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Textsorten Leserbrief 2AS

Leserbrief Übung

Situation: Ihre beste Freundin möchte YouTube bzw. Instagram-Star werden, da sie in der Schule
keine guten Noten schreibt und der Meinung ist, dass man über YouTube sowieso mehr Geld
verdienen könne. Sie bricht deshalb die Schule ab und meidet den Umgang mit Ihnen, da die Freundin
findet, dass Sie nicht „schön genug“ und auch nicht modebewusst genug für Instagram und Co. seien
und ihrer angehenden Karriere somit im Weg stünden.

Lesen Sie nun die Textbeilage „Die neuen Päpstinnen“ von Anna Fastabend aus der Online-Ausgabe
der Tageszeitung „Die Zeit“ vom 21. Juli 2017.

Aufgabenstellung Argumentation

 Verfassen Sie 2 kritische Argumente gegen den Hype um Social-Media-Stars.


 Schreiben Sie pro Argument mindestens 50 Wörter.
 Beachten Sie unbedingt die 3-B-Regel (Behauptung, Begründung, Beispiel).
 Beziehen Sie die Situationsbeschreibung mit ein!

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Textbeilage 1

Die neuen Päpstinnen1


Instagram- und YouTube-Stars wie Dagi Bee zeigen: Jeder kann berühmt werden. Für junge
Mädchen ist dieser Hype gefährlich. Denn es trendet nur, wer "hot" ist.
Von Anna Fastabend
21. Juli 2017, 20:10 Uhr

Ihre Uhrzeit ist die goldene Stunde, weil dann die schönsten Porträtfotos entstehen, ihre
Plätze sind die, die am besten zu ihren Outfits passen, ihre Freunde sollten in jedem Fall
fotogen sein. Die Influencerinnen haben auf Instagram, bei YouTube und in anderen sozialen
Netzwerken die Herrschaft übernommen. Eine der selbst ernannten Stilpäpstinnen ist die 22-
jährige Caroline Daur. Sie präsentiert sich bei Instagram in unterschiedlichen Designer-
Outfits. Dabei folgen ihr mehr als eine Million Menschen. Auch die gleichaltrige YouTuberin
Dagi Bee (Dagmara Nicole Ochmanczyk) ist ein Instagram-Star. Sie wurde damit bekannt,
dass sie bei YouTube Mode- und Schminktipps gibt. Dort folgen ihr 3,5 Millionen, bei
Instagram sind es 4,8 Millionen. Wenn sie zur Autogrammstunde einlädt, entstehen
regelmäßig Massenaufläufe, wenn sie mit ihrer Modekollektion auf Deutschlandtournee ist,
sind die Tickets sofort ausverkauft. Verglichen mit Kim Kardashian, die bei Instragram
hundert Millionen Follower hat, sind die beiden deutschen Influencerinnen natürlich kleine
Lichter am Himmel der Social-Media-Stars. Dennoch stehen sie beispielhaft für eine neue
Generation von Vorbildern, die erfolgreich das Mädchen von nebenan verkörpern – das sie
in Wahrheit aber längst nicht mehr oder vielleicht nie gewesen sind. Daur, hellblaue Augen,
blond gefärbte Haare, studiert Betriebswirtschaftslehre. Ochmanczyk, einnehmendes
Lächeln, trägt ihre Haare mal blond, mal rosa, wollte ursprünglich Industriekauffrau werden.
Heute führen beide ein Leben, wie es früher Topmodels, Popstars und Schauspielerinnen
vorbehalten war. Eine moderne Version von Aschenputtel mit Designerkleidern und
Luxusreisen nach Amsterdam, Paris und Las Vegas. Mit zum Geschäft gehört, dass sie dabei
fast immer für Produkte werben. Dafür werden sie von den Unternehmen fürstlich bezahlt:
Schätzungen zufolge verdient Daur mit Instagram im Jahr rund 1 Million Euro, berichtet das
manager magazin. Auch Ochmanczyk kann mehr als gut von ihrer Netzberühmtheit leben.

So ein toller Look!

Dass es Daur und Ochmanczyk ins Rampenlicht geschafft haben, liegt an den Möglichkeiten
des Internets. Früher bestimmten ausschließlich Medienunternehmen, wer interessant
genug war, einem breiten Publikum präsentiert zu werden. Mit den neuen Technologien
aber etablierten sich Softwarelösungen, die auch Laien problemlos benutzen können,
erinnert Medienwissenschaftler Ramón Reichert in seinem Buch Amateure im Netz
(Transcript-Verlag, 2008) an die veränderte Mediennutzung seit dem Web 2.0. Aus passiven
Konsumenten sind multimedial versierte Meister der Selbstinszenierung geworden, schreibt
er. Auf einem Instagram-Foto posiert Daur in eng anliegendem Body und Minirock auf einem
palmenumwachsenen Balkon in Barcelona. Das Foto erhält innerhalb von 23 Stunden mehr
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https://www.zeit.de/kultur/2017-07/social-media-instagram-youtube-stars-generation-10nach8/seite-2
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als 47.000 Likes. Neben ihr steht Cindy Kimberly. Sie wurde übrigens dadurch bekannt, dass
Sänger Justin Bieber ein Foto von ihr postete, weil er wissen wollte, wer sich hinter der
hübschen Unbekannten verbirgt – heute hat sie 2,8 Millionen Follower. Und natürlich stehen
unter dem Bild die üblichen

Kommentare: "Du Schönheit, so ein toller Look." – "Du bist mein Vorbild!" Doch warum
haben Daur und Ochmanczyk plötzlich eine so große Anhängerschaft? Wieso gibt laut einer
aktuellen Studie von Bitkom mehr als jede*r dritte Jugendliche einen YouTube-Star als Idol
an, noch vor Schauspielern und Fußballern? Laut Albert Banduras Sozial-kognitiver
Lerntheorie werden vor allem diejenigen als Vorbilder ausgewählt, die eine gewisse
Ähnlichkeit mit einem selbst haben und denen man nacheifern kann. Und das geht bei
einem Social-Media-Star natürlich einfacher als bei einem unerreichbar schönen Model oder
einem talentierten Wunderkind. Mädchen seien während ihrer Pubertät besonders leicht
durch die sozialen Medien zu beeinflussen, erklärt Psychologin Catarina Katzer in
Cyberpsychologie (DTV-Verlagsgesellschaft, 2016). "Laut einer Untersuchung nehmen sich 85
Prozent der magersüchtigen jungen Mädchen dünne TV- und Internetschönheiten zum
Vorbild", schreibt sie.
Und was mein Vorbild kann, das kann ich schon lange, denken sich viele Teenager, von
denen tatsächlich immer mehr "YouTube-Star" als ihren Traumberuf angeben. Und damit
befinden sie sich in einer erbarmungslosen Mitmachfalle. Mehr als eine Milliarde Nutzer
weltweit sind – laut dem Unternehmen selbst – aktuell bei YouTube aktiv, rund 700
Millionen nutzen Instagram. Menschen hätten schon immer das Bedürfnis gehabt, sich in
Szene zu setzen, erklärt der New-Media-Experte Christian Stiegler im Sammelband New
Media Culture (Transcript Verlag, 2015): "Aber durch das Internet geschieht vieles davon in
leicht zugänglichen sozialen Netzwerken, in denen Bestätigung, Ablehnung und Verbreitung
der eigenen Inszenierung eine große Rolle spielen." Dabei sei ein regelrechter
Beliebtheitswettbewerb unter den digitalen Selbstdarstellern entbrannt, stellt Psychologin
Katzer fest.

Ein Wettbewerb, den Mädchen und Frauen wieder mal nur durch die Verkörperung des
heteronormativen Schönheitsideals gewinnen können. Je attraktiver sie sind, desto mehr
Herzen, Likes und Smileys fliegen ihnen zu. Ihr Aussehen ist so unauflöslich mit sozialer
Anerkennung verknüpft, dass es kein Wunder ist, wenn der Job des Models nach wie vor zu
den beliebtesten Berufen gehört, wie eine aktuelle Studie der Universität Siegen herausfand.
Der virtuelle Schönheitswettbewerb aber ist härter als alles bisher Dagewesene. Bei YouTube
und Instagram befindet sich das wirkliche Mädchen von nebenan in direkter Konkurrenz zu
ihrem großen Vorbild. Dort steht das amateurhafte Video oder Selfie plötzlich neben einem
professionellen Produkt, was ja gerade – und das ist das Perfide daran – oft genug von sich
behauptet, amateurhaft zu sein. Dies hängt die Messlatte, was Aussehen und Lebensstil
betrifft, extrem hoch. Neue Markenklamotten müssen her, und warum nicht die, die Daur
oder Ochmanczyk bei ihrem letzten Post getragen haben? Hinzu kommen Fotobearbeitungs-
Apps, mit denen Teenagerinnen die perfekte Version ihrer selbst produzieren. Eine Version,
die sich oft zum Verwechseln ähnlich sieht: schlank, zurechtgemacht und sexy.

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Stundenlange Schminkorgien

In ihrem Buch American Girls: Social Media and the Secret Lives of Teenagers (Knopf-Verlag,
2016) beschreibt Nancy Jo Sales die immense Belastung weiblicher Teenager, sich ständig
von ihrer attraktivsten Seite zeigen zu müssen. Bei ihnen spielt es laut der US-
amerikanischen Autorin immer noch eine viel größere Rolle, ob sie "hot" sind, als bei
männlichen. Daran sind nicht nur die Jungen schuld, auch Mädchen bewerten oft
unerbittlich. Für ihr Buch hatte Sales mehr als 200 US-amerikanische Mädchen zwischen 13
und 19 Jahren nach ihrem Verhältnis zu den sozialen Medien befragt.

Zu welch schrecklichen Konsequenzen die Vergötterung eines virtuellen Idols führen kann,
erzählen aktuell zwei künstlerische Arbeiten: Im Roman Sympathie von Olivia Sudjic (Kein &
Aber, 2017) fühlt sich Alice von der digitalen Identität einer japanischen Schriftstellerin
magisch angezogen und gerät in eine tiefe Krise, als die ihren Instagram-Account plötzlich
auf privat umstellt. Im Film Ingrid goes West von Matt Spicer, der auf dem diesjährigen
Sundance Film Festival lief und im August in den USA in die Kinos kommt, verfolgt und
attackiert eine psychisch labile Protagonistin ihre Instagram-Bekanntschaften. Die
permanente Beschäftigung mit dem perfekten Vorbild kann zu Minderwertigkeitskomplexen,
Stimmungsschwankungen und Depressionen führen. Und zu zwanghafter Selbstoptimierung,
bei der exzessiv Sport getrieben, strenge Diäten gehalten und stundenlange Schminkorgien
veranstaltet werden. Erhält der eigene Post dann viele Likes, entsteht eine Euphorie, die
abhängig macht. Doch gibt es ein Mittel gegen Schönheitswahn und Selbstdarstellungssucht?
Am meisten würde natürlich nützen, wenn Frauen nicht mehr ständig nach ihrem Äußeren
beurteilt werden. Bis dahin hilft, am eigenen Selbstbewusstsein zu arbeiten, viel Zeit
außerhalb von sozialen Netzwerken zu verbringen und sich mit unterschiedlichen
Frauenbildern zu beschäftigen. Und die werden momentan immer sichtbarer: Lena Dunham
zum Beispiel, Emma Watson, Stefanie Sargnagel und viele mehr. Die findet man auch bei
Instagram.

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