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Spitzenposition bei der

Mitverbrennung von Klärschlamm


Heizkraftwerk Heilbronn
Das Heizkraftwerk Heilbronn verfügt über
den größten Steinkohleblock der EnBW Kraftwerke AG.

Die jüngste Anlage ist der 1985 fertig Per Schiff werden täglich bis zu 8.000 Ton-
gestellte Block 7. Neben der Stromerzeu- nen Kohle angeliefert und auf dem Kohle-
gung steht er auch zur Fernwärmever- lagerplatz zwischen Kraftwerk und Neckar
sorgung zur Verfügung. Für die Mitver- zwischengelagert. Von dort gelangt die
brennung von Klärschlamm in Block 7 Kohle über Förderbänder zu Kohlebunker
wurde 1998 die Genehmigung erteilt. und Kohlemühlen. Die Kohle wird staub-
fein gemahlen und dann in den Feuer-
Die Blöcke 5 und 6 gingen Mitte der raum des Kessels eingeblasen. Die Ver-
sechziger Jahre in Betrieb und sind heute brennung erfolgt bei Temperaturen um
– wie auch Block 7 – mit modernsten 1.200 Grad Celsius. Der Kessel hat eine
Rolf Seeger, Anlagen zur Rauchgasreinigung ausge- Bauhöhe von 120 Metern.
Leiter des Heizkraftwerks rüstet. Die Blöcke 1 und 2 wurden 1988
Heilbronn
stillgelegt, die Blöcke 3 und 4 hat man Aus dem Wasser, das sich in dem über
1997 in Kaltreserve genommen. 500 Kilometer langen Rohrsystem des
Kessels befindet, entsteht 545 Grad Cel-
Das Heizkraftwerk Heilbronn liegt in sius heißer Wasserdampf bei einem
einem Industrie- und Gewerbegebiet am Block 7 Druck von 190 bar. Der Dampf wird auf
Rande der Stadt unmittelbar am Neckar. die Schaufeln der Turbine geleitet und
Mit einer elektrischen Leistung von „Block 7 ist der größte Steinkohleblock treibt die Welle mit dem starr gekoppel-
1.020 Megawatt sowie einer thermi- am Standort Heilbronn und der EnBW ten Generator an. Es kommt zur Um-
schen Leistung von 300 Megawatt zur Kraftwerke AG“, erläutert Kraftwerksleiter wandlung der mechanischen in elektri-
Fernwärmeversorgung gehört es zu den Rolf Seeger. Der Block wurde 1985 fertig sche Energie. Der abgearbeitete, nur
großen Steinkohlekraftwerken der EnBW gestellt und hatte schon damals Schritt- noch ca. 35 Grad Celsius warme Dampf
Kraftwerke AG. Von den ursprünglich macherfunktion in Sachen Umweltschutz. gelangt anschließend in den Konden-
sieben Blöcken sind heute noch drei in Zentrale Berührungspunkte des Kraft- sator. Dort wird er wieder in Wasser
Betrieb. werks mit der Umwelt sind durch die umgewandelt. Der Wasser-Dampf-Kreis-
Medien Luft und Wasser gegeben. Mög- lauf im Kraftwerk beginnt aufs Neue.
liche Beeinträchtigungen von Luft und
Wasser sind jedoch durch den Einsatz
modernster Technik äußerst gering. Bei
der Verbrennung von Kohle fallen als
Umwelt belastende Emissionen vor allem
Stickoxide, Staub und Schwefeldioxid an.
Durch effiziente Rauchgasreinigungs-
anlagen (Entstickung, Entstaubung und
Entschwefelung) liegt der Schadstoff-
gehalt im Rauchgas unter den gesetzlich
vorgeschriebenen Grenzwerten.

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Revision von Block 7:
Sven Kraft ist als Schichtmitarbei-
ter im Rheinhafen-Dampfkraftwerk
Karlsruhe tätig, unterstützte aber
während der Revision von Block 7
im Sommer 2005 die Kollegen im
Heizkraftwerk Heilbronn. Unsere
Bilder zeigen ihn beim Verkeilen der
Wicklungen des Generators sowie
bei Inspektionsarbeiten am Abfang-
ventil der Mitteldruckturbine.

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Rauchgasentstickungsanlage

Oben: Kohlehalde und


Schiffsentlader vor Silos
für Flugstaub und Gips

Unten: Kohlehalde, Kühlturm


und Block 7

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Blick vom Neckar auf Kühlturm,
Bekohlungsanlage, Kesselhaus,
Rauchgasentstickungsanlage und
Schornsteine

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Die umwelt- und ressourcen-
schonende Klärschlamm-Mitver-
brennung

Seit Mitte 1998 verbrennen wir in Block 7 Seit 1. Juni 2005 verbietet die „Technische
zusammen mit der Steinkohle mecha- Anleitung Siedlungsabfall“ jedoch die
nisch entwässerten und thermisch getrock- Lagerung auf Hausmülldeponien. Die
neten Klärschlamm. „Dies ist im Kraft- thermische Verwertung im Kraftwerk ist
werkspark der EnBW einmalig“, hebt ein technisch problemlos möglicher
Seeger die Besonderheit des Standorts und zugleich umweltschonender Entsor-
Heilbronn hervor. Voraussetzung ist, gungsweg.
dass der Klärschlamm der Abfallklär-
schlammverordnung entspricht. Dieser Der zulässige Anteil von Klärschlamm
vom Menschen verursachte Abfall aus im Verhältnis zur Kohle beträgt maxi-
Kläranlagen wurde bisher zum großen mal fünf Prozent und ist auf maximal
Teil auf Deponien endgelagert oder in 70.000 Tonnen Trockensubstanz pro
der Landwirtschaft und im Rahmen von Jahr begrenzt. Die hohen Verbrennungs-
Rekultivierungsmaßnahmen in ausge- temperaturen sorgen dafür, dass die
beuteten Braunkohlelagern eingesetzt. organischen Schadstoffe, insbesondere
Halogenide, vollständig zerstört werden;
die im Klärschlamm enthaltene Rest-
feuchte verdampft. Umfangreiche Unter-
suchungen durch zertifizierte Labore
bestätigen, dass die Mitverbrennung von
Klärschlamm keinerlei Auswirkungen
auf die Reingas- und Reststoffqualitäten
aus dem Kraftwerksbetrieb hat.

Anlieferung von thermisch Klärschlammsilos und Anlieferung von mechanisch


getrocknetem Klärschlamm Annahmestellen für Klärschlamm entwässertem Klärschlamm

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Die Klärschlamm-Mitverbrennung

Im Kraftwerk Heilbronn werden Der mechanisch entwässerte Klär-


sowohl thermisch getrockneter als schlamm erreicht das Kraftwerk
auch mechanisch entwässerter Klär- per LKW. Er wird im Freien in den
schlamm verbrannt. Annahmebunker geleert und mit
Dickstoffpumpen in das 250 Kubik-
Der thermisch getrocknete Klär- meter große Vorratssilo gepumpt.
schlamm wird in Silozügen angelie- Eine zweite Dickstoffpumpe fördert
fert und in ein Silo befördert. Von den Klärschlamm von hier über eine
dort wird er in den Kohletagesbunker 150 Meter lange Leitung in die vier
transportiert und von hier zusammen Vorlagebehälter im Kesselhaus, die
mit der Kohle in die Mühle. In der jeweils einer Kohlemühle zugeord-
Mühle wird das Kohle-Klärschlamm- net sind. Über eine drehzahlgeregelte
Gemisch staubfein gemahlen und Austragschnecke gelangt der Klär-
auf eine Restfeuchtigkeit von ein bis schlamm in die Kohlemühlen, wo er
drei Prozent getrocknet. Über Rohr- zusammen mit Kohle und thermisch
leitungen gelangt das Gemisch zu getrocknetem Klärschlamm gemah-
den Brennern, wo es im Feuerraum len und getrocknet wird.
bei Temperaturen von ca. 1.200 Grad
Celsius verbrannt wird. Die Einrich- Derzeit sind wir dabei, am Standort
tungen bestehen im Wesentlichen aus Einrichtungen zu schaffen, mit denen
einem Silo mit mehreren 100 Kubik- bis zu 30.000 Tonnen mechanisch
metern Inhalt und einer Förderan- entwässerter Klärschlamm zusätz-
lage für den Klärschlamm. Aus zwei lich getrocknet und mit der Kohle
Pufferbehältern wird er direkt in verbrannt werden können.
den Kohlefallschacht vor den Mühlen
zudosiert. Die gesamte Anlage ist
geschlossen, so dass weder Staub
noch Gerüche freigesetzt werden.

Förderanlage für mechanisch


entwässerten Klärschlamm

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Flugzeugtriebwerke
zur Stromerzeugung
Kraftwerk Marbach
Bei Lastspitzen kommt
das Kraftwerk Marbach zum Einsatz.

Etwas außerhalb von Marbach befindet Marbach III ist eine ölbefeuerte Gas- und
sich direkt am Neckar ein EnBW-Kraft- Dampfturbinenanlage (Kombiblock).
werk, das heute dem Standort Heilbronn Bei der Inbetriebnahme 1974 hatte man
zugeordnet ist. Seit 1940 produzierte das diesen Kombiblock für die Abdeckung
Steinkohlekraftwerk Strom. Während der Mittellast vorgesehen. Auf Grund
des Zweiten Weltkriegs war es das bedeu- des Ölpreisanstiegs und der eingeleite-
tendste Kraftwerk der Energie-Versorgung ten „Weg-vom-Öl-Politik“ in den siebziger
Schwaben AG, einem Vorgängerunter- Jahren avancierte das Kraftwerk dann
nehmen der EnBW. In der Nachkriegszeit jedoch zu einem Spitzenlastkraftwerk
leistete es einen wichtigen Beitrag zum und übernahm die wichtige Funktion
Roland Tscharf, wirtschaftlichen Aufschwung. Mit dem der Erzeugungsreserve. Heute dienen
Schichtkoordinator Neubau technisch verbesserter und wirt- Marbach II und III als Sicherheitsreserve,
für die Kraftwerke Heilbronn,
Marbach und Walheim schaftlicher arbeitender Kraftwerke das heißt, sie müssen ständig betriebsbe-
an anderen Standorten ging die Strom- reit sein.
erzeugung in Marbach in den sechziger
Jahren zurück. Zuerst dienten die älteren Im Januar 2005 haben wir den Dampfteil
Anlagen, bald das ganze Kraftwerk nur des heizölbefeuerten Blocks Marbach III
noch als Kaltreserve. 1981 legte man den im Rahmen von Reaktivierungsmaß-
Kraftwerksblock Marbach I endgültig still. nahmen wieder in Betrieb genommen.
Der Dampfblock war 1998 konserviert
1970 ging der Block Marbach II mit einer und abgeschaltet worden; in Spitzenlast-
Gasturbinenanlage in Betrieb; Strahl- zeiten diente bei Bedarf nur die Gas-
triebwerke der Firma Rolls Royce treiben turbine zur Erzeugung von Strom. Heute
die Nutzleistungsturbine an. „Diese An- versorgt das Dampfkraftwerk wieder
lage dient heute noch zur Erzeugung von Industriebetriebe und Haushalte mit
Spitzenlast und als Minutenreserve“, er- Strom.
klärt Roland Tscharf.
Insgesamt verfügt der Standort Marbach
mit den Blöcken II und III heute über eine
Leistung von 395 Megawatt.

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Gasturbine II

Links: Schaltanlage

Rechts: Überwachung
der Messdaten im Leitstand

Unten: Gasturbine III

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Kohle und Öl am Neckar
Kraftwerk Walheim

Im Rahmen von Reaktivierungsmaßnahmen wurde Block 1


am 1. Januar 2005 wieder in Betrieb genommen.

Das Kraftwerk Walheim wurde in den Mit einer Stickoxidminderungsanlage


Jahren 1962 bis 1967 von der Neckarwerke für einen Schmelzkammerkessel mit
Elektrizitätsversorgungs-AG gebaut. Es Ascherückführung betrat man dabei
verfügt über zwei kohlebefeuerte Blöcke. technisches Neuland; das Umweltbundes-
Block 1 ging im September 1964 ans Netz, amt förderte deshalb diese Anlage. Die
Block 2 im August 1967. Gasturbine wurde 1990 für einen stick-
oxidarmen Betrieb nachgerüstet.
Im Winter 1981/1982 wurde im Kraftwerk
Walheim eine mit leichtem Heizöl befeu- Im April 2000 hatten wir Block 1 konser-
erte Gasturbine in Betrieb genommen, viert und in Kaltreserve genommen. Im
die in einem eigenen Gebäude unter- Rahmen von Reaktivierungsmaßnahmen
gebracht ist. Da sie in wenigen Minuten in unserem Kraftwerkspark nahmen wir
angefahren werden und Strom ins Netz die Anlage am 1. Januar 2005 wieder in
einspeisen kann, wird sie bei Bedarfs- Betrieb.
spitzen eingesetzt und dient als Reserve.

Jürgen Weigelt, Standortkoordinator


für die Kraftwerke Marbach und Walheim,
erläutert: „Die beiden Kohleblöcke haben
wir von 1987 bis 1989 mit hohem Auf-
Oben: Jürgen Weigelt, Standort- wand umwelttechnisch nachgerüstet.“
koordinator für die Kraftwerke Für umgerechnet rund 90 Millionen Euro
Walheim und Marbach
– die Baukosten des Kraftwerks hatten
Unten: Sprühabsorber in der in den sechziger Jahren nur drei Viertel
Rauchgasentschwefelungsanlage dieser Summe betragen – wurden Anla-
gen zur Entschwefelung und Stickoxid-
minderung der Rauchgase eingebaut.

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Die Wasseraufbereitung

In allen Kraftwerken ist Wasser in


Form von Speisewasser ein wichti-
ges Hilfsprodukt zur Übertragung
der Wärme der Rauchgase und damit
zur Stromerzeugung. Das Speise-
wasser wird aus Brunnen- und
Oberflächenwässern gewonnen. Um
Ablagerungen in den Rohrleitungen
des Kreislaufs zu verhindern, ist
eine aufwändige Wasseraufbereitung
notwendig. Das Kraftwerk Walheim
verfügt seit 1991 über eine moderne
Anlage nach dem Prinzip der Um-
kehr-Osmose, die Menge und Salz-
gehalt des Abwassers minimiert.
Mehrere Reinigungsstufen sind hin-
tereinander geschaltet: Ein Kies-
filter befreit das Wasser zunächst
von Schwebstoffen. Danach wird es
in einem Kationentauscher enthärtet.
Ein Riesler treibt das Kohlendioxid
aus. Die Umkehr-Osmose-Anlage
befreit das Wasser vom größten Teil
seiner Salzfracht. In der Endreini-
gungsstufe fließt das deionisierte
Wasser durch einen Multistep-Filter,
der Restsalze mit Hilfe eines Anio-
nen- und Kationentauschers entfernt.

Damit sich der aus den Turbinen


kommende Dampf in den Konden-
satoren niederschlagen, also in
Wasser verwandeln kann, wird Kühl-
wasser benötigt. Das aus dem
Neckar entnommene Kühlwasser
wird mechanisch gereinigt. So
„fischt“ das Kraftwerk täglich meh-
rere Lastwagenladungen Treibgut
und Abfall aus dem Fluss, die dann
entsorgt oder verwertet werden
können. Die Flussökologie wird eben-
falls unterstützt, indem bei der
Rückleitung bei Bedarf Luft in das
gereinigte Flusswasser eingeblasen
wird, um seinen Sauerstoffgehalt
zu erhöhen. Links: Bedientafel
der Vollentsalzungsanlage

Rechts: Michael Preuss,


Umweltmanagementbeauftragter

Unten: Vollentsalzungsanlage

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