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Öchsle - Aktuell

September 2007

Das “Geburtstagkind” in Fotografierpose anlässlich der Lokparade am 16. Juni 2007 in Ochsenhausen. Vor
80 Jahren, am 12. April 1927, hat auf dem “Thumer Netz” bei Dresden die Abnahmefahrt der Lok
stattgefunden.
(Foto: Rüdiger Frey)

Aus dem Inhalt:


Geburtstag: Rosa “99 716” wird 80
Jubiläum: Öchsle Schmalspurbahn e.V. feiert den 25.sten
Original: Der Pufferwagen G 481 Stg
Öchsle Schmalspurbahn e. V. Öchsle-Aktuell September 2007

“ … Gern nehm i Abschied on geh zur Ruh! Ben alt on schwach von all dem Graus der morschen Schwellen!”
- Wer hätte am 9. Mai 1964 gedacht, dass “Rosa” 33 Jahre später den Ruhestand wieder beendet und auf dem
Öchsle zuverlässig selbst die längsten Museumszüge über die Wennedacher Steigung befördert?
(Foto: Carl Bellinrodt, Archiv DGEG)

Nach genau 25 Jahren im “Dampflokmuseum Güglingen” wird Rosa am 7.8.1993 von zwei Mobilkranen
vom Denkmalgleis gehoben.
(Foto: Bernhard Günzl)

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Öchsle Schmalspurbahn e. V. Öchsle-Aktuell September 2007
99 716 “Rosa”
Mit 80 unter Volldampf!
Für das Öchsle ist das Jahr 2007 ein vielfältiges Jubiläumsjahr. Vor 25 Jahren, das baldige
Ende der Strecke unter DB-Regie war absehbar, schlossen sich einige Eisenbahnfreunde
mit dem Ziel zusammen, das Öchsle als Museumsbahn zu erhalten. Aus dieser Gruppe ging
der Verein Öchsle Schmalspurbahn e.V. hervor. Genau 55 Jahre davor wurde die
Dampflokomotive 99 716 in Chemnitz gebaut. Sie kann also in diesem Jahr auf 80 Jahre
zurückblicken. Vor genau 10 Jahren, 1997, hat sie ihren Dienst nach der Aufarbeitung im
Werk Meiningen auf dem Öchsle aufgenommen. Ihre Kollegin 99 788 „Berta“ wurde vor
50 Jahren in Babelsberg gebaut. Rosa, mit Baujahr 1927 die älteste in Bunde, soll hier
gewürdigt werden. Der Verein folgt dann in der nächsten Ausgabe.
Die Geschichte der Lokomotivbaureihe, aus der die Stadt Thum bei Dresden stattfinden. Warum die
auch 99 716 entstammt, begann aber schon einige Abnahmeurkunde der Lok erst zwei Jahre später
Jahre früher: im ersten Weltkrieg. Von der Firma am 21.12.1929 unterzeichnet wurde, wird wohl ein
Henschel in Kassel wurden diese Lokomotiven für Rätsel bleiben. Zu diesem Zeitpunkt war 99 716
die deutschen Heeresfeldbahnen entwickelt. Sie schon zur Müglitztalbahn, der Schmalspurbahn
sollten auf vorhandenen Schmalspurbahnen auf von Mügeln bei Flöha (dem späteren Heidenau)
von deutschen Truppen gehaltenem Gebiet in der nach Altenberg, versetzt. Diese Strecke vor den
Nähe von Warschau eingesetzt werden. Zu einem Toren Dresdens erfreute sich eines regen
Kriegseinsatz kam es jedoch gar nicht mehr. Als die Ausflugsverkehrs in das Erzgebirge. Altenberg war
ersten 15 Loks 1918 fertig gestellt werden konnten, ein boomender Wintersportort und ist auch heute
war der Krieg bereits verloren. Die Sächsische noch durch sein Rodelzentrum bekannt. An der
Staatseisenbahn übernahm alle Maschinen vom Strecke liegt auch das für seine luxuriösen
Heer und ordnete sie als “sächsische VI k“ mit den Armbanduhren bekannte Glashütte. Auch der
Nummern 210 bis 224 ein. Für die steigungsreichen Güterverkehr war beachtlich. Im unteren
Strecken im Erzgebirge waren sie hervorragend Streckenabschnitt befanden sich einige größere
geeignet und konnten zahlreiche ältere und Firmen. Aus dem Erzgebirge mussten Rohstoffe
schwächere Maschinen ersetzen. Die Deutsche abgefahren werden. Dazu gehörten auch erhebliche
Reichsbahn übernahm die Loks als 99 641 bis 99 Mengen Eis, die in den Dresdner Bierkellern zur
655. Aus dieser Serie entstammen auch die 1928 Kühlung benötigt wurden. Auf der 42 km langen
nach Ochsenhausen versetzten 99 650 und 99 651, Strecke war dabei eine Höhendifferenz von 630 m
die hier die schwächeren Mallet-Lokomotiven zu überwinden. Rosa war hier mit bis zu 12
ersetzten und bis zur Umstellung auf Dieselbetrieb Schwestern gleichzeitig im Einsatz. Zeitweise
die Stammloks auf dem Öchsle waren. 99 651 steht waren 15 Lokomotiven auf dieser Strecke
heute als Denkmal in Steinheim / Murr und erinnert stationiert. Die Schmalspurbahn war dadurch aber
an die Bottwartalbahn, auf der sie zuletzt noch an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit gelangt,
wenige Jahre Dienst tat. zumal Unwetterschäden und Einbrüche aus dem
Die Loks bewährten sich so gut, dass sich die Bergbau immer wieder den Verkehr behinderten.
Deutsche Reichsbahn in den Jahren 1923 bis 1927 1934 begannen deshalb die Planungen für eine
zu einem Nachbau von weiteren 47 Lokomotiven Umspurung und Neutrassierung der Strecke.
entschloss. Sie bekamen die Nummern 99 671 bis Während der Umbauarbeiten war nur noch ein
99 717. Der Auftrag wurde unter den Lokomotiv- eingeschränkter Verkehr auf der Schmalspurbahn
fabriken Henschel in Kassel, Hartmann in möglich. Über die weiteren Stationen von Rosa
Chemnitz und der Maschinenbau-Gesellschaft widersprechen sich die Quellen etwas. Zwischen
Karlsruhe aufgeteilt. Hier beginnt dann auch der den sächsischen Schmalspurstrecken wurden die
Lebenslauf unserer Rosa. Die sächsische Lokomotiven häufig und freizügig getauscht. Die
Lokomotivfabrik, vormals Richard Hartmann, in Umspurung der Müglitztalbahn konnte am
Chemnitz erhielt von der Reichsbahndirektion 23.12.1938 abgeschlossen werden. Auch die neue
Dresden am 10.09.1926 den Auftrag zum Bau der Trasse war nicht vor Unwetterschäden sicher.
Lok. Als Kaufpreis waren 64.000 RM vereinbart. Zuletzt wurde die Strecke bei einem Hochwasser
Am 10.04.1927 war Rosa fertiggestellt und die im Jahr 2002 schwer beschädigt und der
Abnahmefahrt konnte auf dem Schmalspurnetz um Wiederaufbau zog sich über fast 2 Jahre hin. Heute

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wird die Müglitztalbahn mit modernen Der Personen-verkehr endete am 25.07.1986. Der
Dieseltriebwagen von Dresden aus befahren. Ihre letzte Güterzug verkehrte 1995. Die Strecke liegt
Bedeutung für den Güterverkehr und den heute, abgetrennt von der Hauptbahn, brach und
Wintersport hat sie jedoch verloren. Die alte Trasse wartet, ob die Zukunft noch etwas Positives bringen
der Schmalspurbahn ist aber immer noch an einigen mag. Angesichts zurückgehender Regionali-
Stellen zu erkennen. sierungsmittel und politischer Favorisierung
Immer mehr wurde in diesen Jahren die Lokgattung prestigeträchtiger Großprojekte wohl eher
VIk durch die stärkere VIIk ersetzt. Unsere Berta zweifelhaft. Wie auch die beiden Öchsle-
„99 788“ ist ein späterer Nachbau davon. Durch die Lokomotiven 99 650 und 99 651 kam Rosa zur
Umspurung der Müglitztalbahn war auch eine Außenstelle Beilstein des BW Heilbronn der
größere Anzahl von VIk, so auch 99 716, in Sachsen Bottwartalbahn Heilbronn Süd - Marbach am
überzählig geworden. Auf den weniger Neckar. Viel gab es hier allerdings nicht mehr zu
steigungsreichen württembergischen Schmalspur- tun. Den Güterverkehr hatte die Diesellokomotive
bahnen bewährten sich die in den 20er Jahren V51 903 übernommen. Nur noch gelegentlich war
dorthin versetzten Loks jedoch sehr gut. Hier eine Dampflok zur Aushilfe nötig. Am 10.03.1965
dachte die Deutsche Reichsbahn auch nicht an eine wurde Rosa von der Deutschen Bundesbahn
Beschaffung von Neubauloks. Also trat schließlich ausgemustert und ihr drohte wie vielen ihrer
auch Rosa den Weg in das „Württembergische“ an. Schwestern der Schrotthändler. Bis zu diesem
Das BW Heilbronn war ab 1933 - andere Quellen Zeitpunkt hatte Rosa 1.125.424 km zurückgelegt!
sprechen von 1937- ihre Heimatdienststelle, Doch 99 716 hatte Glück. Der rührige Verein
Einsatzstrecke zuerst die Bottwartalbahn Marbach „Aktionsgemeinschaft Zabergäu“, der bereits
am Neckar - Heilbronn Süd, ab 1937 dann die vehement für den Erhalt und die Umspurung der
Zabergäubahn Lauffen / Neckar - Leonbronn. Ob Bahn eingetreten war, erinnerte sich an das einstige
99 716 in der Folgezeit auch auf anderen Strecken „Zabergäu-Original“. Der Initiator und damalige
zum Einsatz kam ist leider ungewiss. Eintragungen zweite Vorsitzende des Vereins, der Zahnarzt Max
im Betriebsbuch die darauf hinweisen fehlen. Für Korn, kann somit wohl als Rosas Retter bezeichnet
einen längeren Einsatz auf dem Öchsle hätte sie werden. Auch die Bundesbahn zeigte sich
zum Betriebswerk Friedrichshafen umbeheimatet kooperativ und überließ die Lok dem Verein als
werden müssen. Wahrscheinlich hat sich ihr Einsatz Leihgabe. Neben dem Bahnhof Güglingen, dem
also auf die Zabergäubahn und Aushilfsdienste auf einstigen Streckenmittelpunkt der Zabergäubahn,
der Bottwartalbahn beschränkt. Mit 99 704 war fand Rosa in einem einfachen extra errichteten
aber eine echte Schwesterlok von 99 716 zeitweilig Museumsschuppen neben vielen anderen
beim Öchsle stationiert. Schnell war Rosa zu einer Erinnerungsstücken an die ehemalige Schmalspur-
echten Württembergerin geworden. Sie wurde auf bahn eine neue Heimat. Mit dem Tod des Betreuers
Druckluftbremse umgebaut, erhielt dabei den Max Korn und dem Ende des Vereins ging das
charakteristischen querliegenden Druckluft- Museum an die Gemeinde über und schlief langsam
behälter unterhalb der Rauchkammer und bekam ein. Bald war das Museum nur noch eingefleischten
eine württembergische Kupplung. Eisenbahnfreunden bekannt. Wer es besichtigen
Auf der Zabergäubahn erhielt 99 716 dann auch den wollte, musste den Schlüssel bei der Gemeinde-
Namen Rosa, unter dem sie bald im ganzen verwaltung abholen und den Zugang oft erst vom
Landstrich bekannt war. Gerüchteweise soll die wuchernden Unkraut befreien. Zu den wenigen
Frau eines Lokführers Namenspatin gewesen sein. Besuchern gehörte auch der damalige Vorstand des
Genau sind die Umstände aber nicht geklärt. Im Öchsle Schmalspurbahn e.V. Durch den Wegfall
Jahr 1963 erstellte die Deutsche Bundesbahn auch der ersten Betriebsgesellschaft des Öchsle und
für Rosas neue Stammstrecke Umspurungspläne. ihrer Fahrzeuge 1992, war man dringend auf der
Die Arbeiten sollten hier aber nicht wie im Suche nach Ersatz. Überrascht vom guten Zustand
Müglitztal im laufenden Betrieb durchgeführt der 99 716 durch ihre konservierte Abstellung unter
werden. Die alte Trasse sollte beibehalten werden. Dach war schnell klar: Diese Lok muss für das
Der Schmalspurbetrieb endete deshalb am Öchsle gesichert werden! Es traf sich
03.05.1964. Rosa hatte die Ehre den letzten hervorragend, dass die Stadt Güglingen genau zu
Schmalspurzug zu befördern. Die Aufschrift auf diesem Zeitpunkt Pläne für einen Abriss des
ihrem Wasserkasten deutete auch auf Rosas Museums und den Neubau von Asylbewerber-
baldiges Ende hin. Die normalspurige Zabergäu- Unterkünften an dieser Stelle hegte. Doch die
bahn wurde am 25.11.1965 eröffnet. Obwohl direkt Verhandlungen sollten nicht einfach werden.
vor den Toren Heilbronns gelegen, war dem Plötzlich stand mit dem Auto- und Technikmuseum
Normalspur-betrieb kein langes Leben gegönnt. Sinsheim ein weiterer Interessent vor der

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Rathaustüre. Und dieser hatte gewichtige Sammler gekommen. Er konnte zwar ausfindig
Fürsprecher vor Ort. Außerdem ging man damals gemacht werden, ein Erwerb scheiterte aber an
davon aus, dass die Lok mittlerweile der Stadt enormen Preisvorstellung. Da nicht ganz klar war,
gehören würde. Erst die Erkenntnis, Rosa gehört ob das Betriebsbuch auf ganz legale Weise in seinen
der Deutschen Bahn AG, brachte die Wendung. Der Besitz gekommen war, willigte der Besitzer
gute Draht zum Verkehrsmuseum Nürnberg als schließlich ein, uns eine Kopie anzufertigen. Auch
zuständige Dienststelle half dem Öchsle der Leihvertrag mit der Deutschen Bahn AG musste
Schmalspurbahn e.V. zum Erfolg und ein geändert werden. Durch die langsam in Gang
Leihvertrag konnte abgeschlossen werden. Einen kommende Privatisierung witterte man Gefahr
Verkauf schloss die Bahn aus. Gemäß einer durch private Konkurrenz und verbot deshalb in
Prämisse des Vorstands sollte mindestens ein allen Miet- und Kaufverträgen die Aufarbeitung
Exemplar jeder Baureihe im Besitz der Bahn und den Einsatz der betroffenen Fahrzeuge.
bleiben. Wahrscheinlich hatte man aus den Schließlich konnten die Verantwortlichen aber
Problemen mit der 150 Jahr-Feier der Eisenbahn in doch noch überzeugt werden, dass von Rosa keine
Deutschland 1985 gelernt, wo die Deutsche Gefahr ausgehen würde und man ließ eine
Bundesbahn Loks von privat zurückkaufen musste. Ausnahme zu. Die Aufarbeitung konnte starten!
Mit Hilfe einer Spende des Südwestfunks war der Eine Transportgelegenheit nach Meiningen bot
Transport gesichert. Doch zuvor musste erst der sich ebenfalls an. Das Jubiläum „150 Jahre
Museumsschuppen demontiert werden. Einige Eisenbahn in Württemberg“ stand an. Als
Vereinsmitarbeiter bezogen gleich mehrere Tage Höhepunkt war für den 21. und 22.10.1995 im
Quartier in der Umgebung. Die Umsetzaktion fand Stuttgarter Hauptbahnhof eine große
vom 4. bis 8.08.1993 statt. Die Mitarbeiter eines Fahrzeugausstellung geplant. 99 716 war dabei als
benachbarten Metallbaubetriebes staunten nicht Repräsentantin der Schmalspurbahnen in
schlecht, als die Außenhaut des Schuppens entfernt Württemberg vorgesehen. Die Deutsche Bahn AG
war. Eine echte Dampflok hatten sie all die Jahre erklärte sich bereit, dafür den Transport der Lok zu
nicht in ihrer Nachbarschaft vermutet! Als Rosa übernehmen und bot dem Verein gleichzeitig an,
schließlich von zwei Mobilkranen auf einen sich an der Veranstaltung mit einem Informations-
Spezialtieflader gehoben wurde, hatte sich eine und Verkaufsstand zu beteiligen. Dieses Mal sollte
große Menge Schaulustiger eingefunden. Auch die die Reise stilecht geschehen. Am 19.10.1995
regionale und überregionale Presse war breit verließ Rosa den Ochsenhauser Bahnhof auf einem
vertreten. Sogar der „Bild-Zeitung“ war diese Straßentieflader, um in Biberach auf den
Aktion einen Bericht wert. Die Asylbewerber- Schmalspurtransportwagen des Werkes Görlitz der
unterkunft wurde übrigens nie gebaut. DB AG verladen zu werden. Um diesen Wagen
In Ochsenhausen angekommen war 99 716 ein entbrannte später übrigens ein heftiger Streit
wichtiger Baustein für die geplante Wieder- zwischen den Werken Meiningen und Görlitz
inbetriebnahme des Öchsle. Womöglich wäre die wegen der Übernahme der Kosten für die
Museumseisenbahn nie wieder in Betrieb Rücküberführung nach Görlitz.
gegangen, wenn es dem Verein damals nicht Die Fahrt von Biberach nach Stuttgart erfolgte im
gelungen wäre, in einem enormen Rahmen einer Fahrzeugüberführung der
organisatorischen, arbeitsmäßigen und finanziellen Eisenbahnfreunde Zollernbahn e.V.. Zuglok war
Kraftakt innerhalb kurzer Zeit eine Dampf- die Dampflokomotive 01 519. Keine Frage, dass
lokomotive, eine Diesellok und genügend Wagen Rosa in Stuttgart zum Besuchermagnet wurde und
zu besorgen. Dafür standen so gut wie keine manches wesentlich größere Fahrzeug in den
Drittmittel zur Verfügung. Nur namhafte Spenden Schatten stellte. Thronte sie doch erhaben auf ihrem
und hohe zinslose Darlehen von Vereinsmitgliedern Transportwagen am Bahnsteig. Auch der Stand
ermöglichten neben Bankdarlehen Kauf und unseres Vereins war stets umlagert und viele
Aufarbeitung der Fahrzeuge. Doch bis zu Rosas Besucher waren begeistert von der Idee, dieses
erster Fahrt auf dem Öchsle war noch einiges zu Original der württembergischen Schmalspur-
tun. Spendenaktionen wurden gestartet, Feste zu bahnen wieder in Betrieb zu nehmen.
ihren Gunsten organisiert und Angebote von Der Neubau des Kessels und die Aufarbeitung
Dampflokwerken eingeholt. Den Zuschlag erhielt zahlreicher Aggregate in Meiningen dauerten dann
schließlich das Werk Meiningen. Auch aber wesentlich länger als geplant und verzögerten
bürokratisch war die Aufarbeitung nicht einfach. sich immer mehr. Es wurde klar, dass Rosa nicht zur
Rosas Betriebsbuch, für die Wiederinbetriebnahme geplanten Wiedereröffnung des Öchsle am
unbedingt erforderlich, war irgendwann an einen 15.06.1996 zur Verfügung stehen würde. Mit der

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Lok 10 der Mansfelder Bergwerksbahn, auf dem Fremdenverkehrsattraktion und war landesweit
Öchsle als „99 4010“ unterwegs, konnte bekannt. Auch die für die Strecke zuständige
glücklicherweise eine Aushilfe gefunden werden. Öchsle-Bahn AG war in der Pflicht, sich um den
Aber am 19.06.1997 war es dann soweit. In Fortbestand der Strecke zu sorgen. Abhilfe schaffte
Meiningen konnte die Hauptuntersuchung die neu gegründete Öchsle-Bahn Betriebs-
abgenommen werden. Per Straßentieflader ging es gesellschaft gGmbH, an der die Anlieger-
zurück nach Ochsenhausen. Die Präsentation in der gemeinden maßgeblich beteiligt sind. Die
Öffentlichkeit und die Einweihungsfahrt fanden im Gesellschafter erklärten sich bereit, Verluste aus
Rahmen des Öchsle-Festes am 21. und 22. Juni dem Betrieb zu tragen und so stand das Öchsle
1997 statt. Nach 33 Jahren war zum ersten Mal finanziell wieder auf besseren Füßen. Im Rahmen
wieder eine VIk auf dem Öchsle unterwegs! Rosa der Entschuldung des Vereins wurden alle
lockte zahlreiche Besucher nach Ochsenhausen. Betriebsfahrzeuge an die neue Gesellschaft
Die Wiedereröffnung der Museumsbahn war ein übergeben. Diese trat auch in den Leihvertrag über
voller Erfolg. Mehr als 55.000 Fahrgäste konnten in 99 716 mit der Deutschen Bahn AG ein. Am
diesem Jahr gezählt werden! Rosas treue Dienste 01.05.2002 konnte Rosa abermals einen
ohne größere Probleme und Ausfälle halfen dem Eröffnungszug auf dem Öchsle ziehen. Die
Verein Öchsle Schmalspurbahn e.V. nicht nur die Museumsbahn startete in ihre dritte Periode. Es
eigenen Schulden abzubauen, sondern nebenbei war auch klar geworden, dass ein Betrieb ohne
auch die nicht unerhebliche Strecken- Dampflok nicht durchführbar ist. Rosa bekam
benutzungsgebühr an die neu gegründete Öchsle- deshalb mit 99 788, getauft auf den Namen
Bahn AG zu bezahlen. „Berta“, eine Kollegin zur Seite gestellt, mit der sie
Eine umstrittene Entscheidung der damaligen sich heute im Betrieb abwechselt.
Betriebsleitung führte dazu, dass 99 716 im Aber Dampflok ist nicht gleich Dampflok und so
Frühjahr 2000 kurz vor der Saisoneröffnung noch schlägt das Herz der Eisenbahnfreunde doch etwas
ausgeachst wurde, um die Radreifen überarbeiten höher, wenn sie in der Ferne Rosas Pfeife hören.
zu lassen. Rosa fiel daraufhin die ganze Saison aus. Glück gehabt! Heute fährt Rosa.
Die Züge mussten mit Dieselloks gefahren werden. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!
Die Fahrgastzahlen und damit die Einnahmen
gingen stark zurück. Da das Öchsle keine Quellen:
Absicherung gegen Einnahmenausfälle hatte, Kurt Seidel, Schmalspur in Baden-Württemberg
konnte der Verein seinen Verpflichtungen nicht Ludger Kenning, Die Bottwartal- und die
mehr nachkommen. In der Saison 2001 stand das Zabergäubahn
Öchsle abermals still. Die Situation war schwierig Zeitschrift des Zabergäuvereins, 1964, Nr.4
und die finanziellen Probleme groß. Doch hatte das Reiner Preuß, Die Müglitztalbahn
Öchsle mittlerweile seinen festen Platz als Archiv Öchsle Schmalspurbahn e.V.

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Info: Martin Jopke Tel.: 0151/12439218

Impressum
Herausgeber: Öchsle Schmalspurbahn e.V.
Postfach 1228, 88412 Ochsenhausen, Oechsle-aktuell@arcor.de
Erscheinungsweise: 3 x jährlich Auflage: 600 Exemplare
Bankverbindung: Konto 185 664 008
Volksbank Ochsenhausen (BLZ 654 901 30)
Redaktion und Satz: Bernhard Günzl (Auch alle nicht namentlich gekennzeichneten Artikel)
Versand: Jürgen Jauch
Mitarbeiter an dieser Ausgabe:
Andreas Albinger Benny Bechter Sascha Eichler Rüdiger Frey
Stefanie Günzl Jean-Pierre Steffen
Druck: Druckerei Marquart GmbH, Aulendorf

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Wohl nur äußerst selten kann man im Bahnhof Biberach einem so merkwürdigen Zug begegnen!01 519
der Eisenbahnfreunde Zollernbahn e.V. ein österreichischer Personenwagen und 99 716 auf dem
Schmalspurtransportwagen auf der Fahrt zur Jubiläumsausstellung in Stuttgart am 19.10.1995.
(Foto: Bernhard Günzl)

Rosa mit einem Teil der Betreuer des Öchsle-Informationsstandes am 20.10.1995 im Stuttgarter
Hauptbahnhof.
(Foto: Bernhard Günzl)

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Öchsle Schmalspurbahn e. V. Öchsle-Aktuell September 2007

Im Dampflokwerk Meinigen ist die Endmontage an Rosa im Mai 1997 in vollem Gange.
(Foto: Jean-Pierre Steffen)

Die Menschen hinter dem Öchsle

Peter Hepp
Peter Hepp (48) ist bereits seit 25 Jahren, als
aktives Mitglied im Öchsle Schmalspurbahn e.V.
mit dabei.
Der gelernte Schlosser ist fast täglich in
Warthausen am und rund um den Bahnhof
anzutreffen. Neben der Erledigung von vielen
kleinen aber dennoch wichtigen Aufgaben rund
um das Gelände gehört auch die Postensicherung
des großen Bahnüberganges in Warthausen zu
seinen regelmäßigen Aufgaben.
Auch als Mitglied der Rotte, die Arbeiten auf der
Strecke erledigt, gehört Peter Hepp zu denen, die
man regelmäßig antrifft.
Peter Hepp ist ein sehr angenehmer Mitarbeiter,
ohne den uns allen und vor allem dem Bahnhof
Warthausen ein gewaltiges Stück fehlen würde.

(Benny Bechter)

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Öchsle Schmalspurbahn e. V. Öchsle-Aktuell September 2007

Originale beim Öchsle:


Der Pufferwagen G 481
Typisch für die Züge des Öchsle und der weiteren württembergischen Schmalspurbahnen
waren ab ca. 1960 die Pufferwagen. Umgebaut wurden diese aus gedeckten Güterwagen,
von denen ab 1899 bis 1926 acht Exemplare fabrikneu nach Ochsenhausen geliefert
wurden. Insgesamt vier dieser geschlossenen Güterwagen haben umgebaut zu sogenannten
“Pufferwagen” überlebt. Nach zweijähriger Arbeit gibt es nun dank des Engagements der
Arbeitsgemeinschaft Württembergische Schmalspurwagen wieder einen betriebsfähigen
Pufferwagen auf dem Öchsle zu bewundern.
Zur Eröffnung des Öchsle am 29.11.1899 wurden zugelassen werden, was auch den Kapazitäten der
von der Maschinenfabrik Esslingen u.a. drei damaligen Normalspurwagen entsprach und beim
gedeckte Güterwagen mit den Nummern G 161, G Umladen von Gütern wichtig war. Mit dieser
162 und G 163 fabrikneu nach Ochsenhausen großen Tragfähigkeit verfügten die Wagen über die
geliefert. Gedacht waren die Wagen für alle größte Tragfähigkeit aller Schmalspurwagen für
umzuladenden Güter, die nicht der Witterung den öffentlichen Verkehr im Deutschen Reich.
ausgesetzt werden durften oder für die eine Zu Zeiten der Württembergischen Staatsbahn
Beförderung in aufgebockten Normalspurwagen waren die Güterwagen außen grün lackiert, ab ca.
nicht zulässig war. Zwar wurden beim Öchsle von 1920 wurden diese dann rotbraun lackiert. Im
Anfang an bereits Normalspurwagen mit Hilfe von Inneren waren die Fahrzeuge einschließlich der
Rollböcken nach Ochsenhausen transportiert. Es Decke stets graublau lackiert. An den
waren am Anfang jedoch nur wenige Rollböcke Seitenwänden der Wagen waren im Innenraum 16
vorhanden, so dass durchaus auch Waren Metallringe zum Anbinden von Vieh während der
umgeladen wurden. Weiterhin wurde die Verladung Fahrt angebracht. Beleuchtet wurden die Wagen
von Vieh in aufgebockten Normalspurwagen erst durch zwei Deckenlampen, welche jedoch erst
nach mehreren Jahrzehnten erlaubt, da sich dieses nach Einführung der elektrischen Zugbeleuchtung
während der Fahrt bewegen konnte, wodurch ein um 1935 eingebaut wurden. Der Aufbau der
Kippen der aufgebockten Wagen befürchtet wurde. Wagen entsprach dem üblichen Aufbau der
Die Wagen entsprachen, gleich wie die meisten damaligen Güterwagen. Auf einem kräftigen
anderen ans Öchsle gelieferten Wagen, den bereits Metallrahmen wurde mit Hilfe von U-Profilen ein
1891 für die Meterspurbahn Nagold-Altensteig Aufbau erstellt, welcher mit Brettern verkleidet
konstruierten Wagen. Zur Vermeidung von wurde. Das Dach wurde aus Holzspriegeln
größeren Kosten wurde lediglich das Fahrwerk der gefertigt auf denen Bretter aufgeschraubt wurden.
schmaleren Spur angepasst. Zwischen 1894 und Zur Belüftung der Wagen dienten auf jeder Seite
1929 lieferte die Maschinenfabrik Esslingen zwei Klappen bzw. bei den später gebauten Wagen
insgesamt 33 gedeckte Güterwagen der Spurweite auch vergitterte Öffnungen mit Schiebeblechen.
750 mm an die württembergischen Als Dachfolie diente zu Beginn imprägniertes
Schmalspurbahnen. Sie bekamen die Segeltuch, später Gummiplanen. Ein Teil der
Betriebsnummern 151 bis 168 und 469 bis 483. Wie Wagen wurde im Laufe der Zeit mit einem
alle Wagen der Schmalspurbahnen wurden die Blechdach versehen. Die auf beiden Seiten
Wagen nach einem Baukastensystem beschafft und vorhandenen Schiebetüren mit einer Breite von
entsprachen mit einem Radstand von 5 Meter und 1,50 m wurden von Anfang an mit Blech verkleidet
einer Länge über Puffer von 8,43 Meter den meisten u m g e g e n ü b e r Wi t t e r u n g s e i n f l ü s s e n
weiteren Wagen des Öchsle. Bemerkenswert ist, unempfindlicher zu sein. Während bei den ersten
dass alle Güterwagen mit einer mittleren Achse Bauserien der Wagen die mittlere Achse
versehen und damit dreiachsig waren. Um in den ungebremst war, wurde diese ab dem Baujahr 1910
Kurven trotzdem eine ausreichende Bogen- gebremst ausgeführt. Auch erhielten die Wagen ab
läufigkeit zu erreichen, wurden als Endachsen diesem Baujahr ein Sprengwerk unter dem
Lenkachsen eingebaut, während die mittlere Achse Rahmen und verstärkte Achshalter.
sogar in einem eigenen Lenkgestell eingebaut war Ab 1960 wurden für die vier württembergischen
und sich innerhalb des Rahmes seitlich verschieben 750 mm-Schmalspurstrecken insgesamt 4
konnte. Durch die mittlere Achse konnten die gedeckte Güterwagen im AW Stuttgart-Bad
Wagen für eine Zuladung von 15,75 Tonnen Cannstatt zu Pufferwagen umgebaut. Die

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Der Pufferwagen G 481 Stg zum Sandstrahlen des Gerippes im Frühjahr 2006 vollständig zerlegt in
Blönried (oben) und fertiggestellt in Ochsenhausen im Juli 2007 (unten).
(Fotos: Jürgen Albinger, Bernhard Günzl)

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Stirnseiten der Wagenkästen wurden dabei durch ebenfalls sandgestrahlt, grundiert und lackiert. An
massive Stahlplatten und Verstrebungen verstärkt den Stahlträgern des Aufbaues mussten dabei
und eine Normalspur Zug- und Stoßvorrichtung umfangreiche Korrosionsschäden beseitigt
angebaut. Als quasi Adapterwagen dienten die werden. Auch wurden kleinere konstruktive
Wagen damit als Bindeglied zwischen den Verbesserungen am Aufbau vorgenommen welche
Schmalspurwagen und den aufgebockten optisch nicht erkennbar sind, jedoch die
Normalspurwagen des Zuges. Dadurch konnte auf Witterungsbeständigkeit des Wagens erhöhen. Um
das gefährliche Ankuppeln der aufgebockten an den Achsen des Wagens die vorgeschriebene
Normalspurwagen mit Hilfe von Kuppelstangen Ultraschalluntersuchung vornehmen zu können,
verzichtet werden. Auch wurde der Transport der wurde der Wagen aufgebockt und die Achsen
aufgebockten Wagen damit sicherer, da der ausgebaut. Dankenswerterweise konnten die
Zugkraftverlauf im Zug nun gleichmäßiger verlief Achsen ohne Befund im Liebherr Werk Biberach
und nicht mehr die Gefahr bestand, Rollböcke einer Magnetpulverrissprüfung unterzogen
beim Anfahren unter den aufgebockten Wagen werden. Die Vermessung der Räder und der
herauszuziehen. Nach Stilllegung der anderen Achsschenkel ergab, dass sich zum Glück die
Schmalspurstrecken waren ab 1969 alle 4 Radsätze innerhalb der vorgeschriebenen
Pufferwagen in Ochsenhausen stationiert. Von Normmaße befinden. Auch die Gleitlager
1960 bis 1983 dürften nur wenige Züge auf dem befanden sich in gutem Zustand. Lediglich die
Öchsle verkehrt sein, in denen kein Pufferwagen zu Schmierpolster der Gleitlager waren sehr
sehen war. abgenutzt und mussten erneuert werden. Nach
Der Pufferwagen G 481 wurde 1929 als eines der Abschluss der Lackierarbeiten am Rahmen wurde
letztgebauten Fahrzeuge für die Württem- der Wagen wieder auf seine Achsen gesetzt und das
bergischen Schmalspurbahnen von der Maschinen- überholte Bremsgestänge und die weiteren Teile
fabrik Esslingen gebaut (Fabriknummer 18456) der Bremsanlage eingebaut. Nun erfolgte der
und an die Bottwartalbahn (Marbach - Heilbronn) Einbau des neuen Fußbodens. In einem kleinen
geliefert. Dort kam er hauptsächlich zum Sägewerk wurden zwischenzeitlich speziell
Viehtransport und später im Stückgutverkehr zum angefertigte passende Bretter für die Seitenwände
Einsatz. Um 1960 wurde der Wagen im AW gefertigt. Um den Aufbau zukünftig gegen
Stuttgart-Bad Cannstatt zum Pufferwagen Witterungseinflüsse unempfindlicher zu machen,
umgebaut und anschließend bis zu deren wurden sämtliche Bretter aus Lärchenholz
Stilllegung am 31. Dezember 1968 auf der geschnitten, welches mit Holzschutzgrund
Bottwartalbahn eingesetzt. Danach wurde der behandelt und vor dem Einbau bereits zweimal
Wagen zum Öchsle abgegeben. Seit Mitte der lackiert wurde. Nach Einbau der Seitenwände
siebziger Jahre diente er als Bahnhofswagen in wurde das Dach des Wagens aufgearbeitet. Durch
Ochsenhausen. 1979 erwarben Mitglieder des das Blechdach des Wagens war dieses in gutem
damaligen DGEG-Arbeitskreises „Jagsttalbahn“ Zustand und konnte deshalb erhalten werden. Nach
den Wagen und brachten ihn 1980 nach Möckmühl, dem mühevollen Entfernen der Altanstriche mit
wo er bis 1998 abgestellt blieb. Spachtel und Heißluftföhn wurden die Dachbretter
1998 konnte die Arbeitsgemeinschaft innen geschliffen und lackiert. Das Blechdach
Württembergische Schmalspurwagen den wurde anschließend abgeschliffen und grundiert
Pufferwagen Nr. 481 von Aktiven des ehemaligen bevor es mit Spezialfarbe das typische silberne
Arbeitskreises Jagsttal der DGEG erwerben. Der Aussehen bekam. Danach konnten die überholten
Wagen wurde im Herbst 1998 nach Aulendorf- und im Zuge der Aufarbeitung wieder komplett mit
Blönried transportiert und diente dort bis 2005 als Nieten anstatt Schrauben versehenen Schiebetüren
Lager. Seit ca. 1979 war der Wagen abgestellt, so angebaut werden. Danach wurden alle Fugen des
dass seitdem keine größeren Unterhaltungsarbeiten Wagens mit Dichtmasse abgedichtet und der
am Wagen vorgenommen wurden und der Wagen Wagen mit einem lichtbeständigen Fahrzeuglack
sich in einem dementsprechend schlechten Zustand noch einmal lackiert. Zum Schluss wurden die
befand. Im September 2005 startete die aufgearbeiteten Normalspur Zug- und Stoß-
Vollaufarbeitung des Wagens. In einem ersten vorrichtungen wieder angebaut. Am Ende der
Schritt wurden dass stark vermoderte Holz des Fahrzeugaufarbeitung wurde der Wagen noch
Aufbaues und des Fußbodens und die Normalspur beschriftet, wozu Lackierschablonen eigens
Zug- und Stoßvorrichtung komplett entfernt. angefertigt werden mussten.
Anschließend wurden sämtliche Bremsteile des Zur Vollaufarbeitung des Wagens war ein
Wagens ausgebaut, entrostet, gerichtet, maßhaltig Arbeitsaufwand von rund 2000 Stunden
gemacht und lackiert. Der Rahmen des Wagens und notwendig, welche vollständig ehrenamtlich
die Stahlteile des Aufbaues wurden anschließend erbracht wurden.

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Öchsle Schmalspurbahn e. V. Öchsle-Aktuell September 2007

Möglich wäre mit diesem Wa gen eine wichtigen Baustein zur Darstellung eines
Demonstrationsvorführung des Aufbockvorganges typischen Originalzuges des Öchsle und der
auf den vorhandenen Rollbockgruben in weiteren württembergischen Schmalspurbahnen
Warthausen und bei Zulassung durch die dar, auch wenn er im Museumsverkehr nicht
Aufsichtsbehörde die Mitnahme von aufgebockten planmäßig zum Einsatz kommen wird. Ganz
Normalspurwagen im Museumszug bei besonderen bewusst wurde der Wagen in seinem letzten
Anlässen. Bei sehr starkem Andrang wäre auch ein Erscheinungsbild als Pufferwagen restauriert, da
Einsatz als zusätzlicher Fahrradwagen denkbar. nur durch den Umbau zum Pufferwagen dieser
Am 07. Juli 2007 wurde der Wagen nach Wagen bis zum Schluss benötigt wurde und
Ochsenhausen transportiert, wo der Wagen als erhalten blieb.
Leihgabe an den Öchsle Schmalspurbahn e.V. zum Dem Wagen G 481 allzeit Gute Fahrt!
Einsatz kommen wird. Der Wagen stellt einen (Andreas Albinger)

Öchsle - Nachrichten September 2007 die Fahrwerksfrist ab. An der Lok


muss eine Fahrwerkshauptuntersuchung
durchgeführt werden, um die Lok weiterhin
Dach Schreinereianbau Lokschuppen einsetzen zu können. Diese Untersuchung muss zur
Kostenersparnis in Eigenleistung durch
1984 wurde am hinteren Giebel des Lokschuppens Vereinsmitarbeiter mit Unterstützung externer
ein Anbau errichtet. Ein seit ca. 1935 an gleicher Firmen durchgeführt werden. Die Untersuchung
Stelle vorhandenes in den äußeren Abmessungen bedingt unter anderem ein Anheben der
ähnliches Sozialgebäude mit Duschen und WC war Lokomotive, um das Fahrwerk zu zerlegen und die
zuvor aufgrund des ruinösen Zustandes von der Achsen der Lok ausbauen zu können. Die hierfür
Stadt Ochsenhausen abgebrochen worden. Der notwendigen elektrisch betriebenen Hebeböcke
Anbau wurde lange Jahre als Schreinerwerkstatt mit ausreichender Tragfähigkeit wurden bereits
genutzt. Die Neigung des Daches war allerdings für 1996 vom Verein vom Bahnbetriebswerk Tübingen
Dachziegel zu gering. Es war deshalb schon seit übernommen. Nachdem leider damals kein Platz
längerem undicht und bereits wieder in schlechtem zum Unterstellen der Hebeböcke vorhanden war,
Zustand. Von der Stadt wurde deshalb der erneute standen diese bisher in Ochsenhausen im Freien.
Abbruch des Anbaues geplant. Dies konnte vom Dadurch sind diverse Schäden durch
Verein verhindert werden. Die Ansicht des Witterungseinflüsse entstanden. Am 09.07. wurden
Lokschuppens wäre dadurch nicht schöner die Hebeböcke nun in Ochsenhausen auf einen
geworden, auch wird der Anbau als Werkstatt und Flachwagen verladen und nach Warthausen
Lagerfläche weiterhin benötigt. Die für einen transportiert. Hier erfolgt jetzt eine Aufarbeitung
Abbruch nötigen Kosten wurden von der Stadt der Hebeböcke. Verschiedene Einzelteile wie z.B.
Ochsenhausen dem Verein zur Verfügung gestellt. die Elektromotoren werden im Liebherr-Werk
In Eigenleistungen durch Vereinsmitglieder wurde Biberach überholt. Die Hebeböcke werden
das alte Dach entfernt und eine neue Dach- dauerhaft im Lokschuppen Warthausen stationiert
konstruktion montiert. Auf dieser wurde von einer und sind damit zukünftig dem Einfluss der
ortsansässigen Zimmerei mit Unterstützung von Witterung entzogen.
Vereinsmitgliedern ein neues rotes Blechdach mit
Isolierung aufgebaut. Ein Blechdach ist aufgrund Druckluftanlage
der geringen Neigung notwendig und passt optisch
gut zum Schuppen. Nach dem Anbau von Der bisher im Nebengebäude des Lokschuppens
Dachrinnen, dem Einbau einer Drainageleitung und Ochsenhausen untergebrachte große
dem Einbau eines neuen Bodens kann der Anbau Druckluftkompressor wurde ebenfalls am 09.07.
künftig wieder als Schreinerwerkstatt genutzt nach Warthausen transportiert. Dort soll dieser in
werden. Im Warthauser Gebäude fehlt der Platz für den kommenden Monaten überholt werden.
so eine Werkstatt, zumal wegen Sägemehl und Danach wird dieser Kompressor im Lokschuppen
Hobelspänen eine räumliche Abtrennung Warthausen oder aus Sicherheitsgründen in einem
erforderlich ist. noch zu erstellenden kleinen Anbau aufgestellt und
wird in Zukunft das Herzstück einer
Hebeböcke Druckluftanlage darstellen, die bisher zum
rationellen Arbeiten noch schmerzlich vermisst
Bei unserer Dampflok 99 788 “Berta” läuft Anfang wird.

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Öchsle Schmalspurbahn e. V. Öchsle-Aktuell September 2007

nachgestellt wird, wodurch in der Umgebung des


Bauzugwagen Bahnhofes eine weitere Besucherattraktion
geschaffen werden kann. Ein erster Einsatz der
Die Achsen der bisher noch nicht umgespurten drei Waschfrauen ist am Tag des offenen Denkmals,
Bauzugwagen (Wagen X 2947, X 2970, X 2935) 09.09.2007, geplant.
kamen im Juni mit der neuen Spurweite von 750 Die bisher dort hinterstellten Draisinen wurden im
mm von der Fa. MOVO in Pilsen zurück. Die Lokschuppen Ochsenhausen untergebracht. Dort
Achsen wurden unverzüglich in die Wagen sind sie schneller einsetzbar und können von
eingebaut, so dass die Wagen jetzt auf eigenen Besuchern nunmehr besichtigt werden.
Achsen verschiebbar sind. Mit der Anpassung des
Bremsgestänges wurde begonnen. Speisewagen

Packwagen Stg 2076 Immer mehr an Bedeutung gewinnen


Vorbestellungen von Gruppen. Die Palette reicht
Die Aufarbeitung des Packwagens schreitet wegen dabei vom einfachen Sektempfang für ein paar
zahlreicher anderer zu erledigender Aufgaben nur Personen über Kaffee und Kuchen bis hin zum
langsam voran. Nachdem die Arbeiten am großen Weißwurstfrühstück für 80 Personen. Diese
Fahrwerk des Wagens mit Umspurung und Umbau Vorbestellungen bringen uns wichtige Einnahmen
der Bremse seit längerem abgeschlossen sind, und haben gleichzeitig den Vorteil, dass wir schon
wurden nun auch erste Arbeiten am Aufbau im Voraus planen können. Gleichzeitig bedeuten
vorgenommen. So wurde am 28.07. eine neue sie für die Mitarbeiter des betroffenen Tages
Rhepanol-Dachfolie aufgebracht, die sich schon natürlich einiges an Mehraufwand und erfordern
auf anderen Fahrzeugen bewährt hat. Eine ganz besonderen Einsatz. Mittlerweile hat sich das
schnellere Aufarbeitung des Wagens scheitert an Vorbereiten dieser besonderen Veranstaltungen
der zu geringen Zahl an Mitarbeitern. aber gut eingespielt und nicht wenige unserer
Mitarbeiter übernehmen gerne Termine mit
Waschfrauenmuseum im Nebengebäude Vorbestellungen. Bisher waren die Gruppen auch
Bahnhof Ochsenhausen stets voll des Lobes für unsere Arbeit und hatten
Verständnis, wenn doch einmal improvisiert
Das Nebengebäude des Bahnhofes Ochsenhausen werden musste. Weiterhin sehr problematisch ist
ist zu einem großen Teil von einer modernen WC- allerdings die Personalsituation. Nicht nur, dass die
Anlage belegt. Der andere Teil des Gebäudes wurde Anzahl der Helfer in diesem Jahr nicht
bisher vom Verein für Lagerzwecke und zum zugenommen hat, sie ist sogar um einige
Abstellen der Öchsle-Draisinen genutzt. Von der zurückgegangen! Viele Termine konnten nur
Stadt Ochsenhausen wurde der bisher vom Öchsle besetzt werden, weil sich immer wieder Mitarbeiter
e.V. belegte Teil des Gebäudes im Frühjahr den bereit erklärt hatten, auch alleine statt in den sonst
Ochsenhauser Waschfrauen zur Verfügung gestellt, übliche Zweiergruppen Dienst zu machen oder
nach dem der Verein wegen frei gewordenem Platz gleich mehrere Dienste hinter einander zu
im Lokschuppen neue Lagermöglichkeiten hatte. übernehmen. Neben den Planzügen müssen auch
Mit viel Engagement wurde von diesen das nicht wenige Sonderfahrten bewirtschaftet werden.
Gebäude entrümpelt und im Inneren hergerichtet. Trotzdem mussten wir Ausfälle hinnehmen. Leider
Die Ochsenhauser Waschfrauen haben es sich zur können wir den Betrieb des Speisewagens in der
Aufgabe gemacht, bei Stadtfesten, Dorfjubiläen nächsten Saison nur sicherstellen, wenn es uns
usw. einen Waschtag wie zu Uromas Zeiten doch noch gelingt, neue Mitarbeiterinnen und
vorzuführen. Die hierfür notwendigen Utensilien Mitarbeiter zu bekommen.
werden nun in einem Teil des Nebengebäudes Finanziell ist der Speisewagen schnell zum
gelagert. In den weiteren Räumen des Rückgrat unserer Vereinspläne geworden und wir
Nebengebäudes entstand mit der Einrichtung einer können sagen, dass der letztendlich doch schnelle
h i s t o r i s c h e n Wa s c h k ü c h e u n d e i n e r und problemlose Kauf der Mallet 99 633 ohne die
Wäscheausstellung ein kleines Museum. Das Einnahmen aus dem Wagen so nicht möglich
Projekt ist auch aus musealer Sicht durchaus zu gewesen wäre. Das Projekt 99 633 geht jetzt aber,
vertreten, befand sich doch im gemauerten auch finanziell, erst richtig los! Zum Anderen führt
Mittelteil des Gebäudes früher die Waschküche für der Wagen gerade auch bei Gruppen zu einer nicht
die Bewohner des Bahnhofsgebäudes. Es ist unerheblichen Attraktivitätssteigerung und hilft so,
geplant, dass bei besonderen Anlässen von den die Fahrgastzahlen des Öchsle auf Dauer zu
Wa schfrauen ein historischer Wa schtag sichern.
(Andreas Albinger, Bernhard Günzl)
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Öchsle Schmalspurbahn e. V. Öchsle-Aktuell September 2007

Sonderzug mit vollem Programm


Einen ganzen Tag Schmalspurromantik pur
Am Samstag, den 16. Juni, führte eine Studienfahrt der Verkehrsfreunde Stuttgart zum
Öchsle. Der Verein Verkehrsfreunde Stuttgart e.V. ist weit über die Grenzen der
Landeshauptstadt hinaus bekannt für seine oft außergewöhnlichen und sehr interessanten
Studienfahrten. So stieß auch die ausgeschriebene Studienfahrt zum Öchsle auf reges
Interesse. Über 100 Eisenbahnfreunde nutzten die Gelegenheit, um unter fachkundiger
Führung die einzige erhaltene der ehemals staatlichen württembergischen
Schmalspurbahnen kennen zu lernen. Da es sich bei dieser Veranstaltung aber nicht nur
um eine einfache Sonderfahrt handeln sollte, stieß auch unser Verein auf ganz neue
Herausforderungen, die einiges an Vorarbeit erforderlich machten.
Die Anreise der Gruppe erfolgte stilecht mit der Wochen vorher wurde deshalb mit den
Bahn, wofür der Interregioexpress aus Stuttgart Vorbereitungen begonnen.
extra einen Sonderhalt in Warthausen einlegte. Der Die nach dem Umzug der Werkstatt und der
Verein Öchsle Schmalspurbahn e.V. organisierte Fahrzeuge nach Warthausen zurückgebliebenen
für die Gruppe ein sehr interessantes Programm. Gerätschaften und Materialien mussten verräumt
Als Reiseleiter zwischen Warthausen und oder entsorgt werden, im ganzen Gebäude war ein
Ochsenhausen und Organisator des Rahmen- Großputz dringend erforderlich. Auch die
programmes fungierte dabei Benny Bechter. Die Wasserversorgung musste repariert werden. Zur
Reise nach Ochsenhausen erfolgte in einem Abdeckung der offenen Gruben wurden
Sonderzug, gezogen von 99 716 „Rosa“ und mit herausnehmbare Platten gefertigt. Auch das ganze
den beiden “Originalen“ KBi 166 und KPWPosti Gelände um den Lokschuppen wurde in die
144 mit im Zug. Unterbrochen wurde die Fahrt von Aufräumaktion einbezogen.
mehreren Fotohalten und Scheinanfahrten, so dass Zum Warmhalten der angelieferten Speisen und
die Fahrgäste die Reise mit der Schmalspurbahn zum Zubereiten der Beilagen war eine Theke
von innen und außen erleben konnten. Auch die erforderlich. Der ehemalige Aufenthaltsraum
zahlreichen Fotografen kamen dadurch nicht zu musste zur Spülküche umfunktioniert werden. Es
kurz. Nach Eintreffen des planmäßigen Zuges g a l t g e n ü g e n d Ti s c h e u n d g e e i g n e t e n
wurden in Ochsenhausen die vier Lokomotiven 99 Tischschmuck zu besorgen, sowie die vorhandenen
716, 99 788, V22-01 und 99 633 vor dem Schautafeln mit Bildern und Texten zu bestücken.
historischen Lokschuppen fotogerecht in Position Kurz nachdem am Abend vor der Veranstaltung
gestellt. Das Werkstattpersonal hatte die Loks dazu alles fertiggestellt war, hat dann ein durch das leider
alle auf Hochglanz gebracht. Zum ersten Mal war es an ein paar Stellen nicht mehr ganz dichte Dach
so überhaupt möglich, alle drei Dampflokomotiven eingedrungener Gewitterschauer einen Teil der von
des Öchsle auf ein Bild zu bekommen. Im Steffi Günzl erstellten Tischdekoration wieder
Mittelpunkt des Interesses stand natürlich die zerstört, so dass sie in der Nacht ein zweites Mal
originale Lokomotive 99 633 aus dem Jahr 1899, angefertigt werden musste.
um deren betriebsfähige Aufarbeitung sich unser Durch den großen Einsatz des Küchen- und
Verein gerade engagiert bemüht. Durch die doch Servicepersonals, unterstützt vom Zugpersonal, hat
recht frühe Abfahrt in Stuttgart bedingt, lenkte sich dann alles reibungslos und zur vollen Zufriedenheit
das Interesse der Teilnehmer dann aber schnell auf unserer Gäste funktioniert. Am Nachmittag trat der
das Innere des Lokschuppens: An festlich Sonderzug, wieder unterbrochen durch einige
geschmückten Tischen servierten die Mitarbeiter Fotohalte, die Rückfahrt nach Warthausen an. Auf
des Vereins ein reichhaltiges schwäbisches der Heimfahrt nach Stuttgart besuchte die Gruppe
Mittagessen. Die einmalige Atmosphäre im schließlich noch die Strecke Laupheim Bahnhof -
Schuppen wurde dabei von den Gästen ganz Laupheim Stadt, das Reststück der ehemaligen
besonders gelobt. Dieser Teil der Veranstaltung Nebenbahn Laupheim - Schwendi.
stellte uns vor eine besondere Herausforderung: Dieser erlebnisreiche Tag in Oberschwaben wird
Noch nie vorher war der Lokschuppen als den Teilnehmern der Studienfahrt sicher noch lange
Gaststätte oder gar Festsaal genutzt worden und in Erinnerung bleiben und nicht wenige haben den
keiner der Mitarbeiter hatte Erfahrungen in der nächsten Besuch in Ochsenhausen, dann mit der
Verpflegung einer so großen Gruppe. Bereits ganzen Familie, schon fest eingeplant.

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Öchsle Schmalspurbahn e. V. Öchsle-Aktuell Mai 2007

Lokparade und stilechtes Mittagessen. Alles passte zusammen bei der Sonderfahrt der Verkehrsfreunde
Stuttgart.
(Fotos: Rüdiger Frey, Sascha Eichler, Bernhard Günzl)

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