Sie sind auf Seite 1von 3

Kusyk Nastja

Digest
Die sprachregelnde Tätigkeit von Johann Christoph Gottsched

Johann Christoph Gottsched gehört zu den bekanntesten, aber auch


zu den umstrittensten Figuren der deutschen Sprach- und
Literaturgeschichte.
Gottsched lieferte einen positiven Beitrag zur Entwicklung der deutschen Sprache,
und die moderne Kritik neigt dazu, dies als die weitaus wichtigste Seite seines
Tätigseins zu betrachten. (Eric A. Blackall 1966, S.76.)

Ziel und Inhalt seiner Arbeit waren nationale und aufklärerische Impulse.
Gottsched wollte zum einen die deutsche Sprache und Kultur von Überfremdung
befreien, eine deutsche Nationalliteratur begründen und Anschluss an die
gesamteuropäische Kulturentwicklung gewinnen. Zum anderen wirkte er
unermüdlich für die bürgerliche Emanzipation: er popularisierte den
Vernunftgedanken als Medium bürgerlicher Selbstverständigung mit universalem
Anspruch und wirkte mit an einem breit angelegten aufklärerischen
Bildungsprogramm.

Gottsched sah seine Aufgabe in der Normsetzung und Normformulierung. In


der Einleitung seiner „Vollständigeren und Neuerläuterten deutschen
Sprachkunst“ (5. Auflage, 1762) erklärt er es zur ersten Aufgabe der Sprachkunde,
Anleitungen und Regeln zu geben, „wie man die Sprache eines gewissen Volkes,
nach der besten Mundart desselben, und nach der Einstimmung seiner besten
Schriftsteller, richtig und zierlich, sowohl reden, als schreiben solle.“ (Johann
Gottsched 1762, S. 1.)

In diesem Satz werden viele grundlegende Fragen berührt, die von der
Sprachkunde im 18. Jahrhundert kontrovers diskutiert wurden: Welche ist die beste
Mundart eines Volkes und muss daher als Leitvarietät bei der Formulierung der
hochsprachlichen Norm gelten? Welche Varietät innerhalb des Dialekts kann als
vorbildlich gelten und welche Rolle spielen die Schriftsteller bei der Findung der
Norm? Was ist in einer Sprache das „Richtige“ und wie ist zu verfahren, wenn das
Richtige dem Sprachgebrauch widerspricht? (Joachim Scharloth 2005, S.2)

Freilich ist es nicht die Sprache des Pöbels in der betreffenden Residenz,
sondern die der „Vornehmern und Hofleute“, die Gottsched zur Leitvarietät erhebt.
Gottscheds Grammatik liegt demnach die Vorstellung zu Grunde, dass das
Hochdeutsche eine vom Hof und den Gelehrten kultivierte Sprache auf der Basis
des Obersächsischen ist.

Bei Gottsched ist es freilich nicht das gesamte Volk Obersachsens, dessen
Sprache ganz Deutschland zum Muster dienen kann, sondern die Sprache der
Schriftsteller und der kultiviertesten Schicht, der „obern Classen“. (Joachim
Scharloth 2005, S.4.)

Darüber hinaus nutzte er sämtliche publizistischen Möglichkeiten zur


Verbreitung seiner aufklärerischen Ideen auch außerhalb exklusiver gelehrter
Zirkel.  Neu war seine Entdeckung des Theaters als Institution der Aufklärung.  Er
kritisierte das Theater, wie es zu Beginn des 18. Jahrhunderts üblicherweise
aufgebaut war und strebte nach einem höheren Niveau der deutschen Sprache und
Literatur. Dichtung und Theater in seinem Sinne müßten den Menschen erziehen
und moralische Grundsätze vermitteln. Es sollte also keineswegs mehr Ziel des
Theaters sein, zu belustigen und zu unterhalten, sondern es zählte lediglich die
Belehrung. (Werner Rieck 1972, S. 133.)

Im Großen und Ganzen, in seiner Dichtungstheorie forderte Gottsched


Klarheit und Moralität. Daraus ist es ersichtlich, dass Nach Gottscheds Ansicht die
Dichtung die Aufgabe haben sollte, den Menschen durch Berühren seines Geistes
moralisch zu erziehen.

„Der Poet wählet sich einen moralischen Lehrsatz, den er seinen


Zuschauern auf eine sinnliche Art einprägen will. Dazu ersinnt er sich eine Fabel,
daraus die Wahrheit eines Satzes erhellet. Hiernächst suchet er in der Historie
solche berühmte Leute, denen etwas ähnliches begegnet.“ (Versuch einer
christlichen Dichtkunst,1730)