gegeben mac oder geben wil, so ist er
clisen koufliuten glich 1• Wiltu koufmanschaft zemale iedic sin, also daz dich
got in disem tempel laze, so soltu allez, daz du vermaht in allen dinen werken, 10
s5,~ daz sol'tu luterliche tuon gote ze einem lobe und solt des also. ledic stan~ als daz
niht ledic ist, daz noch hie noch da enist 2 • Du ensolt nihtes niht dar mnbe
1 m. der w. Bra, · 2 als Jwai:1 Wi als bis koufmanschaft.] Bekantm':tsse vnd witrhait die engebend
enkainen koffmanschaz Bo und. diu wärheit bis koufmanschaft.] ende dan enbegeert men geender
coepmanscap. Br. und] wan Braa Wi wärheit 2fehlt ßiWi keyner über d. Zeile Wi dekeines kouf~
manschatzes St,B11B4Tr keines koufmannes schatz St;, 3 Grit bis 4minne.JGot der (der fehlt M2)
würket alliu siniu werk uz rehter minne. Bra8M2 3 sinen•J guoten Str3 Mai1 ist er] Es ist St. er
ist ß2Br2 jind würket sie]· ende hi w~ct sijn werc Br. 4 uz ßWiMe1 von !½ BT KT in PfSt2 B11
dirre] der Str,Mai1M2Me1Wi der] so er Braa 5 ist; aBr, wirtß1B9 Wi der] vnd Wi stät bis vri
in] steet des wercs oec ledich ende vri fo Br. ledic und fehlt M, sinen fehlt B9 werken und]
wercken Ist er lidig vnd fri vnd B11 und würket bis 6 eren fehlt B 9 Wi 5f. sie aleine 8;Br~Me1 sie
von minne (von [in B1i] rehter minne B4Tr.Br11) und (urid fehlt BT K'I:J äne warumbe, aleine (aleine
fehlt Bi1 waruffi das ist on eigen ansehen allein BT KT) Pfa 6 ze eren] ze einer ere ß1Br2 daz
seine M, niht, Ul).d (wan B9) ß niht dar inne, unde Pfa ensuochet] ersuchet Wi in im.] in in.
St,BliSt5 in jm selber Bra, 7 noch] och ß,Bo auch M, fehlt Pfa me :] weiter BT KT alle fehlt
ßWi der mensche bis iht] der (das er KT) etwas BT KT 8 werken von ß1B9WiBi·, werken oder
ihf (etwas BT KT) begert von (in BT KT) Pfa 7 in allen bis 8dem, fehlt Me1 8 allen den dy (auf
d. Rand v. and. Hand: dä:z) Tr oder B11ß1Br,Wi. vnc;I Bo oder noch PfSi,!½ BT KT geben fehlt M 2
9 Wilt~]wjlt.a:ber du Bra3 Wildi· dan der coopmariscap Br. Wiltu solich.(solicher KT) kouffman-
schafft BT KT koufmanscha tz a,St,BoPi kofmanscha tzes B11 ·sin,] werden St„ stän Bra.str. also
daz dich (dat v Br,) got in disem (disen Bo desen Br. dem BraaM2) tempel lä:ze (läze in disem [disen
• Bra,] tempel Bra.Str8 Mai1) ßWiB1P, also das in got von seim tempel, nicht aws treib Me1fehlt Pfa
10 soltu allez ß1B9B1P, Wi soltu tuon allez PfaBr. in allen dinen werken, ß1B9Br2 Wi mit allen (allen
fehlt BT K'l') guoten werken, Pfa fehlt B1 P1 11 daz soltu aiß,Braa fehlt BT KTMeB1P1BoBr,Wi
luterliche :t alles Braa luterliche bis lobe aiß2] luterlicli.en vnd yme: zu e.ren doen vnd zu lobe Wi
luterlidl.e gote tuon ze einer ere und ze lobe (und ze lobe J vnd gelorie B1) B1P1 got luterlich tun ze
eren vnd ze lobe B9 1. doen ·gode tot eender eeren ende te loue Br. läuteriich gott zu einem lob
BT KT 10 so soltu bis 11 lobe J so tue vnd würch als das er vermag zw dem leih gots Me1 11 solt
fehltß2B4TrB11 des]ditz Bo also] alles also ß,Bo alles aBras Uf. als: daz nihHedic ist (ledic
ist, fehlt B1Pi) daz noch (daz fehlt Br. noch fehlt'BiP1 ) hie noch da (hin nach da Bra/her noch dar Wi)
en-ist. ß (auflerM2)Wi.. al~ do, (so Pf} dil nfüt enwrere. Pfai als do nütinwere BT also ob du·es nüt
enweres KT (ledig sein) das er nichts weder hie noch dort (wider got peger) Me1 fehlt M.

•- 1 Zu Z. 'J-9. vgl. Pf. S; 54/29(. ;58,Bff;; 55,'JBff,_; 1'36,15ff_i; 1??,14f,; 202,25ff.; 259,2'Jff_.; RdU S; J6,6ff,,

(5?0,2?ff .); Ser,n. XXXI n.J22: Debemus enim. solum deum intendere .... nihil mei sive meum...
sicut .et deus nihil sui, sed nosham utilitatem intendit. Serm. XXI1{ n. 246.: Debet igitu·r .anima
exuere (se). opinibus, ut nuda nudum: qurerat. deum, nihil alfo.d. in ipso. Ard,,; II; S. 599;12:ff.
• Z.. 11 alB'-'-12 eJ1is.t habe .ich. hier ·gestützt auf die, ß•Gruppe in den Text gesetzt,. während· ich
mich in m~inen ;,Mystikert.exten" für .d~n Text der. a-Gruppe entschied .und mi.t .ihr den .Pfeiffep

9
Predigt 1

begern. Swenne du also würkest, so sirrt diniu werk g~istlich und götlich; und
denne sirrt die koufliute uz dem tempel getriben alzemale, und got der ist aleine
. dar inne, wan der mensche niht wan got meinet .. Sehet, alsus ist dirre tempel 10

ledic von allen koufliuten. Sehet, der mensche, der sich noch niht enmeinet dan
5 aleine got und die ere gotes 1, der ist gewrerliche vri urid ledic aller koufman~
schaft in allen sirren werken und ensuochet des sirren niht, als got ledic ist in
allen sirren werken und vri und ensuochet des sirren niht2..
Ich hau ouch me gesprochen, daz unser herre sprach ze deh liuten, die da 15

füben veile haten: 'tuot diz enwec, tuot diz hin!' Die liute entreip er niht uz

1 Swenne du ß1B9B1P1 WiTr BT KT ende merct wanneer du Br2 wan so du PfSt2B11Sf5B4 geist-
lich und götlich,] goet ende godlic Br2 göfüch vnd gaistlich Bra, und götlich, fehlt B11 und 2 fehlt ß1
2 die koufliute bis alzemäle,] deze coopliede altemale vute gedreuen vt dezen tempel Br2 die]
diese Wi dem] disem ß2Br2Wi dem tempel fehlt M2 3 niht wan (denn B11 den Mai1 dan
M2Br2 nichts anders dann BT KT) got meinet. St2B11 BT KT Bra2St;sMai1Prf2Br2 a.nders (anders fehlt
Bra") niht meinet denne. got. BrasB1P1 nit anders ermanet den got B9 niht denne got aleine mei-
net B4Tr .nit denne got alleine minnet vnd meinet Sti; nyt anders dan yn /yn aus eyn) meynet Wi
Sehet, fehlt M2Bo WiB1P1 dirre aB0Br2B1P1 der ß1Wi · 4 ledic] frey BT KT fehlt a2 (In Tr
ist ledich v. and. Hand a. d. Rand namgetragen u. durm ein Verweisungszeimen als hinter kauffluten
[Z.6/ gehörig bezeimnet.) allen aß2 den BrasM2BoWi dezen Br2 fehlt B1P1 Sehet,] Sich Bra, Nu
merct Br2 vnd BT KT fehlt M2 sich noch] sich selber noch (noch fehlt Wi) B9 Wi fehlt M2Br2 sich
fehlt Bra, noch fehlt StoB4Tr BT KT der sich bis enmeinet] der alsus ledic ist, daz er niht enmeinet
B1P1 enmainet anders denn Bra, 5 aleine bis ere] aHain got oder allain die er Bra2 die
ere gotes,] sein ere BT KT gewrerlkhe bis koufmanschaft] warlich ledig vnd an alle köffman°
schafft Bra, aller] von aller TrB1P1 und ledic bis 6 ensuochetJ alle dier coopmanscap ende ledich
in allen zinen werck:en ende hi en s.uect Br2 5f. köfmanschatz St, cli.aufmanstacz (!) Mai1 'kofschaft
B9 6 und er ensuochet ß2Br2 ensüchent St5 als got .(also als got Str8 Mai 1 also daz got M2)
ledic ist in allen sinen werken und vri (got ledig vnd fry ist in allen sinen werken Bra") und
ensuochet des sinen niht. Str.Mai1Bra,M2 fehlt PfaB9Br2B1P1Bra2Wi (Homöoteleuton!) 8 Ich
hän bis 11,5 werken] Nun merck:e.nt noch ein höhern grad / den vn:s disz ewangelium anzeygt
von den menschen d1e ir weick: in solcher lautrer meinung thund vnd doch zu dem. nehsten zu-
kommen verhindert werden / also das sy noch etwas gewerbs vnnd wechsels treiben mit_ den
creaturen / vergleicht (creaturenn / vnnd sein vergleichtt KT) den .wechszlern vnd die dauben
veil hatten / deren b/l.nck: v:nd stül der herr vmkart. Wann wiewol solcher gewer,b in guter
nieinung von etlichen angesehen was von ersten / so was er doch vnzimlich / vnd zu grossem
miszbrauch der geitikeit darnach gezogen / mer dann zu gottes dienst. Also geschieht auch
disen leüten / wann wiewol sy ein gute meinung hand / vnnd thund ir werck: lauterlich durch
got / vnd suchen das ir nit daran nit desterminder thund sy dise werck: mit eigenschafft /mit
zeyt / vnd mH zai / mit vor vnd nach (zal / mit bildung vnnd anhaften vonn vor vnnd nach KT). In
disen dingen BT KT 8 ouch me] voiren Br2 es öch me B9 8f. gesprochen, daz (daz fehlt ß,)
unser herre sprach ze den Iiuten, die dä (dä fehlt Br2) tuben veile (veile fehlt Br2) häten (häten veile
ß2M2) ß1Br2ai gesprochen von den Iiuten, die dä häten tuben veile, ze den sprach er (er fehlt B9)
B0B1P1 Wi 9 'tuot diz enwec, fehlt Bra3 diz 1 ] ez B9 B1 deze Br2 · tuot diz hin!' fehlt Bra2Wi
diz 2] dyse M2 deze Br2 es B9 P1 tuot• bis 11,1 enwec !' steht in Sto zweimal im Text; das erste Mal durm
Durmsireimen getilgt. 9 Die] Deze Br2 Die bis 11,1 sere:] die lut straffet er sere Bra3

smen Text .korrigierte. Beide Textfassungen ergeben einen im Zusammenhang guten Sinn und
können ursprünglim sein. Zum Text von a vgl. Pf. S. 25,2; 43,2; Tau l er S. 393,22f. ·
1 Übersetzung: ,,Seht, der Merism, der es weder auf.sim nom auf irgend etwas aufler auf Gott

und G<Jttes Ehre abgesehen hat, ... " Vgl. RdU 6,29ff.; 10,8ff. (Pf.S.544,33-ff.; 54?,32ff .) .2 Wie aus dem

10
Intravit Iesus in templum

noch ensträfte sie niht sere; sunder er sprach ga:r güetliche: 'tuot diz enwec!'
als ob er sprechen wolte: diz enist niht bcese, und doch bringet ez hindernisse
20 in der hltern wärheit. Dise liute daz sint alle guote liute, die iriu werk tuont
luterliche durch got und ensuochent des irn niht dar an und t1,1önt sie' doch
mit eigenschaft 1, mit zit und mit zal, mit vor und mit nach. In disen werken 5
sirrt sie gehindert der aller b,esten warheit, daz s.ie solten vri und ledic sin,
25 als unser herre Jesus Kristus Vri und ledic ist und enpf rehet sich alle zit niuwe
äne underläz und äne zit von sinem himelischen vater und ist sich in dem
selben nu äne underläz wider ingeberrn;le volkomenliche mit dankbrerer,n lobe
in die veterliche hocheit in einer glicher wirdicheit 2• Also solte der mensche 10
s,tän, der der aller hcehsten warheit wolte enpfenclich werden und dar. inne

1 noch] vnd B11 noch bis sere ;] noch hij ensloechse nit zere Br2 sie niht] sie ouc:h. niht
WiB1P1 sere; l herticliche B1P1 sunder (maer Br2) er sprach gar (gar fehlt B0Br2B1P1 Wi) güetliche
(soetelijc Br2 · g-/Henklich vnd tugencklich Bra") ßWi er sprach aber vil güetliche Pfa1 diz] deze Br2
enwec !' a1ß2B0WiBr2Bras hin!' Pf B1P1M2 2 als ob bis wolte: fehlt M2 als] rehte als (als fehlt
St2B11) Pf a, ' sprechen wolte; diz] sprreche: diz B,Tr sprech disz Wi spräch wolk (!) dis Bras sprädii
wölti dis B9 spräch wärlich dis Bra2 diz bis 3 warhdt.] deze enzijn niet quaet Maer doch maken si
hindernesse der luyterer waerht Br2 2 und]mer B1P1B9WiBr2 fehlt Pfa1 dodrhringetezJ,ez
bringet doch B1P1B0 ez hindernisse] ez ein h. PfSt. es dir h. Bras es in h. B11 3 lutern fehlt M2
in der luter.n bis sint alle] in der warhait lütern (lütern durchgestrichen) Wer sind disz läute das
sind alle Sfra jn der warhait laüttern wer sind. disz lutte dz sind alle Mai 1 in der warhait
lutteren wersind dis lut das sind alle Bra2 Dise Hute. fehlt B1P1B9 WiBra 3 daz] die Bra 8 fehlt M2 .
alle J allez Pf fehlt a,Br2 4 luterliche tuont Pfa2St2Bras hlterliche fehlt Str.Mai1 3 tuont
bis 4 got] hlterliche gote tuont ze einer ere B1P1 4 durch got] gote ze einer ere B9(B1P1)
gode zu eren Wi durch gotz willen Bra, niht] von nicht Bras und tuont sie.doch mit] maer sy
doen ze met Br2 tuont] suchent St6 doch] do M2 5 zit] zil St6 und mit zal,] met.getale Br2
mit vor bis nach] mit form vnd mit natur M2 , und 2 fehlt Br2 dingen BT 6 sie 1 ] die Mai 1 aller
besten ]alder naester Br2 aller besten vnd (besten vnd.fehlt K'.f nechsten BTKT warheit, bis 7 alle
zit] warheit wer fri vnd lidig ist enpfahet sich alle zit St6 6 daz] da WiB1P1 Dan KT want Br2
und fehlt B1 sin, als] sich halten aller zufel von liebe vnnd leitt Als. KT 7 unser hene Jesus
fehlt ß2 Jesus Kristus fehlt M2 xps selue vri Br2 enpfrehet] enpfingen:t B11 enpfienge BT KT
enphetiget (?) M2 ist] haitK1' sich fehlt BT KT niuwe bis 8 vater]niuwe von sinem (vii seine
Mai1) vater, äne lJ-nderlaz und sunder zit ß2 7 niuwe] nie wan M 2 8 und1 fehlt Pi und äne
zit]über zit Bra,M2 sunder z. B1P1 sunder (!) B0 sich fehlt B,Tr und ist .bis. 9 volkomenliche]
un(i ist sich alle zi.t wider ingebernde äne underläz volkomenliche B1 P, 8 in fehlt B11 9 nil]
nu}V"e B,Tr miw Sirs (, .w von a.nd. Hand i') äne underläz fehlt St6 ingebernde] in gebende St6 irige•
bende BT weder vffgetragenn KT geberende B9 volkomenliche] wolcunt (?) innenklich Bras
danchareghen loue d, vaderlik, Br2 10 in 1 fehlt ß2Wi veterlidte] warlichen Sirs wädichen Mai1
höcheHJ hochczeit M2 .in2 bis wirdicheit fehlt KT in 2 ] mit B1 P 1 Br2 glicher] göttliche:r.B9
wirdicheit] danckberheit vnd wyrdekeit Wi Aldus siet soude Br2 11 der de.r bis 12J lebende
fehlt B1P1 ein der fehlt B0 11 wolle Wi enpfenclich] empfintlich BT.KT enpfolhen Bras
werden] sin ß2 dnr inne fehlt KT

Variantenapparat ersichtlich. ist, stehtZ. 6 als got-niht. nur in der ß,.-Gruppe und konnte, inhaltlich
entbehrlich, sekundärer Zusatz sein; doch halte idi es für roahrscheinlidier, da/l die ubrigen Hss. das
Stück infolge von Homöoteleuton verloren haben, und zroar roohl schon der Archetyp der a-Gruppe,
Vgl. Quint S.10?.
1 Vgl. S.12,1; 25,8; 28,8; 26Anm.1; Tauler S.184,2'3-{f.; 192,9-{f.; '369,28-/f. ~Ygl. s. 2?,11.
Predigt 1

lebende ane vor und ane nach 1 und ane hindernisse aller der werke tind ao
aller der bilde, diu er ie verstuont, ledic. und vri in disem ml niuwe enpfahende
götliche gabe und die wider ingebernde ane hindernisse in disem selben
liehte mit dankbrerem lobe in unserm herren Jesu Kristö. Sö wreren die tuben
5 enwec, daz ist hiridernisse und eigenschaft aller der werke, diu nochdenne 35

guot sint, dar inne der mensche des sinen niht ensuochet. Dar· umbe sprach
unser herre wol güetliche: 'tuot diz hin, tuot diz enwec !' als ob er sprechen
wolte : .ez ist guot, doch bringet ez hindernisse.
Swenne dirre tempel alsus ledic wirt vön allen hindernissen, daz ist eigen-
10 schaft und unbekantheit, sö blicket er also scliöne und liuhtet also luter und. <10

klar über allez, daz got geschaffen hH, und durch allez, daz got geschaffen
hat, daz im nieman widerschinen mac dan der ungeschaffene got alei:µe. Und
1 lebende] leben WiB0BrasM2Br2<½ BT KT lebet Str8 Mai1 äne 1 fehlt Mai1 äne vor bis näd:t
und fehlt Str, ane hindernisse] sündernil.sz Strs werke bis 2 ledic] werke, dhi er ie verstuönt,
und aller der bilde ledic B1Pr 1f. und aller der bilde,fehlt Bo 2 aller fehlt Wi diu er f12B1
P1Wi sö (alsoe Br2) er aBoBro ie l hie Sto. fehlt St. verstuont] gestuonf B4Tr stont Br2 . vri m
disem l vri eer hij yet was in dezen Br, nu. fehlt Brao nu. bis enpfähende] nun sunder allein
empfahende BTIJ KT nuwen e-npfohende Sto niuen Nu enpfad:tt Bras nv ontfaende nuw'e Br, niuwe]
niewan M2 ruwen B 9 3 gäbe] genade darüber v. ders, Hd. gabe Tr ingeberende vnd vfftra-
gende in gott on KT äne hindernisse fehlt B1P1 disem] dem Mo selben fehlt St. 4 mit
dankbrerem (danknäme Bras dancbaregen Br,) lohe in a./J1Br2 fehlt BoB1PiWi Sö (Da B1Pi) wreren
a/J,M,B1P1B0Wi Siet dan weren Br. Si warent Bras die tu.ben] die tauben vnd das wediszlen BT KT
5 enwec,] ewenklid:t Bras aller der werke,] aller (aller fehlt P1) der dinge B1P1 fehlt Wi nod:t-
denne] denn Bras nodi dannod:t M2 dan nodi Wi 6 sint, dar J sijn ende daer Er2 inne fehlt Bro
niht fJ ihtes (ihtes'fehlt St5) iht Pfa1 etewaz BT KT niet in ensuect Br. ensuodiet.] ansüdit BT
setzet B4Tr Dar umbe bis 8 hindernisse.] Datumb wolt ~uch der herr nit zulassen das yemant kei-
nerley gesdiirr hin vnd här im (in BTIJKT) tempelvmbtrüg / als sant Mattheus sdireibt. Weld:tes
alles vff disen .sin sich zeüd:tt /daz sidi der geistlidi mensd:t so (so fehlt KT) gar ledig vnd frei
vnbekümmert halten müsz aller hindernüssen / die in seins nedisten irren (nedisten furgancks
jrren KT). BT KT 6 sprad:t] spridit Mo 'l unser herre] Kristus,B1P, herre wol güetlid:te :]
he;e te redite. goedertierlic Br, . wol fJ (außer Bro) gar PfSt2B11 fehlt a. 'l 'tuot diz hin fehlt WiB1
P1fJ2 diz1,"] deze Br, diz1] daz M2 hin bis 9 tempel] hin daz ist hindernuss vnd aigensd:tafft
aller der werk vnd nod:t denne gut sind dar inne der mensdie des sinen. nit südiet Wenn diser
tempel (Der Siiireiber ist, roie man sieht, infolge von Homöoteleuton zurückgeglitten.) Braa 'l als ob
bis 8 hindernisse. fehlt BraaM2Wi 'lf. spred:ten wolte:] sprredie B1Pi 8 wolte:] wolte aleine f]2
ez1J diz. B1P1 ez ist guot] al es dit goet Br2 ez ist bis hindernisse. las ist dis gut az bringet aber
dodi hindernusse das ist aigensdiaft vnd vnbekantnusse B 9 hindernisse.] hindernisse jn Br2
9 Swenne] So .nun BT KT und B1P1 W anneer siet dat dan Br. dirre] der Str.Mai1M2B1Pi alsus]
dis B 9 fehlt Bra.,. ledig aus lebendig Wi wirt] ist.B1P1WiB0Br;. von allen bis 10 unbekantheit;
fehlt B 9 (doch vgl. oben.zu Z. 8) von aller (allem Str8 Bra~) hindernisse f12M2WiBiP1 daz ist eigen-
schaft und unbekantheit] dat es van eygenscape ende van onbekennessen Br.,. fehlt StraMai1B1Pi
10 unbekantheit,] unbekantnisse Bra2 Bra3 M9 WiBr9 blicket aiB1P~Wi glanczet BTKT ·sdifaet,f].,.
blibet B0BrasM2 blijft Br, und liuhtet bis 11 klär fehlt B1P1 10f. lu.ter U:nd klär] scl10ne Wi
10 und" fehlt °'ißrs. 11 daz got ges~affen hat, fehlt Bro gesdiaffen hät,Jie gesdiu-0fB1P1- unq.
durch bis gesdiaffen hät, St2B11St5 Br2 fehlt {J1B1 P1B0WiBTKTB4Tr 12 daz]und daz B11 St, im]
in.Bra2B• . nie!Ilan] niht B1P1-. hn nieman]:ime daz ll'. B11 unhischaffene BrasM2 eingesmaffen Tr
12Und bis 14,2 gesdiaffen. fehlt Wi 1::'. Und bis 13,1 tempel ist] Im ist B11l:J1P1 · ·• 1_2'lYmffehlt JJ.r-t
1 Vgl. S. 25,9.

12
Intravit Iesus, i~ teinpfü.lli

bi rehter warheit, disem tempel ist ouch nieman glich dan der ungeschaffene ·
se,6 got aleiue.. Allez. daz under den engeln ist, daz glichet sich disem tempel nihtes
niht. :Die hrehsteil engel selbe die glichent disem tempel der edele'n sele etwie
vil und doch ni.ht alzemale. Daz sie. der sele glichent etlicher maze, daz ist
an bekantnisse und an: minne. Doch ist in zil, gesetzet; dar über enmügen sie 5
10 niht. Div. sele · mac wol vürbaz. Stüende ein sele glich dem obersten engel,
des mensctien, der noch lebete in der zit, der mensche möhte nochdenne in sinem
vrien ve;müge~me unzelliche hreher komen über den engel in,einem ieglichen
nu niuwe ane z,al, daz ist ane wise, und über die wi:se der engel uud aller
geschaffener vernunft 1. Und got der ist aleine vri und ungeschaffen und dar 10
1 bfrel;iter ,wärheit,] in, der rehten (rehten fehlt BT KT) warheifß1Br2 BT KT disem] Diser
Bra2Braa oudi fehit BTKT nieman] niement el Br,: nieman me glicl:i (gelicher Mai1) fJ,
2 aleine. A]lez] a, vnd der. vil .rain vnd a. M, daz under] beneden das KT den} der Bras
Allez bis 10 Und fehlt B1P1 2 daz glicl:iet sich (sicl:i fehlt' Br,) aBrasM,Br,] das ist engelschlich Bra.
das ist. englicl:is (Zroisdieh ·g und l, sowie zroisdien di und s ist v. and. Hand e übergesdirieben.) Str.
dz ist englicl:i Mai1 daz, glichet bis nihtes niht.] ich B9 disem] dem Mi tempel bis 5 :n;tinne.] tempel
nit dz ist der edlen selein aller wise sunder etwe uil vnd doch nit alle zemale. mer ain bekantnusse
vnd ain minne B; 3 selbe fehlt' Br, ,glichent sich d. BrasM, die bis tl)n:ipel] den gelidient
disen tempd Bra, disem] dem a, BT KT tempel bis 4 und l tempel in sulker wyze ende Br,
3 etwan Br1;1, et}Y'a BTKT. 4 Daz sie bis maze,] Dat zi desen tempel geliken in sulker wize Br,
das sy der gleiqieit an etlichen massen BT dä jrer gleicheit an etlicl:ren massen KT sie der J si sich
der Bras cier iiele J der edelen sele ß, sele 'fehlfSt.B11 gelicl:iet Bra, . etlicher mäze fehlt BrasM,
mäte]}Y'ise ß2 5 ant,2] in Bra 3 . Docl:ifehlt KT; ist fehlt a1BT in] ein KT .· yn eyn (ri. and. Hd·
über d. Zeile) Tr zil bis dar über]. een pael gesettet ende d; ouer Br, gesetzet;] beschaffen M,
ge\ichaffen Bras dar über] Dar un:ibe, a. dar über bis 6 vürbaz.] darüber sy nit mügen kommen
vnnd die seel mag wol fürbasz. BT darüber' sie nit mügen kommen vnd die seel mag wol fürbasz.
geen soe. la;nge sei in der zeitt ist KT 5f. sy nyt (dazroismen von and. Hd. auf d. Rand eingefügt:
vorhaz) Tr Diu sele] Maer die siele Br, wol fehlt Tr vürbaz] bat voirt Br, furbasser werden
Bra 8 Stü,ende ein sele glich dem (den Bra2 ) obersten engel, des menscl:ien (den obristen engeln der.
menscl:i M,),' der noch lebete (lebet, M2) in der zit, der menscl:ie ß,M, ain sel die sich gelichet dem
obresten eng11l der mensch Bras Wallt stonde de siele des menscl:ien die inder tijt noch leefde gelijc
den oue;rsten jngel die mensche Br, Stünde du Sl:)l gelich dem ob rosten engel der mensche Bo W an
stünd··ein sel (eins menschen · der nocl:i lebte in der zeyt) (Klammern in BT} ·gleycl:i dem obersten
engel./ der mensd1 BT KT wann so ein mensch hie in gnaden dem obristen engel yetzund gleich wär
(so möcht er).Me1 (Vgl. Pf. S. 408,:J?)] Stüende ein sele (eine dies. B4) gelich dem (den B11) obersten
,des menschen der. noch lebet (lebete St,B11 B4Tr) in der zit (des bis zif fehlt St,), der mensche Pfa1
7.. mensche n:iöhte fehlt Braa 8 vrien vermugenne (mügenne ß, vermüge B.,) a,zSt, BT KT ß,B0Br,
frumen Bra 3 früme M, frien willen vermugende B11 ; unzelliche hreher Bra,BoBr, vz salich h&cl:ier
Mai 1 vz salicl:i (darüber v. and. Hand: vnz) Str. unzelliche höhe PfM, hre}ler fehlt aMe1 unzelliche
bis engel}vnzälichen:.hoch vber den engel kommenlidien hocl:i vber d.en engel komen Bras Bf. in
einem ieglidien nfr niuwe (nu, niuwe] Nt1 nim Braa niuwe fehlt St5BTbKT) aß,Braa in ainem g&t-
lichen. nu ruwe B 9 in elken nv nuwe Br, jn ainikleichen nu niewan M,i 9 zal] getal Br, äne
wise]ein weisz BTbKT und 1 fehlt KT 'über fehlt B4Tr ,(In Trauf d. Rand v. a, Hd. namge-
tragen) 9L alle geschaffene (gescl:iaffner B9) v. fl,B 9 ald~· g. vernufteBr, tOUnd bisungeschaffen]
Got ist ungeschaffen Ulld vri B1P1 vrid ist got der.ist alain frey vnd vnbeschaffen M;i Und] won
B9 fehlt Br'l und8 fehlt B1P1

.i Vgl. Pf., S. 15~.20~25; 521,'J9ff,; 588,5ff~;. gegensätzlim: Pf.. S. 'J95,12 ff.; 'J9?,14ff; Zu:- z~ :;~10
v.gl. Pf. s;. 4D8/Jit~'J9,.
Predigt 1

umhe ister ir aleine glich nach der vriheit und niht nach der ringeschaffen- 15
heit, wan si ist geschaffen. Swemie diu sele kumet in daz ungemischte lieht,
sö sleht si in ir nihtes niht sö verre von dem. geschaffenen ihte in dem nihtes
nihte, daz si mit nihte enmac wider komen von ir kraft in ir geschaffen iht 1.
5 Und got der understat mit siner ungeschaffenheit ir nihtes niht und entheltet 20

die sele in sinem ihtes ihte, Diu sele hat gewagetze nihte ze werdenne und enkan
ouch von ir selber ze ir selber niht gelangen, sö verre ist si sich entgangen, und
e daz si got hat imderstanden. Daz muoz von nö.t sin 2 • W an. als ich e Sprach:
Jesus was ingegangen in den tempel und was uzwerfende, die da kauften 26

1 ist bis glich] es die ingel hem alleene gelijc Br, ir fehlt Str8 BT ir aleine] jm Mai1 ir
aleine glich] der sele alle gelidi B, der seien aller glidiest P1 allein der seien gleich KTir gelich
allain Braa · und] maerBr2 fehlt B1P1M2Bra8 vnbeschaffenhait BrasM2 2. si. ß1B9B1P1]. diu s~le
Pfa die ingelBr, Swenne ß (Maer wanneer dat Br:2) ] Unde swenne PfSt.Tr Und so St.B.BuBTKT
diu seleß si PfaMe1 kumet] d, toe comtBr2 daz aB1P1Wi] diz ß ungemisclite aß2B9M2 önme·
telike Br2 ungeschaffen BiP1Wi vngesichtz Bras 3 sieht] sidit Bra, sinckt BTb KT lat B1P1
steket Mai1 schlechet (1 über d. Zeile nadigetragen) Sirs in ir] myt ir Wi ir fehlt M2 so verre]
mit so verr BT so nit B9 von] vs B, mit KT fehlt BT geschaffenen] vngeschaffenen Str; in dem
in daz ß2 in des B9 und in dem Bra3 M2 ) nihtes (nihtes fehlt Wi KT) nihte,. ß fehlt a so sleht bis 4
si l so stet sy ir selber nidits nidit also das sy Me1 4 mit nihte] niets niet Br. eniilac fehlt
Str.Mai1 wider komen] vber komen Bra 3 wider diömen (Sdiluf!-n radiert) Stra wider kome Mai1
wider fehlt B1P1 von Bra2SlraM2B1P1 WiB 9 Br2 wan Bra 3 vii Mai1 in Pfa ir kraft in ir geschaffen
iht] ir krefte mit geschaffenhait B 9 haer seluen in' hare gescapenheit Br2 daz si bis 5 got] .das sy
zw ir selbs diraft nicht wider chömen mag aws irer peschaffenhait sunder got Me1 4 iht.J i~t
Bra,Braa nidit Mai1 5 Und] won B9 understät (widerstet B9) mit Bra8 M2Br2B1P1BoWiMe1 underc
stät ez mit ß2 stät dar under mit a (In Tr fehlt stät dar vor mider, dodi ist hinter under von a.. Hd,
staet über der Zeile nadigetragen.) ungeschaffenheit in ir nihtes niht ß2 ir] irs a1 ir nihtes
niht] irs mütes BT fehlt KT nihtes fehlt Wi niht fehlt a 6 diesele] sie BgB1P1WiMai~ es Bra;,
fehlt StraBra 8 M2 ·in sinem (jm sin Bra 3 im sein M2) ihtes (ihtes fehlt WiB1P1) ihte. ß in ir istikeit. a2B11
in ir stetikeit Skin ir ichtikeit BT in jr ichtigkeit KT· gewäget] gewalt B1P1Slo enkan] enhat
Braa enkan bis 7 von ir] kan es doch von ir BTb KT 7 ouch] doch Bra2Bg ze ir selber fehlt a
(Homöoteleuton!) gelangen,] erlangen BTb KT weder gekeren Br2 si sidi entgangen ß1B9Wi zij
haer seluen ontgaen Br2 si sich vergangen (fur gangen St~) aB1P1 si in sich vergangen Pf und
fehUPfB1P1 BTbKT und .bis 8 hät] Ms god die heeftze Br2 8 e'fehlt Br2 e daz]Ede,nne St2
göt fehlt Si2 understanden. ß2Bra 3 B9Br2B1P1 verstanden (v getilgt, darüber Don ders.Band vnd) Wi
verstanden PfaM2 . von not] von nyte Tr Wan aB9 WiBr2Me1 Und Pfß1 Wan bis S. 15,4tempel.
f(!hlt B1 P 1 8. e 2] vor RT KT 9 in-· fehlt Br2 ingegangen J in gan Bra, in gend M.Stra ein
gend ~ai 1 tempel gottes vnd BT KT fizwerfendeJ verwerfent Sfrs usz verwerffent Mai1 da
usswerfind Bra2 die] de ghene die. Br,

1 Vgl. Pf. S. 541,24ff.; 540,25ff,; 398,29ff.; Jostes S.60,15; ähnlidi audi Se.use s; 1B9,21ff ..

2 .Übersetzung Don z:2-8: ,,Wenn die Seele in das ungemisdite Lidit (-das göttl.Lidit) kom~t,
so sdilägt sie (stürzt oder fällt sie)in ihr Nidits, u. zw.in dtesem Nidits so rveit weg Don ihretngesdiaf 0
fenen Etrvas, daß sie aus eigener Kraft nidit mehr zurückkehren kann in ihr geschaffenes Etwas. Und.
Gott steht mit seiner Ungesdiaff enheit untef ihrem Nidits ( d. h. Gott fängt das Nidits der Seele auf)
und erhält die Seele in seinem Etwas. Die Seele hat gewagt, zunidite zu rverden und kann audi Don
s.elbst nidit wieder zu sich gelangen - so weit ist sie sidi entgangen (hat sie sidi von ihrem Eigensein
entfernt), beDor Gott sidi ihr unterstellt (beDor Gott sie auf gefangen) hat." Die Übersetzungen Don
Büttner S.14?f. und S mu l.z e-M a i zier• S. 23'? sind ungenau. Sch.-M. übersetzt von dem geschaf-
fenen ihte mit „Don allem Geschaffenen" und in ir geschaffen iht mit „in ihr ·gesdiaffenes: Ich'.';

14
Intravit Iesus in. templum

26 und verkouften:, und begunde ze sprecheime ze .den: ande:rn: 'tuot diz hin!'.
Ja, sehet, ml han ich. daz wörtelin.: Jeims gien~ in tind begm1de ze spre,.
chenne: 'tuot diz .hin!' und sie taten ez hin. Sehet, do was da nieman me dan
1 0 Jßsus aleine ~nd. beguncle ze sprechenne in dem tempel 1• · Sehet, daz wizzet
8
vür war: .~il ieman anders reden in dem.tempel, daz ist in der sele, da:ö; 5
Jesus aleine, ·so swigef Jesus, al$ er da heime niht ensi, und er ist ouch da,
. heime ;2 niht in der .sele, wan si hat. vremde geste, mit den si redet~. Sol abe:r
· Jesus reden in der . sele, so muoz , si aleine sin .und .muoz selber swigen, sol
ai; si Jesum hreren ·reden 3• Eya, s9 gat er in und beginnet .ze sprechenne. W az
sprich.et her. Jesus? Er sprich et, daz er ist. W az ist er denne? Er ·ist ein wort tQ
des vaters .. I~ dem selbe~ ~9rte sprich.et d~~· vat~r sich selber u.ml aHe götliche

. f und,cverkouften fehlt .Wi begunde ze spreduinne l fieng an· ·zö. redenn BTKT .ze den
ander'n: bis .4 ze sprer.henne :fehlt a:B0Wi (B1P.) ,f hinl']eiiwec!' Bra2 hin, diz tuot. enwec!' Strs
Mai1 (dese) hene doet deze en wge Br2c 2 Ja, sehetbis Jesus] Ende dat es dat woirt Jhs Br2
in] in den tempel ß• fehlt Bras 3 'tU:ot bis' 4 spredienne fehlt Br. 3 hin.] enwec ß2 . Sehet,
fehlt Bra2 ·was bis dan] was nieman me · dar· inne dehne Pf Mo · waz · niemant da denne .Bras
4 tempeL ß1 BT KT Jempel, der'. sele. ai.B0WiBr2 Sehet, dazJ Lieben kinder mtn BT KT daz
wizzet vür :wir: steht in B4Tr hinter b aleine 5. wil bis dan] ';Y'ilt de ziele yement-:anders
redene houden in den tempel der sielen dan Br2 anders fehlt Bras reden .fehlfM2 dem] den
M11 disem B1P1B~Wi daz ist in der sele, fehlt B1Pi der l dy. M2 6 Jesus\ l ich (!) Bras .als er
bi11 7. redet. fehlt B1P1 6 da heime niht] d.~ niet thu'ys. Br2 dar hme nit Bras ensi,:] enwär Braa
enware Br. und er bis 'l wan]. want hi .e.ri es d~ oec niet thuys. w:imt Br2 6 er• fehlt B~1 aucli. war-
Üch nit daheim' BT KT .ouch] doch B9 Mai1 ? si 1] de zieleBr2 er si B0 hat] hefte B0 hant B{1 ·redet
StraMai1WiBra 3M2B 9. redent Br• .reden Bta" reden wil. Pfa aber fehlt Br. 8 .in] mit. BrasM'l
~elher aß2B0B1P1WiBr2 fehlt PfM2Bras mues sweigund hörn Me1 (vgl .. Pf. 409,'Jf) sol] och sol Bl'a2
'wil. B1PiB9 Wi 9 Jesuni] ichtez B9 hreren reden.] herr sprechen Bras herren sprechen Strs
hßrren sprechen Mai1 hören sprechen Bra2 reden.] sprechen ß1Bt2Wi fehlt BT KT Eya,] Eyä:,
sehe,f,ßo Eya bis sprecheime.] Ja hoe gaet hi in / ende hoe begl;iint hi te sprekenne / .hy hegan ·
te sprekenne. Br2 ' Eya,. bis 18;4 ist•.. .fehlt B{Pr· · 9. beginnet] he b. Wi gewinnet Braa fahet
if:nBTKT. gatbisbeginnet] gotervobeguiietB0. Waz]vtidwas.Wi .10spridret].sprachM2
her fehlt BrasM0B0WiBr2 her Jesus] er '.ß2BT KT daz er] dat zelue datti Br, daz bis denne?]
q:z, ist vnd wasist B9 , Waz] und wat ß,WiB9 · ist et] h.e ist Wi denne? fehltfl .Er ist ein wort]
Ja aip wort Bra8 · '. H selben fehlt Br. In. dem selben bi11 16,8. me: fehlt Me1

Der Gegensatz riiht '- iht illt natürlidi beabsichtigt und gemeint illt damit der: Gegensatz des'
individuellen Seeleseins·:= iht ium 'Niait~Seele11ein ~ nfüt...bzni; :nihtes niht, das maii demnach
nit:Jd schlechtroeg durch ,,Nichts!' übersetzen darf; denn die11es Nichts· ist nicht das absolute 'Nicht11, ·
sondern spezifisch da11 Nidit-Seele-Sein, die Privation des Eigenseins der' Seele. Das understan' ist
genaue Entspremu'ng: von .fat,. substare ·_: ,,Substanzsein" und' als. soldies in .'der Vbersetzzmg
schwer Tr?i~derzugeben. Der an S. 14,8 Daz muoz von not .si!'.l anschließende W an-Satz gibt die
Begründung für d~s Voraufgehende, ro.eshalb der bei l'feiffe'r ·hinter sin gemachte Abl!~tz irres
führend ist, Auch Büttners tJbersetzungJI s; 148: ,;·da'ihr tJittersdii,tb zu leisten; war einfa<Ji
Gottes P'/1,iait/",. die, ,tvie nuin steht, Daz. m'.uoz von not siri ·'ziJ:m Vorhergehenden zieht, Jst irrig.,'
Zu S. 14;~~-''8. vgl. Pf. S; ill)9,1/2i · ·· · ' · · · ·· ·· · · : ·· ··
i ai.IJ0WiBri haben tempelder' sei~. ·wie bei QuintS: 10& 11chon' betont rourde,h~ndelt es sich
s. t.4,B~oben z.. 4 um das hist~risdie .FakJu,;,_ des neutesta~entzta,,;:,,, Berichtes; er11t mit·'!,. 4 flehet
beginnt .die 1!,lleg~ris'aie 4:c,ts,deutung des .Tempels. ~l11 s.eele de11 .Men11qien wieder.. . • Vgl. Pf,.
S,.1.10i26; 'J'Jl),4; Tauler. S~10,11ff. , .·~. Zu Z,?-8 vgt Pf, S. 409,;'J/4~

15
Pl'edigt 1

nature ·und allez daz got ist, also als er ez bekennet, und er bekennet ez, als
ez ist. Und wan er ist volkotnen in sinem bekantnisse, und in siner vermügen- ,o
heit, her umbe sö ist er ouch volkomen in sinem sprechenne. Da ·er sprich.et
daz wort, da sprichet er sich und alliu dinc in einer andern persöne und gibet
5 itn die selbe nature, die er selber hat, und sprichet alle vernünftige geiste in
dem selben worte glich dem selben worte nach dem bilde, als ez inneblibende
ist, nach dem, sö ez uzliuhtende ist, als ein ieglich bi im selber ist,. niht glich '37,5

in aller wise dem selben wörte, me: sie hant mügelicheit eilpfangen glicheit
ze enpfähenne von gnaden des selben wortes; und daz selbe wort, als ez in
10 im selber ist, diz hat der vater allez gesprochen, daz wort und allez, daz in
dem worte ist 1.
1 gotJ giit B9 got selber Bra, fehlt Mm also als bis 2f. vermügenheit, fehlt Wi
1 ez1 fehlt Mo beke;nnet, bis 2 ez ist] bechenne es alles dz das got ist Also alz er er
bechennet alz es ist (alles bis bechennet dui'<iigestrichen; der Schreiber ist, roie man sieht, zurück-
1 geglitten und hat dabei infolge von Homöoteleuton Z. 1 und er bekennet verloren.) Mai 1 1 und
er bekennet ez] vnd erkennet es Brao fehlt BT KT (Homöoteleuton!) er• fehlt B9 ez• fehlt Bras
2..ist. Und (Und fehlt M,) wan er ist ... vermügenheit (mügelicheit Moß, mugenhait Bras), her umbe
(dar umbe BrasB0) ß,B0Br2] ist, und er ist ... vermügenheit. Her umbe (Darumb BT KT) Pfa in1 ]
an MoB9 in• fehlt M. 3 her umbe bis 4 da sprichet] hier vmb so ist auch so ist ai:ich in jm
sprechen daz er sprach das wort das spriechet Mo lier umbe bis in] vnd wan he dan volkomen
i,st .an Wi · .ouch fehlt a,BT KT ß2 in] an B0Wi Da] Das Brao 4 daz wort] disz w. BT KT
sich] sich selber ß2Bra.Br2 und1 ] in (in Tr getilgt, auf d. Rd. v. a, Hd. vnd) a,BT 5 nature]
person Mo sprichet] hi s. Br. sprechent PfSt,B, 1 ' 6 selhen1 ·ß (au/!er B,P,M.)] fehlt Pfa glich]
nach ß2 glich dem selben worte fehlt Br.(Homöoteleutonl) dem selben bilde ß2 ez a (auf!er Sto
'B11 ) ß .( au/!er Mai,M,B1P1) 1 er PfSt.M,B,iMai, inneblibel).de] jm belibend B9 in gebildet Bra8
im bleibend BT , nach dem, sö bis glich] nach dem sy es vszleuchtend ist/ als ein yegklich
wort bey im selber ist / nicht gleich BT nach dem soe ist es vszleüchtend als einn yegklich wortt
bey jm selher ist n,icht gleich KT nach dem uzliuhtenne (usz lauhtend, h nachgetragen Mai,), als
ein ieglich (ieglichs Str. iegliches Bra. yegklich Mai,) bi im selber ist; niht (nit ist in Str. durchgestri-
chen) glich ß,Mo vnd .nach dem vs luchten als es ist ain iegklich bild jm selber ist iiit gelich Bra8
nach dem svn ze luchtenne als ain erklich bi jm selber ist nit gelich Bo na dem sonne vsz luchtende
als eyn ieclich by yme selber ist nyt glych. Wi na den zone vutlichtende al~oe t)lc bi hem seluen es
niet gelijc Br, nach deni sune (synne Sta) ez uz liuhtentle (lutende B4) ist, als ein iegeljch wort bi inie
St)lber ist, niht gelich (niht gelich] müglich B4) Pfa, 8 in allen wisen BT KT wise dem] wise
glich dem /J2 wijze gelijc dat een es den Br, me bis 9 wortes; fehlt Bra, (Hotnöoieleutonl)
8 sie hänt] die geest in sine vernufte heeft Br. hant fehlt B4Tr enpfangen glicheit fehlt Br.
gelich B9 9 von gnaden fehlt B9Wi daz selbe wort, fJ (auf!erB,P,)] selbe fehlt Pfa ez fehlt Sta
10 diz] daz PfBra8 allez sirlber gesprochen, a. BT KT · gesprochen, daz wort und allez, ß1B9 Wi
gesproken door dat woirt f\:Ude al Br, gesprochen mit dem worte .und 1,1llez Pfa

'Vgl.Quint S.108-c-:1{() zuPf.S.37,4ff.; '37,8; '3?,8f. übersetzungvonZ.'3-11: ,.Indemer


das Wort spricht, spricht er sich. und alle Dinge in einer andern Person und gibt ihm dieselbe Natur,
die er selbst hat, und spricht alle vernunftbegabten Geister in dem Worte als !demselben Worte
(roesens-)gleidi nach dem „Bild" (seil. der „Idee''), sofern es innebleibend ist, nidit gleich jedoch dem-
selben Wort in jeder Weise, sofern es (seil. daz bilde) ausleuchtet, sofern.ein jedes fül'sich gesondert
existiert; vielmehr haben sie ( seil. die „ausleuditenden", für sidi existierenden bilde) die Möglichkeit
erhalten, eine gnadenhafte Gleichheit mit demselben Worte zu erlangen. Und das Wort, roie es in sidi
se1ber. ist, das hat· der Vater völlig gesprochen, das Wort und alles, rvas in dem.Wort ist.•• S di u l z e~
M a, i z i e r 2 hat sich diese Übersetzung S. 2'J? f. zu eigen gemacht. In freier Wiedergabe- besagt di-e

16
Intravit Iesmi jn.templum

Sit der vater diz gesprochen hat, waz. · ist denne Jesus sprechende in: der
·seli:,? Als ich gesprochen han: der :vateJ:.: sp:i:ichet daz wort und sprichet in dem
worte. und anders niht, und Jesus spri~et in der sele. Diu wise sines spre-
chennes daz ist, daz er. sich selben offenbaret und allez, daz .der vater in im
1• gesprochen hat, nach der wise, als der geist enpfenclich ist. Er offenbaret 5
veterliche herschaft in
dem geiste in einem glichen. unmrezigen gewalte.
Swenne der geist disen gewalt enpfrehet in dem sune und durch. den sun, so
wirt er gewaltic in eine~ ieglichen vürgange, also daz er glich und gewaltic
wirt in allen tugenden und in aller volkomener luter~eit, so daz in liep noch
20 teit noch allez, daz got in der .zit ges,-chaffen hat; d·az enmac 1 den menschen 10
niht zerstreren, . er enblihe gewalticliche dar inne staude als 1n einer götlichen
kraft, der enge gen alliu dinc sint klei~e und niht vermügende 2•
1 Sit bis 6 gewalte. fehlt Me, Sit] Hie m&cht man fragen / Sitmal BT KT sid nun Bra. Sint dat
dan Br, diz] diz allez Br.Wi habe St5 waz bis 3 sele. fehlt St6 wat js d;:u1dat Jhs inder
sielen es sprekende Also.e als Br2 1 ·sprechende] zu sprechenne B 9 sprichet Bra 8 ~ Als] Hie
merck:en lieben kinder als BT KT hän: fehlt M2 der vater bis 3 sele. fehlt a (und B,PJ 2 dazil
diz ß,WiBo v:rid spricht sich in Bras 3 und anders niht, fehlt Wi niht, und] n.it tut vnd Bo
und• fehlt Braa· ihs xps Wi · 4 selben fehlt WiB 9 offenbaret u:0.d] offenbaret in derselvnd Bra~
5 nach bi.s ist. fehJt Wi als] dat Br, der fehl_t.Bra 0 enpfenclicli bis offenbaret] enpfenclich ist (ist
v. and. H.and nachträglich in die Zeile eingefügt) Da ist er offenbaret Stra enpfenklich da· ist er
offenbaret Mai, ·Er offenbaret] Zum ersten offenba~t er Bt KT 6 herschaft fehlt StraMai,. glichen
(iegelichen St5) aß,BoWi fehlt Pf in einem bis 7 gewalt.] in eenre onmeteliker godliker gewouf Br.2
7 Swejme] Wenn den BT KT disen (dicz M, den Me,) gewalt enpfrehet, ß (außer B,P,) Me, diss
(dez Tr) gewaltes bevindet, Pfa sune] synne St„ und durch den s.un ß ( außer B~P,) Me, fehlt Pfa
8 .eil!,e:Jl fehlt Br, ieglichen aB9 WiBraa elken Br, gliclien Pfß,Mo vürgange] fridgang Mo kyd-
gang Br.a8 voortgane Br2 vndergange Wi und fehlt Bras 9 wirt fehlt M, in (fehltB9)
liep ß (außer B,P,) · in denne (dem BTal liep Pfr:,,,,BTa in wider liep BTbKT 10 leitnoch zit .noch
Br.asM2Br, · daz• fehlt ß,B9 WiM2 geschaffen bis d .gewalticliche} gescapen heeft niet gestoren en
Inadi hi en. blijft geweldeiiken Br2 1Qf. menschen denne (dann 11.(, dan Wi) niht BoWiMoBraa
U blyue.t Wi stände] stan Bra8 stät B9 Er stande St6 götlichen] gleicher Stra einei: götlichen]
aigner glicher Mai, 12 der engegen] da engegen TrB4BnB9WiBraaM2B4 gegen der ßo . der enge-
. gen bis 1.8,8 bekennen.' fehlt Me,. · alliu dinc sint kleine (kleine sint B0Wi) und niht ve:rmi:igende
·(vermug~n Wi urid unvermügende ß2),' ß,Bu Wi sint allju _dinc klein.e und niht vermügende. KT Braa
(daer) .alle dingen cleyne (iegen) zijn ende niet:e,nvermoghen Br2 sint alliu dinc ze (ze fehlt_a. BT)
kleine: unde sich (sie SM niht ze vermügende. Pfa.BT M2

Stell~: Der Vater· sagt sich in der Person-des Sohnes selbst Person und setzt im Sohne a,ls ihrem
Inbegriff gleichzeitig alle Dinge, d. h. di~ Welt der „Ideen", u. zw. so, daß die Natur <J,es Sohnes
identisch bleibt mit der des Vaters. Die „Ideen", insbesondere diejenigen aller VEJ_rnunftbegabten
GEJister, sind 4lso; tnsofern.sie ilnSohne als dem Inbegriff der göttlichen Beroµßtseinsinhalte bleiben,
.<J,, h. r,,icht a;µs ,dem. innertrinita.rischen Zirkel heraitstreten, mit ,dem Wort' eins l/,nd wesensgleich,
Aber ir,,sofern (Ji<J „ausleuchten", d. h. aus dem Wort·heraustreten und sidi durch di,z Schöpfung in
;<J,e'r _Welf ,_der Kreaturen jede für sich gesondert objektivieren, sin<J, sie dem ewigen Worte, ni,cht
mehr gle{cli. Do.d,, haben sie die Möglidtkeit, eine .Gleichheit von Gnaden wegen. mit dem Worte -z~
.erlangen,d.. h. ,wir können.dem Sohne per gratiam gleidi werden. Vgl, unten S. J8 Anm.1; Pf. S. 290,14ff..
(P_ie Stelle J~ezieht sicii mit Rückverweis offenbar auf die vorliegende.); 120,28ff.; 166,5ff.; 2?2,1ff..;
206,?9ff.; '18?,16ff.; 589,~ff. Seuse S. 1'31,22ff.; ZfdA 's; S. 248{..; S. 239,tff.
'!)er Anakoluth dürfte ursprünglich sein l/,nd erklärt sich aus dem freien Vortrag d_es.Predigers.
~- Zu Z. 12 vgl. u1iten S. 36,6.

:1,7
Predigt 1

Ze dem andern male offenbaret sich Jesus m der sele mit einer unmrez1-
gen wisheit, diu er selber ist, in der wisheit sich der vater selbe bekennet
mit aller siner veterlichen herschaft und daz selbe wort, daz ouch .diu wisheit · 25
selber ist, und allez daz dar inne ist, also als daz selbe ein ist 1. Swe:ime disiu
5 wisheit mit der sele vereinet wirt, so ist ir aller zwivel und alliu irrunge
und alliu dünsternisse · alzemale abe genomen und ist gesetzet in ein luter
klarez lieht, daz s~lber got ist, als der prophete sprichet: 'herre, in dinem so
liehte sol man daz lieht bekennen.' Da wirt got mit gote bekant in der sele; sö
bekennet si mit dirre wisheit sich selber und alliu dinc, und die selbe wisheit
10 bekennet si mit im selben, und mit der selben wisheit bekennet si die veterliche

4 Ps. 35,10

1 male fehlt B11 Jesus] der herr.BTKT 1f. myt vnmessziger Wi met onmeteliker Br2
2 in der bis 4 selber ist, fehlt Br2 (Homöoteleuton!) erkennet BT KTSt6 3 herschaft und a
(außer St2) ß1B9Wi kraft. Unde Pf St. ouch fehlt B9Wi 4 also als (also fehlt M2Bo als] daz Mai1
fehlt BraaWi) daz selbe ein ist. ß (außer B1P1Fdaz ist allez daz selbe.einec ein. Pfa 4f. Swenne
· disiu wisheit mit der sele vereinet wirt, (veraingat w. Bra, verainiget w. Str,Mai1 vereiniget w. M2
geenicht w. Br2 verainiget ist oder wirt Braa) aß1Br2 und swenne diu sele mit dirre wisheit verei-
net wirt BoWi Swenne diu sele mit der wisheit (warheit B1), diu der sun ist, vereinet wirt, B1P1
5 ist hinter 6 genomen B9 ir fehlt P 1 und (und fehlt Tr) alliu (alliu fehlt BT KT B9) aß ( au/ler
B1P1) fehlt PfB1P1 (In B1P1 fehlt und alliu audi vor dünsternisse.J · irrunge] dolinge Br2 6 alze-
mäle] alzemal genczleich M2 ganselike te male Br2 alzu male vnd gentzlichen Wi daz ist (ist fehlt
Bra2) ir (ir fehlt BT) alzeinäle (alzemäle] zemäle ganz [genczlich Bra2] ß2 alle zit Stu) StuB11St2ß2 BT
daz ist jr als ze mal gänczklich Braa vinsternisse Mai1Bra,M2. BT KT ist] w<t Br2 ein fehlt Str,Mai1
7 klärez lieht,] klärheit St.BT KT daz] die BTb KT selber] lieht ß2 selber got (gottes St5) a1 BTa
M2 got selber BTbKT Bra3 B9 WiB1P1Br2 als bis 8 bekennen.' fehlt B1P1 Wi als der prophete] Ghelijc
als dauid die profete Br2 8 sol man bis wirt] werden wir sehen das liecht das ist Herr in deinem
liecht soll man bekennen das liecht in der sel do wirt BT KT sol man] suln wir B,TrBr2 werden
wir BT KT daz lieht bekennen.'] d. l. sechen Braa sehen daz lieht B,Tr (BT KT) sele; fehlt Bra2
so] Er Wi Da Bras Ende si'Br2 9 mit dirre wisheit] mit kraft (karft B1) B1P1 sich selber bis
wisheit1 fehlt B. (Homöoteleuton!) und die selbe bis 10 selben,] vnd dy sele bekennet sich mit
im selber M2 9 die] dis Bras selbe fehlt Bras und die selbe bis 19,2 underscheit. fehlt Me1
10 bekennet si m.it im (haer Br2) selben, und ß2Br2 sich mit im selber vnd M2 bekennet si mit ir
selber niht,.unde Pfa1 BoB1P1Wi bekennet sy mit ir selber auch vnd BT KT bekennet bis wisheit
fehlt Bras der selben] diser B1P1 wisheit 2 ] worheit St. die] denn Bras fehlt BTKT veter-
liche bis 19,1 berhaftikeit] veterliche wisheit mit vruhtberkeit B1P1

1 Übersetzung von Z. 1-4: ,,Zum Zweiten offenbart sidi Jesus in der Seele mit einer

unermeßlidien Weisheit, in weldier Weisheit sidi der Vater selbst mit seiner ganzen väterlidien
Herrsdiaft, dazu dasselbe Wort, das die Weisheit selbst ist, und alles, was darin ist, als Eins (so
wie es Eins ist) erkennt.", d. h.: Der Vater begreift im Sohne sidi selbst als Vater und gleidizeitig
erfaßt er den Sohn, das „ Wort" als sein Spiegelbild und in ihm als dem Inbegriff seiner Bewußtseins-
inhalte, der „Ideen", alles, was darin ist und alles dies als im actus purus untersdiiedslos seiendes
Eins. Vgl. audi oben S. 16 Anm. 1. Vgl. Quint S.111 zu Pf. J?,25 und J?,26f. Sdiulze-Mai-
zier•.hat zwar S. 2J8f. die von mir an Pf. vorgenommenen .Änderungen berüd:siditigt, seine
Übersetzung aber läßt den Ed:ehartisdien Gedanken nidit ganz klar werden. Zu z. 1-6 vgl. unten
s. Jt,4-8.
18
Intravit lesus in templum

herscliaft in fruhtbrerer berhaftikeit und die weseliche istikeit nach einvaltiger


35 einikeit ane einigen underscheit 1•
Jesus der offenbaret sich ouch mit einer unmrezigen süezikeit und ri:cheit
Uz des heiligen geistes kraft frzquellende und überquellende und invliezende
mit übervlüzziger voller richeit und süezikeit in alliu enpfenclichiu herzen. 5
,o Swenne sich Jesus mit dirre.richeit und mit dirre süezikeit offenbaret und

1 in vruhtbrerer ,berhaftikeit (herhäftidiait Str3 ) Bra2 Str3 Bra3 M2 KT] jn fruditblirer hersdiafü-
kait Mai 1 in vruchtbareger vruchtbaerheit Br2 in fruchtbärkait B9 in fruchtberkeit Wi in vruht-
brerer herschaft St2 B11 in freüntbarer herrschaft BT in früntberre hersdiafft B4 jn fruntbäre
herschafft Tr fehlt St" ··· und. die J Ende zij bekent B~. die weseliche istikeit (stefikeit BT KT)
aß2 BoWiB1P1Br2 die wishait Braa dy wesenleichait M2 nach einvaltiger (einualtigiter B4 eynual 0

tidieite Tr} aBras mit ei. B1 P1 nach synperleicher M2 mit simpeler WiBo in simpelre Br. nach der
simpeler ß2 2 ane einigen] ane ewigen a, BT sunder ane aenüg Bo sunder on P1 svnder an B, sunder
alle Bra2 .sunder aller Sirs sunder an aller Mai1 sonder eeneghen Br2 einigen fehlt KT WiBra,
3 Jesus bis 5 herzen. fehlt B1P, Jesus bis ouch] Zum dritten offenbart sich Christus audi BT KT
sich in auch M2 ouch fehlt B9 ouch mit J ouch ze dem dritten male mit B,Tr unmrezigen J
onmeteliker Br2 fehlt Wi vnmessigen liebe / sö.ssigkeit vnd reicheit KT richeit] rihtet St"
w:euchet M2 rechtikait vnd Mai 1 4 uzquellende bis invliezende] vutzweuende ende ouerzweu-
ende ende invlietende Br2 vs vellet vnd tber vellet vnd jn flusset Bra, und•] von M2 invliezende]
vssfliessende Bo 5 übervlüzziger voller ridi.eit] tbe:c.flussiger vollende richait Bra2 vberflussiger
fölle reichait M2 vberflüssiger vollende vnd reichait Sfr3 uber flussiger vollende vnd reditikait
Ma/ 1 vber flussiger rechter richait Bra8 uber fluessziger volheide vnd richt Wi tberflussiger fröd
vnd richait Bo ouervloyegher rijcht Br2 und süezikeit fehlt Br2 5ff. in alliu enpfenclichiu (allen
enpfenklichen Brna) herzen. Swenne sich (wer sidi Bra2 ) Jesus mit dirre (der M2) richeit (rechtikait
Mai1) und mit dirre (mit dirre fehlt ß2Bra,) süezikeit offenbaret und einiget mit der sele, mit dirre
richeit (rechtikait Mai1) und (mit dirre richeit und fehlt Bra 2 Homöoteleuton!) mit dirre (mit dirre
fehlt Braa) süezikeit sö (sö fehlt Bra8 M2) vliuzet diu sele in sich selber und uz sich (ir BrasM2) selber
(vnd sich [ uz fehlt StrsMaii) selber ist in Str3 durchgestrichen) und über sich selber und über alliu
dinc ß1 in. allen ontfanckeliken herten. Ende ziet zoe wanneer hem jh's aldus oppenbaert mefdeser
rijdieit ende zueticheit ende hem eenicht metter zielen dan vlietet de siele in hem seluen ende
ouer alle dinc Br2 VIld ain got ( . eineget?) in der sele so flusset du sel mit ir sfi.ssikait vnd richait
iri. sich selber vnd vss sich selber vnd tber ällu ding B9 in alle intphengliche hertzen Wanne sich
ihs vffenbart niyt deser richeit suszekeit vnd eynicheit in der selen So' flusszet die· sele myt
dieser richeH vnd suszekeit vnd eynekeid in sich selber vnd vsz sich selber vnd ouer alle ding
Wi Swenne (Wemme P1 ;· 3 Jesus bis 5 herzen. fehlt B1P,) sich Jesus (ier, B1) offenbaret mit siner
götlichen richeit, süezikeit und mit einikeit in der sele, sö vliuzet diu sele mit dirre richeit,
'süezikeit und mit einikeit (und mit einikeit fehlt B1 ) in sich selber und uzer ir selber' und über
alliu dinc B,P1 in alliu (alliu fehlt BT KT) enpfenclichiu herzen und mit dirre süezikeit (in alliu
bis süezikeit fehlt St 5 Homöoteleuton!)sich (sich fehlt KT) offenbaret und vereinet sich (vereinet
er sich BTbKT) mit der sele. Mit dirre richeit und (Mit bis und fehlt BT KT) mit dirre. sü,ezikeit
vliuzet (zroisdien süezikeit und vliuzet ist in St5 sich offenboret durchgestrichen) diu sele in sich
selber und über alliu dinc St5St2B11 BT KT in enpfenclichiu herzen, und mit dirre süezikeit offen-
baret und vereinet er sich mit der sele. Mit dirre richeii.und mit dirre süezikeit vliuzet diu sek in
sich selber und über alliu dinc B,Tr in allen enphänkchleichen hertzen:. vnd mit dem flewsf dy sel
in sich selber vnd vber sich selber vnd vber alle ding Me1 (vgl. Pf. S. 409,l?ff.) in alliu enpfenc-
lichiu herzen. Swenne sich Jesus mit dirre richeite und mit dirre süezekeite offenbaret unde.ver-
einet sich mit der sele, sö fliuzet diu sele mit dirre ridieite unde mit dirre süezekeite in sich selber
und uz sidi selber und über alliu dinc Pf

' Mit S. 1?,5-oben Z. 2 vgl. Pf. S. 409,8-15. S. 18,10 mit im selben= mit Gott, von dem vorher
~tedigt 1

einiget mit de'r sele, mit dirre richeit und mit dirre' süezikeit so vliuzet dih sele
in sich selber und uz sich selber und über sich selber und über alliu dinc von
gnaden mit gewalte a:rie mitel wider in ir erste begin 1• Denne ist der uzer
mensche gehorsam sinem innern meilschen unz an sinen tot und ist denne in
5 stretem vride in dem dienste gotes alle zit 2• Daz ouch Jesus in uns komen ss,6
müeze I und uzwerfen und hin hion alle hindernisse und uns mache ein, als
er ein ist mit ,dem vater und mit deII1 heiligen geiste ein. got, daz wir also
ein werden mit im und ewiclichen bliben, des helfe uns got. Ainen.

2 dinc bis 3 gewalte aß ( außer BraaM,) dinc und gat (vnd gat Braa) vnd get Ms mit gewalte (mit
gewalte fehlt M2) BrasM2 3 wider fehlt Br2Bra2 ir, feh:lt.BD begiii.] beginnen Str8 MaiiB9 B~P,
anfang Bras anfa~gk oder vrsprung KT begird BT Denne] ende d1,mn Br2 ftzer] vterste Br11.
4 sinem innern] de innersten Br. sinen jn iren Bras dem iiinern B,P, menschen fehlt B,P, aµ] in
BT unz bis töt] tottel'. dooet Br, und ist bis 8 Amen. fehlt B,P1 4 denne fehlt ß,Bro 5 stretem
fehlt Bg 4f. in st.,etem vride] jn fryd vnd stat Bra8 ain in frid stete M, ain in (in über d. Zeile
nachgetragen) fride; sfä:te Str. ain jn fride stäte Mai, ain in friden statte Bra2 in (in über durch-
. gestridienem an vo~ ders. Hand) vrMe stede· Wi 5 dienste] vrede Br2 Daz bis 8 Amen.]
Dat Jh's aldus in ons commen moet ende vte moet werpen alle hindernisse ende henen doen
ende,µ,11aken ons een met hem Alsoe hij een es in.den vader ende metten helegen geest een god
eeuwelic zonder eynde dat wy aldus met hem vereenicht werden moeten inde werelt der wereide
dies nioet hy ons hulpen Amen Br, 5 Jesus] der herr BT KT 6 und ftzwerfen und hin
tuon ß,M,] vnd mftss vswerffen vnd hin tun vnd Bras vnd werffe vnd hin tftge BD vnd vsz werffe
(und hin tuon fehlt) Wi ftzwerfende und liin tuonde Pfa hindernisse und uns mache (mache vns
Wi) ein (vnd vns ain machen M, vnd mus vns ains machen Bras), als er ein (ains Bras) ist mit
·. (mit] in Bra2) dem v,ater und mit dem heHigen gejste ein got (got fehlt StrsMai,), ·daz (und daz
Str'3 Mai1 ) wir alsö ein (ains Bras) werden mit im und ewicliclien bliben, des helfe uns got. Amen
(vns got gofAmen Bras, "Vns die hailig triualtikait amen Bra;, ein got bis got. fehlt Wi) ß (außer
BiA) hinder:Q.isse lihes unde sele (vnd der selen BT KT), daz wir mit im (mit im fehlt BT KT) einz
(eis B11) werden hie ftf der (der fehlt BTKT} erden (mit in;te hie vereinet werdent vf erden Stc)
unde dort in himelrtclie (in dem h. B4TrBTKT), des helfe uns got ewecliclien (eweclichen fehlt·
Pf); Amen. Pfa

gesagt rourde, daß er sidi in der Seele mit sich selbst erkenne. Da die Seele mit dem Sohne als mit der
Weisheit vereint ist, so vollzieht sidi in ihr der innertrinitarisdie Erkenntnisprozeß, erkennt sie
selbst mit dem Vater den Sohn; die Weisheit, und in ihm die Ideen, sich selbst und alle Dinge.
1 Mit S.19,'3-Z. 8 oben vgl. Pf. S. 409,16-'-19. Vgl. audi Pf. ·S; 18?,20ff. • Z; '3-5 _;_ RS. § II 4,9
(Thery S.180):Hem, quod hoIIio potest pervenire ad hoc quod exterior honio obediens sit interi<'fri
usque ad morteni, et tune manet in pace in servitio dei oinni tempore. und RS. II 52 (Thery S. 258):
Qujnquagesimus secundus articulus; in sermone qui incipit Intra v it J h es u s in t e m pi um
dei et ejicieb a t omnes venden te s, sie hahet de·quadam perfectione ·ad quam ani.ma vel
homo in hac ,vita potest attingere: et tune est exterior homo odediens interfori homini usque ad;
mortem suam et tune est in stabili pace in servitio dei omni tempore. Vgl. Pf. S. 488,'32ff.; Par. an.
S. 8'3,19ff. über denBntersdiied zroisdien dem äußeren und dem inneren Menschen, dem homo exterior
und dem homo inferior handeln ausfilhrlidi die beiden Sermone VII u. XXII, die den gleichen Sdiiift-
text zum Thema haben: Homo qüidam erat dives, 'vgl. Serm: VII n. ?Bff. und Serm .. XXII n. 206ff,
PREDIGT 2 (Pf. Nr. VIII S. 42-4?)

Handschriftliche -Uberlieferning (sieh Quint S. 125f., Sp ame r PBB 34 S. 341f., Sk u tel1 a ZfdA 68
S. 75f., The ry S. 257, Lotze S. 9):
B1 f. 3v-4v, Fragment = S. 32,1 Idi-38,2 süeze.
f. 2r-:v, Fragment= S. 38,6 idi enhan-44,7 pfande.
B4 f. 165v-168v.
B6 . f. 66v-70r, gedruckt von De V o o y s, sieh unten .Br1,
Bo f. 173r-178v; vgl. Pahncke E. St. S. 7 zu XXVII.
B12 f. 57r, alte Zhlg.: f. 70r, Fragment = S. 36,8 Wilt-38,2 süeze, in einem Mosaiktraktaf von
lyden gedruckt von Sp ame r Texte S. 110,29-111,11,
Br1 f. 42r-45v, gedruckt mit beigefügtem Text der Hs. Bs von C. G. N. De V o o y s Neder-
landsch Archief voor Kerkgeschiedenis, Nieuwe Serie III 'S-Gravenhage 1905 S. 66-76.
BT f. 296ra-297vb.
Ga f. 211r-219r; vgl. Beuken S. 325.
Ka1 f. 101ra-104ra; vgl. Spam er Diss. S. 83 zu CXXV und S. 278.
Koa p. 127-139.
Kob p. 20-26 = eine lateinische Übersetzung der Predigt, hsg. und kritisch untersucht von
. v. d.Leyen ZfdPh 38 (1906) S. 177-197. Korrekturen dieses Textes nach der Hs. sieh Quint
S. 126f. Die Übersetzung ist sehr fehlerhaft und unzuverlässig; ohne Stützung durch
andere Textzeugen kann ihren Varianten kein Vertrauen geschenkt werden (anders v. d.
Leyen, der a. a. 0. S. 195 eine Reihe von Stellen aufführt, an denen nach seiner Meinung
„das lateinische präziser und klarer als das deutsche ist"). Isoliert stehende Varianten der
Übersetzung werden im allgemeinen im Variantenapparat nicht berücksichtigt.
Mai1 f. 14r-19r, identifiziert von Quint.
Me2 f. 307va~309vb, gedruckt von Spam er Texte S. 61ff. Der Text der Hs. geht nur von
S. 24,4 'unser herre-36,7 vröude parallel mit dem unsrigen. Abgesehen von kleineren
Lücken, fehlen die Partien S'. 27,6 man-28,2 mirt, 28,6 Daz muoz-30,2 hiin, 32,6 Wan-
36,3 kan. Spamers Angabe (a. a. 0. S. 62 Fußnote), das bei ihm S. 62,8-22 gedruckte
Textstück entspreche dem Stück unten S. 30,3-33,5 stimmt nicht genau; der Satz Spamer
S: 62,18 Idi spridi-22 fremd entspricht nicht unten S. 33,4 und glebe-6 gr6z, wie Spamer
annimmt, sondern ·unten S. 36,3 Idi sprühe aber-, vröude. Mit dem an fremd an-
schließenden Satz Nm sol man hörn mas das castel sey dar in ihus ist gangen vnd von
einer Jundiframn enphangen mart dy ein meib mas (f. 308ra), der in etwa unten S. 38,6
Nu han idi iu .geseit-7 mil entspricht, schwenkt die Hs. von dem Pfeifferschen Text ab
und führt die Predigt unter mosaikartiger Verwertung verschiedener Eckharttexte zu Ende
(vgl. Spamers Fußnoten). Vgl. auch PBB 34 S; 366 zu XXX. Die Varianten des von allen
übrigen stark abweichenden Textes werden im Variantenapparat nur da aufgeführt, wo
sie zur Textkritik unseres Textes von Bedeutung sind. über die Bewertung des Textes
sieh unten unter „Echtheit".
Ns L 150v-153v. Der Text wurde von P ahncke (briefl. Mitteilung vom 18. November 1935) erst
nach Fertigstellung des Drucks der Predigt gefunden. Seine Varianten werden an anderer
Stelle nachgetragen.
P1 f. 247r-249r (f. 247v und 248v unbeschrieben), Fragment = S. 32,1 Idi-38,2 süeze (v~l.
oben B1).
S1 f. 159v, Fragment = S. 27,1 Nu-37,6 me mit starken Kürzungen. Umstellungen: S. 32,8
+
vaters +
S. 34,8 µnd-35,2 underlaz. S.34,2 Wlere-:-5 gote+ 35,4 Nodi-,-37,6 me.

21
Sa f. 172r-1?9v. Die Hs., auf die mich liebenswürdigerweise Herr Dr. Otto Karrer (W eggis /
Schweiz) aufmerksam machte, konnte ich leider erst nach dem Satz der Predigt einsehen.
Ihre Varianten werden an anderer Stelle nachgetragen.
St1 f. 134r-,-140v.
St2 f. 2r-?v. . . .
Str8 f. 14v-20v, alte Zhlg.: f. 13v-19v. Die Predigt ist in der Hs. in zwei Teile zerlegt. Der
zweitf;l .Teil beginnt bei S. 38,3 'Jesus giene mit einer Initiale und einer besonderen, auf
· dein unteren Rande von t 18v,(1?v) stehenden Überschrift: Die ii bredig an der himel .fart
marie. Der Einschnitt zwischen. den beiden Teilen fällt. also mit dem Schluß des er~ten
Fragments von B1 und des Fragments von P1 und B12 zusammen.
Tr f. 111v-114v. ·

Filiation. der Hss.: sieh Quint S. 128-160, insbesondere S. 159f., Stammbaumschema: S. 145 (vgl.
auch Lo tz e S. 9-18).
Die Lesartenkritik ergibt deutliche Scheidung der Gesamtüberlieferung in zwei große Gruppen:
St1B9B1P1Ka1BT GaB12 gegen St2B4TrKoaStrsMai1B6Br1Me2Kob ,
Die extremen Gegensätze bilden die im Va;riantenapparat. durch Siglen bezeichneten Unter·
gruppen:
a = StgB4Ko„Tr fJ = St1BeB1P1
zwischen denen die übrigen Hss. vermitteln. Dabei schließen sich einerseits Ka1BTGa (B12) (Quint
S.145f.) und andererseits StrsMai1B6 Br1 (QUin t S.155) zu Gruppen lockeren Verbandes zusammen.
. Der neue Text Gä ist engst verwandt mit BT, während Mai1 seine engste Bindung an Str8 auch
hier erkennen läßt. Das Si-Fragment · gehört im ganzen zur a-Gi:uppe, speziell zu Stg, ohne
doch so eng an die Gruppe gebunden zu sein, wie es i:lie ,einzelnen Glieder dieser Gruppe
untereinander sind. Sa· ist sehr eng mit St1 verwandt, mit dem es sogar orthograpische.Eigen-
tümlichkeiten gemein hat. Ns gehört zur große:i;t a-Gruppe uiid verrät entfernte Ve:twandts.chaft
speziell mit Me2. S_ein Text zeigt viele Lücken und Verderbnisse aller Axt und muß als z. T.
bearbeitet bezeichnet werden.

Textkonstituierung: Richtlinien sieh Quint S. 159; danach wurde der Text unter Ausnutzung
der gesamten hsl. Überlieferung im wesentlichen auf den zwischen den beiden extremen Gruppen
verm_ittelnden hsl. Texten ohne engsten Anschluß an eine Führergruppe oder Führerhandschrift
aufgebaut. Er stimmt im wesentlichen mit dem bei Quint a. a. 0. als besten bezeichneten Text
der Hs. Sfrs überein. .

"Rechtfe:rtigungssdtrift": § II 4 art. 13 (Thery s~ 183) = S.43,1-44,4; vgl. Quint S. 166-168.


II art. 51 (Thery S. 253) = S. 39,1-40,4; vgl. Quint S.164-166.

Textneuausgabe: v. d, L e y e n ZfdPh 38 (1906) S. ,180-192. Der Text folgt im ganzen Pfeiffer,


deii er gelegentlich korrigiert. Der beigegebene Variantenapparat bietet Varianten der Hss.
B1 B4 St1 Sis Ka1 Ko„ und der. Drucke BTa BTb·

ttbersetzungen:. B ü t tn:e r II S. 151ff., 1934 2, S. 269ff., Le lim an n S. 171ff., Schulz e~M ai.z i e r 2
s. 30?ff.
Edi.thefü gesichert durch RS. Hsl. Bezeugung sieh unten im Eingang des Variantenapparats.
Außerdem wird die Predigt für Eckhart bezeugt durch Johannes Wenck (sieh unten S.44
Anm~ 2), ferner durch den unbekannten Verfasser des Traktats Von den drin. fragen .. (hsg. v9n .
Denifle in „Quellen und Forschungen" 36, 18?9, S.·13?-143), der zwei• Exzerpte aus der vor-
liegenden Predigt im Traktat durch Meiste'r Ekkhart spridiet (S. 142,18) bzw. durch Dar zo spridiet
meister Ekart (S. 143,?f.) .einführt (sieh unten S. 26 Anm. 1).
Was die Beurteilung des Me2-Textes im Vergleich zu dem der übrigen Hss. angeht, so äußert
sich Karrer (Karrer-Piesch S. 154) wie folgt: ,,Für die ganze Predigt bietet Spamer 61ff. einen
kürzeren Text aus der Melker Handschrift 3'2'1, den man entweder als purgierten Text auf-
fassen kann' (da dort die verfänglichen Stellen fehlen), aber auch - besonders wegen d~s Ecke-
hartischen Protestes gegen den Pf.-Text (in seiner Rechtfertigung, unten B IV 13)- als eine besser~.
überlieferung, wenn .nicht gar, wie Th er y meint (1. c. 15.6) den Spamertext als eine von Ecke-
hart selbst geschriebene Bearbeitung unter Benutzung der Pf.-Vorlage bezeichnen will." Thery
(S. 254), auf den Spam er verweist, schreibt: ,,Ce texte C du manuscrit de Melk se presente a
nous comme une compilation dont on retrouve des fragments dans les reuvres d'Eckhart, comme
Spamer l'indique en note. Le redacfeur de cette compilation - peut-etre Eckhart lui-meme, a
la rigueur - avait sous les yeux le texte A. (= Pf.)". Als purgiert kann ich den Me2-Text nicht
ansehen, da die inkriminierten Exzerpte der Predigt erst in dem Stück stehen, das der Me2 -Text
nicht mehr enthält. Der Protes.t Eckharts (sieh unten S. 41 Anm. 1) richtet sich nicht 9der braucht
sidi doch wenigstens nicht zu richten gegen den Pfeiffer-Text, wie Karrer meint. Er besagt viel-
mehr, wie ich in meinem Buch (S. 160) bereits bemerkte, nichts weiter, als daß man dem Prediger
einen Predigttext zur Inkriminierung vorgelegt hatte, dessen Wortlaut Entstellungen gegenüber
der Originalfassung enthielt, nicht aber, daß es überhaupt keine verläßlichen Wiedergaben der
Predigt gegeben hätte und erst recht nicht, daß durch richtige Auswertung der vielen. kursie-
renden Abschriften die Originalfassung im wesentlichen nicht hätte wiederhergestellt werden
können. Die Annahme, daß der Me2-Text eine von Eckhart selbst geschriebene Bearbeitung des
inkriminierten ursprünglichen Textes darstellen könne, entbehrt m. E, jeder Begründung.
Intravit lesus in quoddam casteUum et :mulier qu'aedam,
Martha rro:ri:tine, excepit ill um in domum s.uam. Lucae 111.

Ich hän ein wörtelin gesprochen des ersten in dem latine, tlaz. stät ge- d,20
schriben in dem ewangeliö und sprichet alzo ze tiutsche; 'unser, herre Jesus
5 Kristus der giene uf in ein bürgelin. ,und wart enpfangen von einer junc-
vrouwen, diu ein wip was'.
Eyä, nu merket mit vlize diz wort: ez muoz von 'J].Öt sin, daz si ein
juncvrouwe was, der mensche, von der1 Jesus wart enpfangen. Juncvrouwe

1f.; 4f. Luc. 10,38: (Factum est autem, dum irent,) et ipse infravit in quoddam castellum; et
mulier qtiaedam, Martha nomine, excepit illum in domum sua:in; vgl. auch unten S. 28,lfl.; '38,'Jff.

Zuweisungen: Ein andere predig Maister Ekharts von pa:ris (rot) Me2 M. Eggert (rot)
Ga Diz sprediet Meister Eghart (rot, vor S„ '32,1 ldi) B1 Doctor Edrnrts BT (sieh unten zu Z. 2).
Im Inhaltsverzeichnis von St1 steht f. 2r mit sicherem Bezug auf die vorliegende Predigt: Egghart
~~ . . .

tJbersc hrif ten: Hie liz vnde sdiowe wie ein wip besser ist wen ein iu;ncvrowe (rot) St2 die .
predist ist vff vnszer frowen himelfart (rot auf d. oberen Rand; sieh auch.unten z. S. '38,'J) Sirs
Op die woerde des heyligen euangelijs Da< jh<s gijnck in een casteel Ende een wijf die Martha
hiet ontfienck he in ho~ huys. M. Eggert (rot) Ga Vff Marie himelfart / die .iiij. predig / BT
'.faulerus fol. 296 ( auf d. l. Rand v. Sudermanns Hd.) B4

1 Intravit bis 2 Lucae II. Ko 0 ] fehlt StraMai1Br1Me2Ka1St1 1 et mulier bis 2 Lucae II fehlt
St2BaB9 2 Lucae II fehlt B4KoaTrG~ Vff Marie himelfart / die .iiij. predig / geet vff ein
subtyl vnd geystlidi vszlegung der ersten wort des heütigen euangeliums Lm;e .X. Intrauit Jesus
in quoddani castellum / et mulier quedam / Martha nomine / excepit illum in domum suam.
das ist / Jesus ist yngangen in ein castell oder bürglyn / vnnd ein weyb mitt. namen Martha
empfieng jn in ir hausz. Wöldie wort vff geystlidien synn in nadifolgender predig also fürge-
wendt vnd angezogen werden / Jesus gieng auff ein bürglin / vnd ward empfangen von eyner
iunckfrowen (das ist von Martha) (Klammern in BT) die eyn weyb was /Vnnd ist ein kostlidie
predig ynhaltend nadi den. gantzen grund aller predig / des hodigelerten Doctor Eckarts / als
man sehen wirt. BT 3 Ich bis 4 tiutsche: fehlt BaBTBr1GaMe2 3 Ich bis 7 Eyä, fehlt Ko 0
3 wort B9St. des ersten fehlt aStr.Mai1Ka1B9 daz] vnd St1 4 in dem ewangeliö St1B9a in
dem heiligen e. StraMai1Ka1 und sprichet bis tiutsche: fehlt B9 Onse lieue h<e Ga unser herre
bis 5 giene] Ihesus ghinc Br1 4f. Jesus Kristus der fehlt Ba Kristus fehlt B9Me.St2 5 ilf
in a uf fehlt B9Br1Me. in fehlt St1BT GaKa1BaStraMai1 bürgelin] borchsken Ga (ene) casteel Ba
6 diu bis was'.] das was ein wip Ka1 7 Eyä, fehlt Str8 Mai 1B6 Br1St1 init bis muoz] my
mit ernst dat moest Bo diz] dise B9 <lese Br1 mit vlize fehlt Br1 diz wort: fehlt Ba
ez fehlt Mai1 von not] von uch B0 ez bis si fehlt Ga ez bis 8 enpfangen.] Het
moeste van node sijn ene joffrouwe daer.jhc wart af pntfaen Br1 7 .ein fehlt B9 ein
bis 8 enpfangen.]Die mensche da.; ih's af wert ontfarigen was een ioffer Ga 8 was, St1B9
Ka1 BT StraMai1 Weer Bo esset Kob si aMe2 der mensche, fehlt Ko 0 von der] von dem
Ka1BT StrsMai1 von der bis enpfangen] der ihesum enpfahen sol vnd von de:in ihesus
enpfangen wiirt St1 der jhesum enpfachen sol B9 de qua fuit susceptus Ko 0 Juncvrouwe]
Dese iöffer Ga

1 Inhaltsanalyse der Predigt .bei Karrer, Das Göttliche, S. 82-8$,


Intravit Iesus in _quoddam castellum

2i;ist also vil gesprochen als ein mensche, der von allen vremden bilden ledic ist,
also ledic, als er was, do er niht enwas 1• Sehet, nu möhte man vragen, wie der
mensche 1 der geborn ist und vor gegangen ist in vernünftic leben, wie er also
ledic müge sin aller bilde, als dö er niht enwas, und -er weiz doch ,vil, daz
ao sint allez bilde; wie mac er denne ledic sin? 2 Nu merket daz underscheit, daz 5 -
wil ich iu bewisen. W rere ich also vernünftic, daz alliu bilde vernünfticliche
in mir stüenden, diu alle menschen ie enpfiengen und diu in gote selber sint,
wrere, ich. der ane eigenschaft, daz ich enkeinez mit eigenschaft hrete begriffen
Bö lll tuonne noch in lazenne, mit VOr noch mit nach, mer: daz ich in disem

1 ist bis gesprochen] is alsoe voel te seggen Ga bediet also veele Br1 mensche,]
maget StraMai1 der von allen vremden (vremden fehlt BT) 'bilden ledic ist St1B9Ka,BTStrs
Mai,BaBr, die vrye ,is ende ledich van allen beelden Ga der lidic ist aller fremdei: bilden PfSt2
quae lihera est ab omnihus imaginibus Kob allen bis 2 also· ledic, fehlt B4TrKoa 2 also] ia
also Br1 und also Bo BT als ei: was,] als e als er was Ka1 fehlt Str.Mai1 BT er was fehlt Br1
Me.Ga Sehet fehlt Str8 Mai1B~Br1BTGa Sehet bis 4 enwas, fehlt St. (Homöoteleuton/)
2 mac B~St, vrägen, wie der mensche B4TrKoaStr8 Mai,B6 Br1 vragen hoe 'dat een mensche. Ga
sprechen wie ein mensch Me. Quaeritur enim qualiter homo Kob vrägen (sprechen Ka,): der
mensche PfSt,B9 Ka1BT 3 der fehlt Ka1B6 geborn ist und fehlt BT Ga vor gegangen
ist] vott gegangen ist B4Koa'Cr voert gegaen is B6 der fort (darüber v. and. Hand: fürter Stra)
gegangen ist StraMai, voert is gegp.en, Ga voert gheet Br, ultra progressus est Kob und vor
gegangen ist fehlt B9 ·- vernuftigem St1 in bis leben,] in een vernuftich leuen Ga in
vernünftigen leben Ka1 ende .vernuftich is ende leuet B6 in verstendicheiden Br1 wie er J
wie der Pf BT wie bis 4'bilde,] hoe dat die alle beelden (f. 211v) de soe ledich macli sijn. Ga
4 als er do nut Ka1 weiz] waz B9 vil, daz] vil manigualtikeite das St. und er bis
5 bilde;] ghi weet wel dat dit leven es almet beelden Br1 endti hij doch wael weet datter
alreley beelden sijn (ende hoe) Ga, ende hi doch veel weet ende dit sijn doch al belden Bs
daz sint] daz ist daz sint Str8 Mai1 5 mac bis sin?] machmen dan alre beelde ledich ghesijn Br1
er denne] hij dier da Ga Nu] Daz Str,Mai1 Sehet, nu B9St1 Sehent Ka, Nu bis underscheit,
fehlt Br1 daz • fehlt St. 6 iu] ouch B4 fehlt St1 underwisen St. W rere] vnd
wär B9 vnd · wer St1 verstandich. . . verstandelike Br1 vernünfticliche fehlt Bs
"l stüenden,] waren Ga werent BT ie fehlt a diu alle bis und fehlt Kob (Homöoteleuton/)
enpfiengen St1B0Ka1 BT StrsMai,BsBr1Ga enpfangen hänt aMe. diu• fehlt a selber fehlt
St2 GaKob, 8 wrere] vnd were BT vnd wie Ka1 der] des -Pf BT dan Bs jstarum
imaginun:i Kob wrere bis äne eigenschaft,] ende haddicse sonder eighenscap Br1 wrere bis be·
griffen,] ende ic dier· en geen mit eygenschap beseten en had of en begreep Ga anti] SUD
der(!} Str8 Mai 1 hrete begriffen St,St2Ka, BT begrife B4TrKoa enbesete noch enbegrepe Ba
hetti besessen B 9 begre:pen enhadde Br1 hiet... begriffen Me. accepissem Kob begriffen fehlt
Str8Mai1 9 noch' J vnd Ka1 .mit vor] weder vor -BT noch mit voer Ga mit vor bis nach,]
noch voer noch na Ba mer: J waert Ba in fehlt StraMai, -

1 Vgl. oben S. 9 zu Z.11; Pf„ S. 281,15; 282,14; 532,31. Mit als er was, do er niht_ enwas ist

die E_xisten.z des-Men.sdien als Idee- in Gott gemein.t. Eckhart lä{lt sidi über 'diese Vorexisten.z des
Menschen iTI, seiner Idee i,;_ der Pred,igt Pf. Nr. 8? genauer aus,. vgl. insbesondere Pf. S. 281,'2,0ff.
und -S. 283;3?-/f. mit den Ausführungen bei Quint S. ??8-?90. Der Satz Z. 1f. -fi,ndet sidi, roie
v. di Leyen ZfdPh 38 S. 358 sdion nadiroies, .als Zitat in einem Meister-Jünger~Dialog über die
zehn Gebote (von Marquart v. ·Lindau, Ausgabe: Hasak, Vinc,; Ein Epheukranz oder Er-
klärung der zehn Gebote Gottes, .Augsburg 1889 S. 84,23-25) und lautet dorfnadi cgm. 4° 365 f. 98r:
Nu spricht .ain maister das magt als vil sey gesprochen als von allen formen vnd pilden ledig
sein als ledig- er was da er nicht :was. · • Vgl .. I'f. S. 19,14-:--20.
Predigt 2

gegenwertigen nu vri und ledic sfüende nach dem liebesten willen gotes und
den ze iuonne ane underlaz, in der warheit so wrere ich juncvrouwe ane
hindernisse aller bilde als gewrerliche, als ich was, do ich niht enwas.
Ich spriche. aber: daz der mensche ist junc~rouwe, daz enbenimet im nihtes
5 niht von allen den werken, diu er ie getete 1 ; des stat er megetlich und vri
ane alle hindernisse d~r obersten Warheit 2 , als JeSUS ledic und Vrl ist Und 4S,5

megetlich in im selber. Als die meister sprechent, daz glich und glich aleine
ein sache ist der einunge 3, her umbe so muoz der mensche maget sin, junc-
vrouwe, diu den megetlichen Jesum enpfahen sol 4.

1 gegenwertigen St1B0Ka1 fehlt aStraMai1 BT gegenwertigen nii fehlt Br1 Ga gegenwertigen


bis ledic fehlt Bo in disem bis nii fehlt Koh nii] münd B9 vri und ledic] alle zit St1 B9
1 und• fehlt Bo den] dem St1BoK'a1 2 den ze tuonne] dem ze dienen Mai 1 sonder
onderlaet te volbrengen Ga 1f. und den bis 2 underläz, fehlt Br1 2 in fehlt B9 (Zeilen-
roedisell) ioncfroulic · Br1 3 aller] dier Ga ghebeelden Br1 ich was, fehlt B9
enwas. fehlt Koa 4 Ich spriche bis 9 sol. fehlt Br1 4 aber:] noch wyder Ga weiter BT
fehlt Bo daz. der ST1Ga] daz fehlt aBoBT Ka1B.StraMai1 daz 2 ] des St1B0Ka1BT en-
benimet im] enbeni (Zeilenende J) wz im B9 ist bis 5 werken,] is ioncfrouwe die sonder
al waer 0111 sijn werck: werck:et B6 een ioffer is Die sich seluen nyet ae.n en neemt all der
werck:en Ga 4f. nihtes niht] nieman St. 5 von] vor B9 getete St1B9 aStr3 Mai 1B6
gewracht Ga gethet oder gewürck:te BT gewurkete oder gete Ka 1 gewaricht hap Me2 operatus
est Kob er• fehlt BTa Ga des bis megetlich] dat is dat hi mechtlic si B6 der do steet
mägdlich BTb megetlich und fehlt Kob vri fehlt B9 6 alle fehlt Ga der] in der PfSt2
ist fehlt Kai , 7 in] an Ka1 aleine fehlt TrfüMe2 8 ist] si PfSt2 darumbe aB 9
juncvrouwe aStraMai1 ein (vn B9 ) j. St1B0Ka1 fehlt Bo maget bis juncvrouwe] magdt oder eyn
iungkfraw sein BT ·een ma~et ende een ioffrou sijn Ga 9 diu] der BT son wil BTGaMe2

1 S. 25,2-oben Z. 5 rourde in den Traktat Von d_en drin fragen aufgenommen und lautet bei

Denifle QF J6 .S.142,15-143,1: Nun ist ein frag: als ain mensch, der vor in einem vernunftigen
leben gegangen hat, der waisz doch vil; dz sint alles bild. Wie mag er denne stän an bild als do er
nit was? Dz merkent. Meister Ekkhart sprichet: hette. ich allu bilde in miner vernunft die alle
vernunftigen mentschen ie empfingen, stünt ich der an eigenschaft mit tilgende und mit lassen,
mit vor mit nach, denne daz ich in disem gegenwertigen nü fry und ledig stünd und alleine
warte was got von mir haben wölte, und dem vor allen dingen volgete und genuog were, so
·:stünd ich an hindernusse aller bilde alse gewerlich als do ich nit enwas, und dz beneme mir
nit allu du werk die ich je gewurck:te. - Der. Terminus eigenschaft, der in der Predigt eine gro/le
Rolle spielt und immer roieder vorkommt, ist in der Übersetzung nidit leimt und nidit immer
durdi ein und dasselbe nhd. Wort wiederzugeben. Eigenschaft hat sidi bei Ed-hart meist nodi
nidit so roeit von .seiner Grundbedeutung „Eigentum" entfernt, dafl, diese Grundbedeutung nidit
meist nodi mitsdiwänge, und das rein abstrakte „Eigensdiaft" des Neuhodideutsdien liegt meist.nodi
nidit vor. Das Wort sdiillert vielmehr zwisdien lat. proprietas und qualitas, zwisdien nhd. ,,Eigen-
tum", ,,Eigenheit", Eigensdiaft", ,,Eigentümlidikeit", und Ed-hart verwendet es im vorliegenden Falle
in nodi feiner nüancierten Bedeutungssdiattierungen, die oft nur umsdireibend verdeutlidit werden
können .. übersetz ung von S. 25,8 wrere bis 9 nach: ,,wäre idi ohne deren (nämlidi der Bilder; von
denen vorher die Rede war). Eigenbesitz", umsdireibend: ,,wären .die. in mir, ohne dafl idi an sie
wie an einen Eigenbesitz gebunden wäre, so dafl idi mir keins von ihnen im Tun und Lassen mit
Vor und Nadi, d. h. mit ihrer zeitlidien Gebundenheit, zu eigen gemadit, mir zum bindenden Eigen-
besitz angeeignet hätte, ...."; vgl. unten 29,6f. Die Übersetzungen von Büttner, Lehmann und
Schulze c Mai zier sind mehr oder weniger frei. Zu S. 25,6-oben Z. 3 vgl. oben S .. 11,1 Off. • der
obersten wärheit ist genitivus objectivus: ,,ohne alle Behinderung der obersten Wahrheit"~ ,,ohne

26
lntravit lesus in quoddam castellum

10 Nu merket und sehet mit vlize l Daz nil der mensche iemer me juncvrouwe
wrere, so . enkreme keine vruht von im. Sol er vruhtbrere werden, so muoz
daz von not sin, daz er ein wip si. Wip ist daz edelste wort, daz man der
s.ele zuo gesprechen mac, und ist vil edeler dan juncvrouwe. Daz der mensche
16 got enpf rehet in im, daz ist guot, und in der enpfenclicheit ist er maget. Daz 5
aber got vruhtbrerlich in im werde, daz ist bezzer; wan vruhtbrerkeit der gabe
daz ist aleine dankbrerkeit der gabe, und da ist der geist ein wip in der
widerbernden dankbrerkeit, da er gote widergebirt Jesum in daz veterliche
herze.
20 Vil guoter gaben werdent enpfangen in der juncvröuwelicheit und enwerdent 10
niht wider ingeborn in der wiplichen vruhtbrerkeit mit dankbrerem lobe in got.

1 Eyji nvn merkent Bo sehet fehlt B4TrKoa und sehet fehlt St,St 2 Nu bis
vlize I fehlt Me2 und seh~t mit vlize ! fehlt Br,KobS1 mit vlize ! ] vlytelick. Ga das mit
(vlize fehlt) Ka, Daz] waert dat Bs nu fehlt aS,StraMai,B6Br1Me2KobGa iemer
me] ewelike Br, altijt Ga iemer bis juncvrouwe] ein iunck.frauw BT de.r]. een Ga junc-
vrouwe] ein maget S, 2 enkreme niemer (kerne doch niemer S,) enkeine (enkeine fehlt St.)
vruht PfSt2S1 niemer] doch BT keine fehlt K,a, von im. Sol] van hoer Mer sal Ga
Sol bis 3 si.] dar vmb muss er von not ein wib sin S1 2 er] die minsche Br, vrucht-
barich wesen B6 werden] sin St, 3 daz 1 ] hi Br, es St2TrMai1 fehlt KoaB4Bs$fr3 daz
von bis si. Wip] hij sijn een wijf want wijf Ga si.] es Br, Wip ist fehlt Br, wort,
fehlt Bs 3f. der sele zuo] totter zielen B6 4 ist fehlt B6 mac] kan St. vil fehlt
PfSt, niet Br,; de .Vooys a. a. 0. S. 66 Anm. 5 meint, daß dieses niet zum Ersatz für das zu
Beginn des Satzes ausgefallene Wip ist eingefügt sei. Mag sein, aber daß dadurch „weer een goede
zin ontstaan" sei, kann ich nicht s<1gen. Jedenfalls ist das genaue Gegenteil von dem gesagt, was
Eckhart gemeint hat. und bis juncvrouwe. fehlt S, Daz] want als Ga der J ein
(von ders. Hd. auf d. Rand) S, Daz bis 5 und fehlt Br, 5 in im, fehlt B. daz ist guot,
fehlt BT daz bis und fehlt Ga und fehlt St2B6 in] an B6 in dier ontfangenisse Ga
ist er maget] sö ist m. Str3 Mai, er] si B6 die geest Br, ,maget] ioffrouwe Br1 ioffer Ga
6 gotJ si B6 fehlt StraMai, fruchtberlicher Mai, vruhtbrerlich bis wan fehlt Ka, (ab-
geglitten!) 5 im]mir St2 hare Br, im werde,] im enpfangen werde BTGa im geborn
werde S, werde,] wär St, bezzer] verre Br1 wan] denne St.Str3 Mai, wan
bis 7 und fehlt Br, 6f. gäbe daz fehlt Ga (Zeilenwechsel!) 7 ist aleine bis da fehlt Ka,
(Homöoteleuton!) aleine] alle BT fehlt B6Ga dankbrerkeit] acceptabilitas Kob . und
fehlt aStr3 Mai,B 6 BT da] d'an Br, daz 134 wijf worden inder Br, in bis 9 herze.
fehlt S, 8 widerbernden] wederbarender B6 weder barenre Ga wider borner Ka, weder-
gheborten der Br, geborer Bo wide:rgeberen Koa widergebornen PfStraMai,S,St,BTa (außer KoaJ
regenerata Kob da St,B.B6Br,. in qua Kob daz aStraMai,Ka, BT Ga er] es St2 gote
bis Jesum)] ih'm weder gebaer Ga ihm widergebieret Tr ( gote fehlt) wider-• fehlt. Br,
10 guoter fehlt St2KobS1 enpfangen] verloren Br, und enwerdent] enwordense Br,
Vil bis 11 ingeborn] daer werden voel gueder gauen ontfangen in der iofferschap die nyet
weder en werden gebaren Ga 11 niht fehlt Kob wederbaren Bs ingeborn] geborn
St,B 9 Br, dankbrerem] dancbarlick.e B6 dancb~dem (lobem) Ka, acceptabili Kob in got.]
ze gotte Bo fehlt Br,

daß er an der Erfassung der obersten Wahrheit gehindert würde". 3 Vgl. Pf. S. 85,9/f.; '.392,25;

Preg er I S. 486,18/f.; In loh. n. 556: notandum primo quod, sicut omnis inaequalitas nascitur
ab aequalitate, ut ait Boethius in fine Arismetricae, sie ipsa aequalitas ab ·unitate nascitur. ibid.
n. 558: aequalitas non quiescit, quia nec est aequalitas, nisiin unitate,. . . 4 Vgl. Pf. S. 1?5,10.

27
Predigt 2

Die gabe verderbent und werdent alle ze nihte, daz der mensche niemer sre-
liger noch bezzer dar abe wirt 1• Da enist im sin juncvröuwelicheit ze .nihte
nütze, wan er niht ein wip enist zuo der juncvröuwelicheit mit ganzer .vruht- 25

brerkeit. Dar an lit der schade. Dar umbe han ich gesprochen: 'Jesus giene
5 uf in ein bürgelin und wart enpfangen von einer .juncvrouwen, diu ein wip
was'. Daz muoz von not sin, als ich iu bewiset han.
Eliche liute die bringent des jares fützel me dan eine vruht. Aber ander 30

eliche Hute die meine ich nu ze disem male: alle die mit eigenschaft gebunden
sint an gebete, an vastenne, an wachenne und aller hande uzerlicher üebunge
10 und kestigunge 2• Ein ieglichiu eigenschaft eines ieglichen werkes, daz die

4f. Vgl. oben S. 24,4f.

1 Die gabe verderbent] so verdervense Br1 und] sy Sirs sy sy (!) Mai 1 und (fehlt a) sie
aKa1 BT werdent bis 2 wirt. fehlt Br1 1 alle fehlt S, daz der bis 8 male: fehlt S1
1 nihte, bis der] nyet want da< die Ga mensche fehlt Ka, niemer fehlt B6 sreliger]
dester s. Ka, 2 dar abe] da von Ka, BT af Ga Da] das Mai, fehlt Ga Da bis 3
er] Dat is hier om want sijn ioncferlicheit en is nergent toe nutte om dat hi B 6 2 junc-
vröuwelicheit] iunckfrauschafft BT Jungfrowe St, ze nihte nütze,] nergent toe nutte B6
nyet nutte Ga niet waert Br, ze nutte worden noch ze kainem nvtze B9 3 ein wip fehlt
Kob ein fehlt Str3 Mai,B6 zuo bis vruhtbrerkeit. fehlt B6 mit] in Ga ganzer fehlt Ga
4 Dar an] Ende an deser edelre ioncferlicheit Ba Dar an bis schade. fehlt Ka1BT GaMe2
Dar umbe bis gesprochen: fehlt Br, 5 ilf fehlt St,Me2Br,B9 in fehlt Ka,BTGaStr8 Mai 1
inde casteel B6 ein fehlt Br, 6 Daz] Und daz BT Ga moest B6 muoz von nöt] wz
von noch B9 als] Dise Ka, als bis han.] Also heb ic v (v über der Zeile nachgetragen)
bewijst Bs iu fehlt GaBr, BT · 7 ]);liehe St,a Etliche Ka,Str.Mai,B9 eenrehande B6 eer-
rehandi, Br, Nun merckent etlich BT Merct sommige Ga legitimi Kob iützel bis vruht.]
lützel (luter B9 )vruht me (me frucht St,) denne ein St,B9 nyet me< of weynich meer dan een
vrucht Ga bringent bis vruht.] bringhen des luttel meer dan eens iaers vrucht Br1 Aber]
oder Sir8 ( getilgt) Mai1 BT Oec sijn Be fehlt Ga ander St2B6 BT ein ander St1B4 KoaTrStr8
(in Sirs getilgt) Mai, ainerhande B9 quidam alii Kob fehlt Ka,GaBr, Aber bis 8 ich] een-
rehande menich Br, eliche St,aBTb etliche Ka,Str.Mai, erliche BTa geheylicte B6 Gehilickte
Ga fehlt B9 nu] nut B9 oec nv Bs fehlt Ka, Ga alle J als B9 wan( alle Ga die mit]
die :iii. (enschen> die mit S, die nut Ka, gebunden] behouden Br, 9 sint] gent B4 geent Tr
sijn et sy B6 mit gebete (betteiie B9) mit -vastenne mit wachenne und mit aller St1 B9 ge-
bete,] betten S1 an vastenne, an wachenne fehlt Br, und] of B 6 an St2 fehlt Ka, hantle
fehlt Bs uzerlicher J wtwendige Ga vleischerlicker BG uterste Br, vsser S, üebunge
und fehlt TrB4KoaStrsMai1B6Ka, 10 und kestigunge fehlt Sf2 BT GifKobS, Ein fehlt Br,
Eenre yegelicker eygenscap B6 Ein bis wcrkes,] oder ein ieglich furgcseczt werk vnd ein
ieglich eigenschaft eins werkes S, Eens yeglicher eygenschaps Ga eigcnschaft eines
fehlt Ka, (Homöoteleuton!) ieglichen St,B9Ka1 BT GaStr.Mai1B 6Kob fehlt Pfa eines bis
29,1 nu] elcs wercs die benemt die vriheit. in elken jeghenwordeghen nuwe Br,

1 Zu S. 28,10-oben Z. 2 vgl. Serm. XLIII n. 432: Quinto die quod gratiarum actio, cum non sit

aliud quam bonorum perceptorum in deum relatio, ipsa est ratio et origo sive principium boni
omnibus aliis. Unde quanto plenius in deum referimus, tanto est deo gratius et in se ipso opus
melius. 2 Vgl. oben S, 11,Jff.; S. 25,6ff.; Pf. S. 280,28ff. Z. 8f, mit eigenschaft gebunden

= ,,selbstisch gebunden", ,,eigensüchtisch gebunden". Büttner und Schulze-Mai zier:. ,,eigens


gebunden" und Lehmann: ,,mit Leib und Seele ... gebunden" istzuJreiübersetzt.

28
Intravit Iesus in quoddam castellum

vriheit benin;iet1, in disem gege:riwertigen nu gote ze wartenne und dem aleine


95 ze. volgenne in dem liehte, mii dem er dich ~nwisende wrere ze tuonne unc;l
ze lazenne· in einem ieglichen nu vri und niuwe, als ob du anders niht enhabest
noch enwellest noch enkünnest: ein ieglichiu eigenschaft oder vürgesetzet werk,
daz · dir dise vriheit benimet alle zit niuwe, daz heize ich nu ein jar.; wan din 5
40 , sele bringet dekeine vruh!, si enhabe daz werk getan, daz du mit e,igenschaft

besezzen · hast, noch du engetriuwest gote noch dir selber, du enhabest din werk
volbra4t,. daz du mit eigenschaft begriffen ha.st; anders s.ö e:i;ihast du dekeinen
vride. Dar umbe sö •enbringest du ouch dekeine vruht, du enhabest din werk
get~O:. baz setze ich vÜr ein jar, und diu vruht ist noclidenne kleine, wan si 10
44 ,5 uz eigenschaft gegangen ist nach dem werke und niht von vriheit 2• Dise heize
1 vriheit] vrucht B6 benimet,] beniement Str8 benement Mai, benemen mach Bo
in fehlt Ba gods .te werden Ga und dem] in hem Br1 ende hem Ba aleine ] alle
St2 fehltKob 2 in] mit Ka,BT.GaBaS, 2 in dem bis 4 enkünnest: fehlt Br, 2 dem•] sinem
S1 dien Ba mit dem] mit der Str. mit (f. 15v} In der Mai, ende mit dien Ba in dem St,
da< ... mede Ga fehlt Ka,BTB9 · dich] v Ba anwisende] wissende St, wisende B9 an•
.wisende wrere] bewiset ·het St2 gewiset hett S1 aenwijst Ga ze tuonneJ ze. minne B0
3 in bis ob du] an yegelicke nv siede nv vri ende nv offtu Ba einem ieglichen] ieglichem S,
niuwe,] ledic und niuwe BT Ga ·3 als bis 5 jar; fehlt S, 3 als fehlt Ba anders niht
enhabest] nie± anders te doen en heddes Ba . enhabest] respiceret Ko 0 enhahest bis 4 en-
künnest] enkantste of enwilste of enhebste Ga 4 inwilt Ka, ein] und ein B9 St, ein
bis werk,] Eenre yegelideer eygenscap also voergeset waer Ba eighenscap heeft sijn vor-
sien wer eh Br, oder J ald Str8 als Mai1 v<sas.t Ka1 5 dir] v Ga fehlt Tr daz
dir bis zit] dat daer dijn. vriht benemen mocht al dit Ba dise] die StrsMai, alle zit
niuwe] als das nuw St, niuwe fehlt Ka,Br, Ga daz heize] di heisse Ka, heize fehlt Tr
nu fehlt BaBr,Ga 5 wan bis 6 vruht,J vnd dis bringet wenig fruht S, wan dich dunket, daz
din sele keine vruht bringe Str8 Mai1 · 5 din] die Br, 6 dekeine vruht,] luttel vru,chten
of ghene Br, si enhabe .bis , hast, fehlt Br1 S1 6 si enhabe bis , engetriuwest] of dµ
enbetrouste nyet op god eer du dat werde hebste gedaen dattu mit eygenschap ,hebste beseten
nyet .een .bet~oustu Ga 6 diz werk B9St, getan. v:nd vollebracht dz ·B9 "! hast,
noch] hast, anders so (so fehlt Mai,) enhast du keinen vriden noch StrsMai, , noch' bis 8 hast,
fehlt B9 (Homöoteleuton!} "! noch'] want Br, wenn S1 noch oec Ba noch" ouch dir St,
enhabest denne daz (daz] .din S;). werk getan Str8 Mai1 S1 dis werk geton vnd vollenbracht St,
din] daz Str.Mai,Br, dann ein BTb 8 daz] .die Bs rlaz du bis begriffen hast; fehlt Sirs
Mai, begriffen] besezzen Br,S,St, possedit Kob indi begrepen B6 8 anders· bis 10 jar,
fehlt Br1 8 anders so] ende anders Ba du in di genen B6 9 Dar umbe .bis 30,2 hän.
feh;lf S, · 9 Dar umbe dünket dich ouch; daz ,du keine vruht bringest Str8 Mai, ouch
St,Ka, BT Ga fehlt aBaBD · enhabest fehlt Ka, ' di:il St,a · diu Ka, BT BsStr.Mai, ditz B9 dat
Ga 10 Daz fehlt Str. (Seitenmemsell} Mai, (Zeile'nroedisell} Daz bis ich] vn di dz zele
ich Ka1 vür] dir Koa nv B6 . ist fehlt Ka 1 · kleine] keine Ka, .11 us ir aigen-
schaft St, . gegangen ist] ·gedaen is Ba sijn ghedaen Br, nach] von St, · nach dem
werke fehlt Str8 Mai,Ga nach den werken Ka,B 6 von] na .die Ba wtter Ga Dise St,str.
St,B0Ka,B'J' 'pit BaGa die Maii tales Kop,Daz ptB~TrKoa 11.Dise bis 30,2 hanfehlt Br,

. ~ übers e.tzung,: ;,Jedes Dir~zu-eigen-sein e"ines jeden Werkes, das dir (kra~ der durm das
Dirgehören' begründeten Bindung) die Freiheit benimmt, .." Wieder sind die Übersetzungen von
Büttner, Lehmann und Schulze-Maizier zu ungenau: ,,Jede Bindung 'an ein Werk, .. ."
(Büttner S. 2?0}, ,,Jedes Inansprumgenommensein durm ein Wpk .. ." (Lehmann S.1?3}, ,,Jeg-
lime 'Bindung' an, irgendein Werk,.,." (Schulze-Maizie.r~ S. 309}. li Vb~rsetz.ung von

·29
Predigt 2

ich eliche liute, wan sie an eigenschaft gebunden starrt. Dise bringent lützel
vrühte, und diu selbe ist nochdenne kleine, als ich gesprochen han.
Ein juncvrouwe, diu ein wip ist, diu ist vri und ungebunden ane eigen-
schaft 1, diu ist gote und ir selber alle zit glich nahe 2 • Diu bringet vjJ vrühte 10

5 und die sirrt gröz, minner noch mer dan got selber ist. Dise vruht und dise
gehurt machet disiu juncvrouwe, diu ein wip ist, geborn 3 und bringet alle tage

1 elidie] ettelidie Ka1 gelijcte Ba gehilickte Ga erliehe BTa an] ane Ka1 gehunden
sint oder stant B9 stänt.J sint Ka1 Dise] sij Ga Die St1Ka1BT lützel] weynich. Ga
2 vruch.t Ba diu selbe ist] die selben seind BT die selbe sint Ka1 die selue sijn Ba du sele
ist B9 noch.denne B.TrKoaStr.Mai1 dennoch B0Ka1BT danne St1 fehlt St2BaKob ist noch.denne]
sijn oec Ga kleine] keyne B.Tr kleine vor gote PfSt. selsen ende deyn Ba als ich
gesproc;hen hän. fehlt St2 3 Ein] Mer een Ga Ein bis. 4 nähe.] Aber der vngebunden frye
ffi. on alle eigenschafft der ist got vnd im selber glich nahe alle zit S1 3 · ein fehlt Ga
juncvrouwe] vrouwe · B9Ka 1 diu 2 Pf fehlt St1Bo BT diu ist bis ungebunden] ende. vrye
is ongebonden Ga ist 2 fehlt Bo fry vngebunden BT 4 gote ·fehlt Ba und ir
selber fehlt Kob glidi] allicke Ga fehlt St1 glich nähe.] gelich.nat Stra geleich. nat Mai1
nähe.] proprie Kob Diu bringet] vnd br. B9 ende die br. Ga ende si br. Br1 vnd die brin-
gent St1 die bringent Ka1 BTb der bringet S1 auffert Kob 5 und1 fehlt Br1 und bis 6 brin-
get fehlt S1 5 die sint] die vrühte sint St2 Str3 Mai 1 die bis got] die seer groet s~jn ende nyet
mynre dan god Ga die fehlt BT gröz,] gotte B9 minner bis got] und niht minner dan
got Ka1 BT 5 Dise bis 31,8 herzen. fehlt Br1 5 fruhte Ka1 5f. und dise gehurt fehlt
St1 B9 6 mach.et disiu juncvrouwe] werckt een ioffer Ga mach.et dise iuncfröwen Ka1 disiu]
ain Bo eine St2 geborn] gebern B. mit weder geberingen Ba fehlt GaKa1 geborn und] die
BT bringet] gebirt PfSt1B9 alle tage] alle mal Mai1 alle .bis 31,1 zal] ja alle tag
hundert oder tusent fruht ioch one zale S1

S. 29,4,--11: ,,Jede Ichgebundenheit oder jedes vorsätzliche Werk, das dir diese all.e Zei{ neue
Freiheit benimmt, die nenne ich nun ein Jahr; denn deine Seele bdngt (bei diesem Verhalten)
keine Frucht, ohne daß sie das Werk verrichtet hat, das du ichgebunden in Angriff genommen
hast, und du hast auch zu Gott noch zu dir selber kein Zutrauen, menn du nicht dein Werk
vollbracht hast, das du ichgebunden angegriffen hast; sonst hast du keinen Frieden. Deshalb
bringst du auch keine Frucht hervor, menn du nicht dein Werk getan hasL Dies ( d. h.
diese zeitgebundene Verhaftung an das Werk) bezeichne ich als ein Jahr, und die Frucht ( die
dabei zustande kommt) ist gleichviel klein, denn sie ist aus dem Werke hervorgegangen in Ich-
gebundenheit und nicht in Freiheit." Alle drei Übersetzer übertragen in diesem Abschnitt den
mhd. Text mehr oder meniger schief und falsch und lassen den Gedanken des Predigers nicht
klar zum Ausdruck kommen. Sie haben m. E. den Gedanken Eckharts nicht genau erfaßt: der
Prediger vergleicht das ich-, zmeck- und zeitgebundene Werk und seine Frucht mit der zum Reifen
fast ein Jahr in Anspruch nehmenden ehelichen Frucht, dem Kind. Beide sind ich-, zmeck- und
insbesondere zeitgebunden und infolgedessen ihre Früchte nicht in jedem Augenblick und nicht
in beliebiger Menge möglich. Der Hervorbringer der Frucht ist in beiden Fällen nicht frei, sondern
zeitgebunden. Die ·Frucht ist bei dem ichgebundenen Werk an das Werk gebunden, ohne das
Werk nicht möglich, meil der Mensch es eben absi<fdsvoll gerade auf das Werk abgesehen hat
und daher in der Erzielu1J,g der Früchte an das zeitliche Nacheinander der Werke gebunden ist;
die Früchte können dabei nidd zahlenmäßig ins Unendliche gesteigert merden. Diese Zeit, die die
Werkgebundenheit zur Erzielung der Frucht braucht und nötig macht, setzt der Prediger in eins
mit dem Jahr, das. die eheliche Fmcht zur Reife braucht.
1 diu ist bis eigenschaft, ist mahl Relativsatz. 2 Vgl. Pf. S. 221,9ff./15f19. 8 Da.s

Subjekt des Satzes ist disiu juncvrouwe, das Objekt Dise vrnht und dise gehurt. V b er s e l,z u n g:

30
Intravit Iesus iri quoddam castellum

hundert m4l oder tilsent mal vruht joch. ane za:l gebeinde und vruhtboore
16 werdende u.z dem aller edelsten grunde; noch baz gesprochen:. ja, u.z deni
selben grm;ide, da der vater u.z gebernde ist sin ewic wort, dar uz wirt si
vruhtboore mitgebernde. W &n Jesus, daz lieht und der sch.in des veterlich.en
herzen '.-:-"- als sant Pa u 1u s sprich.et, daz er 'ist ein ere und ein sch.in des veter- 5
liehen herzen, und er durch.liuhtet ·mit gewalte daz· veterlich.e herze :_,_ di:rre
.2o Jesus ist mit ir vereinet und si mit im, und si liuhtet und sch.inet mit im als
em einfo ein und als ein lu.ter klar' lieht in dem veterlich.en herzen 1.

5ff. V_gl. Hehr. q: qui cuID. sif splendor gloriae et figura substantiae eius.
1 hundert bis mal 2 ] zehundert ald zetausent malen Str. zwo hundert oder zway tuszent
mallen llai1 ze hundert. malen oder ze dusent malen B9 hondertfolt of Illenidifolt'Ba hondert
volt yae 'dusent volt Ga maP, 2 fehlt St2 vruht Str.Mai1Ga fr11hte St2 fehlt PfB4T..rKda
BaKa1 BT B0St1 (fructificari et) fructum (generare) Koh jodi] ia nodi Ka1 ia audi BT ia im B0
vnd 'icicli Stra vnd aucli Mai1 iit. Ba fehlt Ga ane zal gebernde Ka1aStr8 Mai1 on zal geberende sy
BTa sonder getal Ende wedergeberich Ba ane zal ist si geberende Pf BTb gebernde und fehlt St1B0
gebernde bis 2 werdende fehlt Ga 30,3 ungebunden bis oben 4 Wan] vnpunten vnd pringt vil
grazzer frucht v11id pringfder antzal mer perund dann hundert tawsent mal. Wann Me 2 30,5 Dise
vruht bis 2 .edelsten grunde;] Et illos {ructus et iliam generationem gignit et attulit ista virgo, quae
mulier est omni anno, non dico anno, in oinni die cencies vel millesies vel extra numeruni. Potest
enim omni die fructificari et fructum genera~e ultra omnem ~umerum ex illo nobilissimo fundo,
Kob 1 gebernde bis 6 dirre fehlt S1 2 werdende] wort si Ba uz] jä uz St1B0 aller
fehlt Ka1 . noch. (und noch Ka1 BT GaStr.Mai1Ba) baz gesprochen (wtgesproken Ba); ja, (ja
fehlt Ba) uz dem selben grunde St1Ka1BTGaStraMai1BaKob (immo verius eodem ortu et fundo)
fehlt aB0 (Homöoteleuton!) ' 3 uz1 bis ist] uz gebirt B 9St1 sin] dat Ga dar uz St1
B0Str.Mai1 da St2KoaTrBa daz B4 dannen uz Ka1 BT wirt siJ wir seyen Mai1 4 mit-
gepernde] mittel' geburte Ba mit wederbaren ,Ga Jesus, daz füK0aTrStrsMai1Ka 1B0St1 J. ist
d. St2BaMe2 J., .der daz BT Ga lieht. und der fehlt Ga 4f.. des veterlichen herzen] des
wunnenrichen hertzen des vatters B0 5 herzen, als] herzen ist, als .BT Ga 5 als bis 6
herze fehlt St.Me2 (Homöoteleuton/) 5 daz er bis veterlichen herzen, fehlt St1B0 (Homöo-
teleuton/} · ere.] h~te Ba 5f. veterlii,:hen] vaders Ga , 6 herzen bis herze fehlt Ga
(Homöoteleuton!) · daz veterliche herze] desz vaterliche~ hertzen St1 illud Kob dirre]
Der St1 dirre Jesus] dese Ga 7 Jesus bis im1] wan ihs ist mit im vereint vnd er :qiit ihs S1
Ii:tit1 fehlt Ba ir] dir Mai1 und si bis 32,1 daz fehlt S~ · , si 2 fehlt St1B0Ka1 BT GaStra
Mai1 liuhtent 'und schinenL8T Ga mit i:m.2 ] nit me B 0 fehlt ·Bi' Ga 8 ein1 fehlt
Str~Mai1 lfi.ter fehlt: St1B0KaiBT Ga klar lieht] klarheit B~oaTrBa .

„l)iese Jungfrau, die ein Weib ist, gebierl (madit geboren, bringt hervor) diese Frurht und diese
Geburt.. .. " Vgl. Quint S.161 über die falsdien übersefa,ungen. .
i S; '30/J-oben Z. 4 ist im Trakt~t Von den drin fragen QF 'J6 S.14'J,'?~19 in ~inem treien Zitat_
vermertet: (Dar zo spridiet meister Ekart: der mentsch der muss ·gar gelassen sin der gottes wort
hlhen SCJI; wan d:z; seih dz da h&ret ist dz selbe dz da geh&ret wirt [=Pf. & JO!J,29f.]; der
mentsch der nun h&rt wii.s got in im sprichet und us dem gesprechte gottes wurkte, und doch
des wurkerides ·ledig· ist, dis ist der weg der obresten warheit.) .Der mentsch der nun fri
sf.1nde alle usser bilde us dem gerun (= grunde) gottes wurkte und dis wurkens ledig stiind,
der brehte des tages an zal:fruht; und us dem selben grunt got sinen ainbornen sun usgeberend
ist, uss .dem selben grund wird er ällu zit mit geherende; wan der sei grunt und· gottes grunt
ist ·ein grunt .und dise gehurt .were nit minre denne got selber ist. _,... Mit Z. 4-8 vgl. oben
S, 18,1-'-?. .

31
Predigt 2

Ich han ouch me gesprochen, daz ein kraft. in der sele ist, diu berüeret
niht zit noch vleisch; si vliuzet fiz dem geiste und blibet in dem geiste und 26

ist zemale geistlich. In dirre kraft ist got alzemale grüenende und blüejende
in aller der vröude und in aller der ere, daz er in im selber ist. Da ist alsö
5 herzenlichiu vröude und alsö unbegrifelichiu gröze vröude, daz da nieman volle
abe gesprechen kan 1. W an der ewige vater gebirt sinen ewigen sun in dirre
kraft ane underlaz, also daz disiu kraft mitgebernde ist den s,un des vaters 30

und sich selber den selben sun in der einiger kraft des vaters 2 • Hrete ein
1 hans Ka 1 ouch] doch Bo noch Ga ez ouch BT Ka 1B9 ouch me] bi wilen Br1 daz fehlt
Ka1 Ein krafft ist in der sei S1 ein] kein P1 kraft] krat B1 tr6st B9 1 enrüeret
aS1Str8 Mai1 (ernüert) tetigit Kob 2 niht] ist Ka1 noch GaB6 weder BT St2S1 zit}heit (getilgt;
darüber v. and. Hd.: zeit) Str. vleisch] stat BT Ga 1 berüeret bis 2 vleisch;] noch tijt noch stat
enberoert noch vleesch Br1 2 · flusset vnd vs Ka 1 und bis· geiste 2 fehlt Ka1 BT GaM e2
3 ist got bis 4 aller 2 ] vnd Ka1 3 grüenende und blüejende] bliiyende vnd rugende (vor dem r
ist t, über dem g ist w v. and. Hd. nachgetragen) Str3 bliiende vnd rügende Mai1 3 grüenende
bis 4 ere] in bliuende ende gaende ende vol vrouden in alder herten B6 4 in aller der vröude
bis daz er] mit aller seiner krafft Vnd die eere die er BT mit all sijnre cracht Ende die
eer die hij Ga 4 in aller der 2 fehlt S1 vnd der ere Kai daz St2KoaTrSt1Ka1B1P1
do B. du B9 daer Bo als S1SfraMai1Me2 die BT GaBr1 er] got B1P1 in fehlt Ka1 Da
bis 5 vröude, daz] Da (Daz Str.Mai1Koa) ist also herzenlichiu (hertzeklich B9 is al / al hertelicke
Bo) vröude (vröude fehlt B1P1) und (und fehlt Bo also herzenlichiu vröude und fehlt Br1) also
(also fehlt B1P1) unbegrifelichiu (vnbegriffenlichen B9) groze (gröze fehlt St1Br1) vröude (vröude
fehlt B.KoaTrStr.Mai1Bo), daz B.KoaTrStr.Mai1B6 f] dz och herzeliche fröde di Ka1 damitt ist er
hie inne in also hertzenlicher fröüde vnd also vnbegryffenlicher freüde dasz BT Das mede is
hij his in mit alsoe hertelicker vrouden ende onbegrijpelicker blijtscappen dat Ga Wann da
ist so gar hertzenleiche frewd vnd so grass fralokchen das Me 2 do ist die :l'röde als unbegrif-
Hchen groz das St2 Et tale gaudium est incomprehensibile e.t inestimabile et indicibile, quod
Kob 4 Da bis 6 kan. fehlt S1 5 da ... abe J do von St2 volle] ze vollen Ka 11BT fehlt Bol\
5 volle bis 6 gesprechen] wol ab gesprechen Stra wol auszsprechen Mai1 wtspre.cken Ga 6 abe]
auch B. fehlt Ka, kan.] mac Str.Mai1B1P1 mag noch kan St1 Wan] vnd S1 der
ewige vater] der uatter der ewikeite St2 ewige fehlt S1 ewigen sun] svn ewig B.
einbornen sun B1P1S1 ewigen fehlt BoGa 6 in bis 7- underlaz, J inder craeht intellectus sonder
ondedaet Bo ane (sunder Ka,Ga) underlaz in dirre kraft Ka 1BT Ga 6 gebirt] verbaer.t
daer Bo dirre kraft] der cracht intellectus B6 7 äne bis vaters fehlt Br1 7 daz]
di Ka1 fehlt B. disiu] diu a kraft] cracht intellectus B6 mitgebernde ist] nitt geberend
ist BTb mede baerf Ga den (dem B1) ewigen sun B,P, eundem (dei) filium Kob des]
sins S1 8 den selben fehlt Koa selben fehlt BT Ga einiger] eigen S1 St2 ewigen BTB9
enr.e Bo fehlt Qa in bis vaters J in deser cracht dies vader Br1 Hrete] Und hete Pf fJ
Hrete bis 34,2 nu. fehlt S1 (Weitere Textfolge sieh oben S. 21). ·
1 Z. 1-6 = Pf. S. 39?,J5-40 in Traktat J (Pahncke,. Diss. S. 3, roo auch die roeiter unten

verzeichneten Parallelen nachgeroiesen sind). Die Kraft, von der der Prediger in diesem Abschnitt
spricht, ist die oberste Vernunft, über die E<khart an sehr .vielen Stell.en handelt,. insbesondere
an der durch die RS. inkriminierten und wiederholt von Eckhart verteidigten Stelle Pf; S. 311,4ff.;
vgl. auch RS. § II 4 art. 5 und .6 {Th er y S. 1?9) ,, Gutachten" art. 4 {P e.l s t er S. 1111 ), Bulle art. 1
des Nachtrags ( Arch. II, S. 6J9), Erklärung E.'s in der Predigerkirche ,zu Köln 13. Feb.ruar 132?,
Arch .. II, S. 631 dritte Z. v. unten - 632,4. Vgl. auch Pf. S. 6J,2?ff.; 29?,23ff. Zu Z. 2 vleisch vgl.
Quint S. 164 .und die Entsprechung S. 35,4 unliplich bei der Charakterisierung der· anderen
Kraft, unter der der Wille zu verstehen ist. Zu Z. 3f. vgl. unten S. 40,5f. und Pf. S.100,5/9. • 2 Mi.t
Z. 6-8 vgl. unten S. 41,1- 5; vgl. aucJi unten S. ?2,14ff.; Pf. S. 38,25ff.; ?0,12f./16.; 1.-01,13f;;

32
Intravit Iesus in quoddam castellum

mensche ein ganzez künicriche oder allez daz guot von ertriche und lieze daz
1:6.terliche durch got und würde der ermesten menschen einer, der uf ertriche
iener lebet 1, und grebe im denne got alsö vil ze .· lidenne, als e.r ie menschen
35 gegap, und lite er. allez diz unz an sinen töt und grebe ini denne got einen
blik ze einem male ze schouwenne, wie er in dirre kraft ist : sin vröude würde, ·5
alsö gröz, daz alles diss lidens und armüetes · wrere nochdenne ze kleine 2. Ja,
engrebe im joch got .her nach niemer me himelriches, er hrete nochdenne

1 ein g·anzes bis oder fehlt ßSt2 ganzez] heel Ga fehlt Bs daz guot von fehlt Br1.
von] auf B4 von.ertridie] de alle ertridie geleisten inag·St2 dat die werlt ye gewan B 6
daz vff ertridi ist B9 das yon erdtreidi sein m<ldite BT totius mundi Kob oder allez bis ertri<he]
of al ertrike Br1 lie:i,e daz (lieze er daz B4KoaTrStraMai,) lilterlidie (hlterl.] alles SM
durdi got St1 B9 aStr8 Mai, g.rebe daz allez hlterlidie durdi got B1 P 1 geue dat puerlic om got B6
ghave hi' dat al om gode Br1 lieze er daz allez durdi got Ka1BT verlyet dat all do< god Ga
2 und fehl{BT der ermesten (der mestem, d v. and. Hd., das SchluP-m aus n von and. Hd.
Mai1) mensdien einer, B~oaTrKa1 BT St1SfrsMai, der ermeste mensdie St2BaB1P1 een die aermste
mi.nsdie Br1 een die alre armste mensdie Ga ain der ermsten mensdi B9 2f. der uf ettridie
iener lebet,] de~ iena lebt uf ertridie Pf der uf ertrid:te einer (yena BT einer fehlt Str8 Mai1)
ist füKoaTrKa1 BT StraMai1 die op eerden waer Ga der ainel'. lebt uff ertridi St1 der uf e:r:trid:te
ist St2Ba der einer lebet B1P1Bo die ye. was Br1 3 denne fehlt Kl!:1 BT GaBa also· vil fehlt
SfrsMai1St, als er] als vil,er Bo ye keinem mensdien BT 4 und lite er (er fehlt
B1P1) allez diz (das Mai, diz allez B,P1 BT daz alles Br, allez fehlt Ka,) unz (bysz BT) ßKa, BT
SfrsMai, ende lede dat allit daer toe Ba ende hij dat all leet hent Ga und hete er (er fehlt St2 )
diz allez biz a et quod homo ista patienter suffert. usque Kob und lite bis tot] ende hedde hi
also.e vele te ghecloghenne ~llene als al die werelt dat. ane (Hs.: dar aue ?) sine doet ghinge Br1
an] in BT GaKob ilf &KoaTr denne fehlt Ka1 Ga 4f. einen blik (ougenblik St, BT ein einigen
ogenblidi Ka1) ze einem male ze s.cliouwenne aStrsMai1BaKa, BT tenen male een oghenblic te
scouwenne Br, dat hij tot enen mael een, ogenblick besd:touwen mocht Ga. unum solum aspec-
tum Kob einen ougenblic (anblik Bo blick St1) ze. schouwenne Pfß 5 sdiouwenne vernünftic-
lid:te, 'wie B1P1 · er] god Br1 in dirre kraft] in der klarheit a dirre] der B1P1 ist]
sist Ka1 würde] weer Ba ware Br1 werde B, ·· 6 daz alles bis kleine. fehlt Br1 daz
bis armüetes] dat hem al dat liden ende armoede J)s das alles seyns leidens vnnd der armüt BT
dat all sijn lijden ende armoede Ga dz alle sine armut Ka1 daz bis wrere] das er alles sines
leiden vnd des armütes wär (zroischeri arri:iütes und wär über d. Zeile von and. Hand: v<ges vii)
Sfrs das er. alles sein leiden vnd .das armütes wär Mai1 dj,ss] dez B1 fehlt St~ wrere bis
kleine.] zu wenig were BT w<e _noch alze kleine Ka1.· voel te cleyn waer Ga cleyn weer Ba .
... nod:tdenne] ye n. B4. _ J~. bis 7 hrete fehlt Bo 6 Ja, B,P1 und aBa Ende all Ga oder Str3
Mai1Ka1 BT Ad St, al Bh fehlt Ba 7 im fehlt Ba · joch B,Pil,dodi Ba fehlt q,Stt8 Mai1 Br1
Ka,St1 im joch got] er im BT Ga her nach fehlt St„B1P1Br1 niemer me himelridie. St.
GaBs] niemer himelridie(s) me PfSt1B1l:'iBTl,me fehlt Str3 Mai 1B4KoaTr BT Ka1Br1 er hrete] er,
fehlt Stra (auf d. Rand v. and. Hd.' nachgetragen) Mai, nodidenne] nach dem Mai1 hier
an Ba alze] als StraMai1 also P1 ze St, vil ·zu BT

14?,'33-,-148,J;,15?,28ff.; 18J,19f.; 190,?; 191,'3ff.; J99,25ff.; 205,Jff.; 20?,l?ff.; 208,20;2'34,'3ff.;265,12ff,;


266,2ff./'31ff.; 2?4,'3'3ff.; 285,14ff.; 286,2?ff.; 28?,tff,/ J8ff.; 288,4f.; '309,J6ff.; 585,'34ff.; Lange rih er g
S.198,l?ff,; Tauler·s. 'J01,19ff.; RS. § n 4 art.1A (Thery S.1?6); II .arl. 38 (Thery S. 241).;
II art. '39AB (Thery S. 242); l[art. 59 (Thery S. 266); Bulle <1rt. 20, 21, 22 (Ardi. II, S. 6'38)•
.,Gutachten" art. 1?, .18~ 19 (Pe ls. t e ~ S. 111?). · ·
1 Ähnliche Vergleiche: unten S. ?1,tff.; RdU S. 42,40ff. (5?6,14ff,h ZfdA 15 S. 42'3,1ff. 2 Vgl.

unten S. '36,'.J--,?. ·

3
33
Predigt 2

alze grözen lön enpfangen umbe allez, daz er ie geleit; wan got ist in dirre 40

kraft als in dem ewigen rn1. W rere der geist alle zit mit gote vereinet in dirre
kraft, der mensche enmöhte niht alten 1 ; wan daz rn1, da got den ersten menschen
inne machete, und daz m1, da der leste mensche inne sol vergan, und daz nu,
5 da ich inne spriche, diu si:nt glich in gote und enist niht dan ein m1 2 • Nu sehet, 45,5

dirre mensche wonet in einem liehte mit gote 3 ; dar umbe enist in im noch liden
noch volgen sunder ein glichiu ewicheit. Disem menschen ist in der warheit
wunder abe genomen 4, und alliu dinc stant weseliche in im. Dar umbe enpfrehet

1 alze bis enpfangen] alte groten loen nochtant ontfangen B6 vil zu grossen Iones empfan~
genn BT te voel loens ontfangen Ga also groszen Ion ze empfitchen B9 tantum gaudium susce-
pisset Kob umbe allez bis geleit; fehlt Br1 geleit] erleid "JJT ghedede B6 2 dem]
disem BT Ga den Ka1 W ~re bis 3 m1, fehlt B9 (Homöoteleuton!) 2 W rere J Und wrere
GaB{P1 der geist aStr.Mai1BeBr1Kob der (een Ga) mensche St1B1P1Ka1 BT Ga mit fehlt
PfSt1B1P1Br1 mit gote fehlt KobB1P1 (ogl. Pf. S. 398,lf.) 3 der mensche] dirre mensche
aS1Sfr8 hij Ga alten;] houden Br1 olt werden Ga alten; wan] alten; wan got ist in
dirre kraft als in dem ewigen nu; wan B1 P 1 (Wiederholung von Z.1f. Latzes Angabe S.12, nur
P1 enthalte den Zusatz, stimmt nicht.) 4 inne 1 fehlt Str.Mai1 da fehlt Str.Mai1 der]
er B9 leste] iungeste St2 hinderst S1 sol bis 5 inne fehlt Ka 1 (Homöoteleuton!) 4 daz 2 ]
diz Str8 Mai 1BT 5 da bis spriche,] da ic op dit passe in sprecke Ga ich nu inne B,P1 ich
bis spriche,] ich yetz in rede BT ich ietzcnt inne sprich B9 diu sint] is all Ga seind
alle gleich BT glich nähe in gote St2S1 in fehlt SirsMai1 und enist bis 8 abe
genomen fehlt S1 5 und enist bis nu sieht in St2 hinter 6 gote und enist] ende hem is Br1
ein nu.] novum Kob fehlt B,KoaTr (Es ist allerdings möglich, daß das unmittelbar in Z. 5 folgende
Nu, das in B1 P1Ga fehlt und in B6 durch Ende ersetzt ist, in B4 KoaTr zum vorhergehenden Satz
gehört.) Nu bis 6 liehte] Ende sijnt die mensdie een wart inden licht B" want nu <lese
minsche woent (met gode) in enen lichte Br1 6 mit gote;] in got B4 dirre] der St1
einem] dem St1 dar umbe bis 7 volgen J et ideo l).eque est in eo passio nec aliquid steht
in Kob vor 6 dirre. (Nu sehet fehlt), roo es gewiß ursprünglich nicht gestanden hat, roie denn auch
die Umstellung in Kob weitere Änderungen des Satzgefüges gegenüber den deutschen Texten nach
sich gezogen hat. 6 in im B1P1 BT GaSirsMai1Br,Kob in fehlt St1BeB6Ka1Me2a nodi] geen Ga
liden] leben B1 P 1 eilgheen liden Br1 liden nodi pine nodi volgen Bo 7 volgen] eruolgen St2
(of) v<uolij ge Ga wolgen B1 wol B.KoaTr aliquid Kob sunder] wan St2 ein glidiiu fehlt B6
ewidieit.] ainikait B9 Disem menschen] ende hem Ga Disen menschen B1Ka1B6 Dise m. P,
der] dirre Str3 Mai 1 waerht alle wonder Ga waerheit al wonder B6 8 wunder] Ivnder
(I v. and. Hd.) Str. vnder (-er getilgt) Mai, under B1Ka 1 toeval Br1 (omnia) vulnera Kob ge-
nomen,] gesprodien B1 P1 und alliu] wan alliu B1 P 1 und bis Dar umbe.] Vnd hie stand
alle ding in dem iil weselidi vnd dar vmb S1 weselidie J vestekliche Ka1 festiklichen Mai,
mensclidi B4 messe)didi Koa meszeliche (m korrigiert zu w) Tr sapienter ordinata Kob Dar]
Her B1 P 1 · Dar bis 35,1 er 1 ] ds enphahet Ka1

1 Mit Z. 2-3 vgl. Pf. S. 39?,40-398,2. 2 Vgl. Pf. S. 11?,32; 162,12ft.; 190,33f/.; 265,6ft.;

266,29ff.; 268,l?tf.; 29?,26ff.; 304,21tf.; Serm. XVII n.168: liberati vero nunc, id est nunc aeterni-
tatis, quod est verum nunc, utpote impartibile, fixum, immobile et huiusmodi. ... liberati vero
nunc, id est a nunc, scilicet praesenti tempore,... 3 Vgl. Pf. S.1?1,'J5ff. 4 Brethauers

(AfdA 5'3, S. 51) Konjekturen volgen > wol gen (Z. ?} und wunder > undare (= inhoneste,
incongrue, inconvenienter) sind abwegig und zeigen ebenso roie die Bemerkung: ,,eine schmierige
Stelle, die Q. in seinen Textbesserungen nicht berührt", daß Brethauer die Stelle inhaltlich nicht
verstanden hat. Ich habe die Stelle deshalb in meinen Textbesserungen nicht berührt, weil sie text-
lich intakt ist, roie denn auch keiner der Übersetzer bisher an ihr Anstoß genommen hat. Im Vor-

34
Intravit Iesus in quoddam castellum

er niht niuwes von künftigen dingen noch von keinem zuovalle, wan er wonet
10 in einem nu. alle zit niuwe ane underlaz. Alsolichiu götlichiu herschaft ist in
dirre kraft.
Noch ein kraft 1 ist, diu ist ouch unliplich; si vliuzet uz dem geiste und
blibet in dem geiste und ist zemale geistlich. In dirre kraft ist got äne mider- 5
15 läz glimmende und brinnende mit aller siner richeit, mit aller siner süezicheit

1 von fehlt Str8 Mai1 von bis noch fehlt Br1 {Homöoteleuton!) künftigen] kundelick:en B6
cognitis Kob noch bis zuovalle, fehlt B1P1 zil.vallen Ka1 wonet] vijnt Ba 2 einem
bis niuwe] eym neüwen nun BT enen nyen nv Ga alle zit fehlt B1P1Ka1BT Ga niuwe
grüenende ane Pfß underlaz J opholden Ga underlaz bis götlichiu] vnderlöszlich göt-
liche Str3 vnderlasz götlicher Mai1 gütlichiu fehlt B1 P 1 BaGa hersdiaft] schaft Ka 1 moghent-
heit Br1 donum Kob 4 Noch bis diu J Noch ist ein krafft die BT Noch ist ein anderiu kraft
diu . Str.Mai1B9S1 Noch ist ein ander kraft in der sele diu GaBr1 ist1 fehlt PiSt2 diu
bis unliplich; J die onlijflike es Br1 in die ist vmhlich Ka1 ouch fehlt BT Ga unliplich;]
nv lijfelic B6 wiplich Bo si] die St.81 uz] van Ga und bis 5 geiste fehlt B6 5 zc-
niale St2 altemale Br1 öch zemal S1 fehlt ßKa1 BT GaTrKoaB4StraMai1B.Kob ·airre] der B1P1
ist got bis 6 brinnende] glisset vnd brunnet got S1 5f. underlaz] opholden Ga ane
underlaz fehlt St. · 6 glimmende J gloyende Ba glunsende Si2 glö.wende B, klimmende St1B"
Ka 1 BT (sonder opholden) stigende Ga ascendendo Kob glinczende Str3 Mai1 ghelinsterende Br1
und fehlt Str3 Mai 1 mit al~er siner · richeit, bis 36,1 W rerliche,] mit al sijnre wijsheit ende mit
al sijnre cracht werkelike inder waerheit B 6 mit all sijnre rijcht (Zwischen sijnre und rijcht ist
cracht getilgt.) ende mit all sij weelde ende zueticlit Waerlick: Ga 6 aller 1 fehlt Br1 mit 2 ]
ende met Br1 mit aller siner süezicheit fehlt Str3 Mai1 mit aller siner 2 , fehlt S1

aufgehenden ist ausführlich die Rede 1. vom Leiden, dessen der in der charakterisierten Kraft mit
Gott geeinte Mensch fähig ist, und 2. von dem zeitlosen Nun der Ewig keif, in dem Gott der bezeich-
neten Kraft der Seele innewohnt und in dem es kein zeitliches Nacheinander und demnach auch
kein Altern (Z. 3) gibt. Und nun faßt der Prediger die beiden Momente noch einmal zusammen,
indem er sagt, daß es für den mit Gott in einem Lichte wohnenden Menschen kein Leiden und
kein Folgen, d. h. kein zeitliches Nacheinander, sondern nur eine gleichmäßige Em i g k e it gibt.
Diesem Menschen ist alles Verwundern genommen, d. h. nichts kann ihn mehr verwundern, es gibt
kein Wunder mehr für ihn, u. zm. deshalb, weil alle Dinge wesentlich in ihm sind, weil also nichts
ihm mehr begegnen kann, mas nicht wesentlich schon in ihm stünde. Deshalb kann Zukünftiges
oder ein Zufall ihm nichts Neues eintragen, einfach deshalb nicht, roeil es in dem Nun der Ewig-
keit, in dem er lebt, kein Vergangenes und kein Zufünftiges gibt. Idi weiß nicht, mas an diesem
Gedankengang schmierig und unverständlich sein könnte, und verstehe weiter nicht, mie Brethauer
den von ihm kdnjizierten Text: Disem menschen ist in der warheit undare (= inhoneste, incon-
grue, inconvenienter) abe gesprochen .mit dem Adverb undare, das nirgends sonst für Edchart
belegt ist, übersetzen will. Die hsl. überlieferung. gibt B. doch nur ganz schwache Anhaltspunkte
für seine Textänderung, die auf einem Mißverständnis des richtigen Textes beruht. Dabei will ich
nicht verkennen, daß· der Ausdruck „diesem Menschen ist fürwahr alles Wunder genommen" über-
raschend und ungewöhnlich erscheint; indessen ist der überraschende Ausdruck ja doch gerade ein
Charakteristikum deF e&hartischen Diktidn. Wenn wunder nidit so stark durch die hsl. über-
liefe;ung gesidiert und bezeugt roäre,. könnte man die Br1-Lesart toeval für echt halten und dann
übersetzen: ,,Diesem Menschen is(alles Zufällige= ,,Akzidenz" genommen und alle Dinge stehen
ro es e n t l ich in ihm." Ich halte diesen an sich wohl möglichen Gedanken gleichviel für nicht von
Eckhart intendiert und sehe den oben stehenden Text als ursprünglich an.
1 Vgl. oben S. 32,1ft. Die Kraft, von der im folgenden die Rede ist, ist der Wille. Vgl. oben

S.19,3tf.

3* 35
Predigt 2

und mit aller siner wunne. W rerliche, in dirre kraft ist also grozrn vröude
und also groziu, unmrezigiu wunne, daz nieman vollen dar abe gesprechen
noch geoffenbären kan. Ich spriche aber: wrere ein einic mensche, der hie inne
schouwete vernünfticliche in der wärheit einen ougenblik die wunne und die
5 vröude, diu dar inne ist: allez daz er geliden mähte und daz got von im ge- 20

liten wolte hän, daz wrere im allez kleine und joch nihtes niht; ich spriche
noch me: ez wrere im alzemäle ein vröude und .ein gemach 1•
Wilt du rehte wizzen, ob din liden din si oder gotes, daz solt du her an
merken: lidest du umbe din selbes willen, in wclher wise daz ist, daz liden 25

1 und bis wunne. fehlt Br1 mit aller siner fehlt S1 W rerliche] W rerliche in der
wärheit ! SfrsMai1Bs W rerliche und i. d. w. BT Ga W rerliche bis vröude fehlt aKa 1 W rerliche
bis 3 aber: fehlt S1 1 dirre J siner St1 alsö gröziu vröude bis 2 wunne,] alsullicke ende
ongemeten vroude Ga also grosse wunne vnd also vnmessig SfrsMai1 al so grote w'ne ende al so
grote onmetelike Br1 also grosse vnd vnmessige wunn: BT und alsö bis wunne] und alsö unmrezic
aKa1 fehlt B6 _2 unmrezigiu fehlt B9 B1P1 wunne] wolnust Bo fröde S(1 nieman] man vollen
B4 KoaTr die vülle Str3 Mai1BT die fülede ~a1 te vollen Br1Ga plene Kob nach wärheit (die w. B9 der
w. St1 ) Pfß fehlt St 2 B 6 ·gesprechen mag noch Ka1 gesprechen bis 3 kan.] gespreken en mach
noch apenbaren Ba gesprechen kan noch geoffenbären mac a gesprechen mag noch geoffen-
baren BT gespr. kan noch geoff. kan Str8 Mai1 3 noch geoffenbären fehlt B1 P 1 spriche]
sprach B1 spriche aber] seg noch datter Ga aber bis mensche, der] nv waer enich
menschc Ba aber, der (der] ein B 0Str8 Maii) mensche der B 9 B1P1Str8 Mai1 aber fehlt Br1
wrere] vnd wer S1 ein] noch Br1 einic fehlt GaS1 hie inne bis 4 wunne] daer
v<nuftelck in schouden een ogenblick in ds waerht ende bekenden die genoecht Ga 3 hie
fehlt Ka1 darin BT 4 schouwete] schouwen solte ß scouwende waer Ba vernünftic-
lkhe bis ougenblik] in eine ogenblicke vsnunftekliche in der worheit Ka1 vernünfticliche]
eernstelike Ba verstandelike Br1 in der wärheit fehlt S 1 die wunne und die (die fehlt
Me2 ) vröude (und die vröude fehlt S1 ), diu dar inne (inne fehlt Ga) ist (diu dar inne ist: fehlt
Pf(]): ßKa1 BT GaMe2S1 die wunne als sie in ir selber ist. St, die wunne, als si dar inne ist, und
die vröude: B 4 KoaTr die wunne als darinne ist vnd die fröde Str3 Mai 1 die vroude also als si in
hoer seluer is. Ba d'wne in der waerheit ende die vroude al-so si daer in es Br1 istam virtutem
et eins gaudium ut dictum est Kob 5 er ie (ie] denn S1 ommer Ba) geliden St2 B6 S1 ge-
liden möhte] hetti möchte B9 geliden] doghen Br1 ende al dat Br1 allez bis 6
wolte hän,] per tale gaudium et tantam dulcedinem talis homo oblivisceretur etiam, si omnes
pas:Siones totius mundi passus fuisset vel omne quod deus vellet eum pati Kob 5 un\i bis
7 me:] vnd im got möht vff gelegen S1 5f. erlitten Ka1 6 daz] dis St1 wrere im] were
von im BT im fehlt Str8 Mai{Br1 allez] also P 1 allez bis und] als clain als vnd
SfrsMai1 kleine bis nihtesniht;] licht ende cleyn of net Ba kleine fehlt Bo joch] ~ ,
auch BT noch Bo fehlt Ga und joch nihtesniht;] ende al niet ia Br1 Ich sprach och
lD.e B1 7 noch] joch St1 Str8 fehlt Br1 alzemäle J alles zemal B9 al BaBr1 als alain Mai 1
fehlt Ga und ein gemach. fehlt B 1 P1Kob ein 2 fehlt S1 gemach. bis 8 rehte] gemache
so er dise wunn gesehen hctt als su an selber ist Wiltu och reht S1 8 rehte] nun recht
B12 fehlt Ga ob bis gotes,] of di dijn liden groet si B 6 din 2 fehlt Ka1 din 2 bis
gotes] gotes si oder din BT B12 gads is of v Ga si] ist B9 Br1 daz bis 9 merken : ] So
merk S1 8 her] dar B 9 B12TrStr8 Mai1 her an fehlt Ka1 9 merken:] wete·n Ga
lidest du] Lijden Ga in welher wise] in vsser wiss Bo in wat manieren Ga in bis
ist, fehlt S1 daz liden] di 1. Ka, fehlt Kob (vgl. dagegen 37,2 daz liden] talis passio Kob)
liden fehlt B,2

1 Mit Z. 3-? vgl. Pf. S. 398,2-4.

36
Intravit Iesus in quoddam castellum

.tuot dir we und ist dir s"7"rere ze tragenne. Lidest du aber umbe got und got
a1eirie, daz liden entuot dir niht we und 1st dir ouch· niht swrere, wan got
.treit den last. Mit. guoter warheit ! W rere ein mensche, der· liden wolte, durch
got und luterliche · got 1 aleine, und .viele .allez daz liden uf in zemale, daz alle
so mensclien ie geliten und daz al diu werlt hat gemeinlich, daz entrete im niht 5
we noch enwrere im ouch niht swrere, wan got der trüege den last. Der mir
einen zentener leite uf minen hals und in denne .ein ander trüege uf minem
halse 2, als liep leite ich hundert uf als. einen, wan ez enwrere mir niht swrere
1 dir] v Ga und ist bis tragenne. fehlt KoaB,,TrS, dragen Mer lijdestu Ga . ,Littest Ka,
aber vmb (vmb getilgt) durd:i St,: aber fehlt B6Bt, umbe bis 2 aleine,J wat om gods wil Ga
aber vmb gottes willen S, vmb gottes willen allein Pi 1 got und fehlt BT Ka,BaBr,B12 und got]
vnd vnib (vmb auf dem Rand) got St, 2 aleine] alleine zu eren St.· fehlt Ka, liden fehlt
Ga daz bis we]. so tut dir dz liden nit we S, entuotJ e~trete B,KoaKa, teyt Tr und
bis swrere, fehlt S, und] nod:i aStraMai,B6Br, nec Ko 0 hel: Ga oudi fehlt St1Ka,Str.Mai,
Br,Ba swrere ze tragenne, wan B,P, wan fehlt Ba 3 treit] telit Ka, den] dijnen
Ba den last.J die burdin desz lidens Bu Mit bis 5 daz•] an dem swersten end vnd
welher ffi durd:i got luterlidrwÖlte liden im ze eren viel denn aller fii liden vff in dz alle dise
weit hat es S1 3 Mit guoter wärheit ! fehlt Br, Mit] Bi B,P, wärheit ! ] gewarheit Bu
Wrere ein] waer daer een Ga ein mensdie; St.StraMai,ßKa,GaBT B12 eiil einic m. B.TrKoa
enid:i mensd:ie Br,Ba mensd:ie, bis. 5 entrete] mensehe Di puerlick wat wolde lijden dor god.
all viel all' dat lijden der werlt op hem het en dede Ga 3 der bis 4 zemäle] di pwerleec
01J1me gode wijlde liden al Jede hi al dat liden Br, 3 durd:i bis 4 aleine,] durd:i gott allein
vnd lauterlid:i durdi gott BT 4 luterlid:ie fehlt B,P, und luterlid:ie got fehlt Ko 0 luter·
lidie durdi got Str8 Mai,B9 und bis aleirie,] luterlidi B12 got•] gotte Ka, got aleine,
und] gotte zu eren vnd St2 zemäle] aleine St,B0 simul et semel Ko. fehlt B,P, liden bis
zemäle] liden alleen op hem te mael Ba daz alle bis 5 und fehlt aStraMai,BaKa, BT Br,Ko 0 B,2
(Homöoteleuton!) 5 erlittent B9 daz 1 ] die Ka, fehlt B,o al bis entrete] al ertrike
lijdt en dade Br, und daz bis gemeinlid:i,] vnd ällfi du weit gemain B0 hette gemeine
Ka, daz 2 ] es B12 6 we] we Sdtlu{J des S,-Fragments. nod:i et en waer Ba nod:i
enwrere bis swrere,] ende het en .bezwaerden he nyet Ga nod:i] vnd St, oud:i fehlt
B,TrKoaStr.Mai,BaBr,B,2 iswrere ze tragenne, wan B1 P 1 trüege] draget Ga dreget Bs
trait B0 last. Der] las(lid:ite. Die Bs 6f. Der mir einen zentener leite uf minen hals
(mine halse B4 , op mijnen hals loede B6 vf minen .hals gäbe St,) St,B,P,B6 Leite man mir einen
zentener · (zentener swere St2 enen soemere Bi,) uf minen hals (rucken B,2 hals te draghenne Br.)
aStraMai,Ka,BT Br,B,. Si onus centum liberarum, quod centinarius dicitur, poneretur super
collum · meum Ko 0 Der bis 38,1 we. J Leyde 'men~my een borden opten hals of leyde men my der
hondert op droege se een ander op mijnen hals soe en dedet my nyet wee .ende het en vyel
my nyet zwaer Ga fehlt B9 ? und ·daz in (in fehlt Ba) aBaKa,B12Ko 0 (et si) und bis 8 halse,
fehlt Br,Mai, (Homöoteleuton!) ? denne Ba ein bis 8 halse,] eiher fur midi truge Ka,
t ander] ander mensd:ie St2 :minem] sinem PfSt2 uf minem halse fehlt. B,o 8 als liep
bis 38,f gesprodien:J alles liep leite id:i vf den mensd:ien kurtzelidi geret Ka, 8 liep] mer
B,oBT liebe oder also gerne Sto· lieb im Text getilgt; auf d. Rand v. and. Hand: gern Sfrs leite
bis uf] leide men mi daer op hondert Br, leite id:i] loeder' icker Ba M als B.KoaTr
St,B, BTMai,Stra (aufd. Rand von and. Hand: midi). uf fehlt B6 uf midi als St2 P1 B12 daer op .....
·als Br, als. nur einen BT niht fehlt P, mir nihtJ mir audi nit B12 niht ze swrere BTB,.Br,
1 · got hinter luterlid:ie ist natürlidt audi von durch abhängig, roie die Texte von BTStr.Mai,

und Ba (sieh 'den V ;;aiantenappatat) erkennen lassen. . •· Zu dieser Stelle vgl. Quint S. 162
unter Pf. S. 45,JJ. Die Vorstellung Eckha.rts ist die, daß die Last zwar auf meiner Sdiulter ruht,
daß sie aber ebendort auf meinet Sdiulte.r ein· anderer· hält, so da/J, idi ihren Druck nidit spüre

37
Predigt 2

noch entrete mir ouch niht we. Kürzliche gesprochen: swaz der mensche lidet s&
durch got und got aleine, daz machet im got lihte und süeze, als ich sprach iIJ. 1
dem beginne, da mite wir unser predige begund~n: 'Jesus giene uf in ein
bürgelin und wart enpfangen von einer juncvrouwen, diu ein wip was'. War
5 umbe? Daz muoste sin von nöt, daz si ein juncvrouwe was und ouch ein wip.
Nu tiian ich iu geseit, daz Jesus enpfangen wart; ich enhän iu aber niht geseit, to
waz daz bürgelin si, alsö als ich nu dar abe sprechen wil.

3f. Vgl. oben S. 24 zu Z. 1f.

1 ouch fehlt Mai1Br1B6 we] me St1 gesprochen:] ghesegt Br1 geseecht Ba gerett
B12St1 BT gesait Str3 Mai1 2 und got fehlt Ka1BT GaB6 B12 vnd durch. gotte Mai1 und got aleine]
un<l hlterlich. durch. got aleine B1P 1 fehlt J3r1 daz bis got. Ga] got machet ez ime a got der
machet im ez Str.Mai1 BT got maket om al B6 god maket home Br1 got mach.et eime Ka1 istud
deus facit sibi Kob daz mach.et er ime Pfß der mach.et jm es B12 lihte] liehte B1St1 lihte
und fehlt Br1 süeze,] süsz B12 (Schluß des Fragmentes) süeze ze tragenne. Daz wir alsus
unser liden uf got legen und wir sin ledic stiin, des helfe uns got. Amen. B1 P 1 (Schluß' des Frag-
mentes) als ich bis 7 wil.] B1 leitet den 2. Teil seines Fragmentes ein durch die lat. Überschrift:
ascendit ih'c in castellum, die Z. Jf. entspricht, und den Einleitungssatz: Ich gesprach noch. nie
so nach. von dem burgelin als ich nv sprechen wil, der anstelle von 6 ich enhib1 bis 7 wil steht.
2 als fehlt GaBr1 Also spr /ke ic inden beghinne Ba 2f. in dem beginne,] ich begine Ka1
in dem bis 3 begunden: fehlt B9 do mitte do vnser herre bredien begunde Ich (statt Jhc =
Jesus) der gieng Ka1 3 da mit vnszer bredigi beginnung Mai1 wir] mir Sir3 da
mite bis begunden:] der predie St 2 fehlt Br1 predige]. reden B 6 begunden:] aenhieffen
Ga anfiengen BT 'Jesus bis 4 enpfangen fehlt BT \ 3 'Jesus bis 6 geseit, 2 ] dat het een
jongfrou ende een wijf most sijn da< ih's af wert ontfangen Mer .ic enheb v noch nyet geseyt Ga
3 'Jesus] J (Initiale} esus (auf d. unteren Rand v. and. Hand rot: Die II bredig an der himel fart
marie) Str3 ; auch in Mai1 Jhesus mit roter Initiale. Davor Absatz und v. and. Hand: am taller
blat ccxcvj ilf fehlt Br, in fehlt St1B 9 Ka1Str0 Mai1 ein fehlt St 2 4 bürgelin]
casteel B6 4f. War umbe?] war vmbe waz dz Ka1 fehlt Kob War umbe bis 5 wip. fehlt Br1
{Homöoteleuton!) War umbe bis 5 nöt] won dz mus von noch sin B9 5 Daz (et Ba) muoste
(müs Kai) sin von nöt (von nöt sin St2BsKa1) B9 aSir3 Mai1B6Ka1 Da müsz es von not sein BT
istud necesse fuit Kob das si von not St1 was und] wär vnd B9 ouch fehlt Ka1 BT
wip.] wip was. Str,Mai1 6 Nil hiin ich iu geseit, daz Jesus enpfangen wart (wart ent-
pfangen St2 ) ; St2 daz hiin ich iu geseit und daz Jesus wart enpfangen B4 KoaTr Daz han
ich gesaget vnd daz ihc enphangen wart Ka 1 als ich. gesagt hab vnd das Jesus empfangenn
wardt BT Daz han ( dazwischen über d. Zeile .o. and. Hand: ist Str3 ) ich iu geseit, daz Jesus
von ir wart enpfangen Str3 Mai1 daer af ihs wart ontfaen dat heb ic v geseecht B6 dat heb ic
u ghesegt ende oec dat ihesus ontfaen waert Br1 vnd das ihesus ward enpfangen ward (sie!)
Disz han ich. uch. gesagt St1 vnd daz ihesus wart enpfangen daz han ich gesait Bo ut dictum est
(daz Jesus enpfangen wart fehlt) Kob aber fehlt Br1 niht] noch. nit BT '? daz] dicz Mai 1
disew Str3 bürgelin] casteel B6 castell oder das bürglin BT casteel of borch.sken (is) Ga
alsö bis wil.] da< van wil ic nv reden Ga Daer af willic nu spreken Br1 als ich yetz darll.Qn
reden wil. BT als ich uch nv sagen wil St2 nil fehlt St1 ich nil fehlt Ka1 abe] vf Ka1

und es also gleichgültig ist, ob die Last einen oder mehrere Zentner schwer ist. So nur ist der
Vergleich mit den Leiden, die mir aufgebürdet, aber von Gott in mir getragen werden, zutreffend,
während er in der von St2 verballhornten Textgestalt, die Pf. übernahm und die in die Übersetzungen
überging, sinnlos ist. Schulze - Mai z i e r 2 S. 312 · hat die Korrektur berücksichtigt. Zu der vor-
liegenden Stelle vgl. Pf. S. 258,13-/f.; Pf. I S. 269,36-/f.; Se u s e S. 368,24f.

38.
lntravit Iesus in quodda111 castellum
i'
'1 Ich han underwilen gesprochen, ez s.i ein kraft in dem geiste, diu si ale_ine
Jl;vri. Underwile:ri han ich gesprochen, ez si ein huote 1 des geistes; underwilen
4s,dhan ich gesprochen, ez si ein lieht 2 des geistes; underwilen han ich gesprochen,
l ez si ein vünkelin 3• Ich spriche aber m1: ez enist weder diz noch daz; noch-
:t denne. ist ez einwaz 4, d_~z. ist h<:~er-~oben diz und ?az dan _der hi~el ob der 5
·,1 erde. Dar u:µihe nenne ich ez nu m emer edelerr w1se dan ich ez ie genante,
• 1

1 lclJ. bis 40,4 geluogen mac.] Memini me dixisse, quod una. virtus sit in spiritu, quae virfus
sit. sola libera.. Etiam dixi, quod esset costos ipsius spiritlis. Etiam dixi, quod ipsa s,it himen
spiritu~. Etiam dixi ipsam esse Scintillam spiritus; Sed modo · dico, quod neque est hoc neque
illud attamen est aliquid, quod est supra ·et transcendit hoc et illud sicut caelum transcendit
supra terram. Quapropter secundum quod istam virtutem accipimus nunc, tune est in nobiliori
modo, quam unquam accepi: sed ipsa potesf ponere (Hs: poni) istam nobilitatem et est mlilto
altius supra,. Est enim libera ab omni nomine et nuda ab omni forma, libera et absoluta et est
in se ipsa quod est. Est enim simple:x; ut deus simplex in sua simplicitate, quod ad eam nullo
modo est accedendum. Koi, 1 Ich bis gesprociten,] onderwilen heb ic ghesprciken Br1 . under-
wilen aStr.Mai1B6Ka1BTGaBr1 etwenne PfSt,B9B1 fehlt Ko 0 ez si bis 2 vri.] datin der
zielen een cracht is die alleen vrye is Ga 1 ez si bis 2 gesprochen, fehlt B1 (Homöoteleufonl)
1 ez si] q.at es Br1. si 2 ] es Br, sint Ka1· 2 Underwilen bis geistes; fehlt BT GaStrsMai1
hän bis si] heb ic s.e geheiten B6 ·.huote] costos Ko 0 huter B9 heytte B6 hütte PfSt1B1St2B,Koa
hute Ka1 hüte Tr · gesprochen, bis 4 vünk.elin.] ghesproken het es een lijcht des gheestes of
ene hitte des gheestes ofte een vonkelijn Br1 3 hän ich gesprochen,1 {ehlt B1 ez si bis
gesprochen, fehlt Ka1St1 (Homöoteleuton/) . des geistes; fe'f/,lt B1 gesprochen1 bis ein]
geseyt dat sy is een Ga hän2 bis 4 ez•J heb ic se genoet een vonkelken der zielen mer ic
spreck nv ter stont het Ga 3 hän ich gesprochen,• fehlt B,St2 hän 2 bis 4 si fehlt BB
4 vünkelin.] winkelin ( erstes i über der Zeile) des geistes B1 funkli des gaistes Ba "Vroude B6
scintillam spiritus Ko 0 funkelin in der selen de men do heiszet sinderesis St. sprichel sprach
B1 aber fehlt Str.Mai1B6Br1 nu] yetz BTa yetzund BT0 ez• fehlt Br, ist aber
weder.Kai es ensige noch dis B9 weder] noch B4Koa fehlt St1Str8 Mai1BaTrBr1Ga 4f. noch-
denne. bis 5 waz,] Do ist es etwaz Ka1 .ende het is. nochtans een yetswat Ga 5 ez fehlt BTa
ein waz :] ein etwas BT ain yas Sti etwa St2 ein waz, daz ist] een want et is Ba daz
ist bis denne] dat hoger is bauen dit or'dat als Ga daz höcher .ist denne dis vnd daz denne
der hymel B9 . denne] dz Ka1 hoben] bogen St1 über (vnd vber B,) aBT himel
si ob St1 a 6 erde.] erden si. a eerden is Ga erde sich Str8 Mai, Dar umbe bis genante,
fehlt Br1 nenne] nemme Ba nimSfrs nym ~ai1 ich es !)in nu in Ka1 ez1, 2 ] se Ba
nft] yetz BT f~hlt StrsMai1B4 edelen~~a1 edlen BTa edeler BTb eyme edehne wisen Tr
nu in an der wise B9 dan bis 40,1 edelkeit] dat ickt ye genoet heb want het v<loechent
alle edelheyt Ga

.1 Vgl. Quint S.162; Karrer „Das Göttlime" K84.Anm.1J; Fahrner S,36; Skufella

PBB54 S. 4?6; Giselei v. Slatheim bei Prege,r II.S. 214. · • Vgl.Pf. S. 8?,23ff.; 80,35ff.;
81,5; 86,23; 86,39; 89,19; 113,34; .11J,39ff.; 11?,18f.; 1?1,35f.; 193,16ff. (Haupfoergleimsstelle); 196,22;
196/31/.; 395,20. 3 Vgl. Pf.. S. 39,?ff.; 89,18; 11'3;33ff.; 193,32; 23?,21; 255,18; Z?0,4; 286,18; Serm. LV

n. 54?: Ubi e:nini est ima:go, (ihi) exp:ressa similitudo. Unde nec nomen spiritus nec aliquod
nomen facile est invenire, quod ipsam essentiam .dicat. Adhuc siniilis effecta ·deo, qui est ·
innominabilis. Die, quomodo aliqui ipsam dixerunt nuinerum, alii ignem, _alii scintillam st_ella-
ris essenüae, alii lucem, et _sie de aliis .. Vgl. auch, Langenberg .S. 196,12; ]undt S. 2??,35.
" Vgl.Pf, S. 188,10/. (Quint S. 556) 222,2?ff. un_d unten S. 44,2.,
Predigt 2

und ez lougent der edelkeit und der wise und ist dar enboben. Ez ist von 10

allen namen vri und von· allen· formen blöz, ledic und vri zemäle, als got ledic
und vri ist in im selber. Ez ist sö gar ein und einvaltic, als got ein und ein-
valtic ist, daz man mit dekeiner wise dar zuo geluogen mac 1• biu selbe kraft,
5 dar abe ich gesprochen han, da got inne ist blüejende und grüenende mit aller l5

1 und fehlt B4 KoaTr lougent Ka 1 B9 BT] leget Str,Mai1 leechert Br1 laget B,KoaTr nimet
war St, luoget PfB1 und ez lougent] vnd es vnd lögente St1 Sy loegent Be ipsa potest ponere Kob
der 1 fehlt BB und ouch der (die Mai1 ) aStr3 Mai1B 6 der" fehlt Ga und"] Het Ga da
enbogen St1 dar ob B9 dar über BT. und ist dar enboben: in Mai, auf d. Rand v. and. Hand
nachgetragen Ez ist] Sy is B6 fehlt Koa 1f. vor allem namen B9 2 und von bis
ledic 1 und in Mai, auf d. Rand v. and. Hand nachgetragen (vri 2 fälschlich beim Nachtrag roeg-
gelassen) und 1 fehltKa,BT und von bis vri 2 fehlt B, (Homöoteleuton!) fromen Ka1
formen libez lidig vnd fri B 9 !ledic1 fehlt Ga und vri] ende is vrye Ga und 2 fehlt St2
und vri bis 3 vri fehlt !3r1 ( abgeglitten!) 2 vri 2 bis 3 in] vri ist ez in a (2 zemale bis 3 vri
fehlt demnach durch Homöoteleuton) 2 zemale, bis 3 vri fehlt Ka1Tr (Homöoteleuton!} zemale,
bis 3 ist1 fehlt Ga 2 vri 2 bis 3 einvaltic,] vri ende is hoers selues. ende is also gaer een-
woldich Bo 2 als] vnd als St1 got hinter 3 vri St1 3 Ez ist bis 4 ist, fehlt St1
3 gar] .seer Ga fehlt Br1 3 ein und 1 fehlt aBr~Kob als bis 4 ist, fehlt B1 (abgeglitten!)
3 ein und 2 fehlt B9 ein 2 bis 4 ist,] een in eenwoldicheit es. Br1 simplex in sua simplicitate
Kob 4 ist, daz] is in sich seluen dat Ga. ist in im selber, daz Ka1BT B9 geluogen] ge-
langen B6 accendendum Kob gesehen St2 gefolgen BT volgen Ga daer in scouwen Br1
5 dar abe ich St1B1 dar ob ich B9 da ich abe Ka1BeBr,Ga da ich von Str3 Mai1 do von ich St2 von
der ich BT dar abe bis han,] da ich vor von gesprochen han, B,KoaTr de qua loquor Kob da
got inne ist blüejende (bliuende B6) und grüenende (groiende ende bloiende Br1 und grüenende
fehlt B6) Str3 Mai1B6 Ka 1 Br1 dar inne ist got blüejende unde grüenende Pf da gott in blüend vnd
grünend ist BT da inne got ist blüejende und grüenende (grö.nende vnd blugende B1) St1B1 da
got inne blüejende ist und grüenende a da< in is god groeyende ende bloeyende Ga in qua
deus floret et virescit Kob das ist daz burgelin dar jnne ist got blügende vnd grünend B9
mit bis 41,1 gotheit] in all sijnre guetht Ga

1 39,1-oben Z.4=RS.II art.51 (Thery S.25J}: Quinquagesimus primus in sermone Intravit

Jhesus in quoddam castellum sie ait: ego interdum dixi de illo castello, quod ipsum sit
una virtus in anima que sola sit libera. lnterdum vocavi ipsum custodiam anime vel spiritus.
lnterdum dixi ipsum esse lumen anime vel spiritus; interdum dixi ipsum esse scintillam
quandam. Sed modo dico quod ipsum est nec illud nec illud, sed tarnen est aliquid quod
est illud vel istud, vel super hoc et illud, altius quam celum super terram. Propter hoc
nomino ego ipsum modo nobiliori modo, quam unquam ipsum nominaverim. lpsum insidiatur
sive contrariatur etiam ipsi modo et est super hoc; ipsum est liberum ab omni nomine et
nudum absque omni forma et est sibi ipsi; ipsum est valde simplex, sicut deus · est unus
et simplex quod cum nullo modo ad hoc respici potest. Vgl. auch RS. § II 4 art. 1J (Th er y
S. 183 Anfang}: Item, quod in anima est quoddam castellum quod interdum vocavi custodiam
anime sive scintillam. . . . Skutella vergleicht ZfdA 68 S. ?2 Anm.1 auch RS .. II 21 (Thery
S. 225}: Vigcsimus primus in sermone De f un c to Her o de dicitur sie: intellectus ·solus est
liber. Vgl. roeiter Pf. S. 89,16-/f .. ; 19J,16ff.; 2J4,J6ff.; 261,9ff.; 286,16-/f.; Ta ule r S. 261,JOff.; 1?4,15ff.
(vgl. oben Z. 2}; J00,9ff.; J4?,9ff.; Von disem inwendigen adel der im grunde lit verborgen, haut
vil meister gesprochen beide alte unde nuwe: bischof Albrecht, meister Dietrich, meister Eghart.
Der eine heisset es ein funke der selen, der ander einen boden oder ein tolden, einer ein erste-
keit, und bischof Albrecht nemmet es ein bilde in dem .die heilige drivaltikeit gebildet ist und
do inne gelegen ist. Und diser funke fluget als hoch, do im recht ist, das dem das verstentnisse
nut gevolgen enmag, wan es enrastet nut, es enkome wider in den grunt do es us geflossen ist,

40
lntravit Jesus in quoddam. castellum

siner gotheit und der geist in gote, in dirre selber kraft ist der vater gebernde
sinen eingebornen sun als gewrerlicb.e als in 1m selber, wan er wrerlicb.e
lebet in dirre kraft, und der geist gebirt mit dem vater den selben ein-
g~bornen sun und sich selber den selben sun .~nd ist der selbe sun in
20 disem liehte und ist diu warheit 1• Möhtet ir gemerken mit minem herzen, 5
ir verstüendet wol, waz ich spriche,' wan .ez ist war .und diu warheit sprich.et
ez selbe.

1 und bis gote,] ende die geest weder in hem Ga fehlt St2 ' 1f. in dirre selber (selber
fehlf Br1) kraft ist der vater gebernde sinen eingebornen sun Bri] in dirre kraft (in dirre [der
Mai 1] selbe~ kraft Str.Mai1Kai); dä det vater inne gebernde. ist (is gebarende B6) sirren eingebornen
(sinen einigen geborn St2 sein i,yngebornen sun in gebernde ist BT) sun aStr.Mai1B6Ka1BT jn
der selben kraft da der vatter sinen aingebornen svn jnne gebirt B0 Ende in dese cradit baert
god sijnen enigen soen (Hs: soen enigen mit Stellnngskorrektur) Ga. In ipsa enim virtute spiritus
est pater generans suum miigenitum filiu:in Kob 2 als in im] als er in im St2Sirs als er {er
auf d. Rcind von and. Hand nachgetragen) jm Mai1 2 selber] selber ist St2 wan] von ß4Tr
wrerlidie] sigerliche St2 3 dirre] der St2 der· geist fehlt Str.Mai1B6 dem selben
vatter BT 3f. eingebornen fehlt PfSt1B9 B1Ga 4 und sidi bis sun• fehlt Br1Kob (Homöote-
leuton!) und sidi bis sun• fehlt Ga (Homöoteleuton!) den selben sun] der selbe sun
B4KoaTr selben fehlt BTa und• bis sun] vnd der selbe sun ist St. vnd er (er v. and. Hand über
d, '{,eile) ist d. s. s. Str8 fehlt BTa (Homöo~eleuion!) 5 liehte] liditet Ga . wärheit.J worheit
selber. St~ Modit di et mercke:n'B6 ir ez gemerken BT Ba minem] jnre B0 uwer /)s
verstüendet wol StoB9 B1BTBr1 verstüendet ez (ez] veel B6) wol St1B4KoaTrStraMai1Ka1Ba bene
intelligeretis Kob 6 waz ich spridie,J dat ic waer segghe Br1 Ego dico Kob fehlt B4KoaTr
spridie] gesprächi B9 sprak Ga wär und St1B0B1Ka1 BT Ga wär in der wärheit und aStraMai,
waerheit ende B6 in der waerheit waer ende Br1 (Ego dico) in veritate et verum est et Kot.
"! ez] dz B0 fehlt Ga

das es was in siner ungesdiaffenheit. Zu 40,1 lougent vgl. Quint S. 162. Dem 2. Zensor lag für
diese Stell~ ein Text vor, der die Lesart von B4TrKoa läget= insidiatur verband mit derjenigen
von St1B0Ka1 BT B6Ga. ·
1 Zu S. 40,4-oben Z. 5 vgl. zu S. 32,1-6. Es muß auffallen, daß Edchart in der, vorliegenden

Predigt S. 32,1ff. und 40,4ff. die Geburt des Sohnes in die Kraft ;der Vernunft verlegt u11,d diese oberste
Vernunft, roie et sie meist nennt, mit Wendungen definiert, die er sonst der Charakterisierung· de~
innersten Wesens vorbehält, in· der er gemeinhin den Vorgang der Sohnsgeburt \sich vollziehen läßt
roeitab von allen Kräften. Audi an der vorliegenden Stelle spridit E. ja, und hier mit ·besonderem
Nadidrudc, voin Seelenzentruin als einem Unnennbaren, sidi jeder Bestimmung Entziehenden, das
er aber eingangs nun doch wieder als K.raft bezeidinet (S. 39,1, so audi Pf; S. 258,19f.). In dieser
Predigt. sudit er das Höchste. und Letzte über die unio mystica auszusagen. Diese unio aber ist
die Einigung des. sdiledithin einfaltigen Seelengrundes mit ·dem sdiledithin einfaltigen, wüsten
Grunde der Gottheit jenseits Don deren Entfaltung in die drei Personen, natürlidi als Erfolg der
Solmsgeburt in der Seele. Diese aber als· Eingang der Gottheit mit persönlidier · eigensdiaft, roas
nicht das Letzte und Hödiste. ist; mußte E. hiet um der Möglidikeit .einer Steigerung roillen in die
oberste,Kraft, in die oberste Vernunft verlegen, roobei allerdings betont werden tnuß, daß nadi E.
audi das Wesen der Seele, der Seelengrund, das Bürglein, intelligibler Natur ist. K hat die Kern-
er
gedanken der Predigt in seiner Verteidigung d~s Artikels RS. § II 4 art. 1'J (Th y S. 204) kurz.
angedeutet: . . . in h.oc sermone multa sunt obscura et dubia, .et. que ·nunquam dixi. Verum:
est ·tam,en, sicut ibidem dicitur, quod deus sub ratione veri capitur al:> intellectu, sub ratione
honi a · voluntate, que sunt potentie in anima, ratione esse illahitur essentie anime...

41
Predigt 2

Sehet, nu merket! Also ein und einvaltic ist diz bürgelin hoben alle wise,
da von ich iu sage und daz ich meine, in der sele, daz disiu edele kraft, von
der ich gesprochen han, niht des wirdic ist, daz si iemer ze einem einigen 25

male einen ougenblik geluoge in diz bürgelin und ouch diu ander kraft, da
5 ich von sprach, da got ist inne glimmende und brinnende mit aller siner richeit
und mit aller siner wunne, diu engetar ouch niemer me dar in geluogen; so
1 Sehet, bis und fehlt Br1 Sehet, nil merket! fehlt Kob roohl deshalb, roeil, roie v. d. Ley en,
S.193 sdion bemerkte, der Sdilußsatz des vorhergehenden Absdinittes: wan ez ist war etc. vom Über-
setzer f älsdilich zum folgenden gezogen und dementsprechend formuliert wurde. Sehet, fefyH Ba
m'i] und Str3 Mai 1 nu merket! fehlt Ga BT ein und B 0 B1Ka 1BT Ga fehlt St1aSirsMai1B6Kob
einvaltic bis 2 sele,] eenwoldich ende boven alle wise es dit borghelijn daer ic af spreke ende
dat menich in der zielen Br1 1 ist bis wise,] bouen al wisen is dit casteel B6 enboben als
wesen ist dis bürgli Str3 enboben ( getilgt, darüber v. and. Hand: oben) als weszen ist disz bürg-
lins Mai 1 diz bürgelin] Daz b. Ka 1 disz castel oder bürglin BT dit casteel of borchsken Ga
hoben alle wise, fehlt St. aller Bo 2 das ic nv (v B6) af seg GaBa da bis sele fehlt Bo
sage] geseit habe St2 und bis meine,] vnd das ich in (ich in durdigestrichen, darüber v.
and. Hd.: ist Str3 ) ain Str3 Mai, und bis kraft,] dien ic meyne inder zielen die edel cracht B6
disiu (die BaBr1) edele kraft, B1BTSt2B6 disiu selbe (dyselbe Tr) edele kraft St1B,KoaTrStr.Mai1Ka1
disu selb kraft Bo. illa eadem virtus Kob 2f. von der ich St1BoB1 BT da• ich von ( af BaBr1 Ga}
aStr.Mai1BaKa1GaBr1 de qua Kob 3 gesprochen bis ist,] spreck:e dat nyet werdich en is Ga
hän, niht] han du in der sele ist ist nit B9 des J di Ka1 niht des] dat sy des niet B6
ist] si St2 daz si iemer ze einem (einem fehlt Br1 ) einigen (einigen fehlt St,B 6) male einen
ougenblik geluoge (gesage Ba ,ghescouwe Br1 ) in diz (das St2) bürgelin (casteel B6 ) und ouch
aB6Bri das iemer ze ainem ainigen mal ainen agenblick: lugte in dis bürgli noch och Str3 das
jemant ze ainem ainigen augenplick: lugte jn disz pürglin noch och Maii daz si iemer mer ze
einem einigen male (zu der einen einigen mal BTa) dar in geluogen sule (sollen BTal in diz (dz
Kai) bürgelin, noch ouch Ka1 BT dat sij vmmermer tot enigen mael dar in syrn mach noch oec
Ga ut semel ad ictum unius oculi unquam inspiciat in illud castellum nec etiam Kob daz si
iemer mer dar in geluoge einen ougenblik (ainen blik B9), noch ouch Pf StiB 9 Bi 4 och in die
ander Kai kraft, da ich von (af B6) sprach (spri& Maii do von ich gesprochen habe St.), da
aStraMaiiBa virtus, de qua superius dixi, in qua Kob kraft, (erachten Ga) da St,B 9 B1KaiBTGaBri
5 glimmende] klimmende Ka1 BT B9 Sti glimsende St2 glüwende Koagloyende B 6 gelinczent Str, ge-
linczet Mai1 ghelinsterende Br1 schynende Ga brinnende (br. ist B,KoaTr ist fehlt vorher) mit aller
siner richeit und mit aller siner wunne (sijnre waeromme Ba), diu engetar aStr,MaiiB6 brinnende
mit aller siner richeit vnd mit aller siner wunne Dise kraft getar Kai brünnend mit aller krafft
mit seiner reicheyt vnd auch (anch BTa) mitt aller seiner wunne. Dise krafft gethar BT bernende
met al sire rijcheit (diu engetar fehlt} Br1 harnende mit alle sijnre cracht ende mit sijn rijcht
ende mit all sijn weelde Dese cracht en darf Ga generat cum omnibus suis divitiis et gaudiis,
illa etiam nunquam audet Kob brinnende, diu engetar (6 diu engetar bis in geluogen, fehlt B1 )
PfSt1BoB1 6 ouch] noch B9 fehlt Str3 Mai1 geluogenJ gesien B6 syen Ga ghescouwen Bri
6f. so rehte bis 44,4 in der sele.] Ita simplex unica et alta super omnes potentias et virtutes
et transcendit omnem modum. Hie est istud solum: unio et unius sui ipsius unio, ad quod
nulla virtus nec modus accedere potest. Haec etiam in veritate, in qua deus vivit: deus
personaliter nunquam prospiciet eam ad ictum unius oculi nec unquam introspexit secundum
proprietatem personae. Et istud est satis bene intelligendum, quia istud solum unum est sine
modo et est sine proprietate et ideo per deum deus nunquam <lebet introspicere. Et istud staret
(Hs.: stas, ,-Schnörkel der lat. Vorlage verlesen) ipsum ·omne nomen deitatis cum proprietate suae
personalitatis, ista omnia exclutlerentur, si unquam debet introspicere. Sed sicut est simplex
unum sine proprietate, sie nec est pater nec filius nec spiritus sanctus in isto sensu, tarnen unum
est et ubi unum est, ibi nec est hoc nec illud. Modo considerate : illo modo, quod unus est ~t
Simplex, ita venit in id unum, quod dico esse castellum in anima. Kob

42
Intravit Iesus in quoddam castellum

rehte ein und einvaltic ist diz bürgelin, und so enboben alle wise und. alle
krefte ist diz einic ein, daz im niem~r kraft noch wise zuo geluogeri. mac noch
so got selber~ Mit guoter warheit und also wrerliche, als daz got lebet! Got selber
luoget da niemer in einen ougenblik und geluogete noch nie dar in, als verre
als er sich· habende ist nach wise und uf eigenschaft siner personen. Diz ist 5'
guot ze merkenne, .wan diz einic ein ist sunder wise und sunder eigenschaft.
Und dar umbe: sol got iemer dar in geluogen, ez muoz in kosten alle sine
s5 götliche namen 1 und sine personliche eigens~aft; daz muoz er alzemale hie
vor lazen, sol er iemer me dar in geluogen. Sunder als er ist einvaltic ein,
1 ein und fehlt St, 42,6f. sö rehte bis 2 ein,] sö einvaltic (so redit einfaltig BT so redit
einvaltig Kai) und sö ein (und sö ein fHilt St.Br,) und sö (sö fehlt B4KoaTr) rehte höhe (rehte
fehlt Bri rehte höhe fehlt Ka,BT} über alle krefte und über alle wise (oben aller kraft vnd
enl;>oben :also weyse Str8 Mai, einhoben alle wise vnd einhoben aller krefte Ka, ob allen wesen
vnd ob allen krefften BT) ist diz einic ein (dat enighe ende Br,) aStrsMai1BsKa1 BT Br1 soe redite
eenuoldidi ende een is sij bauen alle wesen ende bauen alle cradit is (is getilgt?) dit enidi
een Ga 1 sö enboben bis 2 krefte] so hoche ob aller wise vnd allen kreften B9 2 ist
·bis ein, fehlt .B1 daz im bis 3 got selber.] Dat nummermeer cradit daer in en madi gesien
nodi got selue B6 dat se nummermer cradit nodi wijsht noch god seluer syen en madi Ga
ini ] in Ka, nie.qi.an kraft B9 nodi wise fehlt St2 Jwise zuo geluogen] wise numnierme
toe ghescouwen .Br1 geluogen] lügen BT gelougen B4KoaTr gelegen B9 gelangen St1 mac
nodi] mag vber alle wise nodi St2 2f. nodi audi gott BT nodi got selber, fehlt Kob
3 Mit bis selber fehlt B9 (Homöoteleuton/) Mit] bi B, und fehlt B6 Ga und also
bis selber fehlt Br, und fehlt Bs wierlidie,] waer Ga als fehlt St2StrsMai1 daz
fehlt BsKa1BTGa ~ebet!] ist BTGa Got selber fehlt Bs 4.luoget] geh'.l.get St1B9
Str.Mai1 en gesage Ba. en syet · Ga luoget bis in1 ] en scouwet nummerme daer in Br1 - da
bis in1 ] niemer dar in St.Ka1BT B9 daer nummer daer in Bs in einen] in ainem St1 einen
bis 5 wise] h:ij en sadi da< nye ogenblidc in als hij sidi heeft nae wijse Ga 4 einen einigen ,
ougenblik StrsMai, undJ nodi aB1StraMai1Bs geluogete] gelüget BT en gesadi B6
'nodi fehlt B6aStraMai, und bis in, fehlt B9. und bis 5 .als] nodi nie en dede' als werre
als Br, 4f. verre als fehlt PfSt,B9 B,Ka, BT Ga: 5 ist'] was Bs nadi] in B1 nodi B.
uf] na B6 in B1 fehlt Ga person Str8 Mai,B9 Diz J Daz StrsMai,Bs Diz bis 6 mer-
kenne, fehlt B1 5 Diz bis 6 wan fehlt Ka 1 6 wan] wat Ga einic] ewig St, ein
ist] ein daz ist aB6 Str8 Mai 1 een es es Br1 ein bis eigensdiaft.] ein daz ist ein. wesen
und·ist sunder eigensdiaft Str3 Mai 1 'l Und fehlt Ka,Bs dar umbe: bi gote, soi aStrsMai1
per deum Kob iemer fehlt Ga iemer bis geluogen,] daer ommer in ghescouwen Br,
in fehlt B9 · . geluogen,] geliegen B1 gesien Bs introspicere Kob fehlt Ga ez] daz aSfrs
Mai 1B6 Br1 Ga istud Kob in] om B6 'lf. allen sinen götlidien Str.Mai,B4 8 daz] diz
B4KoaTr fehlt Br1 daz muoz bis 44,1 eigensdiaft: fehlt B1Bs (Homöoteleuton!) 8 er] es
St1 B9 fehlt Ka 1 alzemale B4TrKoaStraMai,Ka, BT alles zu.male St. allez (al Br1 ) PfSt, ista
omnia Kob alzemale bis ·9 lazen,] alles hie for zemal · lassen B0 al hier omme laten of voren
setten Br1 hier al v<laten Ga , 9 vor] vsze St. vor lazen,] vare (aus war von and; Hand
geändert) lassen Str8 warlaszen (war getilgt, darüber von and. Hand: ver) Mai, v,lassen Ka,
iefu:er bis geluogen,] hir in syen Ga geluogen.] scouwen Br, gelugen es müsz sunder Sii.
als et bis 44,1 ane fehlt Ka, (Homöoteleuton:!) 9 als] dat dar Ga · als' bis 44,1 eigen-
sdiaft:J also hi eenwoldidi es en sonder wise ende sonder eighenscap Br, 9 ist ein einvaltec
ein aB9 BT Ga 9f. ein und ane a
Vgl. Pf. S. 59,18ff.; 82,14ff.; 89,2'Jff.; 92,25ff.; 162,25ff.; 22?,40; 'J1?,14f.; 541,22ff. Serrn. XXIV
· 1

n. 24?;Praeterea intellectus accipit deum sub veste veritatis, et ideo oporfot ascendere. Unde ait:
>in deum<. Nilm et ipsum deuni sub ho,c nomine, immo sub omni nomine, <lebet transire a:rtima.

43
Predigt 2

ane alle wise und eigenschaft: da enist er vater noch sun noch heiliger geist
in disem sinne und ist doch ein waz, daz enist noch diz ·noch daz 1.
Sehet, alsus als er. ein ist und einvaltic, also kum.et er in daz ein, daz 40

ich da heize ein bürgelin in der sele 2, und anders kumet er enkeine wise dar
5 in; sunder alsö kumet er dar in und ist da inne. Mit dem teile ist diu sele
gote glich und anders niht. Daz ich iu geseit han, daz ist war; des setze ich
rn die warheit ze einem geziugen und mine sele ze einem pfande. 7,5

1 sunder aller wise St1 an allen (von and. Hand geändert in: allem Sirs) wesen Sirdilai1
alle fehlt Ga und ane (sunder Str3 Mai 1) eigenschaft: aSir8 Mai1 er] der St2Str.Mai1
es B9 fehlt St1 er weder (noch Ga niet B6 ) vater BTGaB6 2 disem sinne] disem sinen Sirs
diszem sinen Mai 1 und fehlt B 6 und ist] ende hij is Ga doch] och Sirs ein
waz,] ain vasz Si1 een want B6 een yets wat Ga en was Ka1 eyn etwas BT etwas St2 daz
enist bis 3 einvaltic,] dat niet en es dit noch dat siet als god al dus es een ende eenwoldich Br~
2 noch diz] weder disz BT fehlt B1 noch fehlt St1GaStr3 Mai 1 3 alsus als bis einvaltic, f~hlt Ba
alsus fehlt Ga alsus als (als aus aler von and. Hand korrigiert) er Sirs alsus aller er (alsus
aller getilgt, darüber von and. Hand: alls) Mai 1 und einvaltic,] ende alsoe als hij eenuol-
dich is Ga daz] diz B4 KoaTrB 6 daz ein, fehlt Ga 4 ein bürgelin] das b. St2
casteel B6 bürgelin oder sele BT Ga sele bis kumet] sele vnd also kumet er dar In
vnd anders kumpt St1 in fehlt Ka, er fehlt Ka1 enkeine wise] keine w. Ka1 in
keiner wise B1 BT B6 inkaine wise B9 chainer weise Sir3 Mai 1 mit keiner wise St1aBr1 enkeine
bis dar in:] der nyet in Ga 5 sunder bis dar in fehlt B6 (Homöotele,uion!) sunder bis
da inne. fehlt Br1 (Homöoteleuton!) dar fehlt aSir3 Mai1 und bis inne. fehlt Ga und]
noch B6 ist2 fehlt B1 6 gote glich] götlich Ka1 Daz] dan B6 Br1 . iu (ie B1 iu
fehlt B9Ka1Bo) geseit han, St2SirsMai1B6 St,B 9 B1Ka1Br1 eüch hab gesagt BT iu hie geseit han ß4KoaTr
Daz bis Schluß fehlt Kob daz ist wär;] dat dat waer es Br1 daz ist wär bis 7 pfande.
fehlt B6 7 und bis 45,3 Amen. fehlt Br1 7 ze einem bis sele fehlt St1 (Homöoteleuton!)
einern 1 fehlt aStr8 Mai1Ga

1 Vgl. oben S. 39,5; Pf. S.188,10 2 S. 43,1-oben Z. 4=RS. § II 4 art. 13 (Thery S.18'3):

ltern, quod in anima est quoddam castellum quod interdum vocavi custodiarn anime sive scin-
tillam. Sequitur quod est · valde simplex, sicut deus est unus et sirnplex, ita simplex et super
omnem modum quod nec deus pater potest ipsum intueri secundurn rnodos et proprietates per-
sonales et si intueretur ipsurn hoc constaret ipsum omnia sua nomina divina et suas proprie-
tates personales, eo quod ipsum est sine modo et proprietate. Sed secundurn quod ipse deus
est unus et simplex et sine modo et proprietate, secundum quod nec est pater, nec filius nec
spiritus sanctus, sie potest intrare illud unum, quod voco castellum. Dieses Textstück wurde von ·
Johannes Wen c k in seiner Schrift De ignota literatura zusammen mit einem Exzerpt aus dem
·BgT unter Nennung von Eckharts Namen (magister Eghardus) zitiert (De ignota literatura hsg.
von E. V ans t eenb e rg he, Beiir. z.:Gesdi. d. Philos. d. Ma's, VIII, 6, 1910, S. 25,5-14): .,In anima
est quoddarn castellum quod interdurn vocavi custodiarn anime, quandoque scintillarn, et valde
simplex sicut Deus _est unus et sirnplex. lta simplex est et similiter (riditig: super) ornnem
modum, quod Deus non potest intueri secundum modum et proprietates personales; et si intue-
retur ipsum, hoc c;onstaret eum omnia sua nomina divina et suas proprietates personales (ami-
sissc?) eo quod ipse (riditig: ipsum sieh RS.) est sine modo et proprietate, sed secundum quod
quod (1 quod ist überflüssig) ipse Deus est unus et simplex et sine rnodo et proprietate, secun-
dum quod nec est Pater, nec Filius, nec Spiritus Sanctus, sie potest ipse intrare in illud unum
quod voco castellum." (Wieweit es sidi bei den angemerkten Fehlern um Versehen des Heraus-
gebers oder um soldie der Hs. handelt, kann im nidit entsdieiden. Dafl das in Klammern stehende
amisisse nidit zum Text gehören kann, wurde sdion von Karrer-Piesch S.154 vermerkt.)

44
Intravit Iesus in quoddam castellum

Daz wir alsus sin ein bürgelin, in dem Jesus ufgange und werde enpfangen
und ewicliche in uns blibe in der wise, als ich gesprochen hän, des helfe uns
got. .Amen.

1 Daz wir St1 B9 Ka 1 BT Op dat wy Ga Daz uns diz allez (allen St2 allez fehlt B6 Daz diz
uns allez [allen B4 Koa] B4 KoaTr) müeze geschehen, daz wir (daz wir bis 2 hän, fehlt B6 ) aStr3
Mai 1 B6 1 Daz wir bis :; Amen.] Dat ons dit moet geschien dat help ons got Amen B6 fehlt B1
1 sin bis Jesus] moegen sijn een Casteel daer ih's Ga Jesus inne uf gä füTr ufgange]
gieng St, ilfgange bis. enpfangen] vf gie vnd wart enphangen Ka 1 uf gieng Sfrs auff gieng
Mai 1 ende in werde Ga werde] wart Ka 1 2 blihe] bilde B4 KoaTr in der wise
fehlt B0 :; got.] die ie wesend warhait B0 Amen. l fehlt B.

45
PREDIGT 3 (Pf. Nr. XXV S. 97-99)

Handscb.riftliche Überlieferung (sieh Quint S. 266f.; Spamer PBB 34 S. 336; Skutella ZfdA 68
S. 76; Th e ry· S. 252):
Bs f. 94r~95v, gedruckt bei Quint S. 271-276 niit Varianten von Br1, Die Übereinstimmung
mit unserem Text reicht in Bs und Br1 nur bis unten S. 55,8 allermeist (Quint S. 274,73),
Der in den beiden Hss. daran ohne Unterbrechung anschließende Text entstammt, wie schon
Br eth au er AfdA 53 S. 52 gesehen hat, der Predigt J o stes Nr. 28 und ist identisch mit
Jostes S. 22,18-23,33 (Dieses Schlußstück wurde aus B9 schon von Sku tella ZfdA 67 S. 105f.
abgedruckt). Der in BsBr1 darauf folgende Schluß weich\ von Jostes S. 23,33-24,29 ab, ist
aber offenbar ursprünglicher als der Jostessche Schluß, der besser in den Zusammenhang
von Jostes Nr. 27 paßt. Der Einschub des Stückes Jostes S. 22,18:ff. in den beiden Hss. Bs
und Br1 hinter allermeist, unten S. 55,8, ist wahrscheinlich durch den Rückverweis unten
S. 55,9f. hervorgerufen worden, der sich ganz offenbar auf Jostes Nr. 28, S. 23,30f. bezieht.
Danach muß die Predigt Jostes Nr. 28 vor der vorliegenden Predigt gehalten worden sein.
Ba1 f.183r-190r, gedruckt von Wackernagel, Altd. Pred. Nr.LXI S. 161ff. ·
Br1 f. 46r-49r; vgl. Dolch § 62 S. 42, sieh auch oben zu B•.
BT f. 285va-286rb.
E, p. 209-211; Textnachträge auf d. Rand (s. Quint S. 268).
G1 p. 180-190.
Nach Spam er PBB 34 S. 327 soll S4 f. 23v-24r das Textstück S. 55,4-56,5 enthalten. Die
Identität gilt indessen nur für das Pauluszitat S. 56,4f.

Filiation der Hss.: sieh Quint S. 267-269. E,Ba1BTG1 stehen zusammen gegen BsBr1. Inner-
halb der Gruppe E,Ba1 BT G1 bilden Ba1 BT G1 eine Untergruppe, deren Prototyp an der Stelle
unten S. 48,8f. bereits fehlerhaft war. Im Ganzen stimmt der Text in E,Ba1BTG1 weitgehend
überein. ·

Textkonstituierung: sieh Q u.i n t S. 269. Der Text wurde auf E.Ba1BT G1 aufgebaut und dabei
von Fall zu Fall zwischen der Lesart von E, und der von Ba1BTG1 auf Grund innerer Echt:
heitskriterien entschieden. Die Texte Bs und Br1, deren Varianten in der Orthographie von B8
alle im Apparat geboten sind, dienten in ihrer oft stark abweichenden Formulierung als Kor-
rektiv für die Fassung E2Ba1BTG1,

"Remtfertigungsschrift": II art. 50 (Thery S. 252) = S. 56,8 und 57,1.

tthersetzung: Schulze-Maizier• S. 209ff.

Echtheit: gesichert durch RS. Hsl. Bezeugung sieh unten im Variantenapparat.


Was die Bewertung der beiden „Fassungen" der Predigt in E2Ba1BTG1 und in B8Br1 an-
geht, so werden meine Ausführungen (Q u·i n t S. 269f.) über die Frage der Echtheit bzw. Unecht-
heit der Schlußpartie S. 55,6:ff. unserer Predigt verglichen mit· dem Schlußteil in B8Br1 dadurch
gegenstandslos, daß der Uetztere als zur Predigt J os t es Nr. 28 gehörig erkannt wurde. Ich
möchte für die beiden ein~der „entsprechenden" Stellen unten S. 55,6:ff. und Quint S. 275,119ff.
(Die Angabe „S.274,69:ff." in meinem BuchS.269 beruht auf einem Versehen) nicht. mehr von einem
darin liegenden direkten Gegensatz und von einer Fortentwicklung des Gedankens in B8Br1

46
sprechen, da, der Prediger auch in. der vorliegenden Predigt unten S. 56,iff. über die Identi•
fizierung von roesen und bekantnisse (55,6) hinausgeht. Mit Quint S. 275,119ff.: Ist roesen roar~
hait? der aes manigen Maister vraget, . er spradi: ja. der midi selb gefragt hiet, ·idi h~t ia ge·
sprodien ist nicht die Stelle unserer Predigt gemeint, ist überhaupt nicht auf eine oder mehrere
bestimmte Stellen früherer Meinungsäußerung verwiesen. Im übrigen muß ich es für den B8 Br1
und, E,Ba1BTG1 gemeinsamen Textteil bei meiner früheren Äußerung (Quint S. 269) bewenden
lassen, wonach sich die Entscheidung über die Ursprünglichkeit des einen oder des anderen
Wortlauts gener~ll nicht treffen läßt. ,
Der von Greith herausgegebene Mosafktraktat enthält nach liebenswürdiger Mitteilung
v,on Fräulein Josy Seit z (Zürich) über die bisher erkannten Stücke· hinaus noch eine Reihe von
Textparallelen zu den Pfeifferschen und .anderen Eckharttexten. Fräulein Seitz, die mir freund-
lichst eine Abschrift und Analyse des bisher unbekannten Textes der Hs. Zürich, Zentralbibl. C
108b f. 1r-221r (Z4) überlief!, wird das Verhältnis des Züricher und des von mir entdeckten
Textes der aus Pfeiffers Besitz stammenden Hs. München, Staatsbibliothek gcrm. 4° 5233 f. 1r-104v
(M,) zu der von Greith benutzten Hs. St. Gallen, S:tiftsbibliothek 1917 f. 1r-341v (G9) in ihrer
demnächst im Druck erscheinenden Dissertation im einzelnen klarstellen. Dabei wird sich zeigen,
daß Greiths Druck Lücken gegenüber seiner hsl. Vorlage Ga hat und daß weiterhin Z4 (und M,)
ursprüngliche Plusstücke gegenüber Ga aufweist Was die vorliegende Predigt angeht, so w.eist
Josy Seitz außer der schon bekannten unten S..53 verzeichneten Textparallele noch folgende
Entsprechungen nach:
S. 50,3 Die, heiligen-6 sun = Greith S. 125,3-8.
,, 51,4 Paulus-? freit= Z4 f. 148v (fehlt G9).
,, 53,1 Diu sele-54,1 gibet . Z4 f. 83r (fehlt G9).
„ 55,6 sroaz-8 bekantnisse (eingeleitet durch: Und hier umbe so spridiet ain maister) = Greith
s. 128,7-9.

4?
Nun c s c i o ver e, q u i a m i s i t d o minus an g e l'u m s u um.
'.

. ' Do Petrus von dem gewalte des hohen obersten gotes wart uz dem gebende 91,20
siner gevancnisse erlediget, do sprach er: 'nu weiz ich wrerliche, daz mir got
sirren engel ha:hgesant und hat mich erlost von dem gewalte Herodes und von
. 5 den henden der viende'. ·
Nu keren wir daz wort umbe und sprechen: wan mir got sirren engel hat.
gesaut, da von bekenne ich wrerliche. Petrus sprich.et als vil als bekantnisse 1, 25
Ich han ez ouch me gesprochen: bekantnisse u,nd vernünfticheit einigent die

1; 3-5 Act. 12,11: Nunc scio vere, quia misit dominus angelum srium, et eripuit me de
manu Herodis, et de omni exspectatione plebis Iudaeorum. Ps. 1,,1 . • . (qua eripuit eum do-
minus) de manu omniuin inimicorum eius ... Vgl. audi unten S. 50,?; 52,6.

Zuroeisung: Bruder Eghart (rot, im Text) Ba1


Überschrift: An sant Peters kettenfeyer. BT
f Nunc bis suum. Bs fehlt Ba1G1E,Br1 An sant Peters kettenfeyer. Von warer bekantnusz
der selen / so gott seinen engel zu ir sendet/ Vnnd warumb sy denn (als Petrus) (Klammern in BT)
billich sprechen m&g. Nunc. scici ve:re. Nun beken ich warlich. Item das allein Petro / das ist der
bekantnusz die schlüssel g&tlicher (allein. der kirchen Chris~i die schlüssel der bekantnusz göt-
licher BTb) heimlicheit befolen seind / die allein auffschlüsset / durch dringt / vnd gott blosz
findet / auch das sy dem wil (f. 285va) len vergeet vnnd als ein fürstin suchet herschafft in dem
h&chsten vnnd lautersten. ltem wa:rumb der engel an die sele gesendet werde / vnnd vonn vnder-
scheydlicher bildung des engel (engels BTb) vnd der selen / nach dem ersten auszbruch der got-
heyt / da der sun auszbricht von dem vater. Item ~a di seel / yngebildet werd vnd empfaht
ir ebenmessigkeyt / mitt hochsynnigem begryff'vnnd kurtzem auszzug. Anfengklich gestellet
auff die w&rt sant Peters Actuum XII. Nunc scio vere quia misit dominus a:ngdum suum etc. BT
2f. Dö Petrus von dem gewalte des höhen (höhen fehlt G1) obersten gotes wart (wort BT) uz
dem gebende siner · gevancn}sse (siner gevancnisse fehlt G1 ) erlediget (erll\st G1 erlediget ward
BTb siner bis erlediget fehlt Ba1), dö sprach er Ba1BTGi] wir pegen heut sant peters tag (als inen
beghaet sente peters dach Bri) als im' got seinen engel sant der in erl&st (verloeste Br1) von
dem gewalt herodes vnd von den handen der juden (handen der viande Br1 ) da spradi sant
(sant fehlt Br1) peter BsBr1 fehlt E, 3 nu bis 5 vie:q.de'.J got hat mir seinen engel gesant.
Das weis ich (nv wetich Br,) warleich der mich geledigt (verledicht Bri) hat vnd gefiirt auz dem
karicher vnd v.on ailen handen (banden Br,) der juden (der juden fehlt Br1 ) B8 Br1 6 eher
ich BsBr, disz wort BT umbe bis wan] vmb vnd tunkchet mich vnd sprich (dun:clit
mi beter. ic spreke Br,) das sand peter (das bis peter] daer petrus Br1 ) sprach wan {wan fehlt
Br1) BsBr1 wan] Seydtmal BT wan bis , gesant,] god heeft mi sinen jnghel ghesent Br1
, gesant, bis Petrus] gesant der mich erlost hat .von aller gewalt (verloeste vander ghewouf ßr1 )
vnd von allen panden. Nu pechenn ich (kennich Br,) wärleich war. vmb. Nu warleich, da enwaz
der engel mien~ sein pechantniizz (über nidit ganz. sidier zu lesendem mien; und über sein· je
ein Verroeisungs.zeidieri; das gleidie Zeidien auf dem Rand, darunter mensclien v. ders. Hand. war
vmb bis pechantniizz] Daer omme sprach hi nv waerleke want doen en was die jnghel nümeer
sijn bekennesse Br,) Petrus BsBr, sprich.et] wirt auszgeleit BT lvdt Br, als vil fehlt
Ba1G,BT als vil als] al s.o bek (Zeilenende) .als Br, 8 ouch fehlt E.Bs ez ouch me fehlt Br,
bekantnisse (das pechantnuzz BsBi-1) und vernünfticheit einigent (aigent Bs) diesele in got. B8 Br1
verstantnisse de einiget d. s. i. g. E, bekantnisse unde vernünftekeit die eneinegent die sele niht
in gote (got Ba1G,BT). PfBa1G,BT

1 Vgl. unten S. 52,Bf. und die Ausführungen zu dieser Stelle im Apparat.

48
.Nunc scio vere

sele in got. Vernünfticheit diu vellet in daz luter wesen, bekantnisse diu loufet
vor, si vürloufet und durchbrich.et, daz da geborn wirt gotes einborner sun 1•
30 Unser herre sprichet in Matt h e ö; daz nieman bekennet den vater niuwan
.der sun. :Pie m e i s t"e r spr~chent, bekanfnisse lige an glichnisse 2 • Ez sprechent
etliche m. eiste r, diu sele si gemach.et von allen dingen, wan si eine mügelicheit 5

3f. Matth. 11,2? (... nemo novit filium nisi pater :) neque patrem quis novit nisi filius.

1 Vernünftidieit Ba1 BT G1 B8 Br1 bekentnisse E2 Vernünftidieit bis 2 durdibridiet,] be-


diantnuzz vorlaufelt (loept vore Br1 ) vnd rß.ret das. wesen plöz vnd vernuftidiait duridi prich.t
vnd vellet in das lawter w.esen BsBr, if. loufet vor,] vor loffet E, (vgl. oben Bs) 2 durch.-
brich.et, Ba,BsBr, _bridit dvrch. E, dur sprich.et G, durch.sprydiet BT einborner] eingeborner
G, BT einborn Ba, eingebornen E, einbornen Pf daz bis sun.] denn wi:rt geparn gocz sun BsBr,
3 Herre · bis daz] herr Jesus Christus spridit das BT sprich.et] sprach Br, pech.enn Bs niu-
wan E2] numan Ba, wan G, denn BsBr, denn alleyn BT 4 liget E2 lygt BT lige an
glich.nisse.] 1,ey verainnüzz BsBr, 4f. spraken sulke meestere Br, 5 etliche] auch
etlich. BT meister, bis 50,2 swaz] maister vnd lautet torleidi vnd ist doch war das die sei sey
gemacht von allen dingen dar vmb sprech.ent die mai_ster (sprech.ent bis maister fehlt Br,)
hat si ain mügenhait (moghelijch.eit Br,) alle dinch. cze bediennen. Ez sprech.ent die maister
was BsBr,

1 Vgl. Quint S. 2?0 zu Pf. S. 9?,26f., roo bereits gesagt und begründet ist, da/!· der Text von

Pf., der sidi auf Ba~ G, BT stützt, im Zusammenhang der Predigt unsinnig ist. Schulze - Mai zier 2
hat die vorgenommene Korrektur berüdcsühtigt. Zu Z. 2 vgl. Quint a. a. 0. Die dort vorge-
sdilagene Änderung mit Bs'Br, nehme idi hier zurüdc. Der Pfeiffersdie Text, der den Akkus. ein-
hornen aus E, übernimmt, ist allerdings nadi roie vor sinnlos insbesondere infolge der falsdien
Interpunktion: durch.brich.et daz da geborn wirt: gotes einbornen sun. V b ersetz u n g des g~-
änderten Textes: ,,. . . qie Erkenntnis ( oder das Erkennen) läuft vor und bridit. durdi, auf da/l
da Gottes eingeborener Sohn geb01:en roird." Die Fassung von B8 Br1 enthält inhaltlidi nur eine
kleine Bedeutungsnüance gegenüber dem von mir anerkannten Text von G1 BT Ba1 ; vgl. audi Pf.
S. 225,241", Brethauer, ZfdA 69, S. 2?0,13?ff. •Vgl.den arisfotel. Satz.: simile simili cogno-
scitur (Aris.toteles, De anima I 2. 404 b 1?) bei Thomas, In libr. I de aliima, lectio 4. Vgl.
Schneider, A., Der Gedanke der Erkenntnis des Gleidien durdi Gleidi~s in antiker und patri-
iitisdier Zeit (Baeumkers Beiträge, Supplementband II) Münster .1923 S. 65__:_?6; die Anroendung des
Satzes in der Mystik ebenda S. ?1---,-?3. _lu Z. 4-S. 50,3 vgl. Thomas, De anima,Liber I lect. 4'(ed.
Pirotta 43-45), roo .zu der Lehre des Empedocles (Aristoteles 404 b 12ff.) bemerkt roird:
._ .. cognitio fit per similitudinem rei ·cognitae in cognoscente: oportet enim quod res cognita
aliquo modo sit in cognoscente. Antiqui vero philosophi arbitrati su:iJ.t ... quod oportebat simile
simili cognosci; unde si anima cognoscat omnia, oportet quod habeat similitudinem omnium in.
se secundum esse n11-turale ... Empedocles dicit animam esse ex cimnibus elementis et unum- ,
quodque horum dicit aniri:tam. Vgl. audi Schopenhauer, Handsdiriftlidier Nadila{l, hsg. von
E. Grisebadi (Reclam) IV. Bd. Neue Parlalipomena § 56? S. 311, roo Sdi. sidi über den „Pytha-
_goräisdien" Satz Simile simili cognoscitur auslä/lt. Vgl. In Sap. n. 6: Secundo quia simile simili
cognoscimus, terrlt terram, 'et :nihil aliud nec alio, quin immo omne, dissimile et omne aliud
non conducit ad cognitionem, sed abducit et seducit a cognitione; puta, species coloris non
<yonducit- ad cognitionem saporis, sed nec Martini species conducit ad cognitionem Petri ... ibid.
n. 209: Hinc est illud, quod simile simili-cognoscitur.. . 1n loh. n; 194:· Secundo n:otandum quod, si
species sive imago; qua res videtur et cognoscitµr, esset aliud a re. ips.P' nunquam per ipsam
nec, in ipsa res illa nosceretur .... Hinc est ,quod. simile siniili cognoscitur; similitudo eriim
est unum in duoblis ... ibid. n. 123; vgl. Pf. S. 119,lOff.; J'JJ;Bff.

4 Q;if~att, !D 1 49
Predigt 3

hat alliu dinc ze verstanne 1. Ez liutet törliche und ist doch war. Die meister
sprechent: swaz ich bekennen sol, daz muoz mir zemale gegenwertic sin und s5
·glich miner bekantnisse 2 • Die heiligen sprechent, daz in dem vater si mügent-
heit und glicheit in dem surre und einunge in dem heiligen geiste 3, Dar umbe ·
5 wan der vater dem surre zemale gegenwertic ist und der sun zemale im glich
ist, dar umbe bekennet nieman den vater niuwan der surr 4 •
Nu sprichet Petrus: 'm1 bekenne ich wrerliche'. Wa von bekennet man hie
wrerliche? Daz ist da von, wan ez ein götlich lieht ist, daz nieman triuget. 98,5
7 Sieh oben zu S. 48,1.

1 habe BT dinc ze verstanne. Ba1 BT G1 ding ze ( dazwischen ist hat getilgt) be-
griff ende E2 dinch cze bechennen. BsBr1 es sprechent die meister E2 ' 3 Es spre-
chent die heiligen maister (maister fehlt Br1) das BsBr1 daz fehlt G1 vater fehlt
Ba1 3f. vermugentheit E2 4 und bis sune Ba1G1 BT B8 Br1 und in dem sune
glicheit PfE2 einunge J eynigung BT Ewenung (!) Bs oeffeninghe Br1 geiste. Dar umbe
(Da von PfE2) E2Ba1 BT G1 gaist Der ain pant ist ir paider. Dar vmb B8 Br1 5 und bis 6 ist,]
vnd ime der svn zemale glich ist E2 vnd der sun dem vater ezemal gleich ist. B8 ende dien sone
ghelije es Br1 6 dar umbe] Da von PfE2 niuwan E2 numan Ba1 wan G1 denn BsBr1
dann allein BT 7 Sand peter sprichet B8 ende peter sprac Br1 7f. Wä von (W arumb
BT) bekennet (kenne Ba1 ) man hie wrerliche (gewerlich Bai)? Ba1 BT G1 wa von man hie wer-
liehe erkenne E2 war vmb bedient man da (da fehlt Br1 ) ezemal vnd wärlich B8 Br1 8 Daz
ist dä von, fehlt BsBr1 von bis ein] vö dz ein Ba1 vö dz es ain G1 dauon / das es ein BT
ist", fehlt E 2 Sf. triuget. Daz] treuget vnd das auch niemant getriegen mag Das B8 en be-
dricht ende oee niemenne en bedri,ghen en mach dat Br1

1 Vgl. S. 49 Anm. 2, weiter: A ri s tote l es, De anima, lll c. 8,4'31b21: omnia ea quae sunt,

quodammodo est anima. Pf. S. 90,1'Jf., 'JOf.; 110,'J?f.; 2?'J,10f.; 540,15f. Vgl. auch unten S. 55,1; Par.
an. S. '38,'32; Serm. XI n. 112: Unde A v i e e n n a dicit quod perfectio animae rationalis est, ut
transeat in saeeulum intellectuale. 2 Vgl. oben. zu S. 49 •, weiter: Li b er X XI V phil o s. prop.

XXIII in commento (ed. Baeumker S. '39,9-11): Nihil enim cognoseitur ab anima, nisi cuius
speciem secundum habitum reeipere potest et ad exemplum eius, quod est in ipsa, comparare.
Vgl. auch Serm. L n. 514: Adhuc autem illud cogito, cognoseo et amo, cuius imago sive proles
in me formatur et proles una est cogniti et cognoscentis. 3 Vgl. Thomas, I q. 39 a. 8: Praeterea

Augustinus sie dieit: In Patre est unitas, in Filio aequalitas, in Spiritu sancto aequalitas uni-
tatisque concordia (Au gus ti n us, De doctr. christ. I, 5. PL '34,21); Thomas a. a. 0.: Item secun-
dum Augustin um Pa tri attribuitur potentia (vgl. Pf. S. 160,2?; 216,14/22; 241,8ft.; 248,29ff.}, Filio
sapientia, Spiritui sancto bonitas. Vgl. auch In loh. n. 556: Hine est ergo quod, sicut sancti et
doctores appropriant patri unitatem, sie filio aequalitatem; omnem autem et quamlibet produc-
tionem non est intelligere sirre complacentia et amore qui nexus est producentis et producti
eiusdem naturae cum illis, ut supra ostensum est. Ex qU<.J sequitur quod ubi procedit aequalitas
ab unitate, filius a patre, necessario ponitur hoc ipso immediate spiritus sanctus nexus patris
et filii; ferner ibid. n. 668; 546/549; In Sap. n. 5?. An der vorliegenden Predigtstelle handelt es sich
um eine Verbindung der beiden Formeln der .Trinitätsattribute: potentia, sapientia, voluntas und
unitas, aequalitas, nexus (eoncordia). • Vgl. Serm. Ln. 514f.: Adhuc autem illud cogito,
cognosco et amo, cuius imago sive proles in me formatur et proles una est cogniti et cogno-
scentis. Ex quo patet manifeste, quod ubieumque Deus cogitatur, cognoscitur et amatur, ibi Deus
invenitur et nusquam alibi. Ibi est Deus proles, Deus in prole, pater in filio, sicut color ipse
sub eodem esse quidem, sed modo alio in oeulo. Pater pariens, proles genita: una natura, unum
esse. Hie gignens, hie genitum, et sie unigenitus, qui est in sinu patris, ipse enarrat, et: nemo
novit patrem nisi filius. Pf. S. 15?,25ff.; 59,2?ff.; ?0,14.

50
Nunc scio vere

Daz ·. ander. ·wan man da bloz · und h1ter bekennet · und unbedecket mit ihte.
Da von sprichet Pa u 1us: 'got wonet in einem liehte, dä niht zuoganges enisf1.
Die meiste r sprechent, diu wisheit, die. wir hie lernen, diu süle uns dort
10 blil:>en 2 • So sprichet Pa u 1us, si süle abe gan. Ein meister sprichet: lilter
bekantnisse, nochdenne in disem libe, daz habe sö grözen lust an im selber, 5
daz aller geschaffener dinge lust si rehte als ein niht wider dem luste, daz
luter b~kantnisse ·an im treit 3• Nochdenne swie edel ez si, sö ist ez doch ein
zuoval; und als kleine als ein wörtelin ist wider al der werlt, als kleine ist
1r. alliu diu wisheit, die wir hie lernen mügen, wider die blözen' liltern warheit.
Dä von sprichet Pa u 1u s, ez süle abe gan. Swie si doch blibe, si wirt rehte 10
ze einer trerinne und als ob si niht ensi wider der blözen warheit,· die :man
dä bekennet. Daz dritte, war umbe man dä wrerliche bekennet, daz ist da von:

2 1 Tim. 6,16: ... et lucem inhabitat inaccessibilem; vgl. auch· unten S. 56,4f. 4 1 Cor. 13,8:
(Caritas nunquam excidit, sive prophetiae evacuabuntur, sive lingu1te cessabunt,) sive scientia
destruetur. 10 Sieh oben z.
4.

1 wan l:lis lilter] das man das blosz istig lauter BT wan bis 2 gotJ warumb man
warJeich bedienet wann was man. (m.an fehlt Br1) plos laüter pechent vnd wechladet mit ichte
(vnd · bis ichte] o:iiie cleit met jte Br1) das waiz man wi dem ist. Sand (das bis Sand fehlt Bri)
paulus der (der fehlt Br1) spricht got BsBr1 2 in einem liehte] ein liecht E2 3 die bis
lernen,] die man hie lerent (leert Br1) BsBr1 hie lernen,] hie gewunnen vnd lernen Ba1
diu süle uns dort] sal daer Br1 süle] sullen Ba1 dort] da Bs 4 Sö bis süle] pa'ulus
spricht (sprac Br1) Es sol (si selen Br1) BsBr, süle] sullen Ba1 lilter J Das recht lauter
B 8 Br1 5 nochdenne] dannoch BT noch dem B8 fehlt Br1 libe,] leben des leibs Bs daz
habe] hat BsBr1 an] in E. 6 daz aller bis 9 wisheit, J das aller der lust den all die
welt hat. Der (Der fehlt Br1) ist als nichtes wider den lust (es al een niet je.ghen die l'ust Br1)
der lautern becliantnüzz den si an ir hat. Dannoch (der lautern bis Dannoch] die lu.ter beken-
nesse ane sicli heeft noclitann Br1) ist ain czü hangen vnd ist (Zeilenende! Bs) vnd ist also chlain
als qas wort das ist das ich da sprich wider all die welt vnd als ein trophf wider das mer all
die weishait (ist ain· bis weishait] eest maer een toeghanc. ende als dit wordekijn dat je nv
spreke es jeghen al die werelt e:nde als een droepel es jeghen al die zee al so es a'lle die wijs-
heit Br1) BsBr1 daz•J den BT d~ Ba1 7 Nochdenne] Aber dannoclit BT Bund
fehlt E. als• fehlt E. · wider· al] gegen aller BT 9 mügen,. Ba1BTG1 fehlt E2BsBr1
wider die] gegen der BT liltern Ba1 BT G1 fehlt E2BsB.r1 9f. wärheit. Da, von J warhait
die man da peiuinden (daer bekennen Br1) sol. Dar vmb BsBr1 10 Dä von] Seht, dä von PfE.
Dar vmb B 8 Br1 sprach BT ez E2Ba1BT G1Bs si Pf Br, (vgl. Z. ?) sal Br1 Swie
bis rehte J vnd ob sy doch bleib et / so wirt sy recht BT blibe, J hlibet Ba1 BT G1Bs rehte
fehlt BsBr1 11 und bis si] .vnd wirt als si BsBri ensi] were BT wider] gegen BT
blözen E2G1Br1 liltern Ba1 BT Bs · . Hf. man dä bekennet (bekennen seil Ba1 G1), Ba1 BT G1BsBr1
man bekennet. PfE. 12 Daz dritte bis 52,1 dinc,] Dat derde waer omme dat men waerleke
bekent want die dinch Br1 Dar vmb wann'die dinch (Lücke dutchHomöoteleuton/) Bs 12-Daz
dritte bis 52,1 siht ist in E. v. ders. Hand auf d. ob. Rand nachgetragen. 12 war umbe] wä
von PfE2 bekennet, 2] erkennet E2 daz fehlt BT 12f. von: diu] -.ion Wann die BT

1 Vgl. Pf. S.140,16f.; 1.44,14; 2'J5,4f. •Vgl.Pf. S. 'J14,25f.; 455,'32. Thomas, I q; 89 a. 5:


Utrum habitus scientiae hie acquisifae remaneat in anima· separata. a. 6: Utrum actus scientiae
hie acquisitae remaneat in anima separata. 8 Vgl, Aristoteles, Eth. Nicom. H c. 12.

1152b 24/f.

4*
51
Predigt 3

diu dinc, diu man hie siht wandelhaftic, diu bekennet man dort unwandelbrere, 20

und man nimet sie da, als sie sint zemale ungeteilet und nahe bi ein; wan
daz hie verre ist, daz ist da nahe, wan alliu dinc sint da gegenwertic. Daz
an dem ersten und an dem jüngesten tage geschehen sol, daz ist da gegen-
5 werticl.
'Nu· weiz ich wrerliche, daz mir got sinen engel hat gesaut'. Swenne got 25

sinen engel sendet ze der sele, so wirt si wrerliche bekennende. In unbederbe 2


hat got sante Peter den slüzzel niht bevolhen, wan Peter sprichet als vil als
bekantnisse; wan bekantnisse hat den slüzzel und sliuzet uf und dringet und
10 hrichet durch und vindet got bloz und saget denne ir gespilen; dem willen, 30

waz si besezzcn habe, swie si doch den willen e gehabet habe; wan swaz ich
wil, daz suoche ich. Bekantnisse ga,t vor. Si ist ein vürstinne und suochet herschaft
in dem luehsten und m dem lutersten 3 und teilet ez vort der sele und diu

6 Sieh oben zu· S. 48,1. ,f. Vgl. Matth. 16,19.

1 diu man bis wandelhaftic,] die hie wandelhaftige (wandelbaer Br1 ) sint BsBr, siht]
bekennet E2 dort] da E 2 G1 B8 Br1 unwandelbrere] wandelber G1 2 man fehlt BsBr,
nimet] · minnet Ba 1 B8 zemale] te gader Br1 si da sint B8 Br1 ein; fehlt Bs 3 verre
ist,] verret G1 nahe, wan] nahen (nahen] bi Bri) vnd in ainern nw wann B8 Br1 wan]
vnd G1 da 2 fehlt E 2 3 Daz an bis 4 sol,] dat ane den jersten daghe gheschide ende
ane den jonsten gheschien sal Br1 Daz bis 4f. gegenwertic. fehlt B8 {Homöoteleuton!) 3 Daz
an bis 4f. gegenwertic ist in E2 v. ders. Hand auf d. linken Rand nachgetragen. 4 beschehen
Ba 1 geschehen sol, J beschehen ist vnnd sol BT ist da Ba, BT G,Br, ist nu da PfE2
4f. gegenwertic.] gewiutig Ba, jeghenwordich ende in enen nv. Br, jn ainem nw Bs 6. 'Nu]
Dar vmb spricht er Nu B8 Br1 wrerliche, daz J warlich (sprach Petrus) {Klammern in BT)
das BT daz mir bis '7 sele,J das ich ledig pin was {Zrvisdien pin und was ist da getilgt.)
aus ( davor auz getilgt) disem nu vnd aus diser warhait pechant wirt das ist valsch { davor vald1
getilgt) wenn aber got gesent den engcl czw der sel Bs di mi verledecht heeft wat vte deser
waerheit ende vte <lesen nv bekent wert dat es valsch. want wanneer die jnghel wert ghesent
der zielen Br1 '7 sö J dann Br1 wrerliche fehlt B8 Br1 In unbederbe bis 8 · sprichet]
Got hat sant petern den schlussel bevolhen Petrus sprichet G, Dar vmb gab petro got (Vor got
ist den getilgt.) den sluzzel (gaf god s' petre den sclotel Br,) witnn (Davor ist wanf getilgt.) petrus
sprichet (sprichet J lwdt Bri) B8 Br1 '7 In unbederbe J vnnd darurnb BT 8 die schlüssel
BT niht fehlt BT 9 wan bekantnisse J Vernuftichait vnd pechantnnüzz BsBr1 fehlt Ba1
(Homöoteleuton!) hat Ba1 Gi] habent Bs hebben Br1 treit PfE2 hat den slüzzel und fehlt
BT (Homöoteleuton!) sliezzent B8 Br1 9f. und dringet und brichet (bringet Ba1 ) durch
Ba1 Gi] vnnd durch dringt vnd bricht hyndurch BT vnd turich tringent vnd durich pricht Bs
ende dore dringhen ende dore breken Br1 unde brichet durch PfE2 10 denne] dem E2 fehlt
B8 Br1 saget] segghen Br1 , ir gespilen (gespilem Ba1 ), dem willen, waz Ba 1 BT G1 B8 Br1
irre gespilen den willen, waz PfE2 11 si 2 fehlt E2 besczzen bis swaz J beseten hebben
in enecheiden allene in de wille ghesent heeft want wat Br1 swie bis swaz] allain si der
will gesaut hab vnd was B8 swie] Wie wol BT e bis habe;] vorhin gehcpt hat BT
12 kantnissu Ba, Bekantnisse gät vor. fehlt B8 Br1 Si] vernuftichait B8 Br1 suochet]
schaffet B8 scept hare (heerscap) Br1 13 dem hcehsten] dem ersten hochsten E2 teilet
bis selel tail (Zeilenende!) es ~er sel Ba deilet der zielen Br, vort] vor G,

1 Vgl. I'f. S. 265,6ff. 2 In unbederbe = ,,unnütz, nutzlos." 3 Mit Z. ?ff. vgl, oben

S. 48,Sff.; Pf. S. 59,t'Jff.; 106,JOff.; 110,6ff.; 110,'32ff.; 121,16ff.; 144,'32ff.; 15'3,26ff.; 22?,'34 ff.; ] und t

52
Nune scio, vere

35 s~le 'VOrt der nature und diu nature allen liplich:en sinnen. Diu sele ist . als
edel an irme ·hrehsten · und lutersten, daz ir die meiste r 'keinen n11men eli- .

1 sele vort der nature]. ziele -deilt voert der naturen Br1 vort] vor G1 var B8 nature·
allen]. nature deilt woert alle Br, natur var allen B8 sinnen] dingen B8 Br1 : if; als edel]
1 also lauter vnd als edel Ba if. als edel bis 2 lutersten,l also edel ende also hoghe in horen
lutersten Br, und lutersten, fehlt Bs vnd an ire lutresten G1

S. 265,19ff. Serm. XXIV n. 248: Item tertio : cum intellectus iuxfa nomen suum intra procedit
et ab extra e contr!lrio voluntati et secundum naturam suam abstrahat ab oni.ni foi:as addito,
eius ascensus ,est introitus in' primam radicem puritatis omnis, quae est in ·verbo, ... »Ascensus
intellectus«, quia in substantfa animae habitat proprie deus. , Haec, au'tem altior est intel-·
lectu. Maximum est esse capacem dei et .capere deum. Tau l er S. '349,1ff.; 196,28ff. 52,9 bis
obenZ.1=Greith S.118,6-13 (Pahncke Diss. S.39, ivo audi qereits auf die Parallele oben
S. 52,10: Pf. S. 145,1 hingewiesen ist). Theophora Schneider (Der, intellektuelle Wortsdiatz Meister
Edceharts, Neue deutsdie Forsdiungen hsg. v. H.R.G. Günther und E. Rqthadcer, Bd.14, Abteilung
Deutsdie Philologie hsg. von Jost Trier Bd.1) glaubt, den Text von Z. 52,8-10 mit Hilfe der Fassung
von BsBr, wie folgt konstituieren zu sollen: want Pete'r sprichet als .vil 'als bekantnisse. Ver-
. nünftekeit und bekantnisse habent den slüzzel und sliezzent uf und durch dringent. Vernünfte-
keit durch b;richet, und vindet got blöz und bekantnisse saget ir gespil, dem willen ... Sie
verweist dabe auf die Stellen oben S. 48,Bff.; Pf. S. 110,3ff; 2?0,23. Sie begründet die Notwendig-
keit ihrer z. T. konjekturalen Änderu:,,,g wie folgt: ,,Das 'Aufsdiließen' und 'Durd,,dr,ingen' kann
Funktion von vernünftekeit und bekantnüsse, das 'Durdibredien' ,und 'Bloßfi,nden' kann nur
Funktion von vernünftekeit sein . ·.. wille steht wahrsdieinlidi an dieser Stelle bekantnisse gegen~
über, nidit · vernünftekeit, roeil in bekantnisse und wille· die operatio humana getroffen werden
soll ... W eldie von den beiden Lesarten die ridttigere ist - bekantnisse ist ein fürstinne -
odet - vernuftichait jst ain fürstinn - vermag idi nidit mit Sidierheit zu entsdieiden. bekant-
nisse sdieint das Sinngemäßere zu sein, aber bekantnisse, das sdion aus der groiidenhaft erhobenen
vernünft.ekeit quillt." (a. a. 0.). S.105 Anm. 8 bemerkt sie bereits: ,,Das Verbum durdibredien
wird nz+r in Verbindung mit vernünftekeit, nidit in Verbindung. mit bekantnüsse gebraudit."
Das sind apodiktisdie Erklärungen, die. vorderhand unbewiesen sind, für die der Beweis jeden-
falls nodi nidit dadurdi erbradit wird, da/l die hst überlieferten Texte durdiKonjektur abgeändert
werden.· Th; Sdin. konstruiert einen zu sdiarfen Untersdiied iivisdien vernünftikeit und verstant-
nisse (bekantnisse) bei Edchart und sieht sidt, durd,, sidi selbst in die Enge getrieben, gezwungen,
bei bekantnisse einen niederen und einen höheren, der vernünftikeit näherstehenden Grad zu
untersdieiden, indem sie sagt, daß oben S. 52,12 von bekantnisse die Rede sei, ,,das sdton aus der
gnadenhaft erhobenen' vernünftekeit quillt",,E. verwendet an den Stellen, an denen er den Gegen-
satz zum Willen ·bezeidinen will, ·verstantnisse (bekantnisse) und vernünftikeit (vernunft) als
Benennungen des Erkennens ini Gegensatz zum Wollen promiscue unbesdiadet eines realen Unter-
sdiiedes, den er zwischen vernünftikeit und verstantnisse setzt, wie etwa die Stelle oben S. ·48,Bff.
zeigt Dieser Untersdiied besteht aber nicht, wie Th. Sehn. meint, darin, daß bekantnisse zwar
„aufschließt" und „durchdringt," ,aber nicht „du'rdtbridit" itnd ·,;bloßfi,ndet", während die beiden
letzteren Funktionen aussdiließlidi Funktionen der vernünftikeit seien: vielmehr sind „Aufschließen,
Durdidringen, Durchbredien und Bloßfi,nden" Funktionen des Erkennens :;cpledithin, .des höheren
wie des niederen im Gegensatz ·zur Funktion des Willens, der sein Objekt nidtt bloß, sondem
,,unter dem Kleide der Güte"; also nidit seinem bloßen Wesen, sondern der ,,Güte" nadi erfaßt.
Vgl. insbesondere die Stelle Pf .. S. 121,25ff, (Quint S. 353), wo es· mit meinen Änderungen heißt:
Einen einigen gedank · enleget daz bekantnisse niht 1uo, mer: ez lreset allez abe unde scheidet
sich abe unde loufet vor· und rtieret got blöz und begrifet in eine in .sinem wesenne. V gL weiter
Pf; S. 106,32-/f., roo es in. bezug auf verstantnisse heißf: ir werk ist bekennen und engeruowet
nieme:r, si enrüe:re blöz, daz si bekennet. Vgl. weiter Pf.' S.144,32ff.; 153,2?.ff.; 253;J2ff.; 255,J4ff;;

53
Predigt 3

künnen vinden. Sie sprechent ir sele, da si dem libe daz wesen gibet 1• Nil
sprechent die meister, daz nach dem ersten ilzbruche der gotheit, da der sun
frzbrichet von dem vater, da si der engel aller nrehest gebildet nach gote 2 • 40

Ez ist wol war: diu sele ist gebildet nach gote an irme obersten teile; aber
5 der engel ist ein nreher bilde gotes. Allez daz des engels ist, d8cz · ist gebildet
nach gote. Dar umbe wirt der engel gesaut an die sele, daz er si wider bringe
1 vinden. E2 B8 geben Ba1 BT G1Br1 Sie bis da J Si haissent sey sel dar vmb das (dar
vmb das] daer Br,). BsBr1 da] de ist als E2 daz wesen BT Ba1G1E2 leben Bs dat leuen Br1
Nu bis 2 daz fehlt BsBr1 2 daz nach] da na E2 da bis 3 si] da der vater gcpirt
seinn ainborn (eneghen Br1 ) sun Nach ersten (na dien iersten Br1) auspruch do ist (so es Bri)
B 8 Br1 3 nrehest] geleichist B8 Br1 nach gote, bis 4 gebildet fehlt Bs (Homöoteleuton!)
3 nach gote. bis 4 sele] naden ie.rsten wtbroke. Dat es waer dat die ziele Br1 4 wol fehlt E2
war / dz die sel BT ist gebildet bis teile; J na baren hoesten dele es ghebeelt na gode
Br1 an irem obristen tail noch got (ist gebildet fehlt, sieh oben) B8 aber bis 6 gote. fehlt Bs
4 aber bis 5 gotes.] Maer (Hs: M,?) die ingle es na beelde gods Br1 4f. aber, der engel
ist Ba1BT G1 doch ist der engel Pf Eo 6 Dar umbe Ba1 BT G1BsBr1 D& von PfE, an die
sele J der s. BsBr1 6f, wider pringt (weder bringhe Br1) in daz B8 Br1

322,'35ff. Der vernünftikeit bleibt da, roo sie ausdrücklidi gegenüber verstantnisse abgehoben roird,
die Funktion der mystischen Einigung mit dem einvaltigen grunde, der stillen wüeste, dem unter-
schiedslosen göttlichen Wesen, das durch die Tätigkeit der verstantnisse bloßgelegt und blo{!gefunden
rourde, vorbehalten. Der inhaltliche Unterschied zroischen vernünftikeit und verstantnisse ist nidit
so groß, roie Th. Sehn. ihn konstruiert, Das Schwanken in den Hss. beroeist zroar nicht ihre begriffliche
Identität, mahl aber ihre roeitgehende inhaltliche Übereinstimmung, und ich sehe nicht nur an der
vorliegenden, sondern auch an der Vergleichsstelle Pf. S. 22?,3?f., die von Th. Sehn. (S. 12?) vor-
genommenen Änderungen als unberechtigt un:d roillkürlich an, um so mehr, da die Verfasserin
S. 126 selbst feststellen muf!: ,,roenn auc/i bekantnüsse und vernünftekeit sich nahe stehen können,
insofern bekantnüsse die intuitive, mystische Erfahrungserkenntnis meinen kann." Mit S. 52,11f.
vgl. In loh. n. 64'3: Incognita enim amare non possumus ...
1 Mit S. 52,1'3-oben Z.1 vgl. Pf. S. 89,?ff.; 228,14ft.; 292,25 / 40; J os t es S. ?,16ff.; Pf. S. 109,'32f.;

394,25f.; 46?,16; 4?0,4f.; Zf dA 15 S. 434,45ft.; Par. an. S. 120,1 Sff. Vgl. auch Al c her v. Cl a i rv a ux,
De spir. et anima, c. 9 (PL 40 col. ?84): Anima et spiritus idem sunt in homine, quamvis aliud
notet spiritus et aliud anima; Johann von La Rochelle, Summa de anima, P. I. c. II ( ed.
Domenichelli 106}; Definitur autem anima rationalis aliquando ut spiritus, aliquando ut
anima . . . 2 Mit Z. 1ff. vgl. Pf. S. 103,24ft.; 1?3,16ff.; 2??,1ff.; 395,13ft.; Th am a s, In I. Sent.

d. 3 q. 3 a. 1: ... et ideo in angelo et homine tantum dicitur imago divinitatis et in homine


secundum id quod est in ipso nobilius ... ad 4: ... imago Trinitatis potest attendi tripliciter.
Vel quantum, ad expressam repraesentationem- divinorum attributorum: et sie cum divinae boni-
tates ·copiosius effulgeant in angelo quam in homine, angelus est expressior imago Dei quam
homo ... Vel quantum ad distinctionem personarum, et sie expressior est similitudo in homine
quam in angelo ... Sed quia ista repraesentatio est quantum ad exteriora, simpliciter conce-
dendum est quod angelus magis est ad imaginem quam homo. Vgl. auchAlbertus Magnus,
In II. Sent. d. 2 a. 1 ({3 o r g n et 2?,45a): . . . etiam Angelus non est immediate juxta Verbum
nisi ordine naturae et'non temporis in ordine exitus creaturarum. Liber de causis §Z, 4,6.
- Z. 2 nach dem ersten ilzbruche ist nicht zeitlich zu verstehen, roie es auch Schulze - Mai zier
S. 211 nach seiner Übersetzung verstanden zu haben scheint, sondern im Sinne von ordine naturae
.(sieh oben Alberius Magnus) und dementsprechend etroa mit 'nächst' roiederzugeben. Der Satz
besagt, da{! nach Ansicht der Meister nächst dem Sohne, der als erster Ausbruch der Gottheit aus
dem Vater das vollkommenste Bild ist, der Engel am vollkommensten nach Gott gebildet ist. Vgl.
Pf. S.165,Z4ff.; 1'?3,18ff.

54
Nunc scio vere

an daz selbe bilde, da er n.ach gebildet ist; wan bekantnisse kumet von glicheit 1.
eg,s W an denne diu sele hat eine mügelicheit alliu dinc ze bekennenne 2, da von
geruowet si niemer, si enkome in daz erste bilde, da alliu dinc ein sint, und
da geruowet si, daz ist in gote 3• In gote ist enkein crilat:are edeler dan diu
ander 4• 5
Die meister sprechent: w.esen und bekantnisse si al ein 5, wan swaz niht
10 enist, daz bekennet man ouch niht; swaz allermeist wesen hat, daz bekennet
man ouch allermeist. wan denne got ein übersweri.kende wesen hat, dar umbe
überswenket er allem bekantnisse, als ich &gester sprach in dem jüngesten

1 dä näch erBa,.BT glich.eit.] gleichniizz,BsBr„glicheit (- eit über getilgtem nisse) Ba1


2 den:ne. fehlt BsBr, mugenhait Bs ze bekennenne,] zebennende (!) E2 dä von] Dar
vmb BsBr, 3 geruowet] gheruusti Br1 . ein sint,] en sint E2 ain jnn sint B8 Br1 4 dä]
dauon BT '.,f. und dä bis 6 meister] Das ist in got da sint alle dinch ain. da riibet (rustet
Br,) die sel in got. (in got fehlt Br,) da niem (!) ist (daer en es Bri) chain creatur edler dann
die (Zeilenende! Bs) die ander Hiet das fewer hicz vnd dielt (Vor dielt ist tail getilgt. Bs) mit
ein ·ander so prant es nimmer {tegadere het en ghebernde nummer me Br1) Die maister B8 Br1 •

4 daz ist i.n gote. fehlt E2 6 sprechent das wesen BsBr1 al ein,] allein Ba1 alles eyn BT
si bis 7 oudi niht ;] sey ain ding wann (sijn een. want Br1) wa (daer Br1 ) wesen nicht enist da
wechent man {Vor man ist nicht getilgt. Bs) nidit B8 Br1 6 wan] w3 Ba1 7 swaz] vnd was Bs
8 ouch fehl{BsBr, .got bis 9 bekantnisse,] got aller maist wesen (wesens Bi'i) hat Dar vmb
pedient man in aller maist vnd aller lauterleichist .(men van hem alre meest ende alre luters.)
BsBr, (Hier sdilie/lt sidi in BsBr, der Text der Predigt J ostes Nr. 28, S. 22,18ff. an.) 8 über·
swenkende Ba1 BT überswebende E2G1 (vgl. Pf. S. '319,4) dar umbe BTG1 Dar vber Ba1 dä von
PfE2 9 alle BT allain G, alle Ba, aller PfE2 egester] vor G, dem jünges!en] der nechsten BT

1 Vgl. oben S. 49,4 und Anmerkung. 2 Vgl. oben S. 49,5f. und Anmerkung. 3 Vgl.

Pf. S. 85,'36ff.; 202,tff.; 226,5-/f.; '32'3,'J'Jff.; '3?9,'Jff.; 5'30,'39ff.; mit Z. 2-/f. vgl. Senn. LV n. 550: Sie
illud A vicennae IX Metaphysicae capitulo.ultimo, bene ante medium: »sua perfectio animae
rationalis est, ut fiat saeculum intelligibile et describatur in ea forma totius et ordo iritellectus
in toto et bonitas fluens in esse et ut incipiens a principio totius procedat ad substantias in-
tellectuales, excellentiores, spirituales absolute et deinde ad spirituales pendentes aliquo modo
ex corporibus et deinde ad animas. moventes corpo:ra et postea ad corpora caelestia, et ut haec
omnia sint descripta in anima secundum dispositiones et vires eorum, quousque perficiatur in
ea dispositio esse universitatis, et sie transeat in saeculum intellectum instar esse totius mundi,
cernens id, 'quod est pulchritudo absolute et bonitas absolute, et decor verus fiat unum, cum
est ea insculpta exemplo eius et dispositione eius et intendens secundum viam eius conversa
in similitudinem substantiae eius ... < 4 Vgl. Pf. S. 269,t'Jf. (Quint S. ?42). 5 Vgl. In

loh. n. 26: Eadem autem .sunt principia essendi et cognoscend( nec quidquam per alienum
cognoscifür. ibid; .n. 189: patet primo, qµia a:rn eodem res habet esse et cognoscere, maxime in
simplicibus, ubi et esse et noscere idem est et ab eodem est; secundo quia eadem sunt prin-
cipia esseridi et cognoscendi; ... ibid. n. 5?4: Decimo septimo sie: eadem: sunt principia ·essendi
et cognoscendi. Sie res se habeii.t in veritate, sicut se habent in entitate; ab eo enim quod res
est, conceptus et oratio vera dicitur, ab eo autem quod non est, falsa.-Thomas, I q. 16 a. 'J:
Unumquodque autem in quantum habet de esse, in tantum est cognoscibile; der s. in Metaph. l. 2
lect. 1. {ed. ·Cathala n. 280}: Cum enim unumquodque sit cognoscibile inquantum est ens actu,
·... illa quae habent esse deficiens et imperfectum, sunt secundum seipsa parum cognoscibilia,
ut materia, motus et tempus •.. n. 282: sunt autem: ma:idme .cognoscibilia &ecundum naturam
suam, quae sunt maxime in a:ctu, scilicet entia immaterialia et immobilia. quae tarnen sunt
maxime nobis ignota. ·

55
Predigt 3

sermone 1, daz diu sele ingebildet wirt in die ersten· luterkeit, in den indruk
dei: lutern weseHcheit, da si gotes gesmecket, e er warheit oder bekantlicheit
an sich vahe, da alliu nemelicheit abe geleget ist 2 : da bekennet si aller luter- 15

liehest, da nimet si daz wesen in ebenmrezicheit. Da von sprichet Pa u 1u s:


5. 'got wonet in einem liehte, da niht zuoganges enist'. Er ist ein inhangen in
sin selbes luter weselicheit, da niht zuohangendes enist. Swaz zuoval hat, daz
muoz abe. Er ist ein luter instan in im selber, da noch diz .noch. daz enist; 2:0

wan swaz in gote ist, daz ist got s. Ein heiden meister sprichet: die krefte,
die under gote swebent, die haut ein inhangen in gote, und swie sie haut ein
10 luter instan in in selber, so haut sie doch ein in.hangen in dem, der weder
begin noch ende hat; wan in got mac niht vremdes gevallen 4• Des habet ein be- 2e.
· wisunge an dem himel: der mac niht enpfähen enkeineh vremden indrrik in
vremder wise 5• ·
Also geschiht ez: swaz ze gote kumet, daz wirt V€rendert; swie snrede ez
15 si, bringen wir ez ze gote, ez gat sin selbes abe 6• Des habet ein glichnisse :
han ich wisheit, diu enbin ich selber niht. Ich mac wisheit gewinnen, ich mac so

1 sermöne, daz Ba,G,BT sermöne. Da PfE. den] dem G, 2 gesmek G, he-


kantlicheit E,G, hekantheit Ba,BT 3 vahe, Ba 1 BTG1 ] vahet PfE2 da 1 ] die BTa da BT0
ahgeleytet BT si Ba, BT G, man Pf E, 4 sprach BT 6 weselicheit,] welicheit (!) Ba.1
lvterkeit weslicheit E2 ? im] sich Hss. noch 1 ] weder BT 8 wan bis got. fehlt E2
heiden fehlt BT meister Ba~ BT G1 fehlt Pf E. die krefte, fehlt Pf 10 in stät E.
in•] sich Hss. hant] hat E, ,dem, Ba1BT G1 den PfE, 11 hegin] anfang BT wan
bis gevallen. fehlt E, Des] Dis Ba, hahet] habenn wir BT 14 geschiht] gesicht E2
15 hab et] habe G, nim BT 16 selber Ba1 BT G, fehlt PfE, ·

1 Auf weldie Predigt und weldie Stelle sidi der in der hsl. überlieferung gesidierte Rückoerroeis

bezieht, wurde, soviel. idi sehe, von P ah.n.c ke in seiner Dissertation und audi sonst nirgends bisher.
nadigewiesen. Wie sdion oben S. 46 in den Vorbemerkungen gesagt wurde, bezieht sidi der Rv. mit
Sidierheit auf die Stelle J o s t es S. 2'3,'JOf. zurüc*, wo sidi die obige Äußerung Z.1 f. in genauer Überein-
stimmung findet: da si gepildet wirt (in ein einicheit,) in di ersten lauterheit, in den indruk der
lauter wesenlicheit? • Vgl. Pf. S.162.24/f.; Serm. XXIV n. 24?: N am et ipsuni deum sub hoc
nomine, immo sub omni nomine dehet transire anima. 8 Z. 8 = RS. II art. 50 (Th er y S. 252):

omne quod est, hoc est deus. Der Satz, der in E, fehlt, weidit, wie man sieht, in der Formulierung
des zweiten Zensors sdiarf von der der deutsdien Predigt, die in den Hss. gleidimäßig überliefert ist,
ab, so daß der lli.teinisdie Satz ·radikal pantheistisdi ist, während der deutsdie die geläufige
sdiolastisdie Lehre enthält. S. 5?,1 bringt Ed,:harl den Satz nodi einmal in korrekter Formufierung
und audi hier ist die hsl. Überlieferung übereinstimmend. Vgl. Ardi. II S. 441 Anm. 2, 'TOO Den i f l e
sidi · über die ganze Stelle Z. 5 Er ist bis 8 got. ausläßt und darauf hinweist, daß ihr der sdiola-
stisdie ·Satz, roonadi in· Gott quod est und quo est dasselbe ist, zugrunde liegt, und roo er Beleg-
stellen aus Sdiolastikern aufführt. Vgl. audi Karrer, Meister.Ec*ehart S. '32'3, Karrer.·Piesch.
S.169 zu 50., Schulze-Maizier.• S. 429. Vgl. Pf. S. 8'3,1?; 25'3,1f.; .2?2,26f.; '311,i9; 619,1'3f.; Par.
an. S. 12?,'30 (Karr.er.-Piesdi a. a. 0.). Zu Z. ? vgl. Pf. S; 96,2'3/f. 4 V~l. Pf .. S . .8'3,2?f.; 86,40f.

Die krefte, die under gote swebent (Z. Bf.), sind natürlidi die Intelligenzen. Vgl. Li b er. de ca u s i s '
prop.16 (Ed. Bar.denheroer § 15 p.1??20}: Omnes virtutes quihus non est finis, pendentes suntper
infinitum primum... 0 Vgl. Pf.·S, 81,16f.; 1'39,?f.;.210,'34ff.; 222,10ff;; Aristotel. Lehte, daß

der Himmel inkorruptibel sei, vgl. Alber.tus Magnus, Summa de creaturis p. I. tr. Ja: 2 (ed.
Bpr.gnet Bd. '34 S. '399). • Vgl. unten S. 5?,4ff.; Pf. S. 225,1?ff. ·

56
Nunc scio vere

sie ouch verliesen. Aber swaz an gote ist, daz ist got 1 ; daz enmac im niht
entvallen. Ez wirt gesast in götliche nature, wan götlich · nature ist so kreftic,
I

swaz dar in geboten wirt, daz wirt alzemale dar in gesast oder ez blibet al-
' zemale uzen. Nu merket wunder! Sit got so snre_9-iu dinc in sich verendert,
s5 waz wrenet ir denne, daz er der sele tuo, die er mit sin selbes bilde gewirdiget 5
hat2? ·
Daz wir diz erlangen, des helfe uns got. Amen.

2 gesast] gesant Ba1 wan bis nature is.t in .E, von ders. Hand auf dem red,,ten Rand
nad,,getragen: 3 wirt2] wir G1 alzemäle 1] zemäle PfE, 4 snrediu] schönde (o rot
durdistrimen und unterpunktiert) Ba1 6 hät? E,G1 hat zeformende Ba1 "l Daz bis
Amen. fehlt PfBa1E,G1 · ·

1 Sieh S. 56 zu Z. 8. • Vgl. Pf .. S. '3'34,Bff. --:- Der Smlußsatz fehlt in den Hss., er steht
nur in BT. Ob er ursprünglid,, ist, bleibt ungewifl. Daß der Prediger mit einer rhetorismen Frage
· gesdilossen haben sollte, ist · wohl · kaum wahrsdieinlidi. Der Smlu/l sdieint mir fragmentarisdi
überliefert zu sein. Ob nur .die Sdilußwendung oder audi nodi ein Stüdc d,er Ausführungen über
das Predigtthema weggefallen ist, läßt sidi m. E. mit Sidierheit nidit entsdieiden. Das Thema
sdieint mir jedodi am Schlufl des überlieferten Textes inhaltlidi ersdiöpft zu sein; Die Disposition
der Predigt ist wie ofi dem Sdirifttext entnommen. Nadidem die beiden ersten Hauptabsdinitte
über Nunc scio und vere gehandelt haben, exegisiert Edchart im dritten groflen Sdiluflteil, der
bei. S. 52,6 mit der Wiederholung des. Sdiriftwortes einsetzt, de;, zweiten Teil quia misit dominus
angelum suum. Die Leitgedanken dieses Absdinittes sind folgende: das Erkennen, die „Fürstin"
der Seelenkräfte, dringt durch, bis es Gott „blo/l -fi,ndet". Der Engel als ein im Vergleidi zur Seele
näheres Bild der Gottheit wird der Seele gesandt, um sie näher an das Urbild Gottes heranzu-
bringen, sie stärker zu verähnlidien und ihr Erkennen dadurch zu überhöhen, da das Erkennen
eine Funktion der Ähnlidikeit bzw. Glt!idiheit mit dem Erkannten ist. Wird die Seele aber, die
die· Fähigkeit hat, alle Dinge zu erkennen, infolge der durdi den Engel bewirkten Verähnlidiung
mit ·dem Urbilde Gottes zu dessen Erkenntnis befähigt, so geht sie kraft dieses Erkennens in das
Wesen Gottes ein, da göttlidies Sein und. Erkennen eins sind und alles, was. in Gott ist oder in
Gott eingeht, mit seinem Wesen eins ist. ~ Mit den letzten Ausführungen ist. das Ziel .aller edc-
hartisdien Predigtspekulation, der Eingang der erkennt n i s fähigen. Seele. des Mensdien in den
göttlichen Geist erreicht. Wesentliches kann demnadi am Sdilziß unserer hsl. überlieferung der
Predigt nidit verlorengegangen sein. , •

57
PREDIGT 4 (Pf. Nr. XL S. 134-137)

Handschriftliche Überlieferung (sieh Quint S. 389, Spam er PBB 34 S. 330, ders. Diss. S. 281,
Skutella ZfdA 68 S. 76, Thery S. 245f., Lotze S.28):
B6 f. 12v-15r.
Bo f. 5r-6r. Der Text ist durch eine Reihe von Streichungen stark gekürzt; es fehlt: S. 60,3
Sant Jacob-61,1 merket.; 62,1 daz ist-2 enhiist: (fehlt auch in Ba3 ) ; 9 als pine-63,2 besten;
4 Dar umbe-64,3 roiir: (fast gleich umfängliche Lücke in Ba3 ) ; 64,4 und schrien in dem
pater noster:; 5 und genüeget-7 vride.; 9 oder 'rorere-10 dünket; 11 Diz-65,3 eigensten.;
'7 Und dar umbe-S. 68,8 unreht.; S. '70,1 Sroaz-71,'7 roort ! ; 3 der hrete-Schlufl. Vgl. auch
S p am er PBB 34 S. 399 Anm. 1, Pa h n c k e E. St. S. 3, Lot z e S. 28f. Den Eingang der Predigt
bilden in B6 elf Zeilen, die Lot z e S. 29 abdruckt und die, was ich übersehen habe (Quint
S. 401), schon Spamer PBB 34 S. 400 Anm. identifizierte mit ZfdA 8 S. 243,4-12 + Pf.
S. 204,38-40; vgl. auch Pa h n c k e E. St. S. 3 und Br et haue r AfdA 53 S. 52, der offenbar
seinerseits übersehen hat, daJ.l sowohl Spamer wie Pahncke bereits beide Textstücke
identifiziert hatten.
B12 f. 59r-60r, alte Zhlg.: f. '72r-'73r. Der Text reicht hier nur bis unten S. 72,5; der in der
Hs. folgende bis f. 62r (?5r) reichende Sd1lu.!lteil gehört zur Predigt In hoc apparuit etc. in
der Fassung a und zu einer Predigt Exiit qui seminat etc. (sieh unten S. '75). Vgl. S ku-
t e 11 a ZfdA 67 S. 107.
Brn f. 89r-90r, Fragment= S. 60,3-62,'7 enroelle ez. Vgl. S k u t e 11 a ZfdA 71 S. 69 (mit Angabe
der Varianten zu Pf.); Br et haue r AdfA 53 S. 53.
Ba1 f. 313v, Fragment= S. '72,11 Ich roart-13 getuot.
Ba3 f. 213v-215v. Der Text ist wie der von B6 stark gekürzt; es fehlt, abgesehen von kleineren
Textstückchen: S. 61,6 und disiu ,:vise-7 sfn.; 62,1 daz ist-2 enhiist: (vgl. oben B6 ); 5 Nu-
6 auch niht.; 9 nochdenne-63,1 pfne 2 (Homöoteleuton!); 2 du solt-3 sin,; 5 Wrere-
S. 64,3 roiir: (63,13 Sroie-64,2 unreht steht eingeschoben hinter 64,4 roerde !, vgl. oben B6 );
S. 64,11 Diz-roorte.; 65,'7 Und dar umbe-66,2 innigest.; 6 und inner-suochende; 1 und sint
an dem hcehsten.; 9 Den sin-67,4 sint.; 5 Ez schinet-8 also.; 68,5 so ist-? vröuroete.; 69,1 du
got-2 (1.) suochest.; '7 Daz du-8 ensuochest.; 8 lch-70,1 luter niht. (Homöoteleuton!);
2 Alle creature-5 gotes.; 6 rehte-71,1 roort ! ; 1 daz man-2 machte.; '72,2 und unser
vrouroe-74,4f. bekantnisse.; 9 Daz roir-10 Amen.
Bra 2 f.169v-1'72v, vgl.StrauchZfdPh 54 S.285 und 286.
BT f. 259vb-261ra.
E1 f. 199va-201vb; alle Rückverweise der Predigt sind getilgt (vgl. Quint S. 401f.).
G2 f. 23'7ra-240vb.
Ga p. 100-103 Fragment = S. 60,3 Sani Jacob-64,10 vride. !+ Schlußsatz; vgl. Mai1 aStr3 aSt4 ,
Den Text fand ich erst nach Fertigstellung des Drucks der Predigt. Seine Varianten
werden an anderer Stelle nachgetragen.
KT f. 221ra-222rb. Abweichender längerer Eingang im Anschluß an anderen Schrifttext; infolge-
dessen auch gelegentlich stärkere Abweichungen im weiteren Predigttext, sieh unten im
Variantenapparat besonders zu S. 60,3-61,1; 64,11; '72,6-73,5 (Br et haue r AfdA 53 S. 52;
Br.'s Verteidigung des KT-Textes gegen meine Bemerkung [Quint S. 95?] ,.Der Text gibt
für die Textkritik von Predigt 40 nichts her" hat mich bewogen, KT im Variante:riapparat
zu berücksichtigen).

58
Mai1a f. 4v-6r, Fragment = S. 60,3 Sant Jacob-64,10 vride + Schlußsatz; vgl. unten St, und Strsa•
Mai1b f. 132r--,135r, vollständiger Text; vgl. unten Strsb· Fragment und Volltext identifiziert von
Quint.
S1 f. 219r-v, Fragment = S. 60,3 Sant-70,6 got•, mit Auslassungen, die sich zum größten Teil
mit denjenigen des Ba 8 -Textes decken; sieh den Variantenapparat. Identifizierung durch
Quint.
St, f. 17v-19v, Fragment= S. 60,3 Sant Jacob-64,10 vride +Schlußsatz; vgl. Maii,_,, Str3 a.
Strsa f. 5v-7r, alte Zhlg.: f. 4v-6r, Fragment = S. 60,3 Sant Jacob-64,10 vride + Schlußsatz;
vgL Mai1a, St,. .
Str3 b f. 159v-165r, alte Zhlg.: 157v-163r, vollständiger Text; vgl. Mai1b•

Filiation der Hss.: sieh Quint S. 391-402, Lotze S. 29-31. Am engsten verwandtschaftlich zu-
sammengeschlossen sind folgende Texte, für deren Gruppen besondere Siglen im Varianten-
apparat eingeführt wurden:
a = StrsbMai1bBra2 ß = StraaMai1aSt,
Gs stellt sfch zur ß-Gruppe. Zwischen beiden Gruppen vermittelt B., das indessen enger an die
a-Gruppe ~ls an die ß-Gruppe, am nächsten an Str3 bMai1b gebunden ist. Im übrigen läßt sich eine
engere Bindung feststellen zwische)l G2 und BT, denen sich KT und E1 sowie das Fragment Brn,
soweit seine Kürze ein Urteil zuläßt, anschließen. Eng zusammen gehören weiter die beiden
Texte Ba8 , S1 und B12 , während B6 und das kurze Ba1-Fragment keine engere Bindung an einen
der anderen Texte erkennen lassen. Der Predigttext ist in den Hss. im ganzen einheitlich über-
liefert. ·

Textkonstituierung: Richtlinien sieh Quint S. 402. Der kritische Text wurde durch Auswertung
der gesamten hsl. Überlieferung gewonnen. Er entspricht im ganzen dem am meisten vermit-
telnden Text von G2 , abgesehen von dessen isoliert stehenden Sondervarianten (vgl. Quint S. 396),
die durchweg als unursprünglich erkennbar sind.

,,Rechtfertigungsschrift" :
§ II 4 art. 1A (Thery S. 176} "' S. 72,14ff.; Quint S. 406.
§ II 4 art. 11B (Thery S. 181) S. 67,5ff. (vgl. RS. II ad. 42); Quint S. 407.
§ II 4 art. 15 (Th e r y S. 184) "' S. 69,8ff. (vgl. ,,Gutachten" art. 6, RS. II art. 43, Bulle art.
26); Quint S. 407f.
§ II 4 art. 16 (Thery S.184} "' S. 61,4ff. Quint S. 408f.
II art. 41 (Thery S. 245) S. 61,iff. Quint S. 408f.
II art. 42 (Th e ry S. 247} "' S. 67,5ff. (vgl. RS. § II 4 art. 11B); Quint S. 407.
II art. 43 (Th e r y S. 247} S. 69,8ff. (vgl. RS § II 4 art. 15, ,,Gutachten" art. 6, Bulle
art. 26); Quint S. 407f.
Der Artikel II 30 (The ry S. 236} der RS. ist nicht, wie bisher angenommen (Th e ry a. a. 0.,
Quint S. 389), identisch mit unten 69,8 er entstammt vielmehr der Predigt In hoc apparuit
etc. (Fassung a), sieh unten S. 76.

Bulle: art. 26 (Arch. II S. 639} = S. 69,8ff. (vgl. RS. § II 4 art. 15, II art. 43, ,,Gutachten" art. 6);
Quint S. 407.

,,Gutachten" art. 6 (P e l s t er S. 1115) . S. 69,8ff. (vgl. Bulle art. 26, RS. § II4 art. 15, II art. 43).

Übersetzungen: Lehmann S. 196ff., Sc,hulze-Maizier• S. 273ff.

Echtheit: gesichert durch RS. Hsl. Bezeugung sieh im Eingang des Variantenapparats.

59
Omne da turn optimum et omne donum
p e r f e c tu m de s u r s um e s t. J a c ob i I O•
Sant Jac o.b sprichet in der epistel: 'diu aller beste gabe und volkomen- 134,5
heit koment von oben her abe von dem vater der liehte'.
\
if.; 3f. Iac. 1,17: Omne datum optimum et omne donum perfectum desursum est descen-
dens a patre luminum ... ; vgl. S. ?2,6; ?3,6; ?4,8f.

Zuroeisung: Maister egckart predigerorden (v. and. Hand auf d. l. Rand} G2


V b er s c h r i f t en: disse predig ist an dem dritten (dritten durchgestr. darüber III., danebe;:,,
getilgtes andren v. and. Hand) sunentag nach ostren (rot) G2 Sermo deuotus super hoc Jacobi
apostoli verbo (rot auf d. l. Rand) (Ja)cobi I. c. (rot) Ba, vff den IIII. Sonntag nach ostren {rot
auf d. l. Rand v. and. Hand) Str,a Disze bredig gehört och vff den IIII. sontag nach ostren {rot
auf d. l. Rand v. and. Hand) Str,b stat am taler blat CCLX (auf d. uni. Rand v. and. Hand)
Mai1a stat am taller CCLX (auf d. unt. Rand von and. Hand) Mai1b Vff den vierden / sontag
nach Ostern / den man nent Cantate. BT Vff sant Johans euangelisten tag. KT
1 Omne bis 2 Jacobi 1°. B12] est. Iacobi 1°. fehlt G2Ba 3 (In Ba, auf d. l. Rand: ... cobi I. c.)
Omne bis Jacobi 1°. fehlt E1B0 ßaB6 B15S1 Vff den vierden / sontag nach Ostern / den man nent
Cantate. Wie alles das got gibt vnnd verhengt über den menschen das aller best sey / vnd
das sich der mensch also darin setzen sölt / das er gottes ere meynte in allen dingen / so wurde
im alles das got mit im wü.rckte das best. Item das got nicht so gern gibt als grosse gaben /
die da seind die aller besten vnnd die aller höchsten / vnd ye besser / ye mer ir seind / vnd
das gottes natur vnnd sein wesen daran schwebe / dz vns sölche ding von obenharab gebe /
ob wir vndcn seind in warer demü.tikeit. Gestellet mit guter vnderscheidenlicher berichtung
vff dise wort Jacobi primo. Omne datum (f. 259vb) optimum / et omne donum perfectum de
sursum est / descendens a patre luminum. BT 1 Omne bis 61,1 die menschen,] Vff saut Johans
euangelisten tag. Wie man alles das Gott gibt vnd verhengt über den menschen (der got lauterlich
meynet in allen dingen) (Klammern in KT} vonn seiner haut allein enHangen solle / für das
aller beste. Wie got gern gibt grosse gaben / wenn wir vns vnden halten in tieffer demüttigs
keyt / Vnnd das alle ding eyn lauter nicht seyn on Got. H (Initiale) Je est discipulis ille
quem diligebat lesus, Johannis ultimo. (f. 221rb) Disz ist der jünger denn Jesus liebet/ Lieben
kinder wie woll gott keynn annemer der personen ist / vnnd alle ding lieb hatt das er gemacht
hatt / ye doch hat er seyn fründe (die seiner gnadenn mee warnemen / vnnd sich mit allen
kröfften zu jm kerenn) (Klammern in KT) förderlich lieb / Vnnd das alle menschen solichs nit
thun wollen vonn jren freien willen / das ist seyn schult nit. Er ist alle zeit bereyt vns zü
entfangen / vnnd leest die sonne seyner gnaden scheinen über die gutte vnnd böse. Nü hatt
S. Johan die gnade gottes von jügent auff sunderlich wargenomenn / vnnd ist vnsen herrenn
eyn fürtrefflich lieber junger gewesenn / durch seyn junfferliche reynigkeyt / volkommen liebe /
höge schauweligkeyt / vnnd alle tugent. Darumb wollenn wir auch gottes liebe jünger werden /
so sollen wir jm nachfolgenn / vor an inn eyn gruntlich sterbenn vnd gelassenheyt vns selbst
vnnd aller, eigentschaff / vnnd entfangen alle ding von der haut gottes mit eym verlaugnen vns
selbs vnd alle lieb vnnd lüst aussenn got / in geschaffen dingen. Dise menschen KT 3 Sant
Jacob bis 61,1 merket!] Ain yetlich gegeben ding das best vnd ain yeglich volkömen gab ist
stygen uon obnan ab herab oder alles das gegeben wirt. das best etc. Nun merkent (Das Ganze
auf d. unt. Rand von fol. 59r von ders. Hand nachgetra.gen; auf d. ob. Rand steht rechts neben d.
lat. Schriftzitat: das tusch da vndnan.) B12 fehlt B6 3 Sant Jacob bis epistel:] als s. Jacobus
sprichet in der Epistole steht in St, hinter 4 liehte'. 3 Saut Jacob bis 61,1 wizzen: fehlt KT
3 Saut bis epistel :Jdis wortt spricltt saut jacobussz hüt in der Epistel G2 sprichet hiute in BTB1•
in der] in einer Str,aMai1aB0 in der epistel: fehlt S1Ba, beste ( [der aller] besten Mai 1b
besten S,) gabe und volkomenheit koment (komet BT Bra2St,Ba,) aE,St.G2B1 5 BT Ba 3 besten und
volkomen gabe die koment SiraaMai1aBo beste .gabe unde vollekomene gabe k. Pf 4 der] aller St,

60
Omne datum optimum

Nti merket! Ir sult daz wizzen: die menschen1, die sich ze gote la.zent und
10 sinen willen aleine suochent mit allem vlize, swaz got dem menschen gibet,
daz ist daz beste ; dti sist des gewis als daz got lebet, daz ez von nöt daz aller
beste muoz sin und daz kein wise anders mähte gesin, diu bezzer wrere. Swie
daz si, daz doch ein anderz bezzer: schine, so enwrere ez dir doch niht als guot, 5
wan got wil dise wise und niht ein ander wise, und disiu wise muoz von not
15 dir diu beste wise sin 2 • Ez si lliechtage oder armuot oder hmiger oder durst
oder swaz ez si, waz got über dich verhenget oder niht verhenget, oder. swaz

1 Nu merket! fehlt 81 daz fehlt aS1B12 die menschen,] daz d. m. G2 daz sich d. m. a
Dise menschen (Anfang d; Predigt im Drude} KT die menschen bis lazent] dat die hem te
gade latet Bs ze] alsus KT 2 sinen] leyden KT aleine a (allen Maiib) G2 BT KT Bas
S1B12B15 fehlt PfE1ßB.Bs suochent mit allem viize, aE,BT KT G,BasB,,B,. mit vlize suochent
ßB. mit eirnst soeket Bs waz denne got BaaS, 'dem menschen StrsbMai,bStrsaSt4B.G,Baa
S,B12B,. de m. Mai,a _den m. PfE,Bra,B~, den selbigen BT KT :, daz bis beste;] das ist vnd
dunckt sy das best. BT KT , daz peste;] sijn beste B6 du. sist des gewis] des bis als
gewiss G2 vnd des bis gancz gewiss S, du solt des gewis sin Brn Des sijt also gewijs B6 sist ]
bist St4 des] dis Strab disz Mai,i; als daz bis 5 si, fehlt S, 3 als daz aE, BT KT G2 B15 St4
daz fehlt Pf$frsaMai,aBr,B12 als daz got lebet] als des leuens B 6 fehlt Ba8 ez] er Mai 1b
daz BsSt4 -not] got Bra. von not fehlt Baa 3.f. daz aller beste] alre best B6 3 aller
fehlt B12 4 muoz sin] ist Bas · und bis wrere. fehlt Baa wise] gewis Mai,a kein
wise anders J kein ander wise St4 BT KT Bs anders fehlt StraaMai,aB• möhte bis wrere.] mohte
b~,sser sin E, Swie bis 5 anderz] Hoe et oec weer dat een ander Bs . 4 Swie bis 5 bezzer]
vnd weri dz ,doch an andri wisz besser G, 5 daz si, fehlt Bas daz si, daz fehlt .E,
daz doch] wie dz doch S, doch 1 ] joch Ras fehlt a ein anderz] ein andrui a schine,
ßB.BT KT G2 Ba8 S1 B12 B16 ~cheen of oec licht weer B6 schinet PfE1 a so bis guot, fehlt Ba8 S1
dir doch] doch in a 6 dise wise] wise fehlt PfE,S, dii;e] die G, wisz von dir vnd G2
ander wise,] wise fehlt ßBoBs und 1 bis "! sin. fehlt Ba3 S1 6 niht ein] kein BT KT ein
fehlt Mai,b wise• fehlt St4 "! dir. fehlt G. · wise fehlt St4G2Bs siechtage oder
armuot oder, hunger oder durst oder. BT KT B12B,.] siechtage oder armuot hunger oder durst
oder a siecheit (siechtag G2 ) oder arrimot oder hunger oder ßG, siechait oder armüt oder hünger
dürst oder Bo siechtage armuot hunger oder durst andäht oder innikeit und Ba3 S, siech tage, armuot,
hunger, turst· oder PfE1 siech tage bis 8 verhenget,] siede of armoede of moyelicht dat hi der niet
,en heeuet B6 8 ez si, waz fehlt Baa ez] er Mai,b si,] ist StraaMai,aBo wa,z] dazPfE,
oder niht verhenget, fehlt St4Bas oder swaz bis 62,1 engibet, fehlt BT KT 8 oder swaz]
als was StrsaMai,a des was Bo

1 Z.1 die menschen bis 61,2 enhäst•: = RS. II art. 41 (Thery 8. 245): Quadragesimus priinus
i:n sermone Omn e da turn op tim um sie habet: ille homo qui se deo conmittit et voluntatem
· suam dHigenter querit, quidquid deus illi homini dat, hoc est optimum; hoc optimum esse_
oportet de necessitate. Et quod nullus alius modus esse possit qui melior esset, quamvis aliqU:id
aliud melius apj:>areat vel etiam sit melius, tarnen tibi non esset ita bonum quill-. deus vult
istµm modum et nullum alium et sive sit.infirmitas sive paupertas sive fames vel quidquid
sit, quidquid deus circa te permittit fieri vel accidere vel non permittit, _hoc 'est optimum sive
sit devotio sive int~rna delectatio, quidqui,d tu habes vel non habes .. Z, 4 Swie bis 61,4 "-' RS,
§ II 4 art. 16 (Thery S.184): Item, quamvis aliquid appareat melius, vel sit melius, tarnen
hOmini bono q~erenti voluntatem dei, hoc ,est sibi melius quod deus accidere permittit circa
euro,; sive hoc sit fames, sive sitis vel · devotio, sive eam habeat vel non habeat, hoc est sibi
melius. • Mit Z. 1-? vgl. RdU S. J?,2?-,-J2 (Pf. 5?2,2-6; Die der ich s Diss. S. ?9) ;. Pf. 14?,?tf,
f Pa h n c k e Diss. S. 42); vgl. audi unten S. 91,Jff. ·

61
Predigt 4

.dir got gibet oder niht engibet, daz ist dir allez daz best~; ez si andaht oder
innicheit; daz du der beider 1 niht enhast, und swaz du hast oder niht enhast:
setze eht du dich rehte dar in, daz du gotes ere meinest in allen din~en, und
swaz er dir .denne tuot, daz ist daz beste 2 • - · , 20

5 Nu möhtest du vil lihte sprechen 3 : waz weiz ich, ob ez si der wille gotes ·
oder niht? Daz wizzet: enwrere ez gotes wille niht, sö enwrere ez ouch niht.
Du enhast noch siech.tage Iioch nihtes niht, got enwelle ez. Und wan du denne
weist, daz ez gotes wille ist, sö söltest du als vil wollust dar inne han und 26
genüegede, daz du keiner pine ahtest als. pine; nochdenne kreme ez uf daz

1 dir fehlt Ba8 got] er Ba 8 S1 daz ist bis 2 enhäst,• fehlt BaBa8 S 1 1 ist al.le Hss;]
si. Pf dir bis beste;] dir daz aller beste (bestes Bio) Str8 bMai1bBio das beste dir St4 1f. oder
innicheit fehlt Bra. 2 daz du bis enhäst1, fehlt a daz du] und daz du SirsaMai1aB•
der fehlt SirsaMai1aB• beider BT KT G2B11iBir,B0SirsaMai1a leider PfE1 fehlt SM aBaBas) en-
häst, und] nit hast so es deiner versaummunge schult nit ist vnd KT und bis enhäst, fehlt St4
Bio (Homöoteleuton/) und] oder E1 3 setze (setzest du B6 Mai1a setzt G2) eht (eht fehlt
SirsaMai1aBraoBoBT KT) du (du] in B.Mai1a voraufgehend, fehlt B1r;StrabMai1b) didi rehte (rehte
fehlt E1St4G2) dar in, E1BT KT GoflBoBra. setze dich eht (et Strsb er Mai1b) dar in StrsbMai1bB1r; sette
di alleen daer in Ba setze dich (dich] doch Bio) vor (dich eht vor S1) allen dingen dar in, BasB12S1
gotes] sin St4 gotes bis in] got meynes ende sijn eer in Ba gottes ;ere meynest lauter-
lieh in KT in allen dingen] vor allen dingen jn allen dingen Bio jn allen dingen vnd vor
allen dingen Baa und fehlt KT (Zeilenro~chsell) 4 ist dir daz Str8aMai 1aB.G. 5 Nu
bis 6 ouch niht. fehlt Ba8 5 Nu bis 63,12 got, fehlt S1 5 Nu bis sprechen:] Soe sprekes
du Ba möhtest du] möhte man a waz weiz ich,] wo waiss (waiss v. and. Hd. über ge-
tilgtem wz) ich G2 ez] er BTa si] ist aBT KT G2 B12B16 6 oder niht? fehlt Ba
Daz fehlt E1 Daz wizzet: bis ouch niht. fehlt St4 (Homöoteleuton!) Daz. wizzet:] Sich
dat weet Ba Anttwurt. B12 dz wissist G. enwrere] und wrere G2aß enwrere 1 bis ouch
niht.] voert (r über der Zeile) die wil gads al en weres niet Ba gotes wille] der wille gotes
aBTKT enwrere 2] geschege KT ouch] doch Bo ? Du] wan du Ba8 G2 so sprich ich
du St4 enhäst (hetist G2) noch (weder BT KT Bra2BaaB12 nit G2) siechtage noch nihtes niht,
E1 BT KT a BaaB12B10G2 en heues noch siecheit noch engeen dinc Ba enha:st noch siehst nichtes nit
Straa enhaust noch ensichst nichtes nit Mai1a hast noch entsichst nichtes nicht Ba got enwelle
ez.] ·got welle es vnd ist gottes wille (Sdiluf! des B1.-Fragmentes ;, dar~n ist, durdi Absatzzeidien
getrennt, angehängt: ein mensche mag bas · geliden dz es alle welt versmohe denne es geliden
mac dz men es versmohe vnd verwerfe) got der welle ez a got der well es denn (denn über
der Zeile v. and. Hd.) G. Und fehlt BT KT 8 sö] Darumm Ba8 söltest du aßBT KT
G2B0Ba soltu PfE1BaaB12 vil] grosz St4 als vil bis 9 genüegede,] also vroe sijn Ba
8 dar inne] dar an Go dar vmbe St4 8f. vnd och genügt G2 9 pine 1] pin oder lidens
nit B12 pine dar inne St4 ahtest bis 63,1 pine,1]fehzt Ba (Homöoteleuton/) ahtest] enpfin-
dest Mai1aBo empfandest Str8 aSt4 als] alle G2 nochdenrie] und BT KT Go nach dem Mai1b
noch dem Mai1a nochdenne bis 63,1 pine• fehlt Ba8 (Homöoteleuton/) 9 kreme ez] kernest
es E1 kernest du Pf uf] ioch vff G2 auch vff BT KT •

1 Zu beider vgl. Quint S, 403 (Pf. S. 134,18); • Mit Z. 1ff. vgl. unten S. 81,15ff. 3 Mit

Z. 5ff. vgl; unten S. 64,'Jff.; Pf. S. 55,5ff.; 14?,11ff. (Pahncke Diss. S. 42); 1??;40ff.; 203;1Jff.;
20?,3?tf.; J und t S. 265,4ff.

62
Omne datum optimum

aller hrehste der pine, enpfündest du dekeiner pine oder lidens, dannoch so
ist im unreht alzemale; wan du solt ez nemen von gote in dem aller besten,
wan ez muoz von not din aller bestez sin. W an gotes wesen swebet dar an,
so daz er daz beste welle. Dar umbe sol ichz ouch wellen noch ensol mir dekein
dinc baz behagen 1• W rere ein mensche, dem ich mit allem vlize wolte gevallen, 5
wiste ich denne vür war, daz ich dem menschen baz geviele iri einem grawen
kleide dan in keinem andern, swie guot ez joch wrere, des ist kein· zwivel,
s5 mir enwrere daz kleit lüstlicher und lieber dan kein anderz, swie guot ez joch
wrere. W rere denne, daz ich einem ieglichen wölte gevallen, swaz ich denne
wiste, daz er gerne hrete, ez wrere an worten oder an werken, daz trete ich 10
und niht ein anderz 2 • Eya, nu merket iuch selber, wie iuwer minne gestalt si !
Mintet ir got, so enmöhte iu kein dinc lüstlicher gesin, dan daz im aller beste
geviele und sin wille an uns allermeist volbraht würde. Swie swrere diu pine

1 enpfündest Bra 2ß enpfundist (v. and. Hand auf d. linken Rand; im Text: geförchtost [?]
durchgestrichen) G2 enpfindest StrsbMai1bB• BT KT befandest B12 gefüeltest PfE1 geuoeldes Es
du in Bra2 vor enpfündest du dekeiner bis 2 besten, fehlt Es 1 dekeiner fehlt KT
oder dekeines lidens (leides Mai1b) G2aB.ß dannoch sö (sö fehlt aB.St.) ist im (mir Bra2)
unreht alzemale; aßB.G. denn ist jm recht all zemal B12 denn so ist im recht Ba 3 ime were
unreht alzemale, PfE1 so wer im allzumal (allzumal fehlt KT) vnrecht ET KT 2 du solt bis
3 sin. fehlt Ba, 2 solt ez] soltests es (es v. and. Hand unter d. Zeile) G2 nemen J :nieman
B12Str,bBra2 von gote J von im ß gote in] got vnd in G2 3 aller fehlt ßBs dz aller
best G2 Wan gotes wesen aB.G2 Sin wesen PfE1B6 B 12 Str3 aMai1a wann sin wesen Ba3 Sein
leben BT KT sin leben vnd sin wesen St. 4 Dar umbe bis 64,3 war: fehlt Es ·4 Dar
umbe bis wellen fehlt Str,aMai1a Dar umbe J vnd Ba3 ichs och es wellen E1 noch]
und ET KT Ba 3 5 baz fehlt aB. behagen.] behaben Bra 2 gevallen G2B12 Str3 a (v. and.
Hand über getilgtem: beholfen) beholffen Mai1a bechlagen Mai1b gefallen dann dasz selbig. BT KT
gefallen es sy joch wz es well. doran gottes will volbracht mag werden Ba3 Wrere bis
64,3 war: fehlt Ba. ( doch vgl; unten zu 64,4) 5 W rere J vnd wer G2 allem fehlt ßB.
wolte wol gevallen B.,8 6 wiste] vnd wissti G2 geviele] beuielle Mai1b behagte St,
7 kleide] rocke St,G2 rock oder klaid B12 dan in keinem (einem E1G2St4 ) andernE1G2BT
KT ßB5 dan in einem (kainem Bra2) andern kleide B12a (In Mai1b ist das Ganze v. and . .Hand
auf d. Rand nachgetragen.) ez J er St. joch] doch Str.bBra2B• den Mai1b des ist]
so enist des G2 das ist B12 8 enwrere daz] wer och dz G2 das grauw kleid BT KT
lüstlicher und fehlt Bra2 und lieber fehlt St4 kein fehlt E1 anderz, bis 10 wiste,]
anders vnd geb mir me fröd denn das ich ainem yettlichen welt gevallen was ich wyste B12
8 anderz,] ander kleit aG2 St, swie guot ez (gu~t ez] gütes B 6 Mai 1a) joch (Doch B0 ) wrere. E1
G2 ßB; es were ioch wie gut es were. BT KT fehlt a 9 W rere] vnd wer G2 W rere denne
bis 11 niht ein anderz. fehlt KT 9 wolte wol gevallen Str,aMai1aB• denne• fehlt Sfraa
Mai 1a BT G2 10 er] es St. hrete,] hörte ET. säche oder hette B12 von mir hetti G2
10 ez wrere fehlt PfE1 an worten ist in Sfr8 a v. and. Hand über der Zeile nachgetragen.
1 ( ein Str,bBra2B• BT G2Str,aM ai1a fehlt PfE1M ai1bSt.B12 niht ein anderz fehlt KT Eya, J Ach B12
nu J und Str3 aMai1aBs fehlt a iuch] ouch B.Mai1a 12 Mintet Str,bMai1bB.Str,aMai1aG2 Hettent
... lieb BT KT Minnent PfE1St.Bra2B12 got,] gott warlich BT KT so bis 13 geviele J vnd sol
im kein ding hass gefallen S1 13 geviele] gefalt G2 und bis würde.] es sy ioch was es
welle dar an volbraht mag werden S1 und sin wille] vnd dar an sin will G2 uns E1BT
KT aB12 iu ßB0 G2 allermeist fehlt a Swie] won wie G2 Dar V.m wie S1

1 Mit Z. 62,?ff. vgl. Pf. S. 146,'32ff. • Mit ,Z. 5ff. vgl. Pf. S. 14?,2ff. (Pa h n c k e Diss. S. 42).

63
Predigt 4

schine oder daz ungemach, hastu .niht dar inne als grözen wollust 1, sö ist im m,&
unreht.
Ich pflige dicke ein wörtelin ze sprechenne und' ist ouch war 2: wir ruofen
alle tage und schrien in dem Pater noster: 'herre, din !wille werde!' S6denn~ 10
5, sin'. wille wirt; sö well~n wir zürnen und genüeget un~ niht an sinem willen.
Und swaz er trete, daz solte uns aller beste gevallen. Die ez alsus nement in
dem besten, die blibent aller dinge in einem ganzen vride. Nu dünket iuch
underwilen und sprechet :. 'ach, und wrere ez anders k~men, sö wrere ez bezzer',
oder 'wrere ez niht also koµien, sö wrere ez vil lihte baz komen'. Als lange 15
10 sö dich des dünket, sö gewinnest du niemer vride. Du solt ez nemen in dem
aller besten. Diz ist der erste ·sin von disem worte.
4 Matth. 6,10
1 sdiine] s<;hinet aB0 Str8 a sdieinest Mai,a , eitler was vngemadi Bra2 niht bis grö-
zen] dar inn nit gross G2 • grözen] vil a wollust, sö aßBoG2 Wollust als in gemache und
1n volle. (und in volle l vnd in [in fehlt KT} vollen Inst BT KT fehlt Bi2Si), sö PfE,BT KT B,2S1
(sieh unten Anm. 1) 3 Ich bis 7 vride. feh~t S1 3 Ich bis sprechenne] Ich sprich gewon-
lich vnd dick ain wort B12 Ich sprich ain wort St, fehlt E1 wörtelin] wort BT KT B,.st,
und ist ouch war: steht in E, hinter '!, tage 3 ouch fehlt StrsaMai,aB0Bra2B12 , wir] ach
wir Bra2 vnd Mai,a wir bis 4 werde!'] als wir jn dem pater noster .sprechen din will der
werd Daran schließt an S. 6'J,1'3ff. Donimm wie schwer die pin schyn oder dz vngemach. hastu
nit dar jnne also grossen wollust als jn gemach, so i~t jm vnrecht. Daran schließt an oben Z. ?
Nun sprechend jr etc. 4 ,Sö denne bis 7 vride. fehlt demnach in der Hs. Ba8 4 und
schrien] und spredien aBT KTG2B12 fehlt Ei und schri~n bis noster: /ehlt B6 werde I' und
sö (sö] als Ba) aG.St,Bs Sö bis 5 wirt, fehlt KT (Homöoteleuton!) 5 sin wille bis zür-
nen] die wil gads ghewort. soe tornen wi ons Ba ' und genüeget bis 7 vride. fehlt Ba 5 an
sinem willen.] dar an aB5 6, Und swaz aßBo BT G2B,2] Und fehlt PfE, so dodi alles was KT
uns aller (vns och aller G2) beste G2 BT KT aßBoB,2 uns daz beste tünken und aller beste PfE,
alsus] alles St, fehlt Mai,a nement] niemant Str8 bB12 niement St, könteri nemen BT 6f. in
dem besten, fehlt E, 7 Nu bis 8 sprechet: G2 ] Nu dünket iuch underwilen ß ende dundrnt
ons Bs (5 und genüeget bis 7 vride. fehlt Bs, sieh oben/) Nu sprechet ir (sprechen wir B12) under-
wilen: PfE, BTKT aB0B12 Ba8 Nvn sprechent ettliche S1 8 'ach, fehlt Ba und 2 fehlt PfE,
· BsB,.Bas ez'] et,twas B12 · bezzer,] my beter Ba· 9 oder bis 10 dünket, fehlt B6
8 bezzer, bis 9 Als] besser vnd süsz vnd so aber jch sag dir also Ba8 besser vnd suss vnd so
Aber idi sag dir also S, 9 vil fehlt St, baz] anders St4 Als bis 10 du] Als lang
vns das dunkt so gewynnen wir B12 10 dich] disz Bas idi Mai,a dich (d nachgetragen) Strsa
des] das S,St, sölchs ET KT es Strsb ez Mai,b sö"] Ende aldus B6 also lange St, enge~
wl'mnest G2 vride.] frid. Das wir alle dmg von got enpfachen in dem luttrosten (korrigiert
aus bittrosten Sfrsa bitrosten Mai,a) vnd in dem besten, (bösten Mai,a) also sy von im fliessent
\Jas helf vns der vater vnd der sun vnd der hailig gaist, Amen. StrsaMai,a fride. das wir allu
dinge von got empfahen in derrilbesten vnd in dem lutersten also su voli gott flieszent. das gebe
uns der uatter der lie~te Amen St, (Schluß des ß0 Fragmentes) vride.J rüw nodi friden Bas
Du bis 65,3 eigensten. fehlt S, Du solt.] won du soltest G. 10 Du bis nemen] wir söllen das uff
nieman B12 11 Diz] Das B12 Diz bis 65,3 eigensten. fehlt B6 11 Diz bis worte. fehlt Ba8
Diz bis 65,1 sin, fehlt KT (vgl. Brethauer AfdA 53 S. 52) 11 von] jn B12 disem] dem G2
1 Brethauer (AfdA 5'3 ·s. 52) sieht das Plusstüdc von E,BTKTB12 als in gemache und in

vollen lust (sieh .oben im Variantenapparat) als ursprünglich an und glaubt, daß das Stüdc in-
folge von Homöoteleuton in aßBoG• verlorenging. Das Stüdc mag tatsächlich edit. sein, inhaltlich
ist es überfWssig; an Homöoteleuton kann ich nicht glauben, .denn vollen Inst steht nur in BT KT
und scheint. mir Ersatz für das. mißversfondene volle {-: ,,Fülle") V()n E, zu sein. • Mit l. 'Jff.

64
Omne datum optimum

Noch ist ei:q. ander sin, den merket mit vlize! Er sprichet: 'alle gabe'. Waz
daz aller beste ~st und daz aller hrehste; daz: sint · eigenliche gahe und in de;m
20 aller eigensten .. Got engibet niht sö gerne sö gröze gabe 1• Ich sprach einest au
dirre stat, daz · got joch gerner vergibet groze sü.nde dan kleine 2• Dnd sö sie
ie grrezer sint; .sö er sie ie gerner vergµ1et und sneller. Und also istez uinbe· 5'
die gnade und g.abe und. tugent: sö sie ie grrezer si:rit, sö er sie ie gerner
gibei; wan sin. nature swebet dar an, daz er gröziu dinc gebe 3:.. Und dar umbe,
25 sö: diu dinc· ie bezzer sint, sö ir k me ist. Die edelsten creaturen daz sint.
die engel. und sint zemale vernünftic und enhant niht liplicheit an in, und'.
: L Nodi bis merket] Den andren sJn den nierckent ~ ßen] Nu ~T mit all(ll)].
vlfae!. B12BTKT mit vlize! fehlt KT sprichet:1 spradJ. BT Er spridiet:] Gott gibt Kt,.
gäbe? Waz] gabenn.'vnd was KT 2 beste],h<lste B0 „ aller 2 fehlt BT KT und bis,
3 aller] jn nidem. de aller Bo vnd ist in dem aller ini:gesten G2 3. Got engibet nih:t] so gibt
gpt nit Ba8 • 3 so
gerne. fehlt E1 , sprach l spridi B12 einest fehlt G2 · 3f.. an dirre
stat, Bra2] vff disser ~tatt G2 auff diser stat BT an der stat PfStrabMai1bB•. fehlt. BaaS1B12 Ich·
spradt bis daz fehlt E/IdJ. bis 't gibet, fehlt .KT . 3 gäbe. bis ? nature] gauen ende vergetet
gernr& {das erste· r 'ii,ber d. ieile nadigeträgen). groter sunden dail cleynre. ende also in genad,en,
om die gaue. want sijn natuer B6 4 Got vergit gerner E1 · jodJ.]audi BT oudJ. Bas odi
aB12G2 .. dodJ. Br, vil S1 fehlt E1 gern B12Bra. kleine.] kleine .sünde G2S1 Und aB.G2S1
fehlt Pf E1BaaB12BT sie fehlt Mai11,Bo · . 5 ie1, 2 fehlt BT ie 1 fehlt S, so er bis sneller.]
so„sy er ,ye gerner vnd sdJ.neller. uergyt B12. so er sy ie gerner. vnd sdJ.neiklidJ.er vergibt G,
gerner] lieber S1. gerner vnd _sdineller• vergibt. BT und sneller.] und ie sneller. aBoBas
fehlt S1 Und fehlt BaaS1B12BT ist ez fehlt aB.B,2BaaS1 umbe] oudi umhe Go BT BaaS1.
6 die gnade und .gäbe und tugent E1 die gnad vnd vmh die gab vnd vmb die tugent. Gs die
genadivnnd gaben:ti. oder tl!.gendt BT die gnade und gäbe der tugent BaaS1B12 (in) genaden om
die,gaue vmh die gnad vnd vmb die gabe oder tugend Brao die gabe vnd vmh die gabe (Das
zmei.te vmb die gabe ist.in Strab durdigestridien.) oder tugent StrsbMai1i die (die übergesdirieben)_
gabe ,vnd vmh die gäbe ode.r tugentBo, sö sie b'is sint, fehlt.aBo. ie1,~ fehlt BT sie•
f~hlt'B„s,. . gerner] snelier Ba3 S1 ?. nature] ,vatter Mai1b Und bis 68,8 unreht. fehlt,
B~ i ? Und bis. 66,2 · innigest. fehlt Ba3 S1 8 ie (ie fehlt B12) bezzer sint, G2 BT KT aBaB12
ie :grrezer si:n.t unde hezzer, Pl"ß1 ie•fehlt E1BT KT edelsten]edlen. BTKT ' crllaturen
daz] Creaturen die got ye gesdJ.üff dz G9 9 engel bis vernünftic] el!gel. die zumaul ver-·
nunftig sind Ba und sint] sie sint aB5 die seind BT won die sind Go un'd1 fehlt KT und•
bis li:plicheitJ won sy habent nit liblidJ.es G2 '

vgl. oben. S .. ,62,5-/f.. und Anmerkung; vgl. roeiter Pf; S, 20?,'JJ'ff.; BgT S .. 1'3,JBff, (Pf. S ..425,5'3ff;);
Fahrne,r verroeist S. 4'3. auf BgT S . .H,19'ff. (Pf,.,S.A25,15ff.) und S. '3'3,29ff. (Pf. S .. 442,9ff,). Als
Hauptparallelstelle ist roohl Pf. S. 55,'Jff. ,anzusehen, auf die der Prediger sich vielleicht zurüdc-
bezieht (Pahncke, Diss. S. 41).
1)rlit Z. '3 vgl. Pf. S.149,16ff. (P ab,ncke Diss. S. 42); vgl. auch unten S . .??l?ff. 2 Pahncke,

(Dis,s. ;$, 41 A.nm. 1) 'v,erroeist auf- die Stellen Pf, S. 558,22f. und 559,'34f. in den rede der under-
s~eidungi, fro audi Diederi,chs Diss.,S.?9 und 82.,.Fahrner S._4'3), ohne indessen den,Rv.
az4 diese inhaltlidi .genau. übereinstimmende Stelle beziehen zu roollen. .In seinen Kl. B. S. 18 zu '3)
ist e,r allerdings /µst überzeugt, daP sidi der Prediger durdi seinen Rv•. auf die angeführte(n)
Stelle{n), der RdU bezieht. ,Eine andere Parallele, qie E. hie,: im )1.uge. haben könnte, ist aud,, mir
bisher nidit. bekannt. Inhaltlidi, nahestehend ist die Stelle Pf. S. 62,tOf.. Vgl. audi etroa Pf. S, '3'38,22ff;.
F a/:1,~ner {a. ~- 0.) verweist nodi auf- die Stellen RdU S, 22,15f. und 2'3,'J'Jf. (558,18ff,,und°(159;'34f.).:
3 Vgl .. unten: S ..?3,12f. undS..??.,t?ff.; Pf•. S. 60;16ff.; 1'32,2f/, .(Die Predigt Pf .. Nr„39 handelt über

den,. Begrtff der .gäbe verglidien mit dem. der gift.); 149,9.;,,_22 (Hauptvergleichsstelle); 168,2'?ff-
1'?8,'3'3ff. ;· 199,'35ff.; 4'?9,'J'Jff.; RdU s..'36,2ff, (5?0,24ff.); Jundt s..25'?;115ff,; ZfdA 15 S.·4Z9,52f.

5 Clllt[J c11:t, !l) 1 65


Predigt 4

der ist allermeist und ir ist mer dan. aller liplicher dinge zal si 1•. Groziu
dinc heizent eigenlich gabe und sirrt im 2 aller eigenst und aller innigest.
Ich sprach einest: swaz eigenlich gewortet mac werden, daz muoz von innen ,
her uz komen und sich bewegen von innerer forme und niht von uzen her in so
5 komen, mer: von inwendic sol ez h~r ilz komen 3• Daz lebet eigenliche in dem
innersten 4 der sele. Da sirrt dir alliu dinc gegenwertic und .inner lebende
und suochende . und sirrt an dem besten und sirrt an dem hrehsten. War umbe
bevindest du des niht? Da enbist du da heime niht. Sö daz dinc ie edel er ist, s5
sö ez ie gemeiner ist. Den sin han ich gemeine mit den tieren und daz leben
1 der ist allermeist und (und fehlt G2) ir ist mcr BTKT G2B12 der ist allermeist und mer
aB0 ir ist allermeist mer .PfE1 ~ller liplicher dinge (Creaturenn KT) zal si. aB6KT die zal
aller liblicher ding G2 aller liplicher zal (all lypplich zal B12) si. Pf Ei BT B12 die grossen
ding die haissent G2 2 heisset B5 Bra2 im G2 mir PfaB„E1B12 BT KT eigen~t] aingest G2
eigenst bis innigest.] aignest vnd aller nwest B12 und aller .innigest. fehlt G2 3 Jch bis
67,10 begirlich. fehlt B,2 3 Ich bis einest.: .fehlt Ei sprach.] spräch KT einest:] auch KT
von fehlt Bra2 4 von innerer forme G2 von (von fehlt Mai1b) innern formen StrabMai1b von
inne formen Bra2 von jnnern formen Bo von ir form BT KT von jr formen BasS1 und 2 fehlt
BT KT Mai1b und 2 . bis 5 eigenliche] es ensol nit von vssen her in komen mer es sol von
inwendig her vss komen won da lebet es aigenlichen G2 4 ilzenl wesen BT her in
G2 BT aB0BaaS1 .ins hertz KT her fehlt PfE1 5 mer: bis komen. fehlt E1 (Homöoteleuton!) von
inwendic] von innen BasS1 BT KT ' sol ez BT KT G2 Ba8 S1 fehlt PfB0 a 5f. dem innersten
G2 BT KT aB„Ba8 S1 sime innegesten PfE1 6 Dä] vnd da G2 gegenwürtiger Bra2 und
inner bis 7 sint1] vnd in der innerkait lebent vnd luchfend alle ding vnd sind G2 6 und
inner bis 7 suochende fehlt BasS1 6 inner] ymer BT KT 7 suocheljde] swebent KT
und suochende fehlt E1 an .dem aG2Bo in dem PfE1 BT KT besten]· aller besten BT KT
und2 bis hrehsten.fehzt Ba3 S1 sint 2 fehlt E 1G2 KT an 2 aG2B5 BTKTEi in Pf aller
höchsten KT War umbe] War Str8 bMai1bB6 (In Str3b ist vm..von and. Hand über d. Zeile
nadigetragen; in Mai1b ist vor war v. and. Hand auf d. Rand fvr nadigetrag~TJ-) 8 des] ir
a fehlt B„ Dä enbist du] du enbist Bas du bist da S1 dä'"heime] heime PfE1
ie fehlt BT KT 9 ie fehlt E1BT KT Den sin bis 67,4 sint. fehlt BasS1 9 tieren]
türen StrabB" tyeren (auf Rasur!) Mai1b tieren bis 67,1 boumen.] tieren min lieben ist mir
noch gemainer mit den hornen G2 9 daz fehlt E1 BT KT
1 Vgl. Thomas l q. 50 a. 3: ... angeli secundum quod sunt immateriales substantiae,
in quadam multitudine maxima sunt omnem materialem multitudinem excedentes, et huius
ratio est, quia cum perfectio universi sit illud quod praecipue Deus intendit in creatione rerum,
quanto aliqua sunt m~gis perfecta, tanto in maiori excessu. sunt creata a Deo. Sicut autem in
corporibus attenditur excessus secundum magnitudinem, ita in rebus incorporeis potest attendi
excessus secundum multitudinem. Pf. S. 2?6,31ff.; Par. an. S. 40,33ff.; über die Zahl der Engel
vgl. Pf. S. 32,6ff.; 56,35f.; 89,21; 105,29f.; 198,3f.; ] u n dt S. 25?,1.f.; 259,20f. · 2 im bezieht sidi
natürlich auf Gott, dem gröziu dinc zur innersten Natur gehören (vgl. S. 65,?). Die Lesart mir
ist, wiewohl sie von allen hsl. Texten außer G2 geboten wird, sinnlos. 3 Mit Z. 3ff. vgl.

Pf. S. 18,39ff.; 104,35ff.; 180,29f.; 285,i?ff.; 20?,25ff. ( Auf diese letztere Stelle und auf Arm. II
S. 596,22ff.: Sie etiam verbum omne prius formatur intus in anima, quam producatur et mani-
festetur per loquelam extra macht Br et haue r AfdA 53 S. 52 unter Hinweis auf seine Diss.
S. 4?f. aufmerksam.); 335,22ff,; vgl. auch Serm. XII n. 123: Tertium, scilicet communicabilitas,
notatur in 'verho'. Verbum enim solum manifestat dicentem, et quae in eius sunt animo com-
municat. Exemplum in ipso verbo increato per quod pater communicat .et transfundat omnia.
Zu Z. 4 innerer vgl. Quint S. 403 (Pf. S. 135,30). Auf welche Stelle E. sich mit.ich sprach einest
(Z. J) zurück bezieht, ist ungervifl, 4 Vgl. Quint S. 403 (Pf. S. 135,32).

66
Ornne daturu optimurn

ist mir gemeine mit den boumen. Daz wesen ;ist mir noch inner, daz han ich
gemeine mit al{en creatfrren 1• Der himel ist m.erer dan ailez, daz under im
ist; dar umbe ist er ouch edeler. Ie diu dinc edeler sint, ie merer und ie
,o gemeiner sie sjnt. Diu mi.nrie ist edel, wan si ge_meine ist. .
Ez schinet swrere, daz unser herre gebote:;n hat, daz man den ebenkristen 5
minnen <Sol als sich selben. Diz sprechent gemeinliche "grobe liute, ez süle also
sin: man süle sie ze dem guote minnen, da· man sich selber zuo minnet. Nein, .
ez enist niht also. Man sol sie als sere minnen als sich s~lber 2, und daz ist
186;i; niht swrere. Weilet irz eben merken, so ist minne me Iones wert dan ein gebot.
Daz gebot schinet swrere, und der Ion ist begirlfoh. Swer got minnet, als er 10
5f. Vgl. Marc.12,31; },:[a,tth. 22,39

1 ist mir. gemei_ru{E1BT KT ist rni.r nöcli gernainer G, fehlt PfaB6. houmen.] honen Mai1bB•
nodi 1nne:r,] IlOdi nimer Mai1b nocli. cie inn BTKT · · · 2f. daz und~r. im ist; aBG daz v11der dem
liimel .ist G, daz der nebent ist, PfE1BT KT ~ 3 edeler. bis sint,]edler d~nn alles dz dz vnder
ini ist w:Ön ye edler die ding si:iid G2 3f. und ie gemeiner (gemire E1) sie sint (sy aucli. seind
ET KT sie sint fehlt Ei). E1G2 BT KT ynd gem.ain (gemainer Mai 1b) si (si in. Strab über d. Zeile v.
irnd. Hand ,nadigetragen) sind aBG 4 .gemeine.] gemeinre E1 5 Ez scli.inet bis 8 also.
fehlt BaaS1 5 .daz man den ehenkristen (den nebencli.risten mensdienn BT KT) minnen sol als
G, BT KT ,daz nian sol den eherikristen minnen als aB6 daz man den ehenkristen minne als. PfE1
6 :Öiz] es G, d~s Bra, ge:meinlidie] gemein G2 BTKT grobe] alle grob Bra, fehlt KT
ez süle also ein: aB.G,] sy spredient BT fehlt PfE1KT . 7 guote E1G2 gote Bra,Strab (in Strab.
ii,ber 1,> von and. Hand: u) BG 'gott BT KT gut gottes Mai 111 Nein,] merE1 8 ez enist niht
alsp. a:B.G, ez ensol niht also sin. PfE1BT es soll anders seynn. KT Man bis minnen] man
sol den ehenmensqien minnen (liebhaben Ba3 ) Ba8 S1 und fehlt aBo daz] disz .BT KT
9 Wellet] Wann w&llent BT KT ist minne me Iones wert dan aB.G, ist es me Ion dan (den
· $1) BaaS1 ist hie~inn :me Iones dann BT ist disz gel:iott mehr eyn lohn dan KT ist ez me )ones
wert dan PfE~ .,,ei:n gebot] gebots BT ain gehet ~ai1b 10 Daz gebot] won dz gebött dz Ge
Dai gebot .bis begirlidi.] aber der Ion .ist begirlidi dz gebot sdieinet sdiw!\rlidi Mai1b swrere,]
swrerlidi a BT B6 KT Ba8 S1 und der Ion] vnd· Ion der G2 aber der (det fehlt Stra1,Bra2) Ion a
aber der Ion ist begirlidi folgt in Bo hin.ter minnet, · Swer] Item wi:» B12 er fehlt Bo

1 Mit Z. 6~8ff. vgl. Pf. S. 262,29ff.; 2?9,2?ff.; In1oh. n. 6J. • Z. 5-8=RS. § 11 4 art.11. B
(Thery S.181): Item, quod homo d.ehet diligere proximum suum sicut se ipsum, non solum
sicut rudes dicu.nt quod<diligat euro ad, idem bonum, sed omni modo, e.t ita intense (Im Text
intrinsece; auf ·d. Rand, roahrschl. vom Korrektor: inte:i;_se [Thery]) <lebet deum (F ahrne r S. 42
vermutet mit Jledij, daP deum für eum versdirieben ist;). diligere sicut se ipsum "'RS.11 art. 42
(Thery S. 24?);: Quadragesimus secundus articulus dicit sie: homo dehet diligere proximum sicut
se ipsum, non quQd homo 'diligat proximos ·suos ad idem bonu.m vel in ordine ad eund.em deum,
ad quetn deum :Jiofuo se ipsum diligit, sed dehet eos ita i:ntense diligere 'sicut se ipsum per omnem
modum; Das sin11/ose ad eundem deuni, ad quem deum... geht offenbar auf die verderbte. Vor-
lage· des zweiten :4ensors zurück, die_ ebenso· roie Bra2Str811 BTKT (s~eh den Variantenapparat) guote
ihrer Vorlage als 1gote verlesen oder mißverstanden hatte. (Vgl. Kar.J>-e'1'-·Piesch S.168, Fahrner
S. 42); Parallelsitillen-: Pf. S. 61,'JOff.;. 204,'J5ff.; 208,22ff. ;. 259,15ff.; 2?8,40ff.; 310,16ff. Vgl. auch oben
S,,.65,8ff;; In]oh. n.290: Tertio dqcemur quod volens filius.dei fieri, verhum ca:ro factum in se
hahitare debet diligere proxinnun tamquam se ips,um,. hoc est tantum quantum se ipsum, .abne-
gare · personale, ahne gare proprillm. Diligit enim habens caritatem in nullo minus_ proximum
quarn se ipsum, diligit siquidem unum deum in omnibus et' onini!1 in ipso ; in, uno autem nulla
.est. distinc_tio, nec ludaei, ne·c Graeci, in uno neque magis neque minu~.
Predigt 4

in minnen sol und ouch minnen muoz, er welle oder enwelle, und als in· alle
creaturen mimient, der muoz sinen ebenmenschen minnen als sich selben und
sich sirier vröuden vröuwen als siner · eigenen vröuden und siner eren als sere 10
begern als siner eigener eren, und den vremden als den sinen. Und alsö ist
5 der mensche alle zit in vröuden, in eren und in nutze, sö ist er rehte als in
himelriche, und alsö hat er dicker vröuden dan ob er sich aleinc sines guotes
vröuwete. Und wizzet in der warheit: ist dir genühticlicher din eigen ere1 dan
15
eines andern, sö ist im unreht 1•
1 und o.uch (ioch B12S1) minnen muoz G2aB,BasB12S1 ia auch liebhaben musz BT KT unde
muoz, PfE1 enwelle,] wöll nit KT nit BT erwelle Pf (Drudcfehlerl) oder] noch Bra,
und als fehlt E1 und fehlt B12 vnd also (o radiert) in al\en Creaturen miiiet G2 alle]
alle E1 2 minnent, fehlt E1 muoz sinen] muss och den G2 muss von not den S1 sinen
E1B12 den aBr,G2 BT KT Ba8 S1 ebenmenschen] nebenchristen menschenn BT KT minnen J
öch minnen S1 3 sich siner vröuden (fröd B12) vröuwen als siner eigenen vröuden (fröd B12)
und siner eren als sere (als sere fehlt B12) begern als siner eigener eren, und den (dem BTKT)
vremden als (frembden thun als KT) den sinen. BT KTB12 sich siner fröden fröwen als sin
selbs fröden vnd sol siner er (er v. and. Hand über d. Zeile) als ser begeren als siner aig:nen
eren vnd den frömden als den sinen G2 sich siner vröuden vröuwen als siner eigener ere und
den vremden als den sinen. aB5 sich siner fröid fröwen als siner eygnen fröd vnd den frömbden
als sinen frund BasS1 sich (sich fehlt E1) siner fröuden und eren fröuwen und begern als siner
eigener eren, .und dem frömden als sime. PfE1 5 in vröuden bis nutze;] in eren und in
nutze (und in nutze fehlt Bra2) und in vröuden aB 5 in freüden vnnd in nutz vnd in eren BT KT
vröuden, in eren] vröuden und in eren G2Ba 3 S;_ sö bis 7 vröuwete. fehlt fü1 8 S1 5 sö ist
er] won denn so ist er G2 fehlt E1 er fehlt B12 in4 ] im BT KT in dem aB0 G2 in dem
himel B12 6 und· alsö bis 7 vröuwete.] wan er sich sins gotis dickor · fröwet E1' 6 und]
won G2 dicker] dicke Br,Mai1b fröd Bra2 fröd G2B12 freüd BT KT dan]vnd'Mai,b
wann B,2 dan ob] wann BTa wann das BT0 KT ob er] ab, Br, sins selbs gutes B12
guotes] gottes BTa 7 Und] won G2 ·wizzet aB. wisset daz G2B12 wizzestPfE1.BTKTBa3 ·
der rehten warheit; aBr, vnd ist dir ichi günlicher G2 genühticlicher E1 genüglicher Sfr30
Mai1 0 B12B,; gnüglicher Bra2 genugklicher Bas genügklicher vnd lieber BT KT s andern ere sOS1
1 Mit S. 6?,9ff. vgl. Pf. S. 61,20ff.; ·'310,9ff.; 259,12ft.; 2?8,40ff;; Serm. XXX n. '312: Rursus pro xi-

m um tu um etc. Hoc non solum praeceptum est, sed et promissio 'sive praemium. Nam si diligo
proximum quemlibet sicut me ipsum, ergo. tantum fruor dilectionc. et gaudio de suo praemio,
meritci et glor,ia sua quantum de mea ..... Serm. XL n. '390: Tertio modo accipitur verbum istud
non quasi praeceptum, sed quasi promissum, non tamquam meritum, sed tamquam praemium ...
Propter praemissa non dicit dilige quasi praeceptum, sed diliges, quod eLprneceptum et prae-
nunciatum sive prophetice et promissive potest accipi. ibid. n. '395.: .Proximum tuum . sicut
t c ipsum. Nota: non solum praeceptum est, sed promissio sive praemium. Nam si diligo proxi 0
mum quemlibet sicut me ipsum,.igitur tantum fruor, delector et·gaudeo de suo praemio,merito·.
et gloria sua quantum de mea ... In Exod. n. 96: Hinc est quod caritas, cum sit 'finis prae-
cepti', ut dictum est 1 Tim. .1, non debet inter praecepta numerari . . . Caritas igitur, cum. sit
finis praecepti, non oportehat. de ipsa dari. praeceptum, nec ipsam connumerari praeceptis, sed
est inclusa in omnibus praeceptis aliis sicut principium in conclusione. W eitere lateinische Paral,.
lelen sieh unten zu S. ?9,1. Zu Z. 2ff. vgl. Quint S .. 404 (Pf. S.1'36,9f.), roo gesagt ist, daß Z. 4 und
den vremden als den sinen von muoz ·... minnen (Z. 2) abhängig ist, so daß die üb ersetzu'ng
von S. 6?,10"--oben Z. 4 lautet: ,,Wer Gott liebt, roie er ihn lieben soll und übrigens auch lieben muß,,.
er wolle oder nidit, und roie ihn alle Kreaturen lieben, der muß den Mitmenschen liebewroie si<h.
selbst - muß sidi seiner Freuden ebenso freuen roie der. eigenen und nach seiner Ehre ebenso
streben roie nach der eigenen - den fremden (Mitmenschen muß er lieben) roie den angehörigen,",

68
Omne datum optimum

Wizzest daz, swenne du iht suochest des dinen, so envindest du got-niemer,


;wan du got niht luterlichen suochest. · Du suochest etwaz mit gote und tuost
rehte .als du von gote eine kerzen machtest, daz man etwaz da mite suoche;
und so man diu dinc vindet, diu man suochet, so wirfet man die kerzen enwec.
20_ Also .tuost du: swaz du mit gote suochest, daz enist niht, swaz ez jocli SI, ez SI 5

nutz oder Ion oder innerkeit oder swaz ez joch SI; du suochest niht, dar mnbe
envindest du ouch niht. Daz du niht envindest, daz enist kein sache anders, wan
daz du niht ensuochest 1• Alle creaturen sint ein luter niht. Ich spriche niht,

1 Wizzest daz fehlt E1Ba8 S1 Wizzesf] vnd wissist G, wizze Br.StrabBrag wissend Mai 1b
:daz fehlt B12 . swenne] .vnd wann Bas vnd wenn S1 du fehlt S1 des] der Br,Mai1b
got niemer;] niht got aB6• 2 wan bis suochest.] wanttu en suekes niet luter got Ba· wan
bis· suochest. fehlt E1 ' 1 .du got bis 2 suochest. fehlt Ba~S1 2 luterlichen] luter B12.G2
Du. suochest] Suchest dv E1 und tuost]und. du tuost B12 G2BT KT du tuost BasS1 so Nstv E1
Ende dueste Ba 3 rehte fehlt Ba !!ls du G2 BT KT.Ba als ob du aBr,B1.BasS1 als der PfE1
von gote bis suoche ;] van gadis (!) makes een kerse daer .du yet mede suekes. Ba machtest,
StrsbMai1bB• BT KT machest BragBasS1B12BaG, machete PfE1 daz.] da G2 K'l' S1 da fehlt
G,BT KT Ba3B12S1 su~che;] suodiet Str8 bMai1 bB• ·suochte BT KT B12BaaS1 4 und so man]
:als man BaaBr, diu -dinc vindet, diu.man suochet (man da suchet G,), so aBr,G2 das ding
vindeLdas man sucht so B„ daz vindet daz man suochet so Ba8 S1 (als men) / men vindet dat
'meri sueket soe Ba daz dihc vindet (fundenn hett BT KT), so PfE1 BT KT enwec.] enwas E,
hin enweg Mai1b 5 tuost ouch du .G2Ba8 S1 swaz 1 bis suoche$t,] wenn du mit got icht
suchest G2 swaz man (man auf d. Rand in B12) mit gote (mit gote Nhlt Baa) suod+et, BaaB12S,
swaz 2 bis si1,] swaz ez doch (ioch Brag) wrere aB6 fehlt E1BasS1Ba 6 nutz oder loh oder (oder
fehlt BasSi) innerkeit '(innikeit G2B12BaaS1 KT jnnerlicheit Br, in eynikeit BT)., oder swaz aBn BT
'KTG,BasB12 m,itz, Ion, innerkeit oder swaz ·PfE1 oec ynniheit of lust et si wat BI!. ez jo.ch]
das S1 joch sust BTKTfehlt Ba8 aBr,G2 du bis niht,] so ensüchest du :nit G, 'Z' ouch
0

fehlt aBnBaBa,iS1Br, Daz du bis 8 ensuochest. fehlt Ba8S1 'Z' enviridest] enpfindest Bra2 daz
fehlt BT KT kein sache anderz,] ·gheen ander sake Ba kein ander vrsach ·BT KT 8 Alle]
-won all G2 · ein luter fehlt Ba Iili spridie 'fehlt :E1 Ich spridie bis 'Z'0,1 luter niht. fehlt
BaaS1 G, · (Homöoteleuton l)

'. Zu Z. 1-8 vgl. oben S. 9,'J{f. ·und die dort aufgeführten Parallelen; vgl. weiter: Pf.
S.?0,16'/f.; til,?,18'/f./28'/f.; 1??,8ff.; '189,16'/f.; 19?,25f.; 298,20/f, (=RS.Ilart.11). Vgl. audi unten
S. 91,,Jff.; Serm.. XXXVII li. J?5:· Quarto, quia volens deo uniri, .ipsum invenire, <lebet esse unus,
-divisus ;ab omnibus; in se indivisus, · abnegatione· sui. Senn, L n. 515: lgitur: ubjcumque Deus
quaeritur, ibi invenitur; ·ubi aliud quaeritur, --nunquamDeus; sed-.aliud.invenitur, et sie amatur
et,sic invenitur, et voluntas eius agnoscitur. Der:gleidie Sati: In loh .. n. 50?; Serm. VII n. 81:
VideAugustinum De· ve:ta religione c. 48; idem ibidem c. 61 et 90: »homo ille verissime
atque 'certissime invictus est, qui cohaeret deo; non ut ab eo aliquid boni ab- extra mereatur,
sed cui nihil aJiquid quam ,ipsum adhaerere deo bonum est.« I)ie in Z. 5....:_8 vorkommenden

niht sin.dalle substantivi.sdi und müssen,d'urdi „das NicJits"-oder „ein.Nidits" überseht werden.
.Das Sdiroankenin der Übersetzung von Schulze-Madzie.r 2 (S. 2??)ist irreführend: ,;was du
mit ·Gott 1Judist, da,s ist .im Grunde nichts, roas es audi sein mag; es sei .Gem,1,P, Belohnung,
innige. Gefühle oder roas „ sonst .. l)u ·sumst eigentlich. ein Nichts, darum findest du audi nidits .. Da/1
.du nidits findest, hat keine.andere Ur,sadie a:ls die, daß du ja Niditiges.,i;udist." Besser Lehmann
(S.i.99): ,,Was du,~a 'mit Gott' sudtst, das ist·ni.ch,ts, Vor~eil, Lohn, süße Versunkenheit oder
roa~.es.sonst sei: d1.1,:sudist 'nidJ,ts'; darum findest,du a,udi.:nidits?; DaP du 'nidiis'.findest,.liegt
. nur daran,· daß du 'nidits'·, suqist,."

69
Predigt 4

daz sie kleine sin oder iht sin: sie sint ~in luter niht. Swaz niht wesens enhat, 25
daz- enist niht. Alle creaturen hant kein Wesen, wan ir wesen swebe-t a:n der
gegenwerticheit gotes. Kette sich .got ab allen. creaturen ein~n ougenblik, sö
würden sie ze riihte. ich sprach etwenne und ist ouch war: de'.r alle die werlt
5 nreme mit gote, der enhrete niht me, dan ob er got aleine hrete., Alle creaturen ·
hant niht me ane go!, dan ein mücke hrete ane got, rehte glich rioch minner so
noch nie1..
1 sie 1 fehlt Bra. sie kl~ine bis hlter niht.] si sijn cleyn of yet si sijn niet Be oder
iht sin:] oder gröz aBo sie .,sint] sunder sy seind BT KT Swaz] Also waz BasS1B12
Das wesens .nit hat BT Das kein wesen hatt KT Swaz bis 71,1 wort ! fehlt Ba 2 daz
enist oud:i niht. BT G2 daz. ist ein hlter niht BasS1B12 hänt] enhät StrabMai1bB5 hat E1 Alle
bis 3 gotes. fehlt BasS1 · 2 wan fehlt E1 3 .Kerte sid:i got ab allen creaturen einen ougen-
hlik, sö würden sie a kerti sy sid:i von got allen creaturen ainen aügenplick so ·würden sy Br,
und kerti sid:i got ainen ogenblick ab inen so wurdent sy G2 Kerte sid:i got einen ougenblik ab
(ab einen ougenblic S1) von den cr~atfiren, sie würden alle BasS1 Kerte sid:i got (got fehlt B1,)
abe (Abkerte sid:i got BT KT) einen ougenblik, sie würden PfE, BT KT B,2 4 Id:i · sprach bis
wär: fehlt E, KT Id:i sprach etwenne] Vnnd iru sprid:i etwan BT und es ist G2 etwenne
bis· wär: fehlt Ba,S1 sprad:i bis alle J sprid:i vnd der alle B12 oud:i] dod:i B5 5 der]
er Bt.Mai,b niht] dod:i nit G2 niht bis hrete. fehlt Br, (Homöoteleuton!) ob fehlt r:t
hrete. Alle] het vnd nit mit got alle G2 6 dan ein mücke (flieg BasS1 flug Bu) hrete (hat
BasS1) aBoG,BaaB12 denne der ein mücke hefe (eynn mucken oder gar nid:it hetfe KT) Pft,BT KT
rehte bis '2'1,1 wort ! fehlt Bas 6 rehte bis "l nie.] red:it mer noch minder glid:i Gg 6 nod:i]
weder B12 fehlt BT KT,.
f .
1 69,8-oben Z.1 "'RS. § Il4 art, 15 (The ry,S. 184): Item, omnes creatur~ sunt unum purum
nidiil; .non dico quod. sint quidem modicum vel aliquid, sed quod sint purum nid:iil, quia nulla
creatura habet esse. ,,Gutachten." art. 6 (Pelster,S.1112): Sextus articulus sie habet: Omnes
creature s..int unum purum nichil et non dico quod sint quid moclicuw. vel aliquid, sed quod
sunt purum nid:iil. Bulle art. 26 ( Arch.· II S. 6'.J9): Omnes creature swit unum purum nid:iil: non
dico, quod sint ·quid modicum, vel aliquid, sed quod s1nt unum purum nichil. 69,8-oben Z. 5 = RS.
II art. 4'3 (Thery S. 24'?): Quadragesimus tertius artic~lu'.s 1:1ic aif: omnes creature sunt .ununi
purum nid:iil. Quidquid non habet esse, hoc est nid:iil. Nulla creaturarum habet esse, quia esse
creaturarum dependet ex presentia dei. Si deus ad ictum oculi se averteret, tune creature
redigerentur in nid:iilum. Ego dico aliquando et est ve:runi: qui acciperet totum mundum una
cum deo, ille non haberet plus quam si ipse solum deum haberet. Vgl. auch RS. II arl. '30
{Th er y S. 2'.J6): Trigesimus articulus sie habet: omnes creature sunt unuin purum nichil; nulla ·
creatura est que aliquid- sit (Sieh unten S.80,12f. und S. 94,4ff. mit Anmerkungen); RS. II art. 1'3, 46...:.c.. ·
Zu S. 69,8f. vgl. die unten S. 80 Anm. 5 aufgeführten Parallelstellen·; roeiter: Pf. S.191,18; 208,12ff.;
266,15; '314,18'/f. Denif le Arch. II S. 512 Anm. '3. - Zu Z. Zf. vgl; Pf. S. 50'.J,16f.; In Sap. n, 292.:
Ex his patet. quod omnis creatura, quamvis perfectissima, .et continue. - quia non continue et
semper actu- - accipit esse a deo, .et suum esse est in c0ntinuo fluxu et fieri, secundum illud
Gen. 1: 'in principio creavit deus caelum et terram'. 'Creavit' inquit in praeterito, 'in principio'
quantum ad fieri. Semper enim creatuni et esse habet et esse accipit, sicutlux iu medio a. sole;
secundum Augus.tinu·m Super Genesim ad litteram: I. <VIII) et Gregorium: »omnia:in nihilum
deciderent, nisi ea manus omnipotentis contineret«, ,Patet etiam quod 'om'nia, tarn suprema. qua!t'i
infima, ab ipso deo aeque immediate esse accipiuht,· Diese Parallele wurde schon pdnDeni.fle,
Arm.II s. 4'?0 aufgewiesen;: in den Anmerkungen '.J) und 4}verroeist,D. auf Avicenna, Metaph;
ff,. :6-i:.- 1 ,und- 2. soroie auf· Thomas, -Augus tinus, G:regodus. - Zu .Z,-'3"-'? pgZ: Pf,
S. 56,JZff,; 14'?,24ff,; 208,12ff. (Pahncke Diss;, S, 45{.); 141,15ff.; vgl. aiµ;h ZfhTk 1866, S. 512:;
In Eccli. n. 44: Ad hoc enim et propter hoc laborat ars et hatu;ra quod. effectus sit' et, esse

70
Omne datuni opfimum

· Eya, m1 merket ein w&r wort! Grebe ein mensche.ttlsentmark goldes, daz
man da mite kirchen und. klrester machte, daz wrere ein groz dinc 1. Nochdenne
hrete. der vil me geben, der tusent mark vür niht geahten künde; der hrete
so verre me getan darr jener; Dö got alle creaturen geschuof, do waren sie sö
snrede und sö 'enge, daz er sich niht dar inne beregen ri:tohte. Doch machte 5
er im die sele sö glich und so ebenmrezic, uf daz er sich der sele gegeben
möhte; wan swaz er· ir anders grebe, des enahtet si niht 2• Got muoz mir sich
selber geben als eigen, als· er sin selbes ist, oder mir enwirt niht noch erismecket
,o mir niht. Swer in alsus zemale · enpfahen sol, der muoz zemale sich selben er-
1 Eyä, bis wort ! ] Nun merke B12 Eyä,. fehlt E1 wär fehlt Sirs1,Mai1bB5 Grebe]
vnd gäb G2 Geb ouch Baa · marcks gold B5 · 1f. daz man bis 2 machte, fehlt Bas 1f: daz
man bi1r 3 künde;] ende 1:liaectim kerken ende clusen soe waer dat meer dai een.--mensee dusentid1
merc voer niet geachten konde. (Schlu/l des Es-Fragmentes; daran schließt ohne Absatz an: Die
niet en meynen. nodi goet. n'odi eer gemaeck noch lust. nocl:t ynnicl:teit. nodi heilicheit, nocl:t loen
nom hemelrijc. En alle des sijns wtgegaen is die eren got ende der heuet got eer = Pf, S.
202,28__:__31) Bs . 2 dä Inite fehlt aBo kirmen bis ,mamte,] mamte kirchen und kliisen .
G2 BT KT StrsbMai1b (In Mai1b ist vor clussen durchgestrichen: cl&sten) B. machte kirchen unde klöster
B1sBra2 daz wrere] durch dz wer Ba8 ein] gar ein B1; BTKT an ga-r- G2 3 niht
geahten künde (künde geahten aB5)'; E1 G2 BT KT aB0 B6 niht gehalten künde und geahten: BasB12
· (Schluß des B~-Textes; an konde schließt ohne .Absatz folgender Satz an: Die niet en meynen
noch goet nodi eer gemaeck noch lust nocl:t yn'ni:cheit noch heilicl:teit nocl:t loen noch hemelrijc
En. alle des sijns wtgegaen is die er~n got ende der heuet got eer. Vgl. Quint S. 401. Bret'-
h au er AfdA 53 S. 52 roeisf darauf hin, da/l es sidi um den Bullensatz Nr. 8 handelt. Der Satz
steht auch in der RS. II art. 35· (Thery S. 238) soroie im „Gutachten'' arl. 15 (Pelster S. 1115)
uncf entstammt der Pr. Pf. Nr. 65, s. ,202,Z8ff., vgl. Pa h n c k e E. St. S . .'Jf./ der8] vnd der G2
4 verrel vil aB.BTKT jener.] diser BTKT 5 sich :iiiht (Dazwischen ist in G2 v. and.
Hand gof eingefügt, er vor sich f ehl,t.) darinne beregen (bekeren E, geregen BasB12 bewegen Pf)
mohte. Doch (Do B12} macl:tte er im die sele so (Do macl:tet er die sei tm. so [ so f ehltKT] BT KT)
glich und so (so fehlt KT ~licl:t vnd so] glichose B12 ) ebenmrezic (Doch bis ebenmrezic l do, wz
im glim v:nd· eben mässig Gi), E1'a2 BT KT Ba,B12 sich darinne niht mohte bergen. Doch was (doch
so wz, Mai1b) er der se\e so (so fehlt Mai1b) glidi und ebenmrezic aB6 6 uf daz aB5BTKT
G2Ba8 Bi2 dur daz PfE1. 'l grebe, aB.BTKTG2BaaB12 geben möhte PfE1 enahtet si·niht.]
enamtite er nit vnd. sy enamtite es ocl:t nit G. , nichts. BT KT rnüst nvn sich Bra2
8 geben] ergeben Ba8 ist sin selbes PfE1 mir l in ir Bra2 enwirf fehlt B6 · noch bis
9 niht. fehlt B5G2 (Homöoteleuton! In G2 auf d. unt. Rand von and. Hd. nachgetragen.) Bf. noch
mir ensmacket :niht. PfEi 9 in] got KT fehlt G2B12Ei steht bei Pf BThinter zemäle zemäle 1
fehlt Str8 bMai1bB• muoz bis 72,1 sin,; E1 muoz zemäle sicl:t gegeben:· hän und im (in B,i sin
Bra2 ) selbes uzgegangen sin; q,B. muss sich zemal ergeben han vnd vss gan (gan.,v. ders. Hand
auf d. Rand, ini. Text ist gegeben durchgestrichen,)sin sin selbs G2 musz zumal (musz aum zu.mall
KT) sid:uelber gegeben han (gegeben han] geben KT) vnnd auszgegangen S('.:yn selbs (vnnq seyn
auszgegangenn seynn seibs KT) BT KT musz zumal sicl:t selber gelassen han vnd vsz gegangen
sin sin selbs„ Ba8 musz zemaul sich selber gelaussen hon vnd ussgange:n .. . sin selbs
,.
B12

habeat; sine esse enim non vafet plus totum universum quam musca nec plus sol quam carbo
nec'. sapientia· plus. quam. ignorantia. Serm .. XLV n. 458: plus est musca una mfoima respectu
vest:ri, et non ·plus dependef esse vest:rum ab illa quam esse dei(a): creatura;- '__.:, Zu S. ?0,6 dan
ein m:ücke. hrete 'sieh Q uin t·S.405 (Pf~ S. J:36;30) ..
1 Mit Z. -1ff ..vgl. Pf.. S.-1?8,38'/f., (Pah"n c k e Diss .. S„48);'.·, !lt4,3tff:; RdU S. 42,40ff,. (5'?6;14ff.,

P'.ct.k-n: c k e Kl.B„ .S; 19, Dle de ric h s. Diss;, S'., 80). . 2 Mit Z. 4ff. vgL Pf., S. J3,29ff .. ;; 81;21_;

t?J,16ff;; 20?,'J{f.; 394,10.


Predigt 4

geben hau und sin selbes uzgegangen sin; der enpfrehet glich vmi gote allez,
daz er hat, als eigen .als erz selber hat und unser vrouwe und alle, die im
himelriche sirrt: daz ist disen als glich und als eigen. Die also glich uzgegangen 137,6
sint und sich selben ergeben hant, die sulen ouch glich enpfahen und niht .
5 minner 1•
Daz dritte wort ist 'von dem vater der liehte'. An dem worte 'vater' verstat
man sunlicheit, und daz wort 'vater' liutet ein luter gebern und ist ein leben
aller. dinge 2• Der vater gebirt sinen sun in dem ewigen verstantnisse, und
also gebirt der vater sinen sun in der sele als in siner eigenen nature und .10
10 gebirt in der sele ze eigen, und sin wesen hanget dar an, daz er in der sele
gebere sirren sun, ez si im liep oder leit 3• Ich wart einest gevraget, waz der
.vater trete in dem himel? Do sprach ich: er gebirt sirren sun, und daz werk
ist im so lüstlich und gevellet im so wol, daz er niemer anders getuot dan
gebern sinen sun; und sie beide blüejent uz den heiligen geist 4 • Da der vater 15
6 Vgl. oben zu S. 60,Jf.
1 der enpfrehet] so enpfachet er G2 allez, fehlt Str3 bMai 1bBo 2 und unser bis 74,4f.
bekantnisse. fehlt Baa 2 hat und unser vi·ouwe] hat in dem Ewigen leben da sol im alles
aigen werden als daz daz got hat vnd vnser frow G2 3 hi:rhelriche aB0 G2 BTKT B12 himele
PfE1 daz ist bis eigen. fehlt B12 disen als] dissem als G2 dises als Bra2 disem alles BT KT
als glich und als (alles· BT KT) eigen. E1 BT KT als gelich vnd als aigen als im selber G2 als eigen
und glich. aBt Die also glich uzgegangen sint aB 5 BT KT G; die glich uss gangen B12 Die
ir selbes also (also fehlt E1) glich uz gegangen sint PfE1 Die also bis 5 minner.] die glich
uss gangen entpfaucherit glich B12 {Schluß des B12-Fragmentes; ohne Absatz sdiließt hier mit Item
das Textfragment der Predigt Nr. 5a an.) 4 ergeben hänt,] gegcb~n hänt aBo BT KT bege-
bent hand G2 auch glich] auch all in all gleich KT 6 Daz dritte bis 73,5 selbe sun.
fehlt KT (vgl. Brethauer AfdA 53 S. 52) 6 wart E1G2BT wörtelin aBr, wart bis 'von]
wart dz er spricht vatter von G2 dem 1 fehlt Bo verstät (daran verstat G2) man surilicheit,
(sinnlichait das zweite n durchgestrichen in Sir3b) aB 0 G2 vernimet man abe die sunliclieit, PfE1
verstät bis 7 und 1 fehlt BT 7 und bis liutet] an dem wortt vatter daz'betut G2 daz] Disz BT
'vater' fehlt aBo liutet] luhtet E1 und ist bis 8 gebirt] vnd ist an gebereii (geberen v.
and. Hand auf d. linken Rand; im Text ist begin durchgestrichen.) aller andren ding dz gebirt G2
7 ein 2 ] an B5 Mai1b ein fehlt E1 9 sinen] den aB 0 eigenen afü fehlt PfE1G2BT 10 daz
er bis 73,5 sun. fehlt G2 11 sirren sun,] sein eyngebornen sun BT fehlt aBr, ez fehlt B,Mai1b
einest fehlt E1 12 himeH] himelriche Mai1bBo tempel Bra2 und daz werk bis .14 si.nen
sun, fehlt Str,bMai1bBo (Homöoteleujon!) 13 im fehlt Bra2 so1 fehlt BT nimmermer
nüt ani:ler thüt BT mimer nit anders getät Bra 2 14 den] dem B0 Mai 10 BT

1 Mit S. '?1,?ff. vgl. unten S. 81,4ff.; Pf. S. 56,5ff. 15ff.; unten S. 86,JOf[.; Pf. S. 229,J2ff.; RdU

S. 42.Sff. (5'?5,26ff., Die de ri c hs Diss. S. 80); ZfdA 49 S. 401,28ff. 2 MifZ. 6ff. vgl.Pf. S. 59,Jlff.;

92,20f.; 165,Jf.; 1'?5,?ff. (Ilauptvergleidisstelle); sieh auch. unten S. n;Jff. 3 Mit Z. Sff. vgl. oqen

S. J2,6ff. und die dort aufgeführten Parallelen; weiter Pf. S. 6,10ff.; 55,22ff.; vgl. audi unten
,S, 90,6ft. - Zu Z. 9: als in siner eigenen nature vgl. Quint S. 405 (Pf. S. JJ?,10). 4 Z.11-13

.findet sich als Zitat im Mosaiktraktat Von der wurkunge der. sele in Ba1 f. J14v: Ein meister spra.ch
der mich fragte waz got in dem himmelrich tete ich spreche er gebirt sinen einen gebornen (!)
sun daz ewig wart sunder vnderlas vnd hat so grosse lust an (f, 'J15r) dem werke daz er anders
nut entüt (vgl. PBB '34 S. JJO); die gieiche Stel{e findet sich als Zitat Pf. S. 598,9-11 in Spruch 3
{Spamer Diss. S. ?4 Anm. 4). Vgl. ferner Pf. S.160,6-8; JundtS. 263, 15ft, {Spamer PBB 34
S.330, Pahncke Diss. S.53).
Omne datum optim'um

sirren sun in mir gebirt, da bin ich der selbe ·sun und niht ein andet; wir sin
wol ein ander an menscheit, lber da bin ich der selbe sun und niht ein ander.
'Da· wir süne sin, da sin wir rehte erben' 1• Der die warheit bekennet, d6r
20 weiz wol, daz daz wort 'vater' treit in sich ein 16.ter gebern und sün; ze habenne.

· Dar umbe sin wir hie in disem sun und sin der selbe sun. · . , 5
Nu merket daz wort: 'sie koment von oben her abe'. Nu seite ich iu gar
eben vor: ·swer von oben wil enpfahen, der muoz von not unden sin in rehter
demüeticheitt Und wizzet daz in der warheit: der alzemale niht unden ist,
25 dem. enwirt ouch nihtes niht'noch enpfrehet ouch i:;i.iht, swie kleine ez joch

iemer müge gesin, Bistu iht sehende uf dich oder uf kein dinc oder uf ieman, 110
sö enhistu nih.t unden und enpfrehest · ouch niht; mer: bistu zemale unden, so
enpfrehestu zemale und volkomenliche. Gotes nature ist, daz er gebe, und sin
so wesen swebet dar an, daz er uns gebe, ob wir unden sin 3• Siil wirs· niht noch

3 RoID,. 8,1,: Si autem filii, et. heredes ... 6 Vgl. oben zu S. 60,Jf.
:.Lin mir] jn ir B. 2.ander an.mensdi.eit,] ander svn an,m. E, an] nadi. aB.
3 süne] sun BTStrabMai,b die fehlt aB. bekennet,] kennet Ei kennet (davor Rasmrf)
Bra2 4 weiz wol, daz daz wort aB. weiz daz wol. Daz wort PfE, BT 'vater'-] · der v.ater
· Mai,'bB• ein fehlt E, süneJ sun BT ·5 wir hie in disem sun und sin der selbe sun.
,aB.. wir hie in disem sun der &elb sun. BT wir süne .in disem. sune unde der selhe sun. .PfE1
6 merket fehlt G, wort fehlt MailT,B• Nu, bis , enpfähen,] Nun das wort /-sy .kommen
von oben herab / sollent . ir eben mercken. Idi. hab eüdi. vor gesagt / ·Wer von oben herab
,empfahen:w'ill/ BT Nun wissent das wir/ nidi.t von vns.selbs haben /Dan disse vnd./ alle ander
·g.aben komen von oben herab / Darumb wer von: oben her ab empfahen / wil KT :6 her
.abe;' aB. BT G2. fehlt PfE, N.il. seite bis , eben vor: Bra2] Nu seite idi. gar eben iu vor (in
vor] ew vor Strab -wie v~-B. -willen wer(!) Maii. 0 ) StrabMai1bBu Icli hab eücli vor gesagt BT Nun
.vmbeschent ( .... sdi.ent .durdigestridien, ,dafür auf d. Rand v. and. Hand:. sedi.end) v.di. :gar ebeii
,G2 Nu seite idi. gar eben: Pf fehlt E1 , swer] won wer G, · not] nö (!) B. B wissist G2
.de·r wa.rheit:] der rehten w ..Str8bMlii10 B.r, redi.ter w. Bra, .,, warheit:. der alzemäle niht unden
ist (nit von niden ist Stra 0 Maiib [In Mai10 ist vor niden gestridien; jnde?] Br.). aBr, warhait. Ynd
ist iclites it. di nit. zemal vnen .ist G2 wärheit: ist iht .(ist da.idi.t BTKT) uzen; daz ez niht zemäle
{alzüm.al BTKT) 'u.nden ist, PfE,BT KT 9 oudi.1 ] nodi. Bra,fehlt G2 •noch] vnd G2 oucli~]
nodi. Bra, fehlt PfE, · ez jodi. (dodi. B.) iemer müge gesin ·(sein möge BT wer G.) Strs 0Bra,
B.BTG, es .istjocn jiner mug gesein Mai1 0 ez jodi. sin müge .(sin müge]ist E1). PfE, · swie
·bis·10 gesin.fehlt KT ·10·iht]ez Mai,b et· Bo et a Rasur) Bra, kein] ein BTKT oder
uf·ieman, fehlt aB. 11 .nitredi.t vnden G2 und-aB5 sö G,BT KT :nodi. PfE1 audi.]
dodi. 135.fehlt F:1 zemäle] zemal volkomenlicli G2 12 ·zemäle] alzemäle aBG und 1 fehlt Gs
Gofes bis 13,dar an,] Gotis.natur:e vnd sin,wesen ist vnd swebet daranE1 13 gebe] geben
· müss·G, '.unden] deniüttig KT Sin] tünd G2 13f. niht .noch enpfähen wir ,(wir fehlt
Bra2G2) niht, sö tuon wir ·im gewalt. · aB5 G9 nit nodi. empfaheb.t so thünd wir im gewalt BTKT
niht, sö enpfähen wir oudi. · niht unde tuon ime gewalt · (vnreht E,). PfE1 ·
1 ?2,14-oben Z. 'J i:-.J RS. § II 4 art. 1A (Th ery S.1?6}.; pater generat filium suum. in me, et ego
s:um ibi idem -filius . et non alius. Per hoc quod filii sumus, noli. sumus heredes, se:d per hoc
·qttöd filius suhius, per hoc sumus ,heri:des ·(sed .bis heredes auf d; Rand, roa.hrsdi.einl.--vom K:or-
;rektor [Ther-yf,J. Identität (vonKarrer--Piesch s.·146·behauptet) nirht ganz siiher, aber roohl
·roa.hrsdieinlidi. Vgl. a.udi ,die BulleTJ,Sätze 20, 21; 22 .(Arm.II S; 6'38) soroie die. Artikel 18 ,und 19
·des .,;Guta.ditens" (PeLster S. 1.11?). Au/!er den .oben.S. '32,6ff; aufgeführten Parallelen vgl;,/'f.
S. 56J'Jff:.·; Par, an .. S.16,t?ff. 2 Mit Z. ?f, 11gl..Pf. S. 119,25-{f..; RdU S. 40,29ff:. (5?4,l?ff;). ,Zu.

Z. 8 der-unden vgl, .Qutnt S, 406, 8 Sieh oben S; 65,? und Anmerkung.


Predigt 4

e11pfahen wir niht, so tuon wir im gewalt und treten in 1• Enmügen wirs niht
an im getuon, so tuon wirz doch an uns, und als verre ez an uns ist. Daz du
ez im allez gebest eigenliche, so luoge,. daz du dich under tuost in rehter de-
müeticheit under got und got erhebest in dinem herzen und in dinem bekan,t:- s;
5 nisse. 'Got unser herre saute sirren sun in die werlf. Ich sprach einest alhie:
got saute sirren sun in der vülle der zit der sele, so si alle zit vürgangen 2
hat. So diu sele der zit und der stat ledic ist, so sendet der vater sirren sun.
· in die sele. Nu diz ist daz wort: 'diu aller ·beste gäbe und volkomenheit koment
von oben her abe von dem vater der liehte'. Daz wir bereitet werden, die
10 besten gäbe ze enpfahenne, des helfe uns got der vater der liehte. Amen. 40

5 Gal. 4,4: (At ubi venit plenitudo temporis,) misit. deus filium suum ..... 8ff. Vgl. oben
;u S. 60,Jf.
1 und treten in. fehlt G2 in. Enmügen] jn (also zu reden) mögen· (Klammern in BT KT)
BT KT niht bis 2 wirz fehlt Bra 2 (Homöoteleuton!) 2 an im] an yn B. doch aB.BT KT
aber PfE1 fehlt G2 uns 1 fehlt B. und fehlt E1G2 2f. Daz du ez im allez gebest eigen·
liehe (eigenlich gebest aBu), sö luoge (sö luoge f ehlfaB.), daz du BT KT aBo Daz ist allain gerecht
aigenlich daz du G2 Daz du bis 3 tuost] wir svlen vns vndertvn E1 3 und er] nider · KT.
4 under got] vnd Ere got (!) B5 und got (.vnd alle creatur vnd got KT) erhebest (erheben
Ei) in dinem (vnsern. Ei) herzen und in dinem (vnsern E1 ) bekantnisse. E1 G2 BT KT und got
erhebet in sinem (jm sein Mai1b) herzen, niht in sinem bekantnisse. aBo 5 'Got unser herre
Sante sirren sun (sinen eingebornen sun BT KT Bra2). in die wer lt.' Ich spr'ach einest alhie (als
hie Bra2 alhie fehlt G, Ich bis alhie fehlt KT): got sante sinen sun in der vülle (volheHBTKT)
der :i:it der sele, G2 BT KT Bra2 Ich sprach einest Got sant sinen sun jn der vollheit der zyt. die
sele (72,2 und unser bis 4f. bekantniss.e. fehlt) Bas Der vater (Got unser herre StrabMai1b'B•) sante
sineii sun in die weit (in die weit fehlt StrabMai1bBr,) in der volheit (völli StrabMai1b volli B5) der zit
der sele (der sele bis 7 hät. fehlt Ei). PfE1SfrabAfai1bB6 6 alle zit vürgangen (für gangen Strab
fo:r gangen Mai1b fergangen B6 fur gegangen Bra2G2) hät. (hat vnd alle zit enweg ist G,) aBoG2
alzit volgangen hät. Pf BT KT Baa 7 diu sele bis stat E1 KT] die (o. and. Hand über getilgtem
in der) sei zit vnd stait G2 sele der zit und stat StrabBra2Baa scle und zit und stat MaiibB• sel
der zeitt in der statt BT sendet] sendet vnd geberett KT 8 sele. bis wort:] sel wenn
alle genamti ding in (in über Rasur) der sel statt nit hand vnd fur sind in der völli so ist zit
dz der uatter send sinen sun dis ist dz wortt.G2 Nu bis 10 Amen.] Wann nicht hindert got
in vns noch. vns inn gott dann das wir kleben vnnd hencken mit vnsem gemut ann zeit vnnd
statt vnnd vns nitt erhebenn uber zeit vnnd / vnd stat in die ewigkeit die got selber ist. Amen.
· KT vnd also gibt Got die besten gaben oben herab. Baa 8 Nu (Nu fehlt G,) diz ist daz wort:
aB.G, Nu ist diz wort berihtet: PfE1BT · diu aller beste gäbe und .volkomenheit G2 die
besten gaben aBr, die beste gäbe. PfE1 koment] komet E1 9 Daz bis 10 Amen.] dz vns
dis werd des helff vns got Amen G2 fehlt Baa 9 bereitet] berihtet E1 10 der -vater
der liehte. E1BT fehlt aB,G2 Amen. fehlt Mai1b

1 Vgl. Pf. S. 141,35; 256,26ff. 2 Vgl.Pf .. S. J0?,5ff. B rethau er meist AfdA 5J $; 52 darauf

hin, daß die Lesar.t volgangen,. die Pf. an Stelle von vürgangen. im.Anschluß an BT KT Ba 3 in den
Text aufnahm, ,,nicht unecht sein muß" .. Tatsä.chlich kann der Sinn· .der Stelle 'bei beiden Wörtern
nur einer sein, nämlich der, daß die. Seel.e. über alle· Zeit; hinaus ·geschritten sein muß. Idt. meiß
nur nicht,. ob volgän + Akk. im Sinne von transigere--; ,,hintet sich bringen« möglich und von
Edchart gebraucht morden .ist. Mi.t 'vürgän +Akk. vgl.. vürloufen Äk.k. in der gleidien Be·
deutung: Pf. S. 168;19/20/21/22, ebenso übergän, durchgän etma Pf"" S. 258,JO; JJJ,üL
PREDIG'l1 öa

Zur Auffindung bzw, Identifizierung dieser Predigt mit der in der RS. zitierten Predigt
Meister Eckharts über. den Text In hoc apparuit wu1;de ich dadurch angeregt, daß Prof.Koch,
Breslau, mich auf das Exzerpt der RS. II art. ';2 in dem von mir abgedruckten Text der Hs. B12
(vgl. Quint S. 399ff.) hinwies, der sich in der Hs. unmittelba,r an !'[en Text der Predigt P'f.
Nr. 40 anschließt. Die sehr e,nge verwandtschaftliche Bindung zwischen Baa und B12 , die ich für
Predigt Pf. Nr.401 hatte feststellen können (Quint S. ';9'2'); ließ mich vermuten, daß die in Ba3
auf Pf. Nr. 40 folgende Predigt I~ hoc ?1,pparuit, die nach meiner Feststellung (Quint S. 190) mit
Pt Nr. 13 In hoc apparuit nicht identifiziert werden konnte, die in der RS. zitierte echte Eckhart-
predigt sein müsse. Tatsächlich fand sich in ihr nicht nur der in B12 bereits identifizierte Text
voµ RS. Il art. 32, sie enthielt vielmehr auch die übrigen aus der Predigt .stammenden Exzerpte
der RS. Eine eingeheudere Darstellung gebe ich in meinem Aufsatz „Eine un];iekanrite echte
Predigt Meister Eckeharts" ZfdPh 60 (1935) S. 173-192, wo auch das Verhältnis der Predigt zu
Pf. Nr. n (unten Nr. 5b) auf Grund einer vergleichenden Inhaltsanalyse klargestellt ist. Am
Scllluß des Aufsatzes ist der Text nach Baa und B12 abgedruckt.

Handschriftliche ·tjberlieferung:
B12 f. 60r-61r, alte Zhlg.:, f. nr-74r, Fragment= S. 80,22 roir söllend -Schluß. Textabdruck:
Q u in t S. 399,1~400,2.
Bas f. 215v-218r, Fragment= S. 77 Anfang-S. 82,15 möchte.
S, f. 219v...:.22or, Fragment = S. 77 Anfang-S. 82,15 möchte (vgl. oben Ba8 ) mit Auslassungen
zumal am Anfang. Abgesehen von kleineren Textstücken fehlt: S. 77,1 In hoc-2 eum.,
4 daz. roir-6 menscheit., 10f. Er spricht-:-S. 79,11 als S. 12 sollend-SO,! syg., S. 80,4 daz
hellt-? Merckendl, 8 do gebirt-9 minder., S. 81,1 Sullen-2 ivurken; 4 Er ist-6 hon. Iden-
tifiziert von Q u i n t.

Filiation der Hss.: .


Bas und S1 stehen eng zusammen gegen B12; jedoch ist der verwandtschaftliche Abstand zwischen
B12 einerseits und BasS1 andererseits nicht groß. Die textlichen Unterschiede zwischen den drei
Hss. sind im · ganzen unbedeutend. Daß B12 und Ba8Sr. auf einen gemeinsamen Prototyp zurück;,c
gehen, e'rgibt sich, abgesehen von der weitgehenden textlichen übereinsümmung, daraus, daß
die drei. Hss. gleichmäßig der vorliegenden Predigt den Text Pf. Nr. 40 voraufscliicken und die
Predigt Epit qui seminat, die sich in BT f. J71rb-172rb findet, folgen lassen und daß auch für
.diese beiden Predigten die drei Hss. verwandtschaftlicli .eng untereinander gebunden sind (vgl.
oben Pr. 4 S. 58 zu B12). ·

· Textkonstituierung: Da alle· drei hsl. Texte fragmentarisch sind und das Baa- bzw. das Si-Frag-
ment sich· nur für ein kurzes Stück mit dem B12·Fragment deckt, war die Herstellung eines
kritischen Textes nicht möglich. Der unten gebotene Text folgt bis zum E;insatz des B12-Fragments
.der Hs. Ba. und dann B,., dessen 'Text ich im ganzen verglichen mit dein von Baa als verläß-
licher ansehe (vgl. ZfdPh 60 S: 177). Wieweit der nach den Hss. edierte Text dei: Predigt seinem
Umfang und seinem Wortlaut im Ein~elnen nach ursprünglich ist oder nicht, läßt sich, solange
die hsl. Überlieferung auf die drei Fragmente bescliränkt bleibt, nicht enfäclieiden. 'Zumal im
ersten Teil legt der Vergleich mit den Exzerpten der RS. nahe, daß der Ba8 -Text zum· mindesten
hie und da lückenhaft und in der Formulierung unurprünglich sein dürfte. Ich habe das gelegent-
lich im dritten Apparat angemerkt. '

75
,,Reclitfertigungssm.rift" :
§ II 4 art., (Thery S. 1?9)} ·
II art. 24 (Thery S. 226f.) "-' S. ??,11-17.
II art. 25 (Th e r y S. 228) .·
II art. 26 (Thery S. 228) "-' S. ??.17-78,1.
II art. 2? (Th er y S. 229) "-' S. 78,1.
II art. 28 (Th er y S. 235) "-' S. ?8,6-9.
Il art. 29 (The ry S. 235) "-' S. ?8,9-'--11 .
.II art. 30 (Thery S. 236) "-' S. 80,12-13.
II art. 31 (Th er y S. 236) "-' S. 80,21-23.
II art. 32 (Th er y S. 23?). = S. 81,11-14.

.,,Gutaditen"
art. XXI (Pelster S. 1119) "-' S. ??,11-1?.

·Bulle:
,art; XI (ArclJ.. II S. 638).. "-' S. ?7,11-i?.

;Textabdruck: Quint ZfdPh 60 (1935) S. 185-19L

Ecldheit: gesiclJ.ert durch die RS. Keine direkte hsl. Bezeugung.

·'!6
In hoc apparuit charitas dei in nohis, quoniam filium suum
unigenitum misit deU's in munduni ut vivamus per eum.

SAnt Johann e s spricht: 'Doran ist u11ns gotte~ liehe. geoffenhart, daz
er· sinen sun hatt gesant in die wellt, daz wir· lebend durch in' und. mit imr
und. also ist unser menschlich natur unmessiklichen erhöhet von dem,daz der 5
oberst 1 kommen ist und an sich hat genommen die menscheit
Ein meis.ter 2 spricht: wann ich an daz gedenck, daz unser natur ist er-,-
hahen über creaturen und, sitzt in dem himel ob den engeln und wirt ange-
betten von in, so .musz ich. mich allzemol. fröwen in minem hertzen, wann Jhs
Chrs, min lieber herr, hat. mir alles daz eygen gemacht, daz er an im hat., Er 10
spricht ouch, daz der vatter an allem dem, daz er sinem sun Jesum Chrm ye
gegah in menschlicher natur, so hat er mich ee angesehen und mich mer lieh-
geheht dann fö und gab inir es ee dann im:. als wie? (f. 216r) Er gab im durch.
mich, wann es waz mir not. doruiii, was er,, im gab, do meinet er. mich mit
und gab mirs als wol als im;. ich nim' nii.t usz weder eynung noch heilikeit 15
der gottheit noch nutzend· nit. alles daz er ·im in menschlicher natur ye gegah,
daz e.nist mir nit frömbder noch verrer dann im 3• wann got enkan nit wenig
geben; entweders er musz zeni.ol gehen oder gar nut gehen. Sin gab istzemol
1f. I Iok.4,9
In bis. 2 eum. fehlt S, 3. liebe] minn S1 4 daz wir bis 6 mens&eit. fehlt S1.
? an daz] dar an S1 . 8. uber alle creaturen S, . 10 Er b.is S. 79,U als s; fehlt S,
11. sinen Bas .
. ·. 1 Text. hier wohl verderbt oder lüdcenhaft. • Das folgende Meisterzitat ist doch wohl
identisch. mit dem unten S. 85,Bff. in der Parallelfassung stehenden. Es roird hier. aber nidit
deutlidi, roie .weit das Meisterzitat reicht. Mit Z. 10f. Er spridit oudi kann für den unbefangerten
Leser ·nienüind anders gemeint:sein' als eben der· vorher· g.erninnte Meister. Was aber Z. .Jttf...steht;'·
ist, roie . unten angegeben; in . der RS. als Au/lerung E<kharts inkriminiert und uon ihm als die,
seinige. anerkannt -und verteidigt worden. Meisterzitat und eigene Ausführung als Stellungnahme.
zum Meisterzitat sind demnach wohl· in .unserem Text durdi Verderbnis in eins verbunden. Der
T:ext dürfte ·lückenhaft. sein und in seiner Lü<ke eine ·Entsprechung der .echt· edchartischen Wendung
enthalten haben, .die in der Parallel/assung· unten S. 86,'Jf. lautet: Dirre meister hät wol: gesprochen;
aber wrerli&e, .i& grebe niht vil dar umbe. 3 Z. .11 daz der:._1? im= RS. §:l[.4 [!rt.? A

(Th.ery S.1?9): ...... .. Ex quo humana natura, com:munis est, etiam eque propria omnibus;
tune.: pater dedit mi&i. in. humana · natura omne illud quod -unquam dedit filio su-0. Hie nichil
excipitur. Quidquid est · hoc; est mi&i proprio, sicut sibi. B (S. 1?9f): Plus dico: quidquid ei
pater deditin ·humana natur!l, in. hoc prius respexit me, et plus iniendebat de me quail).-de
homine Christo, et plus dedit mi&i quam sibi~ Certe quia dedit ei propter me,,quia ipse non
ii;idiguit, sed ego indigui:.Propter. hoc quidquid pater dedit filio, in hoc intendebat me, et dedit
mi&i '. ita: bene sicut sibi. Hie- ni&il excipio, nec unionem ·. cum' divinitate nec sanctitatem nec·
aliquid· aliud. Quidquid ei dedit in natura humana,. non est magis aliemini a me quam ab eo.
RS. II art... 24(Thery S.226f,):: Vigesimus quartus articulus, in Sermone In hoc apparui.t
caritas dei,. quoniam filium su.um uni.genitum misit in mundum, sie dicitur:
ex:quo fililis dei humanam naturam. assumpsit, tune ipse fecit mi&i omne illud propriuni quod„
ipse in s.e habet, quia humana natura. est omnibus hominibus communis et equaliter propria'
etequaliter cognata. Et infra: ipse dedit.mi&i'omne illud quod (Thery: quo) filio suo unquam:
d_edit, nichil excipio. RS. II art. 25(Thery S. 228): Vigesimus quintus articulus sie habet: ego·
Predigt 5a

· einfaltig und volkommen on teilen 1 und nit in zyt, alles in der ewikeit 2 und
sind des gewusz als ich leb: söllend wir also von im empfahen, wir müssend
sin in ewikeit erhaben über die zyt. Jn der ewikeit sind alle ding gegenwi'rtig.
daz, das· ob mir ist, daz ist mir also nach und also gegcnwirtig alsz daz, daz
; hie by mir ist; und do söllend wir nemmen, waz wir von got söllend haben.
Got der erkennet ouch nutz usser im, sunder sin oug ist allein in sich selber
gekert. waz er sieht, daz sieht er alles in im. dorum sieht unns got nitt, so wir
sind in sunden. dorum also vil wir sygend in im, also vil bekennet unns got,
daz ist: so vil wir on sund sygen 3• und alle die werck, die unnszer herr ye
10 gewurkt, die hat er mir als eygen gegeben, das si mir nit minder lonbar sind
dann mine werk, die ich wurke 4 • sider 5 uns allen nun glich eygen und glich
. .
dico quod pater in omni eo quod unigenito unquam dedit in human1:1 natura, me prius respexit
quam illum hominem, et de.me plus intendebat, et dedit michi prius quam sibi, ipse dedit sibi
propter me. Et infra: omne quod sibi dedit in humana natura, hoc non est a me magis alienum
vel extran~um, nec magis remotum sei distans quani ab eo. ,,Gutaditen" art. XXI (S.1119): Item
predicavit: quicquid Deus dedit filio suo unigenito in humana natura, hoc totum dedit michi,
hie nichil excipio nec unionem nec sanctitatem, sed totum dedit michi sicut sibi. Ebenso Bulle
art.11. Vgl. audi Pf. S. '39,'36ff.; 24'3,18-24; '362,22ff..; 402,'39{f.: 522,9{f.; Jundt S. 261,26tf.; 264,26tf.;
Pf. S. 56,15ft. (vgl. S k u te lla, ZfdA 68, S. ?O); 1'J?,2tf.; 158,1ft, 20?,18ff.; 2?6,'3?ff.; 5'39,'35tf. 58?,20ff.
Pahncke, ZfdA 49 S. 401,2?ff.; Brethauer, ZfdA 69 S. 265,82-85.
1 S. ??,1? wann-oben Z.1 teilen"' RS. llart. 26 (Thery S. 228): Vigesimus sextus articulus

sie habet: deus non dat nisi det totum et det omne. Deus nescit parum dare. Vel oportet ipsurn
totum dare, vel oportet ipsum totaliter nichil dare. Ipse omnia dat nec frustra nec partes, sed
suum dare est totaliter simplex et perfectum. Dieser Satz wurde bereits von S k u tel l a, ZfdA ?1
S. 65 in einem Zitatenmosaik der Hs. Berlin germ. 8° 64 f. 91D nachgewiesen und lautet dort: got
enk.an nit wenig geben. er enweis vmb kein wenig geben nit. entweder er müz zu mole geben
oder muz niH geben. er engit vch nit weder teil noch stücke, sfmder sin geben ist zu male ein-
valtig vnd vollekomen. über das Geben Gottes vgl. Pf. S. 60,16ft. (dazu Jundt: S. 25?,15ff.); 68,?tf.;
94,'3'3ff.; 1'J1tf. ( die ganze Predigt Nr. XXXIX); 135,19ft.; 1'3?,29ff.; 149,9ft.; 168,26ft.; 1?8,'3'3tf.; 22'3,21;
269,'JOtf.; 29?,1; '300,2?tf.; 4?9,'3'3tf.; RdU S.'35,'38ff. {5?0,21ff.); J und t S. 262,28ff.; Siev er s, ZfdA 15,
S. 429,52ff.·Serm. XLV n. 455: Nota: deus se ornni, se toto dat et se totum .dat. Impium enim est
a deo dimidiam separare sperareque veniam ... ibid n. 4J6: »••• plus vult deus dare quarn
nos accipere«; plus, id est maius et magis et vere magis vult, quia gratiam sibi reputat quod
volumus accipere. 2 Z. 1: und 1-ewikeit "' RS. II art. 2? (Th er y S. 229): Vigesimus

septimus ad:icul'us sie dicit: deus nichil dat extra se; ipse sernper dat ex eternitate, non in
tempore. Deus nichil habet facere cum tempore, sed ipse solum dat et operatur ex eternitate.
Wahrsdieinlidi ist der Ba3 °Text wieder lückenhaft, möglidierweise infolge von Homöoteleuton.
3 Z. 6 Got-9 sygen "' RS. II art. 28 (Th er y S. 2'35 ): Vigesimus octavus articulus dicit:
deus non videt aliquod malum. Quandocunque ego pecco, tune ego sum in malo, et tune cleus
non viclet me nec cognoscit me. Vgl .. In Sap. n. 220/.: Hinc est quod generaliter unumquodque,
prout est, dicitur a deo ·sciri et amari; secunclum illud vero; quod non est, dicitur ab ipso nesciri
et odiri. . . . Homo impius, in quantum homo, est; in q'uantum impius, non est et nihil est,
sicut et peccaturn nihil est. ... Per consequens ergo impius ut sie nullum esse et nullius esse
habet, sed non est ens, sed nihil est, et.per consequens non cognoscitur nec amatur ab aliquo.
4 Z. 9 und alle bis 11 wi'uke "' RS. II art. 29 (Th er .1J S. 2'35): Vigesimus nonus articulus sie dicit,

quod omnia opera Christi sunt propria homini huito, et omilia merita sanctorum et premia sunt
michi ita propria ac si ego ipse operarer illa. Ahnlidi RS. § II 4 art. 4 (Th er y S. 1?8) =Pa h n ck e,
ZfdA.49 S. 401,2?ff, (vgl. Skutella, ZfdA 66 S.t4?f.). Vgl. unten S. 86,tiff.. 6 Mit Z.11 sider

-S. ?9,8 vgl. unten S. 8?,1.,-88,~.


_J
78
In hoc app11;ruit

noch ist, .niir als im„all sin edelkeit (f.2160), warum ennemment wir dan:h nit
glych? Ach, daz verstand! wer zu diser spend kommen wil, daz er disz gut
glych empfoch und 1gemeine und mens.chlich natur allen_ :menschen glych noche,
also als in menschlich natur nut frömbdes noch verrers noch .nehers nit- ist,
also musz es ouch v,on, not sin, daz du gelich syesLin menschlicher gemein- 5
samkeit, dir selber nit neher denn einem andern. Du solt alle mensche1). dir
ge!J.ch liebhaben und _gelich achten und halten; waz einem andern geschieht,
es ,_sy bösz oder gut, daz sol dir sin, als. ob es .dir ,geschehe 1:
Nun 2 disz tst der ·ander sin: 'Er saut in in die wellt'. Nun sollend wir
verston die grossen w.ellt, do die engel insehend. · wie sollend wir. sin? wir 10
sollend mit aller unser liebe und mit aller unse:r.begerung do sin, als S. Auigu-
st in u s s spricht: waz der mensch liebhat, daz .wirt er in .der Hebe. s9llend wir
nun sprechen: hatt der mensch gott lieb, daz -er -dann got ·werde f daz hilt,

12 Hebhat;] minnet S1 liebe] minne $1 s,pllend bis_ 80,1 ~yg. fehlt S1

1 . Vgl. Pf. S.1J6,1ff.; 204,J6ff.; 208,26"/f.; 2?8,40-/f.; J10,16ff. RS. § IJ arl.11 B) C) (T'he r y S, 181);

II art. 16 (T her )J S. 221); II art. 42 (Th er y S. 24? = oben S. 6?;5ff.); Serm. XXX n. J12 r Nam si
_ diligo proximum quemlibet sicut nie _ipstim, ergo tantum fruor dilectione et gaudio de suo prae-
niio, merito et gloria sua quaiituin de mea.... ibid. n. J1J: Sicut enim totus homo videt oculo,
audit aure, loquitur ore et sie de.aliis,.et sicut tota sphaera: ignis .secundum diversas sui partes
focuni implet et tenet naturalem et debitum naturae ignis, et pars quaelibet accipit et habe_t
per alteram, quod in .se non a,ccepit, non. habet, e.t habet unum esse cum altera qualibet--' esse
autem in. uno non est aliud nec est alteri superius, sed est immediatum .esse sine medio et
Supremum sine superiori -, sie in moralibus sive in donis gratuitis beatus quilibet accipit dona
divina in se vel in aliis, et ob hoc quiescit ejus appetitus, cum sint omnes unum in deo, in
caritate, in spiritu sancto. Quod in se non· accipit, gaudet se recipere in altero, praesertim cum
tamquam se ipsum alterum diligat . . . In loh. n. 290: Diligit enim habens caritatem in nullo
niinus proxiJ!].uni quam se ipsuni; diligit siquidem unum deum in omnibu_s et omnia in ipso;' in
uno autem nulla est distinctio, nec Iudaei etiam nec Graeci, in uno neque magis neque minus, ibid.
n, 631 : ... ·omnia enim tarn iil :merito quam 'in prilemio habet qui omnes ainat et habet, tamquam
se ipsum -habet et· amat... ibid. n. ?25: Ubi notandum quilm beatum est diiigere proximum tam-
quani se ipsum. Nam si tantum quantum se ipsum, omne quod suum est, sive in merito sive in
praemio, tuum est sicut suum est; si quominus iam non· ipsüm diligis tamquam: te. ibid. n. 386:
E_x quo concluditur. quod omne bonum quod amo i}! altero, sive ille bonus sit sive malus, }psum
bonum illius :meum est et in me est. Quod .si .ego illud amo et ipse .non amat, meum est et non
suum: ego .habeo, ille non habet. In Exod. n. 193: qui amat aliquid proximi sive in proximo
quod nqn .est ipse amans, non amat proximum tamq~am se ipsum. _ ibid. n. 9.9.: Ratio est quia
qui diligit proximum sicut se ipsum et tamquain se ,ipsulll . ,.. >omnia quae sunt proximi,, sive
in merito sive in _praemio, tantum sulit sua, quantum .si,ipse in:se ipso esset operatus.merito
aut possideret in praemio.. -2 J,lit Z. 9ff;. vgl, S .. 90,Jff;.' 8 ln.epist. loh., tr.1I.n° 14

(PL J5, 199?}-: ..talis.est quisque, qualis eius dilectio est.. ;,Terram diligis ?. terra eris. Deum diligis?
quid dicani, Deus eris." Vgl. audi: ·Sermo CXXI,1(P[J8 Sp. 6?8}:; Thomas, In III. Sent. (l._2?
q.1.a.1.: Per amorem.amansfit unum cum: amato; vgl. Pf.S.86,28-/f.; 199,4-/f.. ; Serm.LV.n„552;:
anima in mundo isto .so-lum est amore.; naß). ubi amat, ibi est; qualia amat, talis est.. Au g.u-
s.ti il u.s super canonicam· Johannis. ilomilia (2): terram anias, . .terra es; deum amas,. quid
dicam, deus er~s? Non .. audeo, dicere ex me, scripturas audiamus: 'ego dixi.: -dii estis' etc. In
Sap. n. 14: .amor enim .amanteni transformat in. amatum. AugustinuS.: »Qualia amas, talis es:
am.es. ;nihil, .nihil es~.

?'9
Predigt 5a

als ob es ungloub syg. die liebe 1, die ein mensch gibt, do ensind nit zwey;
me eyn und eynung, und in der liebe bin ich me got, dann ich in mir selber
bin. Der pro p h et spricht: 'Ich hab gesprochen, ir sind gött und kinder des
aller höchsten'.. daz hellt wunderlich, daz der mensch also mag ,got werden in:
5 der liebe; doch so ist es in der ewigen warheit war. unnser herr Jesus xps
hatt es 2 (f. 21?r).
'Er 3 saut inn in die wellt'. 'Mundum' betutet in ein wys 'rein'. Merckend!
Got enhat kein eygner · statt dann ein rein hertz und ein reine sel; do gebirt
der vatter sinen sun, als er inn in der ewikcit gebirt weder meer noch minder 4 •
10 waz isLein rein hercz? daz · ist rein, daz von allen creaturen ist gesundert und
gescheiden, wann alle creaturen machen flecken, wann si nutzend sind; wann
nutzt daz ist gebresten und beflecket die sei. alle creaturen sind ein luter nicht;
weder cngel noch creaturen sind utz 5 • sy hand all in all und beflecken, wann
sy sind von nicht gemacht; si sind und waren nicht. waz allen creaturen widerzem
15 ist und unlust macht, daz ist nutzt. Leit 6 ich ein glüyende kolen in min hand,
es tet mir wee. daz ist allein durch nutz, und werend wir des nichten ledig,
so werend wir nit unrein.
Nun 7 ; 'wir leben in im' mit im. Es ist nut, daz man alsvast beger als
des lebens. waz ist min. leben? daz von innen bewegt wirt von im selber. daz
20 enlept nit, daz von ussen wirt bewegt. lebend wir denn mit im, so müssend
wir ouch mittwurken von innen in im, also daz wir von ussnen nit enwurkent;
sunder wir söllend dannen ussz bewegt werden, dannen ussz wir leben, daz
ist: durch (f. 21?v) in 8• Wir mugen und müssen uss unserm aigen wu,rken uon

· 3f. Ps. 81,6: Ego dixi: Dii estis, et filii excelsi omnes.

1/2 liebe] minne S1 4 daz hellt bis , Merck.end! fehlt S1 8 do gebirt bis 9 minder .
fehlt S1 10 daz ist rein,fehzt S1 11 nutzend] nihtes S1 12 nutzt] nihtes S1· 13 utz]
iht S1 14 von] vs S1 si.nd und] vnd von ders. Hd. über getilgtem von Baa 16 we vnd
dz S1 nichten] niht.es S, 18 Nun: fehlt. S1 begert S1 21 mittwurken bis in im,]
mit im wurken von ynnan in im S, Vor innen ist jn. getilgt Ba 3 22 sunder bis werden]
Item dannan uss söllen wir bewegt werden B12 23 mugen und fehlt S1 vnsern B„

1 Mit Z; 1ff. vgl. S. 93,?f.; 32,15ff.; 31,25f.; 62,20ff. 2 es d. h. die Vereinigung von Gott-

heit und Menschheit. Der Ausdruck ist stark elliptisch und dürfte roohl. nicht ursprünglich sein.
8 Mit Z, ?....c.15 vgl. S. 88,6f,; 166,11ff.; 321,22ff.; In Exod, n. 2?6.: Quod autem .ait: rnihi, docet

quod talis visio datur mundis et puris eorde. Pronomen enim puram substantiam excluso
omni · alio signat. über diemunditia handelt Eckhart ausführlich:.· In Sap. n.134ff., .besonders n.13'?
. -140. 4 Zahlreiche Parallelstellen z. B. Pf. S. 101,13; 205,3ff.; u. ö, • Z. 12 alle-13,
vtz ruRS .. II· art. 30 (Ther y S. 236):. Trigesimus articulus· sie habet: omnes creature sunt unum
purum nichil; nulla creatura est que aliquid sit. Vgl.,auch RS .. § II 4 art.15 (- ,,Gutachten"
art. VI, Pelster S. 1112) = oben S. 69,8f.; vgl. roeifor Pf. S„10'?,38;. 162,39ff.; 168,11f.; 191,18;
222,34; 266,15; 298,4; 469,13; 621,2ff. Vergleichsstelle in Nr. 5b ist unten S. 94,4-,-'?. RS.JI art.13,
(Thery S. 218) = ZfdA 49 S. 402,9f. (vgl..Skutella ZfdA 66 S. 148) 6 Mit Z. 15 Leit,

-1'? v.gl. unten S. 88,10ff.. ' Mit Z. 18ff,. vgl. unten S .. 91,8ff. Vgl. roeiter Pf. S. 58,15ff. ;·
146,16-24; 158,40ff.;.189,16-34; 204,8ff.; 206,4ff. / 8 Z. 21 also-23 vgl. RS. II art. 31,

(Th er y) S. 236: Trigesimus primus articulus sie habet: Nos non delJemus scire .de quocunque,

80
In hoc. apparuit

innan. Sullen wir denn leben in im oder durch in, so sol er unser aigen sin
und sullen wir USS unserm aigen wurken; also als got alle ding Wurkt USS sinem
aigen und durch sich selber, also sullen wir uss demm aygen wurken, das er
ist in uns 1. Er ist all zumaul unser aygen, und alle ding sind unser aigen in
im. Alles, das all engel und all hailgen hond und unser frow, das <ist) mir 5
aigen in im und enist mir nit fremder noch verrer denn, das ich selber hon.
Alle ding sind mir glich aygcn in im; und sullen wir kommen in das (f. 60v)
aigen aigen, das allw ding unser aigen syen, so müssen mir in glich nieman
in allen dingen, in ainem nit mer denn in demm andern, wann er ist in allen
dingen glich 2• 10
Man findet lutt den schmack.et got wol in ainer wyse und nit in der andern
und wellent got wber ain hon in ainer andaucht und in der ander nit. ich
lausz es gut sin, aber im ist zumaul unrecht. vVer got rechte niemen sol, der
sol in in allen dingen glich niemen 3, in hertikait als in befinthchait, in waynen
als in fröden, alles sol er dir. glich sin. wenest du umb das du nit andaucht 15
1 Sullen bis 2 wurken; fehlt BaaS1 (Homöoteleuton!) 2 wir auf d. Rand B12 3 und
durch sich selber] wenn er ist öch vnser eigen S1 fehlt Ba3 Vor sich ist jn getilgt. B12 4 Er
bis 6 hon. fehlt Ba.S1 5 ist fehlt B12 8 syen l werden BasS1 wir] mir B12 . 11 wyse
und] wise oder andäht und Ba 3 S1 der] einer S1 fehlt Ba3 andern] andern wise S1
12 und wellent bis nit. fehlt Ba 3 S1 13 Wer bis 14 sol in] Wan man sol got Ba3 S1 14 dingen]
wisen S1 15 alles bis sin. fehlt Ba 3 S1 Vor. dir ist dich getilgt. B12 andaucht bis
82,3 laid,] andäht und ernst habest als du ez gerne hretest und du ez aber niht verschuldet
hast (verschuldest Baa) mit tötsünden daz .du dar urnbe niht gotes (got S1) enhabest und daz ist
. dir leit daz du es niht haben rnaht Ba.S1
pro p t er q u i d vel de qua r e extra nos, nec deurn nec cteaturarn, nec propter nos ipsos nec
propter aliquarn rern extra nos, quia ad quodcunquc rnovernur aliter quarn ex nobis, hoc toturn
est actus rnortalis peccati. Vgl. unten S. 90,11-91,4; Pf. S. '34,'J?[f.; 146,W/f.; 158,'36{f.; 1B9,16{f.; 189,'JO{f.;
190,18ft. (Hauptvergleichsstelle); 2'3'3,l{f.; 60?,18{f.; In loh. n. 68: vis scire, si opus tuurn facturn sit
in deo? Vide, si opus tuurn sit vivum. Narn hie dicitur; quod facturn est, in ipso vita
er a t. Vivurn autern opus est, quod extra deurn et praeter deurn non habet rnovens nec finern.
In Sap. n. 184: ornnis actio ab intra procedens delectabilis est et suavis et vita est sive vivere; ...
Vita vero sive vivere est talis operatio, utpote non ab extra, sed ab intus et intimis procedens.
Per hoc enirn vivurn a non vivo distinguitur et discernitur, quod vivurn ex se ipso intus et ab
intus rnovetur; secus de non vivo · aut rnortuo ... Hinc est quod illa opera ornnia et sola, quae
deus in nobis operatur et nos in illo et propter illurn, utpote intirnurn, viva sunt. Omnia vero
opera, quae operarnur• propter quid aliud extra ipsurn, qui solus vere intirnus est nobis et
essentiae illabitur, utpote esse, rnortua sunt, eo quod in ipsis talibus operibus nos (non) rnovet,
sed rnovernur ab aliquo ·extra 'sicut rnortuum et iarn non vivurn. In loh. n. 62: ad cuius eviden-
tiarn seiend um quod vivurn dicifur sive vivens · ornne, quod ex se ipso vel a principio intra et
in ipso rnovetur, Quod autern non rnovetur nisi ab aliquo extra, vivurn non est nec dicitur.
Ex quo .patet quod proprie non vivit ornne, quod habet efficiens ante se et supra se, sive finern
extra se vel aliud a se.
1 Mit S. 80,2'3 Wir-oben Z. 4 vns vgl. Pf. S. 158,'J?{f.; 204,19f/;; 206,2ft.; 209,2'3ff.; 298,25ff.; 89,'35f.

2 Zu Z. 4 Er-10 vgl. oben S. ?? Anm. 'J; vgl. auch Pf. S. 2?8,2?ff.; 208,10ft.; In Exod. n. 1'35:

Maior patet, turn quia deus est in ornnibus et in ipso sunt ornnia. . . . 3 Z. 11-'-14..:..... RS. II

art. '32 (Th er y S. 2'3?): Trigesirirns secundus .articulus sie dicit: aliqui holllines su.nt, quibus sapit
deus secundurn unum rnodurn et non secundurn alium. Hoc totaliter non est recturn. Quicun-
que debet accipere deu!Il, ille debet deum in O!Ilnibus rebus accipere equaliter.

6 cu~ad, m 1
Predigt 5a

haust ~och ernst und du es nit besclmlt haust mit töttlichen bresten, als du
gern andacht und ernst heftest, das du dar umb nit gottes enhabist, das du
riit andacht und ernst haust, ist. dir laid, das selb ist yetzent andacht und
ernst 1• Dar umb su.llent ir uch nit an kain wys legen, wenn got enjst _nit in
5 kainer wyse, disz noch das. Dar um:b die da got also niement, die tund ·im
unrecht. Sy niemen{ wys U:nd nit got Dar umb behaltent disz wori:, das ir
got lutterlichen mainent und suchend. was wysen denn gevelt, der sind gantz
ze · fryd. wann wer maynung ·sol luter got sin und. anders nit. was ir (dann)
gern oder ungern hond, so ist im recht, und wyssend, das im anders zemaul
fo unrecht ist 2. si stossend got under ain banck., die ·also vil wysen _wellen hori. Es sy
waynen oder s1nftzen, uri.d desz glich vil, es eIJist alles got nit 3• gevellet es, so
niement es und -sind zufrid; geschicl:tt das nit, -so sind aber zufrid und niemant,
i was weh got zu der zit geben wil, und blibent allzit in demütiger vemüthait.
und verworffenhait, und weh sol allzit dunken, das ir unwirdig sind kain~s
15 gtHes, das weh got getun möchte, ob er weite. Also ist denn betuttet das wort,
das sant johans schribt: 'Dar an ist uns .gottes :mynn.e geoffenbar'et worden';
wären wir also, so wirt disz gut in uns geoffenbart. · das uns das verborgen
ist, desz enist kain ander sach denn wir. wir sind sachen aller· unser hinder-
nusz. Hütt dich vor dir selb, so hest du wol gehütt. und sin sach, das wir liit
20 nemen wellen (f. 61r}, er hett uns
1 '... !.
hier zu erwelt; nement wir
. • •
es nit, es musz
uns geruwen, und es sol uns ser yerwyssen werden. das wir nit dar kummen,
da disz gut genummen wirt, das gebrist nit an im, sunder an uns 4.
4 nit• fehlt Baa 5 Dar umb bis 6 wys] wan ir nemet die wise Ba3 S1 6 und fehlt S1
7 ·wise S1 8 wer] vw< Baa uwer Si dann fehlt Bio 9 und bis 10 ist. fehlt Ba3S1 · 10 s1]
so B12 Vor wys·en ist wyssen getilgt B12 wellen] welchen B12 11 süffzen ode:r·weynen oder
·des S1 glich]gelichen Baa vil, fehlt BaaS1 12 niemant,] nemment S1 jnnemend Ba3 14 uiid
:weh bis 15 möchte, (Sdiluß des Baa°Fragments)] vnd dun&end vch alle zyt' vnwirdig alles daz v&
Got tütt Baa vnd dunkent uch vnwurdig alles gutes dz uch got tut S1 15 _ob bis 22 uns. fehlt S,
_ 1 Die Syntax des Satzes S. 81,15 wenest-oben Z. 4 ernst ist nidit ganz klar und eindeutig
·sowohl in BaaS, roie in B,,. In einer Übersetzung, die den· syntaktisdien Zusammenhang d~r uer-
sdiiedenen Teilsiitze deutlidier zu madien uersudit, nimmtsidi das Satzgefüge etroa so aus: ,.Glaubst
du, daß roeil du, ohne es durdi Todsünden versdiuldet zu haben, .roeder Andadit nodi Ernst hast,
du deshalb eben, ro_eil du keine Andadit und keinen Ernst hast, a_ud,, Gott nidit hast und ist dir
dies dann leid, w ist dies für didi in diesem Augenblidc eben deine Andadit und dein Ernst."
• Zu S. 801-oben Z. fo vgl. unten S. 91,'Jff.; meiter: oben S. 61,1ff. (RS. II art. 41 [Th~r y S. 245];
Pf, S. 14?,?ff.; RdU S. 24,29ff. [560,29ff., vgl. Bulle Satz 19]; RdU S. B,26ff. [546,i9ff.J; vgl. audi RS.
§ II 4 art.16 [Thery S.184]). 3 VgLS. 91,5__.:_?; Pf. S, ?O,'Jff.; 1'36,1.4ff.; 14?,18ff.; 1??,9ff.; ]undt

S. 262,11ff. 4 Der Text uon B12 roird am Smluß fragmentarisdi sein; da er eine regelredite Sdiluß-

roendung v~rmissen lä{lt. _- Idi uermute, daß die Prediit mit einem Sdilu/lsatz ausklang _iihnlid,, dein,.
mit dem die Parallelfassurig unten S. 95,5ff. sdiJie# .An roeitere Einbuße des B,r Textes mödite im
nidit glauben, da m. E. qer Prediger mit cler Wiederholung des Sdiriftroortes oben Z. i6 den nahen
:smluß seiner Predigt ankündigt 'und mir zudem das 'Thema am Sdiluß. des B,2-Textes ersdiöpfend
'behandelt zu sein sdieini. Theoretis_di ·ist allerdingsmii der Möglichkeit zu redinen, daß der Sdiluß
·der Predigt die 'gleidien oder ähnlici/,e A.usführungen, über. deri Willen enthalten hat, roie sie unten ·
ß. 94,Bff. in der Parallelfassung zu lesen sind. Ja,, halte diese Ausführungen jedodi' für ursp,:üng-
lidi nidit in· den Zusammenhang roeder der vorliegenden nodi der Parallelfassung der Predigt lll.
hoc apparuit gehörig (sieh uriten S. 95 _Anm: 1/ ., - ·- . - - - . - . - ,. . - .- - - --. , .

82
PREDIGT 5b (Pf. Nr . 13 S. 64-6,)

Handschriftliche tlherlieferung (sieh Quint S.190f., Spamer PBB 34 S. 338, Thery S. 227):
B1 f. 2v-3v, Fragment = S. 90,6 Als-S. 94,3 vri.
Ba2 enthält zwei Fragmente:
Ba2a f. 208va-vb = S. 92,7 Da--'-93,5 lige.
Ba2b f. 248va-249va = S. 85,2 'In dem-S. 94,3 vri. (S. 88,4-92,6 fehlt), gedruckt in:
Wackernagel, Altd. Pred. Nr . LXV S.172f. Vgl. Pahncke Kl. B. S. 3, Spamei;
PBB 34. S. 320.
Br4 f. 208r-212v, Fragment= S. 92,7 Da-S. 95,2 miderbrfiht., gedruckt von Priebsch ZfdPh 36
S. 79, 3. Zeile von unten-S. 80. Das Predigtfragment ist hier in einen Traktat eingesprengt
und eingeführt durch: Eyn lerer sprach.
Bra2 f.140r-142v; vgl. Strauch ZfdPh 54 S. 285.
Bra8 f. 75r-80r; vgL Strau eh a. a. 0. S. 292.
BT f. 266va-267va.
E2 p. 407-411.
M2 f. 183v-185v.
M4 f. 12ra-vb, Fragment = S. 91,10 Smer -94,7 nihte.; vgl. Spam er PBB 34 S. 327.
Mai1 f. 93r-97r, identifiziert von Quint. ··
Maio f. 128r-139r, identifiziert von Quint.
N2 f.124r-126v; vgl. Pahncke Kl. B. S.13.
P, f. 246r-v, Fragment = S. 90,6 Als~S. 94,3 vri (S. 88,4-92,6 fehlt). Vgl. oben B, und Simon
Diss. S. 30. .
S1 +
f. 234r, Fragment= S. 88,2-Al die mile-8 stfin. 89,7 man-90,1 unvolkomen. + 6 Als-S. 91,9
+
selber ist,- +
92,7 Da-93,2 gotes. 6 Ganc-S. 94,7 nihte.+ 10 Aber-95,2 miderbrfiht.
Identifizie~t voh Quint.
f. 222r, Fragment = S. 90,12 lm-92,6 roürke 2 (Im Varfantenapparat nicht berücj{Sichtigt).
Identifiziert von Quint.
Strs f. 106v-110v, alte Zhlg.: f. 103v-106v (Zwischen f. 104 und 105 ist ein Blatt unnumeriert.),
vgl. Sp amer PBB 34 S, 349 zu XXVI.

Filiation der Hss.. (sieh Quint S, 191-202, insbesondere S. 191 und 202): E 2 BTBa2 bilden eine
Gruppe gegenüber Bra2Mai0StrsMai,BraaM2, innerhalb deren sich Bra3 und· M2 wieder enger
aneinanderschließen (vgl. Quint S. 192). Die übrigen Texte N2 Br4 und S, vermitteln zwischen
den beiden Gruppen, der~n Gegensatz übrig.ens nicht scharf ausgeprägt ist. Dabei stehen B,P,
und M4 näher bei E2 BT Ba2, während N2Br.S1 im ganzen enger zur Gegengruppe gehören. Die
verwandtschaftliche Stellung der kurzen Ms-Fragmente lä1H sich nicht bestimmen. Was die neu
gefundenen Texte angeht, so ist Mai, wieder am engsten mit Str3 , Mai 5 am engsten mit Bra2
(vgl. den Variantenapparat etwa zu S. 90,5; 91,2) und Mai, (vgl. etwa 92,2; 94,2; 95,5) verwandt.
S, scheint wie Br. am nächsten bei N2 zu stehen.

Im Variantenapparat wurden folgende Gruppensiglen benutzt:


a = Str3 Mai1Bra2Mai6 Bra8 M2
a1 = StrsMai,Bra.Maio

6*
„Rechtfertigungsscbrift": die Predigt enthält nur Rudimente der Exzerpte, die die RS. aus der
Predigt In hoc apparuit entnahm und die in der Parallelfassung nachgewiesen werden konnten
(sieh oben S. 76). So finden mehr oder weniger vageßntsprechungen:
RS. II art. 24 (Thery S. 226f.) unten S. 86,iOff.
RS. II art. 30 (Thery S. 236) unten S. 94,4f.
RS. II art. 31 (Thery S. 236) unten S. 90,11ff.
RS. II art. 32 (Thery S. 237) unten S. 91,'i'ff.

Textkonstituierung (sieh Quint S. 202): Der Text wurde unter kritischer Auswertung der ge-
samten hsl. Überlieferung vorzüglich auf Grund innerer Richtigkeitskriterien konstituiert. Der
einzige zwischen den beiden oben bezeichneten Gruppen vermittelnde V o 11 t ext N2 kam wegen
seiner Unzuverlässigkeit als Führertext nicht iu Frage (vgl. Quint S. 202). Das E2-Plusstück PL ·
S. 66,32-36, da~ sich au1l~r in E2 nirgends in der hsl. Überlieferung der Predigt findet, wurde
gestrichen.

Übersetzungen:
Büttner I S.97ff., 19342 S. JOOff., Lehmann S.185ff., Schulze-Maizier• S.179ff.

Echtheit: fraglich. Hsl. nur einmal für Eckhart bezeugt: sieh Eingang des Variantenapparats
(vgl. Quint ZfdPh 60 S. 184). Es handelt sich möglicherweise um eine Bearbeitung der durch die
RS. als sicher echt erwiesenen Predigt 5 a auf den gleichen Schrifttext. Der gedankliche Aufbau
ist in beiden Predigten der gleiche, wie ich ZfdPh 60 S. 179-182 durch vergleichende Inhalts-
analyse darzutun versucht habe. Die Bearbeitung scheint im wesentlichen den Zweck verfolgt
zu haben, die inkriminierten Stellen der ursprünglichen Predigt auszumerzen oder doch ab-
schwächend umzuformulieren. Die Textfolge scheint mir nicht überall ursprünglich zu sein
(vgl. unten S. 88 Anm. 2 und ZfdPh 60 S. 183), sie abzuändern fühlte ich mich bei der Gleichförmig-
keit der hsl. Überlieferung nicht berechtigt. Die Ausführungen über den Willen unten S. 94,8----:-
95,2, die in der Parallelpredigt keinerlei Entsprechung haben, fallen m. E. aus dem Rahmen
der Predigt heraus und gehörten, wie ich vermute,. ursprünglich in den Zusammenhang eines
Fragenkomplexes, wie er in der Predigt Pf.. Nr. 15 abgehandelt wird. Da1l Tau l er sich an der
Stelle Vetter S. 262,34ff. auf die bezeichneten Ausführungen der vorliegenden Predigt über den
Willen bezieht und da1l er als Autor dieser Ausführungen Eckhart ansieht, hat K. Müller
ZfdA 72 S. 95f. wohl mit Recht behauptet. Da1l damit aber die Echtheit der ganzen Predigt
erwiesen' wäre, wie Müller glaubt, möchte ich vorläufig noch bezweifeln. Das Zitat beweist m. E.
nichts weiter, als da1l Tauler. die, wie ich glaube, bearbeitete Fassung der eckhartischen Predigt
In hoc apparuit kannte und sich in ei:ner eigenen Predigt auf Ausführungen bezog,. die er in
der vermeintlichen Originalpredigt Eckharts vorfand. Auch Müller spricht übrigens (wie Th er y
S. 227) von der vorliegenden Predigt als von einer „schlechten Nachschrift oder Bearbeitung",
in der der ursprüngliche Text „zum Teil nicht erhalten und zum Teil nur frei wiedergegeben
ist" (a. a. 0. S. 96).

84
In hoc apparuit caritas dei in nobis.-
s4,15 'In
dem ist uns erzeiget und erschinen gotes minne an u:ris, wan got hat
gesant sinen einbornen sun in die werlt, daz wir leben mit dem sune und in
dem sune und durch den sun'; wan alle, die da niht. lebent durch den sun,
den ist wrerliche unreht. · 5
Swa m1 wrere ein richer künk, der d,a hrete eine schrene tohter, g~be er
20 die eines armen mannes sune, alle die ze dem geslehte hörten, die würden
da von erhrehet und gewirdiget. Nu sprichet ein meister 1 : got ist mensche
1-4 1 loh. 4,9; vgl. oben S. ??.
Zuroeisung: Eberhart (vor d.Anfang d. Predigt amSdiluf! d. voraufgehenden Zeile) Bra8
sermo Eghart (am Sailuf! der ersten Zeile, in Rot) B1 ·

tJ b er s c h r i f t e n: An dem I sonntag nach ostren (ostren getilgt, davor: corporis xpi, rot)
Sirs Vff den ersten Sontag. nach der heiligen Treyualtigkeit oder vff W eyhnechten BT Got hat
.gesant sinen eiboren / svn in die welt (rot, im Text) B1 '

1 In .hoc bis nobis.] In hoc apparuit caritas dei nobis E. In hoc apparuitStr8 In hoc appartuit(/J
karitas (folgt v. a. Hd.:) stat am thauleri am blalt ccLxvij Mai 1 I (Initiale) hoc apparuit Bra•
fehlt Ba.bMai5BrasM2N• Vff den ersten Sontag nach der heiligen Treyualtigkeit oder vff Weyh-
nechten. Wie durch die inenschwerdung Christi vnser natur so vnsprechlich hochgewirdiget vnnd
begabt ist / Von dreyen dingen die dem menschen not seind / der in bloszheit gl>tlicher natur
bestan sol / Das ist / er musz aller personen auszgegangen sein / reynes hertzen sein / vnd
alles nichts blosz stan / vnd das allein das Nicht / in der hell brünt. Item das der mensch vsser
seim innersten eignen grund würra:en sol alle sein werra: / on alles warumb. Vnd das Gott nit
Il).e von vnsz begert / dann das wir vnser selbs vszgangen in creaturlicher weisz (266va) vnd
lassent got / got in vns sein. Item ein frag/ ob der frey will desz menschen (der also vnberürt
von aller geschaffenheit ledig stat) (Klammern in BT) auch zu zeiten also verfliesse das er nymmer
mög widerkommen.. Gesetzt anfenglich vff die wort / so ausz der heutigen Epistel genommen
seind I. Jo. III. In hoc apparuit charitas dei in nobis quoniam filium suum vnigenitum misit
.deus in mundum / vt viuamus per eum. BT 2 'In dem E. BT Ba2 bN• Diz wort sprichet sant
(sant fehlt Bra.Mai1) Johannes An dem a,_ Sand Johannes spricht an dem M2 Johannes spricht in
siner Epistel In disem Bra8 In bis wan J In qisem ist erzöigt die minne gottes vnd erschinen
jn. vns daz daz Bras und bis wan] gotes minn vnd· an vns erschinen das M2 vnd erscheinen
die mynne gottes wan N. gotes fehlt Mai1 (vor mynne über d. Zeile v; and. Hand: die) an
uns,] in uns a,_Bra 8 fehlt N2 (sieh oben) got aBTBa2bN2 er PfE. 3 die] dis Bras werlt,
daz wir aBTBa2bN• welt durch daz, daz wir PfE. · · leben bis 4 den sun';] lebten durch jn
das ist mit im vnd in im. BT 3 und fehlt a,_ 4 und fehlt a,_ durch den sun'; BrasM2
nvt durch den svn E. durch den sun nach dem sune a,_ nach dem sun vnd dur<h den sun N.
und durch bis 5 unreht. fehlt Ba2 b 4 wan a fehlt PfE2 wan bis 5 uiireht. fehlt BT Ba•b
4 niht fehlt E9 wan bis sun,] wann alle die welt (welt getilgt) da nit leben durch (durch
getilgt, darü"l,Jer von and. Hand: jn) dem sun. wann alle die da nit lebent durch den su~ (Der
Schreiber ist also zurückgeglitten.) Mai 1 durch den s1ii:1] nach dem sun vnd durch den sun N2
5 wrerliche] verliehen Bras 6 Swä] waii StrsMai1 wan Mai 5N2 nu] nun (getilgt) Mai,.
ri&er J rehter Bra 8 Mai 1 fehlt M2 · · schrene fehlt M. · 6f. grebe er die BT N.ai und grebe
er die Ba.bBra8 M2 unde die gebe PfE2 7 eines j airie M2 ainem Bras mannes]ma~ Braa
die ze] die nu zuo Ba2b die den zu N2 die denn zu Bras dem j 'tlisem Bras dem auf d. linken
Rand v. ders. Hand nachgetragen E 2 . geslehte bö~ten,] geschlecht desz a.rmtm gehl>rtten BT

8 erhrehet E2 BT Ba.l!M• gehrehet'aiBra, da von bis gewirdiget,J cfätton gefrewet vnd gewirdiget
vnd geho&et N~ - sprichet ein meister :}spricht ai:ner maister Bras: sprechen die lerer N. _··
·1 Zu Z.Bff.sieh obenS.?? zuZ.11~1?u. die.dort aufgeführt.P~rallelen. Vgi. Thomas, III q.5? a;5.

85
Predigt 5h

worden, da von ist erhrehet und gewirdiget ·allez menschlich künne. Des mügen
wir uns wol yröuwen, daz Kristus, unser bruoder, ist gevarn von eigener ·kraft
über alle krere der engel und sitzet ze der rehte:ri. haut des vaters. Dirre meister 25

hat wol gesprochen; aber wrerliche, ich grebe niht vil dar umbe. Waz hülfe
5 mich, hrete ich einen bruoder, der da wrere ein richer man und wrere ich da
bi ein armer man? ·Waz hülfe mich, hrete ich ei.µen bruoder; der da wrere ein
wiser man, und wrere ich da .bi ein tore?
Ich spriche ein anderz und spriche ein nreherz: got ist niht aleine mensche
worden, mer: er
hat menschliche nature an sich genomen 1• so
10 Ez sprechent die meister gemeinlich, daz alle menschen sint glich edele
in der nature 2• Aber. ich ·spriche wrerliche: allez daz guot, daz alle heiligen
besezzen hant und Maria, gotes muoter, und Kristus ~ach siner mensch,eit, daz
1 da von bis allez] ·da von ist .erhöcht worden alles vnd gewirdiget alles Bra8 dauon ge·
hochet vnd ·gewirdigt ist N. erhrehet E.Ba,ibBra8 gehrehet a.M.N. gehöhert BT und
gewirdiget]werden Mai1 .künne] gesleht M2BTN. könden Mai5 kinde Mai1 Des] vnd
des Ba,ib 2 Kristus, bis gevarn] xpc gottes su:ne vnser hr.uoder ist vnt geuaren ist Ba,b
.unser hruoder,] unser houbet BrasM• ist gevarn] ist worden Bras ist gefüret Bra. worden .
ist gefürt Mai5 gevarn fehlt Strs (Seitenroedisell Dafür zu Beginn der neuen Seite f. 10?r über d.
Zeile von and. Hand: vfi erhöcht) Mai1 (auf d. linken Rand von .and. Hand: gefaren) von
eigeµer kraft BT Ba.ba1 mit eigener kraft BrasM• von siner eigener kraft PfE. hruoder bis
kraft] pruder mit eygne:r craft ist auf gefaren N2 3 alle die krere a.M. siezen Str8 Mai1
r.ehten] gerechten StrsMai1 hant fehlt M. des E2BT Bras sines a1Ba2b seines himlischen
M2 gottes des N. Dirre] der M. 4, gesprochen; aber] gesprochen ·vnd ist ·ouch war .Aber
Bras wrerliche, fehlt N. niht vil] wenic a1 5 mich fehlt Mai1 hrete (das het N.)
ich. einen hruoder (ein reichen bruder N.) E. BT Baob N•. daz ich hrete einen bruoder a,. daz ich
einen bruoder hrete BrasM2 5f. ·und (fehlt Mai1) wrere ich da bi ein armer man? Waz hülfe
mich (hilff es mich Mai1), hrete ich einen. (ich da .einen Str8 Mai1) bruoder, der da wrere ein wiser
man, und wrere ich da bi ein töre? BT Ba,bStr8Mai1Mai5 vnd wlir. ich da 1;,y arm wz. hulfe mich
das min hruder wis wlir vnd ich ain tor Bra. vnd ich wer do 'pey. ain armer man was hulff
mich das ich ainen brueder hiet der do wer ain weiser man vnd ich wer ain tore M2 vnd ich
wlir ain armer man oder waz .hulfi mich daz min bruder wari ain wiser man vnd ich wlir ai'n.
tor / waz hilft mich alles daz xpus hat von natur vnd verdienter glibi jnen der gnaden wa:ii
er hett gnad an masse den andren gnad ze geben warent (f. ?6r} Ich glib nit vil
dar vmb Bra8
vnd ich da pey arm wer was hulf mir het ich einen weisen bruder vnd ich do bey ein tor wer
N2 und ich ein arme (ein arme] arm E2), er wise und ich ein töre? ptE. 8 und sptiche]
spriche fehlt PfE2 BT und bis nreherz: fehlt Ba,ibMai1 9 mer: E2Ba2b sunder aBTN. er
fehlt N. menschliche] menschen E2 10 gemainkleich M. gemeinklich N. sint] seind
BT sin Pf sein M2 glich] gemain Mai1 11 Ah~r] vnt Ba2b wrerliche a,.Bra 8 Ba2bBT
gewerlich PfE2M2 fehlt N. heiligen] heylige (li über d. Zeile nadigetragen) mensch·en N.
12 besezzen fehlt BrasM• Kristus] Kristus selber a1 xpus selb Bras siner] der .Bra8
1 Vgl. Ser.m. XX n. 199: Vere enim christianus a Christo habet omnem hominem aequaliter

ut se ipsum, quia Christus naturam assumpsit, non personam. Pf. S. 622,14f.; Langenberg
S. 202,25f.. 2 Mit Z. 10f. vgl. Pf. S. 56;1'3ff, ;. 56,25/f.; 5?,9ff.; 22'3,Bff.; 250,l?ff.; '306,2Bff.; 158,'36ff,;

622,10f.; 6?9,'36f. Die spezifisdie Gleidiheit der Mensdien ist nadi Thomas verträglidi mit ei.ner
substantiellen Ungleidiheit der mensdilidJ,en Seelen, die aus der Versdiiedenheit der Materie her-
ruhrt: II Sent, d. J2 q. 2 a. .'J, Vgl. R. Klingseis, Eine metaphysisdie Frage zur differenziellen
Psydiologie hei den mittelalterlidien Sdiolastikem (Baeumkers Beiträge II. Suppt-Band, Manster,
192'3, s. 14?.:...159). · .

86
In hoc apparuit

a5 ist min eigen in dirre nature 1• Nu möhtet ir mich vragen 2 : sit ich in dirre
nature han allez, daz Kristus nach siner menscheit geleisten mac, wa ,von ist
danne, daz wir Kristum hrehen und wirdigen als unsern herren und unsern
got? Daz ist da von, wan er ist gewesen ein bote von gote ze uns und hat
.uns zuo getragen unser srelicheit. Diu srelicheit, die er uns zuo truoc, diu was 5
unser. Da 3 der vater sinen sun gebirt in dem innersten grunde, da hat ein
a5,5 insweben disiu nature. Disiu nature ist ein und einvaHic. Hie mac wol etwaz
uzluogen und iht zuohangen, daz ist diz eine niht.
Jch spriche ein ·anderz und spriche ein swrererz: swer in der blözheit dirre
nature ane mitel sol bestan, der .muoz aller persönen uzgegangen sin, also 10
10 daz er dem menschen, der jensit mers 4 ist, den er mit ougen nie gesach, daz

1 min] in E2 dirre E2 BT Ba2b der aN2 Nu bis vragen :'] Nu moechti der mensche
fragen Ba2b Nu mocht man sprechen oder fragen N2 sit bis 2 allez,] sider ich nun jn diser
natur / ich han aÜes Bras 1 dirre 2 ] der SiraMai,MaioM2N2 2 han fehlt Mo allez
daz, daz PfE2 (1 daz ist auf d. Rand v. ders. Hand nachgetragen) Kristus nach] xpüs hat
vnd nach Braa nach siner menscheit] nach 'menschlicher nature (nature fehlt Bra2) a,_ Kristus
geleisten mac nach siner menscheit Ba2bN2 wa] won Bra2 2f. ist daz. daz wir denn
xpfii Bra3 3 hrehen] hören.ET laisten (v. and. Hand korrigiert in: höhen) Mai 1 3f. vnd
als vnser got Braa 4 wan fehlt Bra2 · bote] got Mai• wan bis bote] wan er ist der
erste vsbruch von dem vater jn dem der vatter vns bekennt hat ewenklich als in sine aigne
bilde vnd daz spricht sanctus paulus daz er sigi der erste geboren in vil brudern Dar vmb ist
er gewesen ain bott der gesent ist Braa ze] her zuo Ba2b 5 uns zuo fehU M2 zuo
getragen] getragen zu Braa g·ezaiget Bra2 zuo fehUN2 (M2) Diu srel!cheit Ba2bStr.Mai,Bra2BraaM2
Ja die selbig selikeit BT fehlt Mai 5 N2 (Homöoteleuton!) er fehlt E2 6 sinen] den a,
in bis grunde,] nach dem innigesten gr. a 1 grunde, da hat] grund die sälikait besiczt niemant
denne jn dem sun vnd der sun in dem ainvaltigen grund da hett Bra 3 7 Disiu (Diser BTa
Dise BTb) nature BT Ba2bM2Bra2Sir8 Mai, Disiu selbe nature PfE2 fehlt Mai.Bras (Homöoteleuton!)
7 insweben bis ein l insweben dicz nature der naturen ist ein N2 ein und fehlt Maio ein-
feltig ein (ein v. and. Hd. über d. Zeile nachgetragen) Hie N 2 Hie bis 8 niht. fehlt Ba2b 7 mag
man wol M2 8 uzluogen (aufflugen Mai,) und iht zuohangen (und iht zuohangen fehlt N2),
daz ist diz eine (eine fehlt Maia) niht (Das ist aber ein nicht N2), E2 BT N2a,. uzluogen (aus bogen
M2), daz ist niht daz eine (aine Bra3 ), und niht zuohangen (zu hanget Bras), daz diz niht enist.
M2Bra3 9 Ich bis swrererz: J Nu spricht .der meister Ba~b ein anderz] es anders Mo
ein nechners N2 spriche 2 fehlt a1 . swrerez Sir.Mai,MaioE2 in der] ain Braa in dirre
a 1 der.fehlt M2 dirre] der Str8 Mai 1 Mai5N2 fehlt Mo 10 nature] vater Mai, ane
mitel fehlt BT ane bis bestän,] wil bestan ane mittele Ba2b alsö bis 88, 1 güilne] also
musz der mensch dem (dem v. and. Hand auf d. linken Rand nachgetragen) der enhalb mers ist
den er mit augen nye geschech (über d. 2. e steht a v. and. Hand.) als wol guttes gunnen N2
10f. also das das er Sir8 11 dem 1 den E2Ba2b jensit mers E2] ienet mers Sirs enent
mers Mai 1 enend dem mer Bra2Maia ennent mers Ba2b halb desz mers BTa enhalb ·des meers
BTb enhalb dez mers M2 ie hab des meres Bfaa enhalb m.ers N2 mit ougenl mit den ogen
Brn3 fehlt Bra 2 · 11f. däz er dem a,BraaBT Ba2b fehlt PfE2M2 (N, sieh oben) 11. gesach]
geschach Ba2b

1 Mit 86,11-oben z. 1 vgl. oben S. ?? .zu Z. 11-1? · und die dort verzeichneten Parnlfolen,
2·Mit Z; 1-88,5 vgl. oben ,S. ??,?-1?. 3 Vor Dä scheint mir der Text lückenhaft zu sein, da

im folgenden· von der Sohnsgeburt die Rede ist, ohne dafl dieses Thema irgendroie vorbereitet roäre.
' Vgl .. Pf. S. 25'?,11 ;. 80,32; 193,1}.

. 8'7
Predigt 5b

er dem . also wol guotes günne als'. dem menschen, der bi im is.t und sin heimlich
v:riunt ist. Al die wile du dfoer personen i:n~r guotes gan:st dan dem menschen,
den du nie gesrehe, so ist dir wrerliche unreht noch du geluögtest nie in disen
· einvaltigen grunt einen ougenblik. Du hast aber wol gesehen in einem ab„ 1.
5 gezogenen bilde die warheit in einem glichn1sse: ez was aber daz beste niht 1•
Ze dem andern male solt du reines herzen sin, wan daz herze ist aleine
reine, daz alle geschaffenheit vernihtet hatz. Ze dem dritten male solt du nihtes
bloz stan. Ez ist ein vrage, waz in der helle brinne? Die meister sprechent 20

genieinliche: daz tuot eigener wille 3• Aber ich spriche wrerliche, daz niht in
10 der helle brinnet. Nu nim eip. glichnisse 4 ! Man neme einen brinnenden koln
1 guoter Mai5 günne] gan Ba2 0 BT mensdien, aBTBa2 0 fehlt PfE2N2 der bi
BT Ba2ba,. der hie bi BrasM2 bi b.is und fehlt E. der bi im ist} den er bey im hett (über e von
and. Hand a) N. im] mir Braa 1f. siner haimlidier frunde Bra, 2 Al] Ja alle Braa
ja alle M, mer fehlt Bras deml den Mai1Ba. 0 3 den] die Ba, 0 denne den Braa
gesrehe, sö] gesehe ob er eht got lieber hat denn du so S1 dir fehlt Bra8 wrerlidie
fehlt E.. vni:eht vnd du gelugtest nodi nie in' S1 gelugest N2 noch bis 4 grunt]
Wann du irrest mer in disem ainfaltigen grund M2 3 nodi bis 4 ougenblik. fehlt a,. 3 nodi
du] vnd BT. geluogtest] gelugest N2 gesädit Braa nie] audi nodi nye BT me m
disen.] nie redite in disem Braa disem E2 3f. disen einvalUgen grunt] diseri grunt der
einfaltigen nature N2 4. einen BT Ba. 0BrasM2N2S1 e einen PfE2 Du häst bis 92,6 wijrke.
fehlt Ba.0 4 Du bis gesehen] Wiewol du villeidit gesehen hast BT gesehen bis 5. glidi-
nisse ;] gesedien die warhait in ainem abgezogen bilde jn ainer glidinusse. Bra8 die warheit
wol gesehen in einem abgeczogem pilde jn einer geleidinus N2 5 wärheit als in PfE2
ez was aber (es ist ader Braa) daz beste (dasselb M,) niht. (niht fehlt Bras), E. BT N2BrasM2 er ist
es als nit a1 6 Ze · bis mäle] ödi S1 mäle Pf fehlt M2 BT du aines rainen hertzen Bra8
reines bis 7 nihtes fehlt N2 (abgeglitten!) 6 wan] und BrasM2S1 herze fehlt Bra8 M2
aleiue fehlt a1 7 Ze bis 8 stän.] ödi wellent ir volkomen sin so sullent ir des uihtes blos
sin S1 7 dritten fehlt Bras mäle fehlt Pf M2 BT nihtes (nit Braa nidit getilgt Mai 5
· uihtes fehlt N2) blöz E2 BTN2BrasM,Mai~S1 niht als blöz Bra.StraMai1 · 8 Ez bis 89,7 idi: fehlt S1
8 prinuet N2 9 gemeinlidie (gemainkleidi M, gewärlidi Bra3): daz tuot (thu BT} E, BT N.
Bra 8 M2 fehlt a1 Aber bis 89,10 viur. fehlt Mai5 (Homöoteleuton!) daz niht bis 10 brinnet.J
das in der hell nidit print eyguer wille N2 9 niht] niditz M, fehlt Braa 10 brinnet.J
brinne Bra. brvnne E2 brinent Mai1 prynn M2 10f. Nu nim ein glidinisse (danne nit ein
glidi E, Vnd desz menkent ein gleidinisz BTJ!Man :rieme einen brin11enden koln und lege in
uf mine hant. E2 BT Nu nim ein glidinisse l Idi nime (nem Bra,) einen brinneriden (geli\genden
Bra2) koln und lege (lete Bra, lät Str8 Mai 1 [lät> läg korrigiert]) in uf mine hant, Bra2Slr8 Mai 1
Ein glidinisse mac miin, nemen. Der einen. glüejeiiden köln uI mine hant (auf ain hant M2) leit,
. BraaM, Ein gekidinus mag man nemen :Qer einen brynnenden kolen nem vnd legt den auf ein
· hant (Zwisdien ein und hant ist spr du'rdigestri(fhen und darüber v. and. Hand mein gesdirieben) N2

1 Mit 8?,9-oben i ..5 vgl. oben S, 6? zu Z. 5ff. und die dort verz,eidinet_en Parallelen. · 2 Mit
.z, 6f. vgl. oben S. SO;?ff. Der vorliegende Text kann m .. E. wieder nidit vollständig und ur-
spruni!,lidi sein, da. durch nidits 'angedeutet · ist, da{l der Prediger an dieser Stelle sidi über das
mundum des Sdirifttextes ausläßt, das er zu mundum = 'rein' umdeutet, mie das aus der ent-
spredienden Stelle in Fassung a deutlidi wird. Ebenso sidier sdieint mir, dafl unten S. 94,4 Alliti
_:~5 niht-hinter hat oben t; 7·gehiirt, wo seine--.Entsprediun/5 in der Fassung. a tatsädilidi steht;
vgl. meine Ausführungen ZfdPh 60 S. 183. - 8 Vgl.- Thomas Sappl. q. ?O a. 3: (ig:nis)

:retardans eum (sctl. spiritum) ab executione propriae voluntatis: Vgl. audi'Theologia Deutsch
S. 3?,42f.: Wann eß prinnet niditß yn der hell dann eygener willn. 4 Mit. Z.10-90,2 vgl. oben
In boc apparuit

und lege in uf mine harrt. Sprreche ich, daz der kol mine hantbrante, so trete
ich im gar unreht. Sol aber ich eigenliche sprechen, waz mich brenne: ·daz tuot
25 daz riiht, wan der kol etwaz in im hat, des min harrt niht enhat. Sehet, daz
selbe niht brennet mich. Hrete aber min harrt allez daz in ir, daz der kol ist
ünd geleisten mac, so hrete si viures nature zemale .. Der danne nreme allez 5
daz viur, daz ie gebraute, und schutte ez uf mine hant, daz niöhte mich niht
ao gepinigen. Ze glicher wise also spriche ich: wan got und alle die, die in dem
angesihte gotes sint, nach rehter srelicheit etwaz inne hant, daz die niht hant,
die von gote gesundert sint, daz niht aleine piniget die seien me, die in der
helle sint, dan eigener wille oder kein viur:. Icn spriche wrerliche: als vil dir 10

1 Sprreche] und sprreche SlrsMai1Bra2 ich nun daz Bra. daz bis trete ich] das mich
der koll prent ich tet N2 1f. s6 trete ich (ich tet N2 ) im gar (gar fehlt M2) umeht (ich nun
vmecht Bra.). E2 ET N2BrasM2 ich rette (riete, i radiert Mai1) im unreht zuo (zuo getilgt Mai 1)
Str,Mai1Bra2 2 aber fehlt Bras aigenlicher Bra2 brenne] brennet Bra8 prennet N2
prante M2 brennen E2 daz] s6 spriche ich (ich fehlt Bra2), daz Sir8 Mai1Bra 2 3 daz 1
fehlt BraaN2 in im] jne Sir, jnnen Mai, inn Bra 2BT des J daz M2 Sehet,] vnd N2
fehlt E2 4 mich. Hocte] mich vnd hiet M2 mich hie Bra 3 hand in sich alles das BT
in ir, daz] in sich zogen das StraMai1Bra2 5 und geleisten mac, fehlt N2 zemäle. Der]
zumall jn ir der N2 6 daz ie gebraute,] daz ich ie gesach, Bra3 M2 schutte ez] schüttet
es Sir, schvtte es Bra2 schitet es Mai 1 es ... schint Bra 3 daz 3 ] ez Bra 8 M2 mich fehlt Bra3
7 gepinigen] gebi,nden (? getilgt, auf dem Rand Don and. Hand: gepinigen) Mai 1 geprennen N2
wise fehlt M2 also fehlt Str.Mai1Bra2M2 wan] von Mai 1 ?f. die in gotes angesihte
Str.Mai1Bra2 dem angesihte] der angesicht N2 M2 S1 der gesichte Bra3 8 nach ya rechter N2
nach bis hänt,] die hant nach rehter selikeit ettwz inn S1 rehter fehlt E 2 inne] in in
Pf E2 hat 1 Bra. daz die] des die Bras die dez N2 ·der dy M2 9 besundert Bra 2
sind vnd das N2 sint wann das S1 Dz selb nicht BTb das selb (selb auf dem Rand Don and.
Hand) nit (nit > nicht Don and. Hand) Mai1 piniget] brenn et N2 dise sele S1 me
bis 10 viur. fehlt S1 ·10 dan bis kein fehlt Bra 3 oder] und Str.Mai1Bra2 oder kein
viur. fehlt N2 Ich spriche wrerliche:] dar vmb S1 vil] verre a 1

S. 80,15-1? und meine Bemerkungen über den Kohle-HandDergleidi in den beiden Fassungen
ZfdPh 60 S. 182. Das niht 88,9 ist SubstantiD: ,,Aber ich sage fürwahr, dafl das Nidits in der Hölle
brennt." Vgl. Z. J. Der Kohle-HandDergleidi in der hier Dorliegenden Fassung steht in einer. fälsdi-
lidi einem.Eberhard v. E brach zugesmriebenen Spruchsammlung, die in einer großen Anz.ahl
von Hss. überliefert ist (Dgl. Spam er PBB '34 S. '32? und S. 419 ). Der Sprudi entspridit mit ziemlidi
übereinstimmendem Text dem obigen Stück 88;10-oben Z.10. Er lautet nach Karlsruhe, St. Georgen
LXXVIII f. 1'34i: wasz die verdampten prenne in der .helle (rote Vbersdirift) Legest dw ainen
gluenden kollenn auf dein / hant vnd sprechest dw das dich (Hs. sich) der verprenne / so test
dw werlich vnrecht svnder (Hs.: svnd,et? radiert) der kol hat et / was in Jm von nature des
dein hant nicht hat / das selbe nicht prennet dich vnd nicht der kolle / auch das die seligen
(Hs.: selbigen) ewige frewde habent vnd / die verdamten nicht das selb nicht quellet sy / mer
dan all hellische pein. über das 'Nidits' der Kreatur und die Eigenliebe vgl. Serm. XIX. n. 18?:
Ubi nota quod amor sui sive creaturae universaliter radix est et causa omriis mali, privationis
omnis · boni sive perfectionis universaliter ... N am cum oinne bonum sit animae et omni crea-
turae ab extra, ab alio, non a se ipsa, conversio super se est conversio super tenebras .sive
supe,r nihil, <nihH) habens lucis sive ·bonitatis. Vgl. auch Serm. XXXI n. J2'J: · Rursus, cutn . nihilo
· nihil commuI1e, id est aliena ab omni nihilo, id est habente nihil sive privationem aut etiam
negationem admixtam, qualis sit vel est omnis creatura.

89
Predigt 5h -

niht zuo haftet, als verre bist du unvolkomen. Her umbe wellet ir volkomen 115
sin, so sult ir nihtes blo:z; sin 1.
Her. umbe sprichet daz wörtelin, daz ich vür geleit han :. 'got hat gesant
sinen· einbornen sun in die wei::lt'; daz sult ir 11iht verstan vür die uzwendige
5 werlt, als er mit uns a.z und trank: ir sult ez verstan vür die inner werlt 2•
Als. wrerliche der vater in: sinereinvaltigen iulture gebirt sinen sun natiurliche, ,o
als gewrerliche gebitt er in in .d~s 'geistes innigestez, 11.nd diz istdiu inner , •
werlt s, Hie ist gotes grunt min grtmt und min grunt goles grunt 4• Hie lebe
ich u~er mfuem eigen, als got ·lebet U:Z:er sinem eigen 5• Swer. in di.sen grunt
10 ie geluogete einen ouge11blik; dem mensche11 sint tusent mark rotes geslagenen
goldes als ein valscher haller 6• Üzer disem innersten g'runde solt du würken 66,5
alliu diniu werk sunder warumbe 7, · Ich spriche wrerliche: al di<r wile du
• • • 1

3f. Vgl. oben S. 85,2ft,


1 nihtes 81 verre] vil N2 haftet, ] hilffet Bra8 unvolkomen] nit vollecomen
E2 Her umbe bis 5 werlt. fehlt S1 1 Her umbe] Dar umbe N.M. hörent SfraMai1
h&rend Bra2 herend Mai5 · tf. wellet ir •.• sult ir] wilt dv .... sott dv· E2 1 ir fehlt Bras
· 2 ir fehlt No nihtes bloz] nit ze blos Bra3 niht ( getilgt Mai 6 ; nit durdigestridien, darüber
von and; Hand: icht Str8 ) als blöz q. sinl stan N2 3 Darumb BT Her umbe bis
hän:] Darumb sprich ich. das wort das ich vor gesprochen han N2 wort E2 für het
gelet Str3 für het gelät Mai1 für han geleit Brao vo.r han geset Mai. 4 die1 ] dis Bra2 disze
N• .sin StraMai1Mair; .niht also verstän Br'a8 M, 4f. vür die uzwendige werlt; E. BT for
dicz ausser werlt No in .die uzer werlt a1 aleine in die uzer werlt Bra.M,; 5 als bis werlt.
fehlt Mai5Bra2 (Homöoteleuton!) als das er as vnd tranck M2 irl mer ir Bra8 M, ,sunder
ir N2 · es also verstan Bras verstän fehlt Mo vür] auch für M2 jn N2 6 Als]
Wan als BrasMo wrerliche] wär ich Bra. in bis n~tiurliche,] sin einbornen surr in siner
einfältiger natur gebirt naturlichen S1 in] mit PfE. einvaltigen .fehlt Bras seinen
naturlichen sun N2 7 er in in des geistes innigestez (innigiste Bras innigestem· B1P1), E2
BT B1PiBras er in in des gaistes jnigosten grunde StraMai1 er in in des gaistes innigosten grund
Bra2 er jn des gaistes jnerstes grund Mai 5 jn (er fehlt) jn de~ grunt des geistes N2 er in jn
aine andemtigem menschen M2 diz bis 8 werlt. fehlt S, · 7 diz] daz M2 ·7f. diu
inner werlt] di!l ineriste (? korrigiert aus ?) gepurt N2 7 inner] myner M2 vnrain (vn
radiert) Braa 8 min grunt 1 fehlt M2 (Homöoteleuton!) und min grunt gotes (grund ist
gottes Braa) grunt. E2 BT B1P1N2BrasM2 fehlt a, (in Mai1 von and, Hand auf d. unt.' Rand nad,,-
getragen) 9 uzer 1 fehlt StraMai1 (in Mai1 ausz von and. Hand auf dem Rand nadigetragen)
eigen, bis eigen. fehlt N. (Statt dessen ist auf d. Rand von and. Hand nadigetragen: vnd seine
grunt der der nit den eins ist) disem E2 10 ie fehlt BT geluogete (gesach
Bras geh1get P1 gelieget B1 gele~gett ·N2 h1gte BT) einen E2BtP1NoBra 3M2 geluoget mit einem a 1
ougenblik,] ainigen blik Bra. · dem] demselben M2 sinf] ist N. rotes fehlt M2
rotes geslagenen fehlt E2N2S1Mai1 geslageneii. fehlt Str3 Brl¼Mai• 11 Uzer] Und uz(er) ·di
innersten] jnbristigen Mai, einvaltigen BrasM2 fehlt N2 (Zeilenroedisel!) 12 sunder warumbe]
on alles warumb BT sunder ( getilgt, darüber von and. Hand: on als) warum Mai 1 · sprach.
B1 · wrerliche] fehlt S1 · al 'die wile] als lange BraiiM2 · ·
1 Vgl. oben S. 88;?f.; roeiter Pf. S. 41,6ft,; 469,15ff, 2 M# Z. J-5 vgl, oben S. ?9,9ff. über
· die innere und die ä.u/lere Welt vgl. Pf. S. 90,JO; 166,J5ff,/40ff.; Pa,:. pn. S, 120,29. . 3 Mit Z. 6-:-8
ußl. oben S. J2;6ff. und S. ?2,Bff. und die an beiden Stellen aufgerc,ie:;enen P(trallelen,, Vgl. ,veifer
.Pf. S. 166,'}5ff.; J99,39ff.. 4 ' Vgl. Pf. ·S. 46?,15; J99;'J4ff, '39ff.; Jun dt S, 261,6ff, ': . 5 Vgl, oben
S. 80,ZJ~Bt,4 und die angegebenen Parallelen; ·,veifor Pf. S. 'JOÜBf. 6 Ähnlidi Pf. S. 65,,Üf.;

1'36,'J'Jf.; Tau l er S, 68,5f. • Vgl, oben S, 80f. Anm. 8 und· die dort JJ,ufgezeigten Paralle,l_e,TJ,.

90
I~ hoc _apparuit

diniu w.erk würkest umhe ·himelriche oder umbe .got oder umbe din ewige
srelicheit von uzen zuo, so ist dir wrerliche. unreht 1• Man mac dich aber wol
10 liden, doch ist ez daz beste niht. W a~ wrerliche, swer gotes me wrenet bekm:µen
in innerkeit, in andaht, in süezicheit· und in sunderlicher zuovüegunge dan bi
dem viure oder in dem stalle, so tuost du niht anders dan ob du got nremest 5
u~d wündest im einen mantel umbe daz houbet ,und stiezest in under einen
15 bänk 2• Wan swer got suochet in .wise, der nimet die wise und lat got, der in
der wise verborgen ist. Aber swer got ·suochet ane wise, der nimet in, als er
in . im selher ist; und der me_nsche lebet mit dem sune, und er ist daz leben
seihe. Swer daz leben vragete tiisent jar: Wllr u~be lebest du? solte ez ant- 10

1 diniu werk fehlt E. liimel N2 daz himelrich Bra8 got] gut M2 oder•
bis 2 srelidi.eit fehlt S1. 1 din ewige fehlt E.s die ewigen a,_ din eigen BiP1 2 von uzen
zuo, fehlt a,_ wrerliche fehlt E2S1 Man] wann: man M2 aber fehlt E2P1N2 dich]
dik Br~• dick Maio 3 doch ist ez] ez ist aber a1N2 · doch bis niht. fehltS1 niht.
fehlt B1 W an] vnd S1 wrerliche, fehlt N2S1 gotes] got N2Mai1 3f. bekomen
(bekennen E.a;,, gekommen Bras) in innerkeit (inwendikeit B1Pi), E2BtPiM2BrasS1a1 gewinnen
~oder i:n (in über d. Zeile) jnnikeit N2 bekommen oder zu genfossen in innikeit BT 4 oder in
andacht oder in sussidi.eit oder jn sunderlich zufugunge N2 und in andaht a1B1P1 BT oder
in an:daht oder in BraaM2 und in andacht und in BT B,Pi und in sunderlicher zuovüegunge]
oder in sinnleichait zufliegend· M. und] oder S, zuovüegunge] zugange Mai, bi] pin Bra8
3 viure oder] fure in der kudi.e oder S1 .stalle] flammen Bra2 stalle; bis 6 wündest]
stau oder an dem marckt der tut vnrecht (aur dem Rand von and .. Hand: vnd tut) als der gott
neme vnd bunde N2 5 ob] als Mai, also M2 daz Bra8 nremest]' stainest Braa 6 und
bis.houbet] vnd ime einen mantel vmbe wndest Eo vnd wundest im ainen (Zroisdien im. und
· ainen ist in über d. Zeile getilgt;) mantel vmb das hopt Str8 vnd findest (findest getilgt, auf d.
Rand v. and. Hand: winst) jn jn (2. jn v. and. Hand auf d. Rande) ainem mantel vmb das habt
Mait vnd jn wundest jn ainen mantel vmb dz hobt Mai. vnd im wundist (Zeilenende!) vmb das
hopt Bra2 . 6 wündest] bindest M2 windest Braa im] in Mo daz] sin Braa stiezest
E2 S1 BT a,_ (stiesset Mai 5) stosset Braa leget N2 stekest Mo statest P, stahtist Pf B, einen]
die N2 7 Wan bis 8 Aber fehlt Mo 7 Wari. fehlt a,_ suodi.et] nymet N2 der
nimet bis wise fehlt Bra8 Mai 1 (Homöoteleuton!). · nimet] mynnet Sfra ,f. der in der
wise] in dem er StrsMaioBra2 der (v. and. Hand über _d. Zeile) jn der (r v. and. Hand auf Rasut)
weisz (v. and. Hand auf Rasur) Mai, 8 Aber bis suochet] wer (getilgt) abir(v. and.Hand
aus ?} .go(suchen Mai; wer aber got suochet Str8 Mai.Bra2 suochet äne] suchent ist sunder
N2 nimet] myiiet Str8 Mai 1 vindet Bra2 Bra8 M2 in] gott N2 9 in im] an im S1
und1 fehlt ·BT · · und 1 bi.s 92,6 würke. fehlt Si 9 mH bis ist] mit dem (dem rot durdi-
strjdien, auf d. Rand v. and. Hand rot: jm) vii ist Mai 5 er fehlt a,N2P1 10 Swer daz
(daz feb,lt E.B,P,) leben vrägete ttisent jär (der das tausent jar fraget N2): war umbe lebest
dti? E 2BT N2 B1 P1 M2 · SwerJeben (leben] aber Mai1) vrägete (fragit Bra2 fragotin Stra 'fragoti Mai5),
war umbe ez lebete (lebit Bra2) ttisent jär a1 wer lebet tusent jar vnd dar nach fragt war vmb
lebst du Bra8 Nun fragot ain mensch war vmb lebstu M, solte] und solte a,_ so soit M,
10f. es redi.t antwrten Eg

1 Vgl, n 58,Bi; 206,4ff. \ Mit Z. 3-? vgl. oben S. 81,tt...,c.82,10 und die aufgeführte_n
Parallelen; vgl. a~di Tau le r ·S. 22,26-/f.; 42,3ff. In der oben genannten· Sprudisaminlung ist .z. 3·-;-5
frei wiedergegeben; der Wortlaut in. Karlsruhe, St. Georgen LXXVIII f. t'J4v ist: das dw göt findest
·aHenthalbenn v;nd·wes dw / begynnest ·(rote Vbersdii'ift)./ Dw findest got an,alleli cirttenn vnd
an allen r stetten in dem stalle pey dem fewre vnd was / dw in suchest vnd wes .dw beginest

91
Predigt 5b

würten. ez sprreche niht anders wan: ich lebe dar -umb~ daz ich lebe. Daz ist
da von, wan leben lebet uzer sinem eigenen grunde und quillet uzer sinem 21}

eigen; dar umbe lebet ez ane warumbe in dem, daz ez sich selber lebet. Swer
nu vragete einen warhaften menschen, der da würket uz eigenem grunde:
5 wa~ umbe würkest du diniu werk? solte er rehte antwürteu, er sprreche niht
anders dan:, ich würke dar umbe daz ich würke 1• · 25_
Da· diu creature endet, da beginnet got ze sinne/ Nu begert got. niht nie
von dir, wan daz du din selbes uzgangest in creatiurlicher wise und lazest
got got in dir sin 2. Daz minnesfe creatiurliche bilde, daz sich iemer in dir er-

1 ez bis wan: fehlt M, sprreche] sprach B,M, anwurt Mai, wan fehlt N2Mai, (in
Mai1 am unt. Rand v. and. Hand nachgetragen) lehe1 fehlt M. leb selber dar vmb Braa
dar fehlt N2 Daz ist] dicz ist M. fehlt im Text, aufd. unt. Rand. v. and. Hand nachgetragen Mai, .
.2 leben] es N, tlzer sinem1 (sinem fehlt E2) eigenen grunde und E2BTN2B,P,M4q,,_ tlzer jm
(vsser jn jm Bra8 ) selber und Bra 8 M2 und qiiillet E2 BT B,P1M4BrasM2 vnd ·es quillet N.
und entwillet Bra2Str. (in Str3 v. and. Hand q über durdigestridienem w) vnd er (er getilgt)
qwillet'(aus willet korrigiert) Mai 1 vnd entwilet (eigenen bis 3 dar umbe v. and. Hand im Text)
Mai 5 2f. sinem eigen;] seinem aignen grimd M4 seinem aigen grunde Mai, jm selber. Nt
3 dar umbe] und dar umbe E2Mai 1 sunder dar umbe Bra,Str8 daz ez (ez fehlt E.) sich selber
lebet. E,BT B,P,M2<h daz ez jn sich selber lebet Bras das er sich selber (lebet fehlt, auf d. Rand
von and. Hand: nit wil) N. es selber lebt M4 Swer] Der Bra8 4 fraget in ainen (in ainen
bis 5 recht v. and. Hand im Text) Mai. warhaftigen B,P,BrasN2Mai5 der da fehlt E.
würket] wurkende Eo werchti Strs wihkte Brao suochet (? getilgt, auf d. Rand v. and. Hand;
wrket) Mai, tlz eigenem grunde: BT Str.Mai,BraoB,P,NoM, vs ainem aigen grund Mai. ilzer
sinem eigenen grunde PfE2BraaM4 5 würkest] suochest (suoch getilgt, darüber v.,and. Hand:
wirk) Mai, diniu werk? bis "l got•] deine grunf (? nt versdimiert) werk soltes recht ant-
'wrten es sprechent anders wann ich wurck dar vmb das ich wurck da dw antwort endt da be-
ginnet got ze nu (sinne fehlt) begert got M4 5 diniu] din Bras deine aigne werk M.
er dann recht Mo rehte fehlt N. sprach B, 6 dan] wan BT StrsBra.Bras wen Mai•
fehlt B,P, ich wü:rke 1 fehlt No "l Da diu] Swa PfE. wa die S, Es spricht ein gc'itlicher
meister da du Baoa Der meister spricht Do du Baob 'Eyn lerer sprach Da die Br4 creaturen
endent B,P,Br4 beginnei] fahet an BT · got ze sinne (sinne fehlt M4 got zu sine werch
Bra8 ). Nu E2 BT B,P.M,N2BrasM2Ba2aoBr4 got sein Nota nu Str8 Mai, got sin Nota Nvn Bra. gott
sin nun Mai• me] anders Eo 8 von dir,] von dem menschen Baoa fehlt Ba2bM4N2
wan] denn S,M4 den Mai, fehlt Mo din] dir B,P, tlzgangest fehlt Ba2b in crea-
tforlicher wise] in creatiurlicheit q,,_ in natürlich .weise M4 9 got got] got ein herren Ba2 ab
'ein got fehlt M.Bra 8 (Seitenroedisel!} M4Mai, {in Mai1 v. and. Hand auf d. Rand nadigetragen)
got in bis iemer fehlt Bra. in dir bis iemer fehlt Mais (Homöoteleuton!) in dir bis sich
fehlt N. (statt dessen. auf d. Rand v. and.. Hand: wan was. Hinter got• v. and. Hand über d. Zeile:
sein) wan das. minste Baoa minneste] mainest M, ·, niemmer.Bra~ in diril] in
, dich M,M. 9:f. erbildet BT BaiibP,StraN.S, enbildet B,M,Mai, gebildet Bras bHden MaisBrao
an sieht mit luste Ba,a bildet PfE2M4

das tu in solher / mainung als dw vor ainem alter pettest so hast / dw den selben lon. Un-
mittelbar ansdilieflend bringt die Sprudisatnmlung unter der Vbersdirift Inn welcher weis man
got sumenn sulle deri Satz 91,<' Wan~8 ist. in genauer Vberei_nstimmung; mit dem obigen
_W ortla.ut. · · ·
1 Mit 91,B;_oben Z. 6 vgl. oben S. 80,18ff. und die_ angegebenen Parallelen. • Mit Z. ?-'-9
vgl. oben. S. 80,2'Jff, ·

92
In hoc apparuit

so bildet, ·daz · ist als' gröz, als got groz ist. War mnhe ? Da hindert · ez dich eine~
ganzen gotes. Rehte da daz bilde ingat,. da muoz got wichen und alliu sin
a5 gotheit. Aber da daz bilde uzgat, da .gat got in 1• Got hegert des also sere,
daz du din selbes uzgangest in creatiurlich,er wise, als oh_ alliu sin srelicheit
dar an lige. Eya, lieber mensche, waz schadet dir, daz du gote. günnest, daz o
got gof in dir si? Ganc din selbes alzemale uz durch got, so ·gat ·got alzemale
40 sin selbes uz durch dich. Da disiu. zwei uzgarit, swaz da hlihet, daz ist ein
eiri.valtigez ein 2,. In disem ein gehirf der vater sinen sun in dem innersten

1 daz ist b.is umbe? fehlt Br„ 1 ist reht als M2Bras gröz ist. fehlt N.S,Bras als
got bis 2 gotes. J als got 'Nun ist doch daz bild der creatur geschaffen vnd ist gemessen aber got
der ist der vngemessige wie mag es als gros sin als got. daz ist daz es .dich hindret aines
gantzen gottes Bra8 · War umbe? fehlt S1 War umbe? Da] Dar umbe a,_ Dä bis einen]
dat hindert dich eynen Br4 wenn es hindert dich eins S, eines] ain Bra2 2 ganzen]
gtossen ·M. grossen ganczen S; Rehte bis 6 dir si? fehlt S, RehteJ Wan rehte PfE2Ba2a
fehlt M,i. dazJ diz PfE. fehlt M2 da• (de B, so Ba2a) muoz E2BT Ba2abB1P,a,_M„ da
gat got ilz und muoz (vs. da muss Bras) Bra8 M2 da• bis wichen] da gät got ilz N2Br4 got
fehlt B, entwichen a und bis 3 gotheit. fehlt Ba2bBr4 3 daz bilde] diz bild.e PfE2
bilde fehlt Br4 dä gät fehlt Ba2a in. Got] in. [Ez enwart in der zit nie kein bilde sö
gotlich, ·ez tilte der sele drie schadtm. Der erste irret innerkeit, der ander beflecket lu.terkeit,
der dritte schade irret ahegescheidenheit. Waz tuot min (tö.t._got min E2) sin? fliuch über dich
unde trüke alle creatilren under dich: daz tuot got din sin.] Got (die edcigen Klammern'bei Pf.)
PfE. · des] daz Bras fehlt B,P1N2M4 des also sere, fehlt Br4 sere] selb M2 4 dir selber
Bra2 als ob bis, 5 lige. fehlt Br„ 4 alliu] allei:µ BT sin fehlt E. 5 lige.] liige
Bras lege P,M. gelige B1 leg N2 lieber mensche,] gueter mensch vnd lieber M2 dir, bis
6 si?] dir du gunnist got got in dir sin Bra2 5 got sovil g&nnest BT 6 got got] ein
got fehlt Str8M.zi1B1M2M4 er got PfE2 got ein herre Ba, 0 sö bis. 7 dich.] so· wil gott zumall
sein selbs auszgen durch deinen willen N. 6 alzemäle fehlt Br4 7 sin selbes B1P,Bras
M2N2M4 -des sinen PfE2Ba2b BT fehlt a, (In Mai, ist des seinen auf den unt. Rand von and. Hand
namgetragen.) durch dich. fehlt Br4 Dä] so M. disiuJ diset Bra:. was den
d~ N2 swaz dä blihet, fehlt E2 swaz'.I war Mai5 · daz bis 8 einvaHigez ein.] daz
ainwaltiges ainige Bra8 das ist ain anuang vnd ain ainualtiges ain Mai, das ist ain ainueltiges
ist ain M4 d. i. ein eines einvaltiges ein E2 7 ist fehlt Bra2 . ist ein fehlt Mai5 8 disem
ein] disme eynen Br4 ein fehlt Braa der himelsche uater Ba2b 8f, in dem innersten
(inuesten Br4) gequelle (quelle E2Ba,0 Bras gequellen M4)'.· E2BTBa1bB1P1Br4M4N2BrasM2 in dem
wider quellent Bra.- in dem widerquellent Sirs jn dem wider k quelet/en (!) Mai, jn dem wider
g quelent {!) Mai5 ·

1 S. 92,?~oben Z. 2 findet sim auf" zroe{ Sprüdie '()erteilt in· der erroähnten SprÜmsammlung

und lautet in ller Karlsruher Hs. f.1J4v: Wa got wurcke vnd einge vnd wie der inensch (f.1J5r)
ei:µ mitteliing sey (rote Vbersmriftj. W A die kteatur sidi endet ein_ mitteling' sey da / beginnet
(Hs.: begnnet) got ze wurckenn v:nd wa dif! pilde / ausgeent da get er in wer icht anders suchet/
in seinenn werckenn dann got allain det ist ain mittellinck. f. 1'J4r: Wie die mynne / (f.1'J4v)
st kreatur den me:nschenn iret gottes (rote tJbersmrift); DJe mynnste kreatur · die sich Jmer in
dir er / pildet dew 'ist.· dir als grosz als .got war. / vmb da iret .sy .dich . eins gr.oszenn gottes. -
Hinter· Z. 'J in hat Pf. ein Plusstüdc, ·das nur :in der von. ihm zugrunde gelegten Hs. E. steht und
simer nimt in den Zusammenhang der vorliegenden Predigt hinein ..gehört.; sieh. den Varianten-
a.ppatat, vgl, 'aum Quint S~20'J zu-66,'35. •.Mit Z.'Jff. vgl. Pf. S.22,12ff,; 25,16ff.; Tauler
0 8,10,Uf.; 12,1; 426,26-/f, Vgl .. 1tudi .den Eingang von. RS. II art. 5'3.(Thery S. 259): , •• aniina
exit se · ipsam et deus in trat ipsam (et ibi generat deus suum unigeJJ,itum filium; ibi.parit ,anin;ia

93
Predigt 5b.

gequelle. Da blüejet ilz der heilige geist, und da entspringet in gote ein 'wille,
.der hehreret der sele zuo 1• Die wile der wille stat unberüeret von allen
creatilren und von aller gescha:ffenheit, so ist der ,wille vri. Kristus sprich.et:
'nieman kumet ze dem himel, wan der von dem himel komen isf. Alliu dinc s7,5

:5 sint geschaffen vo~ nihte; dar umbe ist ir rehter ursprunc niht 2; und als veq:e
sich dirre. edel wille neiget uf die creatilren, so vervliuzet er mit den creatilren
ze ihr nihte. . .
Nil ist ein vrage, ob dirre edel wille also vekvlieze, daz er nieme.r müge 10

widerkomen? Die meister sprechent gemeinliche, daz er niemer widerkome,


10 als verre er mit der zit vervlozzen ist. Aber ich spriche: sweime sich dirre

4 loh. 3,13: Et nemo ascendit in caelum, nisi qui descendit de caelo...

1 der heilige geist] de hailigem gaist M4 der heilige bis 2 zuo.] der hailig gaist
Nie (so Hs.) µaz der hailig gaist vs gangi von der sel. als von dem vatter vnd von dem sun
Aber in got enspringet ain will jn der sel der gehört der zell(so Hs.) zii Braa und]
wan B,P, vnd dz Mai5 fehlt Ba20 dä] us M4 fehlt E2Bra2Br4 ein wille] ein weil
BTa ein will BT0 ein bis 2 behreret] ein wil der warheit vnd gehort N2 2 derbe-
hreret bis wile fehlt a, (Homöoteleuton!) behreret] gehurt Br4 gehört B,P,S„ gehoret M2
höret M4 Die wile] der weil J/4 Unde die wile PfE2 fehlt N2 Br4 Die bis stät] Die wille stat
Ba2b von] vor Mai,Mai.Strs (in Strs r getilgt, darüber n v. and. Hand) allen] den BrasM2
und fehlt Ba2b 3 .und bis gesd:iaffenheit, fehlt B,P, beschaffenhait M2 _ sö] da N2
Kristus bis 4 ist.' fehlt S, 3 Kristus] Unser he:rre Jesus Kristus M4Br4 Es spricht xps
N2 sprach Bra, 4 ze dem] in den N2Bras hiin.el\2 ] hemelrich Br4 , der] wer
BraiM2 dem~ fehlt N2 5 sint] sein BT dar umbeJ dar von Bras daruon Mai,
ist nicht ir recht vrsprung N 2 is neit' der reichte vrsprund.: Br4 _ · vrsprung von nicht Bras
und als verre bis ? nihte. fehlt BT (Homöoteleuton!) 5f. und als verre sich BrasM2 vnd als
vil sich N2 vnd also sich Br4 Aber als verre sich a, Alse verre sich PfE2 und als bis 6 neiget]
- als verre als wenn sich disser aigner wil sich naiget M4 6 · dirre] der a,M2 N2 edel
fehlt S, neiget fehlt Bra.Mai5 (in Mai 5 über, d. Zeile v. and. Hand: kert) die] der Mai,
creatur S1 sö' bis creaturen fehlt in Mai1 im Text, auf d. Rand v. and. Hand nadigetragen:
so verflvszet er mit der cretvr (?) so verr flusset Braa- den] der N2S1 · ? nihte.]
nit Amen (SdilufJ d. Fragments) M4 · s Nu bis 10 ist. fehlt S, dirre (der aiN2Br4) edel
wille E2aiN.Br4 dirre wille Pf BT Bra8 de:r; w, M2 also fehlt Bra8 vervlieze] ferflu/isy
Mai5 verflusse StrsBra2 veflasze (lasze getilgt, auf d, unt. Rand D. and. Hand: flüst) Mai, daz
bis müge] ob er niht (nit über d. Zeile D. ders. Hand Mai,) müge a, Sf. müge widerkomen?]
mug komen wider vmb Bra8 wider mug kumen N2 9 gemeinicliche M2Mai,N2 - niemer
müge widerkomen Str.Bra.Mak müg niin.er wider kumen Mai, nymer_ wider 1!1Ug komen N~
.iJ.ummer weder in come Br 4 - - . io mit] in Str~Mai,- vervlozzen ist.] zerflossen ist BT0
verfleusset N. v~rv1U:sf Bi-4 - ich spdche: fehlt 81. sweime bis 95,1 wille l so er iiich S1
tof. dirre wille] der w. BrasM2N9Br,Bra9 der wile SiraMai. der will(aus weil korrigiert) Maf1

unam regene-rationem iri deo,. hoc. est spi:ritus sanctus). Vgl. roeiter Pf. S. 60;10ff.; 209,2Jff.;.62,'34ff.;
529,14-{f.; RdU S. 42,Bff. (5'?5,26ff.); 184,J6ff.;· Par. an; S,. 94,J4f.;Jundt S .. 264,19f.; 25'?,28ff. - Zu
9J,'?f, Dgl. Pf, S. 32,JOff.. ; Dgl. audi.Serm. XI n. 11'?: Quod .pertracta, et quomodo fit :unum esse
indivisum dei et aniin.ae, secundum illud: 'viv.o ego, .:iam non ego' etc.
1 Vgl. Pf. S; 2Q5;Wff, . ~ Mif Z. 4f. vgl. oben S. 80,12f. und die <fort gebotene.n Paral~
.lelen. über . <J,ie Beroerturig des Satzes ,im Vergleidi _zur pantheistisdien Fassung: abe~ .S. 80,12f.
vgl.. QuinfZfdPh. 6a S.,182{.. - ·
In hoc·.iippa±uit

wille keret· von im selber· und von aller geschaffenheit einen ougenblik wider
15 in sinei:t ersten ursprunc; da stät der wille in siner rehten vden art und ist
vri, und in diesem ougenblick.e wirt alliu verlorne zit widerbräht 1• ,. .
Die liute 13prechent dicke zuo mir: bitet vür mich .. S~ gedenke ich: war
umbe :gät . ir uz? war 11mbe blibet ir niht in iu selben U:nd grifet in iuwer 5
eigcm guot? ir traget doch alle warheit wesenlich_in iu 2•

1 besmaffenheit Ms einen ougenblik] mit einem •-0ugenblik StraMaitMai•. mit ainem


ainigen blik Bra,i wider] so kumet er wider a, fehlt S1 2 ersten fehlt PfE2Br4
da] unq. da ai sö M.N. vrieJ;L] fryhait oderj.n fryer Br.aa fehlt. N2~ 3 wirt fehlt
· Bra~ alliu] alain M2 verlorne] vergangnü Sirs vergange Mai, fehlt N. 4 Die
bis 8 Amen. fehlt S1 4 dicke] oft M11 niir: bitetJ mir gedenken( min vnd
bittent Braa mir gedenck mein vrid pit Mo bittet got vür M2 BT N2 . 4f. icli am
warumb M2 Mai5 im aum warumb N 2 icli. denn W arunih BT 5 il.z?] vür Bra2Str8 Mai, (in
.Mai, getilgt, auf d. Rand v. and. Hand: ausz) fürun Mai. in iu BrasM2N2ai bi iu PfE2BT
seihen fehlt \Zi. (in Mai, ·v. and. Hand auf d. Ran.d: selber nachgetrageT!,) .grifet bis guot?J
begreiffet ( Auslassungszeichen; auf d: Rand·: got) jn ewern eygen grunt N2 ·5f_' uwer aignen
güter Braa 6 wesenlicli.] besenleim M2 wisenklim Braa · iu.] eum selbs (selhs v. and.
Hand auf. d. Ran.d) N 2

1 Die in 94,8-oben Z, 1 behandelte Frage steht in engster Beziehung zu dem in Predigt

Pf. Nr. 15 gestellten Thema, das die Frage aufwirft, ob die im Zustande der Gnadenlosigkeit ge"-
wirkten guten Werke verloren sind oder nidit, resp. ob die Frucht dieser Werke nach Wiedererlan-
gung des Gnadenstandes wieder wirksam wird oder nicht; Ich habe ZfdPh 60 S. 181 dargelegt,
daf!. und weshalb ich vermute, daß unser Stüdc ursprünglich nicht in den Zusammenhang der vor-
liegenden Predigt gehörte. K. Müller weist Zf dA ?2 S. 95f. auf eine Tau l erstelle hin, die sich
auf die A~führungen über den Willen an der obigen Stelle beziehen. Die Taulerstelle lautet bei
Vetter S. 262,14ff.: Und es ist ein frage under den meistern, als der mensme sicli. willeklicli.en:
kere uf die ding die vcrfliessent, ob der geist mit verfliesse. Und sie sprecli.ent gemeinlicli.en·:
'ja'. Aber. ein gros edel meister spram: 'also smiere als sim der mensme wider kert mit sinem
gemüte und -mit gantzem willen, und sinen geist in treit in Gotz geiste uber die zit, so wirt alles
das wider bramt in dem ogenblicke das ie verlorn wart' (Zu dieser Stelle sieh auch oben
S. 84). Zu der hier und in Predigt Pf. Nr.15 behandelten Meisterfrage vgl. Thomas _III q. t,9 a. 6:
Utrum per.poenitentiam subsequentem etiam ppera mortua vivificentur ... Et per hunc etiam
modum omnia opera quae sunt bona ex genere, si sine caritate fiant, dicuntur mortua, ing'uantum
scilicet non procedunt ex principio vitae; sicut ·si · dicamus sonum •citharae vocem mortuam. -
. Sie igitur differentia mortis et vitae in operibus est secundum comparationem ad principium
a quo procedunt. Opera autem non possunt iterum a principio procedere, quia transeunt et
iterum eadem numero. res.umi .non possunt. S. 94,10-oben Z. 1 findet sich in D 2 f. ?r in einem
Mosaiktext: Der melisme der sicli. keret mit sinem frien willen von· allen gescli.affen dingen
VJ:\d von yme selber in sinen ersten vrsprung der bringet in eime augenblicke· alle verlorn zit
erwieder. • 2 Mit Z. 4f, vgl; Pf. S. 186,5f.; Serm. XXII n. 208: Item nota quod in homine

inferiori secundum August i n·'u m habitat veritas: deus cuius natura est semper et solum esse
intu~ et in intimis, quod' si deus utique et omnia. In deo enim sunt omnia. 'Tertio nota quod
interior homo nullo modo est · in tempore aut loco, sed prorsus in aeternitate. lbi oritur deus,
ibi auditur, ibi est, ibi loquitur deus et solus; Tau l er S. 10,'.Jff.: Danabe spracli. sant Augustinus:
'~us uz, daz du mugest erfuUet werden; gang uz, uf daz du inugest ingon'; und spracli. oum
anderswo: 'o du. edele sele, o edele creature, waz gest du uz dir sucli.en den der alzümole und
aller werlicli.est und bh'islicli.est in ,dir ist, und sit das du bist teilh.aftig gc'ltlimer nature, waz
hest du denne zü tünde oder zü scli.affende mit allen creaturen ?'
rredigt 5b.

Dai wir als& wrerliche irine müezen bliben, daz wir alle warheit müezen 20

besitzen 1 äne mitel und ane underscheit in rehter srelicheit, des helfe uns
got. Amen.

1 Daz wir bis 3 Amen. fehlt N2 1 inne] in ime PfE2 95,6 in bis 96,1 bliben]
mil.ssent inbleiben BT mil.szen inleiben (in ..• v. and. Hand auf Rasur), Mai, muisse jnbliben
Mai 5 1f. daz wir alle wärheit müezen (mögen BT müezen fehlt BraaM2) besitzen BT BraaM2a1
und alle wärheit besitzen PfE2 2 in rehter srelicheit, fehlt E2 srelicheit] warheit BT
3 got. ] der war got Mai, got. Amen.] got allen amen. daz werd war Bras

1 Das in Zeile 1 stehende also kann sim nimt auf das Vorhergehende beziehen, mie das in

der Textfassung Pfeiffers, die sim allein auf E2 stützt, und infolgedessen aum bei den Über-
setzern der Fall ist. Es deutet vielmehr auf. den folgenden Konsekutivsatz hin. Die Übersetzung
des Smluf!satzes lautet demnach: ,,Da/! mir in solmer Weise ma.hrhaft drinnen ( d. h. in unserm
Grunde) bleiben mögen, da/! mir alle Wahrheit ohne Trennendes und ohne Untersmiedenheit in
mahrer Seligkeit besitzen können, dazu verhelfe uns Gott." Vgl. Quint S. 204 zu 6?,20; Schu1ze-
Maizier2 S.184 hat sim diese Übersetzung zu eigen gemamt.

96
PREDIGT 6 (Pf. Nr. LXV S. 202-206)

Handschriftliche -Uberliefetung (sieh Quint S. 590f., S p .am er PBB 34 S. 330, S k u tel 1 a ZfdA 68
s. 76f.,
Th er y S. 238f.):
Bo f. 43r-48v; vgl. S k u tel Ja ZfdA 71 S. 66 An,m. 2.
Bra3 f. 138v-145r; vgl. S_trauch-ZfdPh 54 S~ 292, wo fälschlich 138r-144v angegeben ist.
BT f. 303vb-305rb.
M. f. 174v-17'Z'v, alte Zhlg.: 189v-192v.
P1 f. 243r-v, Fragment = S. 112,4 Unser-113,8 got•. Daran schließt mit der Überschrift
meister eckehart und mit Initiale ein Textstück an, dessen erster und letzter Satz inhalt-
lich mit S., 106,1-3 üb_ereinstimmen. Ich setze das Ganze hierher: meister eckehart /
Gottelich mesen ist min roesen vnd min roesen / ist gr'Jtlich roesen Das kunden die sfodenten /
nut verston Dar· noch frogete meister eckhart / selber einer froge vnd frogete wo got istig
roere / sin selbes vnd er berihte die froge selber vnd / sprach Do ist got istig sin selbes
Do ich die- / ke ab gesprochen habe Da die sele rourt gesant (? ant verschmiert) in ein
ruroe vnd in ein beroben ir selbes . vnd rourt ge- / fßret in ein ro.istenie do su ir selbes
vnbekant ist / Do sich got bekennet einen vrsprung alles roesen- / des vnd sdioroet sine
blasse nature Do sin nature / vsz fliessen'ae ist vernunfteklich in alle creature vnd / gibet
allen creaturen roesen jst denne gi'itteliche na~ / ture min nature so ist gr'Jtlich roesen min
roesen / vnd· min roesen gotlich roesen Do ist got istiger allen creaturen denne die. creature
ir selber ist

Filiation der Hss, (sieh Quint S. 591-598):


:i:,;ng verwandt sind M2 und Bras; ihnen stehen B9 BT (P1) in lockerem Verbande gegenüber,
ohne dafl sich indessen ein klarer und scharfer Gegensatz zwischen den beiden Gruppen erkennen
Helle. Alle überlieferten Texte stehen vielmehr verw:andtschaftlidi einander nahe; vgl. auch die
Ausführungen unter „Textkonstituierung",

Textkonstituierung: Als relativ verlälHidiste Texte sind BTa und M2 anzusehen. I<h_habe dem·
nadi den kritisdien Text im wesentlidien auf M2 aufgebaut; an Stellen jedoch, a.Q. denen BT
und. Bo (P1) mit einer inhaltlidi einwandfreien Les.art zusammengehen gegen M. (und Braa);
glaubte idi BTBo den Vorzug geben zu müssen, da die verwandtsd:iaftlidie Bindung zwisdie:n„
den beiden letzteren Texten sdiwädier ist als zwisdien M2 und Bras, Innere Kriterfe.Q.. waren
indessen stets von stärkerer Bedeutung als die Rücksiclit auf Filiationsbindungen. ·
:i:,;inige Textstellen deuten darauf hin, daß alle .überlieferten Texte auf einen gemeinsamen
Prototyp zurückgehen, der bereits fehlerhaft war. Es handelt. sidi um die Stell,en S. 101,15 (vgl.
Anm. 3), 107,6 (vgl. Anm. 2), 110,1 Allez (vgl. Anm. 1'), 111,7 unglich (vgl; Anm. 1), 114,3 enroirt
(vgl. Anm. 2) ..Bei S. 110,1 und 111,7 habe ich das Riditige der „Reditfertigungssdirift" ent-
nommen, deren ·Vorlage ·an diesen Stellen ursprünglicher war als die unserer überlieferten
deutschen'. Texte. Es bleibt offen, inwieweit die Exzerpte der „Reditfertigungssdirift", des „Gut-
aditens" und der Bulle nodi an weiteren Stellen gegenüber den deutsdien Texten der Predigt
das Ursprünglid1ere bewahren. Indessen fehlt der Fingervergleidi S. 111,3ff., den alle deutsdien
Texte bieten; zu Unredit in allen inkriminierten lateinisdien Stücken, wie die S. Ü5 (Naditrag)
aufgewiesene Parallele zeigt. DaR die Texte der „Reditfertigungssdirift", des „Gutaditens"
und der Bulle audi sonst nidit unbedingt verläßlidi sind, wird an der Stelle S. 100,4ff. deutlidi,
wo „Gutaditen" ·und Bulle übereinstimmend infolge von Homöoteleuton nec commodum nec

97
defoctationem verloren haben, während RS. II art. 35 in Übereinstimmung mit den deutschen
Texten den vollen Wortlau't bietet (vgl. unten S. 100 Anm. 2).

"Reditfertigungssclirift"!
§ II 4 art. 1D (Th ery S.177) = S. 109,7f.+ 110,if. (vgl. RS. II art. 39A, ,,Gutachten" art. 19, Bulle
.. • art. 22) ; Quint S. 604.
§ II 4 art. 1E (Thery siü7) = S. 110,8'-111,2+5-7 (vgl. RS. II art. 39C, ,,Gutachten" art. 20,
Bulle ad. 10); Quint S. 605f.
§ Jl 4 art. W (The ry,B. 1l!l1) = S. H2,6-7 (vgl. RS. II art. 40, ,,Gutachten" art. 16, Bulle art. 9);
· · · · · · Quint S. 606.
11 art. 35 (Th er y S. 238) · = S. 100,4-6 (vgl. ,,Gutachten" art. 15, Bulle art. 8); Quint S. 601f.
II art. 36 (Th ery S. 240) . _:__ S. 106,1-3; Quint. S. 602. ·
ff art. 37 (The ry S. 240f.) = S. 107,3-12; Quint' S. 602f.
II art. 38 (Th er y S. 241) = S. 109,5-7; Quint S. 603f..
II art. 39A (Thery S. 242) = S.109,'lf.+110,if. (vgl. RS. § II 4 art. 1D, ,,Gutachten" art. 19,
Bulle art. 22); Quint S. 604.
II art. 39B äh er y S. 242) = S. 110,4~7; Quint S. 604f.
II art. 39C (Thery S. 242f.). = S.110,8-111;2+5-7 (vgl. RS. § H 4 art.1E, ,,Gutachten" art. 20,
· Bulle art. 10); Quint S. 605f. ·
II art. 40 (Thery S. 244) = S. 112,6-9 (vgl. RS. § II 4 art. 10, ,,Gutachten" art. 16, Bulle
art. 9); Quint S. 606.
,,Gutacltten":
art. 15 (P e l s t er S. 1115) = S. 100,4-6 (vgL RS. II art. 35, Bulle art. 8); Quint S. 601f.
art. 16 (Pelster S. 1116) = S. 112,6-9 (vgl. RS. § II 4 art. 10, II art. 40, BuHe . art. 9) ;
Quint S. 606.
art. 19 (P e 1s t er S. 1117) = S. 109,6f.+110,1f. (vgl. RS. § II4 art. 1D,.II art. 39A, Bulle art. 22);
Quint S. 604.
art. 20 (P e l s t er S, 1118) -: S. 110,8-111,2+6f. (vgl. RS. § II 4 art. 1E, II art. 39C, Bulle
art. 10); Quint S. 605f. · i

Bulle:
art. 8 (Arm. II s:637) --:- S. 100,4-6 (vgl. RS. II art. 35, ,,Gutachten" art. 15); Quint S.. 60if.
art. . 9 (Arch. II S. 637) = S. H2,6-9 (vgl. RS. § II 4 art. 10, II art. 40, ,,Gutachtel!," art. 16);
Quint S. 606.
11rt. 10 (Arch. II S. 638). -. S. 110,8-111,2 +6f. (vgl. RS. § II 4 art. 1E, II art 39C, ,,Gutachten'.'
art. 20); Quint S. 605f. _
art. .22 (Arch. II S. 638) = S. 109,7 f.+110,if. (vgl.RS. § II 4art. 1D,II art. 39A, ,,Gutachten" art.19);
Quint S. 604.

Uhersetzungen: Büttnet I S.130ff., 19349 S.122ff., Lehmann S. 252ff., Schulze-Maizier 9


s. 265ff.
Emtheit: gesichert durch die RS. (Bullt; und „Gutachten"). Keine eindeutige hsl. Bezeugung
(sieh unten, im Eingang d,es Variantenapparats).
Die Echtheit der Predigt wird indirekt bezeugt durch weitgehende Übereinstimmung ihrer
Ausführungen über die Gerechtigkeit und den Gerechten sowohl .in der Gliederung wie in den
Äußerungen im einzelnen mit entsprecltenden 'Darlegungen Eckharts über den gleichen Scluift-
text in seinem Sapienti!:1kommentar (In Sap. n. 59ff., sieh unten S. 99 Anm. 3). Enge inhaltliche
Berührungen mit ·den Predigten Pf. Nr. 43 und 59 (der letzteren liegt der gleiche Schrifttext zu-
grunde) sowie mit der von B r et haue r ZfdA 69 S. 262--,-267 gedruckten ,Predigt sprechen für die
Echtheit dieser Stüd_ce. Das in unserer Predigt behandelteThema „Gerechtigkeit und Gerechter"
ist eines der GrundthemaJa Eckharts, das er in seinen lateinischen Schriften immer und immer
wieder aufgreift ·und da,s ·er im Eingang des BgT mit besonderem Nachdruck erörtert.
J u s t i vive n t i n a et e r n um.
'Die gerehten suln leben ewicliche, und ir lön ist bi gote'. Nu merket
disen sin gar eben; aleine er grop lfüe und gemeine, so ist er doch gar
~02,20 merklich und gar guot.
'Die gerehten suln leben'. W elhez sint die gerehten? 1 Ein g es c h r i ft 5
sprichet: »der ist gereht, der einem ieglichen gibet, daz sin ist« 2 • Die gote
gebent, · daz sin ist, und den heiligen und den engeln, daz ir ist, und dem
ebenmenschen, daz sin ist 3•

1; 2f. Sap. 5,16: Iusti autem in perpetuum vivent et apud dominum est merces eorum. Vgl. auch
unten. Z. 5 und S. 105,4; 106,4; 115,4.

Zuweisungen: maister eher hart (rot f.1'38r) Bra 8 ; vgl. auch oben S. 9? iu P 1 •
Überschriften: An aller .Heiligen/ Abent BT
1 Iusti bis aeternum. ß9 fehlt M2Bras An aller Heiligen / Abent Welches die gerechten
seyent / was man geben soll got / den heiligen / ·den todten vnd lebendigen. Item von grossem
ernst / den die gerechten haben zü der gerechtigkeit / vnnd wie sy gar gleich standen aller
ding die jn zu kommen mögen / vnd das sy würckent alle ir werde bey got / vnd got bey jn.
ltem wie wir in got verwandelt werden oder vereiniget. Vnd das wir nichts begeren sollen
von im als von einem frembden / oder von eim herren etc. Deszgleichen sollent wir jn auch
nit neJilmen oder achten ausz im. Item das seligkeit nit am willen lyg/ sonder an bekantnisz /
Ein edle / predig über die wort Sapietie .V. Justi autem imperpetuum viuent / et apud dominum
est merces eorum. Die man heüt liszt im ampt der mesz für die Epistel. BT 2 'Die bis ewic-
liche, J Daz buch der wishait spricht also die gerechten lebent in der ewikait Bra 3 suln]
werdent BT und fehlt B9 und bis gote'. fehlt Mo merk Bras 3 aleine J wie 0
wol BT er grop bis so] er grob vnd gemein lauttet so BT er nu grobe 1lut an vnd
gemain ain zit so B9 ir groben leüt vnd gcmainc so Mo jr groben Irrten so Bra 3 5 suln]
werden BT Snln leben'.] lebent in der ewikait Bras Welhez] wely B. 6 der
iegklichem Bra 3 daz da s. Bras ist2 fehlt B. ist«. Die] ist. Also. sint diz die gerehten,
die Pf BTb Die gote] Die dä gute Pf BTb 7 den• fehlt BT dem J den Bra, deine M2
8 ebenkristenmenschen M2 sin J ir Bra. siiie B. ist. fehlt BT B.

1 Auf die im folgenden anschließenden Ausführungen über den Gerechten wird Eckhart sich

mit großer Wahrscheinlichkeit zurückbeziehen, wenn er in Pred. Pf. Nr. 59 S. 189,4f. sagf: Etwenne
hän ich gescit, waz ein gereht mensche si ... ; vgl. Pa h n c k e Diss. S. 43. - In seinem Sapientia-
kommentar entwickelt E. bei der Behandlung der dieser Predigt zugrundegelegten Textstelle weit-
gehend die gleichen Gedanken. Zumal die Ausführungen über die Frage Welhez sin{die gerehten?
decken sich mit dem, was Eckhart In Sap. n. 59-/f ., eingeführt durch notandum quod sunt quattuor
quae iustum ostendunt, vorträgt, wie Brefhauer ZfdA 69 S. 266 Anm. 5 bereits bemerkte.
2 Gemeint ist: Institutiones (Iustiniani) 1,1 pr.: Iustitia est constans et perpetua voluntas

ius suum cuique tribuens (nicht die ähnlich lautende Stelle Digesta 1,1,10). Vgl. auch In Sap .
. n. 59: Tertium signum est, si tribuit unicuique quod suum est; hoc enim iustitia est.; In loh.
n. 48: audito quod iustitia sit quaedam rectitudo »qua redditur unicuique quod suum est« ... ;
Sermo XII n. 134: ... scilicet ut misericordia sit iusta, dans llnicuique quod suum est. Weitere
Belege fii:r die gleiche Stelle sieh Diese Ausg., Lai. W., 3. Bd. S. 39 Anm. 5 und T her y Sap. K. I.
S. 382 Anm. 6. - Zu Z. 6f. vgl.. Quint S. 598. 8 In. diesem Satz stellt Eck hart die Programm•

punkte auf, über die er im ersten Teil der Predigt, der bis unten S. 101,15 reicht, handeln roird:
roas schuldet der Gerechte 1) G~tt, 2) den Heiligen uncl. Engeln, 3}. denen im Fegefeuer 4) dem
Mitmenschen. 3) und 4) sin.d sowohl oben Z. ?f. roie unten S. 101,14f. nidd deutlich auseinander-

7'' 99
Predigt 6

Gotes ist diu ere 1• Wer sint, die got erent? Die ir selbes alzemale sint 25
uzgegangen und des irn alzemale niht ensuochent an keinen dingen, swaz ez
joch si, noch gröz noch klein, die niht ensehent under sich noch über sich noch
neben sich noch an sich, die :µiht enmeinent noch guot noch ere noch gemach
5 noch lust noch nuz noch innicheit noch heilicheit noch lön noch himelriche
und dis alles sint uzgegange:q, alles des irn, dirre Hute hat got ere, und die 80
erent got eigenliche und geheut im, daz sin ist 2.

1 Gcites bis ere.] Gottes daz ist ere vnd lob Bras sint, die bis 2 und] sint dis die da
got erent daz sinl- di-e die jr selbs gancz vs gegangen sint durch got vrid Bras 2 desz
iren BT des jres M2 daz jr Braa dz ire B0 zemale Bras an] in BT Bra8 3 noch']
weder BT joch B0 fehlt Pf noch"] ioch B0 ensehent] suochent Pf BT under]
weder u. Pf BTb noch vnder B0 4 sich noch an sich, die BT B0 sich vnd die Bras sich, die
PfMo niht Br1isB0BTb noch BTaM• enmeinent] liebhabent BT . noch"] weder BT
fehlt Bras 5 noch nuz] noch nvtz B0 noch nicht.z M, fehlt Pf BT, noch innicheit] inkeit
(i') Ba · heilicheit] heilig M2 Ion noch sälikait in dem himelrich Bras 6 dis bis Hute]
dicz sind alles aus gegangen, alles dez ires der leüt M2 dis sint des jren alles vs gegangen diser -
lut Bras des alles sint sy vsgegangen des iren. Der hut B0 disz aHes seind auszgegangen diser
leüten BT ? erent] erpat B0

gehalten; An der genau entspredienden Stelle In Slip. n. 59 jedodi sind diese vier Punkte deutlidi
gesdiieden aufgeführt: Ubi notandum quod homo in opere suo debet Deo dare hono-rem, beatis
in patria laetitiam, proximo emendationem seu aedificationem, defunctis subventionem. Vgl.
aud,, Sermo X n. 110: Ubi nota quod in omni opere nostro exspectat deus honorem, beati gau-
dium, purgatorium suffragium, proximns bonum exemplum.; In loh. n; 310; ZfdA 69 S. 266,144ff. :.
Der mensche ist gerecht in eime groben vnd dog guten sinne, des got ere hat vnd alle himelsche;r
vroude vnd de;r eben cristen besze:runge vnd der gevangenen in dem vegefure losunge.
1 In Sap. n. 59: De pr'imo, Tim. 1: 'Soli Deo honor et gioria', et iterum Cor. 10: 'omnia in

gloria Dei facite'. • Z. 4-6 = RS. II art. 35 (Th er y S. 238): Trigesimus quintus articulus
in sermone JusH in perpetuum vivent, sie dicit: qui nec intendunt res nec honores nec
commodum nec delectationem nec utilitatem nec devotionem internam nec sanctitatem nec
.piemium .nec regnulll celorum, sed omnibus istis renuntiavermit, quidquid est suum, in illis
·Kominibus honoratur deus (Thery setzt das Komma fälsdilidi hinter hominibus).; ,,Gutaditen"
art. 15 (Pelster S.1115): xvus articulus sie habet: Item predicavit: Qui non intendunt res
. n.ec honores nec utilitatem nec devocionem internam nec sanctitatem nec premium nec regnum
.celorum, sed omnibus hiis renunciaverunt, ecialn quod suum est, in illis hominibus honoratur
Deus.; Bulle att. 8 ( Ardi. II S. 63?): Octavus articulus. Qui non intendunt res, nec honores, nec
:utilitatem, nec devotionem internam, nec sanctita.tem, nec premium, nec regnum celorum, sed
. omnibus hiis renuntiaverunt, etiam quod suum est, in illis hominibus honoratur deus. (Vgl.
Quint S. 601f.) Das gl.eidie Stück findet sidi in B6 f. 6r angehängt an den Text von Pred. 4:
Die niet eli. meynen noch geiet noch eer gemaeck noch Inst nodi ynnicheit nodi heilicheit nodi
loen noch hemelrijc En alle des sijns wtgegaen is die eren got ende der heuet go~ eer; vgl.
Langenberg S.185,3?-186,2, Lotze S. 4, Pahncke E. St. S. 4, Spamer PBB 34 S. 399Anm; 1.
__:_ Zu Z. Jff. vgl. oben S. 9,3-9 und die dort verzeidineten Parallelen, dazu nodi: In Exod. n. 245:
Facietis, inquit, mihi, in quo non intenditur, nisi solus deus, honor dei, Tim. 1: 'soli :deo hon.or
et gloria'. Qui igitur in opere suo quidquam extra deum quaerit et 'praeter de~, nori dat
lionoreril deo, nec facit altare deo. ~ Zu Z. 5f. vgl. Quint S. 598f. (202,29; ZQ2,29f.'f llinfer Z. 6
irn habe idi im Ansdilu/l an RS., Bulle und „Gutaditen" ein Komma gesetzt, roeil das -Folgende
erst den Nadisatz zum voraufgehenden langen Vordersatz bildet.

100
Iusti vivent in aeternum

Man sol geben den engeln und den heiligen vröude. Eya, wunder über
alliu wunder! Mac ein mensche in discm lebene vröude geben den, die in
35 dem ewigen lebene sint? Ja wrerliche ! ein ieglich heilige hat sö grözen lust
und sö unsprecheliche vröude, von einem ieglichen guoten werke, von einem
guoten willen oder einer begerung"e haut sie sö gröze vröude, daz ez kein 5
munt uzsprechen kan, noch kein herze kan ez erdenken, wie gröze vröude
sie da von haut 1• vV ar umbe ist daz? Da minnent sie got als unmrezliche
203,& sere und haut in sö rehte liep, daz sin ere in lieber ist <lau ir srelicheit. Niht
aleine die heiligen noch die engel, mer: got selber hat so grözen lust dar ab~,
rehte als ob ez sin srelicheit si, und sin wesen swebet dar an und sin genüegede 10
und sin wollust 2 • Eya, nu merket! Enwellen wir gote niht dienen umbe kein
ander sache wan umbe die grözen vröude, die sie dar an haut, die in dep:i
10 ewigen lebene sint, und got selber, wir möhten ez gerne tuon und mit allem vlize.
Man sol ouch den geben, die in dem vegeviure sint, hilfe und bezzerunge
und ( ... ) den, die noch lebent3. 15

1 sol och geben Era 3 den heiligen unde den engeln Pf ET wunder] wz der Eg
2 alliu Eg] alle M2Era 3 allez Pf ET leben ain fröd E" den fehlt E" 3 wrerliche ! ET
wrerlichen, bi gote l Era,E9 waii M2 heilige fehlt Eraa 4 vnausprechenleiche M2
einem 2 ] dem E 9 fehlt Era3 5 oder von einer Era 8 E 9 begerunge hant sie sö gröze
vröude, daz ez kein munt (munt] minne E 9) uzspreclten (gespreclten Era,B") kan (mag oder cltan
M2 mag E 9), noch kein herze kan ez erdenken (gedenken ErasBo), wie (nit wie EraaEg) gröze
vröude sie (sie fehlt E 9) dii von hant. M2Bra,B 9 ] begerunge, daz ez ein wunder ze sagenne were
und ungeloupliclt; jä, sie habent hie von (hie· von in BT a hinter 6 erdenken) sö gröze vröude,
daz ez kein munt uz spred1en kan noclt kein herze erdenken, als iclt gesprochen habe. Pf ET
7f. Da hant sy got als vnmessiglidien ser lieb vnd so recltt liep ET 7 als] so Eras
8 und bis liep, fehlt Eraa daz bis srelidieit.] daz jnen lieber ist sin ere denn jr selbs
sälikait Era 8 Niht] recht E 9 9 noclt] unde Pf mer :] svnder Eras selber
Er hat M2 dar abe, J da von Era, 10 ob fehlt M2Bra, ez fehlt ET si, fehlt ET
10f. sin wesen swebet (swebe Pf ET) dar an und sin genüegede (genügen M2 gerollt E") und
sin wollust. M2E9 BT sin selbs wesen si vnd sin mugent vnd sinen ;wollust dar an stant Eras
11 merk Era 8 Enwellen] en wall Era, vnd wöltent ETb niht fehlt ET 12 ander
fehlt Era, sie] die ETb an] von Era 8 die' fehlt Eg 13 sint,] sin E" und 2
fehlt Eras 14 Man] wan Eo sol] möcltt M2 den] disen (hinter geben) Bras fehlt Bo
15 und fehlt Pf BTb

1 Zu Z.1-? vgl. Pf. S. 41,35ff.; 111,?ff.; 299,20ff.; In Sap. n. 59: .•. beatis in patria laeti-

tiam, ; .. De secundo, Luc.15: 'gaudium est angelis Dei in caelo'; negativ: Langenberg
S. 19?,5ff., roo vom Leid der Heiligen und Engel infolge des schlechten Werks des Mensdien
die Rede ist. 2 Zu Z. 8ft. vgl. Pf. S.189,9ff.; In Exod. n. 244: ••. tantum gaudet, tantum

delectatur deus in opere quolib~t nostro, quantum nos ipsi et longe amplius. - Zum Ausdruck·
swebet dar an (Z. 10) vgl. oben S. 63,3; 65,? ;, ?J,13; Pf. S. 146,2. 8 Zu Z. 14-15 vgl. In Sap.

n. 59: .•. proximo emendationem seu aedificationem, defunctis subventionem ... De tertio,
Matth. 5: 'luceat Jux vestra coram hominibus, ut videant opera vestra bona', ... Quarto rursus
<lebet. his, qui in purgatorio, subventionem, secundum illud Mach. 12: 'sancta et salubris est
cogitatio pro defunctis exorare, ut a peccatis solvantur'. Vgl. auch Sermo X n. 110: (Ubi nota
quod in omni opere nostro exspectat deus honorem, beati gaudium),, purgatorium suffragium,
proximus bonum exemplum.; In loh. n. 310: (Notandum in his verbis quod in omni opere nostro
debemus intendere gloriam dei) et proximi aedificationem . , , De secundo Rom. 14: 'quae aedi-

101
Predigt 6

Dirre mensche ist gereht in einer wise, und in einem andern sinne so sint
die gereht, die alliu dinc glich enpfahent 1 von gote, swaz ez joch si, ez si groz
oder klein, liep oder leit, und al glich, noch minner noch mer, einz als daz 15
ander. Wigest du daz ein iht mer dan daz ander, so ist im unreht2. Du solt
5 dines eigenen willen alzemale uzgan.
Ich gedahte niuweliche umbe ein dinc: enwölte got niht als ich, so wölte
ich doch als er. Sumliche liute wellent irn eigenen willen harr an allen dingen;
daz ist brese, dar in vellet gebreste. Die andern sint ein wenic bezzer, die 20

wellent wol, waz got wil, wider sinen willen enwellent sie niht; wreren sie
10 siech, so wölten sie wol, daz ez gotes wille wrere, daz sie gesurrt wreren. Also
wölten die liute, daz got nach irm willen wölte, lieber dan daz sie nach sinem
willen wölten. Man muoz ez vertragen, im ist aber unreht. Die gerehten en- 25

hant zemale keinen willen; waz got wil, daz ist in allez glich, swie groz daz
ungcmach si 3.

1 Dirre J Der M2 Dirre bis wise, J Die disz thund die heissent gerecht in ein.er weisz
BT und] aber Bra 8 2 glich fehlt B9 swaz bis gröz J es sey was es ioch sey
grosz BT es si och grosz Bo was daz nun sigi gros Braa joch fehlt M2 3 als lieb als
leid BT oder•] alz M2 und al fehlt Bra 3 al] all M2 BT Bo allez Pf minner J
minne B9 einz] das ein BTa das du B9 daz fehlt. BTb 4 Aber vigist Bra 3 du
fehlt B 9 daz ein J ains Braa sol B. 5 alzemale] zemale BT Be gancz Bra, uzgan.
BT B9 ] sin uz gegangen. PfM2Bra 3 6 niuwelid1e J numlich (?) Bo so bis 7 er. fehlt M2
7 er.] er wolt Eya nun merk Bra 3 Sumliche J Sölch BTa Etliche BTb Bra 3 lut sint die
wellent Bra 3 eigenen fehlt M2 Bra8 an] in Bra 3 8 brese,] dosi B9 dar bis
gebreste. J der. vellet in gepresten M2 vnd vellet in gebresten Bra 3 vellet] wellet B9
9 wol, fehlt M2 waz] dz B9 wil, unde wider Pf BT enwellent] woltent Bra 8
enwellent sie niht; fehltM, wreren] werdent Bra, wann werdent M2 9f. sie aber
siech Pf BT 10 so bis wol,] si weltent wol B9 wol, fehlt Bra, daz bis Also] daz
.sy gesund wärint vnd daz es gottes wille wär Also Bra, 11 wölten] wurden B9 die]
si die Bra, dise Pf BT daz got bis 12 wölten. BT] daz got lieber nach jrem willen wolt
denn si nad1 sinem willen woltent Bra 3 daz got nach ir willen were, lieber (lieber fehlt B9 )
denne (were bis denne] were in lieber sein denn M2) sie nach sinem willen (willen fehlt B9).
PfM2Bo 12 muoz] mag Bra 3 im] es M2 13 zemale] überal BT keinen]
minen B9 willen wan was Bra3 in J jm B9 allez] alles BT Bra 3 als B9 ·alze-
mäle Pf M2 daz 2 ] der M2 Bra 3

ficationis sunt, invicem custodiamus'; et ibidem quinto decimo: 'unusquisque proximo suo placeat
ad.aedificationem'. - Zu S.101,15 vgl. QuintS.599(203,12). Im habe an der angeführten Stelle
meines Buriies hilfe und bezzerunge sowohl auf die in dem vegeviure roie auf die noch lebent
bezogen auf gef a{lt, da ich mit und, das mit Ausnahme von BTb in der gesamten Überlieferung
bezeugt ist, sonst nichts anzufangen rou{lte. Die oben zitierten lateinischen Parallelen zeigen
jedoch, dafl zu vegeviure nur hilfe (subventionem, suffragium), .nirlit aber bezzerunge (emen-
dationem) gehört. Da aber nun hinter bezzerunge noch und überliefert ist, wird man annehmen
müssen, da/l hinter und ein Substantivum ausgefallen ist, das die Bedeutung des aedificatio bzw.
bonum exemplum der auf geführten lateinisdien Parallelstellen hatte.
1 Im Voraufgehenden hat Eckhart über das Geben des Gerechten gehandelt, im Folgenden

spricht er über sein Empfangen. 2 Zu Z. 1-4 vgl. Pf. S. 685,?ff. - Z. J und al glich -:- ,,u. zw.,
ganz gleidi". 3 Zu Z. 6-14 vgl. oben S. 64,Jff., 62,5ff. und die 'dort verzeirlineten Parallelen,

dazu B.IJT S. 14,1ff./26ff. (Pf. S. 425,JJff./426,15/f.); 38,tff. (Pf: S. 445,JJff.); Pf. S. 59,40; 146,38-/f.;

102
Iusti vivent in aeternuru

Den gerehten mcnschen den ist also ernst ze der gerehticheit, wrere, d;z
got niht gereht wrere, sie enahteten eine bone niht uf got und stanf also vaste
30 in der gerehticheit und sirrt ir selbes also gar u.zgegangen, daz sie niht enahtent
pine der helle noch vröude des hirnelriches noch keines dinges. Ja, wrere alliu
diu pine, die die harrt, die in der helle sint, menschen oder viende, oder alliu 5
diu pine, diu in ertriche ie geliten wart oder iemer sol werden geliten, wrere
35 diu gesast bi der gerehticheit, sie enahteten sin niht einen basf; so vaste starrt
sie an gote und an der gerehticheit 1. Dem gerehten menschen enist niht pin-

1 Den BTb] Dem BTaM2Bra3Bo den Bo] dem M2 fehlt BT Bras ernst] aunst (?) B,
1f. daz ob got Bra 3 2 sie bis 3 gerehticheit] so enhat er gottes vmb ain honen nit wan
die gerechten stand so vast vff der gerechtikait B ra 8 2 böne] honen grosz BT · got2]
in Bg und] jä, sie PfBT stunt] stat Bg 3 gar fehlt BT daz sie bis 4 himel-
riches BrasB9 ] das sy achtent weder pein der helle nod1 freüd desz hiruelrichs BT daz sy weder
pein noch hell amtend noch freude dez himels M2 daz sie noch pine der helle ahtent noch fröude
des himels Pf 3 enachtet Bra 8 4 alliu.fehlt Bra3 5 pine,] bin Bra 3 die 2 ] do
M2 da Pf menschen oder viende,] menschen oder feind BT mensch oder vigent B9 menschen
oder tMfel Bras fehlt PfM2 6 in] uf Pf BT geliten 1 ] erlitten BT jemer me gelitten sol
werden vnd wär Bra 3 solt M 2 '7 bi] in M2 enachfü M 2 achtetent es nit ainen
lust so B9 achtent si nit vmb ain härli so Bra 3 sin] es BT B9 s·i Bra 3 niht umbe einen
PfM2 8 an 1 ] ime Bo in Braa und an der] wider Bra 3 Dem] wan dem Bra 3

'311,39ff.; ]undt S. 265,4ff.: Etliche laeute die loffent vor got, etlidi.e neben got, etliche die volgent
got nach. Die vor got loffent, das sint die, die irm aigen willen volgent, und wellent nach gotes
willen nit leben; das ist alzemal boes. Die andern die gant neben got, die sprechent: herre,
ich wil nit anders denn das du wilt; sint si aber siech, so begertint si das es gotes will waere
das si gesunt waerint, und das mag bestan. Die drytte laeute volgent got nadi.; war er wil,
da volgent si im willeclich, und diese laeute die sind volkomen. (Vgl. Pa h n c k e Diss. S. 52;
die gleiche Stelle auch in Ba2 f. 25?r, Preg er ZfhTh 1866 S. 509); dieser Stelle entspricht In loh.
n. 22?ff.: Prima ergo videamus quod aliqui deum sequuntur, ut sunt perfecti; alii vero vadunt
iuxta deum lateraliter, ut sunt imperfecti; quidam vero praecurrunt deum, et hi sunt mali.
Tales, qui in actibus suis nunquam deum sibi proponunt, non curant nec cogitant, quid bonum
vel malum, deo placitum. sit vel non placitum... Sunt alii qui vadunt iuxta deum a latere, et
isti sunt iam non mali, imperfecti tarnen ... mallet tarnen deum velle quod ipse e.sset sanus
quam infirmus ... vellet deum velle quod ipse vult ... Volunt quidem quod deus vult; mallent
tarnen quod deus vellet, quod ipsi volunt. ... Sunt alii tertio qui deum non praecurrunt ut
vitiosi nec ipsum concomitantur ut imperfecti, sed ipsum sequuntur. Vgl. auch In loh. n. 605.
Die Entsprechung des Sapientiakommentars steht In Sap. n. 59: Secundum signum est, si nus-
quam discrepat a voluntate divina, sed se toto adhaeret.et inhaeret Deo ... Zu S.102,? und 10f.
ogl. Quint S. 599.
1 Zu Z. 1-8 ogl. Pf. S. 146,10tf. (Hauptoergleichsstelle); 5?,Jiff.; 58,2?ff. (Pa h n c k e Diss. S. 45);

159,l'Jff.; ZfdA 69 S. 263,19-/f,; 26?,148f.; Sermo XXXIV n. 343: iustus iustitiae serviens plus eam amat
quam se ipsum, ut si iustum portaret in se infernum vel diabulum, ipsum amaret, ipsi saperet,
ipsum delectaret; et e contrario: sf iniustum portaret secum paradisum, dcum ipsum, ipsi non
saperet.; In Sap. n. 62f.: ,iustus est magis proprie loquendo et realius, qui se toto amat omne
quod iustum est, odit omne quod non iustum est, aut aliud sive alienum, etiam se ipsum, in
quantum quid dissimile iustitiae est . . . Talis nihil sapit prorsus nec novit nec quidquam
ipsum in aliquo afficit aut allicit extra ipsam iustitiam aut practer iustitiam, adeo ut nec se
ipsum, in quantum iustus, noscat aut amet prorsus, nisi in ipsa iustitia, in qua, per quam et
propter quam se ipsum amat et omne quod amat. Rursus etiam nihil est tarn dissonum sive

10'3
Predigt 6

licher noch swrerer, dan daz der gerehticheit wider ist, daz er in allen dingen
niht glich ist. Als wie? Mac sie ein dinc vröuwen und ein anderz betrüeben,
sö ensint sie niht gereht, mer: sint , sie. ze · einer zit vrö, sö sint sie ze a,len
ziten vrö; sint sie ze einer zit mer vrö und ze der, andern minner, sö is-t in 40

; unreht 1•. Swer die gerehticheit minnet, der stät sö vaste dar uf, swaz er minnet,
daz ist sin wesen 2 ; den enmac kein dinc abeziehen, noch keines dinges enahtet
er a.ndei:s. Sant Augustinus sprichet: »da diu sele minnet, da ist si eigen-

i swrerer,] swer M2 scliwerers BT daz er bis 2 glich ist. Bra.] daz ez in allen gelich
ist. PfB9 M2 daz er bis 2 wie? fehlt BT 2 Also wie ob si ain ding mag betrüben vnd ain
anders fröwen so Bra 8 Mag aber sy BT sie] sicli Mi, erfreüwen' BT 3 ensint]
ist B9 mer :] Svnder so Bra. ze einer zit Braa BT ze ainen ziten Bo czw aine M.
so• bis 4 vrö• fehlt BT (Homöoteleuton!) 3f· ze allen ziten] ze aller zit Braa 4 si aber
ze Bra8 ainem B9 czw ainen czeiten fro vnd czw den andern M2 mer fehlt BrasM•
der] dem B9 minner, B9 M2] minner oder niht Pf BT niemer frow Bras in Bo BT
im PfM2Bra3 5 Swer BoBraa so swer M2 Wan swer Pf BT minnet'] mjnret M2
6 den] dem Bra8 noch enaclitet kains dings anders nit Bras 7 dä 1 ] daz M. dä
ist si l daz ir M2 7f. eigenlicher] mer Bras

contrarium, adversum et molestum, quod non amaret aut possetnon amare, seeundmn quod illud
iustum iudiearet, et illud in ipsa iustitia inveniret. Vgl. nodi In Eccli. n. 2?: Certe plus quam ·
vivere est iusto iuste agere, turn· quia vitam potius eontemnit quam iustitiam deserat.; In loh.
n. '394; In Gen. II n.1'39: Quid enim tarn dulce iusto, in quantum iustus, quam ipsa iustitia?
Vgl. audi Pf. S. '312,'Jf. - S.10'3,5 viende: gemeint sind hier wie S; 105,1'3 die Teufel in der Hölle.
1 Der Satz S. 10'3,Bf. besagt: ,.Dem Gerediten ist nidits leidbringender nodi bedrüdcender als,

was der Gen;ditigkeit zuwider ist, (nämlidi) daß e,: nidi{in allen Dingen der Gleidie ist", Der
Gere(i,,te ist in allen Lebenslagen „gleidimütig"; darin besteht eben seine Gereditigkeit, und so
muß es ihm leid sein, wenn er gehindert wird, in allen Dingen der Gleidie zu sein (vgl. Quint
S. 599), Die Syntax des Satzes ist zwar fragwürdig, und der von mir eingesetzte Text daz er in
allen dingen niht glich ist stützt sidi nur auf Br.aa; indessen ergibt er, zumal im Zusammenhang
mit den folgenden Ausführungen des Predigers, einen durdiawJ klar<7L Sinn, während der tJon
Pfeiffer ·aus B0M2 entnommene Text m. E. sinnlos ist, Es wäre allerdings möglidi, daß Edchart
an dieser Stell.e den sonst oft wiederholten Gedanken geäußert hätte, daß die Gerechtigkeit
in allen Gerechten die gleiche Ist, so daß es ursprünglidi hieß: •.• dan daz der.gereh-
ticheit wider ist, di u in allen glicli ist. Idi halte das jedodi im Hinblidc auf die im Text folgenden
Äußerungen nidit für wahrsdieinlidi. Vgl. Pf. S. 26?,14ff.; BgT S. 9,2?ff. (Pf. S. 422,?ff .) ; In Sap.
n. 59: Primum est, si inter prospera et adversa quaevis aeqaliter se ·habet et firmus manet.
Sie enim lapis rectus est ad omnia latera, quando ad omne latus aequaliter iaeet pari firmitate,;
In loh. n. 112: . . . homo, divinus ut sit et deiformis, debet esse ubique et in omnibus uni-
formiter se habens. N am et deus unus est, a quo uniformis nömen trahitur.; Sermo XXXIV n. '34'.k
Sicut autem amaC iustum esse, sie odit et grave ei,t ·iusto omne iniustum, omne non iustum.;
In loh. n. 2'J'J: ... semper enim gaudent, quia in omnibus aequaliter gaudent. Ähnlidi: BgT
S. 15,18ff. (Pf. S. 426,'J6ff.); Pf. S. 2'J'J,16ff,; In loh: n. 604: Rogamus ergo, ut nobis voiuntas dei
sie. placeat, sie. sapiat in adversis, in. tristibus, sicut in laetis et prosperis, in minimis sicut in
maximis ... Die Gereditigkeit ist in allen die gleidie: In Sap. n. 44: non est imaginandum, sicut
plerique tardiores aestimant, quasi iustitia sit alia in pluribus iustis, divisa et numerata, :fixa
et radicem habens in ipsis iustis, ... sed potius omnes iusti sunt ab una numero iustitiä , ..
omnes iusti, in quantum iusti, unum sunt ... - Zu Z. 'Jf. vgl. Quint S. 599. • Vgl. oben
S .. ?9,12ff. und Anm. 'J, Par. an. S.16,20ff, und Anm. zu dieser Stelle S. XXX.; Pf. S. 2'J'J,22f.

104
,.
Iusti vivent in aeternum

licher; dan da si leben gibet« 1• Daz wort lutet grop Und gemeine, und verstat
,o,.~ doch wenic ieman, wie im si, und ist doch war. Swer underscheit verstat von
gerehticheit und von gerehtem, der verstat allez, daz ich sage.
'Die gerehten suln leben' 2• Ez enist kein dinc sö liep noch sö begirlich
als leben under allen dingen. Sö enist kein leben sö brese noch sö swrerlich, 5
10 ein mensche enwelle dennoch leben. Ein g es c h r i f t diu sprichet: ie daz dinc
dem töde nreher ist, ie pinlicher ez ist. Nochd~nne swie brese daz leben ist,
sö wil ez leben. War umbe izzest du? War umbe slrefest du? Umbe daz du
lebest. War umbe begerst du guotes oder eren? Daz weist du harte wol. Mer:
1& war umbe lebest du? Umbe leben, und enweist dennoch niht, war umbe du 10
lebest. Sö begirlich ist daz leben in im selber, daz man ez umbe sich selber
begert. Die 3 in der helle sint in ewiger pine, die enwölten niht ir leben ver-
liesen, noch viende noch seien, wan ir leben ist sö edel, daz ez sunder allez
mitel vliuzet von gote in die sele. Dar umbe wan ez von gote also vliuzet

4 V__gl. oben S: 99 zu Z. 2f.

1 dä] das Bras dz B9 lebent Bras gibet] gat M2 I-utet] ist luter Bra~
2 ieman, wie] ifüent wir Bo we,r aber vnderschaid Bras 2f. von der gerechtikait Braa ·
3 von gerehtem, BT] von dem gerecl,tte Bras von gerechtii M2 von gerehten PfB9 allez bis
sage.] alles daz daz ich hie sprich Bras 4' suln leben'.] lebent. in ewikait Bras 5 al!,]
sin Bra3 B9 under] Vii er BT vii B9 Sö fehlt BT B<i noch] vnd M2 swrerlich,]
hart BT 6 ein] der Braa wil Bras noch denne B9 Es spricht ein geschrifft BT
ie bis 'l töde] Jedes ding so ez dem tode ye M2 7 nreher] nachent Bra8 ie bis ist. 2 ]
ie es pinlicher enist Bo sö ez ie pinlicher ist. PfM2 Nochdenne] Vnd BT daz] ez Bo
8 sö] dannoch BT War umbe 1 ] dar vmb Bu du oder war vmh Bras Umbe daz]
vmb das daz Mo durch daz daz Bra8 9 guotes] gotes Mo oder] vnd Bra 8 harte]
vast BT hu.t Braa Mer: fehlt BT 10 Umbe] · durch daz Bra, im Bo ·.1Qf. und enweist
(noch du enwaist M2 noch enwaist B9) dennoch niht (dennoch niht fehlt M2B9), war umbe du
iebest. Sö begi:rlich ist daz leben BT B9 M2 vnd du waist noch nit war vmb dir daz leben so
lieb ist So edel vnd so begirlichen ist daz leben Braa 11 umbe]· durch Bras 12 ewig
Bra3 12f. nicht wann ir leben versliessen noch M2 13 noch veinde noch sele M. noch
vigende noch sele Bo weder feind noch selen BT noch die tu.fel. noch die sel Bras leben
daz ist Pfl,f.2 leben (wie wol es jn peinlich) (Klammern im Druck) ist BT allez] alle
· PfM2 ·14 von gote 1 BT] vssz got Braa fehlt M2B0 in die sele.] in. sie. Pf BT wan
bis 106,1 dar umbe fehlt BT Pf (Homöoteleuton!) 14 Dar umhe bis 106,1 mitel,] wan es
denne svnder mittel vssz got flu.sset Bras 14 wan] dz B9

1 Bern hart De praecepto et dispensatione c. 20 nr. 60 (PL 182, 892): neque enim praesentior

spiritus noster est ubi animat quam ubi. amat. Das gleidie Zitat: P-f. S. 1'J,2'Jf.; .J42,29f.; 494,25f.;
496,28f.; '3'30,6f. (nidit als Zitat); ~n. · loh. n. 469: Et seclinduin hoc optime dicit Augustin u s
quod anima verius est ubi amat quam ubi animat. Tau l er. S. 2'J2,4f.; Par. an. S. 56,'32 ( dazu
S. XXXIII); 85,'Jf.; Greith S, 1'?'?,'?ff. 2 Pfeif f er setzt hinte~ Z. '3 sage einen Doppelpunkt

und madit den Absatz hinter Z. 4 leben'. Edchart aber will nidit sage11,, da/l, wer seine Lehre von
der Gereditigkeit und dem Gerechten verstehe, allein erkenne, weshalb .er sage: ,,die Gerediten
·werden leben"; er sagt vielmehr, da/l, wer seine Lehre von der Gerechtigkeit und dem Gerediten
verstehe, damit alles verstehe, was er predige. Die Wiederholung des Schrifttextes leitet dann den
nädisten Di;positionsabschnitt ein, i.n dem der Prediger über das Leben spricht. 8 Z. 12
Die~S, i06,2 Ieben.+S.10'?,12 Alliu.~109,1.;geläzen. stehtin B9 f.90v (ide.ntif, von„Quint),

105
..Predigt 6

simder mitel,. dar umbe wellent sie leben 1• • W az ist lebe.n? Gotes wesen ist
min leben. Ist min leben gotes wesen, so muoz daz gotes sin min sin und 20
gotes isticheit min isticheit, noch minner noch mer 2•
Sie lebent ewicliche 'bi gote' 3, rehte glich bi gote, noch unden noch oben.
5 Sie würkent alliu iriu werk bi gote und got bi in. Saut Johannes sprichet:
'daz wort was bi gote'. Ez was alzemäle glich U:nd was bi neben, noch. undenän
no.ch obenan, sunder glich 4 • Do go,t den menschen machete, do machete er 25

4 Vgl. oben. S. 99 zu Z. 2. 5f. loh. 1,1; vgl. audi. unten S.109,1f.

1 W az bis 2 leben. fehlt B9 (Homiioteleuton/) 1 'leben?] daz leben Braa Gotes


bis 3 gotes isticheit] gottes wesen ist jn jm leben jst jn jm leben gottes wesen So müs oucli
gottes sinn si in aim sinn sin vnd gottes istikai t Braa 2 daz] es B9 . 3 noch 1 ] weder
Pf BT 3f. mer. Sie] mer daz ist also ze versfan wan alle ding sint in gottes wesenlid1en
nit daz sin leben getailt si wan alle ding sint jn got vernufftenklichen nit daz sich selber ver~
stiint svnder si verstiit got jn jm selber Dis ist alles gesprochen von dem vs flus das die crea-
turen vndersdiaiden sint jn jrem vs bruch vnd von der ainung die si habent jn jrem.jnnek-
·lidien wesen si Bra 8 4 gote\ rehte glich bi gote, nodi B9 ] got vnd got ist jr Ion Red:it by
got glich nodi Bras gott (verstand die gerechten) (Klammern im Drude) ia ebengleidi bey gott
weder BT got nodi (Lüdce durdi Homöoteleuton) M2 gote, ja ebengelicli, nodi Pf 4 obnan
Bra 8 6 und bis neben,] vnd was bi nebent got recht glidi B9 fehlt Bras was• fehlt PfM2
6f. noch· vnden an noch oben an M2 nodi vnden an nodi obnen an Bra •. noch vndan nodi obnen
B9 weder vnden nocli oben BT , sunder] mer Braa machete 1 ] besdiuof Pf M2

1 Zu S. 105,4-oben Z. 1 vgl. oben S. B0,18ff. und Anm. 8, Pf. S. 58,14ff. Zu S. 105.12ff. vgl. Pf.

S.169,19ff.; BgT S. 9,3?-10,2 (Pf. S. 422,16-19); unten S.134,4f.; Sermo XVII n. 1'?6: Hinc patet
quod damnati non possunt velle non esse; In loh.' n. 226: Hinc, est etiam quod damnati natu-
raliter appetunt esse, quod habent immediate a deo, et per consequens deum ... ; In Gen. II
n.164: Hinc iterum est secundo, quod neque in damnatis appetitus naturaHs ad esse exstin-
guifar, neque synderesis remurmurans malo; In Gen.In. 244: Herum tantum bonuni est··esse
quod tall\ beati quam miseri volunt esse ... ; zu S. 105,13 viende vgl. oben S. 10'3;5 und Anm..
Zu S.105,1'.Jf; ·vgl. Quint S. 599f. .• Z.1-'J ~Rs.11 art. 36 (Thery S. 240): Trigesimus
sextus articulus sie dicit: vivere meum est esse dei, vel vita mea est essentia dei, quidditas
· dei quidditas mea. Vgl. oben S. 81,lff. und Anm.1; weiter: Pf. S.189,'?f.; 6Z,34ff.; ZfdA 49 S. 401,30ff.:
Got vnd dirre demütig mentsdi sind alzemal ain vnd nit zwai; ; .. waz got ist, daz ist ocli
er: ain leben vnd ain wesen. Ja bi got: wär dirre mentsdi in der hell, got müst zü im in die
hell, Ynd die hell müst im ·ain himelricli sin ... wan da ist dirre mentsdi gotlidi wesen, vnd
götlich wesen ist dirre mentsdi.; In loh. n.10'?: Cum enim homo, ut · dictum est, accipit totum
suum esse se toto a solo deo, obiecto, sibi est esse non· sibi esse, sed deo esse, deo, inquam, ut
principio danti esse, et deo ut fini, cui est et cui vivit. - Z. 2 daz gotes sin __:._ ,,das Sein Gottes";
die Überlieferung ist eindeutig und die Konjektur Lasso.ns daz gotes ist= ,,was Gottes ist",
der die Übersetzer folgten, unbegründet. - Zu Z. 1ff. vgl. audi oben S. 9'? zu P1, 8 In diesem

dritten Dispositionsabsdinitt knüpft Edchart an den Ausdrudc apud deum des gewählten Sdirift-
textes sdiwierige Spekulationen über den Gleichheitsbegriff an, die zumal ·von S. 10'?,5 an äußerst
subtil werden. Pred. Pf. Nr. 59, die den gleichen Schrifttext zum Gegenstand hat, bringt parallele
Ausführungen über apud deum im Absdinitt Pf. S. 189,35-'-190,4, wo audi loh. 1,1 daz wort 'was
bi gote zitiert roird (Pf. S.190,2) wie .oben Z. 6 und roo Eckhart sidi vielleicht im Hinblidc auf
die. eingehenderen Ausführu'ngen der vorliegenden Predigt ·sehr kurz f aflt: Nu merke von disem
ein w.enic (Pf. S. 189,35f.). 4 Zu bi = apud vgl. unten S.155,2ff.; 156,9ff.; In loh. n. 5 (Diese Ausg.,

Lat. W., 'J. Bd. S. '?,Zff.): Et hoc est quod sequitur: verblim erat apud deum. Non ait: sub
deo, nec ait: descendit a deo, sed ait: ver_bum erat apud .deum. Li. enim apud deum

106
Iusti vivent. iu aeterrn~m

die vrouwen von des_ mannes siten, dar umbe daz si im glich wrere~ Er machete
sie niht von dem houbte noch von den vüeze:p., daz si im wrere weder vrouwe
noch man, sunder daz si glich 'wrere 1• Also sol diu ,gerehte sele glich bi gote
so sin und hi neben gote, rehte glich, noch unden noch oben. ·
· Wer sint die als8 glich sint? Die niht glich sint, die sint aleine gote glich. 5
Götlich wesen enist · niht glich, in im enist noch bilde nocli forme. Die selen,
die also glich sint, den gibet der vater glich und eritheltet in nihtes niht vor.
M Swaz der :vater geleisfen mac, daz gibet er dirre sele glich, fii ob si glich sHH
ir selber niht mer dan einem andern, und si sol ir selber niht nreher sin dan
einem andern. Ir eigen -ere, ir nuz und swaz ir ist, des ensol si niht mer 10
begern _noch ahten da:i;i eines vrelllden. Swa:z iemannes ist, daz sol ir. weder
sin v;remde noch verre, ez si brese. oder guot2. Alliu minne dirre werlt ist
1 die vrouwen] daz wib Bras . von] uz BT Braa mannes] menschen B9 dar
urnbe daz] durch daz daz Bras glich 'jm Ba im fehlt Bras · 2 daz bis 3 wrere.]
dar vmb das si noch vnder jm noch oö jm w1l.r svnder das_ si jm glich w1l.r Bras
I
2 im
fehlt Pf BTb · wrere fehlt 'M•. 3 sunder fehlt B9 w1l.rint B9 der gerechten sel
Bras gerehte] recht B0 4 bi fehlt M2 1
und bis glich,] vnd recht gelich nebent
got Bras glich,] ebengelich Pf BT vndan B0 vnder Bra3 obnan B9 ohnen Bra8
5 die sint bis glich." fehlt Braa ·gote glich.] götleich M, 6 Götlich] dem götlichen Bra8
fehlt BT wesen dem ist PfM2B9I3T in] wan jn Bras in bis forme. fehlt M2 in
bis noch 1 ] jm mag weder -B0 ist _nit noch Bras Die selen] den selen B9 7 und
bis 8 s.ele glich, fehlt M, (Homöoteleuton!) 7 und] Er Bra8 enhaltet BrasBo in] ir Bra 3 B9
8 dirre sele] jr Bras in B0 jä bis stät] ie ob si glich stant B9 9 einem] ainer Bra8
und bis 10' andern. fehlt PfM, (Homöoteleuton[) 9 si fehlt Bras 10 einem] ainer Bra8
Ir eigen bis nuz J jr aigner nucz B_ras ,ere und ir BT B 9 des] daz Bras dz B9 si
fehlt ·M, mer fehlt M, 11 ahten fehlt M, Swaz bis 12 vremde fehlt B0 (Homöo-
teleuton!) 11 yemant BT 11f. daz sol jr noch fremd noch verre sin Bra8 11 weder]
wider PfM2 nicht BT noch Bras 12 noch] unde PfM, verre,] w1l.r B9 all die minne Bra 8

·sonat in quandam aequalitatem.; .n. 1? (S. 15,'J): Li apud enim aequalitatem significat, ut
dichi.m est prius.
1- Vgl. Pf. S. 62;20"/f. Zu Z. 2f. daz si im wrere weder vrouwe noch man vgl, Quint S. 600 ·

zu 204,28f., wo ich glaubte, dem isoliert stehenden Text. von Bra8 gegen BT B9 M, (Pf.) den Vorzug
geben ZIJ. müssen. Ich halte jetzt jedoch, zumal im Hinblidc' auf die oben angegebene Vergleichs-
stelle, den allerdings auff;illenden Text „daß sie· für ihn weder Frau noch Mann wä.re" für ur-
sprünglich. Eckhart will mit seiner merkwürdigen Äußerung hier nichts anderes sagen als an der
Vergleichsstelle Pf. S. 62,2'3-/f., und zwar daß Eva und Adam nicht einander glichen, sondern
gleiqi waren ohne Zweiheit: wan _swä zwei sint, dä ist gebreste (Pf. f!. 62,2'3). Um die Be-
stimmung dieses Begriffs der „Gleichheit ohne Zweiheit" drehen sich jedenfalls die weiteren
Äußerungen des Predigers. • Z. 'J-12 = RS. II art. 'J? (Th er y S. 240f.): Trigesimus septimus
articulus hapet: sie debet anima justa esse apud deum et juxta deum recte equafüer, nec infra
nec supra. Qui sunt illi qui sie sunt equales? IlH qui non habent similitudinem, in quibus non
_est aliqua ymago nec aliqua forma, illi _sunt omnes deo similes, quia esse' dei non est simil~,
essentia dei non est si.milis, et in eo nec est ymago nec forma. Anima que sie stat equaliter,
illi da-t pa-ter equaliter et nichil retinet quod non det ei. Quidqu,id pater ha-bet, hoc dat ei equa-
liter si ipsa stat equaliter et non sit plus sibi ipsi quam · alteri. Et ipsa non debet sibi ipsi esse
propinquior qu.am alteri, suum proprium honorem et suam propriam utilitatem et quidquid
suum 'est; illud non debet ipsa magis desiderare nec curare quam un_ius extranei, qU:idquid est
cujuscunque -hoc non debet ei ess_e alienum nec distans sive bonmn siv<? ·JDalum (vgl. Quint

H)?

j
Predigt 6

.gebuwen ·uf eigenminne. Hretest du die gelazen, so hretest du al die werH ,o

1 aigen minne M9 aigen minne Bras aigne minne B9 eigen lieb BT alle welt BT die
weit gancz Bras

S. 602f.); Wie man sieht, verwendet der Zensor similis und aequalis gleidimäßig zur Wiedergabe
des deutsdien glich. Audi Ed:hart sdieint mir in seinen lateinisdien Werken similis, aeqU:alis und
par gleidimäßig im Sinne von deutsdi glich gebraudit zu haben, roie die weiter unten zitierten
Stellen zeigen. - S. tü'?,6 hat Pf. Götlidi wesen dem ist niht glidt. Idi habe dem, das in allen ]Jss . .
überliefert ist, im Ansdiluß an die ,RS; getilgt, roeil es dem Satz einen Sinn verleiht, der m, E.
im, Zusammenhang nidit ursprünglidi sein dürfte. Ed:hart lehnt in diesem ganzen Zusammenhang
den Begriff der Gleidiheit für Gott soroohl roie für den Gerediten ab, roeil Gleidiheit den Begriff
der Zahl, der Zroeiheit oder Mehrheit in sidi sdiließt; Gottes Wesen aber und das Wesen des,Ge-
rediten soroie ihrer· beider Verhältnis zueinander beruht auf Einheit, roie Ed:harts Ausführungen
über die Sohnsgeburt ini Gerediten S. 109,tff. sehr nadidrüd:lidi betonen. Der Gedanke, daß dem
göttlidien Wesen nidits gleidi sei, paßt in diesen Zusammenhang nidit hinein und bedeutet im
Vergleidi zum Ursprünglidien eine Trivialisierung, die allerdings filr einen oder mehrere Sdireiber
sehr nahelag und daher leidit in alle uns bekannten überlieferten Texte geraten konnte. Zur
Ablehnung des Gleidisei'ns vgl. In Sap. n. 286f.:. Nofandum .quod signanter ait: imperium
tuuin. Imperium enim pröprie dei est solius, propter duo ad praesens. Primo quidem, qUia
deus, et hie solus, non habet parem. Secundo, quia .deus est impar, et par in ipso non est
. . . ipse deus impar est nec est in ipso parHas... , A vice n n a: »••• nec est aliquid simile
sibi nec communfoans, eo quod ipsum non est divisibi}e in partes nec effectu nec positione
nec aestimatione nec intellectu, et ideo propter unita:tem est impar«. Ratio ·est, quia omne
impar ex sui ratione indivisibile est et unum. Par autem e conttario ex sui ratione. divisibile
est et plura.; In Exod. n. 135: Nono, quia deus non est in pari nec par est in ipso ... A v i-
c e n n a ..., qui ait et ostendit, quod deU:s non habet parem. 1am enim essent duo dii, et si duo
dii, nullus deus .... ; 1n loh. n. '.J42: ..• ununi autem ... non producit simile, sed unum et idem
se ipsum. Simile enim ~liquam alietatem et diversitatem includit numeralem, in uno autem
nulla prorsus cadit diversitas.; In loh. n. 549: Ho mini autem, cum sit factus ad imaginem totius
unius substantiae dei et sit in esse productus sub ratione unius totius, non silfficit recursus
ad simile, sed recurrit ad unum unde exivit, et sie solum sibi sufficit.; Pf. S. 40,'?ff.; 85,24ff.; 151,19f.;
16'.J,'.J4ff.: dar umbe hat er dich im alzemale glidi · gemaht und ein bilde sin selbes gemaht. ·
Aber ime glidi wiset ein frömde und ein verre. Nil ist zwisdien gote unt der sele weder fröinde
nodi verre; dar umbe ist diu sele gote niht glidi, mer: si ist mit ime a:lzemale glidi unde daz
selbe daz er ist.; BgT S. 26,5f. (Pf; S. 4'.J5,'.J'?f.): ... das alles unt dem gelidie unt oudi gelidinus
selben gotte verre unt froemde sint.; ]u'ndt Nr.11 S. 267,'?ff.: Nuo spridiet ain haidenisdier
maister der mit naturlidie:n dingen darzuo cl:taem: Got mag als wenig glaidi leiden als wenig
er nit geleiden mag das er got nit sey. Glidinuss ist das· nit an gat (Pf; S. 620,20 riditiger: daz
niht an got ist), es ist ain sin in der ewichait; mer, glidiait das ist ain. W aer idi ain, so waer
idi nit geleidi: glfchait, das enist nit froemdes inn.e der ainidiait; es geit mir ain sin in der ·
ewidtait, nit gleich sin (Das Ganze= Pf; S. 620 Nr. 58): Preg er I S. 486,18ff.: Aber wir wollen
spredien: wa geleidieit ist, da ist kein einigkeit; wan geleidi ist ein beraubung der einigkeit,
und wa einikeit ist dai ist kein geleidieit; wan geleidieit stet in untersdieit und vilheit. ,Wa
geleidieit ist; da mag nidit einikeit sein. Idi. pin mir selber nit geleidi; idi bin ein ;und das
selb das idi pin.; J o s t es Nr. 82 S. 94,'.J2: Aber do si ein sein in dem wesen, di'l ensein: si niht
geleidi, wann g.eleidieit stet in undersdieid. Also spridi ich von der sele : sol si kö.men in die
gotlidien einikeit, so müz si die geleicheit verliesen, di si hat in dem ewigen bild. An den
folgenden Stellen· herrscht der Gedanke vor,· daß Gott nidits gleich ist: Sermo xuv· n. 4'.J'?f.:·Dei
enim proprium est non habere similem aut simile.. , in uno enim non est similitudo; Sermo XLIX
n.
n. 509 :' Dei enim proprium est non habere simile sive similitudinem; In Exod. '.J9: Deo aUtem
nihil est nec dici potest simile.; n. 118: Nulla er.go similitudo ponenda est deo; nam quant-o

108
Iusti vivent in aeternum

geläzen 1•
Der· vater gebirt sirren sun in der ewicheit im selber glich. 'Daz wort was
bi gote, und got was daz worf: ez was daz selbe in der selben nature. Noch
spriche ich mer: er hät in geborn in miner sele. Niht aleine ist si bi im noch
2 o5,5 er bi ir glich, sunder er ist in ir,. und gebirt der vater sirren sun in der sele 5
in der selben wise, als er in in der ewicheit gebirt, und niht anders. Er muoz
ez tuon, · ez si im liep oder leit 2 • Der vater gebirt sirren sun äne underläz,
und ich spriche mer: er gebirt mich sirren sun und den selben sun. Ich spriche
mer: er gebirt mich niht aleine sirren sun, mer: er gebirt mich sich und sich
10 mich · und mich sin wcsen und sin nature. In dem innersten quelle dä quille 10
ich ilz in dem heiligen geiste, dä ist ein leben und ein wesen und ein werk.

2 svn ewenklich jm glich Braa 3 ez was fehlt Pf BT dasselbig M2 Noch]


Nun BT 4 er bis sele.] Er gebirt in ainer sel Bra3 miii Bo 5 in1 fehlt M2
sirren J den Bo 6 in der ewicheit fehlt Bo Er] Es Bra 3 , leit. Der J laid laid ist
es jm nit der Bra 3 8 er bis 9 mer 1 : fehlt B9 (Homöoteleuton!) 8 er bis 10 In] Er gebirt
mich in sinem (?) svn jch sprid1 mer Er gebirt mich vnd den selben sun Nit allain gebirt er
midi in sine sun svnder er gebirt midi in sich vnd sich in midi vnd mich in sin natur von
gnaden als der sun ist jn natur in Bra 3 9 mer 1 : fehlt BT sich1 bis 10 mich 2 fehlt BT Bo
(Homöoteleuton!) 10 sin wesen und fehlt M2 (Homöoteleuton!) 10f. In dem innersten
quelle (gewellen Bra3) da quille ich uz in dem heiligen geiste, BT Bra 3 in dem innresten quelle
da qwellet vs der hailig gaist B 9 In dem nidersten quille ich uz in dem heiligen geiste, Pf M2
11 da] das M2 leben fehlt M2

plus ponitur, tanto minus ponitur et dissimilior efficitur.; In loh. n. 229: ... quod deus non
hab et parem.; Pf. S. 120,15f.: Aber ez ist gotes eigenschaft, spridiet ein meister, daz ime niht
gelich enist.; 14J,12ff.: Ein meister spridiet: got ist ein wesen, dem niht gelich ist noch niht gelidi
mac werden ... In dem, daz disiu kraft ( d. h. vernünftekeit) nihte gelidi ist, in dem daz si nihte
glid1 ist, sö ist si gote gclich. Reht als got niht(e) gelich ist, als ist ouch disiu kraft nihte gelich
(Hauptvergleidisstelle!); 2J5,6ff.: Dar umbe muoz der mensche getretet sin unde gar töt sin und
an im selber niht sin unde gar entglichet unde niemanne gelidi sin, sö ist er gote eigenlidie
gelich. W an daz ist gotes eigensdiaft unde sin nature, daz er ungelich si unde niemanne gelidi
si. - Zu S. 10?,6ff. vgl. Pf. S. 26?,16ff.: Gelicheit wirt geminnet. Minne minnet allewege daz
geliche, dar umbe sö minnet got den gerehten mensdien ime selber gelich.; S. J11,26ff.: Alsö
ist gote lüstlich unde genuoclidi, da er glicheit vindet, dur daz, daz er sine nature unde sin
wesen da alzemale uz gieze in die glid1eit, wan er diu gelidieit selber ist. - Zu S. 10?,6 in im
-forme vgl. Pf. S. 191,lJf. - Zu S. 10?,8ff. vgl. oben S. ?9,2ff. und Anm. 1.
1 Zu S.10?,9 und 12 vgl. Quint S. 600; zu S.10?,12-oben Z. 1 vgl. RdU S. ?,10ff. (Pf. S. 545,11tf.);

Sermo XIX n. 18?: Ubi nota quod amor sui sive creaturae universaliter radix est et causa omnis
mali ... In loh. n. 484: ..• utique (est) propria voluntas qua peccatur, amor sui, amor privati
boni. .•. ; n. 544: . . . radix omnis mali est amor sui, radix autem omnis boni est amor dei.
S. 10?,12 Alliu-109,1 geläzen in Ba2 f. JOva: Ein meister spridiet allu Jiebi dirre welt ist
gebuwen uf geeigent minne vnd hettist du die gelassenne so hettist du alle dise welte ge-
lassen.; genau übereinstimmend audi in Bar, f. 51rb; B6 f. 5r: Alle myn der werlt is gebouwet
op eygen myn heues du (du über d. Zeile nadigetragen) die gelaten soe heues du alle dinc
gelaten ende die werlt gelaten; vgl. oben S. 58 zu B 0 • Vgl. audi oben S. 105 Anm. 3. 2 Z. 5-?

=RS.II art. 38 (Thery S.241):'Trigesimus octavus sie habet: pafor genera,t suum filium in
anima eodem modo sicut ipse generat eum in eternum, et non aliter. Oportet eum facere,
sive ei placeat sive displiceat .(vgl. Quint S. 60Jf.). Vgl. oben S. 32,6ft. und Anm. 2, S. 40,4ff. und
S. 41 Anm. 1, S. ?1,8ff. und Anm. 3, S. 80,8f. und Anm. 4. - Zu Z. 4-5 vgl. Pf. S. 298,15.

109
Predigt 6

Allez, waz got würket, daz ist ein; dar umbe gebirt er mich sinen sun ane allen
underschcit1. Min liplicher vater ist niht eigenliche min vater sunder an einem
kleinen stückelin siner nature, und ich bin gescheiden von im; er mac tot sin 1s
und ich leben 2 • Dar umbe ist der himelische vater wrerliche min vater, wan
5 ich sin surr bin und allez daz von im harr, daz ich han, und ich der selbe sU:n
bin und niht ein ander. W an der vater ein werk würket, dar umbe würket
er niich sinen eingebornen sun ane allen underscheit 3•
'Wir werden alzemale transformieret in got und verwandelt.' Merke ein 2 0
8 Vgl. 2 Cor. 3,18: Nos vero omnes ... in eandem imaginem transformamur ... ; vgl. au<ii
i Cor. 15,51/52.

1 Allez J Also Pf M2 Bra 3 B9 fehlt BT (sieh Anm.) ein; dar umbe] ains vnd ich mit jm
dar vmb Bra 3 1f. mich sinen svnder allen vnderschaid B 9 mich vnd sinen svn än alles
vnderschaiden Bra3 2 liplicher vater] liplich natur B9 4 leben.] lebe PfM2 w1er-
liche fehlt Bras 5 sun1 fehlt PfM2Bras und allez bis 6 Wan] vnd alles daz dz ich
han von jm nit von mir selber svndcr. von jm vnd mit jm wan ich der selb sv:ri bin vnd nit
än ain andern aber doch von gnaden sin gnad w1'trchet mich in sin natur wan Bra 8 5 han 1 ]
hat Bo 6 W an bis würket1,] won der vatter am vatter wurket B9 7 mich in sine'n
Braa eingebornen fehlt Pf alles vnderschaiden Bra 8 underscheit. Ez sprichet
Paulus: wir Pf BT 8 werden] weren M2 als ze mal wider bildet oder dar vs formiert
Bras getransformiert BT Nun merk Bra 3

1 S. 109,6-'? oben Z. 1-2 vgl. RS. § II 4 art. 1 D (T her y S. 1'?'?): Item, pater generat me
filium suum et eundem filium, sine omni distinctione.; RS. II art. 39A (Th er y S. 242): Pater
generat suum filium sine intermissione. Plus dico: ipse generat me suum filium et eundem
:filium. Quidquid deus operatur, hoc est unum, propter hoc generat ipse me suum filium sine
omni distinctfone.; ,,Guta<iiten" art.19 (Pelster S.111'?): XJxus articulus sie habet: Hein dicit
quod pater gcnerat me suum filium et eundem filium. Quidquid Deus operatur hoc est unmn;
propter hoc generat me ipse suum filium sine omni distinccione.; Bulle art. 22 ( Arch. II S. 638):
Vicesimussecundus articulus. Pater generat me suum filium et eundem filimn. Quicquid deus
operatur, hoc est unuiu, propter hoc gener,at ipse me suum filium sine omni distinctidne (vgl.
Quint S. 604). - Zu S. 109,'? verweist Brethauer AfdA 53 S. 53. auf Pf. S. 620,30f. - Zu
S. 109,8f. vgl. Pf. S. 55,23ff.' und Quint S. 181; Pf. S. 86,19f.; 189,8; 25'?,40f.; In loh. n. 322:
... sie qui nascitur filius dei et <leus in ipso nascitur filius; vgl. auch die oben S. 109 Anm. 2 auf-
gewiesenen Parallelen, dazu Pf. S. 261,26; BgT S. 8,1Jf. (Pf. S. 420,40); ZfdA 6'? S.104,14f. (RS. II
art. 33, Thery S. 238). - Zu S. 109,9f. vgl. Quint S. 600; oben S. 93,8ft. - Zu Z. 1 vgl. Pf. S. '323,19ft.
- Z. 1 habe ich Allez im Anschluß an lat. Quidquid in RS., Bulle, ,,Gutachten" an Stelle des sicher
unechten überlieferten Also gesetzt. Die Korrektur rvurde bereits von Lasso n vorge~chlagen
und von den Übersetzern anerlcannt. 2 Vgl. Pf. S. 144,25ft.; In loh. n. 4'?1: ... generat

enim homo hominem, eiusdem naturae pater et filius, non autem generat ut iustus aut in~ustus.
, Pater enim iusti, ut iusti, non est homo, sed sola iustitia, et propter hoc qualis pater, puta
iustitia, talis et filius, eiusdem naturae utique.; Se us e S. 1'?9,15ff. 8 Z. 4-'? = RS. II art. 39B

(Thery S. 242): Et infra: propter hoc est celestis pater vere pater meus, quia ego sum filius
ejus, et ab eo omne (zu ergänzen: habeo) quod ego habeo, et quia ego sum ille idem filfüs et
non alius: quia pater unum opus op,eratur et simplex, propter hoc operatur ipse me unum
filium suum, sine omni distinctione (vgl. Quint S. 604f.). Vgl. BgT S. 8,1Jf. (Pf. S. 420,39f.);
S. 8,;6-'---9,4 (Pf. S. 421,21-2'?}; In Sap. n. 64: Rursus notandum quod iustus, in quantum huius-
modi, totum esse suum habet et accipit a sola iustitia, et est proles et filius proprie genitus
a iustitia et ipsa iustitia et sola est parens sive pater generans iustum; n. 42; zu Z. 5 sin sun
vgl. Quint S. 600.

HO
Iusti viverit 'fo aeternum

glichnisse .. Ze. glicher wise, als an dem sacramente verwandelt wirt brot in
unsers herren lichamen, swie vil der brate wrere, so wirt doch ein licham'e.
Ze glicher wise, wreren alliu diu brot verwandelt in minen vinger; so wre:re
25 doch niht mer dan ein vinger .. Mer: würde min vinger verw;andelt in daz brot,
so w~re diz als vil als jene~ wrere: W az in daz ander verwandelt wirt, daz 5
wirt ein mit im. Also wirde ich gewandelt in in, daz er würket mich sin wesen
em unglich; bi dem lebenden got so ist daz wär, da:z kein underscheit enistt.

1 wirt daz bröt BT Bras in fehlt B9 (Zeilenroedisel) 2 herren vrönlichriamen BT Bra8


wirt] wurdi Bra, doch niht me d.an ein Pf BT doch rHi ain Bras 3. weisz so werdent
alle M2 wis vnd alle die bröter ve:rwandlet wurdent in Bras meinem M2 ,wrere]
würde Pf BT 4 doch niht mer dan M2 doch nit me da denne Bras doch da nit denne B9
doch nüt wann .BT würde] wurden M2 wirt B9 gewandelt BT 'bröt fehlt Braa
5 als 1 ] so M. jenez (aines 89) wrere. Waz M2BrasB~ jenez; wan waz Pf BT gewan~
delt M,13,ras 6 einz PfM2Bras wirde] wllrd M.2Bras verwandelt Pf , in",'] .da:Z
Bra~ fehlt M. wesen bis 7 got] wesen ains vnd ains vnd gelich by jm by dem leben den
got Bras 7 unglich;] und gelicl1 PfM2Bras Vfi g. B9 BT (sieh :Anm.) bi bis got fehlt M2
lebentigen Pf BT daz 1 ] es Bra,s vnderschaide da enist Bras

1 S.110,8-111,2+5-?=RS. §Il4 art.1E(Thery S'.1??): Sequitur: nos transformamu,r

et coilvertimur, in deum totaliter eodem modo quo in s~criimento panis convertitur in corpiis
Christi. Quicu~qu~ sint multi panes, tarnen non fit nisi unum corpus ·Omnium. Quidquid con-
vertitur in aliud fit unum cum eo. Sie ego convertor quod ipse operatur me suum esse· unum;
non.simile.; RS. II art. 39C (TheryS.242f.): Nos .transformamur et convertimur in eum (eum
aus deum geändert Hs.). Simili modo sicut in sacramento convertitur panis in corpus Christi;
quotquot .panes essent, tarnen fit unum rorpus <;:hristi. Quidquid in alterum convertitur, · hoc
fit unum cum eo: sie ego convertor in eum qU:od ipse operatur me suum (Th er y ändert f älsdilidi
suum > unum.} esse, non siniile; Per viventem deum verum est hoc, quod ibi nulla est distinctio
(The r y s Interpunktion ist unrichtig.); ,,Gutachten" art. 20 (P e l s t er S; 1118):. xxus articulus sie
habet: Nos transformamur totaliter in Deum et convertimur. in Deum. Simili modo sicut in
sacramenfo panis convertitur in corpus Christi, sie ego convertor in. eum quod ipse operatur
me suum esse unum, non simile. Per viventem Deum verum est, quod ibi'nulla est.distinccio.;
Bulle art. 10 (:Arm.II S. 638): Decimus articulus. Nos transformamur -totaliter in- deum et con-
vertimU:r in eum; simili modo, sicut in sacramento panis convertitur in· corpus Christi: sie ego
convertor in euni, quod ipse me operatur suum esse unum, non simile; per viventem deurn
verum est, quod ibi nulla est. distinctio (vgl. Quint S. 605f.)._ - Z. ? habe im unglirh an Stelle
des allein überlieferten und glich .im :Anschluß an die lateinische Übersetzung· non simile in RS;,
Bulle ,und -,,Gutachten'' eingesetzt. Im glaube roie Thery (RS. S. 243), daß der Prototyp unserer
hsl'° überlieferung m;1-glich seiner Vorlage verlesen oder nidit verstanden hat. Ed:hart lehnt ja
doch im ganzen Zusammenhang die Gleichheit zugunsten der Einheit, ab .. Damit werden meine
:Ausführungen Zf dPh 52 (192?} S. 2?4 hinfällig,· der Gegensatz zu Karrers :Auffassung der Stelle
(M. E. S. 343) aber roird verschärft. Zu unglich vgl. Pf, S. 235,9; vgl .. auch R$. II art. 1b (Thery
S. 209). ~ Der Satz Z. ? bl-enist fehlt RS. § II 4 art. 1E, er steht jedoch RS. II art. J9C. Die
:Ansicht Kochs (Tüb. Theol. Qµart. Sehr. 1932 S. 153), der auf Peter ,Br o ro e (Scholastik' '.5, 1928,
S.,(i65 4nm. 2) verweist, daß die. Bulle den Satz aus dem „Original" hinzugefügt habe, ist dem-
nach irrig. Zu S. 110,8ff. vgl. In. Sap. n.1i8: Exemplum huius· invenimus in sacramento altaris et
in ipsa natura (Vgl. Ed:harts Verteidigung von RS. II art. 39, Thery S. 244: Exemplum supra
positum, es.t in natura). In sacramento quidem, ubi dimensiones panis; qui fuit,. et diniensiones
corpo;ris Chris:ti altrinsecus se respiciunt, propter quod sibi invicem non cornmensurantur, nec
eisdein legibus ast_ringuntur hinc inde.; . In Exod. n. 92: Exemplum praemissoruni est in sacra-
- 1

Ut
Predigt 6

Der vater gebirt sirren sun ane underläz. Da der sun geborn ist, da ennimet so
er niht von dem vater, wan er hat ez allez; aber da er geborn wirt, da nimet
er von dem vater 1. In disem ensuln wir ouch niht begern von gote als von
einem vremden. Unser herre sprach ze sirren jüngern: 'ich en:han iuch niht ge-
5 heizen knchte sunder vriunde'. W az ihtes begert von dem andern, daz ist as
kneht, und waz dä lönet, daz ist herre. Ich gedähte niuweliche, ob ich von gote
iht nemen wölte oder begern. Ich wil mich harte wol beraten, wan da ich von
gote wrere nemende, da wrere ich under gote als ein kneht und er als ein
herre an dem gebenne. Alsö ensuln wir niht sin in dem ewigen lebene 2 • 40

4f. Vgl. loh. 15,14f.: Iam 'non dicam vos servos , .. Yos autem dixi amicos, ...

111,7f. ist da der vatter B9 1 ar,ie] ain Bo Da bis 3 vater.] da der svn geboren wirt von
dem vatter da enpfacht er von dem vatter Aber da er geboren ist von dem vatter da nempt
(Vor nempt ist nimt er getilgt) er nit von dem vatter Braa 2 ez allez;] dz selber B.
3 In bis begern] In dem selben sullint auch wir nit nemmen noch begeren Braa 4 'ich
bis 5 vriunde.'] ich haiss vch nit knecht svnder ich haiss vd1 min frunde Braa 5 knecht
sunder frewndt M2 knecht sonder freünd BT Waz] Wan wz P1 ihtes begert] ich
begeren Bra 3 von dem andern,] von nidren B9 . 6 und] Nvn B. fehlt PfM2Bras

nuwelingen P 1 7 midi fehlt M2 harte] vast BT her vmb P1 da] so M2 8 da] so M2


Sf. als ein kneht und er als ein herre an dem gebenne (an dem gebornne Bo). M2B9P1 als ain knecht
ze nemment vnd als er ain herr an dem geben ob mir Bra 3 als ein kneht under sime herren
an dem gebenne. PfßT 9 ensuln wir] sint vil B.

mento dominici corporis, quod totum est in quolibet minimo hostiae consecratae; et in omni
forma substantiali, quae <est) se . tota per essentia,m et per quicquid (sui) in quolibet minimo
subiecti. Vgl. aucii Pf. S. 265,1?ff. und unten S.115 „Naciitrag".
1 Ahnlicii Pf. S. 191,'34ff.; vgl. aucii Pf. S. 100,6ff.; 158,'JOff.; In loh. n. 8 (Diese Ausg., Lat. W.,

J. Bd. S. 9,'Jf.); n. 412: Filius autem non tantum natus est, sed semper nascitur . . . 2 Z. 6-9

= RS. § II 4 art. 10 (Thery S. 181): Item, ego nuper cogitavi, utrum a deo vellem aliquid
accipere et desiderare. Ego volo valde bene deliberare.; RS. II art. 40 (Th er y S. 244}:
Quadragesimus sie habet: ego volo deliberare utrum aliquid velim recipere a deo vel desi-
derare, quia ubi ego essem accipiens a deo, ibi essem ego sub deo vel infra deum, sicut
unus famulus vel servus, et ipse sicut dominus in dando, et sie non debemus esse in vita
eterna.; ,,Gutaciiten" art. 16 (Pelster S. 1116): xvrus articulus sie habet: Item predicavit:
Ego nuper cogitavi unum. Ego (st. utrum ego) vellem accipere aliquid a Deo vel desi-
derare. Ego volo de hoc valde deliberare, quia ubi ego essem accipiens a Deo, ibi essem ego
sub Deo vel infra eum sicut unus famulus vel servus et ipse sieut dominus in dando et sie
non debemus esse in eterna vita.; Bulle art. 9 (Arch. II S. 6'3?): Nonus articulus. Ego nuper
cogitavi, utrum ego vellem aliquid recipere a deo vel desiderare: ego volo de hoc valde bene
deliberare, quia ubi ego essem accipiens .a deo, ibi essem ego sub eo vel infra eum, sicut unus
famulus vel servus, et ipse sicut dominus in dando, et sie non debemus esse in eterna
vita (vgl. Quint S. 606). - Zu Z. '3-9 vgl. In Sap. n. ?O; Pf. S. 60,16ff.; 62,18f./'36f.; 189,16ff.;
2'31,11ff.; 266,4ff.; ]undt S. 25?,15ff.; ähnlicii: In loh. n. 529: ... Vel quod ait: ubi sum ego,
i 11 i c e t mini s t er m e u s er i t, vult dicere quod merces ministri dei non est aliquid eitra
deum sive minus deo, sed ipse deus per substantiam.; n. 6'31: Sed certe passet dici quod
nee deo indiget sicut nec se ipso; nihil enim eo eget quod habet in se.; n. 6'32; In Gen: II
n. 84: Prima est, quod universaliter superius praecipit sive imperat inferiori; par enim in parem
non habet imperium. Propter quod irnperium dictuni est quasi 'non parium'. Quod si par in
parem non habet praeceptum, multo minus in superiorem.; n. 88: Exemplum est in servo,

112
Iusti vivent in ileternum

Ich sprach einest alhie und ist ouch war: waz der mensche uzer im ziuhet
oder nimet, dem ist unreht. · Man ensol got niht .nemen noch ahten uzer im
sunder als min eigen und daz in im ist; noch man ensol dienen noch würken
200,5 umbe ke1n warumbe, noch umbe got noch· umbe sin ·. ere noch umbe nihtes
niht, daz uzer im si, wan aleine umbe daz, daz sin eigen wesen und sin eigen 5
leben ist in im 1, Sumliche einveltige liute wrenent, sie süln got sehen, als er
da stande und sie hie. Des enist niht, Got und ich wir sint ein 2• Mit bekennenne
1.0 nime ich got in mich, mit minnenne ganich in got 3 • Etliche sprechent, daz srelicheit
1 sprich Bras als hie BtiPi also hie Bra8 und] nv Be waz der mensche] Der
mensch der BT üzer] uz BTBeP~M2Bras ·jm selber zucht Bras 2 dem] d3 Pi
solt Bras nemen fizer im (vswendig sin Bras) selber noch ahten PfM2Bras · uzer] ausz
BT ·3 als er min Pf BT und fehlt M2 · daz fehlt BT in im BraaM2] min.BT B0P1 in
mir Pf noch 1 bis dienen] Man sol auch weder dienen BT Man sol nit dienen Bra3 Noch
men soi weder dienen P 1 noch man ensol ainem (/) B9 4 vmb kain ding war vmb Bra8
4f. nichtz nich nit daz da vsser Braa 5 uzer] uz BTM2 si,] ist Bras wan] Nut wan Pi
aleine fehlt BoM,A eigen1 fehlt Pf getilgt M, 5f. und sin eigen (eigen fehlt B0 sin eigen
fehlt Bras) leben P,M2BrasB0] fehlt BT 6 im. ] jm selber Bras Sumliche Be Sölich BT
Seseliche P1 svnderlich Bras ettleich M2 wrenent bis "! hie.] wenent daz si got sullint sechen
als ob dört stend si vnd si hie Bra8 6f„ also ob er P1 · er stande da BTa stande er
dä Pf BTb "! Des] das BT Dz B9 wir fehlt BT BrasP1 sint] sin Pf sein M2
,f. ein. Mit bekennenne nime (neme aus. meine korrigiert M2) ich got in mich, mit minnenne (mich
vnd .mit minnen Pi) gän ich in got. B9 M2P1] ains mit bekennen ich got in midi so gan ich
~innen in got Bras ein mit bekennen Nem ich got (ich also got BTb) in mich mit meinem geen
gee ich in got BT ein mit bekennen. Nime ich also got in mich mit minne, sö gän ich in got. Pf
·s EHlich leüt spr. B.T Sf. sprechent sälikeit lig nit an Bra3

qui foris accipit mandatum voluntatis domini sui, et in illo, qui ipsam voluntatem domini habet
prae!jentem et informantem et formantem ( voluntatem) ipsius servi, non iam servi, sed amici
potius, cuius est una voluntas et unum velle. - Zu S.112,8f. ogl. Quint S. 600 zu 205,39. - Zu
S.112,4f. ogl.Pf. S.63Sf!.; ]ostes S.9?,1f/.
1 Zu Z. 1-6 vgl. oben S. 80,2'3ff. und S. 81 Anm. 1 mit den dort aufgeführten Parallelen .. Auf

roelme Stelle Eckhart sim in Z. 1 zurückbezieht, läßt sim roohl nimt mit Simerheit entscheiden;
vielleimt ist Pf. 8.158,3?ff,· gemeint. Vgl. aum oben S. 66 Anm. 3 und S. 95,4ft. - Z. 1 uzer im
=,,außerhalb seiner, von außen", vgl. Quint S. 601, Im habe mi.t Pfeif/er gegen die hsl. über-
lieferung uzer st. uz eingesetzt, roeil uzer den Sinn deutlimer roetden läßt; ogl. Z. 2 und 5 soroie
Pf. S. 146,18. Das in z. 1, 2, 3, 5 und 6 stehende ii:n ist re.,,.exivismer Dativ und bezieht sim ebenso
roie das possessivisme sin in Z. 4. und 5 auf der mensche bzro. auf man (Z. 2 und 3). Übersetzung
von Z.1-6: ;,lm sagte. einst hier, und es ist roahr: roenn der Mensm etroas von draußen (von
außerhalb seiner selbst) bezieht oder nimmt, so ist das unremt. Man soll Gott nimt außer sich
(d. h. außerhalb des Menschen) erfassen noch ansehen, sondern als sein Eigen und als das, roas
in einem ist' (erfassen und ansehen); ma.n soll auch nicht dienen noch roirken um eines „ Warum"
roillen, roeder um Gottes noch um seiner (d. h. des Mensmen) Ehre roillen noch um irgend etwas,
das außer einem ist, sondern .nur um dessen willen, roas das eigene Wesen und eigene Leben
in einem ist." Vgl. Pf, S.138,2?f/.; vgl. auch oben S. 80,18-23 und Anm.? und 8, S. 91 Anm.1. ~
Z. 3 in im abroeimend von Quint S. 601 (206,3). 2• Ähnlich; In Sap. n. 60: Hinc est

quod secundum Augustin um »solus Deus illabitur animae«; omnia alia foris stant et extra,
utpote .distincta et aliena, quodlibet .a quolibet. 8 Zu Z;? Got-8·,in got ogl. Quint S. 601

zu 206,Bff. Übersetzung: ,,Durch das Erkennen ziehe im Gott· in mich hinein, durch die Liebe hin-
gegen gehe ich in Gott ein." Vgl. Sermo VII Ti. ?8: Veritas: quasi via dei ad hominem interi-
ore~ ... Caritas; via hominis ad deu,n, . . .

113
Predigt 6

niht lige an bekantnisse sunder aleine an willen. Die hant unreht; wan lrege
'eZ aleine an willen, sö enwrere ez niht ein 1• Daz würken und daz werden ist
ein. Sö der zimmerman niht enwürket, sö enwirt ouch daz hus niht. Da diu
harte liget, da liget ouch daz gewerden. Got und ich wir sint ein in disem
5 gewürke; er würket, und ich gewirde 2• Daz viur verwandelt in sich, swaz im 10

zuogevüeget wirt und wirt sin nature. Daz holz daz verwandelt daz viur in

1 an 1 ] an der M2 in B9 bekennenne Bo aleine fehlt Bras an 2 ] in Bo an


dem willen Bra 3 Die bis 2 willeIL, fehlt BrasM2 (Homöoteleuton!) 2 ez 2 ] das Bras
ein. bis 3 ein.] ains daz da wurchent vnd gewerdent ist daz ist ains Bras 2 gewerden Bo
3 ein.] ains B9 enwirt] würket PfM2B9 würckt BT wurcht Braa Dä bis 5 gewirde.] Do
der hagch gelag do gelag ouch daz werch gottes vnd ich wir sigint ains in dem wurchen Aber
er würcht vnd ich gebir Bra 3 4 harte] bartt oder axt BT liget, da liget] lit da lit
B9 lät da lät BT gelag do gelag Bra3 lät, da lat PfM2 ouch fehlt M2Bo sint] sigint
Bra 3 seind BT sein M2 sin Pf disem] dem PfM2Bra 3 5 gewerke Bo ich gew~den
M2 6 vnd daz wirt Braa daz 1 fehlt BT Bras wandelt Bo

1 über die Streitfrage, ob Vernunft oder Wille das höhere, beseligende Prinzip sei, handelt

Eckhart an sehr vielen deutsdien und lateinischen Stellen, vgl. etwa Pf. S. 110,6ff.; 121,l?ff.; 106,'30ff,;
126,18ff.; 1'30,j?ff.; 1'38,15-/f.; 144,5ff.; 191,'31ff.; unten S. 122,'Jff.; 152,9ff.; BgT S. 49,Jff,; ] ostes
S. 6,'32ff:; In loh. n. 108; n. 6?'3: Beatitudo utrum consistat in actu intellectus vel voluntatis
antiqua quaestio est. Videtur autem ex praemissis verbis quod consistat in cognitione et
intellectu substantialiter.; n. 6??: Patet ergo quod beatitudo, praemium scilicet, per se respi-
cit intellectum propric.; Sermo XI n. 11?; n. 120; Sermo XXIV n. 248; In Gen. II n. 80. Hier wie
fast an allen übrigen Stellen gibt Eckhart der Vernunft den Vorrang vor dem Willen in bezug
auf die Fähigkeit, die Einigung und Einheit des Mensdien mit Gott herbeizuführen. 2 Mit

Z. 2-'--5 vgl. In Gen. II n. 51: Sie enim etiam apud nos idipsum est domificari et domificare. Quod
est domui aedificari, domificatori est aedificare; simul sunt aut non sunt; et idipsum est esse
utriusque, inquantum talia sunt. Quod si domificator per substantiam suam se ipso, nullo addito
dcimificaret, idipsum esset ipsi domificare, quod esse, et consequenter idipsum et unum esset
domui esse et domificari.; In Sap. n. 12'3: R1,1rsus etiam argumentum et exemplum dictorum est:
quia enim fieri domus est a domificatore sicut aetio - ab ipso enim est active -, fieri autem
domus in materia est passio, quae duo genera, actio et passio, sie se habent quod unum est in,
altero et sunt res una, simul oriuntur,. simul moriuntur; domificari enim et domificate sie se
habent, ut dictum est.; Quaestio, Utrum in corpore Christi etc., n. 6. {Diese Ausg., Lat. W., 5. Bd.
S. 81,5-9): Ad quartum dico, quod omILis effectus est in sua causa, et ibi solum est. N am
Policletus non est causa domus qiiia homo, sed hoc accidit; nec quia Policletus, nec quia domi-
ficator, sed quia domificans actu. est causa domus et ficri domus. Sed domificari statim sistit
cum sistit domificare; nam per domificare stat domificari. Ideo in illo et ab illo et per illud
est.; Pf. S. 196,'38f.; 86,1?f. - Z. '3 habe ich gegen die hsl. Überlieferung enwirt st. würket, das keinen
Sinn ergibt und in der gemeinsamen Vorlage unserer, Überlieferung wohl sdion aus wirdet oder
wirt (würt) entstellt war, konjiziert. - Zu Z. 4 harte (=.,Axt") vgl. ZfdA 69 S. 265,86ff.: wan man
meinit me daz hus, daz man mit der harten machit, dan di harten, wan dit hus ist ein sache
der harten, vnd di harte ist durg daz hus.; In loh. n. 584: Est enim bonitas moralis., in actu
exteriori sicut forma domus in manu et dolabra domificantis. - Zu Z. 4f. vgl. In Sap. n. 46:
Deus operatur per ipsos et in ipsis, e.t ipsi operantur per Deum et in Deo .. , Quinto die quod
iustus in manu Dei est, quia operatur cum Deo et Deus cum ipso, sicut eorpus cum anima
adeo unum et idem opus operantur, ut qui dicit animam per se intelligere, dicat ipsam texere
vel aedificare.

114
Iusti vivent in aeternum

sich. niht, mer: daz viur verwandelt daz holz in sich 1• Also werden wir in got
verwandelt, daz wir in bekenrren süln, als er ist. Sant P au 1u s sprich.et: also
2o suln wir bekennende sin, rehte ich in als er mich 2, noch minner noch n:ier,
glich bloz. 'Die gerehten suln leben ewidiche, und ir lön ist bi gote' also glich.:
Daz wir die gerehticheit _minnen durch sich selben und got ane warumbe, 5
des helfe uns got. Amen .
. if. Vgl. 1 loh. 3,2: ~ .. similes ei .erimus: quoniam videbimus eum, sicuti est. 2f. Vgl.
1 Cor. 13,12: •.. tune autem cognoscam, sicut et cognitus sum. 4 Vgl. oben zu S. 99,2f.

1 mer:] aber Braa sonder herwiderumb BT wandelt B9 2 gewandelt BT Ms


in bekennen suln, ·Br B0]. in denne bekennen PfM2 jn denn recht bekennent Braa Sant
Paulus sprich.et M2BrasB0 sprichet sant Paulus (Johannes BT). l:'f BT 3 wir in bekennende
PfBraa 4 suln] werdent BT suln leben ewicliche,] lebent in der ewikait Braa.
4f: glich als (wie BT) ich geseit hän. Daz Pf BT 5 Daz bis 6 Amen. fehlt B9 5 äne
warumbe ] an war</vmb (so Hs., unter·'war< ist min v. ders. Hd. nachgetragen) Braa 6 des helf
tns got (got über d. Zeile nachgetragen) der vatter vnd der hailig gaist amen Braa got.] die
yewesende warheit BT · ' -

1 Zu S. 114,5-oben Z. 1 vgl; Pf. S. 86,?ff.; 196,40ff.; 286,10ff.; 29?;1'/f.; 'J'J4,Jff.; BgT S. 20,JOff. (Pf.

S. 4'31,19ff.}; In Gen. II n. 85; fücempli .gratia: ignis agens generando -formam suam in ligno, hoc
ipso quod dat formam ignis, docet, imponit et praecipit illi, cui dat formam, calefacere, sursum
ferri et huiusmodi, prohibet autem infrigidare, i:Ieorsum inclinari et similia.; n. 118,, vgi. auch:
In Sap. n. 100; 'In loh . n; 129; n. 640; zu S.114,5-oben Z. 4 vgl. Sermo LV n. 556: Transfor-
matur: siquidem in illud esse divinum quo utique esse divino deus est et vivit. Sie enim dicinius
animal cibo vivere et igiJ.em suo modo vivere lignis transformatis in esse ignis. 2 Vgl.

BgT S.14,12f. (Pf. S. 426,Jf.); In loh •. n.110 urid 504 (SchluP)f., 506; Z. 2 schreibt Pfeiffer sprichet
sant Paulus und zieht dies zum Voraufgehenden; er stützt sich dabei auf BT, roo indessen richtig
Pauluf:l durch Johannes ersetzt ist. In Wahrheit aber leitet Eckhart durch Sant Paulus sprichet
ein vages Zitat ein. Zu Z. 3 wir bekennende vgl. Quint S. 601. ·

Naddrag
Zu S.110,8-111,5 vgl. noch Sermo V n. '31 c Secundq notandum quod idem esset de digito
meo. Si enim diversa et in diversis locis corpora converterent'1r in digitum meum, nulla prorsus
fieret digito meo additio nec aliqua penitus innovatio; nam si sie, iam non esset simplex nec
simpliciter conversio 'in ·meum digitum. Sed forte quis diceret hoc impossibile esse .cuicumque
virtuti etiam infinHae propter rei in se ipsa impossibilitatem, ad hoc dicendum primo quod
'iam hie primo praemisi. Praeterea: videtur quod saltem oporttiret, si aliquod corpus fieret digitus
meµs, quod iUud transiret vel transferretur,. ubi est digitus meus, et sie non maneret ubi prius
· nec digitus meus esset illic post illud, hie ubi scilicet fuit et .est digitus meus. Ad quod dicen-
dum quod corpus Christi sicut quodcumque aliud corpus, nullum habet prorsus respectum sive
ordinem aut .quamcumque habitudinem ad locum sive ad hie aut ibi, nisi ratione suarum di-
mensionum propriarum'.. U:nde corpus ·christi non est in altari localiter sive sacramentaliter ut
tamquam in loco, sed tamquam in sacramenfo.

B* 115
PREDIGT 7 (Pf. Nr. LXXII S. 226-228)

Handsdiriftlime Oberlieferung (sieh Quint S. 632f., Spam er PBB ,34 S. 337, Sk u tel1 a ZfdA 68
S.77, Strauch Par. an. S.XXIII zu Nr.19):
Ka1 ·f. 67vb-68ra = S. 117,7 Ez-118,2 vride. +
Pf. S: 603,28 er soZ-30 geviele. + unten S. 118,2
Unser herre-8 mensche. {Spamer Diss. S. 71 Z. if, ist nicht genau).
H2 f. 54r-56r. ·
N, f. 85ra-86ra, alte Zhlg.: f. 95ra-96ra = J o s t es Nr. 79 S. 84 (Text ungedruckt).,
0 f. 37v-39r = Shauch Par. an. Nr.19 S.46-48. ·
Str2 f. 8r-11v•.

Filiation der Hss. (sieh Quint S. 633435): N1 vermittelt zwischen OH.i und Stro, d.och so, daR
es verwandtschaftlich enger an Str2 als an OH. gebunden ist, wie insbesondere der gemein-
same Fehler bei 122,3 genftget nicht ist Str2, genftget niht ist N1 (sieh Quint S. 633) beweist.
N, muf! als relativ verläßlichster Text angesehen werden. Stro bietet den schlechtesten Text mit
·vielen Fehlern und Lücken. Auch Ho und O weisen viele Verderbnisse, insbesondere Lücken
auf. Die Hs. H2 enthält die gleiche Predigtsammlung wie O und geht mit diesem Kodex auf .
dieselbe Quelle zurück. Sie ist teilweise besser, teilweise schlechter als 0. Keine der beiden
Hss. kann Abschrift der ander~ sein (vgl. etwa Ho unten zu S. 118,3, 0 zu S. 121,12). Auf
H2 machte W.Stammler ZfdPh-55 S.291 aufmerksam, ohne jedoch, die Signatur mitzuteilen,
die Pa h n c k e auf meine Bitte hin an Ort und' Stelle feststellte'. ·

Textkonstituierung (sieh Quint S. 635): Der Zuverlässigkeitsgrad der Gesamtüberlieferung


unserer Predigt darf kaum hoch bewertet werden. Keiner der Texte macht einen ini gesamt
überzeugenden Eindruck. Ich bin im wesentlichen N1 gefolgt, habe aber im einzel,nen die text-
kritischen Entscheidungen auf Grund innerer Kriterien getroffen.

,,Reditfärtigungssm.rift": ,
§ II 4 art. 14A (Thery S. 183)} = {"-') S 'u 92 _ 7
II art. 47 (Th er y S. 249f.) · • ·

Emtheit: gesicli:ert durch RS. Hsl. Bezeugung sieh unten im Eingang des. Variantenapparats.
Weitete Bezeugung in J ost~s Nr. 10 S. 8,3, sieh unten S. 120 Anm. 1.
Theophora Schneider trägt in ihrem oben S. 53 Anm .. zitierten Buch S; 125,---127 text-
kritische Ausführungen zu 'unten S. 122,5-123,1 vor lind sagt, daf! ,.diese Textstelle au<h noch
na<h der Quintschen Verbess-erung, erst recht nach der Lesart bei Pfeiffer verderbt" sei. Wenn
sie das von Pfeiffer aus Stro übernommene versteridikeit überall in der Predigt zugunsten von
bekantnisse undr vernünfticheit tilgt, so bin ich ihr darin im Anschluß an N1 und O (Ho) gefolgt,·
ohne doch mit ihr vorschnell. behaupten zu wollen, daf! ,,verstendikeit keinen Platz im Eckehar-
ti'schen Sprachgefüge" habe (S. 126). Völlig verfehlt aber ist es, wenn Th. Sch. für die vorliegende
Predigt einen scharfen Unterschied zwischen bekantnisse und vernünfticheit konstruiert und ver-
nünfticheit mit barmherzicheit in eins setzt und für synonym· erklärt (S. 126). Eckhart bezeichnet
in dieser Predigt die Bar m her z i g k e it Gottes in einem ganz bestimmten, hohen Sinne als
das höchste Werk Gottes (S. 121,1ff.). Der .Ort in der Seele für dieses höchste Werk ist das
Heimlichste u'nd Verborgenste und liegt weit oberhalb der Seelenregfon, in der die Kräfte Wille
und Vermµ1ft in ihre Akte Wollen und Erkennen ausbredien (S. 123,6ff.). Iin Gegensatz zu den
Meistern spricltt E<khart nicltt nur dem Willen, sondern auclt der Vernunft, wiewohl sie nicltt
wie q.er Wille in der Erfassung Gottes an die Qualität der Güte gebunden ist, sondern durclt-
alle qualitativen Bestimmungen des göttliclten Wesens dui:cltzubreclten und es bloz zu nehmen
vermag, das Einigungsvermögen ab, um es der Barmherzigkeit vorzubehalten (vgl. die genaue
Paralle bei Pf. S. 255,14ff.). Wie im sclton oben S. 53 Anm. betont habe, verwendet Eckliart hier
wie an anderen Stellen bekantnisse (verstantnisse) und vernünftidieit unterscliiedslos zur Bezeiclt-
nung der dem Willen entgegengesetzten Kraft des Erkennens. DadurQJ., daß Th. Scli. für diese
Predigt gegen die hsl. Überlieferung den Gegensatz zwisclten bekantnisse und vernünftidieit
gewaltsam konstruiert und obendrein nun nodi. vernünftidieit mit _barmherzidieit synonym setzt,
stiftet sie inhaltlidi.e Verwirrung, und so kann es nidi.t verwundern, daß der von ihr konstituierte
Text, den sie S. 122' mitteilt, ein heilloses inhaltlidi.es Durdi.einander aufweist, in dem der Ge-
dankengang des Predigers völlig entstellt ersdi.eint.

Populi e1us qui in'te est, misereberis.'


216,15 Der prophete sprichet: 'herre, des volkes, daz in dir ist, des erbarme
dich'. Unser herre antwurte: 'allez, daz anvellic ist, daz sol ich gesunt machen
und sol sie willicliche 1 minnen'. ·
Ein .wort nime ich, daz 'der phariseus begerte, daz unser herre mit im 5
reze', und 'unser herre sprach ze der vrouwen: vade in pace, ganc in den·vride'.
so Ez ist guot, der von vride ze vride ku.met, ez ist lobelich; doch ist ez gehre- ·
stenlich. Man sol loufen in den vride, man ensol niht anevähen in vride. Got

1; 2f. Os. 14;4: ••• quia eins, qui in te est, misereberis pupilli (zu populi vgl. Albertus M.
In XII Prophetas minores [Borgnet XIX S, 120b]: "misereberis pupilli". Septg,aginta: ,,Populi".);
5: Sanabo contritiones eorum, diligam eos spontanee, . . . Vgl. audi unten S.120,10f.; 121,12f,
5-6 Luc. 'Z',36/50; vgl. audi S.118,6f./10; 119,6/.

Zuweisungen: XIX Populi eius qui in te est misereberis. Hie bewiset meister Eckart
(Edi.art H9) die seien die in gote sin und wie got barmherziclidte mit in würket und wie sin
barmherzidi.eit ist .über alliu sin:fo werk. OH, (im Inhaltsverzeidinis, 0 f. 1vb-2ra [Par. an, S. 2],
H, f. 2r)
tJberschriften: Sermo de tempore XIX Ode tempore XIX Hm
1 Populi bis misereberis. OH,] populus qui in te est etc. (aufdem Rand) Str2 fehlt N1
2 prophete] wissage PfSt'r9 spradi. Pf des] daz N1 daz bis 3 didi.'.] etc. OHt
3 anvellic] nidirvellic OH<J Sol] wil OHs idi. allez g. PfStr2 sol bis 4 minnen'. fehlt OH2
4 willicliche] billidi.e Str20H2 IIiinnekliclien N, minnen'.]lieb haben Str2 6 und fehlt OH,
ganc in den vride' fehlt PfStr,N, 'Z' von vride ze vride .OH, von unfride ze fride PfStrmKa,
von vnfrauden zv frauden N1 - ,f. gebredi.lidi. OH, - 8 in den vride,] in. de vride O in
de fride H9 in frid N, ze (zu Str9) fride PfStr2 aneheben in dem vride OHm anehaben in
de friden Ka, in vride.] unftide PfStrs

1 Idi habe williclidi.e konjiziert; überliefertes billidi.e (Str9 0H,) und minneklidi.en: (N,) halte

idi für entste1lt oder miPoerstanden aus williclidi.e = spbntanee; vgl. Albert u s M. In XII Pro-
phetas minores {Borgnet XIX S; 120b}: Spontaneum est quod totum in libertate voluntatis consistit.

117
Predigt 1

wil sprechen, man sol gesast sin in vride und gestözen sin in vride und sol
enden in dem vride 1. Unser herre sprach: 'in mir hat ir aleine vride'. Rehte.
als verre in got, als verre in vride. Ist sin iht in gote, .daz hat vride; ist sin 2s
iht. uz gote, daz hat unvride 2• .,Sant Johannes spriche.t: 'allez, daz uz gote
5 geborn ist, daz überwindet die werlt' .. W az uz gote geborn ist, daz suochet
vril:le u~d loufet in vride s. Dar umbe sprach er: 'vade in pace, louf in den
vride'. Der mensche, der in einem loufe ist und in einem streten loufe ist und
daz in vride ist, der ist ein himelischer mensche 4• Der himel loufet streticliche
umbe und in dem loufe suochet · er vride 5• so
10 Nu merket: 'der phariseus begerte, daz unser heue mit im reze'.. Diu spise,
2f. loh. 16,33 (?) 4f. 1 loh. 5,4 10 Vgl. oben zu S. 11?,5f.

1 gesast] gesant OH, in den vride OH,Ka 1 und 1 bis 2 vride. fehlt OH, (Homöo-
teleuton!) 1 vfi sol gestosen Ka1 in vride•] in den fride Ka1 2 dem] den
Ka, fehlt Pf vride. bis sprach:] fride Der m. sol in solgen fride gesessen sin dz himel
vnd erde vmb keret wrde daz ime daz in gote wol geviele Do von spricht vnzer herre Ka1
·(Pf. S. 60'.J,28-JO) Unser hene] Got der (der fehlt Pf) PfStr, alleine hait ir vride 0
alleine hat er fride H, hant fride alleine Ka1 hat ir allein frid N1 aleine] allen PfStr,
3 got,] gote Pf Ka1 ist bis 4 unvride. fehlt H, (Homöoteleutontj 4 uz 1 ] uzer Pf
6 in den (dem 0) vride OH, Dar umbe bis 1 vride'. fehlt PfStr, (Homöoteleuton!)
6 sprich.et OH, 'vade in pace, fehlt Ka1N1 louf] loufent Kai lauffet Ni den]
dem OH, 1 in einem loufe ist und fehlt PfStr, loufe•] lauffe N1 ist• fehlt Ka,N1
8 daz fehlt Pf der] daz OH, der m. Ka1 9 umbe fehlt OH, und fehlt N1
10 Nu merket: fehlt PfStr, 'der] wie der OH, reze. Diu] ·reze, und man sol merken,
wie diz hiezuo konie. Diu OH, ·

1 S. 11?,? haben Str2 N1 Ka 1 und mit ihnen Pf. von unvride ze vride, und. nur OH, haben das

Richtige, roie aus S. 11?,Bf. eindeutig hervorgeht. Eckhart schätzt den Frieden am höchsten, roenn
er das Endstadium eines Kampfes ist, eines aktiven Bemühens um den Frieden, der. am Anfang
noch nicht da ist (Quint S. 6J6). Vgl. In Gen. I n. 26J: »••• Et illud verum est, quod exitus
de labore ad quietem est maior delectatio quam continue quiescerec. Ve.rba sunt Rabbi
Moy sis. Vgl. Pf. S. 88,26ff.; J9?,8ff.; 21J,29ff.; 60J,2?ff.; 61?,9: Tho.mas Expos. cont. s. Luc. c. ?,50.
• Zu Z. 2f. vgl. RdU S. 45,?ff. (Pf. S. 5?8,Bff., Diederic.hs Diss. S. 85): Wa,nn alss vil. bistu in,
got, als vil du bist in frid; und als vil 11ss got, als vil du bist. uss frid. ist edit eins in. got, das
seih hat frid. als vil in got, als vil in frid. daran kenne, wie viel du in got bist, und ob es
·anders ist, ob du frid oder unfrid hast; wann wa du unfrid hast in dem muss dir von not
unfrid sin, wann unfrid komt von der creatür und nit von got.; Sermo XXXIII. n. JJ4: loh. 16:
'in mundo pressuram habebitis, in me autem pacem'. Unde deus nullo modo potest esse, ubi
pax non est.; In Gen. I n. 142: primo quomodo deus et ipse solus quiescit et in se ipso solo
quiescit; rursus quantum ipse et solus ipse dat requiem et facit requiescere omnt/i quae citra
sunt, et in ipso et s.olo ipso quiescunt omnia. - Z. 4 uz gote 1 = .,außerhalb von Gott". · 8 Vgl,
In loh, n. 110: sie et quod :6.atu.µi est ex deo, .deus .est, dei filius est. 1 loh. 5: 'omne quod natum
est ex deo, vincit mundum'. Infra sextodecimo ait filius:. 'ego vici mundum'.; n.1H: Vult ergo
dicere quod nihil h:umanum et per cons.equens nihil m:undanum neque creatum.debet se gignere
in nobis, ut simus ex illo nati, sed ex deo solo nati.. - Zu .z.
6f•. vgl. Quint S. 6J6. . 4 01:Jer-
setzung: ,.Der Mensen, der sich im Laufen und im beständigen Laufen befindet u. zro. (oder: .,und
dies") in den Frieden, der ist ein himmlischer Mensdi". Vgl. Quint S, 6J6. ~ Zu hhnelischer
mensche vgl. unten S.12$,4; BgT S. 13,12 (Pf. S. 425-,9). über den. homo caelestis im Gegensatz ~Uin:
homo ierrenus vgl. etroa In. Gep,. II n. 2? und JBff, . 5 Vgl•. Pf. S. 255,29; J Os .t e /l . .S. 6,6ff.

118
· Populi eius

die ich izze, diu wirt also vereinet mit minem libe als min lip mit. miner sele 1,
Min lip und min sele diu sint vereinet an einem wesene, niht als an einem
35 werke, als min selc, diu einiget sich dem ougen an einem werke, daz ist, daz
ez sihet Alsö hät diu spise, die ich izze, ein wesen mit miner nature, niht
vereinet an einem werke, und meinet die grözen cinunge, die wir mit gote 5
suln hän an einem wesene, niht an einem werke. Dar umbe bat der phari-
seus unsern herren, daz er mit im reze 2•
Phariseus sprichet als vil als einer, der abegescheiden ist und umbe kein

1 die bis sele.] die der mensdie izzet, diu wirt verwandelt in in in den lip (in im in dem
leih Str2) als der lip mit der sele. PfStr. 2 Min bis sele] Der lip unt diu sele PfSir2 fehlt
OH2 diu sint] ist OH2 als bis 3 werke,] als ein ein wirt, PfStr2 2 an] ein N1
3 dem] zum O den Str2H2 de N1 werke,• OH. wesen PfStr.N1 4 ez fehlt Str. ez
sihet J idi sehe OH2 Also bis 5 werke, Ni] Also hat sidi diu spise, die der mensdie izzet,
in einem wesen mit der nature vereinet, niht an einem werke, Pf Also hat di speise di der
mensdi isset in eine wesen mit der natur nidit verainet an aine werdi Str. Aber diu spise, die
idi izze, diu hat ein wesen mit miner nature, niht vereinet an einem werke, mer vereinet an
einem wesene, OH2 5 und bis 6 wesene, J unde diu groze einunge, die wir stillen haben mit
got, diu ist an einem wesen, Pf 5 meinet fehlt Str. die 2 ] da N1 6 an\ 2 ] mit OH2
'i unsern herren, daz er] daz got PfStr2N1 8 spridiet] ist N1 als vil fehlt Str.

1 Vgl. Pf. S. '31,2'3f.; 112,22ff.; 11'3,24ff.; '356,1 tff.; 5'31,25ff.; 619,'Jff.; Par. an. S. 106,24f.; Sermo

XIII n. 146: Unde et nutrimentum primo dissimile ultimo fit simile, antequam uniatur ad nutri-
mentum, quia ex eisdem nutrimur et sumus.; Sermo LIV n. 52?: Tertio nota, quantae eminentiae
et puritatis <lebet esse anima digna sie transformari in deum. Natura enim ex cibo trahit intima,
purissima et dulce solum.; In loh. n. '38'3: Rursum nutrimentum assumptum sive sumptum heri
proximo, conversum hodie in veritatem humanae naturae in Martino - omnia opera illius
personae Martini possunt veraciter attribui nutrimento iam converso in illum. 2 Z. 2-?=

RS. II art. 4? (Thery S. 249f.): Quadragesimus septimus articulus in sermone qui incipit: Ejus
qui in' te est populi misereberis, sie dicit: corpus meum et anima mea sunt unita in
uno esse, non sicut in uno operari, quemadmodum anima unitur oculo in uno operari, id est
in videre. Sie habet cibus (habet etiam cibus Thery, etiam „au-dessous de la ligne, de C") quem
ego comedo, unum esse (comedo: .fit unum in esse Thery, fit und in „au-dessous de la ligne,
,de C") cum natura mea non solum unitus ei secnndum unum operari. Et hoc exemplariter '
representat illam magnam unionem quam cum deo habere debemus in· uno esse, non in uno
operari, propter (operari tantum, propter Thery, tantum „au-dessous de la ligne, de' C") hoc
rogabat phariseus dominum ut manducaref cum illo.; "'RS. § ll 4 art.14 A (Thery S.18'3):
Item, qU:od sicut anima et corpus uniuntur in esse, et sicut cibus habet unum esse cum natura
cibati, sie deo uniemur secundum esse, non secundum operari tantum. Vgl. Pf. S. 4,29-40;
1'3,16ff.; 116,26ff.; 142,12f.;. unten S.1'36,4ff.; 1?2,4ff.; 151,4ff.; Pf. S. '39?,20ff.; 566,'34f.; 612,J'Jff.; Semzo XI
n. 11?: Unio autem vera perfecta et intima necessario requirit in altern puram passionem. Exem-
plum in unione corporis et animae. Quod pertracta, et quomodo fit unum esse indivisum dei et
animae, . . . ; In loh. n. 9'3: Exemplum et ratid dicti patet in anima, quae ut forma substantialis
corporis immediate adest singulis membris se tota et propter hoc dat esse et vivere omnibus
membris. Secus autem de aliis perfectionibus quas non communicat singulis membris, puta
videre, audire, loqui et similia (Di!!se Ausg., Lai. W., '3, Bd. S. 80,4ff. und Anm. 4). - Z. '3 hat
Pf. mit Str2 und N1 wesen statt werke. Der Text der RS. und insbesondere die oben zuletzt auf-
geführte Stelle aus dem Johanneskommentar zeigen indessen deutlich, daß werke die richtige Les-
art· ist. Übersetzung: ,,Mein Leib und meine Seele sind im Wesen miteinander vereint, nicht (nur)
im Werk, roie sich meine Seele im Werk mit dem Auge zum Sehen vereint".

119
Predigt ?

ende enweiz 1• W az ze der sele gehreret, daz sol abegelreset sin alzemale. Dar 221,5

nach die krefte edeler sint, dar nach lresent sie mer abe. Etliche krefte sint
so hoch obe dem lichamen und so versundert, daz sie alzemale abeschelent und
scheident2. Ein meister sprichet ein schrene wort: waz eines rüeret liplich
5 dinc, daz enkumet niemer dar in 3 • Daz ander, daz man abegelreset si und 10

abegezogen und ingezogen 4 • Hie von nimet man, daz ein ungeleret mensche
mit minne und mit begir mac kunst nemen und leren. Daz dritte meinet, daz
man kein ende habe und niendert si beslozzen und niendert enhafte 5 und
also gesast si in vride, daz man niht enwizze umbe ·unvride, so der mensche 15

10 in got gesast wirt mit den kreften, die alzemale abegelreset .sint. Dar umbe
sprach der Rrophete: 'herre, des volkes, daz in dir ist, des erbarme dich'.
11 Sieh oben zu S. 11?,1; 2f.

1 ende niht e. PfStr. enwizze N1 enweiz, waz Pf sol] si Pf fehlt Sfr2


abegelreset] abegeteilet OH2 sin] si PfStr. . alzemale.J mit ein ander Str, 2 nach
unt die PfStr. krefte 1 ] kraft OH2 edel PfStr2 sint, 1 ] ist OH. lreset OH. mer]
in Pf im Str. 3 so 1 fehlt PfStr. ubir den O pobin den H2 und so] vnd so 1oz
vnd so N1 gesundert OH2 alzemale] mit ein ander Str. abeschelent] abesun-
dernt OH2 4 abescheident PfSir2 sprach OH2 waz] daz OH. fehlt N1 eines]
ze einem male Pf leiphaftig N1 5 daz bis ander,] daz enkan niemer dar in komen.
Diz ist daz ander, daz man abegescheiden si, daz ist ein, daz ander OH2 5f. daz man
abegelreset si und abegezogen (und abegezogen fehlt N1) und ingezogen. N1] daz man abe
gelreset si und abe gezogen. PfStr2 daz man abe si gezogen und gelreset und in gezogen si. OH2
6 nimet man, OH2] kumt Pf nimer Str, nim dann N1 ? gir N1 begerunge OH. lernen
OH. 8 habe keinen ort und OH2 nirgen OH2 si fehlt N1 si bis enhafte]
geslozzen unde gehaftet si Pf Str. ingeslozzen OH. nirgen OH. enhafte daz
meinet quidam und OH, Sf. und also (also fehlt Sfr2) gesast si in vride, Str2N1 und alsus
in vride gesast ist, OH. man ensi gesetzet in fride, Pf 10 zemale Pf mit ein ander Str.
11 sprichet OH2 prophete:] wissage PfStr. daz] des Str.
1 Zur hier vorgetragenen Etymologie von phariseus vgl. Bi h l m e y er in Par. an. S. XXXII

zu S. 4?,20. S.119,6-oben Z. 1 = ] os tes S. 8,3-6 (]ostes S. ?,33-8,10 findet sldi in N9 f, 53v-


54v, identifiziert von Quint}: Ditz spricht meister Ekkart (Ditz sprach auch Ekhart der meister
No) : Der phariseus der bat vnsern herren, daz er mit im ezze. W az ist der Phariseus? ez ist
alz vil gesprochen alz ein sunderunge (sunder I fuge N9); daz ist ein Phariseus, daz gescheiden
ist von allen (al No) vnd ist gefuget zu einn (eim N1 einem N.). Vgl. In Joh. n. 318: Et hoc est
quod sequitur: ex Pharisaeis; 'phares' enim divisio est et separatio.; Albertus M. zur vor-
liegenden Lukasstelle ?,36 (Borgnet XXII, 496a}: ,,Quidam de Pharisreis". Ecce dignitas invitantis.
Particulari enim signo segregatur iste ab aliis. • Vgl. etroa BgT S. 8,2ft. (Pf. S. 420,30ff.);
18,?f/. {Pf. S. 429,12ff.); Pf. S.11"J,26f.; Sermo XXXVIII n. 384: ... cuius signum et argumentum est
in potentiis animae, quac, quanto plus elongantur a materia et eius appendiciis, tanto sunt
altiores in sua natura et in suis operationibus.; Sermo XI n. 112: Secundo: quanto nudius, tanto
capacius. Exemplum in animae potentiis et in ipsa materia prima, quae est capax eiusdem esse,
quod hab et forma vel potius, quod est ipsa forma.; In loh. n. 554: Adhuc etiam in potentiis
animae, quanto est aliqua perfectior, tanto est separatior et abstrahit a materia. 8 dar in

d. h. in die hödisten, edelsten Kräfte, von denen vorher die Rede roar; vgl. Sermo XLVII n. 482:
Nota, quomodo sectindum Augustinum aliquid intimum nobis, scilicet animae est, ubi nihil
intrat corporale aut figuram habens corporis, quod soli deo dicatum est. 4 über die Ab-

gesdiiedenheit und Eingezogenheit vgl. etroa: Pf. S. 209,31; 2??,25f/.; 398,33ft.; 532,8ff.; 585,12f.;
59J,2?{f.; 626,6f. 0 Vgl. Pf. S. 143,40ft.; 646,1Jff./2?f/.; 633,Zff.; 634,31ft.; 63?,26ff,; 656,18f.; 65?,36f.

120
]?opuli eius

Ein meister sprichet: daz hrehste werk, daz got ie geworhte an allen
creaturen, daz ist barmherzicheit 1• Daz heimlicheste und daz verborgenste,
20 dennoch daz er an den engeln ie geworhte, daz wirt -afgetragen in barmherzic-
heit, daz werk barmherzicheit, als ez in im selber ist und als ez in gote ist.
Swaz got würket, der erste uzbruch ist barmherzicheit, niht als er dem menschen 5
sine sünde vergibet und als sich ein mensche über den andern erbarmet; mer
25- er wil sprechen: daz hrehste werk, daz got würket, daz ist barmherzicheit. Ein
meister sprich.et: daz w,erk barmherzicheit ist gote so gesippe, aleine warheit
und richtuom und güete got neniJ.ent, doch nennet _in einz mer dan daz ander.
Daz hrehste werk gotes ist barmherzicheit und meinet, daz got die sele setzet 10
in daz hrehste und in daz 1-aterste, daz si enpfahen mac, in die wite, in daz
mer, in ein ungrüntlich mer: da würket got barmherzicheit 2• Dar umbe spracli
ao der pro p h et e: 'herre, des volkes, daz in dir ist, des erbarme dich'.
Waz volkes ist in gote? Sant Johannes sprich.et: 'got ist diu minne, Und
.13 Vgl. oben zu S.11?,1; 2f. 14f. 1 loh. 4,16

1 geworhte bis 2 barmherzicheit.] geworht habe, da si diu barmherzicheit an allen crea-


ttiren PfStr. 1 allen fehlt OH. · . 2 Daz] und daz OH. 2f. verborgenste und daz
grreste, dannoch OH. 3 nochdenne Pf geworht hat. Da (da:i; Str.) wirt PfStr. in
die b. PfStr2 4 werk der b. PfStr2H2 und fehlt O 5 der] dez N, ist diu b.
PfStr2 er fehlt N, ' 6 sine] die PfStr2 den andern] ein andern menschen N,
mer bis "l werk,] mer: daz grreste werc, PfStr, "l werk, fehlt OH2 würket,] ie ge-
worhte PfStr. ist· diu b. PfStr2 Ein bis 9 ander. fehlt PfStr. "lf. Ez sprich et ein
meister: OH2 8 barmherzicheit fehlt N, gesipte N, glich OH2 warheit N,] wis-
heit OH2 9 nennent,] nennet N, nennet OH2 nimt N, in fehlt N, 10 gotes fehlt PfStr,
ist diu b. PfStr. meinet] nennit O 11 .in daz hrehste und fehlt. OH2 (Homoöteleutonl)
lauter N, Hf. mac in der welte. In dem gruntlösen mer da PfStr2 11 wite und in OH,
12 grundelös OH2 13 prophete] wissage PfStr2 des•] das Str2 14 'got bis 122,2 spreche,
fehlt N, (Homöoteleuton!) · 14 'go( bis 122,1 blibet•] 'der in der minne ist, der ist PfStr.

1 · S. 120,10-oben Z. 2 = J o s t es S. 8,6-8 (No f. 54r): Der prophete spricht: Herre, erbarm

dich vber daz werk (uolch ·No), daz in dir ist. Daz Mhste werk, ,daz got ie gewarcht, daz ge-
schah (geschai:h fehlt N0) in (in der N0) barmherzicheit (N1 : bramherczicheit). Vgl. Pahncke
Diss. S. 40. • Zu Z. 1-12 vgl. Sermo Xll n.129f.: Secundo misericordia animam deiformiter
ornat, induit enim ipsa:rn de roba dei propria. D o c t o r es dicunt et scriptura quod in omni
opere, quoq. deus agit in creatura, concurrit et praecurrit misericordia, immo etiam praecipue
in ipsa creatione. ldeo Gregor i u s ait quod deo propriuni est misereri. Psalmus: 'miserationes
eius super omnia opera eius'. Non dicit 'in omnibus operibus eins, tamquam concurrat, sed
'super omnia', eo quod praecurrat et supereminat. lac,.5: 'superexaltat misericordia iudicium'
salva alia expositione,. Qmne enim opus in creatura supponit opus misericordiae et in ipso
fundatur tamquam radice, cuius virtus ,salvatur in omnibus et vehementius operatur.••• Patet
ergo quod miser.icordia induit animam de roba dei et ipsam deiformiter ornat.; Sermo XVIII
n.180: Quarto, quia opus misericordiae proprie relaxantis delicta superius est et praestantius
oi;nni opere creationis et totius universi.; n.181: Notandum qµod misericordia proprium est deo
eadem ratione, qiJ.a et ipsum esse et bonum.; Thomas S. theql. I q. 21 a. 4: Opus autem divinae
iustitiae semper praesupponit opus misericordiae, et in eo •fundatur. . .. Et sie in quolibet
=
opere dei apparet misericordia quantum ad primam radicem eius. Z. 122,5-8 J o s t es S. 8,8-
10 ( No f. 54r-v). ·

121
Predigt 7

der da blibet in der minne, der blibet in gote und got in im'. Aleine Sant
Johannes spreche, minne diu einige, minne ensetzet niemer in got; vil lihte
limet si zuo 1• Minne eneiniget niht, enkeine wis niht; daz geeiniget ist, daz ss
heftet si zesamen und bindet ez zuo. Minne einiget an einem werke, niht an
5 einem wesene. Die besten meister sprechent, daz diu vernünfticheit schele
alzemale abe und nimet got bloz, als er luter wesen ist in im selben. Bekant-
nisse . brichet durch wärheit und güete und vellet uf luter wesen und nimet
got blöz, als er ane namen ist 2 • Ich spriche: noch bekantnisse noch minne en- 40
einiget niht 3• Minne nimet got selben, als er guot ist, und entviele got dem
10 namen güete, minne enkünde niemer vürbaz. Minne nimet got under einem

1 Aleine bis 2 got;] Sant Johannes sprichet 'minne diu einiget, minne diu setzet immer in
got'. PfStr2 2 einige, minne] einge mine minne O minne di setzet N1 3 limet] gevet Pf
ghet Str. niht 1 fehlt OH2 niht; daz] niht, mer daz OH. geeiniget ist, OH.]
genüegede (genüget Str. genüget N1) niht enist, PfStr2N1 4 zuo.] ze ir Pf einiget wol
an OH2 werke unde niht Pf 5 besten] hrehsten OH.. diu fehlt OH2 vernünf-
ticheit] verstendikeit Pf Str. 6 alzemäle] mit ein ander Str2 als bis 8 blöz, fehlt N1
(Homöoteleuton!) 7 und durch g. OH2 8 blöz, fehlt OH2 Ich spriche: fehlt PfStr.
Ich spriche bis 123,3 spriche: fehlt OH. 8 noch1] weder Pf Str. 9 nimet] minnet N1
als er got ist, unde dem namen entviel got. Güete, minne enkumet niemer für baz. Pf als er
ist got vnd den namen entviel got güte minne enchunde nimer fü.rbaz Str. als er got ist_vnder
de n~me entfiel got gut minne enkünd nime furbaz N1 10 nimetJ minnet Str2N1

1 Zu Z.1f. vgl. Quint S. 63?. Eckhart betont hier gegen das Wort des Johannes, daß die

Liebe niemals die Einigung mit Gott herbeizuführen imstande sei, daß sie allenfalls das, was
bereits wesensmäßig geeirit sei, zu verleimen, zu verbinden und zuzuheften vermöge. 2 Zum

minne-vernünfticheit (bekantnisse-) -Problem vgl. oben S. 48,?ff. und 52,?ff. mit den dort auf ge-
führten Parallelen, vgl. auch oben S. 113,Bff. und Anm., unten S. 152,1ft. und Anm.; weiter: J os t es
S. 6,32ff.; In Gen. II n; 96: Bonum ·enim posterius est, retro est, deorsum est. Praeterea obiectum
intellectus est ens, obiectum autem voluntatis est bonum.; In loh. n. 6?5f.: voluntas videtur quasi
mercennaria; non enim fertur in nudam dei substantiam, sed ipsum appetit ac ipso fruitur,
<
quia .bonus. Adhuc autem tertio: voluntas). fertur et accipit ipsum bonum; intellectus vero
accipit ipsam rationem boni, quae utique praestantior est bono et causa boni, . . . ; n. 69?:
Quarta notandum quod voluntas quamvis amando deum ad monumentum veniat, non tarnen
intrat. Intrat Petrus, quia intellectus accipit rem cognitam intus in suis principiis, filium 'in
sinn patris', ... ; In Exod. n. 265: amor enim et voluntas ad rem ipsam respiciunt, et in ipsa
sistunt et quiescunt. Intellectus vero non sisfü in re ipsa in se ipsa; sed iuxta nomen intellec-
tus intrat ad ipsa rei principia et ibi rem accipit in principiis suis in radice et origine. Accipit
deum in sinn patris, verbum apud deum, verbum in principio, verbum ipsum principium, ... ;
Quaestio, Utrum laus dei etc., n. 8 (Diese Ausg., Lat. W., 5. Bd. S. 60,5-[f.): Item: illa potentia est
nobilior, cuius actus est nobilior. Sed intelligere, quod est actus intellectus, est nobilior actu
voluntatis, quia intelligere vadit depurando et pertingit usque ad nudam entitatem rei. 3 Zu

Z. Sf. vgl. Quint S; 638. Bei Pf. fehlt wie in Str2 Z. 8 Ich spriche. Dadurch wird undeutlich, daß
Eckhart in Z. 8ff.. sich an dieser Stelle gegen die im voraufgehenden dargelegte Lehre der „besten
Meister" wendet, indem er nicht nur der Liebe, sondern auch der Vernunft die Fähigkeit, zur Ver-
einigung mit Gott zu führen, .abspricht und sie nur der Barmherzigkeit zuerkennt. Gegensätzlich
zu Z. 8f.: oben S .. 48,8f.; In Gen. II n. 139: ; . , supremum autem anitnae in nobis intellectus est.
Unde Rabbi Moyses ••. dicit, quod intellectus •.. ipse, inquam, intellectus est, qui nos
coniungit cum creatore.; J o s t es S. 22,38f.

122
Populi eius

velle, under einem kleide 1• Des entuot vernünfticheit niht; vernünftich.eit nimet
22s,5got, als er in ir bekant ist; da enkan si in niemer begrifen in dem mer sirre~
gruntlosich.eit 2• Ich spriche: uber disiu beidiu, bekantnisse und minne, ist barm-
herzich.eit; da würket got barmherzicheit in dem hrehsten und in dem lutersten,
daz got gewürken mac 3• 5
Ein meister sprich.et ein sch.rene wort, daz neizwaz gar heimlich.es und
10 verborgens und verre dar enboben ist in der sele, da uzbrech.ent die krefte

vernünftich.eit und · wille 4• Sant Augustin u s sprich.et: als daz unsprech.elich.


ist, da der sun uzhrich.et von dem vater in· dem ersten uzbruch.e, also ist
neizwaz, gar heimlich.es dar enboben de:ni ersten uzbruch.e, da uzbrech.ent 10
1s vernünftich.eit und wjlle 5.• Ein nie ist er sprich.et, der all~r beste von der sele

1 velle.] vU Str2 vedlein N1 vernünfticheit1, 2] verstendikeit PfStr2 nimet] minnet


Str2N1 3 ldi spridie: fehlt Stre über bis barmherzicheit; Ni] über dise beide ist barm-
herzidieit, über bekantnisse und über minne OH2 über die beide bekantnüsse ist diu barme-
herzikeit PfStr<a · 41 da· bis barmherzidieit fehlt OH2 in 2 fehlt H<a 5 daz] da N1
6 Ein bis 11 wille. fehlt OH2 (Homöoteleuton/) 6 ein sdirene wort, fehlt PfStr2 etwaz
PfStre gar fehlt PfStr2 7 dar enboben N1 da oben PfStr2 in J an N1Str2 · da
N1 dar PfStr2 8 vernünftidieit] verstendikeit PfStr2 sant fehlt Str2 als] allez N1
10 etwaz PfSirs dar enboben N1 da oben PfStr2 11 vernünftidieit] v!!rstendikeit PfStrs
' .

1 Zu S. i22,9f. vgl. Quint S. 6'38; Pf. S.108,19ff.; 110,?ff.; 121,19ff.; unten S.15'3,'Jff.; Jostes

S. 6,'J6ff.; 2'3,12ff. Zu S. 122,9 entviele vgl. BgT S. 1?,21 (Pf. S. 428,28}. Zu oben Z. 1 velle ... kleide
vgl. Pf. S. 110,18; 19?,'3'3; 29?,'31; unten S. 152,2/6f.; 15'3,4ff,; J undt S. 265,18/21/22; J os tes S. 2'3,l?f.,
Sermo XI n. 115: Esse autem deus esse hudum sine velamine est.; n. 120f.: Tollifor enim velamei::
quod nomen. gloriae importat sicut etiam velamen boni, sub quo accipit voluntas, velamen veri,
cum quo accipit intellectus, et universaliter velamen ipsius esse. Iuxta quod. <nota quod)
voluntas accipit rem iam plus velatam bono prius, intellectus autem accipit ens prius vero, sed
tarnen veritas concomitatur. Ex quo patet eminentia [et] intellechis et per ccinsequens quod in
eins actu melius ponitur beatitudo. Sed quia tollitur omne velamen, fortassis melius tarnen
ponitur in ipsa nuda essentia animae. . .. ipsas tarnen potentias intrat creatura et deus ipse,
velatus vero et bono, essentiam autem animae ·nulla unquam creatura nec deus ipse sub aliquo
velamine. 2 Vgl. Pf: S. 660,'3?: .. ,• sin grundelösiu unbegrifelidieit.; unten S.1?1,12ff.; Pf. S. '302,20;

J os t es S. 95,'39; Ed:hart sagt, daP die Vernunft zroar in, ihrem Erfassen Gottes nimt roie die Liebe
an eine bestimmte Qualität Gottes gebunden ist, daß sie ihn aber aum nimt im unergründlimen
Meer seines reinen Wesens iu begreifen vermag, daP sie ihn vielmehr nur ihrem Erkenntnisver-
mögen gemäP erkennt (vgl. unten S. 15'3,1). Erst im hömsten Bereich, der Barmherzigkeit, der Gnade,
· ist die Einigung mit dem Göttlimen möglidi, 3 Vgl. In loh. n. 98: Tertio potest dici magis

theologice quod haec propria, in quae venit deus verbum, sunt misereri ... ; vgl. audi Sermo
IX n. 98: Secundo nota, quomodo gratia est supra omnem naturam, supra opus, supra potentias
intellectivas in abdito .·animae, ubi solus deus illabitur. 4 Übersetzung: ,.Ein Meister spridit

ein sdiönes Wort, daP etroas in der Seele ist, das gar heimlich,. und verborgen ist und 'weit ober-
halb dessen liegt, roo die Kräfte Vernunft und Wille ausbredlen". V[!l. Pf. S. 255,16ff.; 256;12ff.;
Sermo XXlV,n. 248. 5 Mit dem, roas Eochart hier das Heimlidie und Verborgene, über die

Kräfte Vernunft und Wille Erhabene, nennt, meint er den Seelengrund, den Funken, über den er
, oben S. '39,1ff, ausführlidier handelte. Vgl. nom Pf. S. 251,2f./15ff.; J os tes S. ?,liff.: Wan gestern
do laz man in der sdiule: ein bodem ist in der. sei, der ist glidi der vatersdia:ft. Alzo alz der
vater ist auzbernde den sun in dem heiligen geist, und di drei sint airi got, alzo ist diser bodem
usbernde verstantnuz und willen und ist dqdi ein craft, alzo alz got ist ein wort. Und der

1:23
Predigt "l

gesprochen hat, daz alliu menschlichiu kunst niemer enkumet dar in, waz diu
sele in irm grunde si 1. W az diu sele si, da hmret übernatiurlichiu kunst zuo.
Da ilzgant die krefte von der sele in diu werk, da enwizzen wir niht von;
wir wizzen wol ein wenic da von, ez ist aber kleine. W az diu sele in irm
5 g:runde si, da enweiz nieman von. W az man da von gewizzen mac, daz muoz
übernatiurlich sin, ez muoz von gnaden sin: da würket got barmherzicheit2. 20

Amen.
1 in, fehlt N1 waz bis 2 da Ni] waz diu sele in (an 0) irm grunde ist da OH2 waz
diu sele si. Dä PfStr2 2 gehreret PfSfr2 3 Dä O] Dar PfSfr2 Daz N1H2 diu]
disiu OH2 4 ez bis kleine.] aber Pf fehlt Str. aber gar kl. OH2 W az bis 6 sin1,
fehlt OH2 5 wizzen N1 "l Amen.] Biten wir etc. OH2 fehlt Pf Str.

bodem ist alzo lauter, da enmak kein schad von keiner creatur in. Allez daz man gesprechen
mag von der sel, daz ist ein zuhangen(s) des bodems, und in dem [bodem] da sihet got di sel an,
und di sel di sihet got an.; Zu Z. 9 ersten uzbruche vgl. oben S. 54,2f.; Pf. S. 68,'JO; 117,11ft.; 124,21.
1 Vgl.Augustinus De Gen. ad litt. VI c.29 n.40 (PL'J4,'J56}: ..• fateor neminem adhuc

mihi persuasisse quod sie habeam de anima, ut nihil amplius quaerendum putem; vgl. auch
etroa Pf. S. 25,'32-/f.; 89,?ft. 2 E<khart sagt: roenn roir schon von der Region der Seele, in der

ihre Kräfte nach außen roirksam roerden, nur sehr roenig missen, so missen roir gar nichts über
das Wesen der Seele in ihrem Grunde, es sei denn, daß uns gnadenhaft übernatürliche Erkenntnis
durch göttliche Barmherzigkeit verliehen werde. - S. 12'3,11 Ein-oben Z. 6 sin 2 : = Greith
S. 1?0,8-16 {identif. Don ]osy Seitz): Ein vräge: waz diu sele si? Diu antwurt: ein meister
sprach (maister vnd sprichet M, ), der aller beste von der sele gesprochen hät, daz alliu mensch-
lidiiu kunst niemer kumet dar in (inne Z4), daz man wizzen (man in wissen M,) müge, waz
diu sele in irm grunde si; wan dä hreret übernatiurlichiu kunst zuo. W an dä uzgant die krefte
(uszgat die kraft M,) von der sele in dise werlt, dä enwizzen wir niht von. Wir wizzen wol
ein wenic dä von, aber ez ist gar kleine. Aber waz diu sele in irm grunde ist, da (das M7 )
enweiz nieman (yman Ge) von, wan waz man dä von wizzen mac, daz muoz übernatiurlich sin
und muoz von gnaden sin .. GoM,Z4

124
PREDIGT 8 (Pf. Nr. LXXXII S. 261-264)

Handscltriftliclte t}berlieferung (sieh Quint S. 708f., Sp amer PBB 34 S. 331; Sk u t ell a ZfdA 68
S. 77, Thery S. 250):
B9 f, 74r = S.133,2 Sant Augustinus-5 mittac.; identifiziert von Qu:in t.
BT f. 278rh-279va, ·
Ga p. 87-92.
Mai1 f. 54r-57v, ide:ri tifiziert von Q u in t.
Str8 f. 62r-65v, alte. Zhlg.: f. 61r-64v.
Si f. 153r-'-v, Fragment= S. 128,2f. Ein meister-134,6 roirt.; identifiziert von Qui:nt.

Die Predigt fi~det sich in der Postille des Heinrich v. Erfurt (vgl. Spamer Diss. S; 236):
Au1 f. 385rb-386vb, Fragment = Anfang-S. 135,4 roesen ist.; identifiziert von Quint.
F1 f. 391v-393r, alte Zhlg.: f. 376v-378r, Fragment wie Au1,
Kö1 f. 154va-vb, Fragment = Anfang-S. 131,2 gebent.

Filiation der Hss. (sieh Quint S. 709_;713): Die überlieferten Texte scheiden sich deutlich in
die beiden Gruppen GaStraMai1 und SiAu1F1Kö1. BT vermittelt zwischen den beiden Gruppen.
Im ganzen, zumal in bezug auf die, Textfolge (sieh unter "Textkonstituierung"), steht sein Text
auf der Seite der ß-Gruppe; doch zeigt er charakteristische Übereinstimmungen mit a (vgl. ins-
besondere den Variantenapparat zu S. 133,1-134,2), die eine verwandtschaftliche Bindung von BT
an die q-Gruppe erkennen lassen. Der Text von 81 steht näher bei den „Postillentexten" als
bei BT. u. zw. ist er am engsten mit F1Al'l1 verwandt, vo_n denen Kö1 sich etwas entfernt, um
sich gelegentlich zu G8 MaiiStr8 zu stellen. Im Variantenapparat wurden folgende Gruppensigel
verwandt: a ..:_ GaStraMai1 ß = Au1F1Kö1Si
a1= StraMai1 ß1== Au1F„

Textkonstituierung (sieh Quint S. 712f.) : Im ganzen macht der Text der ß-Gruppe einen ver-
läßlicheren Eindru:<k als der von a, der an mehreren Stellen offensichtlich verderbt ist, sieh
den Variantenapparat etwa bei S.135,13/14; 1J6,12f.; 137,if. Unten S.132,5-135,1 zeigt die a-Gruppe
gegenüber dem Text der ß-Gruppe und ßT Verschiebungen in der Textfolge, u. zw. wie folgt: an
S. 132,5 geroan schließt an 133,5 Jch-134,7 roerde.+ 10 Ez-135,1 roirt+ +
132,5 Jcfi,-133,5 mittac.
+
134,8 lch-rounderlich. 13?,1 Gote usw. Wie ich früher schon sagte (Quint S. 713), wird sich nicht
mit absoll\ter Sicherheit entscheiden lassen, ob BT und ß oder a die ursprüngliche Textfolg~
bewahren. Ich halte indessen jetzt zuverlässiger BT und die ß-Gruppe auch in bezug auf die
Textfolge für ursprünglicher. Insbesondere steht das Stück S.134,10-135,1 in a hinter S. 134,7 m. E.
nicht an seinem Platz, da im Satz S. 134,6f. nicht von „toten Dingen" die Rede ist, wie S. 134,iOf.
es voraussetzt, während bei der richtigen Textfolgti in BT und ß S. 134,Sff. sehr wohl von diesen
toten Dingen - Holz, Gold, Stein - unmittelbar voraufgehend gesprochen wird. Der Satz S. 134,9f.
Ein stein usw. ist in a ausgefallen; infolgedessen bleibt die voraufgehende „wunderliche" Be-
hauptung S. 134,8 Ich spriche usw •. ohne Erklärung in der Luft hängen, und nµ,n schließt S. 135,tf.
Gote usw. unvermittelt ohne logische Verbindung an S. 134,8 rounderlich an. In BT und ß dagegen
steht S. 135,iff; Gote usw. mit dem voraufgehenden Satz S. 134,10ff. Ez muoz usw. in deutlichem
gedanklichen Zusammenhang. ..
Ich habe demnach den kritischen Text auf BT und der ß-Gruppe, il. zw. im wesentlichen
auf BT aufgebaut, da die Texte der ß-Gruppe alle fragmentarisch sind~ Der Umstand, daß RS. II

125
art. 49 (Thery S. 252) carbo hat an Stelle von holz (unten S. 134,8), das in allen deutschen Texten
gleichmäßig überliefert ist, deutet vielleicht u. a. darauf hin, daß die hsl. Überlieferung der
Predigt im ganzen nicht sonderlich verläßlich ist.

,, Rechtfertigungsschrift":
II art. 48 (Th er y S. 250f.) - S. 130,6-8(9); Quint S. '2'15.
II art. 49 (The ry S. 251f.) = S. 132,4-5 + 134,8-10; Quint S. '2'15f.

tlbersetzungen: Lehmann S. 214ff., Sch ulze-Maizier 2 S. 253ft'. ·

Echtheit: gesichert durch RS. Keine hsL Bezeugung (sieh unten im Eingang des Variantenapparats).
Da die Texte von Au1F1 und S1 ungefähr an der gleichen Stelle schließen, könnte man auf
den Gedanken kommen, daß die Predigt ursprünglich bei S. 135,4 mit der Wiederholung des
Schrifttextes schloß und daß BT und a auf einen Prototyp mit erweitertem Schlußteil zurück-
gingen. Diese Annahme liegt um so näher, als a hinter S. 135,1 roirt einen Satz aufweist, der
wie ein Schlußsatz klingt: Daz got uns gebe, daz roir also an allen dingen sterben, biz daz roir
ilzer der zft p,etragen roerden übet zit in ein nil der eroicheit, da unser leben ein roesen roirt (sieh
Quint S. '2'10 zu 263,36). Dieser Satz scheint mir die Entsprechung von S.135,2 'Sie sint tot'-4
roesen ist zu sein; wenn dem nicht so ist, so fehlt S. 135,2-4 in a.
Der Schluflteil S. 135,4ff., den a und BT übereinstimmend bieten, kann nun aber m. E. nicht
spätere Zutat sein, da er erst organisch aus dem Voraufgehenden die Technik des „lm-Grunde-
Totwerdens", die Ethik der Umwandlung des bloßen Lebens zu einem Leben im Wesen ent-
wickelt. In den voraufgehenden Teilen der Predigt stellt der Prediger, abgesehen von den
kurzen einleitenden Ausführungen über das Leiden und die zu verurteilende Bindung an die
Kreatur, eine breitangelegte Seinsspekulation dar mit dem Ziel, die Erhabenheit des metaphy-
sischen Seins über das irdische Leben und die Einheit von Leben und Sein im göttlichen Wesen
darzutun. Der Schluflteil lehrt dann erst auf Grund der vorangestellten Seinsspekulation die
Praxis der Heimholung der Seele, die sich im Sinnenleben an die in Gegensätzen auseinander-
gefallene Welt der Kreaturen verloren hat, zu einem Leben im Sein, das alle Gegensätze (alle
roidersatzunge) zur Einheit bindet, u. zw. durch das Licht der Vernunft (S. 136,15f.), in dem ebenso
wie im göttlichen Sein jenseits der Zeit nichts stirbt. Erst mit dieser aus der Metaphysik ent- ·
wickelten Ethik rundet sich die Predigt zum Ganzen.

126
In occisione gladii mortui sunt.
261 ,35. Man liset vori den -marterreren, daz 'sie töt sint under dem swerte'. Unser
herre sprach ze sinen jüngern: 'ir sit srelic, sö ir etwaz lidet durch mineri namen'.
262,5 NU sprichet er: 'sie sint töt' 1• Daz erste, daz sie töt sint, daz meinet, swaz
man lidet in,dirre werlt und in disem libe, daz nimet ein ende 2, Sant Augu- 5
s t in u s sprichet: alliu pine und werk der arbeit daz nimet ein ende, aber der
lön, den got darumbe gibet, der ist ewic. Daz ander, daz wir anesehen süln,
daz allez diz leben tretlich ist, daz wir. niht vürhten süln alle pine und alle
1; 2 Hehr. 11,3,; vgl. ·aum Z. 4 und S. 129,1; 135,2, 3 Vgl. Matth. 5,11: Beati estis cum
maledixerint vobis, et persecuti vos fuerint, et dixerint omne malum adversum vos mentientes,
propter me und 10,22: , .. et eritis odio omnibus propter nomen meum.
Zuroeisungen: keine auf!er der allgemeinen in BT f. 242v.
Überschriften: Aber I bredig von den hailigen martere (von and. Hd.) Str3 stat am
taller CCLXXIX (von and. Hd. auf d. unteren Rand) Mai, Vff Johannis vnd Pauli der heiligen
marterer fest BT ·
1 In bis sunt.] fehlt afJ Vff Johannis vnd Pauli der heiligen marterer fest / Warumb die
sclinöden creaturen den mensclien so leiclitlich von gott abkerent. Item das die natur nymmer
gebriclit / sy geb .ein bessers dargegen. Vnd das / wesen höher sey dann bekanfoisz oder leben /
vnd das allein in wesen lig alles das da (f, 2?8va) iclit ist / welclies der menscli vor allen dingen
ansehen vnd he&eren solt / vnd sicli willi&licli geben in den tod vnd sterben / das im ein besser
wesen würde. Item das man grund tod sein müsz / sol man zu disem wesen kommen / Das ist /
das vns berüre weder lieb noch l~yd / nodt keinerley widersatzung. Item das die sel darumb
dem leih gegeben sey / das sy geleütert werd / damit sy kemm (komm BTb) von eim leben das
geteilt ist / in ein leben das vereinet ist. Alles gar subtillicli gewendet vff das lobwirdig sterben
der heiligen mll.rtrer / vnd vff die wort sant Pauli ad Hebreos XI In occisione gladij mortui
sunt. BT 2 von bis swerte'.] von den heiligen martereren, der man hiute gedenket, daz sie
gestorben sin mit umbringunge des swertes. Pf BT tot] getretet f11Kö, under] mit fJ,
dem swerte'.J scliwertern Au1 3 sinen] den a 'srelic sit ir Pf BT etwaz] etwas
sclilaclibä.rs Ga fehlt fJ1Kiii ' lidet] lebit Kö1 durcli minen fJ,] umbe minen Pf BT in
minem aKß1 namen'.J willen vnd namen Au,. 4 Nu bis töt'.} Nu spricliet diu gesclirift
von disen martereren, daz sie umbe Kristi {Christus BT) namen den töt geliten haben unde
durcli daz swert umhbraht sin. Hie sullen wir driu dinc merken. Pf BT 'sie 1 ] daz si Au,
. 'sie 1 bis erste, fehlt a Daz bis sint, fehlt Kö,_ sint2 ] sin Pf BT daz 2 ] er a da~
.meinet, fehlt Pf BT 5 man lidet} si leident Au1 in dirre werlt und fehlt fJ,Kö, und
bis libe, ·fehlt Pf BT Iibe,] !ebene fJ,Kö,Mai, nimet ein ende.] endet Pf BT ein
fehlt aKö, ende Acli wafen vmer wafen Sanctus Ga Sant fehlt Kö, 6 werk der
fehlt f11 arbeit} pine Pf BT daz nimet] die nement F, dy nymt Kö, nimpt Au, ein
fehlt aKö1 aber bis , ewic. J unde der lön ist (ist der Ion BT) ewic. Pf BT fehlt a , arider
ist, daz fJ1Kö1 wir got sullen ansehen Au, süln, fehlt aKö, 8 daz allez bis ist,] alle
dis lebin das t!}tlidt ist Kö, allez fehlt fJ, daz wir bis 128,1 zuokmµen; BT] und da
von ensol uns kein arbeit ersdtrecken a fehlt fJ,Kö,
1 Vgl. Quint S. ?1'J zu 262,2. Das Plusstüd: in BT (sieh Variantenapparat), das Pf. in seinen

Text aufnahm, halte im für unursprünglim, roieroohl es ·inhaltlim eine geroi-sse Verknüpfung des
ersten und des zroeiten Smriftzitats darstellt. Wenn die Entspremung von Z. 4 Nu-töt'. in BT
(Pf.) lautet: Hie sullen wir driu dinc merken, so erroeist sid,, der BT-Text dadurm als unemt,
da{! in der Predigt nimt von 1 sondern von 4 Bedeutungen des ·,,da/!, sie tot sind" die Rede ist,
u. zro. in BT roie in der übrigen überlieferung; vgl. ·S, 129,1 Diu viertle lere . ', . Merkroürdiger-
roeise roird das Matthiiuszitat nirgends in der Predigt zum direkten Gegenstand der Ausführungen.
~. Vgl. Pf. S, ?5;10f. - .

127
Predigt 8

die arbeit, die uns zuokomen, wan ez nimet ende. Daz dritte, daz wir uns 10
halten, als ob wir tot sin, daz uns niht berüere weder liep noch leit 1. Ein
meister sprich.et: den himel enmac niht berüeren 2, und meinet, daz der
mensche ein himelisch mensche 3 ist, dem alliu <lind niht so vil ensint, daz sie
5 in berüeren mügen 4. Ez sprichet ein meister: sit daz alle creaturen so sncede 1&

sint, wä von kumet ez denne, daz sie den menschen so lihte von gote kerent;
diu sele ist doch an irm sncedesten bezzer dan der himel 5 und alle creaturen?
Er sprichet: ez kumet da von, daz er gotes wenic ahtet. Ahtete der mensche
gotes, als er solte, ez wrere bi nähe unmügelich, daz er iemer geviele 6 • Und 20

10 ist ein guotiu lere, daz sich der mensche halte in dirre werlt, als ob er tot si.
Sant Gregorius sprichet, daz gotes nieman enmüge vil hän, wan der grunt-
tot ist dirre werlt 7•
1 wan. bis ende.] und allez (als Aui) ein (allez ein fehlt Köi) ende nimet. ß1Kö1 ez] si a
dritte ist, daz ß1Kö1 1f. uns also halten als ß1 vns haldin also als Kö1 2 ob fehlt Pf BT, Ga wir
iezuo tot a daz bis leit.] und uns als wenic berüere liep und leit, als der tot ist. a berüere]
betrüebe Pf BTß1Kö1 weder fehlt Kö1 leit.] leit noch alliu pinlicheit. Pf BT 2f. Ez
sprichet ein meister: Pf BT 3 e:nmac man niht a niht] niemant S1 und] vnd daz
Au1 Diz Pf BT 4 ein bis alliu] sol himelisch sin, daz im alliu ß1Kö1 ein bis 5 mügen.]
solt himelsch sin also das in kein irdisch ding betrüben mag S1 4 mensche 2 fehlt G, ist,]
sey Mai1 niht] nit v. and. Hd. auf d. Rand nadigetragen Mai1 5 in bis mügen.] in
niht betrüeben ß1 icht beruren Kö1 mügen.] mügen ze leide noch ze liebe. a Ez sprichet
(sprich Ga) ein meister: BT a Ein meister sprichet ß1Kö, Er sprichet öch S1 sit fehlt. Gs
daz fehlt ß 6 ez fehlt ß1S1 denne, fehlt Kö, sie] die Kö1Mai1 den fehlt Mai1
lihticlich S1ß1 lichtlichin Kö1 got v. and. Hd. nadigetragen Mai 1 kerent ;] ziehent F1S1
züchet Au1 "l irm snredesten] dem schriosten (?) Mai 1 und alle creaturen? BTa und
allez, daz creature heizet? ß 8 Er sprichet: ß1 Kö1 Er sprach S1 Ich spriche a Ez sprichet
ein meister: Pf BT er] der mensche aS1 wenic] so wenig S1 ahtet, als er solte.
Ahtete Pf BT ß1Kö, wenn ahtet S1 der mensche] er Pf BT S, 9 er billich sölt Ga er
ton solti (fon v. and. Hd. auf d. Rand) Mai1 ez] er Ga bi nähe BT] vil a fehlt ß
unmügelich] müglicher Mai1 er iemer geviele. BT a] iemer (nimmer Au1 niemer S1) kein
tnensche (ymmer ader ymmer mensche Kö1) geviele in sünde. ß Und bis 11 Sant fehlt S1
10 ist uns ein Pf BT mensche also h. Pf BT halte] ahte a in dirre werlt,] in
disem !ebene under der werlt (under der werlt fehlt Aui) ß1Kö1 ob fehlt a 10f. si.
Sant] sy Ach wafen vmmer wafen Sanctus Ga 11 sprichet, daz fehlt S1 Zroisdien gotes
·und nieman v. and. Hd. hulde über d. Zeile Kö1 nieman (namen nyemant Mai 1) enmüge vil
hän (hän] behaben Ga hailligen Maii) wan der grunttot (zroisdien der und grunt ist in Str3 v.
and. Hd. ze übergesdirieben) ist dirre werlt. a] nyemant vil mug gehaben. dann der in dem
grünt die werlt tot ist F1 niemat mug gehaben der jn dem grunt der welt tod ist Au1 mag
niemant also vil gehaben als der m. in des grunt die welt tot ist S1 nymant vil moge haldin
den dem der grunt totit dirre werlde {zroisdien totit und dirre auf d. Rand v. and. Hd. leydit?
eingesdioben) Kö1 nieman. so vil habe denne der ze grunde tot si. Pf BT
1 Zu Z. 1f. vgl. unten S. 135,4; Pf. S. 10?,2f. • A ris tote li s c he Lehre; vgl. De gen. et
corr. Ac. 6. p.; vgl. audi oben S. 56,12f. und Anm. 5.; In loh. n. 602: Caeli sunt pura et altissima
in corporibus. Item non communicant in materia cum istis inferioribus, tangunt et non tangun-
tur,· sunt sphaerici, sine angulis, non recipiunt peregrinas impressiones et plura similia. a Vgl.
oben S. 118,8 und Anm. 4 Vgl. RdU S. 19,21 (Pf. S. 556,2); Pf. S. 63?,28/f. 0 Vgl. Pf.

S. ?6,1f.; 95,2J.; 255,J4f.; Jostes S. 6,10; Pf. S. 308,14/f. 6 Vgl. Pf. S.10,16f./19f.; 9J,29f.; 460,11f.

' Vgl. Pf. S. 10?,1; 486,31; Sermo XLVII n. 486: Qui enim perfe,cte ad divina <.vult) suspendi debet

128
In occisione gladii

Diu viertle lere ist aller beste. Er sprich.et, daz sie töt sin. Der töt gibet
in ein wesen.. Ein meister sprich.et: diu nature engebrichet niemer, si engebe
25 ein bezzerz. Als luft ze viure wirt, daz ist bezzer,; aber sö luft ze. wazzer
wirt, 'daz ist ein zerstreren und irret 1• Sit diz diu nature tuot, vil mer
tuot ez got: der gebrichet niemer, er engebe ein bezzerz. Die marterrere 5
sint töt und hant verlorn ein leben und hant enpfangen ein wesen. Ein
so meiste r sprich.et, daz edelste daz si wesen und leben und bekantnisse;
Bekantnisse ist hreher dan leben oder wesen, wan in dem, daz ez bekennet,
sö hat ez leben und -wesen. Aber dar nach ist leben edel er dan wesen oder
bekantnisse, als der boum der l~bet; sö hat der stein ein wesen. Nu 10
1 Diu bis beste. fehlt S1 ist aller beste.] diu aller beste ist (sind Au1). ß1Kö1 Er
bis sin. fehlt AUi Er sprich et,] vnd sprich et der selbe S1 fehlt a daz bis Der fehlt S~
daz sie bis 2 wesen.] Sie sint tot (tot fehlt Gs) und hänt verlorn ein leben und hänt ein wesen
vunden. a · 1 sin.] sint F1 Kö1 2 in] dem m. S1 fehlt·Au1 Ez sprich.et ein meister:
Pf ET bric:het a 2f. gebe alle zit ein S1 3 bezzers dar gegen. Als Pf BT Als]
So a Als -bis 4 irret. fehlt S1 Als bis 3 bezzer; fehlt Kö1 3 daz bis 4 wfrt, fehlt
Ga (Homöoteleuton!) 3 daz] als AUi aber so.] aldi-r so Kö1 so] da Mai1 4 daz]
so F1Kö~ _ein fehlt Au1 zerstrerunge aß1 irret.] irrung Ga irret. SH] irret
ez und enwürket diu nature niht. SU ß1 Kö1 diz] daz F1Kö1 .dz nvn S1 fehlt AUi nature
daz t. S1Kö1 (daz v. and. Hd. nadigetragen Kö1)· 5 ·ez fehlt ß · der] dem ß gebristet
F1S1 6 sint tot und fehlt S1 1 ein1] ir S1 und2 bis wesen.] und got gibet in (in
fehlt AUi) e_in wesen.ß enpfangen] funden G3 6f.. Ez spridiet ein meister, a , daz 1
bis si] Es sy nvt edelers denn S1 wesen (das wesen Ga) und (wesen und fehlt eti) leben
und bekantnisse. Bekantnisse ist (vnd bekantniizz ist. Bekantniizz ist F1 und bekennen. Bekennen
ist a) aß] wes.en unde leben, unde bekimtnisse ist Pf BT 8 hreher]. edel er ß1S1 oder
wesen,] und edeler denne wesen Pf BT oder] und AUiS1 wan. bis bekennet, fehlt Gs
ez] er S1Au1 9 ez] er S1 Aber fehlt a ist das lebin Kö1 edeler] bezzer ~
den das wesin Kö1 9f, oder bekantnisse] oder bekenn~n a fehlt. Pf BT 10 als bis lebet;]
als so (so fehlt Köi) der boum lebet ß stein] stamm G3 stam ß1 stamme S1 wesen.]
wachsen ß1 wac:hssen S1

huic saeculo mori, Exodi 33: 'non videbit me homo et viv:et'. Quod exponens Gregorius ait in
glossa: huic saeculo moritur qui eius amore non retinetur.; Sermo LV n. 54'J: Nota: homo debet
se habere ad otnnia mundi huius, ac si esset mortuus, tamquam non auciiat nec videat, et
universaliter, ac si non sentiat.
1 Vgl. In loh. n. 246: Exemplum habemus in natura, ubi omnes formae et accidentia disponen,

tia iid formam subst_antialem adepta ipsa. forma, abiecta ignobiliori, nobiliora redeunt, perfecta
pro imperfectis; calor enim consequens formam ignis longe perfectior est calore praecedente et
disponente ad formam.; Quaestio, Utrum in corpore- etc. n. 'J (Diese 4.usg., Lat. W., 5. Bd; S. ?8,11-/f.) :
Ad primum dico quod in simplicibri.s corrumpitur aer et g~neratur ignis. Natura universalis,
quae est paterfamiHas, intendit ·corruptionem, quia aliter non posset habere generationem nec
posset providere universo. ;. Quaestio, Utrum in deo sit idem esse efintelUgere i' n.11 (Diese Ausg.,
Lat. W., 5. Bd. S. 4?,Bf.): Didici.enim quod quando e substantia,minus -formali generatur substantia
magis formalis, quod tune est generatio simpliciter; quando vero e converso, quod est generatio
secundum quid.; In Gen.In. 55;. A}bertus M. De gen. et corr. l tr.1 c .. 25(/V 'J66b): Est enim formae
generatio ex terra in i,gnem quasi ad magis formale: et tune est generatio simpliciter et corruptio
huius sive quo: quia a quo corrumpitur, non habuit esse nobile et formale scilicetterra.. Si autem
e contrario terra generetur ab igne, erit corruptio simpliciter: qui11; ignis est generatio huius et
non simpliciter, 4uia terrae.; vgl., audi Pf. S.124,5/f.; BgT S. '30;29-/f. (Pf. S. 4'39,26-/f.).

9 IUgntt, !ll l . 129


,Predigt 8

nemen wir wider wesen bloz und luter,' als ez in im selber 'ist; so ist wesen
hreher dan bekantnisse oder leben, wan in dem, daz ez wese.n hat, so hat ez a5
hekantnisse und leben 1. Sie hant verlorn ein leben und hant vunden ein
wesen. Ein meister sprichet, daz gote niht so glich ensi als wesen; als· ver:re
5 ez wesen hat, als verre ist ez gote glich 2• Ein meister sprichet: wesen ist so
luter und so hoch, allez daz got ist, daz ist ein wesen,. Got enbekennet niht ,o
dan aleine wesen, er enweiz niht dan wesen, wesen ist sin rinc. Got enminnet
niht dan sin wesen, er gedenk et niht dan sin wesen. Ich spriche: alle creatfrren
sint. ein wesens. Ein meister sprichet, daz etliche creatfrren soinahe gote sint

1 wider fehlt fJ un.J luter, fehlt S1 ez] er Ga in] an S1 wesen•] es Au1


2 hreher] bezzer (bessers G8 ) a oder] vnd Aui. wan] und ß1S1 hät,1] ist, Pf BT
2f. hat bekentnis eyn lebin Kö 1 3 erkantniss S1 leben und sie ß hänt, spri<he
ich, verlorn Pf BT ' ein nätiurlich leben Pf BT vunden] enpfangen Pf BT 4 Ein
bis 5 glich. folgt in Ga auf 8 wesen 1 4 sö] als ß1S1Mai1 ensi] ist Mai1 als
ain weszen Mai 1 als 1 ] .so Gs 4f. als verre (wer Gs) ez (ez] als ez ß) aß] sö vil .ez Pf BT
5 als verre ß1S1 ] sö vil. Pf BT so aKö1 gote] im ß1S1 fehlt Kö1 Ein meister J Er Si
6 ein fehlt ß 6f. wesen. Got (wesen und göt a) enbekennet niht dap aleine wesen (wesen
aleine, a), BTa] wesen und n:iht bekantn:isse dan aleine wesen ß1Kö1 Got bis , wesen,1 fehlt S1
(Homöoteleuton!) , enweiz] waz Au1 wesen 3 (wesen] das Ga fehlt a;_) ist sin rinc;
BTa] daz ist sin nature (name Kö1). ß Got enminnet] got in. nymmyt Kö1 Er nimet a
8 sin1 fehlt a er bis wesen.] erkennen mit dem weszen Mai1 fehlt Ga (Homöoteleuton!)
· er bis 9 wesen:. fehlt Au1 (Homöoteleuton'.!) 8 gedenket] bechennet Str. sin• fehlt a;_
Ich bis 9 wesen. fehlt F 1 Kö1 8 Ich bis 131,2 wan fehlt S1 (Homöoteleuton!) 8 spriche]
·· vnd Mai~ fehlt Str8 (Zeilenroedisel) 9 daz bis sint] daz Got etlich nature als nachent si1',d
Au1 creature sin, die sö Pf BT sind so nach got vnd Gs got so nahen sint F,

1 Zu S.129,6-oben Z. J vgl. Thomas l q. 4 a. 2 ad 3; rigl. auch oben S. 66,8ff. und S. 6?

Anm.1 mit den dort aufgeführten Parallelen; weiter: In loh. n. 63 (Diese Ausg., Lat. W., 3. Bd:
S. 52,lff,): Secundo sciendum quod alius est ordo istorum in abstracto, puta cum dicimus esse;
vivere et intelligere; alius in concreto, puta cum dicimus ens, vivens, intelligens. In abstracto
enim esse est perfectius inter tria... Pari ratione vivere est nobilius intelligere. In concreto
vero opposito modo se habet: ens enim infimum tenet locum, vivum secundum, intelligens ter-
tium sive supremum.; Quaestio, Utrum in deo sit idem esse et intelligere i' n. 6 (Diese Ausg., Lai.
W., 5. Bd. S. 42,8ff.}: Dicunt tarnen aliqui quod esse, vivere et intemge·re dupliciter possunt
considerari: uno modo secundum se, et sie prius est esse, secundo vivere, tertfo intelligere;
vel in comparatione ad participantem, et sie prius est intelligere, secundo v-ivere, tertio esse.
Ego autem credo totum contrarium. 'In principio' eriim 'erat verbum', quod ad intellectum
omnino pertinet, ut sie ipsum in.telligere terieat primum gradum in perfectionibus, deinde
ens vel esse.-; In loh. n. 500: Intellectivum enim abundantius est quam vivum, sicut vivum
abundantius est quam ens, • . . ; vgl. roeiter: Sermo LIV n. 528; XLIV n. 4.42; In loh. n. 141;
n. 189; In Gen. II n. 151 ( Sed alii ipsum (seil. deum) audiunt, ipsi respondent sub proprietate
esse, qua scilicet deus est esse et ·ab ipso esse omnium. Alia vero ipsum audiunt et susci-
piunt verbum dei ut est· vita prima et vera; et ista sunt viv~ntia omnia. Supremo vero in,
entibus ipsum audiunt deum non solum per esse et in esse, aut per vivere et in vivere, sed per
intelligere et in ipso intelligere.; Augustinus De libero arbitrio II c.1 n.? (PL 32, 1243-
44). - Zu S.129,?f. vgl. Quint S. ?13. • Zu Z. 4-'-5 vgl. In Sap. n. 23: In esse enim solo
proptie cteatura assimilatur Deo, suae causae.; In Exod. n. 105: nihil minus alienum quam quod
est rebus intimum et ipsas se totis penetrans: hoc autem est esse, et deus est plenitudo esse.
3 Z. 6-8 = RS. II arl. 48 (Thery S. 250}: Quadragesimus octavus articulus in sermone qui incipit:'

130
In occisione gladii

263,6 und haut so vil gedrücket in sich götliches liehtes, daz sie andern creaturen
.wesen geheut. Daz enist niht war,. wan wesen ist so hoch und so luter und
gote so sippe, daz nieman wesen geben enmac wan göt aleine in im selber.
Gotes eigenschaft ist wesen. Ein meister sprichet: ein creature mac wol der
andern leben geben 1• Dar umbe aleine in wesene liget allez, daz iht ist 2. 5

1 gedrücket] getri'mcken F1 getrunkin Kö1 des götlid:i.en liehtes ß1Kö1 daz] da


a1 da von Kö~ 2 Daz] Dod:i. Au1 enist doch niht ß1 wan fehlt ß1 ist dod:i.
so Al!,1 2f. und ist gote f11S1 3 sö nähe sippe (gesippet Maii) a, gesipp f11 gesippe Si
daz] da a1 enmac] kan Pf BT . alein'1 fehlt a in im.selber fehUPf BT 4 eigen-
sd:i.aft] aygen kraft F1 eigen krafft 81 Ein meister spri&et: fehlt a Ein bis 5 geben.
fehlt ß1S1 4 wol fehlt a 5 leben] ein I. a 5f. Dar. umbe aleine (aleine fehlt ß1S1)
in wesene liget allez, daz iht ist. Wesen ist ein (ein] sin ß1S1) erster name. Allez, daz ·gebre-
stenlid:i. (gebresthaftig F 1 gebresthafft 81 gepre&enhaftig Au1 gebre&lid:i. BT) ist, daz ist abeval
von wesene (daz hat einen abeval aO: dem wesene fJ,81 ). Allez unser leben solte ein wesen
sin. BT ß1Si] und niht ein wesen. Da von (Dar vmb Ga) hänt die heiligen verlorn ein leben
(geben ain weszen getilgt, dafür am Rand von and. Hand: verloren ain leben Mai1) und hänt
enpfangen (funden Ga) ein wesen. Allez (als Mai1) unser leben solte ein wesen sin. a

In o cci s i o n'e g ladii mo rtui s u n t, sie dicit; deus non cognoscit nisi esse, ipse non scit:nisi
esse; deus non diligit nisi suum esse; ipse non cogitat nisi suum (Thery Anm. c: ,,Suum n'est
pas dans le ms. Il est dans le texte allemand; et le sens de la phrase l'exige.") esse. Solutio
Edcharts (Thery S. 251): • , . Quod autem idem articu1us secundo dicit: Ego dico omnes creature
sunt unum esse: Male sonat et sie falsum · est. Dieser von Edchart selbst zitierte Satz steht nicht
in der Anklage, er entspricht oben S.1'J0,8f. Vgl. In Sap. n. 255f.: Rursus secundo notandum quod
deus, utpote primum in entibus. et causa prima omnium, est esse purum, et propter hoc amat
omne quod est et quod esse habet .. , Sie ergo deus, utpote esse, se toto amat, ut dictum est,
omne quod esse habet et esse nominat... Notandum ergo quod ipsum esse. absolute, simpliciter,
formaliter, est id ·quod amat deus obiective ... Sed deus est esse; Igitur d-eus est ipsum solnm
quod amat ipse, in quo omnia, et quod in omnibus, et propter quod omnia; et extra quod nihil
nec amat nec novit nec universaliter operatur. Zum Satz Esse est deus oder deus est esse vgl.
noch etroa: Pf. S. 226,10; 619,6f.; Prol: gener. n. 12ff.; In Sap. n. 55; n. 82; n. 140; n. 145; In loh. n. 96;
n. 221; n. 238; n. 242; RS. § II 3 art. 5 (T hery 8.1'?2); gegensätzlich unten S. 145,'?ff. - Zu S. 130,8
Id:i.-9 wesen vgl. Sermo XXV n. 26?: Praeterea esse commune est omnibus, non solum commune
aut idem in omnibus .• , ; In Sap. n. 10'?: Ad litteram est notandum quod 'sie est in naturalibus
quod esse semper est unum et in uno.; Thomas In l. de causis lect. 18 (ed.'Mandonnet I
S. 2'?4}: Esse igitur quod est primum, commune est omnibus.; Pf. S. 8J,8/21ff,
1 Zu S.1'30,9-oben Z. 5vgl. Liber de causis prop. 3 (ed. Bardenheroe.r § 3 p. 165,26-166,J):

Et non efficit anima has operatfones;nisi quia ipsa est exempliim superioris virtntis: quod est,
quia c;msa prima causavit esse ·animae mediante intelligentia.; dazu Thomas In .Z. de causis
lect. 3 (1 S. 209): Hoc autem quod hie dicitur quod causa prima creavit 'esse animae mediante
intelligentia, qiiidam male intelligentes existimaverunt velle auctorem istius Iibri, quod intelli-
gentiae essent. creatrices substantiae animarum. Sed hoc est contra positiones Platonicas, huius-
modi enim causalitates simplicium entium po,!1.abant secundum participationem..• Est ergo
intelligendum quod ipsa essentia animae secundum praedicta,-causata est a causa prima, quae
est suum ipsum. esse : sed conseq:uentes. participationes habet ab aliquibus posterioribus princi-
piis: ·ita scilicet quod vivere habet a prima vita, et intelligere a prima intelligentia •. ,, lect. 9
(l S. 244): • •• non quod es~e·eorum sit causatum ab intelligentia sed quia ista secundum siiam
essentiam sunt creata solum a causa prima; per intelligentiam vero sortiuntur quasdam per-
fectioIJ,es · superadditas.; In Gen. I n; 21: Et hoc contra opinionem A vice n n a e et aliorum dicen °
tium quod deus creavit in princigio intelligentiam et illa mediante creavit alia. Omnia enim

9'* 131
Predigt 8 .

Wesen ist ein erster name 1• Allez, daz gebrestenlich ist, daz ist aheval von 10

wesene 2• Allez unser leben solte ein wesen sin. Als verre· unser leben ein·
wesen ist, als verre ist. ez in gote. Als verre unser leben ingeslozzen ist in
wesene, als verre ist ez gote sippe. Ez enist kein leben sö krank, der ez nimet,
5 als ez wesen ist, sö ist ez edeler dan allez, daz ie leben gewan 3• Ich bin des 16
gewis, bekante ein sele daz minste, daz wesen hat, si enkerte niemer einen
ougenblik dannan. Daz snredeste, daz man in gote bekennet, der joch einen
bluomen bekante, als er ein wesen in gote hat, daz wrere edeler dan alliu diu
werlt. Daz. snredeste, daz in gote ist, als ez ein wesen ist, daz ist bezzer, dan
10 der einen engel bekante 4 • 20

3 Als verre] und als verre ß1S1 wer Mai1 ingeslozzen BT] heslozzen a., geflossen G,
in geflossen S1 .in geflozzen Fi jn got beschlossen Au1 · 3f. fo wesene, BT ß1S1 in ein wesen a
in sippe Pf 4 als verre BT a] rehte (rehte fehlt Si) als vil ß1S1 gesipp F1 gesippt Au1
gesippet S, Ez bis t bekennet, fehlt S1 4 leben] wesen a · ez 2 ] er G, 5 ez1
fehlt G3 5-:-135,1 hat die Gruppe a eine Reihe von. Umstellungen .. An g~wan smlie/it an:
133,5 Ich bis 134,'2' werde. + +
10 Ez bis 1'.J5,1 wirt 132,5 Ich bis 133,5 mittac. + 134,8 Ich bis
wunderlich. + 135,1 Gote usro. 6 gewis,] sicher oder gewis F 1 sicher Au1 kante Mai1
hat in gote, si a '2' in gote bekennet,] in gab bechant Au1 jn got bekant Mai1 der
joch] als der Pf BT joch a fehlt ß1S1 8 er] si ß1S1 · diu fehlt Gs 9 Daz
snredeste, daz · in gote ist (Daz snredeste in gote F1S1 vnd schnodesf. jn got Au1), als ez eip.
wesen ist, BTß1Si] Daz snredeste, daz da (da fehlt a1) wesen hat in gote, a ein fehlt Pf
9f. dan der einen engel bekante. BT] dan einen engel bekennen. a dan ein engel. Bekante sich da ß1S1

habent esse immediate a solo deo et ex aequo.; n. 11?: Nec est intentio, sicut stulti putant,
quod creator loquitur vel cogitat et habet adiutorium aliorum extra se in consiliis, sed omnium
istorum expositio est, quod singularia entium et omnia membra animalium secundum quod
sunt, sunt quidem mediantibus angelis. Hucusque verba Rabbi Moysis.;_In Gen. II n. 205:
..•- quamvis non sit dicendum, quod caeli sint creati et producti propter generationem reru'm
mundi inferioris.; In Sap. n. 36: Sunt enim qui putant, ut Avicenna et sui sequaces, quod a
primo sit primo et immediate creata intelligentia et ab illa deinceps alia. Dicendum est enim,
quod totum universum tamquam unum totum, sicut ipsum nomen indicat; quod dicitur universum
tamquam unum, est ab Uno simplici, unum ab .Uno primo et immediate.; Sermo XXXVI n. 365:
Unde in primo angelo, utpote deo proximo, sie similis .procedit, ut innectatur et divinae sit
consors naturae adeo, ut Avicenna prini.am intelligentiam dicat omnium sequentium creatricem.;
diese Stelle entsprimt Pf. S.124,20ff. {sieh Quint S. 362).; Avicenna Met. IX c. 4 {Venetiis 1508,
104v); Thomas I q. 65 a. 3; q. 45 a. 5; Pf. S. 236,tff. _; Zu S. 1J1,2f. vgl. Sermo XXVIII n. 288:
, Sed omne esse a deo est, ab ipso solo et immediate.-; In Gen. I n. 1'?4: •.. quod deus est esse
purum, plenum et simplex et fons unicus omnis esse, sive in anima vel extra, sive in arte vel
in natura.; rn· Sap. n. 268: Esse autem omne .et omnium ab ipso solo deo est, et im:mediate.;
Pf. S.95,?f.;, vgl. aum RS. § II 3 art. 6 (Thery S.1'?'.J). . 2 Vgl. Sermo XXV n. 26'?: Nihil
enim potest esse et esse absens ipsi esse.; In Eccli. n. 6'?: Certum est enim quod omne quod
quis est, eo est quod in esse est, et esse i~ ipso est. ·
1 Vgl. Pf. S.108,28ff.; 95,6; In Eccli. n, 34: Phil. 2: ':nomen quod est super omne nomen'; quia

esse sive 'qui est' secundum D am a s c e n um est primum inter omnia nominl!- dei.; vgl. Bon a·
ventura ltin. 5,2; Seuse S.1'?6,8f.: Es sprichet ein lerer, daz der na.m wesen der erst nam
sie gotes (sieh Bihlmeyers Anmerkung zu dieser Stelle); Prol. gener. n, 8; In Exod. n. 163..
2 Vgl. In Sap. n. 14: ... mal um nihil est nisi privatio, sive casus ab esse et defectus, absentia

sive carentia esse.; n. 139; In loh. n. 52 {Diese Ausg., Lat. W., 3. Bd. S. 4'J,1Jf. und S. 44 Anm.1};
n:.,W ( a. a: 0. S. '?8,13ff .) ; n. 485. 3 Zu Z. 3f. vgl . .Pf. S. 86,2ff. Z.4-5 = RS. II art. 49 {Th er y

f32
In occisione gladii

Der engel, da. er sich kerte ze der creatfrren bekennenne, da würde ez


naht. Sant Augustin us sprichet: swenne die engel die creatfrren ane got
bekennent, daz ist ein abentlieht; aber swenne sie die creatfrren in gote be-
95 kennent, daz ist ein inorgenlieht. Daz sie got bekennent, als er aleine in im
selben Wesen ist, daz ist .der liehte mittac 1• Ich spriche: diz solte der mensche 5

1f. Der engel, dä er sieµ kerte (keret Pf BT kert ß181) ze der (der] den Au1 fehlt F181)
creatii.ren (creatii.re Pf BT)bekennenne (becheime Au,), dä würde (da wirt Pf BT daz wrere ß1 81 )
ez naht. BT ß18i] Da sich joch (das ioch Gs) der erigel kerte zuo creatii.ren bekennenne, da wirt
ez naht. a: 2ff. Sarit (fehlt 81) Augustinus sprichet {sprichet fehlt 81): swenne die engel die
creatiiren äne {äne] on F1 an Au18il got bekennent (bedient Aui), daz ist ein äbentlieht; aber
swenne sie (wanne aber sich Au1) die creatii.ren in gote bekennent (bechennet Au1), daz ist ein
morgeniieht (mörgenlich liecht F1). ß181] Sant Augustinus sprichet: swenne der (die Gs) engel
die creatii.re in gote bekennet (in gote die creatii.ren [creatur Mai~] bekennet [bekennent G3 ]
'a), dä (so a,_) wirt ein abent (dä bi!J 3f. bekennent, fehlt Ga, Homöoteleuton/; dä bis äbent o. and.
Hd. auf d. Rand Mai1}; bekennet (beknet v. and. Hd. auf d. Rand Maii) diu (diu] ein ai) sele got
in den creatii.ren, daz ist ein abent. Aber daz si die (Aber· der die BT) creatii.ren (creatur Mai1)
in gote bekennet, daz ist ein morgenlieht (mercken [getilgt, darüber v. and. Hd. morgen] liecht
Mai1 ). Pf BT a Sant Augustinus spricht Bekennent du sel got jn creaturen dz ist ain aubent
bekantnusse Aber du sele die Creatur in got bekennet dz ist ain morgen Hecht B9 .4 Daz
sie got] aber dz sich· got 81 si aber got Pf BT bekennent, ßi] bekennet, Pf BT a,_B981
4f. 'in im selben (selben fehlt Pf BT B9) wesen ist, BT aB9] ein wesen ist in im selber ß181 5ff. Ich
spriche: diz solte (daz sol AuD der mensclre begrifen und bekennen (und bekennen fehlt Au1 ),
daz daz wesen so edel ist (daz 1 bis ist.] daz wesen, daz so edel ist. ß1). Ez enist kein creatii.re
so snrede, si enbeger des wesens. Die rii.pen (rappen ß1), swenne die abevallent (die abe-
fehlt Au1) von .den (dem. F1) boumen, so kriechent sie eine want ii.f, daz sie ir wesen be-
halten (behalte Au,), .Also edel ist daz wesen. ßi] Unt diz solte der mensche begern, als in
einem unsinne, und ansehen, daz daz wesen so edel ist. Pf BT Sehet, diz solte der mensche
begern als in· einem unsin:ne, daz allez sin leben ein wesen würde. Got der (der fehlt Ga) weiz
niht dan .wesen. (+ 134,4 Wir bis i werde. + 134,10 Ez bis 135,1 wirt. + 132,5 Ich bis 133,5
mittac +) Wesen daz ist als edel, daz diu rii.pe (runpunden 8traMai1 rii.pe fehlt Ga) ii.f eine want
klimmet (clainet Maii) und wrenet (wonnet Mai1) verderben; so edel ist daz wesen. a fehlt 81

8. 251): Quadragesimus nonus articulus sie habet: non est aliquod yivere ita debile si accipiatur
in quantum est esse, nisi tune sit nobilius quam omne quod unquam vivere vel vitam habuit.
• Vgl .. Pf; 8.J11,1'?f.; 286,'J'?ff.•; ZfdA 69 8.264,6Jff.: wan ein mvcke hete me warheitin gote,dan
alle wer lt uz.; ebenda 8. 266,129ff,: ein. mucke' ist also edil in gote alse .der oberste engil, vnd
uz gote ist ein ganz werlt,nicht me dan alse .ein nicht.; J und t S. 266,11ff.: Es mainet alles ain
inwachsen, wann der enge!, usserhalb der bloszen natur, enwais nit me als dis holtz.; ja .der
engel, an disz natur, hat nit me den ain mugg hat an got.; vgl. auch oben S. '?0,5f. und Anm. 1;
In Sap. n.1'?'?: Tolle esse: non plus habet caelum quam musca.; In Eccli. n. 44: sine esse enim
non valet plus totum universum quam musca nec plus sol quam carbo nec sapientia plus
quam .ignorantia.
1 Vgl, Augustinus De Gen. ad litt.J. IV c. 21 n. 40 (PL 14, '312): Multum quippe interest
·inter cognitionem rei cuiusque in Verbo Dei, ~t cognitionem eins in natura eins; .ut illud meriti:>
ad diem pertineat, hoc ad vesperam.; · ebenda c. 24 .n. 41 (313): Quapropter .cum sancti angeli,
quibus-post resurrectionem coaequabimur ... semper videant faciem Dei, Verboque eius uni-·
genito .... perfruantur, in. quibus prima omniu:m c;reata ·est sapientia·; procul dubio universam
creaturam, in qua ipsi sunt principaliter conditi, 'in ipso Verbo Dei prius noverunt; in quo sunt
omnium, .etiaµi quae temporaliter facta sunt, aeternae rationes, tanquam ii:J. eo per. quod {acta
sunt omnia: ac deinde in ipsa creatura, q:uam sie noverunt tanquaIU infra despicientes, eamque

133

/
Predigt 8

begrifon und bekennen, daz daz wesen sö edel ist. Ez enist kein creature so
snrede, si enbeger des wesens 1•. Die rupen, swenne die abevallent von den
b~umen, sö kriechent sie eine want uf, daz sie ir wesen behalten. · Alsö edel
ist daz wesen. Wir loben iri gote sterben, uf daz er uns setze in ein wesen,
5 daz bezzer ist dan ein leben: ein wese:ii, da unser leben inne lebet,. da unser
l~ben ein wesen wirt. Der ·mensche sol sich willicliche geben in den töt und ao
sterben, daz im ein bezzer wesen werde 2• -
Ich spriche etwenne, daz ein holz edeler ist dan golt; daz ist gar wunder-
lich. Ein stein ist edeler, als er ein wesen hat, dan got und sin gotheit än~
10 wesen, ob man im wesen möhte abetuon 3• Ez muoz gar ein kreftic leben sin, a.

4 loben] leben Mai1Gs loben bis sterben,] süln got loben, sö wir sterben, ß1S1 vor
sterben v.- and. Hd. vnd eingeschoben Mai1 ilf fehlt ß1S1 uns fehlt Sirs vns v. and. Hd.
nachgetragen Mai 1 setzet F1 5 besser bis dä 2 fehlt ß1S1 da. 2 BT] und dä a 6 ein
_wesen wirt.] ein werde aUe creaturen begeren des wesens amen (Schluß) S1 vnser wesen
ain leben wirt. Str3 vnszer leben an (?) leben wirt Mai1 Der mensclie sol (solt ß1) sich
willicliche geben in den tot und sterben, daz ini ein bezzer wesen w~rde (töt, daz unser· leben
würde ein wesen, und daz ist vil edeler. ß1) BT ßi] Den menschen solte jämern näch dem töde,
in dem er lebende (leben Mai1) wirt. a 7 wesen] leben Pf 8 lcli spriche bis ist1 fehlt
Au1 (Homöoteleuton/) sprach Pfai ein fehlt F 1 edeler] bezzer Pf BT gcild
vnd daz Au1 ist 2 ] liutet (lüchtet BT) Pf BT 9 Ein bis 10 abetuo'n. fehlt a 9 gotJ gold
vnd got Au1 sin fehlt ß1 10 im] an jm Au;

referentes ad illius laudem, in cuius incommutabili veritate rationes secundum quas· facta est,
principaliter vident. lbi ergo tariquam per diem ... ; hie autem tanquam per vesperam: sed
continuo fit mane ..., quia non remanet angelica scientia in eo quod creatum est, quin con-
tinuo referat ad· eius laudem atque charitatem ... ; in qua veritate stando dies est.; vgl •. auch
Thomas I q. 58 a. 6 ad 2: Ad secundum dicendum, quod matutina et vespertina cognitio ad
ideni pertinet; id est, ad angelos illuminatos, qui sunt distincti a tenebris, id est a malis angelis.
Angeli autem boni cognoscentes creaturam, non in ea figuntur, quod esset tenebrescere et noctem
fieri; sed hoc ipsum referunt ad laudem dei, in quo sicut in principio omnia cognoscunt. Et
ideo post vesperam non ponitur nox, sed mane ... inquantum angeli cognitionem praecedentis
ope:ds ad laudeni dei referunt. Meridies autem sub nomine diei comprehenditur, quasi medium·
inter duo extrema; vel potest meridies referri ad cognitionem ipsius dei, quae non habet prin-
cipium, nec finem.; Pf. S.111,2ff.; 122,J9ff.; .BgT S. 48,19ff, Im Abschnitt S.1'3'3,1-1'34,4 bin ich im
wesentlichen der Gruppe ß gegen BT und a gefolgt. Zumal in S. 1'3'3,2-4. halte i<fi den Text von BT
und a mit seinem Schwanken zwischen engel und sele für unursprünglich, ohne indessen den Text
der ß-Gruppe als absolut· gesichert anzusehen.
' 1 Vgl. In loh. n. 409: Esse ehim generaliter omnes volunt, omnes appetunt, quin immo ipsum

est qucid in omnibus et ab omnibus appetitur, propter quod solum appetuntur omnia. Et hoc
est quod A vice :il n a dicit VIII Metaphysicae c. 6 quasi in principio : »id quod desiderat omnis
res, esf esse et perfectio esse in quantum e·st esse; . . . ld igitur quod vere desideratur est
esse.«; In Gen. II n. 10'3: Esse autem est id quod desiderat omnis res. Et id quod ve:re deside-
ratur est esse, ut ait A vice n n a ·VIII Metaphysicae c. 6.; In Eccli. n. 44; n. 4?; In Exod. n.158.
2 Zu Z. J-? vgl. Pf. S. J2,J1f.; 40,26ff.; Sermo XXV n. 26?: Anima vero per suum esse stat in

esse dei, in deo. Ubi nota quod omnia sunt in deo tantum ratione sui esse, et ut sie se totis.
3 Z. 8_:_10 = RS. II art. 49 (Thery S. 252): Et infra: ego dico interdum quod carbo est nobilior'

quam aurtlm. Hoc est valde mirabile. Unus lapis est nobilior in quantum habet esse, quam
deus et sua deitas sine esse, si esse ab eo auferri posset.

134
In occis10ne gladii

in de.m totiti. dinc lebende werdent, in dem joch der tot ein leben wirt. Gote
dem enstirbet niht: alliu dinc lebent in im1. 'Sie sint tot', sprich.et diu geschrift·
von d.en marterreren, und sint gesast in ein ewic leben, in daz leben, da daz
l~beri ein wesen ist. Man sol grunttot sin, daz uns berüere weder· liep noch
40 leit. W az man bekennen sol, daz muoz man bekennen in siner ursache. Niemer 5
enmac man ein dinc rehte in im selber bekennen, man enbekenne ez in siner
ursache. Nie:mer enmac ez bekantnisse sin, ez enbekenne denne in siner her-
' liehen sache 2• Also enmac daz leben niemer volbraht werden, ez enwerde denne
2s,,5 braht in sine herliehen· sache, da daz leben ein wesen ist, daz diu sele enpf rehet,
so si ze grunde stirbet, daz wir leben in dem lebene, da leben ein wesen ist. 10
W az uns des hindert, da·z wir hier inne niht strete sin, daz bewiset ein meister
und sprichet: ez kumet da von, daz wir zit rüeren. W az zit rüeret, daz ist
tretlich 3• Ein m e ist e r sprich.et: des himels louf ist ewic; ez ist wol w&r, da
10 kumet' zit von, daz tuot ez im abevallen .. In sinem loufe ist er ewic; er enweiz

von zit niht, und meinet, daz diu sele gesast si in ein lfrter wesen 4 • Daz ander 15

1 dem 1 ] den G3 in dem tot oft lebendich werden F1 jn dem tode oft lebentig werden
Au1 joch BT] ouch ß1 fehlt a ein fehlt Mai1 wirt.] wirt. Daz got uns (uns] vnd
Mai1) gebe, daz wir also an allen dingen sterben biz daz wir uzer (ausz Mai1) der zit getragen
werden über zit in ein nil. der ewicb.eit (getragen werdind vss der zit in ain ewikait G8 ), da
(das Ga) unser leben ein wesen wirt. a 2 dem] der a fehlt Au1 enstirbet] enschrei-
bet Au1 lebent] werdent lebende Pf BT 'Sie bis 4 ist. fehlt a (dodi vgl. das Plusstüdc
in Z. 1) 2 sprich.et bis 3 marterreren, fehlt ß1 3 in daz leben, da fehlt ß1 4 ist.]
ist. Daz uns' got setze in daz wesen (in ain ain~wesen AUi), daz er selber ist; des helfe uns der
vater und der sun und der heilige geist ze allen ziten. Amen (amen Daz werd war Au1) ß1 (Sdilufl)
ze grunde töt Pf berüere] bewege Str8 G3 bewegen Mai 1 5 in siner ursache.] bi sinen
sachen. ~ 6 rehte bis 7 rirsache.] ze rehte bekennen (erkennen G3) in·sich selben; ez ensi
fn siner sacb.e. a 6 bekennet BT 8 denne] E Ga fehlt ai · 9 siner Pf herli-
ehen] leiplj_cb. a1 lib Ga daz diu sele bis 10 ist. fehlt Pf (Homiioteleutonl) 10 sö bis
stirbet,] ob si ze grunde tot (sy grunt tod ai) stirbet a c, daz wir] da (das Ga) wirt a da
daz leben ai da diu sei G8 11 W az bis hindert,] Waz hindert uns a .des] disz BT
daz bewiset bis 12 sprichet:] Ein meister sprichet a 13 tretliqi.] zitlich und stirbet. Pf BT
louf] Inst StrsGs last Mai1 13f. da von kompt zit G3 14 abualle a1 sinem] seim
(v. and. Hd. über d. Zeifo nadigetragen) Mai1 loufe] lust a 15 beseczt Ga

1 Vgl. Pf .. S. 10?,'J; In Gen, I n. 1'39: Deo enim nihil praeterit, nihil moritur nec quidquam

in nihilum redigitur. Quod sem.el est a~iquid, hoc nunquam est nihil. Oninia enim illi vivunt.
• Vgl; In loh. n. 9 '(Diese Ausg., Lat. W., 'J, Bd. S.1(i;J'/f. und Anm.1): Decimo tiotandum quod
proprium intellectus est obiectum suum, intelligibile scilicet, accipere non in se, ut totum quod-
dam, perfectum et bonum est, sed accipere in suis principiis.; n. 18, n. 20,. n. 189: tertio quia
omnis res in suis principiis originalibus cognoscitur; n. 441, n .. 568; .In Gen. I n. ?? : Scitur enim
.res in, suis causis.; Serino XII n, 142: Omnis enim res plena est et pµra in sua causa et ibi,
non extra. a Vgl. Pf. S. 88,16f.; 95,24'/f.; 105,1,'J-/f.; 14'3,8'/f.; 'J08,4ff.; 404,28'/f.; 46?,25; Prol. gener.
n. 9: Et iterum: esse rerum omnium inquantum esse mensuratur aeternitate, nequaquam tem-
pore.; In Gen. I n.160: Esse autem tempori non subiacet, ..• Motus ergo et tempus ipsum esse
.rerum etiam mobilium, inquantum e]J,s est .sive in ratione esse, non attingunt. 4 Vgl. Pf.

S, 11?,21'/f.; 222,21'/f.; '308,ttff.; In Gen.In. ?'J: A:ugustinus XII Confessionum respondet <licens,
quod caelum, quod. in principio fecit deus, creatura est aliqua intellectualis, excedens omnem
volribilem vicissitudinem temporum.

135
Predigt 8

ist, daz ez in im treit widersatzunge. W az ist widersatzunge? Liep und leit,


wiz und swarz daz hat widersatzunge, und diu enblibet in wesene niht.
Ein meister sprichet: diu sele ist dar umbe dem libe gegeben, daz si
geliutert werde 1. Diu sele, als si von dem libe ist gescheiden, sö en.hät si 15

5 weder vernunft noch willen: si ist ein, si enmöhte niht die kraft gelcisten,
da mite si sich ze gote keren möhte; si hat sie wol in irm grunde als in ir
wurzeln und niht in dem werke 2 • Diu sele wirt geliutert in dem lichamen
dar umbe, daz si samene, daz zerspreitet ist und uzgetragen. W az die fünf 20

sinne uztragent, als daz wider inkumet in die sele, so hat si eine kraft, da
10 wirt ez allez ein 3• Daz ander, daz si geliutert wirt in üebunge der tugende,
daz ist, swenne diu sele ufklimmet in ein leben, daz vereinet ist. Dar an liget
der sele luterkeit, daz si geliutert ist von einem lebene, daz geteilet ist, und
tritet in ein leben, daz vereinet ist. Allez daz geteilet ist in nidern sachen, 20

daz wirt vereinet, als diu sele ufklimmet in ein leben, da kein widersatzunge
15 enist. Swenne diu sele kumet in daz lieht der vernünfticheit, so enweiz si niht
widersatzunge 4 • W az dem liehte entvellet, daz vellet in tmtlicheit und stirhet.

1 im fehlt a W az bis 2 niht.] Widersatzunge ist liep und leit, wiz und swarz, und
diu blibent (beleibet Mai,) in wesene niht. a 3 dem] in den a 5 ainig G8 ge-
leisten,] geleiten Pf BT 6 sich bis möhte;] seit; Pf BT als bis 7 werke.] und in (an
G8 ) ir wurzen und an den werken niht. a 8 dar umbe si daz samene, a 1 uzgetragen.]
zertragen a 9 uztragent,] in getragent, Pf BT in die sele, fehlt Pf BT 10 ains Gs
vben G3 11 swenne] wä a 12 geliutert bis 13 leben,] geläutert wirt in ain leben
von leben vnd trät ain .leben Sirs gelütert wirt jn ain leben das leben vnd trät ain leben Mai,
geliitrot wirt in ain leben von leben vnd trait ain leben Gs J3 Allez bis ist fehlt Mai,
(Homöoteleuton!) nidern] den nidren Gs jndern Mai, 14 dä] das G3 15 Swenne]
Wä a daz] ein a der fehlt a, si] ich Mai, 16 dem] ain Mai 1 stirb et.]
stirbet wider. a

1 In Gen. II n. 113: Et hoc Avicenna De anima p. I capitulo ultimo dicH: »obligatio

corporis cum anima est propter hoc, ut perficiatur intellectus contemplativus et sanctificetur
et mundetur«. 2 Vgl. oben S. 119,2ft. und Anm. 2; Thomas I q. ?? a. 8: Utrum omnes

potentiae animae remaneant in anima a corpore separata., c.: Unde corrupto coniuncto, non
manent huiusmodi potentiae actu, sed virtute tantum manent in anima sicut in principio vel
radice.; I, II q. 6? a. 1 ad 3: Sed in statu ante resurrectionem partes irrationales non erunt
actu in anima, sed solum radicaliter in essentia ipsius, ... unde nec huiusmodi virtutes erunt
in actu nisi in radice, . . . 3 Vgl. Pf. S. 13,16ft.: Nu het sich diu sele uzewendic zer-

spreitet mit den kreften unde zerströuwet, ieclichiu in ir werc: diu kraft der sehe in daz
ouge, diu kraft der gehrerde in daz Öre, diu kraft des smeckens in die zungen und alsus sint
ir werc deste krenker indewendic ze wirkenne: wan ein ieclichiu zerspreitetiu kraft ist un-
.vollekomen. Her umbe, wil si indewendic kreftecliche wirken, sö muoz si wider heim ruofen
allen iren kreften unde sie samenen von allen zerspreiten dingen in ein innewendic würken.;
In Gen. II.n. 203: Notandum autem quod semper divisa inferius sunt, indivisa superius, puta sensus
quinque exteriores in sensu communi, concupiscibile et irascibile sensitivi sunt una potentia
in rationali.; In Sap. n. 3?: Semper enim diversa et ad versa in inferioribus uniuntur et con-
cordant in altioribus et superioribus.; In Exod. n. 91: ... tum quia divisa inferius semper sunt
unum superius, . . . 4 Vgl. In Gen. II n. 99: in intellectu enim malum non est proprie

nec contrarium.

136
In occisione gladii

Daz dritte ist der sele luterkeit, daz si uf niht ensi geneiget Waz ilf iht anders so
ist geneiget, daz stirbet und enmac niht bestan 1•
Wir biten des unsern lieben herren got, daz er u~s helfe von einem lebene,
daz geteilet ist, in ein leben, daz vereinet ist. Des helfe uns got. Amen.

1 lilterkeit,] hitterchait Stra hitrikaft Mai1 hitterkait Ga Waz bis 2 geneiget, fehlt a
2 daz stirbet] da stirhet si a gestan ai 3 des] das Ga got bis uns fehlt Mai1
got fehlt a 4 ist, in] ist und daz wir (wir] sy Gs) komen in a got.] got (got fehlt a1)
.der vater und der sun und der heilige geist. a Amen. fehlt Ga

1 Zu z. ttf. vgl. Brethauer ZfdA 69 S. 264,58tf.

137
PREDIGT 9 (Pf. Nr, LXXXIV S. 267-272)

Handschriftlicheüberlieferung (sieh Quint S. 725f., Sp ame r PBB 34 S. 337, Sk u te 11 a Zf<lA 68


S. 'i"i', Strauch Par. an. S. XXV zu Nr. 33, Thery S. 259f., Fahrne.r S. 51, Lotze S. 44, H.
Emu n d t s Meister Eckharts Predigt „Vff Sant Dominicustag", Versuch einer Textherstellung,
Diss. [ungedruckt] Bonn 1924 S. 4-7):
B6 f. 25v-29v; vgl. Pahncke E. St. S.4 zu XI.
Bs f. 112v-113v, Fragment = S. 141,1 Quasi-155,6 abentsterne.; vgl. R. P rieb s eh Deutsche
Handschriften in England 1. Bd. 1896 S: 138f.
B9 f. 90r-v, Fragment= S. 153,12-154,1 + 5-6; identifiziert von Quint. Ich teile den Text
hier mit (im Variantenapparat nicht berücksichtigt): Ain Maister spricht vernünftikait gottes
ist dz das mesen gottes des engels (90v) zemal an hanget Ain ander maister spricht des engels
mesen hanget dar an dz ain göttlich vernunftikait gegenmurtig ( gegenmurtig über d. Zeile
nachgetrage,n) ist dar jnne er sidi bekennet.
Ba2 f. 248rb-va, Fragment = S. 142,3 Der-7 bekantnisse. + 1 Satz + 144,4 got-6 bedarf+ 8
Sani Bernhart-145,3 mise. + 149,1 Nu-4f. nütze enist. Bei Spamer PBB 34 S. 320 muH es
statt XCIV heiHen LXXXIV.
BT f. 286va-288rb.
H2 f. 86v,----91v.
Ka, f. 45va-vb, Fragmente = S. 145,7 Grobe-147,2 gemalt. + 1 Satz + 144,8 Sant Bernhart-
145,3 mise.; vgl. S p am er Diss. S. 62 zu XXXXI und XXXXII.
N, f. 38ra-39rb; gedruckt: J o s t es Nr. 31 S. 25-28. Der Text zeigt im Vergleich zur sonstigen
Überlieferung eine Fülle von Verschiebungen und infolgedessen im gedanklichen Aufbau
der Predigt völlige Verwirrung. Textfolge (vgl. auch L o tz e S. 45f.): S. 141,3 'Als-144,3
+
mas. 145,7 Grobe-146,1 mücken. + 145,6 e-7 enmas.+ 147,3 Kleine-148,2 mücxe + 146,4
Daz-147,1 selber. + 146,2 Got-4 niht.+ 147,1 Sant-2 gemalt. + 144,4 Ein-145,3 mise. + 4
kein-6 mac, + 148,5 Goi-allerbeste. + 3 Güete-5 güete. + 149,1 Nu-5 enist. + Kein-7
andern.+ 5 Got-gemeineste. + 9 man~12 mühte.+ 152,1 diu sele-5 liehte + 9 lch-153,3
+
ist. 151,1 Nu-4 zuonimet + 8 Ein ander-gedenket. + 10 ich 2-12 mürket. + 4 Diu sele-
+
7. liehte; 149,12 Sant-150,4 vernünfticheit, + 6 da in~7 im selben. + 4 als der-5 be-
+
kantnisse, 153,7 Der-9 gekleidet. + 5 Güete-6 verborgen ist, Wa!re-7 niht. + 9 Da
von-guot ist. + +
11 Da von-12 bekenne. 3 Idi-mille.+ 152,6 Vernünfticheit-8 namen.
+ 153,12 vernünfticheit-154,3 uzgat. + 4 Die mfle-5 bilde + 3 Daz bilde-zuo mir. + 5
Des engels-7 nebel'. + 9 Daz-155,8 sunnen; + 12 Er-156,2 nimet; + 4 Niemer-6 uz;
+ 3 daz er-4 verliuset. + 6f. Ie mer-157,6 sprichet; + 8 Vernünfticheit-158,9 vater
0 f. 58ar-61v;gedruckt: Strauch Par. an. Nr.33 S.73-'i"i'.
+
s, f. 234r, Frngment = S,, 141,3 'Als-5 gotes'. 142,.1 Vienmdzmeinzic-2 TDB!re. 3 Der- +
143,6 ougen+ 144,4 Ein-9 mise.+ .146,3 Und-4 niht. Identifiziert von Quint.

N iko 1 aus von Landau (NvL) hat folgende Textstücke in seine Predigt Novum faciet dominus
eingebaut: S. 145,6 er ·miirket-8 roesen; +
4 Ein-6 roite, +
142,3 Der-143,4 sin (Umstellung).
Die Stücke stehen in:
K,a f. 5ra,----rb; vgl. Zuchhold S. 86f.
Sta f. 6r; identifiziert von Quint. Der Kodex enthält die Sammlung der Sermones desNvL,
die bisher nur aus den beiden Kasseler Hss. K," und Kib bekannt war. Sta weist gegen-

138
über der Kasseler Sammlung Umstellungen und beträchtliche Lücken auf. So fehlen ins-
besondere in St6 hinter f. 48 (f. 49 und 50 sind unbeschrieben) die Stücke, die in K 1 a f. 54va-
135va füllen. Im ganzen fehlen der Stuttgarter Hs. 42 Predigten der Kasseler Kodices.

Greiths Traktat enthält folgende Stücke, die ich im Wortlaut der Hss. aufführe:
Greith S. 169,13-19 = unten S. 143,7-144,3 (identifiziert von Josy· Sei tz): und nime ich (ich fehlt
M,) ein stücklin (stuki Z4) der zit, so ist ez meder der tac hiute noch der tac gester. Nime (und
nime G 0Z4) ich aber nil, daz begrifet in sich alle zit; man daz nil ( daz fehlt Z4), da got die merlt
inne (im G 0) machete, ist als nahe dirre ( der M,) zit als daz ( daz] da. Go fehlt M,) nil, da ich
iezuo inne spridie, und der jüngeste tac der ist als nahe disem nil (nil] tag M,) als der tac, der
gester mas. Go (p. 233) M, (f. 77r) Z4 (f. 90r)
Greith S.155,36-156,6 === unten S. 152,5-8 + 153,5-7: und hier umbe so spridiet ein meister:
diu sele, diu got minnet, diu minnet in under dem velle der güete; aber vernünftidieit ( diu v.
M,Z,) diu ziuhet gote diz vel der güete abe und nimet in bloz, da er entkleidet ist von güete und
von mesene und von allen ( allem Go) namen; man güete ist ein kleit, da got under verborgen ist,
und der mille der nimet got under dem kleide der güete; man und mcere güete an gote niht, min
mille der enmöhte ( en mölti M,) sin niht (man diu minne diu mil almege etmaz an gote han,
und si minnet in, als er guot und minniclich ist.) Go {p. 188) M, (f. 63r) z. (f. 53v)
Greith S. 121,20-24 = unten S. 158,4-7 (identifiziert von J osy Seit z): und also so liget gotes
sa!licheit an der inroürkender vernünftidieit, da daz mort inneblibende (inne belyben G9 inne
belibet M,) ist, und da sol diu sele ein merk mürken mit gote in der insmebenden bekanfnisse
ir scelicheit ze nemenne in dem selben, da got inne Sa!lic ist. Go {p. 80) M, (f. 27r) z4 (f. 113r)

Filiation der Hss. (sieh Quint S. 727-738, Lo tz e S. 45-50, Ern und t s S. 9-21): die verwandt-
schaftlichen Beziehungen der Hss. zueinander sind nicht eindeutig zu erkennen. Abgesehen von
den Paaren OH2 und K1aSt6 scheint keiner der übrigen Texte mit einem anderen eng verwandt
zu sein. Einzig B6 und Bs verraten in einem gemeinsamen Plusstück, das B6 hinter S. 158,7 ist.
einschaltet und B8 dem Schluß seines fragmentarischen Textes folgen läßt, eine Bindung anein-
ander. Ich teile dieses Textsfück mit:
B6 f. 29r (hinter einem Paragraphenzeichen) -v: Een meyster seecht soe mie gade spreken / mil
ende soeket daer toe beheyndige ende mtvercaren morde / dat is een doerheit. Want all et dat
men gade spre- / ken madi dat is der maerheit so ongelijc dat ons / der morde gebreken Daer
af is dat die ziele verstomt / van gade te spreken dat si hem die smaeheit niet gebieden / en
mach dat si die dinc spreke die hem so ongelijc sijn / Dat ander is die meyfige die si in hem
bekent dat / si die niet mael gespreken en kan Dat derde is die / (f. 29v) die grondelose diepte
die si in hem bekennet soe T dieper sincket soe si vere voer oer heuet
Bs f. 113v (unmittelbar anschließend an S. 155,6 abentsterne}: mer von .got reden mil der süch /
dar czm behendem mort mann das man von got sprichet Das ist der marhait als vngleich / das vns der
marhait gepristet vnd da von chumbt das. das die minnund sel erstummet. Das ist / mengung die
si an ir mediennet das si die envollen nidd ensprechen mag Das dritt da von die / minnund sel
erstummet das ist die gruntloz tief die si an im verstet. das si die volgrunden nicht / en mag.
Je tieffer si inget. Je tieffer si var hat.
über dieses Plusstüd,(, das mit der vorliegenden Predigt nichts zu tun hat, vgl. Quint
S. 730 und 734f.
Nur sehr unbestimmt kann man sagen, daß sich die Texte von B6 N10H2 (S1NvLKa1) locker
zusammenschHeflen gegen BT Ba2 (vgl. insbesondere die Lesart fünf zu S. 142,3) und daß der im
ganzen sehr fehlerhafte Text von Bs zwischen diesen beiden Gruppen vermittelt. Es handelt
sich nicht um eine klare Gruppenscheidung; mannigfaltigste Sonderübereinstimmungen jedes
einzelnen Textes mit mehr oder weniger jedem der übrigen lassen vielmehr auf sehr verwickelte
Fi.liationsverhältnisse schließen.

139
Textkonstituierung (sieh Quint S. 'i'3'i'f.): über das verfehlte Textkonstituierungsprinzip, mit
Hilfe dessen Emundts S. 22-29 einen „berichtigten", Text herstellte, vgl. Quint .S. 734-'i'3'i',
.wo insbesondere die Annahme von drei verschiedenen Redaktionen der Predigt, die sich auf
Mißverständnis und falsche Bewertung des Bo-Bs-Plusstückes und des verschiedenen Wortlauts
der Stelle S. 153,9-12 in der Überlieferung stützt, als irrig erwiesen ist.
Im ganzen verdienen O (H2) und B. das meiste, N1 und Ba das wenigste Vertrauen. Ich
habe demnach unter Auswertung der gesamten Überlieferung und unter textkritischer Entschei-
dung im einzelnen vorzugsweise auf Grund innerer Richtigkeitskriterien den kritischen Text
im wesentlichen auf den Texten O (H2) Be und BT aufgebaut und dabei der vermittelnden
Stellung von Bs Rechnung getragen.

,,Rechtfertigungsschrift":
II art. 54 (Thery S. 259) = S.148,5-'i'; Quint S.'i'4'i'.

,,Gutachten":
art. 5 (Pelster S. 1112) = S.148,5-'i'.

Bulle:
art. 28 = Appendix art. 2 (Arch. II S. 639) = S. 148,5-'i'; Quint S. 747.

tibersetzungen:
Büttner I S.153ff., 19342 S.138ff., Lehmann S. 219ff., Schulze-Maizier• S. 324ff.

Emtheit: gesichert durch die RS., Bulle und „Gutachten". Hsl. Bezeugung sieh Eingang des
Variantenapparats.
Quasi stella matutina in medio nebulae et quasi luna plena in diebus
suis lucet d quasi sol refulgens, sie iste refulsit in templo' dei.
'Ais ein . ~orgensterne miten in dem nebel und als ein voller mane in
sinen tagen und als ein widerschinendiu sunne also hat dirre geliuhtet i:i:t dem
267,25 tempel gotes'. 5
55 Nu 1 nime ich daz leste wort: 'tempel gotes'. Waz ist 'got' und waz ist 'tempel
gotes'?
if.; 3-5 Eccli. 50,6-,; iste refulsit] ille effulsit V; vgZ: audi unten S. 154,?; 155,12.
Zuweisungen: Meister ekkart {sieh unten im Variantenapparat zu Z. 'J) N1 II Quasi stella
matutina in medio nebule etc. Meister Eckart (Meister Ech H.) wiset hie siiie meisters&aft, wie
got. ist über wesen und würket über wesen, und wie got ist über allez daz man gespre&en
oder gedenken mac (daz man gespro&en hat ober gedenken mag H2), lind bewiset daz mit
gli&nissen als bi der sele und hi dem nu der ewi&eit, und leret ouch, wie diu sele sol bi dem
(den H2) ewigen worte sin ein, biwort. OH2 {im lnhaltsverzeidinis, 0. f. 'Jra {Par. an. S. 4], H2
f. 'Jv); generelle Zuweisung f. 242va BT
Überschriften: Vff sant Dominici tag. BT Sermo de sanctis II Ode san~tis II H2
1 Quasi bis 2 dei. OH.] Quasi stella ii medio nehule B8 fehlt BaN1 S1 Vff sant Dominici tag.
Was gott sey -/ das er über wesen sey / das· ist / vil würdiger dann wesen / Was (eigentli& zu
reden) (I(.lammern in BT) gut sey / vnnd das gott au& übergute sey / vnd wie er sich gemeine
ausz dem seinen vnd mit dem seinen. Item wo er sey / in seinem tempel. Hem was (das BTb)
vernünfftigkeit edler sey dann will / Vnd das gottes seligkeit lyge an der ynwerts würckung der
vernünfftigkeit / da dz wort ynnbleihend ist / da selbst .die seel sein soll ein heywort / vnnd
mitt gott würcken ein werde in der yns&webenden bekantnusz / zu nemend ir seligkeit in dem
selben / da gott selig ist. Ein fast subtil vnnd ·ho&uerstendige predig / doch mitt etwas ver-
stentli&en glei&nussen ergröbet vnd zum teil erklett / na& den worten ires anfangs ausz
dem XV. capitel Ecclesiastici genommen in latin also lautende. Quasi stella matutina in medio
nebule / et quasi luna plena in diehus suis lucet / et quasi sol refulgens / sie ille refulsit in
templo dei. BT 2 effulsit H2 3 'Als] Meister ekkart spra& di wort dich ich han fö.r
geleit in latin di sint gescreben in dem pucl:i der weisheit vnd list man si von sand aug:J vnd
sprechen in deusch alzo alz N; Disiu wort stänt ges&rihen in dem buo&e der wisheit: 'als OH2
ein2 fehlt N1 3f. in sinen tagen fehlt S1 4 und] oder N1 als bis sunne BT OH2]
als ein s&einend wider glenczunde sunn in dem Bs als een ·weders&inende of een weder
blinckende sonne Ba ~lz ein wider blicken oder ein widers&ein der svn N1 als ein widerhlen-
kende sunne S1 alsö fehlt N1Ba dirre geliuhtet] diser herre vz geschein N1 dirre heilige
N., vorgeschinen OH. ' geliuhtet] vss gesch.inen S1 wtgescenen B6 dirre bis 5 gotes'.]
diser wider schein in dem tempel gocz erschinen Bs 6 Nu bis wort:] Nu nime ich das leste:
OH. Nu nim ich das wort Bs 1c :rieme dit leste wort Ba Ich nim das lezte wort N1 Nu bis
gotes'.] Disiu wort leit man gemeinlich.e zuo den heiligen götlichen lereren, die mit ir tugent-
richem lebenne unde götlich.er kunst den weltlichen herzen, diu mit den creaturen,.verhaftet in
dem nebel UI).de gebruch. oder :vinsternüsse der unwizzenheit als die blinden ilf dem wege zuo
dem ewigen (zü ewigem BT) heile irre gent, gesch.inen unde geliuhtet hänt, als vor uz dirre
heiliger vater, des wir hiute gedenken, ,sant Dominicus genant, ein ufenthalter der kristenheit
und ein stifter bredier ordens, den er, ze verkündenne daz gotes wort unde ze helfenne dem
armen sünder, ane gevangen und iif gesetzet hät. Nu sprich.et diu geschrift, er habe geliuhtet
als. ein morgensterne in dem tempel gotes. Pf BT Nu bis , gotes? fehlt S1 6 'tempeP]
den t. N'1 · und] oder N1 waz ist fehlt O 6f. ist der tempel gotes? Pf BT Bs ist
gotz tempel N1 ·
1· Zum Eingang der Predigt in BT, dem Pf. und E m und t s folgen, sieh Quint S. ?'39.

141
Predigt 9

Vierundzweinzic meister 1 kamen zesamen und wolten sprechen, waz got


wrere: Sie kämen· ze rehter zit 2 und ir ieglicher brähte sin wort, der nime ich
nu zwei oder dri. Der eine sprach: got ist etwaz, gegen dem alliu wandel-
breriu und zitlichiu .dinc niht ensint, und allez, daz wesen hät, daz ist vor im
5 kleine. Der ander sprach: got ist etwaz, daz da ist über wesene von not, daz 2es,r.
in im selber niemannes bedarf und des alliu dinc bedürfen. Der dritte sprach:
»got ist ein vernünfticheit, diu da lebet in sin aleines bekantnisse« 3•
Ich läze daz erste und daz leste und spriche von dem andern, daz got
etwaz ist, daz von not über wesene sin muoz .. W az wesen hat, zit oder stat,. 10
(

1 Vierundzweinzic] funff S1 kämen zesamen· und fehlt S, zesamen] te gader B6


wolten alle s. N1 2 wrere.] were unde enmohten ez. niht. Pf BT Sie bis wort,] Sy
quamen te rechter tyt ende ellic bracht synen sin voert Ba Dar nach kämen sie wider ze rehter
Zit unde brähte ir iegliche.r wider sinen spruch, Pf BT si chomen vnd iglicher pracht sein worf
N1 und brähte ir ieglich sin wort OH2 vnd ir igleich prad:it sein wart Bs Sie bis 3 dri. fehlt S,
2 der bis 3 dri.] der no ein teil neme H2 3 nft OH2 ] iezuo Pf BT fehlt BaN1 ich nft fehlt B,i'
zwei oder dd. BT] ein teil OH2 fünf B6 B8 N1 Der eine BT] Eine·r OH2N1 Der erste BaBsS,
Ein meister Ba. Der bis etwaz,] und dar urnbe ist er etwaz als ein meister sprach NvL
etwaz fehlt OH. 3f. wandelbreriu] wunderbare BTa wanderbare BTb wandelbreriu
bis 4 dinc] zitlich dinch vn:d wandelwer N1 wandelbreriu dinc und zifüchiu dinc BaOH. zitliche
wandelbare ding S1 wandelberu. ding vnt citlichu. Ba 2 4 und allez bis 5 kleine; fehlt N,
4 und allez fehlt Bs allez bis hat,] was do wesen hat K1a wasz da ist Sta daz 1 ] was
Bs fehlt S, daz• fehlt B6 daz ist bis 5 kleine. B8 0H2 NoL] is voer, hem dat een Ba
daz ist von in:i. und ist (ist fehlt Ba 2 ) gegen im kleine (kleine] ein clein ·ding Ba.). Pf BT Ba.s,
5 Der ander sprach: fehlt Ba. Der bis 7 bekantnisse«.] Ei11. ander meister sprach: got ist
ein vernünfticheit (vernu.fft Sf6), diu da lebet in sines aleine (aleine] aynes St6) bekantnisse.
Der dritte meister sprach: got ist etwaz, daz da ist übe.r wesen von nöt daz in im selbes nie-
mannes bedarf und des alliu dinc bedürfen. NoL 5 daz da ist fehlt B6 N, daz bis
wesene] der do ist ob dem wesen Bs von not bis 6 bedürfen. f ehli N1 5 von nöt,]
unde Pf BTBa2S1 daz 2 ] der Bs 6 niemannes] niet Ba nichcz Bs Der dritte sprach:
fehlt Ba2 . 7 diu] der BsN1 die Ba · in fehlt N,Ba. sin aleines] irs eigens Ba2
irs alleines S1 diu bis bekantnisse«.] diu da minnet ir selbes bekantnüsse. Pf BT be-
kantnisse«.] bekentnu.sses Got ist ein liecht in dem allu. tu.nsternu.sse erlu.cht wirt Got ist ,ein
gut in dem alles guot beslossen ist Ba 2 8 Ich bis 9 muoz. fehlt NoL .8 Ich bis 9 ist,]
der viertle sprach got ist ettwz S1 8 daz erste und daz leste] daz erste unt daz dritte
Pf BT dierste ende die leste B6 den ersten vnd den lesten Bs di ersten vnd di letzsten zwai
N1 si alzemäle OH2 und bis andern,] und. nime daz ander OH, 9 daz bis weserie]
der von nöt ober dem wesen Bs daz von nöt fehlt N1 sin muoz. fehlt N1 Waz]
wan waz NvL Want so (so über d. Zeile nachgetragen) wat B6· wan alz daz N1

1 Eck hart hat den „Liber 24 philosophorum" des Pseudo-Hermes Trismegistus, der von Denif le

Arch. II S. 42?f. und von Baeumker BGPhMA XXV S. 20?-'214 (und in „Festgabe z. ?0. Geburts-
tag Georg Freiherrn von H ert ling s ", S.1?-40} herausgegeben rourde, im Auge, Er zitiert diesen
Liber roiederholt in seinen lat. Schriften, sa etroa: In loh. n. 220, In Exod. n. 35, In Eccli. n; 51. -
Mit Z.1-? vgl. Pf. S. 349,40-350,?. • Dieses ze rehter zit, das nur in BT und Ba über0
liefert ist, scheint mir dem ... et_ tempore interim conveniendi statuto . ·.. i"TJ, der Einleitung
der „24Meistersprüdie", Baeumker a. a. 0. S. 20?, zu entsprechen. 8 Statt Z"3 zwei oder ·dri

haben BaBsN, fünf. Büttner I S. 226 zu S.154 Z. 4 m_eint: ,,Der einfadie Vergleidi mit E.'s Vorlage
ergibt, da/! E. tatsä.dilidi 5 Meistersprüdie vorbringt" und Emu n d t s (S. 49) .hat si,Ji im AnschluP
an Büttner. ohne Erfolg bemüht, die drei von Eck hart zitierten Sprüche in fünf zu zerlegen und

142
Quasi stella matutina

daz enrüeret ze gote niht, er ist dar über. Got ist in allen creaturen, als sie
wesen hant, und ist doch dar über 1• Daz selbe, daz er ist in allen creaturen,
daz ist er doch dar über; waz da in vil dingen ein ist, daz muoz von nöt über
diu dinc sin. Etliche meister wolten, daz diu sele aleine in dem herzen wrere.
15 Des enist rliht, und da hant gröze meister an geirrct. Diu sele ist ganz und 5
ungeteilet alzemale in dem vuoze und alzcmale in dem ougen und in ieglichem
glide 2• Nime ich ein stücke von der zit, sö enist ez weder der tac hiute noch
der tac gester. Nime ich aber nu, daz begrifet rn im alle zit. Daz nu, da got

1 enrüeretJ hceret Pf BT ruret noch gelichet. sich St6 er ist bis 3 dar über; OH2 J wann
er ist da oben got der da ist in allen creaturen. als si wesen haben vnd ist doch da oben vnd
das selb das er in allen creaturen ist. doch da oben B8 er (want hi B6) ist dar über (ist alles
daruber St6). Daz selbe, daz er ist in allen creaturen (dingen B6), daz (daz J so St6) ist er doch
dar über (dar über J alles verre darüber St6). B6 NvL wan er ist da oben Got ist in den dingen
alz si wesen habent vnd ist doch da obent N1 er ist über (ist da enboben S1 ) daz selbe; daz
er ist in allen creaturen, daz (daz] da S1) ist er doch dar über; PfBTS, 3 waz] wan waz
N,NoL want soe wat Be waz da] wann Bs da fehlt N1B6 NvL ein fehlt OH.NvL
von] durch K,a vsz St6 3f. über (oben N, ob Bs) den dingen B8 N1K1 a uber alle ding St6
4 sin. Etliche] sein daz selb daz .er ist in allen dingen daz ist er a:uch oben der dinge Etlich
N1 (sieh oben zu Z. Jff.) Etliche bis 5 geirret. fehlt S1 4 Etliche] Sommige B6 wel-
lend Bs wollent N, aleine J alzemal N1 wrere. J si B8 N1 5 Des J vnd des B8 Daz
Pf BT und bis geirret. BT] daer an hebben groete meysteren gesneest Be fehlt B8 N 1 0H2
ganz bis 6 alzemale (zemale S1Bs) BTBsOH2Si] alzemale ungeteilet B6 N 1 6 in 1 bis ? glide.]
jn dem augen vngeteilet jn den fuzen vngeteilt in einem iglichen glid vngeteilt N1 6 in
den vüezen BsS1 und 1 fehlt B8 alzemale fehlt PfBTS1 dem 2 ] den BT B8 N1 de S1
de H2 und in deme augin zumale. 0 und 2 bis ? glide.J ende in elken vanden leden
B6 in einem iglichen glid vngeteilt N1 (sieh oben zu 5f;}fehlt PfBT B8 0H2 S1 ? Nime bis 144,3
was. fehlt S1 ? Nime ich] Jch nim N1 von fehlt BsN10H2 sö] dat Be sö bis 8
Nime J daz ist der tag heut noch der tag morgen so nim N1 ? enist bis tae J war es weder
tag Bs weder] noch B6 noch] weder O 8 Nime] Nam Bs mer neme B6 aber
fehlt Be begrifet] nimt N1 heft B6

für. sie fünf Entsprechungen im „Liber 24 · philosophorum" aufzuweisen. Die beiden ersten Sprüche
bei Ed:hart sind viel zu ungenau zitiert, als daß sie mit bestimmten Nummern der „24 Meister-
sprüdie" in eins gesetzt werden könnten. Nur der dritte Spruch hal eine eindeutige Beziehung,
und zwar zum 20. Meistersprudi: Deus est, qui solus suo intellectu vivit. Dazu vgl. Pf. S. 188,29{.
(= S. 619,35ff.); Se us e S. 329,10ff. -'- Zu S. 142,5/6/'? vgl. Quint S. '?39 (268,5/6/8).
1 Vgl. In Eccli. n. 54: Deus est rebus omnibus intimus, utpote esse, et sie ipsum edit omne

ens; est et extimus, quia super omnia et sie extra omnia,; In Sap. n. 135: deus sie totus est
in quolibet, quod totus est extra quodlibet; n.139; In Gen. I n. 14; n:166: Ratio est quia ipse
sie totus est in rebus singulis, quod totus est extra.; Pf. S. 81,9f.; 96,26f.; 206,34ff.; 612,3'?f.;
Seuse S.1'?8,11f,; vgl. audi Denifle Arm.II S.513 Anm.1. - Zu Z.1ff. sieh Quint S.'?39f.
zu 268,11f. 2 Zu Z. 4-'-'? vgl. Pf. S. 81,12ff.; 109,33; 115,10f.; 116,26f.; 386,16f.; 39?,22f.; vgl. auch

Pf. S. 525,13ff.; In Exod. n. 92: Quaelibet enim pars ignis ignis est, et anima tota in qualibet parte
minima corporis animati.; Sermo LV n. 556: Exemplum huius in anima, quae vivit in oeulo,
vivit in aure, in lingua et in omnibus membris.; In Sap. n. 135: Hine est quod anima non
variatur neq senescit nee desinit extracto oeulo aut pede, quia ipsa se tota est extra oeulum
et extra pedem, in manu tota et in qualibet alia parte tota.; In loh. n. 395; Prol. gener. n. 10;
Prol. op. prop. n. 14; Thomas S. theol. I q. 8 a. 2 ad 3: Et ideo sieut anima est tota in qua-
libet parte corporis, ita deus totus est in omnibus et singulis entibus.

143
Predigt 9

die werlt inne machete, daz ist als nahe dirre zit als daz nu, da ich iezuo
inne spriche, und der jüngeste tac ist als nahe disem nu als der tac, der 20

gester wasl.
Ein meiste r sprichet: got ist etwaz, daz da würket in ewicheit ungeteilet
5 in im selber, daz niemannes hilf e noch gezouwes bedarf und in im selber
blibende ist, daz nihtes bedarf und des alliu dinc bedürfen und da alliu dinc
inkriegent als in ir lestez ende 2 • Diz ende enhat keine wise, ez entwehset 25

der wise und gut in die breite. Sant Bern h c;i, r t sprichet: got ze minnenne
daz ist wise ane wise 3• Ein arzat, der einen siechen gesunt wil machen, der
10 enhat niht wise der gesuntheit, wie gesunt er den siechen welle machen; er
1 daz 1 fehlt B60H2 als 1] alre B6 dirre zit] dem tag der gester waz N1 disem nu Bs
m1, fehlt Bs da bis 2 spriche,] dat ic te hant spreke Bo iezuo OH2 2 und fehlt
B6 N 1 disem bis 3 was.] in ewicheit alz daz nu da ich iczunt inne sprich N1 2 der 3
fehlt Pf BT 4 Ein meister] der fünfft S1 sprach OH2S1 da fehlt N1Bo 5 daz]
der N1Bs hilfe noch gezouwes fehlt Bo gezouwes] gezeüg N1 geczeugens Bs und
bis 6 bedarf fehlt Ho (Homöoteleuton!) 5 und] Der Bs dat B6 fehlt N1 6 daz] vnd Bs
fehlt N1 bedarf] bedarff Got ist etwc de sich gemeinet allen dingen vnt an in nut bestan
mag Ba. und 1 bis und 2 fehlt Bs (Homöoteleuton!) des] sein (davor im selben getilgt)
N1 fehlt OH2 und2 fehlt N1 und2 bis 7 inkriegent] und alliu dinc intragent OH2
7 inkriegent] in crigende sijn B6 lestez fehlt OII2 Diz] Daz OH2B0S1 da N1 enhat
keine BTOH2 hat nicht Bs ist ane BoN1 ez] vnd N1 entwehset] entwegschet Bs ontwast
B6 'intwischit O intwesit H2 entweschet N1 8 und bis breite. fehlt OH2 und] et Bo
breite.] freüd N1 Sant fehlt S1 sprichet:] seecht B6 got minnen Pf got liebhaben BT
got bis 9 wise 1 ] · got. ist zu minnende wise Ka 1 9 daz fehlt B8 0H2 wise 1 fehlt Bs ist
bis Ein] ist ein wise an alle wise vnt ,sol sin an vnderscheit Ein Ba2 Ein bis 146,3 Und
fehlt S1 9 arzat,] visiker B6 10 der gesuntheit, fehlt B6 N1Ka1 den siechen] in B6N1Ka1
wil Ka1Ba machen; bis 145,2 mac.] maken also gesont als hi ommer mad1 dat is sonder
wise mer hi heft wael wise waer mede hi en gesont wilt maken B6

1 S.143,?Nime-oben Z.3 was.= Greith S.169,13-19, sieh oben S.139. Vgl. oben S. 34,3ff. und

Anm.2, auflerdem: Pf. S.105,20ff.; 20?,1f/.; In loh. n.214: Primo, quia ante mundum creatum non fuit
aliquod ubi. Unde cuidam sciolo volenti probare aeternitatem mundi et quaerenti, quare deus
mundum non prius creavit et postea creaverit, respondi quidem ad hominem, quod deus non
potuit mundum prius creare, quia ante mundum et tempus non fuit prius.; n. 293: nunc enim
aeternitatis plenissime complectitur omne tempus.; n. 412: aut semper creat aut nunquam, eo
quod semper sit idem nunc aeternitatis.; n. 582: ... in deo, utpote in esse, nihil est praeteritum,
nihil futurum, sed tantum praesens, id est praesto ens. Unde deus nec mundum creasset, nisi
creasse esset creare, ... ; In Gen. I n. ? (= RS. § II 3 art. 8, Thery S. 1?4f., ,,Gutachten" art. 1,
Pelster S. 1109, Bulle art. 1, Arm. II S. 63?); n. ?3; n. 1?1; Sermo XLV n. 458; Thomas S. theol. I
q. 10 a. 2 ad 4. 2 Zu z: 4-? vgl. oben S. 142,5-6; Pf, S. 96,26f/.; In Exod. n. 51: Deus autem,
utpote primum et supremum, sibi sufficit ad omnia et in omnibus.; In Gen. II n. 43: Item quinto,
quod non afficitur alio sed sibimet sufficit ad omnia, non egens alio.; In Gen. I n. 243; n. 1?8;
Sermo XLV n. 458: plus est musca una minima respectu vestri, et non plus dependet esse
vestrum ab illa quam esse dei(a) creatura. 3 Bihlmeyer verweist in Par. an. S.XXXI

zu S. 34,25; ?J,JJ (unsere Stelle) und 110,15 auf Bernhart De diligendo Deo c. 1 n. 1: modus
diligendi Deum est sine modo diligere ; 6 n. 16: modum esse diligendi Deum sine modo diligere,
Denique cum dilectio quae tendit in Deum,.. tendat in immensum, tendat in infinitum; quisnam,
quaeso, debeat finis esse nostri, vel modus amoris? (PL 182, 9?4/983f,). - Zu Z. 9 wise ane wise
vgl. Pf. S. 188,32.

144
Quasi steHa matutina

h.at wol wise, wa mite er in gesunt welle machen, aber. wie gesunt er in welle
so machen, daz ist ane wise; als gesunt, .als er iemer mac 1• Wie liep wir .got
suln hart, daz enhat niht wise; als liep, als wir ienier,mugen, daz ist ane wise 2.
Ein ieglich dinc würket in wesene, kein dinc enmac würken über sin
wesen. Daz viur enmac niht würken dan in dem holze. Got würket über 5
wesene in der wite, da er sich geregen mac, er würket in unwesene; e denne
s5 wesen wrere, do worhte got; er worhte wesen, do niht wesen enwas 3• Grobe
meister sprechent, got si' ein luter wesen; er ist als hoch über wesene, als

1 wä mite] da mit Bs in', 2 ] den siechen OH2 wellei] wil OH2 Ba2 aber bis 2
wise;] aber wie gesunt des hat er ,nicht weis Bs fehlt KaiNi 2 als bis mac.] wan er wil
in. ge~unt machen alse verre er iemer mac. Pf BT als 2 fehlt Bas mac.] mac, daz (mak
vnd daz Ni) ist äiie wise. KaiNiBs Wie] aber wie Ba. Wie bis 3 hän,] Wie,süllen wir
got minnen? Pf 3 daz bis mugen, fehlt Pf BT Ba, (Homöoteleuton!) daz enhät niht
wise ;fehlt Ni niht] geen Ba iemerme OH. daz 2 ] vnd d .. Ni äne fehlt Kai
4 Ein bis wesene, fehlt Ni Ein bis 8 wesen;] wan er würket güete (gut Kia) in unwesene e
denne wesen wrere, dö worhte got; er worhte wesen, dö niht wesen enwas. Dar umbe sprichet
· ein.meister: got ist ein lilt'er wesen. Ein ieglich dinc würket in wesene, kein dinc eRmac gewürken
über sin wesen. Daz viur enmac niht gewürken dan in sinem wesene und in dem holze (und
bis holze] das·ist mit holtz Sta) oder in andern materien (materien] dingen Sta). Aber got der
würket äne alle (in allen Sta) "materien, 'NvL 4 kein] das Bs enmac würken] wurcht N,
sin] seine Ni dem Bs 5 enmac niht würken] w.urcht nicht Ni niht] anders nicht Bs
5f. Got der würket ob dem wesen in (an Ni) B8 N1 6 in der wife;J jn der prait vnd in der
weit Bs geregen]weregen Bs in bewegen Ba geruren Ni er würket bis 7 enwas.
fehlt B,; 6 er• bis unwesene; Ba OH.] er würket in unwesen wesen; Pf BT W an er· würket
güete (gut Kia) in ~nwesene NvL 6 e bis 7 enwas.] da nicht wesen was da wurcht wart got
in nicht wesen wesen Ni 6 e bis 7 wrere,] Want doe niet wesens en was Ba 7 worhte', 2 ]
würcket BT er bis enwas .. OH2] ende wrachte in niet wesenne wesen Ba (da wurcht wart
got) in nicht wesen wesen N, fehlt Bs. worhte 2 ] worte O Grobe} Gröze Pf BTNi
8 weseµ.; er] wesen vnd des en ist nicht. Er Ba wesen; bis wesene,] wesen dez ist nicht.
Got ist ob dem wesen alz hoh Ni alsi] sö BsOH2 fehlt PfBT ob dem wesen Bs

• Vgl. In Exod. n. 95: Medicus enim sanitatem procurat sine modo et. absque niensv.ra
quanto perfectiorem potest, sed potiones et huiusmodi dat cum modo et cum mensura. Unde
circa huiusmodi modificanda et comm~nsurarida praecepta dat ars medicinae.; In loh. n. 609:
Unde nec. medicus modum aut mensuram praefigit snnitati. ultra quem non procedat; medicina
autem, quae in se non est'bona; sed infirmitas et indigentia facit eam bonam, illi dat modum
et mensuram. , 2 Zu Z. 2f. vgl. Quint S. ?40.. • Zu Z. 4-? vgl. In, Exod. n. 28: omne
agens potest naturalitei, in omnia illa et sola illa per se, quae continentur sub forma, quae in
ipso est principium actionis. S{Jd esse est principium omnis ac~ionis· divinae. lgitur deus potest
omnia quae sunt et: quae esse possunt. Maior declaratur exemplariter inducendo in omnibus
agentibus artis. et naturae. Ignis tlnim calefacit calore, et propter hoc agit in omnia calefacti-
bilia et per se in nihil aliud, q~od non sit capax caloris et Io,,rmae ignis. Propter quod ignis
in sua sphaera immediatus orbi i:p, ipsum non· agit, sed riec tangit'physice ipsum, licet tangatur
ab illo.; In Sap. n.196: Calor siquidem eo solo disponit. combJistibile ad formal!l ignis, quod aliquid
ignis est et sie consonum, simile et_ amicum igni.. Deus autem solus disponit operando non
hoc aut illud tantum, sed omnia.; In loh. n. 522: Nota generaliter: nihil potest facere opera
propria alicui naturae vel formae; nisi participet formam illam et ipsam in se habeat, secun-
dum illud IX Metaphysicae quod impossibile est aliquid moveri a.d alterum, nisi habeat
aliquid illius' in se... ,· Immutare autem · naturam · et eins cursum sive ordinem dei est pro~

10 !Zcfl)act, !!> 1 145


Predigt ·9 ·

der oberste engel ist über einer mücken. Ich sprreche als unrehte, als ich got
hieze ein wesen, ak ob ich die sunnen hieze bleich oder swarz 1• Got enist weder
diz noch daz. Und sprichet ein meister: swer da wrenet, daz er got bekant ,o
habe, und bekante' er iht, so enbekan:te er got niht2. Daz ich aber gesprochen
5 han, got ensi niht ein wesen und si über wesene, hie mite enhan ich im niht
wesen abegesprochen, mer: ich han ez in im gehrehet 3• Ni:rne ich kupfer in
dem golde, so ist ez da und ist da in einer hrehern wise, dan ez ist an im 269,5

1 oberste] höheste Ka1 ist fehlt Ka1N1BeBs eine Pf BT Ka1 Ich bis 2 swarz.
fehlt N1 1 Ich bis 2 wesen,] Ich (Und ich BT OH2) sprreche (spreche OH2 sprach Bs sprich Ka,
spreke B6 sprich BT) als unrehte, als (ob Bs das BT wan Ka, wanneer Be) ich got hieze (heysz
BT heizin O heiszen H2) ein wescn (got bis wesen] got wesen heyt Bs got wesen hieze Ka1),
BT B6 B8 0H2 Ka 1 ] Und ich spriche, ·ez ist als unreht, daz ich got heize ein wesen, Pf 2 ob
fehlt OH2 Got bis 3 daz. fehlt B6 2 Got bis 3 meister:] Ein meister spricht vnd daz
ist sanctus Dionisius Got ist weder dicz noch daz N1 2 weder] noch OH2 fehlt Ka1 3 Und
bis meister: J Ein meister sprichet B 6 Ka 1 Und (fehlt S1) ein heilige sprichet BsS1 Und sprichet ein
heilige: Pf BT swer dä J soe wie BB daz bis 4 habe,] er habe got bekant, OII2 der
got habe bechantN1 4 und fehlt N1Ka10H2B6 bekante ..• enbekante] bekennet ...
bekennet OH2 iht,] ye icht N1 niet yet Be sö bis niht.] daz ist got nicht N, sö bekante
er iht unde bekante got niht. Pf BT so wechent Bs Daz] wan Ka1 alz N, aber
fehlt B8 Ka1N1BeOH2 · 5 ensi] der enist N1 niht ein] en geen B6 · ein fehlt BsN,Ka,
und bis wesene,] hi si bouen wesen Be fehlt N,Ka, (Homöoteleuton!) ob dem wesen Bs
hie] dä BsKa1N1Bs 6 abegesprochen,] abgereret N1 mer: fehlt OH2 in 1 fehlt OH2
N1Ka1 gehrehet. BeOH2] erhrehet Ka1N1 wehabt B8 gewirdiget unde gehrehet. Pf BT Nime]
spräch ich golt das wer nicht silber da mit han ich das golcl nicht gescholten Nam Bs 7 ist1]
wär Bs ez 1 fehlt N1 und ist dä] awer N1 fehlt OH. dä 2] doch Ka1 fehlt B6
dä 2 bis wise,] da nicht mer hoch er weis Bs dan bis 147,1 Augustinus] wann iz an im selber
sey vnd dar vmb gepricht nicht chüpffer in dem gold sanctus augustinus B8 wen es an im selben
sei vnd gebrichet doch chupfers in dem gold nicht ...s. augustinus N, 7 ist"] si BGN1 an] in Ka,

prium, utpote auctoris naturae. - Zu S. 145,5ff. vgl. oben S. 1'31,2f. und Anm. Zu S. 145,6 vgl.
Quint S. ?40 (268,'34/'35}.
1 Zu S.145,? Grobe vgl. Quint S. ?40 (268,'35), wo ich begründet habe, weshalb ich das auf
den ersten Blick überraschende Grobe gegenüber Gröze (BTN1Pf) als ursprünglich ansehe. Schulze-
Maizier 2 S. '326 und K l i ba n s k y (Opera Lafina XIII S. XVI Anm. '3; Kl. verweist auf Pf. S.108,14}
haben Grobe anerkannt. - S. 145,?-oben Z. 2 vgl. Quaestio, Utrum in deo sit idem esse et in-
telligere? n. 8f. (Diese Ausgabe, Lat. W., 5. Bd. S. 45,tff.): Ex his ostcndo quod in deo non est
ens nec esse ... Et ideo cum esse. convcniat creaturis, non est in deo nisi sicut in causa, et
ideo in deo non est esse, sed piiritas essendi ... Deo ergo non competit esse, nisi talem puri-
tatem voces esse.; n. 12 (S. 4?,14f.): Sie etiam dico quod deo non convenit esse nec esf ens,
sed est aliquid altius ente.; Sermo XI n .. 118: Est enim 'super omne nomen', rationem et intel-
lectum et super esse et ens, ... Quod autem sit supra ens et esse, patet, quia est causa entis
et esse.; vgl. auch unten S. 148,'3; Pf. S. 282,28ff.; J o s t es S. ?4,12f. - Zu Z. 1 ff. vgl. Quint S. ?41
und unten S. 148,6f: 2 Vgl. Pf. S. 11?,'3; 1'3'3,15; 182,'31/.; zu Z. 2 Got-:,--3 daz. vgl. Par. an.
S. 105,8; Pf. S. 1'33,'35f.; 188,11. - Zu Z. 4 vgl. Quint S, ?41 zu 268,40, 3 Vgl. In Sap. n. 260:

Ultimo tarnen notandum quod in praemissis, cum dicitur deus in omnibus nosse et amare
solum esse et se ips,um qui est esse, hoc, inquam, dicendo non destruimus esse rerum, sed
constituimus.; Prol. op. prop. n. 1?: Hoc autem dicentes non tollimus rebus esse nec esse rerum
desfruimus, sed statuimus.

146
Quasi, stella matutina

selber 1• Sant Augustin u s sprichet: got ist wise ane wisheit, guot ane güete,
gewaltic ane gewalt 2.
Kleine meister 3 lesent in der schuole, daz alliu wesen sin geteilet in
zehen wise 4, und die selben sprechent sie gote zemale abe. Dirre wisen en-
berüeret got keiniu, und er enbirt ir ouch keiner 5• Diu erste, diu des wesens 5
10 allermeist hat, da alliu dinc wesen inne nement, daz ist substancie, und daz
leste, daz des we,sens aller minnest treit, daz heizet relatio, daz ist glich in
gote dem aller grresten, daz des wesens allermeist hat; sie hant ein glich bilde

1 spricliet: l seeclit B6 got bis 2 gewalt.] got is geweldicli sonder gewalt wijs sonder
wijsheit goet sonder goede B6 got ist gewaltig an gewalt vnd weis an weisheit vnd ist gü.t an
gut N1 Got ist geweltic one gewalt vnd wise one wisheit vnd ist gut one gut. Nu bitte wir got
dz er vnz bekentnisse gebe an allen guten dingen amen (Schluß des Fragments) Ka, Got ist
wise \:me wisheit, guit one gude, gewalt one gewalt'. 0 Got ist wise ane wisheit gut ane gut
gewalt ane gewalt H2 Got ist weis an weis Güt an güt Gewaltig an gewaltig Bs got ist wise äne
wise, güete äne güete, gewalt äne gewalt. Pf BT 3 Cleyn meisteren in der scolen spreken
B6 lesent] wesent N1 daz aller hande wesen sei in zehen weis geteilt N1 sin]
ist OH2 4 zehen] zwö Pf BT und fehlt B8 N1 selben fehlt BsN1 sie bis abe.]
sie zemäle im abe OH2 fehlt Bs zemäle] alzemal N1 alle B6 Dirre bis 5 keiner. BT]
Alle deser wisen en beroert got genre hi en baert oec in genre Ba der enrüret got mein noch
verbirt in ir mein N, Dirre wise enbirt er (ir OH2 ) keiner und enberüeret ir doch keine
OH2 dirr wesen werüret got d1lains vnd enpirt ir doch cliains Bs 5 oucli] doch BT Diu
erste,] di erst vnd auch di gröbste N1 Die ersten Bs des fehlt N 1 B6 . 6 hät,] habent Bs
hät, bis 8 sie] tre1st di ist glich dir di wesens aller mynst treit wan si N1 6 hät, bis sub-
stancie,) heuet die is substancie in de alle dinc wesen nemen B6 daz 2 ] die Ba , daz 1 ]
die Ba des] diz O dieses H2 des wesens] wesen hinter minnest Ba allermeist BsH2
daz heizet relatio, BT] fehlt B6B8 N1 0H2 daz 3 fehlt B6 0H2 8 aller fehlt B8 aller
bis sie] alren groesten den alre mest wesens heft want si B6 des fehlt OH2 glich fehlt
B6N1 glich bilde] geleicli mugenhait vnd pild Es

1 Negativ: In Gen.II n.94: Augustinus dicit quod omne metallum degenerat in colore

et vigore ex attactu metalli inferioris.; ln Sap. n. 134: Augustinus dicit, et naturale est,
quod omne superius coniunctum et attactum inferiori se, puta aurum argento et argentum
cupro, et sie de aliis, deterioratur et inquinatur. 2 Grabmann verweist in Par. an.

S, XXXV zu S. ?4,1? auf Augustinus De trin. l. V c. 1 n. 2 (PL 42,912}: ut sie intelligamus


Deum. . • sine qualitate bonum, sine quantitate magnum, sine indigentia creatorem, sine situ
praesidentem, sine habitu omnia continentem, sine loco ubique totum, sine tempore sempi-
ternum etc.; vgl. Par. an. S.105,2f.; Sermo XI n. 118: Est enim unus sine unitate, trinus sine
trinitate, sicut bonus sine qualitate etc.; Sermo XVIII .n. 182: ... quia ipse irascitur sine ira,
sicut est magnus sine quantitate, bonus sine qualitate. In talibus semper utrumque oppositorum
est. - Zu Z.1 vgl. Quint S. ?41. 3 Gemeint sind roohl die baccalaurii theologiae, vgl.

Quint S. ?41. 4 = die 10 Seinskategorien des Aristoteles; vgl. In loh. n. 514; In Exod.

n. 54. 5 Vgl. In Exod. n. 62: Ex praemissis, ubi dictum est, quod deus est et operatur

omnia sua substantia, patet quod in deo est unicum praedicamentum, scilicet substantia, qua
est, qua potens est, qua sapiens est, qua bonus est et huiusmodi, quae in creaturis pertinent
ad praedicamenta novem accidentis.; n. 65. Die 10 Prädikamente kommen Gott nicht in der
Weise roie den Kreaturen, d. h. real unterschieden von. der Substanz zu - Dirre wise enberüeret
got keiniu ~. roohl aber als transientes in substantiam, als real identisch mit der göttlichen
Substanz - und er enbirt ir oucli keiner. Vgl. auch Den i fl e Arm. II S. 438 Anm. 2.

14?
Predigt 9

in gote 1• In gote sint aller dinge bilde glich; aber sie sint unglicher dinge
bilde. Der hrehste engel und diu sele und diu mücke hant ein glich bilde in 15

göte 2• Got enist niht wesen noch gücte. Güete klebet an wesene und enist
niht breiter dan wesen; wan enwrere niht wesen, sö enwrere niht güete, und
5 wesen ist noch lfiterer dan güete. Got enist guot noch bezzer noch allerbeste.
Wer · da sprreche, daz got guot wrere, der trete im als unrehte, als ob er die 20

sunnen swarz hieze 3•

1 In bis 3 gote. fehlt Bs (Homöoteleuton!) 1 sint 1 ] ist BaN1 aller dinge] alrehande
B6 glich; bis 2 bilde. fehlt OH2 (Homöoteleuton!) 1 aber] oec Ba sie sint fehlt B6 N1
lf. unglicher dinge bilde. Ni] ungelich der dinge bilde. Pf BT ongelijcker belde Eo 2 Der]
alz der N 1 hcehste} ouerste Ba fehlt N1 mücke hänt] vliege die hebben Bo hant
bis 3 güete. fehlt N1 2 hänt bis 3 gote.] bilde hab in ein in gode H2 glich BT] fehlt OH2Bo
3 Got bis güete.] Got der ist güt Bs niht] weder B6 güete. Güete] guede si behoren dod1
beyde in dat licht guede Be (sieh S. 152,9f.} klebet] lebt N1 4 wan bis und fehlt Ba
(Homöoteleuton!) wan] vnd B8 fehlt N1 niht 3 ] auch nicht N1 güete, und fehlt Bs
und fehlt N1 5 noch 1 fehlt B6 B8 ,lfrterer] p11ere of luterre Ba breiter OH2 Got bis
allerbeste.] In gote ist weder güete (gut BT) noch bezzerz noch allerbestez. Pf BT In gote enist
weder (nod1 H2) guot noch bezzer noch allerbest OH2 Got ist gut Er ist pezzer Er ist aller peste
N1 fehlt Bs e.n is noch goet B6 6 Wer sprichet, Pf BT Wer] Der OH2 Wer bis 7 hieze.]
Ic spreke also onrecht wanneer ic got goet heit als of ic die sonne wit of swaert hiet. B6 fehlt N1
6 trete] redete OH2 ob er] der Pf BT 7 swarz] bleich oder swarz OH2

1 über Substanz und Relation in Gott vgl. Pf. S. 608,9f.; In Eccli. n. 10; In Exod. n. 'J4;
1n loh. n.198; vgl .. aum Denifle Arch.Il S.4'J8 Anm.2. - S.14?,? daz heizet relatio steht
zmar nur in BT, gehört aber m. E. unbedingt in den Text, mie die Vergleimsstelle In Exod. n. 54
zeigt: Dico ergo quod relatio, quamvis dicatur minime ens (Sperrung von mir), tarnen
aeque primum genus praedicamenti sicut ipsa substantia.; vgl. auch In Exod. n. 64: Relatio
. . . secundum "id, quod est relatio, nein ponit aliquid prorsus in subiecto, nec dicit aliquod
esse nec inesse, sed id quod est, ex altero et ad alterum est, ibi oritur, ibi moritur . . . ;
Quaestio, Utrum in deo sit idem esse et intelligere? n. 4. 2 Vgl. oben S. 55,4f.; Pf. S. 'J11,1'Jff.;

512,12.ff.; Brethauer ZfdA 69 S. 266,129f.; In Gen. In. 155: Propter quod doctores dicuntquod
rerum inaequalium aequales sunt ideae in deo.; In Sap. n. 99: In deo enim imparia sunt paria,
inaequalia sunt aequalia. Propter quod doctores dicunt quod in deo rerum inaequalium aequales
sunt. ideae, ... ; In Exod. n. 120; S eus e S. 18?,2ff.; vgl. auch Thomas De ver. q. 'J a. 2 obi. 5. -
Zu Z. 1 vgl; Quint S. ?42. 8 Z. 5-? = RS. II art. 54 (Thery S. 259): Quinquagesimus

quartus in sermone qui incipitQuasi stella II!atutina in medionebulesicha!:>et: Deus


non cst bonus nec melior nec optimus. Ita male dico quandocunque deum voco bonum, ac ego
album vocarem nigrum.; ,,Guta.diten" art. 5 {Pelsier S.1112): Quintus articulus sie habet:
Deus non est bonus neque melior neque optimus. Ita male dico, quocienscunque voco Deum
· bonum, acsi ego album vocarem nigrum.; Bulle art. 28, Appendix art. 2 ( Arch. II S. 6'J9): Secundus
articulus. Quod deus non est bonus neque melior neque optimus; ita male dico, quandocunque
voco deum bonum, ac si ego album vocarem nigrum. Gegen Th er y (RS. S. 261) halte ich mit
Karrer/Piesch (S.169) und Baeumker BGPhMA2'J H.5 S.XI Anm.2 den deutschenTe:ir:t
als ob er die sunnen swarz (bleich oder swarz OH2) hieze für ursprünglimer als den der RS.,
(Bulle und des „Gutachtens") ac ego album vocarem nigrum, roieroohl E&hart fn der Solutio.
(RS. S. 26'J) - ... excellentior est quam album super nigrum - und nam den dem Artikel
folgenden Ausführungen des „Gutachtens" gegen den inlcriminierten Text keinen Einspruch erhebt,
sondern ihn in der ihm vorgelegten Form verteidigt, in der er Pf. S. 9'J,8 vprkommt. .Vgl. auch
oben S.146,2. ~ Zu Z. 5 vgl. Pf. S, 318,'J5ff:; Quint S . ?42f.

148
Quasi stellil- matutina

· · Nu sprichet doch got: nieman enist guot da,n got aleine. \Vaz ist guot? Daz
ist guot, daz sich gemeinet. De:ri heizen wir einen guoten menschen, der ge~
meine · und nütze i&t. Dar umbe sprichet ein heidenischer meister: ein einsidel
enist weder guot noch brese . in . dem sinne, wan er niht gemeine noch nüt;w
25 enist. Got ist daz ,aller gemeineste. Kein dinc gemein.et sich von dein sfoen, 5

wan alle creatur.en von in selber niht ensint. Swaz sie gemeinent, daz hant
sie vori einem andern. Sie gebent sich ouch riiht selben. Diu sunne gibet im.
schin und blibet doch da staude, daz viur gi;bet sin.e hitze U:nd blibet .doch
3 o }iur; aber got gemein.et daz sine, wan er von im selber ist, daz ~r ist, und

m allen den gaben, die er gibeti so gibet er sich selben ie zem ersten 1• Er 10
gibet sich got, als er. ist in allen sinen ·gaben, als verre als ez an im ist, der
in . enpfahen möhfo. Sant J a c ob sprichet: 'alle guoten gaben si:ilt yon. oben
he~ abe vliezende von dem vater der liehte'. ·

12f. Iac. 1,1,; vgl. oben,zzi S. 60,tf.

1 Nu bis got:] Unser herre sprichet Bag sprach Bs doch fehlt N1 got:] got
selber Bs01I. vnser herre N1 Ez ist nimant N1 dan] alein N1 aleine.] selber B8
fehlt OH2Ba2 , Waz bil! 2 gemeinet, fehlt N1 1f. Daz ist guot, in·Bs hinter gemeinet. fehlt
Pf BT B6 2 Den bis menschen,] ,ein me:ri:sche O Ho heizen] hiez N1 . der bis 3 ist. J
da. der ist nucz vnd gemein N1 . 2f. gemeine ist und OH2 3 und nütze .fehlt Bao ist.
Dar umbe] ist wim de ist ein vntugentliches vnd ein schamlicher tette (! statt: site ?) .der sich
nit nach der mengi halten kan. Dar vmb Ba, Dar umbe] Ende hier om B6 Her vf N1
heidenischer fehlt BaOH, ein bis 4 brese] daz ein einsidel (clusener B6) weder guot noch
brese (quaet B6) enist B6Bs 4 enist] si Pf BT Ba" brese] bloz N1 in dem sinne,
fehlt Ba. in] näch Pf RT . dem] ene B6 niht] noch B6 · gemein ist vnd nit
nutze enist den luten Bao noch den liuten nütze Pf BT noch 2 ] und N10Hi, , 4f, nütze
ist.] nüt en is B6 5 Got bis gemeineste. steht in N1 vor 9 wan. daz] der Bs Kein]
end!l en geen B6 Kein dincJ Niht BsOH,a sich fehlt OH, sich bis sinen,] dat hoer
B6 dem] den Bs 5f. sinen, wan] sein daz es sei wan N1 6 alle' creatfrren] si N1
creatfrren] dinc B6 Swaz] vnd was Ba Swaz sie gemeinent,J daz seih daz si sein N~
? einem] einer N10H2 Sie bis 9 sine, fehlt N1 " , Siel,vnd si Bs Sie bis selben.]
· si en geuen oec he sehien niet. B6 ouch fehlt OH. 8 und1] si O so fü doch',• fehlt
B6 dä fehlt Bs 9 aber fehlt B6 daz er ist, fehlt OH,· (Homöoteleuton!) und
fehlt N 1B6 10 den] sinen BoN1 fehlt Ba die bis so fehlt B6N1 er 1 ] got Ba gibet•
bis 11 got,] gibt sich got alzemal got N1 10 ie·fehlt O