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Stachus

Der Stachus, offiziell Karlsplatz, ist ein Platz im Zentrum Münchens. Er wird halbkreisförmig


vom neobarocken Stachus-Rondell umgeben, das 1899–1901 nach Plänen von Gabriel von
Seidl errichtet wurde. Der Stachus gehört zu den verkehrsreichsten Plätzen Europas.

Geschichte
Vorgeschichte
Der Karlsplatz liegt an einer Stelle, über die im Mittelalter die Salzstraße führte, die Herzog Heinrich
der Löwe von Föhring nach München verlegt hatte und der die Stadt München ihre Existenz und
ihren Wohlstand verdankte. Beim Bau der zweiten Stadtmauer in der zweiten Hälfte des 13.
Jahrhunderts wurde hier ein Stadttor errichtet, das 1302 erstmals urkundlich erwähnt und nach dem
nächsten Ort, zu dem die Straße führte, Neuhauser Tor genannt wurde.[1] Im 15. Jahrhundert wurde
dieses Tor verstärkt und erhielt ein Vortor mit zwei flankierenden Seitentürmen, das heute noch
erhalten ist und den Abschluss des Platzes nach Osten bildet. Ebenfalls im 15. Jahrhundert wurde
vor dem Tor ein Vorwerk in Form eines Rondells errichtet, dessen Fundamente beim Bau des
Stachusuntergeschosses im Rahmen der Anlage der Stammstrecke der S-Bahn wiederentdeckt
wurden.[2] Im 17. Jahrhundert wurde eine Wallbefestigung um München herum angelegt, dabei
wurde anstelle des Rondells eine Bastion des Walls auf dem heutigen Karlsplatz errichtet.

Beschreibung
Der Stachus entwickelte sich in der Zeit des Wirtschaftswunders zum autoverkehrsreichsten Platz
Europas,[7] bis sein Ostteil mit der Neuhauser Straße, die am Karlstor beginnt und am Färbergraben
endet, in eine Fußgängerzone umgewandelt wurde. Dies wird durch die Münchner Redewendung
„Da geht’s ja zu wie am Stachus“ belegt. Die Umwandlung in eine Fußgängerzone erfolgte im
Vorfeld der XX. Olympischen Spiele in München.

Nahaufnahme der südlichen Hälfte des südlichen Karlsplatzrondells mit Säulen, Steinfiguren und
Fassadenausformung (Stuck)

Die den Platz begrenzenden Rondellbauten wurden in den Jahren 1796 bis 1802 erbaut. 1899 bis
1902 wurden sie durch Gabriel von Seidl aufgestockt und zu einem Ensemble mit Stuckfassaden,
Steinfiguren, Säulen und schmiedeeisernen Balkonbrüstungen[8] umgebaut. Dabei wurden die
inneren Abschlussbauten, die vor den Seitentürmen des Karlstors lagen, abgerissen, so dass das
Karlstor vom Platz aus frei sichtbar wurde. Auf den beiden Ecktürmen am Karlstor befanden sich
ursprünglich zwei Kuppelaufsätze, die im Zweiten Weltkrieg zerstört und bis heute nicht rekonstruiert
wurden.
In direkter Sichtachse an der Sonnenstraße gegenüber dem Karlstor befinden sich das Hotel
Königshof und das Pini-Haus. Auf der nordwestlichen Seite wurde der Platz zunächst durch
den Alten Botanischen Garten begrenzt. An dieser Stelle wurde im Jahr 1891
der Justizpalast errichtet. An der Südwestseite, wo sich früher der Stachusgarten befand, steht
heute der von dem Architekten Theo Pabst entworfene Kaufhof.
Der Brunnen wurde 1970 im Zuge des Baus der Münchner S-Bahn eingerichtet; in dieser Zeit
entstanden auch das unter dem Platz liegende Einkaufszentrum – das Stachusbauwerk, das
größte Untergrundbauwerk Europas,[9] und der unterirdische U- und S-Bahnhof Karlsplatz (Stachus).
Der Entwurf des Springbrunnens stammt von Bernhard Winkler (1972). Nachts wird der Brunnen
von 28 Leuchten angestrahlt.
Im Jahr 1970 wurden auch die unterirdischen baulichen Anlagen, das eigentliche Stachusbauwerk,
eröffnet. Die vier Untergeschosse umfassen rund 500.000 Kubikmeter unter 25.000 m² überbauter
Fläche. Geplant wurde das für die damalige Zeit zukunftsweisende Projekt vom Ingenieurbüro
Obermeyer, heute die OBERMEYER Planen+Beraten GmbH. Besonderheit war
die Deckelbauweise, welche von "oben nach unten" erfolgte.
2005 wurde das Stachusbauwerk (ausgenommen die Bahnanlagen) von der Landeshauptstadt
München an die Stadtwerke München verkauft. Diese fand mit der LBBW einen Investor, der diese
Anlagen bis zum Jahr 2009 für insgesamt 30 Millionen Euro renovieren wollte.
Seit Februar 2007 wird das Einkaufszentrum unter dem Namen „Stachus Passagen“ von der LBBW
Immobilien GmbH betrieben. Diese führte im gleichen Jahr einen Architekturwettbewerb zur
Modernisierung und zum Umbau durch, aus dem das Münchner Architekturbüro Allmann Sattler
Wappner als Sieger hervorging.[10] Im Frühsommer 2011 wurden die Bauarbeiten abgeschlossen.[11]
Für das Stachusbauwerk hat die Stadtverwaltung bereits 1971 die Stachusbauwerk-
Satzung erlassen, nach der dort (zum Beispiel) weder genächtigt, Alkohol konsumiert, gebettelt,
musiziert oder gesessen werden darf.
Die McDonald’s-Filiale im südlichen Rondellbau ist eine der umsatzstärksten weltweit; in der ersten
Jahreshälfte 2006 war sie die umsatzstärkste aller Filialen.[12]
Seit 2018 gibt es an der Decke der Stachuspassagen den Sky of Fame mit Münchner
Persönlichkeiten.[1