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DZPhil 2016; 64(6): 978–989

Walter Jaeschke*, Birgit Sandkaulen


Friedrich Heinrich Jacobi – Werke und
Briefwechsel
DOI 10.1515/dzph-2016-0071

Abstract: It’s only recently that an edition of Friedrich Heinrich Jacobi’s work may
be judged appropriate to his philosophical significance, which was emphasized
by Fichte and Hegel but later misjudged. Apart from one volume of commentary,
the complete edition of Jacobi’s writings has been compiled. Following a long
break the complete edition of his correspondence is currently entering its final
phase. Both editions will be accompanied by an online dictionary of Jacobi’s
key concepts that also take into account his influence on the epoch of Classical
German Philosophy.

Keywords: Friedrich Heinrich Jacobi, Fichte, Hegel, philosophical editions, Clas-


sical German Philosophy

1 F riedrich Heinrich Jacobi:


Wendepunkt und fester Halt
Die Zeiten, in denen man Friedrich Heinrich Jacobi erst vorstellen und ihn von
seinem älteren und zunächst berühmteren Bruder, dem anakreontischen Dichter
Johann Georg unterscheiden mußte, sind vorüber – zum Glück für die Erforschung
der Klassischen Deutschen Philosophie. Vorüber sind auch die Zeiten, in denen
man Jacobi vor dem so völlig verfehlten Epitheton des „Glaubens- und Gefühls-
philosophen“ in Schutz nehmen mußte – auch wenn es immer noch hier und da
durch ignorante Subkulturen geistern mag. Es ist ja nichts beharrlicher als das
Nichtwissen – nicht das philosophische Nichtwissen, für das auch Jacobi steht,
sondern das Nichtwissenwollen, das sich gegen jede bessere Einsicht immuni-

*Kontakt: Prof. Dr. Walter Jaeschke, Ruhr-Universität Bochum, Hegel-Archiv, Overbergstraße 17,
44780 Bochum; walter.jaeschke@rub.de
Prof. Dr. Birgit Sandkaulen, Ruhr-Universität Bochum, Institut für Philosophie I, 44780 Bochum;
birgit.sandkaulen@rub.de

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 Friedrich Heinrich Jacobi – Werke und Briefwechsel   979

siert. Wegen solch irreführender Unterstellungen in der Vergangenheit hat Jacobi,


teilweise bis in die gegenwärtige Forschung, mit einem sekundären – wenn nicht
tertiären – Rang hinter den großen Namen seiner Zeit – Kant, Fichte, Schelling
und Hegel – vorlieb zu nehmen. Daß diese Einschätzung dem mehrfach und mit
Nachdruck geäußerten Urteil etwa Fichtes und Hegels strikt zuwiderläuft, hat bis
vor kurzem wenig gestört. Fichte schätzt Jacobi ja noch über Kant hinaus, und
Hegel schreibt 1819, nach Jacobis Tod, an seinen und Jacobis Freund Niethammer,
man fühle „sich immer verlassen, je mehr dieser alten Stämme, zu denen [man]
von Jugend an hinaufgeschaut hat, eingehen. Er war einer von denen, die einen
Wendepunkt der geistigen Bildung der Zeit sowie der Individuen formierten und
die für die Welt, in der wir uns unsere Existenz vorstellen, einer der festen Halte
waren.“1 Knapper und treffender kann man dies nicht sagen.
Ein „Wendepunkt“ ist Jacobis Werk, sofern es – sowohl gegenüber der Meta-
physik der frühen Neuzeit als auch gegenüber der inzwischen ebenfalls in die
Jahre gekommenen und dogmatisch gewordenen späten Aufklärung  – einen
neuen Problemhorizont eröffnet und den entschieden zu engen, letztlich durch
die dogmatisch verfestigte vorkritische Metaphysik begrenzten Kanon der zeitge-
nössischen Philosophie hinter sich läßt. Erinnert sei hier nur an die drei großen,
für die Jahre um 1800 repräsentativen philosophisch-literarischen Streitsachen:
an den um Jacobis Wiederbelebung Spinozas zentrierten Pantheismus-Streit
(1785/86), den Atheismus-Streit (1798/99) und den Theismus-Streit (1811/12), die
Jacobi teils ausgelöst, teils zum gedanklichen Abschluß geführt hat und an denen
jeweils ein weiter Kreis von Philosophen, Theologen und Dichtern teilgenom-
men hat. Erinnert sei aber auch an Jacobis Plädoyer für den erkenntnistheoreti-
schen Realismus und die damit verbundene wirkungsmächtige Kritik an Kant –
zunächst in seinem David Hume über den Glauben oder Idealismus und Realismus
(1787) und insbesondere in der dazu geschriebenen „Beylage. Ueber den trans-
scendentalen Idealismus“ und ein gutes Jahrzehnt später in seiner Kant-Kritik
in Ueber das Unternehmen des Kriticismus, die Vernunft zu Verstande zu bringen
(1802)2 – um nur diese wenigen Schriften zu nennen. Mit ihnen ist Jacobi für seine
Zeitgenossen ein vielgelesener, viel zitierter und geachteter Autor geworden  –
der „mit Kant gleichzeitige Reformator der Philosophie“, so Fichte, auch wenn
er gelegentlich eben deshalb zur Zielscheibe erbitterter Kritik geworden ist.
Und nicht zu vergessen sind auch seine damals vielgelesenen ‚Philosophischen
Romane‘ Eduard Allwill und Woldemar.3 Das systematische Interesse, das Jacobi

1 Hegel an Niethammer, 26.3.1819, in: Hegel (1969), 213.


2 Jacobi (1998 ff.; im Folgenden JWA), Bd. 2, 9–112 bzw. 261–330.
3 Ebd., Bd. 6 bzw. Bd. 7.

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damals galt, stellt seine Bedeutung außer Frage und setzt in großem Umfang
auch Perspektiven für die gegenwärtige Auseinandersetzung frei. Wie in allen
anderen Fällen muß sein Werk dafür allerdings auch verfügbar sein.

2 Jacobis Ausgabe seiner Werke


Es ist ein Indiz für die literarische Präsenz Jacobis in den damaligen Diskursen,
daß er wohl der erste Philosoph ist, der gegen Ende seines Lebens eine Ausgabe
seiner Werke begründet, die seiner Absicht nach eine Gesamtausgabe sein sollte.
Dies erscheint auf den ersten Blick als ein Glücksfall  – denn wer könnte wohl
einen besseren Überblick über das Werk haben als sein Autor? Es ist nicht zu ent-
scheiden, was den Ausschlag zu diesem Plan gegeben hat: Jacobis Nähe zur Lite-
ratur, in der solche immer neuen Gesamtausgaben ja durchaus üblich gewesen
sind, oder die spezifische Struktur seines Werkes, das nicht die großen Haupt-
werke kennt, die die allgemeine Rezeption prägen – wie dies etwa für Kant oder
für Hegel der Fall ist –, sondern eine Vielzahl kleinerer Schriften, die dann häufig
durch Beilagen erst eigentlich ‚Werkformat‘ erhalten haben.
Und doch: Was auf den ersten Blick als Glücksfall aussieht, erweist sich dem
späteren Blick als weniger günstig  – sogar als ausgesprochen hinderlich. Die
von Jacobi selbst initiierte, auf sechs Bände berechnete Ausgabe erscheint – und
dies nicht nur aus der strengen Perspektive der modernen Editionsphilologie –
als bunt zusammengewürfelt, wenn nicht als chaotisch. Ihr erster Band enthält
Jacobis ‚Briefroman‘ Eduard Allwills Briefsammlung – und zwar die zu Beginn des
Jahres 1792 erschienene, damals unter großem Zeitdruck zusammengestellte und
für die Publikation in den Werken zwei Jahrzehnte später nur noch geringfügig
überarbeitete Fassung, während die bis in die Mitte der 1770er Jahre zurückrei-
chenden früheren Fassungen, die erst erkennen lassen, aus welchen Anstößen
Jacobis Konzeption erwächst, keinen Eingang in die Werke gefunden haben und
auch nicht einmal erwähnt werden. Um aber den durch diese Beschränkung
etwas schmalen Band etwas gewichtiger erscheinen zu lassen, nimmt Jacobi
noch eine Reihe ihm wichtiger Briefe in diesen Band auf, die jedoch mit dem
Eduard Allwill wenig zu tun haben. Und es ist fast überflüssig zu erwähnen, daß
diese als Beilage ausgewählten Briefe, den damaligen Usancen entsprechend,
mit entschlossener Hand redigiert sind.
An diesem ersten Band der Werke lassen sich bereits zwei wichtige Charak-
teristika dieser Ausgabe ablesen: zum einen der Verzicht auf eine entwicklungs-
geschichtliche Anlage, wie sie ja – wenn auch nur ganz rudimentär – sogar die
Abfolge der gedruckten Werke in der wenig späteren „Freundesvereinsausgabe“

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der Werke Hegels bestimmt. Man kann zwar geltend machen, daß Jacobis Arbeit
am Eduard Allwill bereits sehr früh einsetzt, nämlich im Umkreis seiner Bekannt-
schaft mit Goethe in der Mitte der 1770er Jahre – doch das Spezifikum der Fassung
von 1792, die dann wenig verändert in den ersten Band der Werke eingeht, liegt
in philosophischen Erörterungen, die weit über die frühen Vorstufen hinausge-
hen. Es ist zudem ohnehin kein inhaltlicher Grund gewesen, den Allwill im ersten
Band der Werke zu präsentieren, sondern der ausdrückliche Wunsch des Leipzi-
ger Verlegers, der sich von diesem Einstieg wohl die größte Aufmerksamkeit des
Publikums versprochen hat.
Das andere Charakteristikum, das sich an diesem ersten Band der Werke
ablesen läßt, ist die Aufhebung der Grenze zwischen „Werk“ und „Brief“ – und
dies nicht zufällig. Im Gesamtwerk Jacobis ist die Grenze zwischen ‚eigent-
lichem‘ Werk und Brief ja fließend; mehrere seiner „Werke“ sind aus Briefen
hervorgegangen  – und insbesondere jenes Werk, das Jacobis Reputation als
Philosoph begründet hat: seine Schrift Über die Lehre des Spinoza in Briefen an
den Herrn Moses Mendelssohn (1785). Aber es ist doch etwas anderes, ob, wie hier,
ein Werk aus Briefen erwächst, oder ob beliebige Briefe letztlich als ‚Füllmaterial‘
in eine Ausgabe aufgenommen werden, um einzelnen Bänden den erwünsch-
ten Umfang zu verschaffen. Genau dies aber ist Jacobis Vorgehen: Dem zweiten
Band der Werke gibt er Briefe an Nicolai und an Jean-François La Harpe bei, dem
dritten Band gar 23 „Briefe an Verschiedene“, und dem vierten Band, der im Kern
die Briefe „Ueber die Lehre des Spinoza“ enthält, fügt der Herausgeber Friedrich
Roth – wie er berichtet, auf ausdrücklichen Wunsch Jacobis – in einer „Dritten
Abtheilung“ „J. G. Hamann’s Briefwechsel mit F. H. Jacobi“ an. Im fünften Band
folgt  – etwas überraschend  – Jacobis zweiter ‚Roman‘, Woldemar, ebenfalls
nur in der späten und für die Publikation in den Werken nur noch geringfügig
überarbeiteten Fassung von 1796, und der sechste Band macht nun vollends den
Eindruck eines ‚Lumpensammlerbandes‘, in den all das hineingepackt ist, was
in den anderen Bänden keinen Ort gefunden hat und doch auch nicht fehlen
sollte – obgleich auch hier so wichtige frühe Abhandlungen wie die „Politischen
Rhapsodien“ aus dem Jahre 1779 stehen, in denen Jacobi sich als Wirtschafts-
fachmann und als Anhänger Adam Smiths vorstellt, oder seine scharfe Kritik an
Christoph Martin Wielands Lehre vom „göttlichen Recht der Obrigkeit“, mit der
Jacobi sich als einer der profiliertesten politischen Denker der 1780er Jahre prä-
sentiert. Doch um dies in seinem ganzen Gewicht sichtbar zu machen, hätte diese
Abhandlung im Kontext von Jacobis „Etwas das Lessing gesagt hat“ (1782), also
im zweiten Band der Werke, veröffentlicht werden müssen; das Sammelsurium
der recht willkürlich und wohl auch ziemlich ratlos zusammengewürfelten Bei-
träge erlaubt es hingegen nicht, das Profil seines philosophischen Schaffens klar
zu erkennen.

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Noch schlechter ist es freilich all jenen Texten ergangen, die Jacobi ganz aus
der Ausgabe seiner Werke ausgeschlossen hat. Für diesen Ausschluß ist jedoch
ein Prinzip erkennbar: Solche Texte, die stark an vorgegebenen literarischen Vor-
lagen orientiert sind – wie zum Beispiel Jacobis im „Teutschen Merkur“ erschie-
nenes „Fragment einer Reise nach Spanien“, dem Beaumarchais’ „Quatrième
mémoire“ zu Grunde liegt, also die Vorlage auch für Goethes Clavigo  –, hat er
nicht unter seine Werke aufgenommen. Diese Zurückhaltung ist nicht unver-
ständlich, und sie ist auch sehr honorig – doch werden hierdurch wichtige Seiten
insbesondere seines frühen Interesses und Schaffens ausgeblendet. Allerdings
wird auch dieses  – nirgends so formulierte  – Prinzip wieder durchbrochen,
indem Jacobi seine Schrift „Ueber das Buch: Des lettres de Cachet und eine Beur­
theilung desselben“, in der er sich mit viel Sympathie auf ein Werk Mirabeaus aus
den Jahren vor dessen Wirken im Kontext der Französischen Revolution stützt,
in Band II seiner Werke aufnimmt, ebenso wie er auch einen Brief Fürstenbergs
sowie die von Moses Mendelssohn und Christian Wilhelm Dohm stammenden
„Gedanken Verschiedener“ über sein „Etwas das Lessing gesagt hat“ unter seine
Werke aufnimmt.
Es fällt somit schwer, eine Form der Präsentation des Jacobischen Werks zu
imaginieren, die mit diesem noch gewalttätiger verführe als die von ihm selbst ini-
tiierte Ausgabe seiner Werke – denn diese richtet sich weder nach der Chronologie
noch nach der sachlichen Zusammengehörigkeit seiner Schriften. Und doch hat
diese Ausgabe bis vor zwei Jahrzehnten als alleinige Grundlage für das Studium
der Philosophie Jacobis gedient. Hierzu hat noch eines beigetragen: Sie ist in
Form eines handlichen und preisgünstigen Nachdrucks präsent gewesen. So
zeigt sich auch hier wie in mehreren anderen Fällen – etwa auch im Blick auf das
Werk Hegels – eine merkwürdige Ambivalenz: So begrüßenswert es einerseits ist,
daß philosophische Ausgaben in günstigen Nachdrucken verbreitet werden, so
kann dies doch andererseits eine vorhandene Mißstände stabilisierende Funk-
tion haben. Der ‚Markt‘ ist durch die billigen Nachdrucke versorgt, und die Frage,
ob denn das, womit er versorgt ist, eine wissenschaftlich zu verantwortende
Edition sei, wird in den Hintergrund verdrängt.

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 Friedrich Heinrich Jacobi – Werke und Briefwechsel   983

3 Jacobis „Auserlesener Briefwechsel“


Was hier über Jacobis Werke gesagt worden ist, gilt – mutatis mutandis – auch
für seinen Briefwechsel. Nach Hegels Tod hat es rund ein halbes Jahrhundert
gedauert, bis eine Ausgabe seines Briefwechsels erschienen ist – nach dem Tod
Jacobis hingegen nur sechs Jahre: Darin spiegelt sich die Bedeutung des Mediums
Brief für Jacobi, aber auch das breite Interesse an seinen Briefen. Friedrich Roth,
der Freund Jacobis, von dem oben bereits im Kontext der Ausgabe der Werke die
Rede gewesen ist, hat Jacobis „Auserlesenen Briefwechsel“ in den Jahren 1825
und 1827 in einer zweibändigen Ausgabe herausgegeben, die ebenfalls in einem
preisgünstigen Nachdruck vorliegt – was wiederum den Eindruck unterstreicht,
daß somit für alles bestens gesorgt sei. Aber auch hier ist das Gegenteil der Fall.
Roth hat diese Ausgabe nach dem damaligen Verständnis, wie eine Briefausgabe
aussehen solle, ediert – und dies bedeutet: Schutz der so kurz nach Jacobis Tod
zum Teil ja noch lebenden Personen, Weglassen alles in irgendeiner Weise für
im Briefwechsel genannte Personen Kompromittierenden, Ausschluß von Korres-
pondenzpartnern, die in den Augen Jacobis und seiner Freunde zur persona non
grata geworden sind – etwa Schellings. Roth hat, wie er fast stolz schreibt, auch
in großem Umfang Briefe vernichtet – und damit hat er teils auf ausdrückliche
Weisung, teils im Sinne Jacobis gehandelt, der sich ja über Jahrzehnte hinweg
immer wieder vehement gegen die Veröffentlichung von Briefen jüngst Verstor-
bener oder gar noch Lebender ausgesprochen hat.4 Aber auch abgesehen von
diesem persönlichkeitsrechtlich ‚sensiblen‘ Bereich: Roth hat sich eine weitge-
hende Freiheit zur Auswahl des in seiner Perspektive Überlieferungswürdigen
genommen, und damit zugleich die Freiheit zur Montage eines Briefes aus zwei
zeitlich nicht zu weit entfernten Briefen – insbesondere dann, wenn weite Partien
ihres Inhalts der Schere des Herausgebers zum Opfer gefallen sind, so daß es als
probates Mittel erschien, aus den Restbeständen einen neuen Brief zusammenzu-
flicken. Man muß jedoch im Blick haben, daß ein solches Vorgehen damals, als
es ja noch keine ausdrücklichen Persönlichkeitsschutzrechte gab, allgemein als
legitim, ja als wünschenswert vor Augen stand. Wie stark er in die von ihm her-
ausgegebenen Briefe eingegriffen hat, läßt sich leider wegen des weitgehenden
Verlustes der Manuskripte nur noch an wenigen Fällen aufzeigen.
In welchem Maße der von Roth herausgegebene Briefwechsel „auserlesen“
ist, wie wenig er den Anspruch erheben kann, die Ausgabe des Briefwechsels
Jacobis zu sein, ist erstmals durch die Ausgabe des Briefwechsels durch Rudolf
Zoeppritz deutlich geworden, die gleichsam eine zweite Hälfte des Jacobischen

4 Vgl. insbes. ders. (1806) (nicht in die Werke aufgenommen; vgl. jetzt aber JWA Bd. 5,1, 255–319).

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Briefcorpus veröffentlicht hat.5 Gleichwohl hat es danach nochmals mehr als ein
Jahrhundert gedauert, bis im Zuge der Begründung mehrerer historisch-kriti-
scher Ausgaben – Hölderlins, Fichtes, Hegels, Schellings und Schleiermachers –
auch kritische Ausgaben des Briefwechsels und der Werke Jacobis auf den Weg
gebracht worden sind.

4 Friedrich Heinrich Jacobi: Briefwechsel


Die um 1970 begründeten großen historisch-kritischen Ausgaben der eben
Genannten sind überwiegend in Abteilungen für Werke, Nachlaß und Briefe (und
gegebenenfalls für weitere Sparten des jeweiligen Gesamtwerks) untergliedert.
Auch für das Gesamtwerk Jacobis hätte sich analog die Untergliederung eines
einheitlichen Projekts in „Werke“ und „Briefe“ nahegelegt, doch haben unter-
schiedliche Interessenlagen in Verbindung mit bekannten allzumenschlichen
Motiven dies – nicht eben zum Vorteil des Gesamtprojekts – verhindert: Werke
und Briefe sind lange Zeit in voneinander unabhängigen Projekten unter unter-
schiedlicher Trägerschaft und bei unterschiedlichen Verlagen ediert worden, bis
schließlich vor gut einem Jahrzehnt, im Jahre 2003, die zwar immer noch getrenn-
ten Ausgaben der Werke und Briefe wenigstens in einer Herausgeberhand zusam-
mengeführt worden sind.6
Der erste Band des Briefwechsels ist bereits 1981 erschienen, wenige Monate
nach dem Ableben des einen Herausgebers, Siegfried Sudhoff. Danach aber hat
dieses Projekt eine recht windungsreiche und nicht immer glückliche Geschichte
gehabt: Während die Bände 1 bis 3 der Reihe I (Text), unterstützt durch die Deut-
sche Forschungsgemeinschaft, in rascher Folge in den Jahren 1981, 1983 und
1987 erschienen sind, dauerte es 16 weitere Jahre, bis im Jahr 2003 Band 4 der
Textreihe (nunmehr im Rahmen der Gesamtausgabe der Bayerischen Akademie
der Wissenschaften) publiziert worden ist – und dies ist angesichts der Ausstat-
tung des Projekts mit zwei wissenschaftlichen Stellen eine allzu große Lücke,
auch wenn in der Zwischenzeit aus der Reihe II (Kommentar) die Bände 1 (1989,
unterstützt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft) sowie 2 und 3 (1997
bzw. 2001, beide unter dem Dach der Bayerischen Akademie der Wissenschaften)
erschienen sind. Die Union der deutschen Wissenschaftsakademien hat deshalb
den Beschluß gefaßt, das Projekt zum Jahresende 2005 einzustellen  – und sie

5 Ders. (1869).
6 Ders. (1981 ff.) (im Folgenden: JBW); JWA.

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 Friedrich Heinrich Jacobi – Werke und Briefwechsel   985

hat diesen Beschluß leider auch nicht revidiert, als im Jahr 2003 Walter Jaeschke
als neuer Projektleiter eingesetzt wurde und Ende 2005 auch noch ein weiterer
Textband, Band 5, erschien.
Hieran haben sich von 2006 bis 2012 sieben magere Jahre angeschlossen, in
denen der Projektleiter versucht hat, das Unternehmen durch einzelne Zuwen-
dungen wie auch durch Lehrstuhlmittel in Gang zu halten. Auf Antrag von Dieter
Henrich als Vorsitzendem der Jacobi-Kommission der Bayerischen Akademie der
Wissenschaften haben diese wie auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft das
Erscheinen der Textbände 6 und 7 und die Bearbeitung der zugehörigen Kommen-
tarbände ermöglicht; der Projektleiter hat, gestützt auf vorhandene Vorarbeiten
unterschiedlichen Umfangs, die Kommentarbände 4 und 5 zum Druck befördert.
Ganz besonders erfreulich und sehr hilfreich ist es in dieser Situation gewesen, daß
sich die Gerda-Henkel-Stiftung, Düsseldorf, bereitgefunden hat, das Erscheinen des
Briefwechsels bis zum September 1794, also bis zum Zeitpunkt von Jacobis Flucht
vor den französischen Revolutionstruppen nach Norddeutschland, zu unterstüt-
zen – und dies zu einer Zeit, zu der die bekannten Träger derartiger Ausgaben bei
Finanzierungsanfragen nur abgewinkt haben. Die Gerda-Henkel-Stiftung hat hier
mehr Verständnis für die Wichtigkeit dieses Projekts für die Klassische Deutsche
Philosophie bewiesen als die ‚professionellen‘ Fördereinrichtungen. Nicht zuletzt
diese generöse Förderung durch die Gerda-Henkel-Stiftung ist eine wichtige Vor-
aussetzung dafür gewesen, daß unser Antrag, das Projekt „Jacobi: Briefwechsel“
erneut in das Akademienprogramm des Bundes und der Länder aufzunehmen,
erfolgreich gewesen ist; ein weiterer wichtiger Aspekt mag der Plan sein, vom Jahr
2019 an ein Online-Wörterbuch zur Philosophie Jacobis zu erarbeiten. Seit Beginn
des Jahres 2013 ist das Projekt nun an der Sächsischen Akademie der Wissenschaf-
ten zu Leipzig angesiedelt; es stehen wiederum zwei Stellen für Wissenschaftliche
Mitarbeiterinnen und eine Stelle für eine Wissenschaftliche Hilfskraft zur Verfü-
gung (und künftig eine weitere Stelle zur Betreuung des Online-Wörterbuchs).
Es ist sehr erfreulich, daß sich diese wechselvolle Geschichte des Briefwech-
sels auf sein Erscheinungsbild nur marginal ausgewirkt hat – und dies vor allem
deshalb, weil in allen Turbulenzen, bei der raschen Fluktuation der Trägerinsti­
tutionen und beim Wechsel der Projektleiter, der Verlag Frommann-Holzboog
als ein ruhender, stabilisierender Pol gewirkt hat. Zu größeren Modifikationen
der Konzeption der Ausgabe ist auch kein Anlaß gewesen. Etwas unglücklich ist
lediglich die Trennung zwischen den Reihen „Text“ und „Kommentar“, weil hier-
durch bei der Aufstellung der Bände – sofern man die Einheit der Reihen wahrt –
der Text- und der zugehörige Kommentarband auseinander gerissen werden. Aber
dies läßt sich ja leicht verschmerzen. Wichtiger ist etwas anderes: Die Edition des
Jacobi-Briefwechsels zeichnet sich vor den vorhin genannten Briefausgaben aus
dem Bereich der Klassischen Deutschen Philosophie in mehrfacher Weise aus.

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Was zunächst die Textbände betrifft: Es hat sich als ausgesprochen aufschluß-
reich herausgestellt, daß nicht mehr überlieferte Briefe, von denen es gewiß ist,
daß sie nicht nur geschrieben werden sollten, sondern geschrieben worden sind,
nicht in einen (nur von sehr wenigen gelesenen) Anhang verbannt, sondern in die
chronologische Abfolge der Briefe aufgenommen und nach Möglichkeit durch ein
Regest inhaltlich erschlossen werden. Auf diese Weise wird das enge Gewebe der
Korrespondenz weit plastischer anschaulich – obschon es auch so noch überaus
lückenhaft ist. Um dies zu illustrieren: Wenn Jacobi einmal schreibt, er erhalte
von Johann Georg Schlosser eigentlich jede Woche einen Brief, so müßten dies
rund 50 Briefe pro Jahr sein – von denen aber nur noch rund fünf überliefert sind.
Man kann deshalb nur hoffen, daß es ein ‚vernünftiges‘ Prinzip der Selektion
gewesen ist, das uns diese Briefe aufbewahrt hat. Doch gerade wenn man sich
dessen bewußt sein muß, daß nur noch ein Bruchteil der damaligen Korrespon-
denz überliefert ist: Die Einbeziehung der erschlossenen Briefe in den Textteil ist
wenigstens ein Weg, die große Kluft zwischen der früheren Dichte der Korrespon-
denz und der heutigen Überlieferung notdürftig zu überbrücken.  – In anderer
Hinsicht ist der Jacobi-Briefwechsel aber auch bei anderen Ausgaben in die Lehre
gegangen: Nach dem Vorbild der Kritischen Gesamtausgabe Schleiermachers
wird den neueren Bänden (ab Band 6) neben dem „Chronologischen Briefver-
zeichnis“ ein alphabetisch geordnetes „Korrespondenzverzeichnis“ beigegeben,
das auf einen Blick erkennen läßt, welche „Von-“ und „An-Briefe“ zwischen den
Korrespondenzpartnern gewechselt worden und im Band wiedergegeben sind.
Der entscheidende Vorzug des Jacobi-Briefwechsels gegenüber den anderen
Briefausgaben besteht jedoch nicht in der Gestaltung der Bände der Textreihe,
sondern in ihrer umfassenden Kommentierung. Eine äußere Voraussetzung
hierfür bietet das Erscheinen von Text und Kommentar in getrennten Bänden;
denn so bequem es ja auch sein mag, den Kommentar jeweils am Fuße der Seite
lesen zu können, wie bei der Fichte- oder Schleiermacher-Edition: Der dort ver-
fügbare Platz ist notwendig recht begrenzt, und eine gründliche Kommentierung
erfordert allzu oft ein weites Ausholen, das sich nicht in die Fußnotenspalte
zwängen läßt. Dem Vorteil der Bequemlichkeit des Lesens steht somit ein Zwang
zur Beschränkung der Kommentierung entgegen, der sich in manchen Fällen
zwar auch heilsam auswirken mag, in anderen Fällen aber unausweichlich zu
Einbußen an der Qualität der Kommentierung führt. Die Kant-Ausgabe hingegen
hätte zwar nicht den Zwang zur Begrenzung, da sie die Kommentierung in den
Anhang verweist  – aber der Kommentar fällt dort (ohne Not) doch recht karg
aus, und zudem hat diese Anordnung den Nachteil, ständig zwischen Text und
Anmerkungen hin- und her blättern zu müssen.
Noch ein weiterer bedeutender Vorzug des Jacobi-Briefwechsels ist zu erwäh-
nen: die ausführliche Anlage der Register. Sie umfassen ein detailliertes Litera-

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 Friedrich Heinrich Jacobi – Werke und Briefwechsel   987

turverzeichnis, gegebenenfalls ein Verzeichnis der Bibelstellen, ein Verzeichnis


aller genannten Orte (und überhaupt geographischen Bezeichnungen), ein aus-
gewähltes Sachverzeichnis und ein Personenverzeichnis, das eben nicht nur die
Namen der Korrespondenzpartner auflistet, sondern alle im Text wie auch im
Kommentar genannten Personennamen, wobei hier wie auch bei den anderen
Registern durch die Drucktype (recte bzw. kursiv) markiert ist, welche Einträge
sich auf den Text und welche sich auf den Kommentar beziehen.
Mit dieser Anlage der Textdarbietung, der Kommentierung und der Register
übertrifft der Jacobi-Briefwechsel alle anderen Briefausgaben auf dem Gebiet der
Klassischen Deutschen Philosophie – und so ist es in dieser Hinsicht fast bedau-
erlich, daß das Ende der Ausgabe absehbar ist. Den beiden soeben fertiggestell-
ten Textbänden JBW I,11 und I,12, die Jacobis Briefwechsel aus dem hamburgi-
schen und holsteinischen Exil (1794–1798 bzw. 1799–1801) enthalten, sind noch
die Kommentarbände hinzuzufügen, und dann verbleiben nur noch drei Doppel-
bände: JBW I,13 umfaßt die Korrespondenz bis zum Ende der holsteinischen Zeit
Jacobis (1802–1805) und die Bände JBW I,14 und I,15 die Korrespondenz aus der
Münchener Zeit (1805–1819).

5 Friedrich Heinrich Jacobi: Werke


Etwa gleichzeitig mit der Planung der Ausgabe des Briefwechsels hat Klaus
Hammacher in den 1970er Jahren damit begonnen, eine auf sieben Bände veran-
schlagte Gesamtausgabe der Werke Jacobis zu planen. Sowohl ihre Vorgeschichte
als auch die Geschichte ihrer Verwirklichung ist jedoch erheblich geräuschloser
verlaufen als die des Briefwechsels: Um die Jahreswende 1994/95 hat er Walter
Jaeschke eingeladen, die Ausgabe gemeinsam zu erarbeiten; Ende 1998 hat die
Deutsche Forschungsgemeinschaft den Antrag auf Förderung  – auf höchstens
sieben Jahre – bewilligt, und gleichzeitig ist auch schon der erste Doppelband,
mit den Briefen Ueber die Lehre des Spinoza, im Verlag Felix Meiner erschienen;
der den Briefwechsel betreuende Verlag Frommann-Holzboog hat diesen Band
wie auch die Folgebände in sein Programm übernommen. Nur zwei Jahre später,
im Jahr 2000, ist auch schon Band 3 mit den Schriften zum  – damals noch so
genannten – „Streit um die Göttlichen Dinge“ erschienen, vorbereitet durch das
ebenfalls im Verlag Felix Meiner erschienene Projekt „Philosophisch-literarische
Streitsachen“, in dem Jacobis Schrift Von den göttlichen Dingen und ihrer Offen-
barung bereits in kritischer Form veröffentlicht worden ist, so daß es nur einer
Übernahme des Textes und der Erarbeitung eines Kommentars bedurfte.

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988   Walter Jaeschke, Birgit Sandkaulen

Dann allerdings haben sich Schwierigkeiten eingestellt: Es hat sich gezeigt,


daß die – um das Projekt nicht zu gefährden – beantragte Minimalausstattung
mit einer Wissenschaftlichen Mitarbeiterstelle nicht ausreicht, um sowohl die
Textbände mit der erforderlichen großen Anzahl der Varianten der verschiedenen
von Jacobi veranlaßten Drucke als auch die Kommentarbände in der erwünsch-
ten Qualität in kurzer Zeit fertigzustellen. Deshalb ist für die Bearbeitung in grö-
ßerem Umfang auf Lehrstuhlmittel von Walter Jaeschke zurückgegriffen worden,
um die editorisch sehr anspruchsvollen Bände möglichst in dem geplanten Zeit-
raum veröffentlichen zu können. Auf diesem Wege konnte bereits im Jahr 2004
der Doppelband mit den Schriften zum Transzendentalen Idealismus fertigge-
stellt werden, wobei hier – anders als in der Briefausgabe – Text und Kommen-
tar nicht verschiedenen „Reihen“ zugeordnet und auseinandergerissen werden,
sondern zwei Teilbände eines Bandes bilden (Band 2,1 bzw. 2,2). Gegen Ende der
Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, im Jahr 2006, ist sodann
der erste (Doppel-)Band der Kleinen Schriften (1771–1783, Band 4,1 und 4,2) und
der erste Textband der ‚Romane‘ Jacobis, Eduard Allwill (Band 6,1), erschienen.
Leider hat sich die Deutsche Forschungsgemeinschaft trotz des überaus erfolg-
reichen Verlaufs der Ausgabe – in den sieben Jahren von 1999 bis 2006 sind acht
starke Bände veröffentlicht worden! – nur zu einer Verlängerung der Förderung
um ein halbes Jahr bereitgefunden, was zwar hilfreich, aber in keiner Weise aus-
reichend und angemessen gewesen ist. Gleichwohl konnten im Jahr 2007 der
zweite Doppelband der Kleinen Schriften Jacobis (1787 bis 1817) und der Textband
des zweiten ‚Romans‘, Woldemar veröffentlicht werden – weil die leer gebliebene
Stelle der institutionellen Förderung durch erhöhtes Engagement der Beteiligten
wettgemacht worden ist. Auf diesem Wege ist nun – dank des Engagements des
Verlags Felix Meiner! – der noch fehlende Kommentarband zum Allwill (Band 6,2)
fertiggestellt worden. Ob es nun auch noch gelingen wird, den einzig noch ausste-
henden Kommentarband zum Woldemar (Band 7,2) zu erarbeiten und hierdurch
die Ausgabe zu vollenden, bleibt zu hoffen, ist aber noch nicht abzusehen.

6 Friedrich Heinrich Jacobi: Wörterbuch Online


Absehbar ist hingegen, daß das oben erwähnte Online-Wörterbuch demnächst
in die Phase der Erarbeitung eintreten wird. Wie der Name sagt, soll das Wör-
terbuch ausschließlich in elektronischer Form erscheinen. Dies hat den Vorteil,
Ergänzungen oder sonstige Modifikationen nach Bedarf flexibel vornehmen zu
können. Dabei wird der Stellenkommentar nicht verdoppelt, sondern um einen
entscheidenden Aspekt ergänzt: Ziel ist es, die Schlüsselbegriffe zu identifizie-

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 Friedrich Heinrich Jacobi – Werke und Briefwechsel   989

ren, anhand derer sich das Gesamtwerk Jacobis in seiner exemplarischen Ver-
netzung von Philosophie, Roman und Korrespondenz erschließen und in den
Diskurs der Epoche einbetten läßt. Wo immer es naheliegend und sinnvoll ist,
sollen Einflüsse kenntlich gemacht werden, denen Jacobi gefolgt ist und die er
umgekehrt auf den Denk- und Sprachgebrauch der Zeit um 1800 ausgeübt hat.
Daß der sich um 1800 vollziehende begriffsbildende Prozeß wesentlich auch ein
sprachbildender Prozeß gewesen ist, dessen Dynamik dem spezifischen Schreib-
und Darstellungsstil Jacobis erkennbare Anstöße verdankt, wird so im besten Fall
deutlich werden. Das Wortfeld von „Unmittelbarkeit“ und „Vermittlung“ ist dafür
nur ein, wenngleich ein besonders auffallendes Beispiel. Mit einem Wort: So wie
die Gesamteditionen der Werke und des Briefwechsels Jacobis richtet sich auch
das „Wörterbuch Online“ nicht nur an „Jacobi-Experten“. Im Gegenteil ist das
Projekt für die historisch-systematische Auseinandersetzung mit der Klassischen
Deutschen Philosophie insgesamt von großem Interesse.

Literatur
Hegel, G. W. F. (1969), Briefe von und an Hegel 2 (1813–1822), hg. v. Hoffmeister, J., Hamburg.
Jacobi, F. H. (1806), Was gebieten Ehre, Sittlichkeit und Recht in Absicht vertraulicher Briefe von
Verstorbenen und noch Lebenden? Eine Gelegenheitsschrift, Leipzig.
Jacobi, F. H. (1869), Aus F. H. Jacobi’s Nachlaß. Ungedruckte Briefe von und an Jacobi und
Andere. Nebst ungedruckten Gedichten von Goethe und Lenz, hg. v. Zoeppritz, R., 2 Bde,
Leipzig.
Jacobi, F. H. (1981 ff.), Briefwechsel. Begründet v. Sudhoff, S., u. Brüggen, M., hg. v. Jaeschke,
W. (ab Bd. 11: Jaeschke, W., u. Sandkaulen, B.), Stuttgart-Bad Cannstatt [JBW].
Jacobi, F. H. (1998 ff.), Werke. Gesamtausgabe, hg. v. Hammacher, K., u. Jaeschke, W., Hamburg
[JWA].

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