Sie sind auf Seite 1von 900

Digitized by the Internet Archive

in 2019 with funding from


Kahle/Austin Foundation

https://archive.org/details/etymologischeswoOOOOklug
Friedrich Kluge
Etymologisches Wörterbuch
Friedrich Kluge

Etymologisches Wörterbuch
der deutschen Sprache
22. Auflage
unter Mithilfe von Max Bürgisser und Bernd Gregor
völlig neu bearbeitet von

Elmar Seebold

W
DE

G
Walter de Gruyter • Berlin • New York
1989
j _O 1o
1883 1. und 2* Auflage
1884 3., unveränderte Auflage
1889 4., verbesserte Auflage
1894 5., verbesserte Auflage
1899 6., verbesserte und vermehrte Auflage, davon zweiter Abdruck 1905
1910 7., verbesserte und vermehrte Auflage (seitdem mit Alfred Götze)
1915 8., verbesserte und vermehrte Auflage
1921 9., durchgesehene Auflage
1924 10., vermehrte und verbesserte Auflage
1934 11. Auflage, mit Unterstützung von Wolfgang Krause bearbeitet von Alfred Götze,
unverändert bis 14. Auflage 1948
1951 15. Auflage, Friedrich Kluge/Alfred Götze, Etymologisches Wörterbuch der
deutschen Sprache (unter Mithilfe von Hans Krähe besorgt von Alfred Schirmer)
1953 16. Auflage, unveränderter Nachdruck
1957 17. Auflage unter Mithilfe von Alfred Schirmer bearbeitet von Walther Mitzka
1960 18. Auflage bearbeitet von Walther Mitzka
1963 19. Auflage bearbeitet von Walther Mitzka
1967 20. Auflage bearbeitet von Walther Mitzka
1975 21., unveränderte Auflage

CIP-Titelaufnahme der Deutschen Bibliothek

Kluge, Friedrich:
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache / Friedrich
Kluge. Unter Mithilfe von Max Bürgisser u. Bernd Gregor
völlig neu bearb. von Elmar Seebold. — 22. Aufl. — Berlin ;
New York : de Gruyter, 1989
ISBN 3-11-006800-1
NE: Seebold, Elmar [Bearb.]; HST

© Copyright 1989 by Walter de Gruyter & Co., D-1000 Berlin 30

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt.


Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne
Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für
Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und
Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Printed in Germany

Schutzumschlag: Rudolf Hübler


Satz und Druck: Arthur Collignon GmbH, Berlin
Buchbinderische Verarbeitung: Thomas Fuhrmann KG, Berlin
Inhalt

Vorwort und Dank. VII

Zur Einrichtung des Wörterbuchs . XI


Lemma-Bestand . XI
Aufbau der einzelnen Lemmata . XII
Register und Auswertung . XIII

Einführung in die Terminologie. XIV


Abgrenzung. XIV
Allgemeines, Urschöpfung. XV
Wortbildung. XVI
Syntaktische Fügungen. XXI
Semantische Begriffsschöpfung. XXI
Kurzwörter . XXII
Entlehnungen. XXII
Der Wortgebrauch. XXIV
Grammatik . XXVII
Lautstand . XXIX
Zeitliche Verhältnisse. XXXI
Register . XXXIII

Transkription fremder Alphabete — Lautzeichen . . . . XXXVII

Alphabetische Ordnung . XXXVII


Transkription. XXXVII
Allgemein verwendete diakritische Zeichen. XXXVII
Besonderheiten in den Einzelsprachen . XXXVII

Abkürzungen und allgemeine Literaturangaben . XLI

Allgemeine Abkürzungen . XLI


Abkürzungen der Sprachbezeichnungen . XLI
Abkürzungen der Zeitschriften und Reihen. XLIV
Abgekürzt zitierte Literatur - Wörterbücher und Nachschlage¬
werke . LII

Wörterbuch . 1
Vorwort

Am 14. und 15. September 1982 fand in Wolfenbüttel auf Einladung von
Helmut Henne und Karl Stackmann ein Arbeitsgespräch über die Zukunft des
Etymologischen Wörterbuchs der deutschen Sprache von Friedrich Kluge und
des Deutschen Wörterbuchs von Hermann Paul statt. Beide Wörterbücher, die
sich lange Zeit als unentbehrliche Grundlagenwerke der Germanistik und als
anerkannte Nachschlagewerke der an der deutschen Sprache Interessierten
bewährt hatten, waren ohne Bearbeiter, und die letzten Auflagen veralteten in
bedenklichem Maße. Deshalb sollten im Einvernehmen mit den Verlegern
der beiden Werke die Möglichkeiten einer möglichst raschen Neubearbeitung
erörtert werden.
Für die Bearbeitung des Kluge wurde ich vorgeschlagen; und da ich mich
bereits ausführlich mit der Etymologie der deutschen Sprache, wie auch mit
etymologischen Fragen allgemeiner Art befaßt hatte und nicht ungern meine
Überlegungen in einen größeren und systematischen Rahmen gestellt hätte,
sagte ich zu.
Die Planung mit dem Verlag zielte auf zwei Projekte:
1. Eine Bearbeitung des Kluge, die hier nun vorgelegt wird. Diese Bearbeitung
ist insofern ein völlig neues Buch, als der Lemma-Bestand grundlegend systema¬
tisiert worden ist, und alle Artikel nach einem festen Schema aufgebaut und neu
geschrieben sind. Alles nach dem neueren Stand der Forschung Fragwürdige ist
ausgeschieden worden, im ganzen wird ein wesentlich stärker zurückhaltender
Standpunkt eingenommen. Daß neuere Überlegungen auch dann, wenn sie
stärker hypothetisch sind, dennoch berücksichtigt werden, ist in der Natur
eines Buches begründet, das auch ein Forschungsinstrument sein soll.
Was die Neubearbeitung aber nicht bringen kann, ist eine Aufarbeitung jedes
Artikels nach dem neuesten Forschungsstand, gegebenenfalls unter Einsatz
eigener Forschungsarbeit, und wirklich vollständige oder Vollständigkeit an¬
strebende Literaturangaben, denn dafür hätten die zur Verfügung stehende Zeit
und der zur Verfügung stehende Raum um ein Vielfaches überschritten werden
müssen.
Die Neubearbeitung hat sich dem Zug der Weiterentwicklung der Technik
angepaßt, indem sie von uns mit Hilfe der elektronischen Textverarbeitung
geschrieben und korrigiert worden ist. Dies hat es hoffentlich ermöglicht, die
Zahl der bei einem solchen Werk leicht in unangenehme Größenordnungen
wachsenden Druckfehler einzuschränken und diese vielleicht sogar zu verhin¬
dern. Außerdem hat uns die moderne Technik ermöglicht, das Material des
Wörterbuchs in einer Datenbank zu erfassen. Diese wird uns Wort- und
Sachregister für das Wörterbuch liefern und eine historische Analyse des
deutschen Wortschatzes (so weit er im Kluge erfaßt ist) ermöglichen. Diese
Teile sollen in einem Begleitband des Kluge veröffentlicht werden.
VIII Vorwort

Die Grundlage des Textes bildete die 21. Auflage des Kluge. Besonders
bei den Fremdwörtern haben wir den Etymologie-Duden und das Deutsche
Wörterbuch von Weigand/Hirt verglichen. Ferner haben wir ziemlich systema¬
tisch herangezogen das Deutsche Fremdwörterbuch von Schulz/Basler, soweit
vorhanden das Deutsche etymologische Wörterbuch von Hiersche (1986 ff.)
und das Etymologische Wörterbuch des Althochdeutschen von Lloyd/Springer
(1988 ff.), bei Bedarf das Grimmsche Wörterbuch (DWB), Trübners Deutsches
Wörterbuch und das Große Wörterbuch der deutschen Sprache von Duden.

2. Nach der hier vorgelegten Neubearbeitung des Kluge wird ein Etymologi¬
sches Wörterbuch der deutschen Sprache in Angriff genommen, das allen wissen¬
schaftlichen Ansprüchen genügen soll und das nicht räumlich begrenzt sein
wird. Der Kluge soll als einbändiges Wörterbuch, das die Ergebnisse des
größer angelegten Wörterbuchs in seinem Rahmen aufnimmt, beibehalten und
fortgeführt werden.
Ich habe mich bei dieser Neubearbeitung auf Hilfe und Mitarbeit von
verschiedenen Seiten verlassen können — worüber der nächste Abschnitt Re¬
chenschaft geben wird. Das Ausmaß der Mitarbeit von Dr. Bernd Gregor
(verantwortlich für die Fremdwörter und die EDV-Anlage) und Dr. Max
Bürgisser (verantwortlich für Planung, Aufbau und Redaktion) läßt es dabei
als angemessen erscheinen, sie als Mitarbeiter in den Titel aufzunehmen. Die
Verantwortung für die gesamte Neubearbeitung liegt aber dennoch bei mir.

Dank

Über den Anteil des Wolfenbütteier Kolloquiums und des Verlags de Gruyter
ist im Vorwort das Wichtigste gesagt worden. Besonderen Dank verdienen
dabei Herr Kollege Helmut Henne für seine wissenschaftliche Beratung und
Herr Prof. Wenzel vom de Gruyter Verlag als verständnisvoller Verhandlungs¬
partner und geduldiger Mahner.
Der Text selbst wurde von den Bearbeitern verfaßt und dann von studenti¬
schen Hilfskräften in den Computer eingegeben. Von diesen haben längere Zeit
an dem Projekt mitgearbeitet: Ruth Fahrmair, Cornelia Gindele, Beate Keeser,
Olga Klenner, Elke Link, Bernhard Meisinger, Imke Menzel, Liu Yeong-Jiann.
Bernhard Meisinger hat sich dabei zum unentbehrlichen EDV-Spezialisten
entwickelt.
Die langwierige Kontrolle und Korrektur hat vor allem Petra Seifert MA
getragen, sie war zusammen mit Dr. Max Bürgisser für die Redaktion des
Kluge verantwortlich. Die Verweise wurden von Karin Bausewein MA korri¬
giert. Außerdem arbeiteten Wolfgang Schindler MA (Markierungen) und Al-
brecht Rauch MA (Allgemeines) mit.
Als Berater für die Wiedergabe von Material fremder Sprachen haben uns
dabei geholfen: Prof. Dr. Paul Kunitzsch für Arabisch, Persisch und Türkisch;
dann Prof. Dr. Georg Bossong für Tupi und Guarani, Prof. Dr. Martin Camaj
für Albanisch, Wolfgang Hock MA für Armenisch, Jani Kuhnt-Saptodewo für
Indonesisch (Malayisch), Dr. Konrad Meissner für neuere indische Sprachen,
und Dr. Ilaria Weise-Furno für romanische Sprachen. Bei jiddischen und
Dank IX

rotwelschen Formen griffen wir auf die Magisterarbeit Hebraismen im Deut¬


schen von Israela Klayman zurück. — Beratung in unzähligen Einzelfällen
haben wir auch von zahlreichen Kollegen, Bekannten, Freunden und Studenten
erhalten, die hier nur pauschal erwähnt werden können.
Die ersten kritischen Leser des Gesamtwerks waren — neben den Herausge¬
bern — Prot. Dr. Heinrich Hettrich, München, jetzt Würzburg (vom Stand¬
punkt des Indogermanischen aus); Hertha Seebold, Andechs (vom germanisti¬
schen Standpunkt aus) und Diplomphysiker Reg. Dir. i.R. E. A. Hampe,
München (vom Standpunkt des interessierten Laien‘ aus). Sie haben uns auf
zahlreiche Druckfehler, Unrichtigkeiten, Stilmängel und anderes aufmerksam
gemacht.
Der Verlag de Gruyter hat uns bei der Anschaffung einer Spezialbibliothek
geholfen und hat die Anschaffung der EDV-Anlage finanziert. Die Förderung
der Auswertung unseres Materials durch ein DFG-Projekt ist durch die damit
verbundenen Kontrollen und Korrekturen auch dem Wörterbuch zugute ge¬
kommen. Auch die Ludwig-Maximilians-Universität München hat das Werk
wohlwollend unterstützt.
Allen Genannten und den vielen Ungenannten gilt unser herzlicher Dank.
Wenn die neue Auflage des Kluge eine wesentliche Verbesserung geworden
ist, dann haben sie daran einen nicht geringen Anteil. Die Verantwortung
für das Ganze bleibt dessen ungeachtet bei mir.

München, im April 1989 Elmar Seebold



Zur Einrichtung des Wörterbuchs

Lemma-Bestand

Der Kluge enthielt in seiner alten Fassung a) eine praktisch vollständige


Erfassung des standardsprachlichen Erbwortschatzes, b) eine ganz unzuläng¬
liche (wenig umfangreiche und ganz unsystematische) Erfassung des standard¬
sprachlichen Fremdwortschatzes, und c) eine ziemlich umfangreiche, wenn
auch nicht systematische Erfassung des peripheren Wortschatzes, d. h. der
archaischen, regionalen und fachsprachlichen Wörter. In der vorliegenden
Bearbeitung wurde versucht, den Standard-Wortschatz möglichst systematisch
zu erfassen — wir haben also den standardsprachlichen Erbwortschatz so weit
nötig korrigiert und den standardsprachlichen Fremdwortschatz praktisch neu
erarbeitet.
Der periphere Wortschatz ist beim heutigen Stand der deutschen Lexikogra¬
phie nicht systematisch zu erfassen; da seine Berücksichtigung aber zu den
Merkmalen des Kluge gehört, die nicht aufgegeben werden sollten, haben wir
den alten Bestand praktisch beibehalten und vorsichtig in Richtung auf
eine systematischere Behandlung ergänzt, d. h. wir haben schlecht vertretene
Bereiche erweitert und zu stark vertretene Bereiche (Seemannssprache, Studen¬
tensprache) reduziert. Alle Bestandteile des peripheren Wortschatzes wurden
als solche markiert (d. h. als archaisch, regional, fachsprachlich oder umgangs¬
sprachlich). Bei der Kontrolle des Lemma-Bestandes sind wir vom Bestand
des Universal-Duden (Duden Deutsches Universalwörterbuch, ed. G.
Drosdowski, Mannheim 1983) ausgegangen, ohne aber diesen pauschal und in
gleichem Umfang zu übernehmen.
Bei der Wolfenbütteler Tagung (s. Vorwort) wurde vereinbart, den Kluge
auf die Etymologie im Sinne der Untersuchung der Herkunft der Wörter zu
beschränken, während der Paul die Wortgeschichte stärker betonen sollte. Aus
diesem Grund wurde auf die Behandlung durchsichtiger Wörter verzichtet, auch
wenn sie geschichtlich durchaus behandelnswert gewesen wären. Im Prinzip sind
also Wörter wie Waschbecken oder Abendröte, die jeder Sprecher als ,Becken
zum Waschen1 und ,Röte am Abend‘ erklären kann, nicht aufgenommen.
Kleinere Inkonsequenzen sind in Kauf genommen worden, etwa wenn ein Wort
zwar durchsichtig, aber schon alt ist (z.B Fliege zu fliegen) oder wenn bei seiner
Bildung Fremdeinflüsse zu vermerken sind (etwa Dampfer).
Diese Beschränkung hatte zugleich Folgen für die Aufnahme der Wortbil¬
dungselemente. An sich sollte die Etymologie von Präfixen und Suffixen in der
historischen Wortbildungslehre behandelt werden und nicht in einem Wörter¬
buch. Wenn aber die Durchsichtigkeit zum Abgrenzungskriterium erhoben
wird, dann sollten auch die Mittel bereit stehen, um diese Durchsichtigkeit
feststellen zu können. Aus diesem Grund haben wir die wichtigsten Wortbil¬
dungselemente ebenfalls in das Wörterbuch aufgenommen, bzw. sie beibehalten.
XII Zur Einrichtung des Wörterbuchs

Ausgeschieden bzw. nicht aufgenommen wurden schließlich auch alle Namen


und Namen-Elemente — nicht, weil wir sie für unwichtig oder uninteressant
hielten, sondern weil ihre Behandlung so wichtig und so schwierig ist, daß sie
nicht nebenher in einem Wörterbuch mit anderer Zielsetzung erbracht werden
kann. (Zu einigen weiteren Bemerkungen über den Lemmabestand vgl. die
Einführung in die Terminologie4 unter 1.1, 1.2 und 4.1).

Aufbau der einzelnen Lemmata

1. Im Kopf des Lemmas stehen folgende Angaben: Die neuhochdeutsche


Lexikonform; grammatische Angaben (Genus, starkes oder schwaches Verb
usw.) und falls notwendig die Bedeutung, die Markierung der Sprachschicht
(archaisch, regional, fachsprachlich, umgangssprachlich) und Angaben zur heu¬
tigen Verbreitung bei regional beschränkten Wörtern. Die Bedeutungsangaben
sind nicht als Bedeutungsbeschreibungen gedacht, sondern als Identifizierungs¬
hilfen, etwa bei Homonymen oder bei seltenen Wörtern.
2. Angaben bei Erbwörtern aus älterer Zeit:
a) Die mittelhochdeutsche, althochdeutsche und altsächsische Lorm (Althoch¬
deutsch und Altsächsisch gelten als regionale Ausprägungen derselben Sprache).
Ist eine altsächsische Entsprechung nicht vorhanden, wohl aber eine mittelnie¬
derdeutsche oder mittelniederländische, so werden diese Eormen aufgeführt.
b) Die germanische Grundform mit grammatischen Angaben und Bedeutung;
dann die Eormen der anderen germanischen Sprachen, in denen das Wort
bezeugt ist. Ist das Wort nicht gemein-germanisch, so wird die erschlossene
Form als westgermanisch oder vordeutsch bezeichnet (westgermanisch, wenn
mindestens eine altenglische Entsprechung vorhanden ist; sonst vordeutsch.
Die Zugehörigkeit friesischer Wörter muß von Fall zu Fall beurteilt werden).
Aus Gründen der Systematik gilt ein Wort als germanisch, wenn es außer im
Deutschen noch im Gotischen oder in einer nordischen Sprache bezeugt ist.
An dieser Stelle werden nur die ältesten Stufen der germanischen Sprachen
berücksichtigt (zu den jüngeren vgl. 5a).
c) Die indogermanische Grundform mit grammatischen Angaben und Bedeu¬
tung. Falls ein Wort nicht gemein-indogermanisch ist, wird es als west-europä¬
isch (germanisch + keltisch oder italisch), ost-europäisch (germanisch +
baltisch oder slavisch), west/ost-europäisch (germanisch + mindestens eine
Sprache aus beiden zuvor genannten Gruppen) oder europäisch (germanisch
+ griechisch oder armenisch oder albanisch und gegebenenfalls weitere europä¬
ische Sprachen) bezeichnet oder bleibt unbezeichnet. Aus systematischen Grün¬
den gilt als indogermanisch eine Gleichung, die germanische und arische oder
hethitische oder tocharische Formen umlaßt. Untypische oder sonstwie beson¬
dere Beleglagen können als voreinzelsprachlich bezeichnet werden. Die genann¬
ten Bezeichnungen sind lediglich Beschreibungen der mit ihnen definierten
Verbreitung und schließen keinerlei sprachgeschichtliche oder andere Annah¬
men in sich.
Wenn das Belegmaterial reich genug ist, wird lediglich Hethitisch, Altindisch,
Tocharisch, Griechisch, Lateinisch, Altirisch (gegebenenfalls modernes Kym-
risch), Litauisch und Altkirchenslavisch aulgeführt. Andere Sprachen nur, wenn
Register und Auswertung XIII

sie besondere Aufschlüsse bieten oder das Material der regelmäßig geführten
Sprachen versagt.
d) Läßt sich das Wort als Ableitung zu einem Grundwort (oder als Zusammen¬
setzung) erklären, wird der semantische Bildungstyp und die Grundlage genannt
(z. B. Faktitivum zu ig. ...), außerdem wird normalerweise das Benennungsmo¬
tiv erläutert. Kann kein Grundwort festgestellt werden, wird Herkunft dunkel
(o. ä.) vermerkt; entsprechend Benennungsmotiv dunkel.
e) Es können weitere Bemerkungen zu Lautstand, Morphologie, Semantik,
Beleglage oder Wortgeschichte folgen, falls dies als notwendig erscheint.
3. Angaben zu Bestandteilen des Erbwortschatzes aus jüngerer Zeit:
a) Zeit und Typ der Bildung, Grundwort.
b) Benennungsmotiv und Besonderheiten.
4. Angaben zu Entlehnungen:
a) Zeit der Entlehnung, Herkunftssprache und gegebenenfalls vermittelnde
Sprache.
b) Kurze etymologische Erklärung des Wortes in der Herkunftssprache.
c) Verweis auf zugehörige Entlehnungen.
5. Verweisteil:
a) Entsprechungen in den modernen germanischen Sprachen, und zwar Neu-
Niederländisch. Neu-Englisch, Neu-Schwedisch und Neu-Isländisch.
b) Mit vgl. wird auf semantisch oder sachlich zugehörige Einträge verwiesen;
mit s. auf etymologisch zugehörige. Ein ( + ) weist daraufhin, daß unter dem
betreffenden Lemma weitere Verweise zu finden sind.
c) Literaturhinweise. Alle Literaturhinweise wurden geprüft, doch konnten
Neueinträge nur in beschränktem Umfang vorgenommen werden. Wir hoffen
aber, die wichtigsten Angaben der modernen Forschungsliteratur erfaßt zu
haben.

Register und Auswertung

Ein Begleitband mit vollständigen Registern und einer Auswertung der Angaben
des Wörterbuchs (systematische Gliederung nach Entstehungszeit, Sachregister
usw.) ist in Vorbereitung und wird unter dem Titel
Elmar Seebold: Register und Auswertung zur 22. Auflage des Etymologischen
Wörterbuchs von Friedrich Kluge

erscheinen.
Einführung in die Terminologie*

0. Dieses Wörterbuch ist für alle diejenigen geschrieben, die wissen wollen,
woher die Wörter der deutschen Sprache kommen — deshalb haben die
Verfasser nach Kräften versucht, sich allgemeinverständlich auszudrücken. Zu¬
gleich soll dieses Wörterbuch aber auch wissenschaftlichen Ansprüchen genü¬
gen — weshalb ein gewisses Maß an Fachterminologie unvermeidlich ist. Für
diejenigen, die mit dieser Fachterminologie Mühe haben, ist der folgende Abriß
geschrieben; die einzelnen Fachwörter (Termini) sind über das Register leicht
zu finden.

Abgrenzung

1.1 In diesem Wörterbuch geht es um Wörter, und Wörter müssen abgegrenzt


werden von Namen. Namen sind zunächst Bezeichnungen von Individuen
(seien es Personen oder Örtlichkeiten) - in diesem Fall sprechen wir von
Personennamen, Ortsnamen, Flußnamen usw., allgemein von Eigennamen (als
Fachwort für Eigenname wird zum Teil auch Nomen proprium oder einfach
Proprium gesagt). Namen werden in diesem Wörterbuch nicht behandelt, es
sei denn, sie hätten nachträglich die Bedeutung eines ,normalen1 Wortes (das
eine Klasse von Gegenständen bezeichnet) erlangt — diese ,normalen1 Wörter
(oder genauer: Substantive) nennt man im Gegensatz zu den Namen Appellativa
(Singular: -um, manchmal sagt man auch ausführlicher Nomen appellativum).
Ein Übergang von einem Namen zu einem Appellativum Findet sich z. B. bei
Zeppelin oder Dietrich (die Sie deshalb im Wörterbuch auch erklärt finden).
Im weiteren Sinn spricht man auch von Namen, wenn gar nicht Individuen
gemeint sind, sondern bestimmte einheitliche Typen, so z. B. bei Markennamen
oder Tier- und Pflanzennamen. Auch Markennamen werden hier nicht geführt
(sofern sie nicht aus irgendeinem Grund in die Gemeinsprache übergegangen
sind, wie z. B. Fön), dagegen gelten die normalen Tier- und Pflanzennamen
(nicht die spezielle zoologische und botanische Terminologie) als Wörter der
Sprache — sie sind deshalb aufgenommen.

1.2 Eine Abgrenzung ist auch notwendig gegenüber den sogenannten Fremdbe¬
griffen, das sind Wörter fremder Sprachen, die Gegenstände und Einrichtungen
bezeichnen, die es bei uns nicht gibt, die viele Sprecher aber aus Reiseberichten
und ähnlichem kennen (etwa Samowar, Iglu, Squaw, Kimono usw.). Sie müssen

* Ausführlichere Erklärungen, zusammen mit erläuternden Beispielen, finden Sie in dem Buch
Elmar Seebold: Etymologie. Eine Einführung am Beispiel der deutschen Sprache. München 1981 Als
termmologisches Ux.kon ist zu empfehlen Hadumod Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft.
Stuttgart 1983 (Neu-Auflage in Vorbereitung).
Allgemeines, Urschöpfung XV

teilweise als Bestandteil der deutschen Sprache angesehen werden, besonders


wenn sie in Vergleichen verwendet (wie etwa Bumerang) oder auf einheimische
Einrichtungen übertragen werden (wie etwa Bazar)\ auch die Verwendung in
der Mode (Kimono, Mokassin) führt häutig zu einem so hohen Bekanntheits¬
grad, daß eine Erklärung erwünscht ist. Aber der größte Teil dieser Fremdbe-
gritfe gehört allenfalls in den Sonderwortschatz bestimmter Fachleute oder
Kenner der betreffenden Länder und wird deshalb hier nicht behandelt; daß
man über Grenzfälle verschiedener Meinung sein kann, ist unvermeidlich.
E3 Von den so abgegrenzten Wörtern suchen wir die Etymologie, d. h. ihre
Herkunft (ihre Entstehung) und ihre darauf folgende Geschichte, so weit sie
für das Verständnis wichtig ist. Man sagt gelegentlich auch, daß man das
Etymon eines Wortes sucht — das ist eigentlich mehrdeutig: Es kann einerseits
heißen ,die Herkunft" oder ,die Erklärung der Herkunft", andererseits konkret:
das Wort, von dem das gesuchte Wort abgeleitet ist (das Grundwort, s. 3.5).

Allgemeines, Urschöpfung

2.1 Schauen wir uns nun an, wie Wörter entstehen können (was die Herkunft
der Wörter ist). Man könnte sich vielleicht denken, es sei der einfachste Fall,
für etwas Neues auch eine neue Lautfolge zu ,erfinden" — das wäre die
sogenannte Urschöpfung, die aber in Wirklichkeit (wenigstens in unseren Kul¬
tursprachen) sehr selten ist. Am nächsten kommt ihr noch die Lautmalerei oder
Onomatopöie (mit dem Adjektiv onomatopoetisch), das ist der Versuch, das
Gemeinte mit lautlichen Mitteln nachzuahmen. Speziell unterscheidet man
dabei drei Fälle: die Lautnachahmung, bei der ein Geräusch (ein Tierlaut, das
Begleitgeräusch eines Vorgangs u.ä.) mit sprachlichen Mitteln nachgeahmt
wird — der Tierlaut etwa, um das Tier zu bezeichnen (Kuckuck), das Begleitge¬
räusch, um den Vorgang zu bezeichnen (plumpsen).
2.2 Dann die Lautgebärde, bei der die Sprechwerkzeuge entweder Begleitgeräu¬
sche zu dem Gemeinten hervorbringen oder mit der Lauthervorbringung das
Gemeinte nachahmen. Für das erste kann man auf die vielen Wörter für
,Mutter" verweisen, die aus einfachen Folgen von Nasalen und Vokalen beste¬
hen (Mama u. ä.) - sie sind eigentlich Begleitgeräusche zum Saugen der
Kleinkinder an der Mutterbrust; dann übertragen auf die Mutter selbst. Als
Beispiel für das andere etwa bibbern für ,zittern", das mit seiner raschen
Aufeinanderfolge der beiden b und dem ,Zitterlaut" r das Gemeinte (nämlich das
Zittern) nachahmt. Und schließlich das Lautbild, bei dem ein nicht-lautlicher
Sinneseindruck mit lautlichen Mitteln wiedergegeben wird.
2.3 Dabei bedient man sich des Mittels der Lautbedeutsamkeit (man benutzt
etwa den Gegensatz zwischen hellen und dunklen Vokalen, also i/e gegenüber
u/a, um den Gegensatz zwischen hell und dunkel, zwischen hoch und tief,
zwischen klein und groß, schnell und langsam usw. auszudrücken). So empfin¬
den wir, daß der durch das Auge empfangene Sinnes-Eindruck Blitz durch das
Wort Blitz ,gut" oder ,angemessen" oder gar ,richtig" zum Ausdruck gebracht
wird: der helle und schnelle Eindruck wird durch das kurze i angemessen
wiedergegeben. In gewissem Umfang treten im Rahmen der Lautbedeutsamkeit
XVI Einführung in die Terminologie

Formungen und Lautungen auf, die sonst unüblich sind, oder die der Lautent¬
wicklung nicht entsprechen. So etwa emphatische oder expressive Lautungen
(Dehnungen, Verdoppelungen von Konsonanten, Verschiebungen der Artikula¬
tionsart usw.); Verdoppelungen von Silben (die sogenannte Reduplikation, die
in früheren Sprachen auch in der Formenbildung der Verben eine Rolle gespielt
hat, später aber nur noch lautbedeutsam ist); dann gibt es eigene Suffixe für
entsprechende Wörter, im Deutschen etwa -zen für Verben, die Ausdruckslaute
bezeichnen (ächzen, seufzen usw.) und anderes.

Wortbildung

3.1 Wesentlich häufiger als die Urschöpfung ist das Verfahren der Wortbildung,
bei dem eine neue Bezeichnung mit Hilfe bereits vorhandener Wörter gebildet
wird — entweder durch Zusammensetzung (Komposition) verschiedener Wörter
(Haus + Tür wird zu Haustür) oder durch die Ableitung (Derivation) mit Hilfe
zusätzlicher Elemente (Affixe): Diese sind meist Suffixe (die am Schluß eines
Wortes angehängt werden): Fabel + -haft wird zu fabelhaft, das wäre die
Suffigierung; oder durch Präfixe (die vorangestellt werden: tauschen + ver-
wird zu vertauschen), das wäre die Präfigierung (die häufig als besonderer
Bildungstyp von der Ableitung getrennt wird). In frühen Sprachstufen gab es
auch noch Elemente, die in das Wortinnere eingeschoben wurden, die Infixe
im Rahmen der Infigierung. Ein Infix (Nasalinfix) ist z. B. das Nasalpräsens
der frühen Sprachperioden: Das Präsens einer Verbalwurzel konnte dadurch
markiert werden, daß ein nasalhaltiges Element entweder suffigiert oder infi-
giert wurde. Als allgemeiner Ausdruck für Wortbildungsvorgänge und ihre
Ergebnisse wird hier Weiterbildung benützt.

3.2 Bei der Komposition kann es Vorkommen, daß zwischen den beiden Teilen
ein besonderes Element, das Fugenelement, eingeschoben wird (z. B. Wald -es-
Lust). Diese Elemente sehen aus wie Kasus- oder Numerussuffixe des ersten
Bestandteils, sind aber ihrer Funktion und Herkunft nach anders zu erklären.
In alten Sprachzuständen konnte auch an den Schluß eines Kompositums ein
besonderes Suffix treten, das gewissermaßen die Komposition (oder einen
besonderen Typ von Komposition) markierte. Solche Elemente nennt man
Korn positionssuffixe.

3.3 Bei der Ableitung kann es Vorkommen, daß ein Wort einfach in eine
andere Wortart überführt wird (was man an der Flexion und am syntaktischen
Gebrauch sieht), ohne daß ein besonderes Suffix auftritt. In diesem Fall spricht
man von Nullableitung (Arbeit — arbeiten). Andere Komplikationen entstehen
daraus, daß bestimmte zweite Bestandteile von Zusammensetzungen so häufig
werden, daß sich ihre Bedeutung abschwächt und sie gewissermaßen zu Suffixen
werden (etwa -mann, -zeug, -mäßig usw.). In solchen Fällen spricht man von
einem Halbsuffix oder auch Suffixoid. Entsprechend geht es bei der Entwick¬
lung von präfix-artigen Elementen aus ersten Bestandteilen von Zusammenset¬
zungen: Sie sind gegebenenfalls Halbpräfixe oder Präfixoide (z. B. erz-, ur-).
Eine Besonderheit ist auch der Vorgang, bei dem gleichzeitig präfigiert und
abgeleitet wird, die sogenannte Präfixableitung, z. B. wenn zu Ziffer das Verb
Wortbildung XVII

entziffern gebildet wird (es gibt weder *ziffern noch *Entziffer, so daß beide
Bildungsvorgänge zugleich erfolgt sein müssen).
3.4 Ein weiterer Sonderfall liegt vor, wenn zu einem Wort eine ,Ableitung1
gebildet wird, die aussieht, wie wenn der Bildungsvorgang umgekehrt verlaufen
wäre (die sogenannte Rückbildung): So sieht das Wort Bettler aus, wie wenn es
von betteln abgeleitet wäre (ein Bettler ist jemand, der bettelt). In Wirklichkeit
ist das Wort Bettler älter, und wie in anderen Sprachen ist das Wort für ,betteln1
davon abhängig (1. mendicus ,Bettler1 — mendicare ,betteln1); aber da Bettler
aussah wie eine Täterbezeichnung zu einem Verb, hat man für die Tätigkeit
des Bettlers dieses vermeintlich zugrundeliegende Verb auch gebildet. In diesen
Bereich gehören vor allem auch die sogenannten Nomina postverbalia oder
einfacher Postverbalia; das sind Substantive, die von einem Verb abgeleitet
sind, aber formal aussehen, als seien sie dessen Grundwort (Wank ist von
wanken abgeleitet, äußerlich gesehen könnte es umgekehrt sein). Dieser Fach¬
ausdruck ist aber alt und entspricht der modernen Erfassung solcher Erschei¬
nungen eigentlich nicht mehr in vollem Umfang.
3.5 Damit ist der Vorgang der Bildung beschrieben, aber wenn wir uns für die
Herkunft interessieren, gehen wir ja den umgekehrten Weg: Wir haben das
Wort bereits und analysieren es nun, indem wir die Affixe ablösen (oder die
Komposition trennen), um damit zu dem Grundwort zu gelangen (wenn man
mangels genauer Kenntnis weniger genau sein will, sagt man auch Grundlage;
bei der Komposition oder Präfigierung nennt man das einfache Grundwort
Simplex). Es kann sein, daß man auch das Grundwort weiter analysieren kann,
und dessen Grundwort wieder — aber irgendwann einmal hört das auf, und
man kommt zu Grundlagen, die nicht mehr analysierbar sind. Diese Grundla¬
gen nennt man traditionellerweise Wurzeln. In der Sprachfamilie, zu der das
Deutsche gehört, sind solche Wurzeln in den meisten Fällen Verbalwurzeln,
d. h. das Wort, das diese Wurzel vertritt, ist ein Verb. In der frühen Zeit wurden
dabei auch die einzelnen Stämme des Verbs (ein Präsens-Stamm, ein Perfekt-
Stamm und anderes) durch besondere Bildungsvorgänge aus der Wurzel gewon¬
nen: Entweder durch Suffixe oder Infixe (z. B. bei den Nasalpräsentien) oder
durch bloßen Vokalwechsel (Ablaut) bei den sogenannten Wurzelpräsentien.
3.6 Nominale Bildungen, die unmittelbar aus der Wurzel gewonnen wurden
(wenn sie auch semantisch von der Bedeutung des Verbs abhängig waren),
nennt man primäre Bildungen (sie haben in der Regel ein Suffix, es gibt aber
auch Wurzelnomina, bei denen kein Suffix vorhanden ist); werden sie aus einem
bereits gebildeten Wort abgeleitet, sind es sekundäre Bildungen. Ganz am
Schluß des Wortes kommen dann die Personal- und Kasus-Endungen; ihre
Form (und auch ihre Auswahl) ist häufig davon abhängig, mit welchem Laut
das vor ihnen stehende Element (die Wurzel oder das Suffix) aufhört. Danach
unterscheidet man konsonantische und vokalische Stämme (s. 3.7); die konso¬
nantischen können Wurzelnomina oder Wurzelverben sein, oder ein mit einem
Konsonanten endendes Suffix aufweisen (z. B. n-Stämme, r/n-Stämme und
anderes); vokalische Stämme (die insgesamt viel häufiger sind) haben in der
Regel ein Suffix, das auf einen Vokal endet; es können aber auch Wurzelverben
(oder selten Wurzelnomina) auf Langvokal sein, die sogenannten Verba pura
(Singular: Verbum purum).
XVIII Einführung in die Terminologie

3.7 Die gleichen Bildungsverfahren sind dabei in der Wortbildung wie auch in
der Stammbildung zu beobachten (d. h. bei der Bildung von Stämmen, die wir
der Flexion zurechnen, z. B. dem Perfektstamm beim Verb usw.). Bestimmte
Bildungstypen und bestimmte Affixe spielen in der frühen Wort- und Stammbil¬
dung eine große Rolle; man spricht dann etwa von P'-Abstrakta (und dem ti-
Suffix), den r/w-Stämmen, den s-Stämmen, den Nasalpräsentien, den Wurzelno¬
mina usw. Besonders häufig und besonders wichtig ist (beim Nomen und beim
Verbum) eine Bildungsweise, bei der ablautendes e(o vor der Endung steht,
der sogenannte Themavokal. Solche Bildungen nennt man thematisch; eine
sekundäre Überführung andersartiger Bildungen in thematische wird Themati-
sierung genannt. Zum vollen Verständnis von Argumenten mit solchen Ausdrük-
ken ist natürlich nötig, daß man die betreffenden Bildungsverfahren und ihre
Besonderheiten auch wirklich kennt. Das ist nun allerdings dem Fachmann
und dem Spezialstudium Vorbehalten, so daß der Nicht-Fachmann sich mit
einem entsprechend eingeschränkten Verständnis begnügen muß.
3.8 Über die ursprüngliche Form der Wurzeln und ihre Erweiterungen gibt es
mehrere Theorien — was bedeutet, daß man darüber in Wirklichkeit nicht so
genau Bescheid weiß. Wichtig ist, daß normalerweise eine Wurzel im Bereich
unserer Sprache und ihrer Vorformen einsilbig ist (meist in der Form Konsonant
+ Vokal + Konsonant); es kommt aber auch vor, daß an den letzten Konso¬
nanten noch ein Vokal gefügt wird (häufig ein a, über dessen Lautwert keine
Einigkeit besteht). In solchen Fällen spricht man von zweisilbigen Wurzeln/
Basen/ Grundlagen. An die Wurzel können Erweiterungen verschiedener Form
treten; entweder einfache Konsonanten, oder Vokal + Konsonant (oder Di¬
phthong) — letzteres setzt eine Schwundstufe der Wurzel voraus (zu dieser
s. u.). Das charakteristische Element der Erweiterung ist in der Regel der in
ihr enthaltene Konsonant oder Halbvokal, danach spricht man von Dentaler¬
weiterungen und entsprechend.
3.9 Zurück zur Wortbildung: Ein Wort kann aus einem Substantiv oder Adjektiv
gebildet sein — dann nennen wir es denominal; oder aus einem Verb — dann
nennen wir es deverbal; ein Adjektiv, das aus einem Verb gebildet und seman¬
tisch eng mit ihm verbunden ist (vielleicht sogar — wie die Partizipien — zu
seinem Formenbestand gehört), nennen wir ein Verbaladjektiv (gerissen etwa
wäre ein Verbaladjektiv zu reißen), ein Substantiv in dieser Stellung nennen wir
ein Verbalsubstantiv. Zu den Verbaladjektiven gehören vor allem die Partizipien
und die Adjektive der Möglichkeit (z. B. abwaschbar zu abwaschen); zu den
Verbalsubstantiven der Infinitiv und das sogenannte Verbalabstraktum, d. h. ein
Substantiv, das aus einem Verb gebildet ist und das gleiche bedeutet — nur
wird es eben als Substantiv gebraucht (etwa Verallgemeinerung zu verallgemei¬
nern, Stich zu stechen). Entsprechend ist es mit dem Adjektivabstraktum (Rein¬
heit zu rein, Röte zu rot). Wird ein alleinstehendes Adjektiv oder ein Infinitiv
mit dem Artikel versehen und damit wie ein Substantiv gebraucht, so ist es
substantiviert und wir sprechen von einer Substantivierung.
3.10 Einige Ableitungstypen weisen typische Funktionen auf, die mit bestimm¬
ten traditionellen Ausdrücken bezeichnet werden. So kann von fast jedem
Substantiv ein Diminutiv (also eine Verkleinerungsform - man findet auch
Deminutiv) gebildet werden, wie etwa Häuschen zu Haus. Mit ihm verwandt
Wortbildung XIX

sind die Kosewörter oder Hypokoristika, die allerdings meist für Namen gelten
und deshalb hier weniger einschlägig sind. Das Gegenteil dazu, das Augmentati-
vum (die ,Vergrößerungsform1) kommt im Deutschen bei Suffixen nicht vor. In
den gleichen Bereich gehört schließlich das Kollektivum, die als Einheit gesehene
Mehrheit (so ist Gebirge ein Kollektivum zu Berg: bei ihm handelt es sich
eigentlich um eine Mehrheit von Bergen, die aber als Einheit gesehen wird,
eben als ,Gebirge1). Wird von der Bezeichnung eines männlichen Wesens (oder
einer geschlechtsneutralen Bezeichnung) ein besonderes Femininum gebildet
(z. B. Hündin zu Hund), so nennt man dieses Wort moviert, die Bildungsweise
Motion (auch Movierung). Soziativbildungen nennt man solche, die Personen
bezeichnen, die etwas gemeinsam tun oder haben, z. B. Geselle, ursprünglich
derjenige mit dem man den Saal gemeinsam hat.
3.11 Andere Substantiv-Typen sind vorwiegend von Verben abgeleitet; so die
Nomina actionis, die eine Handlung, vorwiegend in ihrem Verlauf bezeichnen
(Verzeihung zu verzeihen), gegenüber den Nomina acti (oder Nomina rei acti),
die stärker das Resultat einer Handlung betonen (Pflanzung zu pflanzen). Die
Nomina instrumentalia oder Instrumentalbildungen bezeichnen das Werkzeug zu
einer Handlung (Bohrer zu bohren)', die Nomina agentis bezeichnen den Täter —
heute meist zu Verben (Fahrer zu fahren), früher häufig auch zu Substantiven
(Sänger zu Sang). Nomina qualitatis sind Eigenschaftsbezeichnungen zu Adjekti¬
ven (Größe zu groß). Bei den Adjektiven sind noch besonders die Materialadjek¬
tive zu erwähnen, die den Stoff angeben, aus dem etwas gemacht ist (hölzern
zu Holz). Auch die Zugehörigkeitsbildungen sind meist Adjektive, können aber
auch Substantive sein; sie drücken eine Zugehörigkeit zum Grundwort aus,
etwa ärztlich in ärztliche Kunst oder ärztliche Praxis (,zum Arzt gehörig4).
Kontrastbildungen sind solche den Pronomen nahestehende Adjektive, die einen
klaren Gegensatz zu einem anderen Begriff ausdrücken (rechts zu links, oben
zu unten usw.). Für die Wortbildung sind sie deshalb wichtig, weil bestimmte
Suffixe nur in solchen Kontrastwörtern Vorkommen.
3.12 Bei den Verben haben wir zunächst die Kausative, die ausdrücken, daß
eine Handlung veranlaßt oder bewirkt wird (tränken zu trinken als ,trinken
machen4); dann die Iterative, die eine Wiederholung anzeigen (sticheln zu
stechen), entsprechend die Frequentative (die eigentlich die häufige Wiederho¬
lung ausdrücken, aber meist gleichbedeutend mit Iterativ gebraucht werden);
die Intensive zum Ausdruck einer verstärkten Handlung (zucken zu ziehen),
die Durative für einen fortlaufenden Vorgang (besonders aus Adjektiven, z. B.
faulen zu faul)', die Inchoative (auch Incohative) für eine beginnende Handlung
(erröten zu rot)', bei Ableitungen aus Adjektiven außerdem die Faktitive (die
angeben, wozu etwas gemacht wird, wie wärmen ,warm machen4) und schlie߬
lich solche, die die syntaktische Konstruktion betreffen - vor allem Transitive,
die mit dem Akkusativ konstruiert werden und Intransitive, bei denen das nicht
der Fall ist (streng genommen solche, die keinen Kasus regieren). So wird etwa
aus antworten durch die Präfigierung mit be- das Transitivum beantworten.
Diesen Vorgang nennt man Transitivierung.
3.13 Bei den Zusammensetzungen (Komposita, Singular -um) ist die Haupt¬
gruppe die der Determinativ-Komposita. Das sind solche, bei denen die Zusam¬
mensetzung eine speziellere Form von dem bedeutet, was im Hinterglied ge-
XX Einführung in die Terminologie

nannt ist (eine Haustür ist eine speziellere Form von einer Tür). Eine heute
seltenere Gruppe sind die Possessiv-Komposita oder, wie man mit einem Aus¬
druck der indischen Grammatik häufig sagt, die Bahuvrihis. Das sind Kompo¬
sita, die etwas bezeichnen, das weder im Hinterglied noch im Vorderglied
benannt ist, sondern das besitzt, was in diesen Gliedern genannt ist. So ist ein
Dickkopf ja nicht ein dicker Kopf, sondern jemand, der einen dicken Kopf (im
übertragenen Sinn) besitzt, oder ein Rotkäppchen ist nicht ein rotes Käppchen,
sondern ein Mädchen, das ein rotes Käppchen besitzt usw. Solche Bildungen,
bei denen das Gemeinte außerhalb des durch die Glieder Angegebenen liegt,
nennt man auch exozentrisch — es sind meist Komposita, aber auch anderes.
Der weniger häufig gebrauchte Gegenbegriff wäre endozentrisch zur Bezeich¬
nung von Bildungen, bei denen ein Grundwort (Determinatum) näher bestimmt
wird durch ein anderes Wort oder ein Affix (Determinans). Sehr selten sind im
Deutschen die Kopulativkomposita, die etwas bezeichnen, das die Summe der
beiden Glieder darstellt (etwa Strumpßiose). Eine besondere Form der Kompo¬
sita sind schließlich die Verdeutlichungen, oder, wie man mit einem Beispielwort
auch sagt, die Lindwurm-Komposita. Das sind Wörter, die veraltet sind oder
gleichlautende Wörter anderer Bedeutung neben sich haben, und nun verdeut¬
licht werden, indem man sie zu einem Kompositum umbaut, in dessen Hinter¬
glied ein Allgemeinbegriff steht. So sagte man statt Maultier früher einfach
Maul — aber dies war gegebenenfalls mißverständlich wegen des gleichlauten¬
den Maul ,Mund‘, und so wurde ein Kompositum daraus gemacht mit dem
Allgemeinbegriff Tier im Hinterglied.

3.14 So weit die Wortbildung, wie sie sich auch heute noch vor unseren Augen
abspielt. Wenn man sich aber mit den Bildungsweisen älterer Sprachzustände
befaßt, findet man auch Bildungsmittel vor, die wir heute nicht mehr haben,
und die wir teilweise nicht mehr verstehen. So haben die frühen Bildungen
häufig Vokalwechsel, auf deren wichtigsten Fall, den Ablaut, unten noch
einzugehen sein wird. Eine Möglichkeit des Ablauts, die wir heute nicht mehr
haben, ist nun die Vriddhi (das ist ein Ausdruck der alten indischen Grammati¬
ker): Bei der Ableitung von Substantiven oder Adjektiven aus anderen Substan¬
tiven oder Adjektiven wird im Grundwort der erste Vokal gedehnt; die Bedeu¬
tung dieser Bildungen ist die der Zugehörigkeit. So ist bei dem Wort für ,Hahn‘
(in vorgermanischer Lautform *kano-) eine Ableitung gebildet worden, die
eigentlich ,zum Hahn gehörig1 bedeutet, und die diese Vokaldehnung aufweist,
nämlich *kän-es- ,Huhn‘.

3.15 Bildungsweisen, deren Funktion wir nicht mehr durchschauen, sind vor
allem die Wurzelerweiterung und das s mobile. Unter Wurzelerweiterung verste¬
hen wir, daß wir bei gleicher Bedeutung teilweise kürzere und teilweise längere
Wurzelformen vorfinden. Formal kann man dies beschreiben: Es sind eben
vokalische oder konsonantische Elemente oder beides an die ursprüngliche
Wurzelform angetreten. Aber so weit wir erkennen können, hat sich dabei die
Bedeutung nicht geändert, und außerdem treten bei diesen Wurzelerweiterungen
alle möglichen Lautformen auf (was bei der normalen Wortbildung nicht der
Fall ist). Hier liegt also offenbar eine Bildungsmöglichkeit vor, deren Funktion
uns verschlossen bleibt. Unter s mobile verstehen wir den Fall, daß in unseren
Vergleichsformen solche mit einem anlautenden s neben solchen ohne ein
Semantische Begriffsschöpfung XXI

solches s Vorkommen (z. B. d. schmelzen, alt smelzan — e. to melt). Ob


dieses ,bewegliche sk der Rest eines Präfixes ist, oder ein uns unbekanntes
Bildungsmittel, oder eine lautliche Verstärkung, oder eine Lautentwicklung in
bestimmten Umgebungen können wir nicht sagen — vermutlich sind auch
nicht alle Fälle gleich zu beurteilen.

Syntaktische Fügungen

4.1 Es gibt auch feste Wendungen, die mehr als ein Wort umfassen — weshalb
es umstritten ist, ob man sie in einem Wörterbuch behandeln soll oder in einer
speziellen Sammlung solcher Phrasen oder Idiome. In diesem Wörterbuch haben
wir in beschränktem Umfang und ohne Anspruch auf Systematik eine größere
Anzahl solcher Wendungen behandelt, vor allem, wenn sie auf das Wort, unter
dem sie aufgeführt sind, zusätzliches Licht werfen. Solche Wendungen sind
teils festgewordene Fügungen (wie grüner Salat), teils Zitate (wie des Pudels
Kern nach Goethes Faust).
4.2 Einige dieser Wendungen fassen wir heute sogar als einheitliche Wörter auf
(wie etwa abhanden, das eigentlich ab den Händen ,von den Händen weg1
ist), besonders bei bestimmten syntaktischen Fügungen wie Präposition +
Substantiv, oder bei Wörtern, die keinen selbständigen Ton haben, sondern
entweder vor einem anderen Wort hängen (Proklise, proklitisch, wie z. B. das
zu des Infinitivs) oder hinter einem anderen Wort hängen (Enklise, enklitisch,
wie z. B. da in der Mann da). Solche Fälle von Zusammenwachsen nennen wir
Zusammenrückungen (oder Univerbierungen). Etwas anders zu beurteilen sind
die Zusammenbildungen, bei denen in einen Wortbildungsvorgang Teile aufge¬
nommen werden, die gegenüber dem Grundwort syntaktisch frei sind. So ist
Grundsteinlegung das Abstraktum zu einen Grundstein legen (wo legen und
Grundstein selbständige Wörter sind), oder blauäugig zu hat blaue Augen (zu
beachten ist, daß es weder * Legung noch *äugig gibt).
4.3 Ein Sonderfall solcher Wendungen besteht schließlich darin, daß nicht eine
Wortgruppe, sondern ein flektiertes Wort in anderer Funktion verwendet wird
(z. B. geschweige, das eigentlich eine Verbalform ist, als Konjunktion). Diese
Fälle nennt man Hypostasierung und den Vorgang Hypostase.

Semantische Begriffsschöpfung

4.4 Etwas anderes ist es, wenn eine neue Bezeichnung dadurch gewonnen wird,
daß man die Bedeutung eines bereits bestehenden Wortes verändert. Äußerlich
gesehen bleibt das Wort dabei gleich, aber in der Bedeutung ist es anders
geworden, es hat eine zweite Bedeutung hinzugewonnen, so daß wir auch hier
von einem Bildungsvorgang reden können. Solche Bedeutungsveränderungen
verlaufen nach ganz bestimmten Mustern. Eines ist die Bedeutungsübertragung
oder Metapher. Dabei wird ein Wort, das sonst X bezeichnet (z. B.: Rohr
bezeichnet sonst ,Schilfrohr1, also eine Pflanze) dazu verwendet, auch Y zu
bezeichnen, weil sich X und Y in mindestens einem Merkmal ähnlich sind (z. B.
XXII Einführung in die Terminologie

Rohr wird dazu verwendet, auch künstlich geschaffene Röhren zu bezeichnen,


weil sich Schilfrohr und künstlich geschaffene Röhren darin ähnlich sind, daß
es sich bei ihnen um lange, runde, innen hohle Gegenstände handelt).
4.5 Ein weiteres solches Muster ist die Bedeutungsverschiebung oder Metonymie.
Dabei wird etwas mit einem Wort bezeichnet, das eigentlich etwas mit ihm
Zusammenhängendes meint. Typische Fälle sind etwa die Bezeichnungen von
Kleidungsstücken durch das Wort für den Körperteil, den diese Kleidungs¬
stücke bedecken: Ärmel oder in der Fachsprache auch Arm für das, was den
Arm bedeckt; Kragen für das, was den Kragen (Hals) bedeckt, Leib oder
Leibchen für das, was den Feib bedeckt usw. Dies ist aber nur ein besonderer
Fall der Metonymie, es gibt viele andere Typen.
4.6 Sehr wichtig ist dann auch die Synekdoche oder die Bezeichnung pars pro
toto (,der Teil für das Ganze4). Sie tritt etwa auf, wenn wir eine Wohnung oder
ein Haus als den (häuslichen) Herd bezeichnen (wir meinen ja wesentlich mehr
als den Herd), oder etymologisch: schenken bedeutet eigentlich nur ,schräg
halten4; man bezeichnete also das Ganze (das Einschenken) durch eine Teilhand¬
lung (das Schräghalten).

Kurzwörter

4.7 Eine moderne Form der Wortbildung sind dann schließlich die Kurzwörter
und Abkürzungen. Reine Abkürzungen, die man beim Sprechen als Buchstaben¬
folge ausspricht (BGB) oder wieder auflöst (usw.) sind in diesem Buch nicht
aufgenommen. Solche, die wie ein Wort ausgesprochen werden (wie in neuerer
Zeit Super-GAU oder AIDS, jetzt auch schon Aids, sogenannte Akronyme),
sind in beschränkter Zahl aufgenommen, in der Regel solche, die schon älter
sind und bei denen die Herkunft bereits nicht mehr allgemein bekannt ist. In
größerem Umfang aufgenommen sind gekürzte Wörter, sogenannte Kopfwörter,
bei denen nur der Anfang geblieben und der Schluß weggelassen ist (Auto für
Automobil) und Schwanzwörter (bei denen der Schluß geblieben und der Anfang
weggelassen ist, wie Bus aus Omnibus). Es gibt noch kompliziertere Formen
der Wortfabrikation, bei der beliebige Teile der vollen Bezeichnung zu einem
neuen Wort zusammengefaßt werden, doch wird auf sie nur in Sonderfällen
am Rande eingegangen, weil diese Art der Bildung bis jetzt weitgehend auf
Namen von Institutionen, Produkten usw. beschränkt ist.

Entlehnungen

5.1 Ein großer Bereich der Gewinnung neuer Wörter besteht dann schließlich
in der Entlehnung aus anderen Sprachen. Wir können z. B. ein englisches Wort
in einen deutschen Text aufnehmen, und wenn dies häufig geschieht, wenn die
Sprachgemeinschaft diese Übernahme akzeptiert, dann wird dieses ursprünglich
englische Wort auch zu einem deutschen (wie z. B. Sport, bei dem heute nur
noch der Sprachgeschichtler daran denkt, daß dies eigentlich ein englisches
Wort ist). Und dies gilt nicht nur für das Englische, sondern in früheren
Entlehnungen XXIII

Jahrhunderten vor allem für das Französische, und schon vor Beginn unserer
schriftlichen Überlieferung bis heute für das Latein (und über das Latein auch
das Griechische) — daneben auch für viele andere Sprachen, die aber nur in
geringerem Umfang in Frage kommen.

5.2 Nun ist der Fall, daß das Wort ganz übernommen wird (wie das eben
genannte Sport, das ein Lehnwort ist), nicht die einzige Möglichkeit der Entleh¬
nung. Ein mehrgliedriges Wort kann z. B. Stück für Stück übersetzt werden -
die Lehnübersetzung, wie z. B. Geistesgegenwart aus frz. presence d’esprit. Kom¬
plizierter ist die Lehnbedeutung, bei der ein Wort nach dem Vorbild eines
tremden Wortes eine zusätzliche Bedeutung bekommt. So bedeutet das deutsche
Wort lesen in alter Zeit eigentlich nur ,auflesen‘; aber das lateinische Wort, das
,auflesen' bedeutet (1. legere), bedeutet zugleich auch ,(Schrift) lesen', und
danach hat auch das deutsche Wort die Bedeutung ,(Schrift) lesen' bekom¬
men. — Von den Lehnwörtern unterscheidet man gelegentlich die Fremdwörter,
die ihr fremdartiges Aussehen behalten haben und nicht assimiliert worden
sind. Solche Fremdwörter hat man immer wieder aus der Sprache auszuschei¬
den gesucht, indem man bestimmte Ersatzwörter für sie vorgeschlagen hat.
Diese sind teilweise durchgedrungen, teilweise nicht. Sie bilden aber eine sprach-
geschichtlich aufschlußreiche Erscheinung, so daß wir sie in der Regel erwähnt
haben.

5.3 Interessant ist dann der Fall der Scheinentlehnung, bei der ein fremdsprach¬
liches Wort aufgenommen wird, das in der Ausgangssprache gar nicht existiert.
Wir sagen z. B. Oldtimer für ein altes Auto — das sieht aus wie eine Entlehnung
aus dem Englischen; aber im Englischen sagt man für diese Sache Veteran
car — der Ausdruck Oldtimer scheint also gar nicht englisch zu sein. Diese
Fälle sind meist sehr schwer zu beurteilen, weil man nicht mit Sicherheit sagen
kann, ob das Wort in der Ausgangssprache nicht doch ein paar Mal aufgetreten
und dabei entlehnt worden ist (worauf man dann in der Ausgangssprache ein
anderes Wort einführte).

5.4 Wenn man in verschiedenen Sprachen gleichbedeutende Wörter mit glei¬


chem Aufbau hat, aber nicht entscheiden kann, ob eine Lehnübersetzung
o. ä. vorliegt, spricht man zurückhaltender von Übersetzungsgleichungen oder
Übersetzungsäquivalenten (man kann z. B. nicht sagen, wo die beliebte Bezeich¬
nung der Zigarette als Sargnagel, ne. coffin nail, nisl. likkistu-nagli zuerst
aufgetreten ist — es sind Übersetzungsgleichungen, die erst durch eine beson¬
dere Untersuchung geschichtlich gedeutet werden können). Wörter, die in alle
wichtigen Kultursprachen entlehnt worden sind, nennen wir Internationalismen
(man sagt auch Europäismen u.ä.); bei den sehr frühen Fällen dieser Art
(Bezeichnungen für Gewürze, Metalle u.ä.) spricht man meist von kulturellen
Wanderwörtern.

5.5 Allgemein trennt man den Lehnwortschatz vom Erbwortschatz und spricht
demgemäß von Erbwörtern. Hat ein Wort Bestandteile aus dem Erbwortschatz
und dem Lehnwortschatz zugleich, spricht man von hybriden Bildungen (das
gilt auch, wenn ein Wort aus verschiedenen sonstigen Sprachen Elemente hat,
z. B. aus Latein und Griechisch). Beruhen Entlehnungen darauf, daß eine
Völkermischung eingetreten ist, dann spricht man von einer Substratsprache
XXIV Einführung in die Terminologie

oder einem Substrat, wenn aus der Sprache des unterlegenen Volkes Wörter
aufgenommen worden sind (Substrate werden aber häufiger behauptet als
nachgewiesen). Sind umgekehrt aus der Sprache des überlegenen Volkes Wörter
aufgenommen worden, so spricht man von einem Superstrat.

5.6 Da aus dem Lateinischen und den auf dieses folgenden romanischen
Sprachen zu allen Zeiten Wörter ins Deutsche entlehnt worden sind, macht
hier die sprachliche Bestimmung gelegentlich Mühe. Wir nennen hier Wörter,
die mit lateinischem Sprachmaterial in neuer Zeit gebildet worden sind, neolatei¬
nisch, und falls griechische Bestandteile beteiligt sind, neoklassisch. Bei den
romanischen Sprachen ist zu beachten, daß ihre Vorformen, die z.T. für die
Entlehnung ins Deutsche wichtig sind, nicht belegt werden können, sondern
nur erschlossen sind. Solche Wörter sind regelmäßig durch einen Stern (*)
markiert.

5.7 In den Teilen 2 — 5 dieser Übersicht sind die Möglichkeiten der Herkunft
eines Wortes aufgezählt — die verschiedenen Bildungsvorgänge, die in einer
Sprache ein neues Wort (oder ein Wort in einer neuen Bedeutung) hervorbrin¬
gen. Kommen wir bei unserer geschichtlichen Analyse eines Wortes nicht bis
auf einen solchen Bildungsvorgang zurück, so nennen wir die Herkunft dunkel.
Das bedeutet nicht, daß wir das Wort nicht zurückverfolgen können — unter
Umständen kann es für die indogermanische Grundsprache eindeutig erschlie߬
bar sein —; aber wir können seine Bildung nicht erklären und damit bleibt
seine Herkunft für uns dunkel.

Der Wortgebrauch

6.1 Die Wörter unserer Sprache liegen uns nicht alle gleich nahe: Einige
kommen uns recht veraltet vor — wir würden z. B. das Wort Odem in normaler
Sprache gar nicht benützen, es ist ein Archaismus, ein altertümliches Wort.
Manche Wörter sterben auch aus und werden dann (durch das Nachahmen
des Gebrauchs älterer Texte) wiederbelebt wie z. B. das Wort tarnen. Das
Extrem auf der anderen Seite sind die Neologismen, die Neuwörter, die gerade
erst in Gebrauch gekommen sind, und bei denen man noch nicht so recht weiß,
ob man sie schon unbesorgt gebrauchen darf. Andere Wörter liegen uns nicht
so nahe, weil sie fachsprachlich sind — dabei denken wir in erster Linie an die
Wissenschafts- und Berufssprachen; aber auch die Angler und Briefmarken¬
sammler haben ihre Fachsprache; es geht dabei einfach um einen Wortschatz,
der spezieller ist als ihn die Allgemeinheit benötigt, und deshalb nur von den
kleinen Gruppen der Fachleute benützt wird. Wörter, die nur von kleinen
Gruppen benutzt werden, kommen auch in anderen Zusammenhängen vor —
z. B. Anspielungen auf die griechische und römische Mythologie oder andere
geschichtliche Zustände, über die nur diejenigen reden können, die direkt
oder indirekt mit der Sache zu tun gehabt haben. Solche Wörter nennen
wir sondersprachlich. In derart verschiedenen Sprachausprägungen (auch in
verschiedenen Regionalsprachen usw.) treten häufig verschieden entwickelte
Formen (Lautformen, Flexionsformen) aus demselben Ausgangspunkt auf.
Der Wortgebrauch XXV

Solche verschiedenen Formen aus gleichem oder nahe verwandtem Ursprung


nennen wir Varianten.

6.2 Andererseits bemühen sich die Sprecher, eine bestimmte Form der Sprache
zu sprechen, etwa die Hochsprache. Sie setzen also z. B. mundartliche Lautfor¬
men regelmäßig in hochsprachliche Lautformen um. Dabei kann es nun Vor¬
kommen, daß sie sich in der Beurteilung täuschen, daß sie ein Wort hochsprach¬
lich machen, das gar nicht in die Hochsprache gehört, oder daß sie die Lautform
falsch beurteilen, und so eine falsche hochsprachliche Lautform hersteilen.
Solche Fälle nennt man Hyperkorrektismen. Es kann auch sein, daß die Spre¬
cher ein Wort fälschlich an eine andere Sprachform angleichen, z. B. an das
Französische, weil sie meinen, das betreffende Wort sei französischer Herkunft
(oder weil ihnen die französische Aussprache passender dünkt, oder aus welchen
Gründen auch immer). Dann sagt man, eine Form sei französisierend; wenn
man z. B. an das Griechische angleicht, ist die Form graezisierend und entspre¬
chend bei anderen Sprachen.

6.3 Wenn ein Wort gebildet wird, dann hat es in der Regel zunächst eine
systematische Bedeutung, d. h., seine Bedeutung kann aus der Bedeutung der
Elemente und der Kenntnis der Funktion der Fügungsregeln erschlossen wer¬
den. Wenn Sie z. B. das Wort Fensterreiniger zum ersten Mal hören, dann
können Sie die (systematische) Bedeutung erschließen aus Ihrer Kenntnis von
Fenster, reinigen und Ihrer Kenntnis des Wortbildungstyps der Nomina agentis
und Nomina instrumentalia auf -er, sowie der Möglichkeit, bei solchen Nomina
das Objekt der Handlung als Kompositionsglied anzufügen; also: jemand, der
Fenster reinigt1 oder ,etwas, womit man Fenster reinigt4. Die meisten Wörter
entwickeln aber nach einiger Zeit Besonderheiten, die nicht mehr aus den
Bestandteilen erschlossen werden können. Ein Maikäfer z. B. ist nicht mehr
einfach ein Käfer, den man im Mai vorfinden kann, sondern ein ganz bestimm¬
ter Käfer (auch wenn man ihn im April oder Juni Findet; und andere Käfer,
die man im Mai finden kann, heißen wir nicht so; diese Art der Differenzierung
nennt man Polarisierung). Die Bedeutung solcher Wörter muß man irgendwann
lernen, sie sind lexikalisiert (wenn man nur speziell die Weiterentwicklung der
Bedeutung meint, sagt man auch idiomatisiert oder ohne geschichtliche Deutung
idiomatisch). Zu den Besonderheiten der Bedeutung gehört auch, daß sie indivi¬
duelle oder stilistische Bewertungen entwickeln, die mit der Bedeutung selbst
nichts zu tun haben (so hat etwa das Wort Führer aus geschichtlichen Gründen
für uns einen negativen Beiklang). Soll auf solche Besonderheiten hingewiesen
werden, so unterscheidet man zwischen der Denotation (der Bedeutung im
eigentlichen Sinn) und der Konnotation (dem Beiklang, den Assoziationen).

6.4 Die Sprecher reagieren nun auf solche Entwicklungen, indem sie teilweise die
Wörter wieder im systematischen Sinn gebrauchen, sie wieder verdeutlichen4.
Diesen Vorgang erkennt man am besten daran, daß er manchmal zu Ergebnis¬
sen führt, die historisch gar nicht richtig sind; daß die Sprecher also eine
Verdeutlichung4 bewirkt haben, die etwas ganz Neues hervorbringt. So bedeutet
etwa das Wort irritieren eigentlich ,reizen4; aber die Sprecher haben geglaubt,
es an irre anschließen zu müssen und haben es dann in der Bedeutung ,irre
machen, verwirren4 gebraucht. Diese Reaktion kann sogar die Lautgestalt des
Wortes verändern; so etwa wenn ein Wort, das eigentlich Freithof lauten müßte
XXVI Einführung in die Terminologie

(und in alter Zeit gelegentlich auch in dieser Form auftaucht), an Friede


angeschlossen und dann Friedhof ausgesprochen wird. Solche Erscheinungen
nennt man meist Volksetymologie, eine neutralere Bezeichnung ist Sekundärmo¬
tivation. Auch in anderen Bereichen, etwa der Morphologie, können Umdeutun-
gen auftreten, etwa wenn ein Suffix mit einem gleichlautenden Suffix anderer
Herkunft identifiziert wird.
6.5 Andere derartige Veränderungen durch die Sprecher kommen davon, daß
sie bestimmte Muster als Vorbild genommen und auf andere Fälle übertragen
haben. So können wir etwa sagen tags in der Bedeutung ,tagsüber1, indem wir
einfach den Genetiv von Tag adverbial verwenden. Nach diesem Muster sagen
wir nun auch des Nachts ,die Nacht über, in der Nacht‘, obwohl Nacht gar
keinen Genetiv auf -5 hat. Solche Fälle nennt man Analogie. Wieder ein
anderer Fall, in dem sich die Sprecher ,zu viel gedacht haben‘ sind die falschen
Ablösungen, bei denen eine Form oder eine Wortgruppe nicht so aufgelöst wird,
wie es historisch gerechtfertigt wäre. So ist etwa Otter in der Bedeutung
,Schlange1 (wie in Kreuzotter eine falsche Ablösung aus Natter: Bei mundart¬
lichen Formen von eine Natter [-nadr] wurde falsch getrennt in [-n adr],
6.6 Bestimmte Besonderheiten ergeben sich auch schon beim Gebrauch der
Wörter: Manche Wörter will man z. B. nicht ,in den Mund nehmen1, weil sie
Dinge betreffen, über die man nicht gerne redet (die körperliche Ausscheidung,
Geschlechtsverkehr u.ä.). In solchen Fällen werden gerne verhüllende Wörter
(Hüllwörter oder Euphemismen) verwendet (etwa Hintern oder der Hintere statt
Arsch usw.). Nach einiger Zeit gelten häufig auch diese Hüllwörter wieder als
,zu direkt1, so daß sie durch neue ersetzt werden müssen. Das Wort, das als
Hüllwort herangezogen wird, macht damit natürlich eine Bedeutungsverschlech¬
terung durch: Es muß für den gemiedenen Begriff mit eintreten. Typisch ist
etwa, daß Wörter für Rädchen1 (wie unser Dirne) zu Wörtern für prostituierte1
werden. Es gibt auch andere Gründe für eine Bedeutungsverschlechterung,
etwa wenn ein gleichbedeutendes Wort das höhere Prestige hat (vgl. etwa
Frauenzimmer im Wörterbuch). Eine auf diese Weise abschätzige oder abwer¬
tende Bedeutung nennt man eine pejorative.
6.7 Andere Formen der Bedeutungsentwicklung sind die Bedeutungsverallge¬
meinerung (ein Wort bekommt eine allgemeinere Bedeutung, z. B. Sache wird
von ,Gerichtssache1 verallgemeinert zu ,Ding‘). Im Gegensatz dazu steht die
Bedeutungsverengung, bei der ein Wort eine eingeschränktere Bedeutung be¬
kommt (z. B. Faß, das ursprünglich allgemein ,Gefäß1 bedeutete). Die verschie¬
denen Möglichkeiten der Bedeutungsentwicklung bringen es mit sich, daß ein
Wort mehrere Bedeutungen haben und eine Bedeutung durch mehrere Wörter
ausgedrückt werden kann. Es ist deshalb nicht unwichtig, ob man sein Material
nach den Wortformen oder nach den Bedeutungen ordnet. Ordnet man nach
den Wortformen und fragt nach deren Bedeutungen, so wendet man das
semasiologische Verfahren an; ordnet man nach den Bedeutungen und fragt,
durch welche Wörter sie ausgedrückt werden können, so ist das Verfahren
onomasiologisch.

6.8 Wird etwas sprachlich zweimal benannt (etwa in den Teilen eines Komposi¬
tums), so nennt man dies eine Tautologie; der häufigste Fall sind die unter
Grammatik XXVII

3.13 behandelten Lindwurm-Komposita; es gibt aber auch anderes. Sind zwei


ui spi ungsverschiedene Wörter gleichlautend, so nennt man dies eine Homony¬
mie (sind sie nicht ganz gleichlautend, eine Paronymie). Sind die Bedeutungen
dieser gleichlautenden Wörter ähnlich, so werden sie vom Sprecher für dasselbe
Woit gehalten (vgl. etwa im Wörterbuch unter Spieß); sind die Bedeutungen
stark unterschiedlich (Fuge ,Ritze‘ und ,Musikstück1), so stört der Gleichlaut
nicht, sind sie dagegen verschieden, aber verwechselbar oder sonstwie störend,
so werden die beiden Wörter differenziert (verschieden gemacht); häufig auch
so, daß eines von beiden schwindet (es gibt im übrigen auch andere Gründe
tür eine Differenzierung, etwa, daß zwei Wörter genau die gleiche Bedeutung
haben — dies stört den automatischen Ablauf der Sprache).
6.9 Werden Teile eines sprachlichen Ausdrucks weggelassen, so nennt man dies
eine Ellipse (etwa ein Helles statt ein helles Bier). Die Abgrenzung gegenüber
Erscheinungen mit ähnlichen Auswirkungen wird verschieden vorgenommen,
so daß der Begriff etwas unpräzis ist. Werden in einem mehrteiligen Komposi¬
tum die Mittelglieder ausgelassen (Reißzwecke statt Reißbrett-Zwecke), so
spricht man von einer Klammerform.
6.10 Beeinflussen sich zwei (meist gleichbedeutende) Wörter so stark, daß sie
in eines verschmelzen, so spricht man von einer Kontamination (die Wörter
sind kontaminiert). Dies ist ein Sonderfall der unter 6.5 behandelten Analogie.
6.11 Besondere Schwierigkeiten für die Untersuchung bieten Wörter, die in
irgendeiner Weise selten sind. Dazu gehören die Wörter, die in der Überlieferung
nur einmal bezeugt sind — ein solches Wort nennt man Hapax legomenon oder
kurz Hapax (d. h. ,einmal zu lesen‘). Eine ähnliche Besonderheit besteht darin,
daß ein Wort nur in Wörterbüchern, nicht in Texten bezeugt ist (hier wird im
allgemeinen vermerkt: Nur bei Lexikographen o. ä.). — Anders ist es bei den
Relikten: Das sind Wörter oder Formen, die Merkmale eines älteren Systems
bewahrt haben, die sonst überall beseitigt worden sind. So ist etwa gülden
neben Gold das Relikt eines Lautwechsels ü — o (der darauf beruht, daß der
Umlaut ü vor einem folgenden i/j aus u entstand, und ein solches u vor dunklen
Vokalen zu o wurde). Etwas ähnliches wie die Relikte sind die Unregelmäßigkei¬
ten, die Abweichungen von einer systematischen Bildung, die meist ebenfalls
auf früheren Regelmäßigkeiten beruhen. Von Gelegenheitsbildungen oder okka¬
sionellen Bildungen sprechen wir, wenn ein Wort in einer bestimmten Situation
für einen bestimmten Zweck geprägt, dann aber wieder vergessen wird. Gele¬
gentlich werden solche Bildungen aber verallgemeinert und in den normalen
Wortschatz aufgenommen.

Grammatik

7.1 Auch bei der Besprechung der Etymologie ist immer wieder auf die gramma¬
tischen Eigenschaften der betreffenden Wörter einzugehen; zunächst auf die
Wortarten. Unter einem Nomen (Adjektiv: nominal) verstehen wir ein Substantiv
oder Adjektiv (meist ein Substantiv); es flektiert nach Kasus und Numerus;
wobei für das letztere zu beachten ist, daß es in der früheren Zeit auch einen
Dual gegeben hat, einen Numerus, der die natürliche Paarigkeit (z. B. von
XXVIII Einführung in die Terminologie

Körperteilen wie Ohren) bezeichnet. Beim Kasus wird gelegentlich der Kasus
obliquus oder obliquer Kasus genannt. Darunter versteht man zunächst den
Akkusativ; allgemeiner dann aber auch die Kasus außerhalb des Nominativs
(und Vokativs). Für die Wortbildung wichtig ist auch der Lokativ, ein Kasus,
der den Ort bezeichnet (es gibt auch lokativische Bildungen, die nicht speziell
Kasusformen sind). Eine Norninalform ist eine entweder wortbildungsmäßig
oder nach Kasus und Numerus als Nomen bestimmte Form.
7.2 Beim Verb sind zunächst finite Formen (die Personalformen) von den
infiniten Formen (wie Infinitiv und Partizip) zu unterscheiden; von diesen ist
der Infinitiv ein Verbalsubstantiv, das Partizip ist ein Verbaladjektiv. In anderen
Sprachen und in früheren Sprachzuständen gibt es außerdem noch ein Gerun¬
dium), das sogenannte Participium necessitatis (Partizip der Notwendigkeit;
Angabe, daß das im Verb Ausgedrückte getan werden muß) und das Gerundium,
ein zugehöriges Verbalsubstantiv. Bei den finiten Formen sind besonders die
Diathesen zu erwähnen (die Unterscheidung zwischen Aktiv und Passiv; in der
früheren Zeit gab es auch noch eine dritte, die funktionell häufig unserem
Reflexivum entspricht, die mediale Diathese), sowie die Unterscheidung nach
Tempus (Zeit) und Modus (Aussageart).
7.3 Bei den Adjektiven sind die verschiedenen Steigerungsformen zu beachten:
der Positiv (die Normalform), der Komparativ (die Steigerungsform) und der
Superlativ (die FlÖchststufe, die außerhalb von Vergleichen Elativ genannt
wird). Bei den mit den Adjektiven verwandten Zahlwörtern sind verschiedene
funktionelle Sonderformen zu beachten. Neben den üblichen Kardinalzahlen
(5, 6) und Ordinalzahlen (5., 6.) gibt es Multiplikativzahlwörter (fünfmal,
sechsfach) und Distributivzahlwörter (je fünf, je sechs). Über die Adverbien ist
hier nichts besonderes zu sagen; dagegen seien die Partikeln (nicht flektierende
Wörter) besonders erwähnt. Für die Etymologie wichtig sind besonders die
Interjektionen (Ausrufewörter).
7.4 Was die syntaktische Konstruktion anbelangt, so sei hier auf die Unterschei¬
dung zwischen affiziertem Objekt und effiziertem Objekt hingewiesen. Elfiziert
ist ein Objekt, wenn es durch die Verbalhandlung bewirkt, hervorgebracht wird
(z. B. ein Bild malen)-, affiziert ist das Objekt, wenn es durch die Handlung
betroffen wird (den Hund schlagen).
7.5 Nomina werden nach Kasus und Numerus abgewandelt (dekliniert, Deklina¬
tion), Verben nach Person, Numerus und Tempus/Modus (konjugiert, Konjuga¬
tion). Beides zusammen nennt man Flexion (die Wörter werden flektiert) und
das Verfahren dieser Abwandlung überhaupt die Morphologie einer Sprache
(mit dem gleichen Wort bezeichnet man auch die Beschreibung dieser Möglich¬
keiten). Den gesamten Formenbestand, den ein Wort haben kann, nennt man
sein Paradigma; fehlen bestimmte Teile, so ist das Paradigma defektiv; wie z. B.
bei den Pluralia tantum, den Wörtern, die nur im Plural Vorkommen (z. B.
Eltern). Tritt für eine fehlende Formenreihe die Reihe eines anderen Wortes
ein, so ist das Paradigma suppletiv (z. B. die Steigerungsformen gut, besser, am
besten).

7.6 Grammatische Wörter, die die Stelle der Nomina einnehmen oder diese
begleiten können, sind die Pronomina. Sie haben häufig bestimmte altertümliche
Lautstand XXIX

Stämme, die Pronominalstämme, die vielfach sehr kurz, unregelmäßig und


vielseitig verwendet sind. Zu den wichtigsten Funktionen der Pronomina gehört
die Wiederaufnahme von etwas bereits besprochenem, der Rückbezug oder die
anaphorische Funktion. Die Begleitung oder den Einsatz der Zeigegeste nennt
man die deiktische Funktion oder Deixis.

Lautstand

8.1 Was den Lautstand anbelangt, so bezeichnen wir die Bestandteile der
Wortform als Laute; betrachten wir die Laute vom Lautsystem her (z. B.
danach, ob sie Bedeutungen differenzieren können oder nicht), dann sprechen
wir von Phonemen. Nach der Art der Hervorbringung unterscheiden wir bei
den Lauten Vokale (Öffnungslaute, bei denen der Luftstrom beim Sprechen
nicht behindert wird) und — terminologisch etwas ungenau — Konsonanten,
bei denen der Luftstrom beim Sprechen behindert wird (eigentlich müßte man
Vokale und Nicht-Vokale unterscheiden; daneben Sonanten und Konsonanten,
d. h. Silbenträger und Laute außerhalb des Silbengipfels). Den Gesamtbestand
der Vokale einer Sprache, auch den Vokalbestand eines Wortes, nennt man
häufig den Vokalismus; entsprechend verwendet wird Konsonantismus. Laute,
die je nach Umgebung als Sonant oder Konsonant realisiert werden, nennt
man Halbvokale. Laute, die beim Übergang von einem Laut zu einem anderen
eingeschoben werden (z. B. ein j zwischen i und a), nennt man Gleitlaute.

8.2 Die Konsonanten unterscheidet man nach ihrer Hervorbringungsart in


Reibelaute (Spiranten, Adjektiv spirantisch), bei denen die Luft durch eine Enge
im Mund gepreßt wird (/, s, ch usw.); Verschlußlaute (Explosivlaute), bei denen
ein Verschluß gelöst wird (p, b, t, d usw.), Affrikaten (die aus Verschlußlaut +
Reibelaut an der gleichen Stelle bestehen), Nasale (m, n, ng), Liquiden (r, l)
und Kontinuanten (J, w — auf diese bezieht man sich häufig als Halbvokale).
Einen gelängten (verdoppelten) Konsonanten nennt man eine Geminate (gemi-
niert ,verdoppelt1).
8.3 Nach dem Artikulationsort unterscheidet man Labiale (mit den Lippen
gebildet), Labiodentale (Unterlippe + Oberzähne, z. B. /); Dentale (mit den
Zähnen), Alveolare (Zunge gegen Zahnrücken, wie d und t im Deutschen),
Palatale (Vordergaumen), Velare (weicher Gaumen), Uvulare (mit dem Zäpf¬
chen, z. B. das Rachen-r) und Laryngale (mit dem Kehlkopf, z. B. h). Die
Palatale und Velare zusammen werden Tektale genannt (in der älteren Literatur
auch Gutturale, was aber irreführend ist). Ein besonders in den frühen Sprachen
wichtiger kombinierter Artikulationsort wird labiovelar genannt. Dabei handelt
es sich um Velare, die mit Lippenrundung gesprochen werden, so daß sich eine
enge Verbindung von Velar und (bilabialem) w ergibt.
8.4 Laute verändern sich im Laufe der Zeit — in der Regel so, daß der gleiche
Laut unter gleichen Bedingungen zum gleichen anderen Laut wird. Das ist der
Lautwandel; wenn man die Regelmäßigkeit der Erscheinung hervorheben will,
spricht man auch von Lautgesetzen. Veränderungen, die von besonderen Bedin¬
gungen abhängig sind, sind etwa Dehnungen, d. h. Vokale, gelegentlich auch
Konsonanten, werden gelängt, sei es, um den Ausfall anderer Laute auszuglei-
XXX Einführung in die Terminologie

chen (Ersatzdehnung), sei es, um die Lautform ausdrucksvoller zu machen


(expressive Dehnung), sei es aus anderen Gründen. Ein wichtiger Fall ist die
Überdehnung oder Pluti, die in bestimmten Bereichen regelmäßig Vorkommen
kann (etwa bei gerufenen Namen oder sonstigen Ausrufen ein auslautender
Vokal). Wird ein Vokal so stark gedehnt, daß er in eine Lautfolge (meist zwei
gleiche Laute mit Gleitlaut) zerfällt, so spricht man von Zerdehnung (vgl. etwa
Ehe aus einem langen e).

8.5 Unter einer Assimilation versteht man, daß ein Laut an einen anderen, im
Wort benachbarten, ganz oder teilweise angeglichen wird. So haben wir etwa
statt *ent-fangen in Wirklichkeit empfangen: das t ist an das/assimiliert worden
(von einem Dental zu einem Labial) und dann hat sich auch der Nasal in
seinem Artikulationsort angeglichen. Umgekehrt geht es bei der Dissimilation:
Wenn zwei gleiche Laute nur durch wenige Laute getrennt sind, dann werden
sie häufig unähnlich gemacht. So lautete das Wort Köder ursprünglich Körder
und das erste r wurde durch Dissimilation beseitigt (dissimilatorischer
Schwund).
8.6 Bei einer Metathese werden zwei Laute miteinander vertauscht, der eine
springt um den anderen herum. Das ist besonders bei Liquiden der Fall; so
gehört etwa Born zu Brunn(en), hat aber in der Stellung des r eine Metathese
durchgemacht. Bei der Haplologie oder Silbenschichtung werden zwei gleiche
Lautfolgen zu einer einzigen vereinfacht. So sagen wir statt *Zauber-er-in nur
Zauberin, weil die beiden -er- zu einem einzigen vereinfacht worden sind.

8.7 Besonders starke Veränderungen ergeben sich in unbetonten Silben, im


Tiefton, gegebenenfalls auch im Satztiefton (an Stellen des Satzes, die struktur¬
bedingt unbetont sind). Zu den häufigsten Erscheinungen dieser Art gehört die
Apokope, der Abfall von auslautendem -e (gegebenenfalls auch von anderen
Vokalen), und die Synkope, der Ausfall von unbetontem -e- (gegebenenfalls
auch von anderen Vokalen) im Innern des Wortes. Man sagt, ein Vokal werde
apokopiert oder synkopiert. Eine ähnliche Erleichterung der Sprechbarkeit auf
der Seite der Konsonanten ist das ,Anwachsen4 geschichtlich unberechtigter
Konsonanten, meist am Schluß des Wortes (Epithese, epithetische Konsonanten);
im Deutschen in der Regel ein Dental.
8.8 Stoßen zwei Vokale aufeinander, so spricht man von einem Hiat (es geht
dabei nur um Vokalfolgen, die nicht einen Diphthong bilden können). Solche
Lautfolgen sind vielfach unbequem, weshalb Gleitlaute eingeschoben werden,
die sogenannten Hiattrenner. Beim Übergang in andere Sprachen (und auch
sonst in der Sprachgeschichte) werden Lautformen gelegentlich verändert um
der Sprechbarkeit oder des Wohlklangs willen (Euphonie, euphonisch).
8.9 Treten Lautwandel nur in bestimmten Umgebungen auf, und wechseln
diese Umgebungen innerhalb eines Paradigmas oder einer Wortfamilie, so
entstehen Lautwechsel. Zu den wichtigsten Lautwechseln aus früher Zeit gehört
der Ablaut, eine Reihe von Vokalveränderungen verschiedener Ursachen, die
in Flexion und Wortbildung der indogermanischen Sprachen eine große Rolle
spielten. Man spricht in diesem Rahmen von der Normalstufe oder e-Stufe
(d. h. ein e, das in anderen Formen abgewandelt wird), von der Abtönungsstufe
oder o- Stufe (beide zusammen sind Hochstufen) in Gegensatz zur Schwundstufe
Zeitliche Verhältnisse XXXI

oder Tiefstufe, in der der e-Vokal geschwunden ist, und der Silbengipfel durch
einen umgebenden Laut ausgefüllt werden muß. Umgekehrt ist es bei der
Dehnstufe, in der der Vokal (das braucht in diesem Fall nicht unbedingt ein e
zu sein) gelängt wird. Durch besondere Lautentwicklungen kann ein ablauten¬
des Wort eine Lautform bekommen, die einer andersartigen Ablautreihe ent¬
spricht und dann in seinen Formen und Ableitungen dieser anderen Ablautreihe
angeglichen werden (vgl. im Wörterbuch unter gedeihen). In diesem Fall spricht
man von Ablautentgleisung.

8.10 Ein anderer Lautwechsel ist der Umlaut, der darauf zurückzuführen ist,
daß die dunklen Vokale aufgehellt wurden, wenn in der folgenden Silbe früher
ein i oder7 stand (das in den späteren Formen aber geschwunden ist). Umlaute
haben wir in unserer heutigen Sprache noch in vielen Fällen, besonders auch
in der Form, daß sie funktionalisiert sind (d. h. eine grammatische Funktion
zum Ausdruck bringen müssen), so etwa bei Garten — Gärten zum Ausdruck
des Plurals. Ein Lautwechsel bei Konsonanten, der nur noch als Relikt erhalten
ist, ist der grammatische Wechsel, etwa in schneiden — schnitt (auch der Schnitt).
8.11 Eine besondere Vokalentwicklung ist die Rundung, bei der ein vorderer
Vokal nachträglich eine Lippenrundung bekommt (i wird dann zu ü, e zu ö
usw.); auch der umgekehrte Vorgang kann eintreten und heißt dann Entrundung.
8.12 In bezug auf die Schreibungen sei darauf hingewiesen, daß besondere
Laute entweder mit einem eigenen Zeichen zum Ausdruck gebracht werden
können, oder indem ein vorhandenes Zeichen abgewandelt wird. Der abwan¬
delnde Teil (z. B. die Pünktchen bei den Umlautvokalen) heißt diakritisches
Zeichen.

Zeitliche Verhältnisse

9.1 Was die zeitliche Schichtung anbelangt, so sei hier nur erwähnt, daß
wir unsere heutige Sprache (seit etwa 1600) als Neuhochdeutsch bezeichnen,
gegebenenfalls trennen wir die jüngste Schicht als Gegenwartssprache ab. Da¬
vor, etwa von 1350 — 1600, sprechen wir von Frühneuhochdeutsch (dazu gehört
etwa die Sprache Luthers), noch früher (etwa 1100 — 1350) ist Mittelhoch¬
deutsch (z. B. die Sprache Walthers von der Vogelweide oder Wolframs von
Eschenbach), und unsere frühest-bezeugte Sprachform nennen wir Althoch¬
deutsch (vom 8. Jh. bis etwa 1100). Das Element -hoch- kennzeichnet dabei
den Gegensatz zu Niederdeutsch, das zwar auch Deutsch ist, aber z. B. nicht
die Lautverschiebung mitgemacht hat. Zum gleichen Sprachraum gehörte auch
die Vorstufe des heutigen Niederländischen, das aber auf Grund besonderer
politischer und kultureller Umstände eine eigene Hochsprache entwickelt hat.
Dagegen sind Dänisch, Norwegisch, Schwedisch und Englisch eigene Sprachen,
die mit der unseren entfernter verwandt sind. Komplizierter ist es mit dem
Friesischen, das wir hier ebenfalls als eine eigene Sprache (oder Sprachgruppe)
betrachten.
9.2 Auf Grund der verhältnismäßig nahen Verwandtschaft des Deutschen zu
anderen Sprachen sind wir in der Lage, die Geschichte des Deutschen auch in
der Zeit zu betrachten, in der es noch gar nicht belegt ist: Wir können
XXXII Einführung in die Terminologie

durch den Vergleich der verwandten Sprachen die Vorstufen erschließen. Diese
Vorstufen sind vor allem für Deutsch, Englisch, die skandinavischen Sprachen
und das heute ausgestorbene Gotische das Germanische; vergleicht man darüber
hinaus auch das Lateinische, Griechische, Keltische, Baltische, Slavische, Indi¬
sche, Hethitische und einige andere Sprachen, so ergibt sich das Indogermani¬
sche, das in anderen, hauptsächlich englischen, Schriften auch Indoeuropäisch
genannt wird (das ist zwar ein neutralerer Ausdruck, aber sachlich weniger
richtig, weil nicht alle europäischen Sprachen zu dieser Gruppe gehören).
9.3 Vermuten wir von einem Wort, daß es bereits in der indogermanischen
Grundsprache vorhanden war, so nennen wir es indogermanisch oder grund¬
sprachlich. Nehmen wir ein hohes Alter in Anspruch, wollen aber nicht so weit
zurückgehen, dann sagen wir voreinzelsprachlich. In diesem Wörterbuch wird
versucht, die räumliche Vergleichbarkeit von Wörtern in bestimmte Gruppen
zu fassen (die gewisse Rückschlüsse auf das Alter ermöglichen). Wir treffen
dabei folgende Unterscheidungen: Westeuropäisch (weur.) nennen wir gegebe¬
nenfalls ein Wort, das außer im Germanischen noch im Keltischen oder Itali¬
schen oder in beiden vorkommt; osteuropäisch (oeur.) ein. Wort, das außer im
Germanischen noch im Baltischen oder Slavischen oder in beiden auftritt;
West- und osteuropäisch (w/oeur.) die Kombination aus beiden. Europäisch
(eur.) ist ein Wort, das außer im Germanischen noch im Griechischen oder
Armenischen oder Albanischen auftritt (diese Sprachen stehen dem Germani¬
schen ferner; deshalb müssen solche Wortgleichungen ein größeres Gebiet
umfaßt haben); für die Bezeichnung als indogermanisch oder grundsprachlich
verlangen wir, daß ein Wort außer im Germanischen noch im Arischen (Indisch,
Iranisch) oder Hethitischen oder Tocharischen auftritt.
9.4 Betrachten wir eine Sprache zu einem bestimmten Zeitraum, so nennen wir
diese Betrachtungsweise synchronisch; untersuchen wir sie in ihrer Entwicklung,
also historisch, so ist die Betrachtungsweise diachronisch. Die verschiedenen
menschlichen Sprachen bezeichnen wir als Natursprachen, wenn wir den Gegen¬
satz zu Kunstsprachen, Tiersprachen, Kalkülsprachen usw. hervorheben wollen.
Register XXXIII

Register
Abkürzungen 4.7 diakritisches Zeichen 8.12
Ablaut 8.9 Diathese 7.2
Ablautentgleisung 8.9 Differenzierung, differenziert 6.8
ablösen, Ablösung 6.5 Diminutiv 3.10
Abstraktum s. Adjektiv-, Verbal-, Dissimilation 8.5
ti- 3.7, 3.9 Distributivzahlwörter 7.3
Ableitung 3.1 Dual 7.1
Abtönungsstufe 8.9 dunkel 5.7
Adjektiv 7.3 Durativ 3.12
Adjektiv der Möglichkeit 3.9
Adjektivabstraktum, 3.9 e-Stufe 8.9
Adverb 7.3 effiziertes Objekt 7.4
Affix 3.1 Eigenname 1.1
affiziertes Objekt 7.4 Eigenschaftsbezeichnung 3.11
Affrikata 8.2 Elativ 7.3
Akronym 4.7 Ellipse 6.9
althochdeutsch 9.1 emphatische Dehnung 8.4
Alveolar 8.3 emphatische Lautung 2.3
Analogie 6.5 Enklise, enklitisch 4.2
anaphorisch 7.6 Entlehnung 5.1
8.7 Entrundung 8.11
Apokope, apokopiert
Epithese, epithetisch 8.7
Appellativ(um) 1.1
Erbwörter 5.5
Archaismus, archaisch 6.1
Ersatzdehnung 8.4
Assimilation, assimiliert 8.5
Ersatzwörter 5.2
Augmentativum 3.10
Erweiterung 3.8
Etymologie 1.3
Bahuvrihi 3.13
Etymon 1.3
Bedeutungsübertragung 4.4
Euphemismus 6.6
Bedeutungsverallgemeinerung 6.7
euphonisch 8.8
Bedeutungsverengung 6.7
europäisch 9.3
Bedeutungsverschiebung 4.5
Europäismus 5.4
Bedeutungsverschlechterung 6.6
exozentrisch 3.13
Bildungen, sekundäre 3.6 8.2
Explosivlaute
expressive Dehnung 8.4
defektiv 7.5
expressive Lautung 2.3
Dehnstufe 8.9
Dehnung 8.4 fachsprachlich 6.1
deiktisch 7.6 Faktitiv 3.12
Deklination 7.5 Falsche Ablösung 6.5
dekliniert 7.5 finite Formen, Finitum 7.2
Deminutiv 3.10 Flexion 7.5
denominal 3.9 französisierend 6.2
Denotation 6.3 Fremdbegriff 1.2
Dental 8.3 Fremdwort 5.2
Dentalerweiterung 3.8 Frequentativ 3.12
Derivation 3.1 frühneuhochdeutsch 9.1
Determinans 3.13 Fugenelement 3.2
Determinativ-Kompositum 3.13 funktionalisiert 8.10
Determinatum 3.13
deverbal, deverbativ 3.9 Gegenwartssprache 9.1
diachronisch 9.4 Geminate, geminiert 8.2
XXXIV Einführung in die Terminologie

germanisch 9.2 Konsonant 8.1


Gerundiv(um) 7.2 konsonantischer Stamm 3.6
Gleitlaut 8.1 Konsonantismus 8.1
graezisierend 6.2 Kontamination, kontaminiert 6.10
grammatischer Wechsel 8.10 Kontinuant 8.2
Grundlage 3.5 Kontrastbildung 3.11
grundsprachlich 9.3 Kopfwort 4.7
Grundwort 7.4 Kopulativkompositum 3.13
guttural 8.3 Kosewort 3.10
Kurzwort 4.7
Halbpräfix 3.3
Halbsuffix 3.3 Labial 8.3
Halbvokal 8.1 Labiodental 8.3
Hapax (legomenon) 6.11 Labiovelar 8.3
Haplologie 8.6 Laryngal 8.3
Herkunft 2.1 Laut 8.1
Herkunft dunkel 5.7 Lautbedeutsamkeit 2.3
Hiat 8.8 Lautbild 2.2
Hiattrenner 8.8 Lautgebärde 2.2
Hochstufe 8.9 Lautgesetz 8.4
Homonymie 6.8 Lautmalerei 2.1
Hüllwort 6.6 Lautnachahmung 2.1
hybrid(e Bildung) 5.5 Lautwandel 8.4
Hyperkorrektismus 6.2 Lautwechsel 8.9
Hypokoristikum 3.10 Lehnbedeutung 5.2
Hypostase, Hypostasierung 4.3 Lehnübersetzung 5.2
Lehnwort 5.2
idiomatisch, idiomatisiert 6.3 lexikalisiert 6.3
Idiom 4.1 Lexikograph 6.11
Incohativ, inchoativ 3.12 Lindwurm-Kompositum 3.13
indoeuropäisch 9.2 Liquid 8.2
indogermanisch 9.2, 9.3 Lokativ 7.1
Infigierung, infigiert 3.1 lokativische Bildung 7.1
infinite Formen 7.2
Infinitiv 7.2 Materialadjektiv 3.11
Instrumentalbildung 3.11 medial 7.2
Intensiv 3.12 Metapher 4.4
Interjektion 7.3 Metathese 8.6
Internationalismus 5.4 Metonymie 4.5
Intransitiv 3.12 mittelhochdeutsch 9.1
Iterativ 3.12 Modus 7.2
Morphologie, morphologisch 7.5
Kardinalzahlen 7.3 Movierung, Motion, moviert 3.10
Kasus obliquus 7.1 Multiplikativzahlwörter 7.3
Kausativ 3.12
Klammerform 6.9 Name 1.1
Kollektivum 3.10 Nasal 8.2
Komparativ 7.3 Nasalinfix 3.1
Komposition 3.1 Nasalpräsens 3.1
Kompositum 3.13 natursprachlich 9.4
Kompositionssuffix 3.2 neoklassisch 5.6
Konjugation, konjugiert 7.5 neolateinisch 5.6
Konnotation 6.3 Neologismus 6.1
Register XXXV

neuhochdeutsch 9.1 Reduplikation, redupliziert 2.3


niederdeutsch 9.1 Reibelaut 8.2
niederländisch 9.1 Relikt 6.11
Nomen 7.1 Rückbildung 3.4
Nomen appellativum 1.1 Rundung 8.11
Nomen proprium 1.1
Nomen acti 3.11 s mobile 3.15
Nomen actionis 3.11 Satztiefton 8.7
Nomen agentis 3.11 Scheinentlehnung 5.3
Nomen instrumentalis, instru- Schwanzwort 4.7
menti 3.11 Schwundstufe 8.9
Nomen postverbalium 3.4 sekundäre Ableitung, sekundäre
Nomen qualitatis 3.11 Bildung 3.6
Nomen rei acti 3.11 Sekundärmotivation 6.4
nominal 7.1 semasiologisch 6.7
Nominalform 7.1 Silbenschichtung 8.6
Normalstufe 8.9 Simplex 3.5
Nullableitung 3.3 Sonant 8.1
sondersprachlich 6.1
o-Stufe 8.9 Soziativbildung 3.10
7.4 Spirant 8.2
Objekt, affiziertes, effiziertes
spirantisch 8.2
obliquer Kasus 7.1
Stammbildung 3.6, 3.7
okkasionell 6.11
Stamm 3.7
onomasiologisch 6.7
Substantivierung, substantiviert 3.9
Onomatopöie, -poetisch 2.1
Substrat 5.5
osteuropäisch 9.3
Suffigierung 3.1
Suffix 3.1
Palatal 8.3
Suffixoid 3.3
Paradigma 7.5
Superlativ 7.3
Paronymie 6.8 5.5
Superstrat
Pars pro toto 4.6 Suppletiv 7.5
Partikeln 7.3 synchronisch 9.4
Partizip 3.9, 7.2 Synekdoche 4.6
pejorativ 6.6 Synkope, synkopiert 8.7
Phonem 8.1 systematische Bedeutung 6.3
Phrase 4.1
Pluralia tantum 7.5 Tautologie 6.8
Pluti 8.4 Tektal 8.3
Polarisierung 6.3 Tempus 7.2
Positiv 7.3 Terminus 0.0
Possessiv-Kompositum 3.13 thematisch, Thematisierung,
Postverbalia 3.4 Themavokal 3.7
Präfigierung 3.1 //-Abstraktum 3.7
Präfix 3.1 Tiefstufe 8.9
Präfixableitung 3.3 Tiefton 8.7
Präfixoid 3.3 transitiv, Transitivierung 3.12
Präsens, Nasal¬ 3.6, 3.7
primäre Bildung 3.6 Übertragung 4.4
Proklise, proklitisch 4.2 Umdeutung 6.4
Pronomen 7.6 Umlaut 8.10
Pronominalstamm 7.6 univerbiert 4.2
Proprium 1.1 Unregelmäßigkeit 6.11
XXXVI Einführung in die Terminologie

Urschöpfung 2.1 Volksetymologie 6.4


Uvular 8.3 voreinzelsprachlich 9.3
Überdehnung 8.4 Vriddhi 3.14, 8.9
Übersetzungsäquivalent 5.4
Übersetzungsgleichung 5.4 Wendung 4.1
Wanderwort, kulturelles 5.4
Variante 6.1 Weiterbildung 3.1
Velar 8.3 westeuropäisch 9.3
Verallgemeinerung 6.7 wiederbelebt 6.1
Verbalabstraktum 3.9 Wortbildung 3.1
Verbaladjektiv 3.9, 7.2 Wortfabrikation 4.7
Verbalsubstantiv 3.9, 7.2 Wurzel 3.5
Verbalwurzel 3.5 Wurzelpräsens 3.5
Verbum purum 3.6 Wurzelerweiterung 3.15
Verdeutlichung 3.13 Wurzelnomen 3.6, 3.7
Verengung 6.7
Verkleinerungsform 3.10 Zahlwörter 7.3
Verschiebung 4.5 Zerdehnung 8.4
Verschlechterung 6.6 Zugehörigkeitsbildiyig 3.11
Verschlußlaut 8.2 Zusammenbildung 4.2
Vokal 8.1 Zusammenrückung 4.2
Vokaldehnung 8.4 Zusammensetzung 3.1
vokalischer Stamm 3.6 Zweisilbige Wurzeln/Basen/
Vokalismus 8.1 Grundlagen 3.8
Transkription fremder Alphabete — Lautzeichen

Alphabetische Ordnung

Die alphabetische Ordnung ist die des deutschen Alphabets; ß gilt als 5 + 5. Umlaute
werden wie die einfachen Vokale behandelt (ä = a, ö — o, ü = u), bei sonst gleicher
Schreibung steht der umgelautete Vokal nach dem nicht umgelauteten. Auch andere
diakritische Zeichen bleiben bei der Anordnung unberücksichtigt (z. B. ä = a).

Transkription

Die Transkription erfolgt nach den in der modernen Forschung und Lexikographie
üblichen Verfahren. Zu Besonderheiten in der Schreibung s. unter den Einzelsprachen.

Allgemein verwendete diakritische Zeichen

über einem Vokalzeichen (z. B. ä) bezeichnet einen Langvokal.


über einem Vokalzeichen (z. B. ä) bezeichnet einen Kurzvokal (s. aber zu den
slavischen Sprachen unter 8).
(Akut) über einem Vokalzeichen (z. B. ä) bezeichnet den Wortakzent (s. aber zum
Altnordischen und Isländischen unter 3 sowie zum Slavischen unter 8).
(Gravis ) über einem Vokalzeichen (z. B. ä) bezeichnet einen davon verschiedenen
Akzent (mit einzelsprachlich stark unterschiedlichen Regelungen).
(Zirkumflex1) über einem Vokalzeichen (z. B. <5) bezeichnet in der Regel die schleif-
tonige Intonation, die den Wortton und die Vokallänge einschließt (in den baltischen
Sprachen auch bei /, r, m, n — Liquida— oder Nasaldiphthonge).
(Zirkumflex2) über einem Vokalzeichen (z. B. ä) bezeichnet in der Regel eine be¬
stimmte Vokalqualität, die die Vokallänge in sich schließt.
(Trema) über einem Vokalzeichen (z. B. i) bezeichnet die selbständige Aussprache
eines Vokals nach einem Vokal (also nicht als Diphthong o. ä.).
ist ein besonderer Akzent des Serbokroatischen, auch über Liquiden.

Besonderheiten in den Einzelsprachen

1. Zu beachten ist, daß z außerhalb des Deutschen ein stimmhaftes s bezeichnet. Wo


y als Konsonantenzeichen verwendet wird (z. B. ai.) entspricht es einem deutschen j,
als Vokalzeichen ist es normalerweise ein ü.

2. Indogermanisch, voreinzelsprachlich, erschlossene Formen:


3 Murmelvokal, wie unbetontes e im Deutschen
r, l, m, n silbentragende Sonoranten
XXXVIII Transkription fremder Alphabete — Lautzeichen

k, g palatale Laute
qu, gu labiovelare Laute (Velare mit gleichzeitiger Lippenrundung)

3. Germanische Sprachen
stimmloser dentaler Reibelaut (wie e. th in thin)
ce, ä offenes e (ä)
lv (gt.) h (oder ch) + w (Labiovelar)
q (gt.) k + w (Labiovelar wie d. qu —, aber ohne u geschrieben)
gg, gk, gq (gt.) n + g, n + k, n + q
o (nordische Sprachen) geschlossenes ö
ce (nordische Sprachen) offenes ö
g (nordische Sprachen) offenes o
ä (nordische Sprachen) offenes o
(z. B. ä) bedeutet anord. isl. und in anderen nordischen Sprachen Vokal¬
länge
p, ö sind im Altenglischen teilweise auch im Altnordischen gleichwertig (stimm¬
loser dentaler Reibelaut, der zwischen Vokalen stimmhaft gesprochen wird)
b, ö (as.) stimmhafte Reibelaute

4. Altindisch
r, l silbentragendes r, /
c tsch
j dsch (wie in e. joy)
t, d, n, s zerebrale (retroflexe) Laute
n velarer Nasal
n palataler Nasal
i sch
m m oder Nasalierung des vorausgehenden Vokals
h schwacher Hauchlaut (für auslautendes ^ oder r)

5. Avestisch (Persisch ist wie Arabisch umschrieben)


d Murmelvokal
ä offenes o
g nasaliertes a
s sch
z stimmhaftes sch (wie in frz. jour)
c tsch
J dsch (wie in e. joy)
rj velarer Nasal
3, ö stimmloser und stimmhafter dentaler Reibelaut
X, y stimmloser und stimmhafter velarer Reibelaut

6. Hethitisch
s sch

7. Tocharisch
Die Schreibung entspricht der altindischen. Ein Bogen über mehrere Zeichen bedeutet
verschmolzene Ausprache der bezeichneten Laute.

8. Slavische Sprachen
g, g, g nasalierte Vokale
e langes e (mit palataler Qualität des vorausgehenden Konsonanten)
y langes zentrales i
Besonderheiten in den Einzelsprachen XXXIX

i, ü reduzierte Kurzvokale
Der Akut bezeichnet, den Wortton, im Cechischen und Slovakischen aber
die Vokallänge
t hartes, in bilabiales w übergehendes /
s (poln. sz) sch
z (poln. i und rz) stimmhaftes sch (wie in frz. jour)
c ts
z dz (wie in e. recids)
c (poln. cz) tsch

9. Baltische Sprachen
g, §, j nasalierte Vokale
y langes i
e langes e
g (lett.) offenes e
J, n, k, (lett.) palatale Laute
s sch
z stimmhaftes sch (wie in frz. jour)
c tsch

10. Armenisch
e halboffenes e
d Murmelvokal
s sch
z stimmhaftes sch (wie in frz. jour)
c ts
j dz (wie in e. reads)
c tsch
j dsch (wie in e. joy)
x ach — Laut
' z. B. V bezeichnet die Aspiration
t besonderes, vermutlich retroflexes /
f verstärktes r

11. Europäische (ig.) Sprachen


q (frz.) ^ vor dunklen Vokalen

12. Semitisch (Arabisch, Hebräisch)


ßlf (hebr.),')
t, k, b, d, > spirantische Aussprache
giß (hebr.) J
t, d, n, s, h „emphatische” Laute (h im Hebräischen: stimmloser Laryngal)
s, s — z, z stimmlose und stimmhafte sch - Laute
c tsch
g dsch (wie in e. joy)
h ach — Laut
g stimmhafte Entsprechung zu h
3 (hebr. stimmloser Glottal) Kehlkopfverschlußlaut
(hebr. stimmhafter Reibelaut) stimmhafter Kehlpreßlaut

13. Türkisch
§ sch
j stimmhaftes sch (wie in frz. jour)
XL Transkription fremder Alphabete — Lautzeichen

f tsch
c stimmhaftes dsch (wie in e. joy)

14. Sonstiges
Kehlkopfverschlußlaut in phonetischer Schreibung
e offenes e (ä) in phonetischer Schreibung
e (alb.) offenes e

15. Nicht —phonetische Zeichen


* bezeichnet eine erschlossene Form
+ bei Verweisen gibt an, daß unter der angegebenen Stelle weitere Verwandte
zu finden sind.
Abkürzungen und allgemeine Literaturangaben

Allgemeine Abkürzungen

Adj. = Adjektiv Postp. = Postposition


Adv. Adverb PPerf. = Partizip Perfekt
Akk. - Akkusativ PPP. = Partizip Perfekt Passiv
Anm. = Anmerkung PPräs. = Partizip Präsens
arch. = archaisch PPrät. = Partizip Präteritum
Art. _ Artikel Präp. = Präposition
Aufl. = Auflage Prät.-Präs. = Präterito-Präsens
Bd. = Band Pron. = Pronomen
dass. = dasselbe Pron.-Adj. = Pronominal-Adjektiv
Dat. = Dativ refl. = reflexiv
d. h. = das heißt reg. = regional
dial. dialektal s. = siehe
evtl. = eventuell s. d. = siehe dort
f. — femininum = Singular
Sg-
FS = Festschrift = siehe oben
s. o.
Gen. = Genitiv = starkes Verb
stV.
Hrsg. = Herausgeber = siehe unten
s. u.
Instr. = Instrumental = Substantiv
Subst.
Interj. = Interjektion s. V. = sub voce (,unter dem
intrans. = intransitiv
Stichwort1)
Jh. = Jahrhundert = schwaches Verb
swV.
jmd. = jemand = transitiv
trans.
Konj. = Konjunktion
u. a. = unter anderem
m. = maskulinum = und ähnlich
u. ä.
n. = neutrum
u. dgl. = und dergleichen
n. Chr. nach Christus
ugs. = umgangssprachlich
Nom. - Nominativ
unr. V. = unregelmäßiges Verb
Num. = Numerale
v. Chr. = vor Christus
o. ä. oder ähnlich
= oder dergleichen vgl. = vergleiche
o. dgl.
= Partikel vs. = versus
Part.
= Partizip Futur vulg. = vulgär
PFut.
= Plural z. B. = zum Beispiel
PL
poet. = poetisch z. T. — zum Teil

prachbezeichnungen

afrk. — altfränkisch
aägypt. altägyptisch
altbretonisch ag. = altgermanisch
abret.
altenglisch agutn. = altgutnisch
ae.
altfriesisch ahd. = althochdeutsch
afr.
afrikanisch ai. altindisch
afrik.
XLII Abkürzungen und allgemeine Literaturangaben

aisl. - altisländisch fkslav. = frühkirchenslavisch


akslav. = altkirchenslavisch fläm. = flämisch
al. = altlateinisch fnhd. = frühneuhochdeutsch
alb. _ albanisch fnndl. = frühneuniederländisch
alb.-tosk. ... albanisch-toskisch fr. = friesisch
alern. — alemannisch friaul. = friaulisch
am.-e. ... amerikanisch-englisch frk. = fränkisch
am.-span. = amerikanisch-spanisch frz. = französisch
andd. altniederdeutsch fslav. = frühslavisch
andfrk. altniederfränkisch
andl. . altniederländisch g- — germanisch
angl. = anglisch gall. = gallisch
anglo-i. = angloindisch gallo-rom. = gallo-romanisch
anglo-norm. = anglo-normannisch gaskogn. = gaskognisch
anord. = altnordisch gotl. = gotländisch
äol. = äolisch gr- = griechisch
aondfrk. = altostniederfränkisch gt- = gotisch
aonord. = altostnordisch
hd. — hochdeutsch
apers. = altpersisch
apreuß. = hebr. = hebräisch
altpreußisch
arab. = arabisch hess. = hessisch
aram. . aramäisch heth. = hethitisch
arm. = armenisch hom. = homerisch
as. = altsächsisch hunn. = hunnisch
aschw. altschwedisch
i. = indisch
avest. avestisch
i.-iran. = indo-iranisch
bair. = bairisch ig- indogermanisch
bair.-österr. = bairisch-österreichisch ill. illyrisch
balto-slav. = balto-slavisch indian. - indianisch
bask. . baskisch ir. = irisch
berlin. — berlinisch iran. .- iranisch
bibel-gr. = bibelgriechisch isl. = isländisch
bret. - bretonisch it. = italienisch
bulg. bulgarisch it.-trent. = italienisch-trentinisch
burgund. - burgundisch ital. italisch
ivr. ivrit (neuhebräisch)
cech. cechisch
chin. chinesisch jap. ■ japanisch
javan. = javanisch
d. _
deutsch
dn. = dänisch kat. —
katalanisch
dor. - dorisch kelt. .. keltisch
khotan. = khotansakisch
e. = englisch kirchen-1. — kirchenlateinisch
eis. - elsässisch körn. -
komisch
eskim. = eskimoisch krimgt. . krimgotisch
estn. ... estnisch kslav. = kirchenslavisch
eur. =— europäisch¬ kurd. = kurdisch
indogermanisch kymr. = kymrisch (walisisch)
für. — färöisch 1. — lateinisch
finn. = finnisch langobard. -
langobardisch
finno-ugr. = finno-ugrisch latino-fal. - latino-faliskisch
Abkürzungen der Sprachbezeichnungen XLIII

lett. = lettisch obd. = oberdeutsch


lit. = litauisch obit. — oberitalienisch
lombard. lombardisch obrhein. = oberrheinisch
luv. = luvisch obsächs. = obersächsisch
lux.-lothr. = luxemburgisch¬ obsorb. obersorbisch
lothringisch od. = ostdeutsch
1yd. = lydisch oeur. = osteuropäisch¬
lyk. = lykisch indogermanisch
ofr. = ostfriesisch
maked. = makedonisch ofrk. = ostfränkisch
mal. = malaiisch ofrz. = ostfranzösisch
malay. malayalamisch og- = ostgermanisch
md. - mitteldeutsch ojidd. = ostjiddisch
me. = mittelenglisch omd. = ostmitteldeutsch

messap. = messapisch osk. = oskisch

mex. = mexikanisch osk.-umbr. oskisch-umbrisch


(-spanisch) osm.-türk. = osmanisch-türkisch

mhd. = mittelhochdeutsch osset. = ossetisch

mi. = mittelindisch österr. = österreichisch


ml. = mittellateinisch
pfälz.-frk. = pfälzisch-fränkisch
mndd. = mittelniederdeutsch
phön. _ phönizisch
mndl. = mittelniederländisch
phryg. = phrygisch
mrhein. - mittelrheinisch
pikard. = pikardisch
myk. = mykenisch — polnisch
poln.
polyn. = polynesisch
nassau. = nassauisch
port. = portugiesisch
ndd. = niederdeutsch
pränestin. = pränestinisch
ndl. — niederländisch
prov. = provenzalisch
ndn. = neudänisch
ndrhein. = niederrheinisch — räto-romanisch
räto-rom.
ndsorb. niedersorbisch rheinfrk. — rheinfränkisch
ne. = neuenglisch rom. — romanisch
neo-1. = neolateinisch rotw. rotwelsch
nfr. = neufriesisch rum. - rumänisch
nhd. = neuhochdeutsch runen-nord. = runennordisch
nisl. = neuisländisch russ. russisch
nndl. = neuniederländisch russ.-kslav. — russisch-
nnorw. = bokmäl-(riksmäl) kirchenslavisch
(bokmäl) neunorwegisch
nnorw. = nynorsk-(landsmäl-) sächs. = sächsisch
(nynorsk) neunorwegisch sard. = sardisch
nordd. = norddeutsch schles. = schlesisch
nordfr. - nordfriesisch schlesw.-holst. = schleswig-holsteinisch
nordg. nordgermanisch schott.-e. = schottisch-englisch

nordh. nordhumbrisch schott.-gäl. = schottisch-gälisch

nord-it. - norditalienisch schw. = schwedisch

nordod. = nordostdeutsch schwäb. = schwäbisch


= nordwestdeutsch sch wz. = schweizerisch
nordwd.
= norwegisch (dialektal) semit. = semitisch
norw.
nschw. = neuschwedisch serb.-kslav. serbisch-
ntl.-gr. = neutestamentlich grie¬ kirchenslavisch
chisch serbo-kr. = serbokroatisch
XLIV Abkürzungen und allgemeine Literaturangaben

singhal. = singhalesisch toch. (A./B.) = tocharisch (A./B.)


sizil. = sizilianisch türk. = türkisch
skr. = sanskrit
— ukrainisch
slav. — slavisch ukr.
slovak. = slovakisch umbr. = umbrisch
sloven. = slovenisch ung. = ungarisch (magyarisch)
sogd. = sogdisch
sorb. = sorbisch ved. — vedisch
spae. = spätaltenglisch venet. = venetisch
span. = spanisch venez. = venezianisch
spl. = spätlateinisch
— wallonisch
spmhd. = spätmittelhoch¬ wallon.
deutsch wd. = westdeutsch
steir. = steirisch westfäl. = westfalisch

südd. = süddeutsch weur. westeuropäisch¬


südod. = südostdeutsch indogermanisch
südwd. = südwestdeutsch wfr. = westfriesisch
sumer. = sumerisch wg. = westgermanisch
syr. = syrisch wind. = westindisch

wjidd. = westjiddisch

talmud-hebr. = talmud-hebräisch wmd. - westmitteldeutsch

tamil. — tamilisch wogul. = wogulisch


tarent. = tarentinisch wruss. — westrussisch

tat. tatarisch WS. westsächsisch


thrak. thrakisch
tirol. = tirolisch zigeuner. - zigeunerisch

Abkürzungen der Zeitschriften und Reihen

AA Anzeiger für Altertumswissenschaft


AAL Annual of Armenian Liguistics
AANL Atti della Accademia Nazionale dei Lincei. Rendi conti della classe di
scienze morali, storiche e filologiche, Serie VIII
AASF Suomalaisen Tiedeakatemian Toimituksia. Annales Academiae Scientia-
rum Fennicae
AAWG Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, phil.-
hist. Klasse
AAWLM Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in
Mainz, geisteswissenschaftliche Klasse
AB Archiv für Begriffsgeschichte
ABÄG Amsterdamer Beiträge zur älteren Germanistik
ABAW Abhandlungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
ABNG Amsterdamer Beiträge zur neueren Germanistik
ABS Acta Baltico-Slavica
ADA Anzeiger für deutsches Altertum und deutsche Literatur
AG MN (Sudhoffs) Archiv für Geschichte der Medizin und der Naturwissen¬
schaft
AGP Archiv für die gesamte Psychologie
ÄHVL Ärsberättelse Humanistiska Vetenskapssamfundet i Lund. Bulletin de
la societe des lettres de Lund
AION-G Annali, Istituto Orientale di Napoli, sezione germanica, filologia germa¬
nica
Abkürzungen der Zeitschriften und Reihen XLV

AION-L Annali, Istituto Orientale di Napoli, sezione linguistica


AION-N Annali, Istituto Orientale di Napoli, sezione germanica, studi nederlan-
desi, studi nordici
AION-T Annali, Istituto Orientale di Napoli, sezione germanica, studi tedeschi
AI SA Anzeiger für indogermanische Sprach- und Altertumskunde. Beiblatt
zu den Indogermanischen Forschungen
AJPh American Journal of Philology
AK Archiv für Kulturgeschichte
AL Archivum Linguisticum
ALASH Acta Linguistica Academiae Scientiarum Hungaricae
ALH Acta Linguistica Hafniensia
ALLG Archiv für lateinische Lexikographie und Grammatik
AIÖAW Almanach der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
ALV Archiv für Literatur und Volksdichtung
AM Archiv für Musikwissenschaft
AmS American Speech
ANF Arkiv för nordisk filologi
AnL Analecta Linguistica
AnthL Anthropological Linguistics
AÖAW Anzeiger der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Philoso¬
phisch-historische Klasse
APAW Abhandlungen der Preußischen Akademie der Wissenschaften
APhS Acta Philologica Scandinavica
AR Archiv für Religionswissenschaft
ARom Archivum Romanicum
ARPh Arbeiten zur romanischen Philologie
AS Amerikastudien
ASA Anzeiger für indogermanische Sprach- und Altertumskunde
ASAWL Abhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig
ASE Anglo-Saxon England
ASNSL Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen
AsM Asia maior. A British Journal of Far Eastern Studies
ASPh Archiv für slavische Philologie
AuA Antike und Abendland
AVPh Archiv für vergleichende Phonetik

BAR Bibliotheca delPArchivum Romanicum


BB Bunte Blätter
BBCS Bulletin of the Bord of Celtic Studies
BBGS Bayerische Blätter für das Gymnasial-Schulwesen
BCRTD Bulletin de la Comission Royale de Toponymie et de Dialectologie
BDL Blätter für deutsche Landesgeschichte
BEDS Beiträge zur Erforschung der deutschen Sprache
BF Beiträge zur Flurnamenforschung
BELM Bulletin de la Faculte des lettres de Mulhouse
BGDSL Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Halle
(1 [1874]-76 [1955, recte: 1954])
BGDSL-H Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Halle
(77 [1955]-100 [1979])
BGDSL-T Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Tübingen
(ab 77 [1955])
BGNT Beiträge zur Geschichte der Naturwissenschaft und Technik
BHV Bayerische Hefte für Volkskunde
XLVI Abkürzungen und allgemeine Literaturangaben

BJ Bonner Jahrbücher des rheinischen Landesmuseums


BKIS Beiträge zur Kunde der indogermanischen Sprachen (= ,Bezzenbergers
Beiträge1)
BN Beiträge zur Namenforschung
BNL Beiträge zur neueren Literaturgeschichte
BON Blätter für oberdeutsche Namenforschung
BRPh Beiträge zur romanischen Philologie
BSL Bulletin de la Societe Linguistique de Paris
BSO(A)S Bulletin of the School of Oriental (and African) Studies
BTLV Bijdragen tot de Taal-, Land- en Volkenkunde
BüM Bündnerisches Monatsblatt
BüW Bündnerisches Wochenblatt
BVSAW Berichte über die Verhandlungen der sächsischen Akademie der Wissen¬
schaften zu Leipzig, phil.-hist. Klasse

CFS Cahiers Ferdinand de Saussure


CG Colloquia Germanica
CL Cahiers de lexicologie
CM Classica et Mediaevalia
CMCS Cambridge Medieval Celtic Studies
CPh Classical Philology
CQ The Classical Quarterly
CR The Classical Review

DAEM Deutsches Archiv für die Erforschung des Mittelalters


DaS Danske studier
DF Deutsch als Fremdsprache
DJV Deutsches Jahrbuch für Volkskunde
DLR Deutsche Lebensmittelrundschau
DLZ Deutsche Literaturzeitung
DM IV Deutsche Medizinische Wochenschrift
DS Deutsche Sprache
DU Der Deutschunterricht
DuS Dutch Studies
DVLG Deutsche Vierteljahresschrift für Literaturwissenschaft und Geistesge¬
schichte
DWEB Deutsche Wortforschung in Europäischen Bezügen
DZPh Deutsche Zeitschrift für Philosophie

EC Etudes celtiques
ECl Les etudes classiques
EG Etudes germaniques
EOS Elbostfälische Studien
ES English Studies

FA Filologiskt arkiv
FF Forschungen und Fortschritte
FL Folia Linguistica
FLH Folia linguistica historica
FS Frühmittelalterliche Studien
FUF Finnisch-ugrische Forschungen
FUM Finnisch-ugrische Mitteilungen

GA Geistige Arbeit
GeL General Linguistics
Abkürzungen der Zeitschriften und Reihen XLVII

GGA Göttingische Gelehrte Anzeigen


GL Germanistische Linguistik
GLL German life and letters
GLSt Grazer Linguistische Studien
Gordian Gordian. Zeitschrift für Nährmittel und Genußmittel
GR The Germanic Review
GRM Germanisch-Romanische Monatsschrift
GS Germano-Slavica
GSt Germanische Studien

HBV Hessische Blätter für Volkskunde


HG Hanseatische Geschichtsblätter
HL Historiographica Linguistica
HS Historische Sprachforschung (Historical Linguistics)
HV Heimat und Volkstum
HZ Historische Zeitschrift

IBK Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft


IF Indogermanische Forschungen
IIJ Indo-Iranian Journal
IJ Indogermanisches Jahrbuch
IJVS Innsbrucker Jahrbuch für Völkerkunde und Sprachwissenschaft
IL Incontri linguistici
INJ Ilbergs Neue Jahrbücher
IR Iberoromanica
IZAS Internationale Zeitschrift für allgemeine Sprachwissenschaft

JAK Jahrbuch für Antike und Christentum


JAWG Jahrbuch der Augustin Wibbelt-Gesellschaft
JBAW Jahrbuch der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
JDF Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache
JDS Jahrbuch der deutschen Sprache
JEGPh Journal of English and Germanic Philology
JFDH Jahrbuch des freien deutschen Hochstifts
JFL Jahrbuch für fränkische Landesforschung
JG Jahrbuch für Geschichte
JGGB Jahrbuch der Gesellschaft für die Geschichte und Bibliographie des
Brauwesens e. V.
JHI Journal of the History of Ideas
JIDS Jahrbuch des Instituts für deutsche Sprache
JIES The Journal of Indo-European Studies
JNÖ Jahrbuch für National-Ökonomie
JOV Jahrbuch für ostdeutsche Volkskunde
JÖV Jahrbuch des Österreichischen Volksliederwerks
JVNS Jahrbuch des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung
JVSA Jahrbuch des Vereins zum Schutze der Alpenpflanzen und -tiere

KBGL Kopenhagener Beiträge zur Germanistischen Linguistik


KBS Klagenfurter Beiträge zur Sprachwissenschaft
KN Kwartalnik neofilologiczny
KVNS Korrespondenzblatt des Vereins für Niederdeutsche Sprachforschung

LB Leuvense Bijdragen
LBa Linguistique balcanique
X LVIII Abkürzungen und allgemeine Literaturangaben

LF Listy filologicke
LGRP Literaturblatt für Germanische und Romanische Philologie
LiB Linguistische Berichte
LP Lingua Posnaniensis
LS Lingua e Stile
LSE Leeds Studies in English

MAE Medium zEvum


MAEPD Mitteilungen der Akademie zur wissenschaftlichen Erforschung und
Pflege des Deutschtums
MAG Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft
MASO Meijerbergs Arkiv för Svensk Ordforskning
MBV Mitteldeutsche Blätter für Volkskunde
MDB Mitteilungen aus der Deutschen Bibliothek
MeS Medieval Studies
MGS Michigan Germanic Studies
MH Museum Helveticum
MJ Medizinisch-historisches Journal
MKNAW Mededelingen van de Koninklijke Nederlandse Akademie van Wetten-
schappen
ML Modern Languages
MLN Modern Language Notes
MLQ Modern Language Quarterly
MLR Modern Language Review
MM Münchener Museum für Philologie des Mittelalters und der Renaissance
MMW Münchner Medizinische Wochenschrift
MoM Maal og Minne
Monatshefte Monatshefte für den deutschen Unterricht
Monatshefte Monatshefte. A journal devoted to the study of German language and
( Wisc.) literature (University of Wisconsin)
MoS Moderna Spräk
MoSp Moderne Sprachen
MPh Modern Philology
MS Muttersprache
MSGV Mitteilungen der schlesischen Gesellschaft für Volkskunde
MSS Münchner Studien zur Sprachwissenschaft
MUM Mitteilungen des Universitätsbundes Marburg
MVGB Mitteilungen des Vereins für Geschichte Berlins
MVSV Mitteilungen des Vereins für Sächsische Volkskunde

NAWG Nachrichten von der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, phil.-


hist. Klasse. Nachrichten aus der neueren Philologie und Literaturge¬
schichte
NB Namn och Bygd
NDH Neue deutsche Hefte
NE Nordeuropa
NFJ Nordfriesisches Jahrbuch
NGG Nachrichten der Gelehrten Gesellschaft Göttingen, phil.-hist. Klasse
NGH Nachrichten der Gießener Hochschulgesellschaft
NGS New German Studies
NI Namenkundliche Informationen
NJ Niederdeutsches Jahrbuch
NJKA Neue Jahrbücher für das klassische Altertum
NKB Niederdeutsches Korrespondenzblatt
Abkürzungen der Zeitschriften und Reihen XLIX

NM Niederdeutsche Mitteilungen
NPh Neophilologus
NPhM Neuphilologische Mitteilungen
NPh Mo Neuphilologische Monatsschrift
NPhZ Neuphilologische Zeitschrift
NS Nysvenska Studier
NSt Nietzsche-Studien
NTS Norsk Tidsskrift for Sprogvidenskap
NV Natur und Volk
NVRH Nachrichten-Blatt für rheinische Heimatpflege (Nachrichten-Blatt des
Verbandes der rheinischen Heimatmuseen)
NW Niederdeutsches Wort
NWELE North-Western European Language Evolution
NZV Niederdeutsche Zeitschrift für Volkskunde

OBS Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie


ÖGL Österreich in Geschichte und Literatur
OLZ Orientalische Literaturzeitung
OZV Oberdeutsche Zeitschrift für Volkskunde

PaL Papiere zur Linguistik


PH Pfälzer Heimatkunde
PhJ Philosophisches Jahrbuch
PhQ Philological Quarterly
PhW Philologische Wochenschrift
PL Papers in Linguistics
PMLA Publications of the Modern Language Association of America

RBPhH Revue beige de philologie et d’histoire. Belgisch tijdschrift voor filologie


en geschiedenis
RCSF Rivista critica di storia della Lilosofia
REA Revue des etudes anciennes
REI Revue des etudes indo-europeennes
RES The Review of English Studies
RE Romanische Lorschungen
RFIC Rivista di filologia e di istruzione classica
RG Recherches germaniques
RIO Revue internationale d’onomastique
RJ Romanistisches Jahrbuch
RJVK Rheinisches Jahrbuch für Volkskunde
RL Ricerche linguistiche
RLR Revue linguistique romane
RM Russia Mediaevalia
RMPh Rheinisches Museum für Philologie
RV Rheinische Vierteljahresblätter

SAV Schweizerisches Archiv für Volkskunde


SAWDDR Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften der DDR
SAWM Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften zu Mainz, geistes¬
wissenschaftliche Klasse
SBAW Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, phil.-
hist. Klasse
SBBA Sitzungsberichte der Berliner Akademie
L Abkürzungen und allgemeine Literaturangaben

SC Studia Celtica
SCL Studii §i Cercetäri Lingvistice
SD Sprachdienst
SG Studium Generale
SGG Studia Germanica Gandensia
SHAW Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, phil-
hist. Klasse
SJ Schiller Jahrbuch
SL Studia Linguistica
SM Schweizer Monatshefte
SMS Studier i Modern Spräkvetenskap
SN Studia Neophilologica
SÖAW Sitzungsberichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
SPAW Sitzungsberichte der Preußischen Akademie der Wissenschaften, phil.-
hist. Klasse
SS Sprachspiegel
SSAWL Sitzungsberichte der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu
Leipzig
StG Studi Germanici
STZ Sprache im Technischen Zeitalter
SW Sprachwissenschaft

TB Taalkundige Bijdragen
TCLC Travaux du cercle linguistique de Copenhague
TCLP Travaux du cercle linguistique de Prague
ThB Therapeutische Berichte
TLI Travaux de linguistique indo-europeenne
TLL Travaux de linguistique et de litterature
TNTL Tijdschrift voor Nederlandse Taal- en Letterkunde
TPhS Transactions of the Philological Society
TSZGK Thüringisch-Sächsische Zeitschrift für Geschichte und Kunst
TT Taal en Tongval

UW Us Wurk
UUÄ Uppsala Universitets Ärsskrift (Filosofi, Spräkvetenskap och Historiska
Vetenskaper)
UWT Die Umschau in Wissenschaft und Technik

VDAWB Veröffentlichungen der Deutschen Akademie der Wissenschaften Berlin


VIDS Veröffentlichungen des Instituts für Deutsche Sprache und Literatur
(Deutsche Akademie der Wissenschaften Berlin)
VL Vie et langage
VM Verslagen en mededeelingen der koninklijke oraanische academie voor
taal en letterkunde
VR Vox Romanica
VWP Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Pädagogik

WB Wort und Brauch


WBZDS Wissenschaftliche Beihefte zur Zeitschrift des Deutschen Sprachvereins
WeB Weimarer Beiträge
WF Westfälische Forschungen
WiSt Wiener Studien
WJV Württembergisches Jahrbuch für Volkskunde
Abkürzungen der Zeitschriften und Reihen LI

WoW Wort und Wahrheit


fES Wörter und Sachen
WSB Wiener Sprachblätter
WSt Wiener Studien
WW Wirkendes Wort
WZUB Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität Berlin
WZUG Wissenschaftliche Zeitschrift der Ernst-Moritz-Arndt-Universität
Greifswald
WZ UH Wissenschaftliche Zeitschrift der Universität Halle
WZUJ Wissenschaftliche Zeitschrift der Friedrich-Schiller-Universität Jena
WZUL Wissenschaftliche Zeitschrift der Karl-Marx-Universität Leipzig
WZUR Wissenschaftliche Zeitschrift der Wilhelm-Pieck-Universität Rostock

YES The Yearbook of English Studies


YWMLS The Year’s Work in Modern Language Studies
ZAA Zeitschrift für Anglistik und Amerikanistik
ZAgAs Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie
ZADS Zeitschrift des allgemeinen deutschen Sprachvereins

ZCPh Zeitschrift für celtische Philologie


ZD Zeitschrift für Deutschkunde
ZDA Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur
ZDB Zeitschrift für deutsche Bildung
ZDG Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft
ZDL Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik
ZDM Zeitschrift für deutsche Mundarten
ZDPh Zeitschrift für deutsche Philologie
ZDS Zeitschrift für deutsche Sprache
ZDU Zeitschrift für den deutschen Unterricht
ZDW Zeitschrift für deutsche Wortforschung
ZFS Zeitschrift für französische Sprache
ZG Zeitschrift für Germanistik
ZGL Zeitschrift für germanistische Linguistik
ZHM Zeitschrift für hochdeutsche Mundarten
ZK Zeitschrift für Kulturgeschichte
ZKTh Zeitschrift für katholische Theologie
ZM Zeitschrift für Mundartforschung
ZN Zeitschrift für Namenforschung
ZO Zeitschrift für Ortsnamenforschung
ZPhAS Zeitschrift für Phonetik und Allgemeine Sprachwissenschaft
ZPhSK Zeitschrift für Phonetik, Sprachwissenschaft und Kommunikationsfor¬
schung
ZRG Zeitschrift für Religion und Geistesgeschichte
ZRPh Zeitschrift für romanische Philologie
ZS Zeitschrift für Slawistik
ZSPh Zeitschrift für slavische Philologie
ZSSR-GA Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Germanistische
Abteilung
ZSV Zeitschrift des Sprachvereins
ZSW Zeitschrift für Süßwaren
ZV Zeitschrift für Volkskunde
ZUL Zeitschrift für die Untersuchung der Lebensmittel
ZVPh Zeitschrift für vergleichende Phonetik
LII Abkürzungen und allgemeine Literaturangaben

ZVS Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung (auf dem Gebiete der


indogermanischen Sprachen)
ZW Zeitschrift des Vereins für Volkskunde
ZWL Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte

Abgekürzt zitierte Literatur — Wörterbücher und


Nachschlagewerke
Ader, D.: Studien zur Sippe von ,schlagen‘. Diss. Münster 1958.
Adelung, J. Ch.: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, mit
beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen.
2. vermehrte und verbesserte Ausgabe. Bd. I —IV. Leipzig 1793 — 1801. Nachdruck:
Hildesheim 1970.
Althochdeutsches Wörterbuch. Auf Grund der von E. Steinmeyer hinterlassenen Samm¬
lungen im Auftrag der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig bearbei¬
tet und hrsg. von E. Karg-Gasterstädt, Th. Frings u. a. Bd. I: Berlin 1952 — 1968.
Bd. III: Berlin 1971 — 1985. Bd. IV, Lieferung 1 ff. Berlin 19,86 ff.
Angstmann, E.: Der Henker in der Volksmeinung. Bonn 1928.

Bachmann, K.: Der Einfluß von Luthers Wortschatz auf die schweizerische Literatur
des 16. und 17. Jahrhunderts. Freiburg/Br. 1909.
Bächtold-Stäubli, H. (Hrsg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Bd. I —X.
Berlin, Leipzig 1927/42. Nachdruck: Berlin, New York 1987.
Badisches Wörterbuch. Bearbeitet von E. Ochs, K. F. Müller und G. W. Baur. Bd. Iff.
Lahr 1925 ff.
Baetke, W.: Das Heilige im Germanischen. Tübingen 1942.
Bahder, K.v.: Zur Wortwahl in der frühneuhochdeutschen Schriftsprache. Heidelberg
1925.
Bammesberger, A.: Beiträge zu einem etymologischen Wörterbuch des Altenglischen.
Berichtigungen und Nachträge zum Altenglischen etymologischen Wörterbuch von
F. Holthausen. Heidelberg 1979.
Bartholmes, H.: Bruder, Bürger, Freund, Genosse (Göteborg 1970).
Bartholomae, Ch.: Altiranisches Wörterbuch. Berlin 1904. Verbesserter Nachdruck:
Berlin, New York 1979.
Beck, H. / Denecke, D. / Jankuhn, H. (Hrsg.): Untersuchungen zur eiszeitlichen und
frühmittelalterlichen Flur in Mitteleuropa und ihrer Nutzung. Teil II. Göttingen
1980.
Behaghel, O.: Deutsche Syntax. Bd. I —IV. Heidelberg 1923/32.
Benecke, G. F. / Müller, W. / Zarncke, F.: Mittelhochdeutsches Wörterbuch. Bd. I —III.
Leipzig 1854— 1861.
Berthold, L. / Friebertshäuser, H.: Hessen-Nassauisches Volkswörterbuch. Bd. II ff.
Marburg 1943 ff.
Beumann, H. / Schröder, W. (Hrsg.): Frühmittelalterliche Ethnogenese im Alpenraum.
Sigmaringen 1985.
Bielfeldt, H. H.: Die Entlehnungen aus den verschiedenen slavischen Sprachen im
Wortschatz der nhd. Schriftsprache. Berlin 1965.
Bloch, O. / Wartburg, W.v.: Dictionnaire etymologique de la langue franqaise. 6. Aufl.
Paris 1975.
Bosworth, J. / Toller, T. N.: An Anglo-Saxon Dictionary. Oxford 1898. Supplement
by T. N. Toller. With revised and enlarged Addenda by A. Campbell. Oxford
1921. Nachdruck: Oxford 1972 — 1980.
Abgekürzt zitierte Literatur — Wörterbücher und Nachschlagewerke LIII

Brandenburg-Berlinisches Wörterbuch. Bearbeitet unter der Leitung von G. Ising und


J. Wiese. Bd. Iff. Berlin, Neumünster 1976 ff.
Braune, W. B.: Reim und Vers. Eine wortgeschichtliche Untersuchung. Heidelberg 1916.
Brogyanyi, B. / Krömmelbein, Th. (Hrsg.): Germanic Dialects. Linguistic and Philologi-
cal Investigations. Amsterdam 1986.
Brüggemann, G. A.: Wortschatz und Sprachform. Leipzig 1925.
Brunt, R. J.: The Influence of the French Language on the German Vocabulary.
(1649 — 1735). Berlin, New York 1983.
Buchholz, O. / Fiedler, W. / Uhlisch, G.: Wörterbuch albanisch-deutsch. Leipzig 1977.
Büchmann, K.: Geflügelte Worte. 36. Aufl. Berlin 1986.
Buck, C. D.: A Dictionary of Selected Synonyms in the Principal Indoeuropean Langua-
ges. A Contribution to the History of Ideas. Chicago 1949.

Campe, J. H.: Wörterbuch der deutschen Sprache. Bd. I —V. Braunschweig 1807 — 1811.
Nachdruck: Hildesheim 1969.
Chantraine, P: Dictionnaire etymologique de la langue grecque. Histoire des mots. Bd.
I-IV. Paris 1968-1980.
Christie, W. M. (Hrsg.): Current Progress in Historical Linguistics. Amterdam 1976.
Cleasby, R. / Vigfusson, G.: An Icelandic-English Dictionary. 2nd edition with a
Supplement by A Craigie. Oxford 1957.
Cox, H. L.: Die Bezeichnungen des Sarges im Kontinental-Westgermanischen. Eine
wortgeographisch-volkskundliche Untersuchung. Marburg 1967.

Darms, G.: Schwäher und Schwager, Hahn und Huhn. Die Vrddhi-Ableitungen im
Germanischen. München 1978.
Devlamminck, B. / Jucquois, G.: Complements aux dictionnaires etymologiques du
gotique. Louvain 1977 ff.
Dictionary of the Irish Language. Baised mainly on Old and Middle Irish Materials.
Ed. by the Royal Irish Academy. Dublin 1913 — 1976. Compact edition: Dublin 1983.
Diedrichs, E.: Die Schlüsselblume. Gießen 1952.
Diefenbach, L.: Glossarium latino-germanicum mediae et infimae aetatis. Frankfurt/
M. 1857. Nachdruck: Darmstadt 1968.
Diefenbach, L.: Novum glossarium latino-germanicum. Frankfurt/M. 1867.
Diefenbach, L. / Wülcker, E.: Hoch- und niederdeutsches Wörterbuch der mittleren
und neueren Zeit. Basel 1885. Nachdruck: Hildesheim 1965.
Dietz, Ph.: Wörterbuch zu Dr. Martin Luthers deutschen Schriften. Bd. I (A - Hals).
Leipzig 1870 — 1872. Nachdruck: Hildesheim 1973.
Diez, F.: Etymologisches Wörterbuch der romanischen Sprachen. 5. Aufl. Bonn 1887.
Dizionari Sansoni. Sansoni Wörterbücher. Tedesco-Italiano. Italiano-Tedesco. 2. Aufl.
Florenz 1984. Nachdruck: Florenz 1986.
Doornkaat Koolman, J. ten: Wörterbuch der ostfriesischen Sprache. Bd. I — III. Norden
1879-1884. Nachdruck: Wiesbaden 1965.
Dornseiff, F.: Der deutsche Wortschatz nach Sachgruppen. 7. unveränderte Aufl. Berlin,
New York 1970.
DRW: Deutsches Rechtswörterbuch. Wörterbuch der älteren deutschen Rechtssprache.
Bd. Iff. Weimar 1914ff.
Du Cange, Ch. du Fresne Sieur: Glossarium mediae et infimae aetatis. Bd. I —X. Paris
1883 — 1887. Nachdruck: Graz 1954.
Duden. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. Hrsg, von G. Drosdowski. Bd.
I —VI. Mannheim, Wien, Zürich 1976 — 1981.
Duden. Deutsches Universalwörterbuch. Hrsg, und bearbeitet von G. Drosdowski.
Mannheim, Wien, Zürich 1983.
LIV Abkürzungen und allgemeine Literaturangaben

Duden. Etymologie. Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von G.


Drosdowski, P. Grebe u. a. Mannheim, Wien, Zürich 1963.
Dückert, J.: Zur Ausbildung der Norm der deutschen Literatursprache. 1470 — 1730.
II. Auf der lexikalischen Ebene. Unter Leitung von J. Dückert. Berlin 1976.
DWB\ Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Bd. I —XVI. Leipzig
1854—1960. Quellenverzeichnis 1971. Nachdruck: München 1984. Neubearbeitung:
Bd. I ff. Leipzig 1965 ff.

Eggebrecht, H. H.: Studien zur musikalischen Terminologie. Wiesbaden 1955.


Eichhoff, J.: Wortatlas der deutschen Umgangssprache. Bd. I —II. Bern, München
1977-1978.
Eichler, E.: Etymologisches Wörterbuch der slawischen Elemente im Ostmitteldeut¬
schen. Bautzen 1965.
Endzelin, J. / Hausenberg, E.: Ergänzungen und Berichtigungen zu K. Mühlenbachs
Lettisch-deutschem Wörterbuch. Bd. I —II. Chicago 1956.
Ernout, A. / Meillet, A.: Dictionnaire etymologique de la langue latine. Histoire des
mots. 4. Aufl. Paris 1959. Nachdruck: Paris 1985.

Falk, H. S. / Torp, A.: Norwegisch-dänisches etymologisches. Wörterbuch. Bd. I —II.


2. Aufl. Heidelberg 1960.
Feist, S.: Vergleichendes Wörterbuch der gotischen Sprache. Mit Einschluß der krimgo¬
tischen und sonstiger zerstreuter Überreste des Gotischen. 3. neubearbeitete und
vermehrte Aufl. Leiden 1939.
FEW: Wartburg, W.v.: Französisches Etymologisches Wörterbuch. Eine Darstellung
des galloromanischen Sprachschatzes. Bonn, Leipzig, Basel 1928 ff.
Fick, A.: Vergleichendes Wörterbuch der Indogermanischen Sprachen. Teil III: Wort¬
schatz der germanischen Spracheinheit. Unter Mitwirkung von H. Falk gänzlich
umgearbeitet von A. Torp. 4. Aufl. Göttingen 1909.5. Aufl. = Nachdruck: Göttingen
1979.
Fink, H.: Tiroler Wortschatz an Eisack, Rienz und Etsch. Nachlese zu J. Schatz:
Wörterbuch der Tiroler Mundarten. Zum Druck vorbereitet von K. Finsterwalder.
Innsbruck 1972.
Fischer, H.: Schwäbisches Wörterbuch. Zu Ende geführt von W. Pfleiderer. Bd. I —VI.
Tübingen 1904/36.
Flasdieck, H.: Zinn und Zink. Tübingen 1952.
Follmann. M. F.: Wörterbuch der deutsch-lothringischen Mundarten. Leipzig 1909.
Nachdruck: Hildesheim, New York 1971.
Förster, M.: Der Flußname ,Themse4 und seine Sippe. München 1941. (= SBAW
1941,1).
Fraenkel, E.: Litauisches etymologisches Wörterbuch. Bd. I — II. Heidelberg Göttingen
1962-1965.
Franck / van Wijk: Franck’s Etymologisch Woordenboek der Nederlandse Taal. Tweede
Druk door N. van Wijk. Leiden 1912. Supplement door C. C. van Haeringen. Leiden
1936. Nachdruck: Leiden 1980—1984.
Frankfurter Wörterbuch. Hrsg, von W. Brückner. Bd. I —VI. Frankfurt/M. 1971 — 1985.
Friedrich, J.: Hethitisches Wörterbuch. Kurzgefaßte kritische Sammlung der Deutungen
hethitischer Wörter. Heidelberg 1952-1954. Ergänzungshefte I — III Heidelberg
1957-1966.
Friedrich, J. / Kammenhuber, A.: Hethitisches Wörterbuch. 2. völlig neu bearbeitete
Aufl. auf der Grundlage der edierten hethitischen Texte. Bd. I ff. Heidelberg 1975 ff.
Frings, Th.: Germania Romana. Halle/S. 1932.
Frisk, H.: Griechisches etymologisches Wörterbuch, Bd. I — III 2 unveränderte Aufl
Heidelberg 1973-1979.
Abgekürzt zitierte Literatur — Wörterbücher und Nachschlagewerke LV

Frisk, H.: Kleine Schriften zur Indogermanistik und zur griechischen Wortkunde.
Göteborg 1966.
Fritzner, J.: Ordbog over det gamle norske sprog. Bd. I —III. 2. verbesserte Aufl.
Kristiania 1886—1896. Bd. IV: Nachträge von F. Hodnebo. Oslo 1972.
Frühneuhochdeutsches Wörterbuch. Hrsg, von R. R. Anderson, U. Goebel und O.
Reichmann. Bd. I, Lieferung 1 ff. Berlin, New York 1986 ff.
FS Arnold: Festschritt der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-
Westfalen zu Ehre des Herrn Ministerpräsidenten K. Arnold anläßlich des fünfhun¬
dertjährigen Bestehens der Arbeitsgemeinschaft für Forschung am 4. Mai 1955. Köln,
Opladen 1955.
FS Baetke: Festschrift für W. Baetke. Dargebracht zu seinem 80. Geburtstag. Hrsg.
von K. Rudolph, R. Heller und E. Walter. Weimar 1966.
FS Behaghel: Beiträge zur germanischen Sprachwissenschaft. Festschrift für O. Beha¬
ghel. Hrsg, von W. Horn. Heidelberg 1924.
FS Bianchi: Studi in onore di L. Bianchi. Bologna 1960.
FS Bonfante: Scritti in onore di G. Bonfante. Brescia 1976.
FS Borchling: Niederdeutsche Studien. C. Borchling zum 20. März 1932 dargebracht
von Freunden und Mitarbeitern. Neumünster 1932.
FS Brekle: Neuere Forschung zur Wortbildung und Historiographie der Linguistik.
Festschrift für H. E. Brekle. Hrsg, von B. Asbach-Schnitker und J. Roggenhofer.
Tübingen 1987.
FS Cordes: Festschrift für G. Cordes. Hrsg, von F. Debus und J. Hartig. Bd. II:
Sprachwissenschaft. Neumünster 1976.
FS Dam: Altgermanistische Beiträge. Festschrift für J. van Dam. Hrsg, von F. Maurer
und C. Minis. Amsterdam 1977.
FS Debrunner: Sprachgeschichte und Wortbedeutung. F. A. Debrunner gewidmet von
Schülern, Freunden und Kollegen. Bern 1954.
FS Dünninger. Volkskultur und Geschichte. Festschrift für J. Dünninger. Hrsg, von D.
Harmening u. a. Berlin 1970.
FS Frings: Fragen und Forschungen im Bereich und Umkreis der germanischen Philolo¬
gie. Festgabe für Th. Frings zum 70. Geburtstag. Berlin 1956.
FS Foerste: Gedenkschrift für W. Foerste. Hrsg, von D. Hofmann. Köln, Wien 1970.
FS Hammerick. Festgabe für L. L. Hammerich aus Anlaß seines 70. Geburtstages.
Kopenhagen 1962.
FS Heinzei: Abhandlungen zur Germanischen Philologie. Festgabe für R. Heinzei.
Halle 1898.
FS Helm: Erbe der Vergangenheit. Germanistische Beiträge. Festgabe für K. Helm zum
80. Geburtstag. Tübingen 1951.
FS Hrozny: Symbolae ad studia orientis pertinentes. F. Hrozny dedicatae. Teil I-V.
Prag 1949/50.
FS Jagic: Jagic-Festschrift. Zbornik u slavu Vatroslava Jagica. Berlin 1908.
FS Kluge: Festschrift für F. Kluge zum 70. Geburtstag. Dargebracht von O. Behaghel
u. a. Tübingen 1926.
FS Knobloch: Sprachwissenschaftliche Forschungen. Festschrift für J. Knobloch. Hrsg.
von H. M. Ölberg, G. Schmidt unter Mitarbeit von H. Bothien. Innsbruck 1985.
FS Kralik: Festschrift für D. Kralik. Dargebracht von Freunden, Kollegen und Schü¬
lern. Horn /N.-Ö. 1954.
FS Krause: Indogermanica. Festschrift für W. Krause zum 65. Geburtstag. Heidelberg
1960.
FS Largiader: Archivalia et historica. Arbeiten aus dem Gebiet der Geschichte und des
Archivwesens. Festschrift für A. Largiader. Hrsg, von D. Schwarz und W. Schnyder.
Zürich 1958.
LVI Abkürzungen und allgemeine Literaturangaben

FS Martin: Sprache und Brauchtum. Festschrift für B. Martin. Hrsg, von R. Hilde¬
brandt und H. Friebertshäuser. Marburg 1980.
FS Matzei. Studia Linguistica et Philologica. Festschrift für K. Matzel. Hrsg, von H.-
W. Eroms, B. Gajek und H. Kolb. Heidelberg 1984.
FS Maurer. Die Wissenschaft von der deutschen Sprache. Festschrift für F. Maurer.
Hrsg, von S. Gutenbrunner u. a. Stuttgart 1963.
FS Maurer: Deutsche Sprache. Geschichte und Gegenwart. Festschrift für F. Mäurer.
Hrsg, von H. Moser u. a. Bern, München 1978.
FS Mayer: Verfassungsgeschichte. Aus Verfassungs- und Landesgeschichte. Festschrift
zum 70. Geburtstag von Th. Mayer. Dargebracht von seinen Freunden und Schülern.
Lindau, Konstanz 1954.
FS Mogk: Festschrift für E. Mogk zum 70. Geburtstag. Halle/S. 1924.
FS Mohr:,Getempert und gemischet1. Festschrift für W. Mohr. Hrsg, von F. Hundsnur-
scher und U. Müller. Göppingen 1972.
FS Mortensen: Ergebnisse und Probleme moderner geographischer Forschung. H.
Mortensen zu seinem 60. Geburtstag. Gewidmet von Schülern, Freunden und Kolle¬
gen. Bremen 1954.
FS Öhmann: E. Öhmann zu seinem 60. Geburtstag. Helsinki 1954.
FS Ölberg: Sprache, Sprachen, Sprechen. Festschrift für H. M. Ölberg. Hrsg, von M.
Kienpointner und H. Schmeja. Innsbruck 1987.
FS Pokorny: Beiträge zur Indogermanistik und Keltologie. J. Pokorny zum 80. Geburts¬
tag. Hrsg, von W. Meid. Innsbruck 1967.
FS Pretzel: Festgabe für U. Pretzel. Hrsg, von W. Simon, W. Bachofer und W. Dittmann.
Berlin 1963.
FS Quint: Festschrift für J. Quint. Anläßlich seines 65. Geburtstages überreicht. Hrsg.
von H. Moser, R. Schützeichel und K. Stackmann. Bonn 1964.
FS Risch: o-o-pe-ro-si. Festschrift für E. Risch. Hrsg, von A. Etter. Berlin, New York
1986.
FS Schmidt-Wiegand: Sprache und Recht. Beiträge zur Kulturgeschichte des Mittelal¬
ters. Festschrift für R. Schmidt-Wiegand zum 60. Geburtstag. Hrsg, von K. Hauck
u. a. Bd. I —II. Berlin 1986.
FS Schmitt: Deutscher Wortschatz. Lexikologische Studien. L. E. Schmitt zum 80.
Geburtstag von seinen Marburger Schülern. Hrsg, von H.-H. Munske u. a. Berlin,
New York 1988.
FS Schröder: Festschrift für F. R. Schröder zu seinem 65. Geburtstage. Hrsg, von W.
Rasch. Heidelberg 1959.
FS Schuchardt: Miscellanea linguistica dedicata a H. Schuchardt. Geneve 1922.
FS Schützeichei. Althochdeutsch. (Festschrift R. Schützeichel). Hrsg, von R. Bergmann,
H. Tiefenbach und L. Voetz. Bd. I —II. Heidelberg 1987.
FS de Smet: Wortes anst. Verbi gratia. Donum natalicum G. A. R. de Smet. Hrsg, von
H. L. Cox, V. F. Vanacker und E. Verhofstadt. Leuven 1986.
FS Spanner: Beiträge zur sprachlichen Volksüberlieferung. (Festschrift A. Spanner).
Hrsg, von I. Weber-Kellermann und W. Steinitz. Berlin 1953.
FS Steinbach: Aus Geschichte und Landeskunde. Forschung und Darstellungen. Fest¬
schrift für F. Steinbach. Bonn 1960.
FS Trier: Festschrift für J. Trier zu seinem 60. Geburtstag. Hrsg, von B.v. Wiese und
K.-H. Borck. Meisenheim/Glan 1954.
FS Trier: Festschrift für J. Trier zum 70. Geburtstag. Hrsg, von W. Foerste und K.-H.
Borck. Köln, Graz 1964.
FS Tschirch: Zeiten und Formen in Sprache und Dichtung. Festschrift für F. Tschirch
zum 70. Geburtstag. Hrsg, von K.-H. Schirmer und B. Sowinski. Köln, Wien 1972.
FS Wartburg: Etymologica. W.v. Wartburg zum 70. Geburtstag. Tübingen 1958.
Abgekürzt zitierte Literatur — Wörterbücher und Nachschlagewerke LVII

FS Wartburg: Festschrift für W.v. Wartburg. Hrsg, von K. Baidinger. Bd. I — II.
Tübingen 1968.

Gallee, J. H.: Vorstudien zu einem altniederdeutschen Wörterbuch. Leiden 1903.


Gamillscheg, E.: Etymologisches Wörterbuch der französischen Sprache. 2. vollständig
neu bearbeitete Aufl. Heidelberg 1969.
Ganz. P. F.: Der Einfluß des Englischen auf den deutschen Wortschatz. Berlin 1957.
Geiriadur Prifysgol Cymru. A dictionary of the Welsh language. Bd. I ff. Caerdydd
1950 ff.
Y Geiriadur Mawr. Hrsg, von H. M. Evans und W. O. Thomas. Llandybie, Aberystwyth
1958.
Gemoll, W.: Griechisch-deutsches Schul- und Handwörterbuch. 9. durchgesehene und
erweiterte Aufl. von K. Vretska. München, Wien 1954. Nachdruck: München, Wien
1985.
Georges, K. E.: Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch. Bd. I—II. 8. ver¬
besserte und vermehrte Aufl. von H. Georges. Hannover, Leipzig 1913 — 1918. Nach¬
druck: Darmstadt 1985.
Gesenius, W.: Hebräisches und aramäisches Handwörterbuch über das alte Testament.
Unveränderter Neudruck der 1915 erschienenen 17. Aufl. Berlin, Göttingen, Heidel¬
berg 1962.
Goedel, G.: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seeemannssprache. Kiel 1902.
Goethe-Wörterbuch. Hrsg, von der Akademie der Wissenschaften der DDR, der Akade¬
mie der Wissenschaften in Göttingen und der Heidelberger Akademie der Wissen¬
schaften. Bd. Iff. Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1978 ff.
Götze, A.: Volkskundliches bei Luther. Weimar 1909.
Götze, A.: Nomina ante res. Heidelberg 1917.
Götze, A.: Wege des Geistes in der Sprache. Prag, Leipzig, Wien 1918.
Götze, A.: Anfänge einer mathematischen Fachsprache in Keplers Deutsch. Berlin
1919.
Götze, A.: Akademische Fachsprache. Heidelberg 1929.
Graff, E. G.: Althochdeutscher Sprachschatz oder Wörterbuch der althochdeutschen
Sprache. Bd. I-VI. Bd. VII: Vollständiger alphabetischer Index, ausgearbeitet von
H. F. Massmann. Berlin 1834-1846. Nachdruck: Hildesheim 1963.
Güntert, H.: Labyrinth. Eine sprachwissenschaftliche Untersuchung. Heidelberg 1932.
Günther, H.: Freiheit, Herrschaft und Geschichte. Semantik der historisch-politischen
Welt. Frankfurt/M. 1979.
Günther, L.: Die deutsche Gaunersprache und verwandte Geheim- und Berufssprachen.
Leipzig 1919.
Gusmani, R.: Lydisches Wörterbuch. Mit grammatischer Skizze und Inschriftensamm-
lung. Heidelberg 1964. Ergänzungsbd. Heidelberg 1980 — 1986.

Hamburgisches Wörterbuch. Hrsg, von H. Kuhn, U. Pretzel u. a. Bd. Iff. Neumünster


1985 ff. , .
Haugen, E. I.: Norwegian-Englisch Dictionary. A Pronouncing and Translating Dictio¬
nary of Modern Norwegian Bokmäl and Nynorsk. Oslo, Madison 1961.
Heinertz, N. O.: Etymologische Studien. Lund 1927.
Heintz, G.: Geschehen. Wortgeschichtliche, etymologische und onamasiologische Stu¬
dien aus dem Sinnbezirk des ,Sich - EreignensL Diss. Münster 1968.
Hellquist, E.: Svensk etymologisk ordbok. 4. Aufl. Bd. I —II. Lund 1980.
Helten, W. L. van: Zur Lexicologie des Altwestfriesischen. Amsterdam 1896.
Helten' W. L. van: Zur Lexikologie des Altostfriesischen. Amsterdam 1907.
LVIII Abkürzungen und allgemeine Literaturangaben

Henne, H. / Objartel, G. (Hrsg.): Bibliothek zur historischen deutschen Studenten- und


Schülersprache. Bd. I —VI. Berlin, New York. 1984.
Henzen, W.: Die Bezeichung von Richtung und Gegenrichtung im Deutschen. Studien
zu Umfang und Ausnützung der mit Adverbien der Richtung zusammmengesetzten
Wortbildungsgruppen. Tübingen 1969.
Herbermann, C.-R: Etymologie und Wortgeschichte. Die idg. Sippe des Verbums
strotzen. Marburg 1974.
Heyne, M.: Das deutsche Wohnungswesen, von den ältesten geschichtlichen Zeiten bis
zum 16. Jahrhundert. Leipzig 1899.
Heyne, M.: Fünf Bücher deutscher Hausaltertümer von den ältesten geschichtlichen
Zeiten bis zum 16. Jahrhundert. Leipzig 1899/1903.
Heyne, M.: Deutsches Wörterbuch. Bd. I —III. 2. Aufl. Leipzig 1905 — 1906. Nachdruck:
Hildesheim 1970.
Hiersche, R.: Deutsches etymologisches Wörterbuch. Lieferung 1 ff. Heidelberg 1986 ff.
Hoffmann, W. H.: Schmerz, Pein und Weh. Gießen 1956.
Holthausen, F.: Altenglisches etymologisches Wörterbuch. 2. unveränderte Aufl. Heidel¬
berg 1963.
Holthausen, F.: Altfriesisches Wörterbuch. 2. verbesserte Aufl. von D. Hofmann.
Heidelberg 1985.
Hoops, J.: Waldblume und Kulturpflanzen. Straßburg 1905.
Hoops: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Unter Mitwirkung zahlreicher
Fachgelehrten hrsg. von J. Hoops. Bd. I —IV. Straßburg 1911/19.
Hoops: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. 2. völlig neu bearbeitete und
stark erweiterte Aufl. unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter. Bd. I ff. Berlin,
New York 1973 ff.
Horn, P.: Die deutsche Soldatensprache. Gießen 1899.
Hübschmann, H.: Armenische Grammatik. Theil I: Armenische Etymologie. Leipzig
1897.
Hüpper-Dröge, D.: Schild und Speer. Waffen und ihre Bezeichnungen im frühen
Mittelalter. Frankfurt/M., Bern, New York 1983.
Hustad, T.: Stör Norsk-Tysk ordbok. Großes Norwegisch-Deutsches Wörterbuch. Oslo,
Bergen, Tromso 1979.

Islensk oröabök. Handa skölum og almenningi. 2. vermehrte und verbesserte Aufl.


Reykjavik 1983. Nachdruck: Reykjavik 1988.

Johannesson, A.: Isländisches etymologisches Wörterbuch. Bern 1956.


Johannisson, T. J.: Verbal ock postverbal partikelkomposition. Diss. Lund 1939.
Jones, W. J.: A Lexicon of French Borrowings in the German Vocabulary. (1575 — 1648).
Berlin, New York 1976.
Jutz, L.: Vorarlbergisches Wörterbuch mit Einschluß des Fürstentums Lichtenstein Bd
I — II. Wien 1960-1965.

Kammenhuber, A.: Materialien zu einem hethitischen Thesaurus. Lieferung 1 ff Heidel¬


berg 1973 ff.
Klappenbach, R. / Steinitz, W. (Hrsg.): Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache.
10. bearbeitete Aufl. Bd. I —VI. Berlin 1980-1982.
Klein, E.: A Comprehensive Etymological Dictionary of the English Language Bd
I — II Amsterdam, London, New York 1966-1967. Nachdruck in einem Bd • Am¬
sterdam, London, New York 1977.
Klenz, H.: Die deutsche Druckersprache. Straßburg 1900.
Kluge, F.: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 1. Aufl. Straßburg 1883.
21. Aufl. Berlin, New York 1975 = Nachdruck der 20. Aufl. Berlin 1967.
Abgekürzt zitierte Literatur — Wörterbücher und Nachschlagewerke LIX

Kluge, F.: Deutsche Studentensprache. Straßburg 1895.


Kluge, F.: Rotwelsch. Quellen und Wortschatz der Gaunersprache und der verwandten
Geheimsprachen. I. Rotwelsches Quellenbuch. Straßburg 1901. Nachdruck: Berlin,
New York 1987.
Kluge, F.: Bunte Blätter. Freiburg/Br. 1908.
Kluge, F.: Seemannssprache. Wortgeschichtliches Handbuch deutscher Schifferaus¬
drücke älterer und neuerer Zeit. Halle/S. 1911. Nachdruck: Kassel 1973.
Kluge, F.: Wortforschung und Wortgeschichte. Aufsätze zum deutschen Sprachschatz.
Leipzig 1912.
Kluge, F.: Abriß der deutschen Wortbildungslehre. Halle/S. 1913.
Kluge, F.: Von Luther bis Lessing. 5. Aufl. Leipzig 1918.
Kluge, F.: Nominale Stammbildungslehre der altgermanischen Dialekte. 3. Aufl. bear¬
beitet von L. Sütterlin und E. Ochs. Halle/S. 1926.
Köbler, G.: Altfriesisch-neuhochdeutsches und neuhochdeutsch-altfriesisches Wörter¬
buch. Gießen 1983.
Kranemann, N.: Über den Gebrauch des Wortes Krippe im Sachbereich der Uferbefesti¬
gung. Münster 1958.
Kranzmayer, E.: Die Namen der Wochentage in den Mundarten von Bayern und
Österreich. Wien, München 1929.
Kratz, B.: Zur Bezeichnung von Pflugmesser und Messerpflug in Germania und Roma¬
nia. Gießen 1966.
Krause, W. / Thomas, W.: Tocharisches Elementarbuch. Bd. I: Grammatik. Bd. II:
Texte und Glossar. Heidelberg 1960 — 1964.
Kretschmer, R: Wortgeographie der hochdeutschen Umgangssprache. 2. durchgesehene
und ergänzte Aufl. 1969.
Kuhberg, W.: Verschollenes Sprachgut und seine Wiederbelebung in nhd. Zeit. Frank¬
furt/M. 1933.
Künzle, B. O.: Das altarmenische Evangelium. Teil I: Edition zweier altarmenischer
Handschriften. Teil II: Lexikon. Bern, Nancy, Frankfurt/M., New York 1984.
Küpper, H.: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. Bd. I —VI. Hamburg 1955/
70.
Küpper, H.: Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache. Bd. I-VIII. Stuttgart
1982/84.
Küpper, H.: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. Stuttgart 1987.
Kurath, H. / Kuhn, Sh. M. (Hrsg.): Middle English Dictionary. Bd. I ff. Ann Arbor/
Mich. 1956 ff.
Kurschat, A.: Litauisch-deutsches Wörterbuch. Bd. I-IV. Göttingen 1968-1973.
Kyes, R. L.: Dictionary of the Old Low and Central Franconian Psalms and Glosses.
Tübingen 1983.

Ladendorf, O.: Historisches Schlagwörterbuch. Straßburg 1906. Nachdruck: Hildesheim


1968.
Lasch, A.: Berlinisch. Eine berlinische Sprachgeschichte. Berlin 1928.
Lascht A. / Borchling C.: Mittelniederdeutsches Handwörterbuch. Fortgeführt von G.
Cordes. Bd. Iff. Neumünster 1956 ff.
Latein und Griechisch im deutschen Wortschatz. Lehn- und Fremdwörter altsprach¬
licher Herkunft. 4. Aufl. Berlin 1988.
Lehmann: A Gothic Etymological Dictionary. Based on the third edition of Vergleichen¬
des Wörterbuch der Gotischen Sprache by Sigmund Feist. Leiden 1986. ^
Lewis. Ch. T. / Short, Ch.: A Latin Dictionary. Founded on Andrews’ Edition of
" Freund’s Latin Dictionary. Oxford 1879. Nachdruck: Oxford 1975.
Lexer, M.: Kärntnisches Wörterbuch. Leipzig 1862. Nachdruck: Wiesbaden 1965.
LX Abkürzungen und allgemeine Literaturangaben

Lexer, M.: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. Zugleich als Supplement und alpha¬


betischer Index zum Mittelhochdeutschen Wörterbuch von Benecke-Müller-Zarncke.
Bd. I —III. Leipzig 1872--1878. Nachdruck: Stuttgart 1979.
Lexer, M.: Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch. 37. Aufl. mit Nachträgen von U.
Pretzel. Stuttgart 1983.
Liddell, H. G. / Scott, R.: A Greek-English Lexicon. 9. Aufl. von H. S. Jones. Mit
Supplement. Oxford 1968. Nachdruck: Oxford 1985.
Lindquist, A.: Deutsches Kultur- und Gesellschaftsleben im Spiegel der Sprache. Wies¬
baden 1955.
Lindquist, A.: Satzwörter. Göteborg 1961.
Littmann, E.: Morgenländische Wörter im Deutschen. 2. Aufl. Tübingen 1924.
Lloyd, A. L. / Springer, O.: Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen. Bd.
Iff. Göttingen, Zürich 1988 ff.
Loewe, R.: Bemerkungen zu deutschen Pflanzennamen. Fortsetzung der Arbeit in
BGDSL 59 — 62 (1935 — 1938). Privatdruck 1939.
Lokotsch, K.: Etymologisches Wörterbuch der amerikanischen (indianischen) Wörter
im Deutschen. Heidelberg 1926.
Lokotsch, K.: Etymologisches Wörterbuch der europäischen (germanischen, romani¬
schen und slavischen) Wörter orientalischen Ursprungs. 2. unveränderte Aufl. Heidel¬
berg 1975.
Lühr, R.: Expressivität und Lautgesetz im Germanischen. Heidelberg 1988.
Lüschen, H.: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. Thun,
München 1968.
Luxemburger Wörterbuch. Bd. I-V. Luxemburg 1950 — 1977.

Mann, S. E.: An Historical Albanian-English Dictionary. London, New York, Toronto


1948.
Mann, S. E.: An Indo-European Comparative Dictionary. Hamburg 1984—1987.
Martin, E. / Lienhart, H.: Wörterbuch der elsässischen Mundart. Bd. I —II. Straßburg
1899 — 1907. Nachdruck: Berlin, New York 1974.
Marzeil, H.: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen. Bd. I —V. Leipzig, Stuttgart,
Wiesbaden 1943/79.
Masser, A.: Die Bezeichnungen für das christliche Gotteshaus in der deutschen Sprache
des Mittelalters. Berlin 1966.
Maurer, F. / Stroh, F. (Hrsg.): Deutsche Wortgeschichte. Bd. I — III. Berlin 1943.
Maurer, F. / Stroh, F. (Hrsg.): Deutsche Wortgeschichte. 2. neubearbeitete Aufl. Bd
I —III. Berlin 1959/69.
Maurer, F. / Rupp, H. (Hrsg.): Deutsche Wortgeschichte. 3. neubearbeitete Aufl. Bd.
I —III. Berlin, New York 1974/78.
Mayrhofer, M.: Kurzgefaßtes etymologisches Wörterbuch des Altindischen. A Concise
Etymological Sanskrit Dictionary. Bd. I-IV. Heidelberg 1956-1980.
Mayrhofer, M.: Etymologisches Wörterbuch des Altindoarischen. Bd. I, Lieferung 1 ff.
Heidelberg 1986 ff.
Mayrhofer, M. / Peters, M. / Pfeiffer, O. (Hrsg.) (1980): Lautgeschichte und Etymologie.
Akten der VI. Fachtagung der Indogermanischen Gesellschaft, Wien, 24.-29. Sept.
1978. Wiesbaden 1980.
McCormack, W. / Wurm, St. A. (Hrsg.): Approaches to Language. Anthropological
Issues. The Hague, Paris 1978.
Meid, W. (Hrsg.): Studien zum indogermanischen Wortschatz. Innsbruck 1987.
Meineke, E. M.: Bernstein im Althochdeutschen. Göttingen 1984.
Meisinger, O.: Hinz und Kunz. Deutsche Vornamen in erweiterter Bedeutung. Dort¬
mund 1924.
Abgekürzt zitierte Literatur — Wörterbücher und Nachschlagewerke LXI

Mensing, O. (Hrsg.): Schleswig-Holsteinisches Wörterbuch (Volksausgabe). Bd. I —V.


Neumünster 1927 — 1935.
Meyer-Lübke, W.: Romanisches etymologisches Wörterbuch. 3. vollständig neubearbei¬
tete Aufl. Heidelberg 1935.
Miettinen, E.: Zum mundartlichen Fortleben mhd.-mndd. Lehnwortgutes romanischer
Herkunft. Helsinki 1962.
Miklosich, F.: Lexicon palaeoslovenico-graeco-latinum. Wien 1862—1865.
Mitzka, W.: Schlesisches Wörterbuch. Bd. I —III. Berlin 1963 — 1965.
Mitzka, W. / Schmitt, L. E.: Deutscher Wortatlas. Bd. I —XXII. Gießen 1951 — 1980.
Mühlenbach, K. / Endzelin, J.: Lettisch-deutsches Wörterbuch. Bd. I —IV. Riga
1923-1932.
Müller, E. E.: Großvater, Enkel, Schwiegersohn. Untersuchungen zur Geschichte der
Verwandtschaftsbezeichnungen im Deutschen. Heidelberg 1979.
Müller-Fraureuth, K.: Wörterbuch der obersächsischen und erzgebirgischen Mundar¬
ten. Bd. I —II. Dresden 1911 — 1914. Nachdruck: Leipzig 1968.

Nance, R. M.: A Cornish — English Dictionary. Marazion 1955.


Nichtenhauser, D.: Rückbildungen im Neuhochdeutschen. Diss. Freiburg /Br. 1920.
Nieder sächsisches Wörterbuch. Hrsg, von W. Jungandreas, H. Wesche u. a. Bd. Iff.
Neumünster 1965 ff.
Nielsen, N.Ä.: Dansk etymologisk ordbok. Ordenes historie. 3. verbesserte Aufl. Kopen¬
hagen 1976.4. Aufl. = Nachdruck: Kopenhagen 1985.
Niermeyer, J. F.: Mediae Latinitatis Lexicon Minus, Lexique Latin Medieval-Fran?ais/
Anglais. A Medieval Latin-French-English Dictionary. Leiden 1976.
Nussbaum. A. J. N.: Head and Horn in Indo-European. Berlin, New York 1986.
Nyström. S.: Die deutsche Schulterminologie in der Periode 1300 — 1740. Helsinki 1915.

Obst, K.: Der Wandel in den Bezeichnungen für gewerbliche Zusammenschlüsse des
Mittelalters. Eine rechtsgeographische Analyse. Frankfurt/M., Bern, New York 1983.
Öhmann, E.: Studien über die französischen Worte im Deutschen. Helsinki 1918.
Ordbok over det danske sprog. Udgivet af det danske sprog- og litteraturselskab. Bd.
I-XXVIII. Kopenhagen 1919-1956.
Ordbok öfver Svenska Spräket. Utgifven af Svenska Akademien. Bd. I ff. Lund 1898 ff.
The Oxford Dictionary of English Etymology. Hrsg, von C. T. Onions. Oxford 1966.
The Concise Oxford Dictionary of English Etymology. Hrsg, von T. F. Hoad. Oxford
1986. T , J ,
The Oxford English Dictionary. Bd. I —XII + Supplement. Oxford 1933. Nachdruck.
Oxford 1978. Supplement Bd. I-IV. Oxford 1972-1985.

Palander, H.: Die althochdeutschen Tiernamen. I. Die Namen der Säugetiere. Darm¬
stadt 1899.
Palmer Ph M.: Neuweltwörter im Deutschen. Heidelberg 1939.
Palmer, Ph. M.: The Influence of English on the German Vocabulary to 1700. Berkeley,
Los Angeles 1950. ^ , OAA .
Palmer, Ph. M.: The Influence of English on the German Vocabulary to 1800. A
Supplement. Berkeley, Los Angeles 1960.
Paul, H.: Deutsches Wörterbuch. 7. Aufl. Bearbeitet von W. Betz. Tübingen 1976.
8. Aufl. = Nachdruck: Tübingen 1981.
Pfaff, W.: Zum Kampf um deutsche Ersatzwörter. Gießen 1933.
Pfälzisches Wörterbuch. Begründet von E. Christmann. Bearbeitet von J. Kramer und
R. Post. Bd. Iff. Wiesbaden 1965ff.
Pfister, M.: Lessico etimologico italiano. Bd. Itf. Wiesbaden 1979 ff.
Pfuhl, K. B.: Lausitzisch-wendisches Wörterbuch. Bautzen 1866.
LXII Abkürzungen und allgemeine Literaturangaben

Pokorny, J.: Indogermanisches etymologisches Wörterbuch. Bd. I —II. Bern, München


1959/69.
Preußisches Wörterbuch. Deutsche Mundarten Ost- und Westpreußens. Begründet und
hrsg. von E. Riemann. Bd. I ff. Neumünster 1974 ff.
Puhvel, J.: Hittite Etymological Dictionary. Bd. I ff. Berlin, New York 1984ff.

Relleke, W.: Ein Instrument spielen. Instrumentenbezeichnungen und Tonerzeugungs¬


verben im Ahd., Mhd. und Nhd. Heidelberg 1980.
Reuter, E.: Neuhochdeutsche Beiträge zur westgermanischen Konsonantengemination.
Diss. Freiburg 1906.
Rheinisches Wörterbuch. Bearbeitet und hrsg. von J. Müller u. a. Bd. I-IX. Bonn
Berlin 1928-1971.
Richthofen, K. Frhr. v.: Altfriesisches Wörterbuch. Göttingen 1840.
Röhrich, L.: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Bd. I — II. Freiburg/Br Basel
Wien 1973.
Rooth, E.: Nordseegermanische Studien. Bd. I. Stockholm 1979.
Rooth, E.: Nordseegermanische Studien. Bd. II. Stockholm 1981.
Rooth, E.: Nordseegermanische Studien. Bd. III. Stockholm 1983.
Ruiperez, G.: Die strukturelle Umschichtung der Verwandtschaftsbezeichnungen im
Deutschen. Ein Beitrag zur historischen Lexikologie, diachronen Semantik und
Ethnolinguistik. Marburg 1984.
Ruppel, H.: Rückbildung deutscher Substantive aus Adjektiven. Diss. Freiburg /Br
1911.

Sadnik, L. / Aitzetmüller, R.: Handwörterbuch zu den altkirchenslavischen Texten.


Heidelberg 1955.
Sadnik, L. / Aitzetmüller, R.: Vergleichendes Wörterbuch der slavischen Sprachen.
Bd. I. Wiesbaden 1975.
Schalk, F.: Exempla romanischer Wortgeschichte. Frankfurt 1966.
Schatz, J.: Wörterbuch der Tiroler Mundarten. Für den Druck vorbereitet von K.
Finsterwalder. Bd. I — II. Innsbruck 1955-1956.
Scheller, M.: Vedisch priyä- und die Wortsippe frei, freien, Freund. Eine bedeutungsge¬
schichtliche Studie. Göttingen 1959.
Schiller, K. / Lübben, A.: Mittelniederdeutsches Wörterbuch. Bd. I —VI. Bremen
1875 — 1881. Nachdruck: Schaan 1983.
Schirmer, A.: Wörterbuch der deutschen Kaufmannssprache. Auf geschichtlichen
Grundlagen mit einer systematischen Einleitung. Straßburg 1911.
Schirmer, A.: Der Wortschatz der Mathematik nach Alter und Herkunft untersucht.
Straßburg 1912.
Schmeller, J. A.: Bayerisches Wörterbuch. 2. Aufl. bearbeitet von G. K. Frommann.
Bd. I — II. München 1872/77. Nachdruck: München, Wien, Aalen 1983 und München
1985.
Schmidt, G.: Stammbildung und Flexion der indogermanischen Personalpronomina
Wiesbaden 1978.
Schmidt-Wiegand, R.: Studien zur historischen Rechtswortgeographie. Der Strohwisch
als Bann- und Verbotszeichen. München 1978.
Schmidt-Wiegand, R. (Hrsg.): Wörter und Sachen im Lichte der Bezeichnungsfor¬
schung. Berlin, New York 1981.
Schrader/Nehring: Reallexikon der indogermanischen Altertumskunde von O. Schräder
2 vermehrte und umgearbeitete Aufl. Hrsg, von A. Nehring. Berlin, Leipzig 1917/

Schramm, F.: Schlagworte der Alamodezeit. Straßburg 1914.


Abgekürzt zitierte Literatur — Wörterbücher und Nachschlagewerke LXIII

Schröder, E.. Deutsche Namenkunde. Gesammelte Aufsätze zur Kunde deutscher


Personen- und Ortsnamen. Festgabe seiner Freunde und Schüler zum 80. Geburtstag.
Göttingen 1938.
Schröder, H.: Beiträge zur germanischen Sprach- und Kulturgeschichte. I. Streckfor¬
men. Heidelberg 1906.
Schulz, H. / Basler, O.: Deutsches Fremdwörterbuch. Begonnen von H. Schulz, fortge¬
führt von O. Basler, weitergeführt im Institut für deutsche Sprache. Bd. I — VII.
Straßburg, Berlin, New York 1913-1988.
Schulze, W.: Kleine Schriften. Göttingen 1933.
Schütte, L.: WIK. Eine Siedlungsbezeichnung in historischen und sprachlichen Bezügen.
Köln, Wien 1976.
Schützeichel, R.: Studien zur deutschen Literatur des Mittelalters. Bonn 1979.
Schützeichel, R.: Althochdeutsches Wörterbuch. 3. Aull Tübingen 1981.
Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache. Bearbeitet von
F. Staub, L. Tobler u. a. Bd. I ff. Frauenfeld 1881 ff.
Schwentner, E.: Farbenbezeichnungen. Münster 1915.
Schwentner, E.: Die primären Interjektionen in den indogermanischen Sprachen. Mit
besonderer Berücksichtigung des Griechischen, Lateinischen und Germanischen.
Heidelberg 1924.
Seebold, E.: Vergleichendes und etymologisches Wörterbuch der germanischen starken
Verben. Den Haag 1970.
Seebold, E.: Etymologie. Eine Einführung am Beispiel der deutschen Sprache. München
1981.
Seebold, E.: Das System der Personalpronomina in den frühgermanischen Sprachen.
Göttingen 1984.
Sehrt. E. H.: Vollständiges Wörterbuch zum Heliand und zur altsächsischen Genesis.
2. durchgesehene Aufl. Göttingen 1966.
Siebenbürgisch-Sächsisches Wörterbuch. Bd. Iff. Berlin, Leipzig, Bukarest 1924ff.
Silfwerbrand, R. B.: Vlees, bloed en been. Synoniemvergelijkend onderzoek van drie
germaanse woordformaties. Proefschrift Rijksuniversiteit Utrecht 1958.
Skeat, W. W.: An Etymological Dictionary of the English Language. 2. Aufl. Oxford
1956.
Sommer, F.: Schriften aus dem Nachlaß. Hrsg, von B. Forssman. München 1977.
Spalding, K.: A Historical Dictionary of German Figurative Usage. With the assistance
of K. Brooke. Bd. Iff. Oxford 1952ff.
Seitz, T. E.: Die Katze in der Sprache. Diss. München 1976.
Stammler, W.: Kleine Schriften zur Sprachgeschichte. Berlin 1954.
Starck, T. / Wells, J. C.: Althochdeutsches Glossen Wörterbuch. Lieferung 1 ff. Heidel¬
berg 1972 ff.
Steinhäuser, W.: Slawisches im Wienerischen. Wien 1962.
Stiven, A. B.: Englands Einfluß auf den deutschen Wortschatz. Diss. Marburg. Zeulen¬
roda 1936.
Strasser, I.: Bedeutungswandel und strukturelle Semantik. ,Marotte, Laune, Tick' im
literarischen Deutsch der Gegenwart und der frühen Goethezeit. Wien 1976.
Steudel, J.: Altes Erbgut in der ärztlichen Sprache der Gegenwart. Bonn 1944.
Sudetendeutsches Wörterbuch. Wörterbuch der deutschen Mundarten in Böhmen und
Mähren-Schlesien. Hrsg, von H. Engels. Bd. Iff. München 1982ff.
Südhesssisches Wörterbuch. Begründet von F. Maurer. Bearbeitet von R. Mulch. Bd.
Iff. Marburg 1965ff.
Suolahti, H.: Die deutschen Vogelnamen. Straßburg 1909.
Suolahti, H.: Der französische Einfluß auf die deutsche Sprache im dreizehnten Jahr¬
hundert. Teil I. Helsinki 1929.
LXIV Abkürzungen und allgemeine Literaturangaben

Suolahti, H.: Der französische Einfluß auf die deutsche Sprache im dreizehnten Jahr¬
hundert. Teil II. Helsinki 1933.
Svenska akademiens ordbok över svenska spräket. Bd. I —XXVII. Stockholm
1898-1973.
Szemerenyi, : Studies in the Indo-European System of Numerals. Heidelberg 1960.

Teuchert, H.: Die Sprachreste der niederländischen Siedlungen des 12. Jahrhunderts.
Neumünster 1944.
Thesaurus linguae latinae. Bd. Iff. Leipzig 1900 ff.
Thüringisches Wörterbuch. Bearbeitet unter der Leitung von K. Spangenberg. Bd.
IV ff. Berlin 1966 ff.
Tiefenbach, H.: Studien zu Wörtern volkssprachiger Herkunft. München 1973.
Tischler, J.: Hethitisch-deutsches Wörterverzeichnis. Mit einem semasiologischen Index.
Innsbruck 1982.
Tischler, J.: Hethitisches Etymologisches Glossar. Mit Beiträgen von G. Neumann. Teil
Iff. Innsbruck 1983ff.
Trautmann, R.: Die altpreußischen Sprachdenkmäler. Einleitung, Texte, Grammatik,
Wörterbuch. Göttingen 1910. 2. Aufl. = Nachdruck: Göttingen 1970.
Trautmann, R.: Baltisch-Slavisches Wörterbuch. Göttingen ,1923. 2. Aufl. = Nach¬
druck: Göttingen 1970.
Trier, J.: Lehm. Etymologien zum Fachwerk. Marburg 1951.
Trier, J.: Holz. Etymologien aus dem Niederwald. Münster, Köln 1952.
Trier, J.: Venus. Etymologien um das Futterlaub. Köln, Graz 1963.
Trier, J.: J. Grimm als Etymologe. Münster 1964.
Trier, J.: Wege der Etymologie. Nach der hinterlassenen Druckvorlage mit einem
Nachwort hrsg. von H. Schwarz. Berlin 1981.
Trübners Deutsches Wörterbuch. Hrsg, von A. Götze und W. Mitzka Bd I — VIII
Berlin 1939-1957.
Tschinkel, W.: Wörterbuch der Gottscheer Mundart. Bd. I — II. Wien 1973-1976.

Unger, Th. / Khull, F.: Steirischer Wortschatz als Ergänzung zu Schmellers Bayerischem
Wörterbuch. Graz 1903. Nachdruck: Wiesbaden 1968.

Valtavuo, T.: Der Wandel der Wortstämme in der Synonymik für ,Hügel4 Helsinki
1952.
Vasmer, M.: Russisches etymologisches Wörterbuch. Bd. I —III. Heidelberg 1953-1958.
2. Aufl. = Nachdruck: Heidelberg 1976 — 1980.
Vendryes, J.: Lexique etymologique de Pirlandais ancien. Lieferung 1 ff Dublin Paris
1959 ff.
Verwijs, E. / Verdam, J.. Middelnederlandsch woordenboek. Bd. I — XI. s-Gravenhage
1885 — 1941. Nachdruck: ’s-Gravenhage 1969.
Vortisch, R.: Grammatikalische Termini im Frühneuhochdeutschen 1500 — 1663. Diss.
Freiburg/Br. 1910.
Vries, J. de: Altnordisches etymologisches Wörterbuch. 2. verbesserte Aufl. Leiden 1962.
Vries, J. de: Nederlands etymologisch woordenboek. Leiden 1971.

Wadstein, E. (Hrsg.): Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler mit Anmerkungen und


Glossar. Norden, Leipzig 1899.
Walde, A. / Hofmann, J. B.: Lateinisches etymologisches Wörterbuch. 3. neu bearbeitete
Aufl. Bd. I —III. Heidelberg 1938-1956. 4./5. Aufl. = Nachdruck: Heidelberg 1965/
82.
Walde, A. / Pokorny, J.: Vergleichendes Wörterbuch der indogermanischen Sprachen.
Bd. I — III. Berlin, Leipzig 1927-1932. Nachdruck: Berlin 1973.
Abgekürzt zitierte Literatur — Wörterbücher und Nachschlagewerke LXV

Weigand, F. L. K. / Hirt, H.: Deutsches Wörterbuch. Bd. I — II. 5. Aufl. Gießen


1909 — 1910. Nachdruck: Berlin 1968.
Westfälisches Wörterbuch. Hrsg, von J. Goossens. Bd. I ff. Neumünster 1973 ff.
Wiek, Ph.. Die slavischen Lehnwörter in der neuhochdeutschen Schriftsprache. Diss.
Marburg 1939.
Wis, K.. Ricerche sopra gli italianismi nella lingua tedesca. Dalla metä del secolo XIV
alla fine del secolo XVI. Helsinki 1955.
Wißmann, W.: Nomina postverbalia in den altgermanischen Sprachen. Teil I: Deverba-
tive ö-Verba. Göttingen 1932.
Woeste, F.: Wörterbuch der Westfälischen Mundart. Neu bearbeitet und hrsg. von E.
Nörrenberg. Norden 1930. Nachdruck: Wiesbaden 1966.
Wolf, H.: Studien zur deutschen Bergmannssprache. Tübingen 1958.
Wolf, S. A.: Wörterbuch des Rotwelschen. Deutsche Gaunersprache. 2. durchgesehene
Aufl. Hamburg 1985.
Wolf, S. A.: Jiddisches Wörterbuch. Mit Leseproben. Wortschatz des deutschen Grund¬
bestandes der jiddischen (jüdischdeutschen) Sprache. 2. durchgesehene Aufl. Ham¬
burg 1986.
Wolf, S. A.: Großes Wörterbuch der Zigeunersprache (romani tsiw). Wortschatz deut¬
scher und anderer europäischer Zigeunerdialekte. 2. durchgesehene Aufl. Hamburg
1987.
Woordenboek der nederlandsche taal. Hrsg, von M. de Vries, L. A. te Winkel u. a. Bd.
Iff. ’s-Gravenhage, Leiden 1882 ff.
Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich. Bearbeitet von V. Dollmayr, E.
Kranzmayer u. a. Bd. Iff. Wien 1963 ff.
Wörterbuch der litauischen Schriftsprache. Litauisch-Deutsch. Bearbeitet von M. Nie¬
dermann, F. Brender, A. Senn und A. Salys. Bd. 1 —V. Heidelberg 1932 — 1968.
Wörterbuch der mittelhochdeutschen Urkundensprache. Auf der Grundlage des Corpus
der altdeutschen Originalurkunden bis zum Jahre 1300. Bd. I, Lieferung 1 ff. Berlin
1986 ff.
Wossidlo-Teuchert. Mecklenburgisches Wörterbuch. Hrsg, von der Sächsischen Akade¬
mie zu Leipzig aus den Sammlungen R. Wossidlos und aus den Ergänzungen und
nach der Anlage H. Teucherts. Bd. I-ff. Berlin, Neumünster 1942 ff.
Wrede, A.: Neuer Kölnischer Sprachschatz. Bd. I —III. 6. Aufl. 1976.
Wünschmann, D.: Die Tageszeiten. Ihre Bezeichnung im Deutschen. Marburg 1966.
Wurdenboek fan de Fryske taal. Woordenboek der Friese taal. Hrsg, von der Fryske
Akademy. Bd. Iff. Ljouwert (Leeuwarden) 1984ff.

Ziesemer, W.: Preußisches Wörterbuch. Sprache und Volkstum Norddeutschlands. Bd.


I —II. Königsberg 1939 — 1940. Nachdruck: Hildesheim, New York 1975.
A
a-1 Präfix. Dient zur Präfigierung von Adjek¬ (hauptsächlich als Bestandteil von Pferdena¬
tiven (und von diesen abgeleiteten Substanti¬ men); -strich wohl als Verdeutlichung. Weitere
ven), wobei die Bedeutung des zugrundeliegen¬ Herkunft unklar.
den Wortes verneint (ins Gegenteil gewandelt S. Aal.
oder Fehlen bzw. Nichtbetroffensein ausge¬
drückt) wird. Das Präfix stammt aus dem Grie¬ Aar m., arch. Mhd. are, am, ahd. as. aro, am
chischen (alpha privativum); es wurde ur¬ aus g. *ar-n- m. 'Adler, großer Raubvogel’, auch
in gt. ara, anord. grn, (poet.) ari, ae. earn,
sprünglich nur bei Verbaladjektiven und Ba-
huvrlhibildungen (z. B. gr. ämorphos 'gestaltlos’ («-Stamm, teilweise erweitert). Mit ähnlicher
zu gr. morphe 'Gestalt’) gebraucht, dann aber morphologischer Unregelmäßigkeit heth. haras
allgemein zur Negierung von Adjektiven ver¬ (Gen. haranas); mit verallgemeinerter Bedeu¬
wendet (z. B. gr. äsophos 'unklug’ zu gr. sophös tung gr. örnis 'Vogel’; vorauszusetzen ist ig.
'klug’). Das Präfix wurde zunächst in griechi¬ *hor-n- m. 'Adler, großer Raubvogel’. Vermut¬
schen Wörtern in die europäischen Sprachen lich aus der gleichen Bildung, aber mit Dissimi¬
entlehnt und dann abgelöst; heute wird es vor¬ lationen und zum Teil (wohl sekundär) e-Voka¬
wiegend in neoklassischen hybriden Bildungen lismus, stammen air. ilar, kymr. eryr, lit. erelis,
mit lateinischen Grundwörtern verwendet (z. B. akslav. orilü-, und mit abweichender Bedeutung
asozial zu sozial, das aus dem Lateinischen arm. oror 'Möwe, Weihe’. Herkunft dunkel.
stammt). Vor Vokalen und vor /h/ erscheint das Das Wort wird seit dem 12. Jh. verdrängt durch
Präfix in der Form an- (anorganisch, anhy- die Verdeutlichung adel-are 'edler Aar’ (s. Adler)
drisch). Gelegentlich wird es mit ab- (s. d.) ver¬ und stirbt spätestens im 17. Jh. aus (z. T. noch
wechselt, etwa bei anomal (zu gr. nömos 'Sitte, erhalten in Zusammensetzungen wie Mausaar
Gesetz’) gegenüber abnormal (zu 1. nörma 'Maß, und Fischaar). Im 18. Jh. wird es in dichteri¬
Regel’). Etymologisch ist es verwandt mit un- scher Sprache wiederbelebt, wobei es zunächst
(s. d.) und dem aus dem Lateinischen stammen¬ noch durch Adler verdeutlicht werden muß.
den in- (s. d.). Mit gr. örnis vgl. Ornithologie 'Vogelkunde’. Nndl.
arend, ne. er ne, nschw. nisl. örn (f). S. Sperber und
a-2 (als Verbalpräfix), s. ad-. Bussard. — Suolahti (1909), 345 — 352; Kuhberg
Aal m. Mhd. ahd. as. äl aus g. *äla- m. 'Aal*, (1933), 32; Lloyd/Springer (1988ff), I, 341-344.
auch in anord. äll, ae. äl. Außergermanisch Aas n. Mhd. äs, ahd. as. -äs aus wg. *äsa- n.
(wie viele Fischnamen) nicht vergleichbar, doch 'Aas (als Fraß, vor allem der Raubvögel), Kö¬
scheint 1. anguilla f. 'Aal’ in den anderen indo¬ der’, auch in ae. äs. In der heutigen Bedeutung
germanischen Sprachen Europas Entsprechun¬ geht das Wort zurück auf eine Zugehörigkeits¬
gen zu haben, so daß das Germanische wohl bildung voreinzelsprachl. *edso- 'als Fraß die¬
geneuert hat. Herkunft unklar. Vielleicht als nend’ zu einem (wohl dehnstufigen) .v-Stamm
'Streifen’ zu dem unter Aalstrich angeführten voreinzelsprachl. *edos 'Essen, Fraß’ zu der
Wort, doch kann dieses auch umgekehrt ur¬ Wurzel ig. *ed- 'essen, fressen’, vgl. lit. edesis
sprünglich 'Aal’ bedeutet haben. Die Verkleine¬ m. 'Fressen, Köder’, russ. jasä f. 'Speise’ und
rungsform Älchen auch in der Bedeutung 'klei¬ (aus *eds-kä) 1. esca, lit. eskä f. 'Futter’. Wohl
ner Fadenwurm, Aaltierchen’. ein unmittelbarer Nachfolger dieses s-Stammes
Nndl. aal, ne. eel, nschw. äl, nisl. all. Vgl. Rütte, ist zu sehen in anord. ät, ae. ät, afr. et, as. ät,
Quappe 'Aalraupe’. S. auch aalen. — Hoops (1973ff.),
ahd. äz 'Speise’ (ahd. auch 'Aas’, wohl durch
I, 4f.; Lloyd/Springer (1988ff.), I, 133-135.
Vermischung mit der Weiterbildung). Die bei¬
aalen swV. refi., ugs., nordd., od. Bezeugt seit den Bildungen ahd. äs und ahd. äz mußten im
dem 19. Jh. Vermutlich wie sich rekeln (zu Rekel Spätmittelhochdeutschen lautlich zusammen¬
'großer Hund’) zu Aal (s. d.) als 'sich wohlig fallen, wobei sich die Bedeutung 'Aas’ durch¬
dehnen, winden’ nach den Bewegungen des setzte (da bei Homonymen in der Regel die
Aals. anstößigere Bedeutung stärker ist); die Bedeu¬
Aalstrich m. 'dunkler Streifen auf dem tung 'Speise’ ist aber noch im 17. Jh. bezeugt.
Rücken von Säugetieren’, fachsprachl. Aus g. Das schwache Verb äsen (älter -ss-, schwz. ätzen)
*äla- m. 'Rückenstreifen’, auch in anord. äll 'weiden’ (älter 'etwas abweiden’) ist zu ahd.
ab- 2 Abele

äz gebildet; älter ist atzen, ahd. (alem.) äzzen deutscher Zeit. Der Wurzelstock sieht im Herbst
'füttern, jmd. speisen’, das aber auch mit ande¬ wie abgebissen aus, was offenbar dem Teufel
rer Lautung bezeugt ist, so daß die Vorform zugeschrieben wurde.
nicht sicher beurteilt werden kann. Vgl. mndd. abblitzen swV, ugs. (meist in Verbindungen
mndl. äsen 'füttern, fressen’. Umgangssprach¬ wie er ist abgeblitzt oder sie hat ihn abblitzen
lich aasen 'vergeuden’ geht von der Bedeutung lassen). Ursprünglich vom Schießpulver, das
'Aas’ aus, ist aber im einzelnen unklar (Sprache zündet, ohne den Schuß auszulösen. Die über¬
der Gerber: 'Fleisch vom Fell abschaben’ oder tragene Bedeutung ist früher (seit Ende des 18.
vom Verhalten aasfressender Tiere?). Jhs.) bezeugt. Ein ähnliches Bild bei der Schuß
1) Nndl. aas. 2) Schw. (dial.) at. S. essen und die
ist nach hinten losgegangen.
Weiterbildung Obst. — Lloyd/Springer (1988ff.), I,
406-408. Abc «., Abece n. 'Buchstabenreihe’. Die drei
ab- Präfix. Dient der Präfigierung von Ver¬ ersten Elemente stehen stellvertretend für das
ben und erscheint auch in deverbalen Substanti¬ Ganze; bezeugt seit dem 12. Jh.; schon früher
ven und Adjektiven, wobei ein Wegnehmen/ (9. Jh.) das sonst seltenere abecede mit Abece-
Weggehen bzw. Nicht-Vorhandensein zum Aus¬ darium 'Fibel; Gedicht, in dem jeder Vers mit
druck gebracht wird (z. B. absolvieren 'freispre¬ einem neuen Buchstaben des Alphabets be¬
chen’, abstrakt, Abszeß, Absenz, Aversion). Das ginnt’. Auch kürzer (vor allem norddeutsch)
Präfix wird in lateinischen Wörtern (z. T. über Abe mit Abebuch, auch A-Buch (vgl. Fibel). Der
romanische Vermittlung) entlehnt und in neo¬ ältere und allgemeinere Ausdruck ist Alphabet
klassischen Bildungen produktiv. Vor /k,t/ er¬ (s. d.).
scheint es als abs- (z. B. 1. abscessus, abstractus S. Abc-Schütz(e).
usw.) und vor /p,m,v/ als ä- (z. B. 1. äversio).
Abc-Schütz(e) m. Zuerst im 16. Jh. in dem
Zum Etymon s. ab (Präp./Adv.).
Diminutiv ABC-Schützigen. Zusammensetzung
ab Präp./Adv. Mhd. ab(e), ahd. aba, as. af von Abc (s. d.) und Schütze im Sinn von 'Anfän¬
aus g. *aba Präp. mit Dat., Adv., Präfix 'von —
ger, Neuling’. Dieser seit dem 15. Jh. belegte
weg’ (mit Betonung der Trennung), auch in gt.
Ausdruck ist eine Bedeutungsentlehnung aus 1.
af (ab-u), anord. af, ae. of afr. af, of (der
tiro 'Rekrut, Anfänger’, wobei wohl der etymo¬
Auslautvokal im Althochdeutschen ist sekun¬
logische Anschluß an it. tirare, frz. tirer 'schie¬
där). Dieses aus ig. *apo 'von — weg’ in 1. ab,
ßen’ zur Wahl der Übersetzung Schütze geführt
gr. apö, ai. äpa u. a. Flerkunft dunkel. Zum
Ausdruck von 'von — her’ (mit Betonung der hat.
Richtung) diente gt. ae. fram, anord. frä (laut¬ abdanken swV. 'zurücktreten’. So seit dem 16.
lich unregelmäßig) aus g. *frama(n) und ahd. Jh. Älter jemanden abdanken, d. h. 'mit Dank
fan(a), fon(a), as.fan(a), afr. fan aus g. *fa- verabschieden’. Der Konstruktionswechsel konnte
ne (mit sekundären Erweiterungen), aus ig. *po- leicht eintreten, da das Wort überwiegend in
ne (einer Variante von ig. *apo mit einem Suffix dem Partizip abgedankt verwendet wurde.
zur Bezeichnung der Herkunft). In der weiteren
Abdecker m. 'Schinder’, arch. Seit dem 16.
Entwicklung ist ab im Deutschen durch von in
Jh. Eigentlich 'derjenige, der die Decke ( =
der Funktion als Präposition weitgehend ver¬
drängt worden (noch erhalten regional schwei¬ Haut) von einem eingegangenen Tier abzieht’.
zerisch und in Relikten wie abhanden 'von den Abee m./n. 'Abort’, ugs., alem. Verhüllende
Händen weg’, s. d.), während es als Adverb und Abkürzung (= AB).
Präfix erhalten blieb (in dieser Funktion fehlt -abel Suffix. Dient der Ableitung von Adjek¬
dafür von). Als Präfix entwickelt ab- aus der tiven aus Verben (vornehmlich solcher auf -ie-
Grundbedeutung 'von — weg’ Nebenbedeutun¬
ren), wobei ein Möglichsein zum Ausdruck ge¬
gen wie 'miß-, -los, wider-’; s. abgeschmackt,
bracht wird (z. B. akzeptabel „kann akzeptiert
Abgott, Abgrund, abhold, abschätzig.
werden”). Das Suffix wird in romanischen (bzw.
Nndl. af, ne. of, nschw. av, nisl. af. S. ab-, aber ( + ),
Abend, Offsetdruck. — Henzen (1969), 218 — 273; romanischstämmigen) Wörtern entlehnt (z. T.
Lloyd/Springer (1988ff.), I, 5 — 8. Anders (zu von, ver¬ als frz. -able, -ible) und geht auf funktional
einfacht aus J'rom): D. R. McLintock in: FS Schützei¬ entsprechendes 1. -äbilis zurück. Die Variante
chel (1987), 1099-1106. -ibel tritt meist auf, wenn das Basisverb nicht
Abakus m. 'Rechenbrett’, fachsprachl. Im auf -äre ausgeht (z. B. 1. dispönere — d. disponi¬
Mittelhochdeutschen entlehnt aus gleichbedeu¬ bel, aber 1. acceptäre — d. akzeptabel). Heute
tend 1. abacus, dieses aus gr. äbax (-akos) in neoklassischen Bildungen frei verfügbar. Die
(dass.; wörtlich: 'Brett, Tafel’). deutsche Entsprechnung ist -bar (s. d.).
Abbild n., s. Konterfei. Abele/. 'Weißpappef, arch.,fachsprachl., reg.
Abbiß m., als Pfianzenname eigentlich Teufels Mit mndl. nndl. abeel, mndd. abele, ne. abele,
Abbiß, fachsprachl. Bezeugt seit frühneuhoch¬ ndn. abel entlehnt aus gleichbedeutend afrz.
Abend 3 Abgott

anbei. Dies setzt ein *albellus voraus, Diminutiv sammenfalls. Aus 'danach’ entwickelt sich die
zu 1. albulus 'weißlich’. Funktion des Gegensatzes, in Zusammenset¬
S. Alber, Album ( + ). zungen auch der Wiederholung (etwa in aber¬
Abend m. Mhd. äbent, ahd. as. äband aus hundert, abermals, vgl. einer nach dem andern
wg. *äband(a)- m. 'Abend’, auch in afr. avend, u. ä.). Eine besondere Bedeutung 'miß-’ findet
ähnlich ae. ätfen, das wohl aus der gleichen sich in Aberglaube (s. d.) und anderem.
Grundform umgestaltet worden ist; stärker ab¬ S. einerseits ab und andererseits Abend, achter, After
weichend anord. aptann aus *aftanf>(a)-. Zu¬ und Ebbe. — Lloyd/Springer (1988ff.), I, 401 —403.

mindest im Nordischen bezeichnete das Wort Aberesche/., s. Eberesche.


ursprünglich die Zeit zwischen 3 und 9 Uhr; die Aberglaube m. Spmhd. (13. Jh.) abergloube\
Zeit des Sonnenuntergangs war kveld (s. Kilt). neben späterem Mißglaube, Afterglaube u. a.
In den neueren Sprachen wurde im Nordischen Wohl eine Zusammensetzung mit aber (s. d.),
kveld, sonst Abend verallgemeinert (nndl. avond, das aus 'nach, wieder, hinter’ zu 'Neben-’ und
ne. evening, nschw. kväll, nisl. kvöld). Mit Rück¬ dann zu der abschätzigen Bedeutung kommen
sicht auf die Herkunft von frz. soir, it. sera f. konnte. Ein Zusammenhang mit über- und 1.
'Abend’ aus 1. serus 'spät’ und ntl.-gr. opsia f. superstitio f. 'Aberglaube’ ist aber nicht eindeu¬
'Abend’ aus gr. opse 'spät’ ist für die germani¬ tig auszuschließen.
schen Wörter wohl von einer sonst nicht be¬ S. auch Aberwitz. — E. Öhmann in: FS Krause (1960),
zeugten «/-Bildung zu einem Wort für 'spät(er)’ 166-169.
auszugehen, das unter aber behandelt wird Aberwitz m., arch. Spmhd. aberwitz f. 'Irre¬
(s. d.). Bildungen auf -nt- treten auch sonst bei sein’. Zusammensetzung aus Witz (s. d.) in der
Wörtern für Zeitstufen auf, vgl. ai. hemantä- alten Bedeutung 'Verstand’ und aber in der un¬
'Winter’, ai. vasantä- 'Frühling’. Das -t- in ter Aberglaube behandelten besonderen Funk¬
anord. aptann beruht wohl auf dem Einfluß von tion.
Bildungen wie aptr 'zurück, wieder’ und aptan
abgebrannt Adj. (PPrät.), ugs. Das Partizip
'hinten’; das ä der westgermanischen Formen
wird in der Bedeutung 'jmd., dessen Haus durch
ist unerklärt. — Die Bedeutung 'Vorabend’
Feuersbrunst zerstört wurde’ lexikalisiert und
(eines Festes) hängt daran, daß nach alter Auf¬
bekommt im 30-jährigen Krieg die Bedeutung
fassung der Tag mit dem vorangehenden Abend
'verarmt’. Es wird im 18. Jh. in die Studenten¬
beginnt; vgl. für die Auffassung der Bibel 3.
sprache aufgenommen und kommt von dort in
Mose 23,32 und für das Germanische Tacitus
die niedere Umgangssprache; gelegentlich lite¬
Germania 11 und allgemein Wünschmann (s.u).
rarisch (Goethe).
S. aber (-1-), ab, Sonnabend. — T. Johannison MASO
5 (1943), 50-75; Wünschmann (1966), 105-111; T.
abgebrüht Adj. (PPrät.). Heute verwendet wie
Johannison MASO 14(1975), 24f.; Darms (1978), 'hartgesotten’ (in übertragener Bedeutung).
77 — 80; Lloyd/Springer (1988ff.), I, 9 — 13. Frühe Belege (16. Jh.) weisen auf einen Zusam¬
menhang mit ndd. brüen (eigentlich bräuten, zu
Abenteuer n. Mhd. äventiure f. Dies ist als
Braut, s. d.) 'beschlafen’; der Zusammenhang
ritterliches Modewort im 12. Jh. aus frz. aven-
mit dem modernen Wort (s. brühen) ist aber
ture f. entlehnt worden. Zugrunde liegt ein ml.
nicht lückenlos nachweisbar.
*adventura 'Ereignis’ zu 1. advenlre 'herankom¬
men, sich ereignen’. abgefeimt Adj. (PPrät.). Zu dem veralteten
Nndl. avontuur, nschw. äventyr, nisl. ceßntyr. S. Feim 'Schaum’ (s. d.) gehört das swV. abfeimen
Advent ( + ) - C. Müller ZDW 3 (1902), 251; Mietti¬ 'den Schaum von etwas wegnehmen, reinigen’.
nen (1962), 20 — 63; E. Öhmann NPhM 64 (1963), 76; Zur Bedeutungsentwicklung des Partizips vgl.
M. Nerlich WeB 24 (1977), 160-171. raffiniert und mit allen Wassern gewaschen. Be¬
aber Adv./Konj. Mhd. aber, ahd. abur (auch zeugt seit dem 15. Jh.
afur, auch r-lose Formen) aus g. *afar- 'nach abgekartet Adj. (PPrät.), s. abkarten.
(u. a.)’, auch in gt. afar 'nach’ und substanti¬ abgeschieden Adj. (PPrät.), s. Abschied.
viert in ae. eafora, as. aharo 'Nachkomme’. Das
abgeschmackt Adj. (PPrät.). Seit dem 17. Jh.
b in den deutschen Formen ist wohl durch den
Aus etwas älterem abgeschmack (seit dem 16.
Tiefton bedingt. Aus der Kontrastbildung ig.
Jh.) der Form eines Partizips angepaßt. Zusam¬
*öpero- 'hinterer, späterer’, auch in ai. äpara-
mensetzung aus geschmack Adj. 'geschmack¬
gleicher Bedeutung; zu ig. *op- 'hinter, spät’,
voll’ und ab in der Bedeutung '-los, wider-’ wie
das am deutlichsten in gr. öpi(s)the(n) 'hinten’
in abhold.
und heth. appa 'hinter, zurück bezeugt ist. Im
Germanischen (und teilweise auch außerhalb) Abgott m. 'Götze’, arch., heute meist im über¬
Vermischung mit der letztlich wohl verwandten tragenen Sinn (wie Idol). Mhd. abgot, ahd. ab-
Sippe ig. *ap- (s. ab) wegen des lautlichen Zu¬ got, abguti n./m., as. afr. afgod. Zusammenset-
Abgrund 4 abmurksen

zung mit ab- in der Bedeutung 'miß-, verkehrt’, Ablaß m., fachsprachl. Mhd. abeläz, ahd. ab-
(s. ab). Zu beachten ist die Annahme von läz, mndd. aflät n., mndl. afläte. Das Verbalab¬
Lloyd/Springer (s. u.), daß eine Lehnüberset¬ straktum zu ablassen kann neben konkreten
zung von gt. afgups 'gottlos, frevelhaft’ vorliegt, Bedeutungen auch die Vergebung im christli¬
da mit ab- sonst keine Konkreta gebildet chen Sinne meinen. Seit dem 11. Jh. bezeichnet
werden. es als Bedeutungsentlehnung aus kirchen-1. in-
Nndl. afgod. — E. Karg-Gasterstädt BGDSL 67 (1944), dulgentia f. den Nachlaß der zeitlichen Sünden¬
420-433; Lloyd/Springer (1988ff.), I, 24. strafen. Bei Luther ist das Wort nach nieder¬
Abgrund m. Mhd. ahd. abgrunt sind umge¬ deutschem Sprachgebrauch ein Neutrum.
formt aus älterem mhd. abgründe, ahd. ab¬ Nndl. aßaat.
grunt i. as. afgrundv, dieses ist wie gleichbedeu¬
Ablativ m. (= 6. Kasus der Deklination),
tendes gt. afgrundipa f. Abstraktum zu einem
fachsprachl. Im Mittelhochdeutschen entlehnt
vorauszusetzenden Adjektiv *af-grund-(u)-
aus gleichbedeutend 1. (cäsus) ablätivus 'der
'grundlos’; vielleicht Lehnübersetzung von gr.
die Trennung ausdrückende Fall’, zu 1. ablätus
äbyssos.
'weggetragen, weggebracht’, dem PPP. von 1.
Nndl. afgrond; aus dem Mittelniederdeutschen ent¬
lehnt nschw. avgrund. S. ab. auferre 'wegtragen, wegbringen’, zu 1. ferre
'tragen’.
abhanden Adv. Wie zuhanden, vorhanden Zu-
Etymologisch verwandt: s. Differenz. — E. Leser ZD W
sammenrückung von ab (s. d.) und dem alten,
15(1914), 53.
umlautlosen Plural von Hand (s. d.). Die zu¬
grundeliegende Fügung ist schon althoch¬ Ablaut m., fachsprachl. Im 17. Jh. gebildet,
deutsch, die Zusammenrückung etwa seit dem um den unregelmäßigen Vokalismus der starken
14. Jh. Verben zu kennzeichnen. Dabei ist ab- im Sinne
abhold Adj., arch. Bezeugt seit dem 14. Jh. von 'abweichend vom Regelmäßigen’ zu verste¬
aus hold (s. d.) und ab '-los, wider-’ wie in hen. Von J. Grimm 1819 als grammatischer
abgeschmackt (s. d.). Terminus festgelegt.
Abitur n. 'Reifeprüfung, Abgangsexamen’. G. Schoppe GRM 11 (1923), 184.
Neubildung des 19. Jhs. zu einem im Schullatein abluchsen swV. '(mit List) wegnehmen, ab¬
üblichen abitünre 'abgehen wollen’, zu 1. abitü- schwatzen’, ugs. Ursprünglich niederdeutsch.
rus 'einer, der Weggehen wird’, dem PFut. von Intensivum zu mndd. luken 'ziehen, zupfen’,
1. abire 'weggehen’, zu 1. Ire (itum) 'gehen’ (s. dieses aus wg. *leuk-a- 'rupfen’, aus ig. *leug-
auch ab-). Zunächst in der Form Abiturium-,
in ai. rujäti 'zerbricht, zerschmettert, zertrüm¬
gebildet in Analogie zu Physikum (aus 1. examen
mert’, lit. läuzti 'brechen, aufbrechen’. Zur Be¬
physicum)\ schon früher Abiturientenexamen.
deutungsentwicklung vgl. jemanden rupfen, zur
Also eigentlich 'Prüfung für den, der (von der
Form ndd. (Hildesheim) luckßen 'saugen (vom
Schule) abgehen will’.
Kleinkind)’.
Morphologisch zugehörig: Abiturient; etymologisch
verwandt: Ambiente, Ambition, Exitus, Initialen, Initia¬ W. Niekerken in: FS Pretzel (1963), 369f.
tive (usw.), Koitus, Komteß, Präteritum, Repertoire abmarachen (sich) swV. 'sich abquälen’, arch.,
(usw.), Trance, Transit (usw.), [transitiv]', zu ig. *ei-
reg. (nordd.). Bezeugt seit dem 18. Jh. Herkunft
'gehen’, das im Deutschen nur in unsicheren Erweite¬
dunkel.
rungen vertreten ist (s. Jahn, Jahr).
Versuche einer Erklärung aus dem Westjiddischen bei
abkarten swV., ugs. (in abgekartetes Spiel
E. Weißbrodt ZDPh 64 (1939), 308 und Wolf (1985),
u. ä.). Ursprünglich niederdeutsch neben ajka-
31.
tern. Dieses wohl zu ndd. köddern 'sprechen,
plaudern’, Intensivum zu g. *kwep-a- 'sprechen’ abmergeln swV., s. ausgemergelt.
(ahd. quedan, as. aondfrk. quethan, heute ausge¬ abmurksen swV. 'umbringen’, vulg. Seit dem
storben), als 'sich absprechen, verabreden’, 18. Jh. gelegentlich literarisch. Expressive ^-Bil¬
dann Angleichung an Karten (spielen). dung zu ndd. murken 'töten’, zu mndd. morken
W. Niekerken in: FS Pretzel (1963), 369f. 'zerdrücken’. Vgl. zum Bedeutungsübergang
Abklatsch m. Nachbildung ohne eigenen mhd. zermürsen, zermüschen 'zerdrücken, ein
Wert’. In der Druckersprache: 'von Fland herge¬ Tier zertreten’. Vermutlich zu ig. *mero- 'zer¬
stellter Bürstenabzug’, auch 'Kopie einer In¬ drücken in (spät-)anord. merja 'zerquetschen’,
schrift durch Anpressen von nassem Papier’. Zu I. mortärium 'Mörser’, gr. marainö 'ich reibe
klatschen (s. klatsch) im Sinne von 'geräuschvoll auf, vernichte’, ai. mrnäti 'zermalmt’ (lautlich
andrücken’. Bezeugt seit dem 19. Jh.
mehrdeutig). Vielleicht als Lautvariante ge¬
abkratzen swV. 'sterben’, vulg. Eigentlich nauer zu vergleichen mit ai. marcäyati 'beschä¬
'sich mit einem Kratzfuß (s. d.) verabschieden’. digt, versehrt (ai. markä- m. 'Vernichtung,
Bezeugt seit dem 19. Jh. Tod’), 1. murcus 'verstümmelt’. S. auch Murkel.
abnorm 5 absolut

abnorm Adj., s. Norm und ab-, minderwertig einstufen und deshalb aus dem
abnormal Adj., s. a-1, ab- und Norm. Verkehr ziehen (Münzen, Brot u. ä.)’.
S. ab.
abonnieren swV. 'eine regelmäßige Leistung
für eine befristete Zeit vereinbaren’. Im 18. Jh. Abschied m. Fnhd. (15. Jh.) abscheid zu fnhd.
entlehnt aus gleichbedeutend frz. s'abonner abscheiden 'weggehen’. Der Vokal ist der Verän¬
bzw. abonner (eigentlich: 'ausbedingen, festset¬ derung im Partizip gefolgt (im Gegensatz zu
zen’), aus afrz. abosner 'abgrenzen’, zu afrz. Bescheid). Vom Verbum ist noch das erstarrte
bosne 'Grenzstein’. Entlehnt im Rahmen des Partizip abgeschieden 'zurückgezogen’ erhalten;
Journal- und Zeitungswesens. vgl. auch die Abgeschiedenen 'die Toten’ (fnhd.
Morphologisch zugehörig: Abonnent, Abonnement; abscheid häufig = 'Tod’).
etymologisch verwandt: borniert. — W. Feldmann Nndl. afscheid.
ZDW 8 (1906/07), 50; Schirmer (1911), 4. Abschlag m. In den kaufmännischen Bedeu¬
Abort m., ugs., reg. Hüllwort seit dem 18. Jh. tungen 'Rechnungsabzug, Teilzahlung’ seit dem
für älteres Abtritt (s. d.), aus ab und Ort als 16. Jh. bezeugt. Zu abschlagen, das schon
'abgelegener Ort’; schon mndd. afort in dieser mittelhochdeutsch übertragen für 'verringern’
Bedeutung. Mit Betonung des zweiten Gliedes in verschiedenen Anwendungsbereichen ge¬
unter dem Einfluß von 1. abortus 'Fehlgeburt’, braucht wird.
das als medizinisches Fachwort entlehnt wird Absehen n., s. Absicht.
(dieses zu 1. aboriri 'dahinschwinden, eine Fehl¬ Abseite /. 'Seitenschiff (einer Kirche)’, fach-
geburt haben’).
sprachl. 'Nebenraum unter der Dachschräge’,
Hoops (1973ff.), 1,15 — 18. Anders zur Betonung (nach ndd. Mhd. abslte, ahd. (12. Jh.) abstda, mndd.
Klosett, Toilette): Hiersche (1986ff.), 13.
afside 'Seitengewölbe’, entlehnt aus kirchen-1.
abrackern swV, s. Racker. abstda 'Wölbung, Chorkapelle’ zu gr. apsis. Die
Abrakadabra n. Ein in mehreren Sprachen Lautform ist angelehnt an ab und Seite; auch
bezeugtes Zauberwort, im Lateinischen seit dem die niederdeutsche Bedeutung steht wohl unter
3. Jh., im Deutschen seit dem 16. Jh. nachgewie¬ dem Einfluß dieses sekundären Anschlusses.
sen. Über die Herkunft sind nur Spekulationen Lloyd/Springer (1988ff.), I, 30 — 32.
möglich. abseits Adv. Seit dem 17. Jh. neben diesseits,
W. Buchholz ZRG 8 (1956), 257 — 259. Herleitung aus jenseits und wie diese ursprünglich ohne -s. Viel¬
dem Thrakischen ('Schaum und Asche’, vielleicht auch leicht in Anlehnung an das ältere seitab, sonst
'Nebel und Rauch’) bei W. Brandenstein in: Studies unklar. Als Fachausdruck im Fußballsport im
presented to J. Whatmough (s’Gravenhage 1957), 26f. 20. Jh. übersetzt aus ne. off side.
Abriß m. In der Bedeutung 'kurze Zusam¬ Absenz /. 'Abwesenheit’, auch 'Geistesabwe¬
menfassung’ bezeugt seit dem 19. Jh. Ursprüng¬ senheit’, sonderspracht. Im 15. Jh. entlehnt aus
lich (16. Jh.) ein nur in den Umrissen entworfe¬ gleichbedeutend 1. absentia, einem Abstraktum
nes Bild, zu (ab-)reißen (s. d.) in der Bedeutung zu 1. absens (-entis) 'abwesend’, dem PPräs. von
'zeichnen’. 1. abesse 'abwesend sein’, zu 1. esse 'sein’ (s.
abrupt Adj. 'plötzlich, jäh’. Im 18. Jh. ent¬ auch ab-).
lehnt aus gleichbedeutend 1. abruptus, dem PPR Morphologisch zugehörig: absent, sich absentieren; ety¬
mologisch verwandt: s. Essenz, Präsens. — Jones
von 1. abrumpere 'abreißen, losreißen’, zu 1.
(1976), 77.
rumpere (ruptum) 'reißen, zerbrechen’ (s. auch
ab-). Absicht/. Seit dem 17. Jh. für älteres Absehen,
bei dem sich die Bedeutung 'Bestreben, Augen¬
Etymologisch verwandt: Bankrott, Eruption, korrupt
(usw.), Raub (usw.), Rotte, Route.
merk’ aus konkretem 'Ziel, Visier’ entwickelte.
Zu absehen 'eine Schußwaffe auf jmd. richten’
abs- Präfix, s. ab-, (vgl. es auf jemanden oder etwas abgesehen
absacken swV., s. sacken und ab. haben).
Abschaum m. Bezeugt seit dem 15. Jh. Ur¬ Absinth m. 'Wermutbranntwein’, fachsprachl.
sprünglich der sich beim Sieden und Schmelzen Im 19. Jh. entlehnt aus gleichbedeutendem frz.
bildende unreine Schaum, der weggeräumt absinthe /., dieses aus 1. absinthium n., aus gr.
wird. Rückgebildet aus ab schäumen 'den apsinthion n. 'Wermut’. Die weitere Herkunft
Schaum entfernen’ (wie köpfen zu Kopf, abrah¬ ist nicht sicher geklärt.
men zu Rahm). Vor allem übertragen gebraucht absolut Adj. 'uneingeschränkt, unbedingt’. Im
und in übertragener Bedeutung auch früher be¬ 17. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend 1. absolü-
zeugt. tus, dem PPP. von 1. absolvere 'loslösen, freispre¬
abschätzig Adj. Seit dem 15. Jh. zu abschätzen chen (u. a.)’, zu 1. solvere (solütum) 'lösen’ (s.
in der fachsprachlichen Bedeutung etwas als auch ab-), das mit gleichbedeutend gr. lyein
absolvieren 6 Abszisse

verwandt ist. Die staatsrechtliche Bedeutung Abstraktum zu 1. abstinens (-entis) 'enthalt¬


vor allem nach frz. absolu 'unumschränkt’. sam’, dem PPräs. von 1. abstinere 'sich enthal¬
Morphologisch zugehörig: Absolution, Absolutismus; ten’, zu 1. tenere 'halten, festhalten’ (s. auch
etymologisch verwandt: absolvieren (usw.), Analyse ab-). Die Bedeutungsverengung auf alkoholi¬
(usw.), Katalysator, Paralyse, resolut, Resolution; zum sche Getränke erfolgt Mitte des 19. Jhs. unter
Etymon s. verlieren. — W. Feldmann ZDW 8 (1906/ Einfluß von ne. abstinente.
07), 50; K.-H. Weinmann DWEB 2 (1963), 385.
Morphologisch zugehörig: abstinent; etymologisch ver¬
absolvieren swV. 'beenden, zum Abschluß wandt: s. Tenor. — K.-H. Weinmann DWEB 2(1963),
bringen’, sondersprachl. Im 16. Jh. entlehnt aus 385.
gleichbedeutend 1. absolvere (auch: 'loslösen, abstrahieren swV., s. abstrakt.
freisprechen’), zu I. solvere (solütum) 'lösen’ (s.
abstrakt Adj. 'begrifflich, wenig konkret’. Im
auch ab-). Der Bedeutungsübergang von 'lösen’
15. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend 1. abstrac¬
zu 'zum Abschluß bringen’ geht wohl über 'erlö¬
tus (eigentlich: 'abgezogen’), dem PPP. von 1.
sen, abfertigen’.
abstrahere 'abziehen, wegziehen’, zu 1. trahere
Morphologisch zugehörig: Absolvent; etymologisch
(tractum) 'ziehen, herleiten’ (s. auch ab-). Die
verwandt: s. absolut. — W. Feldmann ZDW 8 (1906/
07), 50. im 16. Jh. in Philosophie und Rhetorik entstan¬
dene Bezeichnung geht aus von 'vom Gegen¬
absorbieren swV. 'aufsaugen’, sondersprachl.
stand absehen, vom Gegenständlichen ab¬
Im 17. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend 1. absor-
ziehen’.
bere, zu 1. sorbere 'schlucken, aufsaugen’ (s.
Morphologisch zugehörig: abstrahieren, Abstraktion,
auch ab-). Zunächst in die medizinische Fach¬
Abstraktum; etymolögisch verwandt: Attraktion
sprache entlehnt. Die Verallgemeinerung der (usw.), Extrakt (usw.), kontrahieren, Kontrakt, malträ¬
Bedeutung erst im 18. Jh. Heute auch übertra¬ tieren, Porträt (usw.), subtrahieren (usw.), trainieren
gen 'ganz in Anspruch nehmen’. (usw.), Trakt, Traktat (usw.), Trasse, Tratte; zum Ety¬
Morphologisch zugehörig: Absorber, Absorption. mon s. tragen. — W. Feldmann ZDW 8 (1906/07), 50.

abspenstig Adj. (in jemandem jemanden ab¬ abstrus Adj. 'eigenartig, verworren’. Im 17.
spenstig machen). Seit dem 16. Jh. für älteres Jh. entlehnt aus 1. abstrüsus 'verborgen’, dem
abspännig zu abspanen (abspenen) 'weglocken’ PPP. von 1. abstrüdere 'verstecken, verbergen’,
aus ahd. as. spanan 'locken’, spmhd. abspenen zu 1. trüdere (trüsum) 'stoßen, drängen’ (s. auch
(abspanen) 'weglocken’, formal zum ti-Ab¬ ab-). Die Bedeutungsverschlechterung von 'ver¬
straktum (ahd.) spanst 'Lockung’ gehörig. Das borgen’ zu 'absonderlich’ erst im Deutschen.
Verbum aus wg. *span-a- swV. 'locken’, auch in Etymologisch verwandt: s. verdrießen.
ae. spanan, afr. spona, (anord. spenja .vw V.),
absurd Adj. 'widersinnig’. Im 17. Jh. entlehnt
ohne klare Vergleichsmöglichkeit. Als Grund¬
aus gleichbedeutend 1. absurdus (eigentlich
wort wird heute abspannen 'ausspannen’ ver¬
'mißtönend’), das allgemein auf ein lautmaleri¬
standen, doch beruht dies auf sekundärer An¬
sches 1. susurrus 'Zischen’ zurückgeführt wird.
lehnung.
Früher vor allem üblich in der Sprache von
S. Gespenst.
Philosophie und Logik (vgl. ad absurdum
Abstand m. Bezeugt seit dem 15. Jh. In der führen).
eigentlichen Bedeutung 'Entfernung’ und der Morphologisch zugehörig: Absurdität; zum Etymon s.
übertragenen Bedeutung 'Verzicht’ Verbalab¬ schwirren. — W. J. Jones SN 51 (1979), 247f.
straktum zu mhd. abestän 'abstehen, entfernt Abszeß m. 'eitriges Geschwür’, fachsprachl.
sein; überlassen, verzichten’. Dieses zu ab und Im 18. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend 1. abs-
stehen (s. d.). cessus (eigentlich: 'Weggang, Absonderung’), zu
Abstecher m. In der niederländischen See¬ 1. abscedere 'weggehen, entweichen, sich entfer¬
mannssprache gibt es zu nndl. afsteken '(ein nen’, zu 1. cedere (cessum) 'weichen’ (s. auch
kleines Beiboot mit Hilfe des Bootshakens vom ab-). Das Benennungsmotiv bezieht sich auf die
Schiff) abstoßen’ den Ausdruck een afsteker Absonderung der Eiterflüssigkeit.
maken 'eine kurze Fahrt mit dem Beiboot ma¬ Etymologisch verwandt: Accessoires, Exzeß (usw.),
chen’ (nndl. steken im Sinn von 'stechen, sto¬ Konzession (usw.), Präzedenzfall, Prozedur, Prozeß
ßen, stochern’). Beides im 18. Jh. ins Deutsche (usw.), Prozession, Rezession, Sezession, sukzessiv
entlehnt, wo das Substantiv mit allgemeinerer (usw.).
Bedeutung in die Gemeinsprache gelangt. Eine Abszisse/. 'Achsenabschnitt im Koordinaten¬
entsprechende Bedeutung von stechen liegt vor system’, fachsprachl. Entlehntaus neo-1. (linea)
in in See stechen. abscissa 'die Abgeschnittene (Linie)’, zu 1. ab-
Abstinenz/. 'Enthaltsamkeit (besonders in be¬ scindere 'abspalten, trennen’, zu 1. scindere (scis-
zug auf Alkohol)’. Im Mittelhochdeutschen ent¬ sum) 'zerreißen, spalten’ (s. auch ab-).
lehnt aus gleichbedeutend 1. abstinentia, einem Zum Etymon s. scheiden. - Schirmer (1912), 1.
Abt 7 Achse

Abt m. Aus kirchen-1. abbäs, Akk. abbätenr, afwesend, im 16. Jh. auch oberdeutsch. Parallel
dieses aus ntl.-gr. abbä\ ursprünglich nur als sind anwesend und anwesen, später Anwesenheit',
Anrede; aus aram. abbä 'Vater’ (zunächst ent¬ ursprünglich zu 1. adesse 'dabei sein’, dann vor
lehnt als Anrede für Gott im Gebet). Frühe allem Entsprechungen zu 1. praesens und 1.
Entlehnung in ahd. abbat, mhd. abbet, nndl. praesentia.
apt, abf, afr. abbed, ebbede; ae. abbad, ne. abbot. S. Wesen ( + ) und Anwesen.
Aus dem Altenglischen weiterentlehnt nschw.
ac- Präfix, s. ad-.
abbot und nisl. (anord.) äböti (umgedeutet zu
Accessoires PI. 'modisches Zubehör’, sonder-
'Verbesserer,’ zu der Sippe von büßen). Hierzu
sprachl. Im Neuhochdeutschen entlehnt aus
Abtei, mhd. abbeteie, ahd. abbateia aus kirchen-
gleichbedeutend frz. accessoires, zu frz. acces-
1. abbatia (ahd. abbateia ist eine frühe Entleh¬
soire 'nebensächlich’, dieses aus ml. accessorius
nungsform des Suffixes, später an das aus dem
'zusätzlich’, aus I. accessus, dem PPP. von 1.
Französischen kommende -le angeglichen); und
accedere 'hinzukommen’, zu 1. cedere (cessum)
Abtissin, mhd. eppetisse, ahd. abbatissa aus kir-
'kommen; zuteil werden’ (s. auch ad-).
chen-1. abbatissa. Die Erweiterung mit -in seit
dem 15. Jh. Etymologisch verwandt: s. Abszeß.
Lloyd/Springer (1988ff.), I, 19-23. -ach in Bach-, Fluß- und Ortsnamen, s. AufeJ.
Abteil n. Im 19. Jh. als Ersatzwort für Coupe ach Interj. Mhd. mndd. mndl. nndl. ach, ahd.
vorgeschlagen, und zwar als Maskulinum, ah 'ach’; auch nschw. ack, ndn. ak. Unklar ist
nachdem ein solches Wort in anderen Bedeu¬ der Zusammenhang mit ähnlichen Interjektio¬
tungen schon früher aufgetreten war. Das Wort nen außergermanischer Sprachen, vor allem lit.
wird durch den offiziellen Gebrauch in äk 'ach’ und air. uch, och, ach 'ach, weh’ und
Deutschland durchgesetzt, übernimmt aber von mit dem starken Verb ae. acan 'schmerzen’ (ne.
Coupe das neutrale Genus (und gelegentlich die ache 'Schmerz, schmerzen’). Schon in frühmit¬
Betonung auf der zweiten Silbe). telhochdeutscher Zeit auch substantiviert, heute
noch in Ach und Krach u. ä. Weiter hierzu äch¬
abträglich Adj. 'schädlich’. Bezeugt seit dem
zen (spmhd. ächzen, echzeri), eigentlich 'ach sa¬
16. Jh. Zu Abtrag 'Beeinträchtigung, Schädi¬
gung’; dieses zu abtragen. Die Art der bildlichen gen, stöhnen’.
Schwentner (1924), 17f.; Lloyd/Springer (1988ff.), I,
Verwendung ist zwar klar, doch ist nicht ersicht¬
98f.
lich, in welchem Sachbereich oder welcher Si¬
tuation die spezielle Bedeutung 'Schaden, Achat m. (= ein Halbedelstein), fachsprachl.
schädlich’ entstanden ist. Im 12. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend 1. achä-
tes, dieses aus gr. achates (dass.). Die weitere
Abtritt m. 'Klosett’, arch. Seit dem 16. Jh.
Herkunft ist nicht sicher geklärt.
Eigentlich 'Weggang, abgelegener Ort’ zu abtre¬
Lüschen (1968), 167f.; Lloyd/Springer (1988ff.), I, 87.
ten in der Bedeutung 'weggehen’. Neuer austre¬
ten (s. d.). Achel /., s. Ähre.
S. Abort. acheln swV. 'essen’, ugs., reg. Aus rotw.
abtrünnig Adj. Mhd. abetrünnec, ahd. acheln, bezeugt seit dem 16. Jh., zu wjidd. achlen
ab(a)trunnTg, neben mhd. abtrünne, ahd. ab- 'essen’, dieses aus hebr. °akal 'essen’.
trunni. Vermutlich Adjektiv-Bildung oder No¬ Küpper (1955/70), I, 37; Wolf (1985), 32.
men agentis mit der Bedeutung 'Weggelaufener, Achillesferse /. 'wunder Punkt’, sonder-
Überläufer’. Bildungstyp unklar. Das Grund¬ sprachl. Nach einem griechischen Sagenmotiv,
wort wird unter entrinnen behandelt. demzufolge der Held Achill nur an einer Stelle
A-Buch n., s. Abc, Abece. seines Körpers, der Ferse, verwundbar war.

abwärts Adv., s. -wärts. Zu Achill: Littmann (1924), 50.

abwegig Adj. Bezeugt seit dem 15. Jh. Zu Achiss m., s. Essig.
Abweg 'Irrweg’ (auch 'Seitenweg’), also irrig Achse /. Mhd. ahse, ahd. as. ahsa aus wg.
(auch 'abliegend, umständlich’). Zu Weg (s. d.) *ahsö f. 'Achse’, auch in ae. eax; neben der
und ab (s. d.). /-Bildung *ahsula- (o. ä.) in anord. pxull; im
abwesend Adj. (PPräs.), Abwesenheit/. Schon Gotischen ist die Bedeutung nicht bezeugt.
Notker (um 1000) übersetzt 1. abesse 'fern sein, Außergermanisch ist das Wort gut vergleichbar,
fehlen’ mit ahd. abawesen. Während die finiten zeigt aber auch dort keinen einheitlichen mor¬
Formen keine große Rolle spielen, werden im phologischen Bau. Am weitesten verbreitet ist
Laufe der Zeit die Nominalformen wichtig: Seit *äksi- in 1. axis m., lit. ras, aruss. osi in gleicher
dem 14. Jh. abewesen, im 16. Jh. zu abwesenheit Bedeutung (lit. auch 'Klafter’); daneben *äkso-
verdeutlicht (vgl. zur Bildung Unwissenheit, in ai. äksa-, *äksön in gr. äxön, myk. a-ko-
Wohlhabenheit)-, seit dem 15. Jh. zunächst ndd. so-ne; eine (morphologisch nicht ausreichend
Achsel 8 Acht

klare) /-Bildung auch in kymr. echel. Lautlich Reichelt WS 12(1929), 112-114; Darms (1978),
und semantisch verwandt sind die Wörter für 143-157; Lloyd/Springer (1988ff.), I, 114-116.
'Achsel’ (s. d.). Die Bildungverschiedenheit der acht Num. Mhd. aht, ahd. as. ahto aus g.
Wörter weist zurück auf ein konsonantisches *ahtau, auch in gt. ahtau, anord. ätta, ae. eahta,
**aks, das eine endungslose (etwa lokativische) afr. achta\ dieses aus ig. *oktöu 'acht’ in ai.
Bildung zu einem .j-Stamm **ages- 'Drehung, astäu, lit. astuoni, gr. oktö, 1. octö, air. ochf,
Schwingung’ zu ig. *ag- 'treiben, lenken’ (1. akslav. osmi ist sekundär umgeformt. Der auf¬
agere usw.) sein kann, wenn eine ursprüng¬ fällige Wortausgang läßt sich als Dualform er¬
lichere Bedeutung 'drehen, schwingen’ voraus¬ klären; das zugrundeliegende Wort müßte dann
gesetzt wird. In diesem Fall wäre **aks 'wo eine Bedeutung wie gr. palaste '(Handfläche),
die Drehung stattfindet’ und die verschiedenen Breite von vier Fingern’, avest. asta- 'kleines
Stammbildungen wären verschiedene Versuche, Längenmaß’, (avest. uz-asta- 'Länge von 8
die beschränkt verwendbare (Kasus-?) Form zu Fingerbreiten’) gehabt haben. Ein solches
einem vollen Substantiv umzugestalten. Bereits Grundwort kann in avest. astaii- und eventuell
alte Anwendungsbereiche sind 'Radachse’, einem zweiten Bestandteil von gr. palaste ge¬
'Achsel’ und wohl auch 'Zentrum des Sternen¬ sucht werden; andere knüpfen an das Zahlwort
himmels, Erdachse’. für 4 (*quetxvör) an oder an eine Wurzel *ok-
Nndl. as, nschw. axel, nisl. öxull; ne. axle ist aus dem 'spitzig’ (mit einer Bedeutung 'Spitzenreihe’,
Nordischen entlehnt. S. Achsel, Agenda ( + ), nämlich der 4 Finger der ausgestreckten Hand).
Antagonismus ( + ). - H. Reichelt WS 12(1929),
S. zu dieser Wurzel aber unter Ecke. — Die
112-114; Darms (1978), 143-157; E. Hamp ZVS
Ordnungszahl (der) achte zeigt ursprünglich
95 (1981), 81-83; Lloyd/Springer (1988ff.), I, 113f.
eine Silbe mehr: mhd. ahtede, ahd. as. ahtodo
Achsel /. Mhd. ahsel, ahd. ahsala, as. ahsla vgl. gt. ahtuda. Diese dreisilbige Form ist seit
aus g. *ahslö f 'Achsel’, auf das auch anord. mittelhochdeutscher Zeit verkürzt worden; die
Qxl (femininer /-Stamm) und ae. eaxel zurück¬ Langform stirbt im 16. Jh. aus.
führen können; im Gotischen ist die Bedeutung
Nndl. acht, ne. eight, nschw. ätta, nisl. ätta. S. Oktober.
nicht bezeugt (nur amsa 'Schulter’). Zugehörig¬ Zu Achtel s. Teil, zu achtzig s. -zig. — F. Müller IF
keitsbildungen mit Virddhi gehen von einer 44(1926), 137 f.; H. Güntert WS 11 (1928), 142; W. B.
Form ohne / aus: ahd. uohasa (u. a.), mhd. Henning TPhS (1948), 69; E. A. Ebbinghaus BGDSL
uohse; ae. öcnsta (u. a.), anord. öst 'Achsel¬ 72 (1950), 319f.; H.-F. Rosenfeld WZUG 45 (1956/57),
höhle’, selten auch 'Fittich’, anord. 'Halsgrube’. 208; H. W. Bailey AsM 1 (1959), 23; Szemerenyi (1961),
Die ig. Form **aks 'wo die Drehung stattfindet’ 173; Lloyd/Springer (1988ff.), I, 121 — 124.

(s. Achse) bekam im Germanischen und Lateini¬ Acht1/ 'Friedlosigkeit’, arch. Mhd. äht, echte,
schen eine /-Bildung, die auf die Bezeichnung ahd. ähta aus wg. *ähtö f. (älter *anhto) 'Fried¬
der Achsel spezialisiert wurde: neben dem ange¬ losigkeit’ auch in ae. öht, afr. acht(e). Dazu
führten g. *ahslö, 1. äla 'Flügel’ (aus *akslä), das Verbum ächten, mhd. ahten, echten ahd.
Diminutiv 1. axilla 'Achselhöhle’; die einfache ähten, as. ähtian, ae. ähtan, afr. achta, echta.
Bildung wurde dabei durch Polarisierung auf Die Acht (Friedlosigkeit) wurde von einem
die Bedeutung Radachse’ beschränkt — nur weltlichen Gericht verhängt. Der so Verurteilte
die Virddhibildung weist noch zurück auf die konnte straflos getötet werden. Im Mittelalter
alte Bedeutungsgleichheit. Umgekehrt hat im steht die weltliche Acht neben dem kirchlichen
Nordischen die /-Bildung das Grundwort in der Bann (vgl. in Acht und Bann tun). Außergerma¬
Bedeutung 'Achse’ verdrängt; der Unterschied nisch kann das Wort mit einer Reihe von laut¬
zwischen gxull und gxl dürfte darauf beruhen, lich und semantisch ähnlichen Wörtern vergli¬
daß die Körperteilbezeichnung auf eine Dual¬ chen werden, doch ist sowohl der Zusammen¬
form zurückgeht (so würde sich auch das femi¬ hang wie auch die Zugehörigkeit in allen Einzel¬
nine Genus erklären lassen). Entsprechende fällen unklar. Vgl. einerseits air. echt (aus
Körperteilbezeichnungen außerhalb des Ger¬ *anktu-) 'Mord, Totschlag’; heth. henkan 'Seu¬
manischen und Lateinischen sind ai. äksa-, das che, Tod’ (*henk-), andererseits gr. anänke
außer Achse auch Schlüsselbein’ (gewisserma¬ 'Notwendigkeit’.
ßen die Fortsetzung des Achselgelenks) bedeu¬ E. Polome RBPhH 30(1952), 462f.; E. Öhmann
tet, entsprechend auch das avest. Hapax asa- NPhM 66(1965), 517-519; Lloyd/Springer (1988ff.),
(das kaum Achsel bedeutet, wie aus etymologi¬ I, 118-120. Zur Sache: E. v. Künßberg: Acht (Weimar
schen Erwägungen angesetzt wird); und arm. 1910) und DRW I, 361-370.
anowt' 'Achselgrube’ (morphologisch unklare Acht2 f, arch. (in sich in acht nehmen usw.).
Zugehörigkeitsbildung); vielleicht auch air. ais Mhd. aht(e), ahd. ahta aus wg. *ahtö f 'Beach¬
'Rücken’ (wenn urspünglich 'Achsel’). tung (u. ä.), auch in ae. eaht. Hierzu das Ver¬
Nschw. axel, nisl. öxV, nndl. oksel Achselgrube’ ist bum achten 'beachten’, mhd. ahten, ahd. as.
lautlich von außerhalb beeinflußt. S. Achse. - H. ahtön, afr. achtia, ae. eahtian. Ohne Dentaler-
Achtel 9 addieren

Weiterung etwa gt. aha 'Sinn, Verstand’, gt. ah- als ac- vor /k/ (<c*) (vgl. Accessoires), als af-
jan 'meinen’. Weitere Herkunft unklar; viel¬ vor /{/ (z. B. A ffix), als ag- vor /g/ (z. B. Aggluti¬
leicht zu ig. *ak- 'scharf, spitzig’ (s. Ecke) mit nation), als ak- vor /k/, /ts/ (< c*, < z*) (z. B. akku¬
übertragener Bedeutung. rat, akzeptieren), als al- vor /l/ (z. B. Allianz),
Nndl. acht. S. Achtung, Obacht. — E. Öhmann NPhM als an- vor /n/ (z. B. Annonce), als ap- vor /p/
66(1965), 517 — 519; Lloyd/Springer (1988ff.), I, (z. B. Appell), als ar- vor /r/ (z. B. Arrest), als
116-118.
as- vor /s/ (z. B. assoziieren), und als at- vor /t/
Achtel m./n., s. acht und Teil. (z. B. Attraktion).
achten swV., s. Acht2. Adam m., sonder spracht. In der Bibel Name
ächten swV., s. Acht1. des ersten Menschen, zugleich hebräisches Wort
achter Adv. 'hinter’. Niederdeutsch für after. für 'Mensch, Mann’ ( ädäm). Verschiedene
S. aber und After. Wortverwendungen, die meist unmittelbar von
Bibelstellen abhängen: der alte Adam nach
Achtung/. Mhd. ahtunge, ahd. ahtunga. Ver¬
Röm. 6,6; den alten Adam ausziehen nach Kol.
balabstraktum zu achten (s. Acht2), das dessen
3,9 u. a. Geläufig seit Luther. Zu Adamsapfel
Grundwort Acht abgelöst hat.
(s. d.).
achtzig Num., s. acht und -zig.
Adamsapfel m. Wie nndl. Adamsappel, ne.
ächzen swV, s. ach.
Adam’s apple, nschw. adamsäpple, frz. pomme
Acker m. Mhd. acker, ahd. as. ackar aus g. dAdam, kymr. afal Adda usw. Die Bezeichnung
*akraz 'Acker’, auch in gt. akrs, anord. akr, ae. tritt zuerst im 15. Jh. im Gebiet der romani¬
cecer, afr. ekker, dieses aus ig. *agros (m.) 'Feld’ schen Sprachen auf. Alter (und entsprechend
in ai. äjra- 'Fläche, Ebene’, gr. agrös 'Feld, weit verbreitet) ist die Bedeutung 'Granatapfel’,
Land’, 1. ager 'Feld, flaches Land’. Das Wort auch Bezeichnung bestimmter Apfelsorten (hier
wird normalerweise als ro-Ableitung zu *ag- hat das Kompositionsglied Adam- eine ähnliche
'treiben, lenken’ gestellt, unter der Vorausset¬ Funktion wie Paradies- und soll nur die Vorzüg¬
zung, daß die Ausgangsbedeutung 'Weide’ war lichkeit der Frucht hervorheben). Da in arabi¬
(vgl. Trift zu treiben), die sich dann zu 'Acker’ schen medizinischen Schriften der Schildknor¬
entwickelte. Sachlich und semantisch ist diese pel als 'Granatapfel’ bezeichnet wird (pömum
Annahme unbefriedigend. Der Versuch von J. gränätum n. in der lateinischen Übersetzung)
Trier (s. u.) von einem r/«-Stamm *ager/n- 'um¬ übernahm Adamsapfel auf dem Wege der Lehn¬
hegter Platz’ (in gr. agön 'gehegter Kampfplatz’ bedeutung auch die heutige Bedeutung. Daran
und gr. agorä f. 'Versammlungsort’) auszuge¬ knüpft sich die Legende, daß diese Erhöhung
hen, liegt semantisch näher, ist aber nicht aus¬
der dem Adam im Hals stecken gebliebene Bis¬
reichend gesichert.
sen des verbotenen Apfels im Paradies sei. Das
S. Agronom ( + ). Nndl. akker, ne. acre (Flächenmaß),
seit dem 19. Jh. als Quelle angegebene hebr.
nschw. äker, nisl. akur. — H. Reichelt ZVS 46 (1914),
tappüPh haädäm (eigentlich 'Erhöhung beim
309 — 311; H. Frankel Gnomon 4 (1928), 566f.; A. Un-
gnad Language 13 (1937), 142—145; J. Trier BGDSL Mann’ umgedeutet zu 'Apfel des Adam’) ist
67 (1944), 126; P. Chantraine: Etudes sur le vocabulaire im Hebräischen selbst nicht nachweisbar. Erst
grec (Paris 1956), 33 -40; E. Mehl MS 71 (1961), 375f.; modern unter Einfluß der europäischen Spra¬
R. Anttila SUSA 80(1986), 15-27; Lloyd/Springer chen tappüah ha ädäm risön 'Apfel des ersten
(1988fr.), I, 40 - 42. Menschen’.
Ackermännchen n. 'Bachstelze’, reg. Bezeugt S. Adam.
seit dem 16. Jh. Der Vogel heißt danach, daß
adaptieren swV. 'anpassen’, fachsprachl. Ent¬
er im Frühjahr dem Pflug folgt, um Nahrung
lehnt aus gleichbedeutend 1. adaptäre, zu 1. ap-
zu finden.
täre (dass.) (s. auch ad-), einem Intensivum zu
Ackermennig m., s. Odermennig. 1. apere (aptus) (dass.).
ad- Präfix. Dient der Präfigierung von Ver¬ Morphologisch zugehörig: Adaptation, Adapter, Adap¬
ben, wobei ein (intensivierendes) Hinzukom¬ tion, adaptiv.
men zum Ausdruck gebracht wird; sekundär adäquat Adj. 'angemessen’, sonderspracht. Im
erscheint es in deverbalen Adjektiven und Sub¬ 18. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend I. adaequä-
stantiven. Das Präfix wird in romanischen Wör¬ tus (eigentlich: 'angeglichen’), dem PPP. von 1.
tern ins Deutsche entlehnt; es geht auf funktio¬ adaequäre (-ätum) 'angleichen’, zu I. aequus
nal entsprechendes 1. ad- zurück, bei dem es
'gleich’.
sich ursprünglich um eine Präposition handelt.
Etymologisch verwandt: s. Äquator.
Es erscheint in unterschiedlicher lautlicher Um¬
gebung in verschiedenen Assimilationsformen: addieren swV. 'zusammenzählen, hinzufügen’.
Als a- vor allem vor /sk,sp,st/ (z. B. Aspiration), Im 15. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend 1. ad-
ade 10 Adjektiv

dere, zu 1. dare (datum) 'geben’ (s. auch ad-), erreicht’, dem PPP. von 1. adipiscT 'erlangen,
also 'hinzutun’. erreichen’, zu 1. apiscl 'erfassen, sich aneignen’.
Morphologisch zugehörig: Addition-, etymologisch ver¬ Zunächst 'jmd., der sich auf einem Gebiet viel
wandt: s. Datum. — Schirmer (1912), 2. Wissen angeeignet hat, Eingweihter’; heute
ade Part., s. adieu. scherzhaft meist junger Adept für einen Schüler
Adebar m., arch. Ein vor allem niederdeut¬ oder Neuling.
sches, aber auch in angrenzenden Gebieten be¬ Ader/. Mhd. äder, ahd. ädra aus einem wohl
zeugtes Wort für 'Storch’; vgl. nndl. ooievaar gemein-g. *ced(a)rö f. 'Eingeweide, Ader,
(dial. euver), mndl. mndd. odevare, and. odo- Sehne’ (die Einengung der Bedeutung ist erst
boro, odobero. Das offenbar schon früh un¬ neuhochdeutsch), auch in ae. cedre; anord. cedr
durchsichtig gewordene Wort wurde verschiede¬ zeigt eine Form ohne r (-r ist nur Nominativ-
nen lautlichen Umgestaltungen und Umdeutun¬ Zeichen), doch dürfte dies angesichts der ety¬
gen ausgesetzt. Sicher von Einfluß war die Deu¬ mologischen Zusammenhänge auf sekundärer
tung als 'Glücksbringer’ (zu g. *auda- 'Heil, Umdeutung beruhen. Zugrunde liegt ein wohl
Glück’ und *ber-a- 'tragen, bringen’, s. gebä¬ schon ig. *et-r- (r- oder r/n-Stamm) mit ver¬
ren)-, vgl. zu dieser auch die Verdeutlichung mit schiedenen Erweiterungen und morphologi¬
Heil- in ndl. dial. heil-uiver, doch scheint dies schen Umdeutungen; vgl. gr. etor n. 'Herz’,
bereits eine Umdeutung zu sein. Das Hinter¬ gr. etron n. 'Bauch, Eingeweide, air. inathar
glied kann zu *ber-a- 'tragen, bringen’ oder (mit ‘Eingeweide’. Falls avest. ätar- 'Feuer’ und die
niederdeutscher Inlautsentwicklung des f) zu Sippe von Atem (s. d.) zugehörig sind, ist von
*far-a- 'fahren’ gehören; das Vorderglied ist un¬ einer Bedeutung 'Wärme’ auszugehen, die sich
klar — ein Wort für 'Sumpf’ (Adebar also als einerseits (wie bei den keltischen Wörtern für
'Sumpfgänger’, was sachlich nahe liegen würde) 'Feuer’) zu 'Feuer’, andererseits zu 'Eingeweide’
läßt sich nicht ausreichend sichern. entwickeln konnte (vgl. zu diesem Bezeich¬
W. Krogmann Anglia 60(1936), 35-38 und KV NS nungsmotiv etwa Kaldaune, s. d.).
51 (1938), 71 -73. Nndl. oder, nschw. äder, nisl. ceö. — Lloyd/Springer
Adel m. Mhd. adel m./n., ahd. adal aus g. (1988ff.), I, 54-57.

*apala- n., das sonst nur in anord. adal n. be¬ Adhortativ m. 'Modus des Ermahnens’, fach-
zeugt ist, als Vorderglied auch im Altsächsi¬ sprachl. Entlehnt aus 1. (modus) adhortätlvus
schen und vielleicht in gotischen Namen (Atha- 'ermahnend’, dem PPP. von 1. adhortäri, zu 1.
larieus) auftritt, aber durch seine Ableitungen hortäri 'ermuntern, ermahnen’ (s. auch ad-).
überall außer im Gotischen vorausgesetzt wird. adieu Part. (= ein Abschiedsgruß), reg. Im
Die Bedeutung fallt auseinander, läßt sich aber 17. Jh. entlehnt aus frz. adieu 'zu Gott, Gott
einerseits auf 'Geschlecht, Herkunft’, anderer¬ befohlen’, einer Zusammenrückung von frz. ä
seits auf 'Art, Wesen, natürliche Beschaffenheit’ dieu 'zu Gott’, dieses aus gleichbedeutend 1. ad
zurückführen. Zu der Ableitung *apalja- s. un¬ deum. Die Variante ade beruht auf der älteren,
ter edel\ eine Virddhi-Bildung liegt offensicht¬ schon mittelhochdeutschen Entlehnung (wohl
lich vor in *öpala- (n.) 'Odal, Erbbesitz, Her¬ aus nordfrz. ade), die dann, vor allem im Süd¬
kunftsort’ in ahd. uodil, as. ööil, afr. ethel, ae. westen, in die Mundarten zurückgedrängt
äöel, anord. ööal. Dieses Wort ist auch in Na¬ wurde. Aus einer weiteren Variante wallon. ad-
men häufig (Ulrich)', seine Abgrenzung von der juus (vgl. span, adiös) kommen adjüs, adjes, tjüs,
Verwandtschaft des gt. haimopli 'Landbesitz, tschüs, letzteres vor allem nord- und mittel¬
Heimat’, das semantisch zu Heimat (s. d.) ge¬ deutsch.
hört, ist unklar. Die verschiedenen Versuche
Etymologisch verwandt: ade, Diva; zum Etymon s.
einer Etymologie können nicht voll überzeugen; Dienstag. Ersatzwort ist Lebewohl. — K. Prause: Deut¬
am besten Szemerenyi (s. u.), der von einem sche Grußformeln (Breslau 1930); R. Brunner WZUR
Kompositum **at-al- ausgeht zu *at(i) 'weg, 5(1955/56), 205-208; Kretschmer (1969), 75; E. Öh-
über-4 hinaus’ und *al-a- 'nähren, wachsen’, mann in: FS Foerste (1970), 198-200; B. Paraschke-
wobei zu vergleichen wäre 1. ind-oles 'angebo¬ wow BGDSL-H 93 (1972), 299-307; Jones (1976),
rene Anlage’, 1. pröles 'Sprößling, Nachkomme’ 84f.; R. A. Wolf ZDL 44 (1977), 81 —84.
und I. sub-o/es 'Sproß, Nachkommenschaft’, Adjektiv n. 'Eigenschaftswort’, fachsprachl.
evtl, auch toch. A. ätäl 'Mann’. Entlehnt aus spl. (nomen) adiectivum 'Wort,
Nndl. adel. — O. Behaghel: Odal (München 1935); O. das hinzugefügt werden kann’, zu 1. adiectum,
Szemerenyi Word 8 (1952), 42; H. Zutt: Adel und Edel dem PPP. von 1. adicere 'hinzufügen’ (eigentlich
(Mannheim 1956); W. Betz in: FS Hommerich (1962),
hinzu-werfen’), zu 1. iacere (iactum) 'werfen,
9f.; Hoops (1973ff.), I, 58-77; Darms (1978),
schleudern’ (s. auch ad-).
192 — 207; Lloyd/Springer (1988ff.), I, 44 — 48.
Etymologisch verwandt: Injektion (usw.), [Interjek¬
Adept m. 'Eingeweihter, Schüler, Jünger’, tion], [Jet], Jeton, Konjektur (usw.), Objekt (usw.),
sonder spracht. Entlehnt aus 1. adeptus 'erlangt. Projekt (usw.), Projektil, Subjekt (usw.), Sujet, Trich-
Adjunkt 11 adrett

ter. - W. Feldmann ZDW 8 (1906/07), 51; E. Leser allgemeinen Bedeutung 'Oberbefehlshaber (der
ZDW 15(1914), 45.
Sarrazenen)’ entlehnt, wurde aber nach dem 16.
Adjunkt n./m. 'Hinzufügung, (veraltet:) Jh. durch die Neuentlehnung verdrängt.
(Amts-)Gehilfe’, fachsprachl. Entlehnt aus 1. Etymologisch verwandt: Emir. — Littmann (1924), 69,
adiünctus 'eng verbunden’, dem PPP. von 1. ad- 96; Lokotsch (1975), 6.; P. Kunitzsch ADA 94(1983),
iungere 'anfügen, hinzufügen, verbinden’, zu 1. 108f.

iungere (iünctum) 'verbinden, vereinigen’ (s. Adoleszenz /. 'Alter zwischen Kindheit und
auch ad-)', in der wörtlichen Bedeutung 'anspan¬ Erwachsensein’, fachsprachl. Entlehnt aus
nen, ins Joch spannen’ (vgl. I. iugum n. 'Joch’). gleichbedeutend 1. adolescentia, einem Abstrak¬
Etymologisch verwandt: s. Konjunktion. tum zu 1. adolescere 'heranwachsen’, zu 1. alere
'nähren, ernähren; großziehen’.
Adjutant m. 'Hilfsoffizier’, fachsprachl. Im 17.
Etymologisch verwandt: s. Alimente.
Jh. entlehnt aus gleichbedeutend frz. adjudant,
dieses aus span, ayudante (eigentlich: 'Helfer, Adonis m. 'schöner Mann’, sondersprachl. Im
Gehilfe’), einem Nomen agentis zu span, ayudar 18. Jh. entlehnt aus gr. Adonis, dem Namen
'helfen’, aus 1. adiütäre 'helfen, unterstützen’, eines Jünglings der griechischen Sagenwelt, der
zu 1. adiuväre (dass.), zu 1. iuväre 'unterstützen, von der Göttin Aphrodite wegen seiner beson¬
helfen’ (s. auch ad-). Das d der neueren französi¬ deren Schönheit geliebt wurde. Das Wort wird
schen Form geht auf eine Angleichung an das schon in der Antike als Appelativum verwendet.
lateinische Wort zurück. Littmann (1924), 22f.

Adlatus m. 'Helfer, Amtsgehilfe’, arch. Gebil¬ adoptieren swV. 'an Kindesstatt annehmen’.
Im 16. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend 1. adop-
det nach 1. ad latus 'zur Seite’ (d. h. im übertra¬
täre (eigentlich: 'hinzuwählen’), zu 1. optäre
genen Sinne 'zu Hilfe’), zu 1. latus 'Seite’.
'wählen, wünschen’ (s. auch ad-).
Etymologisch verwandt: s. lateral.
Morphologisch zugehörig: Adoption; etymologisch
Adler m. Eine seit dem 12. Jh. belegte Ver¬ verwandt: s. Option. — W. Feldmann ZDW 8 (1906/
deutlichung adel-are 'edler Aar’ (s. Aar); zu¬ 07), 51; Hoops (1973ff.), I, 83-85.
nächst vermutlich ein technischer Ausdruck der Adrenalin n. 'Hormon des Nebennieren¬
Falknerei. Mindestens gleichzeitig belegt ist marks’, fachsprachl. Neubildung zu 1. renälis
gleichbedeutendes afrz. alerion, das (trotz laut¬ 'die Nieren betreffend’ (s. auch ad-), zu 1. ren
licher Schwierigkeiten) als aus dem Fränkischen m. 'Niere’.
entlehnt gilt. Adresse/. 'Anschrift’. Im 18. Jh. entlehnt aus
Nndl. adelaar (poet.). — Suolahti (1909), 345 — 352;
gleichbedeutend frz. adresse (eigentlich: 'Rich¬
Hoops (1973ff.), I, 79-81.
tung’), zu frz. adresser 'etwas an jmd. richten’,
Administration /. 'Verwaltung’, fachsprachl. aus spl. *addlrectiäre 'ausrichten’, zu 1. directus,
Entlehnt aus 1. administrätio (-önis) 'Verwal¬ dem PPP. von 1. dlrigere 'gerade richten, aus¬
tung, Besorgung’ (eigentlich: 'Dienstleistung’), richten’ (s. auch ad-), zu I. regere (rectum)
zu 1. administräre 'verwalten, besorgen, ausfüh¬ 'leiten’ (s. auch dis-). In der Bedeutung 'an eine
ren’, zu 1. ministräre 'bedienen, darreichen, ver¬ hochgestellte Persönlichkeit gerichtetes Schrift¬
schaffen’ (s. auch ad-), zu 1. minister 'Diener, stück’ im 18. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend
Gehilfe’, dieses wohl zu 1. minus 'weniger’ als ne. address gleicher Herkunft.
'der Geringere’. Morphologisch zugehörig: Adressat, adressieren; ety¬
Etymologisch verwandt: s. minus. — K. H. Feldmann mologisch verwandt: adrett, alert, arrogant, direkt
ZDW 8(1906/07), 51; K.-H. Weinmann DWEB (usw.), Direktor, dirigieren (usw.), Dreß, dressieren
2(1963), 385. (usw.), Eskorte (usw.), interrogativ, korrekt (usw.), Ma¬
haradscha, Pergola, Regel, Regie (usw.), regieren
Admiral m. (= Titel eines hohen Marineoffi¬ (usw.), Regime, Regiment, Region (usw.), regulieren
ziers). Im 16. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend (usw.), Reneklode, Ressourcen, Surrogat (usw.); zum
frz. admiral, neben älterem amiral, das sich im Etymon s. recht. Ersatzwort ist Anschrift. — W. Feld¬
Französischen später durchsetzt (das d wohl mann ZDW 8 (1906/07), 51; Schirmer (1911), 7; Ganz
durch Anknüpfung an 1. admirärl 'bewundern ); (1957), 28; Jones (1976), 85f.; Brunt (1983), 119f.
dieses aus arab. amlr 'Befehlshaber’, das seit adrett Adj. 'nett, ordentlich’. Im 17. Jh. ent¬
dem 10. Jh. in der lateinischen Form amiratus lehnt aus gleichbedeutend frz. adroit, dieses aus
u. ä. als Bezeichnung afrikanischer und mor¬ spl. *addirectus 'ausgerichtet, wohlgeführt’, zu
genländischer Herrscher erscheint. Es wird 1. directus, dem PPP. von 1. dlrigere 'gerade
dann in Italien auch für einheimische Würden¬ richten, ausrichten’ (s. auch ad-), zu 1. regere
träger gebraucht und dann auf den Befehlsha¬ (rectum) 'leiten’ (s. auch dis-). Deutsche Schrei¬
ber der Flotte eingeengt. Die verschiedenen bung und Aussprache nach der französischen
Wortausgänge beruhen wohl auf nachträglicher Aussprache zur Zeit der Entlehnung.
Suffixanpassung. Das Wort wurde bereits im Etymologisch verwandt: s. Adresse. — Brunt (1983),
12. Jh. als amiral, ammiralt, admirät u. ä. in der 121.
Advent 12 Affront

Advent m. 'Zeit vor Weihnachten’. Im Mittel¬ wie in anderen europäischen Sprachen (mit an¬
hochdeutschen entlehnt aus gleichbedeutend 1. deren Wörtern für Affe)', es wird zurückgeführt
adventus (eigentlich: 'Ankunft [Christi]’), dem auf eine Homonymie im cechischen (opice f.
Verbalabstraktum zu 1. adventre 'ankommen’, 'Affe’ und opit se 'sich betrinken’) oder auf
zu 1. venire (ventum) 'kommen’ (s. auch ad-). verschiedene Wirkungen des Alkohols, ausge¬
Etymologisch verwandt: Abenteuer, eventuell (usw.), drückt durch Vergleich mit Tieren (so R. Riegler
Intervention (usw.), Inventar (usw.), Konvenienz, Kon¬ s. u.). — Affe 'Tornister’ in der Soldatensprache
vent, Konvention, Parvenü, präventiv (usw.), Prove¬ seit 1800. Vielleicht scherzhafte Variation zu
nienz, Souvenir, Subvention', zum Etymon s. kommen.
älterem Katzbalg 'Tornister’ (s. katzbalgen).
Adverb n. 'Umstandswort’, fachsprachl. Im Nndl. aap, ne. ape, nschw. apa, nisl. api. S. Schlaraffe.
17. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend 1. (nomen) - R. Riegler WS 6 (1914/15), 194-196; Lloyd/Sprin¬
adverbium (eigentlich: 'das zum Verb gehörende ger (1988fT.), I, 58f. Zu Affe Rausch’ vgl. Steinhäuser
Wort’), zu 1. verbum 'Wort, Zeitwort’ (s. auch (1962), 16.
ad-). Affekt m. 'Erregung, Gemütsbewegung’. Im
Etymologisch verwandt: s. Verb. — W. Feldmann 18. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend 1. affectus,
ZDW 8 (1906/07), 51; E. Leser ZDW 15 (1914), 45. dem Verbalabstraktum zu 1. afficere 'hinzutun,
Advokat m. 'Anwalt’, arch., reg. Im 15. Jh. einwirken, anregen’, zu 1. facere (factum) 'ma¬
entlehnt aus gleichbedeutend 1. advocätus (ei¬ chen, tun’ (s. auch ad-). Das Verbum ist als
gentlich: 'der Herbeigerufene’), dem substanti¬ afßzieren entlehnt.
vierten PPP. von 1. advocäre 'herbeirufen’, zu 1. Morphologisch zugehörig: affektiert', etymologisch
voeäre (vocätum) 'rufen’ (s. auch ad-), zu 1. vöx verwandt: s. Fazit. - W- Feldmann ZDW8 (1906/07),
(-öcis) 'Stimme’. Ursprünglich war der Advokat 51f.; G. Schoppe ZDW 15 (1914), 175.

ein in Rechtssachen zugezogener Beistand, der Affenschande/., ugs. Bezeugt seit dem 19. Jh.
aus Freundschaft (oder gegen geringes Entgelt) Offenbar 'etwas, das selbst für die „notorisch
mit seinem Ansehen und juristischen Rat zur schamlosen” Affen eine Schande ist’.
Seite stand, aber kein juristischer Vertreter im Affirmation/., s.firmen.
heutigen Sinne des Wortes. Mit der späteren
Affix n. 'Wortbildungselement’, fachsprachl.
Professionalisierung der Rechtshilfe dann auch
Entlehnt aus 1. affixum 'das Angeheftete’, dem
entsprechender Bedeutungswandel.
substantivierten PPP. von 1. affigere 'anheften,
Etymologisch verwandt: s. Vokal, Vogt. Ersatzwort ist
an etwas befestigen’, zu 1. figere (fixum) 'befe¬
Rechtsanwalt. - W. Feldmann ZDW 8 (1906/07), 51.
stigen, heften’ (s. auch ad-).
af- Präfix, s. ad-, Morphologisch zugehörig: Kruzifix, Präfix, Suffix-,
Affäre/. 'Vorfall, Verhältnis’. Im 17. Jh. ent¬ etymologisch verwandt: s. fix.
lehnt aus gleichbedeutend frz. affaire, einer Zu- affizieren swV, s. Affekt.
sammenrückung aus frz. (avoir) ä faire 'zu tun Affodill m. (= ein lilienartiges Gartenge¬
(haben)’. Frz. faire 'machen, tun’ aus gleichbe¬ wächs mit vielen kleinen Wurzelknollen), fach¬
deutend 1. facere (factum).
sprachl. Im Frühneuhochdeutschen entlehnt
Etymologisch verwandt: s. Fazit. - Jones (1976), 86f.
aus gleichbedeutend 1. asphodelus, asphodilus,
Affe m. Mhd. affe, ahd. affo, as. apo aus dieses aus gr. asphödelos (dass.). Für die Form¬
wohl gemein-g. *apön- m., auch in anord. api, veränderung bei der Entlehnung wird die volks¬
ae. apa. Das Wort kann (zumindest in der Be¬ etymologische Anlehnung an Affe und Dill an¬
deutung Affe’) aus sachlichen Gründen nicht genommen.
alt sein; außergermanische Anschlüsse sind aber Affolter m., s. Apfel.
unsicher: Die lautlich vergleichbaren slavischen
Affrikate /. 'Verschlußlaut mit folgendem
Wörter (russ.-kslav. opica f. usw.) scheinen aus
Reibelaut (z. B. /pfD, fachsprachl. Entlehnt aus
dem Germanischen entlehnt zu sein; das von
1. affricäta (wörtlich: 'die Angeriebene’), dem
dem griechischen Lexikographen Hesych als
substantivierten PPP. von 1. affricäre 'anreiben’,
keltische Bezeichnung der Schwanzaffen ange¬
zu 1. fricäre (frictum) 'reiben’ (s. auch ad-).
gebene abränas ist vereinzelt und unklar. Viel¬
Morphologisch zugehörig: Frikativ; etymologisch ver¬
leicht aus einem weiter verbreiteten Wort für wandt: s. frottieren.
'Affe’ mit einem anlautenden k- (ai. kapi-, auch
Affront m. 'Schmähung, Beleidigung’, sonder-
in semitischen Sprachen, im Griechischen und
sprachl. Im 17. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend
Lateinischen). Der Anlautverlust könnte erklärt
frz. affront, zu frz. affronter 'auf die Stirn schla¬
werden, wenn das Wort aus dem Arabischen
gen, vor den Kopf stoßen, beschimpfen, beleidi¬
stammt, da im vulgären Arabischen bei diesem
gen , zu frz. front 'Stirn’, dieses aus 1. fröns
Wort ein Kehlkopfverschlußlaut statt des k- (-ontis) (dass.).
erscheint (Littmann [1924], 24f.; Lokotsch
Etymologisch verwandt: s. Front. - G. Schoppe ZDW
[1927], 85f.). — Affe 'Rausch’ seit dem 19. Jh. 15(1914), 175; Jones (1976), 87.
After 13 Agitation

After m. Mhd. after, ahd. aft(e)ro ist eine rer’, dann aber auch 'im staatlichen Auftrag
nur deutsche Substantivierung des ebenfalls nur tätiger Spion’.
deutschen Adjektivs ahd. aft(e)ro, mhd. after Morphologisch zugehörig: Agenda, Agens, Agentur,
'hinter, nachfolgend’, bedeutet also 'der Hin¬ agil, Akt, Akte, Aktion, aktiv (usw.); etymologisch ver¬
tere’ (vgl. Hintern), vielleicht Lehnübersetzung wandt: s. Agenda. — Schirmer (1911), 7; Jones (1976),
von 1. posteriora n. PI. Das Adjektiv wurde 88f.
gebildet aus dem g. Adverb *after- in gt. aftaro, Agentur /., s. Agent.
anord. eptir, ae. after, as. ahd. aftar 'hinter, Agglomerat n. 'Anhäufung, Zusammenbal¬
hinten’; dieses wiederum gehört zu ig. *op- 'hin¬ lung’, fachsprachl. Entlehnt aus 1. agglomerätus
ten, hinter’, das unter aber behandelt wird. Ad¬ 'zusammengedrängt’, dem PPP. von 1. agglome-
verb und Adjektiv gehen im Deutschen schon räre 'dicht aneinanderdrängen’, zu 1. glomeräre
früh zurück, möglicherweise bedingt durch die (-ätum) 'zu einem Knäuel ballen’ (s. auch ad-),
als anstößig empfundene Bedeutung des Sub¬ zu 1. glomus 'Knäuel’.
stantivs. Ndd. Form: achter (s. d.).
Agglutination /. 'Verklebung, Aneinanderfü¬
S. auch ob-. — Lloyd/Springer (1988fT.), I, 63 — 67.
gung’, fachsprachl. Entlehnt aus gleichbedeu¬
Afterglaube m., s. Aberglaube. tend 1. agglütinätio, einem Abstraktum zu 1.
ag- Präfix, s. ad-. agglütinäre 'anleimen, ankleben’, zu 1. glütinäre
'leimen’ (s. auch ad-), zu 1. glitten, glütinum n.
Agave f. (= eine Pflanzengattung), fach-
'Leim, Kitt’.
sprachl. Im 18. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend
frz. agave, agave m., einer gelehrten Bildung zu Aggregat n. 'mehrgliedriges Ganzes’, fach¬
gr. agauös (agauS f.) 'edel, prächtig’; also 'die sprachl. Neolateinische Bildung des 19. Jhs. zu
Edle, Prächtige’. 1. aggregäre 'anhäufen, hinzuscharen’, zu 1. gre-
Littmann (1924), 151. gäre (-ätum) 'zu einer Herde scharen’ (s. auch
ad-), zu 1. grex (-egis) m.'Herde, Schar’.
-age Suffix. Dient zur Bildung von Substanti¬
Etymologisch verwandt: Allegorie, Gremium, Katego¬
ven, die eine Handlung (z. B. Massage zu mas¬
rie, Kongregation.
sieren) bezeichnen oder eine Sache als Kollekti-
vum erfassen (z. B. Trikotage zu Trikot). Man¬ Aggression /. 'feindselige Haltung, Angriff’.
che Ableitungen weisen beide Bedeutungen auf Im 19. Jh. entlehnt aus 1. aggressio 'Angriff’,
einem Abstraktum zu 1. aggredi 'heranschreiten,
(z. B. Drainage). Es gelangt seit dem Mittel¬
angreifen’, zu 1. gradi (gressus sum) 'schreiten,
hochdeutschen in französischen Lehnwörtern
ins Deutsche und geht auf 1. -äticum zurück, gehen’ (s. auch ad-).
Morphologisch zugehörig: aggressiv, Aggressor; ety¬
ursprünglich die Neutrumform von Adjektiven
mologisch verwandt: degradieren (usw.), Grad, grassie¬
auf 1. -äticus. Deutsche Bildungen erscheinen
ren, Ingredienz, Kongreß, progressiv (usw.), Regreß,
besonders in der Studentensprache (z. B. Bla¬ Regression.
mage), vor allem auch als Ulkwörter (z. B.
Ägide /. 'Obhut, Schirmherrschaft-’, sonder-
Schenk age).
sprachl. Im 18. Jh. entlehnt aus 1. aegis (-idis)
E. Öhmann: NPhM 75 (1974), 513 — 526.
'Schild des Jupiter und der Minerva, Schutz’,
Agenda /. 'Merkbuch, Liste, Verhandlungs¬ aus gr. aigis (-idos) 'Ziegenfell, Lederharnisch,
punkte’, schwz. Entlehnt aus 1. agenda 'Dinge, Sturmschild des Zeus und der Athena’. Die
die betrieben werden müssen’, dem Plural von weitere Herkunft ist umstritten (der Zusammen¬
1. agendum, dem Gerundivum von 1. agere (ac¬ hang mit gr. aix (-igös) 'Ziege’ ist nicht ein¬
tum) 'treiben, führen, in Bewegung setzen’. Das deutig).
Verbum ist ebenfalls entlehnt als agieren. agieren swV., s. reagieren.
Morphologisch zugehörig: Agens, Agent, Agentur, agil,
agil Adj. 'beweglich’, sonder spracht. Im 18.
Akt, Akte, Aktion, aktiv (usw.), agieren-, etymologisch
Jh. entlehnt aus frz. agile oder 1. agilis gleicher
verwandt: Aktie (usw.), aktuell (usw.), ambig, Axiom,
Essay, exakt, Examen (usw.), kaschieren (usw.), Navi¬
Bedeutung. Dieses zu 1. agere 'treiben, führen,
gation, reagieren (usw.), Redaktion (usw.), Transaktion-, in Bewegung setzen’ (s. Agenda, Agens).
zum Etymon s. Achse. — Schirmer (1911), 7. Agio n. 'Betrag über Nennwert’. Entlehnt aus
Agens n./m. 'treibende Kraft, Träger der gleichbedeutend it. aggio m., dieses aus gr.
Handlung’, fachsprachl. Entlehnt aus dem Par¬ (byz.) allägion (gr. allage f.) 'Tausch’. Dazu
tizip 1. agens (s. Agent) zu 1. agere 'treiben, Disagio für den 'Abschlag, um den der Kurs
führen, in Bewegung setzen’ (s. auch Agenda). hinter dem Nennwert zurückbleibt’ (s. auch
dis-).
Agent m. 'Vertreter, Spion’. Im 17. Jh. ent¬
lehnt aus gleichbedeutend it. agente, dieses aus Agitation /. 'aggressives Handeln zum Beein¬
1. agens (-entis), dem PPräs. von 1. agere (ac¬ flussen anderer’, fachsprachl. Im 19. Jh. entlehnt
tum) 'handeln’. Zunächst nur 'Geschäftsfüh- aus gleichbedeutend ne. agitation, dieses aus 1.
Agonie 14 Ahorn

agitatio (-onis) 'das In-Bewegung-Setzen’, zu 1. aber ab 1400 weicht das Wort vor dem klareren
agitäre 'schüren, betreiben, aufhetzen’. Großvater/Großmutter (s. d.) zurück.
Morphologisch zugehörig: agitato, Agitator, agitiert, S. Enkel1, Frauche, Herrche, Urahn. — Kuhberg
Agitprop. — Zu Agitator: Ganz (1957), 29f. (1933), 35; Müller (1979), 17-69; Lloyd/Springer
(1988ff.), I, 215-217.
Agonie /. 'Todeskampf, sehr große Angst’,
ahnden swV. 'strafen’, arch., fachsprachl. Mit
sonderspracht. Entlehnt aus gleichbedeutend
unregelmäßiger Vokaldehnung aus mhd. anden,
kirchen-1. agönia, dieses aus gr. agönia 'Kampf,
ahd. anton 'rächen, strafen, tadeln’, as. andon
Wettkampf, Angst, Beklemmung’, zu gr. agön
'eifern’, ae. andian 'neidisch, eifersüchtig sein’,
nt. 'Kampf, Wettkampf, Versammlung’, zu gr.
also wg. *and-ö-; dieses offenbar zu ahd. anto,
ägein 'führen, schreiten, marschieren’.
as. ando, ae. anda 'Zorn, Eifer, Neid’, auch
Morphologisch zugehörig: Agon, agonal, Agonist; ety¬
(ahd.) 'Strafe’. Unklar ist das Verhältnis zu ahd.
mologisch verwandt: s. Antagonismus.
anado, anadon ähnlicher Bedeutung (selten, in
Agraffe /. 'Spang€, fachsprachl. Im 17. Jh. Glossen), ae. anoöa. Mit Rücksicht auf die Be¬
entlehnt aus gleichbedeutend frz. agrafe (eigent¬ deutungsverzweigung von 1. animus ('Hauch,
lich: 'Haken’), zu frz. agrafer 'anhaken, einha¬ Mut, Stolz, Leidenschaft usw.’) kann an g.
ken’, das vermutlich auf ein germanisches Wort *an-a-, ig. *and- 'atmen’ angeknüpft werden,
zurückgeht. doch reicht diese Annahme allein noch nicht
Brunt (1983), 122. für die Erklärung der Bedeutung aus (hat etwa
eine Entsprechung von gr. önomai 'ich tadle’
agrar- Präfixoid 'die Landwirtschaft betref¬
eine Rolle gespielt?).
fend’. Entlehnt aus 1. agrärius 'den Acker(bau)
Lloyd/Springer (1988ff.), I, 221—224.
betreffend’, zu. 1. ager 'Acker’.
Etymologisch verwandt: s. Agronom. ahnen swV. Seit dem 12. Jh. (mhd.) ez anet
mir (oder mich) aus dem Adverb ane 'an’ gebil¬
Agronom m. 'Landwirt mit akademischer det (vgl. es kommt mich an). Seit dem 14. Jh.
Ausbildung’, fachsprachl. Entlehnt aus frz. mit persönlicher Konstruktion (ich ahne usw.).
agronome 'Ackerbaukundiger’, dieses aus gr. In Mundarten, die nach Vokalsynkope zusam¬
(ep.) agronömos 'Aufseher über die Stadtlände¬ menstoßende Dentale vereinfachen (bint aus
reien’, wohl einer Substantivierung von gr. bindet), entsteht schon im 13. Jh. die hyperkor¬
(poet.) agrönomos 'ländlich, feldbewohnend’, zu rekte Form anden, später ahnden; sie ist aber
gr. agrös 'Acker, Feld, Land’ und gr. nömos wegen des Gleichklangs mit ahnden 'strafen’
'Brauch, Sitte, Satzung, Gesetz, (wörtlich:) Zu¬ wieder untergegangen.
geteiltes’, zu gr. nemein 'teilen, abteilen, zu- Stammler (1954), 141 — 144; zu ahnden: V. Moser ZM
teilen’. 14 (1938), 65.
Morphologisch zugehörig: Agronomie; etymologisch ähnlich Adj. Mhd. anelich, ahd. analih (nur
verwandt: agrar-; zum Etymon s. Acker. als Abstraktum analihhi n. u. a. belegt), wie
Agstein m., s. Bernstein. in gt. analeiko Adv. Eigentlich 'dessen Gestalt
(*leika~) nahe dar an ist’. Die fnhd. Form ein-
Ahle /. Mhd. äle, ahd. äla aus wg. *älö f. lich mit gleicher Bedeutung beruht wohl auf
'Ahle’, auch in ae. cel; dieses aus ig. *elä gleicher sekundärer Umdeutung.
Bedeutung, auch in ai. ärä. Daneben Formen Anders: O. Höfler in: FS Kralik (1954), 39—41.
mit kurzem a: anord. alr, ahd. alansa u. a. Her¬
Ahorn m. Mhd. ahd. as. ahorn neben n-losen
kunft unklar. Unklar ist auch der Zusammen¬
Formen in mundartlich Are (usw.), ndn. eer.
hang mit ähnlichen Wörtern der finnisch-
Aus diesen Formen läßt sich ein west-ig. *akr
ugrischen Sprachen (kulturelles Wanderwort 'Ahorn’ erschließen, das auch in 1. acer n. (1.
oder Entlehnungen aus dem Indischen in die aeernus 'aus Ahorn’) und gr. (Hesych) äkastos
finnisch-ugrischen Sprachen?). (vermutlich aus *akr-sto-) bezeugt ist. Falls es
Nndl. eis, ne. awl (aus dem Nordischen), nisl. alur. - sich um ein Erbwort handelt, dürfte es aus ig.
Lloyd/Springer (1988ff.), I, 135f. *aker- 'Spitze’ oder einer damit zusammenhän¬
Ahn m. Mhd. an(e), ahd. ano. In dieser Be¬ genden Bildung abgeleitet sein (das Benen¬
deutung ('Vorfahr’) auf das Deutsche be¬ nungsmotiv wäre also die Form der Blätter).
Zu dieser Wurzel s. Ecke. Es gibt aber Hinweise
schränkt. Weiter verbreitet ist ein ig. *han- mit
darauf, daß es sich um ein vorindogermanisches
der Bedeutung alte Frau’. Herkunft dunkel,
Wanderwort handeln könnte; so das daneben¬
vielleicht Lallwort. In der Bedeutung 'Großva¬
stehende gr. (Hesych) äkarna 'Lorbeer’ und bal¬
ter, Großmutter’ fehlt dem Wort zunächst eine
tische und slavische Formen, die in ihrer Her¬
Unterscheidungsmöglichkeit zwischen maskuli- kunft unklar sind.
num und femininum. Diese wird nachträglich
S. Ähre, Akrobat, Akronym, akut. — 1. Nordstrandh
eingeführt (Ähni/Ahne, Ahnherr/Ahnfrau usw.), NM 5 (1949), 148-173; W. Mitzka: Der Ahorn (Gies-
Ähre 15 Akkusativ
sen 1950); Hoops (1973fT.), I, 115f.; Lloyd/Springer
akklimatisieren swV., s. Klima und ad-,
(1988ff.), I, 110-113.
akkomodieren swV, s. kommod und ad-.
Ähre/. Mhd. eher n., ahd. ehir, ahar n. führt
zusammen mit gt. ahs, anord. ax und ae. ear akkompagnieren swV., s. Kompagnon und ad-,
zurück auf einen g. j-Stamm *ahaz- n., aus Akkord m. 'Zusammenklang mehrerer Töne;
weur. *akos- n, auch in 1. acus, (aceris) n. Stückarbeit, Stücklohn; Vereinbarung’. Im 17.
'Granne, Spreu’ und gr. akostt 'Gerste’ ( = Jh. entlehnt aus frz. accord 'Übereinstimmung,
'die Grannige’). Mit anderem Suffix sind gebil¬ Abkommen’, einem postverbalen Nomen zu frz.
det ahd. ahil und mit grammatischem Wechsel accorder 'ein Abkommen schließen’, über spl.
tnhd. agel, nhd. Achel (mit ch als norddeutscher *accordäre (dass.), einer Entsprechung zu 1. con-
spirantischer Aussprache des g) 'Ährenspitze’, cordäre 'sich in Einklang befinden, versöhnen’
ae. egl(e) 'Granne’. Gemeint sind also jeweils (s. auch ad-), zu 1. cor (-rdis) n. 'Herz, Stim¬
die Grannen, so daß die Wörter wohl mit ig. mung (u. a.)’. Im 19. Jh. kommt zu der allgemei¬
*ak- 'Spitze, spitzig’ (etwa in gr. äkron n. 'das nen Bedeutung 'Abkommen’ die speziellere Be¬
äußerste Ende, Spitze’) Zusammenhängen. deutung 'Vereinbarung zur Bezahlung nach
Nndl. aar, nschw. nisl. ax. S. Ahorn ( + ), Ecke, Hachel, Stückzahl (usw.)’ hinzu, mit der diese Form
Hülst. — Lloyd/Springer (1988fT.), I, 95 — 98. von Bezahlung gegenüber Zeitlohn begrifflich
Ähren m., s. Ern. abgegrenzt wird. Die musikalische Bedeutung
ak- Präfix, s. ad-. seit Beginn des 18. Jhs. nach frz. accord (dass.),
so bezeichnet nach dem wohlgefügten Zusam¬
Akademie f. 'Vereinigung von Künstlern oder
menklang von Tönen. In dieser Bedeutung
Gelehrten, Forschungs- und Lehreinrichtung’.
dürfte beim frz. Wort eine Vermengung mit frz.
Im 16. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend 1. Aca-
corde f. 'Saite’, aus 1. chorda f. (dass.), vorliegen,
demia, dieses aus gr. Akademeia (dass.). Im
was sich vor allem in der Bedeutung 'ein Instru¬
Griechischen ist es zunächst Name eines vor
ment stimmen’ zeigt, die der Bedeutung 'Zu¬
Athen gelegenen Tempelbezirks, der — mögli¬
sammenklang’ vorausgeht.
cherweise volksetymologisch — auf den Namen
des Heros Akädemos zurückgeführt wird. Eine Morphologisch zugehörig: Akkordeon, akkordieren;
etymologisch verwandt: Courage (usw.), Konkordanz,
von Platon in der Nähe eingerichtete Schule
Konkordat, Rekord', zum Etymon s. Herz. — Schirmer
erhält den Namen des Bezirks, den sie auch
(1911), 8; Eggebrecht (1955), 20f.; Jones (1976), 81f.
nach der Verlegung an einen anderen Ort beibe¬
hält. Dann Übergang des Propriums in ein Ap- Akkordeon n. 'Handharmonika’, fachsprachl.
pellativum. Die Bedeutung 'Vereinigung von Bezeichnung eines im 19. Jh. entwickelten
Gelehrten’ vor allem unter Einfluß von frz. Musikinstruments, dessen Bässe in Akkorden
academie. angeordnet sind. Die ursprüngliche Bezeich¬
Morphologisch zugehörig: die neo-1. Bildungen Akade¬ nung war Akkordion (wohl nach dem älteren
miker, akademisch. — W. Feldmann ZDW 8 (1906/ Orchestrion, die Endung -eon in Anlehnung an
07), 50; O. Immisch: Academia (Freiburg/Br. 1924); die französische Form).
K.-H. Weinmann DWEB 2 (1963), 386. Etymologisch verwandt: s. Akkord.
Akazie /. (= eines der Mimosengewächse), akkreditieren swV., s. Kredit und ad-,
auch 'Robinie’, fachsprachl. Entlehnt aus gleich¬
akkumulieren swV. 'anhäufen’, sonderspracht.
bedeutend 1. acacia, dieses aus gr. akakia (dass.)
Im Frühneuhochdeutschen entlehnt aus gleich¬
Akelei /.,fachsprachl. Mhd. ageleie, ahd. aga- bedeutend 1. accumuläre, zu 1. cumuläre 'häufen,
leia ist entlehnt aus ml. aquileja u. ä. unbekann¬ steigern’ (s. auch ad-), einer Ableitung von 1.
ter Herkunft (vielleicht zu 1. aquila 'Adler’ we¬ cumulus 'Haufe’.
gen der krallenförmig gekrümmten Honigblät¬ Morphologisch zugehörig: Akkumulation, Akkufmula-
ter oder zu spl. aculeus m. 'Stachel’ wegen des tor) 'Energiespeicher’; etymologisch verwandt: s. ku¬
oft stark gebogenen Sporns). Die heutige Laut¬ mulieren.
form ist vom Niederdeutschen beeinflußt. Echt
akkurat Adj. 'sehr genau’, sonder spracht. Im
hd. Aglei.
17. Jh. entlehnt aus 1. accürätüs 'sorgfältig, ge¬
Nndl. akelei. - Marzeil (1943/79), I, 359f.; Lloyd/
nau’, dem PPP. von 1. accüräre 'mit Sorgfalt
Springer (1988ff.), I, 76f.
erledigen’, zu 1. cüräre 'für etwas bzw. jmd.
Akklamation /. '(Abstimmung per) Beifall’,
Sorge tragen’ (s. auch ad-), zu 1. cüra 'Sorge,
fachsprachl. Im 18. Jh. entlehnt aus gleichbe¬
Sorgfalt, Augenmerk’.
deutend 1. acclämätio (-onis) (häufig auch Aus¬
Morphologisch zugehörig: die französisierende Bil¬
druck des Mißfallens), einem Abstraktum zu 1.
dung Akkuratesse; etymologisch verwandt: s. Kur.
acclämäre 'zurufen’, zu 1. clämäre 'laut rufen,
schreien’ (s. auch ad-). Akkusativ m. (= 4. Fall der Deklination),
Morphologisch zugehörig: akklamieren; etymologisch fachsprachl. Im Frühneuhochdeutschen ent¬
verwandt: s. deklamieren. lehnt aus gleichbedeutend 1. (cäsus) accüsätivus
Akne 16 Akustik

'(wörtlich:) der eine Anklage ausdrückende Akte/., selten Akt m. (gewöhnlich PI. Akten)
Fall’, dem Adj. zu 1. accüsäre 'anklagen, be¬ 'Schriftstück, Schriftverkehr’. Zunächst in latei¬
schuldigen’, einer Zusammenbildung von 1. nischer Form entlehnt aus äcta (PI.) 'das Ver¬
causa f. 'Grund, Schuld, Umstand’ und ad- handelte’ (zu 1. agere [äctum] 'treiben, handeln,
(s. d.). Die lateinische Bezeichnung ist eine verhandeln’). Im 16. Jh. eingedeutscht, doch
Lehnbildung zu gr. he aitiakö ptösis/., das die¬ bleibt die Formel ad äcta 'zu den Akten’ bis
sen Kasus inhaltlich als den Fall des affizierten heute.
bzw. effizierten Objekts charakterisiert. Bei der Etymologisch verwandt: s. Agenda. — Ganz (1957),
Übertragung ins Lateinische wird die Mehrdeu¬ 31 f.
tigkeit von gr. aitiätikös, das neben 'ursächlich’ Aktie /. 'Wertpapier’. Im 15. Jh. entlehnt
auch 'die Anklage betreffend’ bedeuten kann, aus nndl. actie 'Anrecht’, aus 1. äctiö (-önis)
zur Wahl des Übersetzungsäquivalents herange¬ 'klagbarer Anspruch; Handlung (u. a.)’, einem
zogen und 1. accüsätivus mit einer Lehnbedeu¬ Abstraktum zu 1. agere (äctum) 'handeln, tun’.
tung versehen. Die Bedeutungsentwicklung vollzieht sich über
E. Leser ZDW 15(1914), 53. 'Dividendenanspruch’ hin zu 'Urkunde, die die¬
sen Anspruch bescheinigt’.
Akne /. 'Erkrankung der Talgdrüsen; (da¬
Morphologisch zugehörig: Aktionär, etymologisch ver¬
durch hervorgerufene) Pusteln, Mitesser’, fach-
wandt: s. Agenda. — W. Feldmann ZDW 8 (1906/07),
sprachl. Im 19. Jh. entlehnt aus gr. akme 'Höhe¬ 50f.; Schirmer (1911), 9.
punkt, Spitze’; so benannt wegen der kleinen
Aktion /. 'Handlung, Maßnahme’. Im Früh¬
Erhebungen auf der Haut. Das /n/ beruht wohl
neuhochdeutschen entlehnt aus gleichbedeu¬
auf einer lautlichen Anpassung.
tend 1. äctiö (-önis), einem Abstraktum zu 1.
Akribie /. 'Sorgfalt’, sonder spracht. Im Früh¬ agere (äctum) 'handeln, tun’.
neuhochdeutschen entlehnt aus gleichbedeu¬ Etymologisch verwandt: s. Agenda. — W. Feldmann
tend kirchen-1. acribia, dieses aus gr. akrtbeia ZDW 8 (1906/07), 51.
(dass.), einem Abstraktum zu gr. akrtbes 'genau, aktiv Adj. 'tätig, tatkräftig’. Im 17. Jh. ent¬
sorgfältig’, ursprünglich ein Handwerkswort lehnt aus gleichbedeutend 1. äctlvus, zu 1. agere
'festsitzend auf etwas’. (äctum) 'handeln, tun’.
D. Kurz: Akribeia (Göppingen 1970). Morphologisch zugehörig: Aktiv 'Diathese des Han¬
Akrobat m. 'Artist’. Im 19. Jh. entlehnt aus delns’, Aktiva, aktivieren, Aktivität', etymologisch ver¬
wandt: s. Agenda. — W. J. Jones SN 51 (1979), 248.
frz. acrobate m./f. 'Seiltänzer’, dieses aus gr.
akröbatos 'jmd., der Kunststücke macht’, zu gr. aktivieren swV., s. aktiv.
äkros 'spitz’ und gr. bainein (batös) 'gehen’. aktualisieren swV., s. aktuell.
Das Gehen auf Zehenspitzen wird im Griechi¬ aktuell Adj. 'neu, zeitgmäß, modisch’. Im 18.
schen in einer Pars-pro-toto-Übertragung zur Jh. entlehnt aus frz. actuel 'wirklich, für die
Charakterisierung der Artisten herangezogen. Gegenwart wichtig’, dieses aus spl. äctuälis
Zunächst nur in der Bedeutung 'Seiltänzer’, (dass.), zu 1. agere (äctum) 'handeln, tun’. Die
dann Bedeutungserweiterung auf alle Artisten Bedeutungsentwicklung verläuft von 'wirklich’
mit besonderer körperlicher Geschicklichkeit. über 'gegenwärtig wirklich’ hin zu 'zum gegen¬
Etymologisch verwandt: s. Ahorn und Basis. wärtigen Zeitpunkt wesentlich’, wobei das Zei¬
tungswesen des 19. Jhs. eine wichtige Rolle
Akronym n. 'Wort aus Anfangsbuchstaben
spielte (Tatsachenberichte von soeben Gesche¬
anderer Wörter\ fachsprachl. Neubildung zu gr.
henem).
äkros m. (wörtlich: 'das Äußerste’) aus gr. äkros
Morphologisch zugehörig: Aktualität, aktualisieren',
'spitz’ in der Bedeutung 'Anfang’ und einer
etymologisch verwandt: s. Agenda.
Variante von gr. önoma 'Name’.
Akupunktur/. 'Heilbehandlung mit Nadelsti¬
Etymologisch verwandt: s. Ahorn und Name.
chen’, fachsprachl. Neubildung aus 1. acü 'mit
Akt m. Im 16. Jh. entlehnt aus 1. äctus 'Hand¬ einer Nadel’ (zu 1. acus 'Nadel’) und 1. pünctüra
lung’ (zu 1. agere [äctum] 'treiben, handeln’). 'Stich’, einer Ableitung von 1. pungere (pünc-
Hieraus verschiedene, teils schon im Lateini¬ tum) 'stechen'. Das Wort beschreibt zunächst
schen vorgebildete, Bedeutungsausweitungen. die Technik der Heilbehandlung eines anderen
Als Terminus der Malerei des 18. Jh. bezeichnet (chinesischen) Kulturkreises.
das Wort die Stellung des menschlichen Kör¬ Morphologisch zugehörig: Akupunkteur, punktieren',
pers, dann durch Bedeutungsverengung (Eu¬ Akupressur, etymologisch verwandt: bunt, Fichte, In¬
phemismus?) das Bild eines nackten Körpers. terpunktion, Kontrapunkt, kunterbunt, Pointe (usw.),
Etymologisch verwandt: s. Agenda. - W. Feldmann Punkt, pünktlich, Punze, Pygmäe, Spund.
ZDW 8(1906/07), 51; G. Schoppe ZDW 15(1914), Akustik f. '(Lehre vom) Schall’, fachsprachl.
175f.; K.-H. Weinmann DWEB 2 (1963), 386. Im 18. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend gr.
Akut
17 Alant

akoustikS (techne), einer Ableitung von gr.


assisum, accisum n. (wörtlich: 'Eingekerbtes’),
akoüein 'hören’ (aus *akous- mit dem to- Parti¬
dem substantivierten PPP. von 1. accidere 'an¬
zip *akousto-).
schneiden, anhauen’, zu 1. caedere 'hauen, sto¬
Zum Etymon s. hören.
ßen, aufschneiden (s. auch ad-). So bezeichnet
Akut m. (= ein diakritisches Zeichen), fach- nach der Art, die bezahlte Steuer zu quittieren.
sprachl. Ursprünglich Zeichen für steigende Dies erfolgte durch Einkerbung in einen Stock,
(spitze) Stimme, deshalb zu akut (s. d.). der dann zweigeteilt wurde, wobei eine Hälfte
akut Adj. 'heftig’. Im 19. Jh. entlehnt aus dem Steuerpflichtigen, die andere Hälfte dem
gleichbedeutend 1. acutus (eigentlich: 'spitz, Steuereinnehmer übergeben wurde.
scharf’), zu 1. acuere 'schärfen, spitzen’. Bereits Morphologisch zugehörig: Acciser; etymologisch ver¬
wandt: s. Zäsur. — Schirmer (1911), 10.
im Lateinischen als Attribut plötzlich auftreten¬
der, heftiger Krankheiten verwendet, wohl als -al Suffix. Dient der Bildung von Adjektiven,
Lehnbedeutung zu gr. oxys. wobei eine Ähnlichkeitsbeziehung bzw. Art
Etymologisch verwandt: s. Ahorn, Akut. (z. B. pastoral „wie ein Pastor” oder genial „in
der Art eines Genies”) oder eine Zugehörigkeit
Akzent m. 'Betonung(szeichen)’. Im 16. Jh.
(z. B. kolonial „zu den Kolonien gehörig, die
entlehnt aus gleichbedeutend 1. accentus, einer
Kolonien betreffend”) ausgedrückt wird. Es
Ableitung von 1. accinere 'dazu klingen, dazu
wird in lateinischen Wörtern ins Deutsche über¬
singen’, zu 1. canere (cantum) 'singen, klingen’
nommen und geht auf funktional entsprechen¬
(s. auch ad-); 1. accentus ist eine Lehnbildung
des 1. -älis zurück. Aus Substantivierungen sol¬
zu gr. prosödiä, einem Abstraktum zu gr. prös
cher lateinischen Adjektive stammen einige
'hin, zu’ und gr. öde 'Lied’, wörtlich also 'hinzu-
Fremdwörter im Deutschen, deren Wortaus¬
getügte Melodie’. Das Benennungsmotiv be¬
gang -al man synchronisch allerdings nicht als
zieht sich auf den ursprünglich musikalischen
Suffix einordnen würde (z. B. General — 1. gene¬
Akzent, der auf Tonhöhenunterscheidungen be¬
ralis 'allgemein’, Moral - 1. mörälis 'sittlich’).
ruht (im Gegensatz zum dynamischen Akzent
in anderen Sprachen wie etwa dem Deutschen). al- Präfix, s. ad-.
Die Bedeutung 'charakteristische Aussprache’ alaaf Interj., rhein. Hochruf in Köln (z. B. im
entsteht demgegenüber ohne griechisches Vor¬ Karneval: Kölle alaaf). Schon im 18. Jh. mit
bild. umgekehrter Stellung bezeugt als allaff Collen;
Morphologisch zugehörig: akzentuieren; etymologisch aber vermutlich älter. Ursprünglich wohl all-ab
verwandt: s. Chanson. Vgl. Prosodie. — W. Feldmann (mundartlich all-af) 'alles zur Seite, aus dem
ZDW 8 (1906/07), 50; E. Leser ZDW 15 (1914), 36. Weg’ mit emphatischer Dehnung des zweiten a
akzeptieren swV 'annehmen, billigen’. Im 15. in der Interjektion. Die Hochschätzung wäre
Jh. entlehnt aus gleichbedeutend 1. acceptäre, also ursprünglich durch die Forderung nach
einem Intensivum zu 1. accipere 'annehmen’, zu mehr Platz (vgl. Platz dem Landvogt bei Schil¬
1. capere (captum) 'nehmen’ (s. auch ad-). ler) zum Ausdruck gebracht worden.
Morphologisch zugehörig: akzeptabel; etymologisch Alabaster m. 'Edelgips\ fachsprachl. Im Mit¬
verwandt: Apercu, capito, catchen, Disziplin (usw.), telhochdeutschen entlehnt aus gleichbedeutend
emanzipieren (usw.), Kapazität, kapieren, Kapsch, 1. alabaster m., alabastrum n., dieses aus gr.
Kasse, Kescher, Kontrazeption, konzipieren (usw.), ok¬
aläbastros (älter gr. aläbastos) 'Alabaster (als
kupieren (usw.), Partizip (usw.), Perzeption, Prinz
Mineral), aus Alabaster gefertigtes Salbenge¬
(usw.), Prinzip (usw.), Rezept (usw.); zum Etymon s.
heben. — Zu akzebtabel: Jones (1976), 78.
faß; Mineral’. Die weitere Herkunft ist nicht
sicher geklärt.
Akzidenz n. 'etwas Zufälliges, nicht zum We¬
Littmann (1924), 20f.; Lüschen (1968), 170f.
sen Gehörendes’, fachsprachl. Entlehnt aus
gleichbedeutend 1. accidentia, einer Ableitung Aland m., Alant m. (= die Süßwasserfische
von 1. accidere 'an etwas hinfallen, eintreten’, 'Idus melanotes’, 'Leuciscus idus’ und 'Squalius
zu 1. cadere 'fallen’ (s. auch ad-). Die Bedeutung cephalus’), fachsprachl. Mhd. alant, ahd. alunt,
'Druckerzeugnis, das nicht zum Buch- bzw. as. alund sind unter Annahme einer Grundform
Zeitschriftendruck gehört’ entsteht aus der ur¬ *alunfa- mit grammatischem Wechsel vergleich¬
sprünglichen Bedeutung 'gelegentliche Druck¬ bar mit anord. plunn 'Makrele’. Weitere Her¬
arbeit’. kunft dunkel.
Morphologisch zugehörig: Akzidens, akzidentell, akzi- Lloyd/Springer (1988ff.), I, 186-188.
dentiell; etymologisch verwandt: s. Chance. Alant m. 'Helenenkraut’ (= ein Korbblütler),
Akzise /. 'Verbrauchs-, Verkehrssteuer; Ort, fachsprachl. Mhd. ahd. alant, mndl. alaen. Her¬
an dem sie entgegengenommen wird’, arch. Im kunft dunkel; vermutlich über das Lateinische
16. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend frz. accise, aus gr. helenion n., ein Pflanzenname, der ver¬
dieses aus ml. accisia, assis(i)a (dass.), zu ml. mutlich von gr. Helene, dem Namen der Toch-
Alarm 18 Album

ter des Zeus und der Leda, abgeleitet ist; die ml. alburus, Nebenform zu 1. albulus 'weißlich’
weitere Herkunft und die lautlichen Zusammen¬ mit Anpassung des Suffixes an ahd. -ari.
hänge sind unklar. S. Abele, Album (4-). Vgl. Pappel. - W. Meyer-Lübke
Lloyd/Springer (1988fF.), I, 147—149. ALLG 13 (1904), 50f.; Lloyd/Springer (1988ff.), I,
157f. Besprechung regionaler Formen bei E. Öhmann
Alarm m. 'Gefahrenmeldung, Warnzeichen’.
NPhM 43 (1942), 20f.
Im 16. Jh. (vielleicht über das Französische)
entlehnt aus gleichbedeutend it. allarme, einer albern Adj. Mhd. alwcere, ahd. alawäri
Zusammcnrückung aus it. all'arme 'zu den 'freundlich, gütig’ aus g. *al(l)a-wär-ja- Adj.
Waffen’; it. arma n. 'Waffe’, aus 1. arma f. 'freundlich’, auch in gt. (Abstraktum) allawerei
'Waffen’. 'volles Vertrauen, Vorbehaltlosigkeit’, anord.
Morphologisch zugehörig: alarmieren; etymologisch glvcerr '(gast)freundlich’, ae. ealwerllce (Adv.)
verwandt: Armada, Armatur, Armee, armieren, Gen¬ 'freundlich’. Das Adjektiv ist ein BahuvrThi-
darm, Lärm-, zum Etymon s. Arm. Kompositum 'dessen Vertrauen ganz ist, der
Alaun m. 'Schwefeldoppelsalz’, fachsprachl. volles Vertrauen hat’ zu einem Wurzelnomen
Im Mittelhochdeutschen entlehnt aus gleichbe¬ eur. *wer- 'Vertrauen’, das auch dem Adjektiv
deutend I. alümen. wahr zugrundeliegt (s. d.). Im Frühneuhoch¬
Etymologisch verwandt: Aluminium. — 0. B. Schlutter deutschen wird das Wort als Einheit empfunden
ES 42 (1910), 166 — 168; M. Foerster Anglia 41 (1917), (deshalb die Inlautentwicklung von Iw zu Ib
138; Löschen (1968), 171; Lloyd/Springer (1988ff.), I, und Abschwächung der zweiten Silbe) und nach
185f. dem Vorbild des Niederdeutschen mit einem aus
Alb m„ fachsprachl. Mhd. ahd. alb aus g. den obliquen Kasus stammenden n versehen,
*albi- (oder alba-) m. 'Alb’ (mythische Wesen wodurch es sich den Materialadjektiven auf ern
zwischen Menschen, Göttern und Zwergen), angleicht. Die Bedeutung wandelt sich in der
auch in anord. alfr, ae. celf (PI. ylfe). Vgl. den gleichen Zeit von 'freundlich’ zu 'harmlos, naiv
Zwergennamnen Alberich ('König der Alben’ ?), dumm’ (ähnlich in frz. bonhomme).
frz. Oberon und die Bezeichnung Alpdrücken, E. Seebold IF 78 (1973), 146-162.
Alptraum (auch ae. ylfa gesceot 'Albenschuß’
Albino m. (= ein Lebewesen, dem die Farb¬
für 'Hexenschuß’). Denkbar ist die Anknüp¬
stoffbildung fehlt), fachsprachl. Im Neuhoch¬
fung an ai. rbhü- 'Bezeichnung für kunstreiche
deutschen entlehnt aus gleichbedeutend span.
Halbgötter’ (die Alben waren wie die Zwerge
offenbar auch begabte Schmiede) oder an 1. albino (wörtlich: 'der Weißliche’), einer Ablei¬
albus 'weiß’ (da es in der nordischen Mythologie tung von span, (poet.) albo 'weiß’, dieses aus 1.
'Lichtalben’ gibt). Wieder andere (C. A. Ma- albus (dass.). Die Bedeutungsentwicklung von
strelli nach F. de Saussure, s. u.) schließen an 'weiß’ zu 'farblos, ohne Farbstoff’ beginnt in
alpe 'Berggeister in den Alpen’ an. Im übrigen Bezeichnungen wie span, negros albinos für hell¬
ist die mythologische Stellung der Alben so häutige (= „weißliche”) Neger; dann übertra¬
wenig klar (auch in der sonst reichhaltigen nor¬ gen auf andere Lebewesen mit fehlenden Farb¬
dischen Überlieferung), daß etymologische An¬ pigmenten.
schlüsse nicht ausreichend gesichert werden Morphologisch zugehörig: Albinismus, albinotisch-, ety¬
können. mologisch verwandt: s. Album.
S. Album ( + ), Elf. - Hoops (1973ff.), I, 130-132; Album n. 'Sammelbuch, Langspielplatte’. Im
C. A. Mastrelli StG 13 (1975), 5—13; C. Lacouteux
17. Jh. entlehnt aus 1. album 'weiße Tafel für
Euphorion 75 (1981), 371—378; Lloyd/Springer
Aufzeichnungen, Verzeichnis, Liste’, zu 1. albus
(1988ff.), I, 152-154.
'weiß’. Zunächst eine Holztafel für öffentliche
Albatros m. (= ein Meeresvogel mit charak¬
Bekanntmachungen, die mit Gips geweißt und
teristischem, segelndem Flug), fachsprachl. Im
mit schwarzer Farbe beschrieben war. Dann
18. Jh. entlehnt aus ne. albatross über algatross
verblaßt das ursprüngliche Benennungsmotiv
aus span. port. alcatraz. Letztlich vermutlich
der Farbe, und die Bedeutungskomponente 'Li¬
aus arab. al-gattäs wörtlich: 'Taucher, ein Was¬
ste, Zusammenstellung, Sammlung’ tritt stärker
servogel der unterzutauchen pflegt’, die Beleg¬
in den Vordergrund: 'Stamm-, Gedenkbuch’.
lage ist allerdings unsicher.
Diese Bedeutungsentwicklung zeigt sich zuerst
Albe f. 'Weißfisch’, fachsprachl. Mhd. albe! im Deutschen und wird von dort in andere
m. ist entlehnt aus gleichbedeutend 1. albula (zu
Sprachen übernommen. Die Bedeutung 'Lang¬
1. albus 'weiß’).
spielplatte’ wird übernommen aus ne. album,
S. Album ( + ).
das eine Zusammenstellung von Liedern meint.
Alber /./ m. ’Weißpappel’, fachsprachl., obd. Etymologisch verwandt: Abele, Alb, Albe, Alber, Al¬
Mhd. alber(boum), ahd. albari ist entlehnt aus bino.
Alchemie 19 Alkohol

Alchemie/., s. Alchimie. beim Lösen von Gleichungen werden den Va¬


Älchen n., s. Aal. riablen die Werte so zugewiesen, daß beide Sei¬
ten der Gleichung denselben Wert haben; die
Alchimie /. 'Goldmacherkunst, magisch-che¬
Gleichung wird hergestellt.
mische Technologie’, fachsprachl. Im Mittel¬
Schirmer (1912), 3f.; Littmann (1924), 76; Lokotsch
hochdeutschen entlehnt aus gleichbedeutend
(1975), 50.
ml. alchimia, dieses aus span, alquimia (dass.),
aus arab. al-kimivä (dass.), aus gr. chymeia 'Be¬ Algorithmus m. 'Berechnungsverfahren’,
schäftigung mit den gießbaren Stoffen, Metall¬ fachsprachl. Im Frühneuhochdeutschen ent¬
urgie und Färbetechnik’. Die Vorgänge des Le¬ lehnt aus gleichbedeutend ml. algorismus, das
gierens wurden — oft begleitet von magischen zurückgeht auf den Nachnamen eines arabi¬
Symbolen — allegorisch ausgedeutet hinsicht¬ schen Mathematikers, durch dessen Lehrbuch
lich des Vermengens von Eigenschaften; erst die zur Algebra die arabischen Ziffern in Europa
Neuzeit entmystifiziert die Alchimie zur wissen¬ allgemein bekannt wurden. Die Schreibung mit
schaftlichen Chemie. <th> in gräzisierender Anlehnung an gr. arith-
mös 'Zahl’.
Etymologisch verwandt: Chemie (usw.). — Lokotsch
(1975), 92. Schirmer (1912), 4; Littmann (1924), 77; P. Kunitzsch
ADA 94(1983), 109.
Aldermann m. 'Ältester, Vorstand’, arch., reg.
Im 18. Jh. als Fremdbegriff entlehnt aus ne. alias Part, 'anders, auch ... genannt’, sonder-
alderman 'Ratsherr’, dieses aus ae. ealdorman spracht. Entlehnt aus gleichbedeutend 1. aliäs
'anders’, zu 1. alius 'ein anderer’.
'Fürst, Vornehmer’, zu ae. ealdor 'Ältester,
Herr’, zu ae. eald'alt’ (s. alt) und e. man 'Mann’ Etymologisch verwandt: s. Alternative.
(s. Mann). Alibi n. '(Nachweis über) Aufenthalt an einem
Hoops (1973ff.), I, 135. anderen Ort’. Im 18. Jh. entlehnt aus gleichbe¬
deutend frz. alibi m., dieses aus 1. alibi 'an¬
alert Adj. 'flink, munter’, sonder spracht Im
derswo’, zu 1. alius 'ein anderer’.
17. Jh. entlehnt aus frz. alerte 'munter, wach¬
Etymologisch verwandt: s. Alternative. — Jones
sam’, dieses nach it. all’erta 'auf die Höhe, auf!’,
(1976), 91.
zu it. erta 'Anhöhe’, zu ait. ergere 'aufrichten’,
aus 1. erigere (dass.), zu 1. regere 'richten, leiten’ Alimente PI. 'Unterhaltszahlungen’, fach¬
(s. auch ex-). Die Bedeutungsentwicklung geht sprachl. Im 18. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend
demnach von einer Aufforderung zu Bewegung 1. alimenta (wörtlich: 'Nahrungsmittel’), Neu¬
und Handeln hin zur Bezeichnung eines schnell trum Plural von 1. alimentum, einer Ableitung
reagierenden, munteren Charakters. von 1. alere 'nähren’. Zunächst die von Seiten
des Staates geleistete Ernährung hilfsbedürfti¬
Etymologisch verwandt: s. Adresse. — Jones (1976),
90; Brunt (1983), 125f. ger Personen, dann auch Unterstützung kinder¬
reicher Familien, schließlich die Rechtspflicht
Alexandriner m. (= ein Versmaß), fach¬
zum Unterhalt.
sprachl. Im Mittelhochdeutschen entlehnt aus
Etymologisch verwandt: Adoleszenz, Alt, Altan, exal¬
gleichbedeutend afrz. (vers) alexandrin (wört¬
tiert, Hausse, Hautevolee, Hautgout, Koalition (usw.),
lich: 'Versmaß des Alexanderromans’). So be¬ Proletarier (usw.); zum Etymon s. alt. — G. Schoppe
zeichnet, weil es zum ersten Mal im französi¬ ZDW 15(1914), 176.
schen Heldengedicht über Alexander den Gro¬
Alkali n. 'Laugensalz’, fachsprachl. Im 16.
ßen (roman dAlixandre) verwendet wurde.
Jh. entlehnt aus gleichbedeutend frz. alcali m.,
Alge /. 'Wasserpflanze’. Im 19. Jh. entlehnt dieses aus span, alcali m. (dass.), aus arab. al-
aus 1. alga 'Seegras, Tang’. qall, vulgäre Nebenform zu arab. al-qily (dass.),
Marzeil (1943/79), I, 190f. zu arab. qalä 'im Topf kochen, rösten’. So be¬
Algebra /. 'Lehre von den mathematischen zeichnet als 'das aus der Asche von Pflanzen
Gleichungen (usw.)’,fachsprachl. Im 17. Jh. ent¬ gewonnene Laugensalz’.
lehnt aus gleichbedeutend it. algebra, dieses Littmann (1924), 86; K..-H. Weinmann DWEB
2 (1963), 386; Lokotsch (1975), 83.
über ml. algehra aus arab. al-gahr (dass.), wört¬
lich 'das Wiederzusammenfügen getrennter Alkohol m. 'reiner Weingeist’. Im 16. Jh. ent¬
Teile (z. B. gebrochener Glieder)’, zu arab. ga- lehnt aus span, alcohol 'feines Pulver’, dieses
bara 'zusammenfügen’. Ausgangspunkt für die aus arab. al-kuhl (span.-arab. Aussprache: al-
Übernahme in die europäischen Sprachen war kuhül) 'Antimon; daraus hergestelltes Pulver
ein arabisches Lehrbuch aus dem 9. Jh. mit dem zum Schwärzen der Augenlider, -brauen und
Titel Wiederherstellung und Gegenüberstellung. -wimpem’. Im Deutschen zunächst in der Be¬
In der Algebra können in Form von Gleichun¬ deutung 'feines Pulver’ verwendet. Da solches
gen Kombinationen unterschiedlicher (Zahl) sehr feine Pulver gewöhnlich das Ergebnis des
Symbole einander gegenübergestellt werden; Zerstoßens einer Substanz ist und gleichsam
Alkoven 20 Allianz

deren Kern bzw. Essenz darstellt, kommt all¬ tung von gr. agora 'Markt’, zu gr. ageirein
mählich die allgemeinere Bedeutung 'Essenz’ '(ver-)sammeln’, das mit 1. grex (-egis) m.
hinzu, und man spricht u. a. von alcohol vini, 'Herde, Schar’ verwandt ist (s. auch allo-). Das
dem „Geist des Weines”. Von hier dann Erwei¬ „Anderssagen” meint die Versinnbildlichung
terung auf andere berauschende Getränke. Im von etwas Abstraktem in Form von Gleichnis¬
19. Jh. werden weitere „Alkohole” entdeckt sen u. ä.
(z. B. Methylalkohol), so daß das Wort in fach¬ Etymologisch verwandt: s. Aggregat. — W. Feldmann
sprachlichem Gebrauch Klassenbedeutung er¬ ZDW 8 (1906/07), 52.
hält. allegro Adv. 'lebhaft, schnell, heiter’, fach¬
Littmann (1924), 76; K.-H. Weinmann DWEB sprachl. Im 17. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend
2 (1963), 386; Lokotsch (1975), 98f. it. allegro, dieses über frühromanische Zwi¬
Alkoven m. 'nischenartiger Schlafraum’, fach- schenstufen aus 1. alacer f-cris) 'lebhaft, mun¬
sprachl. Im 18. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend ter, aufgeregt’.
frz. alcöve /., dieses aus span, alcoba f. 'Schlaf¬ Morphologisch zugehörig: allegretto, Allegretto, Al¬
gemach’, aus arab. al-qubba 'Gewölbe, Ge¬ legro.
mach’. Zunächst die Alkove, dann verändert, allein Adv. Mhd. alein(e), Verstärkung von
vielleicht im Anschluß an Koben (s. d.). ahd. ein, wie in ne. alone (zu ne. one 'ein’) und
W. Feldmann ZDW 8 (1906/07), 52; Lokotsch (1975), nndl. alleen (een 'ein’).
97f.; Brunt (1983), 125. S. ein1 (+).
all Pron./Adj. Mhd. ahd. as. al(l) aus g. allenthalben Adv., s. -halb(en).
*alla-, auch in gt. alls, anord. allr, ae. eall, afr.
allerdings Adv. Im 16. Jh. zusammengewach¬
al(l): daneben als Vorderglied von Komposita
sen aus aller dinge (n), zunächst in der Bedeu¬
auch *ala- 'all, ganz’. Lautlich ist vermutlich
tung 'gänzlich, völlig’. Später tritt adverbiales -s
von *alna- neben *ala- auszugehen; sonst ist an, und die Bedeutung wird zu einräumendem
die Herkunft dunkel. Vielleicht vergleichen sich '(gewiß), freilich’.
osk. allo 'ganz’, air. mle 'ganz, jeder’ (lautlich
S. Ding( + ).
mehrdeutig), lit. aliäi 'jeder, ganz’. Das Sub¬
Allergie /. 'Überempfindlichkeit gegen kör¬
stantiv All n. wird im 17. Jh. als Lehnbedeutung
perfremde Stoffe’, fachsprachl. Neubildung des
aus 1. Universum gewonnen. Die regionale Be¬
20. Jhs. zu gr. ergon n. 'Werk, Wirken, Sache’
deutung 'leer, ausgegangen’ (alle werden usw.)
(s. auch allo-). Gebildet in Analogie zu Energie,
beruht wohl auf einem Konstruktionswechsel
wobei der en-ergeia — der wirkenden Kraft der
oder einer Ellipse: Wenn z. B. die Kartoffeln im
körpereigenen immunologischen Prozesse —
Keller alle verbraucht sind, dann sind sie alle.
eine allo-ergeia gegenübergestellt wird, die die
Nndl. al, ne. all, nschw. all, nisl. allur. S. als2, also,
Reaktionen des Körpers auf körperfremde
Overall. — Kuhberg (1933), 35; J. Untermann IF
63 (1958), 241-245; Vendryes (195ff.), U/17f.; E. Stoffe meint.
Fraenkel: Die baltische Sprachwissenschaft in den Jah¬ Etymologisch verwandt: s. Energie.
ren 1938-1940 (Helsinki 1943), 58f.; Lloyd/Springer allerhand Adv., ugs. Im 16. Jh. zusammenge¬
(1988ff.), I, 129-131. wachsen aus aller hande 'aller Arten’, zu Hand
alldieweil Adv./Konj. 'währenddessen, weil’, (s. d.) in der Bedeutung 'Seite’ (rechter Hand
arch:, auch einfaches dieweil. Aus mhd. (alle) usw.).
die wile, wörtlich: 'die (ganze) Zeit’ (zu Weile, allerlei Pron./Adj., s. -lei.
s. d.); in der Bedeutung also eine Entsprechung
Allerwertester m. 'Gesäß’, ugs. Seit dem 19.
zu während.
Jh. bezeugter Euphemismus. Der verstärkte
Allee /. 'von Bäumen gesäumte Straße’. Im Superlativ allerwertest war in dieser Zeit wohl
17. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend frz. allee schon erstarrt und diente der ehrenden Erwäh¬
(wörtlich: 'Gang’, d. h. „Baumgang”), zu frz. nung von Personen, auch in der Anrede. Der
aller 'gehen’, aus spl. *aläre (dass.), aus 1. ambu- scherzhafte Euphemismus ist wohl ähnlich zu
läre (dass.). verstehen wie der wertvollste Körperteil u. ä.
Etymologisch verwandt: ambulant, Allüren, Präambel. allgemach Adv., s. allmählich und gemach.
- W. Feldmann ZDW 8 (1906/07), 52; Jones (1976),
91f. Allianz/. 'Bündnis’, sondersprachl. Im 17. Jh.
entlehnt aus gleichbedeutend frz. alliance, einer
Allegorie/. 'Gleichnis’, fachsprachl. Im Früh¬
Ableitung von frz. allier 'verbinden’, dieses aus
neuhochdeutschen entlehnt aus gleichbedeu¬
1. alligäre (dass.), zu 1. ligäre 'binden’ (s. auch
tend 1. allegoria, dieses aus gr. allegoriä (dass.; ad-).
wörtlich: 'das Anderssagen’), einem Abstrak¬
Morphologisch zugehörig: Alliierte-, etymologisch ver¬
tum zu gr. agoreüein 'sagen, sprechen, (eigent¬ wandt: s. legieren. - Jones (1976), 93f.; Brunt (1983),
lich:) in der Öffentlichkeit sagen’, einer Ablei¬ 378f.
Alligator 21 Alphabet

Alligator m. (= eine Krokodilart), fach- mensetzungen mit Alltags- gleicher Bedeutung


sprachl. Im 16. Jh. entlehnt aus gleichbedeu¬ (zu alle Tage). Das, was alle Tage gebraucht
tend frz. alligator und e. alligator, diese zusam¬ wird, tritt in Gegensatz zu dem, was nur an
mengezogen aus span, el lagarto (de Indias) Sonn- und Feiertagen gebraucht wird, so daß
(dass., wörtlich: 'das Echsentier der nordameri¬ Alltag zu der Bedeutung 'Nicht-Feiertag’
kanischen Indianer’), aus 1. lacerta f 'Ei¬ kommt.
dechse’.
Allüren PI. 'auffälliges Benehmen, Gehabe’,
Alliierte PI., s. Allianz. sonder sprach!. Im 19. Jh. entlehnt aus gleichbe¬
Alliteration/. 'Stabreim’, fachsprachl. Im 18. deutend frz. allure f. '(wörtlich:) Gang’, einer
Jh. entlehnt aus gleichbedeutend neo-1. allitera- Ableitung von frz. aller 'gehen’, dieses aus spl.
tio (15. Jh.) zu 1. littera 'Buchstabe’ (s. auch *aläre (dass.), aus 1. amhuläre (dass.).
ad-). Etymologisch verwandt: s. Allee.
Etymologisch verwandt: s. Letter. Ersatzwort ist Stab¬ Alm /., s. Alp(e).
reim, das allerdings auf das verskonstituierende Auftre¬ Almanach m. 'Kalender, Jahrbuch’. Im 16. Jh.
ten in den altgermanischen Sprachen beschränkt wird. entlehnt aus gleichbedeutend mndl. almanak,
allmählich Adv. Mhd. almechlich zur gleichen dieses aus span, almanaque (dass.), aus ml. *al-
Grundlage wie gemach (s. d.). Vgl. älteres allge¬ manac, * almanach 'astronomisches Tafelwerk,
mach. Jahrbuch’, aus arab. al-manäh das zwar belegt,
Allmende /., arch. Mhd. almende, al- aber etymologisch nicht sicher gedeutet ist.
(ge)meinde, ahd. (ala-)gimeinida, gebildet aus W. Feldmann ZDW 8 (1906/07), 52; R Kunitzsch ADA
94(1983), 109f.
*ala- (s. all) und (Ge)meinde (s. d.) wie in afr.
elmetha. Anord. almenning gehört dagegen zu Almosen n. 'Schenkung an Bedürftige’. Im
dem Wort für 'Mann’. Das Wort bezeichnet Althochdeutschen entlehnt aus gleichbedeutend
wohl von Anfang an die Grundstücke, die der kirchen-1. eleemosyna /., dieses aus gr. eleemo-
Dorfgemeinschaft gehören; im Deutschen dane¬ syne f. 'Mitleid’, einem Nomen qualitatis zu gr.
ben auch die Dorfgemeinschaft selbst. eleemon 'mitleidvoll’, zu gr. eleos m. 'Mitleid’.
Das anlautende /a/ unter Einfluß von spl. *ali-
R. Schmidt-Wiegand: Mark und Allmende (Marburg
1981). mosina /., einer Nebenform, die wohl auf einer
volksetymologischen Vermengung mit 1. alimö-
allo- Präfix. Dient der Präfigierung von Ad¬
nia f. 'Ernährung, Unterhalt’ beruht (vgl. Ali¬
jektiven und Substantiven, wobei dem Grund¬ mente).
wort die Bedeutung 'fremd, anders(artig), ver¬ Lloyd/Springer (1988ff.), I, 142-144.
schieden’ hinzugegeben wird (z. B. Allophon
Almrausch m. 'Alpenrose’, österr. Zu Alm (s.
'Realisationsvariante eines Phonems’ zu Phon).
Alp[e]) und einer Entlehnung aus 1. rüscus /.,
Es wird in griechischen Wörtern ins Deutsche
rüscum n. 'Mäusedorn’.
übernommen und geht auf gr. ällos 'anderer’
H. Marzell JVSA 22 (1957), 44.
zurück.
Aloe/., fachsprachl. Im Mittelhochdeutschen
Allod n., arch., fachsprachl. Germanisches
(mhd. älöe n.), entlehnt aus gleichbedeutend 1.
Rechtswort, das im 19. Jh. als Terminus der
aloe, dieses aus gr. alöe (dass.), das zu einem
Rechtsgeschichte aufgenommen worden ist. Es kulturellen Wanderwort des vorderen Orients
bedeutet ursprünglich 'freies, uneingeschränk¬ gehört.
tes Vermögen’ (mit zahlreichen Veränderungen, Lloyd/Springer (1988ff.), I, 167f.
die der Entwicklung der Rechtsvorstellungen
Alp(e) /. 'Bergweide’, reg. Mhd. albe, ahd.
folgen) und ist bezeugt in latinisierter Form in
alba neben Alm (das aus einer Assimilierung
frk. alodis, alodus, später al(l)odium und in
des blp an das n eines «-Stammes kommt, be¬
westgotischen Urkunden als alaudes. Vermut¬
zeugt seit dem 15. Jh.). Geht offenbar zurück
lich gebildet aus *alla- (s. all) und g. *auda-
auf ein vorindogermanisches Wort, zu dem
'Besitz’ in anord. auör, ae. ead, as. öd, ahd. öt.
auch der Name der Alpen (sowie Alb und All¬
Tiefenbach (1973), 97-100; Lloyd/Springer (1988ff.), gäu) gehört. Als seine Bedeutung wird 'Berg’
I, 165-167.
vermutet, wobei in der späteren Geschichte ein
Allotria n./Pl. 'Unfug’, sonder sprach]. Im 17. Anschluß an 1. albus 'weiß’ eine Rolle gespielt
Jh. entlehnt aus gr. allötria PI. 'nicht zur Sache haben mag.
gehörige Dinge’, einem Abstraktum zu gr. allö- J. U. Hubschmied in: FS Gauchat (1926), 438; V. Ber-
trios 'fremd, nicht zur Sache gehörig’ (s. allo-). toldi ZRPh 56(1926), 183; Hoops (1973ff.), I,
S. allo-, Hallodri. - W. Feldmann ZDW 8 (1906/07), 181-189; Lloyd/Springer (1988ff.), I, 155-157.
52. Alpdrücken «., s. Alb.
Alltag m. 'Werktag’, nordd., md. Bezeugt seit Alphabet n. (= geordnete Folge von Buchsta¬
dem 19. Jh. wohl herausgelöst aus den Zusam¬ ben oder Symbolen). Im Spätmittelhochdeut-
Alptraum 22 Alter

sehen entlehnt aus gleichbedeutend kirchen-1. len übernehmen konnten, von Frauen gesungen
alphabetum, dieses aus gr. alphäbetos m./f. wurde — für Frauen ist die Stimmlage aller¬
(dass.), aus gr. älpha und gr. beta, den Namen dings 'tief’.
der beiden ersten Buchstaben, die von den Grie¬ Etymologisch verwandt: s. Alimente.
chen mit dem Alphabet über phönizische Ver¬ alt Adj. Mhd. ahd. alt, as. ald aus wg. *alda-,
mittlung aus einer semitischen (vgl. hebr. aleph auch in ae. eald, afr. ald; im Nordgermanischen
und hebr. beth) Sprache übernommen worden nur Komparativ ellri und Superlativ ellztr (Posi¬
waren. Es handelt sich demnach um eine Pars- tiv gamall), im Gotischen y-Stamm alpeis in
pro-toto-Bezeichnung. gleicher Bedeutung (aber krim-gt. alt); vermut¬
S. auch Abc. lich to-Partizip zu g. *al-a- 'wachsen, nähren’
Alptraum m., s. Alb. in gt. alan 'aufwachsen’, anord. ala, ae. alan
Alraun m., Alraune /., fachsprachl. Mhd. al- 'nähren, aufziehen’, aus ig. *al- 'nähren’ in 1.
rüne, ahd. alrün(a). Dieses Wort wurde benützt, alere, air. ailid und Ableitungen in anderen
um den Pflanzennamen 1. mandragora m. wie¬ Sprachen. Die Ausgangsbedeutung ist also 'ge¬
derzugeben. Dieser steht für ein Nachtschatten¬ wachsen, erwachsen’; eine parallele Entwick¬
gewächs, dessen Wurzel nach hebräischem und lung liegt bei 1. altus 'hoch’, 1. adultus 'erwach¬
orientalischem Vorbild allerhand Zauberkräfte sen’ vor.
(Reichtum, Liebeszauber) zugeschrieben wur¬ Nndl. oud, ne. old. S. Alimente ( + ), Alter, Eltern, Oboe,
Oldie, uralt, Welt (-!-). — Lloyd/Springer (1988fF.), I,
den. Im Norden, wo die Mandragoragewächse
171-173.
nicht gedeihen, wurde die Pflanze mit ähnlichen
einheimischen Pflanzen (vor allem der Zaun¬ Altan m., auch •/. 'Söller, Balkon’, fach¬
rübe) identifiziert; die zugehörigen abergläubi¬ sprachl., siidd., Betonung auf beiden Silben
schen Vorstellungen sind wohl alle nicht-germa¬ möglich. Im 15. Jh. entlehnt aus gleichbedeu¬
nischen Ursprungs. Das Wort selbst wird mit tend it. altana (wörtlich: 'ein hoher, vorstehen¬
dem Frauennamen ahd. Al(b)rün, ae. Aelfrün, der Teil eines Hauses’), zu it. alto 'hoch’, aus 1.
altus (dass.).
anord. Alf'run in Verbindung gebracht, der im
Vorderglied das Wort Alb (s. d.), im Hinterglied Etymologisch verwandt: s. Alimente. — E. Öhmann
NPhM 43 (1942), 27; M. Wis (1955), 91.
ein Namenelement, das mit raunen zu tun hat,
enthält. Von der Sache her denkbar, aber ganz Altar m. (früher selten auch n.). Mhd. altcere,
unsicher. altäre, älter, ahd. altäri ist im 8. Jh. entlehnt
Hoops (1973ff.), I, 198; Lloyd/Springer (1988ff.), I, aus 1. altäre (im Rückgriff darauf auch die neu¬
168-170. hochdeutsche Betonung). Das lateinische Wort
(älter altäria n.) wurde als 'erhöhter Aufsatz’
als1 Konj. Mhd. als, alse, also 'ebenso’; das
(zu 1. altus 'hoch’, s. Alimente [ + ]) verstanden,
Wort ist demnach aus also (s. d.) abgeschwächt,
doch ist die ursprüngliche Bedeutung wohl
wie ne. as, nndl. als.
'Brandaltar’ (zu 1. adolere 'verbrennen’).
als2 Adv. 'immer wieder (u. ä.)’, wd., md. Ab¬ Hoops (1973ff.), I, 200-203; Lloyd/Springer (1988ff.),
geschwächt aus mhd. allez, Neutrum des Adjek¬ I, 174-176.
tivs all (s. d.).
altbacken Adj. (PPrät.). Ursprünglich für
Alsem m. 'Wermut’, wmd. Mndl. alsene, ahd. nicht mehr frisches Brot gebraucht (bezeugt seit
alahsan ist entlehnt aus ml. aloxinum n.; dieses dem 16. Jh.) und offenbar im Gegensatz zu
aus gr. alöe ox'mes f. 'bittere Aloe’. mhd. niubachen 'frisch gebacken’ gebildet.
Lloyd/Springer (1988ff.), I, 139-141. S. backen ( + ).
also Adv. Mhd. also, ahd. also, wie ae. ealswä Alter n. Mhd. alter, ahd. altar, as. aldar aus
aus all (s. d.) und so (s. d.) zusammengesetzt, g. *aldra- n. (im Nordischen m., gotisch unbe¬
damit 'ganz so’. stimmt) 'Lebensalter’, auch in anord. aldr m.,
S. all, als', so (+). - G. Wolfrum BGDSL-H ae. ealdor, afr. alder; gotisch nur in fram-aldrs
80(1958), 33-110. 'bejahrt’; vermutlich tro-Bildung zu g. *al-a-
Alsterwasser n. 'Mischgetränk aus Bier und 'wachsen, nähren’, parallel zu *alda- 'alt’ (s. d.).
Limonade’, nordd. Scherzhafte Übertragung Außergermanisch vergleicht sich wohl air. alt-
nach der Farbe (des Hamburger Binnengewäs¬ ram(m) 'Ernährung, Erziehung’. Die Bedeu¬
sers). tungsentwicklung geht also offenbar von 'Her¬
anwachsen, Altersstufen des Unmündigen’ zu
Vgl. Radler. — J. Eichhoff in: FS Martin (1980),
159-163. den Altersstufen des Menschen allgemein, und
dann, in neuerer Zeit, zu 'hohes Alter’ (im Ge¬
Alt m., fachsprachl. Im 16. Jh. entlehnt aus
gensatz zu 'Jugend’).
it. alto (aus 1. vöx alta f. 'hohe Stimme’). So wird
Nndl. ouderdom, nschw. älder, nisl. aldur. S. alt ( + ). —
zunächst eine hohe Männerstimme bezeichnet, Hoops (1973ff.), I, 204f. unter Alte, 211-213; Lloyd/
deren Rolle später, als auch Frauen Solistenrol¬ Springer (1988ff.), I, 173f.
Alternation 23 Amaryllis

Alternation /., s. Alternative. garn u. ä. genannt. Es scheint, daß diese Ge¬


alternieren swV., s. Alternative. webe ursprünglich Sommer, fliegender Sommer
u. ä. genannt wurden, und daß dies ein anderes
Altermutter/., Altervater m., s. Eltervater.
Wort ist als das für die Bezeichnung der Jahres¬
Alternative/. 'andere Möglichkeit5. Im 17. Jh.
zeit (vgl. das schon im 14. Jh. bezeugte me.
entlehnt aus gleichbedeutend frz. alternative,
gossamer gleicher Bedeutung, das etymologisch
zu frz. alterne 'wechselnd, wechselweise’, aus 1.
unklar ist). Die Erweiterung zu Altweibersom¬
alternus (dass.), zu 1. alter 'der andere’.
mer (seit dem 19. Jh.) vielleicht wegen des zeit¬
Morphologisch zugehörig: alternieren; etymologisch lichen Auftretens der Fäden. Die norddeutschen
verwandt: alias, Alibi, Altruismus, subaltern.
Bezeichnungen Mettken oder Mettkensommer
altfränkisch Adj., arch. Seit dem 14. Jh. für (verhochdeutscht Mädchensommer) gehören
'althergebracht, tüchtig, echt’ (= in der Art der wohl zu Made und beziehen sich am ehesten
alten Franken); schon früh aber auch 'veraltet, auf das Gespinst der Schmetterlingspuppen und
unzeitgemäß’. Seidenwürmer.
G. Lüdtke/A. Götze ZDW 7 (1905/06), 15-27; J. Zur Bedeutung 2): A. Lehmann: Altweibersommer
Dünninger in: FS Schröder (1959), 155—162. (Diss. Berlin 1911).
altklug Adj. Bezeugt seit dem 18. Jh. Ur¬ Aluminium n. (= ein Leichtmetall), fach-
sprüngliche Bedeutung: 'durch Alter (und Er¬ sprachl. Neubildung des 19. Jhs. zu 1. alümen
fahrung) klug’. Heute nur noch in der ursprüng¬ (-minis) 'Alaun5; so benannt wegen des Vor¬
lich ironischen Verwendung, wenn es von jun¬ kommens in Alaunerde. Der Entdecker des Ma¬
gen Leuten, hauptsächlich Kindern, gesagt terials nannte es zuerst Alumium (nach Silicium
wird. usw.), später Aluminum. 1812 wurde Aluminium
Altruismus m. 'selbstlose Denkungsweise’, vorgeschlagen, weil dies dem Lateinischen eher
sondersprachl. Entlehnt aus gleichbedeutend gemäß sei. Die Form setzte sich dann durch,
frz. altruisme, einer Ableitung von frz. autrui wohl unterstützt von Magnesium u. ä.
'der andere’ aus 1. alter (dass.). Etymologisch verwandt: Alaun. — Löschen (1968),
Etymologisch verwandt: s. Alternative. 172.
altvaterisch Adj. 'altmodisch’, arch. Bezeugt Amalgam n. (= eine Quecksilberlegierung),
seit dem 16. Jh. Zu Altvater 'Vorfahr, Patriarch’ fachsprachl. Im Frühneuhochdeutschen ent¬
(mhd. altvater, ahd. altfater, as. aldfadar bedeu¬ lehnt aus ml. amalgama, das in der Bedeutung
ten in erster Linie 'Patriarch’; afr. ald(a)feder, 'Erweichungsmittel, linderndes Pflaster’ auf gr.
ae. ealdfader 'Vorfahr5; anord. alda-faöir ist ein mälagma (dass.), zu gr. malässein 'weich ma¬
Beiname Odins). chen’, (gr. malakös 'weich5) zurückgeht. Die
Altvorder(e)n PL 'Vorfahren5, arch. Mhd. alt¬ Bedeutung 'Legierung’ scheint aus arab. al-mal-
vorder, ahd. altfordoro m., gebildet aus alt und gam 'Quecksilberlegierung5 zu stammen, doch
vorder (s. d.) im Sinne von 'früher5. sind die Einzelheiten dieser Beeinflussung un¬
Kuhberg (1933), 35f. klar.
Altweibersommer m., sonder sprachl. Das Lüschen (1968), 172.
Wort hat drei Bedeutungen, deren Benennungs¬ Amarant m. 'Gartenfuchsschwanz5, fach¬
motiv und deren Verhältnis zueinander unklar sprachl. Im 16. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend
sind: 1) Am schlechtesten bezeugt, aber viel¬ 1. amarantus, dieses aus ntl.-gr. amärantos
leicht Vorbild für die beiden anderen ist 'zweite (dass., wörtlich: 'Unvergängliche5), zu gr. ama-
Jugend bei Frauen5 (fast nur mundartlich, sel¬ räntinos 'unvergänglich, nicht verwelkend’, zu
ten literarisch seit dem 19. Jh.); als 'unzeitig5 gr. marainein 'hinschwinden, auslöschen’ (s.
und 'nur kurze Zeit dauernd5 aufgefaßt, wie auch a-1). So benannt nach der Dauer der
etwa auch das mundartlich verbreitete Wort Blüte.
Altweibertänze zeigt. Beim Mann spricht man Amarelle/. 'Weinkirsche’, fachsprachl. Im 14.
vom Johannistrieb mit ganz anderen Konno- Jh. entlehnt aus gleichbedeutend ml. *amarel-
tationen. 2) 'Nachsommer, sommerliche Zeit im lum n., einer Substantivierung von ml. *amarel-
Herbst’, so seit dem 17. Jh.; auch St. Michaels¬ lus 'weinsäuerlich, bitter5, aus 1. amärus 'bitter’.
sommer (29. September), St. Martinssommer
So bezeichnet als eine 'Sauerkirsche5.
(11. November), Allerheiligensommer (1. No¬
Amaryllis /. (= eine Zierpflanze mit großen,
vember) u. ä. benannt. In der älteren Sprache
trichterförmigen Blüten), fachsprachl. Im 19.
auch Witwensommer, mundartlich (bair.)
Ähndlsommer. Vielleicht metaphorisch übertra¬ Jh. wurde auf die exotische Pflanze der Name
Amaryllis übertragen (eigentlich der Name einer
gen aus 1), da 'nachzeitig’ und 'nur kurz dau¬
Hirtin in Vergils Eklogen). Vielleicht hat dabei
ernd’. 3) 'Im Herbst (und Frühjahr) in der Luft
herumfliegende Spinngewebe’, auch Marien¬ der Anklang an gr. amaryssein 'funkeln’ eine
Amateur 24 amen

Rolle gespielt. Nähere Einzelheiten sind nicht nächst das wahltaktische Verhalten, zu den
bekannt. Wählern zu gehen und persönlich um Stimmen
Amateur m. 'Nichtfachmann, Nichtprofessio¬ zu werben, dann übertragen auf den Grund
neller’. Im 18. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend dieses Verhaltens; das Streben nach Macht usw.
frz. amateur, dieses aus 1. amätor (dass.), einem Morphologisch zugehörig: ambitioniert, ambitiös-, ety¬
Nomen agentis zu 1. amäre 'lieben, etwas gern mologisch verwandt: s. Abitur. - W. Feldmann ZDW
tun Zunächst in der Bedeutung 'Kunstliebha¬ 8 (1906/07), 52; W. J. Jones SN 51 (1979), 248.
ber' verwendet, dann 'wer etwas nicht zum ambivalent Adj. 'zweiwertig, zwiespältig’,
Gelderwerb, sondern zur Freizeitgestaltung fachspracht Neubildung des 20. Jhs. zu 1. valens
tut’; dabei immer auch etwas die Nebenbedeu¬ (-entis) 'mächtig, stark’ (s. auch ambi-), in Ana¬
tung des Dilettantischen. logie bzw. Abgrenzung zu äquivalent. Zunächst
Morphologisch zugehörig: Amant. ein Wort der Psychologie, das die zugleich nega¬
Amazone /. 'kriegerische Frau, Reiterin, tive und positive Bewertung einer Person oder
Mannweib’, sonder spracht Im Mittelhochdeut¬ Sache bezeichnet.
schen entlehnt aus gleichbedeutend 1. Amäzön, Morphologisch zugehörig: Ambivalenz-, etymologisch
dieses aus gr. Amäzön (dass.), dessen Etymolo¬ verwandt: äquivalent, evaluieren (usw.), Invalide, Re¬
konvaleszent (usw.), Valenz, Valuta-, zum Etymon s.
gie nicht sicher geklärt ist. Der Name ist über¬
walten.
nommen aus der griechischen Sage, die von
einem matriarchalisch geführten Volk mit krie¬ Amboß m. Mhd. aneböz, ahd. anaböz, mndd.
gerischen Reiterinnen erzählt. Volksetymologi¬ aneböt m./n. ist gebildet aus an und der Ablei¬
sche Deutungen sehen in dem Wort gerne ein tung eines Verbs für 'schlagen’ g. *baut-a- stV.
gr. (poet.) mazös 'Brust’ (s. auch a-1) und erklä¬ in anord. bauta, ae. beatan, ahd. bözen swV,
ren das Benennungsmotiv aus der angeblichen also eigentlich 'Anschlag; Stelle an der geschla¬
Tatsache, daß sich diese Frauen eine Brust am¬ gen wird’. Möglicherweise ist das Wort eine
putierten, um den Bogen besser spannen zu Lehnübersetzung von 1. ineüs 'Amboß’ (aus 1.
können. in und einer Ableitung von 1. cüdere 'schlagen’).
amb- Präfix, s. ambi-, Parallel gebildet sind nndl. aambeeld (mndl.
anebelte), ne. anvil (ae. anfilt, ahd. anafalz).
Amber m., Ambra m. (= ein Duftstoff), fach-
S. Boße. - Hoops (1973ff.), I, 249-252; Lloyd/Sprin¬
sprachl. Im 13. Jh. über frz. ambre, später auch ger (1988ff.), I, 218f., 224f.
über it. ambra f. aus arab. canbar gleicher Be¬
deutung entlehnt. Ambrosia f. Götternahrung’, sondersprachl.
Im Neuhochdeutschen entlehnt aus gleichbe¬
ambi- Präfix. Dient der Präfigierung von Ver¬ deutend 1. ambrosia, dieses aus gr. ambrosia
ben, wobei dem Grundwort die Bedeutung
(dass.; wörtlich: 'Unsterblichkeit’), einem Ab¬
'herum, um, von verschiedenen Seiten her’ hin¬
straktum zu gr. ämbrotos 'unsterblich’, zu gr.
zugegeben wird (z. B. ambivalent „mehrwer¬
brotös sterblich (s. auch a-1). Nach der griechi¬
tig”). Es wird in lateinischen Wörtern ins Deut¬
schen Mythologie die Nahrung der Unsterblich¬
sche übernommen und geht auf funktional ent¬
keit, die den Göttern Vorbehalten war. Dann
sprechendes 1. amb(i) zurück.
auch Bedeutungserweiterung auf besonders
Zum Etymon s. bei.
wohlschmeckende Nahrung: „Götterspeise”.
Ambiente n. 'Umgebung, Atmosphäre’, son- Zum Etymon s. Mqrd.
derspracht Im 20. Jh. entlehnt aus gleichbedeu¬
ambulant Adj. 'nicht stationär, wandernd’.
tend it. ambiente, dieses aus 1. ambiens (-entis),
Im 18. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend frz.
dem PPräs. von 1. ambire 'herumgehen’ (vgl.
ambulant, dieses aus 1. ambuläre herumgehen’.
Ambition).
Die Ambulanz war ursprünglich ein bewegliches
Etymologisch verwandt: s. Abitur. Feldlazarett.
ambig Adj. 'mehrdeutig’, fachspracht Im Etymologisch verwandt: s. Allee. - W. Feldmann
Neuhochdeutschen entlehnt aus gleichbedeu¬ ZDW 8 (1906/07), 52; Schirmer (1911), 10.
tend 1. ambiguus, zu 1. ambigere 'uneins sein,
Ameise /. Mhd. ämeize, ahd. ämeiza aus wg.
schwanken , zu 1. agere (äctum) 'tun, verfahren’
*ä-maitjön f. 'Ameise’, auch in ae. atmete; No¬
(s. auch ambi-).
men agentis aus *ä ab, weg’ (s. Ohnmacht) und
Morphologisch zugehörig: Ambiguität; etymologisch *mait-a- 'schneiden’ (s. Meißel1), also 'Ab¬
verwandt: s. Agenda.
schneiderin (mindestens sekundär so gedeutet),
Ambition/. 'Ehrgeiz’, sondersprachl. Im Neu¬ weil das Tier Blatt-Teile abschneidet.
hochdeutschen entlehnt aus gleichbedeutend Ne. ant. — Th. Schumacher DWEB 2(1963),
frz. ambition, dieses aus 1. ambitio (-önis) (dass.; 301-316; Lloyd/Springer (1988ff.), I, 203-205.
wörtlich: das Herumgehen’), zu 1. ambire 'her¬
amen Part. (= Schlußwort beim Gebet). Im
umgehen’, zu 1. Ire 'gehen’ (s. auch ambi-). Zu¬
Mittelhochdeutschen entlehnt aus gleichbedeu-
-ament 25 Amok

tend 1. amen, dieses aus gr. amen (dass.), aus ahd. amerlinc mit Verdeutlichung des Suffixes
hebr. ~ämen (dass.), zu hebr. äman 'stärken, -zo.
bekräftigen’. Ein Wort der Bekräftigung: 'so Ne. yellow-hammer. S. Emmer. — Suolahti (1909),
soll es sein!’. 101-104; D.v. Kralik GGA 176(1914), 135; Lloyd/
Lokotsch (1975), 6. Springer (1988ff.), I, 192-194.
Ammern PI. 'Funkenasche’, west-nordd.
-ament Suffix. Dient der deverbativen Ablei¬
Mhd. eimere, ahd. eimuria aus g. *aimuzjön f.
tung von Substantiven, die u. a. Vorgänge, Tä¬
'(Funken)Asche’, auch in anord. eimyrja, ae.
tigkeiten und das Ergebnis von Tätigkeiten be¬
ämyrgan. Dieses ist ein Kompositum aus *aima-
zeichnen (z. B. Fundament, Abonnement, Ar¬
in anord. eimr m. 'Rauch’ und *uzjön /., auch
rangement, Postament). Es wurde in romani¬
in anord. ysja f. 'Feuer’, mit anderem Suffix
schen Entlehnungen ins Deutsche übernom¬
ahd. usil-, ae. ysel, anord. usli m. '(glühende)
men; sein Ursprung ist 1. -mentum (dass.). — In
Asche, Funken’ (zu ig. *eus- 'brennen’, etwa
einigen Wörtern lautet die Form -ement oder in 1. ürere 'brennen’); also etwa 'Rauch-Asche,
-ment. Rauch-Glut’.
Amethyst m. (= ein Halbedelstein), fach- Ne. ember, schw. dial. eldmörja. — Kluge ZVS
sprachl. Im Mittelhochdeutschen (mhd. ame- 26(1883), 84.
tiste, amatist) entlehnt aus gleichbedeutend Ammoniak n./(m.) (= eine gasförmige Ver¬
afrz. amethyste, dieses aus 1. amethystus f. bindung von Stickstoff und Wasserstoff), fach¬
(dass.), aus gr. amethystos f. (dass.), zu gr. ame- sprachl. Neubildung des 17. Jhs. zu gleichbedeu¬
thystos 'dem Rausch entgegenwirkend’, zu gr. tend 1. säl ammöniacum m./n. (wörtlich: 'Am-
methyein 'trunken sein, betört sein’ (s. auch monisches Salz’), so bezeichnet nach der Am¬
a-2), zu gr. methy n. 'Wein, berauschendes Ge¬ monsoase in Ägypten, einem bedeutenden
tränk’. So benannt, da man dem Stein die Ei¬ Fundort dieses Salzes.
genschaft zusprach, Trunkenheit zu verhindern. Morphologisch zugehörig: Ammonium.
Vielleicht beruht dieser Glaube aber auf einer Ammonshorn n. 'Versteinerung eines Kopf-
Volksetymologie und der Name ist fremder füßlers’, fachsprachl. Übersetzung des 18. Jhs.
Herkunft. aus der seit Plinius bezeugten Bezeichnung 1.
Zum Etymon s. Met. ammönis cornüa 'Hörner Ammons’ (nach dem
ägyptischen Gott, der unter anderem in der
Amiant m. 'weißer Asbest’, fachsprachl. Ent¬
Gestalt eines Widders verehrt wurde).
lehnt aus gleichbedeutend 1. amiantus, dieses
Löschen (1968), 173.
aus ntl.-gr. anüantos 'unbefleckt, rein’ (s. auch
Amnestie /. 'Begnadigung’, fachsprachl. Im
a-1), zu gr. miainein 'beflecken, besudeln, fär¬
Frühneuhochdeutschen (16. Jh.) entlehnt aus 1.
ben’. So benannt nach der weißen Farbe.
amnestia 'Vergebung, Vergessen’, dieses aus gr.
Ammann m. 'Gemeindevorsteher’, schwz. Seit amnestiä, einem Abstraktum zu gr. ämnestos
mittelhochdeutscher Zeit bezeugte Variante von 'ohne Erinnerung’, zu gr. mimniskein '(sich)
Amtmann. erinnern’ (mit sekundär nach anderen Verbal¬
Amme /. Mhd. amme, ahd. amma, mndl. formen eingeschobenem -s-) (s. auch a-2). Der
amme gehört zu einem weiter verbreiteten Lall¬ Straferlaß wird begrifflich also gefaßt als ein
Sich-nicht-(mehr-)Erinnem an die Straftat.
wort der Kindersprache, das z. B. auch in
Früheste Schreibform im Deutschen ist amni-
anord. amma Großmutter und ai. amba Mut¬
stia, entsprechend der damaligen Aussprache
ter’ erscheint.
des gr. e.
S. Hebamme. - Lloyd/Springer (1988ff.), I, 205f.
Etymologisch verwandt: s. Automat. — W. Feldmann
Ammer /. (= eine Vogelart), fachsprachl. ZDW 8 (1906/07), 52.
Mhd. amer, ahd. amaro, as. amer geht wie ae. Amöbe /. 'Einzeller, Wechseltierchen’, fach¬
amore auf die Getreidebezeichnung ahd. amaro, sprachl. Neogriechische Bildung zu gr. amoibe
amari 'Emmer, Dinkel’ (eine in Südwest¬ 'Veränderung, Wechsel’, einer Ableitung von gr.
deutschland und der Schweiz häufiger, heute ameibein 'wechseln’. So benannt, da die Einzel¬
aber fast nicht mehr angebaute Weizenart) zu¬ ler ihr Aussehen wegen der Fließbewegungen
rück; vermutlich ist die Vogelbezeichnung des¬ des Plasmas ständig verändern.
halb gekürzt aus *amaro-fogal 'Emmer-Vogel Etymologisch verwandt: 1. migräre 'wandeln’; im Deut¬
(benannt nach der bevorzugten Nahrung, wie schen: emigrieren (usw.), immigrieren; zum Etymon s.
Meineid.
Distelfink und Hänfling). Seit dem 13. Jh. nach
der Farbe des Vogels verdeutlicht zu Goldam¬ Amok m., besonders in Amok laufen 'blind¬
mer. Die regionale Form Emmeritz geht auf die wütend herumrennen und Leute ermorden .
ahd. Koseform amirzo zurück; Emmerling auf Malayisches Wort und malayischer Brauch: Aus
amortisieren 26 Amt

Rach- oder Ruhmsucht sich in Opiumrausch sprachl. Entlehnt aus 1. amphora (dass.), dieses
versetzen und dann mit dem Kris (Dolch) jeden aus gr. amphoreüs m., älter amphiphoreüs m.
Beliebigen anzufallen. Der so Besessene ruft 'Vorratsgefäß mit beidseitigen Henkeln’, zu gr.
Amock. Aus Reisebeschreibungen bekannt seit pherein 'tragen’ (s. auch amphi-).
dem 17. Jh. Im 20. Jh. auf europäische Verhält¬
Etymologisch verwandt: Ampel, Ampulle, Bergfried,
nisse übertragen. Eimer, Euphorie, Metapher, Peripherie, Phosphor,
Littmann (1924), 128; Lokotsch (1975), 7. Pulle-, zum Etymon s. gebären. — Lloyd/Springer
amortisieren swV. 'tilgen , fachsprachl. Im 18. (1988ff.), I, 210-212.
Jh. entlehnt aus frz. amortir 'abtöten, abtragen’, Amplitude/. 'Schwingungsweite’, fachsprachl.
dieses aus spl. *ad-mortire 'töten’, zu 1. mortuus Entlehnt aus 1. amplitüdo (-dinis) 'Größe,
tot’, zu 1. mon 'sterben’. Zunächst übernom¬ Weite, Erhabenheit’, einer Ableitung von 1. am-
men im Sinne von 'für nichtig erklären’. So plus 'umfangreich, geräumig, groß’. Ausdruck
bezeichnet, da es sich um das schrittweise Ab¬ der Wellenlehre.
tragen („Abtöten”) von Schulden handelt.
Ampulle /. 'Glasröhrchen’, fachsprachl. Im
Etymologisch verwandt: morbid, zum Etymon s. Mord.
- Schirmer (1911), 10f.; Brunt (1983), 128. 19. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend 1. ampulla,
einem Diminutivum zu 1. amphora 'krugförmi¬
Ampel /. Mhd. ampel, ahd. ampulla ist ent¬
ges Gefäß’ (Zwischenstufe *am-por-la), dieses
lehnt aus 1. ampulla 'kleine Flasche’ (als *am-
por-la zu I. amphora 'zweihenkliger Krug’). Mit aus gr. amphoreüs m., älter amphiphoreüs m.
dem deutschen Wort wurde im Mittelalter das 'Vorratsgefäß mit beidseitigen Henkeln’, zu gr.
ewige Licht’ in der Kirche bezeichnet, in spät¬ pherein 'tragen’ (s. auch amphi-). Das ursprüng¬
mittelhochdeutscher Zeit im Oberdeutschen liche Benennungsmotiv 'etwas, das an beiden
auch Bezeichnung für andere Hängeleuchten. Seiten getragen werden kann’ verliert sich bei
In neuerer Zeit von Lampe zurückgedrängt, der Diminuierung — das sehr viel geringere
aber im Sinn von 'Verkehrsampel’ neu belebt. Gewicht macht die (doppelten) Henkel ja über¬
Die frühen Verkehrsampeln waren über der flüssig.
Kreuzung aufgehängt. Morphologisch zugehörig: Pulle-, etymologisch ver¬
Etymologisch verwandt: s. Ampulle. - Kuhberg wandt: s. Amphore. - Lloyd/Springer (1988EF.), I
(1933), 36; Lloyd/Springer (1988ff.), I, 209f. 210-212.
Ampfer m., fachsprachl. Mhd. ampfer, ahd. amputieren swV. 'operativ abnehmen’, fach¬
ampfaro (auch ampfara/.) bedeutet wie ae. am- sprachl. Im 18. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend
pre der Saure’ zu dem nur noch in Relikten 1. amputäre, zu 1. putäre 'schneiden, reinigen
belegten g. Adjektiv *am(p)ra- 'sauer’ (vor (u. a.)’ (s. auch ambi-).
allem von pflanzlicher Säure) in nord. apr
Morphologisch zugehörig: Amputation-, etymologisch
scharf, kalt und älterem nndl. amper 'scharf, verwandt: Computer, Deputat (usw.), Diskont, Disput
sauer’; dieses aus ig. *am(p)ro- 'sauer, bitter’ (usw.), Konto, Kontor, Reputation.
in ai. ambla- 'sauer’ und 1. amärus 'bitter’.
Amsel f. Mhd. amsei, ahd. amsla führt wie
Lloyd/Springer (1988ff.), I, 207-209.
ae. ösle auf ein wg. *amslön. Weitere Herkunft
amphi- Präfix. Dient der Präfigierung von
unklar. Lautähnlich (*mes neben *ames) ist 1.
Adjektiven und Substantiven, wobei dem
merula. Vielleicht auch kymr. mwyalch(en),
Grundwort die Bedeutung 'um ... herum’ (z. B.
falls aus *mesalkä.
Amphitheater) oder 'zweifach’ (z. B. Amphibie)
Ne. ouzel. - Suolahti (1909), 54f.; E. Hamp IF
beigegeben wird. Es wird bei griechischen Wör¬
87 (1982), 77-79; Lloyd/Springer (1988fT.), I, 212f.
tern ins Deutsche übernommen und geht auf
funktional entsprechendes gr. amphi zurück. Amt n. Mhd. ambahte, ahd. ambahti, as. am-
Zum Etymon s. bei. baht vereinigt sich mit gt. andbahti (sekundäre
Amphibie /. 'Tier, das sowohl im Wasser als Angleichung an die Vorsilbe and-), anord. em-
auch aul dem Land lebt’, fachsprachl. Im 16. batti und ae. ambiht unter einem g. *ambahtja-
Jh. zunächst in fremder Form (amphibion n.) n. Dienst, Amt, das neben g. *ambahtjön (und
entlehnt aus gleichbedeutend 1. amphibion n., *ambahta-) m. Diener, Gefolgsmann’ steht.
dieses aus gr. amphibion n. (dass., wörtlich: 'et¬ Dieses ist früh entlehnt aus kelt. ambactos 'Hö¬
was Zweilebiges’), zu gr. amphibios 'zweilebig’, riger, Diener’ (aus *ambi 'herum’ und dem to-
zu gr. bios m. Leben’ (s. auch amphi-). Partizip eines mit 1. agere fäctumj 'treiben,
Etymologisch verwandt: Antibiotikum, bio-, Biogra¬ handeln usw.’ vergleichbaren Verbs, erhalten
phie, Biologie, Hygiene, Mikrobe, Symbiose, Zoologie vielleicht in kymr. amaeth 'Landmann, Bauer’).
(usw.); zum Etymon s. keck.
Der Diener, Hörige ist also bezeichnet als 'Be¬
Amphore/. (= ein in der Antike verwendetes, gleiter, Gefolgsmann’ (derjenige, der sich bei
bauchiges Gefäß mit zwei Henkeln), fach¬ seinem Herrn aufhält). Das Wort gehört mit
Amtsschimmel 27 Analyse

Reich (s. d.) zusammen zu den wichtigsten frü¬ tern ins Deutsche übernommen, mitunter über
hen Entlehnungen aus dem Keltischen. lateinische und romanische Vermittlung, und
S. Beamter. — M. Gottschald ZD 46(1932), 732f.; geht auf funktional entsprechendes gr. anä zu¬
Hoops (1973ff.), I, 257-268; Obst (1983), 197-205; rück.
Lloyd/Springer (1988fT.), I, 195f. Zum Etymon s. an.
Amtsschimmel m. Seit dem 19. Jh. für 'Büro¬ Anachronismus m. 'veraltete Sache, zeitlich
kratie, Amtssprache’, zunächst in Österreich. falsche Einordnung’, sondersprachl. Entlehnt
Etwas älter in der Schweiz den Amtsschimmel aus gleichbedeutend frz. anachronisme, dieses
reiten im Sinn von 'sich die staatlichen Einrich¬ aus ml. *anachronismus (dass.), zu gr. chronis-
tungen zunutze machen’. Vielleicht ist die jün¬ mös 'das Verweilen, Verbringen von Zeit’, zu
gere Bedeutung aus der älteren entstanden im gr. chronizein 'Zeit verbringen, sich verspäten’,
Sinn von 'auf behördlichen Vorschriften o. ä. zu gr. anä 'hinauf, zurück’ und gr. chronos
herumreiten’ (im Sinn von 'unnötig lange und 'Zeit’.
umständlich darauf beharren’). Das Aufkom¬ Etymologisch verwandt: s. Chronik. — W. Feldmann
men der Redewendung bleibt aber unklar; daß ZDW 8 (1906/07), 52.
die Amtsboten in der Schweiz beritten waren,
Anagramm n. 'Wort, das durch Umstellung
reicht kaum zur Erklärung aus.
der Buchstaben eines anderen Wortes gebildet
A. J. Storfer: Wörter und ihre Schicksale (Berlin, Zü¬
wurde’. Neubildung zu gr. anä 'zurück’ und gr.
rich 1935), 312f.
grämma f. 'Buchstabe’.
Amulett n. '(mit Zauberkräften versehener) Etymologisch verwandt: s. Grammatik.
Anhänger’, sondersprachl. Im 16. Jh. entlehnt
analog Adj. 'gleichartig, im selben Verhältnis
aus gleichbedeutend 1. ämületum, dessen Her¬
stehend’, fachsprachl. Im 18. Jh. entlehnt aus
kunft nicht sicher gedeutet ist.
gleichbedeutend frz. analogue, dieses aus 1. ana-
W. Feldmann ZDW8 (1906/07), 52; G. Schoppe ZDW
logus (dass.), aus gr. anälogos (dass.), hypo-
15(1914), 176.
stasiert aus gr. anä lögon 'einem (mathemati¬
amüsieren swV. 'gut unterhalten, belustigen’. schen) Verhältnis gemäß’, zu gr. lögos 'Maß,
Im 17. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend frz. Vernunft, Berechnung’ (s. auch ana-), einer Ab¬
s’amuser, wohl einer Ableitung von spl. *müsus leitung von gr. legein 'zählen, berechnen (usw.)’.
'Maul, Schnauze’. Man geht davon aus, daß Im Griechischen zunächst ein Terminus der
es zunächst 'starren, Maulaffen feilhalten’ hieß Mathematik — entwickelt in der pythagorei¬
(der offene Mund als Symbol großen Erstau¬ schen Schule —, der die Ähnlichkeit von Ver¬
nens), dann übertragen wurde auf die Belusti¬ hältnissen (z. B. der Proportionen geometri¬
gung beim Anblick von Sensationellem und scher Figuren) bezeichnete. Bald aber auch in
Unterhaltendem. der Sprachphilosophie für die Regularität
Morphologisch zugehörig: amüsant, Amüsement. Er¬ sprachlicher Formen und Paradigmen verwen¬
satzwort ist belustigen. — W. Feldmann ZDW8 (1906/
det; dann Verallgemeinerung.
07), 52; G. Schoppe ZDW 15 (1914), 176; Jones (1976),
Morphologisch zugehörig: Analogie, Analogon', etymo¬
101 f.; Brunt (1983), 129-131.
logisch verwandt: Anthologie, Apologie (usw.), delegie¬
an- Präfix, s. a-1; und ad-. ren (usw.), Dialekt (usw.), Dialektik, Dialog, eklektisch
an Präp./Adv. Als Verbzusatz zur Bezeich¬ (usw.), elegant (usw.), Elite (usw.), Epilog, intelligent
nung der Richtung (anlachen), des Handlungs¬ (usw.), Katalog, Kollege (usw.), Kollektion (usw.), legal
(usw.), Legende (usw.), Legion (usw.), legitim (usw.),
beginns (anbrennen), der Fortdauer des Ergeb¬
-lei, Lektion, Lektor, Lektüre, lesen, Lexikon (usw.),
nisses (anbinden) u. ä. Mhd. ane, ahd. ana, as.
Logarithmus, -löge, -logie, Logik (usw.), loyal (usw.),
an gehört (mit erweitertem Suffix) zu g. *ana, Monolog, Neglige, Nekrolog, Privileg (usw.), Prolog,
auch in gt. ana (ebenfalls erweitert), anord. ä, Selektion (usw.). — W. Feldmann ZDW 8 (1906/07),
ae. afr. on, zu ig. *ana in gr. ana 'auf, an’, avest. 52; E. Leser ZDW 15(1914), 8f.; G. Schoppe ZDW
ana u. a. 15 (1914), 176; D. Fehling: Varro und die grammatische
Nndl. aan, ne. on, nschw. ä, nisl. ä. S. ana-. — Henzen Lehre von der Analogie (Diss. masch. Kiel 1956); H. H.
(1969), 241-268; Lloyd/Springer (1988ff.), I, Christmann in: FS K. Baidinger (Tübingen 1979), 1,
213-215. 102 —115; H. H. Christmann in: Stimmen der Romania,
FS W. T. Eiwert (Wiesbaden 1980), 519-535.
ana- Präfix. Dient der Präfigierung von Sub¬
stantiven und Verben, wobei dem Grundwort Analyse/. 'Zergliederung, Untersuchung’. Im
eine der Bedeutungen 'auf, hinauf' (z. B. Ana¬ 16. Jh. zunächst in fremder Form (analysis)
lyse „Auflösung”), 'entsprechend, gemäß’ (z. B. entlehnt aus gleichbedeutend gr. anälysis, einem
analog „einem bestimmten Verhältnis gemäß”), Nomen actionis zu gr. analyein 'zergliedern,
'zurück, wieder’ (z. B. Anamnese „vom Patien¬ auflösen’, zu gr. lyein 'lösen’ (s. auch ana-). Im
ten erinnerte Krankengeschichte”) hinzugefügt Griechischen zunächst ein Terminus der mathe¬
wird. Es wird vornehmlich in griechischen Wör¬ matischen und philosophischen Methodenlehre
Anämie 28 -and

(z. B. etwas auf die Bestandteile zurückführen, zu gr. aisthänesthai 'empfinden, wahrnehmen’
aus denen es zusammengesetzt ist). In der Neu¬ (s. auch ana-).
zeit dann Ausweitung der Bedeutung auf 'wis¬ Etymologisch verwandt: s. Ästhetik.
senschaftliche Untersuchung’.
Anatomie/ '(Wissenschaft vom) Aufbau des
Morphologisch zugehörig: Analysand, Analysator, Körpers’, fachsprachl. Im 16. Jh. entlehnt aus
Analysis, Analyst, Analytik; etymologisch verwandt: s.
gleichbedeutend spl. anatomia, dieses aus gr.
absolut. - W. Feldmann ZDW 8 (1906/07), 52. Zu
Analytik vgl.: G. Tonelli AB 1 (1962), 120 — 139. anatome (dass.), einem Abstraktum zu gr. ana-
temnein 'aufschneiden, sezieren’, abgeleitet von
Anämie/. 'Blutarmut’, fachsprachl. Entlehnt
gr. temnein 'schneiden, zerteilen’ (s. auch ana-).
aus gleichbedeutend neo-1. anaemia, einer Neu¬
Der Aufbau eines Körpers wird in dieser Be¬
bildung zu gr. änaimos 'blutlos’, zu gr. hdima
zeichnung als Ergebnis des schneidenden Zer-
n. 'Blut’ (s. auch u-1).
gliederns gesehen.
Etymologisch verwandt: Leukämie, Schweiß1.
Morphologisch zugehörig: Anatom, anatomisch', ety¬
Ananas /. (= eine tropische Frucht). Im 16. mologisch verwandt: Atom, Dichotomie, Fliete. — W.
Jh. entlehnt aus gleichbedeutend port. ananäs, Feldmann ZDW 8 (1906/07), 52f.
dieses aus südamerikanischen Indianersprachen anbandeln swV. 'einen Flirt oder einen Streit
(Tupi, Guarani), in denen das Wort wohl anänä, anfangen’, ugs. Seit dem 18. Jh. aus bairisch-
nänä, nanas o. ä. gelautet hat (z. T. mit Differen¬ österreichischen Mundarten übernommen. Aus¬
zierung zwischen der Pflanze und der Frucht). gangsbedeutung: 'anzubinden suchen’. Genaue
Der eigentliche Ursprung des Wortes ist dunkel. Herkunft unklar, vielleicht wie anzetteln ein
Unter den vielen Kontakten dieses Internatio¬ Ausdruck der Webersprache.
nalismus in den europäischen Sprachen dürfte S. binden (+).
sich der Einfluß des Niederländischen auf Ak¬
anbelangen swV, s. belangen.
zentverschiebung und Zuordnung des femini¬
nen Genus im Deutschen mit ausgewirkt haben. anberaumen swV, arch. Lautlich unter dem
Littmann (1924), 146; R. Loewe ZVS 60(1933), Einfluß von Raum umgestaltet (oder regional
167-173; Palmer (1939), 23f.; M. Wis NPhM schwäbisch zu au entwickelt und verallgemei¬
66(1965), 621. nert) aus mhd. rämen 'festsetzen’, mhd. berämen
Anapäst m. (= ein VersfuQ), fachsprachl. Ent¬ festsetzen’, ahd. rämen, as. rämon, rümon
lehnt aus gleichbedeutend 1. anapaestus, dieses 'trachten, streben’. Mit gleichem Lautstand wie
aus gr. anäpaistos (dass.), zu gr. anapaiein 'Zu¬ das Altsächsische (und abweichend vom Deut¬
rückschlagen’, zu gr. paiein 'schlagen’ (s. auch schen) ae. römian 'streben’, wieder anders afr.
ramia 'erziehen’. Dieses gehört offenbar zu
ana-). So bezeichnet als 'umgekehrter Dak¬
tylus’. einer (allerdings schlechter bezeugten) Nomi¬
nalbildung mhd. räm 'Ziel’ zu weur. *re- 'be¬
Anarchie/. 'Gesetzeslosigkeit, Chaos’. Im 18. rechnen, meinen’, vor allem in 1. rert.
Jh. entlehnt aus gleichbedeutend ml. anarchia,
H. Schüwer NJ 104(1981), 87f.
dieses aus gr. anarchia (dass.), einem Abstrak¬
tum zu gr. änarchos 'führerlos, zügellos’, zu gr. anbiedern swV. refl. 'sich plump einschmei¬
archös m. 'Führer’ (s. auch an-), einem Nomen cheln’. Im 18. Jh. als Zusammenbildung ent¬
standen zu dem bereits ironisch gebrauchten
agentis zu gr. ärchein 'führen, herrschen’ (dazu
bieder (s. d.).
gr. arche 'Ursprung, Anfang’). Im Griechischen
zunächst Bezeichnung für das Fehlen eines An¬ Anchovis PL (= eine Sardellenart), fach¬
führers bzw. Heerführers, dann auch — im Zu¬ sprachl. Im 17. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend
sammenhang politischer Staatstheorien — für nndl. ansjovis und ne. anchovy, diese über roma¬
die aus dem Zustand der Herrscherlosigkeit re¬ nische Vermittlung (vgl. port. anchova, span.
sultierenden Ausschreitungen. Seit dem 17. Jh. anchoa, frz. anchois m.) wohl aus dem Baski-
vermehrt Gegenstand neuzeitlichen Nachden¬ schen. Semantisch ist auch ein Anschluß an gr.
kens über die absolute Macht von Herrschern. aphye f kleine Fische’ (etymologisch unklar)
Morphologisch zugehörig: Anarchismus, Anarchist möglich, doch macht die Lautform Schwierig¬
(Neologismus des Frz.); etymologisch verwandt: ar¬ keiten.
chaisch, Archäologie, archi-, Architekt, Archiv (usw.), E. Polome JIES 11 (1983), 49.
Hierarchie, Monarch (usw.), Oligarchie, Patriarch', zum
-and Suffix. Dient der Bildung von Personen-
Etymon s. Erz-. - W. Feldmann ZDW 8 (1906/07)
52. und Sachbezeichnungen, wobei Person bzw. Sa¬
che als jmd. bzw. etwas charakterisiert wird,
Anästhesie/ 'Narkose’, fachsprachl. Entlehnt dem die im zugrundeliegenden Verb ausge¬
aus gr. anaisthesia 'Mangel an Empfindungen, drückte Handlung widerfahren soll (z. B. Habi¬
Unempfindlichkeit (gegenüber Schmerz)’, zu gr. litand „jmd., der habilitiert werden soll”, Multi¬
aisthesis 'Wahrnehmung’, einem Verbalnomen plikand „Zahl, die multipliziert werden soll”).
Andacht 29 Angel

Es wird vornehmlich in lateinischen Wörtern (dass.) mit -o des Stammes bzw. als Fügungsele¬
ins Deutsche übernommen und geht auf lateini¬ ment, zu gr. eidos n. 'Form, Gestalt’.
sche Gerundivformen mit -(a)nd(us) zurück. Etymologisch verwandt: s. androgyn.
Andacht/. Mhd. andäht, ahd. anadäht, mndd. Anekdote /, 'kurze, treffende Erzählung’. Im
andacht, mndl. aendachte ist ein ti-Abstraktum 18. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend frz. anec-
zu denken (s. d.), kombiniert mit an (Präp./Adv., dote, dieses aus gr. anekdota '(wörtlich:) nicht
s. d.); also 'Denken an etwas, Aufmerksamkeit’. an die Öffentlichkeit Gegebenes’, einem Ab¬
Seit dem 12. Jh. eingeengt auf das 'Denken an straktum zu gr. anekdotos 'nicht veröffentlicht’,
Gott’. dem PPrät. zu negiertem gr. ekdidönai 'aus dem
K.-H. Göttert in: FS Tschirch (1972), 151 -169. Haus geben, veröffentlichen, unter die Leute
Andenken n. In der Bedeutung 'Erinnerungs¬ bringen’ (s. auch an-), zu gr. didönai 'geben,
zeichen’ Lehnbedeutung des 18. Jhs. zu frz. schenken’. Die für die Neuzeit entscheidende
souvenir m. Die ältere Bedeutung 'Erinnerung’ begriffliche Prägung basiert auf der Verwen¬
mit der Variante Angedenken noch in der heute dung des griechischen Wortes als Titel einer
meist ironisch gebrauchten Formel seligen An¬ Sammlung unveröffentlichter, „intimer” Bege¬
gedenkens. benheiten, die der byzantinische Geschichts¬
schreiber Prokop zusammengestellt hatte. Die
ander Adj. Mhd. ander, ahd. ander, as. ööar
Interpretation des Titels als „unveröffentlichte
aus g. *anpara-, auch in gt. anpar, anord. an¬
Geschichten” läßt einen neuen Singular entste¬
narr, ae. ööer, afr. öther. Dieses aus ig. *antero-
hen, bei dem der Aspekt der Veröffentli¬
(oder *ontero-) in ai. äntara-, lit. ahtras 'der
chung — und damit das eigentliche Bezeich¬
andere’. Gegensatzbildung auf *-tero- zu einem
nungsmotiv — etwas hinter dem besonderen
Pronominalstamm, der mit anderem Suffix
Charakter dieser Erzählungen zurücktritt.
auch in ai. anyä- 'anderer’ vorhegt. Hierzu an¬
Etymologisch verwandt: s. Datum.
derthalb 'eineinhalb’ = 'das zweite halb’. In
Anemone/. 'Buschwindröschen’, fachsprachl.
anderen Umständen beruht auf einem alten eu¬
phemistischen Gebrauch von ander (vgl. H. Im 16. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend 1. ane-
möne, dieses aus gr. anemöne (dass.). Der Ur¬
Schulz, s. u.).
sprung des Wortes ist nicht geklärt. Wegen der
Nndl. ander, ne. other, nschw. annan, nisl. annar. —
H. Schulz ZDW 10(1909), 157; A. Debrunner REt lautlichen Ähnlichkeit wird es bereits im Grie¬
3 (1943), 5 — 14; Lloyd/Springer (1988ff.), I, 241f. chischen volksetymologisch auf gr. änemos
m.'Wind’ bezogen. Diese Interpretation des
anderthalb Adv., s. ander und halb.
Wortes spiegelt sich auch im deutschen Ersatz¬
anderweit(ig) Adv. 'anderswo’, älter (Luther) wort Buschwindröschen.
'zum zweiten Mal’, arch. Zu einem mittelhoch¬
anerkennen swV. 'gutheißen’. Gebildet im 16.
deutschen Zahlwortsuffix der Bedeutung '-mal’,
Jh. zu erkennen in dieser Bedeutung (s. d.), das
das auf mhd. weide 'Fahrt, Reise’ zurückgeführt
durch die Neuerung verdeutlicht und schließlich
wird (zu Weide 'Futter’ = 'die soundsovielte
ersetzt wird.
Fütterung auf dem Weg’).
anfachen swV., s. fachen.
Andreaskreuz n. 'Schrägliegendes Kreuz’,
anfangen stV. Mhd. anvähen, ahd. anafähatr,
fachsprachl. So benannt, weil an einem solchen
aus an und fangen (s. d.), wie 'etwas anpacken
der Apostel Andreas gekreuzigt worden sein
u. ä.\ In den übrigen westgermanischen Spra¬
soll. Das Wort ist seit dem 16. Jh. (zunächst in
chen bedeutet die Präfigierung 'anpacken’.
Künstlerkreisen) üblich.
Anführungszeichen n., s. Gänsefüßchen.
androgyn Adj. 'mit männlichen und weibli¬
chen Merkmalen versehen’, fachsprachl. Ent¬ Angebinde n., arch. Seit dem 17. Jh. bezeugt.
lehnt aus gleichbedeutend frz. androgyne, dieses Ursprünglich 'Geburtstagsgeschenk’, weil die¬
zu 1. androgynus 'Zwitterwesen’, aus gr. andrö- ses an Arm oder Hals gebunden wurde.
gynos (dass.), zu gr. aner (andrös) 'Mann’ und S. binden ( + ). — F. Böhm: Geburtstag und Namenstag
gr. gyne 'Frau, weibliches Wesen’. Vgl. Mann¬ (Berlin 1938), 50-74.
weib. Angel/. Mhd. mndd. angel m., ahd. as. angul
Morphologisch zugehörig: Androgynie, Androide, [An¬ m. geht in beiden Bedeutungen zurück auf g.
drologe, Andrologie, androphil]’, etymologisch ver¬ *angula- m. 'Haken’, auch in anord. pngull,
wandt: Gynäkologie. ae. angel, einer (diminutiven?) /-Bildung zu g.
Androide m. 'künstlicher Mensch, ein dem *angön m. 'Haken’ in ae. ange, ahd. ango. Die¬
Menschen ähnliches Wesen’, fachsprachl. Ent¬ ses gehört zu ig. *ank- 'krümmen, krumm’ in
lehnt aus gleichbedeutend neo-1. androides, zu ai. ähcati 'krümmt’, gr. änkistron n. 'Widerha¬
gr. anär (andrös) 'Mann’ und neo-1. oides ken’, 1. ancus 'gekrümmt’ u. a. Falls heth. hink-
'gleich’, aus gr. -o-eides (dass.), zu gr. -eides 'sich verneigen’ zugehörig ist, ist von ig. *hank-
Angelegenheit 30 Anis

auszugehen. Der Übergang zum Femininum lich, doch ist nicht klar, von welcher konkreten
erst spätmittelhochdeutsch. Situation sie ausgegangen ist.
S. Anker1. - Hoops (1973ff.), I, 282-284; O. Kieser anheim Adv. (in anheimstellen, anheimfallen,
in: FS Martin (1980), 219 — 231; Lloyd/Springer anheimgeben), arch. Der Funktion nach ein ver¬
(1988fT.), I, 250-253.
stärktes Richtungsadverb 'hin’ zu mhd. (obd.)
Angelegenheit /., angelegentlich Adj., s. An¬ anheim 'anwesend’ (seit dem 15. Jh.); zu Heim
liegen. wie daheim.
angelweit Adj., s. sperrangelweit. anheimeln swV. 'vertraut wirken’. Bezeugt seit
angenehm Adj. Mhd. genäme, ahd. nämi aus dem 18. Jh. Die alemannischen Verbalbildungen
g. *-nämja- Adj., auch in gt. anda-nems 'ange¬ auf -ein bedeuten häufig 'nach etwas schmecken
nehm’, anord. ncemr 'gelehrig’. Adjektiv der oder riechen’, demgemäß etwa 'nach Heimat
Möglichkeit zu g. *nem-a- 'nehmen’ (s. d.); Aus¬ schmecken’.
gangsbedeutung für das deutsche Wort also 'an¬ anheischig Adj., arch. Aus mhd. antheizec in
nehmbar, was angenommen werden kann’. Anlehnung an heischen umgestaltet. Das mittel¬
Anger m., reg. Mhd. anger, ahd. as. angar. hochdeutsche Wort gehört als Adjektiv zu ant-
Vorauszusetzen ist *ang-ra- m. 'Grasland’, zu heiz 'Gelübde’, das zur Wurzel von heißen ge¬
dem auch anord. -angr (vermutlich 'Bucht’) in hört (s. d.).
Ortsnamen gehört, sonst im Nordischen eng S. auch heischen.
f. 'Wiese’ (aus *angjö) u. ä. Außergermanisch anhimmeln swV., ugs. Zu himmeln 'einen ver¬
vergleicht sich spl. ancrae, angrae f. 'Raum zwi¬ klärten Gesichtsausdruck haben’ als 'jmd. mit
schen Bäumen, bepflanzte Uferstreifen’ und gr. verklärtem Gesicht anschauen’.
änkos 'Tal’. Weitere Herkunft dunkel; vielleicht animalisch Adj. 'tierisch’, sonder spracht. Ge¬
als 'gekrümmte Fläche’ zu der unter Angel be¬ lehrte Hybridbildung des 17. Jhs. zu 1. animal
handelten Grundlage. 'Tier’, das zu 1. animus 'Atem, Seele’ gehört.
J. Trier: Anger und Park (Berlin 1968); H. Tiefenbach Etymologisch verwandt: s. animieren. — W. Feldmann
in: Beck/Denecke/Jankuhn (1980), 299f.; Lloyd/Sprin¬ ZDW 8 (1906/07), 53; G. Schoppe ZDW 15(1914),
ger (1988ff.), I, 247 — 249. Zur Bedeutung: Trier (1963), 176; K.-H. Weinmann DWEB 2 (1963), 386.
23-31.
Animation /., s. animieren.
Angesicht n. 'Gesicht’, arch. Mhd. angesiht f,
animieren swV. 'ermutigen, anregen’. Im 17.
as. angisiht f. Ursprünglich wohl Verbalabstrak¬
Jh. entlehnt aus frz. animer 'ermutigen’, dieses
tum zu ansehen und dann in der Bedeutung
aus 1. animäre 'beseelen, beleben’, zu 1. animus,
von Gesicht (s. d.) beeinflußt. Die ursprüngliche
anima 'Atem, Seele’. Die Entlehnung erfolgt
Bedeutung ist wohl noch erhalten in angesichts.
zunächst in militärischem Zusammenhang, wo
Angewende n. 'Stelle, an der der Pflug gewen¬ ein Beleben im Sinne des Mutmachens gemeint
det wird’, fachsprachl., reg. Auch Gewende und ist. Dann mit weiterer Ausbreitung eine Ab¬
(so die älteste Form) Anwand, Anwende (mhd. schwächung und Verallgemeinerung zu 'anre¬
anwant, anwande/., ahd. anawanta/.). Zu wen¬ gen (zu), in Stimmung versetzen’. Im filmtechni¬
den (s. d.). schen Bereich daneben Animation im „klassi¬
Angst /. Mhd. angest, ahd. angust aus wg. schen” Sinn von 'Leben schenken’ (z. B. in Zei¬
*angusti- f. 'Angst’, auch in afr. angst. Dieses chentrickfilmen). Animosität bezeichnet die „ge¬
ist eine (i)r/-Bildung (oder ti-Bildung zu einem reizte Belebtheit”; daraus dann 'Feindseligkeit’.
j-Stamm) zu ig. *anghu- 'eng, bedrängend’ (s. Morphologisch zugehörig: Animateur, Animator, Ani¬
eng). Der .y-Stammm liegt vor in ai. ärhhas- mosität', etymologisch verwandt: animalisch, Asthma,
inhalieren (usw.). — W. J. Jones SN 51 (1979), 248.
'Bedrängung, Angst’, 1. angor m. 'Würgen,
Angst’, 1. angustus 'eng, schmal’ und akslav. Animosität /., s. animieren.
Qzos-ti 'Beengung’. Anis m. (= eine Gewürzpflanze). Im Mittel¬
S. hange. - H. Bergenholtz: Das Wortfeld 'Angst' hochdeutschen entlehnt aus gleichbedeutend 1.
(Stuttgart 1980); Lloyd/Springer (1988fT.), I, 253-255. ariisum n., dieses aus gr. änlson n. (mit dial.
Angsthase m., s. Bangbüx. Varianten), dessen weitere Herkunft nicht ge¬
klärt ist. Das griechische Wort bedeutet zu¬
anhängig Adj. 'schwebend (von Gerichts¬
nächst sowohl 'Anis’ als auch 'Dill’. Das Latei¬
sachen)’, fachsprachl. Bezeugt seit dem 15. Jh.
nische nutzt dann die zwei ursprünglichen grie¬
als 'bei Gericht vorgebracht’ ('angehängt’).
chischen Varianten ariisum n. und anethum n.
anheben stV. 'beginnen’, arch. Mhd. anehe- zur sprachlichen Unterscheidung (1. anethum n.
ben, mndd. anheven, mndl. aenheffen; entspre¬ 'Dill’).
chend ae. onhebban, anord. hefja. Zu heben Lloyd/Springer (1988ff), I, 257f. Zur Sache: H. Fincke
(s. d.); die Bedeutungsveränderung ist verständ¬ Gordian 63 (1963), 10—18.
Anke(n) 31 Anrainer

Anke(n)1 m. 'Butter’, alem. Mhd. anke, ahd. Annalen PI. 'Jahrbücher’, fachsprachl. Im 18.
anko. Obwohl nur das Deutsche das Wort be¬ Jh. entlehnt aus gleichbedeutend 1. (libri) annä-
wahrt hat, ist g. *ankwön m. 'Fett, Butter’ vor¬ les '(wörtlich:) jährliche Bücher’, zu 1. annälis
auszusetzen, als Fortsetzer eines weur. *onguen- 'das Jahr bzw. die Jahre betreffend’, einer Ablei¬
'Salbe, Fett, Butter’ (in verschiedenen Ablaut¬ tung von 1. annus m. 'Jahr’.
stufen), vgl. 1. unguen n. 'Fett, Salbe’, air. imb Morphologisch zugehörig: Annalist, Annalistik; etymo¬
'Butter’ (*nguen-) zur Verbalwurzel *ongu- 'sal¬ logisch verwandt: Annaten. Ersatzwort ist Jahrbücher.
ben’ in ai. anäkti, 1. unguere u. a. Annaten Pi 'die im ersten Jahr zu zahlende
S. auch Renke. — Lloyd/Springer (1988ff.), I, Abgabe einer geistlichen Pfründe’, fachsprachl.
263-265. Im Frühneuhochdeutschen entlehnt aus gleich¬
Anke2/., s. Enkel2. bedeutend neo-1. annatae, zu 1. annus m. 'Jahr’.
Etymologisch verwandt: s. Annalen.
Anker1 m. Mhd. anker, ahd. anker. Wie ae.
annektieren swV., s. Nexus und ad-,
ancor entlehnt aus 1. ancora /., das auf gr. dn-
kyra f. zurückgeht. Dessen Bedeutung ist ur¬ Annonce/. 'Ankündigung, Bekanntmachung,
sprünglich 'Haken’ o. ä., da es etymologisch zu Inserat’. Im 19. Jh. entlehnt aus gleichbedeu¬
der unter Angel behandelten Sippe gehört. Die tend frz. annonce, einer postverbalen Ableitung
Germanen übernahmen das lateinische Wort von frz. annoncer 'öffentlich bekanntgeben, an¬
mit der Sache — zuvor hatten sie ihre Schiffe kündigen’, dieses aus 1. annüntiäre (dass.), zu 1.
nüntiäre 'berichten, melden’ (s. auch ad-), einer
mit Steinen (ahd. senkil, anord. stjöri) festge¬
Ableitung von 1. nüntius m. 'Bote, Nachricht’.
legt.
Die eingeschränkte Bedeutung im Deutschen
S. Angel. — Hoops (1973ff.), I, 342f.; Lloyd/Springer
erklärt sich aus der Verwendung im Zeitungswe¬
(1988fF.), I, 261-263.
sen, wo man — wie heute — von einer Zeitungs¬
Anker2 m. 'Flüssigkeitsmaß’, arch. In früh¬ annonce spricht. Unter Wegfall des Bestim¬
neuhochdeutscher Zeit entlehnt aus nndl. anker, mungsworts Zeitung übernimmt dann das
das wie ne. anker, nschw. ankar(e) aus ml. Grundwort Annonce die engere Bedeutung des
anc(e)ria f. entlehnt ist. Dieses stammt seiner¬ ursprünglichen Kompositums.
seits vermutlich aus ahd. hantkar 'Handgefäß’. Etymologisch verwandt: denunzieren (usw.), Nuntius,
prononciert. Ersatzwort ist Anzeige.
ankohlen swV. 'im Scherz belügen’, ugs. Zu
Kohl2 (s. d.). annullieren swV., s. Null und ad-.

ankreiden swV. 'zum Vorwurf machen’, ugs. anomal Adj. 'unregelmäßig’, Anomalität /.,
Ursprünglich '(als Zeche) anschreiben’ (in alter sondersprach!. Entlehnt aus spl. anomale Adv.
Zeit mit Kreide an einer Tafel), daraus übertra¬ und spl. anömalia, diese aus gr. anömälos 'un¬
gen als 'sich vormerken, um sich später dafür gleich’ (zu gr. homalös 'gleich, eben’) entlehnt
wurde. Das Wort ist aber wohl schon früh auf
zu rächen’.
gr. nömos m. 'Brauch, Gesetz’ (s. auch Agro¬
Anlaß m. Mhd. an(e)läz z. B. 'Ort, von dem nom) bezogen worden und hat sich später mit
das Rennen losgeht’ (vgl. z. B. loslassen). Zu 1. abnormis 'von der Norm abweichend’ ver¬
lassen (s. d.). Die ursprüngliche Bedeutung wird mischt (s. Norm). In deutschen Texten etwa seit
verallgemeinert zu 'Anfang’, dann zu 'Ursache’. dem 18. Jh.
Seit dem 19. Jh. auch 'Ereignis’. W. Feldmann ZDW 8 (1906/07), 53.
Anliegen n. Substantivierter Infinitiv (zu es anonym Adj. 'nicht bekannt, ohne Nennung
liegt mir an etwas), bezeugt seit dem 15. Jh. des Namens’. Im 18. Jh. entlehnt aus gleichbe¬
Dazu als Partizip veraltetes angelegen (es sich deutend 1. anönymus und frz. anonyme, diese aus
angelegen sein lassen) mit angelegentlich 'nach¬ gr. anonymos 'namenlos, unbekannt’, abgeleitet
drücklich’ und Angelegenheit (ursprünglich 'Sa¬ von gr. önoma, önyma 'Name’ (s. auch a-1).
che, die einem am Herzen liegt’). Mhd. aneligen, Morphologisch zugehörig: Anonymität, Anonymus-,
ahd. analiggen, mndd. anliggen 'jemandes Sache etymologisch verwandt: homonym, Pseudonym, syn¬
onym; zum Etymon s. Name. — W. Feldmann ZDW
sein, jemanden bedrängen’ zu liegen (s. d.).
8 (1906/07), 53.
Anmut/. Seit dem 14. Jh. anemuot, ursprüng¬
Anorak m. 'wasser- und wetterfeste Jacke’.
lich maskulinum mit der Bedeutung 'was in den
Im 20. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend eskim.
Sinn (Mut) kommt, Verlangen’. Später bezeich¬
anorak; dessen Herkunft ist nicht sicher geklärt.
net das Wort nicht mehr eine Empfindung des
anpassen swV, s. passen.
wahrnehmenden Subjekts, sondern eine Eigen¬
schaft des wahrgenommenen Objekts und anpflaumen swV, s. pflaumen.
kommt damit zur heutigen Bedeutung. Formal Anrainer m. 'Nachbar’, reg. Zu anrainen 'an¬
wohl Rückbildung zu einem Verb. grenzen’ (seit dem 17. Jh.), zu Rain (s. d.) im

S. Mut{ + ).
Sinne von 'Grenze’.
anranzen 32 Antenne

anranzen swV. 'derb anfahren’, ugs., obd. Seit Bedeutungen. Die Präfigierung anstrengen im
dem 18. Jh. bezeugt; wohl eine Bildung auf Sinn von einen Prozeß anstrengen geht auf die
mhd. -ezzen-, das Grundwort ist aber unklar mittelhochdeutsche Bedeutung 'dringend bit¬
(ranken 'brüllen’?). ten, zusetzen, bedrängen’ zurück (zu streng im
anrüchig Adj. Im 15. Jh. als anrüchtig aus Sinne von 'stark, aggressiv’); sich anstrengen ist
dem Niederdeutschen übernommen. Dort ist es 'sich abmühen (durch Anspannung aller Kräfte
zu ruchte 'Leumund’ gebildet, das (mit Über¬ und Verzicht auf anderes)’ aus mhd. strengen
gang von ft zu cht) mhd. ruoft 'Ruf, Leumund’ (mit Akkusativ) 'einschränken, antreiben’ zu
entspricht (näheres s. rufen). Das niederdeut¬ streng etwa im Sinn von 'unerbittlich’.
sche Adjektiv bedeutet zunächst 'der einen (üb¬ -ant Suffix. Dient zum einen der Ableitung
len) Ruf hat’; es wird dann im hochdeutschen von Personen- und Sachbezeichnungen, wobei
Bereich verallgemeinert und offenbar an riechen die Person als jemand charakterisiert wird, der
angeschlossen, so daß es sein -t- verliert. das im zugrundeliegenden Wort Ausgedrückte
ansässig Adj. Erst neuhochdeutsche Bildung tut (z. B. Fabrikant „jmd., der etwas fabriziert”,
zu fnhd. ansesz m. 'fester Wohnsitz’ und zu Praktikant „jmd., der ein Praktikum macht”).
ansesse m. 'Eingesessener’; diese zu mhd. nhd. Zum anderen werden damit auch Adjektive ge¬
sez n./m. 'Wohnsitz’. bildet, die das Vorliegen einer Eigenschaft be¬
S. sitzen ( + ), vgl. seßhaft. zeichnen (z. B. charmant „hat Charme”). Es
wird in lateinischen Wörtern (z. T. in romani¬
anschirren jwV 'anspannen’. Im 17. Jh. gebil¬
scher Vermittlung) ins Deutsche übernommen
det zu Geschirr (s. d.) in der Bedeutung 'Leder-
und geht auf das lateinische Partizip Präsens
und Riemenwerk der Zug- und Reittiere’.
auf -(ä)ns (-ntis) zurück.
anschnauzen swV., ugs. Seit dem 16. Jh. belegt
Antagonismus m. 'Gegensätzlichkeit’, fach-
und weiter verbreitet als Schnauze, so daß eine
sprachl. Neubildung zu gr. antagönizesthai 'ge¬
Bildung auf -ezzen zu schnauben (s. d.) angesetzt
gen jmd. kämpfen’, zu gr. agönizesthai 'kämp¬
werden kann.
fen’ (s. auch anti-), zu gr. agon 'Kampf, Wett¬
Ansehen n. Substantivierter Infinitiv, ausge¬ kampf, Versammlung’, zu gr. ägein 'treiben,
hend von der Bedeutung 'Erscheinung’, dann führen; schreiten, ziehen, gehen’.
'beachtliche Erscheinung, Wertschätzung (durch Morphologisch zugehörig: Antagonist; etymologisch
andere)’. Bezeugt seit dem 16. Jh. Zu sehen verwandt: s. Agonie, Demagoge (usw.), Pädagogik
(s. d.). (usw.), Protagonist, Synagoge, Strategie; zum Etymon
s. Achse.
Ansinnen n. Substantivierter Infinitiv zu mhd.
an einen sinnen 'jmd. angehen um etwas’. Be¬ Antarktis/., s. Arktis und anti-.
zeugt seit dem 16. Jh. Heute meist von einem ante- Präfix. Dient der Präfigierung von
ungerechtfertigten Begehren gesagt. Adjektiven, Substantiven und Verben, wobei
Anstalt/. Mhd. anstalt, nach dem Muster der dem Grundwort die Bedeutung 'vor’ hinzuge¬
älteren r/-Abstrakta gebildet zu stellen (s. d.). fügt wird (z. B. antediluvianisch „vorsintflut¬
Entsprechend zu anstellen 'anordnen, einrich¬ lich”, Antepänultima „die Silbe vor der Pänul-
ten’ bedeutet das Substantiv u. a. 'Anordnung’ tima [d. h. die drittletzte Silbe]”, antedatieren
(vgl. Anstalten treffen) und 'Einrichtung’ (auch „vor[aus]datieren”). Es wird in lateinischen
als Gebäude). Wörtern (z. T. in romanischer Vermittlung) ins
Anstand m. 'gute Sitten’. Abstraktbildung zu Deutsche übernommen und geht auf 1. ante-
anstehen im Sinne von 'passen, sich schicken’; zurück. Die Form ant- steht vor Vokalen.
dieses z. B. von Kleidern gesagt, wie 'es steht Etymologisch verwandt: s. antik.
mir’, 'es sitzt’. Bezeugt seit dem 17. Jh. Die Antenne /. 'Vorrichtung zum Senden und
heutige Bedeutung steht unter dem Einfluß der Empfangen elektromagnetischer Wellen’. Im
Ableitung anständig. 20. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend it. antenna,
anstatt Präp. Zu Statt (s. d.), also 'an der das eigentlich 'Fühler (von Insekten)’ bedeutet
Stelle von’. Bezeugt seit dem 15. Jh. und von Marconi zunächst nur als Bezeichnung
für die Empfangsantenne benutzt wurde (1895).
anstellig Adj., schwz. Auf Vorschlag Lavaters
Das Wort bedeutet ursprünglich 'Segelstange’
durch Schiller in die Hochsprache eingeführt.
(so 1. antenna) und bekam im 15. Jh. zusätzlich
Zur Bedeutung vgl. 'sich zu etwas (geschickt)
die Bedeutung 'Fühler’ unter dem Einfluß von
anstellen’.
1. cornü n., gr. keras n., die 'Horn’, 'Segelstange’
Kluge (1908), 207.
und 'Fühler’ bedeuten. Ursprünglich ist das
anstrengen swV. Mhd. (ane)strengen. Ahd. Wort eine Lokativbildung zu 1. ante 'vor’ ('das
mhd. strengen (heute nicht mehr üblich) ist eine davor Befindliche, Vorstehende’). Die Bedeu¬
Ableitung von streng (s. d.) mit verschiedenen tungserweiterung auf geerdete Sendeanlagen,
Anthologie 33 Antwort

die im Zusammenhang mit der funktechnischen Ersatzwort ist altertümlich. — W. Feldmann ZDW
Erfindung Marconis Ende des 19. Jhs. erfolgt, 8(1906/07), 53.
kann metaphorisch sowohl auf die (Stan- Antilope /. (= ein gehörntes Huftier), fach¬
gen)Form als auch auf die Funktion als infor¬ sprachl. Im 19. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend
mationsverarbeitende (insbesondere: informa- frz. antilope und ndl. antilope, diese aus e. ante-
tionsaufnehmende) Einrichtung rückbezogen lope (dass.). Die weitere Herkunft und das ur¬
werden. sprüngliche Bczeichungsmotiv sind nicht sicher
B. Forssman ZVS 79(1965), 18-20; J. Knobloch geklärt. Das Wort wird über Tierbücher („Be-
Lingua 26(1970/71), 297; Trier (1981), 118-125.
stiaria”) in die Neuzeit überliefert, wobei es zu
Anthologie /. 'Sammlung ausgewählter (Lite- volksetymologischem Bezug auf gr. änthos n.
ratur-)Stücke’, fachsprachl. Im 18. Jh. entlehnt 'Blume’ und gr. öps 'Auge’ kommt (etwa als
aus gleichbedeutend gr. anthologia, einer Zu¬ 'Tier mit den besonders schönen Augen’).
sammensetzung aus gr. änthos n. 'Blume, Blüte’
Antipathie /., s. Sympathie und anti-,
und gr. logia 'Sammlung’, dies eine Ableitung
von gr. legein 'sammeln’. Die wörtliche Bedeu¬ Antipode m. 'Mensch mit entgegengesetzter
tung 'Blütenlese’ basiert auf einer Metapher, Eigenart’, sonder spracht. Im Neuhochdeutschen
die Blüten für etwas besonders Schönes stehen entlehnt aus 1. antipodes, dieses zu gr. antipous
läßt. (-podos) 'gegenfüßig, die Füße umgekehrt ha¬
Etymologisch verwandt: s. analog und Chrysantheme. bend’, zu gr. poüs 'Fuß’ (s. auch anti-). Dem¬
nach ein 'Gegenfüßler’, d. h. 'jmd., der sich auf
Anthrazit m./(n.) 'hochwertige Steinkohle,
der entgegengesetzten Seite der Erde befindet
dunkelgrauer Farbton’. Im Neuhochdeutschen
und dem Ausgangspunkt deshalb die Füße zu¬
entlehnt aus gleichbedeutend 1. anthracites m.,
wendet’ und von da aus übertragen.
dieses zu gr. änthrax (-äkos) m. 'Glutkohle’.
Etymologisch verwandt: s. Podium. — W. Feldmann
Morphologisch zugehörig: Anthrazen, anthrazit.
ZDW 8 (1906/07), 53.
anti- Präfix. Dient der Präfigierung von Sub¬
Antiqua/., s. antik.
stantiven und Adjektiven, wobei ein Gegensatz
zum Bezeichneten des Grundworts zum Aus¬ Antiquariat n. Ableitung aus Antiquar
druck kommt (z. B. Antipathie 'Abneigung’ — 'Altertumsforscher, Händler mit alten Bü¬
vgl. Sympathie, Antikörper 'Abwehrkörper’, chern’. Dieses im 18. Jh. entlehnt aus 1. antiquä-
Antiheld 'ein Nicht-Held’, antiamerikanisch 'ge¬ rius m. 'Altertumskenner’.
gen Amerika eingestellt’). Es wird in griechi¬ Etymologisch verwandt: s. antik.
schen Wörtern ins Deutsche übernommen (z. T. Antlaßtag m. 'Gründonnerstag’, auch 'Fron¬
durch lateinische und romanische Vermittlung) leichnamstag’, reg., arch. Eigentlich 'Ablaßtag’,
und geht auf funktional entsprechendes gr. anti- bair., österr. Mhd. antläztac 'Gründonnerstag’,
zurück. Produktiv in neoklassischen Bildungen. zu mhd. antläz 'Sündenerlaß, Ablaß’, ahd. ant-
Etymologisch verwandt: s. antik. — A. Rey CL läz 'Aufschub, Vergebung’, eigentlich zu ent¬
11 (1967), 37 — 57 (zum Französischen). lassen.
Antibiotikum n. 'Wirkstoff gegen Krank¬ Antlitz n., arch. Mhd. antlitze, ahd. antluzzi
heitserreger’, fachsprachl. Im 20. Jh. entlehnt aus g. *anda-wlit-ja- n. 'Gesicht’, eigentlich 'das
aus gleichbedeutend frz. antibiotique Adj., einer Entgegenblickende’. Die Formen der anderen
Neubildung zu gr. (att.) biötikös 'lebensfähig, germanischen Sprachen zeigen z. T. andere
zum Leben gehörig’ (s. auch anti-), zu gr. bios Stammbildungen, doch hat der /z-Stamm An¬
m. 'Leben’. So benannt als 'ein lebende Erreger spruch auf Altertümlichkeit. Vgl. gt. anda-
abtötendes Mittel’. wleizn (aus *wleits-na-7), anord. andlit, ae. and-
Etymologisch verwandt: s. Amphibie. wlita («-Stamm), afr. andlete. Zu anda (gt.
antik Adj. 'das (klassische) Altertum betref¬ anda-, anord. ae. afr. as. ahd. and-) 'entgegen’ und
fend’. Im 18. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend einer Ableitung von *wleit-a- 'blicken’ in anord.
frz. antique, dieses aus 1. antiquus vorig, alt, lita, ae. wlltan 'sehen, blicken’ (mit Ableitungen
einer Nebenform von 1. anticus 'der vordere’, in den anderen germanischen Sprachen). Dieses
abgeleitet von 1. ante 'vor’. Die Bedeutungsent¬ ist eine Erweiterung von weur. *wel- 'sehen’
wicklung von 'alt’ zu altertümlich, das Alter¬ in 1. vultus m. 'Gesicht, Gesichtsausdruck’ und
tum betreffend’ vollzieht sich in den romani¬ kymr. gwelaf 'sehen’.
schen Sprachen im Rahmen kunst- und kultur¬ S. auch Antwort. — Lloyd/Springer (1988ff.), I,
historischer Studien. Die Schrift Antiqua ( = 280-283. Anders: E. Hamp IF 87(1982), 79 — 81
Littera antiqua 'alte Schrift’) ist so benannt, da (Kontamination von *wel- 'sehen’ und *weid- 'sehen’).
das Alphabet der alten Inschriften als Vorbild Antonym «., s. Name und anti-.
für die Großbuchstaben diente.
Antwort /. Mhd. antwürte, antwurt n./f, ahd.
Morphologisch zugehörig: Antike; etymologisch ver¬
wandt: ante-, anti-, Antiquariat (usw.), [Antiquitäten]. antwurti (ursprünglich «.), as. andwordi n. aus
anvisieren 34 Apfel

g. * anda-wurd-ja- n. 'Antwort’, eigentlich 'Wi¬ ap- Präfix, s. ad-.


derwort’, auch in gt. andawaurdi, ae. cmdwyrde, Apanage /., 'regelmäßige finanzielle Zuwen¬
afr. ondwarde. Zu anda- (s. Antlitz) und Wort dung’, faehsprachl. Entlehnt aus gleichbedeu¬
(s. d.). tend frz. apanage m., dieses aus ml. *appana-
Lloyd/Springer (1988ff.), I, 288f. gium n. (dass.), einer Ableitung von ml. *appa-
anvisieren swV., s. Visier2. nare 'ausstatten (wörtlich: mit Brot versehen)’,
zu 1. pänis m. 'Brot’ (s. auch ad-).
Anwalt m. Mhd. anwalte, ahd. anawalto. Wie
Etymologisch verwandt: s. panieren.
ae. onwealda Nomen agentis zu einem ahd. ana-
walt, ae. onwealdf 'Gewalt’ (zu dessen Stamm apart Adj. 'besonders, hübsch’. Im 17. Jh.
s. Gewalt), also eigentlich 'der die Gewalt hat, entlehnt aus frz. ä part (vgl. it. a parte) 'auf
Bevollmächtigter’. der Seite’, dieses aus 1. pars (-rtis) 'Seite, Teil,
Anteil’. Im Deutschen wird es hypostasiert und
S. Gewalt, walten ( + ).
wie ein Adjektivadverb behandelt, d. h. auch als
Anwand/., Anwende/., reg., s. Angewende. attributives Adjektiv verwendet (im Gegensatz
Anwärter m. Zu mhd. anewarten 'erwarten’. zum französischen Modell). Diese Verwendung
Im Frühneuhochdeutschen gebildet. setzt sich allmählich durch, wobei sich die Be¬
S. warten ( + ). deutung zu 'besonders, reizvoll’ verengt.
Anwesen n., obd. Fnhd. anewesen 'Grund¬ Morphologisch zugehörig: Apartheit, Appartement;
etymologisch verwandt: s. Partei. — W. Feldmann
stück’ ist der substantivierte Infinitiv zu dem
ZDW 8 (1906/07), 53.
gleichlautenden mhd. Verb anewesen mit der
Bedeutung 'da sein, dabei sein’ (zu diesem s. Apartheid /. (= Bezeichnung der Trennung
Wesen). Zum Verb gehört in der heutigen Spra¬ von Weißen und Schwarzen in Südafrika),/ac/t-
che noch anwesend', der Infinitiv kommt von sprachl. Im Neuhochdeutschen entlehnt aus
'Anwesenheit’ zu der Bedeutung 'Wohnort’. gleichbedeutend Afrikaans apartheid (wörtlich:
'Abgesondertheit’), zu apart (s. d.) 'abgeson¬
Vgl. abwesend.
dert’, aus frz. ä part 'besonders, gesondert’, aus
-anz Suffix. Dient der Ableitung von Sub¬ 1. pars (-rtis) 'Seite, Teil, Anteil’.
stantiven, die einen mit dem zugrundeliegenden Etymologisch verwandt: s. Partei.
Verb zusammenhängenden Zustand oder eine
Apartment n., s. Appartement.
solche Tatsache bzw. Handlung bezeichnen
(z. B. Akzeptanz „das Akzeptieren”, Rasanz Apathie /., s. Pathos und a-1.
„rasantes Aussehen”). Es wird in lateinischen aper Adj. 'schneefrei’, obd. Mhd. ahd. äpar.
und französischen Wörtern ins Deutsche über¬ Wohl gleicher (unklarer) Herkunft wie 1. aprlcus
nommen und geht auf 1. -äntia zurück, dem 'offen, sonnenbeschienen’.
Abstraktionssuffix zum lateinischen Partizip Anders (aus ä + ber- 'fort-tragend’): Lloyd/Springer
Präsens -ans (-antis). (1988ff.), I, 16-19.

anzetteln swV. Ursprünglich Ausdruck der Aper?u n. 'prägnante, geistreiche Bemer¬


Webersprache: 'die Zettel (Längsfäden) eines kung’, sonder sprach!. Entlehnt aus gleichbedeu¬
Gewebes vorbereiten’, dann übertragen für 'an¬ tend frz. aperfu (wörtlich: 'kurzer Überblick’),
stiften’, in der Regel im negativen Sinn. Im dem substantivierten PPrät. von frz. apercevoir
Frühneuhochdeutschen gebildet. 'wahmehmen’, zu frz. pereevoir 'wahrnehmen’,
aus 1. percipere (dass., wörtlich: 'einnehmen,
anzüglich Adj. Zu anziehen in einer älteren
bemächtigen’), zu 1. capere 'nehmen, fassen, er¬
Bedeutung 'etwas (tadelnd) anführen, etwa vor
greifen’ (s. auch per-).
Gericht’. Bezeugt seit dem 17. Jh.
Etymologisch verwandt: s. akzeptieren.
F. Kainz in: Maurer/Rupp (1974/78), II, 248.
Aperitif m. 'alkoholisches Getränk (zum An¬
Äon m., meist Äonen PI. 'Weltalter’. Entlehnt
regen des Appetits)’, sonder spracht. Im 19. Jh.
aus 1. aeön m. (dass.), dieses aus gr. aion m./fi
entlehnt aus gleichbedeutend frz. aperitif, einem
'(Lebens)Zeit, Zeit(dauer), Ewigkeit’, zu gr. aiei
Nomen instrumenti zu frz. aperitif 'öffnend’,
'immer’, dieses als *aiw-es- neben *aiw-en- zu
dieses aus ml. aperitivus (dass.), zu 1. aperire
*aiu- 'Lebensdauer’, das in ai. äyu- n. bezeugt
'öffnen’. Das Wort hat zunächst rein medizini¬
ist.
sche Bedeutung; die heutige Bedeutung entsteht
C. Lackeit: Aion, Zeit und Ewigkeit (Diss. Königsberg
um 1750. Gemeint ist das Öffnen des Magens
1916).
als Vorbereitung auf das Essen.
Aorta /. 'Hauptschlagader\ fachsprachl. Ent¬ Etymologisch verwandt: Ouvertüre. - K.-H. Wein¬
lehnt aus gr. aorte 'Sack, Schlauch, Aorta’, zu mann DWEB 2 (1963), 386.
gr. (syn)aeirein 'zusammenbinden (usw.)’. Apfel m. Mhd. apfel, ahd. apful, as. appul
Etymologisch verwandt: Arterie. (-gre) aus g. *apli- m. 'Apfel’ ('Holzapfel’),
Apfelsine 35 Apostroph

auch in krimgt. apel, anord. epli, ae. ceppel, afr. Stellung, Gleichgewicht’), einer substantivierten
appel. Ein ähnliches Wort gleicher Bedeutung Zusammenrückung von frz. ä plomb 'senkrecht,
im Keltischen (air. ubull usw.), Baltischen (lit. im Lot; frz. plomb 'Blei’ aus 1. plumbum n.
öbalas usw.) und Slavischen (serb.-kslav. ja- (dass.). Die konkrete Bedeutung 'senkrechte
blüko usw.). Das Wort ist vielleicht nicht-indo- Stellung’ wird zu 'Festigkeit, Sicherheit’ abstra¬
germanischer Herkunft, doch kann es auch hiert, da man aufrechtes Stehen, geringen Nei¬
(nach Adams, s. u.) als /-Stamm (später zu *ab- gungswinkel usw. als Garanten für Stabilität
lu- erweitert) ein Erbwort sein, das im Mittel¬ ansieht.
meergebiet durch das Kulturwort *mälo- zu¬
apo- Präfix, s. ab.
rückgedrängt wurde. Das alte Wort für den
Apfelbaum ist Affolter, mhd. apfaller, aff alter, apodiktisch Adj. 'unumstößlich, nicht zu wi¬
ahd. affoltra, as. apuldra, die mit anord. apaldr derlegen’, fachsprachl. Im 18. Jh. entlehnt aus
und ae. apulder auf g. *apuldrö f führen. Zu gr. apodeiktikös 'beweisend, (wörtlich: fertig
dessen Hinterglied s. Holunder. zum Vorzeigen)’, zu gr. apodeiknynai 'beweisen,
Nndl. appel, ne. apple, nschw. äpple, nisl. epli. S. Apfel¬
vorzeigen, aufweisen’, zu gr. deiknynai 'zeigen,
sine. — H. Berger MSS 9 (1956), 26; J. Pokomy in: vorzeigen, begreiflich machen’ (s. apo- unter
H. Kronasser (Hrsg.): MnSmes chärin, Gedenkschrift ab).
P. Kretschmer (Wien 1956/57), II, 83; Hoops (1973ff.), Etymologisch verwandt: [Deixis], Paradigma (usw.),
I, 368-372; E. P. Hamp ZCPh 37(1979), 158-166; Police, Syndikat (usw.); zum Etymon s. zeihen.
D. Q. Adams IF 90(1985), 79-82; Lloyd/Springer
Apokalypse /. 'Offenbarung über das kom¬
(1988ff.), I, 60-63, 298-301.
mende Weitende, schreckliches Unheil’, fach¬
Apfelsine/. 'Orange’. Im 18. Jh. entlehnt aus sprachl. Entlehnt aus gleichbedeutend 1. apoca-
gleichbedeutend ndd. Appelsin(e) und nndl. si- lypsis, dieses aus ntl.-gr. apokälypsis (dass.,
naasappel. diese gebildet nach frz. pomme de wörtlich: 'Enthüllung’), zu gr. (ep.) kalyptein
Sine m. 'Apfel aus China’. Die Entlehnung er¬ 'verhüllen’ (s. apo- unter ab).
folgte zunächst im norddeutschen Raum; im
Apologie /. 'Verteidigung, Rechtfertigung’,
Hochdeutschen wird Appel durch lautverscho¬
fachsprachl. Im 16. Jh. entlehnt aus gleichbe¬
benes Apfel ersetzt. Sina war um 1700 gebräuch¬
deutend 1. apologia, dieses aus gr. apologia
liche Bezeichnung für China, von wo die Frucht
(dass.), zu gr. apologeisthai 'sich herausreden,
von den Portugiesen im 16. Jh. nach Europa
verteidigen, (wörtlich:) sich losreden’, zu gr.
eingeführt wurde.
lögos m. 'Wort, Rede’.
Etymologisch verwandt: Apfel, [Sinologie], — W.
Morphologisch zugehörig: Apologet, Apologetik, apo-
Feldmann ZDW 8 (1906/07), 53; G. Schoppe ZDW
logisieren\ etymologisch verwandt: s. analog. — W.
15 (1914), 209; Littmann (1924), 131f.
Feldmann ZDW 8 (1906/07), 53.
Aphasie/., '(teilweiser) Verlust des Sprechver¬
Aporie /. 'Ausweglosigkeit’, fachsprachl. Ent¬
mögens’, fachsprachl. Entlehnt aus gr. (poet.)
lehnt aus gleichbedeutend spl. aporia, dieses aus
aphasia 'Sprachlosigkeit’, zu gr. äphatos 'uner¬
gr. aporiä ‘Ratlosigkeit, Verlegenheit’, zu gr.
wähnt, unbekannt’ zu gr. phänai 'sprechen’ (s.
äporos 'hilflos, ratlos, unmöglich, unwegsam’,
auch a-1).
zu gr. pöros m. 'Durchgang, Pfad’ (s. auch a-v),
Etymologisch verwandt: blamieren (usw.), Blasphemie, zu gr. peirein 'durchdringen, durchbohren,
Euphemismus, Prophet; zum Etymon s. Bann.
durchstoßen’.
Aphorismus m. 'prägnanter Sinnspruch’, fach¬ Zum Etymon s. fahren.
sprachl. Im 17. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend
Apostel m. 'Jünger Christi’. Im Althochdeut¬
I. aphorismus, dieses aus gr. aphorismös 'Ab¬
schen entlehnt aus gleichbedeutend 1. apostolus,
grenzung, Unterscheidung’, abgeleitet von gr.
dieses aus gr. apöstolos 'Bote, Gesandter’, zu
aphorizein 'abgrenzen’, zu gr. höros 'Grenze’ (s.
gr. stellein 'senden (usw.)’ (s. auch apo- unter
auch ab-). Im Griechischen hat es vielfältige
ab). Die Apostel sind die Sendboten Jesu. Das
Bedeutungen, von 'Abgrenzung’ bis hin zu
Wort wird allerdings erst durch Luther allge¬
'(medizinischer) Lehrsatz’. Ab dem 17. Jh. in
meiner Bestandteil des Deutschen, indem es äl¬
literarischem Zusammenhang Bedeutungsver¬
teres Bote (ahd. boto) in dieser Bedeutung ver¬
engung von 'kurzer prägnanter Satz’ hin zu
drängt.
'prägnanter Sinnspruch’.
Etymologisch verwandt: Stola. — Lloyd/Springer
Etymologisch verwandt: Horizont (usw.). — K.-H.
(1988ff.), I, 301 f.
Weinmann DWEB 2 (1963), 386; Schalk (1966), 1 —20;
J. v. Stackeiberg in: G. Neumann (Hrsg.): Der Aphoris¬ Apostroph m. 'Auslassungszeichen’, fach¬
mus (Darmstadt 1976), 209 — 225. sprachl. Im 16. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend
Aplomb m. 'Sicherheit, Festigkeit, besonderer 1. apostrophus, dieses aus gr. apöstrophos (dass.),
Nachdruck’, sonder spracht. Entlehnt aus gleich¬ wörtlich: 'abgewandt’, zu gr. strephein 'wenden,
bedeutend frz. aplomb (wörtlich: 'senkrechte drehen’ (s. auch apo- unter ab). Zunächst als
Apotheke 36 Aprikose

Attribut in 'ausgelassener Buchstabe’, dann 'das Appetit m. 'Hunger, Verlangen’. Im 15. Jh.
Weggelassene’, schließlich 'das Zeichen für et¬ entlehnt aus gleichbedeutend frz. appetit 'Eß-
was, das ausgelassen wurde’. lust’ und ml. appetitus cibi 'Verlangen nach
Etymologisch verwandt: s. Strophe. — W. Feldmann Speise’, diese aus 1. appetitus 'Verlangen’, abge¬
ZDW 8 (1906/07), 53; E. Leser ZDW 15(1914), 36, leitet von 1. appetere 'verlangen’, zu 1. petere
94. 'begehren (usw.)’, das weiter zu *pet- 'fliegen’
Apotheke f. 'Geschäft für Arzneimittel’. Im gehört (s. Feder, s. auch ad-). Die Bedeutungs¬
Mittelhochdeutschen entlehnt aus 1. apotheca verengung auf ein bestimmtes Verlangen — das
'Magazin’, dieses aus gr. apothtke (dass.), zu nach Speise — vollzieht sich im Mittellatein,
gr. theke 'Behälter, Abstellraum’ (s. auch apo- indem das attribuierende „Speise” als selbstän¬
unter ab). Die Bedeutungsentwicklung vollzieht diges Wort wegfallt.
sich von 'Abstellraum (im allgemeinen)’ über Etymologisch verwandt: [Appetizer], kompetent
die Bezeichnung des Aufbewahrungsortes für (usw.), Petition (usw.), repetieren', zum Etymon s. Fe¬
Kräuter und Arzneien (im speziellen) hin zu der. Ersatzwort ist Eßlust. — W. Feldmann ZDW
8 (1906/07), 53.
'Arzneiladen’. Daneben aber immer noch 'Be¬
hältnis für Medikamente’ (z. B. in Hausapo¬ applaudieren swV. 'Beifall spenden’. Im 17.
theke, Reiseapotheke). Jh. entlehnt aus gleichbedeutend 1. applaudere
Etymologisch verwandt: s. Theke. und frz. applaudir, zu 1. plaudere (plausum)
'klatschen’ (s. auch ad-).
Apparat m. 'Gerät, Gesamtheit’. Im 17. Jh.
Morphologisch zugehörig: Applaus', etymologisch ver¬
entlehnt aus 1. apparätus 'Gerätschaft’, aus 1.
wandt: explodieren (usw.), plausibel.
apparäre 'ausrüsten, beschaffen’, zu 1. paräre
Apposition /., s. Position und ad-.
'fertigmachen, einrichten’ (s. auch ad-). Neben
der Bedeutung 'Sammlung, Gesamtheit von Appretur/. '(Mittel zur) Bearbeitung von Ge¬
Einzelgeräten’ entsteht im 19. Jh. die Bedeutung weben (zum Schutz vor Feuchtigkeit usw.)’,
'Einzelgerät, das aus mehreren Bestandteilen fachsprachl. Entlehnt aus gleichbedeutend frz.
zusammengesetzt ist; Maschine’. appret, einer Ableitung von afrz. aprester 'vor¬
Morphologisch zugehörig: apparativ, Apparatur, ety¬ bereiten, in Bereitschaft setzen’, zu 1. praestus
mologisch verwandt: s. parat. — G. Schoppe ZDW 'gegenwärtig, zur Hand’.
15(1914), 176. Morphologisch zugehörig: Appreteur, appretieren.

Appartement n. 'Wohnung’. Im 18. Jh. ent¬ approbieren swV. 'bestätigen, anerkennen’,


lehnt aus frz. appartement m., dieses aus it. fachsprachl. Im 16. Jh. entlehnt aus gleichbe¬
appartamento m., einer Ableitung von it. appar- deutend 1. approbäre 'gutheißen, anerkennen’
tare 'abtrennen’, das auf 1. pars (-rtis) f. 'Teil’ zu 1. probäre 'erproben, prüfen, untersuchen’ (s.
zurückgeht. Es wird im Deutschen zunächst wie auch ad-), zu 1. probus 'gut, tüchtig, brav’.
frz. appartement m. in der Bedeutung 'Zimmer¬ Etymologisch verwandt: s. probat. — W. Feldmann
ZDW 8 (1906/07), 53.
flucht; Wohnung, die aus mehreren Zimmern
besteht’ in höfischem Zusammenhang verwen¬ Aprikose /. (= eine Frucht). Im 17. Jh. ent¬
det; über die Umdeutung des Plurals apparte- lehnt aus gleichbedeutend ndl. abrikoos, dieses
ments als 'mehrere Zimmer’ ergibt sich die Be¬ aus frz. abricot m. (dass.), span, albaricoque m.
deutung 'Kleinwohnung, Einzimmerwohnung’ (dass.) und port. albricoque (dass.), aus arab.
für den Singular. al-barqüq (dass.), dieses aus gr. praikökkion n.,
Etymologisch verwandt: s. Partei. — Jones (1976),
das seinerseits übernommen ist aus 1. praeco-
104; Brunt (1983), 132f. quum «., einer Variante von 1. praecox (PI. prae-
cocia) 'frühreif’, zu 1. coquere (coctum) 'reifen,
Appell m. 'Aufforderung, Aufruf’. Im 18. Jh.
reifen lassen’. Das Benennungsmotiv erklärt
entlehnt aus gleichbedeutend frz. appel, einer
sich daraus, daß die Frucht von anderen ähnli¬
postverbalen Ableitung von frz. appeler
chen Früchten (z. B. Pflaume) durch das beige¬
'(auf-)rufen’, dieses aus 1. appelläre (älter adpel-
fügte Attribut der früheren Reife, z. B. persica
läre) 'anreden, anrufen’, vermutlich zu der unter
praecocia, unterschieden wird. Das Attribut ver¬
befehlen (s. d.) und Beispiel (s. d.) behandelten selbständigt sich dann als alleinige Bezeich¬
Wurzel *(s)pel- 'sprechen’. Appell erscheint im nung. Der Erfolg des dem Arabischen entlehn¬
Deutschen — ausgehend von militärischen ten Wortes ergab sich wohl daraus, daß die
Kontexten — in verschiedenen Bedeutungsva¬ bezeichnete importierte Frucht einen besseren
rianten des Herbei- bzw. Aufrufens. Ende des Geschmack hatte als die einheimischen Maril¬
18. Jhs. kommt die Bedeutung 'feierlicher Auf¬ len. Die niederländische Form ist ein als Singu¬
ruf, Anruf’ hinzu. lar verstandener Plural, das auslautende -e des
Morphologisch zugehörig: Appellation, Appellativ, ap¬ deutschen Wortes eine Hyperkorrektur.
pellieren; etymologisch verwandt: Interpellation. — W. Etymologisch verwandt: s. kulinarisch. - Littmann
Feldmann ZDW 8 (1906/07), 53; Brunt (1983), 133. (1924), 81 f.; B. Hasselrot SN 13(1941), 45-79;
April 37 Arabeske

226-252; Hoops (1973ff.), I, 375; Lokotsch (1975),


'Gleichmacher von Tag und Nacht’), so be¬
20f.; W. J. Jones SN 51 (1979), 249.
nannt, da Tag und Nacht gleich lang sind, wenn
April m. (= der 4. Monat des Jahres). Das die Sonne in dieser Position steht. Dann auch
aus 1. AprTlis (mensis) entlehnte Wort (mhd. als geographischer Terminus verwendet für den
aprille, ahd. abrello) verdrängt älteres ahd. Breitengrad der Erde, auf dem alle Punkte Tag-
östarmänöd 'Ostermonat’. Die Herkunft der la¬ und Nachtgleichheit aufweisen, d. h. der sie in
teinischen Monatsbezeichnung ist umstritten. die südliche und nördliche Halbkugel teilt.
Lloyd/Sprir.ger (1988fT.), I, 26 — 28. Morphologisch zugehörig: äquatorial', etymologisch
apropos Part, 'übrigens’, sonder spracht. Im verwandt: adäquat, äquivalent (usw.), [äquivok], egal
(usw.), eichen, Equalizer.
17. Jh. entlehnt aus frz. ä propos 'zur behandel¬
ten Sache, zum richtigen Zeitpunkt kommend’, Aquavit m., s. Aquarium und vital.
dieses hypostasiert aus frz. ä 'zu’ und frz. propos äqui- Präfix. Kompositionsform von 1. aequus
'Zweck, Anlaß, Vorsatz’, einer postverbalen 'gleich’, s. äquivalent.
Ableitung von frz. proposer 'vornehmen, Vor¬
äquivalent Adj. 'gleichwertig’, fachsprachl. Im
schlägen’, dies mit frz. pro- (s. pro-) und frz.
17. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend frz. äquiva¬
poser 'stellen, legen’ gebildet nach 1. propönere
lent und ml. aequivalens (-entis), diese aus 1.
(dass), zu 1. pönere (positum) (dass.). Ab dem
aequus 'gleich’ und 1. valens (-entis) 'kräfig,
Ende des 17. Jhs. dann 'übrigens, nebenbei be¬
vermögend’, zu 1. valere 'wert sein, bei Kräften
merkt’.
sein’.
Etymologisch verwandt: s. Position. — Jones (1976),
Morphologisch zugehörig: Äquivalenz', etymologisch
542.
verwandt: s. Äquator und ambivalent. — W. Feldmann
Aquädukt m./n., s. Aquarium und Dusche. ZDW 8 (1906/07), 51; W. J. Jones SN 51 (1979), 257.

Aquamarin m. (= ein Edelstein), fachsprachl. ar- Präfix, s. ad-,


Neubildung nach dem Vorbild von gleichbedeu¬ -ar Suffix. Dient der Ableitung von Personen¬
tend frz. aigue-marine f. und it. acquamarina /., bezeichnungen (z. B. Bibliothekar „Betreuer
zurückgehend auf 1. aqua f. 'Wasser’ und 1. mare einer Bibliothek”) und kollektiven Sachbezeich-
n. 'Meer’. Der Edelstein ist somit nach seiner nungen (z. B. Mobiliar „die gesamten Möbel”).
Farbe ('Meerwasser’) bezeichnet. In dieser Form wird es in lateinischen Wörtern
Etymologisch verwandt: s. Aquarium. ins Deutsche übernommen, in der Form -är in
Aquaplaning n., s. Aquarium und planieren. französischen Entlehnungen (frz. -aire). Es geht
zurück auf 1. -ärius.
Aquarell n. 'mit Wasserfarben gemaltes Bild’,
Etymologisch verwandt: -er.
fachsprachl. Im 19. Jh. entlehnt aus gleichbe¬
deutend it. acquarella f. (und frz. aquarelle /.), Ar n. (auch m.) 'Flächenmaß’, fachsprachl.
einer hypokoristischen Bildung zu it. acqua f. Im 19. Jh. amtlich übernommen aus frz. are
'Wasser’, das auf 1. aqua f. (dass.) zurückgeht. f, das seinerseits auf 1. ärea m. '(freier) Platz’
Man hat sich das Wort als verselbständigtes zurückgeht.
Attribut zu erklären (vgl. Aquarelltechnik, Etymologisch verwandt: Hektar.
Aquarellbild, Aquarellfarbe usw.), dessen -är Suffix, s. -ar.
Grundwort weggefallen ist.
Ära /. 'Zeitabschnitt, Epoche’. Im 18. Jh.
Etymologisch verwandt: s. Aquarium.
entlehnt aus gleichbedeutend spl. aera, ein als
Aquarium n. 'Behältnis für Wasserpflanzen Singular aufgefaßter ursprünglicher Plural
und -tiere’. Im 19. Jh. entlehnt aus gleichbedeu¬ Neutrum von 1. aes (-eris) n. 'Erz, Bronze,
tend ne. aquarium, einer neolateinischen Loka¬ Kupfer, Geld, Wert’ (mit Deklinationswechsel).
tivbildung zu 1. aqua f. 'Wasser’ (vgl. Herba¬ Die Bedeutung 'Zeitabschnitt’ erhielt 1. aera
rium, Terrarium). wohl in Spanien, wo es zur Numerierung der
Etymologisch verwandt: Aquädukt, Aquamarin, Aqua¬ Jahre von einem bestimmten Zeitpunkt ab (38
planing, Aquarell, Aquatinta, Aquavit', zum Etymon s. v. Chr.) verwendet wurde (z. B. aera
Au(e). DXXXVIII = No. 538 = 500 n. Chr.). Von
Aquatinta /., s. Aquarium und Tinte. diesem Gebrauch aus verallgemeinert sich die
Bedeutung zu 'Epoche, Zeitabschnitt’ (z. B.
Äquator m. 'größter Breitenkreis auf der
Erde’. Im 17. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend aera Hispanica).
Etymologisch verwandt: ästimieren; zum Etymon s.
1. aequätor, einem Nomen instrumenti zu 1. ae-
ehern.
quäre 'gleichmachen’ (s. auch -ator), zu 1. ae-
quus 'gleich’. Es ist zunächst — im Mittella¬ Arabeske /. '(phantastische) Verzierung’,
tein — ein Fachwort der mittelalterlichen fachsprachl. Entlehnt aus gleichbedeutend frz.
Astronomie zur Bezeichnung des Himmelsä¬ arabesque, zu frz. arabesque 'arabisch’. So be¬
quators (d. h. [circulus] aequätor diei et noctis nannt nach den Verzierungen der Araber, die
Arbeit 38 arg

im wesentlichen aus vielfältig verschlungenen archi- Präfix. Dient der Präfigierung von
Laubwerkornamenten bestanden. Substantiven, wobei dem Grundwort die Be¬
W. Feldmann ZDW 8 (1906/07), 53; Littmann (1924), deutung 'haupt-, übergeordnet’ hinzugefügt
60; Lokotsch (1975), 8. wird (z. B. Archidiakort „erster Diakon”). Es
Arbeit /. Mhd. arebeit, ahd. arabeit(i), as. wird in griechischen Wörtern mit gr. archi 'An¬
arbed(i) aus g. *arbaif>i- f. 'Mühsal, Arbeit’, fang’ (z. T. in lateinischer und romanischer Ver¬
auch in gt. arbaips, anord. erfiöi, ae. earfoö, mittlung) ins Deutsche übernommen und aus
afr. arbe(i)d. Das Wort kann ein ri'-Abstraktum diesen als Präfix verselbständigt.
zu einem Verb auf g. *-ä-ja- sein (eine sonst Etymologisch verwandt: s. Anarchie.
nicht bezeugte Bildungsweise), doch findet sich Archipel m. (= eine größere Inselgruppe),
keine semantisch passende Grundlage (die An¬ fachsprachl. Im Neuhochdeutschen entlehnt aus
knüpfung an Erbe ist unwahrscheinlich). Ande¬ gleichbedeutend it. arcipelago, zu it. pelago 'Ge¬
rerseits läßt sich das slavische Wort für Arbeit wässer’ (s. auch archi-), dieses aus 1. pelagus n.
vergleichen: akslav. rabota 'Sklaverei, Knecht¬ 'Meer’, aus gr. pelagos n. (dass.). Im Italieni¬
schaft u. ä.’, das deutlich zu akslav. rabü m. schen zunächst gebildet im Sinne von 'großes
'Knecht, Sklave’ gehört; hierzu vielleicht auch Gewässer’ als Bezeichnung des Ägäischen Mee¬
arm. arbaneak 'Diener, Gehilfe’. Die weiteren res; dann verallgemeinert zu 'Gewässer mit vie¬
Zusammenhänge sind noch nicht ausreichend len Inseln’, schließlich 'Inselgruppe im Meer’.
geklärt.
Architekt m. 'Baumeister’. Im 16. Jh. entlehnt
H. Götz ASAWL 49(1957), 119-125; G. Schneide¬
wind BGDSL-H 81 (1959), 174-187; Hoops (1973ff.), aus gleichbedeutend 1. architectus, dieses aus gr.
I, 383 — 386; Lloyd/Springer (1988ff.), I, 313 — 318. architektön (dass.), einer Zusammensetzung aus
gr. archi f. 'Ursprung, Anfang’ und gr. tektön
arbiträr Adj. 'nach Ermessen, willkürlich’,
'Baumeister, Zimmermann’, also eigentlich
fachsprachl. Entlehnt aus gleichbedeutend frz.
'Oberbaumeister’.
arbitraire, dieses aus 1. arbiträrius (dass.), zu 1.
Morphologisch zugehörig: Architektonik, Architektur;
arbiter 'Schiedsrichter, Beobachter, Mitwisser,
etymologisch verwandt: s. Anarchie. — W. Feldmann
Zeuge’, vermutlich zu 1. bTtere (eigentlich 1. bae-
ZDW 8 (1906/07), 53.
tere) 'gehen’ (s. auch ad-). Das lateinische Sub¬
stantiv bezeichnet wörtlich 'jmd., der hinzu¬ Archiv n. 'Aufbewahrungsort für öffentliche
kommt, um etwas zu sehen und zu hören’; dann Urkunden und Dokumente’. Im 16. Jh. entlehnt
über 'beiwohnender Unbeteiligter’ die Bedeu¬ aus gleichbedeutend ml. archivum, dieses aus
tung 'Schiedsrichter’. Das Adjektiv überträgt spl. archivum (dass.), einer Nebenform von 1.
die wörtliche Bedeutung 'schiedsrichterlich’ auf archtum (dass.), das auf gr. archeton 'Amtsge¬
'Sachverhalte, die nicht von Natur aus in einer bäude’ zurückgeht, einem Nomen loci zu gr.
bestimmten Weise festgelegt sind, sondern einer ärchein 'regieren, herrschen’.
Ermessensentscheidung bedürfen’; daraus dann Morphologisch zugehörig: Archivar; etymologisch ver¬
'beliebig, willkürlich’. wandt: s. Anarchie.
Morphologisch zugehörig: Arbiter, Arbitrage, Arbitra- Arena/. 'Kampfplatz (im Amphitheater)’. Im
tion. - Brunt (1983), 135. 18. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend it. arena
archaisch Adj. 'veraltet, altmodisch’, sonder- und 1. arena, einer Nebenform von 1. harena
sprachl. Im 19. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend 'Sand, Sandplatz’. Ausgehend von der Bezeich¬
gr. archai'kös, abgeleitet von gr. archatos 'alt’, nung eines Sandplatzes verengt sich die Bedeu¬
einer Ableitung von gr. archi 'Ursprung’. tung auf solche Sandplätze, auf denen Wett¬
Morphologisch zugehörig: Archaismus; etymologisch kämpfe abgehalten werden, bis sich dann der
verwandt: s. Anarchie. Bezug zu Sand weitggehend verliert.
Archäologie /. 'Altertumsforschung’. Im 18. arg Adj. Mhd. arc, ahd. ar(a)g aus g. *arga-
Jh. entlehnt aus gr. archaiologia 'Erzählungen Adj. 'feig’; das Wort gilt in alter Zeit als schlim¬
aus der alten Geschichte’, zu gr. archatos 'alt, mes Schimpfwort, und hat ersichtlich eine se¬
ursprünglich’ und gr. lögos m. 'Kunde, Wissen¬ xuelle Nebenbedeutung, vielleicht 'impotent’.
schaft, Vernunft’.
Bezeugt in anord. argr und ragr (mit tabuisie¬
Morphologisch zugehörig: Archäologie, Archäopterix; render Metathese), ae. earg, afr. erg. Herkunft
etymologisch verwandt: s. Anarchie und -logie.
dunkel. Ein Zusammenhang mit dem indoger¬
Arche /. Mhd. arche, ahd. arka, archa ist manischen Wort *orghi- Hode’ (gr. örchis usw.)
wie gt. arka, anord. prk, ae. earc(e), afr. erke ist wahrscheinlich, vgl. etwa gr. enorchis 'unver-
'Kasten’ entlehnt aus I. arca 'Verschluß, Ka¬ schnitten’, lit. erzus 'lüstern, geil’. Die Einzelhei¬
sten’. Im Neuhhochdeutschen nur noch als Be¬ ten bleiben aber unklar.
zeichnung für 'Noahs Kasten’ erhalten, mund¬
Nndl. erg, nschw. arg, nisl. argur 'schlecht’, ragur 'feig’.
artlich noch in anderer Bedeutung. S. ärgern. - J. Puhvel in: FS Risch (1986), 154f.;
Lloyd/Springer (1988ff.), I, 330f. Lloyd/Springer (1988ff.), I, 321-324.
argem 39 Arkadien

ärgern swV. Mhd. ergern, ahd. ärgerem. For¬ schätzung des Sanskrit als Ursprache auf'indo¬
mal vom Komparativ zu arg (s. d.) abgeleitetes germanisch’ ausgedehnt. Nach dem Mißbrauch
Verb, also eigentlich 'schlechter machen’. Eine dieses Wortes im Nationalsozialismus wird es
genauere Bedeutungsanalyse steht noch aus. heute gemieden (in der Sprachwissenschaft
Argument n. 'Beweisgrund’. Im 16. Jh. ent¬ noch als 'indo-iranisch’ gebraucht).
lehnt aus gleichbedeutend 1. argumentum, einer H. Siegert FUN-(1941/42), 73-99; M. Mayrhofer Spra¬
Ableitung von 1. arguere 'beweisen, erhellen’. che 1 (1961), 177f. Anders: J. Trier BGDSL 67 (1944),
111-117.
Morphologisch zugehörig: Argumentation, argumenta¬
tiv, argumentieren. — W. Feldmann ZDW 8 (1906/07), Aristokrat m. 'Adeliger’. Im 18. Jh. entlehnt
53f.; G. Schoppe ZDW 15 (1914), 177. aus gleichbedeutend frz. aristocrate m.jf, einer
Argusaugen PL, sonder spracht. Im 17. gebil¬ Ableitung von frz. aristocratie f. 'Adelsherr¬
det als Bezeichnung für besonders wachsame schaft’, dieses aus 1. aristocratia f. (dass.), aus
und scharfe Augen. Basis ist der Name des gr. aristokratia f (dass.), einem Abstraktum zu
Riesen Argos (1. Argus) aus der griechischen gr. äristos 'Tüchtigster’, dem suppletiven Super¬
Sagenwelt, der hundert Augen hatte und von lativ zu gr. agathös 'tüchtig, trefflich’, und gr.
der Göttin Hera als Bewacher der Jo, einer kratetn 'herrschen’, einer Ableitung von gr. krä-
Gehebten des Zeus, eingesetzt wurde. tos 'Macht, Gewalt’. Im Griechischen bezeich¬
net das Wort die 'Herrschaft der Vornehm¬
Argwohn m. Mhd. arewän, ahd. argwän. Zu¬
sten’ — in bewußter Scheidung von der Monar¬
sammengerückt aus arg und wahn (noch im 13.
chie einerseits und der Demokratie andererseits.
Jh. auch arger wän). Die Entwicklung zu ö ist Da aber Adel gleichgesetzt wird mit der sittlich¬
in den meisten Mundarten üblich. In dieser moralischen Qualifikation des Edlen, kommt es
Zusammensetzung hat das Wort Wahn seine zu der Gleichsetzung von Qualifikation und
alte Bedeutung 'Vermutung’ bewahrt. Abstammung, die das neuzeitliche Wortver¬
Ariadnefaden m., sonder spracht. Im 18. Jh. ständnis prägt.
gebildet als Bezeichnung für etwas, das aus Morphologisch zugehörig: Aristokratie; etymologisch
einer sehr unübersichtlichen Situation bzw. Pro¬ verwandt: s. Demokratie. — W. Feldmann ZDW
blemlage heraushilft. Bestimmungswort und 8 (1906/07), 54.
Bezeichnungsmotiv stammen aus dem Griechi¬ Arithmetik /. 'Rechenkunst’, fachsprachl. Im
schen: Nach der griechischen Mythologie gibt 16. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend 1. arithme-
Ariadne dem Theseus ein Knäuel, das er beim tica, dieses aus gr. arithmetike (techne) (dass.),
Gang durch das Labyrinth des Minotaurus ab- zu gr. arithmetikös 'was das Rechnen betrifft’,
rollen läßt, um nach dessen Bezwingung an zu gr. arithmein 'rechnen, zählen’, abgeleitet
diesem „Leitfaden” den rettenden Ausgang wie¬ von gr. arithmös m. 'Zahl’.
derzufinden. Etymologisch verwandt: Logarithmus. — Schirmer
(1912), 6. Zu Logarithmus: Schirmer (1912), 43; Ganz
Arie /. '(Opern)Lied’, fachsprachl. Im 17.
(1957), 132.
Jh. entlehnt aus gleichbedeutend it. aria 'Lied,
Melodie’, diese aus it. aria, afrz. aire 'Art und -arium Suffix. Dient der Bildung substantivi¬
Weise’, wobei das Wort eine 'Art zu singen’ scher Ortsbezeichnungen, vornehmlich zur
bezeichnet (vgl. dt. Weise 'Art’, Gesangsweise Charakterisierung von künstlich geschaffenen
und Weise 'Melodie’). Die Verengung zur heuti¬ Anlagen (z. B. Planetarium 'Beobachtungssta¬
gen Bedeutung 'Opernlied’ vollzieht sich im 18. tion für Himmelskörper’). Es wird hauptsäch¬
Jh. durch die eingeschränkte Verwendung im lich in neolateinischen Bildungen verwendet
Zusammenhang der von italienischen Vorbil¬ und geht auf das lateinische Lokativsuffix
dern geprägten Oper (vgl. die „tautologische -ärium zurück.
Zusammensetzung Opernarie). Das Wort ist Arkade /. 'Bogen’, meist PI. 'Bogengang
eine Pars-pro-toto-Bezeichnung, bei der „Melo¬ (usw.)’, fachsprachl. Im 17. Jh. entlehnt aus
die” sowohl für die Melodie als auch für den gleichbedeutend frz. arcade, dieses aus it. arcata
Text steht. Sekundär wurde das Wort auf 1. (dass.) (abgeleitet von it. arco m. 'Bogen’) und
der m. 'Luft’ bezogen und als 'durch die Luft ml. arcuatum n. (dass.), beide aus 1. arcus m.
Getragenes’ verstanden. 'Bogen’.
Eggebrecht (1955), 114, 127f. S. Armbrust. Ersatzwort ist Bogengang. — Jones
(1976), 106f.; Brunt (1983), 136.
Arier m., fachsprachl. Die Selbstbezeichnung
der indisch-iranischen Völker ist ärya- (wozu Arkadien n. 'idyllisches Land’, sonder spracht.
auch Iran), eine Virddhi-Bildung zu ari- Im 18. Jh. entlehnt aus gr. Arkadia, der Bezeich¬
'Fremdling’ (als 'die Gastfreundlichen’?). Im 18. nung einer Landschaft inmitten des Peloponnes
Jh. in Europa zunächst als Bezeichnung der (vermittelnder Einfluß englischer Literatur ist
Inder eingeführt, dann mit der damaligen Über¬ anzunehmen). Ausgehend von der Vorstellung,
Axkebusier 40 Arnika

daß es dort wirklich unverdorbene, „paradiesi¬ Beck/K. Strunk in: FS Eggers (1972), 18 — 41; Hoops
sche” Natur und Lebensart gibt, entwickelt sich (1973ff.), I, 413 — 417. Anders (mit weiterer Literatur):
die appellative Bedeutung 'Platz idyllischen Le¬ Lloyd/Springer (1988ff.), I, 333 — 335. Zu Armut:
Lloyd/Springer (1988(1.), I, 338-340.
bens’, die das Wort zum Gegenbegriff von Un¬
natürlichem und Maniriertem werden läßt. Armada /. 'Kriegsflotte, große Zahl’, fach¬
Arkebusier m. 'Hakenbüchsen-Schütze’, arch. sprachl. Im 16. Jh. entlehnt aus span, armada
Im 16. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend frz. 'Kriegsflotte, Kriegsheer’, zu 1. armätus 'bewaff¬
arquebusier, zu frz. arquebuse /. 'Hakenbüchse’,
net’, dem PPP. von 1. armäre 'ausrüsten, bewaff¬
dieses zu nndl. haakbus (dass.) unter volksety¬ nen’, zu 1. arma n. 'Gerätschaften, Waffen’.
mologischer Anlehnung an 1. arcus 'Bogen’. Etymologisch verwandt; s. Alarm. — G. Schoppe
Wis (1955), 93f.
ZDW 15 (1914), 176.;
Arktis /. 'Gebiet am Nordpol’, fachsprachl.
Neubildung zu 1. Arctus m. 'der Große Bär, der Armatur /. 'Vorrichtung zum Bedienen’. Im
Norden’, dieses aus gr. ärktos m. (dass.). 17. Jh. entlehnt aus it. armatura und 1. armätüra
Morphologisch zugehörig: Antarktis. — A. Scherer:
'Ausrüstung, (Bewaffnung)’, einem Kollekti-
Gestirnnamen bei den indogermanischen Völkern (Hei¬ vum zu 1. armätus 'ausgestattet, bewaffnet’, dem
delberg 1953), 131-134. PPP. von I. armäre 'ausrüsten, bewaffnen’, zu 1.
Arl /. 'Hakenpflug’, arch., südod. Mhd. arl. arma n. 'Gerätschaften, Waffen’. Dazu armieren
Entlehnt aus einer slavischen Sprache (urslav. 'mit Waffen, mit einer Ummantelung, mit Stahl
*ordlo, vgl. sloven. rälo, cech. rädlo). Die zuge¬
versehen’.
hörige Pflugschar heißt Ärling, was wohl eben¬ Etymologisch verwandt: s. Alarm.

falls entlehnt ist (fslav. *ordlinikü, vgl. allgemein Armbrust/. Mhd. ar/m)brust, ar(m)brost n.
südslav. ra/nik). ist im 12. Jh. entlehnt aus afrz. arbalestre. Die¬
P. Wiesinger in: Beumann/Schröder (1985), 164 — 170. ses kommt aus 1. arcuballista 'Bogenschleuder’
Arlesbaum m. 'Kornelkirsche’, arch., reg. (zu 1. arcus m. 'Bogen’ und einer Ableitung
Mhd. arlizbown, ahd. erlizboum. Vielleicht eine von gr. bällein 'werfen, schleudern’). Das zweite
Weiterbildung zu dem Wort für Erle, da die Glied des deutschen Wortes wird zuerst auf
Blätter der beiden Bäume sich ähnlich sind. mhd. berust, berost n. (Kollektivum zu rüsten,
Vgl. Kornelkirsche, Herlitze. s. d.) und erst sekundär (nachdem dieses Wort
ungebräuchlich wurde) auf Brust (daher das
Arm m. Mhd. arm, ahd. ar(a)m aus g. *arma-
Femininum) bezogen.
m. 'Arm’, auch in gt. arms, anord. armr, ae.
S. Arkade und Parabel. - H. Schwarz in: Trier (1981),
earm, afr. erm. Dieses aus einem indogermani¬
21 Anm. 13; R. Hiersche BN 18 (1983), 262 Anm. 5;
schen Wort für 'Schultergelenk, Arm’, das in Lloyd/Springer (1988ff.), I, 336f.
zwei Ablautformen *ara-mo- und *ro-mo- auf-
Armee f. 'Heer’. Im 17. Jh. entlehnt aus
tritt. Ersteres in 1. armus 'Oberarm, Schulter¬
blatt’, akslav. ramo n. 'Schulter’; letzteres in ai. gleichbedeutend frz. armee, einem Nomen acti
Irma- 'Arm’, apreuß. irmo f. 'Arm’. Ableitung
zu frz. armer 'bewaffnen’, dieses aus 1. armäre
von der Verbalwurzel ig. *ara- 'fügen’ in gr. (dass.), zu 1. arma n. 'Gerätschaften, Waffen’.
arariskein 'zusammenfügen’ und Ableitungen in
Ein Heer wird demnach bezeichnet als eine mit
anderen Sprachen. Grundbedeutung von Arm Waffen versehene Mannschaft.
ist also 'Gelenk’ oder 'Körperteil bei dem Ge¬ Etymologisch verwandt: s. Alarm. — W. Feldmann
ZDW 8 (1906/07), 54; Jones (1976), 107f.
lenk’. Vermutlich gleicher Herkunft ist 1. arma
n. 'Waffen’. Ärmel m. Mhd. ermel, ahd. armilo ist wie ae.
Nndl. ne. nschw. arm, nisl. armur. S. auch Alarm ( + ), earmella eine Zugehörigkeitsbildung zu Arm in
Art1, Harmonie (+), Reim (+), rituell. - Lloyd/Sprin¬ der Form eines Diminutivs. Grundbedeutung
ger (1988ff.), I, 331 -333. also 'das was zum Arm gehört’ (vgl. Eichel zu
arm Adj. Mhd. as. arm, ahd. ar(a)m aus Eiche).
g. *arma- Adj. 'vereinsamt, unglücklich’ (im armieren swV., s. Armatur.
Gegensatz zu heil, s. d.), auch in gt. arms,
Armleuchter m. 'Leuchter mit mehreren Ar¬
anord. armr, ae. earm, afr. erm. Vermutlich zu
men’. Das Wort wird in der Gegenwartssprache
ig. *er(a)- 'auflösen’ in lit. irti, akslav. oriti
als Schimplwort gebraucht, ursprünglich ver¬
'trennen, zerstören', ai. rte ‘ohne’. Morpholo¬
hüllend für Arschloch (wegen der gleichen An¬
gisch vergleichbar ist ai. ärma- 'Ruinenstätte’
fangsbuchstaben der Kompositionsglieder).
(im Gegensatz zum intakten Dorf). — Altes
Abstraktum zu arm ist Armut, mhd. armuot(e), Armut /., s. arm.
ahd. armuoti, armuotl n./f, as. armödi mit un¬ Arnika / (= eine I leilpflanze), fachsprachl.
klarem Suffix. Eine latinisierende Bildung unbekannter Her¬
Nndl. nschw. arm. - A. P. Wirth: Vor- und Frühge¬ kunft.
schichte des Wortes 'arm' (Diss. Freiburg 1966); H. Marzeil (1943/79), I, 406.
Aroma 41 Art

Aroma n. 'Duft, Gewürz, Geschmack’. Im 19. Ausgehend von der Bedeutung 'etwas für sich
Jh. entlehnt aus 1. aröma 'Gewürz’, dieses aus erbitten, beanspruchen’ entsteht die Bedeutung
gr. aröma (dass.), dessen Herkunft ungeklärt 'etwas unrechtmäßig für sich beanspruchen’,
ist. darunter auch 'sich Wissen usw. widerrechtlich
Morphologisch zugehörig: Arom, Arornat, aromatisie¬ zueignen’. Schließlich 'mit (solchem) Wissen
ren. - G. Schoppe ZDW 15(1914), 177. usw. auf andere herabsehen’.
Arrak m. 'Branntwein aus Reis oder Melasse’. Morphologisch zugehörig: Arroganz; etymologisch
Im 17. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend frz. verwandt: s. Adresse.
arak, dieses aus arab. caraq 'Schweiß, austre¬ arrondieren swV., s. rund und ad-.
tende Flüssigkeit; aus Palmmilch gewonnener
Arsch m., vulg. Mhd. ahd. as. ars(-belli) aus
gegorener Dattelschnaps’.
g. *arsa- m. 'Arsch’, auch in anord. ars und mit
Littmann (1924), 81, 84f.; Lokotsch (1975), 9.
tabuisierender Metathese rass, ae. ears; dieses
arrangieren swV. 'in Ordnung bringen, ein¬ aus ig. *orso- m. 'Hinterteil’, auch in heth. arra-
richten’. Im 18. Jh. entlehnt aus gleichbedeu¬ (lautlich unklar), gr. örros, arm. or gleicher Be¬
tend frz. arranger, zu frz. ranger 'reihen’ (s. auch deutung, wozu als *orsä gr. oura/., air. err (mit
ad-), einer Ableitung von afrz. renc 'bestimmte wohl sekundärer e-Stufe) 'Schwanz’ (air. auch
Reihe, Platz’, dieses aus frk. *(h)ring 'Kreis, 'hinterer Teil’) gehört. Weitere Herkunft un¬
Versammlung’. klar.
Morphologisch zugehörig: Arrangement, Arrangeur; Nndl. aars, ne. arse, nschw. arsel, nisl. rass. S. auch
etymologisch verwandt: Rang, rangieren; zum Etymon Mastdarm. — Lloyd/Springer (1988ff.), I, 345f.
s. Ring. — W. Feldmann ZDW 8 (1906/07), 54; Schir¬
Arsen n. Im 16. Jh. entlehnt aus gleichbedeu¬
mer (1911), 15f. Zu rangieren: Brunt (1983), 442.
tend spl. arsenicum, das auf gr. arsenikön (ar-
Arrest m. 'Haft’. Im 16. Jh. entlehnt aus ml. rhenikön) zurückgeht. Dieses letztlich aus
arrestum 'Beschlagnahme, Festhalten, (später) mpers. *zarntk 'goldfarben’ nach seiner gelben
Haftbefehl, Verhaftung’, dieses über romani¬ Farbe; der Wortanfang durch volksetymologi¬
sche Zwischenstufen aus 1. restäre 'Zurückblei¬ schen Anschluß an gr. arsenikös 'männlich’.
ben, Stillstehen’ (s. auch ad-), zu 1. störe (sta- Löschen (1968), 178f.
tum) 'stehen’ (s. auch re-). Damit verwandt ist
Arsenal n. 'Sammlung, Lager’. Im 16. Jh.
1. sistere 'stellen’. Das Verbum arretieren geht
entlehnt aus it. arsenale m. 'Zeughaus, Werft’
auf die frz. Entsprechung arreter 'anhalten,
(unter Einfluß der Entsprechungen aus den an¬
hemmen, u. ä.’ zurück.
deren romanischen Sprachen), dieses aus arab.
Morphologisch zugehörig: Arrestant, arretieren; ety¬
dar as-sinäca 'Gewerbehaus, Fabrik, Werft’, zu
mologisch verwandt: Assistent (usw.), Destination
(usw.), Distanz (usw.), etablieren (usw.), Etage, Etat, arab. där 'Haus’ und arab. sinSa 'Kunst, Beruf,
existieren (usw.), Instanz, Institut (usw.), konsistent Gewerbe’.
(usw.), konstant (usw.), Konstitution (usw.), Kontrast, Ersatzwort ist Zeughaus. — Littmann (1924), 88; Wis
Kosten, kosten1, obstinat, Prostitution (usw.), resistent (1955), 95f., Lokotsch (1975), 40.
(usw.), Rest, Staat, stabil (usw.), stagnieren, Station
Art1 /. Mhd. art mjf. 'angeborene Eigentüm¬
(usw.), Statist, Statistik, Stativ, Statue, Statur, Statut,
Substantiv, Substanz (usw.), substituieren (usw.), Tran¬
lichkeit, Natur, Herkunft, Art und Weise’. Das
sistor; zum Etymon s. stehen. — Schirmer (1911), 16. Wort kann altererbt sein, doch ist auffällig, daß
es in früherer Zeit unbelegt ist und erst später
arretieren swV., s. Arrest.
allgemein verbreitet wird. Falls es alt ist, ist im
arriviert Adj. 'erfolgreich, angesehen’, sonder- germanischen Bereich zu vergleichen ae. eard
sprachl. Im 19. Jh. als Verb entlehnt aus gleich¬ (ebenfalls selten), mndl. aert 'Lage, Art’, anord.
bedeutend frz. arriver, das über späte lateinische einarör 'einfach, aufrichtig’ ('von einfacher
Formen (*adripare) zurückgeht auf 1. ripa Art’); außergermanisch ist am ehesten ein Wur¬
'Ufer’ (s. auch ad-). Die Bedeutungsentwicklung zelnomen *ar(d)t- 'Fügung’ (zu dem unter Arm
verläuft vom konkreten 'am Ufer ankommen’ behandelten *ara- 'fügen’) anzusetzen, das auch
zu abstraktem 'ein Ziel erreichen’; das Partizip in anderen Sprachen nur in Relikten und Wei¬
(arriviert sein) dann in der Bedeutung etwas terbildungen vergleichbar ist: gr. ärti 'gerade,
erreicht haben’. eben’, gr. ärtios 'angemessen, richtig, bereit’, gr.
Morphologisch zugehörig: Arrival, arrivieren, Arri¬ artizein 'ordnen, einrichten’; arm. ard 'soeben,
vierte; etymologisch verwandt: Revier. — Jones (1976),
jetzt’; lit. artüs 'nahe’ u. a.
112.
Nndl. aard. S. Arm, artig, Artikel, Artist.
arrogant Adj. überheblich . Im 18. Jh. ent¬
Art2 /., arch. (in Zusammensetzungen wie
lehnt aus gleichbedeutend frz. arrogant, dieses
aus 1. arrogäns (-tis), dem PPräs. von 1. arrogäre Artacker, Artzaun usw.). Mhd. ahd. art das
'etwas für sich beanspruchen’, zu 1. rogare 'fra¬ Ackern, Ackerbau’, as. ard 'Aufenthaltsort’ aus
gen’ (s. auch ad-); dieses zu 1. regere 'richten’. g. *aröi- f. 'das Ackern’, auch in anord. grd.
Artefakt 42 Asbest

ae. eard (auch 'Aufenthaltsort, Heimat’ usw.). 'ausrüsten, anordnen’, einer Ableitung von afrz.
//-Abstraktum zu dem alten Verbum für 'pflü¬ tire 'Ordnung, Reihe’, aus frk. *tert, zu ahd.
gen’ g. *ar-ja- in gt. arjan, ahd. erren\ ig. *ara- ziart 'Pracht, Schmuck’.
in 1. aräre, mir. airid, lit. ärti, akslav. orati, gr. Morphologisch zugehörig: Artillerist; zum Etymon s.
aroün. Zier. - W. Horn ASNSL 182 (1943), 51; Jones (1976),
Lloyd/Springer (1988ff.), I, 347 — 349. 112-114.

Artefakt «., s. Artist und Faktum. Artischocke /. (= eine eßbare Pflanze). Im


16. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend (nord)it.
Arterie /. 'Schlagader’, fachsprachl. Im 16.
articiocco m., dieses aus aspan. alcarchofa, aus
Jh. entlehnt aus gleichbedeutend 1. arteria, die¬
span.-arab. al-harsüfa, vulgäre Nebenform zu
ses aus gr. arteria (dass.), einer Ableitung von
arab. al-hursüfa (dass.).
gr. (syn)aeirein 'anbinden, aufhängen’ (aus
Litlmann (1924), 81, 84; Wis (1955), 96; Lokotsch
*aerter- vereinfacht). Wohl so benannt, da es
(1975), 66.
sich um die Adern handelt, die dem Körper
vom Herz aus das Blut zuführen. Sie sind Artist m. 'Künstler (der Geschicklichkeits¬
gleichsam am Herz festgemachte Leitungen für übungen vorführt)’. Im 16. Jh. entlehnt aus ml.
das Blut. Aus der gleichen Grundlage Aorta artista 'Künstler’, dieses aus 1. ars (-rtis) f.
(s. d.). 'Kunst, Wissenschaft, Geschicklichkeit’. Im 19.
Jh. entsteht im Zusammenhang mit Varietes
artig Adj. Mhd. zunächst mit Umlaut ertec
unter Einfluß von frz. artiste die heutige, spe¬
(verneint unartec, unertec), zu Art1 (s. d.), also
ziellere Bedeutung, die nur deutsch ist.
eigentlich 'von (guter) Art’ (zur Bedeutung vgl.
Morphologisch zugehörig:1 Artistik-, etymologisch ver¬
etwa typisch zu Typ). Dann in verschiedenen
wandt: Artikel (usw.); zum Etymon s. Art1. Ersatzwort
(positiven) Bedeutungen gebraucht; heute auf
ist Künstler. — W. Feldmann ZDW 8 (1906/07), 54.
wenige Sonderfälle beschränkt und bereits et¬
was archaisch. Bildungen wie bösartig sind Zu¬ Arve/. 'Zirbelkiefer’, schwz. Seit dem 16. Jh.
sammenbildungen (von böser Art). als arbe, arve belegt. Herkunft dunkel.
W. Mitzka ZDS 26 (1970), 1-8. Arznei /. Zu dem Wort Arzt (s. d.) werden
Artikel m. 'Aufsatz, Geschlechtswort, Gegen¬ früh gebildet ahd. gi-arzätön 'verarzten, heilen’
stand’. Im Mittelhochdeutschen entlehnt aus und ahd. arzätle 'Heilmittel’. Statt dieser Bil¬
gleichbedeutend 1. articulus 'Teil eines Schrift¬ dung treten auch andere auf, die dem verdräng¬
stücks, Glied’, einem Diminutivum zu 1. artus ten älteren Wort (ahd. lähhinön 'heilen’) nachge¬
'Gelenk, Glied’. Es wird zunächst in die Kanz¬ bildet sind: ahd. giarzinön 'verarzten, heilen’
leisprache entlehnt als 'Abschnitt eines Ver¬ und mhd. arzente, arzentuom; aus letzterem
trags’, das sich dann auch zu 'Posten einer unsere Arznei.
Warenrechnung’ entwickelt, wozu Ende des 17. Nndl. artsenij.
Jhs. aus frz. article die Bedeutung 'Handelsge¬ Arzt m. Mhd. arzät, arzet, ahd. arzät wurde
genstand, Ware’ übernommen wird. Im 18. Jh. in vorliterarischer Zeit aus ml. archiater ent¬
schließlich erscheint es als Terminus der Sprach- lehnt (näher an der Ausgangsform mndl. arsa-
beschreibung (der Artikel als Gelenkstück syn¬ tere). Das lateinische Wort stammt aus gr. ar-
taktischer Fügungen).
chiätros 'Erz-arzt’, dem Titel antiker Hofarzte
Etymologisch verwandt: artikulieren (usw.), Artist; (zu gr. iästhai 'heilen’).
zum Etymon s. Art'. Ersatzwort ist Geschlechtswort.
Nndl. arts. S. Erz-( + ). — Hoops (1973ff.), I,
— Schirmer (1911), 16.
440 - 446; Lloyd/Springer (1988ff.), I, 358-360. Zum
artikulieren swV. '(sorgfältig) aussprechen, Benennungsmotiv für 'Arzt’ vgl.: G. Kandier ThB
äußern’. Im 16. Jh. entlehnt aus gleichbedeu¬ 29 (1957), 366-375.
tend 1. articuläre (wörtlich: 'gliedern’), einer Ab¬
as- Präfix, s. ad-.
leitung von 1. articulus 'Abschnitt, Teil, Glied’,
einem Diminutivum zu 1. artus 'Glied, Gelenk’. As n. 'höchste Spielkarte’. Im 18. Jh. entlehnt
Morphologisch zugehörig: Artikulation; etymologisch aus gleichbedeutend frz. as m., dieses letztlich
verwandt: s. Artikel. - G. Schoppe ZDW 15(1914), aus 1. as m. 'viereckiges Metallplättchen’. Im
177; K.-H. Weinmann DWEB 2 (1963), 387. Lateinischen entwickelt sich die Bedeutung
Artillerie f. 'Geschütze, Truppengattung’, über 'Münze’ zu '(fast) wertlose Münze’. Von
fachsprachl. Im 17. Jh. entlehnt aus gleichbe¬ da Übertragung auf die 'niedrigste Zahl auf
deutend frz. artillerie 'Geschütz’, einer Ablei¬ Würfeln; Eins im Kartenspiel’. Von der Bedeu¬
tung von afrz. artill(i)er 'mit Gerätschaft aus¬ tung 'höchste Karte im Spiel’ geht dann die
rüsten’, dessen Herkunft nicht ganz sicher ge¬ weitere Entwicklung aus.
klärt ist. Möglicherweise steht es — in Anleh¬ Asbest m. 'feuerfester Faserstoff’, fach¬
nung an art — für älteres atillier 'ausstatten’, sprachl. Im 17. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend
einer dissimilierten Nebenform von afrz. atirier 1. asbestos, dieses aus gr. äsbestos (lithos) 'As-
Asch 43 Assel

beststein’ (wörtlich: 'unauslöschlich, unzerstör¬ wissenhaft tun’ entwickelt sich 'sich gewissen¬
bar’), zu gr. sbennynai 'auslöschen’ (s. auch a-2). haft ertüchtigen’, und das Substantiv nimmt die
Es ist demnach 'ein Stoff, der (durch Feuer) Bedeutung 'körperliche und geistige Schulung
nicht zerstört werden kann’. und Zucht’ an. Man ging davon aus, daß solche
W. Feldmann ZDW 8 (1906/07), 54; Lüschen (1968), Ausbildung nur dann zu Weisheit und Tugend
179-181. führen kann, wenn sie auch Enthaltsamkeit und
Asch m. 'Gefäß', md., vgl. Aschkuchen. Mhd. Verzicht beinhaltet. Dieser Bedeutungsaspekt
asch, ahd. asc- 'Becken’ in asgfaz n. 'Urne’ und wird schließlich dominant.
ascman 'Bootsknecht’; wohl das gleiche Wort Morphologisch zugehörig: Asket.
wie g. *aska- 'Boot’ in anord. askr, ae. atsc, Asket m., s. Askese.
ahd. asc. Weitere Herkunft dunkel.
Aspekt m. 'Gesichtspunkt’. Im 18. Jh. ent¬
R. Hildebrand DWEB 3 (1963), 377; zur SchifTsbe-
lehnt aus 1. aspectus 'Anblick, Ausblick, Hinse¬
zeichnung: Hoops (1973ff.), I, 449f.
hen’, einem Nomen actionis zu 1. aspicere 'hin-
Asche /. Mhd. asche, ahd. as. asca aus g. sehen’, zu 1. specere 'sehen, schauen’ (s. auch ad-).
*aska-f. 'Asche’, auch in anord. aska, ae. cesce, Als lateinischer Terminus der mittelalterlichen
neben *azgö f. in gt. azgo. G. *aska- ist vermut¬ Astronomie hat es die eigentliche Bedeutung
lich eine Zugehörigkeitsbildung zu ig. *has- 'die Art, wie die Planeten aus ihren Positionen
'Herd’ (s. Esse), also 'das zu Herd (oder Feuer aufeinanderschauen’, dies wird dann übertra¬
o. ä.) gehörige’, ähnlich wie ai. äsa-, heth. hassa- gen auf ihren „Blick” auf die Erde, schließlich
'Asche’ eine Virddhi-Bildung zu der gleichen dann über die Perspektive des Betrachters auf
Grundlage sein dürfte. Die verbale tf-Ableitung der Erde hin zu 'Stellung der Sterne am Him¬
*haz-d- in gr. äzein 'dörren, trocknen’ und cech. mel’. Über die „schicksalsbestimmende” Deu¬
hvozdit 'Hopfen, Malz darren’ ist wohl als tung der Gestimpositionen dann auch 'Aus¬
'Hitze geben’ o. ä. aufzufassen, und war früher sichten’.
vermutlich weiter verbreitet. So könnte gt. azgo Etymologisch verwandt: s. Spektakel. — W. Feldmann
als *haz-d-ko- unter dem Einfluß dieser Form ZDW 8 (1906/07), 54.
stehen; vergleichbar ist vielleicht arm. aciwn. Asphalt m. (= eine Art Bitumen). Im 19.
Nndl. as, ne. ash(es), nschw. aska, nisl. aska. S. Esse. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend frz. asphalte,
Äsche /. (= Flußfisch), fachsprachl. Mhd. dieses aus 1. asphaltus (dass.), aus gr. äsphaltos
asche m„ ahd. asco m. Herkunft unklar. Viel¬ (dass.), einer Ableitung von gr. sphällesthai 'be¬
leicht zu Asche (s. d.) wegen der Farbe. schädigt werden, umgestoßen werden’ (s. auch
Lloyd/Springer (1988ff.), I, 367. a-2). Es ist das (Binde-)Mittel, das ursprünglich
verwendet wird, um Mauern zu festigen, d. h.
Aschenbrödel n., Aschenputtel n. Seit dem 16.
vor dem Umfallen oder Einreißen zu schützen.
Jh. bezeugte Bezeichnung des Küchenjungen.
Lüschen (1968), 181f.
Eigentlich 'der in der Asche wühlt’.
Zu -brödel s. brodeln. Aspik m./(n). 'Gallert’. Im 19. Jh. entlehnt
aus gleichbedeutend frz. aspic m., dessen weitere
Aschermittwoch m. An diesem Tag macht der
Priester den Gläubigen zum Zeichen ihrer Bü߬ Herkunft nicht sicher geklärt ist.
fertigkeit ein Kreuz aus Asche auf die Stirn. Aspirant m. 'Anwärter, Bewerber’, sonder-
Das -er- in der Fuge dieses Wortes hängt mit sprachl. Im 18. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend
einer regionalen Pluralform von Asche zusam¬ frz. aspirant, einer Ableitung von frz. aspirer
men. Bezeugt seit dem 15. Jh. 'sich bewerben, streben, sich sehnen nach’, aus
1. aspträre 'sich einer Sache oder Person nähern,
Aschkuchen m., s. Asch und Kuchen.
zu jmd. oder zu etwas zu gelangen suchen;
Aschlauch m., s. Schalotte.
wörtlich: zuhauchen, zuwenden’, zu 1. spträre
Ase m. (= Gott der nordischen Mythologie), 'hauchen, atmen’ (s. auch ad-).
fachsprachl. Im 19. Jh. aus anord. äss entlehnt. Morphologisch zugehörig: Aspirantur, Aspirata, Aspi¬
Dieses führt mit ae. ös gleicher Bedeutung auf ration, aspirieren-, etymologisch verwandt: s. Spiritus.
g. *ansu- m. 'Gott’, dessen weitere Herkunft Assel /., auch m., fachsprachl. Seit dem 16.
dunkel ist. Jh., auch als atzel, nassel u. a. Aus it. asello m.
Hoops (1973ff.), I, 457f.; L. Motz IF 89(1984), 'Assel’ zu 1. asellulus m. 'kleiner Esel’; deshalb
190-195. heißt das Tier auch Maueresel, Eselchen u. ä.
äsen swV, s. Aas. Das lateinische Wort ist eine Bedeutungsentleh¬
Askese /. 'enthaltsame Lebensweise’, sonder- nung aus gr. oniskos m. zu gr. önos m./f. 'Esel’,
sprachl. Im 18. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend formal ein Diminutiv, aber eigentlich eine Zuge¬
gr. äskesis, einem Abstraktum zu gr. askein hörigkeitsbildung, da es offenbar ursprünglich
'üben, etwas gewissenhaft tun’. Aus 'etwas ge¬ eine auf Eseln schmarotzende Laus bezeichnete,
Assessor 44 Asyl

dann auch andere Sorten Läuse und schließlich -ast Suffix. Dient der Bildung von desubstan-
die (oberflächlich ähnlichen) Asseln. Die Form tivischen Personenbezeichnungen (z. B. Gymna¬
mit -tz- tritt auch bei dem Wort Esel auf und siast, Phantast). Es wurde in griechischen Ent¬
widerspricht deshalb einer Gleichsetzung nicht. lehnungen ins Deutsche übernommen; sein Ur¬
Vgl. 1. porcellio m. 'Assel’, ursprünglich 'Schwei- sprung ist gr. -astes (dass.).
nelaus’ zu 1. porcus m. 'Schwein’. Aster /. 'Sternblume’, fachsprachl. Im 18. Jh.
Assessor m. 'Anwärter der höheren Beamten¬ entlehnt aus gleichbedeutend 1. aster m. 'Stern’
laufbahn’, J'achsprachl. Im 15. Jh. entlehnt aus und gr. asttr m. (dass.).
l. assessor 'Beisitzer bei Gericht’, einem Nomen Etymologisch verwandt: astro-, Astrologie, Astrono¬
mie, Desaster; zum Etymon s. Stern1. Ersatzwort ist
agentis zu 1. assidere 'dabeisitzen’ (s. auch -or),
Sternblume. — Ganz (1957), 32f.
zu 1. sedeve 'sitzen' (s. auch ad-). Von da dann
Weiterentwicklung zu 'Richter und Beamte am Ästhetik/. '(Lehre von der) Schönheit’. Neu¬
Anfang der Laufbahn im höheren Dienst’. bildung des 18. Jhs. zu gr. aisthetikös 'wahr¬
nehmbar’, zu gr. aisthänesthai 'wahrnehmen’
Etymologisch verwandt: Dissident (usw.), possessiv
(usw.), Präsident (usw.), Residenz (usw.), Sediment (als Grundform wird *awis-dh- angesetzt, das
(usw.), Session; zum Etymon s. sitzen. Ersatzwort ist auch 1. audlre 'hören’ zugrunde liegen kann).
für eine Teilbedeutung Beisitzer. Die Bezeichnung erklärt sich aus der „klassi¬
assimilieren sw V. 'angleichen\ fachsprachl. Im schen” Gegenüberstellung von Vernunft und
Sinnlichkeit. Die Philosophie sollte durch die
18. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend 1. assimi-
neue Disziplin Ästhetik erweitert werden, indem
läre, zu 1. simuläre 'ähnlich machen, nachbilden’
sinnliche Empfindungen und Eindrücke gleich¬
(s. auch ad-), zu 1. similis 'ähnlich’.
rangig neben die Vernunft gestellt wurden, um
Morphologisch zugehörig: Assimilation; etymologisch
die Wahrheit von Dichtung und Kunst mit der
verwandt: Dissimilation, Ensemble, Faksimile, Simile,
simpel, simulieren (usw.); zum Etymon s. zusammen. Wahrheit der Philosophie in Einklang zu
— Zu Faksimile; Ganz (1957), 71; bringen.
Morphologisch zugehörig: Ästhet; etymologisch ver¬
Assistent m. 'Helfer, Gehilfe’. Neubildung
wandt: Anästhesie (usw.), Audienz, audio-, Auditorium,
zum PPräs. von 1. assistere 'beistehen’, zu 1. Synästhesie (usw.). — A. Gombert ZDW 3 (1902),
sistere '(sich) hinstellen’ (s. auch ad-). Wörtlich 164; W. Feldmann ZDW 8 (1906/07), 51f.
demnach 'jmd., der bei einem steht’, dann 'jmd., Asthma n. 'schweres Atmen, Keuchen’, fach¬
der beisteht’. sprachl. Im 16. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend
Morphologisch zugehörig: Assistenz; etymologisch gr. ästhma, einer morphologisch unklaren Ab¬
verwandt: s. Arrest. — Jones (1976), 116f. leitung von idg. *ano- 'atmen’.
assoziieren swV. 'sich verbinden, sich zusam¬ Etymologisch verwandt: s. animieren.
menschließen’, fachsprachl. Im 17. Jh. entlehnt ästimieren swV. 'wertschätzen, würdigen’,
aus gleichbedeutend frz. s’associer, dieses aus 1. arch. Im Frühneuhochdeutschen entlehnt aus
associäre 'vereinigen, verbinden’, zu 1. sociäre gleichbedeutend frz. estimer, dieses aus 1. aesti-
'vereinigen, verbinden’ (s. auch ad-), zu 1. socius märe 'den Geldwert schätzen, taxieren’, zu 1.
'Gefährte’ (verwandt mit 1. sequi 'folgen’). Zu¬ aes 'Vermögen, Erz’.
nächst ein Terminus der Kaufmannssprache Etymologisch verwandt: s. Ära.
('Gesellschafter’), dann vor allem ein Wort der astro- Präfixoid. Dient der Komposition von
Psychologie. Substantiven, wobei dem Grundwort die Be¬
Morphologisch zugehörig: Assoziation, assoziativ; ety¬ deutung 'Stern, die Gestirne betreffend’ hinzu¬
mologisch verwandt: Exekution (usw.), Exequien, kon¬ gefügt wird (z. B. Astronomie 'Sternkunde’). Es
sequent (usw.), Konsoziation, sekundär, Sekunde (usw.), wird in griechischen Wörtern ins Deutsche
sozial (usw.), Sozius, Suite. — Schirmer (1911), 18. übernommen und geht auf gr. aster 'Stern’ zu¬
Ast m. Mhd. ahd. as. ast aus g. *asta- m. rück.
'Ast’, auch in gt. asts (der /-Stamm des Althoch¬ Etymologisch verwandt: s. Aster.
deutschen ist wohl sekundär). Aus eur. *ozdo- Astrologie /., s. astro- und -logie.
m. 'Ast, Zweig’, auch in gr. özos und arm. ost. Astronomie /., s. astro- und Agronom.
Vermutlich aus **o-sd-o- 'das, was ansitzt’ zu
Asyl n. 'Zufluchtstätte’. Im 18. Jh. entlehnt
der Wurzel *sed- 'sitzen’ (es wäre also eigentlich
aus gleichbedeutend 1. asylum, dieses aus gr.
der Astknorren so bezeichnet worden). Als Zu¬
äsylon (dass.), zu gr. äsylos 'unberaubt, sicher’,
gehörigkeitsbildung mit Virddhi noch ae. öst,
zu gr. sylon 'Raub, Plünderung’ (s. auch a-1).
mndd. öst, mndl. oest (aus g. *östa-) 'Astknor¬
Zunächst in der Bedeutung 'Zufluchtsort’ ver¬
ren’. Umgangssprachlich ist Ast 'Knorren’ für wendet; ab dem 19. Jh. dann 'Heim bzw. Unter¬
'Buckel’, vgl. sich einen Ast lachen. kunft für Bedürftige’.
S. sitzen ( + ). — Darms (1978), 236 — 238; Lloyd/ Morphologisch zugehörig: Asylant. — G. Schoppe
Springer (1988ff.), I, 373-375. ZDW 15(1914), 177.
Aszendent 45 Atoll

Aszendent m., 'Vorfahr; bei der Geburt im Feuermetaphorik anregen. Auf der Basis der
Osten des Horizonts auftretendes Tierkreiszei¬ ursprünglichen Dualität der feineren und weni¬
chen, Aufgangspunkt eines Gestirns’, fach- ger feinen Luft wird das Wort im 18. Jh. meta¬
sprachl. Neubildung zu 1. ascendens (-entis), phorisch zur Bezeichnung des Betäubungsmit¬
dem PPräs. von 1. ascendere 'hinaufsteigen, em¬ tels verwendet, das flüchtiger als Luft ist. Im
porsteigen’, zu 1. scandere 'steigen, emporstei¬ 19. Jh. erfolgt eine Übertragung auf das Me¬
gen’ (s. auch ad-). dium der Licht- und Funkwellen auch außer¬
Morphologisch zugehörig: Aszendenz, aszendieren; ety¬ halb des Luftraums.
mologisch verwandt: s. Skala. Morphologisch zugehörig: ätherisch. — Ganz (1957),
at- Präfix, s. ad-. 28f.; K.-H. Weinmann DWEB 2 (1963), 387.

-at Suffix. Vielfältig verwendetes Wortbil¬ Athlet m. 'Wettkämpfer’. Im 18. Jh. entlehnt
dungselement. Es dient u. a. zur Bezeichnung aus gleichbedeutend 1. äthleta, zu gr. äthletis
der 'Tätigkeit, die jemand ausübt’ (z. B. Deka¬ (dass.), einem Nomen agentis zu gr. äthlein 'um
nat), des 'Orts, an dem man das Amt ausübt’ einen Preis kämpfen’, zu gr. äthlos 'Wettkampf’
(z. B. Dekanat, Rektorat) und 'der Zeit, in der und gr. äthlon n. 'Preis’.
man das Amt ausübt’ (z. B. Dekanat). Hinzu Morphologisch zugehörig: Athletik; etymologisch ver¬
kommen deverbative Vorgangsbezeichnungen wandt: Biathlon.
(z. B. Telefonat), deverbative Bezeichnungen Atlantik m. 'Meer zwischen Europa, Afrika
des Ergebnisses einer Handlung (z. B. Testat, und Amerika’. Im Frühneuhochdeutschen ent¬
Reservat). Außerdem desubstantivische Kollek- lehnt aus gleichbedeutend I. Atlanticum mare,
tiva (z. B. Proletariat) und Bezeichnungen der Atlanticus öceanus 'Atlantischer Ozean’ und gr.
normalen Oxydationsstufe der Säuren, aus der Atlantikön pelagos n. (dass.). Das Benennungs¬
das Salz entsteht: Kaliumnitrat. Es wurde in motiv geht zurück auf die griechische Mytholo¬
lateinischen Entlehnungen ins Deutsche über¬ gie, nach der der Himmel auf dem Gebirge
nommen; sein Ursprung ist 1. -ätus (dass.). Atlas in Libyen ruht, so benannt nach dem
Atelier n. 'Werkstatt, Arbeitsraum (eines griechischen Halbgott Atlas, der die Erdkugel
Künstlers)’. Im 19. Jh. entlehnt aus gleichbedeu¬ auf seinen Schultern trug (das nt aus flektierten
tend frz. atelier m., dieses aus frz. astelier m. Formen). Das Wort dient dann auch als Attri¬
'Haufen von Holzspänen’, aus afrz. astele but zur Bezeichnung der weiteren Regionen,
'Span, Splitter’, einem Diminutivum zu 1. asser die an das Gebirge angrenzen, schließlich auch
m. 'Stange, Balken’. Aus 'Ort mit viel Spänen’ insbesondere für das an der Westküste Afrikas
wird demnach 'Arbeitsraum des Tischlers’ und gelegene Meer.
schließlich 'Arbeitsraum des Künstlers’. Etymologisch verwandt: [Atlant], Atlas.

Atem m. Mhd. ätem, ahd. ätum, as. äöom aus Atlas m. 'Landkartensammlung’. Nach dem
wg. *ädma- m. 'Hauch, Atem’, auch in ae. äöm, Titel einer Landkartensammlung von Mercator
afr. ethma; dieses aus ig. *etmö- 'Atem’, auch 1595 (nach dem Halbgott Atlas, s. Atlantik).
in ai. ätma 'Hauch, Seele’ («-Stamm) und viel¬ W. Feldmann ZDW8 (1906/07), 54; G. Schoppe ZDW
leicht air. athach f. 'Hauch, Wind’. Herkunft 15 (1914), 177; Littmann (1924), 94.
dunkel. Luthers Form Odem ist auf die religiöse Atmosphäre /. 'Lufthülle der Erde, Stim¬
und gehobene Sprache beschränkt geblieben. mung’. Neubildung des 17. Jhs. zu gr. atmös m.
Nndl. adern. — Lloyd/Springer (1988ff.), I, 391 — 393. 'Dunst’ und gr. sphaira 'Kugel’ zur Bezeichnung
Atheismus m., fachsprachl. Neubildung des des angeblich von Himmelskörpern ausströ¬
16. Jhs. zu gr. ätheos 'gottlos, die Staatsgötter menden und sie umgebenden Dunstes. Die
leugnend’, zu gr. theös 'Gott’ (s. auch a-1). übertragene Bedeutung 'Umgebung, Stim¬
mung’ findet sich ab dem 18. Jh.
Morphologisch zugehörig: Atheist; etymologisch ver¬
wandt: Enthusiasmus, Theologie. — W. Feldmann Morphologisch zugehörig: Sphäre. — W. Feldmann
ZDW 8 (1906/07), 54; W. J. Jones SN 51 (1979), 249. ZDW 8 (1906/07), 54.

Äther m. 'Raum des Himmels, Narkosemit- Atoll n. 'KoralleninseF, fachsprachl. Im 19.


W\\ fachsprachl. Im 17. Jh. entlehnt aus 1. aether Jh. entlehnt aus gleichbedeutend ne. atoll, das
'oberste Luftschicht’, dieses aus gr. aither (dass.; seinerseits aus einheimischen Bezeichnungen
wörtlich: 'Brennendes’), zu gr. aithein 'brennen, wie atollon und atoll für die Malediven über¬
glühen’. Nach griechischer Vorstellung lag über nommen ist, die wohl auf das Wort adal 'verbin¬
dem niederen Luftraum (gr. äer) eine höhere dend’ der Sprache Malayalam zurückgehen. Be¬
Luftzone, der Äther. Im Äther, dem Wohnsitz nennungsmotiv ist also die ringförmige Struk¬
der Götter, soll die Luft besonders fein sein. tur der Inseln, für die die Malediven charakteri¬
Das Benennungsmotiv ist wohl in den Rotfär¬ stisches Beispiel sind.
bungen des Himmels begründet, die zu einer Littmann (1924), 121.
Atom 46 ätzen

Atom n. 'winziges Teilchen’. Im 19. Jh. ange¬ 1. testäri (testätus) 'bezeugen’ (s. auch ad-), zu
paßt aus älterem Atomus m., das entlehnt ist 1. testis 'Zeuge’.
aus gleichbedeutend 1. atomus f., dieses aus gr. Etymologisch verwandt: protestieren (usw.), Testa¬
ätomos f. (dass.), einer Substantivierung von gr. ment, testieren. — W. J. Jones SN 51 (1979), 249.
ätomos 'unteilbar’, abgleitet von einer Ablaut¬ Ätti m. 'Vater’, alem. Diminutiv zu Att(e),
stufe von gr. temnein 'schneiden’ (s. auch a-2) mhd. atte, ahd. atto 'Vater’. Kindersprachliches
(vgl. gr. tome, tomä f 'Schnitt’). Im Griechi¬ Lallwort (vgl. das Ausbleiben der Lautverschie¬
schen zunächst in philosophischen Überlegun¬ bung!), das auch in gt. atta auftaucht (dazu als
gen Bezeichnung für hypothetische Elementar¬ Diminutiv der Name des Hunnenfürsten Attila,
teilchen; mit dem Aufkommen der Naturwis¬ mhd. mit Lautverschiebung [!] Etzel); außerger¬
senschaften dann physikalische Fundierung die¬ manisch in heth. atta-, gr. (Vokativ) ätta, 1.
ses Konzeptes. Die erfolgreiche Kernspaltung atta , alb. ät(e) 'Vater’, ohne Geminate das
im 20. Jh. widerlegt das ursprüngliche Benen¬ Diminutiv akslav. otici; vgl. ai. attä 'Mutter’
nungsmotiv. (nicht in Texten belegt). Ähnliche Formen auch
Morphologisch zugehörig: atomar, etymologisch ver¬ in außerindogermanischen Sprachen.
wandt: s. Anatomie. — W. Feldmann ZDW 8 (1906/ Lloyd/Springer (1988ff.), I, 385-388; Lühr (1988),
07), 54. 254f. Zu entsprechenden Lallwörtem vgl.: J. Friedrich
-ator Suffix, s. -or. Glotta 23 (1935), 207 — 210. Zu 1. atta vgl.: E. Hermann
IF 53 (1935), 97f.
Attache m., 'diplomatischer Berater’, fach-
Attraktion/. 'zugkräftige Darbietung (im Zir¬
sprachl. Entlehnt aus gleichbedeutend frz. atta-
kus)’. Im 19. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend
che m. (wörtlich: 'Zugeteilter’), einer Substanti¬
ne. attraction, dieses aus frz. attraction 'Anzie¬
vierung des PPrät. von frz. attacher 'zuteilen’.
hung’, aus spl. attractio (dass.), einem Nomen
Etymologisch verwandt: s. Attacke. — Brunt (1983),
actionis zu 1. attrahere 'anziehen’, aus 1. trahere
138f.
(tractum) 'ziehen’ (s. auch ad-).
Attacke /. 'Angriff’. Im 17. Jh. entlehnt aus Morphologisch zugehörig: attraktiv, Attraktivität; ety¬
gleichbedeutend frz. attaque, einem Nomen ac- mologisch verwandt: s. abstrakt. — K.-H. Weinmann
tionis zu frz. attaquer 'angreifen’, dieses aus DWEB 2(1963), 387f.
it. attaccare (dass.), das auf ein nicht belegtes Attrappe/. 'Nachbildung’. Im 19. Jh. entlehnt
germanisches Wort für ein spitzes Befestigungs¬ aus gleichbedeutend frz. attrape, einer Ablei¬
mittel (vgl. ndd. takk 'Nagel, etwas Spitzes’) tung von frz. attraper 'fangen, fassen, erwi¬
(s. auch ad-) zurückgeht. Es bedeutet zunächst schen’, das seinerseits abgeleitet ist von frz.
wörtlich 'festmachen, befestigen’ (vgl. frz. atta¬ trappe 'Schlinge, Falle’, das auf ein afrk.
cher, ne. attach); dann auch 'zugehörig sein, *trappa 'Falle’ zurückgeht. Aus der Bedeutung
zusammengehören’. Im 16. Jh. dienen dann ita¬ 'Falle’ entwickelt frz. attrape die Bedeutung
lienische Phrasen mit attaccare (z. B. attaccare 'täuschender Scherzartikel (auf den man „her¬
battaglia 'in der Schlacht mitmachen, mit¬ einfällt”)’; also eine täuschende Nachbildung.
kämpfen’) als Vorbild für frz. attaquer in der Jones (1976), 120.
Bedeutung 'angreifen’.
attribuieren swV., s. Attribut.
Etymologisch verwandt: Attache. — W. Feldmann
ZDW 8 (1906/07), 54; Jones (1976), 118f. Attribut n. 'Beifügung, Eigenschaft’, fach-
sprachl. Im 18. Jh.-entlehnt aus gleichbedeutend
Attentat n. 'Mordanschlag’. Im 15. und er¬
1. attribütum, dem substantivierten PPP. von 1.
neut im 18. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend
frz. attentat m., dieses aus 1. attentätum 'Ver¬ attribuere 'zuweisen, beifügen’, zu 1. tribuere
(tribütum) 'zuteilen’ (s. auch ad-).
such’, dem substantivierten PPP. von 1. atten-
täre, attem(p)täre 'versuchen, angreifen, anta¬ Etymologisch verwandt: s. Tribut. Ersatzwort ist Beifü¬
gung.
sten’, zu 1. temptäre, tentäre (temptätum) 'ver¬
suchen’ (s. auch ad-). 'Versuch’ wird hier über Atzel /. 'Elster’, reg. Diminutiv zu der auf
'verbrecherischer Versuch’ eingeengt auf den ahd. agaza, agastra zurückgehenden Form. S.
speziellen Fall eines politischen Mordversuchs. Elster.
Attentäter ist im 19. Jh. gebildet (als Reimwort atzen swV., s. Aas.
zu Hochverräter) mit volksetymologischer In¬
ätzen swV. Mhd. etzen, ahd. ez(z)en aus g.
terpretation von -tat als Kompositionsglied d.
*at-eja- 'essen lassen, beißen lassen’, auch in
Tat.
gt. fra-atjan 'zum Essen austeilen’, anord. etja
Etymologisch verwandt: s. tentativ.
'hetzen, anspornen, reizen, füttern’, ae. ettan
Attest n. 'Bescheinigung’. Im 17. Jh. entlehnt 'abweiden’, afr. etta 'weiden’; Kausativ zu essen
aus gleichbedeutend 1. attestätio /., einer Ablei¬ (s. d.). Bedeutungsentwicklung im einzelnen un¬
tung von 1. attestäri 'bezeugen, bestätigen’, zu klar. In der Bedeutung 'füttern’ berührt sich
au 47 auf

das Wort im Deutschen mit anderen Bildungen Audimax n., Kurzform von 1. auditörium
(s. Aas)\ es bleibt in der Bedeutung 'beißen, mäximum, s. Auditorium und Maximum.
ätzen’, die im 15. Jh. zu dem Fachwort für das audio- Präfixoid. Dient der Komposition von
Behandeln von Metall mit Säure wird. Substantiven und Adjektiven, wobei dem
au Interj. (des Schmerzes). Mhd. ou, ouwe, Grundwort die Bedeutung 'das Hören, die aku¬
ahd. au neben mhd. o we. Naturlaut wie 1. ai stische Wahrnehmung betreffend’ hinzugefügt
u. a. wird (z. B. Audiometer 'Gerät zum Messen der
S. o, oh. — Lloyd/Springer (1988ff.), 1, 393 — 395. Hörfähigkeit des Menschen’, audiovisuell „hör¬
Au(e) /., arch. Mhd. ouwe, ahd. ouwa 'Land bar und sichtbar”). Es wird vornehmlich in
am Wasser, Insel’ aus g. *agwijö f. 'die zum neolateinischen Wörtern verwendet und geht
Wasser gehörige’, auch in anord. ey 'Insel’, ae. auf 1. audlre 'hören’ zurück.
Tg 'Insel’; Zugehörigkeitsbildung zu g. *ahwöf Etymologisch verwandt: s. Ästhetik.

'Fluß, Wasser’ in gt. alva 'Fluß’, anord. ö, ä Auditorium n., 'Hörerschaft, Hörsaal’, fach¬
'Fluß’, ae. ea, afr. ä, e 'Wasser, Fluß’, as. ahd. sprachl. Im 17. Jh. entlehnt aus 1. auditörium
aha 'Wasser, Flut, Fluß’ aus weur. *aquä f. 'Hörsaal (ursprünglich: das Anhören einer
'Wasser’, auch in 1. aqua f. 'Wasser, Fluß’; weite¬ Rechtssache)’, zu 1. audltor m. 'Hörer’, zu 1.
rer Anschluß an heth. eku- 'trinken’ ist umstrit¬ audlre 'hören’.
ten. Sowohl Ach wie Au sind im Deutschen und Etymologisch verwandt: s. Ästhetik. - G. Schoppe
außerhalb häufig in Gewässer- und Flurnamen; ZDW 15 (1914), 177. Zu Auditeur: Jones (1976), 121.
als Appellativ ist Ach heute ausgestorben, Aue/., s. Au(e).
Au(e) ist auf die gehobene, dichterische Spra¬ Auerhahn m., Auerochse m. Einerseits mhd.
che beschränkt. ürhan, andererseits mhd. ür(ochse), ahd.
Nndl. landouw 'Gefilde’, ne. island, nschw. ö, nisl. ür(ohso) neben ae. ür, anord. ürr. Für 'Auer¬
ey(ja) 'Insel’. S. Aquarium ( + ), Eiland. — Darms
hahn’ auch anord. orri, mhd. orrehan. Die indo¬
(1978), 25. Zu -ach: Lloyd/Springer (1988ff.), I,
germanischen Sprachen haben zwei parallele
99-103.
Wörter für das Männchen von Tieren, einmal
Aubergine/. (= die Frucht eines Nachtschat¬ *wrs(en)- in ai. vrsän- 'Männchen, Hengst’, ai.
tengewächses in Südostasien). Entlehnt aus vrsabhä- 'Stier’, 1. verres 'Eber’, lit. versis '(Och¬
gleichbedeutend frz. aubergine, dieses aus kat. sen) Kalb’; andererseits *rs- in ai. rsabhä-
alberginia (dass.), aus arab. al-bädingän (dass.), 'Stier’, gr. ärsen 'männlich’. Beide stehen neben
aus pers. bädingän, bädingän u. ä. (dass.). Wörtern für 'regnen’ (und andere Nieder¬
Morphologisch zugehörig: aubergine. schläge) und beruhen wohl auf einer alten meta¬
auch Part. Mhd. ouch, ahd. ouh, as. ök geht phorischen Benennung des Geschlechtsverkehrs
zurück auf g. *auke 'auch’ in gt. auk, anord. als 'beregnen’; die Bedeutung 'männlich’ also
auk, ae. eac, afr. äk\ mit abweichender Bedeu¬ aus 'besamend’. Die beiden Sippen sind entwe¬
tung gt. auk 'denn’, ahd. ouh 'aber’. Es kommen der parallel oder durch unregelmäßige Abwand¬
zwei Etymologien in Frage; unter Umständen lung auseinander entstanden. Aus *rs- läßt sich
sind — erkennbar an den verschiedenen Bedeu¬ ohne weiteres anord. orri, mhd. orrehan herlei¬
tungen — zwei Partikel lautlich zusammenge¬ ten, doch ist es auffällig, daß hier (und nur
fallen, nämlich ein Imperativ g. *auke 'füge hier) ein Vogel als Männchen bezeichnet wird.
hinzu’ zu dem starken Verb g. *auk-a- 'hinzufü¬ Immerhin ist das Balzverhalten des Auerhahns
gen’ (gt. aukan, anord. auka, ae. eacen PPrät., so auffällig, daß eine solche Bezeichnung denk¬
afr. äka, as. ökan PPrät., ahd. auhhan), das auf bar wäre. Die übrigen Wörter (Auer-) gehen auf
ig. *aug- 'vermehren’ (1. augere usw.) zurück¬ g. *üra- zurück, das in der Bedeutung 'regnen’
geht; und eine ig. Partikel *au, etwa in gr. aü (anord. ur 'feiner Regen’) nur mit lateinischen
'wieder, hingegen’. Zugunsten der ersten Ety¬ Wörtern vergleichbar ist (1. ürlnäre 'harnen’).
mologie spricht das durchsichtige ae. pär-tö- In beiden Sprachen kann diese Lautform auf
eacan 'außerdem’ (wörtlich 'dazugefügt’). *uwrs-, einer Variante zu dem oben angeführten
S. Auktion ( + ), noch2, wachsen ( + ). *wrs- mit der Entwicklung von rs zu rz, dann zu
rr mit anschließender Vereinfachung (lateinisch
Audienz/. 'Empfang’, fachsprachl. Im 16. Jh.
vor dem Akzent, germanisch nach Langvokal)
entlehnt aus 1. audientia 'Gehör, Aufmerksam¬
zurückgehen, so daß der Anschluß an die ver¬
keit’, einem Abstraktum zu 1. audlre 'hören'.
breitete indogermanische Sippe gewonnen wird.
Die Bedeutung entwickelt sich an den Fürsten¬
S. Ochse ( + ), Ur. Nndl. oeros. — Suolahti (1909),
höfen in Formeln wie Audienz geben oder um
248-251; Hoops (1973ff.), I, 476-479.
eine Audienz bitten von Gehör zur Zeremonie,
auf Adv., Präp. Mhd. ahd. üf, as. up aus g.
bei der einem Gehör geschenkt wird .
*up(a) 'auf’, auch in anord. upp, ae. up, afr.
Morphologisch zugehörig: Auditorium-, etymologisch
verwandt: s. Ästhetik. - Jones (1976), 120f.
up neben gt. iup (aus *eupa?); dieses aus ig. *upo
aufbürden 48 aufziehen

mit ähnlichen lokalen Bedeutungen in ai. üpa mand auf etwas sein Augenmerk richtet, dann
und mit s-Anlaut gr. hypo, hypö und 1. sub. läßt er zugleich von seiner Tätigkeit ab; das
Das germanische Wort zeigt später im Süden Ablassen ist deshalb ein anderer Aspekt des
Vokaldehnung, im Norden Geminate des Kon¬ Aufmerkens; daher die Übertragung.
sonanten. Nach Sommer (s. u.) Lautgebärde äufnen swV. '(Kapital) ansammeln’, schwz.
*up für eine schnelle, kräftige Bewegung von Wie mhd. üf(f)en 'erhöhen, ansammeln’. Ablei¬
unten nach oben; iup mit 'Artikulationsanlauf’. tung zu auf (s. d.).
Nndl. op, ne. up, nschw. nisl. upp. S. äufnen, hypo-,
aufoktroyieren swV., sondersprachl. Im 17. Jh.
Make-up, oben, offen, sub-, über (+). — Henzen
als oktroyieren 'bewilligen, gewähren’ entlehnt
(1969), 218-240, 274-278; F. Sommer (1977), 6-11.
Zum Lautlichen: W. Mitzka ZDA 93 (1964), 293. aus frz. octroyer gleicher Bedeutung (dieses mit
Neu-Anschluß an die lateinische Grundlage aus
aufbürden swV, s. Bürde.
afrz. otroier, dieses aus ml. *auctorizare, Erwei¬
aufdinsen stV, arch., s. aufgedunsen. terung aus 1. auetöräre 'bestätigen, sich verbür¬
aufdrieseln swV., s. auf dröseln. gen’ zu 1. auctor 'Urheber, Gewährsmann’).
Die — nur deutsche — spätere Bedeutungsver¬
aufdröseln swV. 'aufdrehen, entwirren’, ugs.
änderung beruht auf dem Streit um die preußi¬
Auch aufdrieseln, auftröseln. Zu einem md. ndd.
sche Verfassung von 1848, die vom König ok¬
triseln 'drehen’, vgl. trisel 'Kreisel’. Weiteres
unter triezen, aber sonst ist die Herkunft unklar. troyiert, also 'erlassen’ wurde. Dies wurde von
den Demokraten nicht gebilligt, die in der ok¬
Das Wort ist durch Goethe verbreitet worden.
troyierten Verfassung eine aufgezwungene Ver¬
Aufenthalt m. Spmhd. üfenthalt; Verdeutli¬
fassung sahen. Diesen Sinn hat das Wort (ver¬
chung von gleichbedeutendem enthalt 'Unter¬
stärkt durch auf-) bis heute beibehalten.
halt, Aufenthalt’ zu enthalten 'unterhalten’.
S. Auktion ( + ).
Aufgebot n. Bezeugt seit dem 15. Jh. Zunächst
aufpäppeln swV., s. päppeln.
eine aufgebotene Mannschaft, zu aufgebieten,
aufpassen swV, s. passen.
aufbieten. Dann 'Aufforderung zur Anmeldung
von Ansprüchen’ und schließlich 'Bekanntgabe Aufruhr m., s. Ruhr.
einer beabsichtigten Eheschließung’ (d. h. 'Auf¬ aufsässig Adj. Zu mhd. üfsaz m. 'Widersetz¬
forderung zur Anmeldung irgendwelcher Ehe¬ lichkeit, Groll’, etwa nach dem Muster mhd.
hindernisse’). widersaz — widersceze(c) gebildet. Zugrunde
aufgedunsen Adj. (PPrät.). Zu einem nicht liegt ein altes Adjektiv der Möglichkeit (*sätja-)
mehr gebräuchlichen starken Verb aufdinsen zu sitzen oder setzen (s. d.).
'ausdehnen’. Dieses zu mhd. dinsen, ahd. thin- aufschneiden stV. Es bedeutet in alter Zeit
san, as. thinsan 'ziehen’ aus g. *pens-a- stV. 'vorlegen’. Im 17. Jh. auch für 'große Reden
'ziehen’, auch in gt. atpinsan 'heranziehen’. Die¬ führen’ (etwa in der Wendung mit dem großen
ses aus ig. *tens- 'ziehen, spannen’ in ai. tarhsa- Messer aufschneiden, also 'große Stücke vorle¬
yati 'zieht hin und her, schafft herbei’, lit. t§sti gen’); dann allgemein für 'prahlen’.
'durch Ziehen dehnen, spannen’. Eine einfa¬ aufschwemmen svt’F. Meist in festen Wendun¬
chere Wurzelform ist ig. *ten- (s. dehnen). gen wie aufgeschwemmtes Gesicht ('aufgedun¬
aufgekratzt Adj. (PPrät.) 'ausgelassen’, ugs. sen’). Zu mhd. swemmen 'aufgehen lassen’ (etwa
Ursprünglich Partizip zu aufkratzen 'durch Teig mit Hefe); vermutlich eine Ableitung zu
Kratzen aufbereiten’, übertragen etwa in ein Schwamm (s. d.) als 'aufgehen wie ein
schlechtes (Theater-) Stück aufkratzen und dann Schwamm’, aber beeinflußt von schwemmen,
verallgemeinert. Vielleicht letztlich vom Auf¬ überschwemmen usw., die zu schwimmen gehö¬
kratzen der Wolle mit Disteln. ren (s. d.).
S. kratzen (+). aufstöbern swV., s. stöbern.
aufgeräumt Adj. (PPrät.). Partizip zu aufräu- auftröseln swV., s. aufdröseln.
men. Wie bei herausgeputzt ist der Ausdruck für
aufwarten swV. 'zu Diensten sein’, arch. Ei¬
das Sauber-Machen gleichzeitig ein Ausdruck
gentlich 'auf jmd. achten, für jmd. sorgen’. Zu
für das Schmücken der Person. Schon früh warten (s. d.).
übertragen verwendet für 'gut aufgelegt’.
aufwiegeln swV. Eine seit dem 15. Jh. (ur¬
Aufhebens machen. Ursprünglich Ausdruck sprünglich nur schweizerisch) belegte Iterativ¬
der Fechtersprache für das zeremonielle Aufhe¬ bildung zu (be)wegen, also ursprünglich: 'in
ben der Waffen; danach allgemein für 'sich um¬ vielen kleinen Schritten bewegen’.
ständlich verhalten’.
aufziehen stV. Bei Uhren deshalb, weil die
aufhören swV. Mhd. üfhaeren\ in gleicher Be¬ Gewichte der alten Turmuhren in die Höhe
deutung auch einfaches mhd. liieren. Wenn je¬ gezogen wurden: In der Bedeutung 'verspotten’
Auge 49 Ausflucht

ein Ausdruck der Folter: das Opfer wurde mit Aula /. 'Raum für Veranstaltungen’, fach¬
beschwerten Füßen hochgewunden — deshalb sprachl. Im 17. Jh. entlehnt aus 1. aula 'Atrium,
eigentlich 'jmd. quälen’, dann abgeschwächt Halle’, dieses aus gr. aufl 'Hof, Wohnung’.
'verspotten’. Im 20. Jh. eine Veranstaltung auf-
Aura /. 'Ausstrahlung’, sonder sprachl. Ent¬
ziehen, etwa im Sinne von 'wie ein Uhrwerk
lehnt aus 1. aura 'leiser Schimmer, Lichtglanz,
ablaufen lassen’.
Dunst, Hauch’, dieses aus gr. aüra 'frische Luft,
W. Linden in: Maurer/Stroh (1943), II, 412; A. Langen
Hauch, Luftzug’.
in: Maurer/Rupp (1974/78), II, 70.
Aurikel /. 'Bergschlüsselblume’, fachsprachl.
Auge n. Mhd. ouge, ahd. ouga, as. öga aus g.
Neubildung des 18. Jhs. zu 1. auricula 'Öhr-
*augön n. 'Auge’, auch in gt. augo, anord. auga,
chen’, einem Diminutivum zu I. auris 'Ohr’.
ae. eage, afr. äge, aus ig. *oqu- 'Auge’ in ai.
So benannt nach der Form der Blätter dieser
äksi-, gr. össe (Dual), 1. oculus m., akslav. oho,
Pflanze.
lit. akis f. Vielleicht zu einer Verbalwurzel mit
der Bedeutung 'sehen’. Der Diphthong im Ger¬ aus Adv./Präp. Mhd. ahd. üz, as. üt aus g.
manischen beruht auf einem (wohl unregelmä¬ *ut(a) 'aus’ in gt. üt, anord. üt, ae. afr. üt zu
ßigen) Umsprung des u/w (Bestandteil des La- ig. *ud- mit ähnlichen lokalen Bedeutungen,
biovelars qu) wie bei Haupt (s. d.). z. B. in ai. üd- 'empor, hinaus’. Das Wort ist
Nndl. oog, ne. eye, nschw. öga, nisl. auga. — Zur Adverb; Präposition nur im Westgermanischen.
Lautform: F. Specht ZVS 62 (1935), 211." Die Vokallänge beruht auf sekundärer Deh¬
Augenbraue /., s. Braue. nung.
Nndl. uit, ne. out, nschw. ut, nisl. üt. S. außen, außer,
Augenhaber m. 'Geschwulst am Augenlid’, s.
Fallout, Handout, k.o., Layout. — Henzen (1969),
Gerstenkorn. 133-178.
Augenlid n., s. Lid.
ausbaden swV 'die Folgen tragen’, ugs. Be¬
Augentrost m. 'Euphrasia’, fachsprachl. zeugt seit dem 16. Jh. Älter ist die Bedeutung
Spmhd. ougentröst, mndd. ögentröst heißt so, 'zu Ende baden’. Der Bedeutungsübergang ist
weil die Pflanze als Augenheilmittel verwendet vielleicht bewirkt durch sprichwörtliche Wen¬
wurde. Übernommen in nndl. ogentroost, dungen, wie Wer in das Bad steigt, muß auch
nschw. ögontröst. ausbaden (ähnlich bei Fischart 1575). Gemeint
Marzeil (1943/79), II, 389-392. ist (wörtlich) 'das Badewasser ausgießen
Augiasstall m. 'Ort mit großer Unordnung, müssen’.
üble Verhältnisse’, sonder sprach!. Im 19. Jh. aus S. Bad(+). — Anders: W. Niekerken in: FS Pretzel
dem Griechischen übernommen, wo es auf eine (1963), 372f.
altgriechische Sage um Herkules zurückgeht, ausbaldowern swV, s. baldowern.
der die Aufgabe hatte, den seit 30 Jahren nicht
ausbooten swV. 'vom Schiff mit einem Boot
mehr ausgemisteten Stall des Königs Augeias
ans Land bringen’, ugs. Heute nur noch über¬
zu säubern. Schon in antiker Zeit als Bild ver¬
tragen (ausgebootet werden 'aus einer Position
wendet, um gehäufte Mißstände zu bezeichnen.
verdrängt werden’). Vielleicht beeinflußt durch
Augmentation /., s. Auktion. Bote als '(durch Boten) ausladen’.
Augstein m., s. Bernstein. W. Niekerken in: FS Pretzel (1963), 373.
August m. (= der 8. Monat des Jahres). Im Ausbund m., arch. Seit dem 15. Jh. belegt für
Althochdeutschen entlehnt aus gleichbedeutend den Gebrauch der Kaufleute, Warenproben 'aus
1. (mensis) Augustus. Von den Römern so be¬ den Bünden’ zu nehmen, um sie als Schauende,
nannt zu Ehren des Kaisers Octavian, der den Schaustück o. ä. obenauf zu binden. Da hierzu
Namen Augustus (wörtlich: 'der Erhabene’) als die besseren Stücke genommen wurden, entwik-
Beinamen trug. Entlehnung und Verbreitung kelt Ausbund die Bedeutung 'das beste von allen
der lateinischen Bezeichnung erfolgte in juristi¬ Stücken, etwas ungewöhnlich Gutes’.
schen Texten. Ahd. augusto, mhd. ougest, dann
ausflippen swV. 'durchdrehen, sich der Gesell¬
wieder an die Ursprache angepaßt.
schaft entziehen’, jugendsprachl., ugs. In der
Auktion /. 'Versteigerung’, sondersprachl. Im Gegenwartssprache entlehnt aus ne. to flip out,
16. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend 1. auctio das das gleiche bedeuten kann (wörtlich: 'weg¬
(-önis), einem Nomen actionis zu 1. augere schnipsen’).
(auctum) 'vermehren, versteigern’. Aus 'ver¬
Ausflucht /., meist PI. Bezeugt seit dem 15.
mehren’ wird dabei den Preis erhöhen .
Jh. Die heutige Bedeutung geht zurück auf
Morphologisch zugehörig: auktionieren, Auktionator,
rechtssprachliche Wendungen ('Anrufung eines
etymologisch verwandt: aufoktroyieren, Autor (usw.),
höheren Gerichts, Vorwand bei der Verteidi¬
Autorität, zum Etymon s. auch und wachsen. Ersatz¬
wort ist Versteigerung. gung’, vgl. Ausweg, doch wird bei Ausflucht
Ausgeburt 50 Ausstand

von vorneherein das Merkmal des Vortäuschens dieser Zusammenhang sekundär ist, ist die Her¬
unterstellt). Zu fliehen und Flucht1 (s. d.). kunft des Wortes unklar.
Ausgeburt/. 'Geborenes, Erzeugnis’ (meist im Nach R. Gerlach BDL 90 (1953), 175 zu merten (d. h.
schlechten Sinn), arch. Bezeugt seit dem 18. Jh. 'ausscheiden am Martinstag’). Nach R. Neubauer
ZW 13 (1903), 100 — 102 als *merkezen 'markieren’
Zu gebären (s. d.) und Geburt.
zu merken (bair. Schafe merken).
ausgekocht Adj. (PPrät.), ugs. Zu auskochen
auspowcm swV 'ausbeuten bis zur völligen
mit ähnlichem Bedeutungswandel wie raffiniert
Erschöpfung\ jugendsprach/. Präfigierung zu d.
(s. d.). Gaunersprachliches kochem (s. d.) 'ge¬
power 'armselig, ärmlich’, dieses aus frz. pauvre
scheit’ kann mit eingewirkt haben.
(dass.), aus 1. pauper (dass.).
S. kochen ( + ).
ausrangieren swV., s. arrangieren und aus.
ausgemergelt Adj. (PPrät.). Partizip eines sel¬
tener belegten schwachen Verbs ausmergeln, ausrotten swV. Früher auch ausruttem, es ist
auch abmergeln. Vermutlich wird damit ur¬ die ursprüngliche oberdeutsche Entsprechung
sprünglich das Verfahren bezeichnet, Äcker mit zu dem aus dem Niederdeutschen stammenden
Mergel kurzfristig aufzuwerten, wodurch sie roden (s. d.). Die Bedeutung ist also 'mit der
aber stärker ausgelaugt werden (vgl. die Wurzel entfernen’.
Bauernregel Mergel macht reiche Väter und Aussatz m., fachsprachl. Im 13. Jh. rückge¬
arme Söhne). Das Wort wird auch für andere bildet aus mhd. üzsetze, ahd. üzsazfejo 'Aussät¬
Formen des Auslaugens und Abmagerns ver¬ ziger’, wörtlich 'einer, der außen sitzen muß’,
wendet und dabei an Mark (s. d.) im Sinne von weil die Leprakranken sich von dem menschli¬
'das Mark ausziehen’ angeschlossen; bei der chen Siedlungen absondern mußten. Das ältere
Verwendung zur Bezeichnung eines abgemager¬ Wort ist ahd. misalsuht 'Mieseisucht’ zu 1. misel-
ten Körpers auch (in der medizinischen Fach¬ Ius 'der Arme, Elende’.
sprache) an 1. marcor 'Schlaffheit’, 1. marcidus Hoops (1973ff.), I, 505-508.
'welk’. Einzelheiten der Entstehung und Ent¬
Ausschuß m. 'ausgeschiedene Teile der Pro¬
wicklung unklar.
duktion’. Im 15. Jh. zu ausschießen in der heute
S. auch Mergel. - B. Liebich BGDSL 23 (1898), 223;
S. Singer ZDW3 (1902), 223; A. Götze ZDW10 (1908/
nur noch regional üblichen Bedeutung 'aus¬
09), 49-56. scheiden, aussondern’ gebildet. Die Bedeutung
geht auf schießen 'werfen’ zurück. Mit an¬
ausgepicht Adj. (PPrät.) 'durchtrieben’, ugs.
derer Bedeutungsentwicklung aus der gleichen
Eigentlich 'mit Pech ausgeschmiert’ (um dicht
Grundlage die Bedeutung 'Kommission’.
zu machen), dann übertragen wie raffiniert
(s. d.), durchtrieben u. ä. außen Adv. Mhd. üzen, ahd. üz(z)ana zu g.
*ütan- 'außen’ in gt. ütana 'von außen’, anord.
auskneifen swV, ugs. Im 19. Jh. übernommen
ütan, ae. utan(e), üton; aus der unter aus (s. d.)
aus ndd. ütkmpen (auch knipen gän) 'sich aus
behandelten Grundlage.
der Klemme (knlp) befreien, weglaufen’. Später
Nschw. nisl. utan.
zunächst in der Studentensprache 'sich heimlich
davonmachen’. Außenseiter m. Lehnbildung zu ne. Outsider,
Auskunft/. Seit dem 17. Jh. bezeugt, zunächst ursprünglich als Bezeichnung eines Pferdes, auf
in der Bedeutung 'Ausweg’ (zu auskommen, her¬ das nicht gewettet wird.
auskommen)-, dann über Auskunft geben 'einen Stiven (1936), 82, 98.
Ausweg nennen’ zur heutigen Bedeutung. außer Adv. Mhd. üzer, ahd. üz(z)ar, as. -ütar
S. kommen ( + ). aus g. *ütar-, auch in anord. ütar, ae. üte,
ausladend Adj. (PPräs.) 'ausgebreitet (von üt(t)or, afr. üter, aus der unter aus (s. d.) behan¬
Ästen u. a.)’. Ursprünglich niederdeutsch. Zu delten Grundlage.
Lode (s. d.), also vom üppigen Wachstum jun¬ ausstaffieren svrF. Im 16. Jh. aus ndd. utstaf-
ger Sprößlinge gesagt und sekundär an laden feren (u. ä.) übernommen, das über das Nieder¬
angeglichen. ländische auf afrz. estofer zurüchgeht; dieses
W. Niekerken in: FS Pretzel (1963), 373. gehört zu dem unter Stoff (s. d.) behandelten
ausmarchen swV. '(Rechte) gegeneinander ab¬ Substantiv; also ursprünglich; 'mit Stoff aus¬
grenzen’, schwz. Fnhd. ausmarken 'abgrenzen’; statten, ausschmücken’.
zu Mark' (s. d.). S. Staffage, Stoff.
ausmerzen swV Seit dem 15. Jh. im Sinne Ausstand m. In älterer Zeit oberdeutsches
von 'die zur Zucht nicht tauglichen Schafe aus- Wort für 'Fehlen beim Dienst’ zu ausstehen
scheiden’. Das Wort wird auf März bezogen, '(beim Dienst) fehlen’. Ende des 19. Jh. wird
von der Vorstellung ausgehend, daß die Schaf¬ das Wort aus der Bergmannssprache aufgegrif¬
herden im Frühjahr verkleinert werden. Falls fen, um das aus ne. strike entlehnte Streik zu
ausstatten 51 Autorität

ersetzen; hat sich aber nur teilweise durchge¬ gen verwendet; es geht auf gr. autbs 'selbst’
setzt. zurück.
V. Steinecke ZSV 9 (1894), 106. Etymologisch verwandt: autark, authentisch, Auto,
Autogramm, Automat, autonom.
ausstatten swV. Seit dem 17. Jh. zu früherem
stat(t)en 'zu etwas verhelfen’, eigentlich 'zu et¬ Auto n. Kopfwort von Automobil 'Kraftfahr¬
was Gelegenheit geben’, zu Statt (s. d.) 'Stelle, zeug’, das im 19. Jh. entlehnt wurde aus gleich¬
Gelegenheit’. bedeutend frz. automobile, einer Zusammenset¬
zung aus gr. au tos 'selbst’ und 1. möbilis 'beweg¬
Auster f. Im 16. Jh. aus ndd. üster entlehnt,
lich’. So benannt, da es 'ein sich selbst bewegen¬
das über das Niederländische auf afrz. oistre
des Fahrzeug’ ist.
und auf 1. ostrea und 1. ostreum n. zurückgeht.
Etymologisch verwandt: s. auto- und mobil.
Dieses stammt aus gr. östreion n. 'Auster’, das
aus einem Stamm *ostr- 'harte Schale’ zu ig. Autodafe n. 'feierliche Hinrichtung von Ket¬
*os(t)- 'Knochen’ gebildet ist. zern’, fachsprachl. Im 18. Jh. entlehnt aus
Hoops (1973ff.), 1, 509 — 512; Lloyd/Springer (1988
gleichbedeutend port. auto da fe m. (wörtlich:
ff.), I, 295-297. 'Akte des Glaubens’ [= 1. actus fidel m.]). Zu¬
nächst Bezeichnung der öffentlichen Verkündi¬
Austrag m., arch., südd. Verbalabstraktum zu
gung eines Urteils der Inquisition; dann über¬
austragen. Österr. auch 'Altenteil’ zu österr.
tragen auf dessen Vollstreckung.
austragen 'sich ausbedingen’.
Autogramm n., 'eigenhändige Unterschrift’.
austreten stV Im intransitiven Gebrauch er¬ Neubildung des 20. Jhs. zu gr. autbs 'selbst’ und
hält das Verb frühneuhochdeutsch vor allem gr. grämma f. 'Schriftzeichen, Schreiben’.
in der Heeressprache die Bedeutung 'aus einer Etymologisch verwandt: s. auto- und Grammatik.
Gruppe heraus-/ hervor-/ wegtreten’. Daraus
Automat m. Im 18. Jh. übernommen aus 1.
übertragen im 19. Jh. 'aus einem Verein usw.
automatus, automatos 'aus eigenem Antrieb
austreten’ und 'seine Notdurft verrichten’ (die¬
handelnd, freiwillig’ zu gr. automatos 'sich von
ses wie älteres abtreten, s. Abtritt).
selbst bewegen, selbständig, von selbst gewor¬
ausweiden stV. 'die Eingeweide herausneh- den, u. ä.’ zu gr. autbs 'selbst’ (s. auto-) und dem
men’,fachsprachl. Seit dem 16. Jh. zu dem unter Partizip *mn-to- der Wurzel *men- 'denken’.
Eingeweide behandelten Wort. Etymologisch verwandt: Amnestie-, zum Etymon s.
mahnen.
auswendig Adj. 'äußerlich’. Nur noch in der
Verbindung mit wissen, lernen (u. ä.). So seit autonom Adj. 'unabhängig’, fachsprachl. Im
dem 16. Jh. als 'bereits beim äußeren Anblick 18. Jh. entlehnt aus gr. autonomos, dieses aus
kennen’. gr. autbs 'selbst’ (s. auto-) und gr. nomos 'Ge¬
setz’, also 'nach eigenem Gesetz’.
auswringen stV, s. wringen.
Etymologisch verwandt: Taxonomie.
autark Adj. 'unabhängig’, fachsprachl. Im 20.
Autor m. 'Verfasser’. Im 15. Jh. entlehnt aus
Jh. entlehnt aus gleichbedeutend gr. autärkes,
1. auctor (bzw. seiner Schreibvariante 1. autor)
einer Ableitung von gr. arketn 'genügen, ausrei¬
'Urheber, Gründer’, einem Nomen agentis zu
chen’ (s. auch auto-). 1. augere 'vermehren, fördern’. Es bezeichnet
Morphologisch zugehörig: Autarkie; etymologisch ver¬ zunächst u. a. 'jmd., der bestimmte Rechte hat’
wandt: s. auto-. (vgl. z. B. „auctöritäs”), dann auch Rechtsge¬
authentisch Adj. 'verbürgt, eigenhändig’, son- lehrte (die ihr Wissen niederlegen) und schlie߬
dersprachl. Im 16. Jh. entlehnt aus gleichbedeu¬ lich allgemeiner Gelehrte, die ihr Wissen schrift¬
tend 1. authenticus, dieses aus gr. authentikös lich weitergeben. Die heutige Bedeutung in be¬
(dass.), einer Ableitung von gr. authentes 'Urhe¬ wußter Abgrenzung von Dichter und Schrift¬
ber’ (s. auch auto-). Die Etymologie des zweiten steller.
Bestandteils ist umstritten. Morphologisch zugehörig: autorisieren-, etymologisch
Morphologisch zugehörig: Authentizität, etymologisch verwandt: s. Auktion. Ersatzwort ist Verfasser. - W.
Feldmann ZDW 8 (1906/07), 55.
verwandt: s. auto-, — W. Feldmann ZDW8 (1906/07),
55; W. J. Jones SN 51 (1979), 249. autorisieren swV, s. Autorität.
auto- Präfixoid. Dient der Komposition von Autorität /. 'Ansehen’. Im 15. Jh. entlehnt
Substantiven und Adjektiven, wobei dem aus 1. au(c)töritäs 'Gültigkeit, Glaubwürdig¬
Grundwort die Bedeutung 'selbst, aus eigener keit’, zu 1. auctor m. 'Urheber, Gründer’, einem
Kraft’ hinzugefügt wird (z. B. Automobil 'selbst¬ Nomen agentis zu 1. augere 'vermehren, för¬
bewegendes Fahrzeug’, autonom 'selbständig’). dern’. Hierzu autorisieren (16. Jh.) über frz.
Es wird in griechischen Wörtern ins Deutsche autoriser 'ermächtigen, mit Gültigkeit (auctöri¬
übernommen und viel in neoklassischen Bildun¬ täs) versehen’. Dazu im Französischen autori-
avancieren 52 azur

taire 'sich Autorität anmaßen’, woraus in der Avocado/. (= die eßbare Frucht eines süd¬
Gegenwartssprache autoritär entlehnt ist. amerikanischen Baumes), fachsprachl. Entlehnt
Etymologisch verwandt: s. Auktion. — F. Fürst: Die aus gleichbedeutend span, avocado m. (s. Advo¬
Bedeutung der auctoritas (Diss. Marburg 1934); H. kat), einer volksetymologischen Umbenennung
Rabe: Autorität (Konstanz 1972).
von Nahuatl ahuacatl (dass.).
avancieren swV. 'aufsteigen, vorwärtskom¬
Axiom n. 'Grundsatz’, fachsprachl. Im 17. Jh.
men’, sondersprachl. Im 17. Jh. entlehnt aus
gleichbedeutend frz. avancer, dieses über spätla¬ entlehnt aus gleichbedeutend 1. axiöma, dieses
teinische Zwischenstufen zu 1. abante 'vor etwas aus gr. axiöma (dass.), einer Ableitung von gr.
weg’, zu I. ante 'vor, vorn’ (s. auch ab-). äxios 'würdig, wert’. So benannt nach der Auf¬
Morphologisch zugehörig: Avance, Avancement. — fassung, daß diese Lehrsätze von allen aner¬
Schirmer (1911), 25; Jones (1976), 122; Brunt (1983), kannt und von niemandem angezweifelt wer¬
140f. den. Erst später entwickelt sich aus den 'ge¬
Avantgarde/. '(extravagante) Vorreiter’, fach- schätzten Grundsätzen’ eine wissenschaftliche
sprachl. Im 17. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend Axiomatik.
frz. avant-garde, dieses aus frz. avant 'vor’ und Morphologisch zugehörig: Axiomatik; etymologisch
frz. garde m. 'Bewachung, Wache’ (s. Garde). verwandt: s. Agenda. — Schirmer (1912), 8.
Das militärische Wort wird dann übertragen
Axt /. Mhd. ackes, ahd. ackus, as. akus aus
verwendet als 'Vorreiter (einer bestimmten Strö¬
mung o. ä.)\ g. *akwesjö f. 'Axt’, auch in gt. aqizi, anord.
Etymologisch verwandt: s. Garde. — Jones (1976), ex, ae. cecse, afr. axa. Das -t ist sekundär ange¬
124f.; H. Böhringer AB 22 (1978), 90-114. treten; das k ist vor w westgermanisch gemi-
Aversion/. 'Abneigung’, sondersprachl. Im 17. niert. Vergleichbar sind 1. ascia und gr. axtne
Jh. entlehnt aus gleichbedeutend frz. aversion, ähnlicher Bedeutung. Es könnte ig. *ak- 'spitz,
dieses aus 1. äversio (-önis) (dass., wörtlich: scharf’ als Grundwort vorausgesetzt werden,
'Abwenden’), einer Ableitung von 1. ävertere doch ist das Wort eher eine Entlehnung aus
'abwenden’, zu 1. vertere (versum) 'wenden, dre¬ einer vorindogermanischen Sprache.
hen’ (s. auch ab-). A. Schirokauer MLQ 4(1943), 21—25; Hoops
Morphologisch zugehörig: Avers; etymologisch ver¬ (1973FF.) I, 534-562; W A. Benware BGDSL-T
wandt: s. Vers. — Brunt (1983), 141. 101 (1979), 333f.; Lloyd/Springer (1988ff.), I, 44.
avisieren swV. 'einen Besuch o. ä. ankündi¬
azur Adj. 'himmelblau’. Im 18. Jh. entlehnt
gen’, sondersprachl. Im 16. Jh. entlehnt aus
aus gleichbedeutend frz. azur, dieses aus ml.
gleichbedeutend frz. aviser, einer Ableitung von
azurum 'himmelblau, Lasurstein’, aus arab. lä-
frz. avis 'Meinung’, einer Zusammenrückung
aus afrz. a vis in Nachbildungen von spätem 1. zaward, läzuward 'Lasurstein’, aus pers. läzu-
mihi Visum est 'es scheint mir’, zu 1. videre wärd (dass.). Bei der Entlehnung wurde das /-
(vlsum) 'sehen’ (s. auch ad-). als vermeintlicher Artikel weggelassen.
Morphologisch zugehörig: Avis, Aviso; etymologisch Etymologisch verwandt: Lapislazuli, Lasur. - Litt-
verwandt: s. Visage. - Schirmer (1911), 26. mann 1 (1924), 90f.; Lokotsch (1975), 104.
B
Baas m. 'Meister, Herr’, ndd. Entlehnt aus wäre der erste Bestandteil mit Woge oder einem
nndl. baas, mndl. baes. Vor allem in der Sprache ähnlichen Wort verknüpft und durch Bach er¬
der Seeleute gebräuchlich. Herkunft dunkel. setzt worden; stelz- statt sterz- könnte auf einer
S. Boß. auch sonst beobachtbaren Lautentwicklung be¬
babbeln swV., s. pappein. ruhen oder umgedeutet sein.
Vgl. nndl. kwikstaart, ne. wagtail. S. Stelze ( + ). —
Babuschen PI. 'Hausschuhe’, nordd., od. Im
Suolahti (1909), 87-94; F. Freitag ZM 13(1937),
18. Jh. entlehnt aus frz. babouche/., das letztlich 157-174; K. Ranke BGDSL 62 (1938), 286-317;
auf pers. päpüs 'Fußbekleidung’ (aus pers. pä Lloyd/Springer (1988ff.), I, 511-513.
'Fuß’ und pers. püsldän 'bedecken’) zurückgeht.
Back/, 'tiefe, hölzerne Schüssel’, fachsprachl.,
Die norddeutsche Form Puschen ist wohl von
ndd. Vgl. ne. back 'Gefäß’, nndl. hak 'Trog’;
poln. papuc (gleicher Herkunft) beeinflußt.
vielleicht entlehnt aus gall. *bacca 'Wasserge-
Baby n. 'Säugling’. Im 19. Jh. entlehnt aus faß’, das allerdings in der vorauszusetzenden
gleichbedeutend ne. baby, einer hypokoristi- Form mit dieser Bedeutung nicht belegt ist.
schen Form zu ne. habe, dessen Ursprung nicht S. Bassin ( + ).
geklärt ist. Man vermutet ein zugrundeliegendes
Backbord n. 'linke Schiffsseite’, fachsprachl.
Lallwort der Kindersprache.
Aus dem Niederdeutschen; wie nndl. bakboord,
Morphologisch zugehörig: Babysitter.
ae. bcecbord, wörtlich 'Bord im Rücken’ (s. Bord
Bach m. Mhd. hach m./f, ahd. bah, as. beki und vgl. g. *baka- n. 'Rücken’ in anord. bak,
aus wg. *baki- m. 'Bach’, auch in ae. bece, ae. bcec, afr. bek, as. bak, ahd. bah\ Herkunft
afr. -bitze, neben dem ya-Stamm *bakja- m. in unklar, s. aber Backe2). In alter Zeit war das
anord. bekkr, ae. becc. Regional, besonders in Steuer auf der rechten Seite des Schiffes, so daß
Gewässernamen, auch Femininum. Herkunft die linke im Rücken des Steuermanns lag.
dunkel. Wenn air. büal 'Wasser’ auf *bhog-lä Vgl. Steuerbord. S. Bache, Comeback, Feedback, Play¬
zurückgeht, kann es vergleichbar sein. Vgl. auch back.
ae. brök 'Bach’ (s. Bruch2), zu dem es mit Ab¬ Backe1 /., Backen m. Mhd. backe m., ahd.
laut und Ausfall des r zwischen Labial und backo m. 'Backe, Kinnlade’, as. in der Zusam¬
Tektal (vgl. sprechen und ne. to speak) gehören mensetzung kinnibacco (ahd. chinnibahho, kinni-
kann. bahho) 'Kinnbacken’. Wenn unmittelbar mit
Nndl. beek, nschw. bäck. — H. Krähe BN 1 (1949/50), dem gr. Glossenwort phagönes 'Kinnbacken’ zu
32 — 34; Rooth (1983), 5 — 49; zur Morphologie: Ch.
vergleichen, liegt voreinzelsprachl. *bhagn-/-en-
Peeters 7.F77(1972), 212 — 214. Anders: Lloyd/Sprin¬
voraus; weitere Herkunft unklar (kaum zu gr.
ger (1988fif.), I, 427-429.
phägö 'ich esse’, üblich ist nur der Aorist epha-
Bache /. '(wildes) Mutterschwein’, fach- gon). Lautlich verdächtig ähnlich, aber nicht
sprachl. Seit dem 16. Jh. bezeugt. Vermutlich unmittelbar zu vergleichen ist 1. bucca f. 'aufge¬
von einem Ausdruck für 'Schinken, Speckseite’ blasene Backe’.
übertragen: ahd. bahho, mndl. bake 'Rücken, R. M uch ZD W2 (1902), 283; Lloyd/Springer (1988ff.),
Speckseite’ (hieraus afrz. ne. bacon 'Speck’). I, 421 -423; Lühr (1988), 224f.
Vgl. mundartlich Bachen 'Speckseite’. Vielleicht
Backe2 /. in Arschbacken, Hinterbacken PI.,
zu g. *baka- n. 'Rücken’ (s. Backbord).
ugs. Mhd. backe. Wird als übertragene Verwen¬
S. Backe2. — Lloyd/Springer (1988ff.), I, 417f.
dung von Backe1 aufgefaßt, und möglicher¬
Bachen m., s. Bache. weise ist das Wort auch so zu erklären. Der
Bachstelze/. Seit dem 15. Jh. als bachstelz(e) übliche Anschluß an g. *baka- n. 'Rücken’ (s.
bezeugt. Wörtlich 'die im Bach stelzt’ nach dem Backbord) und ahd. bahho 'Speckseite’ (s. Ba¬
bevorzugten Aufenthaltsort des Vogels. Vermut¬ che) ist aus lautlichen und semantischen Grün¬
lich handelt es sich aber um eine Erneuerung den zumindest bei einer unmittelbaren Ver¬
eines älteren Namens *wagi-starzjö 'die den knüpfung ausgeschlossen. Wenn das Wort tat¬
Schwanz bewegt’ (vgl. mundartlich Wippstert, sächlich alt und von Backe1 unabhängig ist,
ne. wagtail usw.) nach den charakteristischen gehört es zu g. *bröka- 'Hinterteil’, übertragen
Bewegungen des Vogels. Bei der Erneuerung 'Hose’ (vgl. frz. culotte 'Hose’ zu frz. cul m.
backen 54 bähen

'Hinterteil’), das mindestens im Altenglischen schröpft usw. Danach allgemein für 'Heilge¬
eine Nebenform mit Geminate und Vokalkürze hilfe’.
hat (ae. bracc-). Das r kann zwischen Labial S. Bad.
und Tektal ausgefallen sein (vgl. nhd. sprechen
Badminton n. (= ein wettkampfmäßiges Fe¬
und ne. to speak).
derballspiel), fachsprachl. Im 20. Jh. entlehnt
S. Bruch3. - R. Much ZDW 2 (1902), 283; Lühr
aus gleichbedeutend ne. badminton, so bezeich¬
(1988), 224f.
net nach dem englischen Ort Badminton, wo das
backen stV. Mhd. hacken, ahd. backan, bah- Spiel zuerst nach festen Regeln durchgeführt
han aus g. *bak-a- (mit vermutlich sekundärer wurde.
Nebenform *bakk-a-) 'backen’, auch in ae. ba-
Bafel m. 'dummes Zeug’, südwd. Angeblich
can, sonst in Ableitungen (anord. baka swV.
aus hebr. babel, bafel 'minderwertige Ware’.
braten, backen, kneten’; as. gibäk 'Gebäck’
oder 'gebacken’). Mit abweichendem Vokalis¬ Wolf (1985f.), 39f.

mus vergleichbar ist gr. phogö 'ich röste, brate’, Bäffchen n., s. Beffchen.
das auch «-Präsentien aufweist, die die germani¬ Bagage/. (= eine pejorative Bezeichnung für
sche Geminate erklären könnten. Vermutlich
eine Gruppe von Menschen), ugs. Im 16. Jh.
gehören beide Wörter mit unregelmäßigem Aus¬
entlehnt aus frz. bagage m. 'Gepäck, Troß’,
fall von r nach Labial zu einer lautmalenden
einem Kollektivum zu frz. bagues PL 'Gepäck’,
Sippe *bhrdg-l*bhr(d)g- in ai. bhrjjäti 'röstet’
das wohl auf anord. baggi m. 'Bündel’ zurück¬
(ebenfalls mit Geminate), wozu apreuß. aubirgo
geht. Die Bedeutungsverschlechterung zu 'Ge¬
'Garkoch’ und 1. fertum, al. ferctum 'Opferku¬
sindel’ geht darauf zurück, daß die kämpfenden
chen’; mit i und u 'verstärkt’ in 1 .frigere 'rösten,
Truppen die Mannschaften, die das Gepäck zu
dörren’ und gr. phrygö 'ich röste, dörre, brate’.
überwachen hatten, so bezeichneten (vgl.
Lautmalereien dieser Art sind auch brutzeln
Pack).
(s. d.), prasseln (s. d.) u. ä.
Jones (1976), 128f.
Nndl. bakken, ne. hake, nschw. nnisl. baka. S. altbak-
ken, Batzen ( + ), Beck, hausbacken. — Hoops Bagatelle/. 'Kleinigkeit’. Im 17. Jh. entlehnt
(1973ff.), I, 573-576; Lloyd/Springer (1988ff.), I, aus gleichbedeutend frz. bagatelle, dieses aus it.
419 — 421. Zum Nomen agentis Bäcker. W. Braun in:
bagatella (dass.), einem Diminutivum zu 1. bäca
Dückert (1976), 55 — 119.
'Beere’. Von 'kleine Beere’ aus verallgemeinert
Backfisch m. Übertragen seit dem 16. Jh. für zu 'eine Kleinigkeit’ (vgl. den Gebrauch von
junge Studenten. Junge Fische, die schon zu ne. peanuts und mhd. niht ein ber 'gar nichts’).
groß sind, um wieder ins Wasser geworfen zu
Morphologisch zugehörig: bagatellisieren. — W. J.
werden, eignen sich nur zum Backen oder Bra¬ Jones SN 51 (1979), 249; Brunt (1983), 144.
ten. Vermutlich aber eigentlich eine Verballhor¬
baggern swV. Im 18. Jh. entlehnt aus nndl.
nung von ml. baecalarius (niedrigster akademi¬
scher Grad). Danach auch 'halbwüchsiges baggeren 'eine Fahrtrinne ausbaggem’ zu nndl.
Mädchen’. bagger 'Schlamm’, also eigentlich 'entschlam¬
S. Kabeljau. men’; dann verallgemeinert zu 'Erdreich ma¬
schinell abräumen’. Bagger als Bezeichnung der
Backpfeife /., nordd. Seit dem 19. Jh. belegt.
dazu verwendeten Maschine ist eine deutsche
Die zugrundeliegende Vorstellung ist unklar;
Rückbildung aus dem Verb; vielleicht zugleich
vielleicht 'Schlag, der an den Backen pfeift’.
eine Verkürzung aus nndl. baggermachine.
Vgl. Ohrfeige.
Lühr (1988), 292f.
Bad n. Mhd. bat (-des), ahd. bad, as. bath
aus g. *bapa- n. 'Bad’, auch in anord. baö Baguette n. 'Stangenweißbrot’. Im 20. Jh. ent¬
'Dampfbad’, ae. btep, afr. be(i)th. Vermutlich lehnt aus gleichbedeutend frz. baguette f. (ei¬
to-Bildung zu bähen 'erwärmen’ (s. d.), doch ist gentlich: 'Stange, Leiste’), dieses aus it. bae-
die Bildung kaum unabhängig von dem Mittel¬ chetta f. 'Stock, Stab’, einem Diminutivum zu
meerwort *bal- '(warmes) Bad’ in gr. balaneion it. bacchio m. 'Stab’, aus 1. baeulum (spl. baculus
usw. In Ortsnamen bezeichnet das Wort Heil¬ m.) (dass.).
quellen wie Wildbad. Der Plural in Wiesbaden Etymologisch verwandt: Bakel, Bazille, Bakterie.
usw. unter Einfluß von 1. aqua f. bähen swV. 'durch Umschläge wärmen, Brot
Nndl. bad, ne. bath, nschw. bad, nisl. baö. S. ausbaden, rösten’, arch., südd. Mhd. bähen, bcejen, ahd.
Bader. - Hoops(1973ff.), I, 579-589; Lloyd/Springer bäen 'erwärmen’. Vermutlich mit unregelmäßi¬
(1988ff.), I, 423f.
gem Ausfall des r nach Labial zu g. *brä-,
Bader m., arch. Mhd. badeere, as. batheri ist voreinzelsprachl. *guhre- 'wärmen’, das in
ursprünglich der Besitzer einer Badestube, der akslav. greti 'wärmen’ bezeugt ist. Vgl. auch
die Badenden bedient, sie auch zur Ader läßt, braten und brüten, sowie Bad.
Bahn 55 halbieren

Bahn/. Das Wort fehlt der ältesten Zeit und gleichbedeutend frz. baionnette /.; so benannt
tritt erst als mhd. ban(e), mndl. baue auf. Her¬ nach dem ursprünglichen Herkunftsort
kunft unklar. In der Bedeutung 'Eisenbahn’ aus Bayonne in Frankreich.
dem vollen Wort gekürzt. Ersatzwort ist Seitengewehr. — Brunt (1983), 144f.
Nndl. bann. S. Bahnsteig. — Lloyd/Springer (1988ff.),
Bake /. 'Richtzeichen der Seeleute’, fach¬
I, 460 — 462 (zu ahd. bano m. 'Scharfrichter, Mörder,
sprachl. Im 17. Jh. ins Hochdeutsche übernom¬
Untergang, Verderben, Tod’, das zu einer Wurzel mit
der Bedeutung 'schlagen’ gehört). men aus mndd. hake 'Leuchtfeuer’, das seiner¬
seits auf afr. bakka beruht. Dieses setzt wg.
Bahnsteig m. Im 19. Jh. als Ersatzwort für
*baukna- n. 'Zeichen’ fort (ae. beacen, as. bökan,
Perron (analog zu Bürgersteig) eingeführt. Die¬
ahd. bouhhan). Ererbt ist daraus das Bodensee¬
ses aus gallo-rom. *peträtum zu 1. petra /. 'Stein,
wort Bauche 'Boje’.
Fels’.
Hoops (1973ff.), II, lf.; Schmidt-Wiegand (1978).
S. Bahn. Bürgersteig, Steig ( + ). - Pfaff (1933), 18.
Bakel m. 'Schulstock’, auch 'Spazierstock’,
Bahre /. Mhd. bare, ahd. as. bära aus wg.
arch., obd. Im 17. Jh. eingedeutscht aus 1. bacu-
*bärö f 'Bahre’, auch in ae. bär, afr. bere. lum n. (spl. baculus ml) 'Stab’.
Dehnstufige Instrumentalbildung zu g. *ber-a-
S. Baguette ( + ).
'tragen’ (s. gebären)', also eigentlich 'das, womit
getragen wird’. Bakschisch n. 'Geldgeschenk (als Gegenlei¬
Nndl. baar, ne. hier. — Cox (1967), 50 — 55; Lloyd/
stung für eine Gefälligkeit)’, sondersprachl. Im
Springer (1988ff.), I, 469f. Neuhochdeutschen entlehnt aus pers. bahsts
'Geschenk’.
Bai /. 'Meeresbucht\ fachsprachl. Im 15. Jh.
entlehnt aus gleichbedeutend nndl. baai, dieses Bakterie /. 'einzelliges Lebewesen’, fach¬
aus frz. baie (dass.), das zunächst der Name des sprachl. Neubildung des 19. Jhs. zu 1. bacterium
französischen Ortes La Baie sowie der umlie¬ n. 'Stöckchen, Stäbchen’, dieses aus gr. bakteria
genden Gegend einschließlich einer Meeres¬ (dass.), auch bakterion n. Die Krankheitserreger
bucht war. Aus den dortigen Salinen kam sehr erhielten den Namen nach ihrer stäbchenförmi¬
hochwertiges „Baisalz“ nach ganz Europa. gen Gestalt. Ursprünglich Neutrum, dann we¬
gen der überwiegenden Verwendung im Plural
M. Metzeltin VR 26 (1967), 249-276; Pfister (1980),
84-90. zum Femininum geworden.
Morphologisch zugehörig: bakteriell, Bakteriologe,
Baiser n. ( = ein Gebäck aus Eischnee und
Bakteriologie, Bakterium', etymologisch verwandt: s.
Zucker), reg. Scheinentlehnung des 19. Jhs. zu Baguette.
frz. baiser m. 'Kuß’, dieses aus älterem frz.
Balalaika /. (= ein dreisaitiges, russisches
baisier (dass.), dem substantivierten Infinitiv
Instrument), fachsprachl. Im Neuhochdeut¬
von afrz. baisier 'küssen’, aus 1. bäsiäre (dass.).
schen entlehnt aus gleichbedeutend russ. bala-
Das Gebäck ist nach seiner Zartheit so benannt
läjka. Vermutlich zu einem lautnachahmenden
(vgl. Negerkuß). Das richtige französische Wort
russischen Verb (vgl. etwa russ. balaböliti
dafür ist meringue.
'schwatzen’).
Baisse /. 'Sinken der Wertpapiere’, fach¬
Balance /. 'Gleichgewicht’. Im 17. Jh. ent¬
sprachl. Im 19. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend
lehnt aus gleichbedeutend frz. balance, dieses
frz. baisse, zu frz. baisser 'senken’, zu ml. bassus
aus dem 1. Adjektiv bilanx (bilancium) 'zwei
'niedrig, flach’.
Schalen besitzend’, zu 1. lanx (-ncis)
Bajadere/, 'indische Tempeltänzerin’, sonder- '(Waag)Schale’ (s. auch bi-); gekürzt aus der
sprachl. Im 18. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend Fügung 1. libra bilanx 'zweischalige Waage’. Der
frz. bayadere, dieses aus port. bailadeira (dass.), Wortanfang bal- statt bil- mag auf volksetymo¬
einem Nomen agentis zu port. bailar 'tanzen’, logischer Gleichsetzung beruhen, etwa mit 1.
aus spl. balläre (dass.). balläre 'tanzen, bewegen’ (Balance wird u. a.
Etymologisch verwandt: s. Ball2. — Littmann (1924), gerne im Zusammenhang mit Seiltanz ge¬
126; Richter (1932), 1 -20; Lokotsch (1975), 123. braucht). Das Bild ausgeglichener Waagschalen
Bajazzo m. 'Spaßmacher’, sondersprachl. Im einer Balkenwaage dient als Grundlage der Be¬
18. Jh. entlehnt aus obit. pajazzo, pajasso deutungsentwicklung.
'Strohsack’. In metaphorischer Übertragung in Morphologisch zugehörig: balancieren; etymologisch
der Bedeutung 'Narr, Hanswurst, Spaßmacher’, verwandt: Bilanz. Ersatzwort ist Gleichgewicht. —
da diese Figuren eine weite Bekleidung aus gro¬ Jones (1976), 132f.; Brunt (1983), 145-147.
bem Stoff trugen, die Ähnlichkeit mit Strohsäk- halbieren swV, arch. Regional und in festen
ken aufwies. Wendungen wie über den Löffel halbieren; ei¬
Bajonett n. ( = eine auf Gewehre aufgesetzte gentlich barbieren zu Barbier (s. d.). Einen Löf¬
Stichwaffe), fachsprachl. Im 18. Jh. entlehnt aus fel schob man früher alten, zahnlosen Männern
bald 56 Ballade

in den Mund, um sie besser rasieren zu können. balgen swV. refl. Seit dem 17. Jh. belegt. Zu
Deshalb über den Löffel halbieren 'rücksichtslos Balg (s. d.) im Sinne von '(abgezogene) Haut’.
(oder pauschal) behandeln5, dann auch 'über¬ Vgl. etwa einem das Fell gerben.
vorteilen5.
Balken m. Mhd. balke, ahd. balko, balc(h)o,
bald Adv. Mhd. balde, ahd. baldo ist Adjektiv- as. balko aus wg. *balkön m. 'Balken5, auch in
Adverb zu g. *balpa- 'kühn5 in gt. balp-, anord. ae. balca, afr. balka. Daneben ein «-Stamm in
ballr, ae. beald, as. ahd. bald. Der Bedeutungs¬ anord. bplkr und ein «-Stamm von der e-Stufe
übergang geht über 'kühn, eifrig5 zu 'schnell5 in anord. bjalki. Am nächsten stehen außerhalb
und dann zur heutigen Bedeutung. In seiner des Germanischen lit. balziena /., balzienas
ursprünglichen Bedeutung spielt das Wort eine 'Querstange’, russ. (dial.) bölozno n. 'dickes
Rolle als Namenselement (Balduin, Willibald Brett’ und, mit zweisilbiger Grundlage *bhlag-,
usw.). Seine weitere Herkunft ist unklar. Mit gr. phälanx 'Baumstamm, Walze, Balken’ (und
abweichendem Auslaut (Suffix oder Wurzeler¬ vielleicht 1. sufflämen n. 'Bremsklotz5, falls aus
weiterung) ist vergleichbar air. balc 'stark, *sub-ßag-men). Es handelt sich um eine verbrei¬
mächtig5, kymr. balch 'kühn5, doch ist das damit tete Sippe für Wörter der Bedeutung 'Balken,
vorausgesetzte *bhal- seiner Lautstruktur nach Stamm usw.’ Falls 1 .fulclre 'stützen5 dazugehört
auffällig und nicht weiter vergleichbar. (*bhlk-jo-, also mit abweichendem Tektal), wird
Lloyd/Springer (1988ff.), I, 434-436. dieses die Ausgangsbedeutung zeigen.
Baldachin m. 'prunkvolle Überdachung5. Im Nndl. balk, ne. balk 'Hindernis5. S. Balkon, Bohle,
Planke, Phalanx. — Lloyd/Springer (1988ff.), I,
17. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend it. baldac-
440 - 443.
chino, einer Ableitung von it. Baldacco, der ita¬
lienischen Form des Namens der Stadt Bagdad. Balkon m. 'offener Vorbau’. Im 17. Jh. ent¬
Zunächst eine Bezeichnung für (Seiden-)Stoffe, lehnt aus gleichbedeutend frz. balcon, dieses aus
die aus dieser Stadt kommen, wird das Wort it. balcone (dass.), einem Augmentativum zu it.
dann metonymisch übertragen auf ein beson¬ balco '(Balken)Gerüst’, aus ahd. balko 'Bal¬
ders prunkvolles Produkt aus diesem Material. ken5. Aus 'Balken5 wird 'aus Balken gefertigtes
Littmann (1924), 93; Lokotsch (1975), 15. Gerüst’, sodann der mit einer solchen Kon¬
struktion gestützte Vorbau.
baldowern swV, ausbaldowern swV. 'heraus¬
Etymologisch verwandt: s. Balken. - E. Öhmann
bekommen, auskundschaften5, reg. Aus rotw.
NPhM 44(1943), 14; Lokotsch (1975), 17; Brunt
wjidd. Baldower m. 'Auskundschafter, Angeber, (1983), 147f.
Anführer bei Diebesunternehmen5; aus hebr.
Ball1 m. Mhd. ahd. bal aus g. *ballu- m. 'Ball,
baPal-däbär 'Herr des Wortes, der Sache5. Diese
Kugel’, auch in anord. bpllr 'Kugel5 und der
Wendung wird gebraucht, wenn man jemanden
nicht bei seinem Namen nennen will. Ableitung ae. bealluc 'Hode5. Am nächsten ver¬
gleichbar ist 1. follis m. 'Blasebalg, Luftball,
Wolf (1985), 41.
Luftkissen’, zu einer Wurzel *bhel-, die mehrere
Baldrian m. (= eine Pflanze, aus der ein Bezeichnungen für aufgeblasene oder aufge¬
Beruhigungsmittel gewonnen wird). Im Mittel¬ schwollene oder ausgestopfte Gegenstände lie¬
hochdeutschen (mhd. baldriän) mit unregelmä¬ fert.
ßiger Formentwicklung entlehnt aus gleichbe¬ Nndl. bal, ne. ball, nschw. boll. S. Ballen, Ballon, Ballo-
deutend ml. valeriana, dessen weitere Herkunft tage, Bille, Biller, Bolle, Bulge1, Bulle1, Polster. -
nicht sicher geklärt ist. Hoops (1973ff.), II, 11-13; Lloyd/Springer (1988ff.),
Lloyd/Springer (1988ff.), I, 437f. I, 430f.

Balg m. Mhd. balc, ahd. as. balg aus g. *ba1gi- Ball2 m. 'Tanzfest’. Im 17. Jh. entlehnt aus
m. in gt. balgs, anord. belgr, ae. belg. Die Bedeu¬ gleichbedeutend frz. bal, einer Ableitung von
tung ist 'Schlauch, Sack, abgezogene Tierhaut5. frz. baller 'tanzen5, dieses aus 1. balläre (dass.).
Das Wort ist vergleichbar mit außergermani¬ Etymologisch verwandt: Bajadere, Ballade, Ballerina,
schen Wörtern der Bedeutung 'Kissen, Polster5 Ballett. - W. Feldmann ZDW 8 (1906/07), 55; E.
(s. auch Polster), z. B. avest. barazis n. 'Kissen, Mehl MS 76(1966), 307 — 311; Jones (1976), 131-
Brunt (1983), 145.
Polster5, andererseits air. bo/g 'Sack5. Wahr¬
scheinlich handelt es sich um ein lautlich nicht Ballade /, 'erzählendes Gedicht5. Im 18. Jh.
sicher faßbares Wanderwort, das mit dem g. entlehnt aus ne. bailad 'volkstümliches Lied’,
starken Verb *belg-a- schwellen, zürnen’ ur¬ dieses aus afrz. balade 'Tanzlied5, einer Ablei¬
sprünglich nichts zu tun hat. tung von 1. balläre 'tanzen5. Zunächst ein zum
Nndl. balg, ne. belly Bauch5, bellows Blasebalg’, Tanze gesungenes Lied, dann allgemeiner
nschw. bälg 'Blasebalg’. S. auch Budget, Bulge1. - volkstümliches Lied . Die in den Liedern gerne
i. Vendryes BSL 41 (1941), 134-139; Lloyd/Springer erzählten Geschichten führen dazu, daß man
(1988ff.), I, 438-440.
dann darunter vor allem Gedichte mit erzählen-
Ballast 57 banal

dem Charakter und schicksalhaftem Inhalt ver¬ fen’), einem Diminutivum zu frz. balle 'Kugel’,
steht. Form und Akzent des deutschen Wortes dieses aus it. balla (dass.).
in französisierender Anlehnung an frz. bailade Etymologisch verwandt: s. Ball'.
'Tanzlied’.
Balsam m. (= ein Baum, dessen Harz), meist
Morphologisch zugehörig: balladesk; etymologisch
übertragen als 'Wohltat, Labsal’ wegen der heil¬
verwandt: s. Ball2. — W. Feldmann ZDW 8 (1906/07),
kräftigen Wirkung des Balsamharzes. Im Alt¬
55; Ganz (1957), 34; Jones (1976), 133.
hochdeutschen (ahd. balsamo, mhd. balsame)
Ballast m. 'zur Beschwerung mitgeführtes Ge¬ entlehnt aus gleichbedeutend 1. balsamum n.,
wicht, unnützes Gewicht, Überflüssiges’. Im 17. dieses aus gr. bälsamon n. (dass.), aus hebr.
Jh. entlehnt aus nndl. ballast 'das Gleichgewicht bäsam (dass.).
von Schiffen sicherndes Gewicht (in Form von Morphologisch zugehörig: (ein-)balsamieren’, etymo¬
Sandsäcken)’. Das Wort ist nicht sicher erklärt. logisch verwandt: Bisam. — Littmann (1924), 17;
Man vermutet im zweiten Bestandteil -last die Lokotsch (1975), 25; Lloyd/Springer (1988ff.), I,
Entsprechung zu d. Last (s. d.); der erste Be¬ 445 - 447.
standteil wird sowohl mit bar 'rein, bloß’ in Balustrade/. (= ein besonders verziertes Ge¬
Verbindung gebracht (d. h. 'eine Last um der länder), fachsprachl. Im 18. Jh. entlehnt aus
Last willen’) als auch mit nndl. bal- 'schlecht’ gleichbedeutend frz. balustrade, dieses aus it.
(d. h. 'die Last ohne Handelswert’). Vielleicht balaustrata (dass.), einer Ableitung von it. ba-
liegt in nschw. barlast (eigentlich 'bloße Last’) laustro m. 'Geländerdocke’, aus 1. balaustium n.
die ursprüngliche Form vor. 'Granatapfel’, aus gr. balaüstion n. (dass.). So
Ballen m. Mhd. balle, ahd. hallo 'Hand- und benannt nach den typischen Verzierungen der
Fußballen, Zusammengepacktes’. Schwach Geländer mit Nachbildungen von Granat¬
flektierte Nebenform zu Ball1 (s. d.), die zur äpfeln.
Differenzierung der Bedeutung ausgenutzt Brunt (1983), 148.
wurde. Balz/. Seit dem 14. Jh. in der Lautform balz
Ballerina /. 'Tänzerin (beim Ballett)’, fach- neben falz. Das Wort bezeichnet das Paarungs¬
sprachl. Entlehnt aus it. ballerina 'Tänzerin’, verhalten des Feder hoch wilds und — da dieses
einer Ableitung von it. ballare 'tanzen’. Weiteres Wild zur gleichen Zeit auch gejagt wurde — die
s. Ball2. einschlägige Jagd. Die Herkunft des Wortes ist
BaUermann m., s. ballern.
ganz unklar, der Wechsel des Anlauts rätselhaft.
Bambule /. in Bambule machen, 'krawallarti¬
ballern swV. 'dumpf knallen’, ugs. Mndd. hol¬
deren gleicher Bedeutung. Lautmalend; um¬
ger Protest von Häftlingen’, ugs., sonder spracht.
gangssprachlich für '(herum-)schießen’; danach In der Gegenwartssprache entlehnt aus frz.
bamboula 'Rummel’, eigentlich Bezeichnung
umgangssprachlich Ballermann m. 'Schu߬
einer afrikanischen Trommel und eines Tanzes
waffe’, besonders 'Revolver’.
zu deren Klängen (aus einer Bantusprache).
Ballett n. 'künstlerische Tanzdarbietung’. Im
Bambus m. 'tropisches Rohrgras’. Im 17. Jh.
17. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend it. balletto
entlehnt aus gleichbedeutend nndl. bamboe, die¬
m. (und frz. ballet m.) (dass.), einer Diminutiv¬
ses aus südindischen Dialekten bambu, mambu
bildung zu it. ballo m. 'Tanz’, zu it. ballare
u. ä. (dass.). Das -s über das Niederländische
'tanzen’, dieses aus 1. ballare (dass.).
aus der portugiesischen Pluralform.
Etymologisch verwandt: s. Ball2. — Jones (1976), 133f.
Littmann (1924), 129; Lokotsch (1975), 18.
Ballon m. 'kugelförmiges Gefäß’. Im 18. Jh.
Bammel m. 'Angst’, ugs. Wohl als 'Herzklop¬
entlehnt aus gleichbedeutend frz. ballon, dieses
fen’ zu bammeln 'hin- und herschwanken’ (von
aus it. pallone 'großer Ball’, einem Augmentati-
etwas Aufgehängtem). Dieses tritt seinerseits in
vum zu it. palla, balla f. Kugel’, das aus dem
mehreren Lautvarianten auf (baumeln [s. d.],
Germanischen (Langobardischen?) stammt.
pampein usw.) und ist deshalb wohl eine laut¬
Etymologisch verwandt: s. BallL — W. Feldmann
malerische Bildung.
ZDW 8 (1906/07), 55.
Versuch einer Herleitung aus dem Westjiddischen bei
Ballotage/. 'Abstimmung durch Abgabe ver¬ Wolf (1985), 43.
schiedenfarbiger Kugeln’, sonder spracht. Im
bammeln swV, s. baumeln.
Neuhochdeutschen entlehnt aus frz. ballottage
'Abstimmung mit Kugeln, negativer Wahlaus¬ banal Adj. 'sehr einfach’, sonder spracht. Im
gang, wobei kein Kandidat die nötige Mehrheit 19. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend frz. banal,
erhält, Stichwahl’, einer Ableitung von frz. bai¬ einer Ableitung aus afrz. ban 'Gerichtsbezirk’.
lotter 'durch kleine Kugeln abstimmen’, zu frz. Das Adjektiv wird zunächst zur Bezeichnung
ba/lotte 'Kugel zum Abstimmen’ (unter Einfluß von Dingen verwendet, die den Personen, die
von frz. balotter eine Kugel hin und her wer¬ in einem bestimmten Bezirk leben, gemeinsam
Banane 58 Bänkelsänger

gehören. Aus 'gemeinsam, gemeinnützig’ wird nach dem langen, in Segmente eingeteilten
dann 'normal’ mit der Bedeutungsverschlechte¬ Darmschmarotzer.
rung hin zu 'unoriginell, einfältig’. Bangbüx /., Bangbüxe /., Bangbux /. 'Angst¬
Morphologisch zugehörig: banalisieren, Banalität; ety¬ hase’, nordd. Eigentlich 'Angsthose’ (s. Buxe),
mologisch verwandt: s. Bann. da sich nach der Volksweisheit die Angst vor
Banane /. (= die Frucht einer tropischen allem in der Hose bemerkbar macht (vgl. Schiß
Staude). Im 16. Jh. entlehnt aus gleichbedeu¬ u. ä.). Der Ausdruck läßt vermuten, daß Angst¬
tend port. banana, dieses aus einer Mundart hase eigentlich aus Angsthose umgedeutet ist.
Guineas. Vergleiche aber Hasenpanier, Hasenfuß usw.
Littmann (1924), 88, 130, 152; R. Loewe ZVS
bange Adj. Mhd. bange aus ahd. be- und ahd.
61 (1933), 112-114; M. Wis NPhM 6i (1960), 58-62;
ango 'ängstlich’ (zu der Grundlage von Angst,
NPhM 66 (1965), 621; Lokotsch (1975), 18.
s. d.) zusammengewachsen. S. auch eng.
Banause m. 'Mensch mit mangelhaftem Ver¬
Bangert m. 'Obstgarten’, arch. Aus der mo¬
ständnis für Kunst usw.’, sonder sprach!. Im 19.
nophthongierten mhd. Form bäm 'Baum’ und
Jh. entlehnt aus gr. bänausos 'Handwerker, ge¬
ahd. gart zusammengewachsen. Vgl. mhd.
mein, niedrig’. Die Bedeutung 'Mensch, der kei¬
nen Sinn für den wirklichen Wert einer Sache boumgarte.
hat’ etabliert sich vor allem im Streit deutscher Vgl. Wingert.

Literaten. Banier m., s. Banner.


R. F. Arnold ZDW 5(1903/04), 257-262; ZDW Banjo n. (= ein amerikanisches Saiteninstru¬
8 (1906/07), 2f.
ment), fachsprachl. Im 20. Jh. entlehnt aus
Band /. 'Musikgruppe’. Im 20. Jh. entlehnt gleichbedeutend ne. banjo, dieses phonologisch
aus gleichbedeutend ne. band, dieses aus frz. unregelmäßig aus e. bandore (= ein gitarren¬
bande 'Gruppe von Menschen’. ähnliches Saiteninstrument), aus span, bandur-
Etymologisch verwandt: s. Bande. ria f, bandola f. (dass.) und port. bandola f,
Bandage /. 'fester Schnür- bzw. Stützver¬ bandolim m. (dass.), aus 1. pandüra/., pandürium
band’. Im 18. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend 'dreisaitiges Musikinstrument’.
frz. bandage, einer Ableitung von frz. bande Bank1 /. 'Sitzgelegenheit’. Mhd. banc, ahd.
'Binde’, das aus dem Germanischen stammt. as. bank aus g. *banki- m. 'Bank’, auch in
Etymologisch verwandt: s. binden. anord. bekkr, ae. bene, afr. benk, bank, bonk.
Bande /. 'Schar’. Im 17. Jh. entlehnt aus frz. Daneben steht der «-Stamm anord. bakki 'Er¬
bande 'Trupp, Schar’, zunächst für Soldaten, höhung’, ae. höbanca 'Bettstelle’. Das Femini¬
Musikanten u. ä. Das französische Wort bedeu¬ num ist erst mittelhochdeutsch und vielleicht
tet ursprünglich 'Fähnlein’ und ist entlehnt aus altenglisch. Weitere Herkunft unklar.
dem Germanischen (gt. bandwa 'Zeichen’ usw.). Nndl. bank, ne. bench, nisl. bekkur. S. Bank2 ( + ),
Im Deutschen sinkt die Bedeutung zu 'Diebes¬ Bänkelsänger, Bankert, Bankette. — Hoops (1973ff.),
und Räuberbande’ (möglicherweise unter dem II, 33f.; Lloyd/Springer (1988ff.), I, 456 — 458.
Einfluß von Bandit, s. d.), weshalb für die alte Bank2 /. 'Geldinstitut’. Im 16. Jh. entlehnt
Bedeutung Truppe und Trupp (s. d.) vordringt. aus gleichbedeutend it. banco m., banca (eigent¬
S. Band und Banner. lich: 'Tisch’). Zugrunde liegt ahd. bank (s.
bändigen swV. Im 17. Jh. abgeleitet aus bendec Bank'). Aus 'Tisch’ wird hier speziell der 'Tisch
'an die Leine gelegt’ (zu Band). Zunächst von des Geldwechslers’, dann allgemeiner 'Institu¬
Hunden gesagt, dann übertragen. tion des Geldhandels’.

S. unbändig. Morphologisch zugehörig: Bankier; etymologisch ver¬


wandt: s. Bank', Bankett, Bankrott. — Brunt (1983),
Bandit m. 'Verbrecher’. Im 16. Jh. entlehnt 149; zu Banker. Ganz (1957), 35.
aus gleichbedeutend it. bandito, dem substanti¬
Bänkelsänger m. Im 18. Jh. vielleicht in An¬
vierten PPerf. von it. bandire 'verbannen’, das
lehnung an it. cantambanco gebildet, um die
aus dem Germanischen entlehnt ist (s. Bann).
Sänger zu bezeichnen, die auf den Jahrmärkten
Sekundär ist das Wort mit Bande (s. d.) ver¬
usw. die neuesten (meist schauerlichen) Bege¬
knüpft worden.
benheiten sangen, wobei sie auf einer Bank
Etymologisch verwandt: s. Bann.
standen und ein vorgezeigtes Bild ausdeuteten.
Bandoneon n. (= ein Akkordeon, das statt
Das Diminutiv Bänke! ist ostmitteldeutsch. Die
Tasten Knöpfe hat), fachsprachl. Im 19. Jh. so
heutige abschätzige Bedeutung ist von den häu¬
benannt nach dem deutschen Erfinder Band.
figen Parodien dieser Liedform beeinflußt.
Bandwurm m. In der Gegenwartssprache S. Bank1 ( + ) und singen. — Zur Sachgeschichte: H.
übertragen für lange Sätze u. ä. Metaphorisch Naumann ZW 30/31 (1921), 1-21.
Bankert 59 Bär

Bankert m. 'uneheliches Kind’, arch., reg. frz. banniere f. 'Heerfahne’, das seinerseits eine
Mhd. banchart. Zusammensetzung aus Bank1 Weiterbildung zu einer Entlehnung aus dem
und dem Namenelement -hart (Gebhart, Rein¬ Germanischen ist (gt. bandwa 'Zeichen’ und
hart), wörtlich also 'das auf der (Schlaf-)Bank seine Verwandtschaft). Die nicht eingedeutschte
(der Magd, und nicht im Ehebett) gezeugte Form Banier, seit dem 15. Jh. auch Panier2
Kind’ (s. Bank1 [ + ]). Daß sich -hart als zweites bleibt regional (z. B. bei Luther), ist heute aber
Element (gegenüber ähnlichen Bildungen wie veraltet.
Bänkling, Bankkind) durchgesetzt hat, beruht S. Bande, Hasenpanier.
wohl auf dem lautlichen Gleichklang mit Ba¬
Bannware/., s. Konterbande.
stard (s. d.).
Banse /. auch m. '(Korn)Scheuer, Stapelplatz
Bankett n. 'Festmahl’. Im 16. Jh. entlehnt aus
für Holz, Kohle u. ä.’, md., ndd. In der älteren
gleichbedeutend it. banchetto m., einer Diminu¬
Sprache nicht bezeugt, aber offensichtlich be¬
tivbildung zu it. banco m. 'Tisch’. Verschiedene
reits germanisches Wort, vgl. gt. bansts
Bedeutungsentwicklungen sind hier denkbar.
'Scheuer’, anord. hass 'Stand im Kuhstall’, ae.
Plausibel erscheint, daß zunächst eine Bedeu¬
bös(i)g 'Stall, Heuplatz über dem Stall’. Ver¬
tungsverschiebung von 'Tisch’ auf 'Essen' statt¬
mutlich eine Bezeichnung für aus leichtem
gefunden hat (vgl. d. „Mittagstisch“), wozu
Flechtwerk bestehende Nebengebäude; deshalb
dann die hypokoristische Bildung als Bezeich¬
ist ein Anschluß an binden (s. d.) denkbar (g.
nung eines feinen, besonderen Essens hinzu¬
*band-s-).
kam; schließlich Erweiterung zu 'Festmahl’.
Bar /. '(Nacht)Lokal’. Im 19. Jh. entlehnt
Etymologisch verwandt: s. Bank1. — W. Feldmann
ZDW 8 (1906/07), 55. aus gleichbedeutend ne. bar, dieses aus afrz.
barre 'Balken, Stange, Schranke’. Die Bezeich¬
Bankette /. 'Randstreifen einer Straße’, fach-
nung einer Schranke, die den Gastraum vom
sprachl. Im 19. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend
Schankraum trennt, wird als pars pro toto zu
frz. banquette, einer Ableitung von norman-
'Trinkstube’. Schließlich u. a. Einengung auf
nisch-frz. banc 'Aufwurf an einem Graben, Um¬
'Nachtlokal’.
fassung aus aufgeworfener Erde’, der norman¬
Etymologisch verwandt: s. Barre.
nischen Entsprechung von frz. banche 'ebener
Steingrund’, dieses wohl aus afrk. *banc (s. bar Adj. Mhd. ahd. bar, as. bar aus g. *baza-
Bank1). 'bar, bloß’, auch in anord. berr, ae. beer, afr.
ber aus verbreitetem voreinzelsprachl. *bhoso-
Bankkind n., s. Bankert.
'bar, bloß’, auch in lit. bäsas, aruss. bosü 'barfü¬
Bänkling m., s. Bankert. ßig’, arm. bok 'nackt’. Zu einem schlecht faßba¬
Bankrott m. 'Zahlungsunfähigkeit’. Im 16. ren Verbum ig. *bhes-, psä- 'reiben, abreiben’;
Jh. entlehnt aus gleichbedeutend it. banca rotta Ausgangsbedeutung also 'blank’ mit Bedeu¬
f. (wörtlich: 'zerstörte Bank’); it. rotta aus 1. tungsübergang wie bei nhd. blank und bei der¬
ruptus 'zerbrochen, zerstört’, dem PPP. von 1. selben Grundlage etwa bei gr. psenös 'kahl¬
rumpere 'zerbrechen’. köpfig’ (Glossenwort). — Die Verwendung in
Morphologisch zugehörig: Bankrotteur; etymologisch bezug auf Geld ist schon mittelhochdeutsch und
verwandt: s. Bank2 und abrupt. — C. Müller ZDW später sehr häufig; gemeint ist wohl 'offen vor
3 (1902), 251; Schirmer (1911), 27.
Augen liegend, vor den Augen aufgezählt’.
Bann m. Mhd. ahd. as. ban aus g. *banna- m. Nndl. bar, ne. bare, nschw. bar, nisl. ber. S. Berserker,
'Aufgebot, Befehl, Bann’, auch in afr. ban(n), Besen ( + ). — G. Richter in: Dückert(1976), 173 —214;
bon, in anord. bann (n.) 'Verbot’, ae. geban(n). Lloyd/Springer (1988ff.), I, 465f.
Abstraktum zu g. *bann-a- stV. 'aufbieten, ge¬ -bar Suffix. Heute nur noch Adjektivsuffix
bieten’. Dieses beruht vermutlich auf einem Na¬ für passive Adjektive der Möglichkeit, früher
salpräsens (*bhd-nw- o. ä.) zu eur. *bhä- '(feier¬ selbständiges Wort. Mhd. -beere, ahd. -bäri ge¬
lich) sprechen’ in 1. färi 'sprechen’ (vgl. fäs hen, wie ae. -beere, zurück auf ein Adjektiv der
'göttliches Recht’), russ. obaväti 'bezaubern, be¬ Möglichkeit *bär-ja- zu *ber-a- 'tragen’.
schwören’, gr. phemi 'ich sage, behaupte, be¬
S. gebären ( + )• — Lloyd/Springer (1988ff.), I,
fehle’. 472-474.
Nndl. ne. ban, nschw. nisl. bann. S. Aphasie ( + ), banal,
Bär1 m. 'Bär’. Mhd. ber, ahd. pero, ber, mndl.
Bandit, diffamieren ( + ). — H. Wießner: Twing und
Bann (Baden 1935); Hoops (1973ff.), I, 34-44; Tiefen¬ bere aus g. *berön/-n- m. Bär’, auch in anord.
bach (1973), 18-21; Lloyd/Springer (1988fT.), I, bjprn (w-Stamm), ae. bera. Die nur germanische
453-356. Bezeichnung geht entweder auf ein älteres Wort
Banner n. Aus dem mhd. Fremdwort ba- für 'braun’ zurück (lit. beras 'braun’) oder setzt
nier(e) dem deutschen Lautstand angepaßt. (mit Übergang von *ghw- zu g. *b-) älteres
Das mittelhochdeutsche Wort ist entlehnt aus *ghwer- 'wildes Tier’ fort (mit Dehnstufe gr.
Bär 60 Bärenklau

ther, akslav. zvert, lit. zveris; sonst 1. ferus Barbier m., arch. Im Mittelhochdeutschen
'wild’)- — Die Bezeichnung eines Sternbilds als (mhd. barbierer) entlehnt aus gleichbedeutend
Bär folgt der antiken Tradition. afrz. barbier 'Friseur’, dieses aus ml. barberius
Nndl. beer, ne. bear, nschw. nisl. björn. S. braun, Biber. (dass.), einer Ableitung von 1. barba f. 'Bart’.
— W. Hävers: Neuere Literatur zum Sprachtabu (Wien S. halbieren, Barbe, Bart ( + ).
1946), 35-37; Hoops (1973ff.), II, 45-48; Lloyd/ Barchent m./n. 'auf einer Seite aufgerauhter
Springer (1988ff.), I, 563 — 565.
Baumwollflaneir, fachsprachl. Im Mittelhoch¬
Bär2 m. 'Zuchteber’, arch. Mhd. mndl. bere, deutschen (mhd. barchant, barchät, barchet,
as. ber(swm) 'Eber’ aus wg. *baizi- m. 'Eber’, barragän, harkän m.) entlehnt aus ml. barracha-
auch in ae. bär. Wenn so zunächst der wilde nus m., barrachanum n. 'grober Wollstoff’, die¬
Eber bezeichnet wurde, kann voreinzelsprachl. ses aus span, barragän m. (dass.), aus arab.
*bhoids-i- 'der Schreckliche’ (lit. baisas barrakän (dass., sowie auch ein Gewand
'Schreckgespenst, schreckliche Erscheinung’) zu daraus).
*bhoidos- 'Schrecken’ (vgl. lit. baisä f. 'Schrek-
Barde m., arch. Entlehnt aus frz. barde '(kelti¬
ken’, 1. foedus 'häßlich’) zugrundeliegen.
scher) Sänger’ (vgl. 1. bardus), das seinerseits
Nndl. beer, ne. boar. - Anders: Lloyd/Springer
ersichtlich aus einem keltischen Wort entlehnt
(1988ff.), I, 542.
ist. Im 17. Jh. zunächst in dieser Bedeutung
Baraber m. '(italienischer) Bauarbeiter’, vulg., gebraucht, dann im Zuge der Ossian-Begeiste-
österr. Wird auf it. parlare 'sprechen’ zurückge¬ rung verallgemeinert und auch für 'Sänger der
führt, doch haben bei diesem Spottwort sicher Germanen’ gebraucht.
Anklänge an Araber und anderes mitgespielt. Kuhberg (1933), 37f.; Stiven (1936), 29.
Baracke/, '(unsolide) Behelfsunterkunft’. Im Bardiet n. 'Bardengesang’, arch. Bei Tacitus
17. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend frz. ba- Germania 3 wird der Schildgesang der Germa¬
raque 'Feldhütte’ und it. baracca (dass.), beide nen bei Beginn des Kampfes barditus genannt.
aus span, barraca (dass.). Die weitere Herkunft Dieses Wort ist ungeklärt. Klopstock nimmt es
ist nicht sicher geklärt. wieder auf, indem er es als eine Ableitung von
Jones (1976), 139f. Barde (s. d.) auffaßt (was sprachgeschichtlich
Barbar m. 'Rohling’. Im 16. Jh. entlehnt aus kaum richtig ist).
gleichbedeutend 1. barbarus, dieses aus gr. bär- Hoops (1973ff.), II, 52f.
baros 'ausländisch, roh’. Man bezeichnete da¬ Bärendienst m. 'in guter Absicht ausgeführte
mit gerne Personen, die nicht nach den griechi¬ Handlung, die dem Begünstigten aber schadet’.
schen oder römischen Sitten lebten bzw. Grie¬ Nach der Fabel L'ours et l'amateur des jardins
chisch oder Latein nur mangelhaft beherrschten von La Fontaine (VIII, X), in der ein Bär eine
(vgl. „barbarisches Latein“). Ausgangsbedeu¬ Fliege auf der Nasenspitze des schlafenden
tung ist offenbar 'stammelnd, babbelnd’. Freundes totschlägt und diesem dabei den
Morphologisch zugehörig: Barbarismus; etymologisch Schädel eindrückt.
verwandt: brav, bravo, Rhabarber. — Hoops (1973ff.),
Bärendreck m. 'eingekochter Süßholzsaft, La¬
II, 49f.
kritze’, ugs., südd. Das Benennungsmotiv ist
Barbe/. (= ein Flußfisch), fachsprachl. Mhd. unklar — vielleicht wegen der starken Süße als
barbe m./f., ahd. barbo m. Entlehnt aus 1. barbus '(Dreck) für die — Süßes liebenden — Bären’.
m., das seinerseits eine Zugehörigkeitsbildung Zu beachten ist die Bedeutung 'Einkochrück¬
zu 1. barba 'Bart’ ist (nach den Barteln 'Bartfa¬ stand’ bei Dreck.
den’ dieser Fische). Bärenhäuter m., sondersprachl. Im 17. Jh. ge¬
Etymologisch verwandt: s. Barbier. — Lloyd/Springer
bildet zu dem Ausdruck auf der Bärenhaut liegen
(1988ff.), I, 470f.
für 'faul sein’ (mit Bezug auf die Landsknechte,
Barbecue n. 'Fest, bei dem im Freien Fleisch dann auch auf Studenten). Der Ausdruck selbst
gegrillt wird; Bratrost’, sonder spracht. Im Neu¬ ist von den Humanisten im Anschluß an Taci¬
hochdeutschen entlehnt aus gleichbedeutend tus, Germania 15 geprägt, wonach die Germa¬
ne. barbecue, dieses aus span, barbacoa, barba- nen in Friedenszeiten faulenzten. Die Ausgestal¬
cuä f. 'im Erdloch zubereiteter Braten (ur¬ tung des Bildes ist wohl angeregt durch den
sprünglich: Lager aus Weiden- oder Lianenge¬ Bericht derselben Quelle, wonach sich die Ger¬
flecht)’, das auf ein indianisches Wort zurück¬ manen in Felle wilder Tiere kleideten.
geht. Anders: W. Niekerken in: FS Pretzel (1963), 373f.
bärbeißig Adj. Nach Bärenbeißer, einer Be¬ Bärenklau m. (oder /.) 'heracleum sphondy-
zeichnung der Boxer (Hunderasse), die ur¬ lium (u. a.)’, fachsprachl. Die Form der Blätter
sprünglich zur Tierhatz gezüchtet wurden. Das wird mit der Tatze (Klaue) eines Bären vergli¬
Adjektiv spielt auf den unfreundlich wirkenden chen.
Gesichtsausdruck dieser Tiere an. Marzell (1943/79), II, 820.
Bärentraube 61 Baron

Bärentraube/. 'arctostaphylos uva-ursi’ ,fach- weiter zu Lappen, s. d.) wird die Pflanze wegen
sprachl. Lehnübersetzung aus gr. arktoü sta- ihrer lappigen Form bezeichnet; ähnlich die jün¬
phyle (für eine wohl ähnliche Pflanze). Die An¬ gere 1. Benennung lycopodium n. (wörtlich
gabe Bär- soll wohl auf 'wildwachsend’ hin- 'Wolfsfuß', wonach ne. wolf’s claw).
weisen.
Bärme/. Bierhefe’, reg. Im 17. Jh. aus ndd.
Marzell (1943/79), I, 385.
barme übernommen. Dieses geht auf wg. *ber-
Barett n. Im 15. Jh. entlehnt aus gleichbedeu¬ ma-jön m. 'Hefe’ in ae. beorm(a), mndd. berm,
tend ml. beretaf., birretum 'flache Kopfbedek- barm zurück, das mit 1. fermentum n. 'Sauerteig,
kung’, dieses aus 1. birrus m. 'Mantelkragen, Ferment’ unmittelbar zu vergleichen ist (*bher-
kurzer Mantel mit Kapuze’, dessen weitere Her¬ men-). Vermutlich als 'Mittel zum Heben’ zu g.
kunft umstritten ist. *ber-a-, ig. *bher- 'tragen, heben’ (s. gebären
Barg m. 'verschnittener Eber’, fachsprachl. und vgl. Hefe zu heben).
Ne. barm. S. Ferment.
Mhd. bare, ahd. as. bar(u)g aus g. *baruga- m.
'verschnittener Eber’, auch in anord. bprgr, ae. barmherzig Adj. Mhd. barmherzec, ahd. arm-
bearg\ Nebenform mit Schwundstufe in ae. herzi ist Lehnübersetzung von 1. misericors (zu
-borg und mndd. borch. Vergleichbar sind slavi- L miser 'arm, elend’ und 1. cors 'Herz’), also
sche Wörter, etwa russ. börov 'verschnittener 'der ein Herz für die Armen hat’. Das b- stammt
Eber (wohl nicht aus dem Germanischen ent¬ von erbarmen (s. d.).
lehnt) aus *bhoru-o- neben dem durch das Ger¬ Barn m. 'Krippe, Heustock’, obd., md. Mhd.
manische vorausgesetzten *bhoru-ko-. Die slavi- barn (barm, baren) ist vergleichbar mit ae. beren
schen Wörter können auch 'Kleinvieh u. ä.’ be¬ 'Scheuer’, neben dem bere-cern u. a. steht. Im
deuten, so daß die Ausgangsbedeutung unklar Englischen scheint das Wort für 'Gerste’ (ae.
ist. Falls von 'verschnitten’ auszugehen ist, bere) zugrundezuhegen; doch hat dies im Deut¬
kann an ig. *bher- 'schneiden u. a.’ angeknüpft schen keine Entsprechung. Auch Anschluß an
werden (zu diesem s. bohren). g. *ber-a- 'tragen’ (s. gebären) ist denkbar. Im
E. (dial.) barrow. — Trier (1952), 87f.; Lloyd/Springer einzelnen unklar.
(1988ff.), I, 493-495. Lloyd/Springer (1988ff.), 482f. Trier (1952), 84f. ver¬
gleicht Wörter für 'Korb’ und weist darauf hin, daß
Bariton m. 'Singstimme zwischen Tenor und
Krippen häufig geflochten waren.
Baß’, fachsprachl. Im 18. Jh. entlehnt aus gleich¬
barock Adj., sonder sprachl. Im 18. Jh. ent¬
bedeutend it. baritono, zu it. baritono 'tief’,
lehnt aus gleichbedeutend frz. baroque, dieses
dieses aus gr. barytonos (dass.), zu gr. barys
aus it. barocco (eigentlich: 'unregelmäßig, son¬
'schwer, tief’ und gr. teinein 'spannen’.
derbar’), aus port. barroco 'unregelmäßige
Etymologisch verwandt: s. gravitätisch und Ton2.
Perle’, dessen Herkunft nicht sicher geklärt ist.
Barkarole /. 'Lied der Gondolieri’, fach¬ Zunächst ein Fachwort des Juwelierwesens (vgl.
sprachl. Im Neuhochdeutschen entlehnt aus d. Barockperle, Brockperle), dann im französi¬
gleichbedeutend it. barcarola, einer Ableitung schen Klassizismus als pejorative Bezeichnung
von it. barcarolo m. 'Gondoliere’, zu it. barca übertragen von der minderwertigen Perle auf
'kleines Schiff’, aus 1. barca (dass.). den wenig geschätzten Kunststil des 17. (und
S. Barke. frühen 18.) Jhs. Im 20. Jh. wird Barock zum
Barkasse /., s. Barke. Epochenbegriff.
W. Feldmann ZDW 8 (1906/07), 55; Lokotsch (1975),
Barke /., fachsprachl. Im Mittelhochdeut¬ 30; O. Lurati VR 34(1975), 63 — 93; H. Jaumann AB
schen (mhd. barke) entlehnt aus gleichbedeu¬ 20(1976), 17-41.
tend mndl. barke 'kleines Küstenschiff’, das
Barometer njm. 'Luftdruckmesser’. Neubil¬
über romanische Zwischenstufen zurückgeht dung des 18. Jhs. zu gr. bäros n. 'Schwere,
auf 1. barca (dass.), einer femininen Form zu Druck’, zu gr. barys 'schwer’ und gr. metron n.
gr. bäris 'ägyptischer Nachen; eine Art Floß’, 'Maß, Maßstab’.
einem ägyptischen Wort der Nilschiffahrt. Die Etymologisch verwandt: s. gravitätisch und Metrik. —
Barkasse geht zurück auf eine italienische Aug- Ganz (1957), 36f.
mentativbildung zu it. barca selben Ursprungs. Baron m. 'Freiherr’. Im Mittelhochdeutschen
Etymologisch verwandt: Barkarole. — P. Katz IF (mhd. barün) entlehnt aus gleichbedeutend frz.
57 (1940), 264; E. Öhmann NPhM 41 (1940), 145f.; baron (wörtlich: 'freier Mann, Lehensmann’),
Lokotsch (1975), 168; Jones (1976), 140; Lloyd/Sprin¬
das zurückgeht auf ein germanisches Wort für
ger (1988fT.), I, 474-476.
'Mann’ (vgl. afrk. *baro). Die Form auf -on
Bärlapp m., fachsprachl. Seit dem 16. Jh. als seit dem 16. Jh. durch neuen Anschluß an das
Name der Farnart Lycopodium bezeugt. Als Französische.
'Bärentatze’ (zu ahd. lappo 'RuderschaufeF, Morphologisch zugehörig: Baronat, Baronesse, Baro¬
also 'flacher, großer Gegenstand’, vermutlich nie, Baronin. — Ganz (1957), 37.
62 Base
Barras

Barras m. 'Militärdienst’, ugs. Seit napoleoni- Barsch (s. d.) als 'borstig’ zu erklären (evtl, als
scher Zeit, zunächst für das Militärbrot, dann *bars-ka-).
(ähnlich wie bei Kommiß, s. d.) auf alles Militä¬ Zur Bedeutung vgl. widerborstig.
rische ausgeweitet. Zu wjidd. baras Fladen¬ Bart m. Mhd. ahd. hart, as. bard aus wg.
brot’. *hard-, auch in ae. beard, afr. berd. Aus weur./
H. Kügler NPhZ 4 (1952), 135f.; Wolf (1985), 44f. oeur. *bhardh-, älter vermutlich *bharz-dh-,
Barre f. 'Schranke', arch., danach 'Sandbank, auch in 1. barba f. (Anlaut unregelmäßig), lit.
Untiefe’ (als 'Hindernis, Absperrung’). Mhd. barzda/., akslav. brada f. 'Bart’, zu ig. *bhres/
harre, entlehnt aus afr. barre 'Stange’; dieses bhares 'Spitze, Borste’, also etwa 'der Borstige,
aus gallo-rom. *barra 'sperriger Balken’. Spitzige’. Von der gleichen Grundlage auch
Zu einer Entlehnung auf anderem Weg vgl. Bar. S. Barsch, Borste und Bürste (s. d.); eine ähnliche
auch Barren, Barriere, Barrikade, Embargo. — H. Suo- Bildung auf -dh-, aber mit Schwundstufe der
lahti NPhM 17(1915), 117; E. Mehl MS (1962), ersten Silbe in air. brot 'Stachel’, kymr. brathu
52-54. 'stechen’, ahd. brart, brort 'Spitze, Rand’. Das
Barrel n. (= ein Hohlmaß), fachsprachl. Im zugrundeliegende Verb ist unter bohren behan¬
20. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend ne. barrel delt.
(eigentlich: 'Holzgefäß’), dieses aus afrz. baril Nndl. baard, ne. beard. S. Barbier ( + ), Barte, Helle¬
(dass.), dessen weitere Herkunft nicht sicher barde, Schembart — Trier (1963), 188 — 191.
geklärt ist. Möglicherweise verwandt mit frz.
Barte f., fachsprachl. In der Bedeutung klei¬
barre f. 'Stange’ (s. Bar, Barre).
nes Beil’, mhd. barte, ahd. barta, as. barda,
E. Öhmann NM 59 (1958), 225f.
Zugehörigkeitsbildun’g zu Bart (s. d.), also 'die
Barren m. 'Stange’. Seit frühneuhochdeut¬ Bärtige’, wie anord. skeggja 'Hellebarde’ zu
scher Zeit neben Barre f. (s. d.). Besonders für anord. skegg 'Bart’. S. Hellebarde. In der Be¬
die Handelsform von Edelmetallen und seit deutung 'Fischbein’ erst neuhochdeutsch; wohl
Jahn Name eines Turngeräts. Es ist unklar, regional niederdeutsch oder niederländisch ent¬
warum Jahn zur Bezeichnung eines zweiteiligen standen und eigentlich aus dem Plural von Bart
Geräts eine maskuline Singular-Form wählte. (nndl. baarden) rückgebildet.
Hoops (1973ff.), II, 60-71. Der Name des Turngeräts
Lloyd/Springer (1988ff.), I, 490 — 492.
ist eine Abkürzung für * Barrenschwingel nach E. Mehl
MS 72(1962), 52-54. Barteln PL, s. Barbe.
Barriere /. 'Absperrung’. Im 18. Jh. entlehnt Basalt m. 'Ergußgestein\ fachsprachl. Im 18.
aus gleichbedeutend frz. barriere, einem Kollek- Jh. entlehnt aus gleichbedeutend 1. basaltes,
tivum zu frz. barre 'Stange’. einer Verschreibung von 1. basanites 'Probier¬
Etymologisch verwandt: s. Barre. — Jones (1976), stein, sehr harter Stein, (wahrscheinlich: Ba¬
140f. salt)’, aus gr. basanites lithos (dass.), aus älterem
Barrikade/. 'Absperrung, Sperre’. Im 18. Jh. gr. bäsanos (dass.), das möglicherweise ägypti¬
entlehnt aus gleichbedeutend frz. barricade, die¬ schen Ursprungs ist.
ses aus it. barricata (dass.), einer Ableitung von Lüschen (1968), 183f.
it. barricare 'versperren, verrammeln’, zu gallo- Basar m. '(orientalischer) Markt’. Im 18. Jh.
rom. *barra 'sperriger Balken’. entlehnt aus gleichbedeutend frz. bazar, dieses
Morphologisch zugehörig: verbarrikadieren-, etymolo¬
aus pers. bäzär 'öffentlicher Markt’. Nach fran¬
gisch verwandt: s. Barre. — A. Gombert ZDW
zösischem Vorbild auch für 'Wohltätigkeitsver¬
3(1902), 165f.; Jones (1976), 140.
käufe u. ä.’.
Barsch m. Mhd. ahd. as. bars aus wg. *barsa-
Schirmer (1911), 29; Littmann (1924), UOf.; Lokotsch
m. 'Barsch’, auch in ae. bcers\ eine Nebenform
(1975), 23.
ist ahd. bersih, mhd. bersich, alem. berschi u. ä.
(*barsiha-) und aschw. ag(h)borre, ndn. aborre Base1 /., arch., südd. Mhd. base, ahd. basa\
(*ag- 'spitzig’ und *burzön-). Zugrunde liegt ig. ursprünglich 'Schwester des Vaters’, dann im
*bhresfbhares- 'Spitze’ (zu diesem s. Bart, Borste 15. Jh. ausgeweitet zu 'Tante’, danach auch
und Bürste), also *bhärs-o- 'der mit Stacheln 'Nichte’ (selten) und (wohl ausgehend vom Di¬
Versehene’ (nach der stacheligen Rückenflosse minutiv) 'Kusine’ (häufig), auch allgemein 'ent¬
dieser Fische). fernte weibliche Verwandte’; in der Hoch¬
Nndl. baars, ne. bass(e). — Hoops (1973ff.), I, 71 —73; sprache Entsprechung zu Kusine (s. d.). Neben¬
Lloyd/Springer (1988ff.), I, 486 — 488 (zu den nordi¬ form ahd. as. wasa. Die Herkunft des nur deut¬
schen Wörtern: I, IQ —12). schen Wortes ist dunkel. Falls ml. barbas m.
barsch Adj. Im 17. Jh. aus dem Niederdeut¬ 'Vatersbruder’ als langobardisches Wort ver¬
schen übernommen, wo es aber nicht viel früher gleichbar ist, kann von *baiwön ausgegangen
bezeugt ist. Vermutlich wie der Fischname werden.
Base 63 Bastion

Zur Bedeutungsentwicklung vgl. Vetter. — Müller baß Adv. des Komparativs besser (s. d.), arch.
(1979), 75-78; Ruiperez (1984), 19-28; Lloyd/Sprin¬
Mhd. ahd. baz, as. bat aus g. *batiz, auch in
ger (1988ff.), I, 495-497.
anord. betr, ae. afr. bet. Mit Schwundstufe des
Base2/., s. Basis. Komparativsuffixes gebildet; später durch den
basieren swV, s. Basis. normalen Komparativ ersetzt.
S. besser, Buße, fürbaß.
Basilika /. ( = ein Kirchengebäude), Jach-
sprachl. Entlehnt aus gleichbedeutend spl. basi- Bassin n. 'Wasserbecken’. Im 17. Jh. entlehnt
lica, dieses aus 1. basilica 'Prachtbau’, zu 1. basi- aus gleichbedeutend frz. bassin m., aus gall.
licus 'königlich, fürstlich’, aus gr. basilikös bacca 'Wassergefaß’, dessen Herkunft nicht si¬
(dass.), zu gr. basileüs m. 'König, Fürst, Herr¬ cher geklärt ist.
scher’. Etymologisch verwandt: Back, Becken. — W. Feld¬
mann ZDW 8 (1906/07), 55; Brunt (1983), 151f.
Etymologisch verwandt; Basilikum, Basilisk.
Bast m. Mhd. ahd. as. hast aus g. *basta- m.
Basilikum n. 'Königskraut’. Im Mittelhoch¬
'Bast (innere Schicht der Pflanzenrinde), Bast-
deutschen (mhd. basilie, basilig f./m.) entlehnt
seif, auch in anord. hast, ae. hast. Hierzu als
aus gleichbedeutend ml. basilicum (wörtlich:
Vriddhi-Bildung mhd. buost 'Bastseil’. Herkunft
das Königliche’), zu 1. basilicus 'königlich,
dunkel. Da Wörter für 'Bast’ meist zu Bedeu¬
fürstlich’, aus gr. basilikös (dass.), zu gr. basileüs tungen wie 'schälen, nackt u. ä.’ gehören (vgl.
m. 'König, Fürst, Herrscher’. So bezeichnet etwa 1. Uber), kommt ein Zusammenhang mit
nach dem edlen Duft. bar (s. d.) in Frage. Die Beurteilungsgrundlage
Etymologisch verwandt: s. Basilika — Lloyd/Springer ist aber nicht ausreichend. Nach Koivulehto
(1988fr.), I, 497f. (s. u.) nach der Art der Gewinnung (nach dem
Basilisk m. (= ein Fabelwesen mit tödlichem Einweichen ausgeschabt) als 'Ausgeschabtes’ zu
Blick), fachsprachl. Im Mittelhochdeutschen der unter Besen und bar (s. d.) vorausgesetzten
(mhd. basiliske) entlehnt aus 1. basiliscus ( = Wurzel *bhes- 'schaben, reiben’.
eine Eidechsenart), dieses aus gr. basiliskos Nndl. ne. nschw. nisl. hast (n.). S. basteln, Besen ( + ).
— K. F. Johansson IF 19(1906), 121; E. Abegg IF
(dass., wörtlich: 'kleiner König’), zu gr. basileüs
46 (1928), 267; Darms (1978), 257—264; J. Koivulehto
'König’. So benannt, weil man einen kleinen
in: FS Schmitt (1988), 252 — 255; Lloyd/Springer
Hornfortsatz mit einer Krone verglich. Der (1988ff), I, 500-502.
Name der Eidechse wird übertragen auf ein
basta Part. 'Schluß!’, ugs. Im 17. Jh. entlehnt
Fabelwesen, das — halb Drache, halb Hahn —
aus gleichbedeutend it. basta 'es ist genug’, die¬
aus mißgebildeten Hühnereiern von Schlangen,
ses aus spl. *bastare 'genug sein’, dessen Her¬
Kröten usw. ausgebrütet wird und dessen Blick kunft nicht sicher geklärt ist.
tödlich ist. Anlaß für die Übertragung ist der
Bastard m. 'uneheliches Kind, Mischling’.
ebenfalls als Krone gedeutete weiße Fleck auf
Mhd. bast(h)art ist entlehnt aus afrz. bastard
dem Kopf.
(neben jils de bas[ t]) 'anerkannter Sohn eines
Etymologisch verwandt: s. Basilika.
Adeligen, der nicht von der rechtmäßigen Frau
Basis /. 'Grundlage’. Im 16. Jh. entlehnt aus stammt’. Die Herkunft ist unklar, germanischer
gleichbedeutend 1. basis, dieses aus gr. bäsis Ursprung nicht ausgeschlossen.
(dass.; auch: 'Schritt, Gang’), einer Ableitung Anders: J. Knobloch LBa 27 (1984), 57 — 60 (ossetisch
von gr. bainein 'treten, verweilen’. (Zur Bedeu¬ 'Kind des Packs’).
tungsentwicklung vgl. d. treten — Tritt 'Halt’.) Bastei /., s. Bastion.
Das Verb basieren meint 'als Grundlage haben’; basteln swV. Bezeugt seit dem 15. Jh. als
Base 'Lauge’ ist wohl so benannt als 'Grund¬ 'mangelhaft zurechtmachen u. ä.’, auch in der
stock’ für bestimmte chemische Vorgänge. For¬ Form bästeln. Herkunft nicht ausreichend klar.
mal ist es eine Rückbildung aus dem Plural. Wahrscheinlich zu mhd. besten 'schnüren, bin¬
Etymologisch verwandt: Akrobat, Baß; zum Etymon den’ als 'etwas notdürftig zusammenbinden’
s. kommen. — A. Gombert ZDW 3 (1902), 167 — 169; (statt es fachgerecht zu reparieren), vgl. Besteier
W. Feldmann ZDW 8 (1906/07), 55; Schirmer (1911), 'Flickschuster’. Dieses zu Bast (s. d.) in der Be¬
29; Schirmer (1912), 8; Jones (1976), 141. deutung 'Seil’.
Baß m. Im 15. Jh. entlehnt aus it. basso (ml. Bastion /. 'Bollwerk’, sonderspracht. Im 17.
bassus 'niedrig’) als 'tiefe (niedrige) Stimme’; Jh. entlehnt aus gleichbedeutend frz. bastion m.,
teilweise aber auch als Basis 'Grundlage’ ver¬ dieses aus it. bastione m. (dass.), einem Augmen-
standen (s. Basis). Über die Zusammensetzung tativum zu it. bastia 'Bollwerk’, aus afrz. bastie
Baßgeige entsteht der Name für das Streichin¬ 'Gebäude’, einer Ableitung von afrz. bastir
strument. 'bauen’.
Eggebrecht (1955), 68f.; Lloyd/Springer (1988ff.), I, Etymologisch verwandt: Bastei. — Jones (1976), 141 f.
503-505. Zu Bastei; E. Öhmann NPhM 43 (1942), 27.
Bastonade 64 bauen

Bastonade f. 'orientalische Prügelstrafe (auf dann auf die im 15. Jh. in Bern und Salzburg
die Fußsohlen)’, sonder spracht. Im 19. Jh. über geprägten Dickpfennige bezogen; deshalb heute
frz. bastonnade entlehnt aus it. bastonata noch in der Schweiz für ein kleines Geldstück.
'Stockhieb’ zu it. bastonare 'prügeln’ aus it. S. Butzen, patzen.
bastone m. 'Stock’. batzig Adj., s. patzig.
Bataillon n. 'Truppenabteilung’, fachsprachl. Bau nt., s. bauen.
Im 17. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend frz.
Bauch m. Mhd. büch, ahd. büh aus g. *büka-
bataillon m., dieses aus it. battaglione m. (dass.),
m. 'Bauch’, auch in anord. bükr, ae. büc, afr.
einem Augmentativum zu it. battaglia f.
bük, büch. Das Wort geht zurück auf eine Wur¬
'Schlachttruppe’, aus spl. battuälia f. 'Fecht¬
zel mit verschiedenen anlautenden Labialen,
übungen mit Stöcken’, zu spl. battuere 'schla¬
mit der dicke, bauchige Gegenstände bezeichnet
gen, klopfen’.
werden (vgl. russ. püzo n. 'Bauch, Wanst’); ver¬
Etymologisch verwandt: Batterie, Debatte, Kombat¬
tant, Rabatt. — Jones (1976), 143f. mutlich ursprünglich eine Lautgebärde für die
aufgeblasenen (und daher dicken) Backen, vgl.
Batate f 'Süßkartoffel’, reg. Seit dem 16.
die Zusammenstellung unter Bausch.
Jh. entlehnt aus span, patata (vgl. ne. potato
Nndl. buik, nschw. buk, nisl. bükur 'Rumpf’.
'Kartoffel’). Das Wort stammt aus einer süd¬
amerikanischen Indianersprache. Es hat sich bei Bauche /., s. Bake.
uns hochsprachlich nicht durchgesetzt, hält sich bauchen swV., auch bäuchen swV, 'in heißer
aber in Mundarten Thüringens, Hessens und Lauge einweichen’, reg. (vorwiegend). Spmhd.
Frankens. büchen, biuchen, me. böuken. Das Wort wird zu
Batenke/. (= eine Schlüsselblumenart),/ac/i- Buche (s. d.) gestellt, da die Lauge ursprünglich
sprachl. Im 16. Jh. entlehnt aus 1. (staehys) aus Buchenasche hergestellt wurde, doch sind
betönica, der gelehrten Bezeichnung unbekann¬ die lautlichen Zusammenhänge unklar.
ter Herkunft für Betonte (einer weiteren Va¬ Hoops (1973ff.), IV, 57f.
riante aus derselben Grundlage). Bauchgrimmen n., s. Grimmen und Bauch.
Marzeil (1943/79), IV, 461; Diedrichs (1952), 34-41
bauchpinseln swV. (sich gebauchpinselt fühlen
(nach Plinius 25,46 aus gall. vettonica, nach dem Volks¬
u. ä. 'sich geschmeichelt fühlen’, auch -kitzelt,
stamm der Vettoneri). Zu Betonie'. Lloyd/Springer
(1988ff.), I, 57lf.
-streichelt), ugs. Nach der Art, in der Tiere, etwa
Katzen, zutraulich gemacht werden, -pinseln ist
Batik /. (= eine Färbemethode für Gewebe
dabei eine umgangssprachliche Vergröberung.
bzw. so gefärbtes Gewebe), fachsprachl. Im 19.
Baude /., ostmd. Ursprünglich 'Hirtenhütte
Jh. über niederländische Vermittlung entlehnt
aus javan. batik 'gesprenkelt’. im Riesengebirge’ (jetzt eher 'Hotel’ an entspre¬
chender Stelle), aus einer Variante *büpö- zu
G. Kahlo MS(1961), 32.
*böpö- in Bude (s. d.); cech. bouda ist aus diesem
Batist m. 'feines Gewebe’. Entlehnt aus entlehnt. Auf entsprechender Lautstufe mit Vo¬
gleichbedeutend frz. batiste/., dessen Herkunft kalkürze steht lit. bütas m. 'Haus’.
nicht sicher geklärt ist. B. Schier in: FS Foerste (1970), 181 f.
Batterie /. 'Reihung von Geschützen usw., bauen swV. In der heute vorherrschenden Be¬
Stromspeicher’. Im 17. Jh. entlehnt aus gleich¬ deutung '(ein Haus) bauen’ ist das Wort jung
bedeutend frz. batterie, einem Kollektivum zu (spätmittelhochdeutsch) und wohl eine Ablei¬
frz. battre 'schlagen’, dieses aus spl. battuere
tung zu Bau (mhd. ahd. bü, ae. bü 'Wohnung,
(dass.). Das französische Wort bedeutet zu¬ Haus’), die sich mit älteren, gleichlautenden
nächst 'Schlagen’, dann auch 'Platz der Schlä¬
Verben vermischt hat. Diese älteren Verben sind
ger am Markt’; als frz. batterie d'artillerie
nicht mehr auseinanderzuhalten. Beteiligt ist
'Reihe der Kanonen in Gefechtsaufstellung’, er¬
sicher ein starkes Verb, das aber nur im Altnor¬
weitert schließlich zu 'in einer Reihe aufgestellte
dischen noch als solches erhalten ist (anord.
Gegenstände’. Die Bedeutung 'Stromspeicher’
büa); sonst gibt es starke Präsensformen (go¬
wird im 18. Jh. aus dem Englischen über¬
tisch, altenglisch, altsächsisch, althochdeutsch)
nommen.
und ein starkes Partizip (altenglisch, mittel¬
Etymologisch verwandt: s. Bataillon. — Jones (1976),
hochdeutsch) mit unklaren Präteritalformen im
145.
Althochdeutschen, sowie schwache Verben aller
Batzen m., ugs. Seit frühneuhochdeutscher Stammklassen. Die Hauptbedeutung der For¬
Zeit belegt für 'Klumpen, dickes Stück’ zu dem men der alten Sprachen ist 'wohnen’, wodurch
schwachen Verb batzen 'zusammenkleben, Zu¬ sich das Verb, für das als Ausgangsform etwa
sammenhängen’ (wohl eine Intensivbildung *böww-a- anzusetzen ist, als dehnstufige Bil¬
*backezzen zu backen, s. d.). Das Wort wird dung zu ig. *bhewo- 'werden, sein’ erweist. Die-
Bauer 65 Bausch

ses ist bezeugt in 1. ful 'ich war’ (u. a.), den *bu-(ge)veile 'Ruine’; belegt ist aber nur mhd.
außerpräsentischen Formen des Verbum sub- hüsgevelle in dieser Bedeutung.
stantivum im Keltischen, lit. büti 'sein, werden’,
Baum m. Mhd. ahd. boum, as. böm aus wg.
akslav. byti 'sein, werden’, gr. phyö 'ich bringe
*bauma- m. 'Baum, Balken’, auch in ae. beam
hervor, zeuge’, gr. phyomai 'ich werde, wachse’,
Baum, Balken’, afr. bäm. Daneben steht *bag-
ai. bhävati 'er wird, er ist’ (s. auch bin). Die
ma- gleicher Bedeutung in gt. bagms, aschw.
(lautlich ebenfalls schwierigen) Formen sind:
bakn und — auf *bazma- zurückgehend —
gt. bauan, anord. büa, ae. büan, as. büan, ahd.
anord. baömr. Die Möglichkeit der Verbindung
büwan, büwen. Die transitive Bedeutung 'berei¬ dieser Lautformen und damit die Etymologie
ten, (ein Feld) bebauen’ gehörte ursprünglich des Wortes ist umstritten und unklar.
wohl zu einer anderen Bildung von derselben Nndl. boom, ne. beam 'Balken’. S. Schlagbaum. — Ch.
Grundlage. Peeters ZVS 88 (1974), 129-133. Lehmann (1986),
Nndl. bouwen, nschw. bo 'wohnen’, nisl. büa 'Land¬ 55f. (zieht einen Ansatz mit Laryngal vor). Zur Bedeu¬
wirtschaft betreiben’. S. Bauer1!2, Bauten, Bude, Futur, tung 'Sarg’ vgl. Cox (1967), 55-61.
Gebäude, Physik.
baumeln swV. Wohl regionale (ostmitteldeut¬
Bauer1 m. (auch n.) 'Vogelkäfig’. Mhd. bür, sche) Variante des ebenfalls regionalen bam¬
ahd. bür n. (auch m.l), ursprünglich mit weiterer meln. Am ehesten als Lautbild aufzufassen.
Bedeutung 'Haus, Kammer’, später auf 'Vogel¬ Wenn vom Hängen und Schwingen der Glocken
käfig (u. ä.)’ eingeengt. Aus g. *büra- m./n. auszugehen ist, könnte auch eine Lautnachah¬
'(kleines) Haus’, auch in anord. bur n., ae. bür mung zugrundeliegen.
n. Eine wohl nur germanische Bildung zu dem S. Bammel, Bembel, Pummel.
unter bauen behandelten Verb für 'wohnen’; bäumen swV, meist sich aufbäumen 'sich auf¬
doch klingt die Hesychglosse byrion 'Haus, richten’. Seit frühneuhochdeutscher Zeit belegt.
Zimmer’, vielleicht messapisch, an. Wohl 'sich am Baum aufrichten’ (sonst auch
Ne. bower 'Innenraum, Sommerhaus’, nschw. bur 'Kä¬ 'auf den Baum klettern’ von Tieren). Vermutlich
fig,Kittchen, Tor’, nisl. bür 'Vorratskammer’. S. ein altes Jägerwort, dessen alte Bedeutung nicht
Bauer1, Nachbar. — H. Krähe IF 47 (1929), 326 und mehr erschlossen werden kann; evtl, ursprüng¬
57(1939), 116f. lich vom Bären gesagt, der sich aufrichtet, um
Bauer2 m. 'Landmann’. Mhd. gebür(e), ahd. auf einen Baum zu steigen.
as. gibür (neben obd. gibüro; auch bür, büari W. Porzig (1950), 23 lf.
u. a.) aus wg. *ga-büra- m. 'Mitbewohner (der Baumpicker m., s. Specht.
Dorfgemeinschaft)’ (Stammbildung und Bedeu¬ Baumwolle/. Mhd. boumwolle, regional auch
tung nicht ausreichend sicher). Eigentlich eine assimiliert bouwol (vgl. schwz. bouwele). Diese
Bildung wie Geselle (s. d.), also 'einer, der im eingeführte Faser gleicht der Wolle, ist aber
gleichen bür „Wohnort“ wohnt’. Die Bedeutung nicht von Schafen, sondern von Bäumen (ge¬
'Landmann’ als Berufsbezeichnung und Stan¬ nauer: Sträuchem, gossypium herbaceum). Das
desbezeichnung ist jünger, wobei ihre Ausbil¬ Bestimmungswort Baum- wurde vielleicht im
dung im einzelnen unklar ist. Die Verwendung Anschluß an Herodot 3,106 gewählt, wonach
des Wortes im Schach- und Kartenspiel folgt in Indien Wolle, die die Schafwolle an Schön¬
der dort auftretenden (bruchstückhaften) Stan¬ heit und Güte übertrifft, auf Bäumen wächst,
desordnung. Neben den deutschen Wörtern und aus der die Inder ihre Kleidung hersteilen.
auch in ae. gebür, doch zeigt das (Alt-)Englische Vgl. Kattun.
mit land-büend daneben auch die Bildung (aus Bausback m., s. Pausbacken.
der gleichen Grundlage), die für die nordischen
Bausch m. 'Ausfaltung von Stoff, lockerer
Sprachen charakteristisch ist (anord. böndi).
Knäuel (Watte usw.), Wulst’. Mhd. (selten)
Nndl. boer 'Bauer’, buur 'Nachbar’. S. bauen, Bauer1
büsch, auch mit -s; dazu bauschen, bausen 'auf¬
und Nachbar. - Hoops (1973ff.), II, 99-107; III,
schwellen’, auf- 'übertreiben’. Zugrunde hegt
216 — 221; R. Wenskus/H. Jankuhn/K. Grinda (Hrsg.):
eine Lautgebärde für 'die Luft aus den aufge¬
Wort und Begriff 'Bauer’ (Göttingen 1975), besonders
die Beiträge von R. Wenskus 11—28, H. Beck 58 — 72 blasenen Backen ausstoßen’, etwa *phu- für
und W. Schmid 222 — 227. 'aufblasen — sprengen — platzen’ und mit
einem bilabialen Reibelaut *fu- (o. ä.) für das
Bauernfänger m. 'plumper Betrüger’. Im 19.
anhaltende Blasen. Daraus einerseits Bedeutun¬
Jh. in der Berliner Diebessprache gebildet.
gen wie 'blasen’, andererseits 'aufgeblasen, dick,
Bauer dabei im Sinn von 'Dummkopf, Tölpel’.
geschwollen’. Da die Lautungen einerseits im¬
Bauer(n)wetzel m., s. Ziegenpeter. mer wieder als Lautgebärde erneuert, anderer¬
baufällig Adj. Seit frühneuhochdeutscher Zeit seits aber auch lautgesetzlich weiterentwickelt
üblich; Aufbau unklar. Vielleicht zu einem mhd. werden können und da die Einzelsprachen
Bäuschcl 66 beben

durch ihren unterschiedlichen Lautbestand die 'Weg, Straße’) lautete und das -r- in der Überlie¬
Lautgebärde verschieden erfassen, fallen die ferung verloren ging (wie häufig in Anlautgrup¬
vergleichbaren Wörter stark auseinander (und pen mit Labial + r).
entsprechend unsicher ist die Zusammenstel¬ Hoops (1973fr.), II, 112f.
lung). Zudem sind die meisten Wörter erst spät Bauten PI. Mndd. buwete n.'Gebäude’ (zu
belegt, was aber nicht notwendigerweise heißt, bauen, s. d.) dringt als regionales Wort (ndd.
daß sie jung sind — im allgemeinen sind es bäte) in die Verwaltungssprache von Branden¬
familiäre und umgangssprachliche Wörter, die burg und besonders Berlin und bekommt im
nicht ohne weiteres in literarische Texte aufge¬ Laufe des 18. Jhs. im Norddeutschen die Funk¬
nommen (und deshalb auch nicht überliefert) tion des Plurals zu Bau. Um 1800 in die Hoch¬
werden. Einen zu Bausch passenden Lautstand sprache aufgenommen (wohl um die lautlich
zeigen außerhalb des Germanischen etwa russ. unbequemen Formen Baue, Baue zu ver¬
büchnuti'(an)schwellen’ und gr. physa f. 'Blase¬ meiden).
balg, Blase’. Zum lautmalerischen Ursprung
baxen swV. 'ringend schlagen’, arch., ndd. Ei¬
vgl. noch ai. phutkaroti ’phu machen, (verächt¬
gentlich baks 'Schläge’ geben. Variante zu dem
lich) zischen u. a.\ In diesen Zusammenhang
aus dem Englischen stammenden boxen (s. d.).
können gestellt werden: mit der Bedeutung 'bla¬
sen’ pusten, pfusen, fauchen und Bö\ mit der Bazar m., s. Basar.
Bedeutung 'aufgeblasen’ Pausbacken, bauschen Bazi m. 'Taugenichts’, bair.-österr. Gekürzt
und Pocke', mit der Bedeutung 'dick, geschwol¬ aus der latinisierenden Scherzbildung Lumpa-
len’ Bauch, Backe1 (1. bucca) und Beule. — Die zi(us), zu Lump (s. d,).
Redensart in Bausch und Bogen (wozu auch
Bazille /., auch Bazillus m. 'Stäbchenbakte¬
pauschal, s. d.) ist etymologisch nicht eindeutig
rie’, fachsprachl. Im 19. Jh. eingeführt für 'eine
geklärt. Zu beachten ist zunächst, daß Bausch,
stäbchenförmige Unterart der Bakterien’, zu
Baus in der älteren Sprache auch 'Armvoll,
spl. bacillum n., bacillus m. 'Stäbchen’, das zu
Handvoll u. ä.’ bedeutet, also eine ungezählte
spl. baculus m., baculum n. 'Stab’ gehört.
und ungewogene Menge. Hierzu nach der Bause
Etymologisch verwandt: s. Baguette.
'geschätzt, nicht gewogen’ und weiter (vielleicht
unter dem Einfluß von in Saus und Braus) auch be- Präfix. Mhd. be-, ahd. as. bi- aus g. *bi-,
'mit vollen Händen’. Der Bestandteil Bogen auch in gt. bi-, ae. be-, afr. bi-. Entstanden
bleibt dabei ungeklärt. Die Erklärungsversuche aus der Partikel bei (s. d.). In verkürzter Form
von DWB I, 1198 (es ist vom Grundstückskauf festgeworden ist das Präfix in bleiben (s. d.),
auszugehen, wobei Bausch nach außen ge¬ binnen und bange (s. d.). In nominalen Formen
wölbte, Bogen nach innen gewölbte Flächen ist in der älteren Sprache noch die betonte,
aber nicht notwendigerweise gelängte Form bi-
sind) und von Kluge C171957) (nach H. H. Bock¬
bezeugt; Relikte dieser Betonungsweise noch in
witz: Kulturgeschichte des Papiers [Stettin 1935],
bieder (s. d.) und (nicht mehr erkennbar) in
62: ein Bauseh Papier sind 181 Bogen) scheitern
Beichte (s. d.). Die Funktion des Präfixes war
daran, daß eine entsprechend frühere fach¬
ursprünglich rein örtlich (ahd. bifallan 'hinfal¬
sprachliche Verwendung nicht nachweisbar ist.
len’) und wurde dann verallgemeinert zu einer
S. auch Beuschel, Beutel, blähen, Bö, Butzen, erbosen,
Verstärkung (bedecken) und zur Transitivie-
Puff.
rung ursprünglich intransitiver Verben (be¬
Bäuschel m./n. 'schwerer Hammer’, fach-
leuchten). Außerdem tritt be- in Präfix-Ablei¬
sprachl. Instrumentalbildung zu mhd. biuschen, tungen vom Typ bekleiden zu Kleid ('mit Klei¬
büschen 'schlagen, klopfen’. Weiter verbreitet dern versehen’) auf.
ist mit dieser Bedeutung eine Lautform g.
Nndl. ne. be-,
*baut-a- stV. 'schlagen, stoßen’ (s. Amboß und
beachten swV., s. be- und Acht2.
vgl. ae. bytl n./(m.?) 'Hammer’), der lautliche
Zusammenhang ist aber nicht klar. Beamter m. Im 17. Jh. kontrahiert aus Beam¬
teter, der Substantivierung eines partizipialen
Bautastein m., fachsprachl. Ein ursprünglich
Adjektivs zu Amt (s. d.).
nur in isländischen Texten überliefertes Wort
(anord. bautarsteinn, auch bautaöarsteinn) für beanstanden swV. Im 19. Jh. als Präfix-Ablei¬
den skandinavischen Brauch, zu Ehren be¬ tung zu Anstand gebildet, und zwar in dessen
stimmter Toten große Steine (in der Regel Bedeutung 'Zaudern, Stillstand’ mit den
schriftlose, aber auch Bild- und Runensteine) Nebenbedeutungen 'Bedingung' und 'Ein¬
an die Straße zu setzen. Die Etymologie ist wand’; also etwa 'Einwände machen’.
unklar; am wahrscheinlichsten ist die Annahme, beben swV. Mhd. biben, ahd. biben, as. hibön
daß das Wort ursprünglich *brautarsteinn, aus g. *bib-ä- (neben -ö-) swV. 'beben’, auch in
d. h.'Stein an der Straße’ (zu anord. braut f. anord. bifa, ae. bifian, afr. beva. Zugrunde liegt
Becher 67 Beet

ersichtlich eine reduplizierte Präsensbildung, als 'erfordern, zur Bedingung haben’. Hierzu auch
deren Grundlage ig. *bheia- 'sich fürchten’ an¬ unbedingt 'ohne Voraussetzung, ohne Vorbe¬
gesehen wird. Dieses wird bezeugt durch ai. halt’.
bhäyate, akslav. bojati .?f und lit. bijötis gleicher bedingen2 stV. 'zur Bedingung machen’, arch.
Bedeutung. Die hochsprachliche Form mit -e- auch sich ausbedingen. Ursprungsgleich mit be¬
stammt über Luther aus dem Niederdeutschen dingen1 (s. d.), mit Beibehaltung der älteren Be¬
(mndd. beven). Im Oberdeutschen dafür (mhd.) deutung; dann, ausgehend vom Niederdeut¬
bidemen aus derselben Grundlage. Eine mund¬ schen, sekundär starke Flexion (besonders das
artliche Intensivbildung ist bibbern (s. d.). Zur Partizip ausbedungen).
Reduplikation (wohl nicht morphologisch, son¬ S. Ding{+).
dern expressiv) vgl. zittern.
beeinträchtigen swV. Zu fnhd. eintragen 'hin¬
Nndl. beven. - F. Kluge ZVS 26(1883), 85f.; E. Sie-
dern, schaden’ nebst Eintrag und (möglicher¬
vers IF 43 (1925), 174; F. Mezger ZVS 72 (1954), 127.
Ablehnend: J. Wackernagel ZVS 41 (1907), 305 — 309. weise sekundär) Eintracht 'Hindernis, Schaden’,
vermutlich maskulin (im Gegensatz zu dem
Becher m. Mhd. becher, ahd. behhari, as. bi-
heute noch üblichen Eintracht /.) gehört beein¬
keri sind entlehnt aus ml. bicarium n., älter
trächtigen 'hindern, schaden’, das aus der Kanz¬
bacarium n. 'Weingefäß, Wassergefäß, Becher’
leisprache in die allgemeine Sprache eindringt.
unklarer Herkunft. Aus dem Niederdeutschen
Die Bedeutungsentwicklung des Grundworts ist
sind entlehnt lett. bi^eris und anord. bikarr
unklar.
(aus diesem me. biker, ne. beaker) Aus einer
Beelzebub m. (= der oberste Teufel), fach-
romanischen Nebenform (afrz. pichier) stammt
sprachl. Im Frühneuhochdeutschen entlehnt
ne. pitcher 'Krug’.
aus hebr. bdal-zfbüb (= eine Gottheit der Phili¬
Nndl. beker, ne. beaker, nschw. bägare, nisl. bikar.
— J. Sehwers ZVS 54(1927), 167; Lloyd/Springer ster), wörtlich: 'Herr der Fliegen (= der bösen
(1988fF.), I, 507f. Die spätlateinische Beleglage ist im Geister)’. Der heutige Gebrauch, vor allem in
einzelnen undurchsichtig, s. FEW I, 362 und Gamill- der Wendung den Teufel durch Beelzebub aus-
scheg (1969), 108. treiben, geht zurück auf Mt. 12,24, wo die Phari¬
Beck m. 'Bäcker’, südd. und md. Mhd. becke, säer Jesus vorwerfen, er treibe die bösen Geister
ahd. beckeri, -becko, becko, Nomen agentis durch Beelzebub, ihren Obersten, aus (von Jesus
(*bak-jön) zu g. *bak-a- 'backen’ (s. backen). gleichgesetzt mit 'den Satan durch Satan aus-
Erst neuhochdeutsch ersetzt durch die systema¬ treiben’).
tische Neubildung Bäcker; außer in den Mund¬ Beere /. Das Femininum ist offenbar im
arten noch als Familienname erhalten. Frühneuhochdeutschen aus dem Norden ein¬
Vgl. Pfister. gedrungen, vgl. mndd. mndl. (dial.) bere, ae.
berige f. 'Beere’ (/ö«-Stamm). Älter ist g. *baz-
Becken n. Mhd. becke(n), ahd. becki(n) ist
ja- n. in anord. ber, as. (win)-beri, ahd. beri n.,
entlehnt aus ml. ba(c)in(i)um n. 'Wassergefaß’;
mhd. ber f./n., neben der Form ohne grammati¬
dieses ist eine Ableitung zu gall. bacca f. gleicher
schen Wechsel *bas-ja- n. in gt. (weina-)basi,
Bedeutung.
mndl. bes(e), mndd. beseke (Diminutiv); hierzu
Zu den romanischen Formen gehört frz. bassin, das
auch ndd. (dial.) Besing 'Beere, Heidelbeere’.
auch als Lehnwort im Deutschen (und in ne. basin)
auftaucht. Nndl. bekken. S. Bassin ( + ), Pickelhaube. Herkunft unklar. Die Herleitung aus einem
- R. Hildebrandt DWEB 3 (1963), 358f.; Lloyd/ Wort für 'rot’ (ae. basu 'purpurn’, mir. base
Springer (1988ff.), I, 508f. 'rot, Scharlach’) ist so wenig zu sichern wie die
aus einem Wort für 'Strauch, Rute’ (norw.
Beckmesser m. 'kleinlicher Kritiker’, sonder-
[dial.] bas[e] m. 'Strauch, Unterholz’). Zu be¬
sprachl. Nach der gleichnamigen Gestalt in
achten ist, daß allgemeine Wörter für 'Beere’
Wagners Meistersinger.
(gegenüber 'Frucht’ usw. mit weiterer Bedeu¬
bedeppert Adj. 'ratlos’, ugs., reg. Zu mundart¬ tung und gegenüber Einzelbezeichnungen für
lich zerdeppern 'zerschlagen’ mit einem ähnli¬ die Beerensorten) nicht häufig sind und daß 1.
chen Bild wie ndd. bekloppt, eigentlich 'be¬ bäca, bacca 'Beere’ aus einem Substrat stammt.
klopft’, also 'angeschlagen’. Nndl. bes, ne. berry, nschw. bär, nisl. ber. — Hoops
bedeuten swV, s. be- und deuten. (1973ff.), II, 132-139; Lloyd/Springer (1988ff.), I,
560f.
bedingen1 swV 'zur Folge haben’, mhd. bedin¬
gen, verstärkt aus einfachem dingen, ahd. Beet «., obd. auch Bett n. Mhd. bette, ahd.
t(h)ingön, dingön (s. Ding). Die ursprüngliche bettili(n). Das Wort ist ursprünglich identisch
Bedeutung ist 'aushandeln, vereinbaren’, dar¬ mit Bett (s. d.); doch sind die Bedeutungen
aus 'verursachen, zur Folge haben’. Unter dem 'Beet’ und 'Bett’ im 16. Jh. ausgehend vom
Einfluß von Bedingung (ursprünglich 'Verein¬ Mitteldeutschen auf verschiedene Lautvarian¬
bartes’, dann 'Voraussetzung, Kondition’) auch ten verteilt worden: Die Form Bett setzt dabei
Beete 68 Begeisterung

den Lautstand des Genitivs mit Konsonanten¬ nebst gr. pelas 'nahe’ (Wörter für 'nahe’ gehen
gemination fort (bette-s), die Form Beet den nicht selten auf'angepreßt, angedrängt’ zurück,
ursprünglichen Lautstand des Nominativs und vgl. etwa frz. pres 'nahe’, das zu 1. presse Adv.
Akkusativs (beti). Die übertragene Bedeutung 'gepreßt, gedrückt’ gehört).
'Beet’, die auch im Englischen auftritt, ist ur¬ Nndl. bevelen, schw. dial. fjäla, nisl. fela. S. Appell,
sprünglich 'Pflanzenstandorf (auch von wild¬ Beispiel, empfehlen.
wachsenden Pflanzen); auszugehen ist also von Beffchen n. 'Predigerkragen\ fachsprachl. Im
der Bedeutung 'Lager, Grundlage’. 18. Jh. aus dem Niederdeutschen verbreitet (für
Nndl. ne. bed, nisl. beö (entlehnt). früheres Überschlägcheri). Diminutiv zu mndd.
Beete /., s. Bete. beve, beffe 'Chorhut und Chorrock des Präla¬
ten’, mndl. beffe 'Kragen’, das seinerseits aus
befangen Adj. (PPrät). Zu dem starken Verb
ml. biffa/., der Bezeichnung einer Tuchart und
befangen, mhd. bevähen. Die Bedeutung war
afrz. biffe 'gestreifter Stoff’ stammt. Zur Bedeu¬
ursprünglich 'gefangen, verwickelt’ und wurde
tungsentwicklung vgl. Kappe und Mütze.
in der Zeit der Klassik einerseits auf'verschüch¬
tert’ und andererseits 'voreingenommen’ festge¬ beflissen Adj. (PPrät.), s. Fleiß.
legt. befördern swV. Bezeugt seit dem 18. Jh. neben
befehlen stV Mhd. bevelhen, ahd. bifelahan, gleichbedeutendem bevordern und befürdern.
as. bifelhan ist eine Präfigierung zu g. *felh-a- Präfixableitung zu vorder (s. d.) im Sinn von
stV, auch in gt. filhan, anord. fela, ae. feolan, 'voranbringen’ ('helfen’, 'transportieren’ und
afr. -fela. Die Bedeutung ist bei intransitivem als Ersatz für avancieren im 19. Jh. 'aufrücken
Gebrauch (nur im Altenglischen belegt) lassen’).
'(ein-)sinken, (ein-)dringen’; für den transitiven befriedigen swV. Seit dem 15. Jh. für mhd.
Gebrauch läßt sich 'senken, drängen’ erschlie¬ bevriden, eigentlich 'einfrieden, schützen’. Das
ßen; bezeugt ist einerseits (ausgehend von 'ver¬ Wort gerät immer stärker unter den Einfluß
senken’) 'verbergen, begraben’ (gotisch, alt¬ von zufrieden (s. d.) und bedeutet heute im all¬
nordisch, westgermanisch in Relikten bei präfi- gemeinen 'zufriedenstellen’.
gierten Formen), andererseits (nur präfigiert, befürworten sw V. Kanzleisprachliche Bildung
und zwar gotisch mit ana-, westgermanisch mit des 19. Jhs. zu Fürwort im Sinne von 'Empfeh¬
bi-) 'empfehlen, an vertrauen, befehlen’ (vgl. in lung’ (vgl. etwa Fürbitte).
jemanden dringen, auf etwas dringen). Die Be¬
begabt Adj. (PPrät.). Zu mhd. begäben 'aus¬
deutung 'befehlen, gebieten’ taucht zunächst
statten, beschenken’, ursprünglich konkret ge¬
nur vereinzelt auf, setzt sich dann aber bei der
meint (etwa: 'zur Hochzeit ausgestattet’). Durch
Entwicklung zum Neuhochdeutschen durch.
die Mystiker wird das Wort im 14. Jh. einge¬
Das einfache Verb stirbt im Deutschen nach der
schränkt auf spirituelle und intellektuelle Aus¬
althochdeutschen Zeit aus. — Außergermanisch
stattung und entwickelt sich dann zu einem
ohne klare Vergleichsmöglichkeit. Das wurzel¬
Ausdruck für 'talentiert’. Das Substantiv Bega¬
schließende -h ist sicher nur germanisch und
bung (zunächst 'Schenkung’) folgt dieser Bedeu¬
vergleicht sich mit dem gleichen Auslaut bei
tungsentwicklung im 18. Jh.
dem in der Bedeutung entsprechenden *prenh-a-
(s. dringen). In der damit übrig bleibenden begatten swV. refl. Bezeugt seit dem 18. Jh.
einfacheren Form eur. *pel- vergleichen sich in der heutigen Bedeutung. Wohl zu Gatte (s. d.)
mit der Bedeutung 'begraben’ 1. sepellre (umbr. als Euphemismus gebildet.
pels-) 'begraben’, mir. (unsicher) eillged, eill- begeben st V. refl. Das Wort bedeutet ur¬
gheadh 'Begräbnis’; ausgehend von 'verbergen’ sprünglich 'sich hingeben, sich entäußern’ und
wohl auch air. to-ell- 'stehlen’ (*pel-n-, nur im wird im Mittelhochdeutschen speziell gebraucht
Perfekt, bei einem Verbalstamm, in dem ver¬ für 'sich ins Kloster begeben’. Später verblaßt
schiedene Quellen zusammengeflossen sind); die Ausgangsbedeutung, und das Wort bedeutet
mit der Bedeutung 'empfehlen usw.’ am ehesten nur noch 'sich irgendwohin begeben’, mit un¬
1. appelläre 'anreden, anrufen, anregen’ (auch persönlichem Subjekt auch 'sich ereignen’.
com-, interpelläre), vielleicht auch gr. apeileö begehren swV. Mhd. begern ist eine Präfigie¬
ich gebe an, drohe’ und lett. peet 'schmähen, rung zu älterem mhd. ger(e)n, ahd. geren, gerön
verleumden’. Am wenigsten deutlich sind die 'begehren’, das seinerseits von ahd. mhd. ger
Verknüpfungsmöglichkeiten für die Ausgangs¬ 'begierig’ abgeleitet ist. Zur weiteren Verwandt¬
bedeutung. In Frage kommen (alle aus *pel-n-) schaft s. gern und Gier. Zum Zeitwort die Rück¬
1. pellere trans. 'stampfen, klopfen, schlagen, bildung Begehr (mhd.) und die Ableitung be¬
fortstoßen, forttreiben, beeindrucken (u. a.)’, gehrlich.
air. ad-ella 'besuchen, sich nähern, berühren’, Begeisterung/. Im 17. Jh. wird die Präfix-
gr. pilnamai trans./intrans. 'ich nähere mich’. Ableitung begeistern 'beleben’ zu Geist gebildet
beginnen 69 behelligen

(s. d.). Das erst später auftretende Abstraktum behäbig Adj. Seit spätmittelhochdeutscher
Begeisterung ist in seiner Bedeutung offenbar Zeit gibt es zu gehaben, behoben (s. haben, he¬
von Enthusiasmus (s. d.) beeinflußt worden. ben) im Sinne von 'festhalten, Zusammenhalten’
beginnen stV. Mhd. beginnen, ahd. as. bigin- /«-stämmige Adjektive gehebe, behebe 'zusam¬
nan, Präfigierungen zu dem nur präfigiert auf¬ menhaltend, dicht schließend (von Gefäßen),
tretenden Verbalstamm g. *-genn-a- 'beginnen’, geizig’. Diese Adjektive werden häufig mit -ig
auch in gt. duginnan, ae. beginnan, onginnan, erweitert, und mit dieser Form kommt behäbig
afr. biginna, bijenna. Die außergermanischen in der Zeit der Klassik (Goethe) in die Hoch¬
Vergleichsmöglichkeiten sind unsicher, da das sprache, wird dabei allerdings von einem ande¬
Verb nur präfigiert vorkommt und sich deshalb ren habig 'wohlhabend’ (das von die Habe abge¬
die Ausgangsbedeutung nicht sicher bestimmen leitet ist) in der Bedeutung beeinflußt. Durch
läßt. Mit Rücksicht auf gleichbedeutendes an¬ den Gebrauch hat sich die Bedeutung dann zu
fangen, etwas an-packen, 1. incipere usw. ist aber 'wohlbeleibt, behaglich’ weiterverschoben.
eine Grundbedeutung 'fassen, packen’ wahr¬ behagen swV. Mhd. behagen, as. bihagon aus
scheinlich, die bei einer Verbalwurzel *ghed-, in g. *hag-ö- swV. 'gefallen, passen’, auch in anord.
der Regel mit doppelter Nasalierung (*ghend-n-), hagar 'es trifft sich, ziemt sich’, ae. gehagian
bezeugt ist. In diesem Fall vergleichen sich 1. 'sich bequemen, bereit sein’, afr. hagia 'beha¬
prehendere 'ergreifen, fassen’ und gr. chandänö gen’. Alle einzelsprachlichen Formen sind spät
'ich fasse, umfasse’; vielleicht auch air. ro-geinn und z. T. spärlich bezeugt. Im Deutschen hat
'Platz finden, umschlossen sein’, kymr. genni sich das Wort offenbar vom Niederdeutschen
'enthalten sein’. her ausgebreitet. Alter a/ö-Ablaut in der altnor¬
Nndl. beginnen, ne. begin. S. Repressalie ( + ), ver¬ dischen Wortfamilie (anord. högr 'bequem’)
gessen. läßt ein Primärverb als Ausgangspunkt der ger¬
begleiten swV. Zu mhd. fnhd. geleit(e) n. manischen Sippe vermuten. Eine ältere Bedeu¬
'Geleite, Begleitung’ wird im 17. Jh. eine Ablei¬ tung 'können, vermögen’ zeigt sich in ae. onha-
tung be-geleiten 'das Geleit geben’ gebildet. Das gian, das damit eine Brücke bildet zu ai. saknöti
Wort ist im Niederländischen in dieser Form 'kann, vermag’, ig. *kak-, wohl auch (mit ab¬
erhalten (begeleiden), während es im Neuhoch¬ weichendem Anlaut) in lit. käkti 'irgendwohin
deutschen vereinfacht wird. gelangen, genügen, ausreichen’, lit. känkinti
begnügen swV. rej7. Mhd. begenüegen (häufi¬ 'jmd. etwas zur Genüge liefern, hinreichend mit
ger mhd. benüegen). Abgeleitet von genug (s. d.) etwas versehen’. Die Bedeutungsverhältnisse
mit Ausfall des -e- des zweiten Präfixes. sind im einzelnen unklar.
Begonie/. (= eine in tropischen und subtro¬ Nndl. behagen.
pischen Gebieten beheimatete Pflanze), fach- behaupten sw V. Die heutige Bedeutung 'versi¬
sprachl. Im 17. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend chern’ (besonders gegenüber jmd., der das Ge¬
frz. begonia m., so benannt nach Begon, einem sagte nicht glauben will) geht zurück auf eine
Generalgouverneur von St. Domingo. ältere 'etwas durchsetzen, etwas verteidigen’
begöschen swV. 'beschwichtigen’, ndd. Umge¬ (heute noch in der Wendung sich gegen etwas
setzt aus begösken zu göske 'Gänschen’ (nach behaupten), vor allem als Ausdruck der Rechts¬
den Zischlauten bei der Beruhigung kleiner sprache (bezeugt seit dem 14. Jh.). Vermutlich
Kinder). zu Haupt (s. d.) im Sinne von 'Herr’, also 'sich
Begräbnis n., s. graben. als Herr (über etwas) erweisen’.
begreifen st V. Mhd. begrifen, ahd. bigrifan beheben stV. 'beseitigen’. Regional auch in
bedeutet zunächst konkret 'ergreifen, umgrei¬ anderen Bedeutungen; mit verstärkendem Prä¬
fen’, ebenso mhd. begrif 'Umfang, Bezirk’. Die fix be- zu heben (s. d.); vgl. aufheben.
übertragene Verwendung des Verbs im Sinne behelligen sw V., unbehelligt PPrät. Bezeugt
von 'verstehen’ beginnt bereits in althochdeut¬ seit dem 17. Jh. Die heutige Bedeutung 'belästi¬
scher Zeit, später auch die des Substantivs im gen’ geht zurück auf älteres 'plagen’. In dieser
Sinn von 'Vorstellung’. In der Aufklärung wird Bedeutung ist das Wort (wie das einfache heili¬
Begriff auf'Allgemeinvorstellung’ (zur Überset¬ gen) aus dem Adjektiv heilig 'müde, matt’ abge¬
zung von Idee, s. d.) eingeengt. Die Wendung leitet (also eigentlich 'ermatten, ermüden’,
in etwas begriffen sein bedeutet ursprünglich
trans.). Das nur regional seit spätmittelhoch¬
'ertappt werden bei etwas’; im Anschluß an die deutscher Zeit auftretende Adjektiv ist seiner¬
verallgemeinerte Verwendung dieses Ausdrucks
seits eine Erweiterung aus dem ebenfalls be¬
seit dem 18. Jh. auch im Begriff sein zu tun schränkt verbreiteten hahl, hähl, hel(l) 'trocken,
'gerade etwas tun’. mager, dürr’, mndl. hael\ Relikte dieses Adjek¬
Nndl. begrijpen, begrip. - R. L. Schwartz: Der Begriff
tivs auch in anderen germanischen Sprachen,
des Begriffs in der philosophischen Lexikographie
(München 1983) (zur Ideengeschichte). vor allem in anord. hallceri 'Mißernte, Hun-
behende 70 Beifall

gersnot’ (zu anord. är 'Jahr’) und ae. (selten) beide Num. Mhd. ahd. beide, bede, as. bet3,
hell-heort 'verzagt’ ('schwachherzig’). Zu er¬ beöea geht zurück auf eine Wortgruppe aus
schließen ist etwa g. *halli- Adj. 'dürr, vertrock¬ einem kollektiven Zahlwort, das in gt. bai, *bos,
net’ (aus voreinzelsprachl. *qolz-i-?)\ vergleich¬ ha bezeugt ist, und dem bestimmten Artikel
bar ist lett. kälst 'vertrocknen’ und mit s mobile (bzw. demonstrativen Pronomen), z. B. in gt.
im Anlaut gr. skellomai 'ich vertrockne, ver¬ ba l>o skipa 'beide (die) Schiffe’. Das Altnordi¬
dorre’, nebst gr. skeletös 'Skelett’. sche hat im Genitiv noch die einfachen Formen,
S. schal, Skelett. sonst (NPl. bäöir) Formen, die aus der Zusam-
behende Adj. Mhd. behende 'geschickt, flink’
menrückung stammen; das Altenglische hat ein¬
ist zusammengerückt aus bi hende 'bei der fache Formen, die stark an das parallele Zahl¬
Hand’. Ähnlich abhanden (s. d.), vorhanden wort für 'zwei’ angeglichen sind (besonders
und — aus anderer Grundlage — zufrieden. deutlich im NPl. begen zu twegen 'zwei’), ne.
both, me. bothe ist aus dem Altnordischen ent¬
Behörde /. Es wurde im 18. Jh. aus ndd.
lehnt. Das Altfriesische (bethe) hat wie das
behören im Sinne von 'zu etwas gehören’ gebil¬
Altsächsische und Althochdeutsche nur noch
det und entspricht damit eher niederdeutschem
die zusammengerückten (und danach verein¬
Wortgebrauch. Die ursprüngliche Bedeutung
fachten) Formen. Die Lautung -e- im Althoch¬
noch in Zubehör. Die heutige Bedeutung 'Amts¬
deutschen stammt vom Zahlwort für 'zwei’
stelle’ ersetzt früheres behörigen Orts und meint
(zwene). Zugrunde liegt diesem kollektiven
demnach die 'zugehörige Amtsstelle’.
Zahlwort eine Formation, die aus ig. *-bh- +
Behuf m., arch. in der Wendung zu diesem Endungen (teilweise erkennbaren Dualendun¬
Behuf 'zu diesem Zweck’ und in der erstarrten gen) besteht, wobei aber außerhalb des Germa¬
Genitiv-Form behufs 'zwecks’. Mhd. behuof nischen Lautungen vorangehen, die untereinan¬
mndd. behöf in der alten Sprache nicht bezeugt, der nicht vereinbar sind: Auf *ambhö weisen gr.
wohl aber in ae. afr. behöf n. 'Zweck, Nutzen’ ämphö und 1. ambö; auf a/o/a- weisen lit. abü
(vgl. anord. höf n. 'Maß, Art und Weise’). Das m. und akslav. oba m.\ das Altindische hat
hierfür vorauszusetzende präfigierte Verb behe¬ ubhäu, dessen lautliche Deutung höchst umstrit¬
ben ist wesentlich schlechter und nicht in pas¬ ten ist. Möglicherweise war das Wort ursprüng¬
senden Bedeutungen bezeugt. Auch ist die lich enklitisch und hat dabei die erste Silbe
Dehnstufe bei diesem Bildungstyp unüblich. verschiedenen Auslauten vorangehender Wör¬
Die Einzelheiten der Bildung bleiben deshalb ter angepaßt.
unklar.
Nndl. beide, ne. both (entlehnt), nschw. bäda, nisl.
Nndl. behoeve, ne. behoof. S. heben ( + ). bäöir. S. ob1, um. — Lloyd/Springer (1988ff.), 1,
behum(p)sen swV. 'hereinlegen’, ugs., omd. Zu 513-515.

mundartlichem hum(p)sen 'stehlen’, das wohl Beiderwand f./n./(m.) 'auf beiden Seiten
zu humpeln usw. gehört (s. d.), vgl. hümpler gleich aussehendes Gewebe aus Leinen und
'Stümper, Pfuscher’ (16. Jh.). Wolle,fachsprachl. Zu want n. 'Tuch, Zeug’ wie
bei Präp./Adv. Mhd. ahd. as. bl aus g. *bi in Gewand und Leinwand (s. d.). Seit dem 15. Jh.
(mit Möglichkeit der Dehnung), auch in gt. bi, nördlich des Mains in verschiedenen lautlichen
ae. afr. bi. Als Verbalpräfix regelmäßig unbe¬ Varianten bezeugt; südlich davon gilt Peter.
tont und später abgeschwächt (gt. bi-, anord. beiern swV. 'mit dem Klöppel an die Glocke
in Relikten b-, ae. be-, afr. as. ahd. bi-). Die schlagen’, wmd. Entlehnt aus mndl. beier(e)n
Bedeutung ist 'nahe, bei’, im Gotischen 'um - gleicher Bedeutung, älter beiaerden. Dieses aus
herum . Letzteres erlaubt eine Anknüpfung an mndl. beiaert Glockenspiel’, dessen Herkunft
ig. *ambhi, *mbhi 'um — herum, auf beiden umstritten ist.
Seiten’ (s. um, ambi-, amphi-), wobei angenom¬
J. H. Kern ZDW14 (1912), 214-217; E. Gailliard VM
men werden muß, daß im Germanischen die 2(1913), 300-308 und 688f.
erste Silbe abfallen konnte (was bei einem Wort
Beifall m. Seit dem 15. Jh. vor allem im
mit so extremen Betonungsunterschieden nicht
ausgeschlossen ist). Norden bezeugt für 'Unterstützung, Hilfe’ vor
Nndl. bij, ne. by. S. Biwak. allem vor Gericht und in politischen Auseinan¬
dersetzungen. Das Wort gehört zu fallen im
Beicht(e) /. Mhd. bihte, ahd. bfjiht, bigiht, as.
Sinn von jmd. zufallen’; mit entsprechender
bigihto (m.). Verbalabstraktum zu ahd. bijehan,
Bedeutung wird zunächst auch Zufall benutzt
as. (bi)gehan 'bekennen’ zu g. *jeh-a- stV. 'spre¬
(heute nicht mehr üblich), in entgegengesetzter
chen, versichern’. Als solches eine Lehnbildung
Bedeutung Abfall (von jemandem). Das entspre¬
zu 1. cönfessio gleicher Bedeutung neben 1. cönfi-
chende Verb beifallen ist selten bezeugt und
teri 'bekennen’.
heute nicht mehr üblich. Beifall wird in jüngerer
Nndl. biecht.
Zeit allgemein als Ersatzwort für Applaus ver-
Beifuß 71 Beisei

wendet. In entsprechender Bedeutung das Ad¬ beiläufig Adj. 'nebenbei’, auch 'unwichtig’
jektiv beifällig. (österr.). Aus bei und laufen (s. d.) als 'neben¬
Beifuß m. 'Artemisia vulgaris’, fachsprachl. herlaufend’, doch ist nicht bekannt, aus wel¬
Die ursprüngliche Form des Pflanzennamens chen konkreten Situationen das Bild genommen
ist ahd. pTpöz, mhd. biböz, mndd. bibot, fnhd. wurde.
peipus (und ähnliches in einigen Mundartfor¬ Beilke/., s. Billard.
men). Lautlich könnte dies eine Zusammenset¬ Bein n. Mhd. ahd. bein, as. ben aus g. *baina-
zung aus bei und der auch in Amboß (s. d.) n. 'Knochen’, auch in anord. bein, ae. bän,
enthaltenen Ableitung zu g. *baut-a- 'schlagen’ afr. ben-, im Gotischen ist die Bedeutung nicht
sein, doch bleibt das Benennungsmotiv und da¬ belegt. Germanischer Ersatz für das alte indo¬
mit auch die Verknüpfung unklar. Das Wort germanische Wort, das in gr. osteon, 1. os u. a.
ist im Westfalischen des 13. Jhs. umgedeutet vorliegt. Herkunft unklar. Man kann das Wort
worden zu bivöt 'Bei-Fuß’, sehr wahrscheinlich auf anord. beinn Adj. 'gerade’ zurückführen, in
in Anlehnung an den antiken Glauben, daß ans der Annahme, daß ursprünglich die geraden
Bein gebundener Beifuß vor Müdigkeit auf der Röhrenknochen gemeint waren, doch ist dieses
Reise schütze (Plinius Nat. hist. 26, 150). Da¬ Adjektiv nur nordgermanisch und seinerseits
nach mndl. bivoet, mndd. ndd. bifot und seit nicht anschließbar. Die heute vorherrschende
dem 14. Jh. auch fnhd. bivuoz, nhd. Beifuß. Bedeutung 'untere Extremität’ ist erst im Deut¬
Nndl. bijvoet. — E. Karg-Gasterstädt BGDSL schen entwickelt worden.
62 (1938), 55-59; Marzeil (1943/79), I, 434f. Für die
Nndl. been, ne. bone, nschw. ben, nisl. bein. — Silfwer-
Etymologie ist vielleicht mhd. wurpöz 'Wurzelwerk’ brand (1958), 116—186 (entlehnt aus einem keltischen
wichtig; vgl. hierzu T. Dahlberg NM 22(1966), Wort für 'Horn, [Elfen-]Bein’); Th.L. Markey NWELE
105-114.
2(1983), 93-107; E. P. Hamp NWELE 6(1985),
Beige /. 'Stapel’, südd. Mhd. bige, ahd. biga 67-70; Lloyd/Springer (1988ff.), I, 515f.
(auch bigo m.) 'Stapel, Haufe (von Holz, Gar¬ beinahe Adv. Mhd. bi nach, ahd. bi näh, Kom¬
ben usw.)’. Hierzu spmhd. bigen, nhd. (südd.) bination von zwei Elementen, die für sich al¬
beigen 'aufstapeln’. Herkunft unklar. leine ebenfalls 'beinahe, fast’ bedeuten können
beige Adj. 'sandfarben’. Im 19. Jh. entlehnt („bei viertausend“ bei Luther, „ein Vergleich
aus frz. beige 'sandfarben; (bezüglich Wolle;) ward nahe zustande gebracht“ bei Goethe).
ungefärbt, roh’, dieses aus 1. baeticus 'aus der Häufig wird die Verbindung erst in frühneu¬
Provinz Baetica (in Südwestspanien)’. Zunächst hochdeutscher Zeit, wobei sie vielfach auf dem
eine Herkunftsbezeichnung ('baetische Wolle’), zweiten Bestandteil betont wurde.
dann wird das herausragende Charakteristikum Nndl. bijna.
dieser Wollart dominant ('ungefärbte Wolle’), Beinheil n., s. Beinwell.
schließlich dann Bezeichnung der Farbe dieser
Beinwell m. 'Symphytum officinale’, fach¬
Art von Wolle und Verallgemeinerung als Farb-
sprachl. Mhd. beinwelle, ahd. beinwella, bein-
bezeichnung. (Vgl. orange zu Orange.)
walla, mndd. benwell. Der Pflanze wird heilende
Beil n. Mhd. bll(e), blhel, ahd. bihal, mndd. Kraft bei Knochenbrüchen zugeschrieben, vgl.
bil, byl. Ein nur deutsches und niederländisches die gleichbedeutenden gr. symphyton n., eigent¬
Wort, das von einem gleichbedeutenden kelti¬ lich 'Zusammenwachsen’, 1. cönsolida f. eigent¬
schen Wort kaum zu trennen ist: air. biail, biäil lich 'Befestigung, Verdickung’, nhd. Beinheil.
m., kymr. bwyall, bw(y)ell 'Axt’. Die keltischen Die genaue Bedeutung, die mit dem zweiten
Wörter führen auf *bijalis f. zurück, die germa¬ Bestandteil verknüpft wurde, ist unklar, da die¬
nischen auf *biklo- n.\ vielleicht ist aber unter ser Lautform verschiedene Bedeutungen zu¬
Ansatz eines *bij9-tlo- zu vermitteln, obwohl geordnet werden können. Vermutlich zu dem
die Lautentwicklung auf beiden Seiten nicht erst spät bezeugten wallen 'zusammenwachsen’
völlig klar ist. Falls dieser Ansatz zutrifft, han¬ (von Wunden, Schnitten in Bäumen u. dgl.).
delt es sich um eine Instrumentalbildung zu der Dasselbe Element im Vorderglied s. unter Wallwurz.
Verbalwurzel *bhew- 'schlagen, spalten, schnei¬ - DWB XIII, 1280; Marzeil (1943/79), IV, 536-544;
den’ in 1. (Glosse) perfines, perfringas, air. be- Lloyd/Springer (1988ff.), I, 520f.
naid 'schlägt, schlägt ab, erschlägt usw.’, akslav. Beisasse m., auch Beisaß m. 'außerhalb der
biti 'schlagen, stoßen’, zu der unser Verb beißen Stadtmauern wohnender Bürger’, fachsprachl.
(s. d.) eine Erweiterung bildet. Zur Bildung und zum zweiten Element vgl. In¬
Nndl. biß. - C. Karstien ZVS65 (1938), 154-161; W. sasse.
Mohr ZVS 65 (1938), 161f.; V. Pisani ZFS 67 (1942),
Beisei n. 'Kneipe’, österr. Entlehnt aus rotw.
226f.; F. W. Blaisdell/W. Z. Shetter BGDSL-T
und wjidd. bajis 'Haus’; dieses aus hebr. bajit
80 (1958), 404-412; H. Götz BGDSL-H 81 (1959),
188 — 191; W. Foerste in; FS Trier (1964), 115f.; Hoops 'Haus’.
(1973ff.), II, 154-162. S. Beiz(e). - Wolf (1985), 40f.
Beispiel 72 Belami

Beispiel n. Mhd. bispel, ahd. blspil 'Gleichnis, beizen, Kausativum zu beißen (s. d.), also 'bei¬
Redensart’, ebenso ae. bispell, eigentlich 'das ßen lassen’, aber mit Konstruktionsänderung
dazu Erzählte’, zusammengesetzt aus bei und g. (man beizt nicht den Falken, sondern man beizt
*spella- n. 'überlieferte Geschichte, Mythos’ in mit dem Falken das Wild). Hierzu mhd. beize
gt. spill, anord. spjall (meist PI.), ae. spell, as. 'Falkenjagd’.
ahd. spei, das sich bei gleicher Lautform Reuter (1906), 5 — 10; Hoops (1973ff.), II, 163 — 173;
(*spel-) nur mit arm. ara-spel 'Sage, Sprich¬ Lloyd/Springer (19881T.), I, 524 — 526.
wort’ vergleicht; weiter vielleicht mit i mobile bejahen swV. Seit dem 17. Jh., ursprünglich
zu den unter befehlen aufgeführlen Verwandten in der Bedeutung 'bewilligen’, danach 'ja sagen’.
von 1. appellare. Der Vokalismus ist seit spätmit¬ Zu ja (s. d.).
telhochdeutscher Zeit sekundär an Spiel ange¬ bekannt Adj. (PPrät). Ursprünglich Partizip
glichen worden (vgl. Kirchspiel). Die heutige zu bekennen '(er)kennen’, heute haben sich fini¬
Bedeutung 'Beispiel, Muster, Vorbild’ beruht tes Verb und Partizip semantisch voneinander
auf einer Lehnbedeutung von 1. exemplum, das getrennt. Hierher als Weiterbildung bekanntlich,
u. a. 'Gleichnis’ und 'Vorbild, Muster’ bedeutet. das sich aus der Kanzleisprache verbreitet hat.
S. Appell ( + ), Gospel. — E. Schröder ZDA 37 (1893), S. kennen ( + ). — M. Leumann IF 45 (1927), Ulf.
241-268.
bekehren swV. Mhd. bekeren, ahd. bikeren
beißen stV. Mhd. bizen, ahd. biz(z)an, as.
aus be- (s. d.) und kehren1 (s. d.), einer Lehn¬
bitan aus g. *beit-a- stV. 'beißen’, auch in gt.
übersetzung von 1. convertere 'umdrehen, be¬
beitan, anord. bita, ae. bitan, afr. blta; dieses
kehren’.
aus ig. *bheid- 'spalten, trennen’, auch in ai.
bekennen swV. Es 'bedeutet ursprünglich
bhinätti 'zerstört, erschlägt’, gr. pheidomai 'ich
schone (ich lasse ab von)’, 1. findere 'spalten, '(er)kennen’ (s. bekannt), hat aber in der Rechts¬
trennen’. Für die unerweiterte Wurzel ig. *bheid- sprache die Funktion von 'bekannt machen’
sind die zugehörigen Formen unter Beil aufge¬ übernommen (es ist also eigentlich ein neues
führt. Wort, das aber keine neue Form bekam, da
Nndl. bijten, ne. bite, nschw. bita, nisl. bita. S. beizen,
Ableitungen aus Partizipien unbequem sind).
bißchen, bitter, bitzein, Imbiß. Der Ausdruck wird früh auch in der Kirchen¬
sprache verwendet und erhält durch die Mysti¬
Beißker m., s. Peitzker.
ker seine besondere Prägung.
Beiswind m., s. Bise.
beklommen Adj. (PPrät.). Partizip zu einem
Beitel m. 'Holzmeißel’, meist Stechbeitel, nicht mehr gebräuchlichen starken Verb mhd.
fachsprachl. Es ist mit niederdeutschem Konso¬ beklimmen 'beklemmen, umklammern’. Das
nantismus entlehnt aus ndd. bötel (u. ä.); der starke Verb klimmen hatte nebeneinander die
Vokal ist unklar — er beruht entweder auf Bedeutungen 'steigen, klimmen’ und 'klem¬
Angleichung an das bedeutungsverwandte Mei¬ men’; die zweite Bedeutung wird nachträglich
ßel oder auf Einfluß einer entrundenden Mund¬ auf die schwach flektierende Ableitung klemmen
art (vgl. md. Beißel 'Meißel’). Das niederdeut¬ konzentriert; beklommen ist ein Relikt des älte¬
sche Wort entspricht einem wg. *baut-ila- m. ren Zustands in übertragener Bedeutung.
'Schlegel’ zu g. *bauta-a- 'schlagen’ (s. Amboß), S. klemmen ( +).
vgl. ae. bytla 'Hammer’, ahd. steinbözil 'Stein¬
bekloppt Adj. 'töricht’, ugs. Niederdeutsches
klopfer’, mhd. bözel 'Prügel’.
Partizip '(an-)geschlagen’ zu der Entsprechung
S. auch Beutheie.
von klopfen (s. d.).
Beitscher m., s. Peitzker.
bekommen stV. Mhd. bekomen, ahd. bique-
Beitzker m., s. Schlammbeißer. man. Präfigierung des starken Verbs kommen
Beiz(e) /. 'Kneipe’, südred. Von der gleichen (s. d.) mit breit gelächerter Bedeutung, zu der
Grundlage wie Beisei (s. d.) aus dem Rotwel¬ im Althochdeutschen auch 'zu etwas kommen,
schen oder Westjiddischen entlehnt. zuteil werden’ gehört. Hieraus die Bedeutung
beizen swV. Die Bedeutung der Wörter, die 'erhalten’, die heute vorherrscht. Auf eine an¬
dieser Lautform entsprechen können, fallen dere Bedeutungsschattierung geht etwas be¬
weit auseinander. Hier werden nur diejenigen kommt mir 'etwas ist mir zuträglich’ zurück,
berücksichtigt, die für das Neuhochdeutsche wozu in neuerer Zeit das Adjektiv bekömmlich
vorauszusetzen sind, nämlich 1) 'mit Beize be¬ gebildet wurde.
handeln’, auch intr. 'ätzen’, mhd. beizen, abge¬ Nndl. bekomen. — S. bequem.

leitet von mhd. beize, ahd. beiza 'Beize, Lauge, bekömmlich Adj., s. bekommen.
Alaun’, eigentlich 'die Beißende’, vgl. ahd. Belami m. Frauenliebling’, sondersprachl. Im
beiz(i)stein 'Alaun’; 2) 'mit Greifvögeln jagen’, Neuhochdeutschen entlehnt aus gleichbedeu¬
früher auch 'mit Hunden jagen’, ahd. mhd. tend frz. be! ami (wörtlich: 'schöner Freund’);
belämmert 73 Belletrist

frz. bei 'schön’ aus 1. bellus (dass.), dieses aus 1. (von Sachen), ugs. Aus dem Niederdeutschen
benulus 'gut, angenehm’, einem Diminutivum verbreitetes Frequentativum (mndd. belemme¬
zu 1. benus, bonus 'gut’; frz. ami 'Freund’ aus ren) zu belemen 'lähmen’ (s. lahm). Vor allem
1. amicus (dass.). Die Entlehnung erfolgt nach das Partizip wird häufig an Lamm angeschlos¬
einem Romantitel von Maupassant. sen, deshalb auch die Schreibung belämmert
Etymologisch verwandt: Beicanto, Belletrist. und die erkennbare Bedeutungsverschiebung
belämmert Adj. (PPrät.), s. belemmern. dieser Form.

belangen swV. Mhd. b(e)langen, ahd. belan¬ belfern swV, ugs. Ausdruck für ein besonde¬
gen, Präfixbildung zu langen (s. langen). Im res Bellen, das nach Region verschieden ist
Althochdeutschen bedeuten beide Verben (aus¬ ('winselnd’, 'rauh, mißtönig u. ä.’), obd. belfzen,
gehend von 'ausstrecken, ergreifen’) 'verlangen, sonst auch helfen und (lautlich weiter abliegend)
sich sehnen’ (mit Akkusativ der Person und bäffen. Wohl lautmalende Ausdrücke in Anleh¬
Genitiv der Sache), dieser Gebrauch ist noch in nung an bellen.
obd. (vor allem schwz.) blangen erhalten. Erst Belladonna/. 'Tollkirsche, aus der Tollkirsche
mittelhochdeutsch bezeugt ist die vom gleichen gewonnene Arznei’, fachsprachl. Im 19. Jh. ent¬
Ausgangspunkt ausgehende Bedeutung 'sich er¬ lehnt aus gleichbedeutend it. belladonna (wört¬
strecken, ausreichen, betreffen’, wofür heute lich: 'schöne Frau’), einer volksetymologischen
meist anbelangen steht; vergleichbar ist nndl. Umdeutung von ml. bladona, blandonia 'Nacht¬
aanbelangen und ne. belong 'gehören zu’. Ferner schatten’, das wohl gallischen Ursprungs ist.
gehört hierzu die Rückbildung nhd. Belang, die Semantische Basis der volksetymologischen
im 18. Jh. aus der Kanzleisprache übernommen Deutung ist die Verarbeitung der Tollkirsche in
wurde. Erst frühneuhochdeutsch ist beim tran¬ Schönheitsmitteln (vor allem solche, die eine
sitiven Verb die Bedeutung 'jmd. um etwas ange- Vergrößerung der Pupillen bewirkten).
hen, jmd. vor Gericht ziehen’. Sie geht auf die Marzeil (1943/79), I, 516-523.
konkrete Bedeutung 'ergreifen’ zurück. bellen sw V. Mhd. bellen stV, ahd. bellan (nur
Beicanto n. 'meisterhafte Gesangeskunst’, Präsensbelege), in erster Linie vom Bellen des
fachsprachl. Entlehnt aus gleichbedeutend it. Hundes gesagt, andere Gebrauchsweisen lassen
belcanto m. (wörtlich: 'schöner Gesang’); it. sich als übertragene Verwendungen auffassen.
bel(lo) 'schön, gut’ aus 1. bellus (dass., s. Be- Das lautlich vergleichbare ae. bellan (ebenfalls
lami) und it. cantare 'singen’, aus 1. cantäre nur Präsensbelege) bedeutet allgemein 'brüllen’
(dass.), einem Intensivum zu 1. canere 'Töne von (vom Löwen, Eber usw.), und mit dieser all¬
sich geben, singen’. gemeineren Bedeutung sind auch nordgerma¬
Etymologisch verwandt: s. Belami und Chanson. nische Wörter mit einfachem l vergleichbar
(anord. beli 'das Brüllen’, belja 'brüllen’).
Belche/. 'Bleßhuhn’, südd. Mhd. belche, ahd.
Schallwörter mit einer Grundlage *bhellbhle
belihha. Ein nur deutsches Wort, das aber sehr
sind häufiger (vgl. etwa 1. flere 'weinen’ und
alt sein muß, da es sich mit gleichbedeutendem
mhd. bltxjen 'blöken’), bellen kann in diesen
1. fulica (auch fulix) unter Ansatz eines *bho-
Umkreis gehören. Es ist aber nicht völlig auszu¬
lik(a) fast genau vergleichen läßt (g. -k-, ahd.
schließen, daß es zu einem anderen bellan 'tref¬
-hh- setzt eigentlich ig. -g- voraus). Morpholo¬
fen, prallen, stoßen’ gehört, das hauptsächlich
gisch stärker abweichend, aber gleichbedeu¬
in ahd. widarbellan 'zurückspringen’ bezeugt ist
tend, ist gr. phaleris. Zugrunde liegt eine Be¬
(vgl. etwa anschlagen vom Hund, oder aussto¬
zeichnung für Tiere mit weißem Fleck auf der
ßen von einem Schrei u. ä.). S. auch belfern,
Stirn oder dem Kopf (wie etwa bei nhd. Bless);
blaffen, bölken.
vgl. etwa noch alb. bale 'Tier (meistens Schaf
H. Glombik-Hujer DWEB 5 (1968), 167-171; Lloyd/
oder Ziege) mit weißem Fleck auf der Stirn’, lit. Springer (1988ff.), I, 533-535.
bälas, gr. phalös 'weißfleckig', mit e-Vokalismus
Belletrist m. 'Autor unterhaltender Literatur’,
akslav. belü weiß’. Belchen als Bergname
fachsprachl. Im 18. Jh. gebildet zu frz. belles¬
könnte sich auf kahle oder schneebedeckte Gip¬
iet t res PI. 'schöne Wissenschaften’; frz. belle
felstellen beziehen.
'schön’ aus 1. bellus (dass.), frz. lettre 'Buch¬
S. blaß, Blesse. - Lloyd/Springer (1988ff.), I,
stabe, Schrift; Literatur’ aus 1. littera f. (dass.).
431-434, 530f.
Die 'schönen Wissenschaften’ waren Gramma¬
beleidigen swV. Mhd. beleidegen, Verstärkung tik, Rhetorik und Poesie; Belletrist bezieht sich
zu mhd. leidegen, leidigen, ahd. -leidigön, leide- jedoch nur auf unterhaltende („schöngeistige“)
gön, leidogön 'betrüben’ zu leideg, leidig 'be¬ Literatur.
trübt’. Weiter zu Leid (s. d.). Morphologisch zugehörig: Belletristik; etymologisch
belemmern swV. 'belästigen’, nordd.; beson¬ verwandt: s. Belami und Letter. - W. Feldmann ZD W
ders belemmert PPrät. 'betreten’, 'scheußlich 8 (1906/07), 55; Brunt (1983), 153.
beizen 74 bequem

beizen swV., s. pelzen. benehmen stV. In der alten Bedeutung 'weg¬


nehmen’ veraltet. Jung und seiner Herkunft
bemänteln swV. Eigentlich 'mit dem Mantel
der christlichen Nächstenliebe zudecken’ (kir- nach unklar ist sich mit jemandem benehmen (ins
Benehmen setzen) 'besprechen, verständigen’
chen-1. pallio Christiänae dilectiönis tegere), in
den Streitschriften der Reformationzeit abge¬ (wohl aus der Kanzleisprache und nach Ade¬
wertet zu 'beschönigen’. lung niederdeutsch) und (damit wohl zusam¬
menhängend) sich benehmen 'sich aufführen’.
S. Deckmantel.
S. auch unbenommen.
Bembel m. 'Glockenschwengel’, übertragen
'Krug für Apfelwein’, wmd. In der eigentlichen benetzen swV, s. netzen.
Bedeutung zu regionalem bampeln 'baumein’ (s. Bengel m. 'ungezogener Junge’. Oberdeutsch
baumeln)', die Bedeutungsübertragung nach der auch 'Knüppel, Stange’, wie regelmäßig mhd.
Form des Krugs. bengel, mndl. bengel. Wie Schlegel zu schlagen
Bemme /. 'Butterbrot’, omd., ndd. Entlehnt ist dieses abgeleitet von ndd. bangen (neben ne.
aus sorb. pomazka 'Butterschnitte’ (zu sorb. po to bang, anord. banga) 'klopfen, schlagen’. Die
'auf’ und der Entsprechung zu akslav. mazati Übertragung auf Menschen stellt diese (ähnlich
'schmieren’). Das Wort wird zunächst zu Bemm- wie bei Flegel) als Menschen, die mit einem
chen umgeformt und dann dazu eine Normal¬ groben Bengel hantieren, und deshalb als 'grob’
form Bemme, -pomme, -bamme u. ä. gebildet. dar.
F. Panzer in: FS Kluge (1926), 99 — 108; P. v. Polenz Nndl. bengel.
DWEB 2 (1963), 275-279; Bielfeldt (1965), 44. Gegen
Benne/. 'Wagenkasten, Schubkarren’, schwz.
eine Entlehnung (eher zu omd. bammen, bampen 'es¬
sen’): Eichler (1965), 23-27; E. Eichler/H. Weber ZS
Entlehnt aus gall. benna, vielleicht über frz.
11 (1966), 231-237. benne 'zweirädriger Karren mit geflochtenem
Korb’, vgl. kymr. ben 'Fuhrwerk’, vermutlich
bemoost Adj. (PPrät.), ugs. Baumstämme
aus einer mit unserem binden (s. d.) vergleichba¬
und Steine, die lange an der selben Stelle blei¬
ren Grundlage (etwa als *bhendhna), also 'das
ben, setzen Moos an; deshalb sagt man auch
Geflochtene’. Aus der gleichen Wortsippe ent¬
von Menschen, die lange an derselben Stelle
lehnt sind ae. binn f. 'Kasten, Korb, Krippe’,
bleiben, daß sie Moos angesetzt haben. Die
spezielle Verwendung im Deutschen kommt aus ne. bin 'Kasten, Tonne’, nndl. ben 'Korb’. Ein
der Studentensprache: ein bemoostes Haupt ist hierzu gehöriges benne 'Futterraufe’ haben nie¬
'ein älterer Herr’ oder 'ein Student mit vielen derländische Siedler des 12. Jhs. aus Südbra¬
Semestern’. Verstärkt wurde der Gebrauch die¬ bant in die Mark Brandenburg gebracht.
ser Wendung durch ein Lustspiel gleichen Titels benzen swV. 'inständig bitten, tadeln’, bair.-
von R. Benedix (19. Jh.). österr. Herkunft unklar.
benauen swV. 'in die Enge treiben’, reg., be¬ Benzin n. (= ein Treibstoff). Neubildung des
sonders benaut PPrät. 'kleinlaut’. Entlehnt aus 19. Jhs. (zunächst zur Bezeichnung des Benzols)
ndd. benouwen, dessen Grundlage nouw dem zu d. Benzoe 'Harz des Benzoebaumes’, dieses
hd. genau entspricht (s. d.). über verschiedene romanische Zwischenstufen,
Bendel m./n. 'Schnur, Schnürsenkel’, reg. wohl aus arab. lubän gäwi (dass.; wörtlich:
Mhd. bendel m., ahd. bentil m.\ alte Diminutiv¬ 'javanischer Weihrauch’). So benannt, da man
bildung zu Band mit dem älteren maskulinen die Flüssigkeit zunächst durch Erhitzen einer
Genus. Die alten Diminutive waren nicht aus Benzoeharz hergestellten Säure (Benzoe¬
durchgängig neutral, sondern folgten dem Ge¬ säure) gewann. Das Ursprungsland des Benzoe¬
nus ihres Grundworts. harzes ist in der arabischen Bezeichnung irrtüm¬
S. binden (4-). lich mit Java — statt Sumatra — angegeben.
benedeien swV. 'segnen’, arch. Mhd. benedien, Littmann (1924), 86; Lokotsch (1975), 106.

benedigen, entlehnt aus it. benedire, das auf 1. Benzoe n., s. Benzin.
benedicere 'wohl reden, segnen’ zurückgeht. bequem Adj. Mhd. bequame, ahd. biquämi
S. diktieren (+).
passend, schicklich , ähnlich ae. gecweme 'an¬
Benefiz n., Benefizvorstellung f 'Vorstellung nehmbar, gefällig . Dehnstufiges Adjektiv der
zugunsten eines Künstlers oder eines wohltäti¬ Möglichkeit (*-kwämi-) zu der Vorform von
gen Zwecks’, sondersprachl. Entlehnt aus der bekommen (s. d.) mit der alten Bedeutung 'zu¬
frz. Wendung au benefice de 'zugunsten von’ träglich sein (u. ä.)’, also 'was zuträglich sein
(aus 1. beneficium n. 'Gunst, Verdienst, Bei¬ kann . Die naheliegende Weiterentwicklung zu
stand’). Seit dem 18. Jh. gebräuchlich. dem heutigen 'angenehm usw.’ ist jung.
Zum älteren Begiff des Beneßziums s.: Hoops (1973ff.) Nndl. bekwaam. S. kommen ( + ). - J. Weisweiler IF
II, 233-237. 53 (1935), 55.
berappen 75 Berg¬

berappen swV, ugs. Das Wort ist aus der Formen gehören. Außergermanisch ist am
Studentensprache in die Hochsprache gelangt; nächsten vergleichbar lett. rist 'ordnen’, lett.
dorthin kam es offenbar aus schwäbischen Krä¬ riedu 'ich ordne’ mit lett. raids 'fertig, bereit’,
mersprachen, also Ausprägungen des Rotwel¬ lit. raidüs 'bereit, schnell’; air. reid 'eben, leicht,
schen. Die weitere Herkunft ist unklar: Sowohl bereit’, kymr. rhwydd 'leicht, schnell, frei’. Zu¬
gegen die Ableitung von der Scheidemünze Rap¬ grunde liegt offenbar eine Erweiterung
pen (s. d.) wie auch gegen Anknüpfungen an *(a)reidh- zu der Wurzel *ara- 'fügen’, die unter
das Jiddische und Hebräische können starke Arm aufgeführt wird. Eventuell kann auch gr.
Bedenken geltend gemacht werden. Nach Wolf arithmös 'Zahl, Zählung’ näher angeschlossen
(s. u.) aus berabbeln, dieses aus berebbeln, berib- werden. — Zur Bedeutung des adverbiellen be¬
beln zu Rebbes 'Zins, Gewinn, Ertrag’. reits vgl. ne. already zu ready.
S. A. Birnbaum ZDPh 74(1955), 249; Wolf (1985), Nndl. bereid, bereiden, ne. ready, nschw. greja 'erledi¬
264. gen’, nisl. reidubüinn. S. Reede, ruhmredig. — Lloyd/
Springer (1988ff.), I, 283-285.
Berberitze /. 'Berberis vulgaris’, fachsprachl.
Berg m. Mhd. berc, ahd. as. berg aus g.
In neuhochdeutscher Zeit entlehnt aus ml. ber-
*berga- m. 'Berg’ auch in anord. bjarg n., berg
beris m./f. (auch barberis m./f) unbekannter
n. 'Felsen, Felswand’, ae. beorg, afr. berch, birg
Herkunft. Einheimische Namen für den Strauch
und gt. in der Weiterbildung bairgahei 'Ge¬
und die Beere sind mhd. sürach m. u. ä. (nach
birge’; dieses aus ig. *bhergh- 'Höhe’ (vermut¬
dem sauren Geschmack der Blätter und der
lich ein ablautendes Wurzelnomen), auch in
Beeren; -ach ist ein Kollektivsuffix bei Pflanzen¬
avest. *bardzah- n. 'Höhe, Berg’, arm. (erkn-a-)
namen), nndl. zuurbes m. ('Sauerdorn’ — die
berj 'himmelhoch’, akslav. bregü 'Ufer, Abhang’
Blätter und Zweige tragen Dornen).
(in anderen slavischen Sprachen auch 'Hügel’),
Marzell (1943/79), I, 568-579.
mir. bri(g) 'Hügel, Berg’ (schwundstufig). Der
Bereich m. Im 18. Jh. rückgebildet aus mhd. Wurzelauslaut des altkirchenslavischen und des
bereichen, mndl. bereiken 'reichen bis, sich er¬ avestischen Wortes stimmen dabei nicht zusam¬
strecken’ (s. reichen). Das Wort übernimmt die men. Wegen der besonderen Bedeutung des alt¬
allgemeine Bedeutung des älteren Reich und kirchenslavischen Wortes ist wohl keine Entleh¬
schränkt dieses ein auf 'Herrschaftsbereich’. nung (etwa aus dem Germanischen) anzuneh¬
Die Auseinandersetzung zwischen den beiden men, sondern das auch sonst zu beobachtende
Wörtern führt zu Vermischungen im Genus und Verhalten des Slavischen wie eine Kentum-
in der Aussprache (in Mundarten, die mhd. ei Sprache. Mit Hochstufe wie im Germanischen,
und f noch unterscheiden). aber in der Bedeutung weiter abliegend, ist
P. v. Polenz ZDPh 76 (1957), 80-94. kymr. bera 'Haufen (von Stroh, Heu o. dgl.)’.
bereit Adj. Mhd. bereit(e), mndd. berede, be- Diese Substantive gehören zu einem Verb mit
reide, mndl. bereet, bereiden. S. bereiten.
der Bedeutung 'sich erheben, wachsen’ in heth.
parkiya- 'sich erheben, hoch werden, wachsen’,
bereiten swV. Mhd. bereiten, mndd. bereden,
toch. A. B. pärk- 'aufgehen’, avest. barazaiia-
bereiden, mndl. bereden, bereiden. Diese Wortfa¬ 'aufwachsen lassen’ (Kausativ). Daneben Ad¬
milie ist wegen der ungünstigen Beleglage und jektive in der Bedeutung 'hoch’ in heth. parku-,
der Vermischung lautgleicher und -ähnlicher avest. baraz-, arm. barjr und in der Partizi¬
Wurzeln nicht mehr genau abzugrenzen. Vor¬ pialbildung (*bhrghont-) ai. brhänt-, der im We¬
auszusetzen ist zunächst ein Verb mit der Be¬ sten Namen entsprechen: in germanischer Laut¬
deutung 'ordnen (u. a.)’ g. *raid-eja-, häufig form die Burgunden, zusammen mit Bornholm
auch mit ga- präfigiert, in gt. (ga)raidjan 'an¬ (anord. Burgundarhölmr), in keltischer Laut¬
ordnen’, anord. greiöa, ae. (ge)rädan, mndl. form der Stammesname Brigantes, der Frauen¬
(ge)reiden, (ge)re(e)den, mhd. (ge)reiten. Da¬ name Brigitte ('die Erhabene’) und der Stadt¬
neben stehen die Adjektive gt. garaips (garaids) namen Bregenz.
'angeordnet’, anord. greiör 'bei der Hand, Nndl. berg, ne. barrow, nschw. berg, nisl. bjarg n., berg
geradewegs (usw.)’, anord. reiör 'bereit’, ae. n. S. Burg, Gebirge. - Lloyd/Springer (1988fT.), I,
(ge)räde 'bereit (usw.)’, afr. red(e) 'fertig’, 553f. Als Lehnwort erklärt von: Güntert (1932), 30f.
mndl. (ge)re(e)de, (ge)reide, mhd. (ge)reit(e). Berg- in Bergbau m., Bergwerk «., Bergmann
Wohl erst unter dem Einfluß dieser Adjektive m. usw. Diese Bezeichnungen beruhen darauf,
tritt bei den Verben auch die Bedeutung 'bereit daß der bei uns älteste Untertagebau in Stollen
machen, zubereiten’ auf. Im Althochdeutschen betrieben wurde, die man in die Berghänge hin¬
ist nur ebanreiti 'in derselben Lage befindlich eingrub. Die entsprechenden Ausdrücke treten
neben Formen mit ant- (antreitl 'Ordnung, seit dem 14. Jh. auf. Die Bezeichnungen wurden
Reihe u. a.’) bezeugt; später werden im konti¬ beibehalten, als der Untertagebau auch auf das
nentalgermanischen Bereich vor allem Präfigie- Flachland ausgedehnt wurde.
rungen mit be- üblich, zu denen die heutigen Hoops (1973ff.), II, 245-267.
Bergamotte 76 Berserker

Bergamotte /. (= eine Birnenart), fach- Berkan m., s. Barchent.


sprachl. Entlehnt aus frz. bergamote; dieses aus Berline /. 'Reisewagen’, arch. Im 17. Jh. von
it. bergamotta. Das italienische Wort ist in An¬ einem Baumeister des Kurfürsten von Branden¬
lehnung an den Ortsnamen Bergamo umge¬ burg hergestellt. Danach in Anlehnung an den
bildet aus türk, beg armudi 'Herrenbirne’, zu Stadtnamen frz. berline und danach d. Berline.
türk, beg, heute bey (= Adelstitel). Brunt (1983), 154.
Brunt (1983), 154.
Berliner m. 1) 'Felleisen der Handwerksbur¬
bergen stV. Mhd. bergen, ahd. bergan, schen’, arch. Aus dem Rotwelschen. Vielleicht
(gi-)bergan aus g. *berg-a- stV. 'bergen’, auch handelt es sich um eine Umdeutung von 1. pellT-
in gt. bairgan, anord. biarga, ae. beorgan, nwfr. nus Adj. 'aus Fell’ (zu 1. pellis f. 'FelI’).Im Kon¬
bergje. Aus einer sonst nur im Baltoslavischen trast dazu werden dann gebildet: Charlotten¬
bezeugten Verbalwurzel *bhergh- 'bewahren’, burger 'Umhängetasche’ und Potsdamer 'klei¬
auch in lit. (reg.) birginti 'sparen’ und akslav. nes Reisebündel’ nach Stadtteilen von Berlin.
nebresti 'außer Acht lassen, mißachten’, russ. 2) 'Schmalzgebäck’, gekürzt aus Berliner Pfann¬
bereci 'hüten, bewahren, schonen, sparen’, russ. kuchen, seit dem 19. Jh.
beregy ' ich hüte, bewahre, schone, spare’. Wei¬ Wolf (1985), 50.
tere Anknüpfungsmöglichkeiten sind unsicher;
Berlocke/., Brelocke/. (meist PL) 'Uhrenan¬
auch der Bedeutungszusammenhang innerhalb
hängsel’, arch. Im 18. Jh. entlehnt aus frz. ber-
der Sippe (vgl. borgen) ist nicht ausreichend
loque, einer seltenen Nebenform von breloque
geklärt.
(reg.) 'zierliche Kleinigkeit, Schmuck’, mit un¬
Nndl. bergen, nschw. bärga, nisl. bjarga. S. Bürge,
klarer Herkunft.
Herberge. - Hoops (1973ff.), II, 277 — 284; Lloyd/
Springer (1988ff.), I, 554 — 556. Bernhardiner m. (= Hunderasse, Lawinen¬
Bergfex m., s. Fex. hund). Nach dem Hospiz St. Bernhard in der
Schweiz, in dem diese Hunde als Lawinenhunde
Bergfried m. 'fester Turm’, fachsprachl. Mhd.
ausgebildet wurden.
ber(c)vrit, bervride mit der älteren Bedeutung
'hölzernes Turmgerüst, das an die Mauern einer Bernstein m. In frühneuhochdeutscher Zeit
belagerten Stadt geschoben wird’. Ähnliche entlehnt aus mndd. bern(e)stein, barnsten
Ausdrücke mit ähnlichen Bedeutungen in ande¬ 'brennbarer Stein’ zu bernen 'brennen’ (aus
ren mittelalterlichen Sprachen (etwa ml. berfre- brennen durch Umsprung des r entstanden).
dum n., belfredus, berfredus usw. afrz. berfroi). Das entsprechende anord. Wort brennisteinn be¬
Das Wort ist also durch Sekundärmotivation an deutet 'Schwefel’. Zu der teilweise konkurrie¬
Berg und Friede (oder einfrieden) angeschlossen renden Bezeichnung Agstein (Augstein, Aget-
worden, seine Herkunft ist unklar. Lautlich an¬ stein u. a.), die auf 1. achätes zurückgeht und
klingend und etymologisch klar wäre das von eigentlich 'Achat, Gewichtstein, Magnetstein’
Götze (s. u.) angeführte mgr. *pyrgos phoretos bedeutet, siehe Meineke (s. u.).
'Tragturm von Elefanten’ (zu gr. pherein 'tra¬ Vgl. zur Sache: Glas, Magnet und elektrisch. — Lö¬
gen’), das aber nicht belegt zu sein scheint. schen (1968), 169f., 188f.; Hoops (1973fL), II,
288-298; Meineke (1984), 24-26, 67-74.
(Bezeugt ist gr. pyrgos in der Bedeutung 'Trag¬
turm, Belagerungsturm’). Berserker m. Entlehnt aus anord. berserkr,
Ne. belfry. S. Amphore ( + ). - A. Götze BGDSL Bezeichnung eines Kriegers, der in Ekstase mit
59 (1935), 316f.; Lloyd/Springer (1988ff.), I, 556 — 558. übermenschlicher Kraft kämpft und nach
Beriberi /. (= Mangelkrankheit, die die Eu¬ Volksmeinung unverwundbar ist. Das Wort ge¬
ropäer im 16. Jh. auf Ceylon kennenlernten), hört zu anord. serkr 'Gewand, WafTenrock,
fachsprachl. Singhai. beri bedeutet 'Schwäche’, TierfelF, das Vorderglied ist weniger klar; aber
die Verdoppelung verstärkt den Inhalt (also da berserkr in der nordischen Überlieferung
'große Schwäche’). mit ulf-heöinn 'Wolfswams’ (als Bezeichnung
Littmann (1924), 125f. solcher Krieger) in Kontrast gesetzt wird, dürfte
das Vorderglied das Wort für 'Bär’ sein (obwohl
berichten swV. Mhd. berihten, bedeutet zu¬
dies im Altnordischen bjprn lautet). Anders
nächst 'richtig machen’ (dafür heute berichti¬
McCone, der das Vorderglied zu berr 'nackt’ (s.
gen), dann allgemein 'in Ordnung bringen’.
bar) stellt und 'mit bloßem Hemd bekleidet’
In übertragener Bedeutung wird es im Sinn
ansetzt (oder 'dessen Hemd Nacktheit ist’ =
von 'belehren’ verwendet: jemanden über einer 'nackt’?).
Sache berichten (vgl. unterrichten). Später abge¬
E. Noreen ANF 48 (1932), 242-254; K. v. See ZDW
schwächt zu 'mitteilen, wiedergeben’.
17(1961), 129-135; Hoops (1973fT.), II, 298-304;
Nndl. berichten. K. R. McCone in: Meid (1987), 106.
Bersich 77 bescheren

Bersich m., s. Barsch. stanz (ich berufe mich auf den Kaiser 'ich appel¬
bersten stV. Mhd. bresten, ahd. as. brestan liere an den Kaiser’). Ein dritter Gebrauch von
aus g. *brest-a- stV. 'bersten’, auch in anord. berufen geht zurück auf die Vorstellung, daß
bresta, ae. berstan, afr. bersta\ höchstwahr¬ Geister durch die Nennung ihres Namens her¬
scheinlich eine st-Weiterbildung zu *brek-a- beigerufen werden; im weiteren Sinn, daß die
'brechen’ oder eine unabhängige Bildung aus Nennung eines Unglücks usw. dieses herbeiruft.
der gleichen Wurzel. Die Varianten berst- und Hierher gehört der Gebrauch von unberufen zur
brest- wechseln einander im Laufe der Ge¬ Abwendung dieser Möglichkeit.
schichte ab; die heutige Form ist durch den berufen stV., s. Beruf.
Gebrauch Luthers fest geworden. Die andere Beryll m., fachsprachl. Der glashelle Halb¬
Variante hat sich in Gebresten 'Mängel, Krank¬ edelstein heißt auf päli veluriya-, was wohl auf
heit’ (süddeutsch) gehalten. Zu dessen Bedeu¬ den dravidischen Ortsnamen Velur zurückgeht.
tung vgl. brechen — Gebrechen. Hierzu die sanskritisierte Form väidüryam n.
Nndl. barsten, ne. hurst, nschw. brista, nisl. bresta. S. und verschiedene mittelindische Varianten, von
prasseln.
denen präkrit. verulia- das Vorbild für gr. beryl-
Bertram m. 'Anacyclus pyrethrum’ (= Heil¬ los bietet. Über 1. beryllus und afrz. beril führt
pflanze), mit der aus den Mittelmeerländern dies zu mhd. berille, barille. Die weitere Ent¬
stammenden Abart Deutscher Bertram, fach- wicklung s. unter Brille.
sprachl. Mhd. ber(h)tram, ahd. berhtram. Die Lüschen (1968), 43, 189.
brennend schmeckenden Wurzeln der Pflanze
beschaffen Adj. (PPrät.). Zu einem heute
werden in der Heilkunde verwendet, daher der
nicht mehr üblichen mhd. beschaffen stV.
gr. Name pyrethron n. (zu gr. pyr n. 'Feuer’),
'(er-)schaffen’. Das Partizip ist mit der Bedeu¬
übersetzt in nndl. vuurwortel 'Feuerwurzel’. Bei
tung 'geartet’ übriggeblieben; hierzu seit dem
der Übernahme wird das Wort an den Perso¬
17. Jh. Beschaffenheit 'Art, Zusammensetzung’.
nennamen Berhtram, Bertram lautüch angegli¬
beschäftigen swV. Frühneuhochdeutsche Prä¬
chen.
fix-Ableitung zu mhd. scheftig, scheftec 'tätig’
S. Pvromane. — Marzeil (1943/79), I, 251f.; Lloyd/
Springer (1988ff.), I, 559f. (zu schaffen 'arbeiten’, s. d.).
berüchtigt Adj. (PPrät.) 'in schlechtem Ruf beschälen swV. 'bespringen\ fachsprachl. Eine
stehend’. Ursprünglich Partizip zu dem heute erst neuhochdeutsche Ableitung zu mhd.
untergegangenen berüchtigen 'ins Gerede brin¬ schel(e), ahd. scelo 'Zuchthengst’.
gen’, erweitert aus älterem berüchten, das aus S. Schälhengst.

mndd. berüchten, berochten entlehnt wurde. Es beschatten swV. In der übertragenen Bedeu¬
bedeutet ursprünglich 'das Gerüft/Geschrei (er¬ tung 'jmd. heimlich bewachen’ als 'wie ein
stes Stadium der Anklage) über jmd. erheben’ Schatten folgen’ (s. Schatten) seit den zwanziger
und zeigt mit -cht- aus -ft- (zu rufen, s. d.) Jahren dieses Jahrhunderts bezeugt.
niederdeutsche/niederländische Lautform. Zur bescheiden stV. Mhd. bescheiden hat zwei Be¬
gleichen Sippe gehören anrüchig, Gerücht und deutungen: 1) 'jmd. etwas zuweisen, bestimmen’
ruchbar. (vgl. etwa entscheiden)', hierzu noch Wendungen
berücken sw V. 'den Kopf verdrehen’, sonder- wie mir ist beschieden. 2) 'jmd. über etwas beleh¬
sprachl. Aus der Sprache des Fisch- und Vogel¬ ren’ (vgl. etwa mitteilen), heute noch in kanzlei¬
fangs, also 'das Netz über das zu fangende Tier sprachlichen Wendungen wie jemanden abschlä¬
werfen (rücken)’. gig bescheiden. Hierzu das reflexive sich beschei¬
Beruf m. Spätmittelhochdeutsche Ableitung den, ursprünglich 'sich belehren lassen, zur Ein¬
aus berufen im geistlichen Sinn: Gott läßt seinen sicht kommen’, dann 'sich begnügen’. Zu dieser
Ruf an die Menschen ergehen. So wird Beruf Bedeutung gehört das Partizip bescheiden (mit
verwendet wie das ntl.-gr. klesis /., 1. vocätiof. älterer Ablautform). Es steht mit der Ableitung
Bescheidenheit unter dem Bedeutungseinfluß
Luther verwendet das Wort auch im weltlichen
Sinn für 'Amt, Stand’ und führt so zum heuti¬ von 1. discretio, frz. discretion.
S. scheiden ( + ). - K. Berg in: Würzburger Prosastu¬
gen Gebrauch; doch zeigt sich die besondere
dien /(München 1968), 16 — 80.
Herkunft noch heute an den teilweise an¬
spruchsvollen Verwendungen des Wortes. — bescheren swV. 'zu Weihnachten schenken’.
Auf den Gebrauch des Verbs in der Rechts¬ Aus mhd. beschern mit allgemeinerer Bedeutung
sprache verweist sich auf etwas oder jemanden 'zuteilen, zumessen’ (von Gott und Schicksal).
berufen', jemanden berufen bedeutet dort zu¬ Die besondere Bedeutung des heutigen Wortes
nächst 'vor Gericht laden’, bei der Berufung erklärt sich aus der Auffassung, daß die Weih¬
lädt man sich gewissermaßen selbst vor Gericht, nachtsgeschenke Gaben des Christkinds seien.
nach an oder auf steht dabei die Berufungsin¬ Das mittelhochdeutsche Wort ist eine Präfixbil-
bescheuert 78 besser

düng zu wg. *skar-ija- '(zu-)teilen’ in ae. scirian, besebeln swV. 'betrügen’, vulg. Seit dem 16.
ahd. scerian, scerren zu *skarö f. Teil’ in ae. Jh. als Entsprechung zu nhd. bescheißen aus
scearu, afr. skere. rotw. sefeln 'scheißen’ zu rotw. Sefel Kot,
S. scheren1 ( + ).
Mist’. Das rotwelsche Wort wird zurückgeführt
auf hebr. zebul 'Wohnung’, ist aber im Westjid¬
bescheuert Adj. (PPrät.) 'nicht recht bei Ver¬
dischen nicht bezeugt.
stand’, von Sachen 'unerfreulich', ugs. Junge
Wolf (1985), 307.
Bildung, die vermutlich von scheuern (s. d.) im
Sinn von 'prügeln’ ausgeht (vgl. bekloppt u. ä.). beseitigen swV. Um 1800 aus dem Oberdeut¬
schen in die Hochsprache übernommen. Das
beschließen stV. Mhd. besliezen, ahd. bislio-
Wort geht zurück auf das mhd. Adverb besTte
zan. Die Ausgangsbedeutung 'abschließen’ ist
'beiseite, auf der Seite’ und bedeutet damit zu¬
heute veraltet. Aus ihr entwickelt sich schon
nächst 'auf die Seite stellen’.
mittelhochdeutsch die Bedeutung 'beenden’
S. Seite (+).
und 'zum Schluß kommen, entscheiden’.
Besemer m., auch Desem(er) m. u. ä. 'Hand¬
S. schließen ( + ).
schnellwaage mit nur einer Schale und ver¬
beschränken swV. Mhd. beschrenken, zu¬ schiebbarem Gewicht’, fachsprachl. Ursprüng¬
nächst in der eigentlichen Bedeutung 'mit lich niederdeutsches Wort, das im 13. Jh. (wie
Schranken umgeben, durch Schranken zurück¬ anord. bismari gleicher Bedeutung) aus russ.
halten’, dann übertragen als 'einengen, in Gren¬ bezmen entlehnt wurde. Das russische Wort
zen halten, (sich) begnügen’ (s. Schranke und geht vermutlich auf türk, batman zurück, das
schränken). Die schon althochdeutsch (biscren- ein Gewichts- und Hohlmaß von etwa 10 kg
ken) bezeugte Bedeutung 'zu Fall bringen’ ge¬ bezeichnet.
hört zu dem unter schränken behandelten Verb, Wiek (1939), 19; Bielfeldt (1965), 11.
das von einem Adjektiv abgeleitet ist und ur¬
Besen m. Mhd. bes(e)m(e), ahd. bes(a)mo,
sprünglich 'ein Bein (quer) stellen’ bedeutet.
as. besmo aus wg. *besmön- m. 'Besen’, auch
beschummeln swV. 'betrügen’, ugs. Seit dem in ae. afr. besma. Instrumentalbildung 'Feger,
18. Jh. bezeugt und als jüdisches Wort bezeich¬ Kehrer’ zu einer Wurzel *bhes- 'fegen, reinigen’,
net. Es läßt sich aber im Westjiddischen nicht die in dieser Form nicht faßbar ist. Vergleichbar
nachweisen. Herkunft umstritten. Älteste Be¬ ist vor allem die Erweiterung *pse (aus **bhse-)
deutung von schummeln ist vielleicht 'handeln’. in gr. psäö 'ich reibe, wische’, gr. peripsema n.
H. P. Althaus ZM 30(1963/64), 66 — 69. Anders: W. 'Kehricht’ u. a. (vgl. auch die unter bar behan¬
Foerste NW4 (1964), 79: zu ndd. schummeln 'scheuern, delten Wörter).
schrubben’ aus 'sich schnell hin- und herbewegen’, das
Nndl. bezem, ne. besom. S. bar, Bast. — J. Koivulehto
andererseits zu 'betrügen’ wird.
in: FS Schmitt (1988), 246 — 252; Lloyd/Springer
beschuppen swV. 'betrügen’, reg. Entlehnt aus (1988FF.), I, 567f.
dem Rotwelschen. Wahrscheinlich handelt es Besing m., s. Beere.
sich ursprünglich um ein Wort für 'heftig sto¬
besitzen stV. Mhd. besitzen zunächst 'in Besitz
ßen’ (vgl. Schubs 'Stoß’ zu schieben), das zu
nehmen’, zu besez 'Besitz’. Gemeint ist zunächst
'übertölpeln, betrügen’ weiterentwickelt wurde.
Grund und Boden, auf dem man tatsächlich
Wolf (1985), 302.
sitzt (oder sich setzt). Danach Verallgemeine¬
Beschwerde /., s. beschweren. rung zum heutigen Sinn, erst seit dem 16. Jh.
beschweren swV. Das Wort ist in der ur¬ häufiger.
sprünglichen Bedeutung 'belasten’ noch heute S. sitzen ( + ).
gebräuchlich. Daneben reflexives sich beschwe¬ besonders Adv. Mhd. besunder ist eine Zusam-
ren seit dem 14. Jh. mit der Bedeutung 'sich als menrückung aus unbetontem bei und sondern2
beschwert, bedrückt darstellen, sich beklagen’. (s. d.); seit frühneuhochdeutscher Zeit mit ad¬
Entsprechend wandelt Beschwerde seine Bedeu¬ verbialem -s (wie bei Adverbien, die aus Geni¬
tung von 'Bedrückung’ zu 'Klage’. tivformen stammen). Gleichzeitig kann die Zu-
beschwichtigen swV. Im 18. Jh. entlehnt aus sammenrückung auch als Adjektiv besonder ge¬
ndd. beswichtigen, erweitert aus beswichten 'zum braucht werden.
Schweigen bringen’. Es entspricht mit ndd./ndl. besorgen swV. 'Sorge tragen für etwas’, 'etwas
Übergang von -ft- zu -ht- dem mhd. (be-)swif- beschaffen’, umgangssprachlich auch 'stehlen’.
ten, ahd. giswiften, einer morphologisch unkla¬ Mhd. besorgen, ahd. bisorgen, zunächst in allge¬
ren Bildung zu gt. sweiban 'ablassen, aufhören’. meiner Bedeutung, dann meist eingeengt. Zu
Auffällig ähnlich ist messap. sipta 'das Schwei¬ Sorge (s. d.).
gen’ (aus *jw-). besser Adj. (Komparativ). Das zugehörige
H. Krähe IF 47 (1929), 327. Adverb baß ist veraltet; Superlativ best', mhd.
bestallen 79 beten

be zzer, best/bezzist, baz; ahd. bezziro, bezzisto, 18 (1962), 96 — 99; D. Brennecke NSt 5(1976),
baz; as. betara, betst/best/bezt, bat/bet aus g. 113-145.
*batiz-ön, *batist-a-, *batiz, auch in gt. batiza, bestimmen swV. Mhd. bestimmen ist ur¬
batista, anord. beztr/baztr, 6e/r; ae. bet(e)- sprünglich 'durch seine Stimme auswählen, fest¬
ra, bet(e)st, bet; afr. beter/betr, best, Der legen’, dann allgemein 'anordnen’. In der philo¬
Suppletivismus bei den Adjektiven für 'gut’ sophischen Fachsprache des 18. Jhs. entwickelt
ist weit verbreitet; weniger klar sind die Ver¬ sich die Bedeutung 'definieren’.
knüpfungsmöglichkeiten. Unter dem Ansatz S. stimmen ( + ).
einer Wurzel ig. *bhad- oder *bhod- läßt sich
bestricken swV. Mhd. bestricken, ahd. bistrik-
die ro-Bildung ai. bhadrä- 'glücklich, erfreulich’
ken bedeutet u. a. 'mit einem Strick, mit Strik-
heranziehen (die aber lautlich mehrdeutig ist);
ken fangen’, zunächst wohl als Ausdruck der
vielleicht auch (bei Annahme eines Konsonan-
Jägersprache. Schon mittelhochdeutsch wird es
tenumsprungs) akslav. dobrü 'gut’. Im Germa¬
zum gängigen Ausdruck für 'durch Liebreiz für
nischen ist die Wortsippe mit mehreren Bildun¬
sich einnehmen’ (vgl. berücken, umgarnen u. a.).
gen vertreten, von denen sich nur Buße bis heute
S. Strick.
gehalten hat (s. d.).
Nndl. beter, best, ne. beiter, best, nschw. bättre, bäst, Bestseller m. 'etwas, das sich sehr gut ver¬
nisl. betri, beztur, betur. S. baß, Bestseller, Buße. kauft’. Im 20. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend
ne. bestseller, einem Kompositum aus e. best,
bestallen swV 'in ein Amt einsetzen’, fach-
dem suppletiven Superlativ von e. good 'gut’,
sprachl. Mhd. bestallt ist die alte Partizipialform
und e. seller, einer Ableitung von e. seil 'verkau¬
von bestellen, die sich in der Bedeutung 'in ein
fen’, das auf g. *saljan (dass.) zurückgeht.
Amt eingesetzt’ in der Hochsprache hält. In
Zum Etymon von e. best s. besser.
Anlehnung an dieses Partizip wird auch das
Verb zu bestallen umgebildet (bleibt aber außer¬ bestürzen swV. Mhd. bestürzen, ahd. bisturzen
halb des Partizips selten). ist eigentlich ein verstärktes 'stürzen, umwerfen,
zusammenwerfen’. Seit frühmittelhochdeut¬
bestätigen swV. Mhd. bestätigen ist eine Prä¬
scher Zeit auf innere Zustände übertragen, etwa
fix-Ableitung zu mhd. statec 'fest, beständig’
als 'jmd. verwirren, durcheinanderbringen’; zu¬
(also 'fest machen’). Das Adjektiv wird heute nächst auch von freudigen Anlässen gesagt,
stetig geschrieben (s. stet), es gehört letztlich zu
dann auf 'erschrecken’ eingeengt. Vor allem in
stehen (s. d.). Partizipien (bestürzend, bestürzt) und Ableitun¬
bestatten swV. Mhd. bestaten, Verstärkung gen (Bestürzung) üblich.
des einfachen staten 'an seinen Ort bringen’ (zu besuchen swV. Mhd. besuochen, ahd. besuoh-
Statt, s. d.). Das Wort wird verhüllend für 'ins hen 'untersuchen, versuchen, befragen u. ä.’.
Grab legen’ gebraucht. Die Bedeutung, auf die der heutige Gebrauch
bestechen swV. Mhd. bestechen hat mehrere zurückgeht, ist 'jmd. aufsuchen’ mit verschiede¬
Bedeutungen, von denen eine in die Fachspra¬ nen Bedeutungsspezialisierungen. In nach-mit-
chen (etwa der Bergleute) eingegangen ist, und telhochdeutscher Zeit eingeengt auf 'Verwandte
dort 'durch einen Anstich ausprobieren, kon¬ oder Freunde aufsuchen’.
trollieren’ bedeutet. Daraus wird allgemein S. suchen (+).
'ausprobieren’ und seit dem 16. Jh. 'durch Ge¬ besudeln swV., s. sudeln.
schenke zu Unrechten Handlungen verführen’,
Bete /., auch Beete /. 'rote Rübe’, reg. Im
etwa im Sinne von 'in Versuchung führen’.
18. Jh. aus dem Niederdeutschen übernommen.
S. stechen (+). Das Wort ist eine alte Entlehnung aus 1. beta
Besteck n. Bezeugt seit dem 16. Jh. Ursprüng¬ 'Bete, Mangold’. Die ebenfalls frühen hoch¬
lich ein Futteral, in das Werkzeuge u. ä. gesteckt deutschen Entlehnungen haben sich nur regio¬
werden, dann der zusammengehörige Satz der nal (als Beißkohl, Bießkohl u. ä.) gehalten.
Werkzeuge u. ä. selbst. Heute eingeengt auf das Nndl. biet, ne. beet, nschw. beta. — E. Karg-Gaster-
Tischbesteck (und auf fachsprachlichen Ge¬ städt BGDSL 62(1938), 159f.; Hoops (1973ff.), II,
brauch). Zu stecken (s. d.). 314 — 316. Zu den Lautformen: Th. Baader BGDSL
62(1938), 159f.; 63 (1939), 117-119.
Besteier m., s. basteln.
beten swV. Mhd. beten, ahd. beton, as. bedon.
bestellen swV, s. bestallen. Der christliche Begriff des Betens wurde von
bestialisch Adj., s. Bestie. den Germanen bei der Übernahme des Chri¬
Bestie /. Im Mittelhochdeutschen (mhd. stentums meist in einer Art Lehnbedeutung aus
bestm) entlehnt aus 1. bestia 'Tier, wildes Tier’. 1. öräre 'bitten, beten’ durch Wörter für 'bitten’
Morphologisch zugehörig: bestialisch, Bestialität; ety¬
wiedergegeben. Zu diesen gehört auch beten,
mologisch verwandt: Biest2. - E. Öhmann ZDW das von g. *bed-5 f. 'Bitte’, dann auch 'Gebet’
beteuern 80 Beule

abgeleitet ist (dieses in gt. bida, ae. bedu, afr. Bettel m. 'minderwertiges Zeug’, ugs., meist
bede, as. beda, ahd. beta). in der Fügung jemandem den Bettel vor die Füße
S. bitten, Gebet. — Wißmann (1932), 92—102. werfen 'seine Mitarbeit aufkündigen’. Rückbil¬
dung aus betteln (s. d.), wohl mit dem ursprüng¬
beteuern swV Seit spätmittelhochdeutscher
lichen Sinn 'Ertrag des Betteins’.
Zeit für 'eidlich einschätzen, festsetzen’, zu¬
nächst den Wert einer Sache (deshalb zu teuer, betteln swV. Mhd. betelen, ahd. betalön. Wör¬
s. d.), dann die Wahrheit einer Aussage betref¬ ter dieser Bedeutung sind in der Regel von
fend. Wörtern für 'Bettler’ abgeleitet, das deutsche
Wort muß also eine Rückbildung sein zu Bett¬
Beton m. (= ein Baustoff aus Zement, Sand
ler, mhd. betelcere, ahd. betaläri (oder auf die
und Wasser). Im 19. Jh. entlehnt aus gleichbe¬
gleiche Grundlage zurückgehen). Mit diesem
deutend frz. beton, dieses aus 1. bitümen «.'Erd¬
Nomen agentis hängen zusammen gt. bidagwa
harz, Bergteer’. Direkt aus dem Lateinischen
'Bettler’, ae. bedecian 'betteln’. Semantisch ist
stammt das Wort Bitumen ( = eine teerartige
wie bei 1. mendicus 'Bettler’ zu 1. mendum 'Feh¬
Masse). ler, Gebrechen’ oder bei gr. ptöchös 'Bettler’ zu
Betonie /., s. Batenke. gr. ptöma 'Fall, Unglück’, gr. ptossö 'ich gehe
betören swV. Mhd. betceren, eigentlich 'zum zusammengekauert (o. ä.)’ ein Ausdruck für
Toren machen’ (s. Tor1). einen unglücklichen Zustand als Grundlage zu
erwarten. Ein solcher könnte in lit. beda, akslav.
betrachten swV. Mhd. betrahten, ahd. bitrah-
beda 'Not, Sorge, Kummer’ vorliegen, doch
tön, bitrahten ist eine Verstärkung des einfachen
sind diese (dehnstufigen) Formen wegen Zu¬
trachten (s. d.) und bedeutet zunächst wie dieses
sammenfalls verschiedener Wurzeln mehrdeu¬
'erwägen’. In frühneuhochdeutscher Zeit
tig. Der Anschluß von Bettler und betteln an
kommt es als 'beim Anschauen erwägen’ zu der
bitten ist aber wohl sekundär, doch ist zu beach¬
heutigen Bedeutung. Das Substantiv Betracht
ten air. foigde, faigde 'Bettelei’ (*upo-guhedh-
(in Betracht ziehen usw.) bewahrt noch die ältere
jä) und air. foigdech 'Bettler’ zu eben dieser
Bedeutung; das Adverb (und Adjektiv) beträcht¬
Wurzel. Auf jeden Fall ist der Anschluß von
lich entwickelt sich aus 'mit Überlegung’ zu
Bettler und betteln an bitten sekundär.
allgemeinerem 'erheblich’.
Nndl. bedelen, bedelaar. — Hoops (19731T.), II, 316.
beträchtlich Adj., s. betrachten.
Betthupferl n. 'Süßigkeit, die die Kinder be¬
betragen stV. Im Zusammenhang mit Sum¬ kommen, um ihnen das Zu-Bett-Gehen zu ver¬
men und Maßen aus mhd. betragen stV. 'Zusam¬ süßen’, reg. Eigentlich 'das, womit man ins Bett
mentragen, rechnen’; im Sinne von 'sich beneh¬ hüpft’.
men’ aus mhd. betragen swV. 'seinen Unterhalt
betucht Adj., ugs. Unmittelbar aus dem West¬
haben, sich mit etwas begnügen’, dann 'mit
jiddischen im 17. Jh. entlehnt, und zwar liegt
jmd. auskommen’ zu der heutigen Bedeutung.
das hebr. Partizip bätiPh 'sicher sein, ver¬
Die zweite Form gehört vielleicht nicht zu tra¬
trauensvoll’ zugrunde, das in Händlerkreisen
gen stV., sondern zu as. tregan 'leid sein, betrü¬
auf einen finanziell sicheren, also wohlhaben¬
ben’ über eine Bedeutung 'Sorge’ (mhd. betrac
den Partner angewandt werden kann. Die Lau¬
'Sorge’ ist bezeugt).
tung wird über wjidd. betuche 'sicher’ an die
betreten Adj. (PPrät.) 'verlegen’. Bezeugt seit deutsche Partizipialform angepaßt. Im Rotwel¬
dem 16. Jh.; vermutlich zu der Nebenbedeutung schen erscheint das Wort erst später in der Form
'überraschen, ertappen’ von betreten stV. betuach und bedeutet dort 'still, vorsichtig, zu¬
S. treten (+). versichtlich’.
Bett n. Mhd. bett(e), ahd. betti, as. bed(di) Wolf (1985), 51.
aus g. *badja- n. 'Bett’, auch in gt. badi, anord. betulich Adj. Bezeugt seit dem 18. Jh. Zu sich
beör m. ('Polster, Federbett’), ae. afr. bed. Her¬ betun 'sich geschäftig zeigen’ (zu tun, s. d.).
kunft unklar. Air. lepaid /., das neben 'Bett’
beugen swV. Mhd. böugen, ahd. bougen, as.
auch 'Schlafzimmer, Zufluchtsort’ bedeutet,
bögian 'biegen’ aus g. *baug-eja- swV. 'beugen’,
weist am ehesten auf eine Vorform *bhotjö-.
auch in anord. beygja, ae. bigan, afr. beia (die
Zu beachten ist auch das zweite Glied von gr.
Deutung von gt. usbaugjan 'ausfegen’ ist um¬
kräbbatos m. '(niedriges) Ruhebett’, dessen Her¬
kunft ungeklärt ist. stritten), Kausativ zu biegen (s. d.), also 'biegen
machen’.
Nndl. ne. bed, nschw. bädd. S. Beet. — W. Foerste
NW 2 (1961), 21-64; Hoops (1973ff.), II, 316-320; Nndl. buigen, ne. bow, nschw. böja, nisl. beygja. —
J. Knobloch SW 5 (1980), 180; J. P. Mäher JIES Pfaff (1933), 19.
9(1981), 341—347; Lloyd/Springer (1988ff.), I, Beule/. Mhd. biule, ahd. bül(l)a, büilla, as.
572-574. büla aus wg. *büljö(n) f. 'Beule’, auch in ae.
Beunde 81 bewegen

byl(e), afr. bei, beil. Daneben eine Reihe von Kopf’, me. budde n., ne. bud 'Knospe’. Da
lautlich und semantisch ähnlichen Bildungen. ein Zusammenhang wahrscheinlich ist, dürfte
Zu der zugrundeliegenden Lautgebärde s. Beutel ursprünglich 'das in einem Tuch Zusam¬
Bausch. mengebundene (etwa: Geld)’ gewesen sein, die
Beunde/., arch., reg. Ursprünglich 'umzäunte expressiven Wörter haben dann eine Bedeutung
Hauswiese’. Kommt heute vor allem mundart¬ wie 'Knopf’, bezeichnen also etwas dickes Run¬
lich und in zahlreichen Flurnamen vor. Mhd. des. Sie gehören wohl zu der unter Bausch be¬
biunt(e), biunde, ahd. biunta vor-d. *bi-wundö. schriebenen Lautgebärde. Beutel ist auch ein
Die mndd. Entsprechung bivank weist darauf Mehlsieb (ein auf diese Weise zusammengebun¬
hin, daß die Ausgangsbedeutung wohl 'Um- denes Tuch ist die einfachste Form eines
zäuntes’ war (zu bei und wenden im Sinne von Siebs) — daher gebeutelt 'durcheinanderge¬
'flechten, Palisadenzäune anbringen’) schüttelt’. Ein Beutelschneider ist eigentlich je¬
Vgl. Bitze. - R. Bauer BON 16(1979), 23-33; H. mand, der Geld stiehlt, indem er den am Gürtel
Tiefenbach in: Beck/Denecke/Jankuhn (1980), 294 — getragenen Beutel aufschlitzt — heute für je¬
298. Anders: N. Tömquist NJ 76 (1953), 25-37. Vgl. manden gebraucht, der Wucherpreise verlangt.
auch Lloyd/Springer (1988fF), I, 451—453 zu ahd. Beutheie /., auch Pochheie /. 'Böttcherschle-
bameth.
gel’, fachsprachl. Zu mhd. hei(e), ahd. heia
Beuschel n. 'Speise aus Tierinnereien’, bair.- 'Schlegel, Holzhammer’ und einer Ableitung
österr. Die ursprüngliche Bedeutung ist wohl von g. *baut-a- 'schlagen’ (s. unter Amboß und
'Herz, Lunge, Milz und Leber’ (obere Einge¬ Beitel) in einer aus dem Niederdeutschen ent¬
weide eines geschlachteten Tieres). Diminutiv lehnten Lautform. Heie gehört zu mndl. wfr.
zu Bausch (s. d.), wobei der Bedeutungsüber¬ heien 'schlagen, rammen’, das vielleicht mit 1.
gang nicht ganz klar ist. Falls von 'Lunge’ aus¬ caedere 'hauen, schlagen’ zusammengehört.
gegangen werden kann, dann etwa 'das Aufge¬ S. Zäsur ( + ). — F. Braun in: F. Debus/J. Hartig
blasene’ zu der in diesem Komplex bezeugten (Hrsg.): FS G. Cordes (Neumünster 1976), 42 — 55.
Bedeutung 'blasen, atmen’. Bevölkerung/., s. Volk.
Beute1 /. 'Kriegsbeute’. Mhd. biute 'Beute, bevor Konj. Mhd. bevor, ahd. bifora, as. bifo-
Verteilung’. Entlehnt aus mndd. bü(i)te ran sind wie ae. beföran Adverbien mit der
'Tausch, Verteilung, Beute’ das eine Ableitung Bedeutung 'davor’ (örtlich), 'vorher, zuvor’
von buten 'tauschen, verteilen, Beute machen’ (zeitlich). In Sätzen, bei denen bevor Adverb ist,
ist. Die Wörter sind seit dem 14. Jh. bezeugt das durch e 'ehe’ wiederaufgenommen wird,
und schon kurz darauf als Entlehnung in den entwickelt sich in frühneuhochdeutscher Zeit
Nachbarsprachen nachweisbar (frz. butin, buti- seine Funktion als Konjunktion.
ner). Die Beute wird also zunächst als 'das (bei bewähren swV. Mhd. bewceren, ahd. biwären
einem Kriegs- oder Raubzug) zur Verteilung
sind von wahr (s. d.) abgeleitet und bedeuten
Kommende’ aufgefaßt, erst später als 'das Weg¬ demnach zunächst 'als wahr erweisen’. Heute
genommene, Eroberte’. Weitere Herkunft un¬ meist im reflexiven Gebrauch mit der Bedeu¬
klar. Am ehesten kommen für einen Vergleich tung 'sich als brauchbar erweisen’,
in Frage kymr. budd 'Gewinn, Beute, Reich¬
bewältigen swV. Zu Gewalt (s. d.).
tum’, air. büaid n. 'Sieg, Vorteil’ (aus *bhoud-),
die aber ihrerseits isoliert sind. Eine Entlehnung bewandert Adj. (PPrät.). Einerseits in der zu
aus dem Keltischen ist ebenfalls nicht völlig erwartenden passiven Bedeutung bezeugt (ein
auszuschließen. viel bewanderter Weg), andererseits, und heute
Nndl. buit, ne. booty. S. Filibustier, Freibeuter. — fast ausschließlich, im Sinne des Perfekts oder
Hoops (1973ff.), II, 323-331. Zustandspassivs (er ist in etwas bewandert).
Letzteres wohl nach dem Vorbild von erfahren.
Beute2 /. 'Backbrett’, hess. Vielleicht hierher
S. wandern (+).
auch die Bedeutung 'Bienenkorb’ (ursprünglich
Holzkasten für Waldbienen), falls diese nicht bewandt Adj., s. bewenden.
näher zu Beutel gehört. Mhd. biute, ahd. biuta Bewandtnis/., s. bewenden.
neben ahd. biot m. (noch in obd. biet 'Kelter¬ bewegen 1) stV. 'jmd. zu etwas veranlassen’.
bett, Mühlsteinlager’) aus g. *beuda- m. 'Tisch’, Mhd. bewegen, ahd. biwegan. 2) swV. 'jmd. oder
auch in gt. biups m., anord. bjöö n., ae. beod. etwas in Bewegung setzen’ (auch refl.), 'jmd.
Beutel m. Mhd. biutel n./m., ahd. bütil, as. innerlich bewegen’. Mhd. bewegen. — Die bei¬
büdil führen zurück auf vor-d. *büdila- m. 'Beu¬ den Verben sind geschichtlich und regional
tel’. Außerhalb vergleichen sich Wörter mit weit nicht klar abzugrenzen. Dem starken Verb liegt
auseinanderfallender Bedeutung, die auf *budd- zugrunde g. *weg-a- 'bewegen’, das unter wiegen
(eine expressive Lautform) zurückführen: nisl. behandelt ist, und zu dem auch wägen (s. d.)
-budda 'Geldbeutel’ (jung), schwed. (dial.) bodd gehört; bewegen hat heute ein schwaches Prä-
beweisen 82 Biber

sens, wägen setzt den e-Vokalismus (/. Sg. und und psychologischen Fachsprache (Selbstbe¬
PI.) des Präsens fort, wiegen den /-Vokalismus wußtsein) eine bedeutende Rolle.
(2./3. Sg.). — Das schwache Verb ist ursprüng¬ Nndl. bewust, bewustzijn. S. wissen ( + ).
lich zu diesem das Kausativ, da aber das Grund¬ bezichtigen swV. Neben heute ausgestorbe¬
verb schon transitiv war oder zumindest sein nem bezichten seit frühneuhochdeutscher Zeit
konnte, hatte es eher den Wert einer Verstär¬ als Ableitung zu dem Substantiv Bezieht 'Be¬
kung, was zu Vermischungen und Neu-Abgren- schuldigung’ und dem dazugehörigen Adjektiv
zungen Anlaß gab. Die Präfigierung mit Ge¬ bezichtec 'beschuldigt’. Bezieht ist ein t/-Ab-
taucht beim schwachen Verb erst spät auf. straktum zu mhd. bezlhen stV., ahd. bizlhan stV.
Heute hat sie weitgehend die Ausgangsbedeu¬ 'zeihen, beschuldigen’ (s. zeihen).
tung des Grundverbs übernommen.
Bezirk m. Zu mhd. zirc, zirk(e) 'Umfang,
Nndl. bewegen stV. S. Leuwagen, unentwegt, Waage( + ),
Umkreis’ entlehnt aus 1. circus 'Kreis’ wird spät¬
Wacke, wackeln, Wagen ( + ), Weg ( + ), Wiege ( + ),
mittelhochdeutsch eine Präfixableitung bezirken
Woge.
'Umfang bestimmen’ gebildet, unter deren Ein¬
beweisen stV. Mhd. bewisen, mndd. bewisen fluß das einfache zirk zu Bezirk erweitert wird.
swV. Die starken Formen beginnen im 15. Jh. Von 'Kreis, Umkreis’ ausgehend, wird es auf
und setzen sich dann durch. Evtl, hat dabei ein 'Verwaltungsgebiet, zugehöriges Gebiet’ einge¬
älteres -wizan 'anrechnen’ mitgeholfen (auch in schränkt.
der Bedeutung?). Das Wort bedeutet mit per¬ S. Zirkus ( + ).
sönlichem Objekt ursprünglich 'anweisen, zu¬
bi- Präfixoid. Dient in Wortbildungen zum
rechtweisen, belehren’ zu weisen (s. d.); später
formalen Ausdruck der Bedeutungskompo¬
mit Akkusativ der Sache 'nachweisen, zeigen’,
nente 'zwei, doppelt’ (z. B. bivalent 'zweiwertig’;
in der Rechtssprache — ausgehend vom Vorzei¬
auch: Billion 'eine Million Millionen’). Es wird
gen von Beweismitteln — 'zwingend nachwei¬
vornehmlich in lateinischen Wörtern ins Deut¬
sen’. Von dort aus gelangt es in die Wissen¬
sche entlehnt und geht auf 1. bi(s) 'zweimal’,
schaftssprache. Als Substantiv hierzu gilt zu¬
eine Nebenform zu 1. di-, zurück.
nächst mhd. bewisunge; seit dem 16. Jh. wird es
Etymologisch verwandt: s. Diplom.
ersetzt durch Beweis, einer Rückbildung aus
dem schwachen Verb. Biathlon n. 'Kombination aus Skilanglauf
Nndl. bewijzen, bewijs. S. weisen ( + ). — Hoops und Scheibenschießen’, fachsprachi, s. Athlet
(1973fr.), II, 483-487. und bi-.

bewenden swV., arch. Mhd. bewenden, ahd. bibbern swV. 'zittern’, ugs. Zu einer Lautge¬
biwenten, Präfigierung zu wenden (s. d.). Das bärde für 'zittern’, zu der auch beben (s. d.)
Wort bedeutet ursprünglich 'hinwenden’, auch gehört.
'anwenden, verwenden’. Hierzu die heute idio- S. puppern.
matisierte Wendung es dabei bewenden lassen Bibel /. 'die Heilige Schrift’. Im Mittelhoch¬
(d. h. 'auf sich beruhen lassen’); ähnlich mit deutschen (mhd. biblie, bibel) entlehnt aus kir-
substantiviertem Infinitiv sein Bewenden haben chen-1. biblia 'die Heiligen Bücher’, dieses aus
'auf sich beruhen bleiben’ und als Ableitung gr. biblion n. 'Buch’, zu gr. byblos, biblos 'Papy¬
aus dem alten Partizip bewandt (ähnlich wie rusbast’, aus Byblos, dem Namen einer phönizi-
verwandt im Sinn von 'angeboren, zugehörig’ schen Stadt, aus der dieses Schreibmaterial vor¬
gebraucht) die Bewandtnis 'Beschaffenheit’. nehmlich eingeführt wurde.
bewerkstelligen swV. Im 17. Jh. aus der For¬ Etymologisch verwandt: s. Bibliographie, bibliophil, Bi¬
mel mhd. ze werke stellen 'zur Ausführung brin¬ bliothek, Fibel. — Littmann (1924), 9; Hoops (1973fT.),
II, 487-499.
gen’ mit Präfix-Ableitung zusammengebildet.
S. Werk ( + ). Biber m. Mhd. biber, ahd. bibar, as. bibar aus
g. *bebru- m. 'Biber’, auch in anord. björr, ae.
bewußt Adj. (PPrät.), Bewußtsein n. Das Verb
beofer, dieses aus ig. *bhebhru- (auch andere
fnhd. bewissen, mndd. beweten 'wissen, sich zu-
Stammbildungen) m. 'Biber’, auch in avest. baß-
rechtfinden’ ist spärlich bezeugt, ebenso sein
ra-, kslav. bebrü, bobrü, lit. bebras, 1. fiber. Die
Partizip bewist. Dieses entwickelt sich (wie bei
lautliche Entsprechung im Altindischen ist
gewußt zu wissen) im Mitteldeutschen zu bewußt
babhru- Adj. 'rotbraun’, m. ( = eine Ichneumon-
und setzt sich in dieser Form durch Luthers
Art). Falls dieses Wort zugehörig ist, wäre da¬
Einfluß durch. Das Partizip wird später in der durch erwiesen, daß der Biber nach seiner Farbe
reflexiven Formel sich einer Sache bewußt sein bezeichnet wurde (s. auch braun und Bär1).
im Sinne von 'wissen, sich klar darüber sein’ Biber taucht in zahlreichen Ortsnamen auf (Bi-
gebraucht und spielt dann zusammen mit der berach usw.); in Pflanzennamen wie Biberklee
Ableitung Bewußtsein in der philosophischen ist aber Fieber gemeint, das eine Variante mit
Bibergeil 83 Bier

anlautendem b- haben kann. Biber 'Baumwoll- büg- im Präsens: ae. bügan und wohl auch as.
gewebe, Bettuch’ geht auf eine Übertragung bügan (Präsens nicht belegt, aber mndd. bugen,
zurück: verglichen wurde das kurzgeschorene mndl. büghen). Dieses hat keine genaue Ver¬
Biberfell. gleichsmöglichkeit. Semantisch am nächsten
Nndl. bever, ne. beaver, nschw. bäver (entlehnt), nisl. kommt eine Variante ig. *bheug- (statt *bheugh-
björ, bifur. S. Bibergeil. - Hoops (1973ff.), II, wie durch das Germanische vorausgesetzt) in ai.
499-502.
bhujäti 'biegt, krümmt’; mit gleichem Lautstand
Bibergeil n. 'Duftdrüse des Bibers und der in tritt die Bedeutung 'fliehen’ auf, die als 'sich
ihnen enthaltene Duftstoff’, fachsprachl. Mhd. abwenden’ zugehörig sein kann: 1. fugere 'flie¬
bibergeil zu geil(e) 'Hoden’, weil man die Duft¬ hen’, gr. pheügö 'ich fliehe’ und vielleicht lit.
drüsen für die Hoden des Bibers hielt. bügti 'erschrecken’.
S. Biber. Nndl. buigen, ne. bow, nschw. buga. S. beugen, Bogen,
Bucht, bücken, Bügel, Gebück, Refugium.
Bibernelle /., s. Pimpernelle.
Biene /. Mhd. bin, bin, ahd. bina /., as. bina
Bibliographie/. 'Literaturverzeichnis’, s. Bibel
n. aus vor-d. *bi-n-i- n. 'Biene’ neben g. *bi(j)ön
und Grammatik.
n. 'Biene’ in anord. by n., ae. beo, as. ahd. bla
bibliophil Adj. 'bücherliebend’, s. Bibel und zu weur./oeur. *bhi- 'Biene’, auch in akslav.
-phil. bicela (*bhikelä), lit. bite und mit e-Vokalismus
Bibliothek /. 'Bücherei’. Im 16. Jh. entlehnt air. bech (*bhekos). Weitere Herkunft unklar.
aus gleichbedeutend 1. bibliotheca, dieses aus gr. Bienenkorb, mhd. binenkar n., ahd. binikar n.
bibliotheke (dass.), zu gr. bibllon n. 'Buch’ (s. (zu kar 'Gefäß’); Bienenstock ist eigentlich ein
Bibel), und gr. thike 'Gestell, Abstellplatz’. Baumstamm als Behausung der Waldbienen.
Morphologisch zugehörig: Bibliothekar, etymologisch Vgl. Imme und Zeidler.
verwandt: s. Bibel und Theke. Ersatzwort ist Bücherei. Nndl. bij, ne. bee, nschw. bi, nisl. byfluga. — E. Müller-
— W. Feldmann ZDW 8 (1906/07), 55; Hoops Graupa Glotta 18(1930), 132-137; N. Törnquist SN
(1973fT.), II, 502-510. 17 (1945), 200 — 203. Zur Sache: B. Schier: Der Bienen¬
stand in Mitteleuropa (Leipzig 1939); Hoops (1973IT.),
Bickbeere /. 'Heidelbeere’, ndd. Vielleicht als
II, 514-529.
'Pechbeere’ aufzufassen, im Hinblick auf die
Farbe. Der Anlaut (eigentlich p-) müßte dann Bienenstich m. 'Gebäck mit Puddingfüllung’.
dem des zweiten Bestandteils angeglichen sein. Herkunft unklar. Mit -stich kann eine gestockte
Masse bezeichnet sein (vgl. Eierstich), aber das
Bickel m., s. PickelL
Vorderglied bleibt unklar.
biderb Adj., s. bieder.
Bier n. Mhd. hier, ahd. as. bior aus wg. *beu-
Bidet n. 'niedriges Waschbecken (zum Reini¬ ra- n. 'Bier’, auch in ae. beor, afr. biar, hier
gen des Afters und der Genitalien)’. Im Neu¬ (anord. björr m. ist vermutlich aus dem
hochdeutschen entlehnt aus gleichbedeutend Altenglischen entlehnt). Vor allem kontinental¬
frz. bidet m., dessen weitere Herkunft nicht si¬ germanisches Wort, während im Norden gl
cher geklärt ist. (*alut-) gilt, im Englischen stehen beide neben¬
bidmen swV, s. beben. einander. Bei Konkurrenz beider Bezeichnun¬
gen gilt Bier als das vornehmere Getränk gegen¬
Bieber m., s. Biber.
über Ale. Die Herkunft des Wortes ist unsicher,
bieder Adj. Mhd. biderbe, ahd. bitherbi, mndl. und es gibt dementsprechend mehrere Erklä¬
berf geht zurück auf eine im einzelnen unklare rungsmöglichkeiten. Am wahrscheinlichsten ist
Ableitung von bedürfen mit der Bedeutung 'dem ein Zusammenhang mit der Wurzel für brauen
Bedürfnis entsprechend, brauchbar’, auf Perso¬ (s. d.), bei der neben der Vollstufe der zweiten
nen bezogen 'brav, wacker’ (mit betontem Erst¬ Silbe (*bhreu-) auch eine Vollstufe der ersten
glied). Das Adjektiv starb praktisch ganz aus Silbe (*bherw-) gut bezeugt ist; allerdings zei¬
und wurde im 18. Jh. wiederbelebt. Durchgän¬ gen die einschlägigen Getränkebezeichnungen
gig erhalten blieb Biedermann 'Ehrenmann’, Vollstufe der zweiten Silbe, z. B. gr. (thrak.)
heute nur noch ironisch gebraucht. Dagegen ist brytos m. 'Gerstenbier’, 1. defrutum 'Most’
Biedermeier erst 1853 von A. Kußmaul und L. (*bhru-to-). In einem solchen *bherwo- müßte
Eichrodt als sprechender Name gebildet. Der das w umgesprungen sein (vgl. Auge und
Name wurde dann gegen Ende des Jhs. zur Haupt). Denkbar ist aber auch ein näherer Zu¬
Bezeichnung des Stils der 1. Hälfte des 19. Jhs. sammenhang mit einem germanischen Wort für
S. anbiedern, unbedarft. — Kuhberg (1933), 40f.; 'Gerste, Getreide’ (*bewwa- in anord. bygg
Stammler (1954), 148 — 154.
usw.).
biegen stV. Mhd. biegen, ahd. biogan aus g. Nndl. hier, ne. beer. S. auch Kindelbier. — Der Ansatz
*beug-a- stV. 'biegen’, auch in gt. biugan, anord. *breu-ra- zu brauen mit Dissimilation ist weniger wahr¬
bjüga (Präsens nicht belegt), mit der Variante scheinlich: F. Holthausen IF 60 (1952), 280. An Entleh-
Biese 84 Bild

nung aus spl. biber f. 'Getränk’ (auch Bier’) zu 1. Bigamie f. 'Doppelehe , fachsprachl. Im 16.
bibere 'trinken’ denkt Lindquist (1955), 29f. Vgl. außer- Jh. entlehnt aus gleichbedeutend ml. bigamia,
ßerdem: Heyne (1899/1903), II, 341; Hoops (1973ff.), dieses aus kirchen-1. bigamus 'zweimal verheira¬
II, 533-537; L. Mehlber JGGB (1980/81), 49-83 (zu tet’, aus gr. digamos (dass.) (mit 1. bi-), zu gr.
Bier), 32 — 40 (zu Ale).
gamein 'heiraten’.
Biese /. 'Ziernaht’, fachsprachl. Mhd. biese Morphologisch zugehörig: Bigamist.
'Binse’, mndd. bese, mndl. biese. Das hochdeut¬
bigott Adj. 'übertrieben fromm, frömmelnd’.
sche Wort ist aus dem Niederdeutschen oder
Im 18. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend frz.
Niederländischen entlehnt; dort berührt es sich
bigot, dessen Herkunft nicht geklärt ist. Volks¬
mit dem Wort Binse (s. d.), mit dem es aber
etymologisch kommt es zu einer Assoziation
nicht verwandt ist. Weitere Herkunft unklar.
der zweiten Silbe mit Gott.
H. Dittmaier ZDA 89(1959), 37-40; Rooth (1981),
Morphologisch zugehörig: Bigotterie.
22-29.
Bikini m. 'zweiteiliger Badeanzug’. Im 20. Jh.
Biest1 m., Biestmilch/. 'erste Milch einer Kuh
nach dem Kalben’, fachsprachl. Mhd. biest, ahd. entlehnt aus gleichbedeutend frz. bikini, dem
as. biost aus wg. *beusta-, auch in ae. beost (und Namen eines Atolls der Gruppe der Marschall-
biesting). Auf eine Parallelform *breusta- führen Inseln, die wegen der von den USA 1946 — 1958
anord. äbrystur f. PI. 'Getränk aus Biestmilch’, dort durchgeführten Atomversuche weltweit be¬
fnhd. briester. Die beiden Formen sind kaum kannt waren. Der Schöpfer des Kleidungsstücks
unabhängig voneinander; es kann aber sowohl verbindet mit dieser Bezeichnung für einen
sein, daß r in dieser Stellung geschwunden ist (knappen) zweiteiligen Badeanzug offenbar die
(vgl. nhd. sprechen — ne. to speak), wie auch, Vorstellung von Südsee-Exotik.
daß ursprüngliches *beust- an die Wörter Brust Bilanz /. 'Endabrechnung, Abwägung von
(s. d.) oder Brieschen angeglichen worden ist. Positivem und Negativem’. Im 17. Jh. entlehnt
Eine Etymologie wird dadurch sehr unsicher. aus gleichbedeutend it. bilancia, dieses aus 1.
Auch die Lautähnlichkeit von gleichbedeuten¬ bilanx (-ncis) 'ausgeglichen’, zu 1. libra bilanx
den gr. pyös und ai. piyusa- mahnt zur Vorsicht, 'Waage mit zwei Waagschalen’.
bis die Herkunft des Begriffs eindeutig geklärt Etymologisch verwandt: s. Balance. — Schirmer
ist. (1911), 33f.

Biest2 n., ugs. Im 16. Jh. über das Westmittel¬ bilateral Adj. 'zweiseitig’, s. bi- und lateral.
deutsche in die Hochsprache gekommen. Über¬ Bilch m. 'Siebenschläfer’, fachsprachl. Mhd.
nommen aus mndl. beest, das aus afrz. beste bilch(müs), ahd. bilih. Entlehnt aus slov. pölh
entlehnt ist. Dieses aus 1. bestia f. '(wildes) Tier’. (vorauszusetzen *pilch) gleicher Bedeutung.
S. Bestie. - E. Öhmann ZDW 18 (1962), 69-99. Das slavische Wort ist verwandt mit lit. pele f.
bieten stV. Mhd. bieten, ahd. biotan, as. bio- 'Maus’ zu lit. pälios, pilkas 'grau’. Also wohl
dan aus g. *beud-a- stV. 'bieten’, auch in gt. die Maus als 'die Graue’ und der Siebenschläfer
-biudan, anord. bjööa, ae. beodan, afr. biada, als 'Maus’ bezeichnet.
bieda, dieses aus ig. *bheudh- mit weit auseinan¬ S. Siebenschläfer. — Wiek (1939), 19f.; Bielfeldt (1965),
derfallenden Bedeutungen, die sich etwa auf 54.
'zum Bewußtsein bringen — sich bewußt wer¬ Bild n. Mhd. bilde, ahd. bilidi (obd. auch
den — zum Bewußtsein kommen’ zurückführen bilodi, biladi), as. bilidi. Die älteste Bedeutung
lassen: ai. bödhati 'wacht, beobachtet, versteht’, ist 'Vorbild, Muster’, erst später überwiegt 'Ab¬
gr. peüthomai 'ich erfahre, erfrage’, aktiv 'ich bild’. Das Wort ist nur kontinentalgermanisch,
teile mit’, akslav. vüz-bünpti 'wach werden’, spanord, biläti usw. sind aus dem Niederdeut¬
akslav. büdeti 'wachen’, lit. büsti 'erwachen’, schen entlehnt und sekundär an läti 'Benehmen’
air. -bo(i)nd mit ad- 'verbünden, erklären’, air. angeglichen worden. Zugehörig sind weiter ahd.
odbo((Jm/'absagen, verweigern’. Der Übergang unbilidi 'Unförmigkeit’, mhd. unbilde 'das Ma߬
zu den germanischen Bedeutungen läßt sich lose, das Unrechte’ und mndd. wie(h)beide,
nicht genau präzisieren; vermutlich haben hier
wikbelderecht 'Dorfrecht’ (o. ä.); weiter mhd.
Präfigierungen mitgewirkt.
unbil Adj. 'ungemäß, ungerecht’, mndd. billich,
Nndl. biedert, ne. bid, nschw. bjuda, nisl. bjööa. S. Bote, bil(li)k, mhd. billich 'passend, angemessen’,
botmäßig, Büttel, Gebiet, unbotmäßig. — Frisk (1966),
weiteres ist unsicher. Der Sippe liegt offenbar
21—23; C. Watkins in: Meid (1987), 308 — 311.
ein nicht bezeugtes Substantiv *bil zugrunde,
Bieten m. 'Vorderteil des Schiffs’, schwz., dessen Bedeutung 'Form’, besonders 'richtige
auch Vorderbieten, Hinterbieten. Falls ur¬ Form’ gewesen sein kann. Dazu wäre bilidi eine
sprünglich 'Brett’, dann zu dem unter Beute2 Kollektivbildung nach üblichem Typ; die Be¬
dargestellten germanischen Wort für 'Tisch, deutung wäre in diesem Fall nur verstärkend,
Brett’. weshalb auch die Weiterbildung wohl das
bilden 85 Bilsenkraut

Grundwort verdrängt hat. Eine denkbare Ver¬ Billetdoux n. 'Liebesbriefchen’, arch. Im Neu¬
gleichsmöglichkeit hierzu wäre 1. filum 'Gestalt’ hochdeutschen entlehnt aus gleichbedeutend
(Entsprechung zu l.förmaf); die beiden Wörter frz. billet doux m. (wörtlich; 'süßer Brief’), aus
könnten weiter auf die Erweiterung *bhwi- zu Billett (s. d.) und frz. doux 'süß’ aus 1. dulcis
*bhu3- 'sein’ (in 1. fio 'ich entstehe, werde er¬ 'süß’.
zeugt’, g. *bi-, s. unter bin) zurückgehen. Diese Etymologisch verwandt: s. Billett.
Annahme setzt allerdings voraus, daß 1. filum
Billett n. 'Fahrkarte, Eintrittskarte, Brief¬
n. 'Gestalt’ nicht mehr etymologisch an 1. filum
chen’, arch., österr., schwz. Im 16. Jh. entlehnt
n. 'Faden’ angeschlossen wird. — Im Bilde sein
aus frz. billet (de logement) m. 'Quartierschein
und ins Bild setzen sind abhängig von sich ein
(für Soldaten)’, aus afrz. billette 'Zollzeichen’,
Bild von etwas machen und wurden offenbar
aus älterem afrz. bullette 'Beglaubigungsschein’,
zuerst im Rahmen militärischer Planungen und
aus 1. bulla f. 'Siegelkapsel (usw.)’. Es handelt
Manöver üblich.
sich bezeichnungsmotivisch zunächst also um
Nndl. beeid. S. bilden, billig, Mannsbild, Unbill, Un¬
das mit einem Siegel Versehene; später dann
bilden, Weibsbild, Weichbild. — W. Foerste in: FS Trier
Verlust des ursprünglichen Benennungsmotivs
(1964), 112-145; W. Kaspers ZDS 20(1964),
178-192. und Verselbständigung der Bedeutung. Der Vo¬
kalwechsel von /u/ zu /i/ beruht auf einer Asso¬
bilden .sw V. Mhd. bilden, ahd. bilidön 'gestal¬
ziation mit frz. bille f. 'Kugel’.
ten, Form geben’, dann auch 'abbilden, nachei-
Etymologisch verwandt: Billetdoux, Boiler, Bouillon,
fem’. Abgeleitet von (ahd.) bilidi in seinen ver¬
Bowling, Bulette, Bulle2, Bulletin. Ersatzwort ist
schiedenen Bedeutungen (s. Bild). Die Wort¬ (Fahr-)Karte. - Jones (1976), 148; Brunt (1983), 155f.
sippe spielt dann in der Mystik eine große Rolle
Billiarde /., s. bi- und Milliarde; vgl. Billion.
(vgl. etwa sich einbilden) und liefert im 18. Jh.
einen der zentralen pädagogischen Begriffe mit billig Adj. Mhd. billich, ahd. billih, mndd.
Bildung, gebildet usw. (womit zunächst die For¬ bil(li)k, billich 'angemessen, passend’. Ablei¬
mung der Jugend gemeint ist). tung (mit abgeschwächtem Kompositionsglied,
F. Rauhut GRM 34(1953), 81—91; F. Rauhut/I. s. -lieh) von dem erschlossenen Substantiv *bil
Schaarschmidt: Beiträge zur Geschichte des Bildungsbe¬ 'Form, richtige Form’ (s. Bild), deshalb 'pas¬
griffs (Weinheim 1965); E. Lichtenstein AB 12 (1968), send, angemessen’. Die heutige Bedeutung geht
7-29. auf die Fügung billige Preise zurück, die eigent¬
Bilge /. 'Kielraum, in dem sich Leckwasser lich 'angemessene Preise’ sind, dann aber als
sammelt’, fachsprachl. Entlehnt aus gleichbe¬ 'niedrige Preise’ verstanden werden. In dieser
deutendem ne. bilge, dessen Herkunft nicht aus¬ Bedeutung wird wohlfeil durch billig verdrängt.
reichend klar ist. Das negative unbillig bewahrt die alte Bedeu¬
bilingual Adj. 'zweisprachig’, s. bi- und Lin¬ tung noch besser.
guistik. Nndl. billijk. S. Bild( + ). - Hoops (1973ff.), II,
Billard n. (= ein Spiel, bei dem Kugeln mit 607-612.
einem Stab in Bewegung gesetzt werden). Im Billion /. (= eine Million Millionen). Im 18.
16. Jh. entlehnt aus gleichbedeutend frz. biliard Jh. entlehnt aus gleichbedeutend frz. billion m.,
m., verkürzt aus jeu de billard m. 'BillardspieE, einer Nachbildung von frz. million m. 'Million’
aus afrz. billart 'Stab zum Kugelspiel’, zu frz. (s. auch bi-), wobei 'zwei’ hier die „Doppelung“
bille f. 'Holzstab’. der Million in Form der Multiplikation mit sich
Jones (1976), 147f. selbst meint. Entsprechend Billiarde zu Mil¬
Bille/. 'Hinterbacken’, ndd. Mndd. (ars)bille, liarde.
mndl. ersbille. Daneben die Ablautvariante ahd. Etymologisch verwandt: Million.
as. arsbelli aus vor-d. *beljölbaljö zu einer Wur¬ Bilme /., s. Bilsenkraut.
zel *bhel-, die Bezeichnungen für Wülste, Ge¬
Bilsenkraut n. 'Hyoscyamus niger’ (= Heil-
genstände mit Rundungen usw. liefert. Zu die¬
und Giftpflanze), fachsprachl. Mhd. bilse /.,
ser s. Ball1, Biller.
ahd. bil(i)sa /., mndd. bilse /., mndl. bilse /.,
Nndl. bil. - W. Foerste in: FS Trier (1964), 140.
belse /., belsencruut, daneben ae. belene f,
Biller PI. 'Zahnfleisch’, obd. Mhd. biler(n),
be(o)lone/., as. bilena/., die auch außergerma¬
ahd. bilarn, mndd. billre, in nördlicheren Mund¬
nisch vergleichbar sind: gall. belenion, russ. be-
arten auch ablautend Baller u. ä. Vermutlich zu
lenä /.; wieder anders nschw. bolmört, nhd.
den Wörtern der Wurzel *bhel-, die Wörter für
Bilme f. u. a. Weitere Herkunft und Benen¬
'Wulst, Gegenstände mit Rundungen u. ä.’ lie¬
nungsmotiv unklar; es kann zu *bhel- 'Wulst’
fert.
(s. Ball1) gehören wegen der Samentaschen.
S. Bille (Belle) und Ball1. - E. Schwyzer ZVS
57(1930), 265-274; W. Foerste in: FS Trier (1964), Nndl. bilzekruid, ne. henbane, nschw. bolmört. — P.
141; W. Kaspers ZDS 20 (1964), 91 —97, 178 — 192. Kretschmer Glotta 14(1925), 96f.; Marzell (1943/79),
Bilwis 86 Binsenwahrheit

II, 927f.; W. Foerste in: FS Trier (1964), 142; Hoops Präsens). Während diese beiden Paradigmen im
(1973ff.), III, 2-4. Altenglischen getrennt nebeneinanderstehen,
Bilwis m./f 'bestimmter Kobold’, reg. Mhd. sind sie im Althochdeutschen (bim, bis, PI. bi-
bilwiz, bilwiz m./f./n. mndd. bel(le)wit(te), rum, birut). Altsächsischen (bium, bis) und Alt¬
mndl. belewitte. Formal entspricht ae. bilewit friesischen (bim, bin) in einigen Präsensformen
Adj. 'gütig, milde’. Zu dem altenglischen Adjek¬ kontaminiert worden und existieren außerhalb
tiv stimmt, daß der Kobold offenbar ursprüng¬ dieser kontaminierten Formen nicht mehr.
lich gutmütig war, sein Bild dann aber in der S. bauen, ist, sein (+), Wesen (+). - Zur Abgrenzung
späteren Zeit verschlechtert wurde (besonders der beiden Verben im Altenglischen vgl.: K. Jost: beon
zu einem schädlichen Komdämon). Ein An¬ und wesan (Heidelberg 1909).

schluß an *bil (die Grundlage von Bild, s. d.)