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Öchsle - Aktuell Januar 2008 Höhepunkt der Saison 2007 war sicher das große zweitägige Jubiläumsfest

Öchsle - Aktuell

Januar 2008

Öchsle - Aktuell Januar 2008 Höhepunkt der Saison 2007 war sicher das große zweitägige Jubiläumsfest zum
Öchsle - Aktuell Januar 2008 Höhepunkt der Saison 2007 war sicher das große zweitägige Jubiläumsfest zum
Öchsle - Aktuell Januar 2008 Höhepunkt der Saison 2007 war sicher das große zweitägige Jubiläumsfest zum

Höhepunkt der Saison 2007 war sicher das große zweitägige Jubiläumsfest zum 25.sten Geburtstag des Vereins am 8. und 9. September. Dabei wurde auch 99 633 zusammen mit den württembergischen Originalfahrzeugen präsentiert.

(Foto:Manfred Pötzl)

Aus dem Inhalt:

Großer Erfolg: Öchsle Schmalspurbahn e.V. feierte den 25.sten Geburtstag Wechselvolle Geschichte: Eine kleine Vereins-Chronik Krönender Abschluss: 99 633, “das Original” konnte erworben werden

Öchsle Schmalspurbahn e. V.

Öchsle-Aktuell Januar 2008

Schmalspurbahn e. V. Ö chsle - Aktuell Januar 2008 Ein Dach und neues Innenleben für die

Ein Dach und neues Innenleben für die Schreinerei

Im letzten Öchsle-Aktuell konnten wir über den Start der Sanierungsarbeiten an unserem “Sorgenkind”, dem Schreinereianbau am Ochsenhauser Lokschuppen berichten. Schon vor Beginn der Arbeiten war klar, dass das Dach samt Gebälk nicht mehr zu retten sein wird. Es mußte deshalb komplett abgetragen werden. Nur die noch brauchbaren Ziegel wurden eingelagert. In Zusammenarbeit mit einer ortsansässigen Zimmerei entstand ein neues Dach mit roter Blecheindeckung, die sehr gut zum Lokschuppen passt. Aber auch die Wände bereiteten große Sorgen. Sie schlossen größtenteils ohne Isolierung direkt an das Erdreich des Hanges an und waren deshalb sehr feucht. Ein Teil der Ziegelausmauer- ungen war baufällig oder schon eingefallen. Im Laufe des Sommers wurden deshalb die kompletten Mauern freigelegt und mit einer Folie gegen Feuchtigkeit geschützt. Ringsum wurde eine Drainageleitung verlegt. Als Auffüllmaterial diente wasserdurchlässiger Schotter. Der Anschluss des Mauerwerks an das neue Dach entstand im historischen Stil als

s e n k r e c h t e Ver b r e t t e r u n g . N a c h n e u e r Ausmauerung und Montage eines neuen Fensters konnte derAnbau wetterfest in den Winter gehen. Zur Zeit läuft der Innenausbau. Die Wände und die Decke erhielten eine Verkleidung. Die komplette Elektrik wurde neu erstellt und nach den Anforderungen eines modernen Arbeitsplatzes ausgelegt. Es folgen jetzt noch Werkbänke, Regale, ein Bodenbelag und ein neuer Ofen. Die Arbeiten an der Schreinerei gehen hauptsächlich auf die Initiative unserer beiden Mitglieder Otto und Michael Angele zurück,

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w i e d e r d e n Anschub gaben,

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besorgten und auch unter der Woche öfters in i h r e r n e u e n “guten Stube” arbeiten. (Fotos: Sascha Eichler, Bernhard Günzl

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Öchsle-Aktuell Januar 2008

Liebe Vereinsmitglieder, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, liebe Öchsle-Freunde,

das Jahr 2007 ist vorüber und damit auch die Fahrsaison unserer Museumsbahn, dem „Öchsle“. Wenn wir auf das letzte Jahr zurückblicken, sehen wir ein Jahr voller Ereignisse und positiver Bilanzen. Im Jahr 2007 hatten wir insgesamt 87 Fahrtage. Diese Fahrtage setzen sich zusammen aus den regelmäßigen Fahrten an den Wochenenden und Feiertagen von Mai bis Oktober, den Donnerstagen der Sommermonate, die Nikolausfahrten, die Winterdampffahrten zum Ochsenhauser

Entscheidungsträger die gerne etwas wenig beachtete wirklich geleistete Arbeit vielleicht etwas näher. Bei der Abschlussfahrt wurden diesbezüglich auch einige Mitarbeiter mit einer Urkunde und einer kleiner Anerkennung in Form einer „Oskar-Figur” für Ihren Einsatz im Jahr 2007 von mir als Personalverantwortlichem geehrt. Eine kleine Übersicht über die am meisten geleisteten Dienste in der vergangenen Saison:

Weihnachtsmarkt und aus 14 Sonderfahrten.

Benny Bechter, Zugführer:

46 Dienste

Während dieser Fahrten haben wir insgesamt

Florian Jauch, Lokführer:

40 Dienste

46.953 Fahrgäste befördert, die sich auf folgende

Werner Mill, Zugführer:

39 Dienste

Fahrten verteilt haben:

Marko Nicklich, Heizer :

35 Dienste

Franz Rebholz, Lokführer:

26 Dienste

Regelfahrten Mai bis Oktober: 40.540 Fahrgäste

Rainer Mendler, Heizer:

24 Dienste

Sonderfahrten: 2.000 Fahrgäste

Horst Köhler, Zugführer:

18 Dienste

Winterdampffahrten: 1.876 Fahrgäste

Carina Siegert, Zugführerin:

15 Dienste

Nikolausfahrten: 2.537 Fahrgäste

Judith Nicklich, Speisewagen:

14 Dienste

Allein bei den Nikolausfahrten hatten wir im Vergleich zu 2006 eine Steigerung der Fahrgastzahlen um 40 %. Bei den Fahrgastzahlen der planmäßigen Fahrten können wir dies nicht genau beurteilen, da wir erst mit Beginn der Saison 2007 begonnen haben, in jedem einzelnen Zug die Fahrgäste zu zählen. Bei dieser enormen Anzahl der Fahrtage darf auch die damit verbundene Arbeit unseres ehren- amtlichen Personals nicht außer Acht gelassen werden. Alleine im Zugdienst wurden rund 4.200 Stunden an ehrenamtlicher Arbeit geleistet. Hinzu kommen noch ca. 1.200 Stunden im Speisewagen und eine hohe Zahl an Arbeitsstunden in der Werkstatt und auf der Strecke, von denen sich allein die aufgeschriebenen auf 3.644 Stunden summieren. Dabei sind aber zahlreiche weitere Arbeiten, organisatorische Tätigkeiten, S o u v e n i r v e r k a u f u n d d i e g e s a m t e Vereinsverwaltung überhaupt nicht erfasst. Wenn wir allein die erfassten Stunden nun einmal mit einem gedachten und zur Zeit viel diskutierten Mindestlohn von 7,50 € pro Stunde berechnen, so kommen wir auf einen Betrag von 67.830,- Euro, den unser Personal geleistet hat! Dies ist in Anbetracht dessen, das es sich um ehrenamtliches Personal handelt, ein doch sehr beachtlicher Betrag. Sicherlich ist diese Rechnung nur ein kleinwenig Spielerei, doch bringt sie für manchen der

An dieser Stelle möchte ich mich nochmals recht herzlich bei allen Mitarbeitern bedanken, die mit ihrer Arbeit dazu beigetragen haben, die vergangene Saison so erfolgreich zu meistern. Die Zeit vergeht wie immer sehr schnell und schon bald steht der Saisonbeginn 2008 vor der Tür. Auf diesen Tag hin gilt es wie immer wieder einiges vorzubereiten. Neben vielen Arbeiten an den Loks und Wagen gibt es auch auf der Strecke einiges zu tun. Alle diese Arbeiten können nur mit ehrenamtlichem Personal und enormem Einsatz bewältigt werden. Hinweisen möchte ich noch auf die “Osterfahrten”, die in diesem Jahr auf vielfache Anregung erstmals stattfinden. Das Öchsle verkehrt dazu an den Osterfeiertagen, 23. und 24. März, nach dem regulären Fahrplan.

Ich wünsche Euch allen an dieser Stelle einen guten Start ins Jahr 2008 und hoffe, ich kann auch dieses Jahr bei der Erstellung der Dienstpläne und der Bewältigung der uns bevorstehenden Aufgaben wieder mit Eurer Unterstützung rechnen. Ich freue mich schon auf die kommenden gemeinsamenAktionen und Fahrtage!

Liebe Grüße

Benny Bechter Stellvertretender Vorsitzender

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Großer Ansturm

Volles Haus beim Jubiläumsfest

25 Jahre Öchsle Schmalspurbahn e.V., dieses Jubiläum mußte natürlich entsprechend gefeiert werden. Als Termin bot sich der “Internationale Tag des offenen Denkmals” am 9. September an, so dass die Veranstaltung auch in das Programm der Deutschen Denkmalsstiftung aufgenommen werden konnte. Wegen des großen Rahmenprogrammes und des entsprechenden Aufwands wurde unser Fest aber auf zwei Tage ausgedehnt. Das Organisationsteam um Benny Bechter und Bernhard Günzl hatte schon Monate vorher alle Hände voll zu tun. Doch die Arbeit hatte sich gelohnt! Unser Verein kann auf ein gelungenes Fest zurückblicken. Der Besucheransturm übertraf alle Erwartungen.

Da der Mittelpunkt des Festes der Ochsenhauser Lokschuppen sein sollte, wurde bereits Wochen zuvor begonnen den Lokschuppen für das große Fest vorzubereiten. Außerdem mussten verschiedene Programmpunkte geplant und teilweise schon lange vor dem Fest organisiert werden. Am Donnerstag und Freitag vor dem Festwochenende wurden dann mit mehreren Mitarbeitern und Helfern die einzelnen Aktionen wie z.B. unsere große Tombola, eine kleine historische Ausstellung, die Verpflegungsstände und vieles mehr aufgebaut. Am Samstagmorgen wurden dann noch die restlichen Programmpunkte aufgebaut, wozu auch eine Ausstellung von original württembergischen Fahrzeugen gehörte, welche an beiden Tagen ein großes Interesse bei den Besuchern fand. Insgesamt kamen an beiden Tagen rund 5000 Besucher nach Ochsenhausen um mit uns zusammen zu feiern. Auch zahlreiche Kommunalpolitiker nutzten die Gelegenheit, um sich über die Aufgaben und Ziele unseres Vereins zu informieren. Neben den voll besetzten Dampf- zügen wurden auch die zusätzlich eingesetzten Dieselzüge an beiden Tagen von den Fahrgästen sehr gut angenommen. Auf der Ladestraße zwischen dem Bahnhof und dem Lokschuppen fand eine umfangreiche Ausstellung von Oldtimern und Traktoren statt, welche am Sonntag zusätzlich von mehreren Autos eines Oldtimerclubs verstärkt wurde. Auch eine Dampfmaschine und eine Dampfwalze konnten von den Besuchern in Betrieb bestaunt werden. Von Walter Ertl wurde seine Postkutsche und ein alter Brauereiwagen ausgestellt. Die im Lokschuppen stattgefundene Tombola zugunsten unserer 99 633 fand so großen Zuspruch, dass bereits am Sonntag zur Mittagszeit alle Lose verkauft waren. Der Hauptpreis, eine Fahrt mit der Postkutsche inklusive Mittagessen ging an Familie Schmid aus Erlenmoos. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Glückwunsch an die Gewinner!

Einen unerwarteten Ansturm gab es auf unser Kuchenbuffet. So waren bereits am Samstagabend beinahe alle Torten und Kuchen ausverkauft. Einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind deshalb recht bald vom abendlichen “gemütlichen Beisammensein” verschwunden, um in der heimischen Küche und im Bahnhof erneut die Backöfen anzuwerfen. Ihnen ist es zu verdanken, dass das Kuchenbuffet am Sonntag wieder reichhaltig bestückt war. Eine tolle Leistung! Vor allem bei Kindern waren die angebotenen Draisinenfahrten und die Mitfahrten auf dem Führerstand der 99 788 sehr beliebt. Fast pausenlos wurde hier im Bahnhof auf und ab gefahren. Im vorderen Bereich des Bahnhofes gaben die Ochsenhauser Waschfrauen einen Einblick in ihr im Aufbau befindliches Museum. Man konnte den Waschfrauen dabei zuschauen, wie vor vielen Jahren die Wäsche gewaschen wurde. Außerdem gab es auch hier die Möglichkeit, sich bei Kaffee und Selbstgebackenem ein wenig zu stärken. Am Sonntagnachmittag wurden unsere Besucher vom Fanfarenzug Ochsenhausen und einer Blaskapelle aus der Schweiz musikalisch unterhalten. An dieser Stelle möchten wir uns nochmals recht herzlich bei allen Mitarbeitern und Helfern bedanken, ohne die es nicht möglich gewesen wäre, ein so großes Fest auf die Beine zu stellen. Nahezu alle Mitarbeiter waren an diesen Tagen im Einsatz, um den doch gewaltigen Personalbedarf abzudecken. Besonders bedanken möchten wir uns bei der Stadt Ochsenhausen, insbesondere bei Frau Ertl vom Verkehrsamt und Herrn Zobel vom Bauhof, für ihre Unterstützung und bei den Waschfrauen für die tolle Zusammenarbeit. Gelohnt hat sich unser Fest gleich in mehrfacher Hinsicht. Einmal natürlich für 99 633, für deren Aufarbeitung der Gewinn verwendet wird, zum anderen aber auch für die Fahrgastbilanz und das Ansehen des Öchsle in der Öffentlichkeit. (Benny Bechter)

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25 wechselvolle Jahre mit immer dem gleichen Ziel

1982 hatten Eisenbahnfreunde eine Vision

Im Herbst 1982 hatten sich Eisenbahnfreunde zusammengefunden, um das Öchsle als Museumseisenbahn zu erhalten. Heute hat der Verein ein Vierteljahrhundert und eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Aber der Erfolg gab den Gründern von damals gegen alle Bedenken recht: Das Öchsle ist eine weit über die Grenzen hinaus bekannt gewordene oberschwäbische Institution geworden.

Doch die eigentliche Idee, das Öchsle als Museumseisenbahn zu nutzen, ist schon viel älter. Bereits als 1964 der Personenverkehr eingestellt wurde, regte die Stadt Ochsenhausen unter Bürgermeister Habrik an, auf dem Öchsle sonntägliche „Kaffeefahrten“ durchzuführen. Dazu sollte das Öchsle in das Sonntagsausflugs- programm aus Stuttgart eingebunden werden. Zur damaligen Zeit veranstaltete die Bundesbahn einen speziellen Sonntagsausflugsverkehr, bei dem es 50%-Fahrpreisermäßigung gab. Die Bundesbahn lehnte dieses Ansinnen mit der Begründung ab, dass die Kosten der Vorhaltung der Personenwagen für diese wenigen Fahrten zu hoch seien. Elf Jahre später gab es dann den nächsten Versuch. Im Jubiläumsjahr zum 75-jährigen Bestehen der Gesamtstrecke Biberach - Ochsenhausen wurde der „Schwäbische Eisenbahnverein e.V.“ in Biberach gegründet. Sein Ziel war es, dieses Jubiläum zu feiern und auf der Strecke Warthausen Ochsenhausen einen regelmäßigen Museums- verkehr einzurichten. Auch bei diesem zweiten Versuch stieß man auf große Probleme. Gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Jagsttalbahn der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte e.V. bemühte man sich um Lösungen. Kernfrage waren vor allem die Fahrzeuge. Für einmalige Fahrten anlässlich des Jubiläums sollte die Dampflok Helene für zwei Wochen aus dem Jagsttal überstellt werden. Als Personenwagen waren drei Triebwagenanhänger aus dem Jagsttal geplant. Auch die später wirklich nach Ochsenhausen überstellte Dampflok 298.14 mit den heute eingesetzten drei Haubendachwagen der Waldenburgerbahn stand im Gespräch. Letztendlich scheiterten auch diese nicht sehr ausgegorenen Pläne an der mangelnden Unterstützung durch die Bundesbahn, die damals die Strecke lieber los, als wie mit einem Museumsverkehr auch noch aufgewertet haben wollte. Der Schwäbische Eisenbahnverein fand ein geeigneteres Betätigungsfeld im Betrieb einer Mini-Dampfbahn, die heute im Kreisfreilicht- museum Kürnbach verkehrt. Die imAugust 1981 von der DB bekannt gegebenen Stilllegungsabsichten führten dazu, dass Ende 1981

hauptsächlich Ulmer Eisenbahnfreunde die Idee einer Museumseisenbahn wieder aufgriffen. Als Kooperationspartner waren der Schwäbische Eisenbahnverein und die Ulmer Eisenbahnfreunde im Gespräch. Erstes Ziel war jedoch die Gründung eines eigenen Vereines. Die Gründungs- versammlung des „Club Öchsle Schmalspur- freunde“ fand am 7. Oktober 1982 im Hotel Mohren in Ochsenhausen statt. Während man sich über die Ziele des Vereins schnell einig war, wurde der endgültige Name nicht so schnell gefunden. Man einigte sich dann auf „Öchlse-Bahn e.V.“, später noch einmal zum endgültigen „Öchsle

e.V.“ erweitert. Der neue

Verein wurde im März 1983 im Vereinsregister eingetragen und als gemeinnützig anerkannt. Auch ein Fahrzeug gab es schon: Der Triebwagen T 33 der Nebenbahn Amstetten - Laichingen wurde privat erworben und zur Verfügung gestellt. Eine Umspurung von Meterspur auf 750 mm ließ sich allerdings nicht wirtschaftlich durchführen und so kam das Fahrzeug später zur Härtsfeld- Museumsbahn, wo es heute im Einsatz ist. Zuerst galt es alle Kraft in die Erhaltung des Öchsle als Museumsbahn zu investieren, denn zeitgleich mit der Eintragung des Vereines verkehrte der letzte Zug unter der Regie der Deutschen Bundesbahn. Die Zeit drängte, denn sowohl der Verkauf der Fahrzeuge wie auch der Abbau der Strecke wurden von der Bahn bereits geplant. Grundlage des weiteren Handelns war ein Betriebskonzept für eine Museumseisenbahn, das sich auch mit der Finanzierung des zukünftigen Betriebes beschäftigte. Damit und nach zahllosen Gesprächen mit den verantwortlichen Kommunalpolitikern, gelang es, den Kreis Biberach und die Anliegergemeinden von der Erhaltung des Öchsle als Museumseisenbahn zu überzeugen. Landkreis und Gemeinden übernahmen Anfang 1984 Grundstücke, Gebäude und Oberbau von der Bahn. Aber das war nur ein erster Schritt. Für den Betrieb standen keine g e e i g n e t e n F a h r z e u g e z u r Ve r f ü g u n g . Personenwagen gab es auf dem Öchsle schon seit

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1964 nicht mehr. Außerdem musste eine Gesellschaft zum Betrieb der Museumseisenbahn gegründet werden, da dem Verein dies aus rechtlichen Gründen nicht möglich war. Drei Mitglieder des Vereins gründeten deshalb die „Öchsle Schmalspurbahn GmbH“. Dank potenter Geldgeber konnte sich die neue Gesellschaft auch um die Beschaffung von Fahrzeugen kümmern. In Polen wurden Schlepptenderloks der Reihe Px 48 gekauft. Wagen konnten von der Eurovapor und der DGEG geliehen werden. Von der DB wurde die Diesellok V 51 902 übernommen. Über eine Spendenaktion des Eisenbahnkurier-Verlages kamen drei Wagen von der Rhätischen Bahn. Dank dieses Engagements der Betriebsgesellschaft war der junge Verein von den Sorgen um Fahrzeuge und Betrieb befreit und konnte seine ganze Kraft der Werbung für das Projekt widmen. Am 29. Juni 1985 startete das Öchsle als Museumsbahn. Zum Einsatz kam auch 99 633 als Leihgabe der DGEG. Doch es zeigten sich schnell Nachteile dieser Konstellation: Die Betriebsgesellschaft agierte unabhängig und der Vorstand hatte kaum Einfluss darauf. Es stellte sich außerdem heraus, dass einige Punkte, wie Investitionen in die Strecke und Durchführung von Unterhaltungsarbeiten ungenügend geregelt waren. Darüber kam es immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Kreis und den Gemeinden auf der einen und der Betriebsgesellschaft auf der anderen Seite. Nach nicht auszuräumenden Differenzen zwischen den Beteiligten und anstehenden größeren Investitionen wurde nach sechs Jahren erfolgreichem Betrieb der Vertrag zwischen Kreis, Gemeinden und der Betriebsgesellschaft Ende 1991 gekündigt. Landkreis und Gemeinden waren nicht bereit, die anstehende Streckensanierung ganz mit eigenen Mitteln zu finanzieren, ohne auch am Betrieb beteiligt zu sein. Der Verein hatte jeden Einfluss auf die Betriebsgesellschaft verloren, die keinen Einblick in ihre Finanzen und Pläne gab und dies auch für die Zukunft strikt ablehnte. Trotz dieser sehr verfahrenen Situation setzte der Verein seine ganze Kraft in den weiteren Erhalt des Öchsle. Schnell wurde klar, dass eine Zusammenarbeit mit der privaten Betriebs- gesellschaft zukünftig nicht mehr möglich war. Dadurch stand aber der größte Teil der Fahrzeuge, vor allem auch die Lokomotiven, nicht mehr zur Verfügung. Es war den Verantwortlichen des Vereins klar, dass die neue Aufbauarbeit noch aufwändiger und schwieriger werden würde, als beim ersten Start als Museumseisenbahn. Obwohl noch alles offen war, begann der Verein sich nach geeigneten Fahrzeugen umzusehen. Das war schon

ein gewisses Risiko, schließlich gab es genügend Stimmen, die das Projekt endgültig gescheitert sahen. Es war aber auch klar, dass Fahrzeuge die Voraussetzung dafür waren, dass dem Verein die Chance für einen Neuanfang unter eigener Regie gegeben wurde. Ziel des Vorstands war es außerdem ein Konzept zu finden, das alle Beteiligten gleichermaßen am Projekt „Öchsle“ beteiligt. Es wurde deshalb ein aufwändiges Betriebskonzept ausgearbeitet, in dem detailliert Lösungen für den Betreib aufgezeigt wurden. Darin enthalten war auch die Lösung mit der Aktiengesellschaft als „Infrastrukturunter nehmer“, also ein nur für die Strecke zuständiges Unternehmen, die 1995 von Kreis und Gemeinden aufgegriffen und umgesetzt wurde. Damit war nach vier Jahren Durststrecke, in der der Verein keine Gelegenheit ausgelassen hatte, um für sein Ziel zu werben, die Wiederaufnahme des Betriebes gesichert. Auch auf dem Fahrzeugsektor konnten Erfolge verbucht werden. Höhepunkt war sicher die Übernahme von 99 716 „Rosa“ als Leihgabe von der Deutschen Bahn AG. Auf der Suche nach Wagen war der Vorstand in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs. Die Reisen führten unter anderem nach Dresden, Wien und Basel. Nach teils langwierigen und aufwändigen Verhandlungen konnten von der Pressnitztalbahn der sächsische Packwagen, von der Eurovapor die Haubendachwagen und von der EBV-Leasing- GesmbH die Schlieren-Wagen übernommen werden. Es folgte die Diesellok 2091.11, zwei Personenwagen der Mariazellerbahn und der Fahrradwagen. Sämtliche Beschaffungen sowie die für den Betrieb notwendigen Adaptierungs- und Aufarbeitungskosten mussten vom Verein alleine finanziert und durchgeführt werden. Alle Arbeiten wurden ehrenamtlich, ohne Aufwandsentschädigung oder Reisekosten- erstattung geleistet. Einige Vereinsmitglieder stellten namhafte Beträge als zinslose Darlehen zur Verfügung. Als Termin für die Wiedereröffnung wurde das Frühjahr 1996 festgelegt. Als in der heißen Phase davor die Zeit immer knapper wurde, wurde kurzerhand der Mittwoch zum Öchsle- Arbeitstag erklärt. Am Freitagnachmittag und Samstag wurde sowieso gearbeitet und an kaum einem dieser Tage ging das Licht im Lokschuppen lange vor Mitternacht aus. Keinem aus dem harten Kern wäre es außerdem in den Sinn gekommen, seinen Jahresurlaub woanders, als im Ochsenhauser Lokschuppen zu verbringen. Die Sonntage gehörten der Büroarbeit. Genehmigungen und Versicherungen mussten beantragt werden. Es galt Veranstaltungen zu

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organisieren und einen Ersatz für “Rosa” 99 716 zu finden, die nicht rechtzeitig fertig werden würde. Dazu kamen zahlreiche Reisen zur Abnahme von Arbeiten im Werk St. Pölten der ÖBB. Die Vergabe von Arbeiten an dieses Werk waren die Voraussetzung für die Übernahme einiger Fahrzeuge der ÖBB. Die letzten Wagen trafen erst am Freitag vor dem Eröffnungswochenende in Ochsenhausen ein und wurden noch am Kranhaken hängend dem Sachverständigen zur Abnahme vorgeführt. Am 15. Juni 1996 konnte die Leihlokomotive 99 4010 den Zug zur Wiedereröffnung ziehen. Betriebsführer war jetzt die EBO „Eisenbahnbetriebsgesellschaft Ochsenhausen gGmbH“ eine 100%ige Vereinstochter. Um den in der Vergangenheit vorhandenen Reibereien vorzubeugen hatte diese Gesellschaft einen von der Mitgliederversammlung gewähltenAufsichtsrat. Von Beginn an konnte sich die Museumsbahn wieder sehr hoher Fahrgastzahlen erfreuen. Diese waren auch zwingend notwendig, da der Verein für den Betrieb keinerlei Zuschüsse erhielt und eine hohe Streckenbenutzungsgebühr zu entrichten hatte. Trotzdem gelang es der EBO einen Überschuss zu erwirtschaften, der zur Schuldentilgung eingesetzt werden konnte. Trotz dieses Erfolges zeigte sich, dass die EBO finanziell auf tönernen Füßen stand. Es gab nicht wie heute Ausfallbürgschaften der öffentlichen Hand für den Fall, dass das finanzielle Ziel nicht erreicht werden konnte. Dazu kamen Fehlentscheidungen im gewechselten Vorstand und der Betriebsleitung und eine zunehmende Überlastung des Vereines, die dazu führten, dass die einzige betriebsfähige Dampflok 99 716 im Jahr 2000 während der gesamten Saison ausfiel und die Züge mit einer Diesellok befördert werden mussten. Der dadurch

bedingte starke Rückgang der Fahrgastzahlenbei gleicher Streckenbenutzungsgebühr führte zu einem finanziellen Engpass. Aus diesem Grund konnte der Betrieb im Jahr 2001 nicht wieder aufgenommen werden. Der Landkreis Biberach kümmerte sich daraufhin als treibende Kraft um weitere Veränderungen in der Organisation, um das Öchsle dauerhaft auf sichere Gleise stellen zu können. Als neues Eisenbahnverkehrsunternehmen wurde vom Landkreis, den Anliegergemeinden und der Tourismusgesellschaft Oberschwaben die Öchsle- Bahn Betriebsgesellschaft gegründet. Sie übernahm sämtliche Betriebsfahrzeuge vom Verein, der damit wieder schuldenfrei war. Zur finanziellen Absicherung kann diese dritte Betriebsgesellschaft auf Ausfallbürgschaften ihrer Gesellschafter zurückgreifen. Am 1. Mai 2002 konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Trotzdem spielt der Verein auch weiterhin eine wichtige Rolle. Alle Arbeiten zum Betrieb der Bahn werden von den ehrenamtlichen Mitarbeitern des Vereins durchgeführt. Sie bringen jahrelange Erfahrung und Fachwissen mit ein. Der vom Verein betriebene Speisewagen stellt eine wichtige Steigerung der Attraktivität unserer Museumseisenbahn dar. Auch verschiedene Veranstaltungen, wie das Jubiläumsfest im vergangenen Jahr werben für das Öchsle und schaffen die Verbindung zur ortsansässigen Bevölkerung. Auf dem Fahrzeugsektor kümmert sich der Verein als Eigentümer um historische Originalfahrzeuge, mit dem langfristigen Ziel, einen originalen württembergischen Schmalspurzug aufzubauen und im Ochsenhauser Lokschuppen ein kleines Museum einzurichten. Mit dem Erwerb der 99 633 im Jahr 2007 ist dafür ein wichtiger Schritt getan.

99 633 endgültig daheim!

Aus organisatorischen Gründen hat die offizielle Übergabe anlässlich unseres Jubiläumsfestes leider nicht mehr geklappt, trotzdem war der Kauf der Original-Lokomotive 99 633 sicherlich der Höhepunkt des vergangenen Jahres. Damit ist der erste wichtige Schritt zur Wiederinbetriebnahme der Lokomotive durch unseren Verein getan. Die eigentliche Arbeit geht jetzt aber natürlich erst los. In der nächsten Ausgabe informieren wir sie ausführlich über das geplante weitere Vorgehen. Hier sei aber schon einmal wieder auf unser ewig hungriges Spendenkonto 616 944 bei der Kreissparkasse Biberach (BLZ 654 500 70) hingewiesen.

wieder auf unser ewig hungriges Spendenkonto 616 944 bei der Kreissparkasse Biberach (BLZ 654 500 70)

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Öchsle - historisch

e. V. Öchsle - Aktuell Januar 2008 Öchsle - historisch Erinnerungen von Walter Ertl In diesen

Erinnerungen von Walter Ertl

In diesen Tagen fiel mir wieder ein besonderes Bild in die Hände. Es zeigt vor einem Personenwagen des Öchsle den Abschied von meinem Vater Hans Ertl, der nach kurzem Urlaub wieder in den Krieg nach Russland ziehen musste. Dies weckt viele Gedanken und Erinnerungen - Erinnerungen an eine schwere Zeit, aber auch Gedanken der Dankbarkeit für eine Zeit des Friedens in der vieles möglich ist. Dabei auch Gedanken des Dankes an alle, die das Öchsle zur Förderungen der Familien-Freizeit ideel, finanziell oder durch ihre Arbeit unterstützen. Seien es die Kommunalpolitiker in den Gemeinden, die Abgeordneten in Kreis und Land, die Firmen, alle ehrenamtlichen Helfer, die den Betrieb bewältigen. Dies darf sicher auch jenen, die dem Zügle vielleicht etwas distanziert gegenüber stehen Ansporn sein zu bedenken, wie viel Freude, sinnvolle Freizeitgestaltung für alle Generationen und nicht ganz zuletzt auch Förderung des sanften Familientourismus mit diesem heimatlich oberschwäbischen Reiseerlebnis erreicht werden kann. Alles Werte, die eben nicht nur in Euro und Cent auszudrücken sind.

die eben nicht nur in Euro und Cent auszudrücken sind. Ein besonders wertvolles Dokument ist diese

Ein besonders wertvolles Dokument ist diese Postkarte aus dem Jahr 1899. Während der Bahnhof schon fertiggestellt ist, wird an den Gleisanlagen und am Bahnhotel noch gebaut. Das Postgebäude kam erst in den 20er Jahren dazu. Die Fragmente eines solchen hölzernen Gleisbauwagens wie auf dem Bild zu sehen, wurden vor Jahren aus dem Entwässerungsgraben am Bahnhof Warthausen geborgen. (Foto: Sammlung Sascha Eichler)

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Öchsle-Aktuell Januar 2008

In eigener Sache

Liebe Leserinnen und Leser,

vielleicht ist es Ihnen schon in der letzten Ausgabe des Öchsle-Aktuell aufgefallen: Das Heft hat ein paar kleine Änderungen erfahren. Es ist dicker geworden und hat jetzt vier Seiten mehr. Die neuen Seiten sind außerdem in Farbe. Nun werden Sie sich fragen, wie verträgt sich das mit dem allgemeinen Bestreben überall einzusparen, zumal der Verkaufspreis gleich geblieben ist? Vielleicht ist Ihnen aber auch aufgefallen, dass wir das Papier von Umschlagseiten und Innenteil angeglichen haben? Damit konnten wir in Zusammenarbeit mit unserer neuen Druckerei, der Druckerei Marquart in Aulendorf, die Aufteilung der Seiten auf den Druckbögen optimieren. Die neuen Farbseiten bekamen wir durch diese Maßnahmen quasi geschenkt und konnten sogar noch Herstellkosten einsparen! Dadurch können wir Sie zukünftig noch besser und umfangreicher über Ihre Museums- eisenbahn informieren. Durch den Wegfall des Transportweges zu unserem Mitglied Jürgen Jauch in Aulendorf, der den

Versand des Heftes übernimmt, hoffen wir außerdem, zukünftig den Erscheinungstermin besser einhalten zu können. Jetzt gilt es aber auch, die neuen Seiten mit Inhalt zu füllen. Dabei sind wir auch auf Sie liebe Leser angewiesen! Ganz besonders natürlich auf die aktiven Mitarbeiter des Vereins, sei es im Werkstattdienst, auf der Strecke oder im Zugdienst. Aber vielleicht hat auch sonst ein Leser historische oder aktuelle Fotos, weiß eine historische Gegebenheit oder einfach nur ein schönes Erlebnis mit dem Öchsle aus der Gegenwart. Beiträge sind stets herzlich willkommen. Auch Kritik - positiv oder negativ - dürfen Sie gerne anbringen, denn nur wenn wir wissen, was Ihnen gefällt oder was nicht, können wir uns verbessern.

Ich wünsche Ihnen und dem Öchsle ein gutes erfolgreiches neues Jahr und immer genügend Dampf im Kessel!

Bernhard Günzl

Öchsle - Stammtisch

Nachdem unser monatlicher Stammtisch im vergangenen Jahr gut angekommen ist, sollen auch im kommenden Jahr wieder regelmäßig Öchsle - Stammtische stattfinden. Die ersten Termine für 2008 sind:

Samstag, 09. Februar 2008 Samstag, 01. März 2008 Samstag, 05.April 2008

Ochsenhausen). Es würde mich sehr freuen, auch

neue Gesichter an einem dieser Abende begrüßen zu können. Jeder, egal ob fester Mitarbeiter, passives Mitglied oder einfach nur Interessent, ist herzlich willkommen. Gerne sind auch Beiträge wie Bilder, Filme etc. willkommen. Wer etwas Interessantes hat, sollte einfach kurz vorher Bescheid geben. Für Fragen oder Anregungen stehe ich gerne zur Verfügung:

 

oechsle.dien

stplan@web.de

oder Telefon: 0170-

Der Stammtisch beginnt jeweils um 20.00 Uhr im “Restaurant am Öchsle” (gegenüber dem Bahnhof

2387850.

Benny Bechter

Impressum

Herausgeber: Öchsle Schmalspurbahn e.V.

Postfach 1228, 88412 Ochsenhausen, Oechsle-aktuell@arcor.de

Erscheinungsweise: 3 x jährlich Bankverbindung: Konto 185 664 008

Volksbank Ochsenhausen (BLZ 654 901 30) Redaktion und Satz: Bernhard Günzl (Auch alle nicht namentlich gekennzeichneten Artikel) Versand: Jürgen Jauch Mitarbeiter an dieser Ausgabe:

Auflage: 600 Exemplare

Andreas Albinger Gerhard Baum

Benny Bechter

Sascha Eichler

Stefanie Günzl

Thomas Löffler

Manfred Pötzl

Ursula Siegert

Druck: Druckerei Marquart GmbH, Aulendorf

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Öchsle - Nachrichten

Güterwagen G 154

Bei diesem Fahrzeug (Baujahr 1894, Maschinenfabrik Esslingen Nr. 7548) handelt es sich um das älteste erhaltene 750 mm Fahrzeug der ehemaligen Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen (K.W.St.E.) Das Fahrzeug steht deshalb zusammen mit weiteren Original- fahrzeugen unter Denkmalschutz und ist als „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“ im Denkmalbuch Baden-Württemberg eingetragen. Geliefert wurde es 1894 fabrikneu an die Bottwartalbahn Marbach-Heilbronn, welche 1894 als erste 750 mm Schmalspurbahn der K.W.St.E. zwischen Marbach und Beilstein eröffnet wurde.

U m 1 9 6 2 w u r d e d as F ah r zeu g v o m

Ausbesserungswerk Cannstatt mit Normalspur Zug- und Stoßvorrichtung versehen und zu einem sogenannten Pufferwagen umgebaut. Dadurch blieb der Wagen erhalten und wurde nach Stilllegung der Bottwartalbahn 1969 nach Ochsenhausen umgesetzt. 1973 wurde das Fahrzeug von der Deutschen Bundesbahn ausgemustert, blieb jedoch als Bahnhofswagen des Bahnhofes Ochsenhausen erhalten. Nach Stilllegung des Öchsle wurde das Fahrzeug 1984 von Mitgliedern des damaligen DGEG-

Arbeitskreises Jagsttal erworben und wechselte im

D e z e m b e r 2 0 0 5 i n s E i g e n t u m d e r

„Arbeitsgemeinschaft Württembergische Schmalspurwagen“. Seit 1973 wurde das Fahrzeug nicht unterhalten, so dass der Wagen sich in einem sehr schlechten Zustand befindet. Das soll sich nun grundlegend ändern. Im September 2007 begann die Arbeitsgemeinschaft Württembergische Schmalspurwagen nach der nicht einfachen Genehmigung des Denkmalamtes mit der Aufarbeitung des Fahrzeuges. Das Fahrzeug wird im Rahmen der Aufarbeitung in den Zustand als Güterwagen zurückversetzt. Bis Ende November wurde der Wagen leer geräumt, die Normalspuranbauteile einschließlich der eingeschweißten Stahlplatten und die Wagenkastenbeplankung aus Holz entfernt. Dabei bestätigte sich der schlechte Zustand des Wagens, da beinahe alle Stahlprofile des Wagenkastens im unteren Bereich durchgerostet sind. Als nächster Schritt wird nun noch der völlig marode Fußboden des Fahrzeuges entfernt und das Bremsgestänge ausgebaut und aufgearbeitet. Nach Ergänzung der durchgerosteten Profile soll das Fahrzeug im

farblich

konserviert werden. Eine Fertigstellung des Wagen

Frühjahr

aufwändig

entrostet

und

ist im Laufe des Jahres 2009 vorgesehen.

Sonderfahrt Familie Jauch

Am 01. November lud unser ehemaliger 1. Vorsitzender Jürgen Jauch mit seiner Frau Ulrike alle Verwandten, Freunde und Bekannte zu einer Sonderfahrt mit dem Öchsle ein. Etwa 300 Personen folgten der Einladung, was einen gut gefüllten Sonderzug mit 11 Wagen hinter der Lokomotive 99 716 ergab. Der eigentliche Anlass der Fahrt sollte geheim gehalten werden, jedoch sickerte schnell durch, dass Jürgen und Ulrike ihr 25-jähriges Ehejubiläum auf diese Art begehen wollten. Auf der Lok sorgte Florian Jauch zur Freude der Fahrgäste für mehrere Scheinanfahrten. Dieser ließ es sich natürlich nicht nehmen, den Familiensonderzug als Lokführer zu fahren. Während der Fahrt wurden alle Fahrgäste mit Getränken, verschiedenen Speisen sowie Kaffee und Kuchen umfangreich versorgt. Anstatt Geschenke wurde im Zug durch Jürgen Jauch um Spenden für die Aufarbeitung unserer 99 633 geworben. Ein stolzer Betrag von rund 2500,- € ging so auf dem Spendenkonto für die 99 633 ein. Wir bedanken uns bei Jürgen und Ulrike für dieses große Engagement und die großzügige Spende sehr herzlich!

Rollbockdenkmal für Ochsenhausen

Mitte September wurde mit der Aufarbeitung von 2 Rollböcken für das geplante Rollbockdenkmal mit einem aufgebockten Normalspurgüterwagen begonnen. Ein Rollbock wurde bereits vollständig demontiert. Sämtliche Einzelteile wurden entrostet und grundiert. Der Grundrahmen des Fahrzeuges wurde am 15.11.2007 in der Strahlanlage des Liebherr Werkes Biberach entrostet und anschließend ebenfalls grundiert. Mittlerweile sind sämtliche Teile auch schwarz lackiert. Zur Zeit erfolgt der Zusammenbau des dann wieder gut konservierten ersten Rollbockes. Mit der Aufarbeitung des zweiten Rollbockes soll erst nach Abschluss der Aufarbeitung des ersten Rollbockes begonnen werden, da dieser als Muster für den Zusammenbau dient. Nach Fertigstellung der beiden Rollböcke soll ein im Vereinseigentum befindlicher Normalspurgüterwagen nach Ochsenhausen umgesetzt und auf die beiden Rollböcke aufgebockt werden. Trotz manch pessimistischer Stimmen im Vorfeld, wurde das erstmalige Aufbocken eines Normalspur-

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Öchsle Schmalspurbahn e. V.

Öchsle-Aktuell Januar 2008

güterwagens seit 1983 vom Landesbevoll- mächtigten für Bahnaufsicht (LfB) genehmigt. Der Normalspurgüterwagen darf allerdings nicht auf Rollböcken bewegt werden. Der Wagen soll in Ochsenhausen auf die Beförderung von Normalspurwagen auf dem Öchsle von 1899 bis 1983 erinnern und auch für eine Belebung des Bahnhofsareals Ochsenhausen sorgen. Der Wagen bietet zudem eine große Lagerfläche zum Einlagern diverser Gegenstände.

Öchsle -Aktionärsaktion

Am 17.11.2007 fand die diesjährige Aktionärsaktion der Öchsle Bahn AG statt. Ursprünglich war ein erster Arbeitseinsatz bereits am 10.11.2007 geplant, dieser musste jedoch aufgrund der sehr schlechten Witterung mit heftigem Schneetreiben kurzfristig abgesagt werden. Beim Arbeitseinsatz wurden mit Hilfe des Öchsle- Baggers Büsche entlang der Strecke bei Äpfingen mitsamt den Wurzeln entfernt und anschließend der Graben in diesem Bereich teilweise neu profiliert. Auch wurde bei Wennedach ein Streckenstück ausgeschnitten. Weiterhin wurden im Lokschuppen Warthausen verschiedene Maschinen an sinnvollere Standorte umgestellt und mit Hilfe von entsprechenden Wandhalterungen das Stahllager an einer Wand des Lokschuppens untergebracht. Auch wurde die im 1. Stock befindliche Lagerfläche des Lokschuppens mit Regalen ausgestattet. Damit ist ein besserer Arbeitsablauf im Lokschuppen möglich und das Lager des Lokschuppen kann nun endlich sinnvoll eingeräumt und genutzt werden.

Bauzugwagen

Ein erster Bauzugwagen ist inzwischen fertig gestellt. Der Plattformwagen war bereits seit längerem umgespurt. Zwischenzeitlich konnte das der engeren Spur angepasste Bremsgestänge und die Druckluftbremse eingebaut und der Wagen von unserem obersten Betriebsleiter abgenommen werden. Die vom Vorbesitzer, der Dampfbahn Furka-Bergstrecke, aufgebrachte graue Lackierung der Fahrzeuge löst sich wohl wegen ungeeigneter Farben von der Holzbeplankung der gedeckten Wagen. Nach der technischen Aufarbeitung der Bauzugwagen sollen diese in absehbarer Zeit auch farblich aufgefrischt werden, damit die Substanz der Fahrzeuge besser geschützt ist.

Dampflokomotive 99 788 “Berta”

Die notwendige Fahrwerkshauptuntersuchung der Lokomotive wurde am 24.11.2007 begonnen. In einem ersten Schritt wurden die Treib- und Kuppelstangen entfernt, um den Ausbau der Radsätze der Lok zu ermöglichen.Auch wurden die Wasserkästen der Lokomotive mit Hilfe der Hallenkräne abgebaut. Der Abbau der Wasserkästen ist für die Fahrwerks- hauptuntersuchung zwar nicht nötig, jedoch sind die Wasserkästen, obwohl diese erst 1992 gebaut wurden, stark korrodiert. Es ist deshalb vorgesehen die Wasserkästen im Zuge der laufenden Arbeiten zu strahlen und farblich konservieren zu lassen. Ansonsten wäre ein recht teurer Neubau dieser Teile in den nächsten Jahren zu befürchten. Im Dezember wurde die Lok mit Hilfe der aufgearbeiteten Hebeanlage angehoben und die Radsätze ausgebaut. Die Radsätze werden im Dampflokwerk Meiningen neu profiliert. Eine notwendige Aufarbeitung der Treibstangen- und Kuppelstangenlager und sämtlicher weiterer Arbeiten am Fahrwerk der Lokomotive wird durch Vereinsmitglieder im Lokschuppen Warthausen stattfinden. Auch der Aschkasten muss erneuert werden, was ebenfalls von den Mitarbeitern in Warthausen erledigt wird. Die Fertigstellung der sehr arbeitsintensiven Arbeiten ist voraussichtlich erst im Sommer 2008 möglich. Gleichzeitig wird auch “Rosa” 99 716 fit für die kommende Saison gemacht, die sie am Anfang alleine meistern muss. Bei ihr ist eine Kesselfristverlängerung fällig, die ebenfalls in Eigenleistung in Warthausen ausgeführt wird.

Hebeanlage Lokschuppen Warthausen

Alle 4 Hebeböcke der Hebeanlage wurden inzwischen umfangreich aufgearbeitet. Im Rahmen der Aufarbeitung wurden die Elektromotoren der Hebeböcke im Liebherr Werk Biberach erneuert. Die Hebeböcke erstrahlen nach Entrostung, Aufarbeitung aller mechanischen Komponenten und Lackierung nun in hellgrüner Farbe. Speziell für die Hebeanlage wurden passende neue Traversen im Liebherr Werk Biberach gefertigt. Die Aufarbeitung der Hebeanlage beanspruchte die Arbeitskapazitäten der in der Werkstatt tätigen Vereinsmitglieder über mehrere Monate. Durch die Aufarbeitung der Hebeanlage wurde überhaupt erst die Möglichkeit geschaffen unsere 99 788 anzuheben und damit die Fahrwerks- hauptuntersuchung in Eigenregie durchzuführen. (Andreas Albinger)

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Einladung zur ordentlichen Jahreshauptversammlung

am Sonntag, den 9. März 2008 um 14:00 Uhr im Hotel Mohren in Ochsenhausen.

Tagesordnung:

1. Begrüßung

2. Bericht des Geschäftsführers der Betriebsgesellschaft

3. Feststellung der Beschlussfähigkeit

4. Bericht des Vorstands

5. Bericht des Schatzmeisters

6. Bericht der Kassenprüfer

7. Bericht der Organisatoren des Speisewagenbetriebs

8. Württemberger Zuggarnitur / Bericht

9. Aussprache zu den Berichten

10. Genehmigung des Rechnungsabschlusses für das Jahr 2007

11. Entlastung des Vorstands und des Schatzmeisters

12. Wahl der Kassenprüfer

13. Beschlussfassung über Anträge

14. Sonstiges

Anträge zur Hauptversammlung sind schriftlich bis spätestens 1. März 2008 an die Vereinsadresse zu senden: Postfach 1228, 88412 Ochsenhausen.

Herzliche Grüße aus Ochsenhausen

Die Vorstandschaft

Mitgliedsbeitrag

Mit dem neuen Jahr ist auch wieder Ihr Mitgliedsbeitrag fällig. Bitte prüfen Sie, ob Sie uns Änderungen Ihrer Bankverbindung mitgeteilt haben, oder denken Sie daran, uns den Beitrag in Höhe von 30,- € in den nächsten Tagen zu überweisen, falls Sie uns keine Einzugs- ermächtigung erteilt haben. Bundestag und Bundesrat haben kürzlich das Gesetz zur weiteren Stärkung des bürgerlichen Engagements verabschiedet, das rückwirkend ab 01.01.2007 in Kraft tritt. Durch großzügigere Regelungen des Gemeinnützigkeits- und Spendenrechts erhofft sich die Regierung ein stärkeres Engagement der Bevölkerung im gemeinnützigen Bereich. So wurden die Höchstgrenzen für den Spendenabzug auf einheitliche 20 % des Gesamtbetrages der Einkünfte (bisher 5 oder 10 %) bei Privatpersonen angehoben. Jeder kann somit ab 2007 und für die Zukunft Spenden an unseren Verein in doppelter Höhe wie bisher vom Gesamtbetrag der Einkünfte absetzen. Der Öchsle Schmalspurbahn e.V. ist als gemeinnützig und besonders förderungswürdig

anerkannt und auf Ihre Spenden dringend angewiesen. Auch durch die Spendenbereitschaft einiger Mitglieder war es uns möglich, im September 2007 die Original Öchsle-Lokomotive 99 633 zusammen mit dem normalspurigen Transportwagen für Schmalspurfahrzeuge zu erwerben. Die Durchführung dieser Projekte ist sehr arbeitsintensiv und erfordert in finanzieller Hinsicht eine große Anstrengung. Daher die Bitte an alle Freunde unserer Museumseisenbahn, die kommenden Wochen für eine Spende zu nutzen und Ihre Steuern zu senken.

Spendenkonto „Öchsle 99 633“ Konto Nr.: 616 944 Kreissparkasse Biberach, BLZ 654 500 70

Beträge bis zu 200,- € können Sie steuerlich geltend machen, indem Sie einfach eine Kopie Ihres Kontoauszuges einreichen. Für höhere Spenden erhalten Sie von uns eine entsprechende Spendenbescheinigung zugesandt. Bitte Ihre Anschrift gut lesbar angeben. Vielen Dank!

(Andreas Albinger, Bernhard Günzl)

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NACHRUF

Völlig unerwartet und viel zu früh verstarb im Oktober letzten Jahres unser Mitarbeiter und Freund

im Oktober letzten Jahres unser Mitarbeiter und Freund Peter Hepp Als Warthausener war er schon seit

Peter Hepp

Als Warthausener war er schon seit Kindesbeinen mit dem Öchsle verwurzelt und hat sich mit Leib und Seele für den Erhalt und Betrieb unserer Museumsbahn eingesetzt. Er war der gute Geist des Bahnhofs Warthausen. Sein vielseitiges Wissen und seine stetige Hilfsbereitschaft werden uns fehlen. Mit Ihm verlieren wir nicht nur einen geschätzten Kollegen, sondern auch einen guten Freund. Peter, wir vermissen Dich sehr!

Deine Vereinskameraden und Freunde des Öchsle Schmalspurbahn e.V.

Das Eisenbahngleichnis (Erich Kästner)

Wir sitzen alle im gleichen Zug und reisen quer durch die Zeit. Wir sehen hinaus. Wir sahen genug. Wir fahren alle im gleichen Zug. Und keiner weiß, wie weit.

Ein Nachbar schläft, ein anderer klagt, ein dritter redet viel. Stationen werden angesagt. Der Zug, der durch die Jahre jagt, kommt niemals an sein Ziel.

Wir packen aus. Wir packen ein. Wir finden keinen Sinn. Wo werden wir wohl morgen sein? Der Schaffner schaut zur Tür herein und lächelt vor sich hin

Auch er weiß nicht, wohin er will. Er schweigt und geht hinaus. Da heult die Zugsirene schrill! Der Zug fährt langsam und hält still. Die Toten steigen aus.

Ein Kind steigt aus. Die Mutter schreit. Die Toten stehen stumm am Bahnsteig der Vergangenheit. Der Zug fährt weiter, er jagt durch die Zeit, und niemand weiß, warum.

Die I. Klasse ist fast leer. Ein feister Herr sitzt stolz im roten Plüsch und atmet schwer. Er ist allein und spürt das sehr. Die Mehrheit sitzt auf Holz.

Wir reisen alle im gleichen Zug zur Gegenwart in spe. Wir sehen hinaus. Wir sahen genug. Wir sitzen alle im gleichen Zug und viele im falschen Coupé.

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in spe. Wir sehen hinaus. Wir sahen genug. Wir sitzen alle im gleichen Zug und viele
Wie in jedem Jahr, waren auch die Nikolausfahrten im Dezember 2007 ein großer Erfolg. Mit

Wie in jedem Jahr, waren auch die Nikolausfahrten im Dezember 2007 ein großer Erfolg. Mit Gedichten und Liedern bedankten sich die kleinen Fahrgäste bei Nikolaus und seinem Knecht Ruprecht. Die beiden hatten nur selten Gelegenheit für eine Verschnaufpause auf der Plattform.

Gelegenheit für eine Verschnaufpause auf der Plattform. (Foto: Sacha Eichler) Die Menschen hinter dem Öchsle

(Foto: Sacha Eichler)

Die Menschen hinter dem Öchsle Albert Scharf

Albert Scharf (46) ist seit etwa 5 Jahren in unserem Verein tätig. Dass Albert Scharf zum Öchsle kam, war wohl eher Zufall. Aber mittlerweile zählt er zu einem der wichtigsten Mitarbeiter im Bereich unserer Werkstatt. Durch sein breites Spektrum an Berufsausbildung ist er hier in fast allen Bereichen einsetzbar. Egal ob es darum geht etwas zu schweißen oder um die Bearbeitung von Holz,. Albert weiß immer Rat, ist immer zur Stelle und ist sich für keine Arbeit zu schade. Auch im Bereich des Zugdienstes ist er relativ oft anzutreffen und hilft dort, wo er gebraucht wird. Öfters greift er somit anderen Mitarbeitern unter dieArme, die ihm hierfür sehr dankbar sind.

(Benny Bechter)