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Pflanzen sind lebende, organisirte und aus organischen Verbindungen

zusammengesetzte Geschöpfe, welche keine Empfindung, in der Regel auch keine


freie Bewegung besitzen und flüssige Nahrung durch geschlossene Membranen
hindurch aufnehmen. Die kurze Definition Linné's, nach welcher die P. lebende
Wesen ohne Empfindung und Bewegung, die Thiere dagegen lebende Wesen mit
Empfindung und Bewegung sein sollten, hat sich infolge der gründlichern
Durchforschung der Thier- und Pflanzenreichs als unhaltbar herausgestellt. Hält man
blos die vollkommenen Thiere und P. im Auge, so reichen die Linné'schen
Definitionen vollkommen aus, um beide Reiche der organischen Schöpfung scharf zu
trennen. Steigt man dagegen in die niedrigsten Regionen der Thier- und
Pflanzenreichs hinab, so erweist sich sogar auch jene erstere Definition der P. als
kaum genügend. Noch gibt es ganze Gruppen von Organismen, bezüglich welcher
die Naturforscher sich bisjetzt noch nicht haben einigen können, ob dieselben zu den
P. oder zu den Thieren zu rechnen seien; z. B. die Myxogasteres (s.d.) oder
Myxomyceten (Schleimpilze), welche de Bary zu den Thieren zu zählen geneigt ist
und sie deshalb Mycetozoen, Pilzthiere, nennt, während sie andere noch zu den
wirklichen Pilzen stellen; ferner sind die Volvocinen, welche von den einen zu den
Infusorien, von den andern zu den Algen gerechnet werden. Allerdings kommt, jener
ersten Definition gemäß, bei keiner echten Pflanze ein wirkliches
Empfindungsvermögen vor, weil die Organe der Empfindung, die Nerven, den P.
fehlen. Die vermeintlichen Empfindungserscheinungen, welche man bei gewissen
höhern P., namentlich den Mimosen (s.d.), wahrnimmt, beruhen auf einer
eigenthümlichen, allerdings noch unerklärten Turgescenz bestimmter
Zellgewebspartien und sind richtiger als Erscheinungen der Reizbarkeit (Irritabilität)
zu bezeichnen. Dagegen gibt es sehr viele niedere Gewächse, welche eine sehr
lebhafte und wenigstens scheinbar willkürliche Bewegung erkennen lassen, die nicht,
wie die langsam erfolgenden Bewegungen, welche die Laub- und Blumenblätter
vieler höherer P. zu verschiedenen Tageszeiten machen, und worauf der sog. Schlaf
(s.d.) der Blätter und Blumen beruht, durch äußere Reize bewirkt werden. Dahin
gehören z.B. die frei im Wasser schwimmenden, mikroskopisch-kleinen Diatomeen
oder Schiffchenalgen, welche lange Zeit als Infusorien betrachtet worden sind. Diese
besitzen eine starre (aus Kieselerde) bestehende Hülle. Die ebenfalls im Wasser sich
lebhaft bewegenden Schwärmsporen der Algen und gewisser Pilze haben dagegen
eine contractile Haut, gleich den Infusorien, sind sogar, wie diese, mit schwingenden
Wimpern und Fäden, die ihnen als Ruderorgane dienen, begabt und wurden daher
früher ebenfalls für Infusorien gehalten; z.B. von Unger, welcher hierüber sein
berühmt gewordenes Buch "Die P. im Moment der Thierwerdung" (Wien 1843)
schrieb. Früher hatte man die Contractilität der Membran als ein sicheres Kriterium
der Thiernatur aufgestellt, aber die Entdeckung der mit contractiler Haut versehenen
Schwärmsporen machte auch diese Ansicht zunichte. Selbst die Aufnahme flüssiger
Nahrung durch geschlossenen Membranen hindurch, oder, was dasselbe ist, der
gänzliche Mangel an Mundöffnung, dürfte die P. nicht schart von den Thieren
scheiden, denn es gibt genug Thiere ohne Mund, welche flüssige Nahrung an ihrer
ganzen Körperoberfläche aufsaugen (z.B. die Bandwürmer). Es geht daraus hervor,
daß es unmöglich ist, das Thier- und Pflanzenreiche scharf zu trennen, und man
muß eingestehen, daß beide Reiche an ihren untersten Grenzen ineinander
übergehen oder wenigstens sich berühren.
Alle P. bestehen aus Zellen, entweder aus einer einzigen… oder aus mehreren…,
oder, am häufigsten, aus einer sehr großen Anzahl, ja aus vielen Millionen und
Milliarden von Zellen. Bei der Mehrzahl der vielzelligen P. sind die Zellen nach den
drei Richtungen des Raums zusammengruppirt, die P. also und deren Theile
Zellenkörper, bei der Minderzahl nur nach zwei oder nach einer Richtung hin
(Zellenhäute oder Zellenschichten, z.B. die Blätter vieler Moose, und Zellenreihen,
z.B. viele Algen sowie viele Haare höherer P.). Die Zellen werden deshalb
gewöhnlich als die Elementarorgane der P. bezeichnet. Sie sind aber eigentlich gar
keine Organe, sondern pflanzliche Individuen. Bei den einzelligen Algen springt es in
die Augen, daß die Zelle als Individuum auftritt. Aber selbst bei den höchst
organisirten Samenpflanzen zeigt jede Zelle ein individuelles Leben, weshalb man
jene P. als aus zahllosen Individuen zusammengesetzt ansehen kann, eine
Anschauungsweise, welche auch deshalb viel für sich hat, weil alle Samenpflanzen
bei ihrer ersten Entstehung (d.h. bei der Bildung des Keims im Samen) aus einer
einzigen Zelle hervorgehen, indem eine einzige Zelle die erste Grundlage des Keims
ist. Die Pflanzenzelle ist ein hohler Organismus mit meist völlig geschlossener
Hülle… und flüssigem oder theils flüssigem, theils festem Inhalt…
(…)
Durch diese Bau der Ernährungsorgane wird die Pflanze zur Unterhaltung aller
derjenigen Processe befähigt, welche man zusammen als das Leben der Pflanze
bezeichnet. Dasselbe äußert sich in den Erscheinungen der Ernährung, des
Wachsthums, des Erzeugung der Fortpflanzungsorgane (Samen, Sporen) und im
Keimungsproceß des keimfähigen Fortpflanzungsorgans. Der reife Same enthält alle
Stoffe, welche zur Entwickelung einer neuen Pflanze aus dem schlummernden
Keime (s.d.) erforderlich sind. Es bedarf nur des Hinzutritts eines für jede Pflanzenart
bestimmten Quantums von Luft, Wasser, Wärme und Licht, um den Keimproceß
einzuleiten. Durch das in den Samen eindringende Wasser werden zunächst die
Zellen ausgedehnt, mit neuer Flüssigkeit gefüllt und ihre Wandungen für den
Stoffwechsel auf dem Wege der Diffusion geschickt gemacht. (…) Durch den abwärts
steigenden Nahrungssaft werden auch neue Zellen gebildet überall, wo es
nothwendig erscheint. Das Emporsteigen des rohen Nahrungssaftes wird,
abgesehen von uns unbekannten Kräften, welche in der den P. wie den Thieren
innewohnenden, unerklärbaren Vitalität oder Lebensthätigkeit ruhen, durch physik.
Kräfte bewirkt, nämlich theils durch die endosmotischen Kräfte des
Diffusionsprocesses, theils durch die Verdunstung des Wassers an der Oberfläche
des Pflanzenkörpers und besonders der Blätter, welche ein Nachströmen des
Wassers aus den damit noch ausgefüllten Zellen in die durch die Verdunstung
entleerten Zellen bedingt. (…)
[https://books.google.de/books?hl=de&output=text&id=1GFFAAAAYAAJ]
Thier (animal). Nach einer uralten Eintheilung zerfallen alle Körper in die sog. drei
Reiche, das Thier-, Pflanzen- und Mineralreich. Unter diesen sondern sich wieder die
T. und Pflanzen als organische Wesen von den unorganischen Mineralien ab.
Während diese als starre, nur durch Ansetzen von außen wachsende Masse, mit
Ausnahme der Krystalle auch ohne bestimmte Form und Größe, in allen Theilen
gleichartig sind und in keinem Theile Beziehung auf das Ganze wahrnehmen lassen,
bestehen T. und Pflanzen aus Einzelwesen (Individuen), deren Existenz durch
mannichfaltige Lebenswerkzeuge (Organe) vermittelt wird. Sie zeigen sowol Ende
als Anfang ihres Daseins und werden nach ihrem Absterben durch eine aus ihnen
entwickelte Nachkommenschaft ersetzt. Der Bau der Pflanzen wie der Tiere beruht
auf einem gemeinsamen Formelement, der Zelle, und es gibt einzellige Wesen, die
dem einen wie dem andern Reiche zugezählt werden können. Erst von diesem
gemeinschaftlichen Boden entwickeln sich die Unterschiede, die um so mehr
ausgeprägt sind, eine je höhere Stufe die Organismen einnehmen. Die Merkmale der
Thierheit sind freie Bewegung, Verdauung, Empfindungsvermögen, Fortpflanzung.
Allen diesen Functionen gemeinsam dient die aus gleichförmigen Zellen
zusammengesetzte Substanz der niedersten T. Diese Substanz ist contractil und
vermittelt ebenso wol durch ihre Zusammenziehungen die Ortsbewegung, als sie
durch dieselben die Empfindung kenntlich macht, und sie ernährt sich durch
Austausch der Stoffe der Außenwelt mit ihren eigenen. Erst nach und nach
entwickeln sich für die einzelnen Functionen gesonderte Organe in entsprechenden
Lebensformen, und so ergibt sich dann als wesentlichstes Gesetz der
Vervollkommnung im Thierreiche die stets fortschreitende Theilung der Arbeit, die
Sonderung und Spaltung der Functionen und Uebertragung derselben auf besondere
Organe. Wie sich diese fortschreitende Vervollkommnung in den einzelnen Typen
nachweisen läßt, welche das Thierreich zusammensetzen, so ist sie auch augenfällig
in der individuellen Entwickelung des Individuums aus dem Ei, das anfangs eine
einfache Zelle darstellt, allmählich aber seine Organe durch Sonderung und Spaltung
der ursprünglich ungesonderten Zellenanlagen herstellt. So entstehen aus der
ursprünglichen Zellensubstanz besondere contractile Gewebe, Muskeln und starre
Hebel, bald außen (Haut), bald innen (Knorpel und Knochen), die durch die
Zusammenziehungen der Muskeln bewegt werden. So entstehen auch besondere
Glieder zur Ortsbewegung, die sich wieder, je nach der Verschiedenheit der
auszuführenden Bewegungen, verschieden gestalten. So bilden sich ferner, statt der
ursprünglich aufnehmenden äußern Hautfläche, Einstülpungen, die sich nach und
nach zum Verdauungssystem mit Mund, Darm und After, mit den drüsigen
Nebenorganen, wie Speicheldrüsen, Leber, Harnorgane, entwickeln. So wird, statt
des frühern unmittelbaren Austausches gasförmiger Bestandtheile, die Athmung
nach und nach durch besondere Athemorgane (Kiemen, Tracheen, Lungen)
bewerkstelligt. Die Zufuhr der Ernährungsstoffe, der Austausch zwischen den
Organen, der zuerst durch die Zellen geschah, wird später durch ein mehr und mehr
entwickeltes Kreislaufsystem (Herz und Gefäße, Blut und Lymphe) vermittelt. Das im
ganzen Körper vertheilte Empfindungsvermögen erhält besondere Sinnesorgane
(Seh-, Hör-, Riech-, Schmeck-, Tastorgane), deren Eindrücke durch Nerven einem
Centralorgane zugeführt werden, welches zugleich der Sitz alles psychischen
Functionen ist, und das endlich bei den höchsten T. in Hirn und Rückenmark und
peripherisches Nervensystem, Vermittler von Empfindung und Bewegung, zerfällt.
Die Fortpflanzung, welche anfänglich jeder Zelle zukam, sodaß der Körper an
irgendeiner beliebigen Stelle Knospen erzeugen und jeder Theil sich zu einem
Individuum ausbilden konnte, wird auf besondere Organe, die Geschlechtsorgane,
concentrirt, welche wieder in zwei Gegensätze, männliche und weibliche, zerfallen
und mehr und mehr sich compliciren zur Besorgung verschiedener und
mannichfaltiger Vorgänge in der Zeugung und in der Entwickelung der Eier und der
Jungen. In gleicher Weise complicirt sich die Entwickelung und das Leben der
Individuen. Von der Zelle des Eies ausgehend, durchläuft das Individuum Phasen,
welche diese zunehmende Arbeitstheilung und damit auch die Geschäfte des Typus
selbst bestellen, der durch stete Vervollkommnung sich vom Niedern zum Höhern
erhoben hat. Ebenso ist unsere jetzige Thierschöpfung nicht ein für sich bestehendes
Ganzes, sondern, wie Darwin zeigt, in steter Umwandlung begriffen und aus steter
Umwandlung früherer Typen hervorgegangen, sodaß die Entwickelungsgeschichte
des Thierreichs durch die Perioden der Erdgeschichte hindurch ebenfalls in das
Bereich der Studien über das Thierreich gezogen werden muß. Der Bau der T.
(Zootomie oder vergleichende Anatomie und Zoologie im engern Sinne, oder
Kenntniß der äußern Bildungen), die individuelle Entwickelung der Typen
(vergleichende Entwickelungsgeschichte) und die histor. Entwickelung aus frühern
Typen (Paläontologie) müssen demnach zusammenwirken, um die Klassifikation der
Thierreichs herzustellen, über deren Grundsätze nebst Anwendung derselben
vielfach gestritten worden ist und noch gestritten wird. Jetzt erkennt man ziemlich
allgemein folgende große Gruppen an: Wirbelthiere, Gliederthiere, Weichthiere oder
Mollusken, Würmer, Stachelhäuter (Schinodermen), Hohlleiber (Coelenterata),
Urthiere (Protozoa).
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