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Musterbetriebsvereinbarung zum Einsatz von

Fernwartungssoftware bei Arbeitsplatzrechnern

Zwischen

der Muster GmbH, Musterstraße 1, 00001 Musterhausen, vertreten durch deren


Geschäftsführer Moritz Muster,
– nachstehend Arbeitgeber genannt –

und

dem Betriebsrat der Muster GmbH, vertreten durch die Betriebsratsvorsitzende Erna Betrieb,
– nachstehend Betriebsrat genannt –

wird nachfolgende Vereinbarung getroffen:

§ 1 Geltungsbereich und Zielsetzung


Die vorliegende Betriebsvereinbarung gilt für alle Arbeitnehmer und Auszubildenden (im
Folgenden Arbeitnehmer) des Arbeitgebers am Standort Musterhausen. Mit dieser
Betriebsvereinbarung verfolgen Arbeitgeber und Betriebsrat das Ziel, den Einsatz der
Fernwartungssoftware in einer Weise zu ermöglichen, die die Persönlichkeitsrechte der
Arbeitnehmer nur in einem für alle vertretbaren Umfang berührt. Sie dient ferner dem Schutz
der Arbeitnehmer und auch der Systemadministratoren vor einer zu weit reichenden
Leistungs- und Verhaltenskontrolle.

§ 2 Zweckbindung
Die Fernwartungssoftware darf ausschließlich für folgende Zwecke zum Einsatz kommen:
a) technische Fehlerbehebung bei Arbeitsplatzrechnern
b) Beratung von Arbeitnehmern in Anwendungsfragen
c) Installation, Wartung von Software und Anwendungen auf Arbeitsplatzrechnern
d) Inventarisierung des Hard- und Softwarebestands

§ 3 Begriffsbestimmungen
• Personenbezogene Daten: Als personenbezogene Daten sind alle Daten anzusehen, die
als Einzelangaben über persönliche oder sachliche Verhältnisse einer bestimmten oder
bestimmbaren natürlichen Person zu werten sind. Hierzu zählen auch alle
Informationen über das Verhalten oder die Leistung eines Arbeitnehmers.
• Fernwartungssoftware: Ein Programm zum Aufbau einer Verbindung zwischen dem
Computer eines Systemadministrators und dem Arbeitsplatzrechner eines
Arbeitnehmers zur Steuerung des Arbeitsplatzrechners durch den Systemadministrator
zwecks Durchführung von Arbeiten nach § 2 Satz 1 a) bis d).
• Fernwartungssitzung: Der Zeitraum zwischen Herstellung und Trennung der
Verbindung zu einem Arbeitsplatzrechner, in dem ein Systemadministrator Arbeiten
im Sinne des § 2 Satz 1 a) bis d) durchführt.

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§ 4 Ausgenommene Bereiche
In Bereichen, in denen eine besondere Vertraulichkeit gewahrt bleiben muss, darf die
Fernwartungssoftware nicht zum Einsatz kommen. Arbeitsplatzrechner, die den folgenden
Bereichen zugeordnet sind, dürfen nur vor Ort im Beisein einer berechtigten Person von
einem Systemadministrator gewartet werden:
• Geschäftsleitung
• Personalabteilung
• Finanz- und Lohnbuchhaltung
• Betriebsrat
• Datenschutzbeauftragter
• Betriebsarzt

§ 5 Nutzungsberechtigte
Zur Nutzung der Fernwartungssoftware sind ausschließlich die Systemadministratoren des
Arbeitgebers berechtigt. Durch Arbeitsanweisung hat der Arbeitgeber sicherzustellen, dass die
Systemadministratoren bei der Nutzung der Fernwartungssoftware nicht gegen die in dieser
Betriebsvereinbarung getroffenen Regelungen verstoßen. Der Betriebsrat und der
Datenschutzbeauftragte erhalten eine Abschrift der jeweils aktuellen Arbeitsanweisung für
den Einsatz der Fernwartungssoftware.
Durch den Arbeitgeber wird gewährleistet, dass die Fernwartungssoftware nur auf den
Computern der Systemadministratoren installiert ist, das heißt, dass die
Systemadministratoren nur von ihrem Computer eine Fernwartungssitzung initiieren und
unterhalten können.
Der Arbeitgeber trägt dafür Sorge, dass die Systemadministratoren in der Anwendung der
Fernwartungssoftware regelmäßig und in ausreichendem Umfang geschult werden. Dem
Datenschutzbeauftragten obliegt es, die Systemadministratoren in Belangen des
Datenschutzes mindestens einmal jährlich zu schulen.
Der Arbeitgeber stellt dem Betriebsrat und dem Datenschutzbeauftragten in regelmäßigen
Abständen eine Aufstellung der nutzungsberechtigten Systemadministratoren zur Verfügung.

§ 6 Verfahrensweise beim Einsatz der Fernwartungssoftware


Sofern die Fernwartungssoftware bei einem Arbeitsplatzrechner im Rahmen einer
Fernwartungssitzung zum Einsatz kommt, ist sicherzustellen, dass
a) eine Fernwartungssitzung nur nach erfolgter Zustimmung durch einen Arbeitnehmer
aufgebaut wird,
b) der Arbeitnehmer über die Einleitung der Fernwartung am Bildschirm informiert wird,
c) der Arbeitnehmer durch aktives Tun (Mausklick auf das entsprechende Feld) seine
Einwilligung zur Fernwartung gibt,
d) der Arbeitnehmer in jeder Phase der Fernwartung die Aktivitäten des Systemadministrators
nachvollziehen kann,
e) der Arbeitnehmer jederzeit in der Lage ist, die Fernwartungssitzung zu beenden,
f) der Systemadministrator dem Arbeitnehmer während der Fernwartungssitzung sein
Vorgehen erläutert. Wenn die Arbeiten des Systemadministrators auf dem Arbeitsplatzrechner
des Arbeitnehmers beendet sind, ist die Verbindung unverzüglich zu trennen.

§ 7 Leistungs- und Verhaltenskontrolle, Auswertungen


Eine Überwachung des allgemeinen Verhaltens der Arbeitnehmer im Sinne von § 87 Abs.1
Nr.6 BetrVG findet unter Zuhilfenahme der Fernwartungssoftware nicht statt. Erlangte
Informationen über die Arbeitsweise und das Verhalten von Arbeitnehmern werden nicht zum
Nachteil der betroffenen Arbeitnehmer verwendet.

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Auswertungen finden nicht statt. Es darf lediglich eine Statistik über die Gesamtzahl der
Fernwartungssitzungen seitens der Systemadministratoren geführt werden. Hierbei darf kein
Rückschluss auf einzelne Arbeitnehmer möglich sein.

§ 8 Ausschluss der Speicherung und Weitergabe von Daten


Das Speichern von Daten auf dem Arbeitsplatzrechner eines Arbeitnehmers und das Sichern
von Daten vom Arbeitsplatzrechner durch den Systemadministrator dürfen nur mit
Einwilligung des Arbeitnehmers erfolgen. Die Nutzung von verdeckten Verbindungen zum
Datentransfer ist untersagt.
Sofern den Systemadministratoren im Rahmen einer Fernwartungssitzung personenbezogene
Daten bekannt werden, sind diese vertraulich zu behandeln. Eine Nutzung zu anderen
Zwecken als der Fernwartung, insbesondere eine Weitergabe an unbefugte Mitarbeiter und an
Dritte, ist nicht gestattet.

§ 9 Protokolldateien
Die im Rahmen der Fernwartungssitzung vom Systemadministrator durchgeführten Schritte
und Aktionen werden in Protokolldateien dokumentiert. Eine Auswertung dieser
Protokolldateien erfolgt grundsätzlich nicht. Ausnahmsweise dürfen die Protokolldateien
eingesehen werden, um den Ablauf der Fernwartungssitzung nachzuvollziehen.
Die Protokolldateien dürfen grundsätzlich nicht für eine Beurteilung der Leistung und des
Verhaltens der Systemadministratoren herangezogen werden. Eine anderweitige
Vorgehensweise ist mit dem Betriebsrat abzustimmen. Die Höchstspeicherfrist für
Protokolldateien beträgt 3 Monate.

§ 10 Unterrichtung der Arbeitnehmer


Der Arbeitgeber informiert alle Arbeitnehmer mit einem Arbeitsplatzrechner in geeigneter
Weise über die Einführung der Fernwartungssoftware. Die Arbeitnehmer werden in diesem
Zusammenhang über Art und Umfang der gespeicherten Informationen in Kenntnis gesetzt.

§ 11 Rechte des Betriebsrats und des Datenschutzbeauftragten


Betriebsrat und Datenschutzbeauftragter haben im Rahmen ihrer gesetzlichen Aufgaben das
Recht, den vereinbarungsgemäßen bzw. datenschutzkonformen Einsatz der
Fernwartungssoftware zu überprüfen. Betriebsrat und Datenschutzbeauftragter erhalten hierzu
alle notwendigen Unterlagen. Sie haben insbesondere das Recht, stichprobenhaft die
vorhandenen Protokolldateien einzusehen.

§ 12 Wesentliche Änderungen und Erweiterungen


Änderungen und Erweiterungen der Fernwartungssoftware sowie deren grundlegender
Einsatzmodalitäten bedürfen der Zustimmung des Betriebsrats. Der Datenschutzbeauftragte
kann zu einer diesbezüglichen Stellungnahme aufgefordert werden. Über beabsichtigte
Änderungen und Erweiterungen werden Betriebsrat und Datenschutzbeauftragter bereits im
Planungsstadium informiert, so dass deren Vorschlägen und Bedenken im erforderlichen
Maße Rechnung getragen werden kann.

§ 13 Inkrafttreten und Kündigung


Diese Betriebsvereinbarung tritt am Tag der Unterzeichnung in Kraft. Sie kann mit einer Frist
von 3 Monaten gekündigt werden. Nach Ablauf der Kündigungsfrist wirken die hier
niedergelegten Bestimmungen fort, bis Arbeitgeber und Betriebsrat eine neue
Betriebsvereinbarung geschlossen haben. Sollten einzelne Bestimmungen unwirksam sein, so
berührt dies nicht die Fortgeltung der Betriebsvereinbarung im Übrigen.

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Die unwirksame Bestimmung ist durch eine wirksame Bestimmung zu ersetzen, die dem Sinn
und Zweck der Betriebsvereinbarung nach dem erkennbaren Willen der Parteien entspricht.

Für den Arbeitgeber: Für den Betriebsrat:

Musterhausen, den ……………………… Musterhausen, den ………………………

…………………………………………… ….………………………………………….

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