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Öchsle - Öchsle Schmalspurbahn


e.V.
Geschäftsstelle

Aktuell
Am Bahnhof 1, Postfach 1228
88412 Ochsenhausen

Januar 2002
Geduld, liebe Leser dieses Infoblattes, ist das was wir derzeit brauchen.

 Geduld mit dem versprochenen Neubau des wird derzeit noch generalüberholt. Wenn dieses fertig
Lokschuppens in Warthausen. Immerhin konnten wir ist, kann an das Einachsen gegangen werden.
zusammen mit dem Architekten und der ausführenden
Baufirma den Triebwagen-Schuppen in Ulm  Geduld mit unserer Internetpräsentation. Verschiedene
besichtigen. Einige wertvolle Erkenntnisse wurden in Mitglieder bemängeln, dass wir nicht online sind. Hier
die Planung eingearbeitet. Inzwischen wurde das warten wir einfach mal noch ab, wie die zukünftige
Baugenehmigungsverfahren eingeleitet. Aufgabenverteilung des Öchsle aussieht und wo wir
uns dann als Verein betätigen können.
 Geduld mit dem Baubeginn an der Strecke. Die
Baumaßnahmen werden im Jahr 2002 beginnen. Es sind  Geduld mit dem alten Vorstand und der EBO-
mehrere Bauabschnitte auf die kommenden Jahre Geschäftsleitung. Die EBO (die Eisenbahngesellschaft
verteilt vorgesehen. Ochsenhausen, die 100 %ige Tochter des Vereins, die
den Verkehr in den letzten Jahren durchführte) ist
 Geduld mit der Gründung der neuen Betriebs- aufgelöst. Der bestellte Liquidator benötigt die Akten
gesellschaft. der EBO, die der frühere EBO-Geschäftsführer nur sehr
Endlich am 7. Januar 2002 fand die Gründungs- zögerlich übergibt.
versammlung statt. Der bestellte Geschäftsführer Kurt
Frey, pensionierter Polizeidirektor, hat in seinen jungen  Geduld mit dem Wiederbeginn des Fahrbetriebs. Ob das
Jahren schon ein paar Erfahrung gesammelt im Bereich wirklich bis zum 01.Mai 2002 klappt, da sind zwar
der Lokomotivunterhaltung. Er will sehr eng mit uns manche skeptisch, aber alle hoffen es und arbeiten
zusammenarbeiten. darauf hin. Der neue Fahrplan ist bereits festgelegt.

 Geduld mit der Wiederinbetriebnahme der


Dampflokomotive 99 716 „unserer“ Rosa, die
bekanntlich der DB gehört. Ein Hauptreibachslager Ihr Jürgen Jauch, 1.Vorsitzender

Ein Original kehrt zurück


Welcher Schmalspurfreund kennt sie nicht - die Mallet-Lokomotive 99 633 der Deutschen Gesellschaft für
Eisenbahngeschichte e.V. (DGEG)? In den letzten Jahren war es etwas still geworden, um diese originale Öchsle-
Lokomotive. Geduldig wartete sie im Möckmühler Lokschuppen der Jagsttalbahn auf ihre weitere Verwendung. Nur
als Titelstar der bekannten Fernsehsendung „Eisenbahnromantik“ kehrt sie wöchentlich in die Öffentlichkeit zurück.
Dank der Vermittlung unseres Mitglieds Bernd Gruber konnte jetzt mit der DGEG ein Mietvertrag über 20 Jahre
abgeschlossen werden.

Die Lokomotive wurde 1899 mit der Fabriknummer 3072 zur Einstellung 1968 im Einsatz. Trotzdem war sie die
bei der Maschinenfabrik Esslingen für die Königlich letzte Dampflokomotive, die die Deutsche Bundesbahn auf
Württembergische Staatseisenbahn gebaut. Sie kam dem Öchsle einsetzte: 1968 ist sie einige Monate für die
fabrikneu zum Öchsle und war dort mit einigen ausgefallenen Diesellokomotiven auf dem Öchsle
Schwestermaschinen bis 1930 im Einsatz. Abgelöst wurde eingesprungen. Anschließend wurde Sie an die DGEG
sie von den leistungsfähigeren Lokomotiven 99 650 und 99 verkauft. Möckmühl wurde ihre neue Heimat. In
651 der sächsischen Baureihe „VIk“ zu der auch unsere jahrelanger Arbeit wurde sie dort aufgearbeitet und kam
„Rosa“ gehört. 99 633 kam zur Federseebahn nach Bad dann ab 1983 dort im Museumsverkehr zum Einsatz.
Buchau, wo keine so starken Steigungen zu überwinden Mittlerweile war auch das Öchsle als Museumseisenbahn
waren und der Güterverkehr geringer war. Sie blieb dort bis

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Öchsle Schmalspurbahn e.V. Öchsle-Aktuell Januar 2002
wieder auferstanden und so bot es sich, an die Lokomotive sollte. Verschiedene Gespräche, auch mit dem Öchsle
wieder in ihrer alten Heimat einzusetzen! 99 633 ging 1985 Schmalspurbahn e.V., verliefen im Sand. Unser
als Leihgabe an die damalige Betriebsgesellschaft des Verein sah keine Möglichkeit, sich namhaft an den Kosten
Öchsle und wurde schnell zum Star der Museumszüge. zu beteiligen. Eine Unterbringung der nicht betriebsfähigen
Leider dauerte dieses Gastspiel nicht lange. Im Herbst 1990 Lokomotive im Ochsenhauser Lokschuppen war aus
wurde die Lokomotive bei einem Zusammenstoß mit einem Platzgründen nicht möglich. Bedingt durch den Neubau
Auto am Fahrwerk beschädigt. Außerdem lief die eines Lokschuppens in Warthausen und den Zwang, den
Kesselfrist ab und es stellte sich heraus, dass eine Reparatur Möckmühler Lokschuppen in absehbarer Zeit zu räumen –
des damals fast 100 Jahre alten Kessels nicht mehr möglich die Stadt Möckmühl will das Gelände überbauen – bot es
war. Die durch den Unfall verursachten Schäden wurden sich an 99 633 wieder in ihrem alten, zukünftig als
im Dampflok-Ausbesserungswerk Meiningen auf Kosten Museum genutzten Ochsenhauser Lokschuppen zu
der Versicherung des Unfallverursachers 1991 repariert. 99 beheimaten. Und wer weiß? Vielleicht wird dieses Original
633 zog dann wieder in den Lokschuppen in Möckmühl später auch wieder Museumszüge über die alte
ein. Seither war offen, wie der Kesselneubau zu finanzieren Stammstrecke ziehen? (BG)
wäre und wo die Lokomotive dann eingesetzt werden

Mitgliedsbeitrag für das Jahr 2002


Das Öchsle verlor zwei treue Anhänger
Mit Beschluss der letzten ordentlichen
Jahreshauptversammlung vom 6. Mai 2001 wurde der
Mitgliedsbeitrag auf Euro umgestellt. Für Erwachsene Am 21. Oktober verstarb im Alter von 89 Jahren Frau
beträgt er ab diesem Jahr 30 €. Der ermäßigte Beitrag Mathilde Rehm. Frau Rehm war die gute Seele und letzte
wurde auf 15 € festgesetzt. Wir bitten die Selbstzahler bei Bewohnerin des Bahnhofs Ochsenhausen. Sie half nicht nur
der Überweisung des Beitrages dies zu berücksichtigen. den Mitarbeitern mit vielerlei Kleinigkeiten des alltäglichen
Bei allen, die uns eine Einzugsermächtigung erteilt haben, Bedarfs aus, die in der Eile vergessen wurden zu besorgen;
werden wir den Betrag in den nächsten Wochen abbuchen. Sie verfolgte auch das Geschehen um das Öchsle stets
An dieser Stelle wieder die Bitte: Informieren Sie uns, hilfsbereit und mit großem Interesse. Alle, die jemals selbst
wenn sich Ihre Kontoverbindung geändert hat. Das gilt in der Vereinswohnung im Bahnhof gewohnt haben, werden
auch für geänderte Bankleitzahlen z.B. durch Fusionen von sie in dankbarer Erinnerung behalten.
Banken. Bitte überprüfen Sie auch, ob im letzten Jahr Ihr
Beitrag eingezogen wurde oder ob bereits damals ein Fehler
vorlag. Für durch falsche Kontoverbindungen verursachte Bereits im April verstarb unser Mitglied Dr. Kurt Seidel.
Fehler beim Beitragseinzug werden von den Banken hohe
Herr Seidel war fast von Anfang an Mitglied in unserem
Gebühren berechnet. Außerdem müssen wir mühsam Verein und hat ihn durch alle Höhen und Tiefen begleitet.
einzeln die neuen Kontoverbindungen bei Ihnen erfragen.
Sein Buch „Schmalspur in Baden-Württemberg“
Zeit und Geld, das wir lieber in andere Aufgaben entwickelte sich schnell zum Standardwerk über die
investieren möchten.
staatlichen Schmalspurbahnen in Baden-Württemberg. Zu
seinen weiteren Werken gehören zum Beispiel Bücher über
Berichtigung zum Protokoll der die Badischen Schmalspurbahnen, die Härtsfeldbahn und
„Das große Buch der Furka-Oberalp-Bahn“. Zu seinem
Hauptversammlung vom 6. Mai 2001 Repertoire gehören aber auch heimatgeschichtliche Bücher
über seine Wahlheimat Schwäbisch Gmünd. Geboren und
In der letzten Ausgabe des „Öchsle-Aktuell“ hat sich
aufgewachsen ist Dr. Kurt Seidel im oberschwäbischen
bedauerlicherweise ein Fehler in das abgedruckte Protokoll
Saulgau. Sein Name wird allen Freunden der Schmalspur
der Jahreshauptversammlung für das Geschäftsjahr 2000
ein Begriff bleiben.
eingeschlichen: Unter Punkt 12 ist es nicht richtig, dass der
bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Manfred Roth weiter im
Amt bleibt. Vielmehr wurde bestimmt, dass die Vorstände ... und freut sich über einen Jubilar!
Jürgen Jauch, Horst Köhler und Thomas Guter bis zur
Auflösung der EBO den Aufsichtsrat stellen. Dieser Am 20. November konnte unser langjähriges Mitglied
Beschluss wurde mit 39 Ja-Stimmen, 1 Nein-Stimme und 1 Rudolf Noack aus Ochsenhausen seinen 80-ten Geburtstag
Enthaltung gefasst. Bitte korrigieren Sie ihr Protokoll feiern. Da Rudolf Noack in Ochsenhausen direkt am
entsprechend. Dieser Übertragungsfehler aus dem Bahnhof wohnt und vom Balkon aus stets das Treiben auf
handschriftlichen Protokoll wurde leider erst nach Versand dem Bahngelände überblicken konnte, war für ihn nach
des Öchsle-Aktuell bemerkt. Selbstverständlich wurde das Einstellung des Öchsle durch die Deutsche Bundesbahn
Protokoll sofort berichtigt. Alle Anmeldungen beim 1983 schnell klar: Das Öchsle muss erhalten bleiben!
Registergericht, den Verein und die EBO betreffend, Rudolf Noack wurde beim Verein ein Mann der ersten
wurden mit dem korrigierten Protokoll durchgeführt. Wir Stunde. Die Schreinerei im Lokschuppen wurde seine
bitten die betroffenen Personen und Sie liebe Mitglieder zweite Heimat.
diesen Fehler zu entschuldigen! Unzählige Stunden verbrachte „Meister Rudolf“ dort und so
mancher Öchsle-Wagen erstrahlte dank seiner tatkräftigen
Hilfe in neuem Glanz.
Wir wünschen Herrn Noack für die Zukunft alles Gute,
. weiterhin viel Glück und vor allem Gesundheit!

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Öchsle Schmalspurbahn e.V. Öchsle-Aktuell Januar 2002

Transport der 99 788 nach Ochsenhausen


oder die Entführung des Lößnitzdackels nach Oberschwaben. Eine Geschichte, die in Fachkreisen viel Aufsehen erregt
hat. Hier ein Tatsachenbericht des beteiligten Öchsle-Vostandsmitglieds Thomas Guter vom 02.08.2001.

Nachts um 1 Uhr klingelt mein Wecker. Nun heißt es Wir wollen sie genauer anschauen und laufen nach hinten.
aufstehen und Kaffee kochen, um für unsere Abholtour Auf dem Wasserkasten prangt die Aufschrift „Mach´s gut,
nach Radebeul fit zu sein. Etwa 1:30 Uhr mache ich mich wir werden Dich nie vergessen. Radebeul, 02.08.01“. Na ja,
auf den Weg nach Ochsenhausen, um den Rest der das kann ja heiter werden. Die Lok scheint bis auf die
Mannschaft zu treffen. Florian und Sascha warten schon. Schilder und die Lampen komplett zu sein. Jetzt wieder
Aber von Guido und Benjamin keine Spur. Na gut, schnell vor zum Bahnhof, denn um 7:06 Uhr soll die
verstauen wir erst mal unsere Utensilien und das Werkzeug. Regionalbahn nach Radeburg abfahren. Die
Zwischenzeitlich wird der Rest der Truppe schon Bahnhofsaufsicht begibt sich aus dem Stellwerk, um den
eintreffen. Alles verstaut, schnell noch eine Zigarette Abfahrtsauftrag zu erteilen. Mit 5 Minuten Verspätung
rauchen, derweil treffen Guido und Benjamin ein. Nun wegen eines verspäteten Anschlusszuges setzt sich 99 1775
kann es losgehen. Auf der Autobahn ist wenig Verkehr um unter eindrucksvoller Dampfentwicklung mit dem aus
diese Zeit. Nur ein paar LKW sind unterwegs. Kurz vor teilweise noch nicht modernisierten Personenwagen und
Nürnberg klingelt das Handy. Es ist Martin. Er ist mit Irina, einem offenen Aussichtswagen bestehenden Zug in
seiner Frau, gerade in Karlsruhe gestartet und dachte wir Bewegung. Wir gehen in der Bahnhofskneipe frühstücken.
wären noch nicht so weit. Kurz vor der ehemaligen Die Tasse Kaffee kostet eine Mark.. Das sind wirklich noch
Deutsch-Deutschen Grenze gibt es eine kurze Pause, die traumhafte Preise. Mittlerweile treffen auch Martin und
nachdem es ziemlich abgekühlt hat, recht kurz ausfällt. So Irina ein. Um 8:25 Uhr fahren wir mit 099 742 nach
langsam nimmt der Verkehr zu, aber er ist noch im Radeburg, das wir pünktlich erreichen. Guido ist in
erträglichen Rahmen. Rechtzeitig vor dem Berufsverkehr Radebeul geblieben. Er will noch einen Bekannten
erreichen wir die Ausfahrt Dresden. Kurz darauf erreichen besuchen. Bis zur Rückfahrt haben wir über eine Stunde
wir Radebeul. Aber wo ist der Bahnhof Radebeul Ost? Zeit und so gehen wir erst einmal etwas essen. Um 10:26
Schon zu weit gefahren. Die Ausschilderung war schon Uhr fahren wir zurück nach Radebeul Ost. Auf die
immer miserabel. Es ist 6:30 Uhr und immer noch ziemlich Zugkreuzung in Moritzburg müssen wir lange warten. Es
kühl, aber die ersten Sonnenstrahlen sind schon unterwegs kann erst mit 20 Minuten Verspätung losgehen. Das Handy
(Es soll heute einer der heißesten Tage werden). Wir halten klingelt und Herr Vöhringer, der „VIIk-Beauftragte“ der
Ausschau nach „unserer“ Lok und entdecken sie im Öchsle Bahn AG, fragt wo wir gerade sind. Inzwischen ist
hinteren Bahnhofsbereich gegenüber des Lokschuppens. der Spezialtransporter der Firma Kübler in Radebeul

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Öchsle Schmalspurbahn e.V. Öchsle-Aktuell Januar 2002
eingetroffen. Von Guido fehlt jede Spur. Er hat sich in schweren Last nach und biegt sich nach innen. Die siebte
einer Gaststätte etwas zum Essen bestellt. Na dann „Guten und letzte Achse droht zu entgleisen. Also Seilwinde
Appetit“! Unsere Arbeitskleidung und das Werkzeug hat er nachlassen und versuchen, die Auffahrzunge wieder nach
im Auto. Gut, dann weisen wir erst einmal den Tieflader außen zu biegen. Dagegen wehrt sich diese aber heftig.
ein. Das geht auch ohne Arbeitskleidung. In der Zeit seit Also müssen wir die Lok weiterziehen und den Radsatz
unserem morgendlichen Eintreffen wurden die genau beobachten. Und tatsächlich: mit einem kräftigen
Museumswagen vom äußeren Gleis geräumt und unsere 99 „Plumps“ setzt er sich wieder zwischen die Schienen.
788 dort abgestellt. Aber sie steht zu weit hinten. Deshalb Glück gehabt. Um 16 Uhr ist die Lok verladen und muss
ziehen wir sie mit dem LKW und einem Seil in eine bessere nur noch verzurrt werden. Außerdem muss die Rampe
Position. Der Tieflader muss jetzt umständlich genau über wieder abgebaut und verstaut werden. Ich frage den
die Schienen rangiert werden. Dann wird die 12 m lange Vertreter der „Bahnreinigung Sachsen“, den Betreiber der
Rampe, bestehend aus 1m-Stücken aufgebaut. Kurz nach Schmalspurbahn, nach getaner Arbeit, ob wir uns im
13 Uhr könnten wir mit dem Aufladen beginnen. Aber von Lokschuppen die Hände waschen können? Worauf er
einem Vertreter von DB Regio ist noch nichts zu sehen. antwortet: „Ihr habt den Dreck gekauft, also nehmt ihn
Um 13:15 Uhr trifft Herr Lohse von DB Regio ein und auch mit“. Wir dürfen uns aber doch noch im
bittet, mit dem Aufladen zu warten, bis sein Vorgesetzter Lokschuppen waschen und auch die 99 713, die Schwester
auch vor Ort ist. Martin und ich nutzen die Zeit, um unserer Rosa, besichtigen. Da der Schwertransport laut
Bestandsaufnahme an der Lok zu machen. Es fehlt ja doch Genehmigung erst nach 19 Uhr fahren darf, bleibt Zeit für
einiges: Lampen, Schilder, Schmierstopfen, Schürgeräte eine Pause. Da taucht ein Polizeiauto auf. Zwei Polizisten
und einiges mehr. Eine halbe Stunde später trifft auch der verlangen vom Fahrer des Tiefladers die Papiere. Jemand
Vorgesetzte ein und überreicht uns das Betriebsbuch der hatte angezeigt, dass der Tieflader überladen wäre. Aus den
Lok. Unter den mittlerweile zahlreichen Zuschauern, die Papieren geht jedoch hervor, dass der Transport bis 60
unser (nichts-) tunbeobachteten, habe ich den Planlokführer Tonnen zugelassen ist. Die Polizisten begnügen sich
der Rosa-Schwester 99 713 entdeckt, der vor einem halben deshalb mit einer genauer Inspektion der Fuhre. Martin und
Jahr um eine Einstellzeichnung des Bremsgestänges unserer Irina machen sich auf den Nachhauseweg. Sie müssen
99 716 gebeten hatte, die wir dabei hatten. Meine beide am nächsten Tag arbeiten. Sascha entschließt sich im
Annäherung quittierte er sofort mit „Von mir erährste LKW nach Ochsenhausen zurück zufahren und wir
nischt. Mich brauchste och gar nischt zu fragen!“ Nach restlichen wollen noch kurz in Freital-Hainsberg
dem ich ihm die Kopie gegeben hatte und er die vorbeischauen. Dort nutzen wir noch die Gelegenheit zu
Ausmusterungsverfügung der 99 788 mit der Vorgabe einer Fahrt bis Dippoldiswalde und zurück. Nach einem
„Verkaufen oder Verschrotten“ gelesen hatte, glätteten sich Abendessen machen wir uns um 21:30 Uhr auf den
die Wogen wieder etwas. Zwischenzeitlich ist es 14:15 Uhr Heimweg nach Ochsenhausen, wo wir nach einem heftigen
und jeder hat an die andere Partei viele Fragen. Keiner Gewitterschauer um 2 Uhr eintreffen. Der Schwertransport
kennt den Kaufvertrag, den Herr Kruse vom DB hatte kurz vor Ochsenhausen noch erhebliche Probleme an
Konzerneinkauf mitbringen wollte. Aber wo ist Herr einer Steigung, weil die Straße nach dem Gewitter mit
Kruse? Sein Zug hatte wegen eines Unfalls 3 Stunden Laub bedeckt war. Er traf gegen 4:30 Uhr in Ochsenhausen
Verspätung. Es folgen unzählige Telefonate. Jeder will sich ein. Der Fahrer hatte schon von Radebeul aus einen
als Beauftragter bei seinem Auftraggeber (DB AG bzw. Mitarbeiter mit einer Rampenverlängerung nach
Öchsle Bahn AG) absichern. Es ist 15 Uhr, als alle Ochsenhausen beordert. Nach dem die nun auf 12 m
Unklarheiten beseitigt sind und die fehlenden Teile verlängerte Rampe aufgebaut war, konnte um 9 Uhr unsere
dokumentiert worden sind. Das Aufladen konnte beginnen. Heeresfeldbahn-Diesellok die 99 788 auf oberschwäbische
Ganz langsam zieht die Seilwinde des LKWs die Lok cm Gleise ziehen. Am folgenden Samstag wurde die
um cm Richtung Rampe. Es knarrt heftig, als der erste Lokomotive dann angeheizt und nach einigen vom obersten
Radsatz auf die Rampe läuft. Die Lok wiegt leer immer Betriebsleiter genehmigten Fahrten im Bahnhofsbereich
noch 42 Tonnen. Der zweite und dritte Radsatz folgen ohne konnten wir feststellen, dass die Aggregate der Lok
Probleme, doch jetzt hängt der Vierte in der Luft. Wir zufriedenstellend funktionierten. Auch der Kurvenlauf
müssen die Aktion unterbrechen. Nach kurzem durch die engen Weichen war hervorragend. Die mit DB-
Beratschlagen geht es weiter. Mittlerweile streift auch noch Lampen und einem noch vorhanden Lokschild „99 1773“
der hintere Bahnräumer auf den über die Schienen bestückte Lok sorgte anschließend im Internet für
ragenden Betonplatten. Doch es gibt kein Zurück mehr. erhebliche zum Teil weit unter die Gürtellinie gehende und
Wie sollte man die Lok auch wieder herunterziehen? Mit unberechtigte Kritik. Die Lok muss vor ihrem Einsatz auf
der Seilwinde geht es nur aufwärts. Auch der fünfte dem Öchsle auf Druckluftbremse umgebaut werden und
Radsatz hängt jetzt in der Luft. Weiterziehen und eine Schraubkupplung bekommen, wie sie beim Öchsle
aufpassen, dass sich die Radsätze nicht verschieben! verwendet wird.
Unterdessen gibt eine der Auffahrzungen unter der (TG)
Unbekannte Schmalspur
Während die österreichischen und schweizerischen Schmalspurbahnen wohl allen Freunden der schmalen Spur ein
Begriff sind, ist über die Bahnen in unserem Nachbarland Frankreich hierzulande recht wenig bekannt. Von den
ehemaligen großen Meterspurnetzen Frankreichs sind zwar nur kleine Reste übriggeblieben, eine Hand voll davon
wird aber immer noch im Regelbetrieb befahren.

Den meisten Eisenbahnfreunden ist die Museumsbahn Attraktion ist dabei ein 3-Schienenabschnitt auf der
Tournon – Lamastre ein Begriff. Vom Rhonetal aus zweigleisigen SNCF-Strecke Lyon-Avignon. Die Strecke
erklimmen wuchtige C-C-Mallet-Lokomotiven auf 33 ist der Rest eines umfangreichen Meterspurnetzes im
Kilometern Strecke das Massiv Central. Besondere Massiv Central. Die Dampfzüge verkehren in der Saison

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Öchsle Schmalspurbahn e.V. Öchsle-Aktuell Januar 2002
täglich. So kann man schon fast von einem Regelverkehr Ebenfalls von den SNCF betrieben wird die 63 Kilometer
sprechen. lange und mit seitlicher Stromschiene elektrifizierte Strecke
Während der Saison täglich verkehrt auch die 30 Kilometer von Villefranche-de-Conflent nach La-Tour–de-Carol in
lange meterspurige Touristenbahn Saint-Georges-de- den französischen Pyrenäen. Die Strecke hat Steigungen bis
Commiers – La Mure. Die elektrifizierte Strecke besticht 60 ‰ und überquert die einzige Eisenbahn-Hängebrücke
durch ihre atemberaubende Streckenführung teilweise 200 der Welt. Wegen der Farbe der sehr betagten Triebwagen
Meter senkrecht hoch über einem Stausee und mit ist die Bahn als „Le train jaune“, der gelbe Zug, bekannt.
zahlreichen Kehren. 600 Höhenmeter sind zu überwinden. Im Sommer verkehren offene Sommerwagen.
Elektrolokomotiven aus dem Jahr 1932 befördern seit 1988 Selbst bei eingefleischten Schmalspurfreunden wenig
die Personenzüge. Bis dahin galt es jährlich mehrere bekannt ist die vierte französische Schmalspurbahn mit
100.000 t Kohle aus der Hochebene von La Mure in das Tal Regelpersonenverkehr: Le Blanc – Argent. Leider erreicht
zu bringen. Betreiber der Strecke ist nach wie vor die die Bahn heute beide namengebende Endpunkte nicht
staatlich französische Kohlebahngesellschaft. In den letzten mehr. In den Jahren 1882 bis 1901 wurde die damals 192
Jahren wurden große Anstrengungen unternommen, die Kilometer lange Strecke erbaut. Auf Ihrem Weg kreuzte sie
Brachen der ehemaligen Kohleverladung in ansehnliche dabei 4 Normalspurstrecken! Nachdem schon in den 30er
Bahnhöfe zu verwandeln. Die Förderanlagen der Jahren erste Triebwagen eingesetzt wurden, drohte in den
Kohlengruben um La Mure herum sind fast ganz fünfziger Jahren der Strecke das Schicksal der meisten
verschwunden. Nur ein Besucherbergwerk ist französischen Schmalspurbahnen. Bereits 1939 hatte sie
übriggeblieben. den Endpunkt „Argent“ verloren. 1953 fuhr der letzte Zug
Von den ganzjährig verkehrenden Schmalspurbahnen ist bis „Le Blanc“. Nur das 67 km lange Mittelstück von
sicher die „Chemin de fer de la Provence“ von Nizza nach Salbris nach Lucay-le-Male konnte bis heute überleben.
Digne (150 km) am bekanntesten. Die Bahn gehört Der Güterverkehr wurde dort 1989 eingestellt. Am
mittlerweile zum französischen Mischkonzern Vivendi. ehemaligen Endpunkt „Le Blanc“ bemüht sich ein
Vivendi ist weltweit im Personenverkehr tätig und betreibt Museumsbahnverein um den Wiederinbetriebnahme als
zum Beispiel die Stadtverkehrssystem von Stockholm und Museumseisenbahn. Die Gleise liegen zum Teil noch. Der
Sydney. Die deutsche Tochter „ConnexRail“ ist Oberbau der Strecke wurde in den letzten Jahren vor allem
Eigentümer der Württembergischen Eisenbahngesellschaft in kurvigen Abschnitten erneuert. Allerdings sind immer
und anderer zur Deutschen Eisenbahngesellschaft noch zahlreiche Streckenabschnitte als
gehörender Privatbahnen. Auch im Stadtverkehr ist Connex Stuhlschienenoberbau in Sand gebettet. Das hindert die
bei uns aktiv: Zum Beispiel als Betreiber des Stadtverkehrs Dieseltriebwagen aber nicht daran, mit auf französischer
in Biberach. Unter Vivendi hat die Chemin de fer de la Schmalspur üblichen 80 km/h von Station zu Station zu
Provence einiges an Modernisierung erfahren. Leider eilen. Historische Triebwagen kann man wohl nur noch in
wurde aber auch der beindruckende Kopfbahnhof mit diesem Jahr erleben. Im Laufe des Jahres werden moderne
großer Bahnsteighalle mitten in Nizza zugunsten eines zweiteilige klimatisierte Niederflur-Dieseltriebwagen des
modernen Bahnhofsgebäudes aufgegeben. Auf einem Teil französischen Herstellers CFD in Betreib gehen. Auffällig
der Strecke verkehren im Sommer Dampfzüge. an der Strecke sind die liebevoll gepflegten Bahnhöfe. Über
Kräftig modernisiert wurden in den letzten Jahren auch die die gesamte Strecke verkehren nur wenige Züge. Von
unter der Betriebsführung der französischen Staatsbahnen Salbris aus ist aber recht dichter Verkehr. Die
SNCF stehenden Korsischen Schmalspurbahnen. Auf dem Schmalspurbahn gehört heute zum Verkehrverbund der
232 Kilometer langen Netz zwischen Bastia im Norden und Stadt Orléans. Der Fahrplan ist im französischen Kursbuch
Ajaccio im Süden bzw. Calvi im Westen verkehren oder in der elektronischen Fahrplanauskunft im Internet zu
moderne Dieseltriebwagen des Herstellers „CFD“ über das finden.
Gebirge der Insel und müssen dabei beträchtliche Höhen (BG)
erklimmen.

„Öchsle - Aktuell“ Mitarbeit an dieser Ausgabe:


ist das offizielle Mitteilungsblatt des Öchsle Schmalspurbahn Thomas Guter Sascha Eichler
e.V. Jürgen Jauch Werner Mill
Erscheinungsweise: 3 x jährlich Bankverbindung: Konto 185 664 008
Auflage: 400 Exemplare Volksbank Ochsenhausen (BLZ 654 901 30)
Redaktion: Bernhard Günzl, guenzl@debitel.net

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