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Muster: Rahmenvereinbarung zum Schutz

personenbezogener Daten im Unternehmen


Zwischen
der Muster GmbH, Musterstraße 1, 00001 Musterstadt, vertreten durch deren Geschäftsführer
Max Mustermann
– nachstehend Arbeitgeber genannt –
und
dem Betriebsrat der Muster GmbH, vertreten durch die Betriebsratsvorsitzende Rita Ratsam
– nachstehend Betriebsrat genannt –
wird nachfolgende Vereinbarung getroffen:

Präambel
Die fortschreitende Technisierung der Arbeitswelt in einem sich globalisierenden Umfeld
macht es erforderlich, die eingesetzten Technologien, Datenverarbeitungsverfahren,
Informations- und Kommunikationsmittel stets auf dem neuesten Stand zu halten. Mit dieser
Rahmenvereinbarung legen die Parteien grundlegende Anforderungen an die Ausgestaltung
der Datenverarbeitungsverfahren fest, die es bei der Einführung neuer oder bei der
wesentlichen Änderung bestehender Verfahren zu berücksichtigen gilt. Es ist von Arbeitgeber
und Betriebsrat gemeinsam getragener Wille, personenbezogene bzw. personenbeziehbare
Daten der Arbeitnehmer nur im absolut erforderlichen Maß zu erheben, zu verarbeiten oder zu
nutzen. Es herrscht ferner Übereinkunft darüber, dass ein Eingriff in das informationelle
Selbstbestimmungsrecht als Ausprägung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts nur insoweit
erfolgen darf, wie Recht und Gesetz dies zulassen. Maßgeblich für die Beurteilung der
Zulässigkeit der Erhebung, Verarbeitung und Nutzung personenbezogener Daten im Betrieb
des Arbeitgebers sind das Recht der Bundesrepublik Deutschland und mangels
entsprechender Regelung die einschlägigen Richtlinien der Europäischen Union.

1.Geltungsbereich
Diese Betriebsvereinbarung gilt für alle Arbeitnehmer im Betrieb des Arbeitgebers in
Musterstadt. Zu den Arbeitnehmern zählen auch die zu ihrer Berufsausbildung beschäftigten
Personen. Der sachliche Anwendungsbereich dieser Rahmenvereinbarung erstreckt sich auf
alle technischen Anlagen, Datenverarbeitungsverfahren oder Informations- und
Kommunikationstechnologien (im Folgenden Datenverarbeitungsverfahren), die von § 87
Abs. 1 Nr. 6 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) erfasst werden.

2. Begriffsbestimmungen
Sofern Begriffe durch Gesetz definiert sind, so gelten diese Begriffsbestimmungen als für
Arbeitgeber und Arbeitnehmer verbindlich. Dies gilt insbesondere für die gesetzlichen
Definitionen des Bundesdatenschutzgesetzes, Telekommunikationsgesetzes,
Telemediengesetzes und Rundfunkstaatsvertrags. Personenbezogenen Daten sind solche
Daten, die Einzelangaben über persönliche oder sachliche Verhältnisse einer bestimmten oder
bestimmbaren natürlichen Person darstellen.

3. Grundsätze der Datenverarbeitung


Personenbezogene Daten der Beschäftigten dürfen nur zu dem Zweck verarbeitet oder genutzt
werden, für den sie erhoben worden sind. Eine anderweitige Verwendung ist unzulässig.
Personenbezogene Daten sind beim jeweiligen Arbeitnehmer direkt zu erheben. Erschließt
sich der Grund für die Erhebung nicht aus den sachlichen Umständen, dann sorgt der
Arbeitgeber dafür, dass die Arbeitnehmer über die Notwendigkeit, die Art und den Umfang

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der Erhebung ihrer personenbezogenen Daten informiert werden.
Datenverarbeitungsverfahren sind so auszugestalten, dass nur das unbedingt notwendige Maß
an Daten erhoben, verarbeitet oder genutzt wird. Die Regelungen zur Datenvermeidung und
zur Datensparsamkeit im Sinne des § 3a Bundesdatenschutzgesetz gelten entsprechend.

4. Leistungs- und Verhaltenskontrolle


Die beim Arbeitgeber zum Einsatz kommenden Datenverarbeitungsverfahren dienen
grundsätzlich nicht der Leistungs- und Verhaltenskontrolle im Sinne des § 87 Abs. 1 Nr. 6
BetrVG. Beabsichtigt der Arbeitgeber, personenbezogene Daten zur Leistungs- und
Verhaltenskontrolle heranzuziehen, so hat er den Betriebsrat vorab zu informieren. Dem
Betriebsrat wird ein diesbezügliches Mitbestimmungsrecht eingeräumt.

5. Rechte der Arbeitnehmer


Soweit erforderlich, wird der einzelne Arbeitnehmer auf Kosten des Arbeitgebers in der
Anwendung und Nutzung eines Datenverarbeitungsverfahrens geschult. Schulungen erfolgen
ausschließlich während der regulären Arbeitszeit der Arbeitnehmer.
Vor der Einführung neuer Datenverarbeitungsverfahren sind die betroffenen Arbeitnehmer
rechtzeitig über die Einführung und die sich ergebenden Konsequenzen zu informieren. Daten
und Kenntnisse, die der Arbeitgeber unter Verstoß gegen diese Rahmenvereinbarung erhält,
dürfen nicht zu Lasten des betroffenen Arbeitnehmers verwendet werden.

6. Spezielle Betriebsvereinbarungen
Die vorliegende Vereinbarung gibt nur den Rahmen für die Ausgestaltung von
Datenverarbeitungsverfahren vor. Sollen neue Datenverarbeitungsverfahren im Betrieb des
Arbeitgebers zum Einsatz kommen, dann sind zur Vermeidung von Nachteilen für die
Arbeitnehmer spezielle Betriebsvereinbarungen abzuschließen. Eine Bezugnahme auf diese
Rahmenvereinbarung ist zulässig.
In speziellen Betriebsvereinbarungen sind insbesondere die Personen bzw. Personengruppen
festzulegen, die auf personenbezogene Daten von Arbeitnehmern Zugriff haben. Die
Erforderlichkeit des Zugriffs ist zu begründen. Ferner sind geplante Auswertungen zu
benennen und deren Erfordernis zu erläutern. Der Betriebsrat hat über die Zulässigkeit der
vom Arbeitgeber geplanten Auswertungen mitzubestimmen.

7. Beteiligung des Datenschutzbeauftragten


Vor Einsatz, Erweiterung oder erheblicher Veränderung eines Datenverarbeitungsverfahrens
hat der Arbeitgeber den betrieblichen Datenschutzbeauftragten zu involvieren. Zur
Beurteilung der datenschutzrechtlichen Zulässigkeit eines Verfahrens sind ihm vom
Arbeitgeber alle relevanten Unterlagen zur Verfügung zu stellen.
Ist nach dem Bundesdatenschutzgesetz keine Vorabkontrolle vom Datenschutzbeauftragten
vorzunehmen, so hat der Betriebsrat dennoch das Recht, den betrieblichen
Datenschutzbeauftragten zur Abgabe einer datenschutzrechtlichen Einschätzung bezüglich
des geplanten Datenverarbeitungsverfahrens aufzufordern. In seiner Stellungnahme hat der
betriebliche Datenschutzbeauftragte insbesondere die Risiken für die Rechte und Freiheiten
der Arbeitnehmer zu berücksichtigen.
Der Betriebsrat darf sich an den betrieblichen Datenschutzbeauftragten in Sachen des
Datenschutzes wenden. Die Überwachungsrechte des Betriebsrats im Rahmen seiner
allgemeinen Aufgaben nach § 80 BetrVG bleiben hiervon unberührt. Speicher- und
Löschfristen werden vom betrieblichen Datenschutzbeauftragten unter Berücksichtigung der
gesetzlichen Anforderungen festgelegt.

8. Beteiligung des Betriebsrats

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Der Arbeitgeber hat den Betriebsrat schon bei der Planung eines
Datenverarbeitungsverfahrens zu beteiligen. Zu diesem Zweck ist der Betriebsrat unter
Vorlage aller erforderlichen Unterlagen schriftlich zu informieren.
Unterbleibt eine rechtzeitige Information bzw. Beteiligung des Betriebsrats, so sind die vom
Arbeitgeber geplanten bzw. bereits durchgeführten Maßnahmen unwirksam. Eine Verwertung
angefallener Daten ist unzulässig.
Durch Beschluss des Betriebsrats kann dem Arbeitgeber gestattet werden, eine Information
bzw. Beteiligung des Betriebsrats nachzuholen. Der Betriebsrat hat im Rahmen seiner
gesetzlichen Aufgaben das Recht, die Datenverarbeitungsverfahren zu überprüfen. Zu diesem
Zweck kann er insbesondere Ablaufpläne und spezifische Protokollierungen einsehen.

9. Veröffentlichung dieser Rahmenvereinbarung


Der Inhalt dieser Rahmenvereinbarung wird durch den Arbeitgeber in geeigneter Weise
bekannt gemacht. Insbesondere wird diese Rahmenvereinbarung im Tarif- und BV-Archiv im
Intranet des Arbeitgebers verfügbar gemacht und den interessierten Arbeitnehmern zum
Download angeboten.

10. Schlussbestimmungen
Diese Betriebsvereinbarung tritt am Tag der Unterzeichnung in Kraft und ist mit einer
Kündigungsfrist von 6 Monaten zum Quartalsende zu kündigen. Bis zum Abschluss einer
neuen Betriebsvereinbarung wirken die Regelungen dieser Rahmenvereinbarung nach.
Änderungen, Ergänzungen oder Nebenabreden zu dieser Rahmenvereinbarung bedürfen zu
ihrer Gültigkeit der Schriftform.

Für den Arbeitgeber: Für den Betriebsrat:

Musterstadt, den ………………………… Musterstadt, den ………………………………

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