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Licht im Paragrafendschungel: Das sind Ihre Rechte als

Datenschutzbeauftragter
So gut wie alle deutschen Gesetze sind nicht ohne weiteres verständlich. Auch das
Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) wird diesem Grundsatz gerecht. Allerdings ist es für Sie als
Datenschutzbeauftragten besonders wichtig, die gesetzlichen Regelungen im Detail zu kennen.
Schließlich bestimmen die gesetzlichen Normen Ihre tägliche Arbeit im Datenschutz. Kennen
Sie etwa Ihre Rechte als Datenschutzbeauftragter? Darüber gibt Ihnen das BDSG ebenfalls
Auskunft. Die nachfolgende Arbeitshilfe entschlüsselt für Sie die schwer verständlichen
Regelungen und lässt Sie nicht im Unklaren darüber, welche Rechte Sie als
Datenschutzbeauftragter haben.
Ihre Rechte aus dem Bundesdatenschutzgesetz (BDSG)
Fachliche Weisungsfreiheit (§ 4f Abs. 3 Satz 2 BDSG)
Wenn es um die datenschutzrechtliche Bewertung von Datenverarbeitungsverfahren und
Sachverhalten geht, dann darf Ihnen in Ihrem Unternehmen niemand Weisungen erteilen. In der
Ausübung Ihrer Fachkunde sind Sie nämlich weisungsfrei. Nur die zuständige Aufsichtsbehörde
übt über Sie die Fachaufsicht aus und kann Ihnen Vorgaben machen. Anders sieht es jedoch bei
disziplinarischen Dingen aus. Ihr Unternehmen kann natürlich darüber bestimmen, wie
beispielsweise die Arbeitszeiten liegen oder nach welchen Regeln der Urlaub vergeben wird.
Hinweis: Sie haben als Datenschutzbeauftragter nur beratende Funktion. Ob man Ihren Rat
beherzigt und wie man den Datenschutz im Unternehmen letztendlich sicherstellt, bleibt Sache
der Geschäftsführung.
Besonderer Kündigungsschutz ( § 4f Abs. 3 Satz 4 BDSG)
Als Datenschutzbeauftragter genießen Sie einen so genannten besonderen Kündigungsschutz.
Das bedeutet allerdings nur, dass Ihnen in Ihrer Funktion als Datenschutzbeauftragter nicht ohne
weiteres gekündigt werden kann. Wenn Sie zum Datenschutzbeauftragten bestellt worden sind,
dann kann die Aufsichtsbehörde auf den Widerruf der Bestellung drängen. Ihr Unternehmen
hingegen muss schon besondere Gründe vorweisen, die es für das Unternehmen unzumutbar
machen, Sie weiterhin als Datenschutzbeauftragten tätig werden zu lassen. Die Regelungen zur
Kündigung aus wichtigem Grund nach § 626 des Bürgerlichen Gesetzbuchs finden entsprechend
Anwendung.
Beachten Sie: Wenn Sie nur nebenberuflicher Datenschutzbeauftragter sind und diese Funktion
neben einer anderen Tätigkeit für Ihr Unternehmen ausüben, dann wird nur Ihr Tätigwerden als
Datenschutzbeauftragter vom besonderen Kündigungsschutz erfasst. Grundsätzlich erstreckt sich
der Kündigungsschutz nicht auf Ihren eigentlichen Beruf.
Ausstattung mit Personal, Sach- und finanziellen Mitteln (§ 4f Abs. 5 Satz 1 BDSG)
Damit Sie Ihre Aufgaben als Datenschutzbeauftragter richtig ausführen können, muss Ihr
Unternehmen Sie auch entsprechend unterstützen. Dazu zählt auch, dass man Ihnen die
erforderlichen sachlichen, personellen und finanziellen Mittel zur Verfügung stellt. Wichtig ist
hierbei, dass es letztendlich im Ermessen des Unternehmens liegt, darüber zu entscheiden, was
an Mitteln und Personal für die Erfüllung Ihrer Aufgaben erforderlich ist. Einklagen können Sie
also nichts. Nur die Aufsichtsbehörde kann Sie bei einer allzu uneinsichtigen
Unternehmensführung in Ihren Anliegen unterstützen.
Info: Wenn Sie etwas benötigen und es Ihnen von der Unternehmensleitung verweigert wird,
dann bestehen Sie auf einer schriftlichen Ablehnung, die auch die Ablehnungsgründe aufführt.
So kann Ihnen später niemand einen Vorwurf machen und Sie können Ihre Situation auch
gegenüber Ihrer Aufsichtsbehörde erklären.

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Organisatorische Einordnung bei der Geschäftsführung (§ 4f Abs. 3 Satz 1 BDSG)
Das BDSG legt klar fest, dass Sie als Datenschutzbeauftragter der Leitung Ihres Unternehmens
direkt zu unterstellen sind. Hierdurch soll gewährleistet werden, dass Sie beispielsweise dem
Geschäftsführer ohne Einhaltung des Dienstwegs und ohne Rücksicht auf hierarchische
Strukturen in Belangen des Datenschutzes Bericht erstatten können. Beachten Sie aber, dass Sie
nur in Ihrer Funktion als Datenschutzbeauftragter der Geschäftsleitung direkt zu unterstellen
sind. In disziplinarischer Hinsicht können Sie als ganz normaler Mitarbeiter einer ganz anderen
Abteilung zugeordnet sein.
Recht auf Gleichbehandlung (§ 4f Abs. 3 Satz 3 BDSG)
Als Datenschutzbeauftragter sind Sie bestimmt ab und an in der unglücklichen Lage, Ihrer
Geschäftsleitung weniger gute Nachrichten überbringen zu müssen oder der Grund dafür zu sein,
dass Konzepte überarbeitet werden müssen. Das BDSG legt ausdrücklich fest, dass Ihnen aus der
Wahrnehmung Ihrer Aufgaben kein Nachteil entstehen darf. Dies gilt insbesondere im Hinblick
auf Gehaltssteigerungen, Zulagen, Gratifikationen oder Beförderungen.
Tipp: Wenn Sie sich doch einmal benachteiligt fühlen, dann suchen Sie das Gespräch mit Ihrer
Geschäftsführung. Haben Sie damit keinen Erfolg, dann kann Ihnen vielleicht der Betriebsrat
Ihres Unternehmens helfen. Dieser hat nämlich darüber zu wachen, dass die Mitarbeiter im
Unternehmen gleich behandelt werden. Ferner hat er mitzubestimmen, wenn es um personelle
Einzelmaßnahmen nach § 99 Betriebsverfassungsgesetz geht, beispielsweise die Zuweisung
neuer Aufgaben (Versetzung).
Zurverfügungstellung des Verzeichnisses automatisierter Verarbeitungen (§ 4g Abs. 2 Satz 1
BDSG)
Der Wortlaut des BDSG ist eindeutig: Ihr Unternehmen hat Ihnen als Datenschutzbeauftragtem
ein Verzeichnis aller automatisierten Verarbeitungen zur Verfügung zu stellen. Vom Prinzip her
ist es also nicht Ihre Aufgabe, dieses so genannten Verarbeitungsregisters zu erstellen. Inhaltlich
muss dieses Verzeichnis zu jedem Verfahren diejenigen Angaben enthalten, die § 4e BDSG
(diese Zusammenstellung wird oftmals als Verarbeitungsübersicht bezeichnet) festlegt. Ferner
muss Ihr Unternehmen zusätzlich die zugriffsberechtigten Personen für die einzelnen Verfahren
nennen.
Info: Aus dem Gesetz geht nicht hervor, dass Sie es sind, der das Verfahrensverzeichnis aktuell
hält. Auch hier ist Ihr Unternehmen verpflichtet, Ihnen die entsprechenden Informationen zu
liefern. Sie brauchen eigentlich nicht auf die Jagd nach Informationen zu gehen, die Praxis zeigt
jedoch, dass es oftmals besser ist, wenn Sie sich die Informationen besorgen und die
Verarbeitungsübersicht selbst erstellen.
Rechtzeitige Information über geplante Datenverarbeitungsverfahren (§ 4g Abs. 1 Satz 3 Nr.
1 BDSG)
Damit Sie Ihrer Verpflichtung nachkommen können, auf die Einhaltung des Datenschutzes
hinzuwirken, ist es logischerweise erforderlich, dass man Sie frühzeitig in die Planung neuer
Datenverarbeitungsverfahren einbindet. Wenn man an Ihnen vorbeiarbeitet oder Sie ignoriert,
dann können Sie beispielsweise keine Vorabkontrolle nach § 4d Abs.5 BDSG durchführen.

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