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Media Perspektiven 7-8/2019 | 314

womit der Wert auf dem gleichen Niveau wie im


Ergebnisse der repräsentativen Studie Vorjahr liegt (vgl. Abbildung 1). Die größte Tages-
im Intermediavergleich reichweite hat dabei Bewegtbild mit 86 Prozent,
gefolgt von Audio mit 81 Prozent. Knapp die Hälfe
ARD/ZDF- der Befragten (49 %) hat irgendeine Art von Textin-
halt rezipiert, wobei redaktionell gestaltete Texte
Massen­kommunikation gemeint sind. Die Tagesreichweiten bleiben ins­
gesamt fast identisch mit den 2018 erhobenen
Trends 2019: Non-lineare Daten. Auch gibt es bei dieser generellen Betrach-
Mediennutzung nimmt zu tung kaum Unterschiede zwischen der Gesamt-
bevölkerung und der Altersgruppe der 14- bis
Von Beate Frees*, Thomas Kupferschmitt* 29-Jährigen (vgl. Abbildung 2). Sie zeigen sich
und Thorsten Müller** vielmehr in den unterschiedlichen jeweiligen Zu-
gangswegen zu Bewegtbild, Audio und Text.

Auch im Jahr 2019 sind Medien aus dem Alltag der


Menschen nicht wegzudenken. Fast die gesamte Kurz und knapp
deutschsprachige Bevölkerung ab 14 Jahren kommt • Die ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019 verdeutlichen
hierzulande täglich mit Medieninhalten in Kontakt. die Entwicklung zur zeitlich und örtlich ungebundenen Medien-
Die durchschnittliche Nutzungsdauer über alle Me- nutzung.
dien hinweg beträgt sieben Stunden pro Tag, wobei • Insgesamt werden 7 Stunden mit Medieninhalten verbracht,
sich die audiovisuellen Medien deutlich vor den bei den unter 30-Jährigen ca. 6 Stunden.
Textmedien positionieren. Zwar liegen lineares
• Die meiste Zeit entfällt auf Videos sehen und Audios hören.
Fernsehen und Radio weiterhin deutlich in Füh-
rung, es zeigt sich aber vor allem in den jüngeren • In der Gesamtbevölkerung dominiert dabei nach wie vor die
Altersgruppen ein Trend in Richtung zeitversetzter lineare TV- und Radionutzung, nicht jedoch bei den 14- bis
Nutzung und zu Onlineangeboten. 29-Jährigen.
Im dritten Jahr in Folge werden die Ergebnisse • Fernseh- und Radiosendern erwächst zunehmend Konkurrenz
der Studie ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends durch Streamingdienste wie Netflix, Amazon und Spotify sowie
fortgeschrieben. Dies ermöglicht das seit 2017 durch Videoportale wie YouTube.
modular aufgebaute Konzept (1) der Studienreihe
Medien und ihr Publikum mit jährlich erhobenen
Kerndaten der Studie Massenkommunikation. An exakt sieben Stunden pro Tag (420 Min. netto) Jeweils mehr als
nutzen Menschen in Deutschland Medieninhalte drei Stunden täglich
Audiovisuelle und Der vorliegende Beitrag hat die audiovisuelle und (Vorjahreswert: 439 Min.; vgl. Abbildung 3). In der für Audio und Video
textbasierte textbasierte Mediennutzung im Fokus. Der erste Teil Altersgruppe der unter 30-Jährigen beträgt die
Mediennutzung beschreibt im Schwerpunkt die Tagesreichweiten Nutzungsdauer etwa eine Stunde weniger (357
im Fokus der Nutzungsportfolios Video, Audio und Text, wäh- Min., vgl. Abbildung 4). Bewegtbild und Audio hal-
rend sich der zweite Ergebnisteil auf die Verteilung ten sich bei der Nutzungsverteilung in zeitlicher
der Nutzungsdauern im intermedialen Vergleich Hinsicht die Waage: Jeweils etwas mehr als drei
konzentriert. Dabei ist ein Kerngedanke, die linea- Stunden werden in der Gesamtbevölkerung pro Tag
re und non-lineare, also zeitversetzte, Nutzung der mit Bewegtbildern (202 Min.) und Audioinhalten
Medien zu ermitteln und auszuweisen. In den fol- (186 Min.) verbracht, fast eine Stunde entfällt auf
genden Teilen werden, neben dem Studiendesign, die Rezeption von medial vermittelten Texten. Bei
die diversen Mediennutzungsmöglich­keiten im Ta- den unter 30-Jährigen ist die Nutzungsdauer für
gesverlauf detailliert beschrieben. Audio mit 175 Minuten knapp eine halbe Stunde
Der Leistungsvergleich im dualen Rundfunk- höher als die von Bewegtbild mit 151 Minuten. Die
system, der auch im Fragebogen enthalten ist, Nutzung von Texten, zu denen auch Sachtexte in
wird separat dargestellt (vgl. dazu den Beitrag von Schule, Ausbildung und Studium zählen, liegt bei
Christian Breunig und Eva Holtmannspötter in die- den 14- bis 29-Jährigen mit 63 Minuten über dem
sem Heft). Bevölkerungsdurchschnitt.

Tagesreichweiten und Dauer der Mediennutzung Etwa neun von zehn Menschen kommen an einem Fernsehen hat höchste
Fast alle Menschen Praktisch jede Person ab 14 Jahren in Deutschland gewöhnlichen Tag mit medialen Bewegtbildern in Tagesreichweite unter
nutzen täglich kommt mindestens einmal pro Tag mit einem me- Berührung. In der Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren Bewegtbildangeboten
Medienangebote dialen Inhalt in Berührung: 98 Prozent der Befrag- erzielen Fernsehsendungen hier mit 72 Prozent die
ten haben am Vortag Video, Audio oder Text genutzt, größte Reichweite, das heißt, etwa drei von vier
Menschen in Deutschland werden pro Tag von
Fernsehsendungen erreicht, wobei es sich dabei in
der Regel um das Live-Fernsehprogramm handelt,
* ZDF-Medienforschung, das eine Tagesreichweite von rund 67 Prozent auf-
Projektgruppe ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends.
** WDR Medienforschung, weist (vgl. Abbildung 5). Die Reichweite von Fern-
Projektgruppe ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends. sehsendungen, die über die sendereigenen Media-
ARD/ZDF-Massen­k ommunikation Trends 2019: Non-lineare Mediennutzung nimmt zu
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Abb. 1 Mediennutzung: Tagesreichweite 2018 und 2019


Nutzung gestern, Mo-So, 5.00-24.00 Uhr, in %

Mediennutzung gesamt 98
98
Video gesamt 86
84
Audio gesamt 81
81
Text gesamt 49
48
mediales Internet* 41
39 2019 2018

nicht-mediales Internet 62
58

Basis: Deutschspr. Bevölkerung ab 14 Jahren (2019: n=2 000; 2018: n= 2009).

*„Mediales Internet“ fasst die jeweils über das Internet genutzten Kategorien aus Video, Audio und Text
zusammen; diese sind jeweils auch in „Video gesamt“, „Audio gesamt“ und „Text gesamt“ enthalten.

Quelle: ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019.

Abb. 2 Mediennutzung: Tagesreichweite 2019 – Gesamt und 14 bis 29 Jahre


Nutzung gestern, Mo-So, 5.00-24.00 Uhr, in %

Mediennutzung gesamt 98
96
Video gesamt 86
82
Audio gesamt 81
82
Text gesamt 49 Gesamt
44

mediales Internet* 41 14-29 Jahre


78
nicht-mediales Internet 58
85

Basis: Deutschspr. Bevölkerung ab 14 Jahren (n=2 000).

*„Mediales Internet“ fasst die jeweils über das Internet genutzten Kategorien aus Video, Audio und Text
zusammen; diese sind jeweils auch in „Video gesamt“, „Audio gesamt“ und „Text gesamt“ enthalten.

Quelle: ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019.

theken bzw. über YouTube genutzt wurden, liegt in Bei den unter 30-Jährigen haben Bewegtbildinhalte Nicht-lineare
der Gesamtbevölkerung bei rund 5 Prozent. jenseits von Fernsehsendungen die Tagesreichweite Angebote haben bei
Anders sieht es bei den 14- bis 29-Jährigen des Fernsehens überstiegen: 51 Prozent der Be- 14- bis 29-Jährigen
aus: Hier wird an einem Durchschnittstag mit 45 fragten geben an, am Vortag Filme oder Videos höhere Tagesreich-
Prozent nur noch weniger als jeder Zweite über über das Internet gesehen zu haben. Zentral sind weite als lineares TV
Fernsehsendungen erreicht (vgl. Abbildung 6). dabei die Streamingdienste wie Amazon Prime
Zwar ist auch in diesem Alterssegment die lineare Video und Netflix, die ihre Tagesreichweite auf 36
Nutzung des Live-Programms die dominierende Prozent steigern konnten, sowie YouTube und an-
Art fernzusehen – die Tagesreichweite liegt aber dere Videoportale, deren tägliche Reichweite auf
insgesamt nur bei gut einem Drittel (37 %). Knapp 22 Prozent kletterte.
jeder zehnte unter 30-Jährige (9 %) wird pro Tag Auch in der Gesamtbevölkerung gewinnen
mit nicht-linearen Fernsehinhalten über Mediathe- Streamingdienste und Videoportale weiter an Be-
ken und YouTube erreicht, womit die Tagesreich- deutung: Mehr als jeder Fünfte (22 %) hat pro Tag
weite deutlich über dem Wert für die Gesamtbevöl-
kerung (5 %) liegt und gegenüber dem Vorjahr eine
steigende Tendenz aufweist.
Beate Frees/Thomas Kupferschmitt/Thorsten Müller
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Abb. 3 Mediennutzungsdauer 2018 und 2019 Kontakt damit, wobei Netflix und Co. im Vergleich
Nutzung gestern, Mo-So, 5.00-24.00 Uhr, in Min. (netto) zu YouTube auch hier dominieren.

420 Videos über Facebook und andere Social-Media- Videos über Social-
Mediennutzung gesamt Plattformen spielen nach wie vor und über alle Al- Media-Plattformen
439
tersgruppen hinweg eine bemerkenswert geringe spielen geringe Rolle
202 Rolle, die im Widerspruch zu den Videoreichweiten
Video gesamt
200 zu stehen scheinen, die die Plattformen selbst auf
ihren eigenen Seiten veröffentlichen: In der Ge-
186 samtbevölkerung beträgt die Tagesreichweite 4
Audio gesamt
202 Pro­zent – bei den 14- bis 29-Jährigen ist sie mit 5
Prozent kaum höher. Eine der Ursachen für die
54
Text gesamt 2019 Diskrepanz dafür könnte in der Flüchtigkeit der
64 Wahrnehmung von in der Regel eher kurzen Videos
2018
liegen, die selbst im Falle der Nutzung am Folgetag
87
mediales Internet (netto)* seltener erinnert werden als möglicherweise stär-
82
ker habitualisierte und umfangreichere Rezeptio-
117 nen von Inhalten in Form von Live-Fernsehen und
nicht-mediales Internet inkl.
Kommunikation (netto) Videostreaming. Dies gilt auch für die Nebenbei-
140
nutzung von Videos bei Facebook in der Timeline.
Physische Speichermedien wie DVDs und Blu-rays
Basis: Deutschspr. Bevölkerung ab 14 Jahren (2019: n=2 000; 2018: n= 2009).
fristen mit 3 Prozent Tagesreichweite in der Ge-
*„Mediales Internet“ fasst die jeweils über das Internet genutzten Kategorien aus samtbevölkerung ebenso ein Nischendasein wie
Video, Audio und Text zusammen; diese sind jeweils auch in „Video gesamt“, aufgenommene Sendungen (2 %).
„Audio gesamt“ und „Text gesamt“ enthalten.
Bei der gezielten Frage nach der Häufigkeit der Non-lineare Bewegt-
Quelle: ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019.
Nutzung der verschiedenen Bewegtbildformen – bildnutzung nimmt in
nicht zu verwechseln mit der Tagesreichweite, die junger Zielgruppe zu
aus den Tagesablaufdaten stammt – wird die zu-
nehmende Bedeutung der nicht-linearen Nutzung –
Abb. 4 Mediennutzungsdauer 2019 – Gesamt und 14 bis 29 Jahre sowohl in Bezug auf originäre Fernsehinhalte als
Nutzung gestern, Mo-So, 5.00-24.00 Uhr, in Min. (netto) auch auf sonstige Filme und Videos – deutlich,
insbesondere bei den Jüngeren. In der Gesamtbe-
420 völkerung bestätigen im Interview vier von fünf
Mediennutzung gesamt
357 Menschen (82 %), dass sie das Live-Fernsehpro-
202 gramm mindestens einmal pro Woche nutzen. Bei
Video gesamt
151 den unter 30-Jährigen liegt der Anteil bei knapp
60 Prozent. Eine umso größere Rolle spielt hier
186 aber die nicht-lineare Nutzung von Fernsehinhal-
Audio gesamt
175 ten: Zwei Drittel der unter 30-Jährigen geben an,
54 mindestens einmal pro Woche zeitversetzt fernzu-
Text gesamt Gesamt
63
sehen, was bedeutet, dass in dieser Altersgruppe
14-29 Jahre die Häufigkeit der nicht-linearen Nutzung die line-
mediales Internet (netto)* 87 are bereits überholt hat. Die Gesamtbevölkerung
201 ist davon zwar entfernt, aber auch hier liegt der
nicht-mediales Internet inkl. 117 Anteil derer, die mindestens einmal pro Woche
Kommunikation (netto) Fernseh­inhalte auf nicht-linearem Wege konsu-
220
mieren, bei mehr als einem Drittel (35 %).
Noch häufiger als zeitversetzte Fernsehsendun-
Basis: Deutschspr. Bevölkerung ab 14 Jahren (n=2 000). gen schauen die unter 30-Jährigen Filme und Vi-
deos auf Videoplattformen wie YouTube (70 %
*„Mediales Internet“ fasst die jeweils über das Internet genutzten Kategorien aus
Video, Audio und Text zusammen; diese Kategorien sind jeweils auch in „Video geben an, dies mindestens einmal pro Woche zu
gesamt“, „Audio gesamt“ und „Text gesamt“ enthalten. tun) oder über Streamingdienste, wo der Anteil
sogar bei 75 Prozent liegt. In der Gesamtbevölke-
Quelle: ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019. rung gibt jeweils jeder Dritte an, mindestens wö-
chentlich Bewegtbildinhalte über Plattformen wie
YouTube oder Streamingdienste zu nutzen. Bei der
Frequenzabfrage kommen auch die Drittplattfor-
men stärker zur Geltung als bei der Tagesreich-
weite: Mehr als die Hälfte der unter 30-Jährigen
(51 %) und etwa jeder Vierte in der Bevölkerung
gesamt (24 %) sagen, dass sie mindestens einmal
pro Woche Bewegtbildinhalte darüber nutzen.
ARD/ZDF-Massen­k ommunikation Trends 2019: Non-lineare Mediennutzung nimmt zu
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Abb. 5 Videonutzung: Tagesreichweite 2018 und 2019


Nutzung gestern, Mo-So, 5.00-24.00 Uhr, in %

Fernsehsendungen (netto) 72
74
Fernsehsendungen zum Zeitpunkt der Ausstrahlung ansehen 67
71
aufgenommene Fernsehsendungen ansehen 2
3
Fernsehsendungen zeitversetzt im Internet ansehen 5
4
Filme oder Videos bei Streamingdiensten ansehen 14
11
Filme oder Videos auf Videoportalen anschauen 7 2019
6
4 2018
Filme oder Videos auf anderen Portalen im Internet anschauen
3
gekaufte oder geliehene Videos auf DVD oder Blu-ray anschauen 3
2

Basis: Deutschspr. Bevölkerung ab 14 Jahren (2019: n=2 000; 2018: n= 2009).

Quelle: ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019.

Abb. 6 Videonutzung: Tagesreichweite 2019 – Gesamt und 14 bis 29 Jahre


Nutzung gestern, Mo-So, 5.00-24.00 Uhr, in %

72
Fernsehsendungen (netto)
45
Fernsehsendungen zum Zeitpunkt der Ausstrahlung ansehen 67
37
aufgenommene Fernsehsendungen ansehen 2
2

Fernsehsendungen zeitversetzt im Internet ansehen 5 Gesamt


9
14 14-29 Jahre
Filme oder Videos bei Streamingdiensten ansehen
36

Filme oder Videos auf Videoportalen anschauen 7


22

Filme oder Videos auf anderen Portalen im Internet anschauen 4


5
gekaufte oder geliehene Videos auf DVD oder Blu-ray anschauen 3
5

Basis: Deutschspr. Bevölkerung ab 14 Jahren (n=2 000).

Quelle: ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019.

Lineares Fernsehen In der Gesamtbevölkerung entfällt mit mehr als Teil der Zeit insgesamt entfällt aber auf nicht-line-
dominiert klar in der drei Vierteln (76 %) der Löwenanteil der Bewegt- are Nutzungsformen, insbesondere auf die Rezep-
Gesamtbevölkerung bildnutzungsdauer auf die Rezeption von linearem tion von Inhalten der Streaminganbieter: Dort ver-
Fernsehen. Mit deutlichem Abstand dahinter fol- bringen die 14- bis 29-Jährigen genauso viel Zeit
gen Streamingdienste, auf die rund 10 Prozent der wie mit linearem Fernsehen (34 %). Hinzu kommen
Nutzung entfallen. Videoplattformen haben einen Videoplattformen und Mediatheken, die zusammen
Anteil von 5 Prozent, Mediatheken und Social- ein weiteres Viertel der Nutzungsdauer (25 %) aus-
Media-Plattformen jeweils 3 Prozent. Die Vertei- machen.
lung der Nutzungsdauern bei den unter 30-Jähri-
gen unterscheidet sich von der Gesamtbevölke-
rung sehr deutlich: Hier spielt zwar das lineare
Fernsehen mit einem Anteil von 33 Prozent der Be-
wegtbildnutzung immer noch eine Rolle, der größte
Beate Frees/Thomas Kupferschmitt/Thorsten Müller
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Abb. 7 Nutzungsdauer Video 2019


Nutzung gestern, Hierarchie der Zugangsmöglichkeiten, Personen ab 14 Jahren/14 bis 29 Jahre, in Min.

netto: Video gesamt


202 / 151

DVDs/
netto: Fernsehen gesamt netto: Video/Film online
Blu-rays
165 / 68 36 / 81
3/6

TV-
Sendungen Selbst/ andere Mediatheken, Streaming- Videoportale Newsportale,
zum aufge- YouTube Facebook
dienste YouTube
Ausstrah- nommene
lungs- Sendung u. a. u. a. Portale
Netflix u.a.
zeitpunkt 3/4 6 / 12 9 / 27 7/3
157 / 52 21 / 53

Basis: Deutschspr. Bevölkerung ab 14 Jahren (n=2 000).

Quelle: ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019.

Je jünger, Interessant ist hier der Blick auf die jeweiligen An- Tablets (14 %) und Laptops (11 %). YouTube-Videos
desto höher der teile von linearer und nicht-linearer Bewegtbild- werden in der Gesamtbevölkerung im Schnitt nur
Nutzungsanteil nutzung in den verschiedenen Altersgruppen, die zu 20 Prozent über Fernsehgeräte angeschaut –
von Abrufinhalten den Zusammenhang zwischen Alter und Nutzungs- wichtiger sind in der Summe jedoch Smartphones
verteilung belegen: Je jünger die Menschen sind, (30 %) und Laptops (24 %).
desto höher ist der Anteil der Zeit, die sie mit Ab-
rufinhalten verbringen (vgl. Abbildung 7). Bei den Im Verlauf eines durchschnittlichen Tages kom- Jeder vierte unter
ab 70-Jährigen beträgt der nicht-lineare Anteil men mehr als 80 Prozent der Bevölkerung mit Au- 30-Jährige hört min-
gerade einmal 8 Prozent, bei den 50- bis 69-Jäh- dioinhalten in Kontakt. Live-Radiohören ist dabei destens einmal pro
rigen ist er mit 11 Prozent nicht wesentlich höher. über alle Altersgruppen hinweg das Nutzungssze- Woche zeitversetzt
Bei den 30- bis 49-Jährigen entfällt bereits ein Vier- nario mit der höchsten Reichweite, wenn auch auf Radio oder Podcasts
tel der Zeit, die mit Bewegtbildnutzung verbracht unterschiedlichen Niveaus, insbesondere was die
wird, auf On-demand-Angebote – bei den 14- bis Hörgewohnheiten der 14- bis 29-Jährigen angeht.
29-Jährigen sogar mehr als zwei Drittel (67 %). Mit dem laufenden Radioprogramm werden nach
den Daten der Studie Massenkommunikation Trends
Lineares TV wird Der Fernseher ist in der Gesamtbevölkerung das 2019 pro Tag 70 Prozent der ab 14-Jährigen in
fast ausschließlich dominierende Gerät, um lineares Fernsehen zu Deutschland erreicht (vgl. Abbildung 8). 85 Prozent
am Fernsehgerät schauen: 99 Prozent der Nutzung (berechnet über geben laut Frequenzabfrage an, mindestens einmal
geschaut die anteilige Nutzungsdauer aus der Tagesablauf- pro Woche Radio zu hören. Bei den 14- bis 29-Jäh-
erhebung) erfolgt darüber – bei den aufgenommen rigen liegt die Tagesreichweite des linearen Radios
Sendungen ist der Anteil mit mehr als 90 Prozent an einem Durchschnittstag bei 50 Prozent (vgl.
nur unwesentlich kleiner. Auch die Inhalte der Abbildung 9), die mindestens wöchentliche Nut-
Streamingdienste werden überwiegend (66 %) wie zung beträgt laut Frequenzabfrage in dieser Alters­
klassisches Fernsehen genutzt – nur ein Viertel der gruppe 72 Prozent, was deutlich macht, dass
Nutzung erfolgt über Smartphones oder Laptops. Radio für den überwiegenden Teil der Bevölkerung
Beim linearen Fernsehen unterscheidet sich die weiterhin eine wichtige Rolle spielt, die Nutzung
Gerätepräferenz der unter 30-Jährigen kaum von für viele Jüngere aber weniger stark habitualisiert
denen der älteren Befragten – anders sieht es je- ist im Sinne einer täglichen Nutzungsroutine.
doch bei den Streamingdiensten aus: Hier entfällt Die zeitversetzte Radionutzung bzw. das Hören
bei den 14- bis 29-Jährigen weniger als die Hälfte von Podcasts schlägt in der Tagesreichweite mit
der Nutzungszeit auf das Fernsehgerät – der über- deutlich geringeren Werten zu Buche als die des
wiegende Teil der Nutzung verteilt sich auf ver- Live-Hörens: In der Gesamtbevölkerung kommen
schiedene Endgeräte, wobei das Smartphone mit damit pro Tag 3 Prozent in Kontakt. Doppelt so
23 Prozent die größte Bedeutung hat, gefolgt von viele sind es bei den unter 30-Jährigen, von denen
immerhin 6 Prozent erreicht werden. In der Regel
handelt es sich bei den Nutzern, die mit Podcasts
bzw. zeitversetzt mit Radioinhalten in Kontakt
ARD/ZDF-Massen­k ommunikation Trends 2019: Non-lineare Mediennutzung nimmt zu
319 | Media Perspektiven 7-8/2019

Abb. 8 Audionutzung: Tagesreichweite 2018 und 2019


Nutzung gestern, Mo-So, 5.00-24.00 Uhr, in %

71
Radio hören (netto) 73
70
Radio hören live, zum Ausstrahlungszeitpunkt
71
3
Podcasts oder Radiosendung zeitversetzt im Internet hören 3
Musik über d. Internet hören, z.B. bei Spotify oder YouTube 13 2019
(netto) 12
10 2018
Musik über Streamingdienste, wie z.B. bei Spotify

4
Musik über YouTube

11
Musik auf CDs/Schallplatte/MP3 hören
12

Hörbücher auf CDs/Schallplatte/MP3 hören 3


3

Basis: Deutschspr. Bevölkerung ab 14 Jahren (2019: n=2 000; 2018: n= 2009). Musik über Streamingdienste oder
YouTube erst ab 2019 als separate Kategorien; 2018: „Musik über das Internet, z.B. über Spotify oder über YouTube“

Quelle: ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019.

Abb. 9 Audionutzung: Tagesreichweite 2019 – Gesamt und 14 bis 29 Jahre


Nutzung gestern, Mo-So, 5.00-24.00 Uhr, in %

71
Radio hören (netto) 52
70
Radio hören live, zum Ausstrahlungszeitpunkt
50
3
Podcasts oder Radiosendung zeitversetzt im Internet hören
6
13
Musik über d. Internet hören, z.B. bei Spotify oder YouTube (netto) 38
10
Musik über Streamingdienste, wie z.B. bei Spotify 30
4
Musik über YouTube
12 Gesamt
11
Musik auf CDs/Schallplatte/MP3 hören 14- bis 29-Jährige
20

Hörbücher auf CDs/Schallplatte/MP3 hören 3


4

Basis: Deutschspr. Bevölkerung ab 14 Jahren (n=2 000). Musik über Streamingdienste oder YouTube erst ab 2019
als separate Kategorien; 2018: „Musik über das Internet, z.B. über Spotify oder über YouTube“

Quelle: ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019.

kommen, um Menschen, die auch Live-Radiopro- frage noch klarer: Jeder Vierte von ihnen (25 %)
gramme hören, sodass die Netto-Tagesreichweite nutzt diese Form von Inhalten mindestens einmal
für lineare und zeitversetzte Radioinhalte bzw. Po- pro Woche – ein annähernd doppelt so hoher Anteil
dcasts insgesamt nur unwesentlich höher ist als wie in der Gesamtbevölkerung, in der dies nur für
die Tagesreichweite des Live-Radiohörens alleine. 14 Prozent zutrifft.
Die deutlich höhere Affinität der 14- bis 29-Jäh-
rigen zu Podcasts zeigt sich bei der Frequenzab-
Beate Frees/Thomas Kupferschmitt/Thorsten Müller
Media Perspektiven 7-8/2019 | 320

Abb. 10 Nutzungsdauer Audio 2019


Nutzung gestern, Hierarchie der Zugangsmöglichkeiten, Personen ab 14 Jahren/14 bis 29 Jahre, in Min.

netto: Audio gesamt


186 / 175

netto: Radio gesamt netto: Musik/Hörbücher


151 / 82 36 / 99

Musik über Streamingdienste wie


Spotify oder Plattformen wie YouTube
Hörbücher
Radio gehört 23 / 73 Musik auf oder
Zeitversetzt
zum CD, MP3, Hörspiele auf
Radiosendungen
Ausstrahlungszeit- Download CD, MP3,
Podcasts
punkt Download
3/6 Musik über 12 / 23
149 / 78 Musik über
Streaming- 2/3
YouTube
dienste
5 / 17
18 / 58

Basis: Deutschspr. Bevölkerung ab 14 Jahren (n=2 000).

Quelle: ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019.

Musik hören hat bei Das individuelle Hören von Musik ist – jenseits des bis 49-Jährigen spielt Musik über YouTube mit 3
14- bis 29-Jährigen Radios – die zweitwichtigste Form der Nutzung Prozent Tagesreichweite eine wesentlich geringe-
hohe Bedeutung von Audioinhalten: Im Durchschnitt wird knapp re Rolle als die von Musikstreamingdiensten, die
jeder vierte ab 14-Jährige (22 %) an einem durch- auf 11 Prozent kommen. Musikinhalte, die nicht
schnittlichen Tag mit Musik erreicht. Dass die Mu- unmittelbar während der Rezeption über das Inter-
sikaffinität in den jüngeren Altersgruppen stärker net gestreamt werden, sondern physikalisch beim
ausgeprägt ist als bei Älteren, ist kein neuer empi- Nutzer in Form von CDs, Schallplatten oder ande-
rischer Befund – erwähnenswert ist jedoch, dass ren Speichermedien liegen, verzeichnen insgesamt
das Musikhören bei den unter 30-Jährigen mit eine Tagesreichweite von nur 10 Prozent – bei den
einer Tagesreichweite von aktuell 53 Prozent auf 14- bis 29-Jährigen ist sie mit 20 Prozent doppelt
Augenhöhe mit dem Radiohören liegt, das in dieser so hoch und gegenüber dem Vorjahr stabil.
Altersgruppe eine Reichweite von 52 Prozent er- Betrachtet man die wenigstens wöchentliche
zielt. Dabei bestätigt sich die zentrale Rolle des Nutzung von Musik aus dem Netz, wird deren Be-
Internets, das hier insgesamt ein fast identisches deutung, insbesondere bei den jüngeren Befrag-
Niveau erreicht wie im Vorjahr (38 %). ten, noch deutlicher. Insgesamt geben aktuell rund
In der letztjährigen Studie Massenkommunika- 42 Prozent aller Befragten an, mindestens einmal
tion Trends erfolgte die Abfrage der Musiknutzung pro Woche Musikinhalte zu streamen. Das ist ge-
über YouTube und über Streamingdienste noch genüber der Erhebung im Vorjahr eine Steigerung
mittels einer gemeinsamen Kategorie – in der ak- um 9 Prozentpunkte. Noch bemerkenswerter ist,
tuell vorliegenden Studie für 2019 wurde hingegen dass fast jeder unter 30-Jährige (90 %) für sich
eine Differenzierung zwischen den beiden Zugangs- reklamiert, mindestens einmal pro Woche Musik
wegen vorgenommen, sodass eine separate Aus- über Streamingdienste (59 %) oder über YouTube
weisung der Nutzung möglich ist. Demnach haben (66 %) zu hören.
Streamingdienste eine deutlich größere Bedeutung
beim Hören von Musik im Netz als YouTube: In der Aus der Rekonstruktion des Tagesablaufs auf Basis Audio-Nutzungs­
Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren liegt die Tages- des Viertelstunden-Intervall-Schemas ergibt sich dauern im Vergleich
reichweite von Spotify, Amazon Prime Music und insgesamt eine Audio-Nutzungsdauer von etwa zum Vorjahr
anderen Streamingdiensten bei 10 Prozent, die drei Stunden (186 Min.) (vgl. Abbildung 10) und
von Musikinhalten über YouTube nur bei 4 Prozent. damit etwas weniger als vor einem Jahr, als noch
Viel intensiver wird Musik aus dem Internet von etwa eine Viertelstunde pro Tag länger gehört
den musikaffinen unter 30-Jährigen genutzt: Knapp wurde. Der beschriebene Rückgang ist in starkem
jeder Dritte (30 %) hört an einem Durchschnittstag Maße auf die reduzierte Nutzungsdauer bei den
Musik über Streamingdienste, etwa jeder Achte 14- bis 29-Jährigen zurückzuführen, deren Audio-
(12 %) nutzt dafür YouTube. Bei den ab 50-Jähri- nutzung in der aktuellen Studie mit 175 Minuten
gen ist die Tagesreichweite marginal. Bei den 30- erfasst wurde und damit insgesamt 43 Minuten
unter dem Vorjahreswert liegt. Vor allem der Rück-
gang der Live-Radionutzung um mehr als eine
halbe Stunde auf aktuell 78 Minuten lässt sich an-
ARD/ZDF-Massen­k ommunikation Trends 2019: Non-lineare Mediennutzung nimmt zu
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hand anderer Studien wie der ma Radio zwar in Abb. 11 Textnutzung: Tagesreichweite 2018 und 2019
der Tendenz, aber nicht in diesem Ausmaß bestäti- Nutzung gestern, Mo-So, 5.00-24.00 Uhr, in %
gen, sodass es sich hier möglicherweise um einen
Methodeneffekt in der Studie Massenkommunika- Artikel oder Berichte in gedruckten 24
Zeitungen oder Zeitschriften 24
tion Trends handeln könnte. Bei der ausführlichen
Prüfung der Methode wurde festgestellt, dass die 12
gedruckte Bücher
12
Strukturdaten der Stichproben 2018 und 2019
zwar übereinstimmen, aber die Ausschöpfung bei Artikel oder Berichte digital im 20
Internet 2019
den 14- bis 29-Jährigen in diesem Jahr etwas ge- 19
ringer ist, sodass der Gewichtungsfaktor in dieser E-Books 2 2018
Altersgruppe höher liegt. 3

Lineares Radiohören Die Binnenverteilung der Audio-Nutzungsdauer, die Basis: Deutschspr. Bevölkerung ab 14 Jahren (2019: n=2 000; 2018: n= 2009).
und Online-Audio­ sich aus den erhobenen Daten ergibt, weist in der
nutzung liegen in Gesamtbevölkerung für das Hören von Live-Radio Quelle: ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019.
junger Zielgruppe einen Anteil von knapp 80 Prozent aus. Gegenüber
gleichauf dem linearen Radiohören, das oft über längere
Strecken erfolgt, fällt der Anteil für das Hören von
zeitversetztem Radio und Podcasts mit einem An- gen unterscheiden sich bei der Netto-Tagesreich-
teil von 2 Prozent deutlich geringer aus. Musik über weite von Texten mit 44 Prozent kaum von der
Streamingdienste nimmt 10 Prozent der Nutzungs- Gesamtbevölkerung (vgl. oben Abbildung 2). Deut-
dauer ein, gefolgt von Musik-CDs, Schallplatten- liche Differenzen werden jedoch sichtbar bei der
und MP3-Dateien, auf die in der Summe 6 Prozent Differenzierung nach digitalen und gedruckten In-
entfallen und die damit einen größeren zeitlichen halten. Die Tagesreichweite von digitalen Texten,
Umfang einnehmen als das Musikhören über You- zu denen sowohl die Inhalte auf Websites und
Tube mit 3 Prozent. Die Fokussierung auf die 14- Apps als auch auf Social-Media-Plattformen gehö-
bis 29-Jährigen zeigt – unter Berücksichtigung ren, weicht bei den jüngeren Nutzern deutlich ab:
des weiter oben formulierten methodischen Vorbe- Während digitale Texte an einem durchschnittlichen
halts – einen deutlich höheren zeitlichen Anteil der Tag insgesamt von 20 Prozent der Bevölkerung
Streamingdienste an der gesamten Audio-Nut- genutzt werden (2018: 19 %, vgl. Abbildung 11)
zungsdauer: Demnach entfällt bereits ein Drittel sind es bei den unter 30-Jährigen 32 Prozent
(32 %) der Audionutzung auf Anbieter wie Spotify (2018: 27 %, vgl. Abbildung 12). Dazu trägt vor
und Amazon Prime. Hinzu kommen 9 Prozent für allem die unterschiedlich starke Nutzung von Tex-
Musikhören über YouTube und 3 Prozent für Pod- ten auf Social-Media-Plattformen bei: Jeder fünfte
casts und zeitversetztes Radio. Damit liegen linea- 14- bis 29-Jährige wird pro Tag über Texte bei
res Radiohören und die Nutzung von Audioinhalten ­Facebook und anderen Plattformen erreicht – in
aus dem Netz in Bezug auf den zeitlichen Umfang der Gesamtbevölkerung aber weniger als jeder
bei den unter 30-Jährigen gleichauf. Die restlichen Zehnte. Deutlich ähnlicher ist die Nutzung von Tex-
14 Prozent entfallen bei ihnen auf Musik- oder ten auf Websites und in Apps, wo zwischen den
Hörspiel-CDs sowie Schallplatten und MP3-Files. Reichweiten in der Gesamtbevölkerung (10 %) und
den unter 30-Jährigen (12 %) nur ein geringer Un-
Audio-Gerätenutzung Das Live-Radioprogramm wird zum allergrößten Teil terschied besteht.
(90 %) über UKW- bzw. DAB+ Endgeräte genutzt.
Der Rest verteilt sich auf WLAN-Radios (5 %) und Sehr viel deutlicher sind die Unterschiede zwi- Nur noch jeder
andere Endgeräte. Bei Podcasts und zeitversetztem schen den Altersgruppen aber in Bezug auf die Zwanzigste unter
Radiohören ist das Smartphone das wichtigste Tagesreichweiten von gedruckten Zeitschriften und 30 Jahren nutzt
Gerät, auf das drei Viertel der Nutzung entfallen. Zeitungen: Während insgesamt noch jeder Vierte ­gedruckte Presse
Ähnlich sieht es bei den Musik-Streamingdiensten darüber pro Tag erreicht wird, ist es bei den unter
aus, bei denen zwei Drittel der Nutzung über das 30-Jährigen nur noch einer von zwanzig. Bei den
Smartphone erfolgen, deutlich vor PC/Laptop mit gedruckten Büchern liegt die Tagesreichweite in
15 Prozent und Tablets mit 10 Prozent. Auch Musik der jungen Altersgruppe auf dem gleichen Niveau
auf YouTube wird zumeist über das Smartphone wie bei der Gesamtbevölkerung, was insbesonde-
gehört, gefolgt von PC/Laptop und dem TV-Gerät. re auf die Nutzung von gedruckten Büchern im
Rahmen von Schule, Ausbildung und Studium zu-
Junge Menschen Als dritte Wahrnehmungsdimension neben dem rückzuführen sein dürfte. E-Books spielen nach
lesen Texte vor allem Sehen und Hören wird in der Studie Massenkom- wie vor eher eine Nebenrolle.
digital munikation Trends auch das Lesen von Texten er- Hinsichtlich der mindestens wöchentlichen Nut-
fasst, wobei hier redaktionell erstellte Inhalte ge- zung von Texten stehen in der Gesamtbevölkerung
meint sind und nicht die Gesamtheit aller Textinfor- die gedruckte Zeitung bzw. Zeitschrift an erster
mationen. Demnach liest rund jeder zweite Befragte Stelle: Sie werden von fast zwei Dritteln gelesen,
(49 %) pro Tag mindestens einen solchen Inhalt, bei den unter 30-Jährigen immerhin noch von
womit der Wert fast identisch ist mit dem des Vor-
jahres (vgl. oben Abbildung 1). Die unter 30-Jähri-
Beate Frees/Thomas Kupferschmitt/Thorsten Müller
Media Perspektiven 7-8/2019 | 322

Abb. 12 Textnutzung: Tagesreichweite – Gesamt und 14 bis 29 Jahre


Nutzung gestern, Mo-So, 5.00-24.00 Uhr, in %

Artikel oder Berichte in gedruckten Zeitungen 24


oder Zeitschriften 5
12
gedruckte Bücher
12

Artikel oder Berichte digital im Internet 20 Gesamt


32

E-Books 2 14-29 Jahre


1

Basis: Deutschspr. Bevölkerung ab 14 Jahren (n=2 000).

Quelle: ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019.

Abb. 13 Nutzungsdauer Text 2019


Nutzung gestern, Hierarchie der Zugangsmöglichkeiten, Personen ab 14 Jahren/14 bis 29 Jahre, in Min.

netto: Text gesamt


54 / 63

netto: netto:
Artikel oder Berichte Bücher
41 / 51 14 / 13

digital im Internet
Gedruckt auf Websites, Apps und
gedruckt als E-Book
in Zeitung/Zeitschrift Social-Media-
Plattformen 12 / 12 2/1
15 / 2
25 / 49

Basis: Deutschspr. Bevölkerung ab 14 Jahren (n=2 000).

Quelle: ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019.

knapp der Hälfte (46 %). Wesentlich häufiger ge- Radio) liegen mit 42 bzw. 38 Minuten in etwa
nutzt werden von ihnen jedoch die digitalen Artikel gleichauf – die digitale Textnutzung rangiert mit 28
und Berichte in Apps oder Websites (78 %). Inte­ Minuten dahinter (vgl. hierzu auch die Abbildungen
ressant ist außerdem, dass fast zwei Drittel min- 7, 10 und 13). Bei den unter 30-Jährigen, die sel-
destens wöchentlich redaktionelle Beiträge über tener und kürzer klassisch fernsehen, Radio hören
Social Media und andere Drittplattformen lesen. und Printerzeugnisse lesen, ist die Zeit, die im Netz
Die durchschnittliche Nutzungsdauer von Texten verbracht wird, um ein Vielfaches höher: An knapp
pro Tag beträgt insgesamt etwas weniger als eine dreieinhalb Stunden pro Tag (201 Min.) werden
Stunde (54 Min.) in der Gesamtbevölkerung bzw. mediale Inhalte über das Internet genutzt (vgl.
etwas mehr (63 Min.) bei den unter 30-Jährigen oben Abbildung 4): Jeweils rund eineinhalb Stun-
(vgl. Abbildung 13). Bei ihnen entfällt fast die Hälfte den Bewegtbilder (93 Min.) und Audioinhalte (83
der Zeit alleine auf Artikel oder Berichte auf Social- Min.) sowie knapp eine Stunde mit digitalen Texten
Media-Plattformen. (51 Min.).

Fast 3,5 Stunden Für sich betrachtet verbringen Personen ab 14 Jah- Studienkonzept
­mediale Internet­ ren durchschnittlich fast eineinhalb Stunden (87 Die Methode und das Studienkonzept der ARD/ZDF- Repräsentative
nutzung bei den Min.) pro Tag mit medialen Inhalten aus dem Netz Massenkommunikation Trends blieben im Wesent- Bevölkerungsumfrage
14- bis 29-Jährigen (vgl. oben Abbildung 3). Video- (ohne Fernseh- lichen unverändert (vgl. Tabelle 1). Die Studie
Livestreaming) und Audioinhalte (ohne lineares wurde vom 28. Januar bis 12. April 2019 als tele-
fonische Befragung mit insgesamt 2 000 Fällen
durchgeführt. Wie in den Vorjahren wurde die Be-
ARD/ZDF-Massen­k ommunikation Trends 2019: Non-lineare Mediennutzung nimmt zu
323 | Media Perspektiven 7-8/2019

Tab. 1 Methodensteckbrief der Studie Massenkommunikation Trends 2019

Stichprobenverfahren ADM Auswahlgrundlage für Telefonfestnetzstichproben


ADM Auswahlgrundlage für Mobilstichproben
Dual-Frame-Verhältnis 60 % Festnetz-Stichprobe
40 % Mobilfunk-Stichprobe
Erhebungsverfahren CATI
Interviewdauer 24,5 Minuten Festnetz-Stichprobe
25,5 Minuten Mobilfunk-Stichprobe
Feldarbeit 28.1.-12.4.2019
190 Interviewer
Realisierte Interviews n=2 000
Auswahlgrundlage: Festnetz n=1 169, Mobilfunk n=831
Gewichtung Außenvorgabe: ma Tranche Radio 2019 I
Matrizen: Alter x Geschlecht, Alter x Bildung, Bildung, Bundesland, BIK,
Haushaltsgröße, Wochentag des Interviews
Quelle: ARD/ZDF-Projektgruppe „Massenkommunikation Trends/Medien und ihr Publikum“.

fragung auf unterschiedliche Wochentage verteilt. Dieser Kernbestand wird alle fünf Jahre um wei-
Das Verhältnis Festnetz- zur Mobilfunk-Stichprobe tere Fragen wie beispielsweise zur Zukunft der
liegt, analog zu den Vorjahren, 60 zu 40. Mit der Medien, zu Nutzungsmotiven und zur differenzier-
Mobilfunk-Stichprobe hat man vor allem die 20- bis ten Bewertung der Medien ergänzt und weiterhin
29-Jährigen besser erreicht. Je ausgewählter Tele- in der bewährten Fünfjahresfrequenz unter der
fonnummer wurden bis zu zehn Kontaktversuche Bezeichnung „ARD/ZDF-Massenkommunikation
unternommen. Dies entspricht den Auswahl- und Langzeitstudie“ erhoben und veröffentlicht. Zu-
Qualitätskriterien für Stichprobenverfahren des letzt 2015, wird die Langzeitstudie wieder 2020
Arbeitskreises Deutscher Marktforschungsinsti- durchgeführt und schreibt das Mediennutzungs-
tute e.V. (ADM). Die Studie ist repräsentativ für die verhalten in der Bevölkerung von mittlerweile über
deutschsprachige Bevölkerung ab 14 Jahren. 50 Jahren fort.

Modulares Das Studienkonzept ist modular aufgebaut und er- Charakteristisch für die Massenkommunikation Schwerpunkte
Studiendesign laubt somit eine Flexibilität für vielfältige Themen- Trends ist für die Mediennutzungsdaten die Aufhe- und Methodik der
blöcke. Über den Kern und feststehende Fusions- bung der „klassischen“ Mediengattungen Fernse- Studie Massen­
fragen können beliebige Module angedockt wer- hen, Radio, Print und Internet zugunsten der grund- kommunikation
den. Herzstück des Konzeptes und damit gesetzt legenden Wahrnehmungsdimensionen Video, Audio, Trends
sind die jährliche Studie ARD/ZDF-Massenkommu- Text sowie nicht-mediales Internet. Das generische
nikation Trends, die auf den Basisfragen der bisheri- Internet, zu dem unter anderem Onlinegames,
gen ARD/ZDF-Massenkommunikation Langzeitstu- Shopping und Suchmaschinennutzung zählen, wird
die aufsetzt, sowie die ebenfalls jährliche ARD/ZDF- in der ARD/ZDF-Onlinestudie detaillierter betrachtet.
Onlinestudie, die als Modul angeschlossen ist. Der
Vorteil dieser Struktur liegt in der Kontinuität der Ein weiteres Charakteristikum dieser Studie ist der Tagesablauf in
Datenlieferung, sodass mittlerweile jährlich Grund- Tagesablauf („Day-After-Recall“): Die Studienteil- 15-Minuten-
lagendaten zum Intermediavergleich sowie zu Ent- nehmer gehen im Interview den Ablauf des Vortages Intervallen erfasst
wicklungen im Onlinemarkt zur Verfügung gestellt durch, wobei der Zeitraum auf die Zeit zwischen
werden. 5.00 Uhr morgens und Mitternacht begrenzt bleibt.
Dabei werden vielfältige Alltagsaktivitäten der Be-
„ARD/ZDF-Massen- Bis 2015 wurden die Daten der Studie Massen- fragten erfasst – unabhängig davon, ob es sich um
kommunikation kommunikation mit dem Fokus auf intermediale Mediennutzung handelt oder sonstige Alltagstätig-
Trends“ und Vergleiche nur alle fünf Jahre erhoben. Seit 2017 keiten – und vom Interviewer in einem Viertelstun-
„ARD/ZDF-Massen- werden zentrale Ergebnisse jährlich als quantitative den-Raster dokumentiert. Diese Methodik ermög-
kommunikation Daten zur Mediennutzung und Bewertung der Me- licht sowohl die Ausweisung von Tagesreichweiten
Langzeitstudie“ dien unter dem Label „ARD/ZDF-Massenkommu- als auch die Berechnung von Nutzungsdauern. Wer
nikation Trends“ fortgeschrieben. Dabei ist ein am Vortag des Interviews mindestens einmal in
wichtiger Bestandteil der Medienbewertung der einem Viertelstundenintervall zwischen 5.00 Uhr
Leistungs- und Imagevergleich zwischen öffent- und 24.00 Uhr in einer Wahrnehmungsdimension
lich-rechtlichem und privatem Rundfunk, perspek- erreicht wurde, gilt als „Nutzer gestern“. Die Nut-
tivisch ergänzt um neue Ausspielwege und reich-
weitenstarke Onlineangebote wie Videoplattformen
und Streamingdienste.
Beate Frees/Thomas Kupferschmitt/Thorsten Müller
Media Perspektiven 7-8/2019 | 324

zungsdauern werden entsprechend auf Basis der Differenzierung nach Quellen für die Befragten nur
erhobenen 15-Minuten-Intervalle berechnet. schwer vorzunehmen.
Bei der Interpretation der Ergebnisse ist diese Hinzu kommen die Entwicklungen im vernetz-
Methodik der Datenerhebung stets zu berücksich- ten Heim, die die Infrastruktur in Haushalten mit
tigen. Die Erfassung des Vortages ist zwangsläufig den Medien verbinden. So ist beispielsweise ein
sowohl von der Erinnerungsleistung des Befragten Sprachassistent wie Google Home oder Alexa von
und dessen subjektiver Wahrnehmung beeinflusst Amazon nicht nur eine Kommandobox, sondern
als auch durch den jeweiligen Interviewer, der den auch ein Abspielgerät, indem es Nachrichten vor-
Vortag gemeinsam mit dem Interviewten rekonst- liest oder Musik abspielt. Die Mediennutzung und
ruiert. Dadurch unterscheidet sich die Studie von ihre Qualifizierung nach Quellen oder Wahrneh-
jenen „Währungsstudien“, die auf Basis einer tech- mungsdimensionen bleibt die Herausforderung
nischen Messung erfolgen – etwa die Erhebung der nächsten Jahre – insbesondere für die Über-
der Fernsehnutzungsdaten durch die AGF Video- tragung auf den Fragebogen und die Optimierung
forschung. (2) Die in der Studie erhobenen bzw. der Befragung.
berechneten Nutzungsdaten weichen daher un-
vermeidlich von den Daten einer technikbasierten Der Trend zur Konsolidierung und Transformation Institutswechsel
Erfassung ab und sind erfahrungsgemäß tendenzi- hat bei einigen Forschungsinstituten im letzten bei Durchführung
ell geringer als die Ergebnisse aus den Währungs- Jahr zu einem Wandel im Markt geführt. Mitte der Studie
studien. 2018 stellte GfK Media & Communication Research
(GfK MCR), das die Studienreihe und ihre Vorläufer
Herausforderungen Die unter den Ordnungsprinzipien Sehen, Hören langjährig betreute, den Betrieb ein, was zu einer
des Intermedia­ und Lesen liegenden Nutzungschancen, wie zum Neuausschreibung des durchführenden Instituts
vergleichs Beispiel live und zeitversetzt, ermöglichen viel- führte. Die Ausschreibung konnte Kantar für sich
fältige Optionen für einen Intermediavergleich. Die entscheiden.
Hierarchie der Zugangsmöglichkeiten und in die- Hierdurch stand die Studienreihe vor der Her-
sem Kontext die Berechnung der Nettowerte der ausforderung eines Institutswechsels, der in der
unterschiedlichen Nutzungsebenen dient dabei der Regel eine „eigene Handschrift“ mit sich bringt.
verständlichen Darstellung der Nutzungsdauern Entsprechend intensiv wurde der Institutswechsel
von Angebotsportfolios. durch die Projektgruppe begleitet und das neue
Um der medialen Umbruchsituation Rechnung Institut ausführlich eingeführt und umfassend in-
zu tragen, wird der Fokus auf Mediennutzung ge- formiert. Dabei hat die gründliche Auseinanderset-
legt und nicht auf die insgesamt aufgewendete zung mit dem Fragebogen, der Methode und den
Nutzungszeit aus dem Tagesverlauf. Die Nutzungs- Interviews den erfreulichen Nebeneffekt einer
zeiten für nicht-mediale Anwendungen, wie bei- Qualitätssicherung. Zusammengefasst und als
spielsweise für Kommunikation, sind entsprechend Quintessenz sind die Ergebnisse valide und fort-
nicht dokumentiert. Die Erhebung dieser Zeiten schreibbar. Mögliche Methodeneffekte und ent-
wird immer schwieriger, wenngleich nach der sprechende Ableitungen bei der Interpretation der
gestrigen Nutzung gefragt wird. Die Grenzen zwi- Ergebnisse kommen nur in geringem Maße vor
schen individueller und kollektiver, privater und und werden in den folgenden Kapiteln an entspre-
öffentlicher Kommunikation verschwimmen zu- chender Stelle beschrieben.
nehmend. Gleiches gilt für die Zeit, die mit sozialen
Netzwerken wie Facebook, Instagram oder Pinte- Mediennutzung im Tagesverlauf
rest verbracht wird – sie ist im Kontext mit Kom- Im Folgenden wird untersucht, wie sich die Video-,
munikation kaum zu differenzieren. Audio- und Textnutzung über den Verlauf des Tages
Eine weitere Herausforderung beinhaltet die verteilen. Herangezogen werden dazu die Daten
Frage nach den Quellen, im Sinne von Inhaltprodu- aus der Abfrage des Tagesablaufs.
zenten. Hier verschwimmen die Grenzen einerseits
zwischen professionellen und nicht-professionel- Zwischen 7.00 und 23.00 Uhr nutzen zu jedem Sehen, Hören und
len Medieninhalten, dies betrifft neben dem Rund- Zeitpunkt mindestens 30 Prozent der Bevölkerung Lesen mit klaren
funk auch Printhäuser als Content-Lieferanten. Medien, sei es in Form von Video, Audio oder Text. Schwerpunkten im
Andererseits fällt die Abgrenzung innerhalb der Dabei bleibt die Nettoreichweite der Medien insge- Tagesverlauf
professionellen Inhalte zwischen „alten“ und samt vom Morgen bis zum Nachmittag stabil zwi-
„neuen“ Marktteilnehmern schwer. Im Hinblick auf schen 30 und 40 Prozent, ehe sie gegen 18.45 Uhr
neue Marktteilnehmer, vor allem im Audio- und die 50-Prozent-Marke überschreitet (vgl. Abbil-
Videobereich, wird zwischen redaktionell, von öf- dung 14). Zwischen 20.00 und 21.30 Uhr nutzen
fentlich-rechtlichem oder privatem Rundfunk er- über zwei Drittel der Bevölkerung Medien, mit
stellten Inhalten, die unter das Rubrum Fernsehen einem Höhepunkt von 71 Prozent zwischen 20.45
oder Radio fallen, und sonstigen Inhalten, wie sie und 21.00 Uhr. Ob die Medienrezeption dabei eher
auf Videoportalen oder Streamingdiensten wie über Video, Audio oder Text stattfindet, hängt maß-
Netflix und Amazon zu finden sind, unterschieden. geblich von der Tageszeit ab. Die Audionutzung
Gerade im Markt der Streamingdienste ist eine hat – nach wie vor stark bestimmt durch das klas-
sische Radiohören – ihren Schwerpunkt bereits
am Morgen, wenn über ein Viertel der Bevölkerung
ARD/ZDF-Massen­k ommunikation Trends 2019: Non-lineare Mediennutzung nimmt zu
325 | Media Perspektiven 7-8/2019

Abb. 14 Mediennutzung im Tagesverlauf 2019


Personen ab 14 Jahren, Mo-So, 5.00-24.00 Uhr, durchschnittliche Viertelstunden-Reichweiten, in %

80
Mediennutzung (netto)
70 Audio gesamt (netto)

60 Video gesamt (netto)


Text gesamt (netto)
50

40

30

20

10

Basis: Deutschspr. Bevölkerung ab 14 Jahren (n=2 000).

Quelle: ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019.

Audios hört. Im weiteren Verlauf des Tages geht die schiede (vgl. Abbildung 15). Gemeinsam haben alle
Audio-Reichweite etwas zurück, doch bleibt Audio Altersgruppen, dass die Videonutzung am Morgen
bis etwa 17.30 Uhr die Nutzungsdimension Num- bis in den frühen Nachmittag hinein keine große
mer 1. Danach setzt ein deutlicher Rückgang ein, Rolle spielt. Bei den Personen jüngeren und mittle-
der erst nach 20.00 Uhr etwas abflacht. Gegenläufig ren Alters verwundert dies am wenigsten, gehen
zum Tagesverlauf bei Audio präsentiert sich die diese in der ersten Tageshälfte doch weit überwie-
Videonutzung. Am Morgen ist sie noch kaum rele- gend Tätigkeiten nach, die die parallele Nutzung
vant und steigt dann langsam, aber kontinuierlich von Videoinhalten ausschließen bzw. sich allenfalls
bis 17.00 Uhr an. Charakteristisch ist vor allem der mit rein auditiven Medieninhalten vertragen. Zu
deutliche Anstieg bis gegen 21.00 Uhr. Während der nennen sind hier neben Berufsarbeit auch Schule,
klassischen Fernseh-Primetime dominiert Video Ausbildung und Studium sowie Hausarbeit und
die Mediennutzung somit weiterhin. Medien in Kinderbetreuung. In abgeschwächtem Ausmaß gilt
Textform erreichen hingegen zu keinem Zeitpunkt dies auch für den älteren Teil der Bevölkerung –
am Tag mehr als 8 Prozent Reichweite. Der relative hier spielt zudem noch die Konkurrenz durch Print-
Höhepunkt lässt sich hier um kurz nach 8.00 Uhr medien eine Rolle, die klassischerweise in der
ausmachen. Auffällig ist aber, dass Text über den ersten Tageshälfte genutzt werden.
Tag hinweg am gleichmäßigsten gefragt ist und Am Nachmittag fällt die Videonutzung bei den
auch am späteren Abend noch einmal einen Nut- 30- bis 49-Jährigen von allen Altersgruppen am
zungsschwerpunkt aufweist. geringsten aus, was sich aus einer Kombination
von hohem Anteil an Erwerbstätigkeit mit einer
Videonutzung im Tagesverlauf hohen Wahrscheinlichkeit für das Vorhandensein
Video-Reichweite Im Folgenden werden die Video-, Audio- und Text- zu betreuender Kinder ergibt. Etwa nach 17.00 Uhr
am Hauptabend bei nutzung näher betrachtet – sowohl nach Alters- ähnelt sich der Nutzungsverlauf bei den 14- bis
14- bis 29-Jährigen gruppen, als auch unterteilt nach den Medientypen, 29-Jährigen und den 30- bis 49-Jährigen wieder
nur halb so hoch wie die im Einzelnen genutzt werden. Handelt es sich stärker. In beiden Altersgruppen bleibt die Video-
bei ab 70-Jährigen um eher schwach genutzte Medientypen, kommt es nutzung am Vorabend deutlich hinter der der ab
insbesondere in der Darstellung einzelner Alters- 50-Jährigen zurück. Am Hauptabend fällt der An-
gruppen methodisch bedingt zu starken Schwan- stieg der Videonutzung bei den 14- bis 29-Jähri-
kungen innerhalb der Verlaufskurve. In diesen Fäl- gen am geringsten aus. Zwischen 20.00 und 21.30
len wird im Interesse der Lesbarkeit auf die Aus- Uhr liegen die Reichweiten in jener Altersgruppe
weisung einzelner Viertelstundenintervalle verzich- nur knapp über 40 Prozent, während bei den 30-
tet und stattdessen ein Mittelwert über die vier bis 49-Jährigen über die Hälfte, bei den 50- bis
Intervalle innerhalb einer vollen Stunde gebildet. 69-Jährigen knapp über 70 Prozent und bei den ab
70-Jährigen sogar um die 80 Prozent Bewegtbild­
Im Vergleich der Altersgruppen zeigen sich bei der inhalte nutzen.
Videonutzung im Tagesverlauf einerseits Gemein-
samkeiten, aber auch charakteristische Unter-
Beate Frees/Thomas Kupferschmitt/Thorsten Müller
Media Perspektiven 7-8/2019 | 326

Abb. 15 Videonutzung im Tagesverlauf 2019 – nach Altersgruppen


Personen ab 14 Jahren, Mo-So, 5.00-24.00 Uhr, durchschnittliche Viertelstunden-Reichweiten, in %

90

80
ab 70 Jahren
70
50-69 Jahre
60
30-49 Jahre
50
14-29 Jahre
40

30

20

10

Basis: Deutschspr. Bevölkerung ab 14 Jahren (n=2 000).

Quelle: ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019.

Abb. 16 Lineare Fernsehnutzung und non-lineare Bewegtbildnutzung im Tagesverlauf 2019 –


Gesamt und 14 bis 29 Jahre
Personen ab 14 Jahren, Mo-So, 5.00-24.00 Uhr, durchschnittliche Viertelstunden-Reichweiten, in %

60

50 Fernsehsendungen zum Ausstrahlungszeitpunkt, Gesamt


Fernsehsendungen zum Ausstrahlungszeitpunkt, 14-29 J.
nicht-lineares Bewegtbild (netto), 14-29 J.
40
nicht-lineares Bewegtbild (netto), Gesamt

30

20

10

Basis: Deutschspr. Bevölkerung ab 14 Jahren (n=2 000).

Quelle: ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019.

Non-lineares Bewegt- Aus der Perspektive des Tagesverlaufs ist unter wie Smartphones und Tablets Möglichkeiten zur
bild am Nachmittag anderem die Frage von Interesse, ob die Möglich- Bewegtbildnutzung außer Haus ergeben, die beim
stark, Hauptabend keit, Bewegtbild zeitsouverän zu nutzen, dazu linearen Fernsehen nicht vorhanden waren. (3) Zu
bleibt Domäne des führt, dass non-lineare Inhalte zu anderen Tages- diesem Zweck wird die lineare Fernsehnutzung,
linearen TV zeiten genutzt werden als lineare. Dies wäre allein bei der die Rezipienten Inhalte zu einer fest vor­
dadurch denkbar, dass sich über mobile Geräte gegebenen Sendezeit nutzen, der non-linearen
­Bewegtbildnutzung insgesamt gegenübergestellt
(vgl. Abbildung 16). Letztere umfasst neben Off-
linevarianten wie selbst aufgenommenen Fernseh-
ARD/ZDF-Massen­k ommunikation Trends 2019: Non-lineare Mediennutzung nimmt zu
327 | Media Perspektiven 7-8/2019

Abb. 17 Lineare Fernsehnutzung und non-lineare Bewegtbildnutzung im Tagesverlauf 2019 –


indexierte Darstellung
Personen ab 14 Jahren, Mo-So, 5.00-24.00 Uhr, durchschnittliche Viertelstunden-Reichweiten je volle
Stunde, Index 100 = Tagesmittelwert

400

350
Fernsehsendungen zum Ausstrahlungszeitpunkt
300
nicht-lineares Bewegtbild (netto)
250

200

150

100

50

0
05:00-06:00

06:00-07:00

07:00-08:00

08:00-09:00

09:00-10:00

10:00-11:00

11:00-12:00

12:00-13:00

13:00-14:00

14:00-15:00

15:00-16:00

16:00-17:00

17:00-18:00

18:00-19:00

19:00-20:00

20:00-21:00

21:00-22:00

22:00-23:00

23:00-00:00
Basis: Deutschspr. Bevölkerung ab 14 Jahren (n=2 000).

Quelle: ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019.

sendungen und DVDs/Blu-rays auch Nutzungen Differenziert man das non-lineare Bewegtbild wei- Die Netflix/Amazon-
über das Internet wie zeitversetzte Fernsehsen- ter aus und bildet die beiden volumenträchtigsten Kurve ähnelt eher
dungen in Mediatheken und bei YouTube, aber Varianten „Filme und Videos bei Netflix/Amazon“ der des TV als der
auch Filme und Videos auf Streamingdiensten wie sowie „Filme und Videos bei Videoportalen wie von YouTube
Netflix und Amazon, auf Videoportalen wie YouTube YouTube“ separat ab, wird deutlich, dass sich vor
sowie auf Facebook und Nachrichtenportalen. Hier- allem die YouTube-Tagesverlaufskurve von der li-
bei zeigt sich zunächst, dass die lineare Fernsehnut- nearen Fernsehkurve unterscheidet (vgl. Abbil-
zung in der Gesamtbevölkerung zu jeder Tageszeit dung 18). Die YouTube-Kurve ist durch ein ver-
deutlich mehr Reichweite generiert als alle non- gleichsweise hohes Nutzungsniveau vom Vormit-
linearen Videonutzungen zusammen. Die Nutzungs- tag bis in den Nachmittag hinein geprägt. Zum
kurven sehen auf den ersten Blick vergleichbar Abend hin steigt die Nutzung zwar noch an, aber
aus, auch wenn die Einschätzung aufgrund der bei Weitem nicht so deutlich, wie dies beim linea-
unterschiedlichen Niveaus schwierig ist. Um die ren Fernsehen der Fall ist. Die Kurve der kosten-
Verläufe besser vergleichen zu können, wurden pflichtigen Streamingdienste ähnelt hingegen stär-
beide Kurven indexiert. Dabei beträgt der Wert 100 ker der des linearen Fernsehens, auch wenn der
jeweils den Tagesmittelwert der Kurve. Auf diese Nachmittag für Netflix, Amazon und die anderen
Weise fallen doch einige Unterschiede ins Auge Dienste wichtiger und der Vorabend weniger be-
(vgl. Abbildung 17): Zwischen 12.00 und 17.00 Uhr deutsam ist als für das lineare Fernsehen. Für
nähert sich die non-lineare Bewegtbildnutzung be- beide Kurven gilt, dass sie zwischen 20.00 und
reits stärker ihrem Tagesmittel an, als dies bei der 22.00 Uhr, also zur klassischen TV-Primetime, die
linearen Nutzung der Fall ist. Umgekehrt fällt der weitaus höchsten Werte aufweisen.
Anstieg nach 17.00 Uhr bei der linearen Nutzung
deutlich stärker aus. Erst ab 21.00 Uhr ähnelt sich Da der Fernseher insbesondere für die Nutzung TV-Sender sollten
der Verlauf beider Kurven wieder stärker. Um der von Netflix und Amazon als wichtigstes Gerät fun- Zugang zu
Ursache nachzugehen, sind in Abbildung 16 zusätz- giert, während YouTube-Videos vor allem auf dem Mediatheken
lich die 14- bis 29-Jährigen dargestellt – die Alters- Smartphone konsumiert werden (4), verwundert der weiter verbessern
gruppe, die am stärksten non-lineare Videoinhalte gemeinsame Nutzungsschwerpunkt von Streaming-
nutzt. Hierbei erkennt man am Nachmittag einen diensten und linearem Fernsehen zur abendlichen
ausgeprägten Höhepunkt bei der non-linearen Nut-
zung, während die lineare Nutzung zu dieser Zeit
besonders schwach abschneidet. Ab dem frühen
Abend steigt dann auch die lineare Nutzung an.
Beate Frees/Thomas Kupferschmitt/Thorsten Müller
Media Perspektiven 7-8/2019 | 328

Abb. 18 Lineare Fernsehnutzung, Streaming- und Videoportalnutzung im Tagesverlauf 2019 – indexierte


Darstellung
Personen ab 14 Jahren, Mo-So, 5.00-24.00 Uhr, durchschnittliche Viertelstunden-Reichweiten je volle Stunde,
Index 100=Tagesmittelwert

400

350
Netflix/Amazon Prime Video
300
Fernsehsendungen zum Ausstrahlungszeitpunkt
250
Videoportale wie YouTube
200

150

100

50

0
05:00-06:00

06:00-07:00

07:00-08:00

08:00-09:00

09:00-10:00

10:00-11:00

11:00-12:00

12:00-13:00

13:00-14:00

14:00-15:00

15:00-16:00

16:00-17:00

17:00-18:00

18:00-19:00

19:00-20:00

20:00-21:00

21:00-22:00

22:00-23:00

23:00-00:00
Basis: Deutschspr. Bevölkerung ab 14 Jahren (n=2 000).

Quelle: ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019.

„Sofa-Zeit“ kaum. Für die Fernsehsender sollte sich hierbei eine Reihe von Inhalten – angefangen mit
daraus die Konsequenz ergeben, den Zugang zu an Streamingdienste vermarkteten TV-Serien und
ihren Mediatheken insbesondere auf Fernsehgerä- -Dokumentationen, über neue kommerzielle Hyb-
ten zu erleichtern und ihr non-lineares Inhalte-Port- ridplattformen wie „TV NOW“ und „joyn“, bis hin
folio weiter auszubauen. zu originär für Plattformen wie YouTube und Face-
book produzierten Videoangeboten wie dem öf-
14- bis 29-Jährige: Vor allem die gestiegene Konkurrenz durch Video- fentlich-rechtlichen „funk“. (5) Ob, und falls ja, auf
TV-Inhalte büßen streaming-Anbieter wie Netflix und Amazon hat welche Weise die Herkunft genutzter Inhalte im
auch in der Prime- dazu geführt, dass die 14- bis 29-Jährigen Fern- Rahmen einer Tagesablauferhebung im Kontext
time Vorsprung ein sehsendungen – auch unter Einbeziehung von dieser Grauzonen künftig weiter ermittelt werden
non-linearen Nutzungsvarianten – inzwischen über kann, ist eine offene Frage.
weite Strecken des Tages weniger nutzen als
Filme und Videos im Internet. Die deutlichsten Ver- Audionutzung im Tagesverlauf
änderungen ergeben sich in der Primetime. Lag Der eingangs dargestellte Audio-Tagesverlauf mit Ab 70-Jährige
die Reichweite der Fernsehinhalte im Vorjahr zwi- seinem Schwerpunkt am Morgen zeigt sich auch mit deutlichem
schen 21.00 und 22.00 Uhr noch bei 26 Prozent, in den meisten Altersgruppen (vgl. Abbildung 20). Audio-Schwerpunkt
werden im laufenden Jahr in der Spitze nur noch Am ausgeprägtesten sind die Ausschläge bei den am Morgen
19 Prozent erreicht (vgl. Abbildung 19). Umgekehrt ab 70-Jährigen. Zwischen 7.45 Uhr und 9.30 Uhr
konnten sich die Onlinevideos in der jungen Ziel- werden Reichweiten von um die 40 Prozent erzielt,
gruppe von 16 auf 21 Prozent verbessern. Schwie- so viel wie in keiner anderen Altersgruppe im Tages-
rigkeiten bei der Interpretation der Ergebnisse be- verlauf. Danach fallen die Werte – abgesehen von
reitet gleichwohl das Faktum, dass die Grenzen einer kurzen Spitze am Mittag – deutlich ab. Nach-
zwischen Inhalten von Fernsehanbietern und an- mittags und abends sind die ab 70-Jährigen
deren Filmen und Videos weiter verschwimmen. Je schließlich die Altersgruppe, die am wenigsten
weiter sich speziell die jüngste Altersgruppe vom Audioinhalte rezipiert. Völlig anders stellt sich die
linearen Fernsehen abwendet, desto schwerer Audionutzung bei den 14- bis 29-Jährigen dar.
dürfte den Befragten die Einschätzung fallen, ob Hier werden zwischen 6.30 Uhr und 19.45 Uhr
ein online genutztes Video ursprünglich im Fernse- über den ganzen Tag hinweg schwankende Reich-
hen ausgestrahlt wurde. In eine Grauzone fällt weiten erzielt, die zwischen 13 und 24 Prozent
liegen. Am Abend stellen die 14- bis 29-Jährigen
die Altersgruppe mit der höchsten Audioreichweite,
auch wenn die 10-Prozent-Marke dann nicht mehr
überschritten wird.
ARD/ZDF-Massen­k ommunikation Trends 2019: Non-lineare Mediennutzung nimmt zu
329 | Media Perspektiven 7-8/2019

Abb. 19 Nutzung von Fernsehsendungen, Filmen und Videos im Internet 2018 und 2019 – 14 bis 29 Jahre
Mo-So, 5.00-24.00 Uhr, durchschnittliche Viertelstunden-Reichweiten je volle Stunde, in %

30

25
Filme/Videos im Internet (netto) 2019

Filme/Videos im Internet (netto) 2018


20
Fernsehsendungen (netto) 2019

15 Fernsehsendungen (netto) 2018

10

0
05:00-06:00

06:00-07:00

07:00-08:00

08:00-09:00

09:00-10:00

10:00-11:00

11:00-12:00

12:00-13:00

13:00-14:00

14:00-15:00

15:00-16:00

16:00-17:00

17:00-18:00

18:00-19:00

19:00-20:00

20:00-21:00

21:00-22:00

22:00-23:00

23:00-00:00
Basis: Deutschspr. Bevölkerung von 14 bis 29 Jahren (n=414, gewichtet).

Quelle: ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019.

Abb. 20 Audionutzung im Tagesverlauf 2019 – nach Altersgruppen


Personen ab 14 Jahren, Mo-So, 5.00-24.00 Uhr, durchschnittliche Viertelstunden-Reichweiten, in %

50
Audio gesamt (netto), ab 70 J.
45
Audio gesamt (netto), 50-69 J.
40
Audio gesamt (netto), 30-49 J.
35
Audio gesamt (netto), 14-29 J.
30
Audio gesamt (netto)
25

20

15

10

Basis: Deutschspr. Bevölkerung ab 14 Jahren (n=2 000).

Quelle: ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019.

Radio dominiert Lineares Radio ist nach wie vor die dominante tinuierlich ab, ehe sich um 17.00 Uhr herum noch
die Audionutzung Nutzungsform bei den auditiven Medien (vgl. Ab- einmal ein Gipfel mit knapp 15 Prozent Reichweite
bildung 21). Vor allem am Morgen erzielt Radio zeigt. Individuelles Musikhören wird im Gegensatz
Reichweiten um die 25 Prozent. Bis in den Nach-
mittag hinein fallen die Reichweiten dann fast kon-
Beate Frees/Thomas Kupferschmitt/Thorsten Müller
Media Perspektiven 7-8/2019 | 330

Abb. 21 Audionutzung im Tagesverlauf 2019 – nach Verbreitungsweg bzw. Plattform


Personen ab 14 Jahren, Mo-So, 5.00-24.00 Uhr, durchschnittliche Viertelstunden-Reichweiten, in %

50
Audio gesamt (netto)
45 Radio gehört

40 Musik (netto)

35 Musik auf CD/MP3/Download

30 Musik über YouTube/Streamingdienst (netto)

25

20

15

10

Basis: Deutschspr. Bevölkerung ab 14 Jahren.

Quelle: ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019.

dazu im Verlauf des Tages immer häufiger, auch Wie oben erwähnt, wurde 2019 erstmals zwischen
wenn hier maximal 5 Prozent Reichweite erzielt generischen Audio-Streamingdiensten wie Spotify
werden. Die weiteren Audio-Nutzungsformen „Ra- auf der einen Seite und dem Musikhören über
diosendungen zeitversetzt hören“ und Podcasts YouTube auf der anderen Seite unterschieden.
sowie Hörbücher/Hörspiele sind im Tagesverlauf Beide Streamingangebote kommen bei den 14-
kaum relevant. bis 29-Jährigen auf ihre höchsten Reichweiten,
allerdings liegen die generischen Audio-Streaming-
Musik: Streaming In der Musik-Gesamtreichweite ergeben sich ge- dienste klar vor YouTube. Abgesehen vom Niveau-
überholt CD und MP3 genüber dem Vorjahr vordergründig nur wenige unterschied sind sich die Verlaufskurven jedoch
Änderungen. Beim Blick auf die Verbreitungswege recht ähnlich, was stark darauf hinweist, dass beide
fällt jedoch auf, dass Streaming erstmals eindeutig Angebotstypen vergleichbare Nutzerbedürfnisse
die physischen Datenträger wie CD- und MP3- befriedigen. Ob YouTube aus seiner Popularität als
Player überholt hat. Hierbei ist zwar zu berück- Audio-Musikbox künftig stärker strategische Konse-
sichtigen, dass bei Streaming ein methodischer quenzen zieht, ist nicht nur für die Musikbranche,
Effekt denkbar ist, weil im Gegensatz zum Vorjahr sondern auch für den Audio-Werbemarkt eine
reine Musik-Streamingdienste wie Spotify getrennt spannende Frage.
vom Musikhören über YouTube abgefragt wurden.
Da die physischen Datenträger jedoch parallel einen Textnutzung im Tagesverlauf
eindeutigen Rückgang verzeichnen, erscheint der Auch bei der Textnutzung lässt sich je nach Uhrzeit Artikel und Berichte
Rangwechsel durchaus plausibel. ein sehr unterschiedliches Gewicht der einzelnen werden v.a. digital
Komponenten ausmachen (vgl. Abbildung 23). Zwi- rezipiert, Bücher
14- bis 29-Jährige: Während beim Bewegtbild die non-lineare Nutzung schen 7.00 und 11.00 Uhr morgens sind gedruckte weitgehend in
Radio führt morgens, der 14- bis 29-Jährigen inzwischen fast den ge- Zeitungen und Zeitschriften am stärksten vertre- gedruckter Form
individuelles Musik- samten Tag über wichtiger ist als die lineare, kann ten, danach lässt ihre Attraktivität deutlich nach.
hören ab mittags das lineare Radio zumindest morgens und vormit- Anders hingegen die Kurve beim Lesen von Arti-
tags seine Vorherrschaft gegenüber dem individu- keln und Berichten im Internet: Die Werte starten
ellen Musikhören behaupten (vgl. Abbildung 22). auf geringerem Niveau, bleiben aber über den Tag
Erst ab 12.00 Uhr hören mehr junge Menschen hinweg konstant bei einer Reichweite von rund
individuelle Musik als klassisches Radio. Vergleicht 2 Prozent. Ab dem Vorabend zeigt sich sogar noch
man das Radio lediglich mit Musikstreaming, be- einmal ein leichter Anstieg, und erst ab 22.00 Uhr
finden sich beide auch am Nachmittag und Vor- setzt ein deutlicher Rückgang ein. Insgesamt kann
abend auf Augenhöhe. man davon sprechen, dass die Nutzung von Arti-
keln und Berichten bereits weit überwiegend in
digitaler Form stattfindet. Das Gegenteil lässt sich
von Büchern sagen. Die E-Book-Nutzung kommt
ARD/ZDF-Massen­k ommunikation Trends 2019: Non-lineare Mediennutzung nimmt zu
331 | Media Perspektiven 7-8/2019

Abb. 22 Audionutzung im Tagesverlauf 2019 – 14 bis 29 Jahre


Mo-So, 5.00-24.00 Uhr, durchschnittliche Viertelstunden-Reichweiten je volle Stunde, in %

14

12

10

8
Musik (netto)

6 Radio gehört

4 Musik-Streaming/Spotify

Musik auf
2 CD/MP3/Download
Musik bei YouTube
0
05:00-06:00

06:00-07:00

07:00-08:00

08:00-09:00

09:00-10:00

10:00-11:00

11:00-12:00

12:00-13:00

13:00-14:00

14:00-15:00

15:00-16:00

16:00-17:00

17:00-18:00

18:00-19:00

19:00-20:00

20:00-21:00

21:00-22:00

22:00-23:00

23:00-00:00
Basis: Deutschspr. Bevölkerung von 14 bis 29 Jahren (n=414, gewichtet).

Quelle: ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019.

Abb. 23 Textnutzung (Artikel und Berichte) im Tagesverlauf 2019


Personen ab 14 Jahren, Mo-So, 5.00-24.00 Uhr, durchschnittliche Viertelstunden-Reichweiten je volle
Stunde, in %

5
Text gesamt (netto)

4
Artikel im Internet/App gelesen (netto)

3
Gedruckte Zeitung/Zeitschrift gelesen
2
Gedruckte Bücher gelesen
1
E-Books gelesen
0
05:00-06:00

06:00-07:00

07:00-08:00

08:00-09:00

09:00-10:00

10:00-11:00

11:00-12:00

12:00-13:00

13:00-14:00

14:00-15:00

15:00-16:00

16:00-17:00

17:00-18:00

18:00-19:00

19:00-20:00

20:00-21:00

21:00-22:00

22:00-23:00

23:00-00:00

Basis: Deutschspr. Bevölkerung ab 14 Jahren (n=2 000).

Quelle: ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019.

zu keinem Zeitpunkt des Tages über eine Reich- Beim digitalen Lesen von Artikeln und Berichten
weite von 0,5 Prozent hinaus, während gedruckte spielen Websites und Apps von Zeitungen und
Bücher es von 22.00 bis 23.00 Uhr in der Spitze Zeitschriften vor allem morgens inzwischen eine
immerhin auf 3 Prozent Reichweite schaffen und
damit zu dieser Zeit das wichtigste Textmedium
stellen.
Beate Frees/Thomas Kupferschmitt/Thorsten Müller
Media Perspektiven 7-8/2019 | 332

Abb. 24 Textnutzung (Artikel und Berichte) digital 2019 – nach Plattform


Personen ab 14 Jahren, Mo-So, 5.00-24.00 Uhr, durchschnittliche Viertelstunden-Reichweiten je volle
Stunde, in %
4

Artikel im Internet/App gelesen (netto)

2 Social Media/Facebook

Zeitung/Zeitschrift-Website/App

1
Anderer Anbieter

Radio/TV-Sender-Website/App
0
05:00-06:00

06:00-07:00

07:00-08:00

08:00-09:00

09:00-10:00

10:00-11:00

11:00-12:00

12:00-13:00

13:00-14:00

14:00-15:00

15:00-16:00

16:00-17:00

17:00-18:00

18:00-19:00

19:00-20:00

20:00-21:00

21:00-22:00

22:00-23:00

23:00-00:00
Basis: Deutschspr. Bevölkerung ab 14 Jahren (n=2 000).

Quelle: ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019.

recht große Rolle, während tagsüber die Nutzung mend durch Streamingdienste wie Netflix und
zunächst zurückgeht und dann abends noch ein- Amazon oder Videoportale wie YouTube. Der Trend
mal einen Höhepunkt erreicht (vgl. Abbildung 24). der letzten Jahre setzt sich dabei fort. Deutlich
Auf den Websites und Apps von Radio- und Fern- wird dies vor allem bei den 14- bis 29-Jährigen:
sehsendern fällt die Nutzung von Artikeln und Be- Hier liegen die Streamingdienste in der Tages-
richten generell eher gering aus und orientiert sich reichweite bereits auf Augenhöhe mit Fernsehsen-
zudem tendenziell an den Nutzungszeiten des Ra- dern.
dios. Wichtigster Verbreitungsweg für Artikel und Im Audiobereich hat Radiohören weiterhin sta-
Berichte sind tagsüber und vor allem am Haupt- bile Reichweiten, aber immer mehr Zeit wird – vor
abend inzwischen Social-Media-Anbieter. Auch allem von jüngeren Usern – mit der Nutzung von
wenn private Kommunikation hier sicherlich eine Audioinhalten über das Netz verbracht, vor allem
wichtige Rolle spielt, ist die Bedeutung dieser in Form von Musikhören über Streamingplattfor-
Drittplattformen zur Verbreitung professioneller men wie Spotify. Auch diese Entwicklung veran-
Medieninhalte nicht zu unterschätzen. Wie in den schaulicht die junge Zielgruppe. Die Tagesreich-
Vorjahren sind die 14- bis 29-Jährigen hier die weite für Musikhören liegt bei den 14- bis 29-Jäh-
Vorreiter, obwohl ihnen gerade beim abendlichen rigen dreimal so hoch wie in der Gesamtbevölke-
Nutzungshöhepunkt die 30- bis 49-Jährigen kaum rung. Im Unterschied zur Fernsehnutzung hört die
nachstehen. junge Zielgruppe mit 50 Prozent gegenüber 70
Prozent in der Bevölkerung noch relativ viel Radio.
Fazit
Zeitversetzte Nutzung Die Tagesreichweite genutzter Medien befindet sich Auch im Tagesablauf zeigen sich die charakteristi- Mediennutzung im
von Video- und in der Bevölkerung ab 14 Jahren mit 98 Prozent schen Unterschiede nach Altersgruppen. Am Haupt- Tagesverlauf variiert
Audioinhalten nahezu an der 100-Prozent-Marke, wobei der Groß- abend liegt die Video-Reichweite bei unter 30-Jäh- nach Altersgruppen
steigt an teil der Nutzung auf audiovisuelle Inhalte entfällt. rigen nur halb so hoch wie bei ab 70-Jährigen.
Während die lineare Fernsehnutzung leicht ab- Stellt man das lineare Fernsehen der zeitversetz-
nimmt, steigt die zeitversetzte Nutzung von Fern- ten Fernseh- und Videonutzung gegenüber, ent-
sehsendungen im Internet weiter an. Dies kann die steht ein zeitlich leicht versetztes Bild. Die Fern-
derzeitigen Verluste jedoch nicht kompensieren. sehnutzung hat ihren Höhepunkt am Abend, und
Konkurrenz erwächst den Fernsehsendern zuneh- die zeitsouveräne Nutzung ist am Nachmittag ver-
gleichsweise stark ausgeprägt. Gleichzeitig zeigt
die Differenzierung nach Streamingdiensten und
Videoportalen, dass Streamingdienste wie Netflix
und Amazon eine nach Schwerpunkten ähnliche
Tagesverlaufskurve aufweisen wie das Fernsehen.
ARD/ZDF-Massen­k ommunikation Trends 2019: Non-lineare Mediennutzung nimmt zu
333 | Media Perspektiven 7-8/2019

Video- und Insgesamt werden täglich 7 Stunden mit Medien- Anmerkungen:


Audionutzung inhalten verbracht, bei den unter 30-Jährigen ist es
1) Zum methodischen Konzept vgl. Engel, Bernhard/Eva
dominieren eine gute Stunde weniger. Nur knapp eine Stunde Holtmannspötter: Studienreihe: Medien und ihr Publikum.
Medienalltag entfällt auf das Lesen von Texten, wobei sich die Neue Wege für die Erhebung der intermedialen Medien-
Lektüre von Artikeln und Berichten zunehmend ins nutzung. In: Media Perspektiven 2/2017, S. 91-100;
Engel, Bernhard/Lothar Mai/Thorsten Müller: Massen-
Internet verlagert. Die meiste Zeit entfällt auf Videos kommunikation Trends 2017: Intermediale Nutzungs-
sehen und Audios hören. In der Gesamtbevölke- portfolios. Ergebnisse aus der Studienreihe „Medien
rung dominiert dabei die lineare Fernsehnutzung und ihr Publikum“. In: Media Perspektiven 7-8/2017,
mit 76 Prozent sowie die Radionutzung mit 79 Pro- S. 358-374.
2) Vgl. www.agf.de.
zent, bei den 14- bis 29-Jährigen verhält es sich 3) Einschränkend ist hier anzumerken, dass die Medien-
umgekehrt. In der jungen Altersgruppe werden nur nutzung auf mobilen Geräten überwiegend zu Hause
noch 33 Prozent mit Fernsehen, live zum Ausstrah- stattfindet. Dies gilt auch für 14- bis 29-Jährige, wobei
diese insgesamt am stärksten Medien auf mobilen
lungszeitpunkt, verbracht – 67 Prozent entfallen
Geräten nutzen. Vgl. Engel, Bernhard/Lothar Mai/
auf die zeitversetzte Nutzung von Fernseh- und Thorsten Müller: Massenkommunikation Trends 2018:
Videoinhalten. Bei Audio liegt das Verhältnis von Intermediale Nutzungsportfolios. Ergebnisse aus der
linearer und On-Demand-Nutzung bei 43 Prozent Studienreihe „Medien und ihr Publikum“. In: Media
Perspektiven 7-8/2018, S. 330-347.
zu 57 Prozent. 4) Vgl. Kupferschmitt, Thomas: Onlinevideo-Reichweite
und Nutzungsfrequenz wachsen, Altersgefälle bleibt.
TV-Sender sollten Die lineare Fernsehnutzung findet nach wie vor Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2018. In: Media
Perspektiven 9/2018, S. 427-437.
Zugang zu hauptsächlich auf dem Fernsehgerät statt, was
5) Zu den Herausforderungen bei der Erfolgsmessung von
Mediatheken auf auch in hohem Maße für die Nutzung von Strea- „funk“ vgl. Feierabend, Sabine/Pia Philippi/Anna Pust-
TV-Geräten erleichtern mingdiensten gilt. Diese werden zwar auch über Petters: funk – das Content-Netzwerk von ARD und ZDF.
Smartphones, Tablets und Laptops genutzt, längst Quantitative und qualitative Forschung zum jungen
öffentlich-rechtlichen Angebot. In: Media Perspektiven
aber nicht so stark, wie dies bei YouTube der Fall 1/2018, S. 10-15.
ist – allen voran in der jüngeren Zielgruppe. Insbe-
sondere für die Fernsehsender empfiehlt es sich
daher, mit ihren Mediatheken alle Geräte abzude-
cken, insbesondere aber den Zugang auf Fernseh-
geräten zu erleichtern und gleichzeitig ihr non-­
lineares Sendungsportfolio weiter auszubauen.
Die Ergebnisse der ARD/ZDF-Massenkommu-
nikation Trends 2019 verdeutlichen die Entwicklung
zur zeitlich und örtlich ungebundenen Mediennut-
zung. Die Tatsache, dass mehr als zwei Drittel der
unter 30-Jährigen angeben, wöchentlich Media-
theken von Fernsehsendern zu nutzen, jeder dritte
von ihnen gibt an, zeitversetzt Radio und Podcasts
zu hören, unterstreicht dies umso mehr. Die öffent-
lich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben diesen
Trend bereits aufgegriffen und entwickeln ihre Me-
diatheken (bzw. Audiothek) unterdessen weiter,
indem sie den Anwendern individuellen Zugang und
ein auf sie zugeschnittenes Angebot ermöglichen.
Für die Zielgruppe der unter 30-Jährigen bieten
die öffentlich-rechtlichen Sender indes einen er-
folgreichen Zugang zu ihren Inhalten unter dem
Label funk.