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Digitales Fernsehen

Wie funktioniert digitales Fernsehen?


Von FBAS und PAL zu MPEG und digitaler Modulation

Der TV-Markt ist in Bewegung. Haupttreiber ist die laufende – DVB-C: Cable
– DVB-S: Satellit
­Digitalisierung des Fernsehens: Die EU hat sich zum Ziel ge-
– DVB-T: Terrestrial (Antenne)
setzt, bis zum Jahr 2012 das analoge Fernsehen vollständig – DVB-H: Handheld Applications
durch digitales zu ersetzen. Wie aber funktioniert das digitale – DVB-IPI: DVB over IP
Fernsehen überhaupt? Der vorliegende Beitrag erklärt die Im Wesentlichen unterscheiden sich die
­Grundlagen nach dem DVB-Standard und zeigt Unterschiede Substandards in den verwendeten Modula-
tionsverfahren und Fehlerkorrekturen. Allen
und neue Möglichkeiten im Vergleich zur bestehenden analogen gemeinsam sind Quellencodierung und
Fernsehtechnik auf. Transportmechanismen nach MPEG4). Im
Gegensatz zum Broadcastbereich5) befin-
det sich die Standardisierung respektive die
Verfügbarkeit von standardkonformer Infra-
struktur bei IPTV erst in den Anfängen.
Deshalb setzen die IPTV-Anbieter (vorwie-
gend Telekommunikationsanbieter) meist
Nachdem Bild- und Tonsignale im Studio gen, die auf dem Internetprotokoll basie- proprietäre Systeme wie Microsoft TV ein.
seit geraumer Zeit digital hergestellt und ren.
verarbeitet werden, befinden wir uns heute In Europa hat sich für digitales Fernse-

articles spécialisés
hen der DVB-Standard etabliert, in den Grundlagen der Bildübertragung
Martin Volken USA ATSC und in Japan ISDB. DVB steht Das grundlegende Prinzip der Bildüber-
für Digital Video Broadcast. Je nach ver- tragung beim Fernsehen hat sich seit des-
in der Endphase der Migration, bei der Digi- wendetem Medium, das «C» in DVB-C sen Erfindung nicht geändert. Die Bildvor-
talisierung der Verbreitungswege und der steht beispielsweise für «Cable», spezifizie- lage wird zeilenweise abgetastet, in elektri-
Endgeräte zu Hause. ren die Substandards die jeweils speziellen sche Signale umgewandelt, über einen
Erst mit der fortschreitenden Entwick- Ausprägungen (Bild 1): Kanal übertragen und schliesslich beim
lung der Videokomprimierungstechnologien
und effizienten digitalen Modulationsver-
fahren kann digitales Fernsehen wirtschaft-
lich verbreitet werden. Zur Illustration: Ein Satellit
mit herkömmlicher PAL-Auflösung ver-
gleichbares digitales Fernsehbild (SDTV1))
benötigt in unkomprimierter Form Trans-
portkapazitäten, die vergleichsweise 4 ana-
loge TV-Kanäle oder 50 parallele Breitband-
Uplink
anschlüsse beanspruchen würden. Das DVB-S DVB-S DVB-S

Abspeichern eines 2-stündigen Films auf


einen Datenträger in diesem Rohdatenfor-
mat würde etwa 150 Gigabyte Speicher-
kapazität benötigen, was 32 DVDs ent-
Studio Aufbereitung Aufbereitung Aufbereitung
spricht. Für hochauflösende Formate
(HDTV2)) sind die Datenraten nochmals um Terrestrischer
das 5-Fache höher. Direktverbindung über Sender
Leitungen oder Richtfunk
(optional)
IP
DVB-S DVB-C DVB-T DVB-H
Verbreitungswege und
Standards DVB-IPI*

Während in der Anfangszeit des Fernse-


hens die Signale vor allem terrestrisch, also
über auf dem Erdboden stehende Sende-
masten ausgestrahlt wurden, steht heute
die Erstverbreitung über geostationäre Sa- Satelliten- Kabelnetz Antenne Mobiles Breitbandanschluss**
direktempfang (HFC) Empfangsgerät
telliten, wie Astra oder Eutelsat, und die
* oder proprietäre (z.B. Microsoft TV)
Weiterverbreitung über Kabelnetze im Vor- ** z.B. DSL oder Kabelinternet (Docsis)
dergrund. Langsam an Bedeutung gewinnt
IPTV3), also die Verbreitung über Verbindun- Bild 1  Verschiedene Verbreitungswege des Fernsehsignals.

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Digitales Fernsehen

Bild 2  Übertragung pelt. Dadurch wird der subjektive Flimmer-


von bewegten Bildern.
Bildvorlage Bildwiedergabe eindruck bei gleichzeitig verbesserter Band-
breitenausnutzung stark reduziert. Die
Summe der Zeilenanzahl der beiden Halb-
bilder muss dabei nur etwa 70% der Zeilen-
zahl eines vergleichbaren progressiv abge-
tasteten Bildes (Progressiv Scanning) errei-
chen, um denselben subjektiven Bildein-
druck zu hinterlassen (Kell-Faktor).

Synchronisation
Die Welt des analogen
Optisch-elektrischer Übertragung Elektrisch-optischer
Wandler Wandler Fernsehens
Bevor wir uns dem digitalen Fernsehen
zuwenden, betrachten wir kurz die Funk-
tionsweise des analogen Fernsehens
(Bild  3): Das aufzunehmende Bild wird von
Empfänger wieder dargestellt (Bild  2). Um die Farbinformation mit nochmals gerin- der Kamera im Zwischenzeilenverfahren
die zu übertragende Informationsmenge so gerer Auflösung übertragen werden als kontinuierlich abgetastet und dem Anteil
gering wie möglich zu halten, wird seit die Helligkeitsinformation, ohne dass der jeweiligen Farbkomponente (Rot, Grün,
den Anfängen der Fernsehgeschichte sichtbare Qualitätsverluste auftreten. Blau) entsprechend in analoge Spannungen
die begrenzte Wahrnehmungsfähigkeit (Urot, Ugrün, Ublau) umgewandelt. Durch Addi­
des menschlichen Auges ausgenützt, bei- Beim Zwischenzeilenverfahren (Inter­ tion und Subtraktion in einer Matrix werden
spielsweise: laced Scanning) wird ein Vollbild in zwei daraus ein Signal für die Helligkeitsinforma-
Halbbilder aufgespaltet. Im ersten Durch- tion (Y) sowie die beiden Farbdifferenz­
– Beschränkte Bildwiederholfrequenz: gang werden die ungeraden, im zweiten signale R-Y und B-Y erzeugt. Die Farbdiffe-
Ab 20 Bildern pro Sekunde entsteht Durchgang die geraden Zeilen abgetastet. renzsignale werden nach dem PAL-Stan-
der Eindruck von flüssig bewegten Bei der Reproduktion auf dem Empfangs- dard mit 4,43 MHz phasenmoduliert und
fachbeiträge

­Bildinhalten. gerät integriert das menschliche Auge dann zusammen mit den nötigen Synchronisa­
– Zwischenzeilenverfahren: Das mensch- die Zeilensprünge wieder zu einem Ge- tionssignalen zum Helligkeitssignal (Y) ad-
liche Auge integriert die Halbbilder wie- samtbild. Der Bildschirm leuchtet in der diert. Das so entstandene analoge Farb-/
der zu einem Gesamtbild. doppelten Frequenz der Bildwiederholrate Bild-Austastsignalgemisch (FBAS) erlaubt
– Auflösung: Die Auflösung des mensch- auf, ohne dass sich deshalb die übertra- die vollständige Rekonstruktion der ur-
lichen Auges ist begrenzt. Zudem kann gene Informationsmenge ebenfalls verdop- sprünglichen Bildinformation beim TV-Emp-
fänger (siehe Bild 4).
Zu Beginn des Fernsehens wurden nur
Helligkeitswerte übertragen, d.h. Schwarz-
Mikrofon(e) Weiss und keine Farben. Die Farben kamen
FBAS
Signal- Darstellung
erst später hinzu. Damit die bereits vorhan-
HF- HF-De-
Modulation «Kanal» modulation rekon- (Bildschirm, denen Schwarz-Weiss-Empfänger weiter-
struktion Lautsprecher)
Kamera – Terrestrisch Ton hin betrieben werden konnten, mussten
FBAS – Kabelnetz
– Andere rückwärtskompatible Systeme zur Farb-
übertragung entwickelt werden. Neben
NTSC in den USA und Secam in Frankreich
Bild 3  Analoge Fernsehübertragung.
und einigen osteuropäischen Ländern
setzte sich in Westeuropa der PAL-Farb-
fernsehstandard durch. PAL feierte seine
U [t] Zeilensynchronimpuls Geburtsstunde 1967 anlässlich der Interna-
tionalen Funkausstellung und wurde abge-
Farbsynchronsignal (Phasen)
sehen von punktuellen Verbesserungen
und wenigen Ergänzungen bis heute unver-
«Mittlerer Pegel» = Helligkeit ändert beibehalten. PAL steht für Phase Al-
ternating Line. Dabei wird zeilenweise die
4,43 MHz Überlagerung Phasenlage des Farbdifferenzsignals (R-Y)
– Amplitude = Farbsättigung
– Phasenlage = Farbton um 180 Grad umgeschaltet. Da sich der
Bildinhalt zwischen zwei Zeilen nicht we-
t [µs] sentlich ändert, können auf der Übertra-
gungsstrecke entstandene Farbtonfehler
Sichtbarer Bereich = 52 µs durch die Verrechnung zweier aufeinander-
folgenden Zeilen beim Empfänger kom-
1 Zeile = 64 µs
pensiert respektive in Farbsättigungsfehler
umgewandelt werden. Ein Fehler der Farb-
sättigung ist für den Menschen wesentlich
Bild 4  FBAS-Signal (Composite).
Farb-/Bild-Austastsignalgemisch. Dieses analoge Videosignal erlaubt die vollständige Rekonstruktion der schwerer wahrzunehmen als ein Farbton-
­ursprünglichen Bildinformation beim TV-Empfänger. fehler.

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Format Seiten­ Zeilen Pixel


verhältnis (vertikal) (horizontal) Kanalraster
4:3   576   720 Mit Kanalraster (Kanalbandbreite) wird der Abstand zwischen benachbarten Kanälen
SDTV in einem Frequenzband bezeichnet. Innerhalb eines Frequenzbandes sind die Kanäle
16:9   576   960
gleich breit. Beim analogen Fernsehen benötigt ein Programm jeweils exakt einen
16:9 1080 1920 Hochfrequenzkanal zur Übertragung. Beim digitalen Fernsehen findet pro HF-Kanal
HDTV ein Multiplex mit mehreren Programmen Platz.
16:9   720* 1280*
* nur für progressive Abtastverfahren

Tabelle I  Bildformate.

Band I Band II Band III Band IV und V


(UKW)

Zur Übertragung werden die Basisband-


signale (FBAS und Audio) hochfrequenz-
3�7 MHz 27�7 MHz 70�8 MHz
moduliert, addiert und über einen 7 oder 8 HF-Kanäle HF-Kanäle HF-Kanäle
MHz breiten Hochfrequenzkanal zum Emp-
fänger übertragen. Das Videosignalgemisch
(FBAS) wird dabei amplitudenmoduliert und

Kanal
das Stereotonsignal frequenzmoduliert. Im
Empfänger wird der entsprechende Emp-
47 68 87,5 108 111 300 302 862 MHz
fangskanal selektiert (Tuner) und das emp- K2 K4 S2 S20 S21 K69

fangene Signal wieder demoduliert. Aus


den so gewonnenen FBAS- und Tonsig-
nalen werden wieder die verschiedenen
Einzelkomponenten (z.B. RGB-Video­
signale, Synchronisationssignale, Ton links, Von RGB zu YCbCr
rechts ...) rekonstruiert und schliesslich zum

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Während das RGB-Farbmodell eine bestimmte Farbe durch die additiven Grundfarben
zeilenweisen Aufbau auf dem Bildschirm Rot, Grün, Blau ausdrückt, wird bei Hellligkeits-Farbigkeits-Modellen wie YCbCr der
respektive zur Tonwiedergabe auf den Laut- RGB-Farbwert in die Grundhelligkeit Y und zwei Farbkomponenten Cb und Cr auf-
sprechern ausgegeben. geteilt. Dabei ist Cb ein Mass für die Abweichung von Grau in Richtung Blau bzw.
Die wichtigsten Parameter des analogen Gelb (Komplementärfarbe von Blau) und Cr die entsprechende Masszahl für die Ab-
PAL-Fernsehens lauten zusammengefasst: weichung in Richtung Rot bzw. Türkis.
– Zeilen: 625 (sichtbar 576) Bestimmung von YCbCr aus RGB:
– Vertikalfrequenz: 50 Hz Y = 0,299    R + 0,587    G + 0,114    B
– Horizontalfrequenz: 15 625 Hz Cr = 0,6    R – 0,28    G – 0,32    B
– Videobandbreite: 5 MHz Cb = 0,21    R – 0,52    G + 0,31    B
– Kanalbandbreite: 7/8 MHz Dieses Modell bildet somit die Grundlage, die Farbkomponenten Cb /Cr mit einer gerin-
– Farbträger: 4,43 MHz geren Auflösung zu übertragen als die Helligkeitswerte Y (Chromasubsampling).
– Tonträger: 5,5 MHz
Abtastformate und Datenraten
Digitales Fernsehen Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht der wichtigsten Abtastformate und deren
Wie das analoge basiert das digitale Rohdatenraten.
Fernsehen auf der Übertragung von auf-
einanderfolgenden Einzelbildern. Die we-
sentliche Neuerung liegt darin, dass die Format RGB 4:4:4 1 Pixel
RGB YCbCr YCbCr
Bild- und Tonsignale vor der Verarbeitung Bild 4:4:4 4:2:2 4:2:0
B B B B B B Zeile 1
(aktiv) 10 Bit 8 Bit 8 Bit
und Verbreitung in digitale Signale umge- G BG BG BG BG BG B Zeile 2
wandelt werden (A/D-Wandler). Dies bildet 720�576
fr = 25i 311 166 124 R GR GR GR GR GR G
die Basis für die anschliessenden Signal- fsy = 13,5
R R R R R R
verarbeitungsalgorithmen wie die Daten- 960�576
fr = 25i 415 221 166
reduktion nach MPEG für eine wirtschaft­ fsy = 18
YCrCb 4:2:2

liche Verbreitung und/oder Archivierung Cb Cb Cb


1280�720
(Bild  5). fr = 25p 1382 737 553 Cr C
b
Cr C
b
Cr C
b
fsy = 74,5
Das Bildformat und die Auflösung eines Y CrY Y CrY Y C
r
Bildes werden bestimmt durch die Anzahl 1920�1080
fr = 25i 1555 829 622 Y Y Y Y Y
der vertikalen und horizontalen Bildpunkte. fsy = 74,5
YCrCb 4:2:0
Der analoge PAL-Standard definiert die ver-
Nettodatenraten in Mbit/s
tikale Auflösung mit 576 sichtbaren Zeilen. Cr C
b
Cr C
b
Cr C
b
fr = Bildwechselfrequenz in MHz Y Y Y Y Y
Die Anzahl der Bildpunkte pro Zeile (hori- i = interleaced
zontale Auflösung) wird nicht durch eine p = progressiv Y Y Y Y Y
fsy = Abtastfrequenz (Luminanz Y)
diskrete Zahl bestimmt, sondern durch die
Bandbreite der Kamera und die Signalver-
arbeitung. Im Zuge der Digitalisierung

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Digitales Fernsehen

alle 40 ms eine Datenmenge von rund 1,25


Mikrofon(e) MB anstehen, für HDTV sogar bis zum 5-
A/D-
Wandler
Daten-
reduktion Weitere Transportstream
Fachen davon. Dieses Rohdatenformat
Programme (mehrere Programme) wird auch als 4:4:4-RGB-Format bezeich-
Transport- HF- net und ausser für Spezialanwendungen
multiplexer Modulation «Kanal»
Bild- A/D- Daten- Programm- aufgrund seiner hohen Datenraten nicht
wandler Wandler reduktion multiplexer – Terrestrisch
– Kabelnetz weiter verwendet. Bei der Fernsehtechnik
– Satellit
– Andere macht man sich zunutze, dass das mensch-
Daten Service Information liche Auge Farbänderungen von benach-
(Steuerinformationen usw.)
barten Pixeln weniger stark wahrnimmt als
Helligkeitsänderungen und dass sein Auf-
Bild 5  Digitale Fernsehübertragung.
lösungsvermögen in vertikaler Richtung
stärker ausgeprägt ist als in der Horizonta-
Analoges
len. Dies erlaubt, die Farbinformation mit
U [t]
Videosignal geringerer Auflösung zu verarbeiten als
Typische Samplingfrequenzen
bei der digitalen Videotechnik: die Helligkeitsinformation (Chromasubsam-
– 13,5 MHz (SDTV 4:3 und 16:9 anamorph) pling).
– 18 MHz (EDTV echt 16:9)
– 74,25 MHz (HDTV) Im Studiobereich heute üblich ist das
t
4:2:2-YCbCr-Format. Dabei werden für
Abtastperiode jeden Abtastpunkt ein 8-Bit-Helligkeitswert
(T = 1/Samplingfrequenz) (Y) und nur noch für jeden zweiten Abtast-
punkt je zwei 8-Bit-Farbdifferenzwerte (Cb,
Cr) verwendet (Horizontal-Chromasubsam-
Digitales pling). Im Broadcastbereich durchgesetzt
Videosignal
hat sich das 4:2:0-YCbCr-Format. Dabei
werden wie beim 4:2:2-Format immer noch
8-Bit-Codewort
für jeden Abtastpunkt ein 8-Bit-Helligkeits-
wert (Y), jedoch nur noch zeilenweise alter-
fachbeiträge

Bild 6  Umwandlung analog-digital.


nierend ein Farbdifferenzwert Cb oder Cr
übertragen (Horizontal- und Vertikal-Chro-
masubsampling). Die resultierende Daten-
wurde für ein digitalisiertes Bild mit PAL- Videotechnik sind dabei Wortbreiten von menge wird damit gegenüber dem Roh-
vergleichbarer Auflösung eine horizontale 8–10 Bit üblich. Als Ergebnis entsteht eine datenformat halbiert, ohne dass merkliche
Auflösung von 720 Pixeln definiert. Man unendliche Folge von Codewörtern, die das Qualitätseinbussen festgestellt werden
spricht von SDTV (Standard Definition TV). ursprüngliche analoge Signal repräsentiert können (Bild im Kasten unten auf Seite 29).
Tabelle I zeigt die für den Broadcastbereich (Bild 6).
relevanten Formate. Für die 3 Grundfarbsignale (RGB) fallen
Die flexible Transporttechnologie (Pro- somit insgesamt mindestens 3  8 = 24  Bit Datenreduktion
gramm- und Transportmultiplex) bei DVB pro Bildpunkt an. Für eine mit PAL ver- Die nach der Digitalisierung vorliegenden
erlaubt eine Vielzahl von Möglichkeiten zur gleichbare Auflösung (SDTV) würde somit Datenraten sind immer noch zu hoch, um
Übertragung von verschiedenen Bild- und
Tonformaten und Zusatzinformationen. In
einen 8  MHz breiten Hochfrequenzkanal
Neuerung (digitales TV) Bisher (analoges TV)
können somit beispielweise mehrere Pro-
gramme gleichzeitig übertragen werden, Nahezu beliebiges Hinzufügen von Zusatz- Die Bandbreite für Zusatzinformation ist stark
während dies beim analogen TV auf ein informationen (z.B. elektronischer Programm- beschränkt (Teletext)
Programm pro Hochfrequenzkanal be- führer)
schränkt ist. Ein weiterer wichtiger Aspekt Unterstützt unterschiedliche Videoformate Nur PAL 4:3
ist, dass aufgrund der digitalen Signalver- (z.B. SDTV 4:3, SDTV 16:9, HDTV sowie (16:9 nur durch Hinzufügen der «schwar-
breitung Qualitätsverluste auf den Verbrei- ­weitere zukünftige Formate) zen Balken» am oberen und unteren Bild-
rand, sog. Letterbox, d.h. Reduktion der Auf-
tungswegen nahezu eliminiert werden kön- lösung)
nen. Tabelle II fasst die wesentlichen Unter-
Mehrere Stereo-Tonkanäle, Dolby Digital8) Beschränkt auf zwei analoge Tonkanäle
schiede zwischen analogem und digitalem
(Dolby Surround)9)
Fernsehen aus Sicht des Anwenders zu-
sammen. Datenübertragung für beliebige zukünftige Die Bandbreite für Daten ist stark beschränkt
Anwendungen und für datenintensive Anwendungen nicht
geeignet
Abtastung und Quantisierung Gleichzeitige Übertragung mehrerer Pro- 1 Programm beansprucht jeweils einen gan-
gramme pro HF-Kanal (erlaubt grösseres zen HF-Kanal
In einem ersten Schritt müssen die zei- Programmangebot)
lenweise für jede Grundfarbe (R,  G,  B) vom
Digitale Übertragung, Verluste auf der Über- Auf dem Übertragungsweg «eingefangene»
Bildwandler erzeugten analogen Signale in
tragungstrecke können nahezu vollständig Störungen können nur schwer oder gar nicht
digitale umgewandelt werden. Dazu wird eliminiert werden mehr korrigiert werden (Rauschen, Geister-
das analoge Signal periodisch abgetastet bilder etc.)
(diskretisiert) und in einen definierten binä-
ren Wert umgewandelt (quantisiert). In der Tabelle II  Neuerungen beim digitalen Fernsehen.

30 Bulletin SEV/VSE 3/2008


Digitales Fernsehen

wahrnimmt als tiefere, werden diese bei der


anschliessenden Quantisierung tiefer ge-
a b c wichtet, womit die Datenmenge reduziert
wird. Durch eine anschliessende Codeopti-
mierung (Run Length Encoding und Huff-
mancodierung) lassen sich weitere re­
Streifen
dundante Informationen einsparen. Das
grundlegende Verfahren der MPEG-Codie-
rung besteht nun darin, möglichst viele
Vektor Makroblock Bildteile nur durch die Differenz des Bild-
inhaltes zum vorherig codierten Bild zu be-
schreiben. Bei dieser Bewegungskompen-
Metablock Block sation wird die Verschiebung von Bildteilen
(4 Blöcke) (8�8 Pixel) ermittelt, wie sie bei Kameraschwenks oder
sich bewegenden Objekten entstehen. Die
Bild 7  MPEG-Videocodierung.
Bewegung von Bildteilen wird in Form von
einfachen Verschiebungsvektoren aus-
gedrückt. So kommt beispielsweise ein
Paketgrösse variabel langsamer Kameraschwenk fast ohne die
1010110101010101 Codierung und Übertragung von eigentli-
..101101100..
Video (MPEG) Paket- PES chen Bildinformationen aus. Will man bei-
Encoder ES bildung
spielsweise den fett markierten Makroblock
Programmmultiplexer

1101 1010110101010101 1101 101110 101


des Bildes 7c codieren, wird im Bild 7b in-
Audio (MPEG)
..101101100..
Paket- PES
nerhalb eines bestimmten Suchbereichs
PS
Encoder ES bildung ein möglichst ähnlicher Block gesucht, und
nur die Differenz beider Blöcke (=  geringerer
101110
..101101100.. Informationsgehalt) sowie der Verschie-
Daten Paket- PES
bungsvektor werden codiert und über­

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bildung
tragen.
101 ES: Elementary Stream Die Effizienz der Komprimieralgorithmen
PES: Packetized Elementary Stream
Program Specific Service Information (PSI) PS: Program Stream befindet sich in ständiger Entwicklung.
Beim heutigen Stand der Technik werden
für SDTV Datenraten im Bereich von 4–7
Bild 8  Aus den Elementarströmen wird der Programmstrom zusammengesetzt. Mbit/s (MPEG-2) und für HDTV 8–16 Mbit/s
(MPEG-4/AVC, auch als H.264 bezeichnet)
erreicht. Der Kompressionsgrad hängt we-
sentlich vom Bildinhalt ab. Stark bewegte
PS 1 (z.B. SF 1)
188 Bytes Bilder lassen sich schlechter komprimie-
ren.
Transportmultiplexer

PS 2 (z.B. SF 2)

PS 3 (z.B. SF info) Transportstream (TS)


Transportströme
Video Video Video Video Audio Video Daten SI Video Video
und Multiplexing
PS n (z.B. HD Suisse)
Die nach der Codierung am Ausgang
des MPEG-Encoders bereitstehenden
Video- und Audiodatenströme (Elementary
Stream, ES genannt), müssen zur weiteren
Service Information (SI)
Verbreitung zusammengefasst werden.
Dazu werden diese zunächst in Pakete un-
terteilt. Jedes Paket wird mit zusätzlichen
Bild 9  Mehrere Programmströme werden zu einem Transportstrom zusammengesetzt. Informationen über seinen Inhalt und seine
Grösse versehen. Anschliessend werden
die Audio- und Videopakete, ergänzt mit
diese wirtschaftlich übertragen zu können. rell werden schnelle örtliche Bildänderun- zusätzlichen Paketen für Daten und Si­
Die Datenrate muss reduziert werden gen, die das menschliche Auge nur schwer gnalisierung (Service Information, Elektro-
(Bild  5). Dazu werden hauptsächlich die von erkennt, ab einen gewissen Grad nicht nischer Programmführer EPG, Teletext
MPEG spezifizierten Verfahren zur Video- mehr übertragen. etc.), im Programmmultiplexer zusammen-
codierung eingesetzt. Im Unterschied zum Zur Bearbeitung werden die Bilder in gefasst. Es entsteht der sogenannte Pro-
analogen Fernsehen werden dabei nur einzelne Blöcke unterteilt (Bild  7). Diese grammstrom (PS), dieser enthält nun alle
noch sporadisch vollständige Bilder (so- Blöcke werden mit einer mathematischen notwendigen Informationen eines einzelnen
genannte I-Frames) und in der Zwischen- Operation, der diskreten Cosinustransfor- Programms (Bild 8).
zeit die sich ändernden Bildanteile (P- und mation (DCT), bearbeitet. Dabei werden die Je nach verwendetem Verbreitungsweg,
B-Frames) übertragen. Bildanteile, die im Helligkeits- beziehungsweise Farbwerte in typischerweise bei DVB, werden mehrere
gleichen Bild mehrfach identisch vorkom- Frequenzen umgewandelt. Da das mensch- solcher Programmströme zu einem Trans-
men, werden nur einmal übertragen. Gene- liche Auge höhere Frequenzen schlechter portstrom6) zusammengefasst. Zudem wer-

Bulletin SEV/AES 3/2008 31


Digitales Fernsehen

den die vergleichsweise grossen, variablen


Simulcrypt/Multicrypt Pakete des Programmstroms auf viele
kleine Pakete mit konstanter Grösse von
Der DVB-Standard erlaubt das gleichzeitige Verwenden von verschiedenen Condi- 188 Bytes angepasst. Jedes Paket besteht
tional-Access-Systemen (CA). Dabei wird zwischen Multicrypt und Simulcrypt un- aus einem Kopf (Header) und einem Nutz-
terschieden. Beim Multicrypt-Verfahren werden die verschlüsselten Nutzdaten sowie datenteil (Payload). Der Header enthält
die CA-Meldungen (CA Service Information) der verschiedenen Programmpakete unter anderem Informationen über den In-
(Transportströme) unabhängig voneinander mit dem jeweils verwendeten CA-System halt und die Zugehörigkeit des Pakets,
übertragen. Multicrypt-Verfahren erlauben das Empfangen von Programmpaketen ver- damit beim Empfänger die Elementar-
schiedener Veranstalter ohne eine übergreifende vertragliche Vereinbarung (gemein- ströme wieder hergestellt werden können.
samer Schlüssel). (Bild 9)
Beim Simulcrypt-Verfahren werden nur die verschiedenen CA-Meldungen (CA Service Die Anzahl der Programme pro Trans-
Information) mehrfach übertragen. Das mit dem (für alle Systeme identischen) Code­ portstrom ist abhängig von den Datenraten
wort verwürfelte Nutzsignal wird nur einmal übertragen. Der Empfänger filtert die der einzelnen Programme und den Eigen-
für sein System passende CA-Meldung zur Rekonstruktion des Codeworts heraus. schaften des anschliessend verwendeten
Simulcrypt erlaubt den gleichzeitigen Betrieb von verschiedenen CA-Systemen oder Verbreitungswegs.
-Versionen, ohne dass das identische Nutzsignal mehrfach übertragen werden muss.

Conditional Access
Bei Bedarf können die Pakete im Trans-
portstrom verschlüsselt werden (Bild  10).
Dies erlaubt, sämtliche oder einzelne Pro-
QPSK gramme eines Transportstroms (TS) nur
Vierphasenmodulation (englisch Qua- 10 Q 00 berechtigten Empfängern zugänglich zu
ternary Phase Shift Keying). Die QPSK machen (bedingter Zugriff: engl. Conditional
ist ein digitales Modulationsverfahren, Access). Das Scrambling (dt. Verwürfelung)
bei dem pro Sendetakt 2 Bits über- erfolgt mit einem standardisierten Algorith-
45°
tragen werden. Die Information wird mus (DVB Common Scrambling ­Algorithm).
fachbeiträge

I
dabei in der Phasenlage des Trägersig- Dieser berechnet aus dem Eingangssignal
nals übertragen. Die Amplitude ist ohne und einem sich ständig ändernden Code-
Bedeutung. Daher sind QPSK-Signale wort das chiffrierte Aus­gangssignal. Zum
robust gegenüber Störungen. Descrambling im Empfänger muss das ak-
tuelle Codewort bekannt sein. Die dazu
11 01
notwendige Information wird dem Trans-
portstrom in standardisierten Meldungen
(CA Service Information) hinzugefügt (MUX).
QAM Zusammen mit den auf den Smartcards
Q
Quadraturamplitudenmodulation (eng- gespeicherten Schlüsseln kann der Emp-
lisch: Quadrature Amplitude Modula- fänger die notwendigen Codewörter wie-
1011 1001 0010 0011
tion). QAM kombiniert die Amplituden- derherstellen. Die genauen Mechanismen
und Phasenmodulation. Das heisst, die und Verfahren sind abhängig vom jeweiligen
1010 1000 0000 0001
Information wird in der Phasenlage (wie Hersteller (Nagravision, Conax, ViaAccess,
I bei QPSK) und zusätzlich in der Am- NDS etc.). Aus naheliegenden Gründen der
plitude übertragen. Somit können pro Sicherheit kann und soll hier kein Standard
Sendesymbol mehr Zustände über- existieren.
1101 1100 0100 0110
tragen werden. QAM-16 erlaubt 16
verschiedene Zustände (4 Bit), QAM-
1111 1110 0101 0111
Digitale Modulation
64 sinngemäss deren 64 (6 Bit) etc.
QAM-16
Je höher der Modulationsgrad, desto Wie schon beim analogen Fernsehen
schwieriger wird es für den Empfänger, das FBAS-Signal und die beiden Ton­
die einzelnen Zustände wieder von- signale, müssen auch beim digitalen Fern-
Q
einander zu unterscheiden und den bi- sehen die Basisbandsignale, in diesem Fall
nären Ursprungswert richtig zu rekon- die digitalen Transportdatenströme, auf
struieren. Deshalb sind höherwertige einen Kanal «gebracht» werden, damit
Verfahren vergleichsweise empfindlich diese über das entsprechende Verbrei-
gegen Störungen und können nur auf tungsmedium (Satellitenstrecke, Kabelnetz
I entsprechend guten (Kabel-)Verbindun- etc.) transportiert werden können (Bild  5).
gen eingesetzt werden. Dazu bedient man sich der für digitale Si­
gnale optimierten Modulationsverfahren wie
QPSK oder QAM.
Da auf der Übertragungsstrecke Störun-
gen auftreten können, werden den einzel-
QAM-64 nen, 188 Bytes grossen Datenpaketen vor
der Modulation zusätzliche Bytes zur Feh-
lerkorrektur hinzugefügt. Dies erlaubt dem

32 Bulletin SEV/VSE 3/2008


Digitales Fernsehen

Medium Standard Verfahren Modulation FEC Kanalbreite Nutzbare Daten­ heitlicher, alle Programme umfassender
[MHz] rate pro Kanal EPG).
[Mbit/s] Heutige Kabelnetze basieren auf der
QPSK 2/3 33 33,8 HFC-Technologie. Hybrid Fibre Coax be-
DVB-S zeichnet die leitungsgebundene Übertra-
Single QPSK 7/8 33 44,4
Satellit gung von analogen und digitalen Signalen
Carrier QPSK 3/4 33 46,0 grosser Bandbreite. Dabei werden zur Ver-
DVB-S2
8-PSK 2/3 33 58,8 teilung der Signale bis in die Quartiere Glas-
faserleitungen verwendet (FTTC, Fibre to
QAM-64 – 8 38,45
DVB-C Single
the Curb). An den Endpunkten der Glasfa-
Kabel QAM-256 – 8 51,28 sern werden die optischen Signale in elek-
Carrier
DVB-C2* QAM-1024 – 8 65,8 trische gewandelt, die dann über Koaxi-
QAM-16 5/6 8 18,43
alkabel in die einzelnen Haushalte geführt
Terres-
DVB-T COFDM werden. Meist versorgt ein Koaxialkabel
trisch QAM-64 7/8 8 31,67 mehrere Haushalte. HFC-Netze werden
* in Vorbereitung gewöhnlich für Kabelfernsehen verwendet
und sind in der Regel mit einem Rückkanal
Tabelle III  Gebräuchliche Konfigurationen des DVB-Standards. ausgestattet, um Datendienste und inter-
aktives Fernsehen anzubieten. Je nach
Netzausbau (und fortgeschrittener Ab-
schaltung der analogen TV-Verbreitung)
Empfänger, während der Übertragung ent- werden demoduliert, die Signalisierungs- verfügen die HFC-Netze über 70 bis 100
standene Fehler bis zu einem bestimmten informationen angepasst und QAM-modu- HF-Kanäle, die zur Übertragung von digita-
Grad wieder zu eliminieren. Neben einer liert auf den entsprechenden Kanälen (typi- len Fernsehprogrammen genutzt werden
konstanten Anzahl von 6 Bytes (Reed-Solo- scherweise im Band IV und V) auf das können. Pro Kanal können mit heutigen
mon-Code) werden zusätzlich eine durch ­Kabelnetzwerk ausgegeben. Aufwendigere Modulations- und Videokomprimierungs-
die Qualität der Übertragungsstrecke be- Kopfstationen öffnen die Transportströme, technologien bis zu 12 SDTV- oder 5 HDTV-
dingte Anzahl Bytes hinzugefügt (FEC7)). setzen die darin enthaltenen Programme Programme übertragen werden. Der in Ent-

articles spécialisés
FEC 2/3 bedeutet beispielsweise, dass auf neu zusammen, passen bei Bedarf die wicklung stehende DVB-C2-Standard ver-
2 Nutz-Bytes noch 1 Byte für die Fehler- ­Datenrate an (Remultiplexing) und fügen spricht eine Kapazitätszunahme von bis zu
korrektur hinzukommt. Bei der Verbreitung Daten für Zusatzdienste hinzu (z.B. ein­ 80%.
über Kabelnetze entfällt die FEC aufgrund
der weitaus geringeren Störanfälligkeit.
Tabelle  III zeigt einen Auszug der ge-
bräuchlichsten bei DVB spezifizierten Kon-
figurationen. Im Wesentlichen unterschei- Sender Empfänger
den sich die Verfahren bei den verwendeten
Modulationsgraden und Fehlerkorrekturen. CSA nach
DVB-Standard Transportstream (Kanal)
CSA nach
DVB-Standard
Aufgrund der verschiedenen Verfahren ste- Audio/Video Audio/Video
unverschlüsselt unverschlüsselt
hen deshalb für jedes Medium unterschied- Scrambler Descrambler
liche Transportkapazitäten (Nettodatenra-
ten) pro Kanal zur Übertragung von digitalen
Codewort
Programmen und Zusatzdaten bereit. (wiederhergestellt)
ECM/EMM

Codewort
Weiterverbreitung (generiert)

Aufgrund der hohen Verkabelungsdichte CA-Hersteller-abhängige Verschlüsselung Smart-


spielt die Weiterverbreitung über Kabel- der Codewörter, Übertragung mittels
DVB-standardisierten Meldungen (ECM/EMM)
card
netze in der Schweiz die wichtigste Rolle.
Mehr als 2,8 Mio. Haushalte beziehen ihr
Fernsehsignal via Kabelnetz. Die Kabelnetz- Bild 10  Verschlüsselte Übertragung.
betreiber empfangen die digitalen TV- und
Radioprogramme von den verschiedenen
Bilder: Swisscable

Programmveranstaltern via Satellit, Glasfa-


serleitungen oder über Richtfunkverbindun- Verschiedene
Veranstalter Kopfstation Zelle (Quartier)
gen. In der Kopfstation (Headend) werden
Empfang
die Signale den Kundenbedürfnissen ent- Koax
QAM Array

o/e
Entschlüsselung
sprechend aufbereitet und nach DVB-C- Glasfaser
Re-MUX
Standard über Kabelnetze zu den An-
Verschlüsselung
schlussdosen in den Wohnungen übertra- Direktempfang
u/o Backbone Settop-Box
gen (Bild 11). Einzelprogramm
Zusatzdienste
Die Aufbereitung in der Kopfstation be- Programmmultiplex
Programmmultiplex (HF-moduliert)
steht im einfachsten Fall aus einer einfachen
Transmodulation. Die via Satellit empfange-
nen, QPSK-modulierten Transportströme Bild 11  Der digitale Weg bis in die Wohnung.

Bulletin SEV/AES 3/2008 33


Digitales Fernsehen

Weiterführende Literatur Signale und Nachrichten er weiterverarbeiten will oder


nicht.
hängige digitale Tonkanäle zu übertragen. Beispielsweise
handelt es sich beim Format DD 2.0 um ein Stereosignal
U. Reimers: Digitale Fernsehtechnik, Springer Ver- 6)
  Transportstream TS: Beim digitalen Fernsehen be- und bei DD 5.1 um ein 5 Kanal- und 1 Subwoofer-Signal
lag zeichnet ein Transportstream einen Datenstrom, der alle (Tiefstfrequenzeneffekte). Je nach Format werden zur
P. Zastrow: Fernsehempfangstechnik, Frankfurter notwendigen Informationen (Audio, Video, Data, Signali- Übertragung Bitraten von 64 bis 448 kbit/s (typ. 384
Verlag sierung) zur Übertragung und Darstellung beim Empfän- kbit/s) benötigt.
ger beinhaltet. Man unterscheidet zwischen SPTS (Single 9)
  Dolby Surround: Dolby Surround ist ein analoges
Program Transport Stream) und MPTS (Multiple Program ­Mehrkanaltonverfahren. Mithilfe einer speziellen Matrix­
Transport Stream). Ein SPTS beinhaltet Informationen codie­rung werden 4 Tonkanäle auf 2 Kanäle verteilt und
Links von genau einem Programm (z.B. zum Abspeichern auf über die herkömmlichen Stereokanäle beim analogen TV
www.itu.int DVD oder zur IP-basierten Weiterverbreitung). Der MPTS verbreitet. Ein entsprechender Decoder (z.B. Hi-Fi-An-
hingegen beinhaltet die Informationen mehrerer Pro- lage) gewinnt die 4 Tonkanäle (Left, Right, Center, Sur-
www.dvb.org gramme und kommt typischerweise bei der DVB-basier- round) wieder aus dem 2-Kanal-Signal zurück. Empfän-
www.etsi.org ten Verbreitung zur Anwendung. gerseitige Weiterentwicklungen wie Dolby Prologic II
www.swisscable.ch 7)
  Forward Error Correction. haben zwar inzwischen den Raumklangeindruck verbes-
8)
  Dolby Digital (DD): Als digitale Weiterentwicklung bietet sert, dennoch bleiben die Eindrücke auf «Einzeleffekte»
Dolby Digital (AC-3) die Möglichkeit, bis zu 6 un­ab­ beschränkt.
Angaben zum Autor
Martin Volken ist Leiter Technik von Swiss-
cable. Swisscable ist der Verband der Schweizer
Kabelnetzbetreiber. 
Swisscable, 3011 Bern, info@swisscable.ch 

1)
  Standard Definition TV. Résumé
2)
  High Definition TV.
3)
  IPTV: Übertragung von Multimediadiensten (Fernse- Comment fonctionne la télévision numérique?
hen, Video, Audio, Texte, Bilder und Daten) über IP-ba- De FBAS et PAL à MPEG et à la modulation numérique. Le marché de la télévision
sierende Netze, die das benötigte Mass an Qualität
(QoS, QoE), Sicherheit, Interaktivität und Zuverlässigkeit est en mouvement. Ce qui le fait bouger, c’est essentiellement la numérisation ou digi-
bereitstellen. talisation actuelle de la télévision: l’Union européenne s’est fixé pour but de remplacer
4)
  Motion Picture Experts Group.
5)
  Broadcast: Nach diesem Prinzip funktioniert die klas-
intégralement la télévision analogique par la numérique d’ici 2012. Mais comment la
sische Fernsehausstrahlung: Ein Sender versorgt gleich- télévision numérique fonctionne-t-elle? Le présent article explique les bases selon la
zeitig nahezu beliebig viele Empfänger mit demselben norme DVB et expose les différences et les nouvelles possibilités en comparaison de la
Signal. Ein Signalfluss vom einzelnen Empfänger zurück
zum Sender ist nicht notwendig. Jeder Empfänger ent- technique analogique actuelle.
scheidet autonom, ob und welche der empfangenen
fachbeiträge

34 Bulletin SEV/VSE 3/2008