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Orion-Mythologien und die Gegenwart

- Ein Nachtrag -

Viele von euch, die sich mit dem Sternensystem des Orion intensiver beschäftigen,
werden die Werke von Robert Bauval und insbesondere sein 1994 erschienenes Buch
"Das Geheimnis des Orion - nach mehr als 4000 Jahren wird das Rätsel der Pyramiden
gelöst" kennen. Und vielleicht fragt sich der eine oder andere von euch, was denn nun
an Bauvals Theorie wahr sei ...

Bauval behauptet, dass es „einen Meisterplan“ gäbe, mit dem die alten Baumeister die
Standorte der ägyptischen Pyramiden auswählten. Dieser Plan sei die astronomische
Karte des Sternbilds Orion. Die Lage der Hauptsterne im Sternbild des Orion stimme
mit der Lage der Pyramidenstandorte überein.

Wie im vorhergehenden Kapitel angeraten - prüft selbst und urteilt dann. Das Buch von
Bauval ist verfügbar, die beste mir bekannte Gegendarstellung von Bewohnern des
Planeten Erde füge ich als Originalzitat bei.

Als Bodenoberposten des Beta-X im System Beteigeuze kann ich euch nur sagen: von
einem solchen Plan weiß ich nichts. Das hat aber nichts zu bedeuten, denn es könnte ja
auch ein galaktischer Scherz anderer Orion-Gruppen sein, der noch dazu genial
wiederverwendbar ist - also nicht nur auf die Ruinen von Gizeh passt, sondern auch auf
Köln am Rhein ... doch urteilt selbst und vergesst dabei nie:

Das Lachen ist eine göttliche Kunst!

Frieden, Erkenntnis, Spaß und Göttlichen Segen wünscht euch Badjahnus.

... und hier die angekündigte Gegendarstellung zu Bauvals „Orion-Mythos“:

ZITAT

Der Orion-Mythos

Robert Bauval kann zufrieden sein: Sein Buch "Das Geheimnis des Orion - nach mehr
als 4000 Jahren wird das Rätsel der Pyramiden gelöst" wurde 1994 weltweit zum
Bestseller und seine Thesen sind seitdem in aller Munde - nicht zuletzt durch aufwändig
gemachte Fernsehdokumentationen (von ABC, aber auch der BBC). Jetzt sei er
gefunden, der astronomische Schlüssel zum Bau der Pyramiden, der lange verloren
geglaubte Meisterplan rekonstruiert.

Das Buch präsentiert ägyptische Texte, Astronomie und "Widersprüche", denen sich
die eingesessenen Ägyptologen verschlössen (so Bauval): die Pyramiden seien
Zeugnis einer verloren gegangenen Zivilisation, älter (Zehntausende Jahre älter) als
bisher angenommen. Es gibt sogar eine eigene Homepage zum Orion-Mythos im
Internet, auf der Interessenten das Neuste erfahren können - und wo Robert Bauval
demnächst zu diesem Thema sprechen wird. Begeisterte Anhänger sammeln
"Beweise", Orion-Fieber überall...
Im Altertum tötete man die Überbringer schlechter Nachrichten - und doch hat
Quarks&Co schlechte Nachrichten für begeisterte Hobby-Ägyptologen und die
Gemeinde der Esoteriker: der Schlüssel zum Bau der Pyramiden ist nicht gefunden, der
Orion-Mythos hält einer kritischen Prüfung nicht Stand. Schade eigentlich. Quarks&Co
zeigt, warum - und dass der Mythos auch woanders funktioniert.

Der Mythos...

Bauval behauptet, es gäbe einen Meisterplan, mit dem die Baumeister der Vierten
Dynastie die Standorte der Pyramiden auswählten. Dieser Plan ist die Himmelskarte
selbst. Allerdings nicht ein beliebiger Ausschnitt des Himmels, nein: Dreh- und
Angelpunkt ist das mächtige Wintersternbild Orion mit seinen drei markanten
Gürtelsternen und seiner Umgebung: der Stern Sirius (am Himmel zu finden als linke
Verlängerung der drei Gürtelsterne) oder das Siebengestirn der Plejaden (zu finden in
der rechten Verlängerung der drei Gürtelsterne).

Wir kennen dieses Sternbild von den Griechen - Orion, der große Jäger am Himmel. Es
gibt aber keine Kultur, die diese Konstellation nicht kennt - auch in der Bibel kommt sie
vor, so im Weisheitsbuch Ijob (38,31):

"Knüpfst du - ein Mensch - die Bande des Siebengestirns oder löst den Gürtel des
Orion? Kennst du die Gesetze des Himmels?"

Bei den Ägyptern hieß dieses Bild "sahu" und stand für Osiris, jenen Gott und Mensch
zugleich, der getötet wurde von seinem Widersacher (und Bruder) Seth und von seiner
Frau (und Schwester) Isis wieder zum Leben erstand. Man bemerke die Parallelen zum
Christentum: Osiris - Christus, was Wunder, waren doch die ersten christlichen
Theologen und Mönche Ägypter! Sterne waren für die alten Ägypter - und alle Völker
damals - nicht einfach Lichter am Himmel. Sie standen für die Seelen der Verstorbenen.

Der gestirnte Himmel war also ein großes kosmisches Geschichtsbuch - und was liegt
näher (so Bauval), als in den Gürtelsternen des Orion die drei Pyramiden von Giza
wieder zu erkennen. So lautet also Bauvals These: Alle Pyramiden der Vierten Dynastie
scharen sich um die Gürtelsterne der drei Giza-Pyramiden, so wie auch die anderen
Sterne des Orion, und selbst der Nil findet eine himmlische Entsprechung: in der
Milchstraße.

... und die Beweise

Jeder sollte die "Nagelprobe" selbst machen: Legt man eine Sternkarte und eine Karte
der Pyramidenstandorte übereinander, sieht man sofort, dass es "hakt".
Links: Karte der Pyramidenstandorte
Rechts: entsprechender Himmelsausschnitt um das Sternbild Orion
Mitte: Überblendung beider Karten.

Die drei Gürtelsterne al-Nitak - al-Nilam - Mintaka passen nur einigermaßen auf die
Pyramiden Cheops, Chefren, und Mykerinos und nicht, wie behauptet: "perfekt". Nur
oberflächlich stimmen die Positionen.

Berücksichtigt man alle astronomischen Effekte (wie die Eigenbewegung der Sterne -
bei über 4000 Jahren nicht zu verachten), dann ist die Übereinstimmung nur etwa 4
Prozent. Das klingt wenig, aber verglichen mit der unbestrittenen Super-Präzision der
gewaltigen Bauwerke ein eher klägliches Ergebnis.

Die anderen Orionsterne passen überhaupt nicht mehr: Beteigeuze, der hellste
Orionstern, liegt viel zu weit ab von der zu erwartenden Position. Bauval vermutet hier
die Pyramiden von Zawyat al-Aryan. Ebenso schlecht steht es um Rigel, den rechten
Fuß des Orion: Abu Ruwash liegt viel zu weit nord-östlich. Die Sterne Saiph, der linke
Fuß des Orion, oder Bellatrix, die linke Schulter des Orion, fehlen als Pyramiden ganz.

Es fehlen auch die in der Sternmythologie so wichtigen Sterne und Sternbilder Sirius,
der ja Isis entspricht, und das Siebengestirn der Plejaden und die Hyaden.

Auf diesem kläglichen Ergebnis einer "Übereinstimmung" mit einem Fehler von
insgesamt über 200 Prozent wundert es nicht, wenn man in den Büchern Bauvals eine
genaue Karte vermisst. Eine solche Karte zeigt nämlich auf einen Blick, dass die
Übereinstimmung - so verführerisch die These auch klingen mag - keine ist.

Der Orion-Mythos ist also zu schön, um wahr zu sein.

Also doch alles nur Zufall...?

Auch wir waren enttäuscht vom Orion-Mythos. Sollte alles nur Zufall sein, eine
Koinzidenz zwischen den Sternpositionen und Orten auf der Erde, ohne jeden dahinter
liegenden, geheimen Plan?

Am Beispiel Kölns wollen wir zeigen: (Leider) ja, es ist nur Zufall, Sternbilder "passen"
auf beliebige Karten, wenn man nur lange genug nach Übereinstimmungen sucht. Hier
ist unsere "Kölner" Lösung, die zeigt, dass auch Köln ein "Abbild des Himmels" ist.
Wir besorgten uns beim Katasteramt der Stadt Köln einen Ausschnitt aus der
Deutschen Generalkarte und suchten als markante Ortspunkte in der Kölner Innenstadt
Gebäude höher als die üblichen, also Hochhäuser oder Kirchen.

Ähnlich wie Bauval begannen wir bei den Gürtelsternen und wählten den Dom als den
Mittelpunkt. Schon war sie da, die Übereinstimmung: die drei Kirchen Groß-Sankt-
Martin, der Dom, Maria Himmelfahrt stehen exakt an Positionen wie die drei
Gürtelsterne.

Aber es geht noch weiter. Auch die Sterne Beteigeuze (ein Hochhaus am
Barbarossaplatz), Bellatrix (das höchste Gebäude von Köln: der Fernsehturm Colonius),
Rigel (ein Wohnhochhaus am Rheinufer) und Saiph (ein Studentenwohnheim der
Fachhochschule in Deutz) stehen an Positionen, wie sie die Himmelskarte diktiert. Es
bleibt einem der Atem stehen, aber es gibt noch viel mehr Übereinstimmungen. Mehr
sogar, als im eigentlichen Orion-Mythos: Selbst der helle Stern Sirius hat in Köln seine
irdische Entsprechung: ein Hochhaus in Rodenkirchen, und weit und breit kein anderes
hohes Gebäude in der Nähe.

Waren also in Köln doch geheime Pläne im Spiel, als man in heutiger Zeit daran ging,
Häuser und Türme zu bauen? Freimaurer, die auf mittelalterlichen Plänen fußend, das in
die Tat umsetzten, was Jahrhunderte vor ihnen weise Meister aufgezeichnet hatten? Wir
sind sicher: Ein solcher Plan existiert nicht. Aber verlockend sind solche Gedanken
schon.

ENDE DES ZITATS

Quelle:
Heinz Greuling / Westdeutscher Rundfunk, Sendung „Quarks & Co.“ vom 28.12.1999