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7 Brennstoffzelle

Joerg Wind
7

7.1 Grundlagen der eine Batterie notwendig, Kap. 6, wenn


Brennstoffzellentechnik auch mit geringer Kapazität. Bei den rein
elektrischen Fahrzeugantrieben können sich
7.1.1 Einleitung Batterie und Brennstoffzelle als Energiespei-
cher beziehungsweise -wandler idealerweise
Die Brennstoffzelle ist ein Energiewandler, ergänzen. Erstere bietet aktuell neben den
der die im Brennstoff (meist Wasserstoff ) niedrigeren Kosten bei der Anschaffung
gespeicherte Energie mithilfe von Sauerstoff den Vorteil der höheren Effizienz. Eine
direkt in elektrische Energie umwandelt. Elektrifizierung des Fahrzeugantriebs durch
Damit entfällt der übliche Energiewand- eine (ggf. zusätzliche) Wasserstoff-Brenn-
lungsprozess von Kraftstoff in mechanische stoffzelle ermöglicht es auch mit großen und
Energie (Verbrennungskraftmaschine) schweren Fahrzeugen sehr lange Strecken
und anschließend über den Generator in zurückzulegen. Die Kosten eines Brennstoff-
elektrische Energie. Der Wirkungsgrad der zellensystems sind derzeitig allerdings noch
Energiewandlung mittels Brennstoffzelle ist nicht auf dem Niveau eines konventionellen
deshalb grundsätzlich höher. Für die bedarfs- Antriebs mit Verbrennungsmotor. An der
gerechte Verfügbarkeit der elektrischen nachhaltigen Herstellung und Verfügbarkeit
Energie ist allerdings im Fahrzeug weiterhin von Wasserstoff wird intensiv gearbeitet.
© Daimler

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019 99


H. Tschöke et al. (Hrsg.), Elektrifizierung des Antriebsstrangs,
ATZ/MTZ-Fachbuch, https://doi.org/10.1007/978-3-662-60356-7_7
100 7 Brennstoffzelle

7.1.2 Geschichte und Motivation rienfähigen Brennstoffzellenfahrzeugen


führte.
Wie nahezu alle Energiewandler, die me- Der Verkehrssektor ist für einen bedeu-
chanische Energie zur Verfügung stellen tenden Teil des Primärenergieverbrauchs
(sogenannte Kraftmaschinen), wurde auch verantwortlich und spielt bei allen Überle-
die Brennstoffzelle (BZ) im 19. Jahrhun- gungen zur Energieeinsparung und Redu-
dert entwickelt. Christian Friedrich Schön- zierung der CO2-Emissionen eine wichtige
bein entdeckte 1838, dass bei der elektro- Rolle. Durch die intensive Weiterentwick-
chemischen Reaktion von Wasserstoff lung am Fahrzeug und der konventionellen
und Sauerstoff elektrische Energie frei- Verbrennungsmotoren sind bereits signifi-
gesetzt wird. Sir William Grove erkannte kante CO2-Reduzierungen erzielt worden.
darin 1839 die Umkehrung der Elektro- Eine weitere Reduktion ist vor allem durch
lyse, schaltete mehrere Elemente in Rei- elektrifizierte Antriebssysteme, wie Hyb-
he und nannte sie Gasbatterie. Damit gilt ridantriebe, Plug-in-Hybridsysteme und
er als der Erfinder der Brennstoffzelle [1]. Elektroantriebe mit Range Extender mög-
1887 erkannte Wilhelm Oswald, Professor lich, Kap. 2, 10, 11, 12, 13. 14.
für physikalische Chemie, die prinzipiellen Zur Erreichung der weltweit hochge-
Vorteile der Brennstoffzelle von Grove. Die steckten Klimaziele ist jedoch aus heu-
für die damalige Zeit komplizierte Hand- tiger Sicht die verstärkte Nutzung von
habung der Brennstoffzelle mit Wasserstoff Fahrzeugen mit reinen Elektroantrieben
und Sauerstoff verhinderte jedoch eine notwendig, Kap. 15. Dabei ist der batterie-
schnelle Entwicklung. Die Bereitstellung elektrische Antrieb vor allem für kleinere
von elektrischer Energie über den Umweg Fahrzeuge und kürzere Strecken geeignet.
Verbrennung – Dampferzeugung – mecha- Langfristig können Brennstoffzellen, ggf.
nische Energie  – Generator war trotz des in Kombination mit Batterien bei größe-
sehr geringen Wirkungsgrads einfacher, als ren Fahrzeugen und überdurchschnittlich
eine Brennstoffzelle zu betreiben. Die Wie- langen Fahrstrecken eine gute Lösung dar-
derentdeckung der Brennstoffzelle (alkali- stellen. Die Vorteile eines Elektroantriebs
sche Brennstoffzelle) ist der Raumfahrt zu auf der Basis von Brennstoffzellen sind im
verdanken, beispielweise dem Apollo- und Wesentlichen:
Gemini-Programm sowie dem Spacelab. ™ hoher Wirkungsgrad der Brennstoff-
Nachdem sich die Automobilindust- zelle
rie besonders nach der Energiekrise 1973 ™ hoher Wirkungsgrad des Elektroan-
intensiv mit Wasserstoff als Kraftstoff für triebs
den Verbrennungsmotor beschäftigte, lag ™ keine lokalen Emissionen
es nahe, auch an der Brennstoffzelle zu ar- ™ hohes Drehmoment bei geringen Dreh-
beiten. Durch die Forschung an Universi- zahlen
täten und in den Entwicklungsabteilungen ™ kurze Betankungszeit
der Automobilindustrie ist inzwischen ein ™ große Reichweite
umfangreiches und fundiertes Wissen vor- ™ geräuscharmer Gesamtantrieb
handen [2]. Nach gründlichen Vorarbeiten ™ kein Leerlaufverbrauch
wurde 1994 das erste Brennstoffzellenfahr- ™ Abwärme für Innenraumheizung
zeug mit einer PEM-Brennstoffzelle (Poly- ™ modularer Aufbau der Brennstoffzelle
mer-Elektrolyt-Membran) vorgestellt, der ™ geringe Wartungskosten
NeCar 1 von Daimler-Benz. Es gab schon Darüber hinaus kann Wasserstoff aus jeder
früher Brennstoffzellen-Versuchsfahrzeu- Primärenergie gewonnen werden. Wasser-
ge, doch mit dem NeCar 1 hat eine Ent- stoff ist der günstigste Speicher für elekt-
wicklung begonnen, die schließlich zu se- rische Energie aus erneuerbaren Energien.
7.1 Grundlagen der Brennstoffzellentechnik 101

Zurzeit beschäftigen sich nahezu alle gro- ™ großer Bauraumbedarf


ßen Automobilhersteller mit dem Brenn- ™ einige Brennstoffzellen benötigen hoch-
stoffzellenantrieb. So haben zum Beispiel reinen Wasserstoff
Audi, BMW, Daimler, FiatChrysler, Ford, ™ einige Brennstoffzellen sind nur für den
GM, Honda, Hyundai, MAN, Nissan, Peu- stationären Betrieb geeignet
geot, Toyota und Volkswagen Brennstoff- ™ Langzeitverhalten und Lebensdauer
zellenfahrzeuge als Prototypen oder Vor- müssen teilweise noch erprobt werden
serienprodukte vorgestellt [2] bzw. bereits In den letzten dreißig Jahren haben sich
erste Serienprodukte auf dem Markt (Hon- sechs Brennstoffzellentypen etabliert [1, 3],
da, Hyundai und Toyota). die in Abschn. 7.1.4 näher erläutert werden.
Die Brennstoffzellen werden üblicherwei-
se nach ihrem Elektrolyt eingeteilt. Unter
7.1.3 Definition, Funktion anderem besteht die Brennstoffzelle aus ei-
und Einordnung ner Anode, an der der Brennstoff zugeführt
wird, und einer Kathode, an der das Oxida-
Die Brennstoffzelle ist ein elektrochemi- tionsmittel zugeführt wird. Als Brennstoff
scher Wandler, der die chemische Ener- wird in der Regel reiner Wasserstoff, was-
gie eines Brennstoffs unmittelbar in elek- serstoffreiches Reformergas, Erdgas oder
trische Energie umwandelt. Dabei werden auch Methanol eingesetzt.
die Reaktionskomponenten kontinuierlich Als Oxidationsmittel kommen in der Re-
zu- und das Reaktionsprodukt (Wasser) gel reiner Sauerstoff oder Luft zum Einsatz.
kontinuierlich abgeführt. Die Speicherung Im Allgemeinen versteht man in der Fahr-
der chemischen Energieträger (beispiels- zeugindustrie unter einer Brennstoffzelle
weise Wasserstoff, Erdgas oder Methanol) eine Wasserstoff-Luftsauerstoff-Brennstoff-
erfolgt in Druckbehältern oder in spe- zelle. In diesem Fall kann die Funktions-
ziellen beziehungsweise herkömmlichen weise der Brennstoffzelle als Umkehrung
Kraftstoffbehältern. In Brennstoffzellen er- der Elektrolyse sehr einfach beschrieben
folgt die Energiewandlung in elektrischen werden. Bei der Elektrolyse wird Wasser
Strom sauber, leise und mit einem hohen mittels elektrischer Energie in Wasserstoff
Wirkungsgrad. und Sauerstoff aufgespaltet. In der Brenn-
Es gibt es eine Vielzahl von Brennstoff- stoffzelle wird diese Reaktion umgekehrt
zellensystemen, die sich durch verschiede- und elektrische Energie freigesetzt. Die
ne Kombinationen von Brennstoffen, Oxi- Brennstoffzelle ist somit kein Energiespei-
danten, Elektrolyten, Elektroden (Anode cher, sondern ein Energiewandler [4].
(Pluspol) und Kathode (Minuspol)) und Beim brennstoffzellenbasierten Elekt-
Bauformen unterscheiden. Als Elektrolyt- roantrieb wird die elektrische Energie un-
material kommen nur wenige Stoffe infra- mittelbar und bedarfsgerecht aus Brenn-
ge. Im Niedertemperaturbereich (< 300 °C) stoff, zumeist Wasserstoff, und Luft an Bord
sind dies spezielle Säuren und Laugen. Im erzeugt. Abbildung 1 zeigt schematisch
Hochtemperaturbereich (> 500 °C) sind es ein Elektrofahrzeug mit einer Brennstoff-
Keramiken und Karbonate. Die Qualität zelle. Aus einem Druckspeicher wird der
einer Brennstoffzelle wird von der Art der Brennstoffzelle Wasserstoff zugeführt und
Elektrolyte bestimmt. Neben den bereits mit dem Sauerstoff aus der Umgebungs-
erwähnten Vorteilen der Brennstoffzelle luft in einem elektrochemischen Prozess
sind beim heutigen Stand der Technik fol- in elektrische Energie umgewandelt. Der
gende Nachteile zu nennen elektrische Antriebsmotor wird über eine
™ Derzeit noch hohe Herstellkosten Leistungselektronik mit dem elektrischen
™ hohes Leistungsgewicht Strom gespeist, der dann (ggf. über ein
102 7 Brennstoffzelle

Abb. 1 gibt sich ein deutlicher Unterschied zu


Elektrofahrzeug mit den Wärmekraftmaschinen, beispielswei-
Brennstoffzelle (BZ)
se hat ein Ottomotor im Teillastbereich
Wirkungsgrade von wenig mehr als 20 %.
Abbildung 2 zeigt einen schematischen
Wirkungsgradvergleich von Brennstoffzel-
lensystem und Verbrennungsmotor. Die
Effizienz einer Brennstoffzelle ist im Be-
reich kleiner Leistungen, wie sie für den
Stadtbetrieb ausreichend sind, nahezu dop-
pelt so hoch wie bei einem Verbrennungs-
motor [2].
Gegenüber Hybridantrieben und Elekt-
rofahrzeugen mit Range Extender (Kap. 2)
hat das Brennstoffzellensystem den Vorteil
der direkten Energieumwandlung. So wird
zum Beispiel bei seriellen Hybridantrieben
und Elektroantrieben mit Range Exten-
der die Energie mehrfach gewandelt, wo-
bei jeweils Verluste entstehen und der Wir-
kungsgrad damit deutlich geringer ist.

7.1.4 Brennstoffzellentypen
Es gibt eine Vielzahl verschiedener Brenn-
stoffzelltypen (Fuel Cell). Einen hohen
Reifegrad haben die sechs nachfolgend
beschriebenen Varianten erlangt. Die Zu-
Getriebe) das Fahrzeug antreibt. Eine klei- ordnung der Brennstoffzelle kann nach
ne Batterie ermöglicht es die gewandelte verschiedenen Gesichtspunkten erfolgen,
Bremsenergie (Rekuperation) zu speichern zum Beispiel nach ihrem Temperaturbe-
und das Brennstoffzellensystem in einem reich in Niedertemperatur- und Hochtem-
optimalen Betriebspunkt zu betreiben. peratur-Brennstoff oder auch nach ihrem
Gegenüber Elektrofahrzeugen mit einer Brennstoff: reiner Wasserstoff, wasserstoff-
Batterie als elektrischem Energiespeicher reiches Reformergas, Erdgas oder Methanol.
hat die Energiespeicherung in Form von Als Namenskürzel wird die Elektrolytbe-
flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen zeichnung verwendet. Es ist üblich, engli-
vor allem den Vorteil einer hohen Reich- sche Namenskürzel zu verwenden [1, 3]:
weite, die lediglich durch die Tankgröße li- ™ Polymer-Elektrolyt-Membran-Brenn-
mitiert ist. Außerdem dauert der Tankvor- stoffzelle (Proton Exchange Membrane
gang nur wenige Minuten. Fuel Cell, PEMFC, oder auch Polymer
Gegenüber Verbrennungsmotoren hat Electrolyte Fuel Cell, PEFC)
ein Elektroantrieb mit Brennstoffzelle den ™ Direktmethanol-Brennstoffzelle (Direct-
Vorteil, dass er nicht den Begrenzungen Methanol Fuel Cell, DMFC)
des Carnot-Kreisprozesses unterliegt. Der ™ Alkalische Brennstoffzelle (Alkaline Fuel
Brennstoffzellen-Wirkungsgrad ist sehr Cell, AFC)
hoch und kann Werte von über 60 % er- ™ Phosphorsäure-Brennstoffzelle (Phos
reichen. Vor allem im Teillastbetrieb er- phoric Acid Fuel Cell, PAFC)
7.1 Grundlagen der Brennstoffzellentechnik 103

™ Schmelzkarbonat-Brennstoffzelle (Mol-
ton Carbonate Fuel Cell, MCFC)
™ Festoxid-Brennstoffzelle (Solid Oxide
Fuel Cell, SOFC).
Tabelle 1 zeigt eine Übersicht der tech-
nisch interessanten Brennstoffzellen. Eini-
ge Brennstoffzellen arbeiten bei Tempera-
turen von 1000 °C und sind somit für die
Kfz-Anwendung ungeeignet; allein eine
Startzeit von mehreren Minuten würde der
Kunde nicht akzeptieren. Brennstoffzellen,
die mit hochreinem Wasserstoff und hoch-
reinem Sauerstoff arbeiten, sind nur in der
Raumfahrt oder in der Militärtechnik sinn-
voll einsetzbar. In den folgenden Kapiteln
werden die einzelnen Typen von Brenn-
stoffzellen genauer beschrieben.

Polymer-Elektrolyt-Membran-
Brennstoffzelle elektrischen Verschaltung der Einzelzellen Abb. 2
Die PEMFC hat einen sehr hohen Reife- im Stack. Qualitativer Verlauf
grad und für die Automobilindustrie die Die Teilreaktionen dabei sind 2H2  ĺ des Wirkungsgrads
von Brennstoffzel-
größte Bedeutung erreicht. Sie ist eine Nie- 4 H+ + 4 e– an der Anode (Minuspol) und lenantrieben und
dertemperatur-Brennstoffzelle mit einer O2 + 4 e– + 4 H+  ĺ 2 H2O an der Kathode Verbrennungsmoto-
mittleren Arbeitstemperatur von 80 °C und (Pluspol). Abbildung  3 zeigt das Funkti- ren [2]
wird in ihrer Grundform mit Sauerstoff onsprinzip der PEMFC mit der Zuführung
und Wasserstoff betrieben. Ein Betrieb mit des Wasserstoffs und des Sauerstoffs sowie
kohlenstoffdioxidhaltigem, wasserstoffrei- der Abfuhr des Produktwassers. Der elek-
chem Reformatorgas und Luftsauerstoff ist trische Strom fließt über die Elektroden
ebenfalls möglich. Die PEMFC nutzt eine
feuchte Protonenaustauschmembran, die Abb. 3
H+-Ionen von der Anode (Minuspol) zur Funktionsprinzip
Kathode (Pluspol) transportiert. Sie besteht einer PEMFC [5]
in ihrer Grundsubstanz aus einem perfluo-
rierten, sulfonierten Polymer. Durch die
sehr gute Protonenleitfähigkeit und die ge-
ringe Foliendicke erreicht diese Brennstoff-
zelle sehr hohe spezifische Leistungen. Die
Membran ist zugleich der Träger des Ano-
den- und des Kathodenkatalysators und
dient als Separator für die gasförmigen Re-
aktanden (Wasserstoff und Sauerstoff). Die
Versorgung mit Reaktionsgas erfolgt über
strukturierte Bipolarplatten. Sie sorgen für
die Zuführung der Reaktanden und deren
Verteilung auf der Membranfläche des ge-
stapelten Zellverbunds, dem sogenannten
Stack. Die Bipolarplatte dient zudem der
104 7 Brennstoffzelle

Zell- Arbeitstem- Elektr. Wir-


Typ Elektrolyt Anode Kathode Merkmale Anwendungen
reaktion peratur kungsgrad
Hohe
Protonen- Fahrzeuge, Raum-
O2 Leistungsdichte
PEMFC leitende H2 ĺ 80 °C 50–70 % fahrt, Militär,
Luft Flexibles Betriebs-
Membran Stromerzeugung
verhalten
Protonen- Portable Stromer-
O2 Diffusion von
DMFC leitende Methanol ĺ 80–120 °C 20–30 % zeugung, Batterie-
Luft Methanol
Membran ersatz
Reines O2 Rei-
Wässrige
AFC Reinst-H2 ĸ Reinst-O2 60–80 °C 60–70 % nes H2 CO2- Raumfahrt, Militär
Kalilauge
empfindlich
Stromerzeugung,
Phosphor- Korrosions-
PAFC Erdgas H2 ĺ Luft O2 200 °C 40–55 % Blockheizkraft-
säure probleme
werk
Hochtemperatur- Stromerzeu-
Erdgas
SOFC Zirkonoxid ĸ Luft 650–1000 °C 45–65 % keramik Korrosi- gung, Blockheiz-
CO H2
onsprobleme kraftwerk
Alkali- Komplexe Prozess- Stromerzeu-
Luft O2
MCFC karbonat- Erdgas H2 ĸ 650 °C 45–55 % führung Korrosi- gung, Blockheiz-
CO2
schmelze onsprobleme kraftwerk

Tabelle 1 ab. Eine Gasdiffusionslage (GDL) sorgt ben Wasser eine theoretische Zellspannung
Eigenschaften dafür, dass die Reaktanden (Wasserstoff von 1,23 V. Diese theoretische Spannung ei-
verschiedener und Luftsauerstoff) die Membran (Elek- ner Zelle entspricht einem Wirkungsgrad
Brennstoffzellentypen
trolyt) ganzflächig benetzen. Alle Funk- von 100 %. In der Praxis werden Leerlauf-
tionselemente einer Brennstoffzelle zeigt spannungen von etwa 1,0 V erreicht. Diese
Abb. 4a. Die Gasdiffusionslage sorgt für Verluste hängen zum Beispiel von der Rein-
die Benetzung der Membran. Die Elektro- heit des Wasserstoffs und des Sauerstoffs ab.
den (Anode und Kathode) sorgen für den So ist bei der Verwendung von Luftsauer-
Elektronenfluss. Der Katalysator ist ver- stoff eine geringe Wirkungsgradeinbuße zu
antwortlich für die chemischen Reaktio- verzeichnen. Auch die Betriebstemperatur,
nen (Redoxreaktion). der Druck, der Brennstoffausnutzungs-
Der Verbund aus Membran und GDL grad und der Sauerstoffüberschuss beein-
wird als Membran-Elektroden-Einheit flussen den Wirkungsgrad. Die tatsächli-
(Membrane Electrode Assembly, MEA) che Zellspannung verringert sich, sobald
bezeichnet. Die MEA ist damit das für die die Brennstoffzelle mit einem Ausgangs-
Funktion wichtige Kernstück einer Brenn- strom belastet wird. Eine bei elektroche-
stoffzelle. Die eigentliche Gesamtreaktion mischen Wandlern übliche Darstellung
findet in einer Zone statt, in der Membran dieser Zusammenhänge zeigt das Span-
(Elektrolyt), Elektrode (Katalysator) und nungs-Strom-Diagramm, Abb. 5 (qualita-
Gas zusammentreffen. Umrahmt wird die tive Darstellung).
MEA von den GDL. MEA und GDL wer- Weil jede einzelne Zelle nur die be-
den durch Pressen zusammengefügt und schriebene geringe Spannung liefert, müs-
dann zwischen die Bipolarplatten mit ih- sen Hunderte von Zellen elektrisch in Serie
ren Strömungskanälen gespannt. Dieser geschaltet werden, um ein Spannungs-
Verbund bildet die Zelle; diese erzeugt ne- niveau von mehreren 100 V zu erreichen.
7.1 Grundlagen der Brennstoffzellentechnik 105

Abb. 4
Aufbau einer
Membran-Elektro-
den-Einheit (a) und
Brennstoffzellenstack
(b) [5]

Die Zahl der gestapelten Zellen bestimmt


die Gesamtspannung des Stacks. Die Flä-
che der Membran-Elektroden-Einheit be-
stimmt die Stromstärke, Abb.4b.
Für den Einsatz als Antriebseinheit in
einem Fahrzeug ist die im Vergleich zu
Hochtemperatur-Brennstoffzellen niedrige
Arbeitstemperatur der PEMFC vorteilhaft.
Ebenso vorteilhaft ist das gute Kaltstartver-
halten der PEMFC. Zusammenfassend ist
festzuhalten: Die PEMFC ist als Stromer-
zeuger für ein Elektrofahrzeug mit Brenn- die unerwünschte Nebenreaktion oxi-
stoffzelle hervorragend geeignet. diert. Dadurch nimmt dieser Methanol-
anteil nicht an der Energiewandlung zu
Direktmethanol-Brennstoffzelle elektrischem Strom teil und mindert den
Der Brennstoff für diese Art von Brenn- Wirkungsgrad. Bislang werden DMFCs
stoffzellen muss nicht Wasserstoff sein, nur für kleine Leistungen eingesetzt, die Abb. 5
Schematische Darstel-
wie bei der PEMFC. Die DMFC verstromt für Elektrofahrzeuge nicht ausreichen. Sie lung der Strom-Span-
ein flüssig oder dampfförmig zugeführtes werden als z. B. portable Strom-quellen im nungs-Kennlinie einer
Methanol-Wasser-Gemisch. Diese Brenn- Konsumbereich (beispielsweise Camping) Brennstoffzelle [5]
stoffzelle ähnelt einer PEMFC. Metha-
nol ist ein vorteilhafter Treibstoff dessen
Transport und Speicherung in einem Tank
ähnlich einfach ist wie bei Benzin und Die-
sel. Die Anode der DMFC wird unmittel-
bar mit einem Methanol-Wasser Gemisch
versorgt und die Kathode mit Luftsauer-
stoff. Das wesentliche Problem der DMFC
besteht aber in der Eigenschaft des Me-
thanols, durch Diffusions- und Osmose-
vorgänge von der Anodenseite der Mem-
bran auf die Kathodenseite zu gelangen.
Das durchgetretene Methanol wird durch
106 7 Brennstoffzelle

eingesetzt. Methanol als Kraftstoff und der geringe Wirkungsgrad und die gerin-
der relativ einfache Aufbau der DMFC ge Leistungsdichte. Die erwarteten Kosten-
sprechen für die potenzielle Eignung im reduktionen konnten bisher nicht erreicht
Fahrzeugantrieb. Dafür müsste aber eine werden. In Fahrzeugen wird die PAFC we-
Membran entwickelt werden, die den Me- gen der hohen Betriebstemperatur und der
thanoldurchbruch verhindert und dadurch geringen Leistungsdichte nicht zum Ein-
den Wirkungsgrad und die Leistungsdich- satz kommen.
te deutlich verbessert.
Schmelzkarbonat-Brennstoffzelle
Alkalische Brennstoffzelle Die MCFC ist eine Hochtempera-
Die alkalische Brennstoffzelle besitzt einen tur-Brennstoffzelle, die bei einer Tempera-
hohen Wirkungsgrad, da die Sauerstoffre- tur von circa 650 °C arbeitet. Als Elektrolyt
aktion in alkalischen Elektrolyten schnel- wird schmelzflüssiges Alkalikarbonat ver-
ler als in sauren Elektrolyten erfolgt. Im Be- wendet. Als Brenngas wird Erdgas einge-
trieb mit reinem Wasserstoff liefert die AFC setzt, das in einem vorgeschalteten Refor-
die höchsten Spannungen von allen Brenn- merprozess für die MCFC aufbereitet wird.
stoffzellen. In Bezug auf ihre Leistungsfä- Die MCFC-Technik wird in einer Reihe
higkeit, beispielsweise spezifische Leistung von Projekten als BHWK und zur Strom-
(kW/kg), Energiedichte (kWh/kg) und Le- erzeugung im Leistungsbereich von eini-
bensdauer, übertrifft die AFC alle anderen gen MW verwendet. Die komplexe Pro-
Brennstoffzellentypen. zessführung, die hohe Prozesstemperatur,
Für den Betrieb sind absolut reiner Was- das ungeeignete Zeitverhalten, die Korro-
serstoff und Sauerstoff notwendig. Das in sionsproblematik und der schlechte Wir-
der Luft enthaltene CO2 reagiert mit dem kungsgrad lassen eine Verwendung in der
alkalischen Elektrolyten zu Kaliumkar- Fahrzeugtechnik nicht zu.
bonat und blockiert den Prozess. Diese
CO2-Empfindlichkeit verlangt hochreine Festoxid-Brennstoffzelle
Gase und begrenzt die Anwendung auf die Die SOFC ist eine Hochtemperatur-Brenn-
Raumfahrt- und Militärtechnik. stoffzelle, die zwischen 650 und 1000 °C
betrieben wird. Als Elektrolyt wird eine
Phosphorsäure-Brennstoffzelle spezielle Keramik eingesetzt, die Sauer-
Bei der PAFC wird Phosphorsäure als Elek- stoffionen leitet. Die Besonderheit der
trolyt eingesetzt. Damit unterscheidet sie SOFC liegt einerseits in diesem Keramik-
sich von den anderen Brennstoffzellenty- material und andererseits in der Bauform.
pen. Die Zellreaktionen verlaufen genau- Bei den Bauformen ist zwischen einem
so wie bei der PEMFC. Die PAFC arbeitet Flachzellen- und einem Röhrenkonzept zu
bei einer Temperatur von circa 200 °C. Als unterscheiden. Die Nachteile einer SOFC
Brennstoff kann Wasserstoff oder wasser- bestehen bislang in dem kostenintensiven
stoffreiches Gas wie Erdgas und Methanol Herstellungsverfahren, das zudem noch
verwendet werden. Die PAFC wurde in der keine ausreichende Langzeitstabilität ge-
Vergangenheit häufig in Blockheizkraft- währleistet. Neue Werkstoffentwicklungen
werken (BHKW) mit einer Leistung von könnten diesen Mangel beheben. Mit der
circa 200 kW eingesetzt und hat ihre Funk- SOFC werden hohe Leistungsdichten und
tionstauglichkeit bewiesen. Die Vorteile hohe Wirkungsgrade erreicht. Vorteilhaft
einer PAFC sind die Unempfindlichkeit kann auch die Verwendung von flüssigen
gegenüber Verunreinigungen des Brenn- Kraftstoffen sein, da wegen der hohen Ar-
gases, die Verwendung von Luftsauerstoff beitstemperaturen auf einen externen Re-
und die CO2-Toleranz. Nachteilig sind former verzichtet werden kann.
7.2 Gesamtsystem im Fahrzeug 107

7.1.5 Zusammenfassung Überwachungs-, Regelungs- und Steue-


rungselektronik nicht den Anforderungen
Seit 125 Jahren dominieren Automobile, an einen mobilen Antrieb. Lastenhefte,
die mit einem Verbrennungsmotor ange- Vorschriften, Qualifizierungsbeschreibungen,
trieben werden. Bislang wurden alle poli- technische Regelwerke, Standards und
tischen, gesellschaftlichen, umwelt- und si- Normen waren meist nicht vorhanden.
cherheitsrelevanten sowie wirtschaftlichen All diese Dinge wurden in der Folgezeit
Anforderungen, die an den Verbrennungs- parallel zu den technischen Entwicklungen
motor und das Fahrzeug gestellt wurden, vorangetrieben. Hochschulen, Forschungs-
weitgehend erfüllt. Die ständigen und er- einrichtungen und Technologieunternehmen
folgreichen Weiterentwicklungen dieser beschäftigten sich in zunehmendem Maße
Motoren hinsichtlich Reduktion von Kraft- mit der Brennstoffzelle für den mobilen
stoffverbrauch, der CO2-Emission und Bereich. Automobilfirmen stellten ihre Brenn-
Schadstoffemissionen sind bemerkenswert. stoffzellenaktivitäten und erste Brennstoff-
Auf Dauer wird aber der alternative, zellenfahrzeuge vor. Ebenso wurden erste
emissionsfreie Antrieb eine Chance ha- Feldversuche und kleinere Flottenversuche
ben, der die Mobilitätsbedürfnisse der erfolgreich durchgeführt. In Firmenkoope-
Kunden voll erfüllt. Von allen bislang be- ration wurden Aktivitäten gebündelt und
kannten Möglichkeiten bietet das Elektro- Kooperationsprojekte unterstützten die
auto mit Brennstoffzelle und / oder Batterie Automobilindustrie. Hier sind vor allem die
hierfür grundsätzlich die günstigsten Vor- California Fuel Cell Partnership (CaFCP) und
aussetzungen. Mit der PEMFC bestehen die Clean Energy Partnership Berlin (CEP) zu
aus heutiger Sicht die besten Chancen für nennen. Die Normung und Standardisierung
den Start der Brennstoffzellenanwendung wurde durch Organisationen wie SAE oder
im Fahrzeugbereich. Die Optimierung der ISO vorangetrieben.
Brennstoffzelle zur Senkung der Kosten bei
der Serieneinführung ist ein wichtiges Ziel
und Voraussetzung für deren Erfolg auf 7.2.2 Antriebsstrang
dem Markt. mit Brennstoffzelle

Wie in Abschn. 7.1 schon beschrieben, ist


die Brennstoffzelle (BZ) ein relativ einfa-
7.2 Gesamtsystem im Fahrzeug cher Energiewandler, der die im Brennstoff
gespeicherte chemische Energie direkt in
7.2.1 Einleitung elektrische Energie umwandelt. Für einen
kompletten Antriebsstrang sind jedoch
Die Automobilindustrie begann sich neben dem Energiewandler weitere Kom-
etwa im Jahr 1990 intensiver mit dem ponenten erforderlich, Abb. 6. Auf Basis
brennstoffzellenbasierten Fahrzeugantrieb der Polymer-Elektrolyt-Membran-Brenn-
zu beschäftigen. Die damaligen Erprobungs- stoffzelle (Proton Exchange Membrane Fuel
träger waren bezüglich Bauform, Volumen Cell, PEMFC), der erfolgversprechendsten
und Gewicht des Brennstoffzellensystems Brennstoffzelle für automobile Anendun-
nur bedingt nutzbar. Die Leistungsdichte gen, wird im Folgenden die Architektur des
des Gesamtantriebssystems war zunächst Antriebsstrangs beschrieben.
noch niedrig. Neben dem großen und Während Abb. 6 die Anordnung der
schweren Brennstoffzellenstack genügten Hauptkomponenten im Fahrzeug darstellt,
die 300-bar-H2-Tanks, die Luftversorgung, zeigt Abb. 7 schematisch das in das Fahr-
der elektrische Fahrantrieb sowie die zeug integrierte Brennstoffsystem. Es zeigt
108 7 Brennstoffzelle

Abb. 6 densator und Druckregler. Im Block


Hauptkomponenten Leistungselektronik sind verschiedene
eines brennstoff-
zellenbasierten
Funktionen zusammengefasst, zum Bei-
Fahrzeugantriebs, spiel das Hochsetzen der Stackspannung,
Quelle: Daimler die Drehmoment- und Drehzahlregelung
der Elektromaschine, die Versorgung der
Hochvoltverbraucher, die Spannungs-
wandlung für das Bordnetz sowie die Lade-
und Entladefunktion der Traktionsbatterie,
siehe auch Kap. 5.

Luftversorgung und Befeuchtung


Die Luftversorgung besteht aus Luftfilter,
elektrisch angetriebenem Verdichter und
Luftbefeuchter, Abb. 7. Häufig wird noch ein
rein elektrisch angetriebener Kompressor
eingesetzt. Dieser Verdichter sollte vorzugs-
weise ein Radialverdichter sein, der ölfreie
Luft mit einem Druck von etwa 2 bar liefert.
den Brennstoffzellenstack mit der Memb- Entsprechend der Leistungsanforderung des
ran-Elektroden-Einheit (MEA), Kathode, Fahrzeugs muss der Kathode die entspre-
Anode und Kühlsystem, die Luftversor- chende Luftmasse zugeführt werden. Abbil-
gung mit Filter, Verdichter, Ladeluftkühler dung 8 zeigt das Laufzeug eines Radialver-
mit Luftbefeuchter, das Wasserstoffsystem dichters, der mit Drehzahlen bis zu 90.000 1/
Abb. 7 mit Tank, Druckregler, Wasserstoffrück- min arbeitet, mit dem Elektromotor und im
Schema eines
Brennstoffzellen-
führung mit Purge-Ventil (mit Stickstoff Vergleich dazu den Läufer eines mit deutlich
systems in einem verunreinigter Wasserstoff wird damit höherer Drehzahl laufenden Abgasturbola-
Fahrzeugantrieb abgeblasen), das Abluftsystem mit Kon- ders für Verbrennungsmotoren. Um den
7.2 Gesamtsystem im Fahrzeug 109

Wirkungsgrad der Luftversorgung deutlich


zu verbessern, ist es sinnvoll, im Abluft-
zweig eine Radialturbine (Expansionsma-
schine) einzusetzen.
Damit wird die in der Abluft vorhan-
dene Energie genutzt, um den Verbrauch
zu senken und die Reichweite zu erhöhen.
Eine so gestaltete Luftversorgung ähnelt ei-
nem Abgasturbolader mit einer elektromo-
torischen Unterstützung, Abb. 9.
Der Wasserhaushalt und die Wasserqua-
lität einer PEMFC haben großen Einfluss
auf den Wirkungsgrad und die Lebensdau-
er der Brennstoffzelle. Die Membran darf
weder austrocknen, noch dürfen die Gas-
kanäle durch das Produktwasser verstopft stoffanreicherung des Wasserstoffs. Diese Abb. 8
werden. Zur Befeuchtung der Luft wird das Verunreinigung des Wasserstoffs vermin- Laufzeug eines elek-
dampfförmige Wasser, das als Produktwas- dert den Wirkungsgrad der Brennstoff- trisch angetriebenen
Verdichters (unten)
ser in der PEMFC entsteht und mit etwa zelle. Deshalb wird das verunreinigte Gas, und eines Abgastur-
80 °C die Kathode verlässt, genutzt. Der Be- abhängig vom Energieumsatz, von Zeit zu boladers (oben) [9]
feuchter besteht aus bündelförmigen oder Zeit über das Purge-Ventil abgeblasen (so-
stapelförmigen Trennmembranen, die ein genanntes Purgen).
gutes Übertragungsverhalten von der Pro-
duktwasserseite zur Frischluftseite haben. Thermomanagement – Kühlkreisläufe
Das Kühlsystem eines BZ-Systems im
Wasserstoffversorgung Fahrzeug stellt eine große technische He- Abb.9
Die Elemente der Wasserstoffversorgung rausforderung dar. Das verwendete Kühl- Elektrisch unter-
stützter Turbo-
sind in Abb. 7 mit dem Wasserstofftank, mittel darf elektrisch nicht leitend sein, da lader (PEM-Tur-
Druckregler, Wasserstoffgebläse und Pur- es sonst die beiden Elektroden kurzschlie- bokompressor),
ge-Ventil zu sehen. Der Wasserstoff für die ßen würde. . Ein Leitfähigkeitssensor misst Quelle: Honeywell
Anode des PEMFC-Stacks kommt aus dem
Wasserstofftank und wird der Wasserstoff-
dosiereinheit zugeführt. Diese Dosierein-
heit mischt frischen mit dem rückgeführten
Wasserstoff und dosiert den Wasserstoff-
massenstrom zur Leistungsregelung des
Gesamtsystems. Außerdem hat die Dosier-
einheit die Aufgabe, eine Wasserstoffverar-
mung auf der Anodenseite zu verhindern.
Die Anodeneinheit stellt die Druckgleich-
heit zwischen Anoden- und Kathodenseite
sicher und sorgt für die Befeuchtung des
Frischgases. Die Befeuchtung des Frisch-
wasserstoffs wird durch die Restfeuchtig-
keit des rückgeführten Wasserstoffs er-
reicht. Während des Betriebs kommt es
durch Luftstickstoffdiffusion von der Ka-
thoden- zur Anodenseite zu einer Stick-
110 7 Brennstoffzelle

die elektrische Leitfähigkeit der Kühlflüs- und im Schub arbeitet die elektrische Ma-
sigkeit und sorgt mit einem Ionentauscher schine im generatorischen Betrieb und er-
für einen optimalen Betrieb. zeugt Strom, der in der Traktionsbatterie
Die Brennstoffzelle arbeitet mit einer gespeichert wird, siehe auch Kap. 5 und 6.
Betriebstemperatur von ca. 80 °C. Die Tem-
peraturdifferenz zur Umgebung ist im Ver- Traktionsbatterie
gleich zum Verbrennungsmotor etwa 20 °C Der Einsatz einer Traktionsbatterie erlaubt
geringer. Dies muss bei der Kühlerausle- die Rückgewinnung der Bremsenergie und
gung berücksichtigt werden. Die bei einer verringert den Brennstoffverbrauch. Da-
Brennstoffzelle über den Kühler abzufüh- durch kann je nach Fahrweise und Fahr-
rende Wärmemenge beträgt im Volllastfall zyklus eine Energieersparnis von bis zu
mehr als 50 % der Brennstoffwärme und ist 25 % erreicht werden. Auch das Beschleu-
damit höher als bei einem Verbrennungs- nigungsverhalten eines BZ-Fahrzeugs wird
motor, da bei einem Verbrennungsmotor durch die Batterie verbessert. Bezüglich
ein großer Teil der Abwärme über das Ab- Typ, Bauform und Kapazität werden meist
gas abgeführt wird. Bei einem BZ-Elektro- Batterien analog den Hybridfahrzeugen
fahrzeug kann ein Teil der Abwärme für verwendet, siehe Kap. 6. Ein Brennstoff-
die Beheizung der Fahrgastzelle verwen- zellenfahrzeug kann aber auch, wie beim
det werden. Dies ist ein wesentlicher Vor- Mercedes Benz GLC F-Cell mit einer grö-
teil gegenüber einem Batterie-Elektrofahr- ßeren Batterie ausgestattet werden, die ein
zeug, bei dem hierfür bis zu 5 kW Leistung Fahren für längere Strecken aus der Batte-
aus der Batterie entnommen werden muss. rie ermöglicht.
Außerdem werden neben dem BZ-
Stack-Hauptkühlkreislauf ein Ladeluft Wasserstoffspeicher
kühler und Kühlkreisläufe für den elekt- für den mobilen Einsatz
rischen Fahrantrieb, die Traktionsbatterie Die Verwendung einer Brennstoffzelle im
und die Leistungselektronik benötigt. Das Fahrzeug verlangt die Speicherung einer
Thermomanagement beinhaltet nicht nur ausreichenden Wasserstoffmenge an Bord.
die Kühlung, sondern steuert und kontrol- So erwartet man von einem Brennstoffzel-
liert auch die Kaltstartfähigkeit bei Tempe- lenfahrzeug eine Reichweite von mindes-
raturen unterhalb des Gefrierpunkts und tens 500 km. Hierfür müssen etwa 5 kg H2
die Warmlaufphase. In einer späteren Fol- gespeichert werden, da ein BZ-Fahrzeug,
ge dieser Reihe wird darauf noch detailliert je nach Fahrzeuggröße und Betrieb, ei-
eingegangen. nen Verbrauch von circa 1 kg/100 km hat.
Des Weiteren wird eine Betankungszeit
Elektrischer Fahrantrieb von wenigen Minuten erwartet, ähnlich
Der elektrische Antriebsstrang (Fahran- dem Betankungsvorgang mit Benzin- oder
trieb) mit der Leistungselektronik und Dieselkraftstoff. Weitere Anforderungen
dem oder den Elektromotor(en) unter- betreffen die hohe volumetrische und gra-
scheidet sich nicht von einem Antrieb für vimetrische Speicherdichte.
ein Batterie-Elektrofahrzeug. Während der Daneben spielen die Kosten des Ge-
Fahrt arbeitet die E-Maschine im motori- samtspeichers, eine hohe Lebensdauer und
schen Betrieb. Die notwendige elektrische keinerlei Nutzungseinschränkungen eine
Leistung wird in der Regel von der Brenn- wesentliche Rolle. Es müssen außerdem
stoffzelle geliefert. Je nach Betriebsstrate- strenge Sicherheitsanforderungen beim
gie, Leistungsbedarf und Einsatzfall wird Betrieb erfüllt werden. Die heute einge-
die elektrische Energie auch aus der Trak- setzte Technik berücksichtigt die Zünd-
tionsbatterie entnommen. Beim Bremsen fähigkeit des Wasserstoffs und begrenzt
7.2 Gesamtsystem im Fahrzeug 111

die H2-Verluste, die durch die Permeation


durch die Speicherwand entstehen können
auf sehr kleine Werte, die keinen messba-
ren Einfluss auf die Reichweite haben.
Den höchsten Entwicklungsstand ha-
ben die konventionellen Speicherme-
thoden: Speicherung in Druckbehältern
durch Verdichten des H2 mittels Kompres-
sor (Druckgasspeicher / Compressed H2
(CH2)) und Speicherung in flüssiger Form
durch Kühlen und Verdichten (Flüssigspei-
cher / Liquid Hydrogen (LH2)).
Alternative Wasserstoffspeicher Abb. 10
Druckgasspeicher Alternative Arten der Wasserstoffspeiche- Wasserstoff-Druck-
In den letzten Jahren hat der Druckgasspei- rung basieren auf Flüssigkeiten und Fest- speicher mit 700 bar
Speicherdruck
cher eine weite Verbreitung gefunden. Wa- stoffen, in denen der Wasserstoff gebunden (Ventileinheit mit
ren vor bis etwa 2010 noch Drucktanks von ist. Unter den Feststoffspeichern werden Druck-, Temperatur-
350 bar üblich, so sind heute Drucktanks Hydridspeicher verstanden, die in Metall- sensor, Absperrventil,
mit 700 bar Standard. Der Energieaufwand hydride, Speicherlegierungen, Grafitna- Schmelzsicherung
zum Verdichten beträgt knapp 10 % des noröhrchen, Kohlenstoffnanofasern und (links); carbonum-
mantelte Druckgas-
Energieinhalts des gespeicherten Wasser- Mikrogasperlen unterteilt werden [6]. Au- behälter (rechts)),
stoffs. Ein komplettes Tanksystem wiegt ßerdem kann Wasserstoff in verschiede- Quelle: Daimler
circa 100 kg und speichert 5 kg H2. Dieser nen chemischen Verbindungen gespeichert
Speicher erfüllt alle Sicherheitsanforde- werden, die zum Beispiel durch Reformie-
rungen der Automobilindustrie, beispiels- rung an Bord zu einem wasserstoffreichen
weise für Crashtests. Um die notwendi- Reformergas umgesetzt werden können.
gen Wasserstoffmengen mit 700 bar Druck Solche Wasserstoffträger sind z. B. Me-
speichern zu können und zugleich den zur thanol, Liquid Organic Hydrogen Carri-
Verfügung stehenden Platz im Fahrzeug er (LOHC), Benzin, Erdgas, Ammoniak
optimal zu nutzen, werden üblicherweise und Hydrazin [6]. Die Speicherung dieser
mehrere zylindrische Speicherbehälter ein- Energieträger ist zwar oft wesentlich einfa-
gesetzt, Abb. 10. cher, allerdings ist eine zusätzliche Kom-
ponente, z. B. ein Reformer erforderlich.
Flüssigwasserstoffspeicher Die verschiedenen H2-Speichersysteme
Flüssigwasserstoffspeicher werden vor al- unterscheiden sich vor allem in ihrer tech-
lem für große Wasserstoffmengen einge- nischen Reife und darin, ob sie alle not-
setzt. Dazu wird der Wasserstoff verflüssigt wendigen fahrzeugspezifischen Anforde-
(LH2) und in einem speziellen wärme- und rungen erfüllen können. Tabelle 2 listet
vakuum-isolierten Tank (Kryogentank) bei die verschiedenen Arten der Wasserstoff-
-253 °C gespeichert. Der Betriebsdruck be- speicherung auf.
trägt etwa 4 bar. Nachteilig bei dieser Art
der Speicherung sind der Aufwand für die
Wärmeisolierung und die Verdunstungs- 7.2.3 Wasserstoffinfrastruktur
verluste (Boil-off-Effekt) von circa 1 bis Für die Wasserstoffwirtschaft ist die Nut-
3 % der gespeicherten Menge in 24 h. Des zung von H2 im mobilen Bereich derzeit
Weiteren wird etwa 30 % der gespeicher- noch unbedeutend. Das Anwendungs-
ten Energie benötigt, um den Wasserstoff spektrum für Wasserstoff ist in der Chemie-
zu verflüssigen. und Energieindustrie sehr breit gefächert
112 7 Brennstoffzelle

Tabelle 2
Arten der Wasserstoff- 200, 350, 700 bar
Druckwasserstoffspeicher
speicherung < 10 % Energieaufwand

20,4 K (–252,8 °C)


20 l => 1,4 kg H2
Flüssigwasserstoffspeicher
30 % Energieaufwand,
1 bis 3 % Verdampfung
Wasserstoff in Metall, Metallhydrid

Eisen, Titan, Lanthanium (–20 bis 100 °C)


Metallhydridspeicher
NaAl-Verbindungen (100 bis 200 °C)

Magnesium (200 °C)


Kohlenwasserstoffe C8H18, C2H5OH, CH3OH, CH4
Chemisch gebunden, Borax NaBH4 + 2H2O ĺ NaBO2 + 4H2 + Wärme
Graphit-Nano-Speicher

und stetig wachsend. So entwickeln sich Wasserstofferzeugung


ständig neue Anwendungsfelder für Was- Jules Verne schreibt 1874 in seinem Ro-
serstoff als Stoff- und Energielieferant. man „Die geheimnisvolle Insel“: „Das Was-
Als Stoff- und Energiequelle für den ser ist die Kohle der Zukunft. Die Energie
Wasserstoff selbst werden fossile Brenn- von morgen ist das Wasser, das durch elek-
stoffe (Erdöl, Kohle und Erdgas) genutzt. trischen Strom zerlegt worden ist. Die so
Erneuerbare Energiequellen (Wasser-, zerlegten Elemente des Wassers Wasser-
Wind- und Solarenergie) können für die stoff und Sauerstoff werden auf unabseh-
Elektrolyse zur Wasserstofferzeugung ge- bare Zeit hinaus die Energieversorgung der
nutzt werden. H2 kann auch aus Biomas- Erde sichern.“
se hergestellt werden. Außerdem fällt Was- Wasserstoff gilt als Sekundärenergieträ-
serstoff in vielen chemischen Prozessen ger, der genauso wie elektrischer Strom aus
(z. B. Chloralkalielektrolyse) als Nebenpro- anderen Energieträgern hergestellt werden
dukt an. muss. Heute wird Wasserstoff in industri-
Für die verschiedenen Einsatzfälle wird ellen Mengen meist mittels Dampfrefor-
Wasserstoff in drei Zuständen (gasförmig mierung aus Erdgas bzw. anderen fossilen
bei niedrigem Druck (H2), als Druckgas Energieträgern erzeugt oder fällt als Ne-
(CH2) und als Flüssiggas (LH2)) genutzt. benprodukt bei chemischen Prozessen an.
Zudem bestimmen die Einsatzfälle die Geringere Mengen von Wasserstoff wer-
Vielfalt in Produktion, Verteilung, Bereit- den als Elektrolysewasserstoff aus elektri-
stellung und Speicherung. Um den Einsatz scher Energie erzeugt, die wiederum mit-
für den mobilen Bereich voranzutreiben, tels Wind, Sonne, Wasser oder in BHKW
wird diese Vielfalt genutzt, gegebenenfalls aus Biomassegas gewonnen wird. Dieses
angepasst und verändert. Durch Wasser- Produktionsverfahren wird künftig stark
stoff kann Energie grundsätzlich sehr flexi- an Bedeutung gewinnen. Energiepflanzen
bel werden und in seiner Universalität Erd- und biologische Abfälle, kurz Biomasse ge-
öl weitgehend ersetzen. nannt, können über die Schritte Vergasung
7.2 Gesamtsystem im Fahrzeug 113

und Reformierung zur Wasserstofferzeu-


gung genutzt werden. Weitergehende For-
schungen beschäftigen sich mit der Erzeu-
gung von Wasserstoff über Photoelektrolyse
und Fermentation von Biomasse.
Die geplante Wandlung von Wind-
und Sonnenenergie in elektrische Energie
mit zeitlich stark schwankenden Energie-
mengen verlangt eine Pufferung und Spei-
cherung großer Energieüberschüsse. Bei
Wandlung dieser Überschussenergie mit-
tels Elektrolyse in Wasserstoff kann dieser
als Energiespeicher dienen und bedarfs-
gerecht, sowohl regional als auch zeitlich,
Energie zur Verfügung stellen. Bei einem
Brennstoffzellenfahrzeug kann der so er-
zeugte Wasserstoff, e-Hydrogen genannt, regenerativen Strom, der über das Strom- Abb. 11
direkt genutzt werden. Weiterhin kann aus netz zur Tankstelle transportiert wird. Wasserstoffbetan-
H2 und CO2 erneuerbares Methan CH4 Bevor der Wasserstoff dem Fahrzeug kung, Quelle: Daimler
erzeugt werden, und dann in das Erdgas- über eine Zapfpistole (Dispenser) zuge-
netz eingespeist, um zum Beispiel in Erd- führt wird, muss er entsprechend dem
gasmotoren im mobilen Bereich genutzt Tanksystem des Fahrzeugs vorkonditio-
zu werden. Auch die Herstellung flüssiger niert werden, da es Fahrzeuge mit 350 (Bus-
Kraftstoffe aus Wasserstoff und Kohlen- se) oder 700 (Pkw) bar Speicherdruck im
stoffdioxid ist möglich. Tanksystem gibt. Abbildung 11 zeigt die
Betankung eines Wasserstofffahrzeugs. Um
Wasserstoffverteilung und -betankung eine Schnellbetankung im Bereich weniger
Die Betankung eines Brennstoffzellenfahr- Minuten zu ermöglichen, wird der Was-
zeugs unterscheidet sich  – im Gegensatz serstoff auf bis zu –40 °C heruntergekühlt;
zum Aufladevorgang eines Batteriefahr- damit lässt sich eine zu große Erwärmung
zeugs  – in Bezug auf Bedienung und Be- während des Tankens vermeiden; die ge-
tankungsdauer kaum von einem Tankvor- tankte Masse sinkt mit steigender Tempe-
gang für Benzin- oder Dieselfahrzeuge. In ratur. Die Abgabe von flüssigem Wasser-
einer H2-Tankstelle sind die Wasserstoff- stoff hat derzeit keine Bedeutung.
bevorratung, Vorkonditionierung und die Neben den wenigen bestehenden wer-
Wasserstoffabgabe vereint. Der Wasserstoff den zusätzliche Wasserstofftankstellen in
wird vom Hersteller angeliefert. Es gibt je- Deutschland und weltweit aufgebaut oder
doch auch Überlegungen, den Wasserstoff sind in der Planung. Verschiedene Auto-
direkt an der Tankstelle zu erzeugen. Dies mobilhersteller haben sich zusammen-
könnte durch einen Erdgasreformer erfol- geschlossen, um eine uneingeschränkte
gen, der an ein Erdgasnetz angeschlossen H2-Versorgung für die Besitzer von Brenn-
ist. Eine weitere Möglichkeit stellt die Was- stoffzellenfahrzeugen sicherzustellen. Das
serstoffherstellung über Elektrolyse vor Ort ist für eine erfolgreiche Markteinführung
dar. Das kann entweder über eine dezentra- eine notwendige Voraussetzung. Eine flä-
le und autarke Versorgung mit elektrischer chendeckende und ausreichende Wasser-
Energie, beispielsweise mittels Solar- oder stoffversorgung in Deutschland wird mit
Windenergiestrom, geschehen, oder aber mindestens tausend Tankstellen erreicht.
durch den Einsatz von zentral erzeugtem Neben stationären H2-Tankstellen haben
114 7 Brennstoffzelle

auch mobile Tankstellen für die Über- tungen (Tank to Wheel, Wirkungsgrad
gangszeit Bedeutung. Der Aufbau einer des Fahrzeugs) beschrieben werden. Tank
öffentlichen Wasserstoffinfrastruktur für to Wheel beschreibt die Energiewandlung
BZ-Fahrzeuge wird in den kommenden von der Bereitstellung der chemischen
Jahren mit hohen Investitionen verbunden Energie im Tank bis zur kinetischen Ener-
sein. Studien gehen davon aus, dass der gie am Rad. Bei Kraftfahrzeugen mit Ver-
Aufbau einer öffentlichen Batterieladein- brennungsmotor ist der Unterschied zwi-
frastruktur für circa 1 Millionen Batterie- schen Quelle zum Rad (Well to Wheel)
fahrzeuge ähnliche Kosten verursacht wie und Tank to Wheel relativ gering; die Dif-
der Aufbau von 1000 H2-Tankstellen [7]. ferenz liegt bei knapp 20 % bei Diesel- und
Man rechnet mit bis zu 2 Milliarden Euro Benzinkraftstoff. Die Well-to-Tank-Be-
Investitionskosten. Da der Markt für alle trachtung beschreibt den erforderlichen
alternativen Antriebe erst im Entstehen ist, Aufwand, bis der Kraftstoff oder die elekt-
kann weder für elektrischen Strom noch rische Energie im Fahrzeug (Tank oder Bat-
für Wasserstoff ein marktfähiger Preis, terie) verfügbar ist. Die zunehmende Be-
auch unter Berücksichtigung der steuerli- schäftigung mit alternativen Kraftstoffen
chen Belastung, genannt werden. und alternativen Antrieben zeigt, dass die
Tank-to-Wheel-Betrachtungen nicht mehr
Rechtsvorschriften, Standards, Normen ausreichend sind. Eine Gesamtanalyse vom
Die geplanten Serieneinführungen von Bohrloch bis zum Rad (Well to Wheel) ist
BZ-Fahrzeugen erfordern international notwendig. Diese ist hilfreich bei der öko-
anerkannte Rechtsvorschriften, Standards logischen Bewertung von alternativen An-
und Normen [8]. Für Brennstoffzellenfahr- trieben. Sie beschreibt den Energiever-
zeuge wurde das Komitee ISO / TC22 / SC21 brauch für die Erzeugung des Kraftstoffs
ausgewählt, das die Themen: und den Betrieb des Fahrzeugs, aber nicht
™ sicherer Betrieb von Brennstoffzellen- den Aufwand für die Herstellung, Unter-
fahrzeugen haltung, Wartung und Entsorgung des
™ Schutz von Personen gegen elektrische Fahrzeugs. Für diesen Bereich fehlen heute
Gefährdung noch gesicherte Daten für die alternativen
™ Schutz gegen Gefährdung durch Was- Antriebe. Damit ist die Well-to-Wheel-Be-
serstoff in Fahrzeugen mit Druckgasbe- trachtung ein notwendiges, aber nicht aus-
hältern reichendes Kriterium zur Beurteilung neu-
bearbeitet. Des Weiteren befasst sich die er, mobiler Energiewandlersysteme.
SAE mit folgenden Themen: Terminolo- Bei einem rein batteriebetriebenen Elek-
gie, Leistungskennwerte, Verbrauch, Emis- trofahrzeug führt ein Tank-to-Wheel-En-
sionen, Schnittstellen, Sicherheit und Re- ergieverbrauch zu Werten von etwa
cycling. ECE-Regelungen beschäftigen sich 17 kWh/100 km für ein Fahrzeug der Kom-
auch mit der Qualifizierung und Harmo- paktklasse mit keinerlei lokalen Emissionen.
nisierung von Fahrzeugvorschriften. Wei- Es kann aber, je nach Stromerzeugung, bei
tere Institutionen arbeiten an den Normen, einer Well-to-Tank-Betrachtung zu CO2-
Standards und Rechtsvorschriften [8]. Emissionen von 10 g CO2/km bis zu etwa
100 g CO2/km, und deutlich darüber hin-
aus, kommen. Alternative Antriebe führen
7.2.4 Gesamtwirkungsgrad somit nicht zwangsläufig zu einer geringen
Bei der Verwendung von Benzin- und Diesel- CO2-Emission. Dies gilt natürlich auch für
kraftstoffen in Kraftfahrzeugen können der einen Antrieb mit Brennstoffzellen. Mittels
Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emission eines Energiebilanzierung-Programms er-
durch sogenannte Tank-zu-Rad-Betrach- gibt sich für einen Brennstoffzellenantrieb
7.2 Gesamtsystem im Fahrzeug 115

unter Verwendung regenerativ erzeugter einem herkömmlichen Antrieb, im Vor- Abb. 12


elektrischer Energie, Nutzung einer opti- derwagen untergebracht sind, Abb. 13. Die WTW-Bilanz verschie-
malen Elektrolyse und mit Druckwasser- Wasserstofftanks und die Batterie sind im dener Antriebe und
Kraftstoffe, Quelle:
stoff eine CO2-Emission von etwa 10 g/km unteren oder hinteren Fahrzeugbereich an- Daimler AG & JEC
im europäischen Fahrzyklus. Abb. 12. geordnet [10,11]. Die Antriebs- und Fahr- WTW Report 2014
leistungen entsprechen dabei den für den
jeweiligen Fahrzeugtyp gängigen Werten.
7.2.5 Zusammenfassung Technologisch sind diese Fahrzeuge für
Die neuen Brennstoffzellenfahrzeuge auf eine Markteinführung reif [7]. Ziel ist jetzt
dem Markt haben derzeit oft einen Front- vor allem, eine marktfähige Kosten- und
antrieb. Es gibt aber auch Fahrzeuge mit Preissituation zu erreichen.
Heckantrieb. Gemeinsam ist den meisten Der Entwicklungsstand der Brenn-
Fahrzeugen ist, dass das Brennstoffzellen- stoffzellentechnologie wurde durch stetige
Abb. 13
system, der Elektromotor, die Luftversor- und signifikante Verbesserungen in allen Brennstoff-
gung mit Luftbefeuchter sowie die Was- Bereichen erreicht, beispielweise deut- zellenfahrzeug,
serstoffzumessung und Kühlung, ähnlich liche Verbesserung des Wirkungsgrads, Quelle: Daimler AG
116 7 Brennstoffzelle

Verbesserung der Leistungsdichte, Verrin- Literaturhinweise


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höhung der Luftversorgung. Die Einfüh- 2013
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duzierung des Edelmetallbedarfs und eine Wiesbaden: Vieweg, 2003
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einer Kostensituation, die eine Marktfä- stoff- und Brennstoffzelletechnologie
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Markteinführung ist an eine funktionie- systemen für Europa: Eine faktenba-
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für Stück mit einer steigenden Nachfrage C. F. Müller, 2006
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erfolgen. eine PEM-Brennstoffzelle nach dem
Wasserstoff ist ein klimaneutraler Ener- Prinzip eines elektrisch unterstützten
gieträger, der zusammen mit einer Brenn- Turboladers. Osnabrück, Hochschule,
Diplomarbeit, WS 2001/02
stoffzelle und einem Elektroantrieb ein
zukunftsträchtiges Antriebssystem für [10] Schmitz, S.; von Unwerth, T.: Brenn-
Kraftfahrzeuge ist. Der brennstoffzellenba- stoffzelle – Option zur Elektrifizie-
rung der Langstreckenmobilität.
sierte Fahrzeugantrieb wird damit ohne
7. VDI-Tagung Innovative Fahrzeug-
Einschränkungen eine umweltfreundliche antriebe, Dresden, 2010
Mobilität ermöglichen. Neben der mobilen
[11] Mohrdieck, C, Dehn, S.: Das intelli-
Nutzung wird Wasserstoff bei der Energie-
gente Brennstoffzellen-Plug-in-Hy-
speicherung und Energieverteilung immer brid-Antriebssystem des Merce-
mehr an Bedeutung gewinnen. des-Benz GLC F-Cell, ATZ elektronik
04/2019 14. Jahrgang, Springer