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Alexander Meng

Gesundheitsvorsorge mit TCM

Philosophie – Krankheitslehre –
Diagnostik – Therapie

SpringerWienNewYork
Prof. Dr. Alexander Meng
Oberarzt der Neurologischen Abteilung
am Krankenhaus Lainz, Wien (von 1983 bis 2005)
Adresse: Frauenfelderstr. 8, 1170 Wien
www.meng.at

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Wissenschaft und Kultur in Wien

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tung und Kontrolle ohne Gewähr. Insbesondere Angaben über Dosierungsanweisungen und
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Umschlagbild: Alexander Meng


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Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

ISBN-10 3-211-25213-4 SpringerWienNewYork


ISBN-13 978-3-211-25213-0 SpringerWienNewYork
Vorwort

Das vorliegende Buch ist für das Verstehen und Anwenden in der Praxis gedacht.
Es enthält Neuestes über TCM aus erster Hand und direkt aus chinesischen Ori-
ginalquellen. Eingeflossen sind meine mehr als 30-jährigen Erfahrungen mit der
TCM im Westen, außerdem Erkenntnisse aus meinen ersten Publikationen („Lehr-
buch Tuina-Therapie“, „Handbuch der Akupunktur“, „Basistheorie der TCM“
u.a.) und Übersetzungen (Mitarbeit bei Publikationen der Autoren König/Wan-
schura, H. Zeitler, J. Bischko, G. Kubiena, D. Gross, E. Petricek, O. Bergsmann,
O. Kothbauer etc., die heute zu den Standardwerken zählen).
Hauptanliegen dieses Buches sind die Integration traditioneller mit westlicher
Medizin unter Berücksichtigung des kulturellen Hintergrundes der TCM in
China, das Erarbeiten effektiver Therapiekonzepte aus Geriatrie, Tumorerkran-
kung, kardio-, zerebrovaskulären Erkrankungen, Problemfällen des Verdauungs-
und Immunsystems mittels Akupunktur, Tuina, Moxibustion, Guasha, Qigong,
Taijiquan, Diät, chinesischer Kräutertherapie und Fengshui.
Mein besonderer Dank geht an Frau Mag. Eichhorn und Hrn. Dr. Treiber vom
Springer-Verlag, die dieses Buch durch ihren persönlichen Einsatz erst ermöglicht
haben.

Wien, im Juli 2005 Alexander Meng


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung .................................................................................................................... 1
Huang Di Nei Jing (der Klassiker der TCM) .......................................................... 2
Lao Zi .......................................................................................................................... 3
Meng Zi ...................................................................................................................... 3
Yang Sheng ................................................................................................................ 4
Yang Lao Feng Qin Shu (Meisterwerk der Geriatrie) ............................................ 5

2 Yang Sheng (Gesundheitspflege) ................................................................ 7


Daoismus und TCM .................................................................................................... 8
Einige allgemeine Regeln für ein gesundes Leben ................................................ 10
Tugend (De, die natürliche, innere Kraft) ............................................................ 12
Ernährung .............................................................................................................. 13

3 Zhou Yi ........................................................................................................................ 17
Die Deutungen des chinesischen Schriftzeichens Yi .............................................. 17
Das Yin/Yang-Konzept .............................................................................................. 18
Die Ordnung des Universums in binärer Symbolsprache ...................................... 20
Hetu ........................................................................................................................ 24
Aufbau des Tripelsystems .................................................................................... 26
Ba Gua, 8-Trigramme, eine Symbolsprache des Yin Yang in der TCM .......... 27
Mögliche Entstehung der acht Symbole (Bagua) ................................................ 27
Die Symbole und die Bedeutung der acht Trigramme (Bagua) ........................ 28
Die Bausteine der 64 Hexagramme sind die 8 Trigramme ................................ 29
Biorhythmus (Wu Yun Liu Qi) .............................................................................. 31
Fengshui ................................................................................................................ 32
Die Organphysiologie im Tripelsystem .................................................................... 34
Tai Ji Ba Gua .......................................................................................................... 35
Die primäre, ältere Form der acht Trigramme Hetu nach Fu Xi ...................... 36
Die sekundäre, jüngere Form der 8 Trigramme nach (Zhou) Wen Wang ........ 36
Hetu-Zahlendiagramm für die 5 Elementelehre (5E) ........................................ 36
Luo Shu Fang Wei (Formel der Himmelsanordnung) ........................................ 38
Die Entstehung des Universums (siehe die Abbildung oben) .......................... 38
Die 8 Trigramme (Ba Bagua), ihre Entsprechungen und das Zahlensystem .... 40
Die 64 Hexagramme mit je zwei Trigrammen .................................................... 40
Die Kardinalpunkt-Paare (Meridian-Paare) aus dem Yi Jing ............................ 41
Jiu Gong Ba Gua Baxue (Neun Paläste, neun Trigramme, acht Punkte) ........ 42
VIII Inhaltsverzeichnis

4 Holographie .............................................................................................................. 43
Die drei Pulstastpositionen ........................................................................................ 43
Zungendiagnose ........................................................................................................ 45
Bauchdecken-Diagnose und -Therapie (Ba Kuo) .................................................... 49
Chinesische Schädelakupunktur (Tou Pi Zhen) ...................................................... 51
Die antike Hand mit dem Bagua .............................................................................. 53
Die Gesichtsreflexzone .............................................................................................. 54
Ohrreflexzonen .......................................................................................................... 55
Die Augenreflexzonen der Meridiane (von Peng Jingshan) .................................. 59
Nase mit Bagua .......................................................................................................... 60
Körper und Rumpf ventral mit Bagua ...................................................................... 61
Fußreflexzonen mit Bagua ........................................................................................ 61
Die Handreflexzonen des Kindes mit Bagua (für Diagnose und Therapie) .......... 62

5 TCM und Schulmedizin .................................................................................... 63


Unterschiede und Gemeinsamkeiten ........................................................................ 63
Frühwarnsystem (Warnsignale vor einer Erkrankung) .......................................... 64
Prävention und Rehabilitation .................................................................................. 65
Die Ganzheitlichkeit (Tian Ren He Yi, Tian Ren Xiang Ying) .......................... 65
Die Lebensbasis nach der Geburt schützen (Zhi Bing Qiu Ben) ...................... 65
Prävention (Zhong Fang Yang Sheng) ................................................................ 66
Individualität (Bian Zheng Zhi Liao) .................................................................... 66
Steigerung der Abwehrkraft (Zhong Fang Yang Sheng) .................................. 66

6 Zeit im Rahmen der TCM ................................................................................ 67


Allgemeine Zeiteinheiten .......................................................................................... 67
Spezielle Zeiteinteilungen ........................................................................................ 68
Zehn Himmelsstämme (Tian Gan) ........................................................................ 69
Zwölf irdische Zweige (Di Zhi) ............................................................................ 69
Die 24 Abschnitte des Jahres ................................................................................ 70
Die 24 Abschnitte des chinesischen Jahres nach dem Mondkalender ............ 71
Die vier Jahreszeiten ............................................................................................ 72
Therapieempfehlungen ........................................................................................ 76

7 Behandlungsmethoden der TCM ................................................................ 83


Akupunktur in der Geriatrie ...................................................................................... 84
Nahrungsmittel und Kräuterheilkunde .................................................................... 85
Moxibustion (Ai Jiu) .................................................................................................. 85
Schröpfen (Ba Guan) ............................................................................................ 89
Tuina-Therapie ...................................................................................................... 91
Qigong .................................................................................................................... 92
Schattenboxen (Tai Ji Quan) ................................................................................ 95

8 Das Meridiansystem ............................................................................................ 97


Die Funktionen des Meridiansystems als Summationssystem .................................... 97
Die Physiologie und Pathophysiologie des Meridiansystems ...................................... 98
Diagnose ................................................................................................................ 99
Der Qi-(Vitalenergie) und Xue (Blut)-Fluss in den 14 Meridianen .................. 100
Inhaltsverzeichnis IX

9 Vitalenergie (Qi) und Blut (Xue) .............................................................. 101


Qi ................................................................................................................................ 101
Die 4 Hauptformen des Qi .................................................................................. 102
Allgemeine Physiologie und Pathophysiologie des Qi .................................... 103
Blut .......................................................................................................................... 103
Entstehung und Kreislauf .................................................................................. 104
Störungen des Blutes .......................................................................................... 104
Einige Qi/Xue-Syndrome (Zheng) .................................................................... 105

10 Organphysiologie ................................................................................................ 107


Die Verbindung des Herzens mit dem Körper und den Sinnesorganen ............ 109
Lunge (Fei) ................................................................................................................ 109
Lunge und Körperöffnungen .................................................................................. 110
Milz (Pi) .................................................................................................................... 111
Milz und Körperöffnungen ...................................................................................... 111
Leber (Gan) .............................................................................................................. 112
Leber und Körperöffnungen .................................................................................... 112
Niere (Shen) .............................................................................................................. 113
Niere und Körperöffnungen .................................................................................... 113
Die sechs Fu-Organe ................................................................................................ 114

11 Die 5 Elementelehre .......................................................................................... 117


Produktion (Sheng)/Hemmung (Ke) ...................................................................... 117
Übersicht der Entsprechungen .......................................................................... 118
Die Bedeutung der 5 Elementelehre ...................................................................... 119
Die Physiologie der Organe und die 5 Elementelehre .......................................... 119
Die Meridianpunkte und die 5 Elementelehre ...................................................... 120
Yang-Meridiane .................................................................................................. 120
Yin-Meridiane ...................................................................................................... 121
Komplexes Regulationssystem ................................................................................ 121
Die Organsyndrome im Rahmen der TCM ............................................................ 122
Ätiologie: Herzblut-Mangel, Nieren-Essenz-Mangel, Herz-Nieren-Mangel,
Qi- und Blut-Mangel, Herz-Niere ...................................................................... 130

12 Krankheitslehre .................................................................................................... 131


Die Dreier-Regel ............................................................................................................ 131
Die TCM-Syndrome nach Wang Tao ...................................................................... 132
Struktur der TCM-Syndrome .................................................................................. 132
Pathogenese von Magenschmerzen ...................................................................... 133
Entscheidungsbaum für die Diagnose nach Zheng Qi und Xie Qi .................... 134
Entscheidungsbaum für die Diagnose nach Fülle/Leere ...................................... 135
Wasserhaushalt von Seiten der Qi Hua(Qi-Physiologie)-Funktion
des 3-Erwärmers .................................................................................................. 135
Pathogenese der Rheumatischen Erkrankungen (Bi-Krankheiten) .................... 136

13 Krankheitsursachen (Xie) ............................................................................ 137


Die sechs exogenen, klimatischen Faktoren (Waigan bingxie) .......................... 137
Feng Xie (Wind) ...................................................................................................... 138
Han Xie (Kälte) ........................................................................................................ 138
Shu Xie (Sommerhitze) ............................................................................................ 139
Shi Xie (Feuchtigkeit) .............................................................................................. 139
X Inhaltsverzeichnis

Zao Xie (Trockenheit) .............................................................................................. 140


Re Xie (Hitze) ............................................................................................................ 140
Die sieben emotionalen Faktoren .......................................................................... 141
Freude und Schrecken ........................................................................................ 141
Zorn ...................................................................................................................... 141
Grübelei ................................................................................................................ 141
Trauer und Sorge ................................................................................................ 142
Angst .................................................................................................................... 142
Stress .................................................................................................................... 142
Pathomechanismus .............................................................................................. 143
Diätfehler .................................................................................................................. 143
Sättigungsfehler .................................................................................................. 143
Unreine Nahrungsmittel .................................................................................... 144
Einseitige Ernährung .......................................................................................... 144

14 Die Acht Prinzipien (Ba Gang) und die


TCM-Differenzialdiagnose (Bian Zheng) .............................................. 147
Ba Gang .................................................................................................................... 147
Yin/Yang .............................................................................................................. 147
Außen (Biao)/Innen (Li) ...................................................................................... 148
Hitze (Re)/Kälte (Han) ........................................................................................ 149
Fülle (Shi)/Leere (Xu) .......................................................................................... 149
TCM-Differenzialdiagnose (Bian Zheng) .............................................................. 150
Komplexe Syndrome .......................................................................................... 150
Schleim (Tan Yin) .............................................................................................. 154
Besonderheiten der Tan Yin-Erkrankung .......................................................... 154
Blutstau (Yu Xue) ................................................................................................ 155
Entstehung von Blutstau .................................................................................... 156
Besonderheiten des Blutstaus ............................................................................ 156
Qi-Syndrome ........................................................................................................ 157
Blut-Syndrome (Xue Zheng) .............................................................................. 157
Yin- bzw. Yang-Mangel-Syndrome .................................................................... 159

15 Psychovegetative Syndrome .......................................................................... 161


Die Drei Schätze der Gesundheit ............................................................................ 162
A. Psyche-Seele (Shen) ...................................................................................... 163
B. Vitalenergie (Qi) .............................................................................................. 164
C. Essenz der Niere (Jing) .................................................................................. 164
Neurasthenie (im Rahmen der TCM) .................................................................... 165
Therapie .............................................................................................................. 165
Burnout-Syndrom .................................................................................................... 166
Behandlung .......................................................................................................... 167
Chronic fatigue Syndrom (CFS) .............................................................................. 167
Adipositas .................................................................................................................. 168
Raucherentwöhnung ................................................................................................ 168

16 Neurologische Krankheiten .......................................................................... 169


Polyneuropathie ........................................................................................................ 169
Restless Leg Syndrom .............................................................................................. 169
Cephalea .................................................................................................................. 169
Trigeminusneuralgie ................................................................................................ 170
Hemiparese nach cerebralem Insult, Schlaganfall ................................................ 170
Inhaltsverzeichnis XI

Santong-Technik (nach He Puren) .......................................................................... 171


Wei Tong .............................................................................................................. 171
Qiang Tong .......................................................................................................... 172
Wen Tong ............................................................................................................ 172
Postcommotionelles Syndrom .................................................................................. 172
Multiple Sklerose .................................................................................................... 172
Parkinson-Krankheit ................................................................................................ 173

17 Onkologie ................................................................................................................ 175


Ätiologie und Pathomechanismus der Tumorentstehung in der TCM ................ 175
Symptome einer Organstörung .............................................................................. 176
Symptome der Zirkulationsstörungen .................................................................... 176
Konzepte der Tumortherapie .................................................................................. 176
Unspezifische, symptomatische Behandlung .................................................... 176
Behandlung nach der Differenzialdiagnose der TCM (Bian Zheng) .............. 178
Tumorschmerztherapie ........................................................................................ 183

18 Nieren- und Leber-Schwäche ...................................................................... 187


Syndrome der Niere-Yang-Leere (Shen Yang Xu) ................................................ 187
Depression ................................................................................................................ 188
Müdigkeit .................................................................................................................. 189
Kalte Hände/Füße, Frieren ...................................................................................... 189
Innere Unruhe mit Hitze der Handflächen und Fußsohlen .................................. 190
Nächtliches bzw. verstärktes Schwitzen ohne ersichtlichen Grund .................... 190
Kurzatmigkeit .......................................................................................................... 190
Palpitationen ............................................................................................................ 190
Vergesslichkeit, Demenz ........................................................................................ 191
Zu viel Feuer im Alter (Shang Huo) ...................................................................... 192
Chronische Bronchitis .............................................................................................. 192
Schlafstörung ............................................................................................................ 192
Schlafapnoe-Syndrom .............................................................................................. 193
Vertigo ...................................................................................................................... 193
Obstipation ................................................................................................................ 193
Chronische Diarrhö .................................................................................................. 194
Chronische Gastritis ................................................................................................ 194
Tinnitus, Schwerhörigkeit ........................................................................................ 195
Zahnschmerzen ........................................................................................................ 195
Pollakisurie ................................................................................................................ 195
Harninkontinenz ...................................................................................................... 195
Uterussenkung .......................................................................................................... 196
Menopause-Syndrom .............................................................................................. 196
Potenzprobleme ........................................................................................................ 197
Akutes Zervikalsyndrom .......................................................................................... 197
Chronisches Zervikalsyndrom ................................................................................ 197
Schulterschmerzen .................................................................................................. 198
Chronische Lumbalgie ............................................................................................ 198
Gonarthrose .............................................................................................................. 199
Schmerzen an den Fußsohlen ................................................................................ 199

19 Chinesische Kräutermedizin ........................................................................ 201


Allgemein .................................................................................................................. 201
Beispiele für die Temperaturwirkung .................................................................... 201
XII Inhaltsverzeichnis

Beispiele für den Organ/Meridianbezug .............................................................. 202


Einige häufig verwendete Kräuter in der Rehabilitation ...................................... 202
Zubereitung und Anwendung der Kräuter zu Hause .......................................... 205
Verwendung einer pulverisierten Kräutermischung ........................................ 205
Vorsichtsmaßnahmen .......................................................................................... 205
Spezielle Rezepte .................................................................................................... 205
Für die Frauen des Kaiserhofes .......................................................................... 205
Jungbrunnen-Rezept .......................................................................................... 206
He Shou Wu (ein Mittel gegen ergraute Haare) .............................................. 206
Huang Jing (für eine schöne Haut) .................................................................... 206
Dong Chong Xia Cao (für ein gutes Leben) .................................................... 206
Hausmittel für Schönheit, Gesundheit und das Jungbleiben .............................. 207

20 Drei Qigong-Formen ........................................................................................ 209


Nei Yang Gong ........................................................................................................ 209
Die drei Atemtechniken ...................................................................................... 210
Qiang Zhuang Gong ................................................................................................ 211
Bao Jian Gong .......................................................................................................... 213

Literaturverzeichnis ............................................................................................................ 217

Sachverzeichnis .................................................................................................................. 221


1 Einleitung

„Das Teuerste auf der Erde ist das Leben“ (Lao Zi: Shi Si Xian Gui Sheng). Der
Arzt im alten China wurde von seinen Patienten so lange gut bezahlt, als die ihm
Anvertrauten gesund blieben. Die erfolgreiche Behandlung von Kranken im Früh-
stadium ist genau so wichtig wie die Gesundenberatung zum Thema: Essen, Trin-
ken, Schlafen, Wohnen (nach Feng Shui), körperliche Bewegung (Taijiquan), Se-
xualität, Ehe und Psyche. Das Gesundheitsbewusstsein im Westen beginnt etwa
mit dem 50. Lebensjahr oder mit der Pensionierung bzw. mit der ersten ernsthaf-
ten Erkrankung. Da wir jedoch von Geburt an altern, beginnt in China die
Gesundheitspflege mit der Schwangerschaft. Der Mensch hat theoretisch eine
Lebenserwartung bis 120 Jahren. Alt zu sein bedeutet nicht unbedingt, krank zu
sein. Biologisch gesehen ist das Altern eine natürliche Abnützungserscheinung.
Am Alterungsprozess sind viele Faktoren beteiligt: Neben den Genen (in der TCM
etwa das Organsystem Niere) ist der Lebensstil entscheidend dafür, mit welcher
Geschwindigkeit der Lebenszyklus eines Menschen abläuft. Ein ausgezeichneter
Arzt berät den ihm Anvertrauten in seinem Lebensstil schon in jungen Jahren. Er
behandelt bereits im subklinischen Stadium einer Erkrankung bzw. durch opti-
male Gesundheitsberatung beugt er vor (Hofarzt); der gute Arzt heilt (Stadt- oder
Dorfarzt); der schlechte Arzt kann nicht heilen. Er ist meistens auf Reisen (Wan-
derarzt). In den folgenden Kapiteln werden wir auf die Prinzipien, Regeln und
Konzepte der TCM bei geriatrischen Patienten eingehen. Akupunktur und Selbst-
massage (Akupressur) sind wie Atem- und Konzentrationsübungen (Qigong)
wichtige und sehr beliebte Methoden der Prävention.
Die Herausforderung der modernen Zeit an einen Arzt ist, durch Gesundheits-
pflege einer Erkrankung vorzubeugen; wenn bereits Befindlichkeitsstörungen
vorliegen, diese effektiv zu behandeln. Bei den zahlreichen Problemfällen wie
chronischen Erkrankungen und der Psychosomatose werden geeignete Maßnah-
men ergriffen: geistig, seelische Mäßigung, Schonung des wahren Qi (Zheng Qi)
im Körper sowie spezielle TCM-Techniken, um Yin und Yang zu harmonisieren.
Diese TCM-Techniken nennen wir Gesundheitspflege (Yangsheng). Der Begriff Qi
kommt schon in den so genannten Skapulaschriften (Jia Gu Wen) vor. Qi be-
zeichnet ursprünglich etwas Gasförmiges, wie Wolken, Dampf, Rauch und Wind.
Qi hat zwei Zustände, eine sichtbare, greifbare Form und auch eine nicht greif-
bare, sehr bewegliche Form. Später (in der Zhou-Dynastie) wurde der konkrete
Begriff Qi zum abstrakten Begriff umgeformt. Und kurz darauf wurde das Qi als
Yin und Yang in die Philosophie übernommen. Ursprünglich wurden konkrete,
gasförmige Zustände als Xing (Körper, Gestalt) bezeichnet. Qi gilt jetzt als körper-
los, ist aber gleichzeitig die Basis alles Körperlichen (siehe Zhang Qicheng, 5/2003).
2 Einleitung

„Die chinesische Lebensweisheit ist sicher etwas, das für uns ungemein wert-
voll ist, teils als Ergänzung dessen, was wir haben, teils als Bestärkung in gewis-
sen wertvollen Richtungen unseres eigenen Erlebens“ (Richard Wilhelm, „China
im Umbruch“, in: DG 2 China, 1973, Seite 89).
Yin/Yang-, 5 Elemente- und Organ-Lehre bilden ein komplexes Regulations-
system, ein Zeit- und Raum-Denkmodell; sie sorgen für die Synchronisation des
komplexen Systems; das System ist dynamisch, geordnet und autoregulierend.

Aus Huangdi Neijing, der Klassiker der


TCM (etwa 22 v. Chr.): „Meridianpunkte
an Bronzefigur“ von Wang Weiyi (1027)

Huang Di Nei Jing (der Klassiker der TCM)


Huang Di Nei Jing ist ein Klassiker aus der Frühling/Herbst-Periode (etwa 200 v.
Chr.). Der Minister Qi Bo gibt auf die Frage des „Gelben“ Kaisers Huang Di, wa-
rum die Menschen früher hundert Jahre alt wurden, ohne die normalerweise auf-
tretenden Zeichen des Alters aufzuweisen („Heutzutage altern die Menschen vor-
zeitig und werden kaum fünfzig. Ist das durch eine Veränderung der Umwelt oder
den Verlust der korrekten Lebensführung entstanden?“), die Antwort: „In der Ver-
gangenheit praktizierten die Menschen das Dao, den Weg des Lebens. Sie ver-
standen das Prinzip des Gleichgewichts von Yin und Yang, wie es sich in den
Wandlungen der Energien des Universums widerspiegelt. Sie entwickelten Prak-
tiken wie die des Daoyin, einer Kombination von Dehnungsübungen, Massage
und Atemtechniken, um den Fluss der Energie zu unterstützen. Sie übten sich in
Meditation, um in Harmonie mit dem Universum zu kommen. Sie aßen ausge-
Einleitung 3

wogen und regelmäßig, sie vermieden jede geistige und körperliche Überan-
strengung, sie standen zu bestimmten Zeiten auf und gingen zu bestimmten Zei-
ten zu Bett und waren in jeder Hinsicht maßvoll.“ An einer weiteren Stelle: „Frü-
her führten die Menschen ein ruhiges, ehrliches Leben, sie waren frei von unge-
bührlichen Wünschen und Bestrebungen; sie hatten ein reines Gewissen und
waren ohne Furcht … Zufrieden mit ihrem Platz im Leben, waren sie frei von
Eifersucht oder Neid. Sie verspürten Mitleid mit anderen Menschen und standen
ihnen hilfreich zur Seite, sie waren ehrlich und frei von zerstörerischen Neigun-
gen“ (Maoshing Ni, 2003).
Im Nei Jing wurde die Grenze für das Altsein (Geriatrie) mit dem 50. Lebens-
jahr festgelegt. In diesem Alter beginnt das Leber-Qi schwächer zu werden, Gal-
lensaft wird weniger, die Sehkraft wird schlechter. Ab dem 60. Lebensjahr wird
das Herz-Qi schwächer, Bitterkeit, Sorgen und Trauer treten verstärkt auf, man
ermüdet leichter, will mehr liegen, weil das Blut (Xue) und die Vitalenergie (Qi)
träger wird. Mit 70 Jahren wird das Milz-Qi schwächer, daher beginnt die Haut
zu welken. Mit 80 Jahren wird das Lungen-Qi schwächer, daher entfernt sich der
Geist, daher häuft sich das verwirrte Reden. Mit 90 Jahren ist das Nieren-Qi aus-
gebrannt, das Meridiansystem bleibt leer (Versorgung des Körpers unzureichend).
Mit 100 Jahren werden alle 5 Yin-Organe leer (erschöpft), der Geist und die Vi-
talenergie (Qi) verschwinden. Es bleibt eine leere (geistlose, leblose) Hülle zu-
rück. Wir finden also einen biologischen Rhythmus mit Zehn-Jahres-Abständen.
Wobei für den tatsächlichen Zustand neben der angeborenen Vitalität (Erbanla-
ge) die Verzögerung des Verbrauches an Blut und Qi im Alter ganz entscheidend
ist.

Lao Zi
Lao Zi ist älter als Konfuzius (Kong Zi). Beide sind einander begegnet. Lao Zi wird
als Schöpfer des Daoismus sowie als Autor des Dao De Jing (entstand etwa 500
v. Chr.) angesehen. Yi Jing (das Buch der Wandlungen) wird auch als das „rät-
selhafte Orakelbuch“ bezeichnet. Es entstand etwa 700 v. Chr. Der Autor ist nicht
bekannt. Das noch ältereYijing bildet die Basis der chinesischen Kultur (siehe Ka-
pitel 3 Zhou Yi und Daoismus und TCM auf Seite 17).
Lao Zi wie auch Konfuzius lebten etwa 500 v. Chr. Viele Gedanken dieses groß-
artigen Lehrers, Philosophen und Denkers sind fest als Kulturgut in China veran-
kert: „Was Du nicht willst, dass man dir tut, das tue den anderen auch nicht an“.
„Um Ordnung in der Familie zu haben, muss man zuerst selbst ethisch in Ord-
nung sein; um sich ethisch in Ordnung zu bringen, muss man zuerst den eigenen
Geist in Ordnung bringen“; „um den Geist in Ordnung zu bringen, ist das Los-
sagen von Begierden das Wichtigste“. Er hat drei Mahnungen für ein gesundes
Leben aufgestellt: 1. In der Jugend, wenn Xue-Blut und Qi-Vitalenergie noch nicht
fix sind, auf die Sexualität achten. 2. Im Mannesalter, wenn Blut (Xue) und Vital-
energie (Qi) völlig ausgebildet sind, die Streitsucht meiden. 3. Im Alter, wenn Blut
(Xue) und Vitalenergie (Qi) geschwächt sind, die Habgier meiden.

Meng Zi
Meng Zi lebte etwa 372 bis 289 v. Chr. Er ist ein großer Schüler des Konfuzius und
wird als der zweithöchste Heilige Gelehrte nach Konfuzius in China verehrt. Die
4 Einleitung

ethische Einstellung dieser beiden Gelehrten prägt die chinesische Gesellschaft


bis heute. Man kann ihre Ethik in sechs Punkten zusammenfassen: 1. Folge den
Vorbildern, mache die Sorgen des Volkes und den Frieden im Lande zu deiner
Aufgabe (Zicheng Xianxian, Shenren Tianxia). Liebe und achte deine Mitmen-
schen und die Umwelt (Minsheng Weiben, Renai Weihuai). Tue nichts, das nicht
moralisch und ethisch ist (Zhunde Leyi, Yiyi Chili); die Gerechtigkeit über das
eigene Leben stellen (Chungyi Shangdao, Sheshen Quyi). 2. Im Wohlstand nie-
mals Exzesse, in der Armut nicht dem Dao und der Gerechtigkeit untreu sein.
3. Im Leben stets besorgt sein, unerschrocken sein, immer strebsam sein, zufrie-
den und froh sein, wenn es um den Tod geht (Youhuan Yisheng, Ziqiangbuxi).
4. Nicht aufhören, die sittliche und charakterliche Persönlichkeit heranzubilden.
5. Sein Herz ins Lot bringen. Seine gute, angeborene menschliche Natur hervor-
heben. Die menschliche Natur ist von Geburt her gut (Renxing Benshan). 5. Je-
der, der andere belehren und richten will, muss zuerst die eigene Sprache, Ethik
und das Benehmen korrigieren. Die ständige ehrliche Reflektion des eigenen Be-
nehmens, der Ethik und Einstellung ist die große Freude des Menschen. 6. Um
das Herz (Geist) zu pflegen, ist die Reduktion aller Begierden die wichtigste Maß-
nahme. Meng Zis Spruch vom Pflegen des „Shanyang Wu Haoran Zhiqi“ bedeu-
tet, auf äußere Reize nicht negativ zu reagieren, ganz frei zu sein (Xioxin Yang-
Xing, Zhishanqishen).

Yang Sheng
Die TCM-Gesundheitspflege (Yang Sheng) basiert auf den Konzepten der TCM
und der altchinesischen Philosophie: Der Mensch bildet mit der Natur, Himmel
und Erde eine untrennbare Einheit (Tian Di Ren). Der Mensch ist im ständigen
Informations- und Energieaustausch mit der Umwelt (Tian Ren Xiang Ying). Die
Änderung der Natur hat Einfluss auf unsere Gesundheit. In der Gesundheitspfle-
ge ist es enorm wichtig, den Rhythmus der Natur zu beachten. Der Mensch kann
den Rhythmus der Natur erkennen und sich aktiv anpassen. Das chinesische Den-
ken, die Anpassung an die Umwelt, entspricht dem Prinzip der Evolution. Der

Das Wort hier bedeutet Gesundheitspflege auf Chinesisch – Zhong Yi Yang


Sheng
Einleitung 5

Himmel hat in der TCM keine Absicht und kein Bewusstsein, der Himmel ändert
sich nicht durch menschliche Aktivitäten.
Dong Zhongshu, ein berühmter Konfuzianer aus der Han-Zeit (306 v. Chr. bis
220 v. Chr.,) meint, der Himmel reagiere auf menschlichen Aktivitäten (Tian Ying
Ren); durch Opfergaben, Zeremonien etc. könne der Mensch den Himmel zu
Wohltaten bewegen. Er ist auch der Ansicht, die Macht des Kaisers komme vom
Himmel (Jun Quan Shen Shou). Der Geist und der Körper sind untrennbar (Shen
Xin He Yi); Bewegung und Ruhe sind untrennbar (Dong Jing Jie He).
In der Organpflege haben Milz und Niere den Vorrang (Shen Yang Zhang Fu,
Pi Shen Wei Xian). In der Methodik wird eine Verbesserung der Selbstheilungs-
kraft (Zheng Qi) angestrebt. Weiters ist die Vermeidung von schädigenden No-
xen (Xie Qi) wichtig. Schließlich seien Maßnahmen zu ergreifen, um das Altern
zu verlangsamen. Zeichen des Alters sind: Abnahme der Elastizität der Haut, Fal-
ten und Zunahme von Hautpigmenten, Ergrauen und Schütterwerden der Haa-
re, unruhiger Schlaf, verlangsamte Reaktion, Schwerhörigkeit, Inappetenz, Ge-
dächtnisstörungen, Abnahme der Sexualfunktionen, Abnahme der Abwehrkraft
und Anpassungsfähigkeit, Bluthochdruck, Altersdiabetes, COPD, Arthrose, Pros-
tatahypertrophie etc. Die TCM sieht in der Alterung eine Schwäche von Milz und
Niere sowie eine Disharmonie von Yin/Yang. In weiteren Kapiteln wollen wir uns
diese Aspekte der TCM genauer ansehen.
Der große Daoist Zhuang Zi lehrte über das „Leben“: Erstens: „Stille und we-
nig Reden (Jingmo)“, da lautes Sprechen, Schreien und Schimpfen dem Quellen-
Qi (Yuan-Qi) schadet und dadurch der natürlichen Abwehrkraft abträglich ist.
Zweitens: „regelmäßig die inneren und die äußeren Augenwinkel (Anzi, B1 und
3E 23) massieren“. Drittens: „die innere Ruhe bewahren“ (Ning), positiv denken,
keinen Ärger, keinen Schrecken, keine Depression etc. aufkommen lassen.

Yang Lao Feng Qin Shu


(Meisterwerk der Geriatrie)

Im bekanntesten TCM-Fachwerk der Geriatrie aus dem Jahre 1085 „Yang Lao
Feng Qinshu“ (der Autor ist Chen Zhi aus der Song Dynastie) werden wichtige
Maßnahmen genannt: auf Psychohygiene, Ernährung, Sexualität, Begierde, Ehr-
geiz und Biorhythmus des Tages sowie des Jahres etc. achten. Zur Erklärung:
1. Psychohygiene: Der ältere Mensch neigt zur Vereinsamung, Eigensinnigkeit,
Depression, daher sollte auf Zuwendung und Förderung der Lieblingsbeschäf-
tigungen wie Malen, Musizieren, Kalligraphie, Garten etc. geachtet werden.
2. Die richtige Ernährung steht über der medikamentösen Therapie: Nur wenn
die Verdauung gesund ist, arbeiten die empfindlichen Organe optimal.
3. Die Gesundheitspflege soll dem Jahresrhythmus entsprechen: Im Frühjahr
mehr Süßes, weniger Saures zu sich nehmen. An warmen Tagen mit Angehö-
rigen und Freunden Ausflüge in den Garten, in die Berge unternehmen, damit
die Vitalenergie (Qi) sich frei entfalten kann, die Depression sich löst – dadurch
wird die Milz gepflegt. Im Sommer weniger Bitteres, mehr Scharfes essen, sich
in ruhiger, erfreulicher Gegend aufhalten, wodurch das Lungen-Qi gepflegt
wird. Im Herbst weniger Scharfes, mehr Saures essen, um das Leber-Qi zu pfle-
6 Einleitung

gen. Im Winter weniger Salziges, mehr Bitteres essen, um das Herz-Qi zu pfle-
gen. Alle diese Punkte werden wir in einem eigenen Kapitel ausführlich be-
handeln.
4. Achten auf Schlaf und Bewegung: Um die Beweglichkeit zu erhalten, sollten
Schlaf und Bewegung dem Alter und der Jahreszeit angepasst sein. Jedoch soll-
te man auf Verletzungen, Stürze etc. achten.
Yang Sheng
2 (Gesundheitspflege)

Gesundheitspflege (Yang Sheng) und Daoismus sind eng verbunden. Der „Dao
De Jing“ wurde 700 v. Chr. vermutlich von Lao Zi verfasst. Dao bedeutet der Weg,
die Gesetze des Universums. De bedeutet Tugend, natürliche innere Kraft. Den
Effekt und die Wirkung der Meditation bezeichnet die TCM als Xiu Dao. Xiu Dao
ist die völlige Entspannung und das Loslassen von sämtlichen irdischen Begier-
den und Emotionen. Das Dao des Himmels ist eigennutzlos, daher ewig. Das Dao
der Menschen ist verbunden mit Eigennutz, der Mensch erliegt in dieser Welt Be-
gierden und Emotionen, daher ist unsere Lebensdauer begrenzt. Daher ist für das
Streben nach langem Leben (Yang Sheng), die Entsagung der Begierden und
Emotionen der natürliche Weg des Dao (Wu Wei Zustand). Wenn man sich um
innere Ruhe bemüht (Xu Qi Xin, Gedanken ausschalten, siehe Kap. 3 des Dao De
Jing), dann tritt bei der Meditation ein Wärmegefühl im Unterleib (Dantian, KG
6-Zone) auf. Ferner sollte man sich um Konzentration bemühen, dann sieht und
hört man nicht, was in der Umgebung geschieht. Die TCM kennt viele Techni-
ken, Qigong ist eine von vielen. Auch im Alltag sollte man sich von Reizüberflu-
tungen fernhalten (siehe Kapitel 5 des Dao De Jing). Denn intensive Freizeitver-
gnügen schaden den 3 Schätzen unseres Lebens (Jing-Essenz, Qi-Vitalenergie
und Shen-Geist). Wer seine Grenzen in Karriere und materiellem Reichtum kennt,
dem ist die Lebensgefahr fern (Zhi Zu Bu Ru, Zhi Zhi, siehe Kap. 44 im Daode-
jing sowie Cheng Dongqi, 1998). Da Dao De Jing die Grundlage der chinesischen
Kultur und Lebensphilosophie ist, sind die TCM-Ärzte neben ihrer hohen konfu-
zianischen Bildung meist auch berühmte Daoisten. Um ein guter Arzt zu sein, ge-
hört neben umfassender Bildung auch ein hoher Grad an Tugendhaftigkeit.
Stabiles und selbstgeregeltes Gleichgewicht im Organismus sowie auch von
Organismus und die Erhaltung des Gleichgewichtes im Körper und die des Kör-
pers mit seiner Umwelt wird als die Autoregulation bezeichnet. Yinqi (diverse Kör-
perstoffe) in Harmonie, Yangqi (Körperfunktion) geschieht ebenso autoregulativ
(Yin Ping Yang Bi). Zwischen Yin und Yang gibt es einen Austausch von Materie,
Energie und Information.
Es gibt kein Gleichgewicht von Yin und Yang in Zahlen (auch nicht im Zah-
lenverhältnis). Drei unterbrochene Linien (Kungua, Erde, charakterisiert das Sen-
ken) symbolisieren das Yin, drei volle Linien sind Symbol (Qiangua, Himmel,
charakterisiert das Aufsteigen)) für Yang. Wenn die drei unterbrochenen Yin-Li-
nien oben (die drei vollen Yang-Linien unten) sind, bedeutet das Gesundheit, da
hier Yang-Aufsteigen und Yin-Senken einander begegnen können. Wenn aber
die drei vollen Yang-Linien oben, die drei Yin-Linien unten sind, dann hat es eine
negative Bedeutung (Yin und Yang trennen sich, sie können sich nicht treffen). In
8 Yang Sheng (Gesundheitspflege)

Yin und Yang haben wir gleichzeitig sowohl die Eigenschaft der Quantität wie
auch die Eigenschaft der Qualität.
Yin Ping Yang Bi besagt, dass die Yun Hua-Funktion des Körpers optimal ist
(das Substrat der Organe des Körpers ist optimal), dass sich Yin und Yang in den
besten qualitativen und quantitativen Verhältnissen befinden. Bei Instabilität des
Yin/Yang tritt die Selbstheilung auf den Plan. Erkrankung tritt ein, wenn die
Selbstregulation reduziert ist. Eine Therapie ist immer eine Stärkung der Selbst-
regulation des Körpers. Reparatur und spezifische Therapie sind die Stärke der
westlichen Medizin. Die Stabilität des dynamischen Autoregulationssystems zwi-
schen Qi, Yin/Yang und den 5 Elementen hat Gesundheit zur Folge.
Das Qi ist die Quelle des Universums, die Qi Hua-Bewegung (Transformation)
ist die Quelle aller Prozesse. Bewegung des Qi (Qi Ji) ist geordnet und ohne Unter-
brechung. Die Struktur des Qi liegt zwischen Materie und formloser Leere. Die
Physiologie im Körper ist nicht teilbar, die Physiologie ist auch von der Umwelt
nicht trennbar. Die moderne westliche Medizin geht geradlinig in die Tiefen der
(leblosen) Strukturen (= Histologie, Chemie etc.). Die TCM hingegen berück-
sichtigt die Querverbindungen, sie ist daher stets im Leben stehend.

Daoismus und TCM


Typische daoistische Prinzipien der TCM sind:
1. „Dao Fa Zi Ran“: Leben, handeln und Therapie nach dem Gesetz der Natur. In
der Therapie ist der Wunsch des Patienten genau so wichtig wie die Bekämp-
fung der Krankheit (Ling Shu, Shi Zhuan).
2. „Qin Jing Wu Wei“: Ruhe und nichts gegen die Natur unternehmen. Innere
seelische Ruhe und Ausgeglichenheit, Anpassung des Lebensrhythmus an die
vier Jahreszeiten, das sind die Voraussetzungen dafür, dass das Yin im Körper
geschützt ist und das Yang im Körper bleibt (Yin Ping Yang Bi).
3. „Yin Ping Yang Bi“ ist die TCM-Definition von Gesundheit.
Persönliche Erfahrung ist entscheidend für den Therapieerfolg. „Der Bogen-
schütze übt das Bogenschießen und ist nicht nur Nachahmer des Meisters“. In
der Ming- und Qing-Dynastie (ab dem 13. Jahrhundert) wird bei Beginn einer
fieberhaften Erkrankung dem Dogma – dem Shang Han Lun von Zhang Zhong-
jing aus dem 3. Jahrhundert: Xin Wen Jie Biao Fa –, nur die oberflächliche
Schicht zu öffnen, widersprochen. Statt dessen gilt: “Xing Liang Fa Biao Li
Shuang Jie“: Oberflächliche und tiefe Schichten sind zu öffnen.
4. Streben nach langem Leben. Nach der Lebensphilosophie des Daoismus ist ein
Leben von 100 Jahren realistisch möglich. Viele Empfehlungen und Techniken
der TCM mit diesem Ziel basieren auf dem Daoismus. Drei Verfahren verfolg-
ten historisch die Ärzte dabei:
– Lian Dan Shu: Aus der Mischung und Verschmelzung von Mineralien ein
Präparat zum ewigen Leben herstellen. Die Pille (Wai Dan) der ewigen Ju-
gend und der Unsterblichkeit wurde jedoch nie gefunden. Aber auf Grund
dieser Tätigkeit besitzt die TCM eine Reihe hervorragender Pulver, Salben,
Pillen zur Behandlung von Hauterkrankungen.
– Nei Dan und Jian Shen Shu: Herstellung von „Wunderpillen“ (Nei Dan) im
Körper durch Atem-, Konzentrations- und Bewegungstechniken (z.B. Qi-
gong).
Daoismus und TCM 9

Nei Jing Tu, Anleitung der


Qigong, Steinabreibung. Gut
zu erkennen: die Wirbelsäu-
le, der Kopf, das Herz, die
Niere mit den vier Yin Yang
Symbolen und auch die Öff-
nungen am Ende des Kör-
pers. Diese Abbildung ist im
Baiyunguan, einem daoisti-
schen Tempel in Peking zu
sehen.
10 Yang Sheng (Gesundheitspflege)

– Huang Di Nei Jing: das sogenannte „Lehrbuch der Inneren Medizin“ wur-
de in den daoistischen Schriften fest verankert. Viele konfuzianische Ärzte
sind gleichzeitig hervorragende daoistische Gelehrte. Konfuzius hat die klas-
sische Schrift Yi Jing (Das Buch der Wandlungen) gründlich überarbeitet und
kommentiert. (Siehe Jiang Youli, Akademie für TCM Chinas, in: Zhongyi
Zazhi, 8/1995.)

Einige allgemeine Regeln für ein gesundes Leben


Leben ist Bewegung und Ruhe
Wer sich bewegt, der altert nicht. Durchblutung, Muskulatur, Knochen und Ge-
lenke werden durch Bewegung gestärkt. Atmung, Verdauung und Kreislauf ver-
langen ebenfalls nach vernünftigen Belastungen. Denn nach einer Woche im Bett
merkt man, dass beim Aufstehen die Beine kraftlos sind, man fühlt sich im Kopf
dumpf und schwindlig. Diese Schwäche der Muskulatur wird nach einer mehr als
3-wöchigen Ruhe auch deutlich sichtbar, man spricht dann von Inaktivitätsatro-
phie. Aber auch die geistige Aktivität darf nicht ruhen. Die Hirnleistung wird bei
Inaktivität geschwächt.
Sportliche Aktivität muss aber dem Alter und den Jahreszeiten angepasst sein.
Die Bewegung soll ruhig und ausgewogen sein. Besonders leicht durchführbare
Bewegungen sind Spazieren gehen und langsames Laufen. Qigong beispielweise
sollte man täglich praktizieren.
Laut TCM sollte man sich jedoch an die folgenden Prinzipien halten:
1. Nicht zuviel körperlich anstrengen, die Aktivität darf nicht zu großer Müdig-
keit und Atemnot oder gar zu innerer Unruhe führen.
2. Zu schwere, zu schnelle Arbeit ist zu vermeiden, da hier die Gefahr der Ver-
letzung und des Zusammenbruchs besteht. Bei starkem Hunger und nach dem
Essen sich besser nicht anstrengen. Auch die geistige Arbeit sollte maßvoll er-
folgen.

Sexualität ist ein wichtiger Bestandteil des gesunden Lebens. Die TCM sieht
jedoch in der Zügellosigkeit eine große Gefahr für die Gesundheit. Insbesondere
ab dem 60. Lebensjahr sollte das mehr Beachtung finden. In drei Fällen ist die se-
xuelle Aktivität unbedenklich, bleibt sie im physiologisch zuträglichen Rahmen:
1. wenn die Libido natürlich vorhanden ist; 2. wenn der Geschlechtsakt völlig na-
türlich, körperlich und psychisch angenehm abläuft; 3. wenn durch den Beischlaf
keine Beeinträchtigung des Schlafes und der psychischen Verfassung am nächs-
ten Tag zurückbleibt.

Burnout:
Anzeichen einer geistigen Erschöpfung sind: Müdigkeit, Sehstörungen, Hör-
verminderung, heiße Ohrmuscheln, müde Extremitäten, häufiges Gähnen, Schläf-
rigkeit, Unkonzentriertheit, Gedächtnisverminderung, ein verlangsamter Duk-
tus, wenig Appetit, Übelkeit, Charakteränderung, innere Unruhe, Reizbarkeit,
Depressivität, Gedächtnisschwierigkeiten (man kann sich an den Inhalt von Ge-
lesenem nicht mehr erinnern), häufige Fehler beim Schreiben.
Einige allgemeine Regeln für ein gesundes Leben 11

Kaltwasser-Anwendungen (Kneipp auf chinesisch)


Diese werden zur Gesundheitsförderung für ältere Menschen empfohlen. Das kal-
te Wasser reizt die Hautnerven, die Gefäße verengen sich, die Durchblutung in
der Tiefe nimmt zu, der Stoffwechsel wird aktiver und mehr Wärme produziert.
Das Kältegefühl am Beginn der Anwendung wird durch eine wohlige Wärme ab-
gelöst. Die Abwehrkraft der Haut wird gestärkt, weniger Verkühlungen treten
auf, es kommt zu weniger Schweißausbrüchen, der Appetit wird besser, man
schläft besser, fühlt sich psychisch frischer etc.
Man beginnt am besten im Sommer mit der Behandlung und hält das ganze
Jahr durch. Wenn man im Winter beginnt, dann zuerst mit kaltem Wasser das Ge-
sicht waschen, anschließend mit den warmgeriebenen Handflächen das Gesicht
massieren, dann mit einem in kaltes Wasser getauchten Waschlappen Hinterkopf,
Nase, Wange, beide Ohren und Nacken einreiben. Später mit dem kalten Wasch-
lappen den ganzen Körper abreiben. Nach Reibung der Arme und des Rückens
sollte man die Oberkleidung ausziehen. Anschließend die Brust, den Bauch rasch
abreiben. Wenn der Oberkörper wieder angekleidet ist, werden Unterleib und
Beine kalt gewaschen. Dazwischen öfters den Lappen in kaltes Wasser tauchen.
Die Füße können abschließend mit lauwarmem Wasser gewaschen werden. Der
Raum sollte für diese Prozedur warm und ohne Zugluft sein.

Emotionale Ausgeglichenheit
Diese ist wichtig, da aus emotionalen Entgleisungen Disharmonie zwischen Yin
und Yang, Blut- und Qi-Zirkulations- und Funktionsstörung in den Organen ent-
stehen können. Die Psyche benötigt die 5 Organe als Basis ihrer Funktion. Die 5
Organe hängen funktionell zusammen. Jede psychische Störung kann Herz, Le-
ber, Milz oder Niere betreffen. In der Psychosomatik spielen jedoch das Herz und
die Leber die größte Rolle.
Beispiele für entsprechende emotionale Belastungen sind:
■ Zorn schadet der Leber, Freude dem Herzen, Denken der Milz, Trauer/Sorge
der Lunge und Schrecken/Angst der Niere. Alle 7 Emotionen können dem Her-
zen schaden. Zorn, Denken, übermäßige Sorgen, Trauer, Schrecken und Angst
können alle der Leber schaden. Denken, Sorgen, Trauer, Angst und Zorn kön-
nen Lunge und Milz schädigen. Manchmal kann eine Emotion mehreren Or-
ganen schaden, z.B. schadet Angst der Niere, aber auch dem Herzen und der
Gallenblase.
■ Emotionen führen zu Qi-Störungen (Qi Ji). Bei Zorn steigt das Qi hoch, bei Freu-
de wird die Bewegung des Qi ruhiger, langsamer, bei Trauer „verschwindet“
das Qi, bei Angst senkt sich das Qi, bei Schrecken kommt das Qi „durchein-
ander“, es „verknotet“ sich, und bei Sorgen „versammelt“ sich das Qi. Solche
Qi Ji-Störungen (mit Aufwärtsbewegung von Qi) können im Körper zur Stag-
nation (Füllesyndrom) von Blut, Qi, Tan, Feuer, Feuchtigkeit, Nahrung füh-
ren. Anderseits kann es, wenn die gestörte Qi-Richtung distal gerichtet ist, zu
Leeresyndrom (Qi-Leere, Blutleere, Essenzleere etc.) führen. Wenn der emo-
tionale Reiz verschwindet, normalisiert sich in der Regel auch das Qi Ji.
■ Wenn jeoch die emotionalen Reize zu lange anhalten und zu intensiv sind, dann
kommt es zur Organstörung mit Schlafstörung, Palpitation, lebhaften Träumen,
12 Yang Sheng (Gesundheitspflege)

innerer Unruhe, Depression, psychischen Auffälligkeiten. Weiters treten auch


Asthma, Thoraxschmerzen, Aufstoßen, Erbrechen, Durchfälle, Meteorismus,
Kopf-, Magen-, Bauch- und Rippenschmerzen, Vertigo, Diabetes mellitus, Po-
tenzstörungen, Zyklusstörungen etc. auf. In diesen Fällen sollten Akupunktur,
Pharmako- und Psychotherapie gleichzeitig angewendet werden.
■ Eine maßvolle emotionale Entladung ist jedoch physiologisch notwendig. Sonst
können gewaltsame emotionalen Stauungen zu schweren psychischen und so-
matischen Störungen führen. Im Frühling sollte man sich auf das Erwachen und
Aufleben der Natur freuen, deshalb vermehrt Ausflüge in die blühende Natur
machen. Im Sommer sollte man die volle Leistung ausleben. Die Hitze wird
durch die mentale Einstellung „ich habe Eis und Schnee im Herzen, daher bin
ich ruhig“ nicht so stark empfunden, die Hitze macht mir daher nichts aus. Im
Herbst wird die Sonne schwächer, die Natur wird schlichter, das Yin nimmt
langsam zu, hier ist es wichtig, eine Reduktion der emotionalen und geistigen
Aktivitäten vorzunehmen. Man kehrt langsam in sich zurück. Im Winter ist das
Yin am stärksten, das Yang ist tief im Körper verborgen. Unsere seelische und
mentale Aktivität sollte daher stark zurückhaltend sein.

Tugend (De, die natürliche, innere Kraft)


Es ist für den Nichtchinesen schwer zu verstehen, dass Tugend und Ethik wichti-
ge Voraussetzungen für ein gesundes Leben sein sollen. Im Qigong ist der Spruch
geläufig: „De (Tugend, die natürliche Würde und Kraft) ist die Quelle jeder
Übung“. Das Wort „De“ wird auch als natürliche Kraft bzw. die menschliche
Natur unseres Körpers verstanden. Diese natürliche Kraft kommt nicht automa-
tisch zum Ausdruck. Das bedeutet, wir müssen die vielen Irrwege und Ablen-
kungen vermeiden. Im Menschen vereinigen sich Himmel und Erde. Der Kluge
pflegt Körper und Geist, Natur und Schicksal. Schicksal ist etwas, das wir zu
akzeptieren haben. Seinen Körper und seine Grenzen zu akzeptieren heißt die
Natur (Gut und Böse zugleich) zu akzeptieren. Egoismus, Neid, Habgier und
Intoleranz sollten ausgemerzt werden, die sieben emotionalen Irritationen ver-
mieden werden. Nur wer sich seelisch ausgeglichen, gelassen, harmonisch, fröh-
lich, optimistisch, defensiv etc. verhält, findet die richtige innere Ruhe für die
Qigong-Übungen.
Das ständige Bemühen um die eigene Tugend in Kombination mit Qigong stärkt
die innere Kraft. Dazu einige Empfehlungen: Spielen mit Kindern. Bei Ärgern sich
selbst im Spiegel betrachten, da verschwindet oft der Zorn und das Ärgern. Oder
durch Spazieren gehen und sich abreagieren. Besonders der alte Mensch sollte
sich besonders um den familiären Frieden bemühen. Nicht sofort alles hinwerfen,
immer zuerst in Ruhe nachdenken und genau hinhören, dann tolerant und groß-
zügig reagieren. Man sollte sich auch bemühen, die unangenehmen Dinge des
Alltages nicht so ernst zu nehmen, optimistisch und tolerant zu sein; Loslösen von
emotionalen Exzessen und gesellschaftlichen, materiellen, leiblichen und sinn-
lichen Begierden (Qing Xin Gua Yu); öfters Lachen und sich humorvoll zeigen (ein
chinesisches Sprichwort sagt: „Einmal lachen macht 10 Jahre jünger, einmal Kum-
mer haben macht die Haare grau“). Es liegt in der Natur, dass im Alter köperli-
che Beschwerden häufiger auftreten. Aber unser Körper hat viele Reserven und
kennt so viele Wege, um damit fertig zu werden. Die positive Voraussetzung für
Einige allgemeine Regeln für ein gesundes Leben 13

eine Gesundung ist, unter der ärztlichen Anleitung optimistisch und ausdauernd
gegen die Krankheit anzukämpfen. Im Alter macht bei einer Therapie 70% die
Anpassung der Lebensführung und 30% die medikamentöse oder chirurgische
ärztliche Behandlung aus. Schließlich sollte jeder älterer Mensch ein Hobby ha-
ben, das ihm ein Ziel im Leben gibt. Er weiß sich so konzentriert und mit Freude
zu beschäftigen.

Ernährung
Entscheidend für die Gesundheit ist Ausgeglichenheit in der Nahrung; daher mehr
vegetarische und weniger tierische Nahrung. Menge und Zeitpunkt der Mahl-
zeiten sollten geregelt sein. Mäßigung im Konsum von Fleisch, Alkohol, stark Ge-
würztem, Süßigkeiten und Speisesalz. Viel Tee statt Kaffee trinken (es steht Grü-
ner, Schwarzer, Jasmin-, Chrysanthemen-, Früchte-, Malztee und viele weitere
Sorten zur Auswahl). Schwer verdauliche, rohe und kalte Speisen sollte man kaum
zu sich nehmen.
Nahrungmittel, welche in China von älteren Menschen bevorzugt werden, sind:
– Mais-Brei: süß, neutral, stärkt den mittleren 3E und Magen.
– Reis-Brei: süß, neutral, stärkt den mittleren 3E und Magen, stärkt Essenz-Jing
und kühlt die Hitze durch Yin-Leere.
– Süßkartoffel-Brei: süß, neutral, stärkt den mittleren 3E (Magen und Milz/Pan-
kreas), tonisiert bei Leere-Syndrom, kräftigt das Qi gegen Obstipation.
– Chinesische Datteln in der Suppe: süß, neutral, schont den mittleren 3E (Ma-
gen und Milz/Pankreas), tonisiert das Blut und den Geist (Shen).
– Mandel-Tee: herb, süß, leicht bitter, öffnet den Magen und fördert die Qi-Des-
zendenz, verschönert das Gesicht, wirkt gegen Husten und Keuchen.
– Weiße Morchel in der Suppe: süß, etwas kühl, günstig für Qi und Yin, harmo-
nisiert alle 5 Zang-Organe.
– Milch: süß, leicht wärmend, stärkt den mittleren 3E, ergänzt Essenz (Jing) und
Mark (Sui).
– Sellerie: herb, süß, leicht kalt, klärt die Hitze (Qingre) und fördert die Diurese,
harmonisiert die Leber und kühlt das Blut (Xue).
– Spinat: süß, neutral, kühl, stärkt das Blut-Yangxue und Shengxue, fördert die
Qi-Zirkulation (Xingqi) und den Stuhlgang.
– Bohnenkeimlinge (grüne Bohnen): süß, neutral, kühl, stärken die Milz (Jianpi),
fördert das Qi-Liqi, und damit die Diurese.
– Bohnenkeimling (Soja Bohne): süß, neutral, stärkt die Milz (Jianpi), fördert das
Qi-Liqi.
– Gurken: süß, neutral, leicht kühlend, klärt die Hitze (Qingre), löscht den Durst,
beseitigt innere Unruhe, fördert die Diurese.
– Karotten: süß, neutral, stärken den Magen, stärken das Blut, senken den Blut-
hochdruck, wird in China als „Mini-Ginseng“ bezeichnet.
– Weiße Rüben: herb, süß, neutral, fördern die Deszendenz des Qi (Xiaqi), för-
dern den Verdauungsablauf, stillen den Husten, fördern die Diurese, klären die
Hitze (Qingre), fördern die Entgiftung.
– Erdnüsse: süß, neutral, appetitfördernd, regulieren das Blut (Lixue), befeuch-
ten die Lunge (Runfei), fördern die Diurese, sehr nahrhaft, hilfreich bei vielen
geriatrischen Erkrankungen.
14 Yang Sheng (Gesundheitspflege)

Einteilung der Speisen nach Warm/Heiß, Neutral und Kalt/Kühl:


■ Warm/Heiß: Lammfleisch, Rindfleisch, Huhn, Ziegenmilch, Kuhmilch, Karpfen,
Fisch, Zucker, Erdnüsse, Sesam, Sojabohnen, Weizenmehl, chinesische Datteln,
Drachenaugen-Guiyuan, Lychi, Mandarinen, Orangen, Äpfel, Lauch, Knob-
lauch, Bärlauch, Süßkartoffeln, roher Ingwer, Paprika, Pfeffer etc.

■ Neutral: Schweinefleisch, Schweineleber, Hühnerei, weiße Morcheln, Wasser-


kastanien, rote Bohnen, Erbsen, Rüben, Spinat, Karotten, Tomaten, Chinakohl,
Fisolen etc.

■ Kalt/Kühl: Entenfleisch, Enteneier, Honig, Seetang, grüne Bohnen, Wasserme-


lone, Gurken, Bambussprossen, schwarze Morcheln, Banane, Birne, Doufu etc.

Nahrungs-Biorhythmus
Im Frühjahr erwacht die Natur langsam, es regiert das Leber-Qi. Zu dieser Zeit
ist es sinnvoll weniger Saures zu essen, um die Milz/Pankreas zu schonen.
Im Sommer ist sehr heiß, die Verdauungsleistung reduziert sich, daher sollte
man wenig Gewürztes (Qing Dan) und leichter Verdauliches wie Obst, Gemüse,
Tomaten, Melone, Gurken, Sellerie und grüne Bohnen-Suppe essen sowie Tee
trinken. Eisgekühlte Speisen nur mäßig konsumieren, da sie dem Magen scha-
den können.
Im Herbst zieht sich das Yang langsam in die Tiefe des Körpers zurück, das Yin
beginnt zu dominieren. Eine Leere (Xu) ist in Magen und Darm, die Anpassungs-
und Abwehrkraft wird geringer, daher erkranken Magen und Darm im Herbst
leichter. Daher nicht zuviel Obst, Gemüse und kalte Getränke im Herbst konsu-
mieren.
Im Winter ist das Yin stark, das Yang schwach. Der Körper befindet sich im
„Winterschlaf“. In dieser Ruhezeit sollte tonisierend ernährt werden. Am Besten
ist es, wenn die Nahrung dem Konditionstyp entspricht und mehr wärmende oder
kühlende Nahrung zu sich genommen wird. Mehr dazu siehe Kapitel Die Vier
Jahreszeiten.

Schlaf-Biorhythmus
Regelmäßigkeit der Tagesabläufe, zeitiges Aufstehen (ideal um 6 Uhr), zeitiges
Schlafen gehen (ideal um 22 Uhr) sind günstig für die Gesundheit (die Zeiten va-
riieren etwas nach dem Jahresrhythmus). Etwa 6 Stunden Schlaf sollten in jedem
Fall erreicht werden. Ein Mittagsschlaf (um 13 Uhr) von etwa einer Stunde wird
in China von vielen Menschen geschätzt. Der Frühling und der Sommer zählen
zum Yang, daher später schlafen gehen und früher aufstehen. Der Herbst und
Winter werden dem Yin zugeordnet; im Herbst deshalb früher schlafen gehen und
früher aufstehen. Im Winter früher schlafen gehen und später aufstehen. Mehr
dazu siehe Kapitel Die Vier Jahreszeiten.
Die Wohn-, Schlaf- und Arbeitsumgebung sollte man mit Pflanzen, Licht, Luft,
Lärmschutz etc. verschönern. Auch das eigene Aussehen (wie Kleidung und Out-
fit) sollte der ältere Mensch nicht vernachlässigen. Mehr dazu siehe Kapitel Die
Vier Jahreszeiten.
Einige allgemeine Regeln für ein gesundes Leben 15

Schlaf-Hygiene
Ein gutes Bett und eine gesunde Umgebung sind die Grundvoraussetzungen für
einen guten Schlaf. Bei Einschlafstörungen sollte man eine Stunde vor dem Schla-
fen gehen durch etwas Spazieren gehen den Geist beruhigen bzw. eine halbe
Stunde zuvor Qigong zur Entspannung praktizieren bzw. nach einem warmen
Fußbad die Fußsohle (N 1) massieren. Körperlich, geistig und emotional anstren-
gende Tätigkeiten nicht vor dem Schlafen gehen ausüben. Die letzte, leicht ver-
dauliche Mahlzeit sollte spätestens um 16 Uhr eingenommen werden. Keinen Tee
oder Kaffee vor dem Schlafen gehen trinken. Auf die richtige Schlafposition ach-
ten. Kopfpolster sollten nicht zu hoch sein, die Decken nicht zu warm.
3 Zhou Yi

Die Ganzheitlichkeit der TCM kommt aus dem Zhou Yi (Kommentare zu Yi Jing,
dem Buch der Wandlungen, verfasst etwa 700 v. Chr. von dem König Wen Wang
in der Zhou-Dynastie). Das chinesische Zeichen für Yi setzt sich aus Sonne (Yang)
und Mond (Yin) zusammen. Yi bedeutet einfach, stetig und in Wandlung. Jing be-
deutet Lehre. Der große deutsche Chinakenner Richard Wilhelm sagt über Yi Jing:
„Das Buch der Wandlungen ist ein uraltes chinesisches Orakelbuch. Es unter-
scheidet sich von anderen Orakelbüchern dadurch, dass es nicht allein dem Zweck
der Erkundung der tatsächlichen Zukunft diente, sondern immer zugleich An-
weisungen für das menschlichen Handeln unter gewissen Umständen gab, um
auf diese Weise dem Fragenden die Möglichkeit zu geben, nicht wehrlos einem
blinden Faktum überliefert zu sein, sondern selbst an der Gestaltung der Zukunft
durch Tun oder Lassen, durch Streben oder Meiden mitzuwirken. So ergab es sich
von selbst, dass in die geheimnisvollen Zeichen, durch die die verschiedenen
Lagen des Menschenlebens symbolisiert waren, zugleich Ratschläge für richtiges
Handeln verwoben wurden. Dies hatte wieder zur Voraussetzung eine ganz be-
stimmte, sozusagen philosophische Theorie von den Gesetzen des Geschehens.
Und so ist es kein Wunder, dass das Buch der Wandlungen gleichzeitig das
älteste philosophische Werk Chinas ist. Ein langer Weg führt bis zu seiner heu-
tigen Gestalt. Und durch Tradition ist in das Buch der Wandlungen die gesam-
melte Erfahrung der Jahrtausende und die reifste Lebensweisheit der bedeu-
tendsten Männer Chinas hineingeheimnist.“ (Siehe Richard Wilhelm, Botschafter
zweier Welten, China im Umbruch, in: DG 2 China, 1973, Seite 63).

Die Deutungen des chinesischen Schriftzeichens Yi


Wie wir bereits sagten, das Zeichen Yi besteht aus Sonne (oben), Mond (unten)
und bedeutet einfach, leicht veränderlich und nicht veränderlich.
In der Abbildung der Skapulaschrift sieht man eine Sonne mit Strahlen (hier
die 3 Striche) über dem Horizont.
Wenn die Sonne links und der Mond rechts stehen, dann ist dies das Zeichen
Ming, welches hell bedeutet.
Wenn die Sonne (oben) mit dem Mond (unten) verschmilzt, dann ist das das
Zeichen für Dan (Zinnober).
18 Zhou Yi

Das Zeichen Yi
Das Zeichen
RI (Sonne, oben)
Ming, hell
Yue (Mond
Sonne links
unten)
Mond rechts

Dan,
Yi in Zinnober
bildhafter Sonne oben,
Skapulaschrift Mond unten

Das Yin/Yang-Konzept
Aus Dao, Yuan Qi, Tai Ji, Tai Yi entstehen Yin und Yang. Dao ist die Urkraft, der
Ursprung des Universums und die Quelle aller Dinge, wenn Zeit und Raum noch
eine Einheit sind. Was das Dao ist, das kann man nur über Yin und Yang verste-
hen. Die erste Teilung sind die einander ergänzenden Gegensätze Yin und Yang.
Jetzt sind Zeit und Raum geteilt. Dann folgt die Teilung in die „Vier Bilder“ (Si-
xiang, die vier Himmelsrichtungen, die vier Jahreszeiten). Im Zentrum steht das
spätere Element Erde. Die vier Richtungen, die vier Jahreszeiten werden vier Ele-
menten zugeordnet. Die Lehren von Yuan Qi, Yin/Yang und den 5 Elementen bil-
den die Grundlage der TCM-Lehre. Nach der chinesischen Philosophie stellt das
System der Trigramme (Bagua) die Ordnung von Raum und Zeit dar. Zeit und
Raum sind im Tai Ji ungeordnet (siehe Jun Xi, 1994).

Undifferenzierter Ausbrütungszustand
Zustand (Wu Ji) (Brutzustand)

Urzustand Yin-Qi und


(Yuan Qi, Tai Ji, Tai Yi, Yang-Qi ungeteilt
Dao)

Yin-Qi und Yang-Qi


geteilt und
in Harmonie (He-Qi)
Das Yin/Yang-Konzept 19

Entstehung des Universums im Yin/Yang-Modell. Yin existiert im Yang und


Yang existiert im Yin
Die Lehre von Yin/Yang und die Lehre von den 5 Elementen ist zunächst eine
Naturphilosophie und Wissenschaftsmethodik, um Phänomene der Natur und des
Universums zu beschreiben und zu erklären. Yin/Yang beschreiben das Qi und
die Subtypen jeglicher Materie. Materie ist Kondensation von Qi und wird auch
nach Yin/Yang eingeteilt. Die 5 Elemente-Lehre beschreibt die Eigenschaften der
Materie und ihre Beziehungen zueinander (siehe He Yuming, TCM-Uni. Shang-
hai, China in Zhong Yi Za Zhi, 1989). Yin ist die dem Mond zugewandte (der Son-
ne abgewandte), Yang ist die der Sonne zugewandte Seite. Yin/Yang dienen
der Beschreibung von Eigenschaften, Beziehungen und Gegensätzen der Dinge.
Alles, das in der Natur vorkommt, hat eine materielle Basis. Diese Materie wird
durch zwei Qi-Formen: Yang-Qi und Yin-Qi bewegt, erzeugt, vernichtet und ent-
wickelt. Das philosophische Prinzip der Yin/Yang Lehre beruht auf den polaren
Gegensätzen.
Yin/Yang bedeuten also:
– Gegensätzlichkeit: alles, was wir in der Natur antreffen, hat ein Gegenstück.
– Abhängigkeit: jeder braucht das Gegenstück für die eigene Existenz und Kont-
rolle. Ohne Licht gibt es keinen Schatten. In gewissen Fällen ist es auch eine
gegenseitige Kontrolle. Wenn Yin-Noxen (Yin-Xie) wie z.B. Feuchtigkeit, Käl-
te zu mächtig werden, dann entstehen Symptome der Yang-Störung. Wenn eine
Yang-Noxe zu stark wird (Yang-Xie), z.B. Hitze, Trockenheit, dann findet man
Syndrome der Yin-Störung.
– Ergänzung: das Gleichgewicht ist nicht etwas Starres, sondern etwas Dynami-
sches: Zunahme des Yang bringt eine Abnahme des Yin, die Zunahme von Yin
wiederum eine Abnahme des Yang.
– Umwandlung: unter bestimmten Umständen kann Yin in Yang-Dominanz und
Yang in Yin-Dominanz umgewandelt werden. Auch findet man eine Umwand-
lung von Materie in Funktion (Energie) und umgekehrt von Energie in Mate-
rie.
Durch das Zusammentreffen von Yin-Qi und Yang-Qi (Yin Yang Jiao Gan) än-
dert sich und entwickelt sich alles Mögliche im Körper (auch im Universum), z.B.
kommt es zum Entstehen neuen Lebens. Das Tai-Hexagramm (Tai Gua) besteht aus
3 Yin-Strichen (Kan = Symbol für Erde, Yin) oben und 3 Yang-Striche unten (Qian
= Symbol für Himmel, Yang). Das Tai Gua steht für gesund, positiv. Das Kun Gua
steht für Erde (= Yin), die Eigenschaft der Ruhe und ist senkend. Eine andere Er-
klärung, warum Tai Gua günstig ist, liefert uns Gao Youxian (in: Zhongguo Feng-
shui, Verlag für Auslandschinesen, China 1992): „Tai Gua symbolisiert die gün-
stige Geburtslage des Kindes, Kopf (Yang) unten, Steiß (Yin) oben. Unten sehen
wir die ungünstige Konstellation des Kindes im Mutterleib, der Pi Gua, hier ist der
Kopf (Yang) oben und Steiß (Yin) unten.“ Das Qian Gua steht für Himmel (= Yang),
die Eigenschaft der Aktivität und ist aufsteigend. In der Konstellation Kun Gua
(Yin) oben, Qian Gua (Yang) unten kann sich das senkende mit dem aufsteigen-
den Yin-Qi treffen (YinYang JiaoGan). Das Taigua entspricht den Gesetzen der
Natur, ist daher eine gute, gesunde Aussage. Wenn Kun Gua (Yin) unten und Qian
Gua (Yang) oben ist, dann bewegen sich Yin-Qi und Yang-Qi in entgegengesetz-
te Richtungen, sie können einander nicht treffen. Diese Konstellation nennt man
Pi Gua. Es sagt Misserfolg und Versagen voraus. Xian Gua ist die Konstellation
20 Zhou Yi

Dui Gua (See, junge Frau, Yin) oben, Gen Gua (Berg, junger Mann, Yang) unten.
Xian Gua bedeutet, wenn es um die Eheschließung geht, eine günstige und po-
sitive Zukunft. Auch im Xian Gua steigt das Yang auf und das Yin senkt sich, es
ist daher eine positive Begegnung. Ji Gua ist die Konstellation von Li Gua (Feu-
er, steigt auf) unten und Kan Gua (Wasser, sinkt nach unten) oben. Im Ji Gua tref-
fen sich das aufsteigende Feuer und das sinkende Wasser, es ist daher eine posi-
tive Voraussage. Wei Ji Gua ist die Konstellation von Li Gua (Feuer, steigt auf)
oben und Kan Gua (Wasser, sinkt nach unten) unten. Im Wei Ji Gua können sich
Yin und Yang nicht treffen, daher wird ein Versagen vorausgesagt (siehe Liu
Chengcai, 11/1995 Shandong, China, in: Zhongguo Zhongyi Jichu Zazhi).

Yin und Yang allgemein


Das Symbol von Yin/Yang kann man verstehen als der schwarze Mond frisst den
weißen Mond bzw. der weiße Fisch mit schwarzen Augen und schwarzer Fisch
mit weißen Augen drehen sich im Kreis ohne Unterbrechung, keiner kann jemals
den Anderen auffressen.

Parameter Yang Yin

Philosophisch Symbolisiert das Leben, das Symbolisiert den Tod, das Ende
Wachsen, den Beginn und die und den Stillstand.
Vorwärtsbewegung.
Substrat, Funktion, Bewegung, Aktivität, Um- Substanz, Parenchym, Beruhi-
Aufgabe wandlung, Transport, Wärme, Vor- gung,Solidität, Kühlung, Basis
gang der Ernährung, Blutkreislauf der Ernährung, Blut.lauf.

Aus dem undifferenzierten (Wu Ji) Urzustand (Yuan Qi) differenziert sich das Paar
Yin und Yang (Tai Ji) heraus. Die dynamische Wechselwirkung – der dynamische,
rhythmische, ständige Austausch und die Umwandlung von Energie und Materie –
ist das Leben.
Interessant ist die Formulierung von F. Fiedler zu Yin und Yang: „Wir sind es ge-
wöhnt, die Welt objektiv, d.h. als eine Welt von Objekten, von Gegenständen zu den-
ken, die sich in einem raum-zeitlichen Kontinuum befinden und verhalten. Der An-
satz der Yin/Yang-Polarität geht nicht von der Dingwelt aus, sondern von der Welt
der Erscheinungen. Das „kolossale Muster“, auf dessen Formulierung und Durch-
dringung sich der chinesische Geist verlegt hat, ist fundamental ein Erscheinungs-
muster – nämlich das Erscheinungsmuster, in dem sich die natürliche Umwelt des
Menschen auf der Erde darstellt. Das chinesische Denken liefert so den systemati-
schen Ansatz für ein echtes und philosophisch fundiertes, d.h. in der Struktur der
Umwelt selbst begründetes, Umweltbewusstsein.“

Die Ordnung des Universums in binärer Symbolsprache


Der einheitliche Urzustand (Dao, Tai Ji)
Hier sind Zeit und Himmel/Erde noch „ungetrennt“, also im Zustand Taiji bzw.
Dao.
Die Ordnung des Universums in binärer Symbolsprache 21


Dao
Taiji

Die 2 Bilder (Er Yi, die zwei Rituale Yin Yang)


Hier beginnen Zeit und Raum. Das Yin-Yao symbolisiert die Zeit, das Yang-Yao
symbolisert den Raum.

Yin Yang

Die 4 Bilder (Si Xiang)


Sie symbolisieren die vier Jahreszeiten und die vier (ebenen) Richtungen.

Shao Yin Tai Yin Shao Yang Tai Yang


Die 8 Trigramme
Sie symbolisieren das komplexe, dreidimensionale Weltbild: Raum, Zeit und
Mensch.
Die 8 Trigramme in der Houtianbagua genannten Reihenfolge nach Zhou Wen
Wang (Li-Süden, Kan-Norden, Zhen – Osten, Dui – Westen)

Qian Kan Gen Zhen Xun Li Kun Dui


(Himmel) (Wasser) (Berg) (Donner) (Wind) (Feuer) (Erde) (Teich)

Die 64 Hexagramme (Verdopplung der Trigramme)


In der heute üblichen Reihung und Nummerierung (nachfolgend 8 Beispiele) cha-
rakterisieren die oberen zwei Yao den Himmel (Zeit), die unteren zwei Yao ste-
hen für die Erde (Raum); die zwei Yao in der Mitte stehen für den Menschen, wel-
cher sowohl unter dem Einfluss des Himmels, als auch der Erde steht.

Qian Gua Kun Gua Yi Gua Da Gua Kan Gua Li Gua Zhong Fu Xiao Gua
(1. Gua) (2. Gua) (27. Gua) Gua (29. Gua) (30. Gua) Gua Gua
(28. Gua) (61. Gua) (62. Gua)
22 Zhou Yi

Die Einteilung in 3 Yin: Jueyin (1 × Yin), Shaoyin (2 × Yin) und Taiyin (3 × Yin)
und 3 Yang: Shaoyang (1 × Yang), Yangming (2 × Yang) und Taiyang (3 × Yang)
ist eine Erfindung der TCM.
In Huangdi Neijing kann man das nachlesen. Sie drückt eine quantitative Stei-
gerung des Yin-, bzw. Yang-Gehaltes aus. Die Zahl 3 symbolisiert dabei einen
Zwischenzustand (Chungqi bzw. Yin Yang He Qi) der Begegnung von Yin und
Yang. Aus dieser Yin/Yang-Begegnung entsteht alles im Universum (siehe Dao-
dejing, Kap. 42). Vieles in der chinesischen Kultur und in der TCM hat mit der
Zahl „Drei“ zu tun: je drei Yin- und Yang-Meridiane an den Extremitäten, Him-
mel-Mensch-Erde, 12 Doppelstunden, 12 Monate; die 5 Elemente bestehen aus
je 2 Yin-Elementen (Wasser, Holz) und 2 Yang-Elementen (Himmel, Feuer) mit
der Erde im Zentrum. Im Yin/Yang-Doppelfischsymbol umkreisen sich zwei Fi-
sche ohne Unterbrechung, keiner kann den Anderen verschlucken. Der S-förmi-
ge Mittelteil entspricht dem Positiven, dem Harmonischen zwischen den Gegen-
sätzen (Yin und Yang). Das Prinzip des Yin/Yang ist der Hegelschen Dialektik ver-
gleichbar: 1. Thesis: positive Äußerung; 2. Antithesis: Verneinung der ersten Äu-
ßerung; 3. Synthesis: sowohl Thesis wie auch Antithesis werden negiert und auf-
gehoben zugleich (siehe Zhang Xutong, Laoxu de sanlianshi bianzheng siwei,
USA, 2003).
Nach dem Autor Zhang Qicheng symbolisieren die Zahlenfolge 1, 2, 4 und 8
(Trigramme) die Steigerung der Dimensionen. In der Zahl von 64 Hexagrammen
kommen noch die Beziehungen zwischen den Menschen, zu Himmel, zu Erde,
die ethischen, menschlichen und gesellschaftlichen Aspekten dazu. Dadurch ist
das Yi Jing ein universelles, komplexes philosophisches System der chinesischen
Kultur geworden.
Die „Vier Bilder“ symbolisieren, in zweidimensionaler Weise, die vier Rich-
tungen der Ebene (Raum) und die vier Jahreszeiten (Zeit).

Tayang Shaoyang

Shao Yin Tai Yin

Die Darstellung der 8 Trigramme (Bagua) symbolisiert die Verknüpfung der


Dreidimensionalität des Raumes mit der Zeit.
Das Yi Jing besteht aus 8 × 8 Trigrammen (= 64 Hexagramme) und den zuge-
hörigen Textbeschreibungen. Sie wird als das Fundamentalwerk der chinesischen
Kultur angesehen. Seit etwa 3000 Jahren bildet das Yi Jing die Quelle der TCM,
des Konfuzianismus und des Daoismus. Auch im Buddhismus chinesischer Prä-
gung sind viele Elemente des Yi Jing zu erkennen.
Die aristotelische Lehre der formalen Logik kommt erst viel später nach China
(siehe Zhang Qicheng, Peking, 1996). Das Eigentümliche des chinesischen Den-
kens basiert auf Yi Jing: Betrachtung der Natur als Analogie der Bilder. Der
Mensch ist ein analoger Teil der Natur. Prozesse, funktionelle Verbindungen, Ver-
Die Ordnung des Universums in binärer Symbolsprache 23

Kun,
Dui,
Erde
Teich

Li,
Feuer Qian,
Himmel

Xun,
Wind

Zhen, Kan,
Donner Wasser
Gen,
Berg

halten etc. werden nach der Ähnlichkeit zu Bildern geordnet. Die 5 Elementelehre
etwa beschreibt nichts Konkretes in der Medizin, sondern sie beschreibt Funk-
tionskreise sowie ihre Beziehungen untereinander und mit der Umwelt. Die TCM-
Formulierung „die Leber ist links und die Lunge ist rechts im Körper“ ist z.B. kei-
ne anatomische Beschreibung der Organlokalisation, sondern ein Bild aus dem Yi
Jing/Hetu: links ist der Osten, die Leber hat Ähnlichkeit mit der aufsteigenden
Sonne und daher charakterisiert das Leber-Qi die Funktion der Aszendenz. Nach
dem Yi Jing/Hetu hat die Leber als Zahlensymbol die Ziffer 8 (weitere Zuord-
nungen siehe Kapitel 11 zur 5 Elementelehre). Die Zahlen werden hauptsächlich
als Symbole (Bilder) in der Philosophie und nicht als Messgrößen verwendet. Ein
weiteres Modell der TCM ist das von Yin/Yang. Besonderheiten dieser Philoso-
phie im Rahmen der TCM sind:
■ Die TCM legt den Schwerpunkt auf die Gemeinsamkeit, auf die Analogie, die
Ganzheit steht in ihrer Wertigkeit über dem Einzelbestandteil.
■ Die TCM legt großen Wert auf dynamische Prozesse, Funktionen, im Hinter-
grund steht die Materie und Struktur (wie etwa bei der Angabe, dass Leber
links und die Lunge im Körper ist). Im mathematischen Taiji-Modell steht Links
für Osten, Frühling, und dementsprechend wird die Physiologie der Leber als
aufsteigend betrachtet. Rechts steht für Westen, Herbst, und daher kommt die
Charakterisierung der Physiologie der Lunge als absteigend.
■ Alles in der Natur und im Körper ist in ständiger Bewegung. Die Produktions-
kette der 5 Elemente, Yin/Yang, der Weg von der Geburt bis zum Tod, die vier
Jahreszeiten, das Schattenboxen (Tajiquan) sind charakterisiert durch Ände-
rung, Bewegung, Fließen und relative Ruhe. „In der Ruhe liegt die Bewegung,
in der Bewegung fehlt nicht die Ruhe“ (Zitat nach Wang Fuzhi, „Zhonghua
Yangsheng Baojian“, 9/2003, China, 17. Jahrhundert).
■ Die TCM legt großen Wert auf subjektive Eindrücke und Reflexionen, im
Hintergrund steht das Konkrete, Materielle und die Messgröße. Daher ist die
Qualität der subjektiven Reflexion des Arztes entscheidend für die Effektivität
einer Behandlung. Die TCM kennt die Messverfahren der klinischen Befunde
nicht.
■ Die TCM legt großen Wert auf Formeln, Zirkulation, im Hintergrund steht die
Schöpfung und die Suche nach Differenzen. Die Formeln der 5 Elementelehre,
der Yin/Yang-Lehre und der 8 Prinzipien der Befundanalyse etc. werden seit
24 Zhou Yi

vielen Jahrtausenden millionenfach verwendet. Für eine Änderung, Erneue-


rung sahen die TCM-Ärzte keine Notwendigkeit.
■ Das Modell von Yin/Yang beschreibt den Rhythmus von Tag und Nacht, der
Jahreszeiten etc. als ein nicht-lineares, zyklisches System der Zeit. Auch die 5
Elementelehre beschreibt ein zyklisches System der Zeit. Um die Physiologie
und Pathophysiologie der TCM zu verstehen, ist der Zeitfaktor eminent wich-
tig. Die Veränderungen der Organstruktur werden vernachlässigt. Die Beur-
teilung der Organfunktion hingegen ist wichtig. Die westliche Medizin (Wis-
senschaft) sieht die Zeit als ein lineares Phänomen, auf die räumliche Struktur
(z.B. Histologie, Röntgenbefund etc.) wird größerer Wert gelegt. Die Struktur
der Zeit kommt oft zu kurz (siehe Wu Guoxing, 1998).

Hetu
Ein Hetu-Zahlensymbol zeigt sich der Sage nach erstmals auf dem Rücken eines
aus dem gelben Fluss steigenden Drachenpferdes in der Urzeit. Der Herrscher
Fuxi zeichnet dieses Bild auf. Im Hetu-Bild sind die Ziffern 1, 3, 5, 7 und 9 Ziffern
des Himmels, sie haben die Yang Eigenschaft. Die Ziffern 2, 4, 6, 8 und 10 sind
Ziffern der Erde, sie haben Yin Eigenschaft. Wir sehen im Bild den Himmel, die
Erde, die vier Himmelsrichtungen mit dem Zentrum in der Mitte des Bildes. Die
Deutung des Hetu-Bildes: Die Ziffer 1(Himmel) gebiert das Wasser, die Erde (Zif-
fer 6) ist im Norden. Die Erde (Ziffer 2) gebiert das Feuer – der Himmel (Ziffer 7)
ist im Süden. Der Himmel (Ziffer 3) gebiert das Holz, die Erde (Ziffer 8) ist im Os-

Hetu-Zahlendiagramm: Luoshu-Zahlendiagramm:
Primäres, älteres System, auch die Sekundäres, jüngeres System, auch als
„vorweltliche Ordnung“ genannt. die „innerweltliche Ordnung“ genannt.

S-Qian
4 9 2
Sommer, vorne
SO Süd/Herz SW
S–O-Dui S–W-Xun vorne
O-Li West-Kan 3 5 7
Frühling, Herbst, Ost/Leber Mitte/Milz West/Lunge
links rechts links rechts
N–O-Zhen N–W-Gen 8 1 6
N-Kun NO Nord/Niere NW
Winter, hinten hinten
Die Ordnung des Universums in binärer Symbolsprache 25

Zahlensymbol nach He Tu am Drachenpferd (Longma) und Luo Shu am Schildkrötenpanzer


(Shengui). Ein sagenhafter Hergang des Hetu und Luo Shu Zahlensymbolen (aus „Yin Yang
Jia“ von Lu Yunkui, Taiwan 1996)
26 Zhou Yi

ten. Die Erde (Ziffer 4) gebiert das Metall, der Himmel (Ziffer 9) ist im Westen.
Der Himmel (Ziffer 5) gebiert die Erde, die Erde (Ziffer 5) ist im Zentrum. Die Zif-
fern 1, 2, 3, 4 und 5 sind Shengshu. Die Ziffern 1, 2, 3, 4 plus 5 ergeben die Zif-
fern 6, 7, 8,und 10. Die Ziffern 6, 7, 8, 9 und 10 sind Chengshu. Das Neue (im Uni-
versum) entsteht aus der Vereinigung von Yin-Ziffern (geraden Zahlen) und Yang-
Ziffern (ungeraden Zahlen).
Der urzeitliche Herrscher Dayu gilt als ein großer Meister der Flussregulation,
er fand auf dem Rücken einer Schildkröte auch ein Zahlendiagramm, welches als
Luoshu bezeichnet wird. Im Luo-Bild geben die 5 Yang-Ziffern 1, 3, 5, 7 und 9 die
Himmelsrichtungen (Ziffer 5 ist das Zentrum) an. Die 4 Yin-Ziffern 2, 4, 6 und 8
geben die vier Zwischenräume an. Die Ziffer 1 (kan) ist Norden, die Ziffer 9 (li)
ist Süden, die Ziffer 3 ist Osten und die Ziffer 9 Westen. Im Luoshu-Bild liegt be-
reits die Grundidee der 5 Elementenlehre. Die zeitliche Ordnung des Universums
– das aus Himmel, Menschen und Erde besteht – kommt hier besonders zur Gel-
tung. Das Luoshu-System wird heute in der TCM häufig verwendet.

Aufbau des Tripelsystems

Ein voller Strich ist das Yang Yao, – – der geteilte Strich ist das Yin Yao.

Drei Striche bilden ein Trigramm. Es gibt 8 solcher Trigramme (Ba Gua). Je-
des Trigramm hat einen Namen und eine Bedeutung. Ein Beispiel ist das
Gua-Symbol für Qian (Himmel).

Zwei Trigramme übereinander ergeben ein Hexagramm, nachfolgend z.B.


2 × Qian Gua (Himmel) das Hexagramm Qian. Es gibt 64 Hexagramme (De-
tails siehe S. 8 und 29).

Oben Kun (Erde) und unten Qian (Himmel) ergeben das Hexagramm Tai.

Unten Kun (Erde) und oben Qian (Himmel) ergeben das Hexagramm Pi.

Wind, Donner, Berg, See, Wasser und Feuer setzen sich aus Yin und Yang zu-
sammen. Die Anzahl (wie viel Yin, wie viel Yang) und die Position (oben, Mitte oder
unten) charakterisieren die einzelnen Trigramme. Drei Yang-Striche symbolisieren
den Himmel, drei Yin-Striche die Erde, die restlichen Trigramme symbolisieren un-
sere Umwelt und das Universum. Die Verdoppelung der Trigramme zu Hexagram-
men wurde notwendig, um die Mannigfaltigkeit und Komplexität der Dinge zu be-
schreiben. Die Verdoppelungen der Trigramme behalten ihre Namen. So besteht das
Hexagramm Qian aus zwei übereinanderliegenden Qian-Trigrammen.
Die Ordnung des Universums in binärer Symbolsprache 27

Ba Gua, 8-Trigramme, eine Symbolsprache des Yin Yang in der TCM

Bagua in Gua Symbol. Symbol. Symbol. Ba Gang Symbol. Symbol. Meridian


Pinyin Symbol Beschrei- Fern-Tier Nah- Acht Familie Bedeu- (KP, Kardi-
bung Körper Prinzipien tung nalpunkte)

Qian gesund Pferd Kopf Oben Vater Himmel MP 4


(Tian)

Kun gleitend Rind Bauch Unten Mutter Erde N6


(Di)

Zhen bewegt Drache Fuß Ober- älterer Donner


fläche Sohn (Lei) 3E 5

Kan senkend Schwein Ohr Kälte mittlerer Wasser B 62


Sohn (Shui)

Gen endet Hund Hand Leere jüngster Berg KS 6


Sohn (Shan)

Xun ein- Huhn Ober- Innen ältere Wind G 41


dringend schenkel Tochter (Feng)

Li glänzend Fasan Augen Hitze mittlere Feuer Lu 7


Tochter (Huo)

Dui erfreuen Ziege Mund Fülle jüngste See Dü 3


Tochter (Zhe)

Mögliche Entstehung der acht Symbole (Bagua)

Das Zeichen für Wasser ist in Skapulaschrift (Jia Gu Wen), daher


Kan

Das Feuer hat die gegenteilige Eigenschaft von Wasser, in Skapula-


Li
schrift, innen hohl außen voll, daher

Der Donner ist am Himmel, viel Yin ist am Himmel, daher


Zhen

Der Wind ist auf der Erde, daher


Xun

Der Berg ragt aus der Erde, Yang ist auf der Erde, daher
Gen

Der See ist das Gegenteil des Berges, es ist Wasser im See, daher
Dui
28 Zhou Yi

Die Symbole und die Bedeutung der acht Trigramme (Bagua)

Bagua Symbol Bedeutung

Qian Himmel Pu(pures Yang): stark, hart, Herrscher, Vater, oben, Kopf,
Gesetz des Universums (Tian Dao), Aktualität. Seine Eigenschaft ist
die Kraft.

Kun Erde (pures Yin): weich, sanft, Untertan, Mutter, unten, Bauch, Emp-
fangende, reine Rezeptivität (nicht Passivität). Ihre Eigenschaft ist
die Fügsamkeit.

Zhen Donner (ist Yang): hart, ältester Sohn, Fuß, das Bewegliche. Enthält
als Determinante den ersten Strich des Schöpferischen, der durch
die beiden geteilten Linien als nach oben eruptiv sich durcharbei-
tend gedacht wird. Das Zeichen bedeutet daher das Erregende, so-
zusagen die elektrische Kraft. Seine Eigenschaft die energische Be-
wegung.

Kan Wasser (ist Yang): Regen, Wolken und Volk gehören zum Zeichen
des Wassers sowie der zweite Sohn, das Ohr. Als Determinante der
mittlere Strich des Schöpferischen, der zwischen den beiden geteil-
ten Strichen eingeschlossen ist, wie ein Gebirgsbach zwischen stei-
len Ufern, daher die Bedeutung des Abgründigen. Seine Eigenschaft
ist die Gefahr.

Gen Berg (ist Yang): symbolisiert Höhe, Vornehmheit, hohe Ethik. Der
Berg ist unbeweglich, somit auch Symbol für Stabilität. Er ist der
dritte Sohn, die Hand. Enthält als Determinante den obersten Strich
des Schöpferischen, der die beiden unter ihm befindlichen geteilten
Striche beherrscht und stabilisiert. Seine Eigenschaft ist die Ruhe,
und zwar die aktive, kraftvolle Ruhe.

Xun Wind (ist Yin): in der Härte verbirgt sich die Zartheit, Bewegung in
Ruhe, guter Charakter, angenehme Gewohnheiten. Er ist die ältes-
te Tochter, das Bein. Enthält als Determinante den ersten Strich des
Empfangenden. Das Weiche kann sich dem Harten gegenüber nicht
direkt und aggressiv durchsetzen, sondern nur durch Anpassung.
Das Zeichen bedeutet daher das Sanfte und doch unwiderstehlich
Eindringende.

Li Feuer (ist Yin): deutet auf Sanftheit, Licht. Yin ist hier in Yang ein-
gebettet. Daher ist in der Sanftheit auch Härte. Es ist die zweite Toch-
ter, das Auge. Es enthält als Determinante den mittleren Strich des
Empfangenden, der von den beiden starken, hellen Strichen schüt-
zend und leuchtend umhüllt wird. Das Zeichen bedeutet daher das
Bedingte, das auf einem Anderen beruht, wie die Flamme auf dem
Brennmaterial, und ferner der Schein, die Helligkeit.

Dui See (zu Yin): weich, unten. Er ist die jüngste Tochter, der Mund, ent-
hält als Determinante den obersten Strich des Empfangenden, der
auf den beiden starken Strichen erheiternd ruht. Das Zeichen be-
deutet das Heitere, das Muntere, das nach außen hervortritt. Sein
Bild ist das Wasser, als ruhend in einem See gedacht: „Es lächelt
der See“.

Tabelle nach Richard Wilhelm (modifiziert)


Die Ordnung des Universums in binärer Symbolsprache 29

In der TCM ist das Konzept des Zhou Yi fest verankert. Dieses philosophische
Modell der Erkenntniss eines universalen Weltbildes beschreibt die Entstehung
des Universums wie folgt: Aus dem undifferenzierten Urzustand (Yuan Qi) ist zu-
nächst Yang-Qi und Yin-Qi entstanden, in der Wechselwirkung dieser beiden tei-
len sich Yin und Yang in vier Bilder (Si Xiang), aus einer weiteren Teilung ent-
stehen die acht Trigramme, schließlich die 64 Hexagramme etc.

Yang Yin

Der Qian Gua (1.) wird im Yi Jing (Buch der Wandlungen) mit Bewegungen
des Drachens beschrieben. Aus dem Yang entsteht das Yin, aus dem Zusammen-
kommen von Yang und Yin (yinyang jiaogan = der Geschlechtsverkehr) entste-
hen die Kinder. Das Kostbarste des Mannes ist die Jing-Essenz (Samen), das kost-
barste der Frau ist das Blut (Menstruation). Das Wichtigste im Leben und in der
Gesellschaft ist die Fruchtbarkeit. Die Anbetung der Fruchtbarkeitssymbole ist in
allen Kulturen der Erde verbreitet. Das gesunde Sexualleben (Fangzhongshu) ist
in der TCM eine wichtige Maßnahme für ein langes, gesundes, vitales Leben. Die
chinesische Lebensphilosophie ist auf das Diesseits gerichtet. Der Mensch im Dies-
seits ist für die Chinesen das Höchste, nicht die Reinkarnation wie in der alten in-
dischen Weltanschauung. Daher haben die chinesischen Gelehrten, Konfuzianer
wie auch Daoisten, großes Interesse für das reale, aktuelle Leben. Das Leben hat
zwei Quellen, Yin und Yang. Das prägt das Yin Jing und die TCM (siehe Guo Mo-
ruo; Yuan Zhong, Che Li in China in Zhong Hua Yi Shi Za Zhi, 4.1988, TCM –
Heilungjiang, China).
■ Yang Gua (Summe der Striche ist eine ungerade Zahl): Qian, Zhen, Kan, Gen.
■ Yin Gua (Summe der Striche ist eine gerade Zahl): Kun, Xun, Li, Dui.

Die Bausteine der 64 Hexagramme sind die 8 Trigramme

Die 8 Qian Kun Zhen Xun Kan Li Gen Dui


Tri- Himmel Erde Donner Wind Wasser Feuer Berg See
gramme
(Bagua)
und ihre
Symbole
Yang Yang Yin Yang Yin Yang Yin Yang Yin
(ungerade
Strichzahl)/
Yin (gerade
Strichzahl)

Die 64 Hexagramme bestehen immer aus einer Kombination zweier Trigram-


me, eines in der oberen Hälfte und eines in der unteren Hälfte. (Die Reihung nach
Yang Li, 1989, China, 3. Aufl. Zhouyi yu zhongyixue.)
Das Anordnen zweier Trigramme zu einem Hexagramm ergibt eine bildhafte
Aussage. Diese textliche Aussage der 64 Hexagramme wurde im Laufe der Jahr-
tausende vielfach überarbeitet. Dieser Prozess ist auch heute noch nicht zu Ende.
30 Zhou Yi

oben Qian Kun Zhen Xun Kan Li Gen Dui

unten Himmel Erde Donner Wind Wasser Feuer Berg See

Qian Qian Tai Dazhuang Xiaochu Xu Dayou Dachu Guai


Himmel 1. Das Schöp- 11. Der 34. Des Gro- 9. Des Klei- 5. Das War- 14. Der Besitz 26. Des Gro- 43. Der
ferische Friede ßen Macht nen Zäh- ten (Die Er- von Großem ßen Zäh- Durchbruch
mungs-Kraft nährung) mungs-Kraft (Die Entschlos-
senheit)

Kun Pi Kun Yu Guan Bi8. Das Jin Bo Cui


Erde 12. Die Sto- 2. Das Emp- 16. Die Be- 20. Die Be- Zusammen- 35. Der Fort- 23. Die Zer- 45. Die Samm-
ckung fangende geisterung trachtung halten schritt splitterung lung

Zhen Wuwang Fu Zhen Yi Dun Shihe Yi Sui


Donner 25. Die Un- 24. Die 51. Das Er- 42. Die Meh- 3. Die An- 21. Das 27. Der 17. Die
schuld Wiederkehr regende (Das rung fangs- Durchbeißen Mundwinkel Nachfolge
Erschüttern, schwierig- (Die Ernäh-
Der Donner) keit rung)

Xun Gou Sheng Heng Xun Jing Ding Gu Daguo


Wind 44. Das Ent- 46. Das Em- 32. Die 57. Das Sanfte 48. Der 50. Der 18. Die Ar- 28. Des großen
gegenkom- pordringen Dauer (Das Ein- Brunnen Tiegel beit am Ver- Übergewicht
men dringliche, dorbenen
Der Wind)

Kan Song Shi Xie Huan Kan Weiji Meng Kun


Wasser 6. Der Streit 7. Das Heer 40. Die Be- 59. Die Auf- 29. Das Ab- 64.Vor der 4. Die Ju- 47. Die Be-
freiung lösung gründige, Vollendung gendtor- drängnis
das Wasser heit (Die Erschöp-
fung)

Li Tongren Mingyi Feng Jiaren Jiji Li Bi Ge


Feuer 13.Gemein- 36. Die Ver- 55. Die Fülle 37. Die Sippe 63. Nach 30. Das 22. Die 49. Die Um-
schaft mit finsterung dung Vollen- Haftende, Anmut wälzung,
Menschen des Lichts dung das Feuer die Mauserung

Gen Dun Qian Xiaoguo Jian Jian Lü Gen Xian


Berg 33. Der Rück- 15. Die Be- 62. Des klei- 53. Die Ent- 39. Das 56. Der 52. Das 31. Die Ein-
zug scheiden- nen Über- wicklung Hemmnis Wanderer Stillhalten, wirkung
heit gewicht (Allmähli- der Berg (Die Werbung)
cher Fort-
schritt)

Dui Lü Lin Guimei Zhongfu Jie Kui Sun Dui


See 10. Das Auf- 19. Die An- 54. Das 61. Innere 60. Die Be- 38. Der Ge- 41. Die Min- 58. Das Hei-
treten näherung heiratende Wahrheit schränkung gensatz derung tere, der See
Mädchen

Die Bedeutung der Hexagramme auf Deutsch stammt von Richard Wilhelm (siehe I Ging,
Diederichs Gelbe Reihe, Sonderausgabe 2001).

Das Verständnis des Yi Jing ist deshalb enorm wichtig für die Vertiefung der TCM
im Westen.
Die oben stehende Abbildung gibt die 64 Kombinationen der Trigramme auf
Chinesisch wieder.
Das „Buch der Wandlungen“ (Yijing) bildet seit mehr als 3000 Jahren das
Grundkonzept der chinesischen Kultur und der TCM. Die nachfolgende Abbil-
dung zeigt: Im Zentrum sind Yin und Yang („die zwei Fische“). Die nach außen
gehenden 6 konzentrischen Kreise zeigen die Kombinationen der jeweiligen He-
xagramme. Etwa bei 5 Uhr ist das Hexagramm mit dem Namen Tai zu finden; es
bedeutet Gesundheit, Harmonie etc.: außen (= Himmel) 3 schwarze (Yin) und In-
nen (= Erde) 3 weiße Blöcke (Yang). Bei etwa 11 Uhr ist das Hexagramm Pi Krank-
heit etc.) zu finden: außen (Himmel) 3 weiße Blöcke (Yang), innen (Erde) 3 schwar-
ze (Yin). Ein Hexagramm besteht aus jeweils zwei Trigrammen.
Die Ordnung des Universums in binärer Symbolsprache 31

Die 64 Hexagramme auf chinesisch:


oben + unten. Horizontal die
Trigramme oben, senkrecht
die Trigramme unten

Hexagramm
Pi, 3 Yang
außen (Him-
mel), 3 Yin
innen (Erde)

Hexagramm
Tai, 3 Yin
außen (Erde),
3 Yang innen
(Himmel)

Biorhythmus (Wu Yun Liu Qi)


Im antiken China entwickelten sich zwei kosmische Systeme, das sog. Yin/Yang-
Dualsystem und das Yin/Yang-Tripelsystem (siehe Qu Limin, 2002). Wu Yun be-
deutet „Wandlungen nach der Entsprechung der 5 Elemente“. Liu Qi steht für die
6 Qi Zustände im Laufe des Himmels. Der Mensch ist das Produkt des Himmels
und der Erde; der Himmel gebiert den Menschen, die Erde ernährt den Menschen
(Tianshengren, Dieyangren). Der Mensch kann sich die Natur dienstbar machen,
aber in Hinsicht auf die Versöhnung mit der Umwelt ist der Mensch in der Passi-
vität. Die chinesischen Philosophen sehen Erde und Himmel nicht als leblos, pri-
mitiv an, sondern die Erde und der Himmel sind die Urquellen unseres Körpers
und der Psyche (Tianre heyi). Die religiöse, emotionale Bindung des Menschen
zu Erde und Himmel wurde durch die materialistische Wissenschaft und Er-
kenntnislehre gelöst. Der Egoismus und die Diktatur der Naturwissenschaft be-
32 Zhou Yi

hinderen die Rückkehr zu Himmel und Erde. Die Anerkennung des Lebensrech-
tes der Mitmenschen bringt auch die Akzeptanz der Existenzberechtigung der
Natur mit sich (siehe Peng Yongjie, 2001).
Yin und Yang als Dualsystem folgen der Ansicht des „Zhou Yi“, dass der Him-
mel, rund wie eine Eierschale, die Erde wie ein Schachbrett deckt. Der Rhythmus
der Sonne verursacht Tag (Yang) und Nacht (Yin) und im Jahreslauf Kälte und
Hitze. Yin und Yang symbolisieren so gegensätzliche Bewegungen, sie sind re-
gelmäßig, begrenzt und ohne Fortschritt. Die bedeutendste Weiterentwicklung
der TCM wurde mit Einführung des Tripelsystems, 3 Yin und 3 Yang, erreicht. Da-
mit wurde die unendliche Variations- und Entwicklungspotenz aller Dinge er-
weitert. Das Dualsystem Yin/Yang des Zhou Yi ist geeignet um das Gesetz (Dao)
des Himmels zu beschreiben; das Tripelsystem aus 3 Yin und 3 Yang eignet sich
zur Beschreibung der Gesetze (Dao) der Menschen. Im Dualsystem spielt das So-
ziale, Ethische und Psychosomatische eine wichtige Rolle.
Im Tripelsystem wird der Himmel (Tai Xu) als ein undifferenziertes Yin/Yang
angesehen. Die Sonne und die Sterne sind konkret, haben eine Gestalt (You Xing),
in diesem Yang gibt es Yin; Himmel und Erde sind im Taixu, im Yang gibt es Yin,
im Yin gibt es Yang. Die 5 Elemente sind Ying und Yang der Erde. Die Begeg-
nung (Jiao Gan Yun Xing) des Himmels mit der Erde ist Leben (Keimen, Gedei-
hen, Zurückziehen und Speichern). Die TCM betont die Einheit der Lebensvor-
gänge mit den Vorgängen des Himmels und der Erde. Die Eigenschaften und Dy-
namik der Jahreszeiten, der Wärme und Kälte, der räumlichen Positionen, des
menschlichen Körpers und die Krankheiten stehen eng mit Himmel und Erde in
Zusammenhang.

Fengshui
Feng bedeutet Wind und Shui Wasser. Fengshui ist eine chinesische Wissenschaft
über die richtige Verteilung und Bewegung des Yin-Qi und Yang-Qi im Raum der
Lebenden (Wohnung, Arbeitsraum etc.) und der Toten (Grabstätte). Die richtige
Planung von Wind (Feng) und Wasser (Shui) ist für Leben und Wohnen in Har-
monie wichtig. „Seit Jahrtausenden waren die Chinesen überzeugt, dass ihr Le-
ben magisch mit ihrer Umwelt verbunden ist. Sie glaubten, dass bestimmte Orte
besser, glücksbringender und heiliger waren als andere und dass die Beschaf-
fenheit ihrer Umwelt – Berge, Flüsse, Straßen, Wände und Türen – die Menschen
beeinflusst. Daher folgerten sie, dass ein Mensch sein Leben in Einklang bringen
und verbessern könnte, wenn er seine Umgebung veränderte und ausglich“ (Sa-
rah Rossbach, 2000). Dabei spielt das Bagua (die 8 Trigramme) die Schlüsselrol-
le. Das Wort Feng (Wind) steht für die Qi-Vitalenergie, das Qi des Himmels (zeit-
lich), der Erde (örtlich), des Berges, des Wassers etc. Wenn es in einem Raum oder
an einem Ort (für Lebende) keinen Wind (Qi, Atmung, Dynamik) mehr gibt, be-
deutet das den Tod. Wenn es in einer Grabstätte keinen Hauch von Wind (Qi,
Energie, Dynamik) gibt, dann sistiert dies nach der altchinesischen Weltanschau-
ung den Lebensfluss dieses Geschlechtes. Fengshui-Kundige in China sorgen für
gesundes Leben und Gedeihen des Geschlechtes auch nach dem Tod. Durch die
Ahnen stehen wir mit der Vergangenheit und durch die Kinder mit der Zukunft
in Verbindung. Es gibt ein interessantes Experiment: Eine Schildkröte wird in ein
leeres Zimmer gelegt. Nach einigen Erkundungsgängen ruht die Schildkröte an
einer Stelle. Wenn man sie nun verlegt, dann kehrt diese wieder an diese Stelle
Die Ordnung des Universums in binärer Symbolsprache 33

zurück. Die Schildkröte scheint den energetisch günstigsten Ort für die Ruhe ge-
funden zu haben. Der Mensch sollte ebenfalls solche Orte für das Wohnen, Ru-
hen, Arbeiten finden und schaffen. Dabei sind drei Faktoren wichtig: Himmel,
Erde und Mensch (Tianshi, Dili, Rebnhe). Das günstigste Zusammenspiel von
Himmel und Erde wird durch Beachtung der Fengshui-Regeln erreicht. Unser Kör-
per steht im engen energetischen Austausch mit seiner Umgebung (Feng Shui).
Daher ist der Lebensraum wichtig für das leibliche und seelische Wohlbefinden.
Am Ort des günstigen Fengshui sind Yang-Qi (Himmel, Sonne, Berg, südseitig,
sonnig etc.) und Yin-Qi (Erde, nordseitig, schattig, Wasser etc.) in Harmonie. Die
Yang-Anteile des Qi folgen der Strömung des Windes, die Yin-Anteile folgen dem
Fluss des Wassers. Ein ideales Haus hat Berge und Wasser in der Umgebung. Zu-
viel Zugluft ist schlecht, aber total luftstille Räume und Orte sind ebenfalls unge-
sund.
Die Dynamik des Fengshui basiert auf der Lehre von Yin und Yang. Yang ist
der Himmel, die Sonne, der Süden, die Wärme, Helligkeit, die Aktivität mit Ten-
denz nach außen und nach oben. Yin ist die Erde, die sonnenabgewandte Seite,
der Norden, die Kühle, der Schatten, die Ruhe, die Aktivitäten nach innen und
auch unten. Yin und Yang bilden eine unzertrennliche dynamische Einheit. Die
wissenschaftliche Basis des Fengshui ist die chinesische Erfahrung in der Astro-
nomie (Himmel) und Geographie (Erde). Ihre Beschreibung ist im Zhouyi, Bagua
(Formel der 8 Trigramme) zusammengefasst. Im Luoshu (siehe Bild unten) steht
die Ziffer 1 für Norden und entspricht im Körper der Niere. Daher sollte ein Pa-
tient mit Schwäche der Niere (Shen Qi Xu) seinen Arbeitsraum oder sein Bett im
Norden haben. Im Luoshu steht die Ziffer 9 für Süden und korreliert im Körper
mit dem Herz, weshalb sich ein Patient mit Schwäche des Herzes (Xin Qi Bu Zu)
hier mehr aufhalten sollte. Die Ziffer 3 korreliert im Luoshu mit dem Osten, ent-
spricht im Körper der Leber, daher ist es für Personen mit Schwäche der Leber
(Gan Qi Xu) besser, im Süden zu wohnen. Im Luoshu steht die Ziffer 7 für Wes-
ten, entspricht im Körper der Lunge, weshalb für Personen mit Schwäche der Lun-
ge (Fei Qi Xu) der Westen günstig für die Gesundheit ist. Im Zentrum, in der Mit-
te, ist im Luoshu die Ziffer 5, im Körper steht die Milz im Zentrum, daher ist bei
Schwäche der Milz (Pi Qi Xu) der Aufenthalt im Zentrum einer Wohnung für das
Wohlbefinden günstig.

Positionen nach dem Luoshu


4 9 2
SO Süden/ SW
Herz
vorne

3 5 7
Osten/ Mitte/ West/
Leber Milz Lunge
links rechts

8 1 6
NO Norden/ NW
Niere
unten
34 Zhou Yi

Fengshui Instrument
mit Kompass

Personen mit Yang-Schwäche (Yang-Qi Xu) sollten den Arbeitsplatz an einem


Ort mit starkem Yang-Qi haben. Denn Orte mit starkem Yin-Qi sind für diese Per-
sonen ungünstig. Yang-Qi-Mangel (Yang Xu) bedeutet allgemein einen relativen
Yin-Qi- (bzw. Kälte-) Überschuss durch Mangel an wärmendem Yang-Qi, z.B.
durch eine körperliche oder psychische Erschöpfung. Klinisch findet man: Müdig-
keit, Kraftlosigkeit, Kältegefühl an Händen und Beinen, spontane kalte Schweiß-
ausbrüche. Der Puls ist kraftlos, leer, langsam. Die Stimme ist leise, langsam. Die
körperliche Berührung wird als angenehm empfunden. Der Zungenkörper ist pas-
tös geschwollen, der Zungenbelag meist weißlich-blass. Es können weiters die
Symptome einer Organdominanz gefunden werden.

Die Organphysiologie im Tripelsystem


Das Tripelsystem als System des Öffnens, Schließens und Vermittelns (Kai, He,
Shu) erklärt die Physiologie sehr anschaulich. Nach dem Nei Jing (Klassiker der
inneren Medizin) bedeutet Taiyang öffnen (Kai), Yang Min schließen (He) und
ShaoYang vermitteln (Shu = Scharnier); Taiyin öffnen (Kai), Jue Yin schließen (He)
und Shao Yin vermitteln (Shu). Kai bedeutet freisetzen und aufnehmen; He be-
deutet auch Energie speichern, Shu wiederum bedeutet Förderung von Rhythmus
und Transformation. Daraus folgt, dass Kai-He-Shu ein höchst geordnetes, har-
monisches und selbstorganisierendes System ist.
Nach dem Nei Jing ist am Körper ganz außen Taiyang und ganz innen Taiyin.
Sie haben freisetzende und aufnehmende Funktion. Der Tai Yang (Blasen- und
Dünndarm-Meridian) setzt frei, der Tai Yin (Milz- und Lungen-Meridian) hat auf-
nehmende Funktion.
Die Organphysiologie im Tripelsystem 35

Yang Ming, Shao Yang und Shao Yin zählen zu He (schließen). Sie regulieren
die Energiespeicherung. Im Yang Ming wird „formlose“ Form (Wu Xing) der Ener-
gie und im Shao Yin die „geformte“ Energie gespeichert. Sowohl Dickdarm (Yang
Ming) wie auch Magen (Yang Ming) sondern Schlacken ab und speichern Wert-
volles. Herz (Shao Yin) und Niere (Shao Yin) sind die Energiequelle. Shao Yang
und Jue Yin zählen zu den Vermittlern (Shu). Im Shao Yang (Gallenblase, 3E) wird
der Rhythmus bestimmt und Formloses wird in Geformtes transformiert. Im Jue
Yin (Leber, KS) wird Geformtes in Ungeformtes transformiert.

Tai Ji Ba Gua

Aus dem Einen (Dao, Taiyi, Qi, Taiji) wird Zwei (Yin,
Yang) (Xiang sheng liang yi). Die Grenze ist S-förmig;
wie zwei eng verschlungene Fische. Yang steigt auf,
Yin sinkt. Die Augen der Fische symbolisieren Mikro-
teilchen des Yin bzw. Yang.

Aus den Zwei (Yin, Yang) werden die „Vier Bilder“


(Er Yi Sheng Xiang = die vier Himmelsrichtungen).

Aus den vier Bildern entstehen die acht Trigramme


(Si Xiang Sheng Ba Gua).

Wie wird aus der Eins das Bagua? Eine symbolisierte Weltformel. Der Mensch ist ein un-
trennbarer Teil des Systems. Der Mensch ist das Universum in Miniaturausgabe. Die ge-
setzmäßigkeiten der Natur gelten auch für uns Menschen. Wir studieren und beobachten
die Natur und das reflektiert unser Leben.
36 Zhou Yi

TAI JI

YIN YANG

TAI YIN SHAO YANG SHAO YIN TAI YANG

Kun Gen Kan Xun Zhen Li Dui Qian

Die 64 Gua-Symbole

(Hexagramme)
Yang-Gua
Yin-Gua

Die primäre, ältere Form der acht Trigramme Hetu nach Fu Xi


Süd-Qian 1
See-Dui 2 Xun 8
Ost-Li 3 West-Kan 7
Zhen 4 Gen 6
Nord-Kun 5

Die sekundäre, jüngere Form der 8 Trigramme nach (Zhou) Wen Wang
Diese entstand um das Jahr 1000 v. Chr. Sie wird heute meist verwendet. Hier
wird eine andere Reihenfolge verwendet: Süden – Li-6, Kun-7, West-Dui-8, Qian-
1, Norden-Kan-2, Gen-3, Osten-Zhen-4, Xun-5. Die 9 Höfe haben auch eine Rei-
hung.
Süd-Li-6
Xun-5 Kun-7
Ost Zhen-4 West- Dui-8
Gen-3 Qian-1
Nord-Kan-2

Hetu-Zahlendiagramm für die 5 Elementelehre (5E)

8 3 555 4 9

Taiji Hetu. Hier die Darstellung Yin Yang mit dem He Tu Zahlensymbol (aus „Yin Yang Jia“
von Lu Yunkui, Taiwan 1996).
Die Organphysiologie im Tripelsystem 37

Im alten China wurden die Zahlen zunächst als Bilder gesehen. Die Mathe-
matik ist im antiken China hoch entwickelt, aber ungenügend beschrieben mit
abstrakten Symbolen. Die praktische Anwendung steht stets im Vordergrund. Das
Universum wurde/wird stets als EIN lebendiger Organismus angesehen. Zwi-
schen Himmel, Erde, Mensch, Lebewesen, Leblosem, Psyche, Gesellschaft und
Natur existiert keine strenge Grenze, alles ist miteinander vernetzt. Viele Re-
chenoperationen dienen zur Lösung praktischer Probleme. Im berühmten Lehr-
buch der Mathematik (Jiu Zhang Suan Xu) kann die Reihenfolge der Kapitel be-
liebig erfolgen, auf das gesamte Werk hat das keinen Einfluss. Es gibt keine sys-
tematische, aufbauende Struktur. In China nutzte man die Mathematik um alles,
was im Universum in der Gegenwart, in der Zukunft und Vergangenheit vor-
kommen kann, zu verstehen, erklären, vorauszusehen. Diese Zahlensymbole sind
fest in der TCM verwurzelt. Auf die zeitliche Struktur des menschlichen Körpers
– Reifung, Biorhythmus, Bezug der Physiologie zu den Jahreszeiten etc. – legt die
TCM großen Wert. Das Verständnis für die Funktion, für die Prozesse steht in der
TCM im Vordergrund. Erkenntnisse zur Struktur (Anatomie, Messgröße einer Stö-
rung etc.) wurden nicht angestrebt. Experimente, wie in der westlichen Medizin
üblich, wurden vernachlässigt. Eine zusätzliche Bremse für die detaillierte Struk-
turanalyse kommt von den konfuzianischen Einwänden, der intakte Körper dür-
fe nicht mutwillig zerstört werden. Daher ist Sezieren verboten. Das Festhalten an
den „Zahlen“ und Bildern des Yijing hat die Entwicklung der TCM eingeschränkt
(Meng Qingyun, 1997).
Zahl 1: Unzerteilbare Zahl, Anfang der Yang-Zahlen, Symbol für Dao (Einheit),
für Taiji, in Hetu für Norden, Winter, Niere/Wasser, in der 5E Sheng-Zahl
der Niere.
Zahl 2: Zwei Teile (Er yi), Anfang der Yin-Zahlen, Symbol für Erde, in Hetu für
Süden, Sommer, Herz/Feuer, in der 5E Sheng-Zahl des Feuers.
Zahl 3: Yang-Zahl mit Entwicklungsfähigkeit, Symbol für Gebären, in Hetu für
Osten, Frühling, Leber/Holz, in der 5E Sheng-Zahl für Holz.
Zahl 4: Vier Bilder (vier Himmelsrichtungen, vier Jahreszeiten, vier Extremitä-
ten etc.), in Hetu für Westen, Herbst, Lunge/Metall, in der 5E Sheng-Zahl
für Metall.
Zahl 5: Summe aller Zahlen zwischen Himmel und Erde (alle Entsprechungen
mit der Zahl 5), in Hetu für Zentrum, Erde, in der 5E Sheng-Zahl für
Milz/Erde.
Zahl 6: Symbol für das Hexagramm (6 Yao), alle Yin-Hexagramme werden mit
der Zahl „6“ bezeichnet, Hohlraum (Liu Jian, vier Richtungen mit Oben
und Unten), in Hetu für Norden, Winter, Niere/Wasser, in der 5E Cheng-
Zahl (5+1) für Wasser.
Zahl 7: Summe der vier Jahreszeiten plus Himmel, Mensch und Erde, auch Son-
ne, Mond plus den 5 Sternen, in Hetu für Süden, Sommer, in der 5E
Cheng-Zahl (5+2) für Herz/Feuer.
Zahl 8: 8 Trigramme, 8 Himmelsrichtungen, 8 Winde, in Hetu für Osten, Früh-
ling, in der 5E Cheng-Zahl (5+3) für Holz.
Zahl 9: Extreme Yang-Zahl, Symbol für extreme Entwicklung, Höhe, Tiefe, im
Dezimalsystem die höchste Ziffer, in Hetu für Westen, Herbst, in der 5E
Cheng-Zahl (5+4) für Lunge/Metall.
Zahl 10: Eine Zahl mit dem Symbol für Ende, in Hetu für Zentrum, in der 5E
Cheng-Zahl (5+5) für Milz/Erde. Wir haben 10 Finger.
38 Zhou Yi

(1, 2, 3, 4 und 5 sind sogenannte Sheng-Zahlen; 6, 7 ,8, 9 und 10 sind Cheng-


Zahlen; die ungeraden Zahlen 1, 3, 5, 7 und 9 sind Himmel [Yang] Zahlen; die ge-
rade Zahlen 2, 4, 6, 8 und 10 sind Erde [Yin] Zahlen.)

Luo Shu Fang Wei


(Formel der Himmelsanordnung)

Die Summe der Reihe ist immer 15! Yang ungerade Zahl; Yin gerade Zahl. Die
Summe ist 45.
Hier liegt die Basis der TCM-Organ-Positionen – eine Synopsis der Yin/Yang-
Lehre und der 5 Elementelehre. Die TCM legt beim Körperbau Wert auf die Dy-
namik und Verknüpfung der Strukturen. Nicht so die westliche Medizin, wo die
statische Struktur der Anatomie im Zentrum der Medizin steht.

4 9 2
Süd/Herz
vorne
3 5 7
Ost/Leber Mitte/Milz West/Lunge
links rechts
8 1 6
Nord/Niere
hinten

Das Zahlendiagramm-Luoshu in Ziffern Luoshu in Symbolen

Die Entstehung des Universums


(siehe die Abbildung oben)
Nach den chinesischen Zeichenbildsymbolen entsteht die Welt aus dem Einen,
Yin/Yang (2) entwickeln sich daraus, weiter die Vier Himmelsrichtungen (4), da-
raus die 8 Gua-Symbole, 16 Gua-Symbole, 64 Gua-Symbole und schließlich die
unendlich vielen Dinge der Welt.
Nach dem Dualsystem ist – – yin = 0; ––– Yang = 1. Daraus ergibt sich für die
Vier Himmelsrichtungen folgendes Schema:

Bezeichnung Tai Yang Shao Yin Shao Yang Tai Yin

Symbol

Reihenfolge 1. 2. 3. 4.
Dualsystem 11 10 01 00
Dezimalsystem 3 2 1 0
Die Organphysiologie im Tripelsystem 39

Reihenfolge Qian – Qian Dui Li Zhen Kun Gen Kan Xun


Xian Tian Süden, Himmel See Feuer Donner Erde Berg Wasser Wind
Ba Gua Kun –
(nach Fu Xi) Norden,
Li –
Osten,
Kan –
Westen

Reihenfolge Li – Qian Kan Gen Zhen Xun Li Kun Dui


Hou Tian Süden, Himmel Wasser Berg Donner Wind Feuer Erde See
Ba Gua Kan –
(nach Norden,
Zhou Wang) Zhen –
Osten,
Dui –
Westen

Am häufigsten wird die Houtian Bagua verwendet.


Ein Reim von Zhu Xi (im Buch „Zhouyi Benyi“ aus der Song Dynastie), um sich
die 8 Konstellationen zu merken, lautet:

Qin sind drei Striche Kun sind sechs Brüche

Zehn ist Schüssel oben offen Gen ist Schüssel oben zu

Li ist in der Mitte hohl Kan ist in der Mitte voll

Dui fehlt oben etwas Xun fehlt unten etwas


40 Zhou Yi

Die 8 Trigramme (Ba Bagua),


ihre Entsprechungen und das Zahlensystem

Acht Kons- Qian Dui Li Zhen Xun Kan Gen Kun


tellationen
Bagua

Natur- Himmel See Feuer Donner Wind Wasser Berg Erde


symbol

Vital- Gesund- Reden Schön Bewegung Eintreten Einsen- Stopp Regel


symbol heit kend entspre-
chend

Tier- Pferd Ziege Fasan Drache Huhn Schwein Hund Rind


symbol

Körper- Kopf Mund Auge Fuß Ober- Ohr Hand Bauch


symbol schenkel

Verwand- Vater Jüngere Mittlere Älterer Ältere Mittlerer Jüngerer Mutter


schafts- Tochter Tochter Sohn Tochter Sohn Sohn
symbol

Reihen- 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8.
folge f.
Zahlen-
systeme

Dezimal- 7 6 5 4 3 2 1 0
system

Dual- 111 110 101 100 011 010 001 000


system

Mit Bagua ist der Mensch, das Leben in ein dreidimensionales System einge-
bunden.

Die 64 Hexagramme mit je zwei Trigrammen


Weil das Bagua nicht ausreicht, um die Dynamik und Phänomene der Natur zu
beschreiben, hat man es verdoppelt auf je 6 Elemente (zwei übereinander lie-
gende Trigramme). Die ‚obere 3‘ als Einheit nennt man das obere Gua (Shang
Gua), die ‚untere 3‘ das untere Gua (Xia Gua). Die obersten 2 Striche symbolisie-
ren den Himmel, die mittleren 2 Striche symbolisieren den Menschen und die un-
teren 2 Striche symbolisieren die Erde.
Die Nennung der 6 Positionen beginnt mit dem untersten: Beginn (chu), dann
2., 3., 4., 5. und die oberste (6.) nennt man Shang.
Den Yang-Symbolen (——) wird bei der Benennung eine 9 vorangestellt.
Z.B. Position 2 bei einem Yang-Symbol: 9 2.
Den Yin-Symbolen (— —) wird bei der Benennung eine 6 vorangestellt.
Z.B. Position 2 bei einem Yin Symbol: 6 2.
Die folgenden 8 Gua-Konstellationen zeigen immer gegensätzliche Symbole:
Die Organphysiologie im Tripelsystem 41

Qian Kun Gua Yi Gua Da Guo Kan Gua Li Gua Zhong Fu Xiao Guo
(1. Gua) (2. Gua) (27. Gua) Gua (29. Gua) (30. Gua) Gua Gua
Himmel Erde Die (28. Gua) Das Ab- Das Haf- (61. Gua) (62. Gua)
Mund- Das gründige, tende, Innere Das Klei-
winkel Große das Das Wahrheit ne Über-
(Die Er- Über- Wasser Feuer gewicht
nährung) gewicht

Die Nummerierung der Hexagramme in der Klammer folgt der heute üblichen Reihung.

Bei den weiteren 56 Hexagramme (von insgesamt 64) sind oben (3 Symbole)
und unten (3 Symbole) vertauscht, jeweils auf den Kopf gestellt. Dazu 4 Bei-
spiele:

Dun Gua Xu Gua


(3. Gua) (5. Gua)
Die Anfangs- Das Warten
schwierigkeit (Die Ernährung)

Meng Gua Song Gua


(4. Gua) (6. Gua)
Die Jugendtorheit Der Streit

Die Kardinalpunkt-Paare (Meridian-Paare) aus dem Yi Jing

8 Wundermeridiane, 8 KP, Beziehungen Reunionszone

Chongmai MP 4 = Vater, Magen, Herz, Thorax


Yinweimai KS 6 = Mutter

LG Dü 3 = Ehemann, innerer Augenwinkel, Nacken, Hals, Ohr,


Yangjiaomai B 62 = Ehefrau Schulter-Arm, Dünndarm, Blase

Daimai G 41 = Mann, äußerer Augenwinkel, Ohr dorsal, Wange,


Yangweimai 3E 5 = Frau Hals, Schulter

KG Lu 7 = Gastgeber, Lunge, Pharynx, Larynx, Brust


Yinqiaomai N 6 = Gast und Zwerchfell

LG (Dü 3): das Meer der Yang-Gefäße, KG (Lu 7): das Meer der Yin-Gefäße.
Chongmai MP 4. Daimai G 41 Yin- (Yang-) qiaomai N 6 (B 62) Ruhe und Aktivität,
Muskeltonus, Krampfanfälle. Yangqiaomai. Yin- (Yang-) weimai KS 6 (3E 5) ver-
bindet alle Yin bzw. Yang-Meridiane, Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Kältescheu mit
Hitzegefühl, Stenocardie.
42 Zhou Yi

Punkteauswahl in der Praxis nach Verbindung der 8 Sondermeridiane mit den


12 regulären Meridianen. Nach dem Verlauf der 8 Sondermeridiane. Nach der
Chronoakupunktur.

Jiu Gong Ba Gua Baxue (Neun Paläste, neun Trigramme, acht Punkte)

Daimai KG Yinqiao
G 41 LU 7 N6
4 9 2
Xun Li Kun

Yangwei LG
3E 5 Dü 3
5
3 7
Zhen Dui

Yinwei Yangqiao Chongmai


KS 6 B 62 MP 4
8 1 6
Gen Kan Qian
4 Holographie

Holographie ist ein ganzheitliches, diagnostisches und therapeutisches Prinzip der


TCM. Die Basistheorie der TCM stammt nicht aus Experimenten, sondern ihre
Formulierung ist die Folge der klinischen Erfahrungen im Kontext der chinesi-
schen kulturphilosophischen Tradition (Che Li, 1998). Unter dieser Voraussetzung
muss man auch die weiteren Kapitel lesen. Das holographische Prinzip (auch
Mikrosystem) besteht darin, ein unversehrtes Bild des Ganzen an jeder beliebi-
gen Stelle des Körpers anzunehmen. In einem Hologramm finden wir das Ge-
samtbild aus jedem Blickwinkel.
Eine Organstörung wird an die Körperoberfläche projiziert. Wir können das be-
sonders gut an einigen Stellen des Körpers finden. Die bekanntesten Hologram-
me des Körpers sind: Zungendiagnose, Pulsdiagnose, Ohrreflexzone, Schädelre-
flexzone, Fußreflexzone, Handreflexzone, die radiale Seite des os metacarpale II
und der Bauchdecke etc.

Die drei Pulstastpositionen


Die Basis der Pulsqualität ist der Herzschlag. Weiters spielt die Kontraktion und
Erschlaffung des Gefäßrohres (Mai) eine Rolle. Die stoffliche Basis sind das Herz-
blut (Xin Xue) und Herz-Yin (Xin Yin). Die Funktion des Herzens wird in der TCM
als Xin Qi und Xin Yang beschrieben. Herz-Yin und Herz-Yang müssen harmo-
nisch zusammenpassen. Die stoffliche Basis des Pulsbildes sind Vitalenergie (Qi)
und Blut (Xue). Man geht davon aus, dass die Pulsqualität mit Herz (Xin), Gefä-
ßen (Mai), Vitalenergie (Qi), Blut (Xue) eng zusammenhängt. Gleichzeitig be-
einflussen auch die Funktionen der Organe (Zang Xiang) die Pulsqualität. Die
Lunge reguliert das Qi, die Atmung und das Blut, daher ist die Qualität des Puls-
schlages sehr atmungsabhängig (siehe Kapitel 12). In Milz und Magen werden
Nährstoffe aus der Nahrung gewonnen. Aus diesen werden dann Vitalenergie (Qi)
und Blut (Xue). Die Magen-Pulsqualität gibt uns Aufschluss darüber, wie die Er-
schließung der Nahrung funktioniert (siehe Kapitel 12). In der Leber wird das
Blut gespeichert, die Menge des in den Gefäßen zirkulierenden Bluts wird regu-
liert (siehe Physiologie der Leber). In der Niere wird die Essenz (Jing) gespeichert.
Das Jing ist die energetische Quelle (Wurzel) aller Organtätigkeiten und auch
die Quelle von Yin und Yang des ganzen Körpers. Wenn der Nieren-Puls (Posi-
tion Lu 7) bei festem Druck noch tastbar ist, dann spricht man davon, dass die
Wurzel noch vorhanden ist (You Gen). Wenn beim festen Druck der Nieren-Puls
nicht mehr tastbar ist, dann ist die Erkrankung sehr ernst. Dann sind Yin und Yang
von einander getrennt.
44 Holographie

Die heute geläufige Organzuordnung des Pulsbefundes unterscheidet sich von


der klassischen Einteilung.
Der Cun-Puls für alle Organe und Körperregionen (Schultergürtel und Kopf)
oberhalb des Zwerchfells; der Chi-Puls für Organe am Unterbauch und am Be-
ckengürtel. In Guan-Position haben wir die Pulsqualitäten von Organen zwischen
Zwerchfell und Nabel. Es gibt in China unter den Fachleuten noch große Diffe-
renzen in der Organzuordnung der Pulse (Wir verwenden die Tabelle aus der neu-
esten Auflage des Lehrbuches der TCM-Universität Chinas, 2002). Die ideale Zeit
für die Pulsmessung ist in der Früh vor dem Frühstück; sonst im Sitzen in einem
ruhigen Raum. Vorgehen: Druck an Lu 7, Lu 8 und Lu 9 mit der Fingerkuppe (Zei-
ge-, Mittel- und Ringfinger). Der Mittelfinger wird zuerst positioniert, die wei-
teren Finger folgen. Beurteilt wird mit leichtem und festem Druck. Bei jedem
Atemzug sollte bei einem Gesunden der Puls 4–5-mal schlagen. Die Atemfrequenz
eines Gesunden beträgt 16–18-mal pro Minute. Daraus folgt eine Pulsfrequenz
von 70–80. Die Dauer der Pulsuntersuchung sollte nicht weniger als 1 Minute und
nicht länger als 3 Minuten betragen. Die Position, die Frequenz, die Form und die

Körperseite Cun-Position, Guan-Position, Chi-Position,


entspricht Lu 9 entspricht Lu 8 entspricht Lu 7

Links Herz, Leber/Gallenblase, Niere, Unterbauch


Mediastinum Zwerchfell (Harnblase, Dünndarm)

Rechts Lunge,Thorax innen Milz/Magen Niere, Unterbauch (Dickdarm)

Eine einfache Pulseinteilung der entsprechenden Syndrome ist:

Pulsqualität Charakteristik TCM-Syndrom


(6 Kategorien)

Fu, oberflächlich Leicht an der Syndrom der Oberfläche oder der Hitze
Oberfläche tastbar oder der Leere etc.

Chen, tief Erst mit festem Syndrom des Blutverlustes oder


Druck tastbar der Tiefe etc.

Chi, wenig Schläge Pro Ein- und Syndrom der Kälte oder der Feuchtigkeit
(bradycard) Ausatmung weniger oder der Blutstagnation etc. (auch beim
als 4 Schläge Gesunden).

Shu, viele Schläge Pro Ein- und Syndrom der Hitze oder der starken
(tachycard) Ausatmung mehr als Schmerzen oder des Schreckens etc.
5 Schläge

Xu, Leere Schwacher Syndrom der Vitalenergie- und Blut-Leere;


Fingeranschlag Feuchtigkeit oder Schmerzen etc.

Shi, Fülle fester Fingeranschlag Syndrom der Fülle oder Schleimstagnation


bzw. der Gallen/Leber-Erkrankungen
bzw. einer Schwangerschaft
(auch beim Gesunden).
Zungendiagnose 45

Tendenz des Pulsschlages werden beurteilt. Der erfahrene TCM-Arzt kann bis zu
28 Pulsqualitäten unterscheiden. Das Alter, das Geschlecht, die Konstitution und
die angeborenen Variationen der Gefäße müssen individuell berücksichtigt wer-
den. Von außen können Emotion, körperliche Belastung, Essen, Trinken, Jahres-
zeit, Tageszeit und Geographie die Pulsqualität enorm beeinflussen.
Die heute in der TCM gebräuchlichen Pulspositionen sind (Lehrbuch TCM-
Universität Chinas, 2003):
Jede Pulskategorie kann wiederum in 4–6 Untergruppen eingeteilt werden.
Auch der erfahrene Arzt stellt die TCM-Diagnose nach der Pulsqualität nur ge-
meinsam mit anderen Untersuchungsergebnissen.

Die Pulsdiagnose bei Kopf, Hand und Fuß (San Bu Jiu Huo Zhenfa)
Dies ist eine uralte Form der Pulsdiagnose an diesen 3 Taststellen (Kopf, Hand
und Fuß) und der 9 Positionen (Tian–Himmel, Di–Erde und Ren–Mensch); sie
stammt aus dem Neijing. Damit wird ein umfassendes Zustandsbild der Organe
und der Meridianzirkulation gewonnen.
• Taiyang – Kopf Himmel,
A.temp.sup.
• Ermen-3E 21 – Ohr Augen- Oben –
Mensch, A.facialis Kopf
• Juliao-M 6 – Mund – Pharynx-
Erde, A.temp.sup.

• Hegu-Di 4-Thorax – Erde


A.rad.
• Cunkou-Lu 9 – Lunge – Mitte –
Himmel, A.rad. Hand
Wuli. A.fem.
• Shenmen-H 7 – Herz –
Mensch, A.uln.

Jimen-MP 11,
A.fem.

Taixi-N 3-
• Taichong-Le 3 – A.dors. Ped
Niere – Erde,
oder – Wuli – Leber – Himmel,
A.tib.pos. A.femo.
• Jimen-MP 11 und Chongyang- Unten –
Chong- M 42 Milz/Magen – Mensch, Fuß
yang-M 42-Milz/ A.fem. bzw. A.dors.ped.
Magen-Mensch, • Taixi-N 3 – Niere – Erde,
A.dors.ped. A.tib.pos.

Die 3 Taststellen und die 9 Positionen

Taichong-Le 3-Leber-
Himmel

Zungendiagnose
Zungendiagnose ist eine Spezialität der TCM. Im Verlauf einer Krankheit kann
sich der Zungenbefund sehr rasch ändern. Denn die Zunge ist ein Spiegel der Or-
ganfunktion. Die körperliche Kondition in Bezug auf Leere oder Fülle, Qi- und
Blut-Zustand im Körper, die Situation der Körpersäfte, Stadium, Schweregrad und
46 Holographie

Prognose einer Erkrankung spiegeln sich an der Zunge. Dieser Befund ist im Ver-
gleich zur Pulsdiagnose objektiver. Der Zustand der Zunge hängt mit Organen,
Meridianen, Vitalenergie (Qi) und Blut (Xue) sowie Körpersäften zusammen. Das
Herz, die Milz, die Leber und die Niere haben physiologisch enge Beziehung zur
Zunge (siehe Kapitel 4). Allgemein zeigt der Zungenkörper (ZK) schwerpunkt-
mäßig den Zustand der 5 Yin-Organe und des Blutes, der Zungenbelag (ZB) zeigt
hauptsächlich den Zustand der 6 Yang-Organe und der Vitalenergie (Qi). Die To-
pographie siehe nachfolgende Abbildung.

Farbe des Zungenkörpers (ZK)


■ Normal: blass rosa mit einem dünnen Belag.
■ Blass: Leere in Qi/Xue (Qi xue Liang Xu), Leere in Yang (Yang Xu).
■ Rot, dunkelrot: Übermaß an Hitze-Noxe (Xie Re Kann Sheng) oder Hitze dringt
in Ying/Xue, das Blut wird eingedickt; Wassermangel infolge der Leere im Yin,
das Feuer steigt wegen der Yingleere hoch.
■ Blau, violett: Stagnation von Qi/Xue durch starke Yin-Kälte im Körper; oder
extremer Hitze im Blut und Ying; Störung der Lunge (Fei Shi Su Jiang) oder
Störung in der Leber (Gan Shi Shu Xie); auch bei Trauma.
Neu aufgetretene Zungenrisse haben keinen Belag in den Furchen: sie spre-
chen für Mangel an Jing/Xue bzw. Verschleiß an Körpersäften.
Neu aufgetreten: Atrophie, Steifigkeit, Abweichung bei Vorstrecken, Zittern,
unruhige Zungenbewegungen, Verkürzung. Sie sprechen für Störungen im zent-
ralnervösen Systemen.
Farbe, Größe der Gefäße unter der Zunge: Dies deutet auf Mangel an Qi/Xue,
Blutstau etc. Das bedeutet Störungen im Herz-Kreislaufsystem.

Form der Zunge


■ Harte Zunge mit groben Strukturen, mehr dunkel gefärbt, meist bei Fülle-
Symptom (Shi Zheng).
■ Weiche, zarte Zunge mit feinen Strukturen, heller gefärbt, meist bei Leere-
Symptomen (Xu Zheng).
■ Dicke Zunge mit großem Volumen, füllt die Mundöffnung, meist bei Feuchtig-
keits- (bzw. Schleim-)stau durch Hitze im Körper. Wenn die Farbe blass ist, dann
gibt es ein Verteilungsproblem der Körpersäfte, oft als Folge von Yang-Leere
der Milz und Niere (Pi Shen Yang Xu). Dicke rote Zunge zeigt feuchten Hitze-
stau in Milz/Magen bzw. Hitze-Schleimstau im Körper (z.B. als Folge des Ge-
nusses von zuviel Alkohol oder Hitze im Herzen bzw. Milz) an. So ein Bild
kommt auch bei Hämangiom der Zunge vor.
■ Dünne Zunge wird meist durch Mangel an Qi/Xue und Körpersäften verur-
sacht; dünn und blass bei Mangel an Qi und Xue. Wenn eine dünne Zunge
trocken und dunkelrot erscheint, dann ist dies die Folge des Yin-Mangels mit
einem Syndrom der Hitze und des Säfteverschleißes.
■ Punkte an der Zungenoberfläche deuten auf zuviel Hitze im Organ. Wenn sich
diese Punkte in der Zungenmitte befinden, dann kann der Hitzestau im
Magen sein. Wenn sie am Zungenrand sind, spricht dies für Hitzestau in der
Leber/Gallenblase. An der Zungenspitze ist es ein Zeichen für starkes Herz-
feuer.
Zungendiagnose 47

■ Risse auf der Zunge sprechen für starke Hitze, wodurch ein starker Flüssig-
keitsmangel entsteht (ZK: dunkelrot). Auch bei Blutmangel infolge Milzschwä-
che (ZK: blass) kommen Risse an der Zunge vor.
■ Zahneindrücke am Zungenrand weisen auf Milzschwäche mit Flüssigkeitsstau
hin. Wenn der ZK: blass, dick und feucht ist, dann zumeist wegen feuchter Käl-
te im Körper oder Wasserstau im Rahmen einer Yang-Leere.
■ ZK: blassrot hingegen spricht für Milzleere oder Qi-Leere. ZK: rot und er füllt
den Mund aus bedeutet feuchte Hitze und Schleim im Körper. ZK: blassrosa
und zart mit wenig Zahneindrücken spricht für angeborene Eindrücke an der
Zunge oder bei leichten Erkrankungen.

Bewegung der Zunge


■ Eine schlaffe, atrophe Zunge spricht für Yin bzw. Qi/Xue Schädigung.
■ Eine steife, harte Zunge spricht für massiven Hitzestau, der bis zum KS
(KS=Kreislauf-Sexualität, auch Xinbao, auf Deutsch Hülle des Herzen). Dies
kann Vorbote eines apoplektischen Insultes (Zhong Feng) sein.
■ Abweichung der Zunge zur Seite beim Vorstrecken kommt bei Apoplexie vor.
■ Zittern der Zunge spricht für inneren Leberwind (Gan Feng Nei Dong). Auch
Vorbote eines Insultes. Bei ALS (amyotrophische Lateralsklerose) sprechen wir
von Muskelfaszikulation.
■ Unruhige Bewegungen der Zunge zeigen Hitze im Herzen und in der Milz an.
Bei stark fieberhaften Erkrankungen, bei EPS (extrapyramidales Syndrom), bei
Infantilität kann es beobachtet werden.
■ Kurze, zurückziehende Zunge kommt im ernsthaften Stadium einer Erkran-
kung vor.

Farbe und Form des Zungenbelages (ZB)


Wenn der Zungenbelag weniger wird, deutet dies auf fortgeschrittene Yin-Leere
als Folge einer Magen- oder Nieren-Schädigung. Rote Punkte auf der Zunge (Wai
Gan Re Bing) weisen auf bevorstehende innere Blutungen hin.
Der Zungenbelag ist dem Graswuchs vergleichbar. Er entsteht aus dem auf-
steigendem Qi und Yin des Magens. Die Stärke gibt Hinweise auf Stadium und
Änderung einer Erkrankung. Die Dicke ist ein Hinweis auf den Zustand von Xie
(Noxe) und Zheng (Abwehrkraft) im Körper. Weitere Anzeichen: feucht oder tro-
cken; glitschig; Flüssigkeitszustand, käsiger Zungebelag: Hitzeüberschuss im
Magen.
Auftreten von belagfreien Zungenabschnitten bis hin zu spiegelglatter Zunge:
Yin-Leere aufgrund zu geringem Qi des Magens bzw. genereller Leere an Qi und
Xue (Qi und Blut) bei schweren Krankheiten.
Farbe des Belages: weißlich ist normal, gelb spricht für Syndrome der Hitze und
Tiefe (Re Zheng, Li Zheng), grauschwarz spricht für starke Schädigung des Yin
durch Hitze oder Yang-Leere bzw. Yin-Überschuss (Yang Xu Yin Shen) oder lan-
gen Stau von Schleim bzw. Feuchtigkeit (Tan Shi Jiu Ju).
Topographie der Zungenveränderungen: Zunge/Herz: Zustand der Qi/Xue-Zir-
kulation und Zustand des Geistes, rote Punkte an Zungenspitze (Xin huo Shan-
gyan); Zunge/MP: Zustand der MP/Magen (Yun Hua), Bildung von Qi/Xue,
Ernährung, Stoffwechsel; dicker, glitschiger Belag in der Mitte der Zunge bei
vermehrter trüber Feuchtigkeit (Shi Zhu, Tan Yin) infolge Verdauungsstörung;
48 Holographie

Zunge/Niere: Zungengrund, fleckiger Belagsverlust bei chronischen Leiden;


Zunge/Leber: Zustand der Blutspeicherung, der Sehnen, bläuliche Flecken an den
Rändern bei Qi/Xue-Stagnation der Leber/Gallenblase (Gandan Qi Xie Xue Yu);
Zunge/Lunge: Veränderungen am vorderen Drittel der Zunge.

Unterer Erwärmer
Urogenitalsystem N

Mittlerer Erwärmer G/Le Milz (M) G/Le


Verdauungssystem

Oberer Erwärmer
Kreislauf-, Respirationssystem H (Lu)

Die Zunge mit Bagua


(nach dem Houtian-Muster von Wen Wang)
Das Bagua der Zunge wird nur grob dem Houtian-Muster von Wen Wang über-
einstimmen (Zhang Qicheng).

Niere

Dickdarm

Milz/Magen Kan/Niere

Leber/ Leber/
Gallen- Gallen- Qian/Dickdarm Gen/Milz
blase blase
(Lunge)
Dui/Lunge Zhen/Leber

Kun/Magen Xun/Gallenblase

Herz,
Lunge Li/Herz

Zunge und Ba Gua Bagua nach Houtian (Muster von Wen Wang)
Bauchdecken-Diagnose 49

Bauchdecken-Diagnose und -Therapie (Ba Kuo)


Diese Ba Guo-Form der Diagnose und Therapie (nach Bo Zhiyun) basiert auf Ho-
lographie und Bagua. Der Nabel steht im Zentrum der Bauchdeckendiagnose. Die
Felder stehen in Analogie zum Jiu Gong Ba Gu.

Holz, Feuer, Erde,


Leber, Herz, Milz,
mittlerer 3E Dünndarm Magen
Ost/Süd Süd West/Süd
Xun Li Kun

Holz, Nabel Metall


Leber, im unterer 3E
Gallenblase Zentrum West
Ost
Zhen Dui

Erde, Wasser, Lunge,


oberer 3E Niere, Dickdarm
Ost/Nord Blase West/Nord
Gen Kan Qian
Bauchdecke im System Bagou nach
Bo Zhiyun. Rechtes Bild die Übersetzung. Die acht Felder um den Nabel im Zentrum

In der Bauchdeckendiagnose sind die Zonen oberhalb der Narbe Yang, unter-
halb Yin; links vom Nabel Yang, rechts vom Nabel Yin; Oberfläche der Bauchde-
cke Yang, Tiefe Yin. Über die Bauchdecke verlaufen KG, Niere-, Magen-, MP-
und Leber-Meridiane. Der Lungen-Meridian beginnt im Bereich des mittleren 3E
und ist gekoppelt mit dem Dickdarm-Meridian. Der Herz-Meridian steht mit dem
Dünndarm in enger Beziehung, die über den Bauchdeckenraum ziehenden Wun-
dermeridiane koordinieren die 12 regulären Meridiane. So gesehen steht die
Bauchregion im Zentrum der Regulation.
50 Holographie

Oberer Rheumapunkt, M 24, Huaroumen, Schulterregion der SK


Ellbogenregion der SK.
Lok: 5 Fen lat. und prox.
von M 24 KG 12, Zhongwan, Scheitelregion der SK.
N 17, Shangqu, Halsregion der SK


Äußerer, oberer
Rheumapunkt,
Handgelenkregion
der SK
o o

o • o

MP 15,
Unterer Rheumapunkt, • •
Daheng
Knieregion der SK.
Lok: 5 Fen lat. und • •
prox. von M 26 o o
KG 6, Guanyan,
o o Schwanzregion der
SK.
N 14, Siman, Beginn

der Steißregion der
SK
Tieferer, unterer Rheu-
mapunkt,
Sprunggelenkregion Mit Nabel als Zentrum die Spielzone der Bauchdeckediagnose. Das sog.
der SK. Shenguitu, das Bild der heiligen Schildkröte (SK) nach Bo Zhiyun.
Lok: 1 Cun lat.
von M 27
M 26, Wailing, Hüftregion der SK

In der Praxis steht das Ba Gua-System für die Diagnose und Organtherapie.
Die Topographie nach der „heiligen Schildkröte“ ist für die Zuordung zu den
Extremitäten interessant.

Zone Element Symbol nach Ba Gua Organ

KG 12 Feuer Li Herz, Dünndarm

KG 6 Wasser Kan Niere, Blase

Linker äußerer, Erde Kun Milz, Magen


oberer
Rheumapunkt

Linker MP 15 See Dui Unterer 3E

Unterer Himmel Qian Lunge, Dickdarm


Rheumapunkt

Rechter oberer Wind Xun Leber, mittlerer 3E


Rheumapunkt

Rechter MP 15 Donner Zhen Leber, Gallenblase

Unterer Berg Gen Oberer 3E


Rheumapunkt

Der Nabel als Zentrum ist die Spezialzone der Bauchdeckendiagnose. Das Shenguitu, das
Bild der heiligen Schildkröte (SK) nach Bo Zhiyun.
Schädelakupunktur 51

Hinweise für die Praxis: Eher oberflächliche Nadelung mit zarter Nadelstimu-
lation ohne Auslösung eines Deqi-Gefühls. Es werden sehr dünne Nadeln für die
nicht tiefe Nadelung verwendet. Dies wird auch die schmerzlose Akupunktur ge-
nannt. Besonders geeignet bei neurologischen Defektzuständen wie nach einem
Insult, nach spinalnervösen Erkrankungen, bei Vertigo im Rahmen einer Hyper-
tonie, Erkrankungen des Stützapparates, besonders wenn hier ein Qi-Mangelzu-
stand vorliegt.
Das Syndrom des Qi-Mangels (Qi Xu) sind: Müdigkeit, Lustlosigkeit, untertags
Schweißausbrüche durch mangelnde Porenkontrolle, Organ-Insuffizienz (meist
bei angeborener Konstitutionsschwäche oder bei alten Menschen bzw. nach lan-
ger Krankheit, Stress); Puls: kraftlos, ZK: blass, ZB: dünn, Gesichtsfarbe: blass.
Therapie: Tonisierende Akupunktur und Moxa, um das Qi zu stärken. Punkte: KG
4, KG 6, M 36, MP 6. Um die Milz und den Magen und das postpartale Qi zu stär-
ken, verwenden wir die Punkte B 20, MP 6, KG 12.

Chinesische Schädelakupunktur (Tou Pi Zhen)

Ex-HN 1 B 7
Zone 8 G 17
LG 24 Zone 1
B3 Zone 2 Zone 9
G 15 G4
Zone 3 Zone 10
M1 G8
G6
Zone 11
Zone 4 G 7

LG 20
LG 18 Zone 12
Zone 13
Zone 5
LG 20
LG 17
Zone 14
B9
LG 21

Ex-HN 1
LG 20 Zone 6

Zone 7 G6

G7

Die Ziffern 1–14 sind die 14 Schädelzonen.

Die 14 Schädelzonen
Zone 1 Stirnmitte: entspricht LG 24 (Shenting). Akupunktur: nach distal 1 Cun
stechen. Anwendung bei: psychischen Störungen, Erkrankungen des
Kopfes, der Nase, der Zunge, der Augen und des Larynx und Pharynx.
Symptome: Benommenheit, Schlafstörung, verstopfte Nase, rote Augen,
Halsschmerzen.
52 Holographie

Zone 2 Seitlich 1: auf einer Linie des inneren Augenwinkels, entspricht dem
B 3 (Meichong). Akupunktur: nach distal 1 Cun stechen. Anwendung
bei: Erkrankungen der Lunge, des Herzens und allgemeinen Syndromen
des oberen 3E, wie Husten, Brustschmerzen, Verkühlungen, Dyspnoe,
Schlafstörungen, Schwindel, Palpitationen, Stenocardie etc.
Zone 3 Seitlich 2: auf einer Linie über den Pupillen, entspricht dem G 15 (Tou-
linqi). Akupunktur: nach distal 1 Cun stechen. Anwendung bei: Erkran-
kungen von Milz, Magen, Leber, Gallenblase und allgemeinen Syndro-
men des mittleren 3E, wie Magenschmerzen, Druckgefühl am Ober-
bauch, Durchfall, Meteorismus, Flankenschmerzen.
Zone 4 Seitlich 3: auf einer Linie des äußeren Augenwinkels, entspricht 0,75 Cun
medialem M 1 (Touwei). Akupunktur: nach distal 1 Cun stechen. An-
wendung bei: Erkrankungen der Niere, der Blase und allgemeinen
Syndromen des unteren 3E, wie Potenzstörung, Harnverhaltung, Polla-
kisurie, Harninkontinenz etc.
Zone 5 Scheitel: zwischen LG 20 (Baihui) und LG 21 (Qianding). Anwendung
bei: Kreuz- und Beinbeschwerden, wie Parese, Parästhesie, Schmerzen,
Prolapsus ani, Enuresis nocturna, Pollakisurie, Vertigo, Cephalea etc.
Zone 6 Vordere Temporalschräge: zwischen Ex-HN 1 (Qianshencong) und G 6
(Xuanli). Anwendung bei Erkrankungen des Bewegungsapparates. Pro-
ximaler 1/5 für Parese des Beines; mittlerer 2/5 für Parese des Armes und
distaler 2/5 für zentrale Fazialisparese und motorische Aphasie.
Zone 7 Hintere Temporalschräge: zwischen LG 20 (Baihui) und G 7 (Qubin).
Akupunktur: etwa 1,5 Cun dorsal der vorderen Temporalschräge. An-
wendung bei Vertigo.
Zone 8 Seitlich der Scheitellinie 1: 1,5 Cun lateral von der Scheitellinie, d.h. von
B 7 (Tongtian) 1,5 Cun nach dorsal stechen. Anwendung bei Erkran-
kungen der Kreuz- und Bein-Region, wie Parese, Hypästhesie und
Schmerzen. In der Praxis oft mit der Scheitellinie und oberen 1/5 der vor-
deren Schläfenschräge kombiniert.
Zone 9 Seitlich der Scheitellinie 2: am Scheitel, 0,75 Cun lateral von der seit-
lichen Scheitellinie 1, d.h. von G 17 (Zhengying) 1,5 Cun nach dorsal ste-
chen. Anwendung bei Erkrankungen der Schulter- und Armregion, wie
Parese, Hypästhesie und Schmerzen. In der Praxis wird oft mit der Schei-
tellinie und mittleren 2/5 der vorderen Schläfenschräge kombiniert.
Zone 10 Vordere Temporallinie: Verbindungslinie zwischen G 4 (Hanyan) und
G 6 (Xuanli). Anwendung bei Migräne, motorische Aphasie, periphere
Facialisparese und Erkrankungen der Mundhöhle.
Zone 11 Hintere Temporallinie: Verbindungslinie zwischen G 8 (Shuaigu) und
G 7 (Qubin). Anwendung bei Migräne, Vertigo, Tinnitus und Hörsturz.
Zone 12 Mittlere Occipitallinie: am Hinterhaupt zwischen LG 18 (Qiangjian) und
LG 17 (Naohu). Anwendung bei Erkrankungen der Augen und der Wir-
belsäule.
Zone 13 Obere seitliche Occipitallinie: 0,5 Cun lateral von der mittleren Occipi-
tallinie. In der Praxis oft für ähnliche Erkrankungen mit der mittleren
Occiptallinie kombiniert.
Zone 14 Untere seitliche Occipitallinie: zwischen B 9 (Yuzhen) und B 10 (Tianz-
hu). Anwendung bei Erkrankungen des Kleinhirnes mit Gleichgewichts-
symptomatik.
Hand mit dem Bagua 53

Technik der Schädelakupunktur


Mit 1 bis 1,5 Cun langen, dünnen Nadeln (Nr. 28–30) schräg und rasch subkutan
in die Haut stechen und dann vorsichtig in die Tiefe schieben. Die drehende Na-
delmanipulation sollte etwa 200-mal in der Minute erfolgen. Auf- und Absenken
der Nadel nur im kleinen Umfang. Etwa 20 Minuten bleiben die Nadeln liegen;
dabei ist streng auf die Sterilität und Kontraindikationen der Akupunktur zu ach-
ten.

Die antike Hand mit dem Bagua

Abbildung aus Wangli (China, 3. Aufl 2002)

Xungua/Galle
Ligua/Herz

Zhenghua/Leber Kungua/Magen

Gengua/Milz Duigua/Lunge

Kangua/Niere Qiangu/Darm

Meist werden die sekundären 8 Trigramme nach (Zhou) Wen Wang verwen-
det. Achtung: Hier ist eine andere Reihenfolge: Süden – Li, Kun-7, West –
Dui, Qian, Nord – Kan, Gen, Ost – Zhen, Xun üblich. Die sogenannten 9 Höfe
haben auch eine Reihung. Die Pfeile geben die Dynamik des Qi an. Die Abbil-
dung ist für die linke Hand gültig. Im Uhrzeigersinn. Für den Mann ist die domi-
nierende Hand die linke Hand. Für die Frau ist die rechte Hand dominierend.

Holz, Feuer, Erde,


Leber, Herz, Milz,
mittlerer 3E Dünndarm Magen
Ost/Süd Süd West/Süd
Xun Li Kun

Holz, Handzent- Metall


Leber, rum, Milz, Lunge
Gallenblase Magen West
Ost (hier auch
Zhen Kun) Dui

Erde, Wasser, Lunge,


Milz Niere, Dickdarm
Ost/Nord Blase West/Nord
Gen Kan Qian
54 Holographie

Die Gesichtsreflexzone
Die Gesichtsreflexzone (hier nach dem Lehrbuch der TCM-Universität, 2002)
dient in erster Linie für die Diagnose nach den unterschiedlichen Veränderungen
von Farbe, Form, Glanz in verschiedenen Zonen des Gesichtes. Ausgehend von
der Mittellinie sind die Zonen spiegelbildlich zu finden.

Kopf/Gesicht

Larynx
Leber
Lunge

Dickdarm Herz

Gallenblase

Dünndarm

Niere

Nabel
Blase/Uterus

Organ-Präsentation am Gesicht,
aus dem Lehrbuch der TCM-
Universität 2003

Die Ba Gua-Abbildung des Gesichts folgt der Einteilung nach Houtian (Wen
Wang Muster).

Süd-Li
Mittag-Wu

Xun
Kun

West-Dui
Ost-Zhen

Qian
Geng

Nord-Kan
Mitternacht-Zi
Gesicht mit Houtian-Bagua
aus Yixue Yu Zhongyi,
Zhang Qicheng, China, 1999
Ohrreflexzonen 55

Ohrreflexzonen
Geschichte
Der französische Arzt Paul Nogier fand 1950 Berichte aus dem Mittelmeerraum,
wo seit mindestens zwei Generationen bei Ischias bestimmte Ohrpartien kauteri-
siert wurden. Daraufhin entwickelte er aus der praktischen Arbeit an Patienten
das Konzept der Ohrreflexzonen. Wenn wir heute von der französischen Ohraku-
punktur sprechen, dann beziehen wir uns auf Nogier. Im Jahre 1956 wurde die
Entdeckung des Franzosen ins Chinesische übersetzt und fand sofort großes Inter-
esse. Daraus ist die chinesische Version der Ohrakupunktur entstanden. Die
Punktbezeichnungen beider Richtungen weichen oft weit voneinander ab.
Der Autor dieses Buches übersetzte als erster die chinesische Version der Ohr-
akupunktur in die deutsche Sprache, daraus wurde von den österreichischen
Autoren G. König und I. Wanschura im Jahre 1978 im Haug Verlag ein Buch pu-
bliziert, das die heute noch üblichen 110 Ohrpunkte beschreibt. In einer Konfe-
renz, 1987 in Seoul, wurde unter dem Patronat der WHO und mit Beteiligung von
Vertretern aus China, Australien, Japan, Philippinen, Frankreich, Südkorea und
Vietnam ein Konsens für die Ohrzonen gefunden. Der Autor nahm an einer spä-
teren Sitzung in Genf (1989) teil. Später fand noch eine Sitzung in Lyon statt, wo
Prof. Bischko teilnahm mit den Anregungen und Bemerkungen vom Autor des
vorliegenden Buches.
Trotz der Bemühungen um eine Vereinheitlichung bestehen noch zahlreiche
Differenzen zwischen den einzelnen Vertretern, sodass die Experten für die Ohr-
akupunktur noch keine abschließende Empfehlung abgeben können.

43 Punkte entsprechen folgenden Bedingungen:


Diese Punkte haben Namen in Pinyin, Englisch und auch eine internationale
Nummerierung. Weitere 60 Punkte werden in China mit gutem Erfolg angewen-
det. Im vorliegen Text habe ich der Einfachheit halber 103 Punkte fortlaufend mit
OM 1 bis OM 103 beschrieben. Ein ausgezeichnetes Buch zu diesem Thema ist
das „Lehrbuch der Ohrakupunktur“ (Haug Verlag) von Prof. Rudolf Bucek. Bu-
cek hat auf der Grundlage von Dr. Helmut Kropej, „Systematik der Ohrakupunk-
tur“ (Haug Verlag, 1. Auflage 1976, 5. Auflage, 1986), und Dr. P. Nogier, „Lehr-
buch der Aurikulotherapie“ (Verlag Maisonneuve-les-Metz, 1969) sein Werk
aufgebaut. Auch in „Die traditionelle chinesische Massage – Tuinatherapie“ von
Dr. A. Meng im Haug Verlag ist ein Kapitel über die Ohrreflexzonen mit Abbil-
dungen zu finden. Da in der Zwischenzeit viel Neues dazu gekommen ist, soll dies
hier berücksichtigt werden.

Die Holographie der Ohrzone


Das Konzept der Ohrreflexzonen beruht auf der Holographie. Holographie be-
deutet, dass wir an vielen Stellen unseres Körpers eine Verkleinerung des gan-
zen Körpers finden, in diesen Verkleinerungen können wir Informationen über
die Physiologie gewinnen und auch die therapeutischen Impulse (z.B. Akupres-
sur) setzen.
Normalerweise sind die Projektionen des Körpers am Ohr nicht sichtbar und
subjektiv unauffällig. Im Falle einer Erkrankung kann eine bestimmte Stelle am
Ohr jedoch positive Zeichen tragen. Als positive Zeichen bezeichnen wir Rötung,
56 Holographie

Schwellung, Schuppung, Wölbung der Haut, Zunahme der Schmerzempfindlich-


keit auf Druck und Verminderung des elektrischen Hautwiderstandes etc.
Die Reizung der Ohrreflexzone bewirkt eine allgemeine Änderung der Regu-
lation für die Durchblutung, die Schmerzschwelle, den Muskeltonus und die ve-
getative Funktion etc. Zusätzlich wird die entsprechende Zone positiv beeinflusst.
So reagiert man etwa bei Schulterschmerzen positiv, wenn der Schulterpunkt am
Ohr massiert wird.

Die Standardisierung
1. Die vorliegende Arbeit berücksichtigt die übereinstimmenden Erfahrungen
beider großer Schulen: China und Frankreich (Paul Nogier), die immerhin in
43 Punkten gegeben ist. Weitere 60 Punkte entstammen den Erfahrungen der
Ohrakupunktur in China, wo sie seit Mitte der 50er Jahre praktiziert wird. Die
systematischen Forschungen und die praktischen Erfahrungen mit wissen-
schaftlichen Arbeiten in China sind ganz klar der westlichen Erfahrung an Um-
fang und Qualität überlegen. Ferner zeichnet sich die chinesische Ohraku-
punktur durch ihre Einfachheit in Lokalisation und Praxis aus.
2. In Deutschland hat sich Dr. Frank Bahr, ein Schüler von P. Nogier, sehr stark
für die Verbreitung der Aurikulotherapie (Ohrakupunktur) eingesetzt. Es wird
hier sogar von einer Aurikulomedizin gesprochen.
Wir können sagen, das grobe Gerüst der Somatotopien und der Organprojek-
tionen stimmt in beiden Schulen überein. Die Besonderheit Chinas liegt in der In-
tegration der Ohrzonen in die TCM, besonders die Organprojektion entspricht
meist der Organlehre der TCM und nicht jener, die wir aus der modernen Medi-
zin kennen.
Wir können die Regeln, welche wir von der Körperakupunktur kennen, ohne
große Mühe auf die chinesische Ohrakupunktur übertragen.

Indikationen
Indikation und die Kontraindikation sind gleich wie für die Tuinatherapie. Wegen
der günstigen Zugänglichkeit wird sie oft zur Behandlung von akuten Schmerzen
und zur Unterstützung von chronischen Beschwerden verwendet, weiters zur
Unterstützung der Befunderhebung und der Behandlung von akuten Symptomen
und in bestimmten Fällen auch zur Selbsthilfe.
Wegen der leichten Verletzbarkeit und der geringen Größe der Ohrmuschel
sollte bei der Ohrreflexzone in der Tuinatherapie größte Sorgfalt in der Anwen-
dung walten.

Diagnose an der Ohrmuschel


Diese beruht auf der mechanischen und elektrischen Bestimmung empfindlicher
Hautareale.
Ohrreflexzonen 57

Sichtbare Veränderung an der Ohrmuschel sind: Farbe, Hautschuppung, Kno-


tenbildung etc.
Die klassische Untersuchungstechnik der TCM und ihre Zuordnung nach der
3-er-Regel ist hierfür bestens geeignet.

Punktauswahl in der Praxis:


Nach der Regel der Organ- und Meridianzuordnung. Z.B. bei Knochenschmerzen
die Zone der Niere am Ohr verwenden. Bei Lumbago die LWS in der Ohrreflex-
zone verwenden, bei Herzbeschwerden das Herz in der Ohrreflexzone verwen-
den.
Die Ohrzonen können auch aufgrund von Erfahrungen verwendet werden.
Z.B. die Zone „Ohrmitte-OM 1“ für Schluckauf, Juckreiz etc. verwenden. Weite-
re Beispiele gibt es im Behandlungsprogramm (siehe Kapitel 16–19). Der Norgier-
Reflex, auch RAC (reflex auriculo-cardial) genannt, wird von manchen Ärzten zur
Lokalisation der Ohrpunkte verwendet. Licht- oder elektromagnetische Stimula-
tionen der Ohrpunkte zeigen eine Reaktion des Radialimpulses. Diese Art der
Pulsuntersuchung (RAC) unterscheidet sich sehr wesentlich von der sogenannten
chinesischen Pulsdiagnose. Daher sind sie nicht gleichzusetzen.

Erste Hilfe
Bei akut aufgetretenen Schmerzen und Beschwerden immer zuerst eine exakte
Diagnose stellen, dann erst ist eine Indikation für die Reflextherapie gegeben.
1. Bei akut auftretenden Schmerzen an Gelenken und Weichteilverletzungen. Zu-
erst das Aufsuchen von schmerzhaften Reflexzonen am linken bzw. rechten
Ohr. Diese Zone dann mit der Zone für „Leber“ und „Shenmen“ behandeln.
Die entsprechenden schmerzhaft blockierten Gelenke bewegen.
2. Bei akut aufgetretenen Schmerzen im Magen und im Bauchraum: Zuerst das
Aufsuchen von schmerzhaften Reflexzonen am linken bzw. rechten Ohr. Diese
Zone dann mit der Zone für „Sympathikus“, „Lunge“, „Subcortex“ und „Shen-
men“ behandeln.
3. Beim Schluckauf: Massieren der entsprechenden Zone am Ohr, dann „Magen“
und „Shenmen“.
Pro Behandlung nur etwa 5 Punkte verwenden. Die Punkte etwa 1 bis 2 Min.
lang behandeln. Die Auswahl der Punkte erfolgt nach:
1. Empfindlichkeit der entsprechenden Ohrzone.
2. Nach der Organzugehörigkeit am Ohr.
3. Nach der Physiologie des Organs im Körper.
4. Nach den Regeln der TCM. Z.B. bei Hauterkrankungen die „Lunge“, da die
„Lunge die Haut regiert“.

Es sollte bei der Massage auf keinen Fall die Haut der Ohrmuschel verletzt wer-
den. Die Anwendung der Nadel ist nur dem Arzt vorbehalten. Denn die Infek-
tionsgefahr ist groß. In chronischen Fällen ist die Fixierung eines Rapskernes an
der Reflexzone für 1 Woche empfehlenswert. Der Rapskern sollte dabei vorher mit
75 % Alkohol behandelt oder gekocht und anschließend getrocknet werden.
58 Holographie

Die 103 in China meist verwendeten Ohrpunkte – vorne

Die Ohrreflexzone:
Aus dem Lehrbuch der Tuina-Therapie, A. Meng, 4. Aufl., Haug-Verlag.
Auch die weiteren Abbildungen aus diesem Buch.
Augenreflexzonen 59

Ohr mit Bagua Einteilung


Abbildung aus Wang Li (China, 3. Aufl 2002)

Die Augenreflexzonen der Meridiane


(von Peng Jingshan)
Prof. Peng Jingshan aus Liaoning, China hat in den 70er Jahren diese Augen-Re-
flexzonen der Meridiane postuliert und wendet sie mit großem Erfolg in der Kli-
nik an. Dabei werden die Gefäße der Konjunktiva beobachtet. Das linke Auge
steht im Vordergrund. Die gleich geteilten 8 Zonen beginnen im Nordwesten und
im Uhrzeigersinn folgen nach dem Bagua-System: Qian (Lunge, Dickdarm), Kan
(Niere, Blase), Gen (oberer 3Erwärmer), Zhen (Leber, Gallenblase), Xun (mittle-
rer 3Erwärmer), Li (Herz, Dünndarm), Kun (Milz, Magen) und Dui (unterer 3Er-
wärmer).
Die 8 Zonen am rechten Auge werden gegen den Uhrzeigersinn gereiht. Die
Nadelung erfolgt entlang der Orbitawand, wobei beim geschlossenen Auge der
Bulbus leicht weggedrückt wird. Wegen der Blutungsgefahr wird diese periorbi-
tale Form der Nadelung im Westen extrem selten praktiziert. Für die Diagnose
sind diese Augenreflexzonen jedoch recht interessant.
60 Holographie

obere 3E Niere/Blase Lunge/Dickdarm obere 3E

Le/G Leber/Gallenblase

m 3E mittlere 3E
u 3E

H/Dü
HP/M MP/M
Herz/Dünndarm

Augenreflexzone mit Bagua


Abbildung nach Zhang Qicheng, 1999
rechtes Auge linkes Auge

Nase mit Bagua

Herz, Ligua

Leber, Xungua
Magen, Kungua

Gallenblase, Zhengua Darm, Duigua

Milz, Gengua
Lunge, Qiangua

Abbildung aus Wang Li (China, 3.Aufl 2002)


Niere, Kangua
Körper und Rumpf ventral mit Bagua 61

Körper und Rumpf ventral mit Bagua

Abbildung aus Wang Li (China, 3. Aufl. 2002)

Fußreflexzonen mit Bagua

Xungua Ligua Kungua

Leber
Milz
Niere
Lunge
Leber
Hirn
Niere

Zhengua

Gengua
Qiangua Duigua
Kangua

Abbildung aus Wang Li (China, 3. Aufl 2002)


62 Holographie

Die Handreflexzonen des Kindes mit Bagua


(für Diagnose und Therapie)
Im Zentrum der Handfläche ist das Bagua. Im Uhrzeigersinn beginnt um 12 Uhr
Li, es folgen im Kreislauf: Kun, Dui, Qian, Kan, Gen, Zhen und Xun. Im Zentrum
des Handrückens ist die Reihenfolge des Bagua anders: Es beginnt um 12 Uhr mit
Li, es folgen gegen den Uhrzeigersinn: Kun, Dui, Qian, Kan, Gen, Zhen und Xun.
Im verdrehten Bild rechts passen die acht Trigramme genau dazu. (Siehe Klein-
kinder Massage, von Qu Jingxi, Wang Qinglin, Shandong, 1999. (Siehe auch
Seite 53.)
H-Meridian
Le-Meridian Lu-Meridian

Di-Meridian
N-Meridian

MP-Meridian Dü-Meridian

M-Meridian Si heng wen

Ban men Xiao tian xin


Die Erde
Das Wasser ins Wasser
in die Erde Di 5
Dü 5 schieben
schieben

Xiao Heng
Li, Feuer, Kan, Wasser,
men
Herz Nei lao gong, Niere
innerer KS 8

Wu zhi jie

Kun (Bagua),
Erde Er shan

Di 4
Er ren shang ma
Zhen (Bagua)
Donner
Jing ning

Kan (Bagua), Wasser, Niere

Wai lao gong, Yi Wo feng


Qian (Bagua),
äußerer KS8
Himmel

Bagua an der Handfläche (oben)


und am Handrücken (unten)
TCM und
5 Schulmedizin

Die Diagnose und der Therapieerfolg werden in der Schulmedizin (modernen Me-
dizin, abgekürzt MM) meist exakt in Zahlen gemessen und Strukturen zugeord-
net. Die moderne Medizin diagnostiziert oft invasiv und behandelt ein erkrank-
tes Organ direkt. Diagnostisch werden schädigende physikalische und chemische
Noxen analysiert, die Mikrozirkulation wird betrachtet, ein Hormonstatus bzw.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Traditionelle chinesische Medizin Moderne Medizin (MM): Schwer-


(TCM): Schwerpunkt liegt auf den punkt liegt auf dem Raum und den
Phänomenen der Zeit und den konkreten Strukturen (Xing)
Erscheinungen (Xiang)

Diagnostik Nicht invasiv, nicht apparativ, indirekt; invasiv, apparativ;


Blackbox, Phänomenologie, Ver- direkte, konkrete Strukturen, Ana-
mutung, Analogieschlüsse mit Hilfe lyse mit Hilfe experimenteller, natur-
von philosophischen Modellen: wissenschaftlicher Verfahren
Yi-Jing, Dao-De-Jing, Nei-Jing etc.

Therapieziel Verbesserung der subjektiven Lebens- Wiederherstellung des objektiven


qualität, Wiederherstellung des Normalbefundes
Yin/Yang-Gleichgewichtes (Labor, Röntgen etc.)

Konzepte Meridian als Netzwerk eines peripheres Nervensystem/


Verbindungs- und Versorgungssystems. Gefäßsystem inkl. sympath.
Für den Meridian gibt es keine spezifi- Nervenverbindung/
sche organische Struktur. Organde- Muskelkette/
finition nur grob makroskopisch, interstitielles Bindegewebe
topographisch mit der MM vergleichbar, (Pischinger/Kellner).
ihre Physiologie und Pathophysiologie Physiologie und Pathophysiologie
wird mit medizinisch-philosophischen stehen mit Struktur und Form in
Modellen wie Yin/Yang und Analogien Verbindung.
wie 5-Elementelehre umschrieben.
Qualifizierung (Modalität) wie in der Quantifizierung wie in Physik und
Psychiatrie: sehr individuell, subjektiv Chemie: die Inhomogenität wird
gefärbt. mit der Statistik untermauert.

Die Diagnose und die Basistherapie sollten immer zuerst nach der Evidence Based Medici-
ne erfolgen. Die TCM-Anwendungen wie Kräuter und Akupunktur können dann als adju-
vante Heilverfahren angewendet werden.
64 TCM und Schulmedizin

weitergehende Laboruntersuchungen und vieles mehr werden durchgeführt. Die


TCM diagnostiziert Symptome, sie benützt eine nicht-invasive, also indirekte
Diagnostik. Sie stellt zum Beispiel einen Tumor nicht bildlich dar, diagnostiziert
ihn aber z.B. durch Unregelmäßigkeiten im Organ- und Meridiansystem bzw.
durch mehrere zusammenhängende Modalitätsveränderungen. Die TCM legt seit
jeher sehr großen Wert auf die Verbesserung der „soft data“ (Linderung des Lei-
densdruckes, Beseitigung von Befindlichkeitsstörungen), um die Lebensqualität
zu verbessern.

Frühwarnsystem (Warnsignale vor einer Erkrankung)


(Nach Tang Gusheng in „Zhonghua Yangsheng Baojian“, Beijing, China, 12. 2003)
Die Warnsignale vor einer Erkrankung sind in zwei Stufen zu erkennen. Am
Anfang stehen meist unspezifische Befindlichkeitsstörungen.
Stufe 1: Disharmonie des Yin/Yang-Gleichgewichts, der Qi/Xue-Harmonie und
der Harmonie der Organfunktionen. Symptome sind:
– Mehr Müdigkeit als gewöhnlich.
– Nervosität, Vergesslichkeit, unklare Gedanken, kann nicht locker lassen.
– Kopfschmerzen, Muskelverspannungen und Krämpfe, lokale Sensibilitätsstö-
rungen.
– Plötzliche Appetitzunahme, Verdauungsstörung, Verlangen nach Süßigkeiten
und stark Gesalzenem.
– Husten, Nießen.
– Feuchtes Hitzegefühl oder Frösteln. Vermehrte Missgeschicke, Depression,
Niedergeschlagenheit.
– Abnormale Gewichtszunahme.
Stufe 2: Anhäufung von Giftstoffen und Störung im endokrinen System. Symp-
tome sind:
– Abnorm riechende Atemluft bzw. Körpergeruch, bitterer Mundgeschmack und
Mundtrockenheit.
– Schwellung der Nasenschleimhaut, häufiges Nießen, Husten, leicht verkühlt,
Dyspnoe.
– Trockene bzw. fettige Haut, neigt zur Urtikaria.
– Starkes Hitzegefühl im Körper, Schwitzen ohne Grund, feuchte Hände und
Füße.
– Schluckauf, Meteorismus, Obstipation, Diarrhö und Brechreiz.
– Dysmenorrhoe, abnormer Ausfluss bei Frauen, rezidivierende Entzündungen
(Blase, Bronchien etc.).
– Rezidivierende Kopfschmerzen, Gelenks- und Muskelschmerzen, schmerzhaf-
te Steifigkeit der Wirbelsäule, chronische Dorsalgie.
– Pollakisurie, Oligurie, Brennen bei Miktion, Ödeme an den Extremitäten.
– Schwere Depression, Ängste, Unbeherrschtheit des Gemüts, Zorn, Agitiertheit.
– Adipositas, Hypercholesterinämie, arterielle Hypertonie, Hyperurikämie,
Hyperglykämie, häufige Missgeschicke.
– Unruhiger Schlaf.
In diesen Fällen sollten man den Arzt aufsuchen und nach Diagnose und The-
rapie mit ihm gemeinsam eine Änderung der Lebensweise vornehmen.
Prävention und Rehabilitation 65

Prävention und Rehabilitation


Die TCM-Prophylaxe (Yang Sheng) beginnt vor einer Erkrankung; wenn bereits
eine Störung vorliegt, dann verhindert die TCM eine Verschlimmerung. Nach dem
Ende einer Krankheit sind Maßnahmen zur Verhütung des Rezidivs zu ergreifen.
Die Besonderheit der TCM-Prophylaxe besteht in ihrem Konzept der Ganzheit-
lichkeit von Mensch und Natur, von Körper und Geist. Essenz (Jing), Vitalener-
gie (Qi) und Geist (Shen) werden als die 3 Schätze des Körpers angesehen. Die
Individualität der Prophylaxe richtet sich nach Person, Jahreszeit, Lebensalter etc.
Das Gleichgewicht zu erhalten bedeutet, die Dynamik von Yin/Yang im Kör-
per und des Körpers als ein offenes System mit der Änderung in der Natur in Ein-
klang zu bringen. Das Erhalten des dynamischen Gleichgewichts zwischen Blut
(Xue) und Vitalenergie (Qi) im Körper verlangt vom Körper Energieeinsatz. Auch
das Erhalten des dynamischen Gleichgewichts von Zang- und Fu-Organen ist ein
wichtiger Aspekt der TCM-Prophylaxe und Alterspflege.

Die Ganzheitlichkeit (Tian Ren He Yi, Tian Ren Xiang Ying)


Der Mensch steht mit der Umwelt in Wechselbeziehung. Mit dem philosophischen
Begriff Qi (Atmosphäre, Atmung, Funktion, Information, Vitalenergie, Energie-
teilchen etc.) beschrieben die alten Ärzte Chinas die Phänomene der Natur, der
Jahreszeiten etc. Der Mensch lebt in der Natur, seine Vitalität wird durch den
Rhythmus der Natur beeinflusst (Frühjahrsmüdigkeit) und gleichzeitig hat die
Physiologie, Pathophysiologie des menschlichen Körpers Ähnlichkeiten mit den
Gesetzen der Natur (z.B. der Monatszyklus der Frau). Der Mensch nutzt aber auch
die Natur für seine Existenz (Atmung, Ernährung) etc.
Bei einem Patienten mit einem chronischen Leiden der Syndrome einer Yang-
Leere (entspricht etwa einer vegetativen Dystonie) ist, wenn im Herbst und Win-
ter die Symptomatik sich verstärkt, eine Kurbehandlung im Frühling und Sommer
günstiger als im Herbst und im Winter.
Wenn das chronische Leiden dem Syndrom einer Yin-Leere entspricht (etwa
ein schlechter Allgemeinzustand), mit Verschlimmerung im Sommer und im Früh-
jahr, dann ist eine Kurbehandlung im Herbst oder Winter effektiver als im Früh-
jahr und im Sommer.

Die Lebensbasis nach der Geburt schützen (Zhi Bing Qiu Ben)
In der TCM werden Milz (Pi) und Niere (Shen) als die Lebensbasis nach der Ge-
burt bezeichnet. In der Niere wird der Vitalstoff der Essenz (Jing) ständig erneu-
ert. Die Milz und der Magen werden bei chronischen Krankheiten und auch im
Alter schwächer, empfindlicher, ihre Aufgabe der Nährstofferzeugung (Ying Qi,
Nahrungs-Qi) wird ungenügend erfüllt. Die meisten Tabletten werden oral ein-
genommen. Magen- bzw. Darmprobleme sind aber im Alter oft der Grund, ein
Medikament abzusetzen. Mit Recht, denn die Medikamente schaden vor allem
den Verdauungstrakt. Deshalb ist die Minimierung der Tabletten im Alter ganz
wichtig. Die TCM kennt eine Vielzahl von Maßnahmen, um Magen und Milz zu
schonen bzw. zu tonisieren.
66 TCM und Schulmedizin

Prävention (Zhong Fang Yang Sheng)


Die beste Prävention ist, die Frühwarnsysteme im Körper rechtzeitig zu erkennen
und Gegenmaßnahmen einzuleiten. Der gute Arzt heilt im subklinischen Stadium
einer Krankheit und beugt Folgeerkrankungen vor. Aus der 5 E Lehre kann z.B.
der erfahrene Arzt ableiten, dass bei einer Erkrankung der Leber die Milz als
nächstes erkranken kann (der Holz/Leber – Gan hemmt die Erde/Milz – Pi). Da-
her gilt es, schon vorbeugend die Milz zu schützen. Die Änderungen der Jahres-
zeiten birgt für alte Menschen typische Gefahren. Daher sollte man im Sommer
das Yang kräftigen, im Winter das Yin stärker. Der Asthmatiker, der in den kal-
ten Jahreszeiten mehr Beschwerden hat, sollte sich schon im Sommer in Behand-
lung (z.B. Akupunktur, Tuina) begeben, um sich im Winter besser zu fühlen. Zu
den Techniken des Yangsheng gehören: Akupunktur, Tuina, Qigong, Moxibus-
tion, Diät, ferner ein dem Alter, der Jahreszeit, dem Gesundheitszustand ange-
passtes Verhalten.

Individualität (Bian Zheng Zhi Liao)


Die Kurmaßnahme sollte sich immer dem aktuellen körperlichen und psychischen
Zustand anpassen: Zarte Massagegriffe für den geschwächten Körper und eher
starke Griffe und Reize bei kräftigem Körperbau. Denn die zarte Massage – hier
verspürt der Patient gerade den Massagereiz – bewirkt eine Kräftigung des ge-
schwächten Gesundheitszustandes. Die kräftige Massage – hier toleriert der Pa-
tient gerade die Reizstärke – hingegen löst einen starken regulierenden Impuls
aus. Eine rasche Besserung ist davon zu erwarten.

Steigerung der Abwehrkraft (Zhong Fang Yang Sheng)


Zhengqi bedeutet die Summe der Abwehrkräfte im Körper. Eine Stärkung des
Zheng Qi hat eine Steigerung des Selbstheilungspotenzials und die Anpassungs-
fähigkeit des Körpers an eine Änderung des inneren und äußeren Milieus zur Fol-
ge. Im Falle einer Therapie können wir durch Steigerung der Selbstheilungskraft
diese zur Ausschaltung pathogener Noxen nutzen. Wenn das Zheng Qi stark ist,
dann wird der Körper mit einer Noxe (Xie Qi) leichter fertig. Sonne, Luft, Heil-
wasser und Nahrung sind innere Anwendungen, sie sind für die Substitution wich-
tig. Sport, Massage, Musik, Gespräche, Freizeitangebote, Farbe des Raumes, Far-
be des Essens, Aroma etc. sind äußere Anwendungen, sie sind für die Regulation
und für die Umstimmung wichtig.
Zeit im Rahmen
6 der TCM

Wie wir bereits an früherer Stelle sagten, leiten sich aus dem Buch der Wandlun-
gen (Yijing) viele TCM-Konzepte ab, so auch das chronomedizinische Konzept.
Die Zeit, die fünf Wandlungsphasen, die Lehre von Yin und Yang bilden ein Kom-
plexsystem der TCM.
Ziwu-Liuzhu heißt der historische Biorhythmus-Kalender (ein reiner antiker
Sonnenkalender). In der Frühling/Herbst-Periode (770–221 v. Chr., Entstehungs-
zeit des Klassikers „Neijing“) wurde das Jahr in 5 Perioden zu je 72 Tagen ein-
geteilt, je ein Yin- und Yang-Abschnitt, 10 Monate, insgesamt 360 Tage. Dieser
Kalender wurde in den späteren Jahrhunderten in China nicht mehr verwendet.
Der Begriff des Spätsommers wurde geschaffen, um das Modell der fünf Wand-
lungsphasen zu integrieren. Das verursacht wegen der allgemeinen Verwendung
des Bauernkalenders mit 12 Monaten einige Verwirrung: Die letzten 18 Tage je-
der Jahreszeit (die 4 Jahreszeiten haben für jede Periode 3 Monate). Der letzte
Monat des Sommers im Bauernkalender (das ist Juni) ist der Spätsommer. Es wird
in TCM-Kreisen der Begriff Spätsommer nicht als Zeitabschnitt des Jahres (es ist
einfach die Mitte des Jahres) gesehen. Bzw. wenn das Jahr aus 5 Perioden be-
steht, dann ist jede Periode 73 Tage und 5 Viertelstunden lang (siehe Hao Bao-
hua, Xian, China, Zhong Ji Xue, 2002).
Der neuzeitliche chinesische Bauernkalender ist eine gemischte Form von
Yin/Yang: 12 Monate und 4 Perioden hat das Jahr, jede Periode hat 3 Monate, je-
der Monat hat 30 Tage, das Jahr hat 365 und 1/4 Tage.

Allgemeine Zeiteinheiten
– Tagesrhythmus: Je Organ und Meridian wird eine Doppelstunde als maxima-
le Zeit der Aktivität und optimale Zeit einer Akupunktur-Therapie bzw. Qi-
gong-Übung etc. angesehen.
– Monatsrhythmus: In der Vollmondphase sind Qi und Xue (Vitalenergie/Blut)
voll (im optimalen Zustand), die Muskulatur fest. Bei abnehmendem Mond ist
die Muskulatur schwächer, die Meridiane (Gefäße) sind leerer. Daher sollte man
bei Vollmond nicht tonisieren, bei abnehmendem Mond wiederum nicht se-
dieren.
– Jahresrhythmus: Zur Winter-Sonnenwende wird das Yang langsam stärker;
zur Sommer- Sonnenwende wird das Yin allmählich stärker. (Siehe dazu das
nächste Kapitel über die Jahreszeiten.)
68 Zeit im Rahmen der TCM

– 60 Jahre-Rhythmus: Dieser folgt dem Einfluss der Sonnenaktivität auf Klima,


Vegetation, Leben und Gesundheit. Das bedeutet, die periodischen astronomi-
schen Änderungen der Gestirne beeinflussen das Leben auf der Erde.

Spezielle Zeiteinteilungen
Mit Tian Gan (Zehn Himmelsstämme) und Di Zhi (Zwölf Irdische Zweige) wird
noch heute das Jahr im chinesischen Bauerkalender angegeben. Das Jahr 2004
hat demnach die Bezeichnung Jia Shen Nian (T1. D9.). Erst nach 60 Jahren (2064)
wird es wieder ein Jia Shen Nian geben. Diese Zeitangabe geht auf die astrono-
mische Berechnung des Jupiter-Umlaufes (11,86 Jahre) zurück. Da es nicht ge-
nau 12 Jahre sind, haben die Astronomen im antiken China (Xi Han, westliche
Han-Dynastie) erkannt, dass immer nach 144 Jahren eine Korrektur vorzunehmen
ist. Die Zeitangabe im Gan Zhi (60 Jahre) in Kombination mit dem Umlauf der
Sonne (Ji Nian) hat sich bis heute in China gehalten. Es gibt verschiedene Mo-
delle für die Berechnung des Gan Zhi-Jahres. In der Kombination 60 Jahre-Rhyth-
mus (Gan Zhi) wird Tian Gan 6-mal (denn 10 × 6 = 60) und Di Zhi 5-mal vorkom-
men (denn 12 × 5 = 60).
Die Kenntnisse der Perioden der Jahreszeiten hat große Bedeutung für die
Landwirtschaft. Der Frühling ist die Zeit für das Säen, Herbst die Zeit der Ernte,
im Winter werden die Speicher aufgefüllt etc. Der Rhythmus des Jahres und des
Tages bedeutet für den einzelnen Menschen ebenfalls viel: wann aufstehen,
arbeiten, schlafen gehen etc. In der Akupunktur kennen wir je Meridian 5 Punk-
te, welche den 5 Elementen zugeordnet sind. Jeder dieser Meridianpunkte hat zu
einer bestimmten Zeit die optimale energetische Aktivität. Die Akupunktur zu
dieser Zeit bringt die maximale Wirksamkeit. Solche Berechnungen sind wichtig
für die sog. Chronopunktur. (Siehe G. Kubiena/F. Ramakers, Bestzeitakupunktur
Chronopunktur, W. Maudrich Verlag 2002). Die Berechnung erfolgt nach dem spe-
ziellen chinesichen Mondkalender und dessen Zeiteinteilung.
– Zehn Himmelstämme (Tian Gan): Auch Yang Sui = Yang-Aspekt im Jahr ge-
nannt. Das Jahr wird in 5 × 2 Einheiten eingeteilt. Jeder Doppelmonat ist
einem Element zugeordnet. Diese Einteilung gibt uns Hinweise darauf, wel-
chen Einfluss der Himmel auf uns Menschen, besonders auf die 5 Organ-
paare, die 5 Wandlungsphasen in der Produktionsfolge hat.
– Zwölf Irdische Zweige (Di Zhi): Auch als Yin Su = Yin-Aspekt des Jahres ge-
nannt. Dies beschreibt den Einfluss des Jahresrhythmus (12 Zeiten, 6 Kosmi-
schen, klimatischen, jahreszeitlichen Energien) auf den Qi/Xue-Fluss in den 12
Meridianen des Menschen.
Biorhythmus (Wu Yun Liu Qi), die 6 Kosmischen Energien und die 5 Elemente
beschreiben die Zu- und Abnahme des Qi der 5 Elemente gemeinsam mit den
kosmischen und bioklimatischen Faktoren im Laufe eines Tages und Jahres. Die
Tagesperiode beginnt mit Shaoyang im Lungen-Meridian Taiyin mit der Atmung
dem als dominanten System in diesem Zeitfenster. Auf chinesisch wird dieser
Biorhythmus als Zi Wu Liu Zhu bezeichnet. Die 6 Kosmischen Energien und Zi Wi
Liu Zhu beschreiben, dass in jedem Meridian das Qi und Xue eine Maximalzeit
der Wirkung hat. In der entsprechenden Doppelstunde ist das Organ für die The-
rapie und Beurteilung gut zugänglich.
Spezielle Zeiteinteilungen 69

Zehn Himmelsstämme
(Tian Gan)

Perioden nach Bruder/Yin Yang 10 Gan 12 Meridian- Die Endpunkte Reihen- Charakterisierung
den 5 Ele- (1 Monat = bezug Jin (nach Zhang folge
menten 36 Tage) Qicheng,
China, 2002)

Holz/Frühling Gr. Bruder/Yang Jia Gallenblase G 44 T1. großer Baum


Kl. Bruder/Ying Yi Leber Le 1 T2. Sträucher
Feuer/Sommer Gr. Bruder/Yang Bing Dünndarm,3E Dü 1 T3. Hitze und Licht der
Sonne
Kl. Bruder/Yin Ding Herz, KS H9 T4. Hitze und Licht des
Lampions bzw. der
Kerze
Erde/ Gr. Bruder/Yang Wu Magen M 45 T5. Erde des Berges und
(Spätsommer) des Hügels

Kl. Bruder/Yin Ji Milz MP 1 T6. Erde des Bodens


Metall/Herbst Gr. Bruder/Yang Geng Dickdarm Di 1 T7. Hartes Metall
Kl. Bruder/Yin Xin Lunge Lu 11 T8. Weiches Metall
Wasser/Winter Gr. Bruder/Yang Ren Blase B 67 T9. Ozean, große Flüsse,
Überschwemmungs-
wasser
Kl. Bruder/Yin Gui Niere N1 T10. Wassertropfen, Tau,
Wasser des Bächleins

(Modifiziert nach Hao Baohua, Xian, China, ZYX, 2002)

Zwölf irdische Zweige


(Di Zhi)

Abkürzung Pin Yin f. Maximalzeit Energiefluss der Yin-Yang-Status


Di Zhi 12 Meridiane

D1. Zi von 23–01 h Gallenblasen-Meridian Shaoyin


D2. Chou von 01–03 h Leber-Meridian Taiyin
D3. Yin von 03–05 h Lungen-Meridian Shaoyang
D4. Mao von 05–07 h Dickdarm-Meridian Yangming
D5. Chen von 07–09 h Magen-Meridian Taiyang
D6. Si von 09–11 h MP-Meridian Jueyin
D7. Wu von 11–13 h Herz-Meridian Shaoyin
D8. Wei von 13–15 h Dünndarm-Meridian Taiyin
D9. Shen von 15–17 h Blasen-Meridian Shaoyang
D10. You von 17–19 h Nieren-Meridian Yangming
D 11. Xu von 19–21 h KS-Meridian Taiyang
D 12. Hai von 21–23 h 3E-Meridian Jueyin
70 Zeit im Rahmen der TCM

Der Yin Yan Tagesrhythmus (Abbildung aus


CJBM TCM, 2005 Vol. 11 No. 3 von Liang
Yonglin et al, Gansu, China)

Die 24 Abschnitte des Jahres


Die Reihung nach der Yin/Yang-Bezeichnung des Jahres ist sehr unterschiedlich
in den Klassikern.
Die antiken chinesischen Philosophen meinen, die Beziehung von Raum-Zeit-
Struktur und Quantität der Natur folge der Regel des Yin und Yang (fa yu yin
yang). Die zeitliche Beziehung der Bewegungen der Natur und die Beziehung der
Bewegungen zur Natur wird mit dem Tripelsystem treffend beschrieben (he yu
shu). Die Ziffer 1 bedeutet (in shu shu): Unendlichkeit der Bewegung und Zeit,
z.B. das Qi in der antike chinesischen Philosophie. Die Ziffer 2 steht für gegen-
sätzliche Aktionen, wie z.B. Yin-Qi und Yang-Qi (damit wäre in der Welt alles ge-
ordnet, begrenzt und stagnierend). Laozi (Daoismus) denkt aber: „die 1 gebiert
die 2, die Begegnung des Yin-Qi und Yang-Qi (yinyang xiangan) gebiert die 3
(Himmel, Erde und der Mensch zwischen Erde und Himmel). Aus Himmel, Erde
und Mensch entsteht alles.“ Hier liegt der Gedanke der unendlichen Variations-
vielfalt der Dinge und der ununterbrochenen Bewegungen verborgen. Die TCM
lässt die Dynamik des Zhouyi hinter sich, wo die Vielfalt immer einer 2er-Potenz
folgt: eryi (yin, yang), sixiang (4 Himmelsrichtungen, 4 Bilder, mit dem Zentrum

Wu Yun 6 Qi-Zustände Die 24 Ab- Bezeichnung 5 Wandlungen


(Reihenfolge) des Himmels schnitte des nach Yin des irdischen
(Liu Qi) Jahres und Yang Qi der Erde, Wu Yun
Erster Schritt Wind (Feng) Da Han- Jueyi, von starker Wind-Holz (Fengmu)
Li Chun- Kälte des Winters
Yu-Shui- kommt langsam
Jing Zhe die wärmere Zeit,
das Yin Qi wird
bald erschöpft
sein, das Yang Qi
wächst langsam
heran.
Zweiter Feuer (Hou) Chun Fen- Shaoyin, noch ein König-Feuer
Schritt Qing Ming- Rest von Kälte, (Jun Huo)
Gu Yu-Li Xia das Wetter wird
insgesamt allmäh-
lich wärmer.
Dritter Sommer- Xiao Man- Shaoyang, hier Minister-Feuer
Schritt hitze (Shu) Mang Zhong- ändert sich Wärme (Xiang Huo)
Xia Zhi- zu Hitze.
Xiao Shu
Spezielle Zeiteinteilungen 71

Der Yin Yan im Rhythmus der Vierjahres-


zeiten (Abbildung aus CJBM TCM, 2005
Vol. 11 No. 3 von Liang Yonglin et al,
Gansu, China)

Wu Yun 6 Qi-Zustände Die 24 Ab- Bezeichnung 5 Wandlungen


(Reihenfolge) des Himmels schnitte des nach Yin des irdischen
(Liu Qi) Jahres und Yang Qi der Erde, Wu Yun
Vierter Feuchtig- Da Shu-Li Taiyin, starke Feuchtigkeit-Erde
Schritt keit (Shi) Qiu-Chu Sommerhitze und (Shi Tu)
Shu-Bai Lu dampfende Hitze,
Gewitter.
Fünfter Trocken- Qiu Fen-Han Yangming, das Trockenheit-Metall
Schritt heit (Zao) Lu-Jiang Wetter ändert sich (Zao Jin)
Shuang- von dampfender
Li Dong Sommerhitze zu
trockener, klarer
Wetterlage.
Sechster Kälte Xiao Xue-Da Taiyang, es beginnt Kälte-Wasser
Schritt (Han) Xue-Dong die Kälte und sie (Han Shui)
Zhi-Xiao wird allmäh-
Han lich intensiver.

Die 8 fett gedruckten Abschnitte werden in einer späteren Tabelle nochmals genauer dar-
gestellt.

ergeben sich daraus auch die 5 Elemente), Bagua (8 Trigramme). Die wichtigste
Basisziffer in der TCM ist die 3. Mit der Ziffer 3 im Denkmodell ist das Leben viel
besser zu beschreiben (siehe Zhang Qicheng, dongfang shengming huayuan,
Zhongguo shudian, Beijing, 1999).

Die 24 Abschnitte des chinesischen Jahres nach dem Mondkalender

Dahan Große Kälte Dashu Große Hitze


Lichun Frühlingsbeginn Liqio Herbstbeginn
Yushui Regenwasser Chushu Ende der Hitze
Jingzhe Erwachen der Insekten Bailu Weißer Tau
Chunfen Frühlings-Tag- und Qiufen Herbst-Tag- und-Nacht-
Nacht-Gleiche Gleiche
Qingming Klares Licht (wichtiges
Fest des Totengedenkens) Hanlu Kalter Tau
Guyu Getreide-Regen Shuangjiang Herabrieseln des Frostes
Lixia Sommerbeginn Lidong Winterbeginn
Xiaoman Ährenbildung Xiaoxue Mäßiger Schnee
Mangzhong Körner mit Grannen Daxue Großer Schnee
Xiazhi Sommer-Sonnenwende Dongzhi Winter-Sonnenwende
Xiaoshu Mäßige Hitze Xiaohan Mäßige Kälte
72 Zeit im Rahmen der TCM

Die vier Jahreszeiten


Der Mensch und die Natur sind eine Einheit, der Körper und die Natur stehen in
Wechselbeziehung (Tian Ren He Yi, Tian Ren Xiang Ying). Das Yin/Yang-Prinzip
der „Vier Jahreszeiten“ hat Entsprechungen für unsere Gesundheit. Die TCM
sieht alles Geschehen und alle Strukturen des Lebens als einen offenen Kreislauf:
energetischer Austausch von Mensch und Natur sowie Universum, das zyklische
Geschehen der Jahreszeiten, der 5 Elemente, des Meridiankreislaufes etc.
Da das Prinzip des Lebens zyklisch ist, sollte die Gesundheitspflege ebenso der
Form des Kreises folgen. Im Schattenboxen z.B. sind deshalb alle Bewegungen
rund.
In den Qigong-Übungen (Qigong ist die chinesische Form des Yoga bzw. Auto-
genen Trainings) wird das Qi mental im kleinen und großen Kreislauf bewegt
(Xiao Zhou Tian, Da Zhou Tian). Die mentale Vorstellung der Entspannung führt
reflektorisch zur besseren Durchblutung, innerer Ruhe und zu körperlichem, ve-
getativem Wohlbefinden.
Im Alter ähneln viele psycho- und physiologischen Parameter bzw. körperliche
Merkmale jenen eines Kindes. Es erfolgt zwar keine Wiedergeburt in diesem klei-
nen Lebenskreis.
Doch manche physiologischen Parameter (kleine Kreisläufe im Körper) können
wir durch Qigong bzw. anderen Maßnahmen so verändern, dass sie sich an die
Werte eines Kindes annähern. Aber im Rahmen des großen Kreislaufes entsteht
neues Leben. (Siehe Zhang Qicheng in zhongyi jichu yixue zazhi, Vol. 3, No 3,
1977.)

Die Beziehung der vier Jahreszeiten


zu Sonne und Erde

Qiufen, Herbst-Tag-
und Nachtgleiche

Herbst Sommer
23. September

Sommerferner
Dongzhi, Punkt
22. Dezember
Winter-
Sonnen-
wende
22. Juni

Xiazhi,
Sommer-
Sonnennaher Sonnenwende
Punkt 23. März
Frühling
Winter

Chunfen, Frühling,
Tag- und Nachtgleiche
Spezielle Zeiteinteilungen 73

Die Beziehung der vier Jahreszeiten zum Yin/Yang-Modell

Lixia, Sommerbeginn

Chunfen, Frühling, Xiazhi, Sommer-


Tag- und Nachtgleiche Sonnenwende

Lichun, Liqiu,
Frühlingsbeginn Herbstbeginn


Dongzhi, Winter- Qiufen, Herbst-,
Sonnenwende Tag- und Nacht-
gleiche
Yang
steigt Yin
auf sinkt ab
Lidong, Winterbeginn

Das klassische Taiji-Bild, zwei S-förmige ineinander verschlungene Fische mit Augen

Die Neun Paläste, die Sechs Kosmischen Perioden


Die „Neun Paläste“(Jiugong, nach dem Houtian Bagua) und die 6 kosmischen,
energetischen, jahreszeitlichen Perioden geben uns eine schöne Übersicht, wie
Jahreszeiten, Organfunktionen, Himmelsrichtungen sich dynamisch verhalten. Es
handelt sich um ein sog. 4 D-System (Dreidimensionaler Raum plus die zeitliche
Veränderung).

Lixia Xiazhi Liqiu


Sommerbeginn Sommer-Sonnenwende Herbstbeginn
5.–7. Mai 21.–22. Juni 7.–9. August
4 9 2
Südost Süd Südwest
Xun Li Kun
Herz

Chunfen Qiufen
Frühling-, Tag- und Herbst-, Tag- und
Nachtgleiche Mitte Nachtgleiche
20.–22. März Milz 22.–24. September
3 5 7
Ost West
Zhen Dui
Leber (links) Lunge (rechts)

Lichun Dongzhi Lidong


Frühlingsbeginn Winter-Sonnenwende Winterbeginn
3.–5. Februar 21.–23. Dezember 7.–8. November
8 1 6
Nordost Nord Nordwest
Gen Kan Qian
Niere
74 Zeit im Rahmen der TCM

Zur Erklärung:
■ Anatomie: 9 ist Kopf, 1 der Schuh, links 3, rechts 7, 2 und 4 tragen die Schul-
tern, 6 und 8 sind die Füße.
■ Zu den Vier Jahreszeiten (nach unserem Kalender): Im Uhrzeigersinn gesehen
nimmt im Sommer (Xiazhi, Mai, Mittag) das Yang ab, im Herbst (Qiufen, Juli,
Abend) nimmt das Yin zu, im Winter (Dongzhi, November, Mitternacht) nimmt
das Yin ab, im Frühling (Chunfen, Februar, Vormittag) nimmt das Yang zu.
■ Die 4 ungeraden Zahlen symbolisieren die Vier Jahreszeiten und den Tag-
Nacht-Rhythmus (Licht und Temperatur). Die Addition der diagonal gegenüber
liegenden Ziffern ergibt immer die Summe 10 (9 + 1, 2 + 8 etc.). (Wenn die Zahl
Fünf im Zentrum dazu gerechnet wird, dann ist die Summe immer 15.) Die Sum-
me der Yang-Zahlen und Yin-Zahlen ohne Zentrum (= 5) multipliziert mit 5 er-
gibt immer 100.
■ Xiazhi: der längste Tag; Dongzhi: die längste Nacht.
Der Mensch ist ein Teil der Natur (Tian Ren He Yi). Der Mensch ist ein Produkt
der Natur, er ist die Miniatur des Universums. Alles in der Welt und somit auch
der Mensch ist ein Produkt des Qi Hua (Physiologie und Transformation des Qi).
So gesehen ist das Qi das alles verbindende Element. Das Universum ist ein le-
bendiger Organismus. Der Mensch ist ein Teil des riesigen Lebensstroms. Im an-
tiken Griechenland wurde die Welt ebenfalls als lebendig und beseelt angesehen.
Das ist mit dem christlichen Mittelalter verloren gegangen. Wir unterliegen den
Einflüssen der Natur (Tian Ren Xiang Ying). Es entsteht die Vorstellung, dass der
Mensch der Herr der Natur ist. Die Natur hat uns zu dienen. Wir zerlegen, ver-
ändern, beuten die Natur aus. Großartige Ergebnisse wurden in vielen Detail-
wissenschaften erzielt. Auch die Erkenntnisse über den Menschen werden heu-
te bis in die kleinsten Bestandteile (Gene) erforscht. So entfernt sich der Mensch
noch weiter vom Leben. Die bioklimatischen (Wind, Feuchtigkeit, Trockenheit,
Hitze etc.) und astronomischen (Bewegung der Sonne, des Mondes, der Gestirne)
Besonderheiten der Vier Jahreszeiten müssen mit exakten quantitativen Metho-
den erfasst und mit dem Organismus in Verbindung gebracht werden. Die Ärzte
im Westen und die TCM-Ärzte können durch Toleranz, und Verständigung viel
von einander profitieren (Sun Tiansheng, 1999). Nach der TCM ist die Vorausset-
zung für ein langes Leben, dass wir nach den Zyklen (den vier Jahreszeiten) und
im Einklang mit der Natur leben (Zhou Yi, Yi Jing, das Buch der Wandlungen).

Das Qi in den vier Jahreszeiten


Das Qi-Verhalten im Rahmen der 5 Elementenlehre ist die Basis der Gesund-
heitsmaßnahmen nach den Vier Jahreszeiten.
Im Bildzentrum steht die Erde, im innersten Kreis sind die Elemente Feuer,
Metall, Wasser und Holz im Uhrzeigersinn (bei 12 Uhr beginnend) angeordnet.
Im Bild ist im mittleren Kreis die chinesische Tageszeiteinteilung (Di zhi, ir-
dische Zweige) in Doppelstunden angegeben: Ziffer 11 = Zi = Mitternacht =
23–01 h = Winterbeginn (Mondkalender Nov), Yin-Maximum, Yang-Beginn;
Ziffer 5 = Wu = Mittag = 11–13 h = Sommerbeginn (Mondkalender Mai), Yang-
Maximum, Yin-Beginn.
Im äußersten Kreis des Bildes sind die Vier Jahreszeiten im Uhrzeigersinn (bei
12 Uhr beginnend) angeordnet: Sommer, Spätsommer, Herbst, Spätherbst, Win-
ter, Spätwinter, Frühling und Spätfrühling.
Spezielle Zeiteinteilungen 75

Jahres- Frühling, Sommer, Spätsommer Herbst, Winter,


zeit Chun Xia Changxia Qiu Dong
Organ Leber, Gan Herz, Xin Milz/Pankreas, Pi Lunge, Fei Niere, Shen
Dynamik Entwicklung, Wachstum, Umwandlung, Sammeln, Speichern,
Sheng Zhang Hua Shou Cang
Qi-Höhe- In der Leber Im Herz In Milz/Pankreas In der Lunge In der Niere
punkt
Qi/Xue- Im Meri- In den Se- In der Muskulatur, In der Haut, In den Kno-
Maxi- diansystem, kundärge- Ji Rou Pi Fu chen u. Mark,
mum Jing Mai fäßen, Sun Luo Gu Sui
Qi-Cha- Wind, Feng Hitze, Shu Feuchtigkeit, Shi Trockenheit, Kälte, Han
rakter Zao

Zyklus der 5 Elemente, die Analogie der 5 Elemente zu den Himmelsrichtungen, Jahres-
zeiten, der Mensch in der kosmischen Ordnung von Zeit und Raum.

Prinzip der Prophylaxe: In Frühjahr und Sommer behandeln wir nach dem Prin-
zip „stärkt das Yang“, im Herbst und Winter behandeln wir durch „Stärkung des
Yin“. Rezidivierende Erkrankungen des Winters werden im Sommer prophylak-
tisch behandelt. Rezidivierende Erkrankungen des Sommers werden im Winter
vorbeugend behandeln.
Die Dynamik der 5-Elementelehre (5E) ist eine Lehre der Analogie – in der TCM
werden damit Gesundheit und Krankheit beschrieben. In der 5E ist die Physiolo-
gie der 5 Organe in eine selbst stabilisierende, regulierende Ordnung eingebun-
den. Wir haben hier eine Schiene der Produktion/Aktivierung und eine der Kon-
sumation/Hemmung. Es handelt sich um ein zyklisches Geschehen auf vielen Ebe-
nen. Der Körper als offenes System ist abhängig, in Wechselwirkung mit der Zeit
(die Vier Jahreszeiten) und dem Raum (Oberfläche, Tiefe, Süden, Osten, Norden
etc.).

Wu = Mittag = 11–13.00 h = Sommerbeginn

Süden, Sommer,
Feuer, Herz

Feuer
Holz
Pin Yin f. Maximalzeit
Di Zhi, irdische
Metall Zweige
Osten,
Frühling, Zi von 23–01 h
Westen, Herbst, Chou von 01–03 h
Holz, Yin von 03–05 h
Leber Metall, Lunge Mao von 05–07 h
Chen von 07–09 h
Si von 09–11 h
Erde Wu von 11–13 h
Wei von 13–15 h
Wasser Shen von 15–17 h
Zi = Mitter- You von 17–19 h
nacht = Xu von 19–21 h
Norden, Winter, Wasser, Niere Hai von 21–23 h
23.00–01.00 h
= Winterbeginn Tabelle der Tageszeiteinteilung,
Dizhi, irdische Zweige
76 Zeit im Rahmen der TCM

Prinzip der Prophylaxe: Im Frühjahr und Sommer behandeln man durch „stärkt
das Yang“, im Herbst und Winter durch „Stärkung des Yin“. Rezidivierende Er-
krankungen des Winters werden im Sommer prophylaktisch behandelt. Rezidi-
vierende Erkrankungen des Sommers werden im Winter vorbeugend behandelt.

Frühling
Im chinesischen Bauernkalender (ChK) werden damit jene Monate bezeichnet,
denen in unserem Kalender (UnK) die Zeit vom 5. Februar bis 6. Mai entspricht.
Yin zieht sich in den Körper zurück (wird schwächer), Yang tritt mehr nach außen
(wird stärker). In der 5-Elementenlehre (5E) entspricht der Wind (weil sich das
Wetter rasch ändert). Weitere Charakteristika sind Kälte (der Rest vom Winter),
die Wärme (die Sonne wird wärmer), die Feuchtigkeit (öfters Regen). Im Frühling
und Sommer ist das Yang-Qi mehr, das Yin-Qi weniger; im Herbst ist Yin-Qi stark
und Yang-Qi schwächer. Der Stoffwechsel erwacht im Frühling. Das Yang-Qi tritt
im Frühling stärker vom Körperinneren nach außen. Der Puls wird oberflächlicher.
Der vermehrte Wind kühlt und lässt rascher verdunsten (akute Störungen, Infek-
tionen, Epidemien etc.) und hat eine Steigerung des Stoffwechsels und der seeli-
schen Aktivitäten zur Folge. Nach 5 E gehört zum Frühling die Leber, daher ver-
stärken sich zu dieser Zeit die Symptome bei chronisch Leberkranken, bei De-
pressionen, bei Symptomen wie Nasenbluten, Petechien, Blutungen im oberen
Verdauungstrakt (Leber speichert das Blut). Die Krankheitsanfälligkeit richtet sich
nach dem Konstitutionstyp (Qi-Xue-Mangeltyp, Milzschwäche-Typ). COPD,
Asthma, Grippe, Rheumatismus etc. Im Frühjahr und Sommer sollte das Yang ge-
pflegt werden, d.h.: vermehrte Aktivitäten, später schlafen gehen, früher aufste-
hen. Empfehlenswert ist, wenig Hitze-Produzierendes zu essen, da im Winter der
Körper viel Yang-Qi gespeichert hat. Im Frühling ist besonders darauf zu achten,
sich nicht zu verkühlen – öfters die Kleider wechseln.

Therapieempfehlungen
Moxen
G 39 (3 Cun über dem Außenknöchel, Hinterrand der Fibula) und M 36 am Früh-
lingsbeginn, später die Nabelregion moxen.

Akupunktur/Akupressur
Kopfregion: B 2, M 4 (For. infra orb.), PdM, Taiyang, G 20.
Schulter, Rücken: G 21, B 12, B 13, B 18, B 23.
Thorax, Abdomen: KG 17, KG 12, KG 8.
OE/UE: KS 6, Di 4, M 36, MP 6, N 3, Le 3, G 37 Guangming (5 Cun über Außen-
knöchel, Vorderrand der Fibula), N 1.

Sommer
Im ChK werden damit jene Monate bezeichnet, denen in unserem Kalender (UnK)
die Monate Mai bis Juli entsprechen. In der TCM gibt es jedoch noch den Spät-
sommer, dieser entspricht dem letzten Sommermonat bis zum ersten Herbstmo-
nat (UnK: August bis September). Das Yang-Qi erreicht im Sommer das Maxi-
Spezielle Zeiteinteilungen 77

mum, Yin-Qi das Minimum. Nach der 5E werden das Feuer und auch die Erde
(Spätsommer), Wachstums (Zhang), Umwandlung (Hua), Hitze (Re) und Feuch-
tigkeit (Shi) zugeordnet. Die heißesten Tage des Sommer werden in China die
3 Fu-Tage genannt. Die Gesundheitspflege ist im Sommer nach der TCM sehr hei-
kel, da das Yang-Qi sich jetzt mehr an der Oberfläche befindet, im Körperinne-
ren ist das Yang-Qi geringer, das Yin-Qi tief verborgen. Deshalb können kalte
Getränke und Nahrung bzw. Umgebung das Yang-Qi im Inneren der Körpers
zusätzlich dezimieren – die physiologische Arbeitstemperatur sinkt. Der starke
Feuer-Typ sollte Zornausbrüche bremsen. Der starke Schleim- und Feuchtigkeits-
Typ sollte fettes und süßes Essen reduzieren. Der (rote) Trocken-Typ (Yin-
Leere/Lunge-Leere-Typ) fühlt sich im Sommer und Herbst nicht wohl. Er verträgt
Trockenheit und Hitze nicht, neigt zu fieberhaften Erkrankungen. Der Qi- und
Blut-Leere Typ kann sich schlecht an das Wetter anpassen, weder an Hitze noch
an Kälte. Dieser kann im Sommer leicht einen Hitzschlag erleiden bzw., wenn er
etwas Kaltes gegessen hat, am Magen-Darm-MP erkranken.

Akupunktur/Akupressur
– Qing Re Jie Shu (Hitze vertreibend): KS 9, Di 11, Di 4, B 54, KS 8 (Querfurche
der Handfläche, zwischen Metacarpale III und IV; bei Faustschluss zwischen
Mittel- und Ringfingerkuppe), LG 14, G 20. Vorgehen: Sedierend, Mikroader-
lass oder Guasha-Methode.
– Ningxin Anshen (Psychovegetative Beruhigung): H 7, B 15, KG 17.
– He Zhong Hua Shi (Magen und Darm harmonisierend, Feuchtigkeit vertrei-
bend): M 25, M 36, M 37 (3 Cun distal von M 36), M 39 (Cun distal von M 37),
B 20, B 21, KG 12.
– Fu Zheng Zhu Yang, Dong Bing Xia Zhi (Abwehrkraft stärken, Winterleiden
im Sommer behandeln): B 13, KG 4 Guanyuan (3 Cun distal vom Nabel), KG 6
Qihai (1,5 Cun distal vom Nabel), KG 8 Nabel.

Guasha
Mit der Hand oder Hornkamm von oben nach unten, von innen nach außen rei-
ben, 5 bis 10 Minuten bis zur Rötung der Haut (bis rote bzw. blaue Punkte an der
Haut zu sehen sind).
Indikationen
– Geeignet bei Hitzschlag ohne Schwitzen (nicht anwenden bei Hitzschlag mit
Schwitzen): Kopf, Thorax, Rücken und G 20.
– Bei leichten Fällen genügt es, 1 bis 2 Regionen gleichmäßig zu reiben, dabei
nicht die Haut verletzen. Die Hand ist das schonendere Instrument als ein Hilfs-
mittel aus Horn, Holz etc. Bei geschwächten Personen zart und kurz, B 14,
B 15 auslassen. Auf Luftzug achten, besser in nicht klimatisiertem Raum durch-
führen. Nach dem Guasha die Haut reinigen, die Kleidung wieder anlegen, et-
was Ruhen, etwas Lauwarmes trinken. Nachher Ventilator und Sonnenschein
meiden.
– Vertigo/Kopf mit schwerem Gefühl: Handrücken, Di 4.
– Insomnie: Kopf, Schulter, Rücken und UE.
– Müdigkeit: Kopf, Schulter und Nacken, Arm vorne und UE.
– Inappetenz: LG, Abdomen, UE.
78 Zeit im Rahmen der TCM

Regionen
– Kopfregion: von Taiyang zu G 20, PdM Region.
– Schulter und Nacken: von Haargrenze zur Schulter (20- bis 30-mal).
– Thoraxregion: am Sternum von oben nach unten, von innen nach außen.
– Abdomen: von KG bis zum Magen-Meridian und vom Oberbauch zum Unter-
bauch.
– Rücken: von HWS entlang LG bzw. innerer Ast des Blasenmeridians.
– OE: von der Schulter bis zum Handgelenk, dorsal bzw. palmar.
– UE: von Knie zum lateralen Unterschenkel, bis zum Sprunggelenk und Fuß-
rücken.

Mikroaderlass
Dieser ist geeignet bei akuten Beschwerden, Hitzesyndromen bzw. Füllesyndro-
men, zumeist bei Sommerhitzschlag. In leichten Fällen nur einseitig, sonst beid-
seitig etwas bluten lassen.
Ohrspitze mit Dreikantnadel stechen, 3 bis 5 Bluttropfen ausdrücken.
Die 10 Fingerspitzen (Shixuan): die Handfläche nach oben, an einem bzw. meh-
reren Fingern mit Dreikantnadeln stechen, einige Bluttropfen ausdrücken.
B 54: Oberschenkel mit Stauschlauch stauen, die Venen um B 54 mit Drei-
kantnadel stechen, ein paar Tropfen Blut austreten lassen.

Moxen
Allgemein
M 36, KG 4 und KG 8.

San Fu Tian-Therapie (zur Vorbeugung von Winterleiden)


– COPD, Asthma bronchiale: in den heißesten Tagen des Sommers (San Fu Tian)
zuerst mit Pflaumenblütennadeln die Zone LG 14 (C7), Antiasthmazone (0,5
Cun lateral von C 7) und B 12 Fengmen, B 13, B 14, B 15, B 38 Gaohuang
(3 Cun lateral von TH 4) reizen, dann mit 0,2–0,3 cm dickem Ingwer und da-
rauf erdnussgroße Moxawolle, 3-mal bis zum ausbrennen, 3-mal wöchentlich,
insgesamt 4 Wochen lang.
– Bei Kindern zur Kräftigung bzw. zur Vorbeugung von Winterasthmaleiden:
zuerst mit dem Daumen von der Handfläche bis zur Zeigefingerkuppe 100-mal
mit Mofa, dann von Kuppe bis Grundgelenk 100-mal mit Tuina. Dann im Uhr-
zeigersinn KG 17 und M 18 Rugen (5.ICR) je 100-mal mit Roufa. Dann ist das
Kind in der Bauchlage mit der Zweifingertechnik (Nieji) vom Steißbein bis zum
C 7 3-mal zu behandeln. Täglich ein- bis zweimal, in leichten Fällen 3 bis 6 Be-
handlungen an den Hitzentagen des Sommers (San Fu Tian), sonst bis zu 12
Behandlungen.

Herbst
Das Prinzip der Körperpflege ist: im Herbst und Winter das Yin schützen, auf-
bauen.
Nach dem Chinesischen Bauernkalender beginnt der Herbst mit dem 7. bzw.
8. August unseres Kalenders, d.h. wenn es langsam kühler wird, der Herbst en-
det um den 9. bzw. 10. Oktober unseres Kalenders, dann ist das Wetter kühl und
Spezielle Zeiteinteilungen 79

reich an Morgentau. Yin kehrt nun zum Boden zurück, ein Bild der Ernte und der
Klarheit des Himmels (wie das Element Metall) ist zu sehen. Nach der 5 Elemen-
telehre sind Herbst und Metall in Analogie zu sehen. Die Trockenheit dominiert
das Bild in der Natur und im Körper (Trockenheit der Haut, der Nase, des Rachen,
des Stuhls etc). Für die TCM sind Herbst und Winter Yin; Frühling und Sommer
sind Yang. Im Herbst beginnt das Yin langsam stärker zu werden, daher ist der
Herbst im Vergleich zum Winter Yang im Yin.

Weitere Empfehlungen für diese Zeit sind:


– Auf das Yin und das Qi (seelische Ausgeglichenheit, Mäßigung der Emotionen
und des Zorns) achten, sich wenig ärgern. Der Patient mit Yin-Leere-Konstitu-
tion sollte jetzt die Leber und die Niere stärken. Damit er im Frühjahr und Som-
mer nicht erkrankt bzw. um das Rezidiv zu mildern. Der Patient mit Yang-Lee-
re-Konstitution sollte jetzt milde Wärme zuführen (Wen Bu).
– Auf die Noxe Trockenheit achten. Über den Tag verteilt immer wieder kleine
Mengen trinken.
– Die Lunge schonen, da folgende Probleme auftreten können: Verkühlung, Ver-
stopfung, Depression, Reizbarkeit.
– Durch Anwendung von milder Kälte den Körper für den Winter kräftigen. Nicht
zu warm anziehen (da im Körper noch Resthitze vom Sommer ist), um nicht
durch Schwitzen noch mehr Flüssigkeit zu verlieren. Kneippen passt gut in die-
se Zeit, da man im Herbst entsprechend mehr friert. Der Rücken und alle Orte
der Zustimmungspunkte dürfen nicht entblößt und der Kälte ausgesetzt wer-
den.
– Mäßigung im Genuss von scharf gewürzten Speisen (hat Affinität zur Lunge),
Gegrilltes, mit starker Hitze zubereitete Speisen meiden. Vermehrt Saures
(Suan, regt den Speichelfluss an) essen. Honig, Sesam, Mandelkerne etc. sind
mild (Dan), süßlich (Gan, der Milz/Pankreas zugeordnet) und fördern die Bil-
dung der Körpersäfte (Jing). Salziges verursacht Durst, daher meiden. Bitteres
wird der Trockenheit zugeordnet und schadet dem Qi und Körpersäften, daher
meiden. Aber das bedeutet nicht radikale Einseitigkeit in der Diät, für die rich-
tige Ernährung ist die Ausgewogenheit nach den 5 Geschmäckern wichtig.
– Zi Yin Run Fei (das Yin und die Lunge anfeuchten): Sesam, Walnuss, Erdnuss,
Mandeln, Birne, Orangen, Banane, Karotten, Rettich, Tofu, Bohnenkeimlinge
etc.
– Chrysanthemen-Tee (leicht süß = Gan, bitter = Ku, leicht kalt = Wei Han) eig-
net sich besonders, um den Wind zu vertreiben, Hitze abzukühlen und zu ent-
giften.
– Nahrungsmittel und Phythotherapeutika mit den Eigenschaften heiss (Re),
warm (Wen), scharf (Xing), trocken (Zao) sind zu meiden: scharfer Paprika,
Knoblauch, Ingwer, Schnäpse etc.
– Mäßiger Sport und Bewegung im Freien sind zu empfehlen: Spazieren gehen,
Wandern, Schattenboxen etc. Früh aufstehen, früh schlafen gehen. Die TCM
empfiehlt dabei zu den Zi Wu-Zeiten (23–01 h und 11–13 h) zu schlafen. Wider-
sprüche: Im Herbst sollte im Schlaf der Kopf nach Westen gerichtet sein (da in
dieser Zeit das Qi dominiert), im Frühling sollte er immer nach Osten gerichtet
sein (da im Osten alles aufsteigt und beginnt). Die Körperlagen Nord und Süd
werden allgemein als nicht gesund angesehen.
80 Zeit im Rahmen der TCM

Akupunktur/Akupressur
– Zur Stärkung der Lunge und gegen Husten: B 13, B 38 (2 QF lat. von BWD 4),
Lu 9, KG 17.
– Zur Stärkung des Darms: M 25, B 25, M 37 (6 Cun distal von B 35), M 36.
– Zur Befeuchtung von Yin und Rachen: Lu 10, N 1, Lu 11, N 3, N 6, KG 23.
– Zur Kräftigung der „Atemfunktion der Niere“ (Na Qi): LG 4, KG 6 (1,5 Cun
unter dem Nabel), Nabel (KG 8), LG 4 (3 Cun unter dem Nabel), B 23.
– Für die freie Nasenatmung, zur Vorbeugung von Verkühlungen: Di 20, G 20,
Di 4, PdM, LG 20, B 12, LG 12 (unter BWD 3).
– Kräftigt das Rückgrat, reguliert die Lendenmuskulatur: LG 26, B 54, B 60, G 39
(4 QF über dem Außenknöchel).
– Für die Befeuchtung und zur Pflege des Gesichts: G 14, M 7 (lat. Mundwinkel),
M 4 (Foramen infra orb.), KG 24, M 3 (vor Kieferwinkel, auf Masseter), M 2 (bei
geschlossenem Mund in einem Grübchen vor dem Proc. artic. mandibulae,
unterhalb des Arcus zygomaticus – Grübchen, wenn Mund offen, kein Grüb-
chen, wenn Mund zu), M 36, MP 6, PdM.

Moxen
M 36, KG 4, KG 6, B 23, LG 4 allgemein zur Yin Kräftigung im Herbst.

Winter
Dem Winter im Chinesischen Kalender entspricht in unserem Kalender die Zeit
vom 11. November bis 2. Februar. In dieser Zeit ist das Yang-Qi am schwächsten,
das Yin-Qi am stärksten. Im letzten Monat des Chin. Kalenders kippt das Yin-Ma-
ximum langsam in Yang um. Nach der 5E sind dem Winter Kälte, Wasser, Spei-
chern, Sammeln, Schlummern, Ruhe zugeordnet. Im letzten Monat ist die Yin-Käl-
te außen am stärksten, im Inneren des Körpers ist das Yin-Qi am schwächsten.
Das Yang-Qi ist ganz tief im Körper verborgen. Man neigt dazu, sich in zu war-
mer Umgebung aufzuhalten und zu viel von warmer (Wen) und trockener (Zao)
Nahrung zu essen. Wenn man nicht aufpasst, kann das Yin im Inneren des Kör-
pers dadurch geschwächt werden. Die Folge ist eine Erkrankung. Personen mit
der Konstitution der Yang-Leere (eigentlich Yang-Qi-Leere) vertragen den Win-
ter schlecht, sie erkranken leichter im Winter. Der Qi-Leere- und Blut-Leere-Typ
verträgt sowohl Kälte wie auch Hitze nicht. Im Winter treten öfters Erkrankungen
durch Kältereize, wie Grippe, Bronchitis, Pneumonie und Entgleisungen der
Hypertonie auf. Das Auftreten von kardio-, cerebro-vaskulären Erkrankungen,
auch die Neigung zur Venethrombose nimmt zu. Wichtig ist es, das Yin zu scho-
nen, d.h. mehr seelische und körperliche Ruhe, früh schlafen gehen, später auf-
stehen. Nach der TCM ist im Winter auch sexuelle Mäßigung angesagt. Die Nie-
re (Shen) sollte besonders im Winter geschützt werden.

Akupunktur/Moxibustion
Da im Winter Qi/Xue eine Tendenz zur Tiefe zeigen, sollte auch tiefer mit der Na-
del gestochen und länger liegen gelassen werden. Die Moxibustion steht im Win-
ter im Vordergrund. Punkte:
KG 8, KG 4 Guanyuan, M 36, KG 6 Qihai, B 23, LG 14 (C7).
Spezielle Zeiteinteilungen 81

Tuina
– Kämmen: die 10 Finger als Kamm benützen und die Haare von vorn nach hin-
ten 100-mal zart schieben.
– Augen: in der Früh beide Augen von links nach rechts und umgekehrt je 14-
mal drehen, dann fest zusammendrücken, plötzlich weit öffnen.
– Zähne: 36-mal klopfen, mit der Zunge mind. dreimal die Zähne massieren, den
Speichel langsam schlucken bis zum Dantian (KG 6).
– Lendenregion: mit warmer Handfläche die B 23-Zone und von hier bis zum
Steißbein-Ende reiben, dann B 23 unter LWS-Mobilisierung klopfen.
– Um den Nabel: 100-mal reiben.
– Bein und Knie: mit beiden Händen das Bein von der Leiste/Hüfte bis zum Knö-
chel, dann zurück 20-mal reiben, bis sie warm werden, dann die Kniegelenke
mit den Händen je 10-mal im Uhrzeigersinn und gegen den Uhrzeigersinn rei-
ben.
– Anus: diesen heben, bei Einatmen fest den Anus zusammendrücken, etwas die
Luft anhalten, dann locker lassen und ausatmen; 5- bis 7-mal.
– Fußsohle: massieren.

Zusammenfassung der wichtigsten TCM-Systeme in den Jahreszeiten

Jahreszeit Frühling, Sommer, Xia Spätsommer, Herbst, Winter, Dong


Chun Changxia Qiu
Organ Leber Herz Milz/Pankreas Lunge Niere
Dynamik Entwicklung, Wachstum, Umwandlung, Sammeln, Speicher,
Sheng Zhang Hua Shou Cang
Qi In der Im Herz In Milz/ In der In der
Höhepunkt Leber In den Pankreas Lunge Niere
Qi/Xue In Sekundär- In der Mus- In der In den Knochen
Maximum Meridian, gefäßen – kulatur, Haut, Pi Fu und Mark –
Jing Mai Sun Luo Ji Rou Gu Sui
Qi-Charakter Wind, Feng Hitze, Shu Feuchtigkeit, Trockenheit, Kälte, Han
Shi Zao

Tages-Maximalzeit im Meridiansystem
Aus der Tabelle unten können wir die Maximalzeit von Qi/Xue im jeweiligen Me-
ridianabschnitt ablesen. Es folgt daraus eine Organzuordnung und eine Empfeh-
lung für die Therapie zur entsprechenden Maximalzeit.
Ideal ist eine entsprechende energetische Maßnahme (Tuina-Behandlung) in
den Maximalzeiten des betroffenen Meridians. Lunge-Leere: In der Zeit von 3 bis
5h morgens Lu 9 (= Tonisierungspunkt der Lunge) tonisierend behandeln. Der
Quellpunkt (in diesem Fall auch der Lu 9) ist zu jeder Tageszeit gut zu verwen-
den.
Prinzip der Prophylaxe: Im Frühjahr und Sommer zu behandeln, stärkt das
Yang; im Herbst und Winter zu behandeln, stärkt das Yin. Erkrankungen des Win-
ters sollten schon im Sommer behandelt werden. Erkrankungen des Sommers ent-
sprechend im Winter.
82 Zeit im Rahmen der TCM

1. Lunge (03–05) Zeigefinger 2.Dickdarm (05–07)

Nasenflügel
4. MP (09–11) Großzehe medial 3. Magen (07–09)

Brust
5. Herz (11–13) Kleinfinger 6. Dünndarm (13–15)

Brust Augenwinkel med.


8. Niere (17–19) Kleinzehe 7. Blase (15–17)

Brust
9. KS (19–21) Ringfinger 10. 3E (21–23)

Augenwinkel lat.
12. Leber (01–03) Großzehe lat. 11. Gallenblase (23–01)

Die optimale Therapie und Therapiezeit richtet sich ebenfalls nach dem Bagua:
Fei Teng Ba Fa oder Ling Gui Ba Fa (siehe Chronoakupunktur, v. Kubiena, G. und
Ramaker F. W. Maudrich Verlag, 2002).
7 Behandlungsmethoden der TCM

Besonders gut wirksame Indikationen für die Akupunktur, Moxibustion, Schröp-


fen, Tuina und Qigong sind Prävention und die Therapie bei allgemeinen Schmerz-
syndromen, Schlaganfall und die allgemeine Verbesserung von vielen psychoso-
matischen Beschwerden.

Vorbeugung
Der gute Arzt behandelt eine Krankheit schon im „Keimstadium“, der weniger
gute behandelt erst das Vollbild einer Krankheit. Vorbeugende Gesundheitspfle-
ge und Früherkennung einer ev. Erkrankung ist anzustreben. Ein Beispiel: Vor-
stadium einer Apoplexie (in der TCM als Zhong Feng bezeichnet) ist oft Ge-
fühlsstörung der Finger, Schwindel etc.; schon jetzt sollte der Arzt mit der Be-
handlung beginnen. Dazu gehört, dass der Arzt die feinen Veränderungen von
Psyche, Sprache, Gesichtsfarbe, Puls, Zunge, Ernährung, Schlaf, Ausscheidung
etc. erkennt.

Kombination von Therapie und Gesundheitspflege


Beim alten Menschen liegt oft eine Schwäche an verschiedenen Organen vor, die
Therapie wirkt nicht so rasch wie bei einem jungen Patienten. Drastische Maß-
nahmen schaden dann oft mehr als keine Maßnahme zu setzen.

Tonisierung steht im Vordergrund


Je nach Konstitutionstyp und der Kondition der Syndrome sollte vorgegangen wer-
den. Weil die älteren Menschen oft an vielen Organen gleichzeitig erkranken, ist
das Vorgehen nach der Ätiologie und Pathogenese besonders wichtig.

Wert legen auf die Verdauung


Da das Magen-Qi im Alter schwach ist, verträgt der alte Mensch oft Medikamente
schlecht. Die Regel der Nahrungsauswahl sollte den Regeln der TCM entspre-
chen. Der Nierenkranke etwa sollte nicht Salziges und Scharfes sowie weniger
Süßes essen. Der Leberkranke sollte nicht Scharfes, Gebackenes essen, nicht Al-
kohol trinken oder rauchen; mild Gewürztes und Süßes hingegen sind erlaubt.
84 Behandlungsmethoden der TCM

Wert auf die Psychohygiene legen (Tiao He Qi Shen)


Shen (die Seele, der Geist) ist nach dem Neijing eine Synthese von Leben, Funk-
tion und Zeit. Die Physiologie wird im Zusammenhang mit der Zeit beschrieben.
Ohne Organaktivitäten zu sein, bedeutet das Ende des Lebens. Schwangerschaft,
Reifung, Körpergröße etc. – all dies wird im Zusammenhang mit der Zeit be-
schrieben. Wer Shen hat, der lebt; wenn jemand sein Shen verloren hat, ist er tot.
Die Lebensjahre und die Jahreszeiten charakterisieren und beeinflussen uns. Dem
Rhythmus der Natur (dem zeitlichen Ablauf) zu folgen, ist der beste Weg für ein
langes, gesundes Leben. Die Einsicht, dass die Psyche (Shen) starke Wirkung auf
die Gesundheit hat, ist wichtig – sowohl positiv wie auch negativ. Ferner ist die
Einsicht wichtig, dass im Alter viele Organe nicht mehr so optimal funktionieren
wie in der Jugend, aber trotzdem ein aktiver Beitrag zur Genesung unerlässlich
ist. Die Einstellung zum Leben sollte positiv und aktiv sein. Die innere Zufrie-
denheit sollte durch Bescheidenheit, Großzügigkeit, Toleranz, Hilfsbereitschaft
und Beherrschung erarbeitet werden. Leere von Blut und Qi (Xu Qi Xu Zheng)
kennzeichnet die Physiologie des alten Menschen. Über die Regulation des Qi er-
reichen wir das Blut. Der Zustand des Geistes (Shen) ist wiederum das wichtigste
klinische Zeichen.
Das Deqi in der Akupunktur bedeutet, der Reiz kommt an, der Patient reagiert
auf den Nadelreiz. Sedierendes Deqi ist eine starke subjektive Empfindung des
Patienten auf Nadelmanipulation. Die schwache subjektive Nadelempfindung
bedeutet eine Tonisierung. Der alte Mensch benötigt meist eine tonisierende Na-
delbehandlung. Das Qi im ganzen Körper wird dadurch reguliert (aktiviert).
Erst die Konzentration des Arztes und die psychische und körperliche Reaktion
des Patienten in der Behandlung ermöglichen eine optimale Therapie.
Nun folgen einige TCM-Techniken für die Gesundheitspflege und Therapie.

Akupunktur in der Geriatrie


Akupunktur, Tuina-Therapie, Taijiquan und Qigong sind Formen der chinesischen
Reflextherapie. Alle haben die gleiche Theorie als Grundlage. Der modifizierte
Lehrsatz nach De La Fuyé (Lehrer von Prof. Johannes Bischko) lautet:
Die Tuina und andere chinesische manuelle Reflextherapien/Akupunktur ver-
wenden die Hand/Nadel zur mechanischen Reizung an genau festgelegten Kör-
perregionen, die spontan druckempfindlich sein können, bei funktionellen, re-
versiblen Erkrankungen oder bei Störungen zu diagnostischen und/oder thera-
peutischen Zwecken.
Dies zeigt uns die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen der Akupunktur-The-
rapie auf. Die Akupunktur/Tuina ist nur bei funktionellen reversiblen Störungen,
d.h. wenn etwas gestört, aber nicht zerstört ist, indiziert. Akupunktur (aber auch
Tuina, die chinesische Massage) ist eine Reflextherapie, um die Gleichgewichts-
störung des Organismus wieder in Ordnung zu bringen. Die Akupunktur ist also
eine Regulationstherapie. Akupunktur und Tuina können somit als adjuvante The-
rapien eingesetzt werden.
Zuerst sollte immer eine Diagnose und eine Indikation nach den Regeln der
Schulmedizin bzw. der modernen Medizin (MM) erstellt werden. Dann erst kann
mit einem Standardprogramm und einer Standardnadelreiztechnik begonnen
werden.
Moxibustion (Ai Jiu) 85

Nahrungsmittel und Kräuterheilkunde


Die Grenze zwischen Nahrungsmitteln und Heilkräutern ist fließend. Beide wer-
den über den Magen und Darm aufgenommen. Die Differenzierung wird in den
Modellen Yin/Yang, den 5 Wandlungsphasen den Organen und Meridianen zu-
geordnet und in die Praxis umgesetzt (Kapitel 13–15).
– Dem energetischen Temperaturverhalten (Qi) im Körper entspricht: kalt (leng),
kühl (liang), heiß (re), warm (wen) und neutral (ping).
– Dem Geschmack im Mund entspricht: süß (gan), scharf (xing), salzig (xian), bit-
ter (ku) und neutral (dan).
– Beim Organ- bzw. Meridianbezug unterscheidet man: Lunge, Dickdarm, Milz,
Magen, Niere, Blase, Herz, Dünndarm, Leber und Gallenblase.
Energetische Wirkungen von kühler und kalter Nahrung: bei Hitzesyndromen
(Re Zheng) zum Ausleiten und Kühlen von Feuer und Hitze, zur Entgiftung und
zur psychischen Beruhigung. Tendenziell bewirken diese eine Bewegung von Qi
und der Körperflüssigkeiten (Jin Ye) nach unten und innen.
Energetisch heiße und warme Speisen wirken bei Kältesyndromen. Tendenziell
bewirken diese eine Qi- und Blut-(Xue)-Bewegung nach oben und außen.
Energetisch neutrale Speisen haben eine milde, harmonisierende Wirkung.
Die Zuordnung der Nahrungsmittel nach dem Geschmack zu den Organen und
Meridianen wird in den 5 Wandlungsphasen genau aufgelistet:
Süß (gan) wirkt auf Milz und Magen. Wenn die Nahrung auch energetisch warm
ist, dann wirkt sie bei Qi- und Yang-Mangel-Syndrom auf Milz/Magen. Wenn sie
energetisch kalt ist, dann wirkt sie beim Hitzesyndrom des Magens.
Die energetisch salzige Nahrung wirkt auf Niere und Blase, hilft sie bei wei-
chen oder verfestigten Stauungen. Der Stuhlgang und die Diurese werden geför-
dert.
Die energetisch saure Nahrung wirkt auf Leber und Gallenblase im Sinne von
Kühlung bei Hitze.
Bittere und warme Nahrung wirkt Qi-stärkend auf Herz und Dünndarm; bitte-
re und kalte Nahrung kühlt die Hitze und beruhigt das Feuer. Neutrale Nahrung
bewirkt eine Wegleitung (Kapitel 12) der Feuchtigkeit.

Moxibustion (Ai Jiu)


Das chinesische Wort für Akupunktur, Zhen Jiu, bedeutet „stechen und brennen
von Moxa“. Dies ist ein Hinweis darauf, dass in China Akupunktur und Moxi-
bustion eng zusammen gehören. Die lokale Erwärmung eines Akupunkturareals
nennt man Moxibustion. Moxa ist getrocknetes Wermutkraut (Artemisia vulgaris).
In China ist es als „Moxawolle“, „Moxazigarre“, „Moxakegel“ oder raucharmer
„Moxa-Stift“ im Handel. Einmal entzündet, glost Moxa langsam weiter, ähnlich
einer Zigarette. Dem Moxa werden oft aromatische Stoffe beigemengt, welche bei
der Verbrennung im Rauch enthaltene ätherische Öle an die Haut abgeben. Mo-
xibustion ist wie die Massage älter als die Nadelakupunktur. Die Moxibustion
kann auch der Laie – nach Rücksprache mit dem Arzt – anwenden. Moxazigar-
ren sind in Apotheken und Reformkaufhäusern erhältlich. Die Moxibustion ist in-
diziert bei allen Störungen, bei denen die lokale Wärme als angenehm empfun-
den wird. In der TCM sprechen wir dann von „Kältesymptomatik“. Die Wärme
86 Behandlungsmethoden der TCM

wird durch das Abbrennen von getrocknetem Beifuß (Artemisia vulgaris, Ai Ye)
zugeführt, die in Form einer Zigarre genau über eine Akupunkturzone gehalten
wird. Eine lokale Rötung und angenehmes Wärmegefühl ist die Folge. Dieser
Wärmereiz wird noch durch den aromatischen Rauch (reich an ätherischen Ölen)
verstärkt und wirkt lokal wie eine Iontophorese (eine Form der Physikalischen
Therapie, wo mittels Strom aus Elektroden schmerzlindernde Stoffe in das Ge-
webe gebracht werden). Im Westen hat sich die Moxibustion wegen des, für
viele sehr fremden und unangenehmen, Geruches nicht durchgesetzt (Bischko
beschreibt den Geruch einer Moxibustion so: „wie das Verbrennen von alten Fet-
zen“. Für China ist der Moxageruch das typische Kennzeichen einer Akupunk-
turambulanz.). In gewissen Fällen, wo eine lokale Erwärmung und überhaupt eine
„tonisierende“ Behandlung, wie z.B. bei manchen Arthrosen, angezeigt ist, kann
der Patient die angegebene Hautstelle mit Moxa erwärmen. Dabei ist streng da-
rauf zu achten, dass die Haut nicht verbrannt wird. Mit Moxa ist so achtsam wie
mit einer Wärmelampe umzugehen. Nicht über den empfindlichen Körperteilen
mit Moxa behandeln. Pro Punkt ca. 5 Min.

Wirkung und Indikation


der Moxabehandlung
Die Moxibustion entspricht einer lokalen Wärme-
therapie. Dadurch verbessert sie die Durchblu-
tung und der Gewebsstoffwechsel. Sie regt re-
flektorisch die Organfunktion und das Immunsys-
tem an. Nach der chinesischen Medizin wirkt sie,
ähnlich wie Akupunktur oder Tuina, über die Me-
ridianpunkte und das Meridiansystem, um die
Funktionsstörung zu regulieren.
– Moxa erwärmt die Meridiane und vertreibt die
Kälte, belebt die Durchblutung und beseitigt
den rheumatischen Schmerz. Krankheiten mit
Blutzirkulationsstörung (Xue Xie) und Kälte-
symptomatik (Han Zheng) wie Rheuma mit
Wind-Kälte und Feuchtigkeits-Symptomatik,
Dysmenorrhoe etc. sprechen gut darauf an.
– Es beseitigt die Symptomatik, welche durch äu- Artemisia vulgaris, Beifuß
ßeren Wind- und Kälteeinfluss entsteht und er-
wärmt den mittleren Erwärmer. Deshalb gut bei Grippe, Verkühlungen, Er-
brechen, Bauchschmerzen, Durchfällen mit Kältesymptomatik im mittleren Er-
wärmer.
– Es erwärmt das Yang (Wen Yang), ist ergänzend bei Mangelsyndrom (Bu Xu).
Z.B. gut bei: Yangleere der Niere und der Milz, chronischen Durchfällen, Har-
ninkontinenz, Impotenz, Kollaps und Schock.
– Es stärkt den mittleren Erwärmer, beseitigt die Organptose. Angebracht bei:
Gastroptose, Wanderniere, Uterusprolaps, Analprolaps, Menorrhagie.
– Zur Kräftigung: Eine häufige Behandlung der Punkte KG 4, KG 6, LG 4, M 36
und KG 12 kann Krankheiten vorbeugen, wirkt auch lebensverlängernd.
Moxibustion (Ai Jiu) 87

Milde Moxabehandlung mit Stäbchen Kreisen mit dem Moxastäbchen

Moxastäbchen auf- und abbewegen Moxakegel an Akupunkturnadel

Moxabehandlung mit einer Trommel, Moxa Moxabehandlung mit einer Schachtel mit
ist in der Trommel Sieb, Moxa ist auf dem Sieb

Kontraindikationen:
– Bestimmte Punkte dürfen nicht mit Moxa behandelt werden: über großen Ge-
fäßen, im Gesicht, oder in der Nähe von Sinnesorganen und lebenswichtigen
Organen. Auch am Bauch und im Lendenbereich einer Schwangeren ist die
Moxibustion kontraindiziert. Wenn ein Areal stark behaart ist, dann darauf Acht
geben bzw. diese Stelle auslassen.
– Fieberhafte Erkrankungen, Hitzesymptomatik, Füllesymptomatik mit Hitze.
– Wie bei der Massage sollte nicht behandelt werden bei starker Ermüdung, Er-
schöpfung, psychischer Erregung, alkoholisiertem Zustand.
88 Behandlungsmethoden der TCM

– Wenn der Patient allergisch auf Rauch ist oder auf Grund einer Krankheit bzw.
wegen einer physikalischen Therapie bzw. infolge bestimmter Medikamente
eine sehr empfindliche Haut hat, dann sollte man Moxa nicht anwenden.
– Am Kopf nur sehr sorgsam lokal erwärmen.

Anwendung
Bei der Anwendung sollte das Folgende beachtet werden:
– Der Patient muss eine stabile, angenehme Körperhaltung während der Be-
handlung einnehmen.
– Die Reaktion der Haut ist genau zu beachten. Es sollte nicht mehr als eine Rö-
tung der Haut entstehen.
– Es ist darauf zu achten, dass es nicht durch herunterfallende Moxa-Asche zu
einer Hautverbrennung oder zur Beschädigung von Kleidung kommt.
– Die Moxazigarre muss nach dem Gebrauch richtig gelagert werden.

Durchführung
Einige Punkte, die dabei zu beachten sind:
– Erwärmung des gewünschten Hautareals durch
wiederholte Annäherung (Kreisen, Picken oder
in konstanter Höhe bleiben) der Moxa-Zigarre,
ca. 5 bis 10 Min., insgesamt etwa 20 Min.
– Die Moxakegel auf eine (etwa 0,5 cm dicke,
2 cm im Durchmesser messende) Scheibe aus
Ingwer oder Knoblauch – als Isolierschicht –
legen. Auch hier darauf achten, dass es nur zu
einer angenehmen Erwärmung und Rötung der
Haut kommt. In China werden auch noch
Isolierschichten aus Kräutern und anderem
Material verwendet.
– Es gibt auch Geräte wie Moxabox, Moxakam-
mer für die Moxibustion. Die Wärme und der Rauch kommen aus diesem Ge-
rät. Die Moxakegel können während einer Akupunkturbehandlung durch den
Arzt auch auf die Nadeln gesteckt werden, welche die Wärme weiterleiten.
– Es gibt auch Elektromoxa, Lichtmoxa; sie können aber nur teilweise die Moxi-
bustion mit Wermutkraut ersetzen. Die Wirkung der ätherischen Öle fehlt hier.
– Die direkte Moxibustion, d.h. ohne Isolierschicht werden die Moxakegel auf
die Haut gelegt, ist wegen der Gefahr der Bläschenbildung, Narbenbildung im
Westen obsolet (und kontraindiziert!).

Moxa als Geriatrikum in der Praxis


Studien von Wang et al. von der Uniklinik Nanking (1994) haben gezeigt, dass
folgende Symptome im Alter durch regelmäßige Moxibustion gebessert werden
können:
Niedergeschlagenheit, Müdigkeit, kalte Hände und Füße, starkes Schwitzen
(N 7 und B 13), Nachtschweiß, Vertigo (LG 20 und Dü 3), Haarausfall, Verucae se-
niles, Tinnitus, Altersschwerhörigkeit, Trockenheit im Mund und Rachenraum,
Moxibustion (Ai Jiu) 89

Zahnlockerung, Kurzatmigkeit, Palpitation, Vergesslichkeit, lebhafte Träume, we-


nig Appetit, Obstipation, Diarrhö, Nykturie, Kraftlosigkeit von Kreuz und Beinen.
Behandlung: Es wird jeden 2. Tag die Region M 36 beiderseits und KG 8 mit
einem Moxastab je 10 Min. lang behandelt. Die Schwäche von Niere (Shen Qi
Xu), Milz (Pixu) und der Blutstau (Xue Yu) werden positv beeinflusst.
– Allgemeine Punkte für die Moxibustion im Alter: KG 8, KG 4, KG 6, M 36, B 23
und LG 14.
– Bei Chronischer Bronchitis: LG 14, B 13, B 38 (Gaohuang).
– Bei Chronischer Gastritis: B 20, B 21, M 21, M 36, KG 12, M 9.
– Bei Durchfallsleiden mit Kälte-Symptomatik des Dickdarmes: B 20, B 21, B 25,
M 25, M 37.
– Bei Diabetes mellitus: KG 6, KG 4
– Bei Singultus: KG 17, KG 12, KG 4, B 23.
– Bei Miktionsstörungen wie z.B. Inkontinenz: LG 4, B 22, B 27, KG 3.
– Bei Chronischer Lumbalgie mit Qi-Mangel der Niere (Shen Qi Xu): B 23, B 25,
LG 3, LG 4, B 54 (Weizhong).
– Bei Dysmenorrhoe: KG 4, KG 2, B 18.

Schröpfen (Ba Guan)


Es gibt verschiedene Formen des Schröpfens:
6–10 cm lange, 4–8 cm im Durchmesser messen-
de Zylinder aus Bambusrohr; Schröpfköpfe aus
Glas (1–8 cm im Durchmesser, diese werden
hauptsächlich verwendet). Die Ränder sollten
breit und glatt sein. Von der Industrie werden
auch Saugglocken, welche durch eine Pumpe das
Vakuum erzeugen, angeboten.
Wirkprinzip nach der Schulmedizin ist: Anre- Schröpfgläser,
gung der Stoffwechselleistung, die Blutzirkula- verschiedene Größen
tion wird verbessert, dadurch kommt es zu einer
Ödemreduktion und zur Verbesserung des Muskeltonus. Der Negativdruckreiz
führt zur Stimulation von Nervenenden, dadurch entsteht eine reflektorische, po-
sitive Wirkung auf die Schmerzmodulation, auf die Eingeweide und das Immun-
system. Die chinesische Medizin spricht von Ableitung des lokalen Fülle-Zustan-
des und der Beseitigung von pathogenen bioklimatischen Faktoren.

Durchführung
Der mit Alkohol getränkte Wattebausch wird entzündet und mit einer schnellen
Bewegung in den Schröpfkopf geführt, danach sofort entfernt. Mit einer schnel-
len Handbewegung wird der Schröpfkopf nun auf die zu behandelnde Hautstel-
le gesetzt. Richtig geschröpft wurde dann, wenn eine sichtbare Rötung auftritt,
die später nicht in einen Bluterguss übergeht. Die Verweildauer der Flamme im
Glas bestimmt die Stärke des Vakuums.

Schröpfmethoden
– Man bringt einige Schröpfköpfe auf bestimmten Hautarealen an. Der Schröpf-
kopf verbleibt etwa 5 bis 30 Minuten.
90 Behandlungsmethoden der TCM

– Der Schröpfkopf kann auch sofort nach dem Set-


zen wieder entfernt werden, und dieser Vorgang
kann mehrmals am selben Areal bis zu einer lo-
kalen Rötung wiederholt werden.
– Man bringt die Schröpfköpfe in einer Reihe an.
Das entsprechende Hautareal und die Ränder
der Schröpfköpfe werden mit Hautcreme einge-
fettet. Der aufgesetzte Schröpfkopf wird dre-
hend über ein Areal geradlinig 3–5-mal bewegt
(auch Schröpfkopfmassage genannt). Dies eig-
net sich für große Flächen und muskelreiche
Körperstellen, wie z.B. am Rücken und in der
Brustregion. Wie mit einem Negativdruck (flä- Kurz den brennenden Tupfer
chiger Zug) wird die Hautzone massiert. ins Glas halten, dann schnell
– Das Entfernen eines gesetzten Schröpfkopfes wegnehmen und Glas auf die
gelingt durch ein leichtes Drücken der Haut am Haut setzen.
Rand des Schröpfkopfes und gleichzeitiges Kippen des Glases.
– Das blutige Schröpfen bei Fülle-, Hitze-, Blutstau- und Qi-Stagnations-Syn-
dromen darf in Österreich nur von Ärzten durchgeführt werden. Die zu schröp-
fenden Hautareale werden zuerst mit Nadelstichen skarifiziert, dann an dieser
Stelle das Schröpfglas darüber gesetzt und etwa 5–10 Min. belassen.
– Bei der Duchführung zu beachten: Die liegende Körperposition wird wegen der
Stabilität beim Schröpfen bevorzugt. Nach dem Schröpfen Vermeidung von Zu-
gluft und Unterkühlung.

Nicht Schröpfen bei folgenden Personen bzw. Krankheiten: Herzkranke, blut-


gerinnungsgestörte Personen und bei regelmäßiger Einnahme von Aspirin, Mar-
coumar etc., bei Hautkrankheiten, Psychosen, schwer psychisch gestörten Men-
schen, Entzündungen, Fieber, Fraktur, stark erschöpften Patienten, während der
Schwangerschaft und der Monatsblutung, nach zuviel Essen oder Trinken. Bei
großem Hunger und Durst sollte man ebenfalls auf das Schröpfen verzichten. Die
gleiche Stelle, erst dann wieder schröpfen, wenn die Haut unauffällig aussieht.

Beispiele für die Anwendung


– Verkühlung: LG 14, Di 4, B 11, B 12
B 13.
– Kopfschmerzen: LG 14, G 21.
– Asthma bronchiale: B 11,
B 13, LG 12,
– KG 12, KG 6.
– Dysmenorrhoe: KG 6,
KG 4, M 25, B 23
– Magenschmerzen: KG 12, Das Glas an der Haut verschieben. Zuvor
M 36, KS 6, das Hautareal und Glasöffnung mit
Vaseline einfetten.
– B 20, B 21.
– Schluckauf: B 11, B 13, KG 12.
– Kreuzschmerzen: B 23, LG 2.
Tuina 91

– Rückenschmerzen: LG 14, LG 12,


B 11, B 13.
– lokale Schmerzpunkte.
– Hüft- und Beinschmerzen: B 23, G 30, MP 10.
– Beinschmerzen: G 30, B 54, B 23, M 36.
– Schulter-Arm-Schmerzen: B 11, Di 15, Di 11.

Tuina-Therapie
Tuina ist für Ärzte und alle Therapeuten als komplementäre Therapie konzipiert.
Man versteht darunter die Heilmassage aus China. Akupressur wiederum ist die
Bezeichnung für eine Laienmassage zur Selbstbehandlung. Diese Therapieform
wird bei all jenen Fällen, die auch für Akupunktur und Moxibustion geeignet sind,
mit Erfolg eingesetzt. Ihre Anwendung empfiehlt sich im besonderen Maße bei
sensiblen und nadelempfindlichen Patienten sowie bei alten Menschen und Kin-
dern. Besonders die Physiotherapeuten sind immer wieder positiv überrascht, um
wie viel leichter nach einer solchen Vorbereitung mit Druckpunktmassage die
Heilgymnastik erfolgen kann. Für viele Physiotherapeuten ist deshalb die Vorbe-
handlung mit chinesischer Massage zu einem Grundbestandteil ihrer Tätigkeit
mit Schlaganfallpatienten geworden. Die Theorie, Indikation und Arbeitshypo-
these für Tuina und Akupunktur sind in der TCM identisch. Alle funktionellen,
reversiblen Erkrankungen und Störungen können wir mit Tuina oder Akupunk-
tur behandeln. Therapeuten, die Tuina anwenden, müssen natürlich die Anato-
mie, Physiologie, Pathophysiologie und Theorie der TCM (Meridianlehre, Organ-
lehre, Modalitäten, Grundgriffe, Reizdosierung, Behandlungsplanung etc.) be-
herrschen.
„Die Tuina-Therapie gewährt einen hochinteressanten Einblick in die älteste
Therapieform auf dieser Erde. Das Anfassen eines Menschen ist wohl der mensch-
lichste Akt in der Medizin. Er bedarf auch keines Hilfsmittels. Es ist wohl be-
zeichnend für unsere Zeit, dass die Ärzte diese Methodik im Wesentlichen ver-
nachlässigen, sie lassen sie meist von geschulten Physiotherapeuten durchführen.
Dennoch bemerkt man in zunehmendem Maße eine Rückkehr bzw. ein neues Er-
wachen des Interesses der Ärzteschaft an der Massage. Dies ist sicherlich ein Ver-
dienst der chinesischen Massage, die ein weit kompletteres Spektrum anbietet als
die hier übliche Körpermassage. In vielen Belangen geht sie auch noch über die
leider zu wenig geübte Bindegewebsmassage nach Teirich-Leube hinaus” (Prof.
J. Bischko, 1981).„Keine andere Form des Einwirkens auf den Körper – sowohl
beim Gesunden als auch beim Kranken – wird so häufig verlangt oder verordnet
wie die Urform jeden Behandelns: die Massage. Das Behandlungsobjekt ist in der
Mehrzahl aller Fälle der Bewegungsapparat, der sich auch beim noch Gesunden
durch seinen statischen Missbrauch bzw. auch durch seine dynamische Überbe-
lastung häufig im Zustand einer latenten Erkrankung befindet. Durch seine Be-
handlung, aber auch durch die Behandlung der Haut ist es möglich, Befindlich-
keitsstörungen aller Art, auch Erkrankungen innerer Organe, zu beeinflussen.
Es findet sich nirgends auch nur der geringste Ansatz zum Mystizismus, son-
dern das Bestreben, eine in Jahrhunderten entwickelte chinesische Empirie des
Behandelns nach europäischen bzw. schulmedizinischen Gesichtspunkten in ih-
rer Indikation, Intensität, Dosierung und in den Techniken zu verfeinern und zu
präzisieren. So kommt es, dass man wohlbekannte klinische Phänomene be-
92 Behandlungsmethoden der TCM

schrieben sieht, wenn man z.B. die muskulotendinären Gefäße studiert, die doch
so deutlich an die so genannten pseudoradikulären Phänomene erinnern” (Prof.
H. Tilscher, 1991).
Den Wirkungsmechanismus der chinesischen Massage können wir vereinfacht
in zwei Punkten zusammenfassen:
– Reflektorisches Geschehen: Der mechanische lokale Reiz bewirkt über den
nervalen und humoralen Weg eine segmentale Reaktion in Eingeweiden, Mu-
skulatur, Durchblutung etc.
– Lokale Veränderungen: Die Durchblutung, der Muskeltonus und der Stoff-
wechsel im erkrankten Bereich werden zur Regeneration und Normalisierung
angeregt.

Tuina als Prophylaxe


Das Programm von Shi Faqi (Hubei, China, Anmo&Daoyin 1/2002) kann als Rou-
tine-Programm für ältere Personen ab dem 50. Lebensjahr angewendet werden.
Es fördert den Stoffwechsel, verbessert die Abwehrkraft, die Durchblutung, die
Meridianzirkulation und den Appetit. In Rückenlage am Kopf beginnen, dann
Thorax, Abdomen, Arm ventral, Bein ventral. Am Bauch liegend zuerst Nacken,
dann Rücken, Lenden, Bein dorsal.
Die Griffe dazu sind: Reibung – Ca, Friktion – Rou, Greifen – Na, Schieben –
Tui, Klopfen – Chui, Klatschen – Pai, Walken – Gun, Kreisen – Yao, Schütteln –
Dou.
Kopf: Yintang (EX-HN 3), Taiyang (EX-HN 5), LG 20, G 1, M 1 (Touwei), G 20.
Thorax: KG 22, KG 17, KG 15, N 23, Le 14, KG 13, KG 12, KG 10, KG 8, KG 6,
KG 4, M 25.
Arm ventral: Di 11, Di 4, KS 3, KS 6.
Bein ventral: MP 12, G 34, M 36, MP 6.
Rücken, Lenden: Dingchuan (EX–B 1), B 13, B 15, B 18, B 19, B 21, B 23.
Arm dorsal: Dü 9, Dü 6, 3E 5.
Bein dorsal: G 30, G 31, B 50 (Chengfu), B 54 (Weizhong), B 57, B 60.

Qigong
Wie wir schon an einer früheren Stelle ausführten, bedeutet Qi Atmung, Vital-
energie, energetische Partikel und Funktion, Information und ist der Urbaustein
des Universums. Qi wird als extrem dynamisch verstanden, da es zwischen Ma-
terie und Energie hin und her gewandelt werden kann. Gong bedeutet das Üben.
Qigong ist also salopp ausgedrückt die chinesische Version des Yoga bzw. des
Autogenen Trainings.
Es gibt tatsächlich Ähnlichkeiten zwischen Qigong und den Yoga-Übungen. In
beiden Fällen spielt die Atmung eine Schlüsselrolle. Die drei Komponenten At-
mung, entspannte Körperhaltung und Meditation sind wichtig. Die TCM be-
schreibt dies so, dass durch diese Übung das Qi im Körper in Harmonie gebracht
wird. Qigong ist also geeignet, das vegetative Nervensystem, das endokrine Sys-
tem und das Immunsystem im Sinne einer Therapie, aber auch prophylaktisch zu
aktivieren.
Qigong 93

Wenn im Körper die Yin-Essenz (Yin Jing) und das Yang-Qi harmonisch und
stark sind, dann sprechen wir von starkem, aufrechten Qi (Zheng Qi). In solch
einem Fall kann negatives, exogenes Qi (Xie Qi) nicht in den Körper eindringen.
Durch Bewegung stärken wir das Yang-Qi, in Ruhe regeneriert das Yin-Qi. Des-
halb ist das Qigong seit langem eine wichtige Maßnahme der Gesundheitspfle-
ge. Ferner unterscheiden wir ein Qi im Inneren des Körpers (Nei Qi) und ein Qi
außen am Körper (Wai Qi). Das Wai Qi kann von bestimmten Personen (soge-
nannten Qigong-Therapeuten) aktiv abgegeben werden.
Über das Wesen des inneren Qi ist das Verständnis noch immer ein lücken-
haftes. Es gibt keinen analogen Begriff in der modernen Medizin. Jeder Körper
besitzt außen ein schwaches elektromagnetisches Feld. Die nachfolgend ge-
nannten Experimente aus China sind in ihrem Design nicht streng und in der Re-
produzierbarkeit unbefriedigend. Es ist immer noch nicht geklärt, ob das Waiqi
existiert und ob Suggestion wesentlich für den Therapieerfolg durch das Waiqi
eines Qigongmeisters ist. (Siehe Liu Tianjun, Stand des Qigong in Forschung und
Entwicklung, TCM-Universität Peking, in: Zhongyi jichu yxue zazhi, Vol. 3, No 6,
1997).
Es besteht jedoch kein Zweifel darüber, dass der Qigong-Therapeut eine gute
psychologische Schulung haben muss.
Eine moderne Untersuchung hat ergeben, dass, wenn ein Qigongmeister aus
seinen Händen, meist KS 8, Energie (Qi) abgibt, diese nur nach vorne bis zu
einer Entfernung von 3,5 m mit einer Geschwindigkeit von 20–50 cm/sec zu mes-
sen ist. Von der Rückseite des Qigongmeisters kann kein messbares Signal fest-
gestellt werden. Diese Strahlung von positiven und negativen Mikropartikeln,
kann ein Lasergitter von 60±2 mm, nicht aber eine Glaswand passieren. Bei
einem Qigong-Meister ist während seiner Aktivität die allmähliche Zunahme
(nach 3 bis 4 Min.) seiner Infrarotstrahlung zu messen, welche eine Erhöhung der
Hauttemperatur am Oberarm, Unterarm und der Hand um 0,7 Grad Celsius an-
zeigt. An der Handfläche kann die Temperatur sogar maximal 2 Grad Celsius hö-
her sein. Die Temperatur normalisiert sich nach Beendigung der Aktivität (= Kon-
zentration).
Die „Selbstakupunktur“ durch Atem- und Konzentrationsübungen ist in der
Praxis möglich, weil der Übende seine Gedanken bestimmten Körperzonen zu-
wendet. Schon vor mehr als 20 Jahren hat der Autor auf die Bedeutung und die
Techniken des Qigong zur Behandlung von chronischen Leiden aufmerksam ge-
macht.

Die drei Dan Tian


Die Dantian werden auch Zinnober-Feld (Nei Dan Tian, „Felder der inneren Wun-
der-Pille zum langen Leben“) genannt. Die innere Wunder-Pille kann durch spe-
zielle Qigong-Techniken im Körper selbst erzeugt werden. Die von außen dem
Körper zugeführte „Pille“ (die äußere Pille besteht aus chinesischen Arzneien)
wird als Wai Dan bezeichnet. Für die Konzentration beim Qigong sind drei Dan-
tian-Zentren besonders wichtig. Der oberste Dantian im Körper (Shang Dan Tian)
heißt Nie Wan; er entspricht dem Yin Tang (PdM). Der mittlere Dantian (Zhong
Dantian) heißt Zan Zhong; er entspricht dem KG 17. Der untere Dantian (Xia Dan
Tian) heißt Qihai; er entspricht dem KG 6. Die 3 Dantian sind die 3 Meditations-
(Energie)-Zonen beim Qigong. Der Qi-Kreislauf beginnt an der Nase, steigt vent-
94 Behandlungsmethoden der TCM

3 Cun tiefer v. PdM, oberes Dantian-Niwan, Kong Qiao,


Xing Gong, zu Li Qua, Feuer, Süd, Sommer, Mittag
zählend, hier ist das wahre Yin

3 Cun tiefer v. KG 17,


mittleres Dantian-Tan-Zhong

3 Cun tiefer v. KG 6,
unteres Dantian-
Qihai, das wichtigste
von den 3 Dantians

Li Gua, Feuer, Süd etc.


= Oberes Dantian

Kan Gua, Wasser, Nord etc.


= LG 4-Region, Ming Gong

Die drei Dan Tian und das Ba Gua

ral entlang des KG bis zum Beckenboden (KG 1), dann in der Wirbelsäule (LG)
aufwärts über Hinterkopf, Scheitel und wieder zur Nase. Die Zunge sollte leicht
an den harten Gaumen gedrückt werden, damit das KG und das LG sich schlie-
ßen. Den Beckenboden leicht zusammendrücken, damit sich das KG und das LG
schließen. Wer nicht einatmet ist tot. Die Niere kontrolliert unter anderem die At-
mung. Mit einer Atemübung/Qigong wird die Niere, die Lebensquelle gestärkt.
Qi-Bewegung im Kleinen Kreislauf (Xiao Zhou Tian): zwischen den Augen be-
ginnen, ventral des Körpers (KG) zum unteren Dantian (KG 6) bewegen, dorsal in
Region (LG 4) entlang des LG wieder zurück (aus: Qio Ling, Auswahl von Qi Gong
Praktiken in China <in Chinesisch>, Guangdong Keji Chubanshi, 1987).
Qigong erfordert besondere Vorsicht bei Schwangerschaft und während der
Menstruation. Absolut kontraindiziert ist es bei latenten und manifesten psycho-
tischen Erkrankungen.
Tai Ji Quan 95

Schattenboxen (Tai Ji Quan)


Diese Gesundheitsübung entstand etwa vor 500 Jahren in der Ming-Dynastie. Sie
ist besonders für den älteren Menschen geeignet. Schattenboxen kann als eine
ganz spezielle Form des Qigong angesehen werden. Dabei ist die Koordination
der komplexen, langsamen Bewegungsabläufe Kopf, Hände, Wirbelsäule, Beine
bei ruhiger Atmung und höchster Konzentration das Ziel der Übung. In der Be-
wegung wird die geistige und körperliche Entspannung und Ruhe gesucht. Durch
das gemeinsame Training werden die sozialen Kontakte positiv gefördert. (Ab-
bildung aus „Chinesisch Heilen“, von A. Meng/W. Exel im Österr. Kneippverlag,
2003) Zitat zu Abb. 58 bis 60. „Den Körper leicht nach rechts verlagern und auf
1 Uhr drehen. Das Gewicht wird auf das rechte Bein verlegt. Heben Sie nun die
rechte Hand, bis der Unterarm horizontal vor der Brust liegt. Die linke Hand be-
wegt sich gleichzeitig im Kreis nach unten, bis sie sich unter der rechten Hand
befindet, Die Handfläche liegen einander gegenüber, als ob sie einen Ball fest-
halten wollten. Den linken Fuß stellt man nun mit der Spitze neben den rechten.
Dabei auf die rechte Hand blicken.“
8 Das Meridiansystem

Das Meridiansystem ist ein effektives, praktisches Arbeitsmodell für die TCM. Der
Reiz von außen trifft auf die Rezeptoren des Organismus und wird als Nerven-
impuls im Nervensystem weiterverarbeitet. Dabei haben das vegetative Nerven-
system, das periphere Nervensystem, das endokrine System und das Meri-
diansystem eine sehr enge Wechselwirkung. Der Organismus antwortet auf eine
physiologische oder pathophysiologische Weise.
Eine plausible Hypothese einer Ausbreitung im ZNS ist: Die Ausbreitung einer
Sensation entsteht entlang des Meridianverlaufes im ZNS. Im Meditationszustand
tritt das Meridianphänomen leichter auf, oft auch spontan. Die Somatotopien der
verschiedenen Abschnitte des ZNS erlauben keine einwandfreie, kettenförmige
Verknüpfung der einzelnen Somatotopien mit dem Meridiansystem. Die Mor-
phologie des Meridiansystems und der Meridianpunkte ist bis heute nicht be-
kannt. Entweder sind die Strukturen noch unentdeckt, oder es sind uns bis heu-
te einige Funktionen alter, bereits entdeckter Strukturen nicht bekannt.
In jedem Meridianpunkt finden wir jedenfalls direkt (50%) und indirekt im Um-
kreis von 5 mm durchziehende Nervenfasern. Eine einfache wie auch moderne
Hypothese (Liu Liyuan, China 1997) besagt, dass die Meridiane sich in der Haut
befinden. Die Haarfollikel mit ihren überaus reichlichen nervösen, sympathischen
Versorgungen könnten also die morphologische Basis der Meridianpunkte dar-
stellen. An den Punkten verweilt das Qi (Zheng Qi, Xie Qi) und es ist dort kon-
zentriert, aber es wird nicht das Qi produziert oder gespeichert.
Auch die Arterien und Venen könnten die morphologische Grundlage des Me-
ridiansystems sein.

Die Funktionen des Meridiansystems


als Summationssystem
– das Blutgefäßsystem bildet den Schwerpunkt des Meridiansystems. Weiters
kommen hinzu
– das Lymphgefäßsystem
– das periphere Nervensystem und die peripheren Strukturen des vegetativen
Nervensystems (Sympathikus)
– das interstitielle Bindegewebe als unspezifisches Regulationssystem (nach Pi-
schinger) und der Muskelkette als funktionelle Einheit.
98 Das Meridiansystem

Qi/Xue-Zirkulation und die Übergänge der 12 Meridiane, ähnlich einem geschlossenen Blut-
kreislauf

In der Lunge 1. Hand Taiyin Lunge


Zeigefinger
2. Hand Yangming Dickdarm
Nase seitlich
3. Fuß Yangming Magen
Großzehe
4. Fuß Taiyin Milz
Im Herzen
5. Hand Shaoyin Herz
Kleinfinger
6. Hand Taiyang Dünndarm
Augenwinkel innen
7. Fuß Taiyang Blase
Kleinzehe
8. Fuß Shaoyin Niere
In Thorax
9. Hand Jueyin KS
Ringfinger
10. Hand Shaoyong 3E
Augenwinkel außen
11. Fuß Sjaoyang
Großzehe
In Lunge 12. Fuß Jueyin Leber

Es sind hier 12 Organe in der Reihenfolge ihrer Meridianverbindungen aufgezählt. Über ihre
Übergänge an den Händen und Füßen sowie am Kopf und Rumpf findet man hier Angabe.
Nur Yang-Meridiane sind am Kopf vertreten. Am Rumpf beginnen bzw. enden alle Yin-
Meridiane. In gleicher Zeile befindliche Meridiane bilden ein Yin/Yang-Paar (gekoppelte
Meridiane und Organe). Alle links in der Tabelle aufgezählten Organe bzw. Meridiane wer-
den zu Yin gerechnet. Die rechts in der Tabelle befindlichen Meridian und Organe sind dem
Yang zugeordnet. Die Bezeichnungen Taiyin, Yangming etc. geben die korrespondierende
Beziehungen zwischen „Hand und Fuß“ der Meridiane wieder.

Die Physiologie und Pathophysiologie des Meridiansystems


■ Der ganze Körper wird durch die Meridiane funktionell zu einer Einheit ver-
netzt.
■ Im Meridiansystem zirkulieren Vitalenergie (Qi) und Blut (Xue) zur Ernährung
des Körpers. Eine Stase der Zirkulation kann Schmerzen und Dysfunktion zur
Folge haben.
Die Physiologie und Pathophysiologie des Meridiansystems 99

■ Das Meridiansystem kann auf Reizstimulation reagieren und Information (Qi)


transportieren (Cutivisceral-Viscerocutane Reflexbeziehungen).

Diagnose
Im Verlauf eines Meridians können wir mittels Druck, Temperaturmessung, elekt-
rischer Hautwiderstandsmessung, Palpation etc. seine unterschiedliche Sensibi-
lität feststellen. Zur Befunderhebung kennen wir eine Reihe von sehr bewährten
Spezialpunkten, wie Alarmpunkte, Zustimmungspunkte, Quellpunkte etc. Diese
stimmen in der Lokalisation sehr oft mit den Triggerpunkten, den Headschen Zo-
nen etc. überein. Wir können die Lokalisation der Triggerpunkte sehr leicht mit
den Meridianpunkten dokumentieren und praktisch verwenden.

Richtung in den Meridianen


Alle 12 Hauptmeridiane und die 2 Wundermeridiane Lenkergefäß (LG) und Kon-
zeptionsgefäß (KG) verlaufen parallel zur Körperachse. Die TCM sieht das Meri-
diansystem immer als eines von 2 Einheiten: ein Blut führendes Gefäß (etwa die
Blutgefäße) und ein Qi führendes Gefäß (die nervöse Verbindung in der Gefäß-
wand, in den Haarfollikeln, im Sympathikus etc.). Die Erforschung des Meridian-
systems als Blutgefäßsystem ist mangels weiterer anatomischer Untersuchungen
verkümmert. Die Betrachtung des Meridians als Qi leitende Energiebahn hat sich
deshalb durchgesetzt.
Daher haben die Qigong-Techniken auch so viele verblüffende Beziehungen
zum Meridiansystem.
Die chinesischen Namen der Punkte kann sich der Europäer schwer merken
und gar nicht in chinesischer Schrift schreiben und lesen. Deshalb hat vor mehr
als 50 Jahren Prof. Bischko die Nummerierung der Meridianpunkte aus Frank-
reich übernommen. Die Reihenfolge der Nummern erfolgt nach der Aufzählung
in klassischen chinesischen Texten. China hat erst im Januar 1991 eine offizielle
Standardnomenklatur der Akupunkturpunkte herausgegeben. Diese zeigt nur ge-
ringe Abweichungen zu der bisherigen europäischen Nomenklatur.

1. Die Richtung der Nummerierung der Meridianpunkte. Wir können leichter die
Punkte lernen.
2. Die Richtung des Energiestromes (Qigong, Deqi). Der Energiestrom folgt den
Meridianbahnen, aber nicht nur in einer Richtung und nicht der Zickzacklinie
der Punktverbindungen.
3. Die Flussrichtung der Meridianenergie bedeutet für die klassische Version der
Massage die therapeutisch interessante Richtung. Massieren in Richtung der
ansteigenden Punktnummern ist Tonisierung, in absteigenden Punktnummern
massieren bedeutet Sedierung.
4. Im Qigong ist immer zu beobachten, dass das Qi stets von den Yang-Meridia-
nen (Hände und Füße) ausgehend, aber entlang der Yin-Meridiane (Hände,
Füße) zum Rumpf zurück läuft. Das bedeutet, Yang-Meridiane sind immer zent-
rifugal (vom Herzen weg) und Yin-Meridiane zentripetal (zum Herzen). Im Qi-
gong steigt das Qi (ein subjektives Empfinden des entspannenden Wärmeflus-
ses) im KG (Konzeptionsgefäß) nach caudal, im LG (Lenkergefäß) nach kranial.
100 Das Meridiansystem

An den Extremitäten fließt das Qi bei Qigong entlang der Yin-Meridiane zum
Rumpf zurück, aber viel langsamer als im KG oder LG.
5. Die antiken Punkte, die Vitalenergie und das Blut kreisen Tag und Nacht
50-mal. Das entspricht einer Periode von 28,8 Minuten. In Experimenten zei-
gen die Wirkungen der Akupunktur auch annähernd diesen Rhythmus. Die
Wirkung einer Behandlung ist nicht geradlinig – ein auf und ab ist physiolo-
gisch bedingt. Der Körper muss sich nach der Therapie neu einpendeln. Die
Wirkung einer Behandlung trifft immer den ganzen Organismus.
Sonst breitet sich die Meridiansensation (Deqi, Wärme, Schwere etc.) etwa 12 m
pro Minute aus. Die A-delta Fasern, die Leiter für Schmerz und den Temperatur-
sinn haben eine Ausbreitungsgeschwindigkeit von etwa 12–30 m pro Minute.
Die Meridiane und die zugehörigen Punkte befinden sich immer in einer (Mu-
skel-) Rinne bzw. Vertiefung.
Alle oberflächlich zu sehenden Venen gehören zum Sekundärsystem des Me-
ridians.
Meridian (und die Meridianpunkte) sind Orte mit deutlich niedrigerem Haut-
widerstand als die Umgebung. Solche elektrisch vorzüglichen Hautzonen können
wir mit einem Messgerät finden und gezielt therapeutisch angehen.

Die Verteilung der 12 Meridiane an den Extremitäten in der Querschnittsansicht

Vorne, ventral

Yang Ming Tai Yin

Außen Shao Yang Mitte lateral Jue Yin Innen


Yang Ying

Tai Yang Shao Yin


Hinten, dorsal

Der Qi-(Vitalenergie) und Xue (Blut)-Fluss in den 14 Meridianen

1. Taiyin der Hand, Lunge 2. Yangming der Hand, Dickdarm

14. KG 4. Taiyin des Fußes, Milz 3. Yangming des Fußes, Magen

5. Shaoyin der Hand, Herz 6. Taiyang der Hand, Dünndarm

8. Shaoyin des Fußes, Niere 7. Taiyang des Fußes, Blase


13. LG
9. Jueyin der Hand, KS 10. Shaoyang der Hand, 3E

12. Jueyin des Fußes, Leber 11. Shaoyang des Fußes, Gallenblase
Vitalenergie (Qi)
9 und Blut (Xue)

Qi
Das Qi ist in der TCM die Ursubstanz des Universums. In der chinesischen Um-
gangssprache steht Qi auch für die Luft, die Atmung, den Wind, eine Form von
Kraft, den Geist etc. Es gibt auch einen Spruch: „Der noch einen Atemzug hat, der
lebt noch; der Geist hat ihn noch nicht verlassen“. In der TCM ist der Begriff Qi im
Laufe der Jahrtausende vielfältiger geworden. Qi bezeichnet sowohl etwas Fein-
stoffliches, als auch die Information, die Vitalität, die Atmung und Physiologie.
Eine Liste der Bedeutungen von Qi:
– Wind, Regen, Wolken, Nebel, Rauch, Dampf.
– Das Atmungs-Qi wird zum Lebens-Qi erweitert.
– Das Essen von Nahrung wird als Jing-Qi bezeichnet.
– Die Kraft der Gedanken, Emotionen und des Willens.
– Alle unerklärlichen Phänomene und die Erkenntnisse über Teufel, Geister und
Götter.
– Beschreibung vom Ursprung und der Genesis des Universums.
Die TCM unterscheidet Qi in Form von Yin und Yang. Durch einen Umwand-
lungsvorgang (Qi Hua, auch die Stoffwechselphysiologie der TCM verstanden)
entstand alles in dieser Welt – auch der menschliche Organismus. Yin/Yang und
die 5 Elementelehre (Wuxing) beschreiben die Bewegungsformen des Qi. Der
Funktionskreis bzw. die Physiologie eines Organs (Zangxiang) ist der Umwand-
lungsvorgang (Qi Hua) des menschlichen Organismus. Die Ätiologie einer Er-
krankung ist nach der TCM eine Störung der Qi Hua-Funktion. Das Qi wird in
Yin/Yang-Bestandteile eingeteilt.
Die Dynamik der Vitalenergie (Qi Ji) wird in 2 Punkten beschrieben:
1. Funktionelle Aktivität der Vitalenergie (Qi Ji). Hier ist die Leber (Gan)haupt-
verantwortlich. Die Organbegriffe der TCM repräsentieren eine physiologische
Einheit ohne exakte morphologische Struktur. Das bedeut für den Europäer,
dass die TCM-Physiologie der Leber nahezu völlig anders ist, als die Leber der
modernen westlichen Medizin. Diese Bemerkung gilt für sämtliche Begriffe der
TCM.
2. Zirkulation und Transformation der Vitalenergie (Qi Hua = Stoffwechselphy-
siologie). Hier ist das Nieren-Shen hauptverantwortlich.
Qi Ji beschreibt die Bewegung des Qi im Meridiansystem und in den Organen:
auf, ab, nach außen und nach innen. Es bewegen sich, es fließen das Yin (Nähr-
stoffe), Xue (Blut), Jin Ye (Körpersäfte) zwischen Kopf und Fuß sowie zwischen
102 Vitalenergie (Qi) und Blut (Xue)

den Organen. Das klare Qi steigt auf, tritt aus dem Körper, das trübe Qi steigt ab
und zieht sich nach innen. So ist Qi Ji die Beschreibung der TCM-Physiologie.
Das Qi Ji des Herzens und der Lunge steigt ab; das Qi Ji der Milz steigt auf und
jenes, des Magens steigt ab. Qi Ji von Leber und Niere steigen auf. Der Magen
und die Milz sind in der Mitte des Körpers, daher besitzen sie die Funktion eines
zentralen Verteilers. Die Leber ist dem Wind und dem Holz zugeordnet. Die Le-
ber hat ihrer Funktion nach Yang-Charakter. Die Leber bedarf des Yin der Niere
und des Bluts für ihre geregelte Funktion. Sonst steigt das Yang der Leber zu hef-
tig aufwärts, die Folge sind Vertigo, rote Augen, Zornausbrüche etc. Das Feuer
des Herzens muss ausreichend nach unten absteigen, um die Niere zu wärmen,
sonst treten Harmoniestörungen zwischen Niere und Herz auf, mit Syndromen
eines Yin-Mangels der Niere: Schlafstörung, lebhafte Träume, Aphtose.
Im Laufe der Jahrtausende hat diese Lehre des Qi negativ auf die Weiterent-
wicklung der TCM-Theorie gewirkt. Die nicht notwendige strukturelle Zuord-
nung bedeutet auch eine enorme Individualität in der Auffassung, Beschreibung,
Zuordnung und Behandlung von Krankheiten. Eine verbindlicher, objektiver diag-
nostischer Standard fehlt bis heute in der TCM. Qi wurde in der TCM als etwas

Die 4 Hauptformen des Qi

Formen des Qi Entstehung Physiologische Funktion

QUELLEN-QI Entsteht im unteren Vom unteren 3E in den ganzen Körper verteilt:


YUAN QI 3E aus der Erbanlage, im Körperinneren zu den Eingeweiden und
Niere angeborene Essenz, an der Körperoberfläche zu den Muskeln.
Shen Jing (Essenz Es regt die Eingeweidefunktionen an und
der Niere) und wird fördert sie.
ständig durch die
erworbene Essenz
aus der Nahrung
ergänzt.
ATMUNGS-QI Entsteht im oberen Nahrungs-Qi und Atmungs-Qi vermischen
QINGQI 3E durch die Atmung, sich; es entsteht das Ying Qi, welches im
bzw. Zong Qi Aufnahme von reinem Meridian kreist, sich im Mediastinum = KG 17
Lunge Qi (Sauerstoff) und (auch das obere Meer der Energie, Shang-
durch die Ausatmung qihai genannt) versammelt, zum Pharynx
von unreinem Qi gelangt, die Atmung fördert, das Herz durch-
(Kohlendioxyd). quert und die Qi Xue-Zirkulation fördert.
NAH- Entsteht durch die Ist „rein und weich“. Es gelangt zur Lunge
RUNGS-QI Verdauung im und von hier kreist es innerhalb des Meridian-
YING QI mittleren 3E. systems und wird ein Teil des Blutes. Es ernährt
Milz/Pank- den ganzen Körper (entspricht den Nährstoffen
reas, Magen und dem Sauerstoff im arteriellen Blut).
ABWEHR-QI Entsteht durch die Ist „schnell und scharf“. Es gelangt zur Lunge
WEI QI Verdauung im mitt- und von hier umkreist es (außerhalb) das
leren 3E. Meridiansystem. Es erwärmt die Eingeweide,
die Muskulatur und die Haut, reguliert die
Schweißsekretion und schützt die Körper-
oberfläche gegen negative äußere Einflüsse.
Es hat eine ähnliche Funktion wie der
Sympathikus.
Blut 103

Materielles angesehen, aber zugleich ist es auch form- und strukturlos. Das Qi
kann in verschiedenen Formen in Erscheinung treten, so z.B. in Form von den
5 Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Holz kann in Feuer überge-
hen, Feuer kann wieder in Erde etc., die Vitalenergie kann in Blut, und Blut kann
in Vitalenergie übergehen.

Allgemeine Physiologie und Pathophysiologie des Qi

Hauptfunktion Physiologische Bedeutung

Antriebsfunktion Anregung und Förderung des Wachstums, der Organfunktion,


Antrieb des Meridians, der Bluterzeugung und -zirkulation
sowie des Stoffwechsels der Körpersäfte.
Erwärmungsfunktion Yang-Qi erzeugt Wärme, Erhaltung der Körpertemperatur,
„Erwärmung der Eingeweide und Meridiane“, garantiert die
Zirkulation des Blutes und der Körpersäfte.
Abwehrfunktion Wei Qi schützt die Haut, Ableiten von Noxen nach außen und
Schutz vor dem Eindringen von exogenen Noxen nach innen.
Zusammenhaltende Zusammenhalten von Blut, Schweiß, Speichel, Magensaft,
Funktion Darmflüssigkeit und Samen; Halten der Wundermeridiane
Chongmai und KG; Beibehaltung der Position von Organen in
ihrer Körperlage; Kontrolle der Ausscheidung des Stuhls und
des Urins; Kontrolle der Monatsregel.
Ernährende Funktion Die Stofflichkeit des Qi ernährt den Körper und die Eingeweide.
Qi Hua Funktion Förderung der Umwandlung von Feinstoffen (Jing, Qi, Xue,
(Stoffwechsel- Jin Ye) im Körper; mit Qi Hua ist auch allgemein die Dynamik
physiologie) und Änderung des Qi gemeint. Infolge des Qi Hua entstehen
die 6 bioklimatischen Qi (Wind, Hitze, Wärme, Feuchtigkeit,
Trockenheit und Kälte). Alle Lebenserscheinungen der Natur
entstehen aus den regulären Klimaänderungen.

Über die Funktionsrichtung der Organe


Allgemein gesagt, folgen die Organe der Qi-Funktionsrichtung in entgegenge-
setzter Richtung: Yang-Organe (Hohlorgane) zeigen die Funktionsrichtung (z.B
des Verdauungsbreis) nach unten, Yin-Organe (parenchymatöse Organe) zeigen
eine Qi-Richtung nach oben. Die Funktion der Organe (Zang Xiang) ist untrenn-
bar mit der Funktion des Meridiansystems (Jingluo) verknüpft. Nur der lebende
Organismus zeigt die Phänomene Jingluo und Zangxiang. Der Zeitfaktor kenn-
zeichnet das Leben. Auch in der Yin/Yang-Lehre und der 5E ist die Zeit die wich-
tigste Verbindung und Erscheinungsform. Das Qi und die Zeit sind das unsicht-
bare Verbindungsglied zum Meridiansystem, Organsystem, Yin/Yang und 5E (Sie-
he Liu Changlin, China, 2000).

Blut
Der chinesische Ausdruck für Blut: Xue entspricht in etwa dem schulmedizini-
schen Begriff.
104 Vitalenergie (Qi) und Blut (Xue)

Entstehung und Kreislauf

Nahrung Milz/Magen Herz Lunge Haut

aus dem ganzen Körper

Xue entsteht unter Mitwirkung von Magen und Milz aus den Nährstoffen der
Nahrung. Xue gelangt aufwärts zur Lunge und mischt sich hier mit den Stoffen
aus der Atemluft (O2). Durch den Einsatz von Lunge und Herz gelangt diese Mi-
schung in das „Meridiangefäßsystem“.

Störungen des Blutes


Symptome: Gelb fahle Gesichtsfarbe, trockene, welke Haut, Parästhesie der Ext-
remitäten, Bewegungseinschränkung der Glieder etc. Blut ist die materielle Ba-
sis der Psyche. Aus langjähriger klinischer Erfahrung wissen die Ärzte der TCM,
dass bei Vorliegen einer Blutarmut (Xue Xu, Anämie) psychische Störungen auf-
treten, wie Ängstlichkeit, Schlafstörung, lebhafte Träume und innere Unruhe etc.
Da das Blut wichtig für die Ernährung der Organe ist, kann es, wenn das Blut im
Herzen mangelt, zu Schlafstörungen kommen. Wenn der Mangel an Blut im Dick-
darm vorkommt, dann kann Obstipation daraus werden. Wenn der Blutverlust
noch stärker ist, treten Gereiztheit, Somnolenz, Manie, Koma etc. auf. Zwei Kräf-
te sind wichtig für die normale Blutzirkulation: Die eine ist der Antrieb von Herz
und Lunge, die andere der „verteilende Aspekt der Leber“.
Blut 105

Einige Qi/Xue-Syndrome (Zheng)

Syndrom Klinik Puls Zungen- Zungen- Gesicht Therapie


Körper belag

Qi-Mangel müde, lustlos, kraftlos blass, dünn blass Qi stärken: tonisierende


allgemein untertags schlaff leuch- Technik, Moxa.
Schweißaus- tend KG 4, 6, M 36, MP 6.
brüche durch Milz und Magen (post-
mangelnde partales Qi) stärken:
Porenkontrolle B 20, KG 12.
Yang(qi) müde, lustlos, kraftlos, blass, dünn blass, Basis stärken –
Mangel kalte Hände, langsam feucht leuch- Nieren-Yang! Tonisieren,
Füße tend Moxa.
Yin(qi) müde, nicht kraftlos, rot, dünn blass, Moxa verboten!
Mangel belastbar, schnell dünn oder rote Niere stärken, tonisieren:
kraftlose Un- fehlt Wangen KG 6, KG 3.
ruhe, Nacht- organspezifisch: B 23, N 3.
schweiß, „5
heiße Herzen“
Blut- müde, man- leer, blass dünn blass, Blut stärken: B 17, MP 10.
Mangel gelndes rauh glanzlos MP und M stärken: M 36,
Selbstwert- B 20, M 36.
gefühl, Zittern,
Unruhe
Jing- Angeboren: dünn unchar. unchar. ev. Miss- Erworbene Form:
Mangel Entwicklungs- bildung Niere stärken, Knochen
Mangel an störungen; er- und Mark stärken, Qi
Essenz der worben: Se- stärken.
Niere nium, Steri-
lität, Alzhei-
mer Krankheit,
vaskuläre
Demenz
Qi-Stau Spannungs- ev. unchar. unchar. schmerz- Qi bewegen/stärken: M 36,
gefühl, wan- gespannt verzerrt KG 3, 6.
dernde Schmer- Meridiane: QuP u. AP des
zen/Kolik Organs
Hohlorgane: untere He-P
des Organs.
Blut-Stau fixierte gespannt purpur unchar. rot-blau Einfluss auf Blut: B 17,
Schmerzen, MP 10. Qi und Blut
Knoten, mobilisieren: M 36, KG 6.
Tumore Bluten lassen: B 54, Lu 5.
Moxa lokal.

QuP = Quellpunkt
AP = Alarmpunkt
He-P = He-Punkt
10 Organphysiologie

Organphysiologie (Zangxiang) und das philosophische Modell der 5 Elemente-


lehre sind weitere Arbeitsmodelle der TCM. Das Modell basiert auf Analogie, d.h.
Organfunktion und Organstörung werden mit dem Körper als Mikrokosmos so-
wie dem Universum als Makrokosmos verglichen. Dabei spielen die 5 Elemente
nur als Symbole eine Rolle. In der Organlehre der TCM spielen die 5 Elemente,
die Vier Jahreszeiten und die 5 Himmelsrichtungen eine gleich wichtige Rolle.
Ältere Darstellung, z.B. Lushi chunqiu, haben folgende Entsrechungen: Lunge –
oben – Feuer, Milz – Links – Holz, Herz – Mitte – Erde, Leber – Rechts – Metall
und Niere – unten – Wasser.
Im späteren Neijing (Lehrbuch der Inneren Medizin) haben die Autoren eine
Korrektur der Organposition im Körper vorgenommen, um mit der 5 Elemente-
lehre übereinzustimmen: Leber – links – Osten, Lunge – rechts – Westen, Milz –
Mitte, Niere – unten – Norden, Herz – oben – Süden. Das Lungen-Qi kann rechts,
wie die im Westen untergehende Sonne, absinken. Das Leber-Qi kann links, wie
die im Osten aufgehende Sonne, aufsteigen. In den späteren Kapiteln werden wir
noch öfters auf die 5 Elementelehre eingehen.

Die Organe der TCM (Zangxiang) entsprechen anatomisch nicht der westlichen
Medizin. Vier Besonderheiten kennzeichnen die TCM-Organe:

– Sie sind verschwommen und ungenau in ihrer Topographie.

– Es wird nur von der Physiologie, aber nicht von der Struktur der Organe ge-
sprochen.

– Jedes Organ in der TCM umfasst Funktionen vieler uns vertrauter Systeme.

– Die Verbindungen der Organe sind vielfältiger Art. Eine Hypothese besagt,
dass die Schwingungen der Organe wie ein Orchester sind, man kann die
Position des einzelnen Instruments nicht genau bestimmen, sie ist verschwom-
men. Die Schwingungen einzelner Organe folgen einem Biorhythmus und sie
interferieren miteinander, die Physiologie ist feststellbar, aber Biorhythmus und
Schwingungen sind in den alten Zeiten nicht nachweisbar. Jede Schwingung
in unserem Körper kann nicht alleine existieren. Daher formuliert die TCM die
Verknüpfungen der Organe im Körper so komplex (Siehe Wu Guoxing, 1998).
108 Organphysiologie

Hirn – Suihai

Ösophagus
Bronchien
Lunge
Lunge
Herz
Zwerchfell
Zwerchfell

Milz Leber
Magen
Dünndarm
Gallenblase
Nabel

Dickdarm Niere

Rectum
Ausgänge für
Urin und Samen Anus

Die fünf Zang- und sechs Fu-Organe Yang Jizhou, „Zhenjiu dacheng“, Ming-Dynastie (1601)

Herz (Xin)
Shen (Geist) ist das äußere Zeichen aller Lebensaktivitäten und Ausdruck der Or-
ganfunktionen. Aus der geistigen Ausstrahlung, der Motorik, der Gesichtsfarbe,
dem Blick, der Körperhaltung, dem Sprechen, der Atmung und den Reaktionen
auf äußere Reize können wir den Zustand des Geistes beurteilen. Eine andere
Funktion des Herzens ist die als Pumpe des Blutkreislaufes. Im Komplex des Kör-
pers ist die Rolle des Herzens dem König im Staat vergleichbar.

Hauptfunktion Bedeutung für Physiologie Bedeutung für Pathophysiologie

Das Herz 1. Blutzirkulation, Xing Xue: Bei Mangel an Qi des Herzens


beherrscht das Das Qi des Herzen treibt das (Yin Qi Bu Zu): Blutmangel,
Blut und die Blut ins Blutgefäß. Gesichtsblässe, Puls dünn, kraft-
Gefäße 2. Blutbildung: Nützliches aus los, Stagnation von Blut und Vital-
(Xin Zhu der Nahrung wird durch das energie (Xue Yu Xie), Behinderung
Xue Mai) Feuer des Herzens zu Blut. der Blut-Qi-Zirkulation: Gesicht
grau, Zungen- und Lippenzyanose,
Herz- und Brustschmerzen, Puls
knotig (Jie) etc.
Das Herz 1. Sorgt für die Aufnahme von Abnorme Psyche und Emotionen,
beherrscht den Eindrücken, beherrscht die verworrene Gedankengänge, träge
Geist (Shen) und geistigen Aktivitäten: klare Reaktion.
den Willen (Zhi) Gedanke, rasche Reaktion. „Wenn der König nicht in Ordnung
(Xin Zhu 2. Kontrolliert die Aktivität aller ist, droht seinen 12 Ministern auch
Shen Ming) Eingeweide. „Wenn der König Gefahr.“
in Ordnung ist, dann herrscht Organfunktionen verlaufen
auch Frieden bei seinen disharmonisch.
Untertanen
Lunge 109

Die Verbindung des Herzens mit dem Körper und den Sinnesorganen

Hauptbeziehung Bedeutung für Physiologie Bedeutung für Pathophysiologie


Das Herz Das Herz reguliert die Blut- Störung der Blutzirkulation.
beherrscht das gefäße; es ist die Schlüsselstelle
Blut und die der Blutzirkulation; das Qi des
Gefäße. Herzens (Xin Qi) ist die
Antriebskraft der Blut
zirkulation.
Die Physio- Im Gesicht sind reichlich Blut- Mangel an Qi des Herzens
logie der gefäße, daher gibt die (Xin Qi Bu Zu), Mangel an Blut im
Herzfunk- Gesichtsfarbe einen Hinweis Herzen: Gesicht blass, glanzlos.
tion äußert auf Hyper- oder Hypofunktion Bei Stagnation der Herzgefäße
sich im Gesicht. des Herzens. (Xin Mai Yu Zu): Gesichtszyanose.
Die Physiologie Das große Sekundärgefäß und Bei Störung der Blutzirkulation:
des Herzens das muskulo-tendinäre Gefäß ZK-Farbe abnorm, blass, dunkelrot,
äußert sich an versorgen die Zunge. Wenn zyanotisch, blaue Flecken.
der Zunge. das Qi und das Blut ausreichend Psychische Störungen: z.B. unver-
vom Herzen zur Zunge gelan- ständliches Sprechen im Rahmen
gen, dann ist der Zungenkörper einer cerebralen Durchblutungs-
(ZK) rosa, feucht und frei störung, Sprechen in der Verwirrt-
beweglich, der Geschmackssinn heit bei organischem Psychosynd-
normal, das Sprechen flüssig. rom, Wortinhalte eines Schizo-
phrenen etc. Zunge unbeweglich
(She Qiang), Dysphasie, Aphonie.

Lunge (Fei)

Hauptfunktion Physiologie Pathophysiologie

Die Lunge be- 1. Die Lunge beherrscht die At- 1. Störung der Atmung: Druck in
herrscht das Qi mung; reines Qi = Atmungs-Qi der Brust, Husten, Kurzatmigkeit.
(Fei Zhu Qi). wird aufgenommen, unreines 2. Mangel an Qi (Qi Xu Bu Zu):
Qi wird ausgeatmet. Die ge- wortkarg und kraftlos, leise Stim-
sunde Lunge ist die Vorausset- me, schreckhaft, kraftlose At-
zung der Qi Hua-Funktion, mung, kraftlose Extremitäten.
d.h. des Stoffwechsels.
2. Die Lunge beherrscht das Qi
im ganzen Körper: das At-
mungs-Qi und das Nahrungs-
Qi vereinigen sich im Thorax
zu Zong Qi. Dieses steigt auf
und kontrolliert die Atmung.
Es gelangt zu den Gefäßen und
treibt das Qi Xue überall in den
Körper und ernährt so diesen.
Die Lunge be- Die Lunge ist die obere Quelle, Störung im Wasserhaushalt und in
herrscht die Was- sie reguliert die Wasserwege, sie der Wasserausscheidung: Wasser-
serzirkulation. beteiligt sich an der Regulation stau im Körper (Tan Yin, Ödeme).
des Wasserhaushaltes.
110 Organphysiologie

Hauptfunktion Physiologie Pathophysiologie

Blutzirkulation Die Lunge assistiert dem Herzen Störung der Blutzirkulation, Dishar-
beginnt in der bei der Kontrolle der Blutzirkula- monie von Qi Xue zwischen Lunge
Lunge und führt tion. Eine Beziehung des Qi der und Herz.
zu allen Gefäßen. Lunge (Fei Qi) und des Blutes
(Qi Xue) ist gegeben.
Die Lunge be- 1. Die Lunge beherrscht das Ver- 1. Störung der Atmung.
herrscht das Ver- teilen von Nährstoffen (Xuan 2. Störung des Wasserhaushaltes.
dampfen (Xuan Fa) und von Körperflüssigkeit 3. Störung der Qi-Xue-Zirkulation.
Fa) und die Rei- (Jin Ye). Einatmen von reinem
nigung, Deszen- Qi, ausatmen von unreinem Qi
denz (Su Jiang). reguliert das Öffnen und
Schließen der Hautporen.
2. Die Lunge beherrscht die Be-
seitigung von Fremdstoffen,
die Reinhaltung des Atemwe-
ges (Su Jiang). Z.B. Schlacken-
stoffe
der Verdauung in Form von
Urin und Kot. Hier beschreibt
die TCM bildhaft die Beteili-
gung der Lunge an solchen
Prozessen.
Die Lunge be- 1. Die Lunge beherrscht die Störung der Atmung, des Wasser-
herrscht die Re- rhythmische Ein- und die Aus- haushaltes und der Blutzirkulation.
gulation (Fei Zhu atmung.
Zhi), wodurch 2. Die Lunge beherrscht das Qi
eine normale Be- des ganzen Körpers (Qi Ji).
wegung des 3. Die Lunge assistiert dem Her-
Qi (Qi Ji) gege- zen in der Regulation und im
ben ist. Antrieb der Blutzirkulation.
4. Die Lunge reguliert den Was-
serhaushalt.

Lunge und Körperöffnungen

Hauptbeziehung Physiologie Pathophysiologie

Die Lunge be- Die Lunge verteilt das Verteidi- Bei Schwäche und Leere des Lun-
herrscht die Haa- gungs-Qi-(Wei Qi), transportiert gen-Qi, wenn Wasser und Essenz
re und die Haut. die Essenz zur Haut, reguliert nicht verteilt werden, die äußere
die Körpertemperatur und die Verteidigung daher nicht stabil ist:
Atmung, erwärmt und befeuch- Trophische Störung von Haut und
tet Haut und Muskulatur, sorgt Haaren, Schwitzen ohne Grund,
für Schweißsekretion, Abwehr man verkühlt sich leicht; diese Stö-
der äußeren Noxen (Wai Xie). rung breitet sich nach innen aus
(Fei Qi Bu Xuan).
Die Lunge hat in Wenn das Qi der Lunge (Fei Qi) Gestörte Lunge-Qi Passage: Nasen-
der Nase ihre freie Passage hat, dann ist die rinnen, Anosmie, gestörte Atmung.
Öffnung. Atmung gleichmäßig, die Nasen-
atmung ist frei und der Geruchs-
sinn ist normal.
Milz 111

Hauptbeziehungen Physiologie Pathophysiologie

Die Lunge be- Der Pharynx ist die Eintrittspfor- Störung der Stimme, Heiserkeit,
herrscht die Stim- te der Atmung und Ort der Pho- Aphonie.
me. nation, die Lunge ist also das Tor
der Stimme.

Milz (Pi)

Hauptfunktion Physiologie Pathophysiologie

Die Milz be- 1. Die Milz sorgt für Transport 1. Resorptionsstörung: kann wenig
herrscht die Ver- und Umwandlung von Nah- essen, Meteorismus, dünner Stuhl,
teilung (Yun rung und von Körpersäften; sie fahl gelbe Gesichtsfarbe, Mager-
Hua). ist die Grundlage des Lebens keit.
und die Quelle von Qi-Xue. 2. Störung des Wasserhaushaltes:
2. Sie sorgt für Transport und Tan Yin, Ödem, Diarrhö.
Umwandlung von Wasser: Re-
sorption, Transport, Ausschei-
dung von Flüssigkeit, Erhal-
tung des Gleichgewichtes im
Wasserhaushalt.
Die Milz erzeugt 1. Blut wird in ausreichender 1. Zu wenig Blut wird erzeugt: Blut-
und beherrscht Menge erzeugt. leere (Xue Xu).
das Blut (Pitong- 2. Blut bleibt in der Zirkulation 2. Kontrollverlust über das Blut: Hä-
xue). des Meridiansystems. morrhagie.
Die Milz be- 1. Nährstoffe (Qing) und Körper- 1. Nährstoffe werden nicht trans-
herrscht die säfte (Jin) werden zum Her- portiert, Qi-Xue verliert ihre
Aszendenz zen, zur Lunge, zum Kopf, zum Quelle der Erzeugung von Nähr-
(Shengqing). Mund und zum Auge (Aszen- stoffen:
denz) transportiert. Rachen- und Mundtrockenheit.
2. Erhaltung der stabilen Posi- 2. Qi-Mangel der Milz (Pi Qi Xu):
tion der Organe im Körper. Ptose, Prolaps von Organen, chro-
nische Diarrhö etc.

Milz und Körperöffnungen

Hauptbeziehung Physiologie Pathophysiologie

Die Milz be- Wenn das Qi der Milz gesund ist Wenn das Qi der Milz nicht in Ord-
herrscht die Mu- und eine gute Ernährung vor- nung ist und Mangelernährung vor-
skulatur und die liegt, dann ist die Muskulatur liegt, dann kommt es zu Muskela-
Extremitäten. voll, kräftig, die Extremitäten trophie, schlaffem Tonus, Extremitä-
sind in der Bewegung geschickt ten ermüden leicht bis hin zur Apra-
und kräftig. xie.
Die Funktion der Wenn das Qi der Milz gesund Wenn das Qi der Milz nicht in Ord-
Milz sehen wir und Qi-Xue reichlich vorhanden nung ist und Mangel an Qi-Xue vor-
am Glanz der ist, dann sind die Lippen gut liegt, dann sind die Lippen blass,
Lippen. durchblutet, glänzend und voll. gelb und welk.
112 Organphysiologie

Hauptbeziehung Physiologie Pathophysiologie

Die Milz hat Wenn das Qi der Milz gesund Wenn das Qi der Milz nicht in Ord-
ihre Öffnung am ist, dann ist der Appetit gut und nung ist, dann hat das geringen
Mund. der Geschmackssinn normal. Appetit und einen abnormen Ge-
schmack im Mund zur Folge.

Leber (Gan)

Hauptfunktion Bedeutung für Physiologie Bedeutung für Pathophysiologie

Die Leber be- 1. Die Leber reguliert die Emo- 1. Emotionale Störungen: leicht
herrscht den tionen, die Ausgeglichenheit zornig und aufbrausend, de-
freien Fluss, die der Psyche. pressiv, freudlos.
Verteilung und 2. Sie fördert die Verdauung 2. Verdauungs- und Resorptionsstö-
das Absteigen und Resorption: Ausge- rung: Störung in Aszendenz und
(Shu Xie). glichenheit zwischen Magen Deszendenz von Milz und Ma-
(Deszendenz) und Milz gen, Störung in der Gallensaft-
(Aszendenz, normale Sekre- sekretion und -ausscheidung.
tion und Ausscheidung des 3. Störung in der Zirkulation von
Gallensaftes). Qi Xue: Qi-Stagnation (Qi Xie),
3. Sie reguliert die Blutzirkula- Blutstau (Xue Yu), Störung im
tion. Wasserhaushalt.
Wenn das Qi stagniert (Qi Xie),
dann steht auch das Wasser.
Dies hat Tan Yin (viel Sekret)
und Ödembildung etc. zur Folge.
4. Störung im Wundermeridian
Chongmai und Renmai-KG: Er-
krankungen im Meridiansystem
im Monatszyklus, während der
Gravidität und bei der Geburt.
Die Leber kont- 1. In der Leber wird das Blut Mangel an Leberblut, Mangel an
rolliert die Blut- gespeichert: Kontrolle des Le- Blutflüssigkeit: Sehnen und Augen
speicherung ber-Yang, Verhinderung von werden schlecht ernährt.
(Cang Xue). Hämorrhagie. Wenn in der Leber das Blut nicht
2. Sie reguliert die Blutmenge: gespeichert wird, dann ist die Blut-
Bei Bewegung wird das Blut zirkulation gestört, es treten Epis-
im Meridiansystem gespei- taxis, Menorrhagie, Hyper-
chert, in Ruhe in der Leber. menorrhö auf.

Leber und Körperöffnungen

Hauptbeziehung Bedeutung für Physiologie Bedeutung für Pathophysiologie

Die Leber be- Bei ausreichendem Leberblut: Mangel an Yin-Blut (Yin Xue):
herrscht die kräftige Muskel und Sehnen, Störung der Muskulatur und der
Sehnen, die gute Beweglichkeit, die Finger- Sehnen, glanzlose Fingernägel,
Funktion der nägel sind rosa und glänzend. Kribbeln, Zittern, Krämpfe an den
Leber zeigt sich Extremitäten.
an der Brillanz
der Nägel.
Niere 113

Hauptbeziehung Bedeutung für Physiologie Bedeutung für Pathophysiologie

Die Öffnung der Bei ausreichender Essenz und Bei Mangel: verschwommenes Se-
Leber ist das Blut: klares Sehen, normale Op- hen, ikterische Sklera, Strabismus.
Auge. tomotorik.

Niere (Shen)

Hauptfunktion Bedeutung für die Physiologie Bedeutung für die Pathophysiologie

Die Niere spei- 1. Die Niere kontrolliert Fort- 1. Impotenz und Infertilität.
chert die Essenz pflanzung, Potenz und 2. Wachstumsstörungen: Störung
(Jing). Fruchtbarkeit. der kindlichen Entwicklung, vor-
2. Sie fördert das Wachstum, die zeitige Alterung beim Erwachse-
Alterung und ist eng mit dem nen.
Zustand der Essenz verbunden. 3. Blutbildstörung: Blutleere
3. Sie beteiligt sich an der Blut- (Xue Xu).
bildung. Die Essenz der Niere 4. Anfälligkeiten gegen über Kälte,
(Shen Jing) wird in Blut um- Hitze etc. im Alter und bei chro-
gewandelt. nisch Kranken werden mit Man-
4. Sie sorgt für die Abwehr von gel an Essenz in Verbindung ge-
äußeren Noxen. bracht.
Die Niere be- Die Qi Hua-Funktion der Niere Störung der Qi Hua-Funktion,
herrscht das ist der Mittelpunkt der Regula- Miktionsstörung, Störung des Was-
Wasser. tion des Wasserhaushaltes. Die serhaushaltes: Oligurie, Ödeme
Niere wird deshalb mit dem oder Pollakisurie, Polyurie.
Element Wasser in Verbindung
gebracht.
Die Niere be- Die Niere ist die Wurzel des Qi, Wenn die Na Qi-Funktion der Nie-
herrscht die In- das Qi der Lunge deszendiert re gestört ist, dann kommt es zu
spiration (Naqi). zur Niere und dadurch wird die einer Dyspnoe.
Atmung reguliert.

Niere und Körperöffnungen

Hauptbeziehung Bedeutung für Physiologie Bedeutung für Pathophysiologie

Die Niere be- In der Niere wird die Essenz Bei Mangel an der Essenz der Nie-
herrscht die gelagert; aus der Essenz wer- re (Shen Jing Xu) und Leere des
Knochen (Shen den Knochen, und das Mark er- Knochenmark: Es kommt zu
Zhu Gu). nährt. Die Essenz der Niere Wachstumsstörung der Knochen
(Shen Jing) fördert Knochen- und Kraftlosigkeit in den Gliedern.
wachstum, -entwicklung und Zähne werden locker, Zahnausfall.
-regulation.
In der TCM werden die Zähne
als die Ausläufer der Knochen
angesehen. Wenn das Shen
Jing voll ist, dann finden wir in-
takte, feste Zähne.
114 Organphysiologie

Hauptbeziehung Bedeutung für Physiologie Bedeutung für Pathophysiologie

Die Außenbe- In der TCM werden die Haare Wenn das Shen Jing leer ist, dann
grenzung der als die Ausläufer des Blutes an- sind die Haare brüchig, weiß und
Niere ist das gesehen. Aus dem Shen Jing sie fallen aus.
Haar. wird Blut. Wenn das Shen Jing
voll ist, sind die Haare farbig
und glänzend.
Die Niere hat 1. Wenn Shen Jing voll ist,dann 1. Ein Mangel an Shen Jing führt
Öffnungen an funktioniert das Gehör normal. zu Tinnitus und Taubheit.
den Ohren und 2. Wenn Qi Hua-Funktion in 2. Eine Störung in Qi Hua führt zu
an den beiden Ordnung ist, dann ist die Blase Miktionsstörungen und zu Stö-
Ausscheidungs- gesund und die Sexualfunk- rungen der Sexualfunktionen.
organen. tion normal. 3. Störung der Stuhlqualität: Obsti-
3. Wenn die Milz ausreichend pation oder Diarrhö.
Wärme bekommt, sind Stuhl
und der Stuhlgang normal.

Die sechs Fu-Organe

Hauptbeziehung Bedeutung für die Bedeutung für die


Physiologie Pathophysiologie

Gallen- 1. Funktion: Bewahren Der Gallensaft kommt 1. Störung der Gallen-


blase und Verteilen von von der Leber, gelangt saftsekretion: Ikterus-
Gallensaft. in den Darm, dies för- Verdauungsstörung.
2. Die Gallenblase be- dert die Verdauung. 2. Ängstlichkeit oder
herrscht die Ent- Schreckhaftigkeit.
schlusskraft.
Magen 1. Nahrungsaufnahme 1. Die Nahrung wird- 1. Appetitstörung,
und Nahrungsver- vorverdaut. Verdauungsstörung.
dauung („Kompostie- 2. Das Vorverdaute 2. Wenn das Magen-Qi
rung“). wird zum Darm be- nach oben steigt, hat
2. Der Magen kontrol- fördert. dies eine Störung im
liert die Passage und mittleren Erwärmer
Deszendenz. zur Folge. Dadurch ist
die Funktion der Qi-
Aszendenz und Des-
zendenz im ganzen
Körper gestört.
Dünn- 1. Aufnahme von Vor- 1. Das Vorverdaute vom 1. Resorptionsstörung.
darm verdautem. Magen wird weiter 2. Störung von Stuhl und
2. Trennung von „Kla- verdaut und resor- Urin.
rem“ und „Trübem“. biert.
3. Der Dünndarm be- 2. Trennung und Re-
herrscht die Flüssig- sorption von Nähr-
keiten im Körper. stoffen: „Trübes“ ge-
langt als Urin in die
Blase und zum Dick-
darm als Stuhl.
Dick- 1. Transport von Der Dickdarm formt Stuhlstörungen.
darm „Trübem“. den Stuhl und bringt
ihn zur Ausscheidung;
Die sechs Fu-Organe 115

Hauptbeziehung Bedeutung für die Bedeutung für die


Physiologie Pathophysiologie

2. Der Dickdarm be- Flüssigkeit wird rück-


herrscht die Flüssig- resorbiert.
keit (Jin Ye).
Blase 1. Harn aufbewahren. Die Qi Hua-Funktion Störungen der Miktion.
2. Harn ausscheiden. ist verantwortlich für
die Harnlagerung und
Ausscheidung.
3E 1. Passage des Yuan- Der Obere 3E ist wie Einfluss auf Qi Hu-
Qi. Das angeborene der Nebel/Dampf. Funktion im ganzen
Quellen-Qi ist das Der Mittlere 3E ist wie Körper: Aufnahme und
Yuan-Qi. ein Sumpf. Umwandlung von Sau-
2. Transport und Um- Der Untere 3E ist wie erstoff in der Lunge,
wandlung von Nah- das Bächlein. Mit den Aufnahme und Um-
rung und Wasser. 3 Formen des Wasser wandlung von Nahrung
wird die Bedeutung durch den Magen und
des 3E als Weg und Re- die Umwandlung-Frei-
gulator des Wassers im gabe von Essenz der
Körper bildhaft be- Niere für die Vitalität
schrieben. Hat gewisse etc. werden als Qihua-
Ähnlichkeit mit dem Vorgänge bezeichnet.
Ductus thoracicus des
Lymphsammlers.

Erklärung zu den 3 Erwärmern


Der Obere Erwärmer beginnt am Pharynx, inkludiert Kopf, Thorax, Herz und Lun-
ge; er endet mit dem Zwerchfall. Der Mittlere Erwärmer beginnt an der Cardia,
inkludiert Oberbauch, Magen und Milz; er endet am Nabel. Der Untere Erwär-
mer beginnt am Pylorus, inkludiert Leber, Niere, Harnblase, Dickdarm und Dünn-
darm. Es wird in der TCM diskutiert, ob 3 E nur ein Funktionsbegriff ohne Mor-
phologie oder ein Funktionsbegriff mit Morphologie ist. Die Funktion der 3 E wird
manchmal mit dem Lymphgefäßsystem, dem Verdauungssystem, dem Kreislauf,
dem Ausscheidungssystem und dem vegetativen Nervensystem in Verbindung
gebracht; sie könnten aber auch nur ein Synonym für die Pankreas sein (siehe
Zeng wanding, TCM-Uni Fujian. China, in Zhongyi hanshou tongxun, 2/1994).
11 Die 5 Elementelehre

Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser bilden nach der chinesischen Naturphilo-
sophie die materielle Basis des Universums und auch des Menschen. Sie sind also
die so genannten 5 Grundbaustoffe der Natur. Diese 5 Grundstoffe sind letztlich
Zustände und Erscheinungen von Qi. Die Lehren des Yin/Yang und der 5 Ele-
mente wurden im alten China dazu benützt, die Erscheinungen und Gesetzmä-
ßigkeiten in der Astronomie, Wetterkunde, Kalenderkunde, Landwirtschaft, Bio-
logie, Chemie etc. zu beschreiben. Physiologische Mutter-Kind-Regel: Das im Uhr-
zeigersinn vorausgehende Element ist immer die Mutter des nachfolgenden Ele-
ments: Wasser ist Mutter von Holz; Holz ist Kind von Wasser; Holz ist Mutter von
Feuer; Feuer ist Kind von Holz usw. Produktion (Kreation, Förderung, Schöpfung
oder Generation, Sheng) und Hemmung (Destruktion, Kontrolle oder Restriktion,
Ke) bilden ein selbstregulierendes Feedback-System. Es gibt Forscher, die mei-
nen, dass Qi die Basis der Elemente ist. Das Qi ist weder konkret materiell, noch
ein rein metaphysischer Begriff. Mit der 5 Elementelehre beschreibt die TCM die
Wandlungen des Qi (Qihua). (Siehe Jun xi, 1994.)

Produktion (Sheng)/Hemmung (Ke)


Wasser/Norden/Niere

Metall/Westen/Lunge Holz/Osten/Leber

Erde/Südwest/MP Feuer/Süden/Herz

Die volle Linie beschreibt in der obigen Abbildung die Richtung der Produktion,
die strichlierte Linie die Richtung der Hemmung. Die 5 Elementelehre, eine Über-
sicht ihrer Bewegungen und Umwandlungen.
118 Die 5 Elementelehre

Übersicht der Entsprechungen

Element Holz Feuer Erde Metall Wasser

Jahreszeit Frühling Sommer Übergang Herbst Winter


Tageszeit Morgen Mittag Nachmittag Abend Mitternacht
Himmels Osten Süden Mitte Westen Norden
richtung
Zahlensym- Eins Sieben Fünf Neun Sechs
bol nach
Hetu (Yijing)
Noten, Töne
(five
Sounds): do, 3 (mi) 5 (so) 1 (do) 2 (rei) 6 (la)
re mi, fa so Jue/Jiao Zhi (4, Bian Gong (7, Shang Yu
la schi, do, Zhi) Bian Gong)
re in Ziffern
und Pinyin*
Laute rufen lachen singen weinen stöhnen
Farbe blau/grün rot gelb weiß schwarz
Dynamik Hervorbrin- Wachsen Umwandeln Einbringen Speichern
(Shenghua) gen (Sheng), (Zhang), (Hua), (Shou), reini- (Zang),
strecken, aufsteigend, feucht, ertra- gen, zurück- nass, kühl,
wachsend, trocken, heiß gen, emp- ziehen, nach absteigend,
nach oben fangen, innen fließend,
und außen „Mutter aller gehend, nachgiebig
expandie- Dinge“, Po- schneidend,
rend, ver- tenzial für hart
wurzelt, Wachstum,
wohlfüh- absteigend,
lend, elas- sammelnd
tisch, stark
Vollorgan Leber Herz Milz/ Lunge Niere
Pankreas
Hohlorgan Gallenblase Dünndarm Magen Dickdarm Blase
Geschmack sauer bitter süß scharf, herb salzig
äußerer Wind Hitze Feuchtigkeit Trockenheit Kälte
Faktor
innerer Zorn Freude, Lust Grübeln, Trauer, Angst,
Faktor – Melancholie Sorgen Schreck
Emotion
Schmerz- nicht lokal- brennend, feucht, trocken, tief, boh-
charakter stabil, an- erhitzend Schwere- juckend rend
falls- und gefühl
krampfartig
Tier Hund Schaf Rind Huhn Schwein
Meridiane Le/G H/Dü M/MP Lu/Di N/B
Öffner Auge Zunge Wange, Nase Ohr
Lippe
Körpersäfte Träne Schweiß Speichel Nasen- Speichel
schleim
Schicht/ Sehnen, Subcutis/ Muskeln, Haut, Poren, Knochen,
Gewebe Nägel Gefäß- und Binde- Körperhaare Mark, Kopf-
Nerven- gewebe haar
bündel
Die Physiologie der Organe und die 5 Elementelehre 119

Element Holz Feuer Erde Metall Wasser

Dominiertes Bewegung, Hirn, Verdauung, Respirations- Nebennie-


System und Tonus, Mu- Intellekt, Be- Flüssigkeits- trakt, At- re, Hypo-
komplexe skulatur, wusstsein, trans- mungs-Qi, physe, Hy-
Funktion Harmonie, Schlaf, Spra- formation, Flüssigkeits- pothalamus,
Flexibilität, che Blut/ Qi-Bil- verteilung, Urogenitale,
Emotionen, dung, hält Wasserwege Einatmung,
Verteilung, Organe und Wachstum,
Verdauung Blut an ih- Entwick-
rem Platz lung,
Fruchtbar-
keit, zykli-
scher Le-
bensablauf

*Aus „5 E und die einfache Tonleiter“, Li junlong, TCM-Universität Beijing 100102, Vol. 9,
No. 8, Zhongguo zhongyi jichu yixuzazhi, 2003

Die Bedeutung der 5 Elementelehre


– Element: Alle Entsprechungen stehen in der gleichen Beziehung zueinander
wie die 5 Elemente.
– Pathogene Faktoren schädigen das ihnen zugeordnete Organ, aber auch an-
dere Organe (Viszero/Viszeralreflex); Organe entwickeln Symptome, die den
pathogenen Faktoren gleichen („Leber – Wind“).
– Jahreszeit, Himmelsrichtung: Epidemiologie, Endemiologie, Biorhythmus,
Chronomedizin, Geomedizin.
– Geschmack: Vorliebe weist auf Störung im Funktionskreis hin.
– Farbe: Pathognomonisch.
– Die Einbindung der 5 E in das Yin/Yang-System. Im Osten geht die Sonne auf.
Der Frühling beginnt mit dem Erwachen. Da die Physiologie der Leber im Kör-
per aufsteigend ist, ist die physiologische (sic!) Topographie der Leber im TCM-
System rechts. Die Hauptfunktion der Lunge ist absteigend, wie die Sonne, da-
her ist ihre physiologische Topographie im TCM-System links.

Die Physiologie der Organe und die 5 Elementelehre


Im Zentrum des Yin/Yang-Modells steht die Erde, für Norden ist die Entspre-
chung Wasser und Niere, für Süden Feuer und Herz, für Osten Holz und Leber,
für Westen Metall und Lunge. Süden und Sommer sind heiße Begriffe; Norden
und Winter sind kalte Begriffe. Im Osten geht die Sonne auf, dem entsprechen
der Frühling und die physiologische Funktion des Leber-Qi. Die Sonne geht im
Westen unter, dem entspricht in der TCM die Dynamik des Lunge-Qi. In diesem
Modell der Physiologie sehen wir sehr deutlich den Unterschied zwischen der
symptomorientierten TCM und der strukturorientierten westlichen Medizin. Die
TCM verwendet Bilder.
120 Die 5 Elementelehre

Süden/Herz/Feuer, vorne

Osten/Leber/Holz, Westen/Lunge/Metall,
Qi aufsteigend, links Qi absteigend, rechts

Norden/Niere/Wasser, hinten

Die Meridianpunkte und die 5 Elementelehre


An dieser Stelle wollen wir die Meridianpunkte mit den fünf Wandlungsphasen
und mit der Lehre von Yin und Yang in Verbindung bringen.
5 Punkte auf jedem Meridian, von distal nach proximal, können den 5 Ele-
menten in der Reihenfolge des Zyklus generandi (Mutter-Sohn-Regel) zugeord-
net werden.
Es beginnt bei den Yin-Meridianen mit Holz, bei den Yang-Meridianen mit
Metall.

Antiker Chine- Deutsch Lokalisation Zuordnung beim Zuordnung beim


Punkt sisch Yin-Meridian Yang-Meridian

1. Jing Brunnen- An den Akren Holz Metall


loch
2. Ying Bach 2. Meridianpunkt Feuer Wasser
proximal
3. Shu Strom 3. Meridianpunkt Erde Holz
proximal
4. Jing Fluss Zwischen 3. und Metall Feuer
5. Punkt, nicht
unbedingt der
4. Meridianpunkt!
5. He Meer Beim Ellbogen oder Wasser Erde
Knie

Yang-Meridiane

Gallenblase/ Dünndarm/ 3 E (Xiang Magen/ Dickdarm/ Blase/


Holz Feuer Huo) Erde Metall Wasser

1. Jing/Metall G 44 Dü 1 3E 1 M 45 Di 1 B 67
2. Ying/Wasser G 43 Dü 2 3E 2 M 44 Di 2 B 66
3. Shu/Holz G 41 Dü 3 3E 3 M 43 Di 3 B 65
4. Jing/Feuer G 38 Dü 5 3E 5 M 41 Di 5 B 60
5. He/Erde G 34 Dü 8 3E 10 M 36 Di 11 B 54
Komplexes Regulationssystem 121

Yin-Meridiane

Leber/Holz Herz/Feuer KS (Jun Milz/Erde Lunge/ Niere/


Huo) Metall Wasser

1. Jing/Holz Le 1 H 9 KS 9 MP 1 Lu 11 N 1
2. Ying/Feuer Le 2 H 8 KS 8 MP 2 Lu 10 N 2
3. Shu/Erde Le 3 H 7 KS 7 MP 3 Lu 9 N 3
4. Jing/Metall Le 4 H 4 KS 5 MP 5 Lu 8 N 7
5. He/Wasser Le 8 H 3 KS 3 MP 9 Lu 5 N 10

Komplexes Regulationssystem
Das komplexe Regulationssystem der TCM besteht aus den Lehren von Qi,
Yin/Yang und den 5 Elementen. Das ist ein abstraktes Funktions- und Bezie-
hungssystem. Die Beziehung im System ist realistisch. Die Dynamik im System ist
relativ und austauschbar. Qi ist das ungeteilte Yin/Yang. Qi geteilt ist Yin und
Yang. Die 5 Elemente entsprechen den 5 Qi-Formen.
Die 5 Elemente teilen sich in Yin und Yang: Feuer/Wasser bzw. Metall/Holz;
die Erde ist Vermittler zwischen Yin und Yang. Die Vernetzung der vier Jahres-
zeiten mit Yin/Yang und den 5 Zangorganen (siehe Su Jing, TCM-Universität Bei-
jing, China, aus: Zhongguo, Zhongyi, Jichuyixue, Zazhi, 11/1995) stellt sich wie
folgt dar:
Im Zentrum der Regulation und Krankheitslehre steht das System der 5 Zang-
organe. Für die Funktion gelten sichtbare Strukturen und nicht sichtbare Verbin-
dungen. Lebendiger Austausch von Energie, Materie und Information und damit
Erhaltung des Lebens. Die Umwandlung von Energie (Qi) in Materie (z.B. Blut)
und Information ist Qi Hua. Das Leben ist Qi Ji, das sind die vier Bewegungs-
richtungen des Qi (auf, ab, nach außen und nach innen). Das Komplexe Regula-
tionssystem ist ein mehrdimensionales System von Zeit und Raum. In einem sol-
chen System leben wir in Abhängigkeit von Rhythmus der Zeit und Änderungen
der räumlichen Strukturen. Alle Subsysteme im Körper müssen harmonisch sein.
Alles ist ständig in geordneter Aktivität. Der Körper ist ein sich selbst stabilisie-
rendes System. Der Pfeil von außen (1) bis innen (11) symbolisiert die Ebene der
11 Subsysteme. Die Richtung der Verknüpfungen ist aber mehrdimensional und
vernetzt.
Schwächen des TCM-Regulationssystems sind: 1. Es ist ein Modell ohne die
Möglichkeit der Quantifizierung. 2. Die Beziehungen der Subsysteme ist unzu-
reichend. 3. Im Modell sind viele subjektive Elemente. Darin sind nicht inkludiert
naturwissenschaftliche Aspekte wie Soziologie, Politik, Philosophie und Kultur.
Das TCM-Modell besteht aus Funktion, Zahlensymbolen und einem Modell des
ständig (zeitlich) in Änderung befindlichen Selbstregulationssystems aus Akti-
vierung und Hemmung (Sheng, Cheng).
Die westliche Medizin hingegen basiert auf dem Substrat bezogene Physiolo-
gie und Pathologie. Wie z.B. die Histologie, die Röntgenbilder; sie beschreiben
einen Momentzustand des Lebens. (Siehe Zhang Qicheng, TCM-Universität Bei-
jing, in: Zeitschrift „Zhong Guo Yi Yao Xue Bao“, 5/2003.)
122 Die 5 Elementelehre

1. Taiyang
2. Süden – 5 Rich-
tungen
3. Sommer/Feuer –
5 Zeiten
4. Hitze – 5 Qi
Yin Yang der 5. Gluthitze –
5 Zeiten 5 Klima
6. Wachsen –
5 Hua/Umwand-
lung
Yin-Abnahme 7. Herz –
5 Zangorgan
8. Dünndarm –
1. Shaoyang 5 Fuorgan 1. Zhiyin
2. Osten 9. Blut/Gefäß – 2. Mitte
3. Frühling/Holz 5 Körper 3. Spätsommer/Erde
4. Wind 10. Zunge – 5 Sinne 4. Feuchtigkeit
5. Feuer/warm 11. Gesicht – 5. Feucht
6. Gedeihen 5 Äußerung 6. Umwandlung
7. Leber 7. Milz
8. Gallenblase 8. Magen
9. Sehen 9. Muskel
10. Augen 10. Mund
11. Nägel 11. Zunge

Yin-Zunahme
Yang-Zunahme

1. Taiyin
5 Zang-System 1. Shaoyin
2. Winter 2. Herbst/Metall
3. Norden/Wasser 3. Westen
4. Kalt 4. Trocken
5. Kalt/kühl 5. Kühl
6. Verbergen 6. Zurückziehen
7. Niere 7. Lunge
8. Blase Yang-Abnahme 8. Dickdarm
9. Knochen/Mark 9. Haut
10. Ohr 10. Nase
11. Haar 11. Körperhaare

Die Organsyndrome im Rahmen der TCM


Die nachfolgende Aufstellung der Organsyndrome gehen auf G. Kubiena (1996)
zurück und wurden hier von Alexander Meng (1998) nach dem Standardwerk für
die TCM-Differentialdiagnose für Studenten der medizinischen Hochschule für
TCM in China (siehe Verlag für Volksgesundheit Chinas, 1995) überarbeitet.
Komplexe Diagnostik unter Anwendung der verschiedenen Prinzipien der
TCM (8 Prinzipien – Bagang, Qi und Blut, pathogene Faktoren) auf die verschie-
denen Organe.
Wesentlichste Unterscheidung: 8 Prinzipien, Yin oder Yang – untergeordnete
Prinzipien wichtig!
Leere = „Hypo“, d.h. Mangel an Qi, Yin, Yang, Blut.
Fülle = „Hyper“, d.h. Überfluss an Yin, Yang, Blut, Stau.
Achtung! Ein Mangel an Yin kann ein falsches Yang-Bild hervorrufen und um-
gekehrt.
Organsyndrome im Rahmen der TCM 123

Pathogene Faktoren dienen zur Beschreibung von Zuständen und Krankheits-


ursachen. Im Vordergrund stehen die Syndrome der parenchymatösen Organe.
Achtung! Organsyndrome zeigen stets auch allgemeine Zeichen des jeweiligen
Syndroms, die unter dem Grundmuster von Syndromen der TCM nachzuschlagen
sind. Bei einem Qi-Mangel beispielsweise ist der Zungenkörper immer blass, das
Gesicht leuchtend blass. Komplexe Syndrome mit Organbezug stehen im Vorder-
grund.

TCM- Pathogenese Beispiele Leitsymptome


Syndrom

Lungen- Lungen- Emphysem, Husten, häufige Verkühlun-


Qi-Mangel insuffizienz Asthma gen
(Fei Qi Xu)
Lungen- Großer Flüssigkeitsverlust in Chronische trockener Husten ohne oder
Yin-Man- der Lunge Pharyngitis, mit wenig Sekret; innere
gel (Fei TBC, chroni- Hitze-Symptomatik, da Yin-
Yin Xu) sches Em- Mangel: mager, subfebril,
physem leicht schwitzend
Wind und exogene Wind-Kälte behin- Erkältung, Husten mit weißlich, nicht
Kälte in dert die normale Lungen- Prodromal- zähem Sekret; Frösteln etc.
der Lunge funktion stadium
(Feng Han
Su Fei)
Wind und exogene Wind-Hitze schädigt Erkältung Husten mit gelb-zähem Se-
Hitze in die äußere Verteidigung (Wei mit Fieber kret, Windscheu, verlegte
der Lunge Qi) des Atmungssystems Nasenatmung, Zungenspit-
(Feng Re ze rot etc.
Fan Fei)
Hitze und exogene Trockenheit schädigt Erkältung Husten mit wenig bzw. ohne
Trocken- die äußere Verteidigung (Wei mit Fieber zähem Sekret; trockene Lip-
heit in der Qi) des Atmungssystems pen und Rachen etc.
Lunge
(Zao Xie
Fan Re)
Feuchter Viel Schleim (Tan) in der Bronchitis, Husten mit weißlich-zähem
Schleim in Lunge durch exogenen Kälte- Asthma Sekret; Thoraxdruckgefühl,
der Lunge Wind. Im Rahmen chroni- wenig Appetit, schwere
(Tan Shi scher Leiden ist oft eine Milz- Glieder, weicher Stuhl,
Zu Fei) Qi-Schwäche, daher Wasser- ZB dick und glitschig.
stau im Körper gegeben;
weiters kommt es zu Lungen-
Qi-Mangel und Wasserstau.
Heißer Die Hitze staut sich in der Eitrige Bron- akut einsetzender Husten
Schleim in Lunge. Die Lunge kann ihre chitis mit gelb-zähem Sekret; Zei-
der Lunge Qingsu-Funktion nicht aus- Raucher- chen einer endogenen Hit-
(Re Xie üben. DD zu Fengre Fanfei husten ze-Fülle-Symptomatik sind:
Yong Fei) ist, dass hier die Erkrankung hohes Fieber, Durst, Dys-
nur in der Lunge liegt. pnoe; Nasenbluten, Hämo-
ptoe etc.

ZB = Zungenbelag
ZK = Zungenkörper
124 Die 5 Elementelehre

TCM- Pathogenese Beispiele Leitsymptome


Syndrom

Säfte- Flüssigkeitsverlust aus vielen Chronische Obstipation.


Mangel im unterschiedlichen Gründen. Obstipation, Zur Diffenrentialdiagnose
Dickdarm Laxantien- der Obstipation:
(Da Chang schaden 1. Dachang Yekui (Flüssig-
Ye Kui) keitsmangel).
2. Zhong Qi Bu Zu (Verdau-
ungeschwäche.)
3. Rejie, Hitze-Syndrom:
Hitzestauung im Darm,
meist bei Fieber.
Feuchte Feuchtigkeit und Hitze stau- Cholitis, Bauchschmerzen, Diarrhöe,
Hitze im en im Dickdarm und verursa- Morbus Stuhl gelblich und übel rie-
Dickdarm chen eine Transportstörung Crohn, chend; dem Stuhl sind Blut
(Da Chang im Dickdarm. infektiöse bzw. Schleim beigemengt.
Shi Re) Darmerkran-
kungen
Feuchte Chronische Diarrhöe hat das Chronische chronische Diarrhöe, Stuhl-
Kälte im Yang-Qi des Dickdarms ge- Diarrhöe inkontinenz, Prolapsus ani,
Dickdarm schwächt, sodass die Halte- recti
(Chang Xu funktion des Dickdarmes ge-
Hua Xie) stört ist.
Nieren- Shen Jing ist eine für Missbildun- Kleinwuchs, Reifungsstö-
Jing-Man- Wachstum, Entwicklung und gen, Senium, rung.
gel (Shen Fortpflanzung wichtige Sub- Alzheimer
Jing Bu stanz der Niere. Krankheit
Zu) und vaskulä-
re Demenz,
Wachstums-
und Ent-
wicklungs-
störung beim
Kind
Nieren-Qi- Aus dem Qi-Mangel der Nie- Inkontinenz, Schwäche und Kältezeichen
Mangel re entsteht eine Reihe von Asthma, in der Lumbal- und Kniere-
(Shen Qi „Haltestörungen“ in den Or- Lumbago, gion; Gesichtsblässe, nervö-
Bu Zu) ganen: Blase, Samenbläschen Impotenz, se Erschöpfung, ZK blass,
und an den Wundermeridia- Frigidität ZB weiß; Pollakisurie, Harn-
nen Daimai und Chongmai. inkontinenz, Enuresis, Eja-
Diese Störung wird oft in Be- kulatio precox, Fluor albus,
gleitung eines Nieren-Yang- Abortusneigung etc.
Mangel oder Nieren-Yin-
Mangel gesehen.
Nieren- Im hohen Alter, durch ange- Sexual- Schwäche und Kältezeichen
Yang-Man- borene Schwäche, Übermü- schwäche, in Lumbal- und Knieregion;
gel (Shen dung oder im Rahmen chroni- chronisches Potenzprobleme, Fruchtbar-
Yang Xu) scher Leiden. Asthma keitsstörung; Vertigo, De-
Im Kindesalter ist der Nieren- pressivität, Gesichtsblässe
Yang Mangel normal. etc.
Nieren- Chronische Leiden haben eine Klimak- Schmerzen-, Katergefühl in
Yin-Man- Störung der Flüssigkeit im terium Lumbal- und Knieregion,
Organsyndrome im Rahmen der TCM 125

TCM- Pathogenese Beispiele Leitsymptome


Syndrom

gel (Shen Körper (Yinye) verursacht, so- Gewichtsabnahme, Schwit-


Yin Xu) dass das Yin der Niere ge- zen ohne Grund, Hitzege-
schwächt wurde. Kann auch fühl an den Handflächen
infolge angeborener Schwä- und Fußsohlen, trockener
che der Niere bzw. wegen se- Rachen und gerötete Wan-
xueller Exzesse; oder durch ge; ZK rot, trocken; Vertigo,
übermäßige Einnahme von Tinnitus, lebhafte Träume,
Pharmaka (aus der Wen-Zao Schlafstörung; Impotenz,
Gruppe), auftreten. erektile Dysfunktion, Zyk-
lusstörung etc.
Feuchte Exogene Feuchtigkeit und Zystitis, Bla- Pollakisurie, Dysurie, wenig
Hitze in Hitze, Diätfehler, endogene sensteine und konzentrierter Harn;
der Blase Hitze schädigen die Blase. Kreuzschmerzen, Hämatu-
(Pang Die Qi Hua-Funktion der rie, Urolithiasis; ZK rot; ZB
Guang Re) Blase ist gestört. dick-gelblich.
Leber- Infolge eines allgemeinen Anämie Vertigo, Tinnitus, Gesichts-
Blut-Man- Blutmangels bekommt die blässe, Nägel glanzlos; leb-
ge (Gan Leber zu wenig Blut zum hafte Träume, Sehstörung,
Xue Xu) Speichern. Hypästhesie an den Extre-
mitäten, Bewegungsstörun-
gen an den Gelenken, Tre-
mor; wenig Blut bei der Re-
gel (bis zur Amenorrhoe);
ZK blass; ZB weiß.
Leber-Yin- Akutstadium: infolge exoge- Neurasthe- Symptome an den sog. Öff-
Mangel ner Hitze kommt es zu einer nie nungen des Orkanes am
(Gan Yin fieberhaften Erkrankung mit Verlauf des Leber-Meridi-
Xu) Flüssigkeitsdefizit.Chroni- ans.
sches Stadium: im Rahmen Vertigo, Tinnitus, Conjunk-
einer langdauernden Depres- tivitis sicca, Flankenschmer-
sion staut sich das Qi, dieses zen, Unruhe der Hände und
wird zum Feuer und schädigt Füße, Hitze an den Handflä-
zuerst das Blut, dann das Yin che und Fußsohlen, Mund-
der Leber. trockenheit, ZK rot, trocken.
Aufstei- Das Feuer der Leber (Yang) Meniére, Roter Kopf, gerötete Augen,
gendes wird mangelhaft von Wasser Hypertonie, Druck im Kopf, wie bei
Leber- (Yin) der Niere gekühlt, da- Tinnitus, einer Hypertoniekrise
Yang her steigt zuviel Feuer hoch. Schwindel
(Gan
Yang,
Shang
Kang)
Aufsteigen Das in der Leber durch die Hypertone Vertigo, Spannungskopf-
des Leber- Qi-Stauung entstandene Feu- Krise, Span- schmerzen, Gesicht und Au-
Feuer er gelangt entlang des Le- nungskopf- gen gerötet, bitterer Mund-
(Gan Huo, bermeridians über die Flan- schmerz, Mi- geschmack, trockener Ra-
Shang kenregion zu Kopf, Gesicht, gräneanfall, chen, Ungeduld, Zornaus-
Yan) Auge, Rachen. Meniére, brüche, Schlaflosigkeit, leb-
akute Kon- hafte Träume, Flanken-
junktivitis schmerzen, Obstipation,
konzentrierter Harn,
126 Die 5 Elementelehre

TCM- Pathogenese Beispiele Leitsymptome


Syndrom

Nasenbluten, ZK rot, ZB
gelb, Puls sehnig und tachy-
card.
Leber-Qi- Die Leber erfüllt ihre vertei- Koliken, Depression, kolikartige
Stau (Gan lende (Shu Xir) Funktion Globusge- Flanken- oder Oberbauch-
Qi Yu Jie) nicht. fühl schmerzen, Globusgefühl,
3 Typen: Qi-Stau, Qi-Stau mit Menstruationsstörung; Puls
Tan, Qi Ji Niluan (Disharmo- sehnig; Zungenbelag: dünn,
nie der Qi-Funktion). weißlich.
Kälte Exogene Kälte schädigt den Unterleibs- Kälte-Schmerzen am Unter-
blockiert oberflächlichen Verlauf des schmerzen, bauch, Besserung bei Wär-
den Le- Le-Meridians. Hernie me.
Meridian
(Han Xie
Gan Mai)
Feuchte Am Verlauf des G- und Le- Cholezysti- ZK rot, ZB gelb-glitschig,
Hitze in Meridians staut sich Feuch- tis, Ver- Puls sehnig, Flanken-
Leber und tigkeit und Hitze. Grund: schlussikte- schmerzen, wenig Appetit,
Gallenbla- Exogene Hitze und Feuchtig- rus, Ulkus, Völlegefühl, bitterer Mund-
se (Gan keit bzw. sog. endogene Hit- Salpingitis, geschmack, Miktion- und
Dan Shi ze und Feuchtigkeit infolge Orchitis, Defäkationsstörung, Ikterus,
Re) des Genusses von zuviel Fett, Skrotalek- Skrotalekzem, Puritus, hit-
Gewürzen und Süßwaren; In- zem zige, schmerzhafte Hoden-
suffizienz der Milz (Pi Yun schmerzen, übel riechender
Shi Jian). Fluor flavus, Puritus geni-
tale.
Gallenbla- Depression, psychischer Feigheit, Schreckhaftigkeit, Unruhe,
sen-Qi- Stress verursachen eine Stau- Wehleidig- ZB gelb, glitschig, Depres-
Mangel ung des Leber-Qi, dieses ver- keit, Schwä- sion (in der Anamnese meist
(Dan Yu wandelt sich in pathogenen che exogene psychische Trau-
Tan Rau) Schleim (Tan), dann in Hitze mata); bitterer Mundge-
und stört so das Qi der Gal- schmack, Übelkeit, Thorax-
lenblase; die Harmonie zwi- und Flankendruckgefühl,
schen Mut und Feigheit ist Vertigo, Augenflimmern etc.
ebenso gestört.
Herz-Qi- Die Stadien der Herzpump- Herzinsuffi- Stadium 1 (Xin Qi Xu): Pal-
Mangel, funktionsstörung sind zuerst zienz pitation, Dyspnoe, Belas-
Herz- Xinqi, dann Xinyang, zum tungsdyspnoe, Gesichts-
Yang-Man- Schluss der Zusammenbruch blässe, schwitzen ohne An-
gel (Xin Qi (Baotuo). lass, kraftlos, ZK blass, z.B.
Xu, Xin Gründe: chronische Leiden, weiß, Puls zart (alles wie bei
Yang Xu, Alter, akutes Ereignis, ange- Qi-Mangel-Syndrom);
Xin Yang borene Organschwäche des Stadium 2 (Xinyangxu): wie
Bao Tuo) Herzens. oben, zusätzlich Kältescheu,
kalte Extremitäten, Ge-
sichtsfarbe grau, Druck bzw.
Schmerzen in der Brust, ZK
dick, blass bis livid, Puls
zart und dünn.
Stadium 3 (Xinyangbaotuo):
wie oben, zusätzlich, Kalt-
Organsyndrome im Rahmen der TCM 127

TCM- Pathogenese Beispiele Leitsymptome


Syndrom

schweiß, Benommenheit,
Atemdepression, Blässe,
Lippenzyanose.
Herz-Yin- Es sind dies zwei Stadien der Organische Palpitation, Vergesslichkeit,
Mangel, Herz-Yin-Schädigung. Herzkrank- Schlafstörung, lebhafte
Herz-Blut- Die Eigenschaft von Yin und heit, Anämie Träume, Vertigo, Blässe an
Mangel Blut sind gleich, weil Blut Yin Gesicht, Lippen und Zunge,
(Xin Yin ist. Daher sind die Symptome Puls zart. Bei Xin Yin Xu zu-
Xu, Xin gleich. sätzlich: Magerkeit, Hitze
Xue Xu) an Handfläche, Fußsohle
und in der Brust, schwitzen
ohne Grund, Wangen gerö-
tet, Mund- und Rachen-
trockenheit.
Herz-Blut- Viele Gründe können die Angina Thoraxschmerzen, Schmer-
Stau „Meridiane des Herzen verle- pectoris zen an der ulnaren Seite des
(Xin Mai gen“. Typisch sind hier die Armes, Palpitationen, an der
Bi Zhu) Chronizität und die Stenocar- Zunge sind blaue Punkte
die. Gründe: Chronische Lei- bzw. Flecken zu sehen, Puls
den; zuviel an trübem, patho- dünn, knotig (Herzrhyth-
genem Schleim (Tanzhu), musstörung).
Stagnation von Qi und Xue 1. Qi Xu Xue Yu: Thorax-
(Vitalenergie- und Blut-Stau), schmerzen, deutliche Pal-
Blutstau infolge lange anhal- pitation, am gesamten
tender exogener Kälte oder Körper sind Zeichen des
endogener Kälte bei relativer Qi-Mangels festzustellen.
Yin-Fülle durch Yang Man- 2. Tanning Xue Yu: Deutli-
gel. Emotionale Schädigung che Thoraxschmerzen,
führt ebenfalls zu einer Qi- Adipositas; Schwerege-
Stagnation und Blutstau. fühl, Müdigkeit; ZB weiß
glitschig, Puls schlüpfrig.
3. Hanning Xue Yu: Plötz-
lich einsetzende Stenocar-
die, bei Wärme bessert
sich der Schmerz, Kälte-
scheu, kalte Extremitäten,
ZK blass, ZB weiß, Puls
tief und fest.
4. Qiyu Xue Yu: Stenocardie
mit Dehnungsgefühl,
Schmerzanfall (von der
Psyche abhängig), oft
kombiniert mit Sympto-
men der Leber-Qi-Stagna-
tion.
Aufsteigen Ist von den Symptomen und Hypertonie, Schlafstörung, Aphtose, Na-
des Herz- der Topik ein sehr komplexes Hyperthy- senbluten, Ulzera der Haut,
Feuer (Xin Krankheitsbild. Ursachen: reose, Glos- rote Zungenspitze, Hitze-
Huo Emotionen; endogene Hitze; sitis und Unruhegefühl in Tho-
Kang Genuss von zuviel Fettem, rax, rotes Gesicht, häufiger
Sheng) Süßem, Gewürzen. Durst, konzentrierter Harn,
fester Stuhl.
128 Die 5 Elementelehre

TCM- Pathogenese Beispiele Leitsymptome


Syndrom

Schleim Der pathologische Schleim Schlaganfall Benommenheit bis Bewusst-


verlegt (Tan) kann die „Öffnungen losigkeit, Brechreiz.
das Herz des Herzen verstopfen“.
(Tan Mi
Xin Qiao)
Fülle-Hit- Da Herz und Dünndarm ge- Hämorrhagi- Harn rötlich, Brennen beim
ze im koppelte Organe sind, kann sche Zystitis Urinieren, Hämaturie; ZK
Dünndarm das Feuer des Herzen nach rot, ZB gelb; Puls tachycard;
(Xiao unten zum Dünndarm gelan- innere Unruhe, Mundtrok-
Chang Shi gen, sodass hier „Hitze- kenheit, Aphtose, Meteo-
Re) Symptome“ auftreten. Die rismus.
Vorbedingung ist die „Hitze-
Symptomatik im Herz-Meri-
dian“ wie innere Unruhe,
Mundtrockenheit, Aphtose.
Eine „Hitze-Symptomatik des
Dünndarmes“ kann auch
durch Diätfehler wie Unregel-
mäßigkeit der Mahlzeiten,
Milzstörung, Nahrungsstau
verursacht sein.
Milz-Qi- Eine Funktionsstörung der Neurasthe- Meteorismus, wenig an
Mangel Milz führt zu Mangelerschei- nie, Dyspep- Nahrung wird vertragen,
(Pi Qi Xu) nungen bei der Ernährung. sie, chroni- Zunahme der Symptome
Gründe: Konstitutionelle sche Krank- nach dem Essen; weicher
Schwäche der Milz, schwere heiten wie Stuhl; Symptome des Qi-
Krankheit, Diätfehler, zu viel Diarrhöe, Mangels am ganzen Körper,
Kaltes, unregelmäßige Mahl- Gastritis, Ul- wie müde Arme und Beine,
zeiten etc. kus Verschwiegenheit, ZK blass,
Puls zart.
Sinkendes Aufgrund eines Milz-Qi-Man- Ptose, Pro- Hängebauch, Beschwerden-
Milz-Qi gels, versagt die Milz bei ih- laps, Des- zunahme nach dem Essen,
(Zhong Qi rer Funktion der Förderung zensus, Hä- Prolapsus ani oder uteri (oft
Xia Xian) der Qi-Aszendenz (Sheng morrhoiden mit Symptomen des Qi-
Qing), daher sinkt das Qi in Mangels am ganzen Körper
den Eingeweiden. in Gesellschaft).
Milz-Qi- Aufgrund des Milz-Qi-Man- Blutungen Blutbeimengung, Blutung
Mangel gels kann die Milz ihre Funk- vom Man- an verschiedenen Körper-
mit Blut- tion der Blutkontrolle (Tong geltyp (Ute- stellen (dazu noch Sympto-
halte- Xue) nicht erfüllen. Das Blut rus, Darm, me des Qi-Mangels am gan-
schwäche tritt aus den Gefäßen. Purpura) zen Körper).
(Pi Bu
Tong Xue)
Milz-Yang- Fortgeschrittenes Stadium Dyspepsie, Meteorismus, wenig Nah-
Mangel des Milz-Qi-Mangels. Selten chronische rung wird vertragen, wei-
(Pi Yang auf Grund eines Nieren- Diarrhö, Nei- cher Stuhl mit generalisier-
Xu) Yang-Mangel, sodass in bei- gung zu Pto- ten Ödem oder Fluor albus.
den Fällen der Körper wenig se, Hämor- Dazu noch Symptome des
Wärme aus dem Yang-Qi er- rhoiden Yang-Mangels am ganzen
hält und daher Kälte- und Körper. Bauchschmerzen
Mangel- Symptome zeigt. mit Erleichterung bei Druck
Organsyndrome im Rahmen der TCM 129

TCM- Pathogenese Beispiele Leitsymptome


Syndrom

Diese Kälte-Mangel-Sympto- und Wärme; Kältereiz wird


me bei Milz-Yang-Mangel unangenehm empfunden.
sind ein wichtiges Differenz- Kalte Extremitäten, allge-
Merkmal gegenüber dem mein Kältescheu; ZK blass,
Milz-Qi-Mangel-Syndrom. dick; ZB weiß, glitschig;
Puls tief, bradycard und
kraftlos.
Feuchte Exogene Feuchtigkeit und Chronische Druckgefühl am Oberbauch
Kälte in Kälte oder eine aus einem Gastroenteri- mit Schmerzen und Knoten,
der Milz Milz-Qi-Mangel-Syndrom tis, Hepatitis, wenig Appetit, weicher
(Han Shi entstandene endogene Kälte Darminfek- Stuhl, Brechreiz, fader Ge-
Kun Pi) und Feuchtigkeit behindert tion, vesiku- schmack, wenig Durst,
die Normalfunktion der Milz. läre Derma- Schweregefühl am Körper
Subtypen: tosen, Fluor (wie eingewickelt), ZB weiß,
Es kommt als Fülle, Mangel glitschig; Puls langsam,
oder Halb-Fülle/Halb-Man- weich; Gesicht oder Haut
gel-Syndrom vor bzw. es fahlgelb, Glanz von Gesicht
zeigt nach außen ein Bild der und Augen ist grau
Fülle, ist im Grunde aber ein (wie geräuchert); Ödeme,
Mangel-Zustand. Oligurie.
Feuchte Die Stauung von exogener Ikterus, Gas- Druckgefühl mit Knoten am
Hitze in Hitze und Feuchtigkeit bzw. troenteritis, Oberbauch, wenig Appetit,
der Milz die endogene, im mittleren akute Hepa- Erbrechen, konzentrierter
(Shi Re 3E entstandene Feuchtigkeit titis, Chole- Harn, fahlgelbe Haut, die
Wen Pi) und Hitze behindert die Nor- zystitis Farbe von Gesicht und Au-
malfunktion der Milz gen ist leuchtend orange,
weicher Stuhl, Puritus, Fie-
ber sinkt trotz Schwitzen
nicht, Schweregefühl am
Körper (wie eingewickelt);
ZK rot; ZB gelb, glitschig;
Puls zart und tachycard.
Magen- Aufgrund eines Flüssigkeits- Perniziosa, Unwohlsein mit dumpfen
Yin-Man- mangels im Magen ist die chronische Schmerzen im Magen und
gel (Wei Normalfunktion des Magens atrophieren- Oberbauchbereich, ZK rot,
Yin Xu) gestört. Ausgelöst durch: de Gastritis, trocken; Puls dünn, tachy-
chronisch rezidivierende Fül- Ulkus, Al- card; Trockenheit im Mund
le-Symptomatik des Magens, tersschwä- und Rachen; trockener Sin-
Diätfehler, psychogenen che, Diabe- gultus, fester Stuhl.
Stress, durch lang anhalten- tes mellitus
des Fieber.
Magen- Im Magen entsteht starke Hyperazide Organ-Symptome: brennen-
Feuer (Wei Hitze, sodass die Nahrungs- Gastritis de Magenschmerzen, Reflu-
Re) aufnahme und Aufbereitung xoesophagitis, Erbrechen
im Magen gestört wird. Die gleich nach dem Essen, ra-
Symptome beschränken sich sches Hungergefühl, Bevor-
nicht auf den Magen. Der zugung von kalten Geträn-
Verlauf des Magen-Meridians ken.
ist auch betroffen. Ausgelöst Meridiansymptome: Paro-
meist durch den Genuss von dontose, übler Mundgeruch.
zu viel fettreicher Nahrung, Ganzkörpersymptome: ZK
130 Die 5 Elementelehre

TCM- Pathogenese Beispiele Leitsymptome


Syndrom

Süßigkeiten und Gewürzen; rot, ZB gelb; Puls schlüpfrig,


Depression, exogene Hitze. tachycard, Obstipation, we-
nig und konzentrierter
Harn.
Magen- Meist durch Magenverküh- Chronische Magen- und Oberbauch-
Kälte (Wei lung, selten auf Grund eines Gastritis schmerzen, welche zwi-
Han) Mangelzustandes des Ma- schen leicht und heftig ab-
gen-Yang verursacht. wechseln können (Zunahme
Schmerzen mit Zeichen von durch Kälte, Besserung
Kälte ist Hantong. Ganz am durch Wärme); die Extre-
Beginn kann ein Bild der Fül- mitäten sind kühl und be-
le (z.B. Völlegefühl durch zu- vorzugen die Wärme; ZK
viel Essen) sein. Eine Chroni- blass, ZB weiß, glitschig;
fizierung tritt auf, wenn der Puls bradycard oder sehnig;
Zustand zu lange dauert. So Wasserplätschern im Ma-
kommt es zur Schädigung gen, viel Speichel im Mund,
des Magen-Yang, so entsteht Psychasthenie (Erleichte-
das Bild der Magen-Kälte. rung nach dem Essen).
Speisen- Wegen Unregelmäßigkeiten Überfres- Druckgefühl bis hin zu
retention beim Essen, die die Verdau- sungs- Schmerzen am Oberbauch
im Magen ungsfunktion des Magens Gastritis und Magen, Aufstoßen mit
(Shi Xie überfordert bzw. weil die Es- saurem Geschmack und
Wei Wan) sensmenge immer wenig ist, üblem Geruch, weicher und
bzw. weil eine konstitutionel- nach Fäulnis riechender
le Schwäche der Magenfunk- Stuhl, ZB dick, gelblich;
tion besteht, verweilt die Puls schlüpfrig.
Nahrung zu lange im Magen.
Eine Unterteilung in Fülle,
Mangel bzw. Mischform ist
notwendig.

Ätiologie: Herzblut-Mangel, Nieren-Essenz-Mangel, Herz-Nieren-Mangel,


Qi- und Blut-Mangel, Herz-Niere

Befunderhebung

Lokalisieren Modalität feststellen Noxe feststellen


DING WEI DING XING DING XIE

Vitalenergie – Qi, Blut – Xue, Stau von Schleim-Tan,


Organ – Essenz – Jing, Yin/Yang, von Blut Xue Yu, verur-
ZANG FU Fülle – Xu, Leere – Shi sacht inneres Feuer

TCM-Syndrom –
Zheng Xing
12 Krankheitslehre

Die Dreier-Regel
Diese ist eine Vereinfachung der TCM-Diagnose für Akupunktur/Tuina im Wes-
ten für den Anfänger (nach Alexander Meng).

Die Fragen 1 und 2


1. Wo? Meridian? 2. Wo? Organ?
beziehen sich auf den
Reflexbeziehung: Pathophysiologie,
Ort der Erkrankung. Viszerokutan Topographie,
Dies ist wichtig für Segment
die Punktwahl. (Außen/Innen Schicht, Qi,
Xue Wei/Qi/Ying/Xue-
Schicht und 3E)

Die Frage 3 nach den


Wie? Wie? Wie? Wie?
Modalitäten bezieht Bioklimati- Endogen psy- 8 Bagang- 5 Elemente:
sich auf Ätiologie, Art sche Fakto- chisch: Zorn, Prinzipien: Holz
und Dynamik der Er- ren: Wind, Freude, Sor- außen/innen Feuer
krankung. Dies ist Hitze, Feuch- ge, Trauer, Hitze/Kälte Erde
wichtig für Prognose, tigkeit, Angst Fülle/Leere Metall
Trockenheit, Yang/Yin Wasser
Strategie der Be- Kälte (außen/innen in ihrer
handlung, Reizart, ist auch eine Wechsel-
Reiztechnik, Phyto- Lokalisation) beziehung
therapiekonzept.

MERIDIAN + ORGAN + MODALITÄT = vereinfachte Diagnose der TCM

Die im letzten Kapitel über die Differentialdiagnose der TCM gezeigten Tabelle
dienen der Standardisierung der TCM-Diagnose.
Eine empfehlenswerte Vorgangsweise ist, nach der schulmedizinischen Diag-
nose eine Zuordnung nach den TCM-Syndromen vorzunehmen. Die Diagnose der
Schulmedizin ist meist exakt, die TCM hingegen unscharf. Dennoch gibt es vie-
le Bemühungen, diese zu standardisieren.
132 Krankheitslehre

Die TCM-Syndrome nach Wang Tao


Einige Modelle der TCM-Syndrome zur Standardisierung können uns helfen,
mehr Einblick in die Problematik einer Annäherung der TCM zur modernen Me-
dizin zu gewinnen. Wang Tao et al. (vom Anhui College of TCM, China) teilen
die TCM-Syndrome nach Vital-Qi (Zheng Qi) und pathogenem Qi (Xie Qi, auch
bioklimatische Faktoren genannt) ein:
■ Lokalisation der Krankheit: Zuerst wird die erkrankte Stelle im Körper zuge-
ordnet: Bestandteil des Zheng Qi ist Yin-Essenz (Vitalenergie-Qi, Atmungs-Qi,
Blut/Xue und Jinye/Körpersäfte) bilden die stoffliche Basis der Eingeweide,
weiters die Organe, die Gewebe und das Meridiansystem. Zheng Qi erhält den
physiologischen Normalzustand unseres Körpers). In der Praxis beurteilen wir
zuerst, welcher Bestandteil des Zheng Qi gestört ist, welcher Struktur die Stö-
rung zuzuordnen ist.
■ Modalität der Krankheit: Anschließend versuchen wir, das Krankheitsbild
einem (oder mehreren) pathogenen Faktoren zuzuordnen.
■ Tendenz der Krankheit: wir beurteilen Kampfsituation zwischen Zheng Qi und
Xie Qi.

Struktur der TCM-Syndrome


■ 5 Leere Syndrome (Xu Zheng) als Zeichen eines Vital-Qi-Defizits: Yin-Leere-,
Yang-Leere-, Qi-Leere-, Xue-Leere-, -Syndrome, Jin Ye-(Säfte, Flüssigkeits-)
Mangel-Syndrom.
■ Fülle-Syndrome (Shi Zheng) als Zeichen eines Überschusses an pathogenem
Qi: Wind-Syndrom (Feng Zheng), Kälte-Syndrom (Han Zheng), Feuchtigkeits-
Syndrom (Shi Zheng), Hitze-Syndrom (Re Zheng) und Stagnations-Syndrom
(Yu Zheng).
■ 5 Hauptorgane-Leere-Syndrome (Herz, Lunge, Leber, MP und Niere): Yin,
Yang, Qi Xue und Jin Ye; weniger 25, da z.B. fehlen: Gan Xue Zheng (Leber-
Leere-Syndrom), Gan-Yang-Xu-Zheng (Leber Yang Leere Syndrom), Gan Qi
Xu Zheng (Leber-Qi-Mangel-Syndrom) und andere.
■ 5 Haupteingeweide-Fülle-Syndrome (Herz, Lunge, Leber, MP und Niere):
Feng, Han, Shi, Re und Yu; weniger als 25, da nicht jedes Organ wegen pa-
thogenem Qi (Xie Qi) mit Erkrankung reagiert.
■ 5 Haupteingeweide-Syndrome nach Zheng Xie Xu Shi (Herz, Lunge, Leber,
MP und Niere): sie ergeben 625 komplexe TCM-Syndrome. Da oft Fülle- und
Leere-Syndrome bei Erkrankung eines Organs gemischt auftreten, haben wir
in der Praxis etwa 200 komplexe TCM-Syndrome.
■ Sub-Syndrome (Ci Zheng): Die Pathogenese ist ähnlich dem Hauptsyndrom,
nur die Lokalisation oder die Klinik verschieden: Z.B. verlagert sich die Hitze
im Herzen zum Dünndarm (Xin Re Yi Yu Xiao Chang).
■ Mischsyndrome (Jian Zheng): Syndrome aus mehreren pathogenen Qi bzw. aus
Erkrankungen mehrerer Bereiche des Zheng Qi: z.B. Wind-Kälte schädigt die
Lunge; Yin- und Yang-Leere der Niere; Qi und Xue Mangel des Herzen etc.
Pathogenese von Magenschmerzen 133

Pathogenese von Magenschmerzen

Exogene
Noxe

Stagnation Hitzestau
Magen-Qi- des Qi Ji im Magen
Schädigung (Qi Ji (Wie Re
Yong Xie) Zhi Sheng)

Diätfehler Fülle-
Schmerzsyndrom

Stagnation Magen-Yin-
Psyche Blutstau
des Leber-Qi Schädigung

Qi-Senkung
Milz- in Mitte
Chronische (Zhong Qi
Beteiligung
Krankheiten Xia Xian)

Leeres
Schmerzsyndrom
Körper
geschwächt

Milz-Qi-Mangel
(Pi Qi Bu Zu)
Blutverlust
Milz-Yang
geschwächt
(Pi Yang
Bu Zhen)
Über-
müdung
134 Krankheitslehre

Entscheidungsbaum für die Diagnose nach Zheng Qi und Xie Qi


Zuerst wird Differentialdiagnose der modernen Medizin (MM), anschließend die
Syndromdifferentialdiagnose der TCM nach dem Kräfteverhältnis zwischen Vi-
tal-Qi und pathologischem Qi (ein neues Modell der TCM-Differentialdiagnose
von Wang Tao, Yao Shilin, China, 2002) erstellt.

Apparative und
Labor-Unter-
suchungen

Diagnose nach
MM

Erkranktes Organ
bzw. erkrankte
Region feststellen

Erkrankungsdauer beur-
teilen; Differenzieren, ob
Mangel an Vital-Qi, oder
ob es um Fülle pathologi-
sches Qi handelt

Syndrom-Quantifizie-
Typen-Qualifizierung nach
rung nach Vital-Qi
pathologischem Qi (Xie-qi shi)
(Zheng-qi xu)

Kälte-Typ Hitze-Typ Wind-Typ Feucht-Typ Stagnation-Typ

Yin Yang Zong Xue- Jin


Jing Qi Qi Xu Ye
Xu Xu Xu Syn Xu
Syn Syn Syn Syn

Shi Xue Shi Xu Wai Nei Wai Nei Xie Yu Jie


Han Han Re Re Feng Feng Shi Shi Syn Syn Syn
Syn Syn Syn Syn Syn Syn Syn Syn
Entscheidungsbaum für die Diagnose nach Fülle/Leere 135

Entscheidungsbaum für die Diagnose nach Fülle/Leere

Das DD – System X (X – Bian Zheng)

Fülle-Syndrom Shi-Zheng Leere-Syndrom Xu-Zheng

Wind – Kälte – Som- Feuch- Trocken- Feuer Energie Blut – Schleim Wasser – Nah- Tier – Energie- Blutlee- Yin
Energie- Yang
Feng Han merhitze tigkeits- heit – (Hitze) – Qi Xue – Tan Shui rungs- Chong leere –– re –
leere Leere – Leere –
Shu Shi Zao Huo (Re) Shi Qi Xu
Qi Xu Xue Xu Yin Xu Yangxu

XX- XX-
Syndrom Syndrom

Zheng Zheng

XX-Typ XX-Typ
Xing Xing

Standardisierunug von Zhnghou (Y), Kardinalsymptom (A), Nebensymptom (B), Zunge und
Puls (C), Lokalbefund bzw. Laborbefund (D)
Y = A + B; Y = A + C; Y = A + D; Y = B + D; Y = A + C; Y = A + B + C; Y = B + C + D; Y =
A + B + C + D; Y = A1 + A2 + AN
Zang Zuordnung bedeutet nicht anatomische Lokalisation, da Zang im Stoffwechsel der TCM
Morphologie, Physiologie und Pathophysiologie inkludiert.
Zheng Hou Syndrome der TCM inkludieren Ätiologie, Lokalisation (System), Pathogenese und
Dynamik einer Erkrankung
Bing Krankheit (z.B. Bi Rheuma)
Zheng Symptom, z.B. Fröstelns

Wasserhaushalt von Seiten der Qi Hua(Qi-Physiologie)-Funktion


des 3-Erwärmers

Oberer 3E Mittlerer 3E Unterer 3E

Jin, Ye Kot

Nahrung/ Mund Magen Dick- Blase


Wasser Urin
darm Niere

Milz

Atmung Lunge
Schwitzen

Herz Leber
136 Krankheitslehre

Pathogenese der Rheumatischen Erkrankungen (Bi-Krankheiten)


Die rheumatische Erkrankung wird in der TCM als Bi-Krankheit bezeichnet. Als
Auslöser werden bioklimatische Faktoren (wai yin) wie Wind, Kälte etc., aber auch
innere Ursachen (nei yin) von Seiten der Organe (zang fu) und Körperstoffe (qi,
xue, jin, ye und tan) angesehen.

Wind – Kälte Blockade/ Xing-Bi Qi Xue Bu Zu


(Feng Han) Meridian Zhao-Bi
Tong-Bi O
r
Tan Yu Hu Jie g Zhang
a Bi
Wind – Hitze n
(Feng Re) Hitzestau Re-Bi
Gan Shen Kui Xu Xu
13 Krankheitsursachen (Xie)

Nach der Anamnese gilt es, die möglichen Ursachen von Krankheiten zu fin-
den.

Krankheitsursache/Xie Qi = Noxe

Erkrankung Anamnese

Zustand des Körpers/Zheng Qi =


Selbstheilungskraft

Aufgrund der Symptomatik und den Krankheitszeichen die Ursache herauszu-


finden.

Xie

Funktions- Bian-zheng
Symptome
störung (Differenzialdiag-
Zheng nose der TCM)
Qi

Die sechs exogenen, klimatischen Faktoren (Waigan bingxie)


Das Auftreten der äußeren Einflüsse:
■ Von außen dringen sie über die Haut, Nase und Mund in den Körper ein, sie
sind daher meist mit Kältescheu, Hitzegefühl, Schwitzen (viel oder Unvermö-
gen dazu) verknüpft. Anzeichen: Zungenbelag dünn, weißlich, Puls ober-
flächlich – Waigan Biao Zheng (Oberflächliches Syndrom).
■ Saisonales Auftreten: im Frühjahr Fengbing (Windkrankheit), im Sommer Re-
bing (Hitzekrankheit), im Herbst Zaobing (Trockenkrankheit), im Winter Han-
bing (Kältekrankheit).
■ Regionales Auftreten: in feuchten Regionen Shixiebing (Ödeme), in heißer Ar-
beitsumgebung Zao Re Bing (Trocken-Hitze-Krankheit).
■ Gemeinsames Auftreten: eine exogene Noxe kann alleine, aber auch mit an-
138 Krankheitsursachen (Xie)

deren Noxen gemeinsam auftreten, z.B. Fenghan ganmao (Windkälte, Ver-


kühlung), Fenhanshibi (Rheumatismus infolge Wind, Kälte und Feuchtigkeit).
■ Umwandlung: die Eigenschaft einer Symptomatik kann sich im Behandlungs-
verlauf ändern.
Die Eigenschaften der Noxen (Übel) und ihre typischen Symptome

Feng Xie (Wind)

Eigenschaften Besonderheiten der Symptome


Symptome

Leichtigkeit, schwebend, Erkrankung liegt kranial Cephalaea, Nase verlegt,


öffnend, ableitend Halskratzen, Husten
Erkrankung liegt Windscheu, Hitzegefühl,
superfizial Schwitzen
rasches Fortschreiten die erkrankte Stelle wandernde Rheuma-
Instabilität und nicht fix schmerzen
Variabilität
Symptome ändern sich Auftreten und Verschwinden
stark der Hautsymptome bei Röteln,
Vertigo
Motorik abnorme Bewegungen Krämpfe, Spasmen, Klonus
der Glieder
ist der Anführer vieler bei vielen Erkrankungen Windkälte, Windhitze, Wind
Noxen vertreten und Feuchtigkeit, Windkälte
entwickelt sich zu Hitze

Han Xie (Kälte)

Eigenschaften Besonderheiten der Symptome


Symptome

Kälte ist eine Noxe mit Han Zheng (Kältesyndrom) Shanghan: Kältescheu, man
Yin-Eigenschaft schadet dem Yang-Qi kann nicht schwitzen;
Zhonghan: Kältegefühl im
Magen und Oberbauch, Er-
brechen, dünner Stuhl, Frös-
teln, kalte Arme und Beine
blockierend, stagnierend Verzögerung der Qi/Xue- Hanbi: Gelenksschmerzen mit
Zirkulation bis zum Kältezeichen; Shanghan:
Auftreten von Schmerzen Kopfschmerzen, Körper-
schmerzen; Zhonghan:
Magen- und Oberbauch-
schmerzen
zurückziehend, Schweißporen schließen Kältescheu, man kann nicht
zusammenziehend schwitzen, Hitzegefühl
Muskelkrämpfe, Kontraktionen der Extremitä-
Kontraktionen ten, Störung bei Beugung und
Streckung
Feuchtigkeit 139

Shu Xie (Sommerhitze)

Eigenschaften Besonderheiten der Symptome


Symptome

starke Hitze (Yanre) Fülle-Hitzesyndrom hohes Fieber, innere Unruhe,


(Shi Re Zheng) großer Durst, Augen gerötet,
Puls kräftig (hongda)
aufsteigend, zerstreuend steigt zu Kopf und Augen Shangshu: dumpf im Kopf,
nach oben (Xin, Herz) die Zhong Shu: Synkope,
Psyche irritierend Bewusstlosigkeit
öffnet die Poren viel Schwitzen
verbraucht viel Körperflüssig- großer Durst, man trinkt viel,
keit (Jin) und Vitalenergie Kraftlosigkeit, Kurzatmigkeit;
(Qi) ZK: rot, trocken
oft zusätzlich Sommerhitze mit Feuch- Gefühl von Hitzestau im Kör-
Feuchtigkeitszeichen tigkeit per, innere Unruhe, großer
Durst, Müdigkeit und Schwe-
regefühl, Druck in der Brust,
Übelkeit, ZB: gelblich, glit-
schig

Shi Xie (Feuchtigkeit)

Eigenschaften Besonderheiten der Symptome


Symptome

absteigend, senkend schädigt meist caudale trüber Harn, Fluor albus,


Körperteile Diarrhö, Beinödeme, Ulcus
cruris
schwer, trüb Spannungs- und Schwere- Schweregefühl des Kopfes,
gefühl im Körper der Glieder (mit Schmerzen)
Ausscheidungen des Körpers trüber Urin, dünner Stuhl,
sind „trüb“ Blut oder Schleim im Stuhl,
unreine Haut
zäh, klebrig, blockierend Symptome mit Klebrigkeit klebriger Stuhl, Miktionsstö-
rezidivierender chronischer rung, z.B. glitschig
Verlauf Shi Bi: Gelenksschmerzen
mit Ödem;
Röteln mit rezidivierendem,
chronischem Verlauf
eine Noxe mit blockiert die Organfunktion wenig Appetit, Meteorimus,
Yin-Eigenschaft (Qi Ji), schadet dem Yang-Qi Druckgefühl im Magen und
Oberbauch (Qi Ji von
Magen/Milz); Durchfälle,
Ödeme bei Pi Yang Bu Zhen
(Yang-Mangel der Milz)
140 Krankheitsursachen (Xie)

Zao Xie (Trockenheit)

Eigenschaften Besonderheiten der Symptome


Symptome

Trockenheit, herb Schadet der Körperflüssig- Trockenheit der oberen


keit (Jin Ye), dadurch viele Atemwege und der Haut; Urin
Sicca-Syndrome konzentriert, Stuhl fest
schadet leicht dem Yin Atemwege und der Haut; Urin
der Lunge trockener Husten, wenig
Sputum mit zähem Sekret
oder Blut

Wenzao (Trockenheit mit Wärmezeichen): Auftreten am Herbstbeginn, das Kli-


ma zeigt neben der Trockenheit noch die Resthitze vom Sommer, daher finden wir
bei diesem Krankheitsbild (Zheng Hou) Trockenheit und Hitze.
Liangzao (Trockenheit mit Kältezeichen): Auftreten im Spätherbst, das Klima
hat schon Zeichen von Winterkälte, daher im Krankheitsbild (Liang Zao Zheng)
Trockenheit mit Kältezeichen.

Re Xie (Hitze)

Eigenschaften Besonderheiten der Symptome


Symptome

Brennen wie Feuer Fülle-Hitze-Syndrom (Shire hohes Fieber, Gesicht rot,


Zheng) innere Unruhe, Durst, Harn
rötlich, Puls kräftig (Hong)
Symptome sind meist im Hitzegefühl, dumpfer Kopf,
oberen Bereich anzutreffen Kopfschmerzen, Gesicht und
Augen rot, schmerzhafte-
Schwellungen von Larynx
und Pharynx
schadet Jin Ye (Körperflüs- Durst, viel Trinken, trockene
sigkeit) und Qi (Vitalenergie) Zunge und Kehle, ZK: dunkel-
rot, Müdigkeit, Kraftlosigkeit,
Kurzatmigkeit
leicht entsteht dabei Wind hohes Fieber, Krämpfe der
Beine und Arme, Nackenstei-
figkeit, Trismus, Blickdeviation
nach oben
leicht kommt das Blut in „die Hitze treibt das Blut aus
Bewegung dem Gefäß“: Hämoptoe, Epis-
taxis, Hämaturie, Blut im
Stuhl, Petechien etc.
leicht wird das Herz hohes Fieber, Wutanfälle, Be-
(Xin Shen) irritiert nommenheit, wirres Reden
leicht entstehen dabei Ulcus Furunkel, Ulzera, örtliche Rö-
und Schwellungen tung, Schwellung, Hitze,
Schmerzen, Eiterung
Die sieben emotionalen Faktoren 141

Die sieben emotionalen Faktoren


Diese sind: Freude, Zorn, Sorgen, Grübelei, Trauer, Angst, Schrecken. Sie treten
gemeinsam und als einzelne Faktoren auf.

Freude und Schrecken

Auslöser Besonderheiten der Symptome Symptome


Übermaß Freude schadet Qi wird Palpitation, Insomnie,
an Freude dem Herzen, zerstreut Unkonzentriertheit
das Qi wird psychisch man freut sich und lacht
träge auffällig ohne Unterbrechung, redet
wirr; abnorme Aktivitäten
plötzlicher Schreck schadet „Wenn Qi des Her- Schreckhaftigkeit,
Schreck dem Herzen zens durcheinander ist, Ratlosigkeit, Palpitation,
Qi wird durch- dann hat der Geist Insomnie, unruhig, ängst-
einander gebracht kein Zuhause.“ lich, man redet durcheinan-
der, ist psychisch auffällig

Zorn

Auslöser Besonderheiten der Symptome Symptome


großer Zorn Zorn schadet Qi der Leber Ungeduld, Jähzorn,
der Leber, steigt auf Cephalaea, Druck im Kopf,
das Qi bewegt Gesicht und Augen gerötet
sich aufwärts das Blut steigt auf Hämoptoe, Bewusstlosigkeit
(mit dem Qi)
Einfluss auf Aufstoßen, Erbrechen,
Milz/Magen Meteorismus, Diarrhö,
Inappetenz

Grübelei

Auslöser Besonderheiten der Symptome Symptome


durch zu Grübeln „Verknotung“ Epigastrogie
viel Grü- schadet der des Milz-Qi
beln Milz, seelische Palpitation, Insomnie, leb-
Grübeln führt Unruhe hafte Träume, sogar Apathie
zu Qi-„Verkno- Schädigung von Impotenz, Pollution,
tung“ Leber und Milz Ejakulatio precox, Menstrua-
tionsstörung, Fluor albus
142 Krankheitsursachen (Xie)

Trauer und Sorge

Auslöser Besonderheiten der Symptome Symptome


übermäßige Trauer schadet Das Qi der Lunge leise Stimme, Kurzatmig-
Trauer der Lunge, verschwindet keit, Kraftlosigkeit,
Trauer lässt Qi Niedergeschlagenheit,
verschwinden noch schlimmer:
seelische Haltlosigkeit
die Sorgen die Sorge schadet Sorge verursacht Freudlosigkeit, Nieder-
gehen nicht der Lunge, Depression und geschlagenheit, Druck
vorbei die Sorge Qi-Blockade in der Brust, Kurzatmigkeit
verschließt das Qi

Angst

Auslöser Besonderheiten der Symptome Symptome


übermäßige Angst schadet Qi und Xue blasse Gesichtsfarbe,
Angst der Niere, Angst neigen zur Vertigo (geht bis zum
führt zur Qi-Sen- Abwärtsbewegung Umfallen), schlimmer
kung (Abwärts- noch: Bewusstlosigkeit
bewegung) Qi der Niere Harn- und Stuhlinkontinenz,
ist nicht dicht, Pollution, Ejakulatio precox,
es wird viel Lumbalgie, Atrophie der
Essenz verbraucht Beine, man kann nicht aus
dem Bett steigen, nicht
stehen; Zahnlockerung,
Gesichtsfarbe ist dunkel

Stress

Auslöser Besonderheiten der Symptome Symptome


zuviel zuviel Vitalenergie- leise Stimme und wenig
Arbeit körperlicher Verschleiß Sprechen, seelische und
(physisch Stress körperliche Müdigkeit,
und Magerkeit
psychisch) zuviel Blut-Verschleiß Palpitation, Vergesslichkeit,
seelischer Insomnie, lebhafte Träume
Stress schadet dem Qi der Nahrung verweilt lange
Milz (Pi Shi Jian Yun) im Magen (Na Dai),
Meteorismus, wässriger
Stuhl
sexuelle Verschleiß der Essenz Kraftlosigkeit und Schmer-
Exzesse der Niere (Shen Jing) zen in LWS sowie Knie,
und des Qi der Niere Niedergeschlagenheit,
(Shen Qi) dumpfes Gefühl im Kopf,
Tinnitus, Ejakulatio precox,
Pollution, Impotenz,
Menstruationsstörung,
Infertilität
Diätfehler 143

Auslöser Besonderheiten der Symptome Symptome


zuviel Funktionsstörung von nervöse Erschöpfung, wenig
Ruhe Milz und Herz, Qi/Xue- Appetit und Kraft, körper-
Zirkulationsstörung liche Schwäche, schwam-
Stagnation von Qi/Xue miger Körperbau, Belas-
tungsdypnoe, man schwitzt
leicht, wenig Appetit,
Meteorismus, Vertigo,
Brustschmerzen (Xiong Bi),
Apoplexie etc.

Pathomechanismus

emotionaler Stress meist psychische Symptome

Zorn – Leber
Schreck, Freude – Herz
trifft direkt ein vom Herzen Grübeln – Milz
Trauer, Sorge – Lunge
Organ ausgehend Angst – Niere

Zorn – Qi aufwärts bewegen


Freude – Qi träge
Qi, Xue Schreck – Qi durcheinander
Einfluss auf die
Zirkulations- Grübeln – Qi „verknoten“
Organfunktion/Oi Ji Trauer – Qi verschwindet
störung
Sorgen – Qi verschließen
Angst – Qi abwärts bewegen

Einfluss auf den Emotionale Schwankungen


Symptom verstärkend
Krankheitsverlauf verändernd

Diätfehler
Sättigungsfehler

Auslöser Besonderheiten der Symptome Symptome


Abnormität zu hungrig schadet dem Schmerzen und Geräusche
in der wenig essen Magen im Magen und Oberbauch,
Sättigung saures Aufstoßen
mangelhafte Energiemangel (Qi Xu),
Erzeugung von Qi, Blutmangel (Xue Xu),
Xue und Jin Ye Mangel an Körpersäften
(Vitalenergie, Blut, (Jin Ye), Entwicklungs-
Körpersäfte) störung bei Kindern
Schwäche an Zheng Qi exogene Noxen führen
(Heilkraft) leicht zu Erkrankung
zu satt schadet Milz Schmerzen und Blähungen
viel gegessen und Magen in Magen und Oberbauch,
Aufstoßen von Saurem und
Fäulnisgeruch, Erbrechen,
Diarrhö
144 Krankheitsursachen (Xie)

Auslöser Besonderheiten der Symptome Symptome


Tan (Schleim) und Husten mit viel Sekret
Feuchtigkeit (Shi) (Tan), Dyspepsie bei
entstehen im Körper. Kindern
Tan ist die zähe Form
eines Sekretes bzw. ein
Begriff für eine zähe
Flüssigkeit, welche zu
Verlegungen von
Gefäßen und Öffnun-
gen im Körper führt.

Unreine Nahrungsmittel

Auslöser Besonderheiten der Symptome Symptome


Unreine verunreinigte, schadet Milz, Bauchschmerzen, Erbre-
Nahrungs- verdorbene, Magen und Darm chen, Diarrhö, Dysenterie
mittel oder gifthaltige mit Eiter und Blut
Nahrungsmittel Erkrankung durch Bauchschmerzen,
Parasiten gelb-fahle Gesichtsfarbe
Nahrungsmittel- Bauschmerzen, Erbrechen
vergiftung Diarrhö, Bewusstseins-
störung, Exitus

Einseitige Ernährung

Auslöser Besonderheiten der Symptome Symptome


quantitative zu viel Kaltes schadet dem Yang-Qi Bauchschmerzen, Diarrhö,
Dominanz (Han) von Milz und Magen Erbrechen von klarer
wässriger Flüssigkeit, kalte
Hände und Füße
zu viel durch Hitzestau in Durst, übler Mundgeruch,
Heißes (Re) Magen und Darm Obstipation, Darmge-
wird das Yin des räusche, ständiges
Magens geschädigt Hungergefühl, ZK:
rot, ZB: fleckig, fehlend
einseitiger Schleim (Tan) entsteht Vertigo, Brustschmerzen
Geschmack aus zuviel Fettem (Xiongbi), Bewusst-
(Wei) und Süßem, aus dem losigkeit
Schleim entsteht
wiederum innere Hitze
dem Körper fehlen Nyktalopie, Struma,
Nährstoffe Kyphoskoliose, Beriberi
zu viel Alkohol schadet Milz und Meteorismus, wenig
Magen, es entsteht Appetit, bitterer Mund-
Feuchtigkeit und geschmack, Glitschigkeit im
(innere) Hitze Mund, schlimmstenfalls:
Koma
Diätfehler 145

Auslöser Besonderheiten der Symptome Symptome


falsch do- Nahrungsergän- gegenteilige Zunahme der Negativ-
sierte oder zungsmittel, Wirkung als symptome (z.B. Müdigkeit,
unnötige Gesundheitstee, die erwartete Depression, Freudlosigkeit,
Einnahme Stärkungsmittel niedriger Blutdruck etc.)
von Ge- für Niere etc.
sundheits-
produkten
Die Acht Prinzipien (Ba Gang) und die
14 TCM-Differenzialdiagnose (Bian Zheng)

Ba Gang
Die 8 Prinzipien des Ba Gang (Grundmuster) sind Regeln für eine TCM-Diffe-
renzialdiagnose und eine Anleitung zur Therapie. Die 8 Prinzipien (Modalitäten,
„Konditionen“) beziehen sich ursprünglich auf das Eindringen pathogener Fak-
toren von außen nach innen bei fieberhaften Erkrankungen, sind aber geeignet,
bei jeder Erkrankung gewisse Kriterien zu beschreiben. Diese Prinzipien sind:
Yin/Yang, Bao/Li, Re/Han, Shi/Xu.

Yin/Yang

Syndrom Lokalisation Zustand Punktauswahl Behandlung

Yin- Yin-Organe, Hypofunk- Eher KG und Tiefere Nadelung, län-


Syndrom innen, tion, ge- LG-Meridiane ger liegen lassen,
Abdomen, hemmtes, (KG 4, KG 6, LG 3, langsam die Nadel
Tiefe, ruhiges, de- LG 4) sowie 3 Yin- herausziehen, mehr
Leere, generatives Meridiane: akupunktieren, mehr
Kälte und und passives Yang wärmend moxen
Blut Verhalten und Kälte
vertreibend
Yang- Yang- Hyperfunk- Eher LG-Meridian Oberflächliche Nade-
Syndrom Organe, tion, starke (LG 14-Dazhui, lung, kürzere Verweil-
außen, Fluktuation LG 11-Shenzhu) dauer der Nadeln, die
Rücken, der Sensa- und die 3 Yang- Nadeln rasch heraus-
Oberfläche tionen und Meridiane: ziehen, mehr aku-
Fülle, aller aktiven Hitze-Noxe punktieren, weniger
Hitze Zustände aus den Yang- oder nicht moxen
und Qi Meridianen
vertreibend
148 Die Acht Prinzipien (Ba Gang) und die TCM-Differenzialdiagnose (Bian Zheng)

Außen (Biao)/Innen (Li)


Lokalisation: nur Haut, Bewegungsapparat (außen) oder Organbefall (innen)

Leitvorstellung Außen – Wai, Biao = Körper- Innen – Li = Körperinneres:


oberfläche: Haut, Bewegungs- innere Organe
apparat, obere Luftwege

Leitsymptome Plötzlicher Beginn, Wind/Kälte- Fieber und Wind/Kälte-Aversion,


Aversion, gleichzeitig Fieber, aber nicht gleichzeitig, sondern
z.B.: dünn, Puls: oberflächlich; entweder/oder (z.B. Fieber ohne
Begleitsymptome: Kopfschmer- Kälte-Aversion/Kälte-Aversion
zen, allgemeine Schmerzen, ohne Fieber), organspezifische
Lunge: verstopfte Nase, Husten. Reaktionen.
Lokalisation Haut, Muskulatur, Meridiane, Eingeweide
Extremitäten
Pathogenese Pathogene Faktoren dringen von 1. Eindringen pathogener Fakto-
außen in den Körper ein, blo- ren von außen nach innen (z.B.
ckieren Meridiane, beeinträch- durch falsche Behandlung
tigen die wärmende, nährende äußere Syndrome).
Funktion des Qi; es entwickeln 2. Direktbefall von Lunge, Dik-
sich Symptome, die ihnen glei- kdarm, Magen, Blase.
chen. 3. Organ-Vorschädigung: durch
Emotionen, Fehlernährung,
Überanstrengung, Stress bzw.
konstitutionell.
Prognose Gut Nicht so gut
Zungenbelag Normal = dünn, weiß Verändert
Zungenkörper Hitze: rote Ränder/Kälte: blass Verändert
Puls Oberflächlich Verändert
Allgemein- Gut Beeinträchtigt
zustand
Diagnose- Muskelschmerzen und begin- Pneumonie als Folge eines
beispiele nender grippaler Infekt grippalen Infektes
Therapieziel Pathogene Faktoren entfernen, Organe stärken, Organ-Qi in
Qi-Fluss in Schwung bringen. Fluss bringen.
Tuina/ Primär, bezogen auf Lokalisation, Sekundär, organbezogene Punk-
Akupunktur pathogene Faktoren, oft Quell- te.
punkt des betroffenen Yang-Me- Hohlorgane: vorwiegend AP, ZP,
ridianes, oft und kräftig stimulie- unterer He-P,
ren, pathogene Faktoren entfer- Parenchymatöse Organe: vorwie-
nen, Somatotopien, Punkte auf gend QuP, ZP, auch AP.
betroffenem Meridian, Fern- Wenn Hitze in der Tiefe (Li Re)
punkte. ist, dann Punkte von LG, M-Me-
Vorrangig LG (LG 14-Dazhui, LG ridian und Lunge-Meridian.
11-Shenzhu), B-Meridian (B 12), Wenn Leere im Inneren (Li Xu)
Lu-Meridian (Lu 10, Lu 11). ist, dann Punkte von KG, MP-
Oberflächlich stechen, die Na- Meridian und N-Meridian leicht
deln gleich entfernen. erwärmend behandeln. Bei Li Re
ist die sedierende Technik (Xie
Fa) ohne Moxen die richtige. Bei
Li Xu ist zarte Stimulation und
moxen angebracht.

Abkürzungen: AP: Alarmpunkt, ZP: Zustimmungspunkt, unterer He-P: unterer He-Punkt,


QuP: Quellpunkt.
Ba Gang 149

Hitze (Re)/Kälte (Han)

Leitvorstellung Hitze (Re) Kälte (Han)

Pathogenese Hitzeüberschuss durch pathoge- Kälteüberschuss durch pathoge-


ne Faktoren, langem Stau oder ne Faktoren, kaltes Essen oder
Mangel an kühlendem Yin. Mangel an wärmendem Yang.
Leitfarben Rot/gelb, grauschwarz (trocken) Weiß, grauschwarz (feucht)
Tempo Schnell Langsam
Temperatur Heiß Kalt
Temperatur- Will Kühle, Wärmeaversion Will Wärme, Kälteaversion
Toleranz
Eindruck Bewegt Erstarrt
Atmung, Bewe- Schnell Langsam
gung, Sprache
Harn Konzentriert, dunkelgelb Hell, nicht konzentriert
Stuhl Üblel riechend, meist obstipiert Schwach riechend, meist Diarrhö
Zungenbelag Gelb, trocken Weiß, feucht
Zungenkörper Rot blass
Gesicht Rot blass
Puls Schnell Langsam
Diagnose- Sonnenbrand oder -stich, grip- Beginnender grippaler Infekt mit
beispiele paler Infekt mit hohem Fieber Frösteln
Akupunktur/ Hitzepunkte: 1. oder 2. Meridian- Akupunktur/Tuina (kombiniert
Tuina punkt proximal von den Akren; mit Moxa).
Universalprogramm: Di 4, Di 11, Nadelung der tiefen Schicht ist
LG 14, M 36; Punkte aus LG, notwendig.
Di-Meridian und M-Meridian. Punkte aus KG, N-Meridian,
Starke Nadelstimulation, rasches MP-Meridian.
Herausziehen der Nadel.
Moxa Nein Ja

Therapeutische Konsequenz dieses Konzepts: Bei Fülle: sedierende Tuina-/


Akupunkturtechnik; kräftige Manipulation, ableitend, blutig Schröpfen. Bei Lee-
re/Mangel: tonisierende Akupunktur-/Tuinatechnik, milde Manipulation.

Fülle (Shi)/Leere (Xu)


Fülle: Heftige Reaktion, mehr an Substanz (z.B. dicker Zungenbelag, Schwellung),
kräftiger Puls.
Leere/Mangel: geschwächte Reaktion, Atrophie (z.B dünner bis fehlender Zun-
genbelag), dünner Zungenkörper, kraftloser Puls.

Parameter Fülle/Überfluss Leere/Mangel

Leitvorstellung Yang entspricht viel, Schwel- Yin entspricht wenig, Atrophie,


viel/wenig lung, Überfluss, Überreaktion Substanzverlust, Unterreaktion
Kraft Kräftig Kraftlos
Lautstärke Laut Leise
Masse Viel Substanz (z.B. Zungen- Wenig Substanz (z.B. Zungen-
belag) belag)
150 Die Acht Prinzipien (Ba Gang) und die TCM-Differenzialdiagnose (Bian Zheng)

Parameter Fülle/Überfluss Leere/Mangel

Drucktoleranz Vermindert – Palpation schmerz- Vermehrt – Massage angenehm


haft
Eindruck Je nach pathogenem Faktor Schlaff
Atmung Vertieft, Röcheln, Rasseln, laut Flach, Hecheln, leise reduzierter
Allgemein- Füllezeichen sind nur bei gutem Allgemeinzustand, Prognose
zustand AZ ausgeprägt, Prognose gut weniger gut
Bewegung Je nach pathogenem Faktor Kraftlos, leer
Sprache Je nach pathogenem Faktor Leise, flüsternd
Gesicht Je nach pathogenem Faktor Eingefallen, mager oder
gedunsen
Zungenbelag Dick Dünn
Zungenkörper Dick oder normal, steif Dünn, spitz oder schlaff,
geschwollen
Puls Kräftig Kraftlos
Diagnose- Akute Lumbalgie bei kräftigen Chronische Lumbalgie bei mage-
beispiel Patienten ren, schwachen, alten Patienten
Tuina/ Primär, starkes Deqi auslösen, Sekundär, mildes Deqi auslösen,
Akupunktur oft, lange sedieren, ableiten, selten, kurz tonisieren, dazu-
herausholen, mehr Nadeln, geben, weniger Nadeln, mehr
weniger moxen. moxen.
Punkte auf LG, M-Meridian, 3E- Punkte auf KG, MP-Meridian,
Meridian und Di-Meridian. N-Meridian., ö-ä
Einstich Nicht verschließen Sofort verschließen, Tupfer drauf,
massieren
Bluten lassen Ja, Mikroaderlass Nein
Schröpfen Ja Vorsicht!
Blutig schröpfen Ja, d.h. erst Akupunktur, dann Nein
schröpfen
Pharmatherapie Sekundär Primär

Die Therapieempfehlungen modifiziert nach Liu Guanjun, TCM-Klinik, Changchun, China


(Zeitschrift „Xin zhongyi“, 1/1983, China).

TCM-Differenzialdiagnose (Bian Zheng)


Komplexe Syndrome
Herz- und Nieren-Yin-Mangel (Xin Shen Yin Xu)
Symptome: Palpitation, Vergesslichkeit, Schlafstörung, lebhafte Träume, Kater-
gefühl in der Lumbal-/Knieregion Gewichtsabnahme, Schwitzen ohne Grund,
Mund-/Rachentrockenheit. Bei Yin-Mangel in der Niere (ShenYin Xu) fehlt dem
Körper Ernährung, deshalb zeigt er das Bild der Hitze durch Leere (Xure). Kli-
nisch finden wir Kreuz- und Knieschmerzen, Kraftlosigkeit, Tinnitus, Vertigo,
Zahnlockerung, Haarausfall, Potenzstörungen und Menstruationsstörungen,
Schlaflosigkeit, Vergesslichkeit, Trockenheit im Mund und Rachen, Hitzegefühl
der 5 Herzen, starkes Schwitzen, Hitzegefühl, Gewichtsverlust, ZK trocken, röt-
lich, ZB wenig bis fehlend, Puls dünn und schnell. Tritt häufig bei Übermüdung,
TCM-Differenzialdiagnose (Bian Zheng) 151

Erschöpfung, nach langer Krankheit (wenn viel vom Yin der Niere verbraucht
wurde), im Spätstadium einer fieberhaften Erkrankung (Hitze verbraucht viel Yin
der Niere), nach sexuellen Exzessen etc. auf. Bei Yin-Mangel des Herzens ist
ebenfalls das Bild der Hitze durch Leere (Xu Re) zu finden, dazu kommen inne-
re Unruhe (Herz), Palpitationen (Herz). Die Ursachen sind emotionale Überan-
strengungen bzw. auch Erkrankungen, bei denen es zu Yin-Mangel in der Leber
bzw. Niere kommt.
Dieser Komplex ist von den folgenden zu unterscheiden:
– Bei Yang-Mangel in der Niere (Shen Yang Xu) finden wir im Unterschied Ge-
sichtsblässe oder ein dunkelverfärbtes Gesicht, Kreuz- und Knieschmerzen,
Katergefühl, kalte Hände und Füße (besonders an der unteren Extremität), Mü-
digkeit, Potenzstörungen, Ejakulatio precox, Frigidität und Fertilitätsstörung
bei Frauen, dünnen Stuhl, morgendlichen Durchfall, Pollakisurie, Nykturie, ZK
blass, ZB weißlich, Puls tief, dünn und kraftlos (besonders an der Position Lu
7). Ursache hierfür ist oft eine angeborene Yang-Schwäche oder das hohe Al-
ter bzw. schwere Krankheit oder Stress. Typisch ist dabei die Reduktion der
Sexualität und Fortpflanzung, gleichzeitig Kälte an OE und UE, Knie, Lumbal-
region, also Zeichen von Kälte durch Leere (Xu Han). Wenn im Krankheitsbild
Ödeme vorkommen (Shen Xu Shui Fan), dann spricht dies für ein weiteres Fort-
schreiten des Yang-Mangels.
– Von Yang-Fülle der Niere, Yin-Fülle der Niere wird allgemein nicht gesprochen.
– Beim Syndrom des Essenz-Mangels der Niere (Shen Jing Bu Zu) finden wir
wiederum Reifungsstörungen bei Kindern und Erwachsenen, Abnahme der
Sexualität und vorzeitige Alterung. Der Unterschied zum Yin-Mangel in der
Niere (ShenYin Xu) ist das Fehlen des Bildes der Hitze bei Leere (Xu Re).
– Bei Störung der Qi-Haltefunktion in der Niere (Shen Qi Bu Gu) kommt es zu
Miktionsstörung, Pollutionen, Ejakulatio precox, Fluor albus sowie zu einer
Funktionsstörung in den Wundermeridianen Chongmai und Renmai.
– Bei sehr fortgeschrittenem Yin-Mangel in der Niere finden wir das prognostisch
sehr ernste Bild von Shen Bu Na Qi, das sich durch Folgendes zu erkennen gibt:
Ruhedyspnoe, ZK blass, Puls tief und dünn.

Aufsteigendes Leber-Yang (Ganyang Shangkang)


Symptome: Vertigo, Spannungskopfschmerz, Tinnitus, Augen und Gesicht gerö-
tet, Palpitation, bitterer Mundgeschmack, trockener Rachen, Vergesslichkeit, Un-
geduld, Zornausbrüche, Rückenschmerzen, „der Kopf schwer, die Füße leicht“,
ZK rot, kein Belag, Puls zart und schnell. Hier liegt ein Zustand des Yin-Mangel
in der Leber und in der Niere vor, sodass das Yang der Leber „ungezügelt“ auf-
steigen kann. Typisches Zeichen dieses Komplexes sind ein Bild der Fülle oben
(schwerer Kopf, Cephalea, Tinnitus, Augensymptome) und der Leere unten (leich-
te, kraftlose, Beine, Lumbalgie). Bei Yin-(Flüssigkeits-)Mangel in der Leber (Gan
Yin Xu) kommt es zu einem Kontrollverlust des Yang, daher ein Bild der Hitze (Xu
Re). Die Ursache liegt oft in der emotionaler Blockierung, Depression (das gestaute
Qi wird in Hitze umgewandelt), tritt aber auch im Spätstadium einer fieberhaften
Erkrankung auf bzw. Zustände mit Yin-Mangel in der Niere können zum Mangel
an Yin in der Leber führen. Typische Zeichen hierfür sind Schmerzen am Kopf,
gerötete Augen, öfters Probleme mit den Sehnen, Schlaffheit der Muskeln und
das Bild der inneren Hitze durch Yin-Mangel.
152 Die Acht Prinzipien (Ba Gang) und die TCM-Differenzialdiagnose (Bian Zheng)

Im Unterschied dazu finden wir bei Qi-Stagnation in der Leber (Gan Yu Qi Xie)
Depression, wechselnde Druckschmerzen in Flanken bzw. im Epigastrium, Glo-
busgefühl, häufiges Seufzen, bei Frauen Brustschmerzen, Dysmenorrhoe, ZB
dünn, weißlich, Puls sehnig. Die Symptome sind stark von den Emotionen ab-
hängig. Der Grund ist die gestörte „Verteilungsfunktion der Leber” (Shu Xie).
Ausgelöst meist das durch seelische Belastungen oder durch leberschädigende
Noxen. Das Fertigpräparat Xiao Yao San wirkt in diesen Fällen sehr positiv (sie-
he auch Kap. 11 und 12 zum Menopause-Syndrom).

Herz- und Milz-Yin-Mangel (Xin Pi Liang Xu)


Symptome: Palpitation, Vergesslichkeit, Schlafstörung, lebhafte Träume, der
Schlaf ist nicht tief, Müdigkeit, Kraftlosigkeit, wenig Appetit, Stuhl ist dünn, Bläs-
se von Gesicht und Lippen, Zahnabdrücke am Zungenrand, Puls zart und schnell.
Bei Yin-Mangel im Herzen (XinYin Xu) finden wir innere Unruhe, Palpitationen,
Schlafstörung, lebhafte Träume und Zeichen von Yin-Mangel. Meist durch psy-
chische, geistige Überanstrengung verursacht, oder im Spätstadium einer fieber-
haften Erkrankung oder infolge einer Erkrankung, bei der das Yin in der Leber
oder der Niere stark reduziert wurde, auftretend. Bei Yin-Mangel in der Milz (Pi
Yin Xu) kommt es zu einem Leerezustand der Körpersäfte (Jin Ye) oder des Blu-
tes (Xue). Bei Erkrankung der Milz unterscheidet die TCM zwischen der Störung
von Yin-Qi (Blut der Milz, Säfte der Milz) und der von Yang-Qi (Qi der Milz oder
Yang der Milz). Klinisch sind häufig Bilder des Qi-Mangels der Milz (Pi Qi Xu)
oder des Yang-Mangels der Milz (Pi Yang Xu) anzutreffen. Typisch dafür sind
Appetitlosigkeit, schlechte Verdauung, Aufstoßen, Magengeräusche, Magen-
schmerzen, Mundtrockenheit, fester Stuhl, Abmagerung, ZK rot, trocken, ZB gelb-
lich bist fehlend, Puls zart und schnell. Die Erkrankung des Yin-Mangels in der
Milz entwickelt sich langsam.
– Bei Blut-Mangel im Herzen (Xin Xue Xu) finden wir im Unterschied dazu Pal-
pitationen, Vertigo, Schlafstörung, lebhafte Träume, Vergesslichkeit, Gesichts-
blässe, Blässe an Zunge und Lippen, ZK blass, Puls dünn, zart. Die Ursache
liegt in mangelhafter Milz-Funktion und Erkrankungen mit Blutverlust. Das ty-
pische Bild ist Palpitation, Schlafstörung und Blutleere. Die Organe werden
nicht ausreichend mit Blut versorgt.
– Bei Qi-Mangel im Herzen (Xin Qi Xu) wiederum finden wir Palpitationen,
Schlafstörung, Kurzatmigkeit, Müdigkeit, Zunahme der Symptome nach An-
strengung, Gesichtsblässe, leichtes Schwitzen, ZK blass, Puls leer. Tritt meist
bei Personen mit angeborener Schwäche, im Alter oder nach langer Erkran-
kung auf. Typisch ist dafür die Palpitation und das Bild des Qi-Mangels (Qi Xu).
– Bei Yang-Mangel im Herzen sind die Anzeichen Palpitationen, Druckgefühl,
Schmerzen in der Brust, Kurzatmigkeit, man schwitzt leicht, Kältescheu, Ge-
sichtsblässe oder Lippenzyanose, ZK blass, dick, leicht zyanotisch, ZB weißlich,
glitschig, Puls zart bzw. knotig. Dies ist eine Verschlechterung des Bildes des
Qi-Mangels im Herzen (Xin Qi Xu). Typisch hierfür sind Palpitation, Druckge-
fühl bzw. Schmerzen in der Brust und das Bild des Yang-Mangels (Yang Xu).
– Bei Qi-Mangel der Milz (Pi Qi Xu) finden wir Meteorismus, man verträgt nur
wenig Essen, Zunahme der Blähungen nach dem Essen, dünner bis wässriger
Stuhl, müde Glieder, Niedergeschlagenheit, man spricht wenig, Abmagerung,
Gesichtsfarbe fahl, die Haut schwammig, Ödeme, ZK blass, ZB weißlich, Puls
TCM-Differenzialdiagnose (Bian Zheng) 153

langsam, schwach. Dazu kommt es meist wegen Diätfehler, nach psychischer


und physischer Überbelastung, wegen angeborener Konstitutionsschwäche, im
Alter bzw. nach langer Krankheit. Typisch sind dafür wenig Appetit, Blähun-
gen, dünner Stuhl und Zeichen von Qi-Schwäche (Qi Xu).
– Bei Yang-Mangel der Milz (Pi Yang Xu) sind klinisch zu finden, dass der Pa-
tient nur wenig Essen vertragen kann, chronische Bauchschmerzen hat, die sich
auf Druck bessern; weiters Frösteln, kalte Hände und Füße, flache Atmung,
Gesichtsblässe, pastöses Gesicht, wenig Durst, Stuhl dünn bzw. wässrig, ev.
Ödeme, wenig Harn, manchmal auch Fluor albus, ZK blass, dick, ev. mit Zahn-
abdrücken am Rand, ZB weiß, glitschig, Puls tief, langsam, kraftlos. Dieses Bild
der Milz-Yang-Schwäche entsteht meist auf Grund einer Milz-Qi-Schwäche,
kann aber auch durch Diätfehler, „kaltwirkende Medikamente“ (z.B. TCM-
Pharmazeutika) oder auch auf Grund eines Yang-Mangels der Niere verursacht
sein. Typisch sind Zeichen der Schwäche in Verdauung und Kältezeichen in-
folge von Leere (Xuhan).
– Bei Qi-Senkung der Milz (Pi Qi Xia Xian) finden wir Magerkeit, Gesichtsbläs-
se, Kurzatmigkeit, leise Stimme, Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Vertigo, Augen-
flimmern, leicht Schwitzen, wenig Appetit, Blähungen, dünner Stuhl, Diarrhö,
Prolapsus ani, uteri, Metrorrhagie, ZK blass, mit Zahneindrücken, Puls dünn,
zart, kraftlos. Tritt meist nach körperlichem Stress oder bei Vielgebärenden auf.
– Bei Kontrollverlust des Blutes durch Milzstörung (Pi Bu Tong Xue) stößt man
auf die Zeichen von Blutaustritt wie Nasenbluten, Blut im Stuhl etc., aber auch
Zeichen von Qi- oder Yin-Mangel in der Milz.
– Bei Feuchtigkeit der Qi-geschwächten Milz (Pi Xu Shi) finden wir 1. Zeichen
von Milz-Leere (Qi und Yang), 2. Wasseransammlung im Körper (dünner Stuhl,
am Körper das Gefühl des Eingewickeltseins bzw. Beinödeme, Fluor albus, ZK
blass, dick, z.B. weißlich, glitschig, Puls langsam.

Nieren-Yang-Mangel (Shen Yang Xu)


Symptome: Schwäche und Kältezeichen in Lumbal- und Knieregion, Potenzstö-
rungen, Fruchtbarkeitsstörungen, Vertigo, Depressivität, Gesichtsblässe etc. Tritt
meist im hohen Alter, bei angeborener Schwäche, Übermüdung, im Rahmen chro-
nischer Leiden auf. Typisch für den Nieren-Yang-Mangel (Shen Yang Xu) sind Zei-
chen der sexuellen Unterfunktion, der mangelhaften Erwärmung (= Kardinal-
symptom von Yang Xu) und zusätzlich Zeichen der mangelhaften Qi Hua-Funk-
tion (Umwandlungsfunktion). Die TCM spricht hier auch von Kälte als Folge der
Leere (Xu Han). Meist zu sehen bei Personen mit angeborener Yang-Leere oder
im hohen Alter. Nach langer Krankheit, nach sexuellen Exzessen kann es auch
zu Yang-Verschleiß, Organstörung und Schädigung des Yang der Niere kommen.
In der TCM- Diagnose wird nicht von Yang-Fülle, Yin-Fülle, Qi-Fülle gesprochen.

Spezielle Syndrome
Nach der stofflichen Zugehörigkeit unterscheidet man: Störungen von Blut (Xue),
Vitalenergie (Qi) und Körpersäften (Jinye).
Qi-Stagnation und Tan-Blockade (Qi Yu Tan Jie) zeigen sich an folgenden
Symptomen: Depression, innere Unruhe, Druck- und Spannungsgefühl in Brust
und Flankenregion, Druck am Oberbauch, öfters Aufstoßen, Müdigkeit, wenig
Appetit, ZK blass, ZB weißlich, Puls sehnig bzw. schlüpfrig.
154 Die Acht Prinzipien (Ba Gang) und die TCM-Differenzialdiagnose (Bian Zheng)

Schleim (Tan Yin)


Der Pathomechanismus von Tan Yin stellt sich wie folgt dar:

Pathologische Produkte und


führt zu neuen ist die Ursache
Zustände im Tahmen einer
Erkrankungen des Rezidives
Stoffwechselstörung

Tan ist zäh


sichtbar Tanzhu (trüber und trüb
Schleim) und
Tan Yin geformt tastbar Shuiyin (Wasser)
hörbar als Materie
Yin ist klar
und dünnflüssig

nicht sichtbar Diese Störungen durch Tan Yin als


Auslöser haben typische Symptome.
Tan Yin formlos nicht tastbar Diese Tan Yin-Erkrankungen kön-
geräuschlos nen mit dem Taiyin-Konzept
behandelt werden.

Die Entstehung von Tan Yin

gestörte Funktionen:
exogene Noxe Lunge: Xuanjiang
Stoffwech-
schadet Milz: Jian Yun
Tan
Diätfehler Niere: Qi Hua
selstörung
den Ein- (Jin Ye), Yin
emotionale Noxe Leber: Shu Xie
geweiden Wasserstau
Stress 3E: Wasserwege
Blase: Qi Hua

Besonderheiten der Tan Yin-Erkrankung


Tan Yin zeigt ein sehr komplexes Krankheitsbild, ist an vielen Orten des Körpers
zu finden und neigt zum Rezidiv.

Lokalisation von Tan Yin Hauptsymptome

Tan verlegt die Blutzirkulation im Herzen Druck in der Brust, Palpitation


Tan verlegt die „Öffnungen“ des Herzen Bewusstseinsstörung, Demenz
Tan-Hou (gestauter hitziger Schleim) Manie, Agitiertheit
irritiert das Herz
Tan verstopft die Lunge Husten, Keuchen, viel Schleim
Tan steigt zum Kopf und Augen Vertigo, Augenflimmern, Benommenheit
Tan verlegt die Meridianzirkulation Hypästhesie, Hemiparese, Fazialisparese
Tan verknotet (versammelt) sich unter der Knoten unter der Haut, Tumore (Skorphu-
Haut lose etc.)
Tan verknotet (versammelt) sich in Kno- tiefliegende Knoten, Fisteln etc.
chen und Muskeln
TCM-Differenzialdiagnose (Bian Zheng) 155

Lokalisation von Tan Yin Hauptsymptome

Tan ist verknotet (versammelt) in den Schwellung, Schmerzen, Deformierung im


Gelenken Gelenk
Tan ist verknotet (versammelt) im Hals Globusgefühl
Yin staut sich in der Lunge Druck in der Brust, Ruhedyspnoe, Sputum
ist dünn, hell
Yin staut sich im Darm und Magen Bauchschmerzen, Meteorismus, Wasserge-
räusch im Darm, Erbrochenes ist dünn, hell
(Tan Yin)
Yin staut sich in der Brust und Flanken- Druckgefühl in der Brust und Flankenre-
region gion, Brustschmerzen bei Husten
(Xuan Yin)
Yin staut sich in der Haut Ödeme, man kann nicht schwitzen, Schwe-
regefühl im Körper, Oligurie (Yi Yin)
Yin staut sich im Bauch Bauch spannt wie eine Trommel, Oligurie,
Caput medusa, Aszites

Blutstau (Yu Xue)


Zum Grundbegriff des Blutstaus ist zu vermerken:

Blut (pathol. Produkt) ist aus


dem Meridian getreten

Blutstau führt zu neuer Grund des


(Yu Xue) Erkrankung Rezidivs

Störungen auf Grund der ge-


störten Blutzirkulation im
Meridiansystem
156 Die Acht Prinzipien (Ba Gang) und die TCM-Differenzialdiagnose (Bian Zheng)

Entstehung von Blutstau

• Trauma – Blut
aus dem
Lo-Gefäß
• Qi-Leere – Qi Blut verlässt das
kann das Blut Gefäß, bleibt im
nicht kontrol- Körper
lieren
• Blut-Hitze – Blut
zirkuliert irre-
gulär
exogene Noxe schadet
Emotionen Blutstau
dem
Diät (Yu Xue)
Körper
Stress • Qi-Leere – kraft-
Trauma lose Blutzirkula-
tion
• Qi-Stagnation –
Blutzirkulation
blockiert Blutzirkulations-
• Blut-Kälte störung, auch in
• Kälte blockiert Organen
die Blutzirkula-
tion
• Blut-Hitze –
„überhitztes Blut
ist zäh“

Besonderheiten des Blutstaus

1. meist stechender Schmerz


Schmerzen 2. Fixe Lokalisation
3. Der Druck wird als
unangenehm empfunden

Tumor Unbeweglich 1. Oberflächliches Hämatom


2. in der Tiefe Knoten
(druckschmerzhaft)

dunkelrotes Blut
Blutung
mit Koagula-Beimischung
1. Gesicht, Mund, Lippen, Nagel
2. ZK dunkelrot, mit blauen
Flecken
Inspektion blaue Flecken 3. blaue Flecken unter der Haut
4. Gesicht dunkelgrau

Pulsdiagnose zähes Fließen des Blutes, Puls langsam, sehnig, knotig etc.
TCM-Differenzialdiagramm (Bian Zheng) 157

Qi-Syndrome

Syndrome Typische Symptome Puls Zungen- Zungen- Gesicht Therapie


körper belag

Qi-Mangel Müde, lustlos, untertags kraftlos blass dünn blass, Tonisierende


(Qi Xu) Schweißausbrüche durch leuch- Akupunktur,
mangelnde Poren- tend Moxa. Qi stär-
kontrolle, Organ-Insuffizienz. ken: KG 4, KG 6,
Meist bei angeborener M 36, MP 6.
Konstitutionsschwäche Milz und Magen:
alter Menschen oder nach postpartales Qi
langer Krankheit, nach Stress. stärken: B 20,
MP 6, KG 12.
Qi-Stau Spannungsgefühl, wandern- sehnig, unchar. unchar. schmerz Punkte: M 36,
(Qi Xie oder de Schmerzen/Kolik. Meist vibrie- -verzerrt KG 3, KG 6
Qi Yu) am Beginn einer Erkrankung, rend bewegen/stär-
(gehört zum Fülle-Syndrom!). ken Qi.
Hat oft seelische Ursachen, Meridiane:
aber auch äußere Noxen meist QuP,
können eine Qi-Stagnation Hohlorgane: AP,
auslösen. unterer He-P.
Qi-Irritation Husten, Kurzatmigkeit, Sin- sehnig, rot dünn- Blässe, Behandlungen
(Qi Ni, be- gultus, Erbrechen, Kopf- schlüpf- glitschig Zyanise an den Zustim-
deutet die schmerzen, Vertigo. Es ist rig, oder oder Rö- mungspunkten,
physiologi- eine Störung der Funktions- schnell gelb- tung Alarmpunkten
sche Funk- richtung (Qi Ji), Auf- und glitschig bzw. Quellpunk-
tionsrichtug Abwärtsbewegungen des ten der ent-
eines Or- Lungen-Qi, Magen-Qi und sprechenden
gans stimmt Leber-Qi sind gestört. Meist Organe.
nicht mehr. Fülle-Syndrom, oft seelisch
Z.B. Husten ausgelöst, kann aber auch
ist Zeichen infolge äußerer Ursache, oder
für Störung eines Diätfehlers bzw. durch
in der Lun- Hitze oder Tan-Erkrankung
ge, denn die im Körper entstehen.
Funktions-
richtung der
Lunge ist
nach unten.)
Qi-Ver- Bewusstlosigkeit, Unruhe, sehnig gelblich, rot
schluss laute Atmung, Mund fest ver- schnell oder
(Qi Bi) schlossen, feste Fäuste, Obsti- oder dick,
pation, Harnverhaltung schlüpf- glitschig
rig tief
Qi-Verlust Schweißausbrüche, Harn-/ dünn, blass,
(Qi Tuo) Stuhlinkontinenz, Bewusstlo- zart dick
sigkeit, Teilnahmslosigkeit

Blut-Syndrome (Xue Zheng)

Syndrome Typische Symptome Puls Zungen- Zungen- Gesicht Therapie


körper belag

Blut-Mangel Müdigkeit, mangelndes leer, blass dünn blass, Stärken: Blut: B


(Xue Xu) Selbstwertgefühl, rauh glanzlos 17, MP 10;
Zittern, Unruhe. MP und M: MP
Meist durch seelischen, kör- 6, B 20, M 36.
perlichen Stress, im Alter, bei
Milz-/Magen-Störung oder
nach starkem Blutverlust.
158 Die Acht Prinzipien (Ba Gang) und die TCM-Differenzialdiagnose (Bian Zheng)

Syndrome Typische Symptome Puls Zungen- Zungen- Gesicht Therapie


körper belag

Blutstau Fixierte Schmerzen, vibrie- zyano- unchar. zyano- Einfluss auf das
(Xue Yu) Knoten, Tumore (Symptome, rend tisch tisch Blut: B 17,
je nach Lokalisation, meist MP 10;
nach Trauma oder Stress). Qi und Blut
bewegen: MP 6,
KG 6, M 36;
Bluten lassen:
B 54Bi/ B 40ch,
Lu 5. Moxa lokal.
Blut-Hitze Rote Exantheme, Blutungen, bran- tiefrot gelb hochrot Blut-Hitze ent-
(Xue Re) Durstgefühl, wenig Trinken, dend fernen:
nächtliches Hitzegefühl, Un- B 54Bi/ B 40ch,
ruhe bis zum Delirium. Meist Lu 5 bluten
als Folge äußerer Hitzeein- lassen;
wirkung, von Depression, Hitze entfernen:
Diätfehlern. Di 11, LG 14
Blut nähren und
kühlen:
B 17, B 20,
MP 10.
Bluttro- Trockenheit der Haut, im sehnig, rot, tro- wenig schup-
ckenheit Mund und Rachen, Mager- schnell cken pig,
(Xu Zao) keit, Stuhl fest, wenig Harn. trocken
Meist durch Blutverlust oder
bei langer Krankheit, aber
auch im Alter.
Blutkälte Taubheitsgefühl an Händen dünn
(Xue Han) und Füßen, glanzlose Haut,
Frösteln, kalte Bauchdecke,
auf Wärme weniger Schmer-
zen, Dysmenorrhoe. Meist
durch äußere Kälte (Yin Han)
oder Qi-Leere (Qi Xu) aus-
gelöst.

Yin- bzw. Yang-Mangel-Syndrome

Yin-Mangel (Yin Xu) Yang-Mangel (Yang Xu)

Ursache Relativer Yang-Hitze-Überschuss Relativer Yin-Kälte-Überschuss


durch Mangel an kühlendem durch Mangel an wärmendem
Yin. Yang (Erschöpfung).

Typische kraftlose Unruhe, 5 heiße Herzen Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Kälte-


Symptome gefühl

Schwitzen Nachtschweiß spontane, kalte Schweißausbrüche

Bewegung kraftlos, leer, schnell kraftlos, leer, langsam

Sprache leise, schnell Leise, langsam

Wärme unangenehm angenehm


TCM-Differenzialdiagnose (Bian Zheng) 159

Yin-Mangel (Yin Xu) Yang-Mangel (Yang Xu)

Kälte nicht unangenehm unangenehm

ZK dünn, rot geschwollen, schlaff, blass

Zungenbelag dünn oder fehlend, gelblich dünn, weiß, feucht

Puls kraftlos, schnell kraftlos, langsam

Therapie Yin stärken und nähren. Tonisie- Tonisierende Akupunktur und


rende Akupunktur, kein Moxa! Wärmezufuhr; Moxa obligat, z.B.
Pharmakotherapie und Ruhe. LG 4, KG 4, KG 6.
Niere stärkende Punkte:
B 23, N 3.
Psychovegetative
15 Syndrome

Psychovegetatives Syndrom ist synonym zu vegetative Dystonie, vegetative La-


bilität, neurasthenisches Syndrom, vegetatives Syndrom, Psychasthenie, vaso-
neurotisches Syndrom, neurozirkulatorische Dystonie. Es handelt sich um ein
polysymptomatisches Beschwerdebild ohne pathophysiologisch oder anatomisch
nachweisbare Ursache bzw. Korrelate (funktionelle Störungen). Ursache sind zu-
meist psychische Belastungen, vor allem Stress, Konfliktsituationen. Sie treten
häufig zwischen 30. und 40. Lebensjahr auf. Symptome sind: häufige Kopfschmer-
zen, Magenbeschwerden, Herzbeschwerden, Herzstolpern, Schwindelgefühle,
Atembeschwerden, Kreuz- oder Rückenschmerzen, Müdigkeit, sexuelle Funk-
tionsstörungen, larvierte Depression etc. Diagnostisch wichtig ist der (zeitliche)
Zusammenhang von Beschwerden und Konfliktsituationen, ohne Nachweis orga-
nischer Erkrankungen. Therapie erster Wahl ist wie bei allen psychosomatischen
Krankheiten die Psychotherapie. Psychosomatik ist die „Bezeichnung für die
Wechselwirkung von Körper u. Seele“ (Heinroth, 1818); im klinischen Sprachge-
brauch die Bezeichnung für eine Krankheitslehre, welche die psychischen Ein-
flüsse auf somatische Vorgänge, z.B. die Entstehung von Asthma bronchiale, Ko-
litis ulcerosa, Ulcus pepticum u.a. Erkrankungen, berücksichtigt.
Häufige Syndrome dieser Gruppe, mit oder ohne Schmerzen, sind das Fibro-
myalgiesyndrom, das Reizdarmsyndrom, der atypische Gesichtsschmerz, der
nichtkardiale Brustschmerz, die funktionelle Dyspepsie, der chronische Unter-
bauchschmerz, aber auch der Spannungskopfschmerz, die chronischen Myoarth-
ropathien des Kausystems, der unspezifische Rückenschmerz, die Prostatodynie,
das chronische Müdigkeitssyndrom und das multiple Chemikalienunverträglich-
keitssyndrom (siehe W. Häuser et al., 2004). In allen Fällen handelt es sich um
körperliche Beschwerden ohne den Nachweis von erklärenden, strukturellen Or-
ganschäden. Die Begriffe „Funktionelles somatisches Syndrom“ oder „Funktio-
nelle Störung“ werden hier gerne als Überbegriff verwendet. Sehen wir, wie die
TCM diese funktionelle Störung betrachtet.
Die 5 Zang-Organe sind die physiologische Basis der Psyche. In der 5 Elemen-
te Lehre wird die Beziehung beschrieben. Alle seelischen, emotionalen Irritatio-
nen betreffen immer zuerst das Herz (Königsorgan), dann die andere Organe. An
zweiter Stelle wird die Leber in Mitleidenschaft gezogen.
Die TCM sieht die Ursache einer psychosomatischen Erkrankung in den exo-
genen bioklimatischen Faktoren, den 7 Emotionen, Tan, Blutstau, Diätfehler, Ex-
zesse. Wobei die sogenannten 7 Emotionen am wichtigsten sind. Es entsteht eine
Disharmonie zwischen Yin und Yang, Blut- und Qi-Zirkulation und eine Funk-
tionsstörung der Organe.
162 Psychovegetative Syndrome

■ Zorn schadet der Leber, Freude dem Herzen, Denken der Milz, Trauer/Sorgen
der Lunge und Schreck/Angst der Niere. Alle 7 Emotionen können dem Her-
zen schaden. Jede einzelne Emotion, wie Zorn, Denken, Sorgen, Trauer,
Schreck und Angst kann der Leber schaden. Jede einzelne Emotion, wie
Denken, Sorgen, Trauer, Angst und Zorn kann der Lunge und Milz schaden.
Manchmal kann eine Emotion vielen Organen schaden, wie Angst der Niere
schadet, aber auch dem Herzen und der Gallenblase.
■ Emotionen führen zur Qi-Störung (Qi Ji). Bei Zorn steigt das Qi hoch, bei Freu-
de wird die Bewegung des Qi ruhiger, langsamer, bei Trauer „verschwindet“
das Qi, bei Angst senkt sich das Qi, bei Schreck wird das Qi „durcheinander“,
„verknotet“ das Qi und bei Sorgen „versammelt” sich das Qi. Solche Qi Ji-Stö-
rung (mit Aufwärtsbewegung von Qi) können im Körper zur Stagnation (Fül-
lesyndrom) von Blut, Qi, Tang, Feuer, Feuchtigkeit, Nahrung führen. Ander-
seits wenn die gestörte Qi-Richtung nach distal gerichtet ist, kann sie zu Lee-
resyndromen (Qi-Leere, Blutleere, Essenzleere etc.) führen. Wenn der emotio-
nale Reiz verschwindet normalisiert sich das Qi Ji auch.
■ Wenn aber die emotionalen Reize zu lange, zu intensiv einwirken, dann kommt
es zur Organstörung mit Schlafstörung, Palpitation, vielem träumen, innere Un-
ruhe, Depression, psychische Auffälligkeiten. Weiters auch zu Asthma, Tho-
raxschmerzen, Aufstoßen, Erbrechen, Durchfällen, Meteorismus, Kopf-, Ma-
gen-, Bauch- und Rippenschmerzen, Vertigo, Diabetes mellitus, Potenzstörun-
gen, Zyklusstörungen etc. Hier muss Akupunktur, Pharma- und Psycho- The-
rapie gleichzeitig angewendet werden.
■ Die Psyche benötigt die 5 Organe als Basis ihrer Funktion. Die 5 Organe hän-
gen funktionell zusammen. Jede psychische Störung kann das Herz oder Le-
ber oder die Milz oder die Niere treffen. In der Psychosomatik spielen das Herz
und die Leber die wichtigste Rolle.
Zunächst wollen wir uns aber den „Drei Schätzen der Gesundheit“ zuwenden.

Die Drei Schätze der Gesundheit


Die drei Schätze unserer Gesundheit sind: Shen = Psyche, Qi = Vitalenergie und
Jing = Essenz der Niere. Die drei Schätze des Himmels sind Sonne, Mond und
Sterne. Die drei Schätze der Erde sind Wasser, Feuer und Wind.
Bei jeder organischen Störung können psychische Symptome mit im Spiel sein.
Und jede intensive, lang anhaltende psychische, emotionale Belastung kann or-
ganische Störungen verursachen und beeinflussen. Das Herz wird in der TCM als
Herrscher alle Organe gesehen. Deswegen wird bei jedem Patienten zuerst sein
psychischer, geistiger Zustand beurteilt, um die Mitarbeit des Patienten zu sichern.
Mit Qigong werden die drei Schätze des Körpers gestärkt und so das leibliche
und seelische Wohlbefinden garantiert. Die mentale Konzentration reguliert den
Austausch (Transformation, Qi Hua-Funktion) von Information (Shen), Energie
(Qi) und Substrat (Jing) im Körper und mit der Außenwelt.
Die Wechselwirkung der 5 Elemente gibt dem Arzt zusätzlich die Möglichkeit
über die Organe und ihre Wechselbeziehungen psychische Störungen zu thera-
pieren.
Die Drei Schätze der Gesundheit 163

Shen, Psyche,
Seele

Qi, Vitalenergie, Atmung, Jing, Essenz


Funktion, Information, kleinstes der Niere
energetisches Partikel

A. Psyche-Seele (Shen)
Der erste und wichtigste Schatz unseres Körpers ist die Shen (die Psyche, der
Geist). Shen ist etwas Abstraktes, es ist das Erscheinungsbild unseres Lebens, der
Funktionen der Eingeweide. Die Psyche (Shen) bedarf für ihre optimale Funktion
der stofflichen Basis des Qi und der Essenz der Niere. Shen ist so der Herrscher
aller Organfunktionen.
Das Gehirn wird in der TCM oft gemeinsam mit dem Mark unter dem Begriff
Naosui zusammengefasst. Dadurch bringt die TCM eine enge Beziehung des
Hirns/Markes mit dem Knochen und der Niere zum Ausdruck. Bei der schulme-
dizinischen Diagnose Gehirnerkrankung geht die TCM von einer möglichen Be-
teiligung einer Nierenfunktionsstörung aus. Deshalb spielt die Essenz der Niere
(Shen Jing) eine wichtige Rolle in der Differenzialdiagnose und Therapie.
„Das Organ Herz bewahrt den Geist, die Seele, die Psyche und die Persön-
lichkeit“. Shen bezeichnet in der TCM den gesamten Ausdruck des vitalen Kör-
pers, wie Haltung, Gesichtsfarbe, Ausdruck der Augen, Sprache (z.B.auf eine Fra-
ge folgt die Antwort rasch), Bewegungsabläufe etc.; im weiteren Sinn auch See-
lenleben, Duktus und Bewusstsein. Die Basis des Shen ist die Essenz der Niere
(Shen Jing). Die pathophysiologischen Erscheinungen der Organe (Zangxiang)
und der Emotionen und des Geisteszustandes werden ebenfalls als Shen be-
zeichnet.
Die Beurteilung des Augenausdruckes des Patienten gibt z.B. wichtige Infor-
mationen über den Zustand von Geist (Shen), Essenz des Nieren (Jing Qi) und Vi-
talenergie (Qi). Das Herz reguliert und kontrolliert auch die 7 Emotionen (Freu-
de, Zorn, Sorge, Grübeln, Trauer, Angst und Schrecken), welche nach der 5 Ele-
mentelehre wiederum jeweils einem Organ zugeordnet sind. Die Chinesische Me-
dizin kennt keine scharfe Trennung zwischen Körper und Psyche. Jing Qi (Essenz
der Niere, Extrakt) bildet die materielle Basis des lebenden Organismus. Aus dem
Jing Qi entsteht aber auch der Geist (Shen). Der Geist entsteht mit der Befruch-
tung, und erlischt mit dem Tod. Der Geist bedarf der Kräftigung durch Nahrungs-
und Atmungs-Qi.
Anatomisch gesehen ist das Gehirn der TCM mit dem Gehirn der westlichen
Medizin identisch, aber physiologisch wird in der TCM die Psyche (die Gehirn-
funktion) mit den Organen Herz, Leber, Niere, Gallenblase etc. in Zusammen-
hang gebracht. Das Herz wird der Funktion nach mit dem König eines Staates
verglichen. Besonders wichtig für uns ist die psychosomatische Kontrollfunktion
des Herzens über alle übrigen Organe.
164 Psychovegetative Syndrome

B. Vitalenergie (Qi)
Der zweite Schatz unseres Körpers ist die Vitalenergie (Qi). Drei Arten von Qi ken-
nen wir in der TCM:

Art Entstehung Funktion Pathologie


Quellen- Entsteht aus der Konstitution, angeborenes Bei Mangel: Erbkrank-
Qi (Yuan Essenz (Jing), die Energiepotenzial, ererbte heiten, Krankheitsanfäl-
Qi) in der Niere aufbe- Lebensenergie. Bestimmt ligkeit generell oder be-
wahrt wird. Denk- Organanfälligkeit und zogen auf einzelne
modell der ererb- Krankheitsanfälligkeit, Organe.
ten materiellen Ba- Lebensdauer, Tempera-
sis der Konstitu- ment, Sexualität.
tion.
Atmungs- Qi, das aus der Teil von Zheng Qi, Zong Schlechte Luft führt auf
Qi (Qing Atemluft entsteht Qi, Organ-Qi diesem Wege zur Schä-
Qi = rei- digung von Herz und
nes Qi) Lunge.
Nahrungs- Entsteht aus Nah- Ying-Qi ist innerhalb und Bei Ernährungsmangel
Qi (Ying rung und Atmung. Wei-Qi außerhalb der des Körpers kommt es
Qi) und Meridiane. zur Abwehrschwäche,
Abwehr- Öffnen/Schließen der Po- d.h zu mangelndem
Qi (Wei ren, Befeuchten von Haut Schutz der Körperober-
Qi) und Haar, Regulation der fläche gegen pathogene
Körpertemperatur, Wär- äußere Faktoren.
men der Muskel und der
Eingeweide.

Aufgaben des Qi sind: Antrieb (Soma und Psyche), Funktion (z.B eines Organs),
Erwärmen des Körpers, Abwehr und Umwandlung/Transformierung von Stoffen
aus der Nahrung, der Luft und der Erbanlage in Blut, Qi, Jing etc.
Vitalenergie wird aus der Atmung (Sauerstoff), Verdauung (Nährstoffe) und der
„Beimengung von Essenz der Niere“(Jing) im Körper aufgebaut. Die Bedeutung
des Qi liegt in der TCM in seiner Wichtigkeit für Lebenskraft (Alter, Sexualität,
Wachstums), für die Informationsverarbeitung (z.B. das Nervensystem), Atmung
(Sauerstoff, Oxydation), Energiestoffwechsel (Aufbau der energiespeichernden
Verbindungen, z.B. ATP).

C. Essenz der Niere (Jing)


Jing entspricht dem endokrinen System: Nebenniere, Hypophyse, Hypothalamus.
Aus dem Jing-Qi entsteht laut TCM auch der Geist (Shen).
Die Menge der Essenz der Nieren (Jing) ist bei jedem Menschen von Geburt
an (genetisch) festgelegt, ähnlich einer Lebenskerze. Wachstum, Reifung, Alte-
rung, Sexualität etc. sind Parameter, die geeignet sind, die Essenz-Reserve der
Nieren indirekt zu beurteilen. Exzessiver Lebenswandel, Stress, schwere Krank-
heiten körperlicher oder psychischer Natur können zur Folge haben, dass die Es-
senz der Niere rascher verbraucht wird, vergleichbar einer Kerze, die an beiden
Enden brennt. Die Essenz der Niere wird ständig durch den Nachschub von Sau-
erstoff (Atmung) und Nährstoffen (Verdauung) im optimalen Zustand gehalten.
Neurasthenie 165

Neurasthenie (im Rahmen der TCM)


In China wird die Diagnose Neurasthenie gestellt, wenn drei der nachfolgenden
fünf Punkte vorliegen. Weiters ist signifikant die Besserung nach Ruhe, die Ver-
stärkung nach geistiger Anstrengung und ein sehr wechselhafter Verlauf:
– Rasche Ermüdbarkeit, Unkonzentriertheit, Leistungsschwäche.
– Erregungen leicht induzierbar, viele Gedanken, Überempfindlichkeit auf Lärm
und optische Reize.
– Innere Unruhe, Jähzorn, Leistungsverminderung, Depression ohne erkennba-
ren Grund.
– Kopf- und Muskelschmerzen wegen Verspannungen.
– Ein- und Durchschlafstörung.

Therapie
Nadelakupunktur
Punkte: Vier kluge Götter, LG 20, G 20, PdM, LG 14 (chi), B 23, KG 4, KS 6, M 36,
MP 6.
Bei Herz-Milz-Mangel (Xin Pi Liang Xu): zusätzlich B 15, B 20, KG 6 (Bufa durch
Drehung).
Bei Herz-/Nieren-Yin-Mangel (Xin Shen Yin Xu): H 7, N 3, LG 4 (Bufa durch
Drehung und Auf- und Abbewegung).
Bei aufsteigendem Leber-Yang (Ganyang Shangkang): N 1, M 36, M 40 (Xiefa
durch Drehung).

Schröpfen
LG 14 (Dazhui), LG 11(Shendao, unter D5), B 15, B 18; LG 12 (Shenzhu, Unter
D3), LG 10 (Lingtai, unter D 6), B 20, B 23; KG 12, KG 4. Diese 3 Programme ab-
wechselnd verwenden.
Bei Herz-Milz-Mangel (Xin Pi Liang Xu): Schröpfglas von B 13 langsam bis
B 20 bewegen, bei B 15 und LG 14 (Dazhui) die 3 Gläser 15 Min. liegen lassen.
Bei Qi-Stagnation und Tan-Blockade (Qi Yu Tan Jie): von B 18 bis B 13 die Glä-
ser bewegen, dann bei B 18 und LG 14 (Dazhui) 5 Min. liegen lassen.
Bei Herz-/Nieren-Yin-Mangel (Xin Shen Yin Xu): die Gläser von B 13 nach B
23 bewegen, dann bei B 23 10 Min. liegen lassen, anschließend noch bei LG 14
(Dazhui) 5 Min. liegen lassen. Jeden Tag eine Sitzung. Eine Woche Pause zwi-
schen den einzelnen Zehner-Serien.

Laserpunktur
Sedativpunkt 1, Anmian 1 (= Neu-Punkt 27, Mittelpunkt der Verbindungslinie
zwischen 3E 17 und Yiming = PaM 13 (PaM = Punkt außerhalb des Meridiansys-
tems) und Sedativpunkt 2, Anmian 2 (Neu-P. 28 Mittelpunkt von der Verbin-
dungslinie zwischen G 20 und PaM 13). Oder in der Knochenrinne zwischen War-
zenfortsatz und Hinterhauptschuppe, in der Höhe des Antitragus (PaM 13, Yiming
= hinter dem Warzenfortsatz, 1 Cun dorsal von 3E 17).
H 7, Taiyang-Sonne, KS 6, M 36 und MP 6. Täglich eine Behandlung, pro Punkt
10 Min. Zur Laseranwendung:
He-Ne-Laser mit 2 bis 4 mW Ausgangsleistung.
166 Psychovegetative Syndrome

Tuina
PdM (Point de Merveille, Wunderpunkt, zwischen den Augenbrauen gelegen.),
Taiyang-Sonne (liegt zwischen G 1 und 3E 23), LG 23, LG 20, LG 14 (Dazhui), G 20,
Di 20, Di 4, KS 6, 3E 5, H 7. Behandlung im Sitzen oder Liegen. In 5 Schritten:
Von PdM über G 14 zu Sonne 15-mal Tui-Schieben; etwas fester Andrücken
bei Sonne.
Mit einer Hand das Hinterhaupt (wenn der Patient sitzt) halten, mit dem Dau-
men der anderen Hand von PdM bis LG 20 20-mal schieben (Tui). Bei LG 23 und
LG 20 immer etwas fester Andrücken.
Von LG 14 (Dazhui) bis G 20 schräg nach oben 20-mal schieben. Bei G 20 et-
was fester drücken.
Mit dem Fingerbauch die Zone Di 20 andrücken und Friktionieren (Rou); bis
zum zarten Deqi-Gefühl.
Andrücken der Zonen Di 4, KS 6, 3E 5. H 7 links und rechts je 2 Minuten pro
Zone. Ideal ist die tägliche Behandlung.

Ohr-Dauernadel
Punkte: Shenmen, Subcortex, Occiput, Hirn, Neurastheniepunkt. Je nach der Si-
tuation zusätzlich noch Milz, Magen, Leber, Niere, Dickdarm, Taiyang, Stirn, NN,
Sympathikus, Endokrinum. Jeweils 3 bis 5 Hauptpunkte und 2 bis 3 Zusatzpunk-
te. Der Patient kann selbst die Punkte 3- bis 5-mal pro Tag drücken. Nach ca. ei-
ner Woche die Nadeln entfernen. Linkes und rechtes Ohr abwechselnd verwen-
den.

Burnout-Syndrom
Das Burnout-Syndrom ist stark im Zunehmen. Nach den Entdeckern Freuden-
berger und North lässt sich das Burnout-Syndrom in verschiedene Stadien unter-
teilen: Am Beginn steht der Zwang, sich selbst zu beweisen. Es mangelt an der
Bereitschaft zu erkennen, dass die eigenen Möglichkeiten und Grenzen erreicht
sind, deswegen Rückschläge und Misserfolge sich häufen. Dann kommt es zu ver-
stärktem persönlichen Einsatz und der Vernachlässigung eigener Bedürfnisse. Im
fortgeschrittenen Stadium schließlich kommt es zum völligen Burnout mit geisti-
ger, körperlicher und emotionaler Erschöpfung sowie besonderer Infektanfällig-
keit. Die Gefahr von Herz-, Kreislauf- oder Magen-/Darmerkrankungen steht im
Vordergrund.
Warnsignale für drohendes Burnout sind:
– Man arbeitet viel, redet nur noch darüber, nimmt sich keine Zeit für sich und
seine Familie.
– Man will immer mehr Pausen einlegen, alles wird einem lästig und zuwider.
– Man bekommt Aggressionen gegen seine Mitmenschen.
– Man wird zynisch.
– Kompensatorische Handlungen nehmen zu: übermäßiges Einkaufen, Essen,
Trinken, Rauchen.
– Äußere Auffälligkeiten (z.B. der Zerfall von Beziehungen) treten auf.
– Psychosomatische Beschwerden wie extreme Müdigkeit, Schlaflosigkeit, etc.
nehmen zu.
Chronic fatigue Syndrom 167

Die chinesische Medizin geht meist von einer Beteiligung der Organe Herz, Le-
ber, Niere und Milz/Pankreas aus.

Behandlung
Programm 1: LG 20, G 20, PdM (Yintang, EX-HN 3), Di 4, H 5, H 7, Le 2, M 36,
B 20, B 14 und B 23.
Programm 2: Ginseng als Antistressmittel. Dabei sollte man darauf achten, nur
qualitativ hochwertige Präparate (aus der Apotheke) zu verwenden, die eine Ta-
gesdosis von mindesten 10 mg an Ginsenosiden garantieren.

Chronic fatigue Syndrom (CFS)


Ursache dafür ist zumeist die Überforderung durch physische oder geistige Ar-
beit und sexuelle Maßlosigkeit. Für die TCM gilt: Syndrome von Vitalenergie und
Blut treten auf sowie Syndrome der Organe: Zuerst finden wir eine Schädigung
von Herz, Milz und Leber, am Ende kommt die Niere dazu. Im Vordergrund ste-
hen Zeichen von Leere und Kälte, welche später in Hitze-Syndrome (Xu Huo) in-
folge Yin- bzw. Qi-Leere übergehen können. Interessant ist auch, dass es Fülle-
Hitze-Zeichen (Shi Huo) am Beginn des Erschöpfungssyndroms geben kann (sie-
he Qu dehong et al., Chinese J Basic Med TCM 2001.Vol. 7., No. 8).
Das Chronische Erschöpfungssyndrom (CFS) wird in der TCM in 3 Typen unter-
teilt:
■ Milz-Qi-Mangel-Syndrom (Pi Qi Bu Zu): Symptome: Müdigkeit unklarer Ätio-
logie, Niedergeschlagenheit, wenig Appetit, Neigung zu Blähungen, Stuhl
weich, ZK blass und dick mit Zahnimpressionen, ZB dünn, weißlich, Puls dünn.
Therapiepunkte: LG 20, KS 6, M 36, KG 12, MP 6.
■ Stagnation von Leber-Qi (Gan Qi Yu Jie): Symptome: Müdigkeit, Niederge-
schlagenheit, Depression, Druckgefühl in Brust und Flankenregion, häufiges
Seufzen, bitterer Mundgeschmack, ZK blass, ZB weißlich, Puls gespannt. Be-
handlung: LG 20, KS 6, M 36, G 20, Di 4 und Le 3.
■ Mangel an Herz-Blut (Xin Xue Bu Zu): Symptome: Müdigkeit, Niedergeschla-
genheit, Palpitationen, Vergesslichkeit, Schlafstörung, lebhafte Träume, Ge-
sichtsfarbe blass, matt, ZK blass, Puls dünn. Punkte: LG 20, KS 6, M 36, H 7
und MP 6.
■ Mangel an Herz-Yin (Xin Yin Bu Zu): Symptome: Niedergeschlagenheit, Palpi-
tationen, Vergesslichkeit, Schlafstörung, lebhafte Träume, Gesichtsfarbe blass,
matt, man schwitzt leicht, Hitzegefühl an den 5 Zentren (Handfläche, Fuß-
sohle und Herzgegend), ZK rot, ZB wenig, Puls dünn. Therapie: LG 20, KS 6,
M 36, H 6 und MP 6.
■ Niere-Qi-Mangel (Shen Qi Bu Zu): Symptome: Müdigkeit, Niedergeschlagen-
heit, Kreuzschmerzen, weiche Knie, Belastungsdypnoe, Impotenz beim Mann,
Zyklusstörung bei der Frau, ZK blass, dick mit Zahnimpressionen, ZB dünn,
weißlich, Puls tief und dünn. Behandlung: LG 20, KS 6, M 36, KG 4, KG 6, MP
6 und N 3.
■ Niere-Yang-Mangel (Shen Yang Xu): Symptome: Müdigkeit, Niedergeschla-
genheit, Kreuzschmerzen, weiche Knie, Belastungsdyspnoe, Impotenz beim
Mann, Zyklusstörung bei der Frau, Kältescheu, kalte Extremitäten, Durchfall
168 Psychovegetative Syndrome

am Morgen, ZK blass, dick mit Zahnimpressionen, ZB dünn, weißlich, Puls tief


und dünn. Punkte: LG 20, KS 6, M 36, KG 4, KG 6, M 25, MP 6 und N3.
■ Innerer Stau von trübem Schleim (Zhu Tan Nei Zu): Symptome: Müdigkeit,
Niedergeschlagenheit, Globusgefühl, Druck in der Brust, Adipositas, man
schläft viel, ZB dünn, glitschig, Puls schlüpfrig. Therapie: LG 20, KS 6, M 36,
KG 22, MP 6 und M 40.
■ Innerer Stau von trübem Schleim mit Hitzezeichen: Symptome: Müdigkeit,
Niedergeschlagenheit, Globusgefühl, Druck in der Brust, Adipositas, man
schläft viel, lebhafte Träume, fallweise gelblicher Auswurf, Gliederschmerzen
(D ü und B 62), Halsschmerzen, leichte Schwellung der Halslymphknoten, sub-
febril, Zungenrand rötlich, ZB gelblich, glitschig, Puls schlüpfrig. Punkte: LG
20, KS 6, M 36,
MP 1, M 45, KG 22, Di 11 und Di 4.
Allgemein gilt: Wöchentlich 2 Behandlungen, je 20 Minuten, wenn nach 12 Wo-
chen die Besserung sich stabilisiert, eine Pause einlegen.

Adipositas
Allgemein günstig: M 34, MP 4, M 40, M 36, M 25, KG 12.

Typ A „Hitze Symptomatik bei Stauung von Schleim“: Symptome: bitterer


Mundgeschmack, zähes Sekret, deutlicher Meteorismus, ZB dick, weiß, glitschig.
Punkte: 3E 6, Di 11.
Typ B „Schwäche des Nieren- und Milz-Qi“: Symptome: Müdigkeit, Lumbal-
gie, dünner Stuhl, ZK dünn, blass, aber feucht. Punkte: KG 4, N 3.
Typ C „Stagnation des Leber-Qi“: Symptome: häufiges Seufzen, bitterer Mund-
geschmack, trockener Mund, Menstruationsstörung, ZB dünn, weiß. Zusätzliche
Punkte: 3E 4, MP 10.
Günstige Ohrpunkte: Shenmen, Lunge, Endokrinum, Pankreas, Magen, Mund,
Ösophagus, Nebenniere. Zwei bis drei Punkte jeweils nur von einem Ohr ver-
wenden. Das Pflaster mit dem Rapskern bleibt 7 bis 10 Tage liegen. Der Patient
sollte eine halbe Stunde vor dem Essen 1 bis 2 Min. lang bis zum Auftreten eines
lokalen Wärmegefühls drücken. Bei der nächsten Sitzung das andere Ohr ver-
wenden.

Raucherentwöhnung
Zur Behandlung: Drei Sitzungen sind ausreichend. Im Abstand von 3 Tagen je
eine Sitzung. Mit der Behandlung nur dann beginnen, wenn der Patient bereit ist,
ab sofort keine einzige Zigaretten mehr zu rauchen. Bei einem Rückfall muss wie-
der neu mit der Behandlung begonnen werden.
Hauptpunkte: LG 20, Lu 7. Je nach den bei einem Entzug zu erwarteten Symp-
tomen sind zusätzliche Punkte zu verwenden. Bei Husten: KG 17, KG 22. Bei
vegetativer Symptomatik: H 7, G 20, KS 6. Bei verstärktem Appetit: KG 12, M 25,
M 21, M 36.
Ohrpunkte: Lunge, Magen, Shenmen und die symptomatischen Punkte.
Pro Sitzung nur ein Ohr verwenden. Pro Sitzung nur 2 bis 3 Punkte behandeln.
Neurologische
16 Krankheiten

Polyneuropathie
Meist ist ein mehr oder weniger symmetrischer Befall einer Reihe von peripheren
Nerven gegeben, an den unteren Extremitäten distal beginnend. Symptome: Miss-
empfindungen, in der Nacht sich verschlimmernd (burning feet Syndrom), abge-
schwächte bis fehlende Reflexe etc.
Wenn die Symptomatik nicht stark ausgeprägt ist, wird auf die Therapie sogar
recht gut angesprochen.
Programm 1: Lu 5, Di 15, Di 11, 3E 5, Di 4, EX-UE 9 (Baxie, interdigitale Punk-
te), B 54, M 36, G 39, MP 6, B 60, EX-LE 10 (Bafeng, interdigitale
Punkte).
Programm 2: (nach Wang Qicai 2003): Für den Arm: Di 11, Di 4, Di 10, 3E 5 und
EX-UE 9.
Für das Bein: M 32, M 36, M 40, G 30, G 31, G 34 und EX-LE 10. Im Frühsta-
dium Le 3 und B 17. Die Punkte an den Extremitäten mit kontinuierlichen elekt-
rischen Impulsen 30 Min. stimulieren. Bei Spätstadium MP 10, MP 6 und N 3 zu-
sätzlich. Die elektrische Stimulation mit Intervallimpulsen von 30 Min. ist in die-
sem Fall günstiger.

Restless Leg Syndrom


Symptome: ruhelose Beine, meist in der Nacht auftretende Schmerzen beider Bei-
ne, mit dem Bedürfnis, die Beine zu bewegen. Das gleiche Programm wie für die
Polyneuropathie anwenden.
Bei innerer Unruhe, Schlafstörungen zusätzlich: KS 6, H 7 und LG 20.

Cephalea
Es werden 8 Typen der Cephalea nach ihrer Ätiologie eingeteilt. In der chinesi-
schen Literatur werden diese unter vaskuläre Cephalea eingereiht. Nachfolgend
die entsprechenden Behandlungspunkte:
Typ A: „äußerer Wind/Kälte“: 3E 7, B 12, G 20, Taiyang/Sonne, Di 4.
Zusätzlich bei Husten Lu 7, Nasenrinnen Di 20, Fieber, Frösteln LG 14, 3E 5.
170 Neurologische Krankheiten

Typ B: „äußerer Wind/Hitze“: LG 14, 3E 5, G 20, Taiyang, Di 4. Zuzsätzlich bei


Halsschmerzen Lu 11 (Mikroaderlass), bei Fieber LG 26, Di 11, Ex-UE 11
(Shixuan, die 10 Fingerkuppen, Mikroaderlass).
Typ C: „äußerer Wind/Feuchtigkeit“: Lu 6, 3E 6, B 7. Zusätzlich bei Übelkeit, In-
appetenz: KG 12, M 40, bei Meteorismus, weichem Stuhl: M 25.
Typ D: „das Yang der Leber steigt auf“: LG 20, G 20, G 5 (knapp innerhalb der
Haargrenze, über der Arteria temp. superf.), Le 3, N 3. Zuzsätzlich bei
Schlafstörung: H 7, die vier klugen Götter (EX-HN1, Sishencong), bei
Augenrötung: 3E 1(Mikroaderlass), heftigem pulsierendem Kopfschmerz:
Mikroaderlass an den retroaurikulären Venen, bei hitziger Rötung der
Wange: M 44.
Typ E: „viel Sekret, Schleim“: G 20, LG 20, M 40, KG 12, MP 9.
Zusätzlich bei Übelkeit KS 6, bei weichem Stuhl M 25.
Typ F: „Blutstau“: Dies ist die häufigste Form. Lokaler Schmerzpunkt: MP 10,
B 17, Le 3, MP 6. Zusätzlich bei frontaler Lokalisation: B 2, M 1, PdM (Yin-
tang, EX-HN 3), bei Scheitelkopfschmerz: LG 20, B 7, Le 2, bei Occipital-
region: B 9, Dü 3, B 60, bei Parietalregion: 3E 17, 3E 22 (1/2 DB oberhalb
der Mitte des Jochbogens) zu G 8 (2 QuF über der Ohrspitze), 3E 5, G 41.
Typ G: „Blutleere“: LG 20, LG 23, M 36, B 20, B 18, B 23, MP 6. Zusätzlich bei
innerer Unruhe, leichtem Schweißausbruch: KS 8, bei Tinnitus: 3E 3.
Typ I: „Leere der Niere“: LG 20, Taiyang/Sonne, N 3, B 23, KG 4, M 36. Zu-
sätzlich bei Tinnitus: G 2, G 43, bei Lumbalgie: B 54.

Trigeminusneuralgie
Der schmerzhafte Trigeminus entsteht zumeist ab dem 50. Lebensjahr, meist im
2. Ast des N. trigeminus. Wenn der Patient auf die übliche Schmerztherapie nicht
anspricht bzw. wenn wegen Nebenwirkungen der Patient die Menge der Medi-
kamente einschränken muss, dann ist die Akupunktur eine sinnvolle Ergänzung.
Die Punkte sind: G 14, B 2, Taiyang, Dü 18, Di 20, G 20 und Di 4, Le 3 und M 36.

Hemiparese nach cerebralem Insult, Schlaganfall


Die Tuina-Behandlung beginnt erst nach der Stabilisierung des internen Zustan-
des und nach Erstellung der Diagnose. Auf die Blutgerinnung ist zu achten. Die
Mitarbeit des Patienten und der Angehörigen sowie die optimale Kooperation mit
Physiotherapeuten und Logopäden ist wichtig.
Programm 1: Di 15, Di 11, Di 4, 3E 5, G 30, G 34, M 36
Zusätzlich bei Spasmen des Ellbogengelenkes: KS 3, des Handge-
lenkes: KS 7, des Fingergelenks: EX-UE 9 (Baxie, interdigitale
Punkte), des Kniegelenkes: Le 8, des Sprunggelenkes: N 3, des Ze-
hengelenkes: EX - LE 10 (Bafeng, interdigitale Punkte).
Je nach Organstörungen noch andere symptomatische Punkte ver-
wenden.
In der stationären Phase täglich eine Sitzung. In der Zeit der am-
bulanten Behandlung eine bis zwei Sitzungen pro Woche. Die Se-
rie besteht aus 20 Sitzungen.
Santong-Technik 171

Programm 2: (nach Wang Qicai 2003): In leichten Fällen (Zhong jingluo), KS 6


(etwa 1 bis 3 Minuten lang die Nadeln manipulieren), H 1 (senk-
recht, auf dem H-Meridian aber etwa 2 Cun distal davon, bis zum
Auftreten eines leichten Gefühls der Parästhesie), B 54 (Weizhong)
und Lu 5, bei der Nadelmanipulation tritt eine leichte Muskelzu-
ckung dieser Extremität auf. In schweren Fällen (Zhong zangfu),
LG 26, LG 25 (auf beiden Punkten nur die Nadeln auf und ab be-
wegen, bis eine Reaktion der Mimik auftritt), LG 20 und KS 6 (etwa
1 bis 3 Minuten die Nadeln manipulieren). Bei Hemiplegie auf je 2
Punkten einer Extremität mit schwachen elektrischen Wechselim-
pulsen bis zur leichten Muskelbewegung stimulieren. Auch die
Schädelakupunktur der entsprechenden Zonen für Motorik in Kom-
bination von gleichzeitiger Heilgymnastik ist wirkungsvoll.

Santong-Technik (nach He Puren)


Bei chronischen Leiden finden wir immer eine Qi-Stagnation (Qi Xie). Um den
Qi-Fluss wieder herzustellen hat He Puren, Akupunktur-Spezialist aus Peking, die
Santong-Technik (San Tong Fa, die drei Techniken der Stenosebeseitigung) ent-
wickelt.
Drei Formen: Wei Tong-Sanfe Feinnadelakupunktur, Qiangtong – Mikroader-
lass mit Dreikantnadel und Wentong (Akupunktur mit sog. Feuernadeln oder
mittels Moxibustion).

Wei Tong
Dies ist eine sanfte Form der Qi-Stimulation mit der feinen Akupunkturnadel. In
allen Stadien des Insultgeschehens ist sie geeignet. Sie stärkt das Qi, damit das
Qi in den Meridianen wieder ungehindert fließen kann. Klinische Symptome wie
Hemihypästhesie, Hemiparese, Dysarthrie gehören nach TCM zum Syndrom der
Meridianstörungen.
– Bu Zhong Yi Qi Fang: Programm um die Mitte (Milz/Pankreas) und das Qi zu
stärken. Es besteht aus KG 20, KG 12, KG 6, LU 9, M 36 und MP 6.
– Shou Zu Shi Er Fang: Programm aus 12 Nadeln an Arm und Bein. Es besteht
aus Di 11, KS 6, Di 4, G 34, M 36 und MP 6.
– Lao Shi Zhen Fang: Programm aus 10 Nadeln (von Wang Leting, Doyen der
Akupunktur). Es eignet sich zur Verbesserung der Verdauung (Milz/Pankreas
und Magen). Ursprüngliches Programm: KG 11, KG 12, KG 13, KG 6, M 25, KS
6 und M 36. Modifiziert nach Huang Shixi, Guanganmen Hospital Beijing: KG
12, KG 6, M 25, KS 6, M 36 und MP 4.
– Jie Yu Fang: Ein Aphasie-Programm bestehend aus 2 Programmen.
Programm 1: KG 22, Dü 16, KS 6, H 5, und N 6.
Programm 2: LG 16, LG 15, G 20 und 3E 17. Es sollte abwechselnd genadelt
werden.
– Du Mai Shi San Zhen Fang: Das Programm besteht aus der Nadelung von 13
Punkten des Lenkergefäßes. Es ist ein Programm von Wang Leting für sehr lan-
ge bestehende Insulte. Es besteht aus: LG 20, LG 16, LG 14 (Dazhui), LG 13,
LG 12, LG 11, LG 9, LG 8, LG 6, LG 5, LG 4, LG 3 und LG 1.
172 Neurologische Krankheiten

Qiang Tong
Der Mikroaderlass mit Dreikantnadeln ist eine starke Stimulationstechnik.
– Li Qi Hua Tan Fang: ein Qi regulierendes, schleimlösendes Programm. Es be-
steht aus KG 12, KS 6, M 40 und MP 4.
– Qi Bi Fang: ein die Sinne öffnendes Programm. Für soporöse oder depressive
bzw. agitierte Patienten. Es besteht aus: KG 26, KS 6 und N 1.
– Aderlass mit Dreikantnadeln: An Punkten wie LG 20, die „vier Klugen Götter
(Ex-HN 1)“, 10-Fingerkuppen (Ex-UE 11), 12-Jing xue (Meridian-Endpunkte
der Hand, Lu 11, Di 1, KS 9, 3E 1, Dü 1 und H 9).
– Shi Er Tou Fang: 12 Durchstichpunkte (von einem Punkt in Richtung des an-
deren die Nadel vorschieben). Es ist besonders wichtig, um die Qi-Stauung an
Gelenken zu beseitigen. Die 12 Punkte sind: Di 15 zu Di 14, Di 11 zu H 3, 3E 5
zu KS 6, Di zu KS 8, G 30 zu G 31, Le 8 zu G 33, G 34 zu MP 9, M 36 zu B 57
(Cheng Shan), G 39 zu MP 6, G 40 zu N 6, B 60 zu N 3 und Le 3 zu N 1.
– Tong Bian Fang (Shi Zheng): Programm gegen Obstipation vom Fülle-Typ. Es
besteht aus G 34, M 36 und M 40.

Wen Tong
Die Wärmepunktur ist besonders geeignet bei langjährigem Leiden und ge-
schwächten Schlaganfallspatienten.
– Hui Yang Gu Tuo Fang: ein Yang stärkendes Programm. Es wird jeder Punkt
(KG 8 und KG 4) mit 5–7 Moxakegeln gewärmt. M 36 wird mit Moxa am Na-
delgriff behandelt.
– Huo Zhen Liao Fa: Feuernadel an der Yang-Seite des Gelenkes. Die Technik
ist im Westen wenig bekannt. Es wird eine spezielle Akupunkturnadel an
einer Spirituslampe erhitzt und rasch in die Hautstelle eingestochen und gleich
wieder herausgezogen. Geeignet bei spastischen Gelenkskontrakturen.
– Shan Guan Fa: Schröpfkegel-Technik. Es wird an den Zustimmungspunkten
des Blasenmeridians gesetzt. Dies löst den Blutstau und die Schmerzen am
Rücken.

Postcommotionelles Syndrom
Symptome: Kopfschmerzen, Vertigo, Konzentrationsstörung, Hirnleistungsschwä-
che etc. Punkte:
G 20, LG 20, Di 4, die „vier Klugen Götter (EX-HN 1, Sishencong)“, Le 3, N 3,
M 36, M 40.
Dazu noch die Punkte nach der Dreier-Regel der Wiener Schule verwenden.
Diese Indikation spricht besonders gut auf die Tuina-Behandlung an.

Multiple Sklerose
Die Multiple Sklerose (MS) bzw. Encephalomyelitis disseminata ist eine in Schü-
ben verlaufende, entzündliche Erkrankung von Gehirn und Rückenmark. Als
Symptome finden wir: Lähmung, Sensibilitätsstörung, Schmerzen, Sehnervschä-
Parkinson-Krankheit 173

digung, Spastik, Kleinhirnsymptome, Augen-Motilitätsstörungen, Blase-Mast-


darm-Entleerungsstörungen und psychische Störungen. Die Infusion mit Kortison
bei Schüben ist jetzt allgemein anerkannt. Eine Reihe von immunsupressiven Sub-
stanzen (z.B. Imurek) und immunstimulierende Behandlungen (z.B. Beta-Interfe-
ron) werden in der Basistherapie eingesetzt. Die Tuina-Therapie kann als eine
symptomatische, adjuvante Methode, wie auch die Krankengymnastik, eingesetzt
werden.
Das Programm und die Reizdosierung muss individuell dem aktuellen Zustand
des Patienten angepasst sein.

Was dürfen und sollen Patienten mit MS?


Sport in Maßen betreiben, sich impfen lassen, notwendige Operationen durch-
führen lassen, Kinder bekommen.

Was sollen Patienten mit MS vermeiden?


Übermäßiges Training, Injektionen von organischen Substanzen (z.B. Schweine-
hirnzellen), einseitige Diäten (beides aus Jahr des Gehirns 1999, Serono, ORF).
Die TCM ordnet die MS eine Organ-Niere und Organ-Leber zu: Syndrome des
Yinmangels, des Leber/Niere-Mangels und des Niere/Yang-Mangels. Die meist
verwendeten Punkte sind: H7, G 20, Taiyang, B 23, B 18, MP 6, Le 3, B 2 (für die
Organe Leber und Niere); Di 15, Di 14, Di 11, Le 5, Di 4 (für OE); G 30, G 34,
G 39, M 31, M 32, M 36 (für die UE); KG 2, KG 4, KG 6, MP 9, MP 10, B 28 (für
Blase-Mastdarm-Entleerungsstörungen).

Parkinson-Krankheit
Das Parkinson-Syndrom ist gekennzeichnet durch eine Störung der willkürlichen
und unwillkürlichen Bewegungen (Akinese, Rigor und Ruhe-Tremor). Schulter-
Arm-Syndrom, Lumbalgien oder Lumbo-Ischialgien sind die Quelle häufiger
Fehldiagnosen des beginnenden Parkinson-Syndroms. Im weiteren Verlauf kom-
men die vegetativen Symptome, wie vermehrter Speichelfluss, Schluckstörungen,
Störungen der Schweißsekretion (Hypo- bzw. Hyperhidrose), vermehrte Talgab-
sonderung der Gesichtshaut (Salbengesicht), Harndrang als Zeichen der Blasen-
störungen, Potenzstörungen, Störungen der Kreislauf-Funktion, Störungen der
Verdauungsfunktion (wie Obstipation), Atemstörungen etc. dazu. Auch psychi-
sche Symptome wie depressive Verstimmung, Schlafstörungen, Gedächtnisstö-
rungen können dazukommen. Eine Reihe von hochwirksamen modernen Arz-
neien steht uns heute zur Verfügung. Die Tuina-Therapie kann als eine sympto-
matische, adjuvante Methode, wie auch Krankengymnastik, Ergotherapie, Logo-
pädie und Massage, eingesetzt werden.
Die TCM ordnet hier ebenfalls der Organ-Niere und der Organ-Leber zu: Man-
gelsyndrome des Blutes und der Vitalenergie; Mangelsyndrom der Leber und der
Niere; Syndrom des Blutmangels in der Leber (mit Entstehung des „inneren Win-
des“). Die meist verwendeten Punkte sind: die „vier klugen Götter (EX-HN 1), Le
3, N 3, LG 16, Di 4, G 20, 3E 5, Di 11, G 34, M 36, MP 6, LG 26, M 2, B 56.
Programm 1: EX-HN 1, G 20, Di 11, Di 4, Le 3, G 34 und N 3.
Programm 2: LG 20, LG 16, Di 4, MP 6, Le 3, G 34 und M 36.
174 Neurologische Krankheiten

Programm 3: (nach Wang Qicai, 2003): LG 20, „vier klugen Götter“ (EX-HN 1),
G 20, Di 4, Le 3 und G 34. Bei Leber/Niere-Leere dazu: B 18, B 23,
BMP 6. Bei Qi-/Xue-Leere zusätzlich: KG 6, MP 10 und M 36. Bei
Tanzhu Dongfeng (Schleim-Tan Störung): M 40, KG 12 und MP 9.
Bei Tremor-Dominanz zusätzlich LG 14 (eventuell anschließend hier
schröpfen). Bei Rigor-Dominanz zusätzlich Le 14 und MP 21 (je 10
Min Moxen).
Es sollte auf einen abwechslungsreich gestalteten Speiseplan geachtet werden,
um eine adäquate Nährstoffversorgung zu gewährleisten.
17 Onkologie

In den vielen Jahren als Lehrer der Akupunktur und Arzt habe ich mich viel mit
onkologischen Problemen beschäftigt. Für die adjuvante Behandlung mit der Aku-
punktur haben wir zahlreiche Ansätze. Voraussetzung für einen optimalen Ein-
satz ist die genaue Kenntnis der „exotischen“ Betrachtungsweise der TCM und
der Technik der Nadeltherapie.
Ziel der Behandlung ist eine deutliche Besserung der Lebensqualität, mehr Ap-
petit, Schmerzreduktion, Aktivierung der Immunabwehr, Verlängerung der Le-
benszeit, Verbesserung der Verträglichkeit der Chemo-/Radiotherapie und der
operativen Eingriffe.
Das Verständnis von der Entstehung von Tumoren und ihre Behandlung ist in
der modernen Medizin eng mit der apparativen Diagnostik, wie Röntgen, Labor,
Histologie, Chirurgie, Chemo-/Radiotherapie etc., verbunden. Die TCM kennt alle
diese Verfahren der Diagnose und Therapie nicht. Die histologische Unterschei-
dung der Tumore in gutartige bzw. bösartige ist demnach mit den Regeln TCM
nicht möglich.
Es ist für den im Westen tätigen Arzt Pflicht, die Diagnose und Therapie zuerst
exakt nach den Regeln der Evidence-based Medicine (EBM) durchzuführen, erst
dann kann man, als zusätzliche Möglichkeit, die TCM-Therapie anwenden.

Ätiologie und Pathomechanismus


der Tumorentstehung in der TCM
Der Begriff Onkologie basiert auf der Histologie. Da es in der TCM die Histolo-
gie nicht gibt, kennt sie auch nicht die Diagnose Karcinom. Dieses Krankheitsbild
wird nach der chinesischen Differenzialdiagnose der Symptomen meist einer Or-
ganstörung bzw. einer Zirkulationsstörung zugerechnet. Heute wird in China
zuerst eine Diagnose nach der EBM, dann erst eine Ergänzungsdiagnose nach der
TCM bezüglich Ätiologie und Pathomechanismen (hier in 3 Formen) gestellt.
Nach der Diagnose der EBM erfolgt eine moderne Therapie. Nach der Ergän-
zungsdiagnose der TCM erfolgt die Akupunktur als Ergänzungstherapie.

– Organstörungen: Stenose am Verdauungsweg, am Atemweg, Anämie, Schmer-


zen, Blutungen, Gewichtsabnahme, Fieber etc.

– Zirkulationsstörungen: lokale oder diffuse Schmerzen im „System der Meri-


diane“
176 Onkologie

Symptome einer Organstörung


– Verengung, Stenose: z.B. Passagestörung am Verdauungsweg (Oesophagus-
Ca, Magen-Ca, Colon-Ca etc.), am Atemweg (Bronchus-Ca, Larynx-Ca etc.),
– Blutarmut, Anämie: als Folge von Störung des erythropoetischen Systems, Blu-
tungen etc.
– Schmerzen: im Rahmen der Funktionsstörung, der Stenose (z.B. Darmkoliken,
Tumorschmerzen etc.).
– Blutverlust: Hämatemesis, Hämoptoe, Epistaxis etc.
– Gewichtsabnahme: als Folge der Dyspepsie, der Resorptionsstörung etc.
– Fieber: als Folge der Infektanfälligkeit, der Immunschwäche etc.

Symptome der Zirkulationsstörungen


– Lokale Symptome: Durchblutungsstörung venös, arteriell, bzw. des Lymph-
flusses mit Lymphknotenschwellung, Schmerzen, Schwellung, tastbare Tumor-
bildung in der Tiefe des Körpers.
– Diffuse Schmerzen im „System der Meridiane“: hier finden wir ausgedehnte,
meist streifenförmige, dem Blut-, Lymph-, Nervensystem und der Muskelkette
folgende Verlaufbilder.

Konzepte der Tumortherapie


Für Pharmakotherapie, Schattenboxen, Qigong, Tuina-Therapie etc. können wir
nach dem gleichen Konzept wie die Akupunktur anwenden. Die Chemo- und
Strahlentherapie „tötet“ die Tumorzellen, aber auch die gesunden Zellen werden
geschädigt. Das Bild der TCM dafür ist das eines Hitzesyndroms infolge der Schä-
digung der Vitalenergie und des Yin. Daher sind Yin und Qi aufzubauen (Yi Qi
Yang Yin), die TCM-Maßnahme, um Gift/Hitze im Körper zu mildern. Die Stär-
kung der Organe Milz, Leber und Niere verbessert die Funktion der Verdauung,
der Erythropoese und des Immunsystems.
Das Behandlungskonzept stellt sich wie folgt dar:
– Unspezifische, symptomatische Behandlung
– Behandlung nach der Differenzialdiagnose der TCM (Bian Zheng)
– Behandlung nach der Histologie des Primärtumors (Bianbing)
– Tumorschmerztherapie
– Behandlung der Nebenwirkungen der Chemo-Radiotherapie

Unspezifische, symptomatische Behandlung


Folgende Symptome sind unspezifisch, d.h. sie gelten sowohl für die EBM als auch
für die TCM. Sie werden in der TCM wie folgt behandelt:
– Fieber: LG 14, LG 4 (Moxa), Di 11, M 36.
– Anämie: meist begleitet von leichtem Fieber, Kraftlosigkeit, Müdigkeit, Verti-
go, oft auch Leukopenie, die Zunge ist rötlich, trocken, der Puls ist zart. Es gibt
6 Programme für die Akupunktur. Jedes Programm hat 3 Punkte, diese Punk-
te werden 5 Tage hindurch verwendet, dann nach 2 Tagen Pause das nächste
Programm.
Konzepte der Tumortherapie 177

– Programm 1: M 36, G 20, B 38 (Gaohuang).


– Programm 2: LG 14 (Dazhui), B 23, B 11.
– Programm 3: Di 4, LG 4, Di 11.
– Programm 4: B 17, B 18, B 19.
– Programm 5: B 19, LG 14 (Dazhui), B 11.
– Programm 6: M 44, M 36, B 23.
– Programm 7 (nach Wang Qicai 2003): MP 10, B 17, B 15, B 20, B 23, G 39 und
M 36. Bei Vertigo LG 20. Bei Palpitationen KS 6 zusätzlich. Bei Inappetenz KG
12; bei viel Schwitzen und innerer Unruhe (Wu xin fan re, Dao han) KS 8 zu-
sätzlich. Bei stark geröteten Wangen (Zeichen der Yin-Leere) zusätzlich N 3.
Bei Potenzstörung zusätzlich KG 4. Bei Menstruationsstörung KG 4, MP 6 und
MP 1 Moxen.
Programm für die Moxibustion: Hauptpunkte LG 14, B 15, B 38, KG 4, M 36,
zusätzliche Punkte: B 18, B 20, B 23, MP 6, Di 11, MP 10.
– Leukopenie (nach Wang Qicai 2003): KG 6, LG 14 (Moxen 30 Minuten), B 20,
B 23, B 38 (30 Minuten moxen) und M 36. Bei Milz/Magen-Störung KG 12, B
21 zusätzlich. Bei Milz/Niere-Yang-Leere KG 4 und LG 4 moxen.
– Gewichtsabnahme: M 36, B 21, KG 21, M 25, KG 11.
– Erbrechen: M 36, KG 12, KS 6.
– Schlafstörung: H 7, LG 20, B 62, N 6.
– Ödem: KG 4, MP 6, Lu 7.
– Immunaktivierung: LG 14, Di 11, M 36, KG 6, B 38, B 23.
– Hypotonie (nach Wang Qicai 2003): LG 20, KG 6, B 15, B 20, B 23 und M 36.
Bei Herz-Yang-Schwäche (Xin Yang Bu Zhen) KG 17 und B 14 zusätzlich. Bei
Milz-Schwäche (Zhong Qi Bu Zu) auch KG 12, B 21. Bei Yang-Leere in Herz
und Niere (Xin Shen Yang Xu) zusätzlich KS 6 und N 3. Bei starkem Yang-Qi-
Verlust (Yang Qi Xu Tuo) KG 8 und KG 4 moxen. Bei Vertigo und Kopf-
schmerzen: PdM (Yintang) und Sonne (Taiyang) zusätzlich. Bei Vergesslichkeit
auch die vier klugen Götter (EX-HN1, Sishencong). Bei kalten Extremitäten LG
14 und LG 4 moxen.
Im Notfall KS 6 und LG 25 (Suliao) zusätzlich.
– Hypertonie (nach Wang Qicai 2003): LG 20, Di 11, Di 4, Le 3 und MP 6. Bei
Überschuss an Leberfeuer (Ganghuo kansheng) zusätzlich G 20 und Le 2. Bei
Yang-Überschuss infolge einer Yin-Leere (Yi xu yang kang) auch N 3 und B 18.
Bei Stauung von Feuchtigkeit und Schleim (Tan shi yong sheng) M 40 und M
36 zusätzlich. Bei Blutstau als Folge von Qi-Leere (Qi Xu Xue Yu) auch MP 10
und B 17. Bei Yin und Yang-Leere (Yin Yang Liang Xu): KG 4 und B 23 zu-
sätzlich. Bei Vertigo und schwerem Gefühl des Kopfes auch LG 20 und Taiyang.
Bei Palpitationen zusätzlich KS 6 und H 7.
– Visusstörung: Yiming, B 1, G 37, Dü 6.
– Zahnschmerzen: M 3, M 2, Dü 18, Di 4, M 44.
– Rhinorrhoe: M 40, Di 4.
– Tinnitus: 3E 5.
– Husten, Hämoptoe: KG 17, M 40, B 17.
– Gesichtsschmerz: Di 11, G 34.
– Magenschmerzen: B 18, Le 3.
– Diarrhö: M 25.
178 Onkologie

– Flankenschmerzen: Le 14.
– Schwitzen ohne Anstrengung: H 6.
– Blutungsneigung (Nasenbluten, Blaue Flecken etc.): B 17, Lu 5, MP 1 (besser
nur Moxatherapie bzw. Druckpunkte an den entsprechenden Ohrreflexzonen,
keine Nadelung).
– Hämatemesis: Erbai (EX-UE 2).
– Blut im Stuhl: B 25, B 27, Erbai (EX-UE 2), Zhoujian (EX-UE 1), KG 6, G 34,
M 39.
– Anämie: B 15, KG 14, G 39, B 38.
– Lymphödem mit schmerzhaften Schwellungen: Di 11, G 34.

Behandlung nach der Differenzialdiagnose der TCM (Bian Zheng)


Es handelt sich dabei um ein Punkteprogramm nach den TCM-Syndromen, eine
Differenzialdiagnose nach den Regeln der TCM. Eine vereinfachte Form ist die
Zuordnung der Symptome nach Zugehörigkeit zum Meridianssystem, dem Organ-
system und den Modalitäten. Die 3-er Regel (was, wo, wie) erfolgt nach der Wie-
ner Schule für Akupunktur. Das unten angeführte Punkteprogramm nach Bian
Zheng kann auch als Modul bei anderen Erkrankungen (Bianbing) eingesetzt wer-
den.
Einige Typische TCM-Syndrome nach Bian Zheng sind:
– Qi-Stagnation: Blut-Stau und Schädigung von Yin (Qi Xie, Xue Yu und Yu Du
Shang Yin): KG 17, B 17, MP 10.
– Flüssigkeitsmangel infolge Qi-Leere (Qi Xu Jin Shao): B 20, KG 6, M 36.
– Ausgeprägter Mangel an Körperflüssigkeit (Jin Ye Ku Gao): B 18. B 20, B 23,
N 3.
– Feuer infolge Qi-Stagnation in Leber (Gan Yu Hua Huo): Le 2, Le 3 (M 36 aus
dem Programm nehmen).
– Druckgefühl im Thorax (Xiong Men): Di 4, KS 6.
– Regelstörung (Yue Jing Bu Tiao): MP 6.
– Viel Schleim allgemein (Tan): M 40, MP 4.
– Viel Schleim in der Lunge (Feng-Tan Lian-Fei, meist im Frühstadium des
Bronchus-Ca. Symptome: wiederholtes Husten, schaumiger Auswurf, Rücken-
schmerzen, Dyspnoe, Puls oberflächlich, schlüpfrig, ZB: weißlich, glitschig, ZK:
dunkel): Lu 5, Lu 7.
– Feuer der Leber greift die Lunge an (Gan-Huo Fan-Fei, meist im Frühstadium
des Bronchus-Ca. Symptome: Husten mit hell blutigem Auswurf, Schmerzen
am Rücken und Flanken, der Schleim ist wenig und zäh, Gereiztheit, Augen-
rötung, bitterer Mundgeschmack, Heiserkeit, Trockenheit im Mund und Ra-
chen, trockener Stuhl, Puls ist sehnig und schnell, ZB: trocken, gelblich, ZK:
rötlich): Le 2, G 41.
– Erhitzter Schleim staut sich in der Lunge (Tan Re Yong Fei, meist im Frühsta-
dium des Bronchus-Ca. Symptome: starker Husten, viel gelblicher Schleim,
Dyspnoe, Schmerzen in der Brust, wiederholt Fieber, Mundtrockenheit,
Schmerzen in Larynx, Urin ist konzentriert, Puls ist sehnig und schnell, ZB: dick,
gelblich, glitschig, ZK: dick, dunkel): M 40, Lu 11.
– Stagnation des Qi der Lunge mit Blutstau (Fei Qi Xie, Xue Yu, meist im Ver-
lauf des Bronchus-Ca. Symptome: Stau in der Lunge, wenig Husten, wenig
Schleim, Schmerzen in der Brust mit fester Lokalisation, beim Husten starke
Konzepte der Tumortherapie 179

Schmerzen und Schweißausbruch, Dyspnoe, Blähungen, Appetitlosigkeit, Puls


sehnig, ZB: grau, glitschig, ZK: dunkel mit blauen Flecken am Zungenrad): Le
2, Le 8.
– Hitze in der Lunge als Folge von Schleimstagnation, Wasserstau (Fei Tan Re
Yin Ting, meist im Verlauf des Bronchus-Ca. Symptome: Stau in der Lunge,
Husten, Druck und Schmerzen in der Brust, Schmerzen beim Aushusten, Dys-
pnoe, Ödem im Gesicht, Wasser im Thorax, wenig Appetit, Puls schlüpfrig, seh-
nig und schnell, ZB: gelblich glitschig, ZK: dunkelrot): B 17, N 20.
– Yin-Mangel der Lunge (Fei-Yin-Xu, meist im Verlauf des Bronchus-Ca. Symp-
tome: Stau in der Lunge, Husten mit Blutbeimengung, subfebril, rote Wangen
(meist) am Nachmittag, Frösteln am Vormittag, fiebrig am Nachmittag, innere
Unruhe, Mundtrockenheit, Gewichtsreduktion, Puls dünn und schnell, ZB: we-
nig, ZK: rot): MP 6, MP 3.
– Qi- und Yin-Mangel in Lunge und MP (Pi Fei Qi Yin Liang Xu, meist im Spät-
stadium des Bronchus-Ca. Symptome: Stau in der Lunge, Husten, leise Stim-
me, wenig Schleim – aber mit Blut, Dyspnoe, man schwitzt oft ohne Anstren-
gung, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, fahle Gesichtsfarbe, Mundtrockenheit, we-
nig Appetit, Gewichtsabnahme, Puls zart und schnell, dünner bis fehlender ZB,
ZK: dick, zart): KS 6, MP 6, M 36.
– Yin- und Yang-Mangel in Lunge und Niere (Fei Shen Yin Yang Liang Xu, meist
im Verlauf des Bronchus-Ca. Symptome: Stau in der Lunge, Dyspnoe, Heiser-
keit, Schmerzen in der Brust, Kraftlosigkeit in Knie und Kreuz, Schwindel, Tin-
nitus, Gewichtsabnahme, Kältescheu, kalte Extremitäten, Puls tief und kraft-
los, ZB: dünn glitschig, ZK: dick, blass und matt): N 3, KG 4.
– Das Qi der Leber greift den Magen an (Gan Qi Fan Wei, meist im Frühstadium
von Magen-Ca. Symptome: Völlegefühl mit dumpfen Schmerzen bis zu den
Flanken ausstrahlend, wenig Appetit, das Essen schmeckt auch kaum, Aufsto-
ßen, Mundtrockenheit mit bitterem Geschmack, Puls sehnig, schnell, ZB: dünn
gelblich, ZK: rot): Le 3, Le 14.
– Kälte-Symptomatik in Magen und MP (Pi Wei Xu Han, meist im Frühstadium
von Magen-Ca. Symptome: Völlegefühl mit leichten Schmerzen, auf Druck Er-
leichterung, man trinkt gern Warmes, Kraftlosigkeit, Antriebslosigkeit, Ge-
sichtsblässe, kalte Extremitäten, man verkühlt sich leicht, wenig Appetit, Stuhl
ist weich, Puls kraftlos, ZB: dünn, weißlich, glitschig, ZK: leicht dunkel): M 44,
KG 6, M 25.
– Stagnation von Schleim und Qi als Folge von Kälte (Tan Qi Ning Xie, meist im
Verlauf eines Magen-Ca. Symptome: Schmerzen am Oberbauch, Übelkeit mit
Speichelfluss, oft Sättigungsgefühl, wenig Appetit, Druck in der Brust, Schwe-
regefühl am Körper, Aufstoßen, Globusgefühl im Hals, Schleim, Puls ist sehnig,
schlüpfrig, ZB: gelb, glitschig, ZK: dunkelrot): Lu 5, M 40.
– Stagnation von „giftiger Hitze“ (Re Du Nei Jie, meist im Verlauf von Magen-
Ca. Symptome: schmerzhaftes Völlegefühl, öfters nach dem Essen Übelkeit mit
Erbrechen, übler Mundgeruch, Zunge- und Mund-Trockenheit, Stuhl fest, Urin
gelblich, Puls sehnig, schnell, ZK: rot, ZB: gelblich): LG 14 (Dazhui), Di 11.
– Qi-Stagnation und Blutstau (Qi Jie Xue Yu, meist im Verlauf eines Magen-Ca.
Symptome: stechende, brennende oder stumpfe Schmerzen am Oberbauch zei-
gen fixe Lokalisation, wenig Appetit, der Stuhl ist oft schwarz, der Puls ist
schlüpfrig, sehnig, der Belag weiß, glitschig, am Zungenrand sind blauen Flek-
ken, die Farbe der Zunge ist dunkel): B 17, MP 10.
180 Onkologie

– Mangel an Magen-Yin (Wie Yin Bu Zu, meist im Spätstadium eines Magen-Ca.


Symptome: Schmerzen am Oberbauch, Erbrechen ohne Inhalt, man will nicht
essen, Gewichtsreduktion, Zunge- und Mund-Trockenheit, subfebril, rote Wan-
gen am Nachmittag und Abend, Puls dünn, schnell, Zunge dunkelrot, fleckige
bzw. glatte Zungenoberfläche): KG 13, H 6, MP 8.
– Blutstau als Folge des Mangels an aufrechtem Qi (Zheng Xu Yu Jie, Sympto-
me: Oberbauchschmerzen, deutlich tastbarer harter Tumor am Oberbauch, Ge-
sichtsfarbe fahlgelb, Antriebslosigkeit, Abmagerung, Puls dünn, sehnig schnell,
kraftlos, Zunge matt, blass, Belag grau mit groben schmutzigen Körnern): KG
6, M 36.
– Stagnation von Leber-Qi (Gan Qi Yu Xie, meist im Frühstadium eines Leber-
Ca. Symptome: Depression, Druckgefühl und tastbarer Knoten in der Flanken-
region, Druck in der Brust, bitterer Mundgeschmack, wenig Appetit, Puls seh-
nig, Belag dünn, gelblich, ZK: rot): Le 3, 3E 5.
– Stagnation von Leber-Qi, Stagnation von Schleim (Gan Yu Tan Jie, meist im
Frühstadium eines Leber-Ca. Symptome: Schmerzen in der rechten Flanken-
region, tastbarer Tumor ist härter bzw. höckerig, Druck in der Brust, wenig Ap-
petit, Abneigung gegen fette Speisen, Schleim im Hals, Puls sehnig schlüpfrig,
ZB: dick, gelblich): Le 2, M 40.
– Stagnation feuchter Hitze im Lebermeridian (Gan Jing Shi Re Yong Sheng,
meist im mittleren Stadium eines Leber-Ca. Symptome: Schmerzen in der rech-
ten Flankenregion, tastbarer Tumor ist härter bzw. höckerig, Ikterus an Sklera
und Haut, Schweregefühl am Körper, man redet wenig, Harn ist dunkel, Ob-
stipation, Puls sehnig kräftig, ZK: rot, ZB: gelb, glitschig): B 17, KG 12, LG 9,
B 43 (Yanggang).
– Stagnation von „giftiger Hitze“ im Lebermeridian (Gan Jing Re Du Nei-Jie,
meist im mittleren Stadium eines Leber-Ca. Symptome: Schmerzen in der rech-
ten Flankenregion, tastbarer Tumor ist härter, Fieber, Mundtrockenheit, Skle-
ra gelblich, Zahnfleischbluten, übler Mundgeruch, wenig und konzentrierter
Harn, Puls sehnig schnell, Zunge rot, Belag gelb): B 17, LG 14 (Dazhui), Di 11.
– Stagnation von Qi und Blut im Lebermeridian (Gan Jing Qi Xie Xue Yu, meist
im mittleren Stadium eines Leber-Ca. Symptome: stechende Schmerzen in der
rechten Flankenregion, tastbarer, harter Tumor, Druckgefühl in der Brust und
Oberbauch, man kann wenig essen, kein Durst, obwohl der Mund trocken ist,
Puls sehnig, Zunge dunkelrot, Belag dünn, glitschig, am Zungenrand sind blaue
Flecken): B 17, Le 3, 3E 5.
– Stagnation von Schleim und Blut im Lebermeridian (Gan Jing Tan Xue Yu Jie,
meist im mittleren Stadium eines Leber-Ca. Symptome: bleibende, fixe Schmer-
zen an der rechten Flankenregion, tastbarer harter Tumor, Magerkeit, wenig
Appetit, Dyspnoe, zäher Schleim im Hals, Gesichtsfarbe dunkel, Puls dünn,
kraftlos, ZK: zyanotisch, matt, ZB: weiß, glitschig): B 17, M 40, 3E 6.
– Stagnation von Qi und Blut in Leber und MP (Gan Pi Xue Yu, meist im mittle-
ren Stadium eines Leber-Ca. Symptome: Schmerzen in der rechten Flankenre-
gion, der Knoten ist hart, Gesichtsfarbe fahl gelblich bis grauschwarz, wenig
Appetit, Dyspnoe, Caput medusa, Meteorismus, Aszites, Stuhl schwarz, Puls
dünn, schnell, streifenförmige blauen Flecken an der Zunge, ZB: gelblich, glit-
schig bzw. grau, körnig): B 17, B 20, KG 6, KG 9, MP 9.
– Yin-Mangel in Leber und Niere (Gan Shen Yin Xu, meist im Spätstadium eines
Leber-Ca. Symptome: Schmerzen in der rechten Flankenregion, der Knoten ist
Konzepte der Tumortherapie 181

hart, Magerkeit, subfebril, Mund trocken, Halsschmerzen, Wange feucht, ge-


rötet, Kreuzschmerzen, man schwitzt leicht, Hitzegefühl an den Fußsohlen und
Handflächen, Puls dünn, schnell, besonders in der Position Lu 7 ist der Puls
kraftlos, Zunge rot bis dunkelrot, fleckiger ZB): B 23, N 3, MP 6.
– Yin-Schädigung als Folge „giftiger Hitze“ (Re Du Shang Yin, meist im mittle-
ren Stadium eines Leber-Ca. Symptome: Schmerzen an der rechten Flanken-
region, der Knoten ist hart, Erbrechen von Blut sowie Blut im Stuhl, Fieber, Som-
nolenz, Halluzination, Harn dunkel, Puls dünn, schnell, etwas kräftig, Zunge
dunkelrot, Zunge glatt wie ein Spiegel): MP 6, LG 26 (Renzhong), EX-UE11
(Shixuan), N 1.
– Stagnation des Qi des Dickdarmes (Dachang Qi Xie Yu Jie, oft im Frühstadium
des Dickdarm-Ca. Symptome: abwechselnd Diarrhoe und Obstipation, Meteo-
rismus, wenig Appetit, ZB: dünn, glitschig, Puls sehnig dünn): KG 12, Le 2.
– Feuchte Hitze im Dickdarm (Dachang Shi Re Xia Po, meist im Frühstadium des
Dickdarm-Ca. Symptome: öfters am Tag weiß-gelblicher, weicher Stuhl, Druck
in der Brust, wenig Appetit, Bauchschmerzen, ZB: gelb, glitschig, Puls schlüp-
frig schnell): KG 10, Di 11, M 37.
– Stagnation von „giftigem Blut“ im Dickdarm (Dachang Yu Du Nei Jie, meist im
mittleren Stadium des Dickdarm-Ca. Symptome: blutig, eitrige Diarrhö, Zunge
dunkel, ZB gelb glitschig, blaue Flecken am Zungenrand, Puls dünn schnell):
B 17, Di 4, Le 3.
– Leere und Kälte in Magen und Darm (Wie Chang Xu Han, meist im mittleren
Stadium des Dickdarm-Ca. Symptome: Diarrhö, wässriger Stuhl mit mehr Eiter
als Blut, dumpfer Schmerz am Unterleib, wenig Appetit, Erschöpfung, Müdig-
keit, ZB: weiß, dünn, Puls zart, dünn oder tief, dünn): B 17, B 21, KG 12, KG 6.
– Leere von Blut und Qi in Magen und MP (Pi Wei Qi Xue Liang Xu, meist im
mittleren Stadium des Dickdarm-Ca. Symptome: weißlich-rötliche Diarrhö,
Schweißausbruch nach dem Stuhlgang, Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Magerkeit,
Gesichtsblässe, Dyspnoe, man redet wenig, heller ZK, ZB: weißlich, Puls dünn
kraftlos: B 20, B 21, MP 10, B 17, KG 4, B 23.
– Yang-Leere in MP und Niere (Pi Shen Yang Xu, meist im Spätstadium des Dick-
darm-Ca. Symptome: viele Tage lang Diarrhö, meist in den Morgenstunden, un-
verdaute Nahrungsteile im Stuhl, Speisen bleiben lange in Magen und Darm lie-
gen, Schmerzen am Unterleib, Kraftlosigkeit, Dyspnoe, weiche Knie, Kältege-
fühl im Kreuz, kalte Extremitäten, Magerkeit, Kältescheu, ZB: weißlich, glitschig,
ZK: dick, dunkel, Puls tief, dünn, kraftlos): LG 14 (Dazhui), LG 4, B 23, KG 4.
– Yin-Leere in Leber und Niere (Gan Shen Yin Xu, meist im Spätstadium des
Dickdarm-Ca. Symptome: starke Diarrhö mit Tenesmen, Blut im Stuhl, Tro-
ckenheit im Mund und der Zunge, subfebril, Kreuzschmerzen, man schwitzt
ohne Grund, Hitzegefühl an Handflächen und Fußsohlen, Magerkeit, Schwin-
del, Augenflimmern, ZK: dunkelrot, fleckiger ZB mit Furchen, Puls sehnig,
dünn, schnell, kraftlos auf Druck): MP 6, N 3, B 23, Le 8.
– Hitze-Zustand allgemein (Re Zheng): LG 14, Di 4.
– Hitze als Folge einer Passagestörung (Yu Re Nei Ji): Di 4, MP 2.
– Zustand nach Chemo-Radiotherapie: Di 11, KG 12, M 36, KS 6, LG 20.
– Magen/Darmstörung (Qi-Leere im Magen und MP): B 20, B 21, M 36.
– Qi- und Xue-Leere: B 18, B 20, M 36, KG 4.
– Starkes Feuer als Folge des Yin-Mangels (Yin Xu Huo Wang): Trockenheit in
Mund und Rachen: B 20, Le 13, MP 6.
182 Onkologie

– Harnverhaltung: B 49 (Xubian), B 28.


– Unterleibsschmerzen: KG 4, B 18, MP 6, M 25.

Behandlung nach der Differenzialdiagnose des Primärtumors (Bian Bing)


Bian Bing ist eine Diagnose der Erkrankungen, die nach den Regeln der moder-
nen Medizin erfolgt. In diesem Fall nach Ort und Histologie des Primärtumors/der
Organstörungen. Warnung: Vorsicht! Das Tumorgewebe darf nicht angestochen
werden!

Behandlungspunkte
– Gehirn: LG 20, G20, B 39, MP 6.
– Nasopharynx: LG 23, Di 20, Lu 7, N 6 .
– Larynx-Karzinom: Am Beginn handelt es sich meist um junge Patienten mit
Fülle-Zustand (Shi). Später mit Leere-Zustand (Xu). Bei Fülle-Zustand: M 44,
Lu 10, Lu 7, KG 23. Bei Leere-Zustand: N 3, KG 22; N 6, M 36.
– Schilddrüsen-Karzinom: Dü 17, Di 17, KG 22, 3E 13, KS 6, KG 22, B 10, B 11.
– Lunge/Bronchus-Karzinom: Allgemein: B 13, Lu 7, Lu 6, Lu 1, KS 6. Programm
nach den 3 Stadien. Früh: B 12, B 13, Lu 9. Mittel: B 13, LU 1, Lu 5, 3E 6, M 36.
Spät: B 13, LU 1, Lu 9, B 38 (Gaohuang), KG 6, H 7, B 20, B 23. Nach der Che-
mo/Radiotherapie allgemein: B 13, KG 6, M 36.
– Ösophagus-Karzinom: In China ist es die zweithäufigste Karzinomdiagnose.
Programm nach den 3 Stadien: Früh: KS 6, KG 13. Mittel: KG 17, B 17, KS 6, M
36. Spät: MP 6, KS 6, KG 22, MP 2.
– Magen-Karzinom: G 12, M 21, MP 4, M 36, M 34. Punkteprogramm nach den
3 Stadien: Früh: KG 12, KS 6, M 36, G 34. Mittel: KG 12, M 36, KS 6, B 21, 3E
22. Spät: KG 12, B 21, Le 13, B 20, MP 6.
– Leber-Karzinom: Im Grunde liegt hier ein Mangelzustand im Körper vor, aber
die oberflächlichen Symptome zeigen oft Zeichen der Fülle. Von der anfäng-
lichen Erkrankung des Qi mit Füllezeichen entwickelt es sich zu einer Erkran-
kung des Blutes, zuerst Stagnation, dann Hitze, am Ende oft Blutleere. Pro-
gramm nach den 3 Stadien: Früh: B 18, KS 6, G 34, EX-B4 (Bigen). Mittel: B 18,
LE 14, G 34, EX-B4 (Bigen). Spät: B 18, Le 14, B 20, M 36. Für den Zustand nach
Chemo-/Radiotherapie: M 36, KG 6, Di 4.
– Dickdarm-Karzinom: M 25, Di 11, M 36. Am Beginn oft ein Zustand der Fülle,
dann kommt es langsam zum Zustand der Leere. Die Stagnation von Verdau-
ungsbrei gibt ein Bild der Fülle. Programm nach den 3 Stadien. Früh: M 25, B
25. Mittel: M 25, B 25, M 36. Spät: B 25, M 25, M 36, KG 6. Für den Zustand
nach Chemo-Radiotherapie: M 36, KG 6, Di 4.
– Mamma-Karzinom: M 18, M 16, M 15, M 36, M 40, Le 14, LG 14 (Dazhui),
KG 17, M 36, Le 5, B 17(Moxa), B 18 (Moxa). Von LG 11(Shendao) subcutan zu
LG 9 (Zhiyang).
– Myoma uteri: KG 2, N 11, EX-CA1 (Zigong), MP 6.
– Cervix-Karzinom: Das Programm wird je nach dem, ob es sich um einen Zu-
stand der Fülle oder Leere handelt, differenziert. Im Füllezustand, meist am Be-
ginn der Erkrankung, Unregelmäßigkeit im Monatszyklus, Kontaktblutung,
Fluor albus mit üblem Geruch, Unterleibsschmerzen, ZK und Lippen sehr rot,
ZB: gelb oder weiß, Puls sehnig kräftig. Punkte: KG 6, Le 5, Le 2, MP 6. Im Fül-
lezustand, meist im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung, viel Blutverlust,
Konzepte der Tumortherapie 183

dumpfe, lästige, quälende Schmerzen, Pollakisurie, Dyspnoe, Kraftlosigkeit,


Zunge blass, Belag weiß, Puls tief, dünn, zart. Punkte: KG 6, MP 6, Le 1, B 20,
MP 2.
– Blasen-Karzinom: Allgemein: B 28, KG 3, MP 6, N 3. Das Programm wird je
nach dem, ob es sich um einen Zustand der Fülle oder Leere handelt, diffe-
renziert. Bei Fülle-Zustand (meist am Beginn der Erkrankung. Symptome: Dy-
surie, Hämaturie, Druck am Unterbauch, innere Unruhe, Jähzorn, Zunge rot,
Belag gelblich, Puls sehnig, schnell): B 28, MP 9, B 53, LG 3, B 30, Lu 9. Bei
Leere-Zustand (meist im fortgeschrittenen Stadium. Symptome: Blut im Harn,
Miktionsstörung, Gesicht blass, Magerkeit, Müdigkeit, Niedergeschlagenheit,
ZK: blass, ZB: weiß, Puls dünn, kraftlos): MP 9, KG 3, MP 6, N 3.
– Myelom: Das Programm wird hier im Frühstadium und fortgeschrittenen Sta-
dium unterschiedlich durchgeführt. Frühstadium: G 39, Di 11, MP 10, MP 6,
B 17. Fortgeschrittenes Stadium: KS 6, M 36, MP 6, B 17, B 20.
– Osteosarkom: G 39, N 3, MP 6, M 36, LG 14 (Dazhui).
– Lymphom: Allgemein: Di 11, M 36, Le 5. Im Frühstadium: 3E 17, LG 14 (Daz-
hui), G 21, Le 11, Di 11.
– Hautkrebs: Bei Läsion am Arm: B 13, Lu 1, Lu 9, B 20, MP 2, M 36, M 40, B 54,
MP 9, Lu 5; bei Läsion am Bein G 34, G 39.

Tumorschmerztherapie
Die moderne Schmerztherapie ist bei Tumorpatienten mit den Empfehlungen des
WHO-Stufenschemas und den die Befindlichkeit verbessernden Begleittherapien
wie Autogenes Training, Physiotherapie, Massage, Psychotherapie, Kreativthera-
pie, Kneipptherapie etc. eine Selbstverständlichkeit geworden.
In China verzichtet man nicht auf operative Therapie und auch die Chemo-/Ra-
diotherapie wird hoch geschätzt. Doch Angebot und Kosten setzen hier eine Gren-
ze. Wir dürfen uns im Westen sehr glücklich schätzen, dass die Sozialsysteme noch
die meisten Therapien der Medizin bezahlen und der Mittellose nicht vor die Tür
gesetzt wird.
Prinzip der Punktauswahl bei der Schmerztherapie ist in der TCM der Primär-
tumor und die Meridianzugehörigkeit.
Bei Schmerzen (Qi-Stagnation), meist zeigt das Gesicht eine bläuliche Verfär-
bung, bei lokalisierten Schmerzen bzw. dumpfen, nicht lokalisierten Schmerzen
ist allgemein ein Mikroaderlass an den Punkten Lu 5 und B 54 günstig.
Weitere günstige Maßnahmen sind:
– Die Xi-Punkte des betroffenen Organs zeigen starke, regulierende Wirkung auf
das Organ. Für die Lunge ist der Xi-Punkt Lu 6. Für den Dünndarm ist Dü 6.
Für den Magen ist es M 34 etc.
– Anfangs- und Endpunkte des betroffenen Meridians, z.B. bei Bronchus-Karzi-
nom der Anfangspunkt des Lungemeridians Lu 1 und bei Lu 11 der Endpunkt.
– Alarmpunkt und Zustimmungspunkt des betroffenen Meridians, z.B. bei Bron-
chus-Karzinom ist Lu 1 der Alarmpunkt und B 13 der Zustimmungspunkt der
Lunge.
– Beim Karzinom eines Yang-Organs (Magen, Dünndarm, Dickdarm, Gallenbla-
se, Harnblase) ist der untere He-Punkt des betroffenen Meridians besonders
wirksam. Z.B. bei Magen-Karzinom ist M 36 der untere He-Punkt des Magens,
bei Gallenblasen-Karzinom ist G 34 der untere He-Punkt etc.
184 Onkologie

– Die 8 Meisterpunkte für Yin-Organ, Yang-Organ, Qi, Blut, Sehnen, Gefäße,


Knochen, Mark sind ebenfalls gut zu verwenden. Z.B. bei Magen-Ca ist KG 12
als Meisterpunkt für alle Yang-Organe sehr wirksam. Bei Bronchus-Karzinom
ist es KG 17 als Meisterpunkt des Qi (Atmung, Vitalenergie).
– Psychisch ausgleichend wirkt eine Behandlung von Leber und Herz. Meist ver-
wenden wir hier die Punkte Le 2, Le 3, H 7, KS 6, KS 7, B 15.
– Tumorschmerzen im Spätstadium: Infolge der vermehrten Gewebszerstörung
und Größezunahme des Tumors werden vermehrt nozizeptive Mediatoren frei-
gesetzt und mehr nervöse Strukturen in der Peripherie oder im ZNS geschä-
digt.
– Opioide sind hier unverzichtbar. Allgemeines Programm: Di 4, KS 6, MP 6,
M 36, Locus dolendi und die Umgebung der schmerzhaften Stelle. Die Aku-
pressur (Tuina), die transkutane Nervenstimulation (TENS) und die elektrische
Nadelstimulation an diesen 4 Punktepaaren ist neben der reinen Nadelaku-
punktur eine beliebte Zusatztherapie.
Die TCM sieht den Krebs als eine Stagnation von Xie Qi (pathogenes Qi) in
den Yin-Organen (Lunge, MP, Leber und Niere) an. Diese haben wiederum Pro-
jektionen an den 8 großen Gelenken: Achsel für Leber, Ellbogen für Lunge, Leis-
tenbeuge für MP und Kniekehle für Niere. Punkte in der Region zeigen ein gu-
tes Ansprechen bei Schmerzsyndromen. Die 4 Punkte KS 2, MP 12, M 19 und MP
10 zeigen sich als sehr effektiv für Aku-Injektionen (siehe Dang Wen, 1995). Die
Aku-Injektion ist eine Methode, um injizierbare Pharmaka, z.B. Lokalanästhetika
in einen bestimmten Akupunkturpunkt zu applizieren.

Behandlung der Nebenwirkungen der Chemo-/Radiotherapie


Die üblichen Nebenwirkungen sind: Leukopenie, Thrombopenie, Anämie, Übel-
keit, Brechreiz, Appetitlosigkeit, Diarrhö, Harnverhaltung, Dysurie, Hämaturie,
Haarausfall, Dermatose, Mukositis, Ödem, Müdigkeit, Depression, Vertigo, In-
somnie, paraneoplastische Neuropathie, Verschlimmerung bisheriger chronischer
Schmerzen wie Migräne, Spannungskopfschmerz, Arthrosenschmerz etc.
Symptome und Punktauswahl nach Bian Zheng sind:
– Qi- und Blut-Mangel Syndrom: Schwindel, Kraftlosigkeit, Gesichtsblässe, Pal-
pitation, Insomnie, ZK: blass, ZB: weiß, Puls kraftlos, zart. B 15, B 17, B 20, M
36, MP 6.
– Leber und Magen in Disharmonie: Übelkeit, Brechreiz, Völlegefühl am Ober-
bauch, wenig Appetit, Aufstoßen, ZK rot, Belag glitschig, Puls sehnig, schlüp-
frig. KG 17, KG 6, B 21, KG 12, G 34, M 36, KS 6, Le 3.
– Leber und Niere-Mangel-Syndrom: Hitzegefühl an Handflächen und Fußsoh-
len, wenig Appetit, Kraftlosigkeit, ZK: rot, wenig Belag, Puls dünn, schnell. B18,
B 23, B 38 (Gaohuang), N 3, MP 6.
– Prävention und Behandlung der toxischen Nebenwirkungen der Chemothera-
pie (siehe Fan Yu et al., Huashan Hospital, Medical College of Fudan Univer-
sity, Shanghai, Zhonguo Zhenjiu May, 2001 Vol. 21,No. 5): Moxibustion mit Mo-
xazigarre an M 36, MP 6, in 1,5 cm Abstand zur Haut, milde Erwärmung, täg-
lich Vormittag 1 × pro Punkt 10–15 Minuten, danach die Punkte 3 bis 5 Minu-
ten zart massieren, nach 6 Behandlungen (ein Therapiezyklus) ein Tag Pause,
5 Tage vor der Chemotherapie beginnen, 7 Tage nach der letzen Chemothera-
Konzepte der Tumortherapie 185

pie enden. Insgesamt 18 Tage lang behandeln. Die obige Studie zeigt eine Stei-
gerung der Leukozytenzahl und von IgG, IgA und IgM im Vergleich zur Zeit
vor der Chemotherapie. Die in diesen Studien praktizierte Aku-Injektion von
1–1,5 ml Injektionslösung (aus Chengdu bestehend aus Huang Qi-Astragalus
membranaceus) an M 36 und MP 6 zeigt das gleiche positive Ergebnis wie
Moxa.
Nieren- und
18 Leber-Schwäche

Im Alter findet man oft die Syndrome der Nieren und Leber-Schwäche (Shen Xu,
Gan Xu). Nach der TCM basieren alle Symptome bei älteren Menschen auf einer
Nieren-Schwäche. Nicht alles, das im Alter auftritt ist reversibel, nicht alles ist zu
stoppen oder wenigstens zu verlangsamen. Die TCM setzt auf Akupunktur, Aku-
pressur, Moxibustion, Qi Gong, gesundheitsfördernde Nahrung (TCM-Diät) und
angepasste Lebensführung und Psychohygiene, um das bestmögliche zu errei-
chen. In der TCM bilden die Niere und die Leber eine physiologische Gemein-
schaft, da nach der TCM-Theorie Mark (Rücken, Hirnmark) von der Niere erzeugt
wird und Mark wiederum die Leber erzeugt.

Syndrome der Niere-Yang-Leere (Shen Yang Xu)


Niere-Yang-Leere: Symptome: Kältegefühl, Schmerzen und Schwäche im Kreuz
bzw. Knie, Potenzstörung, ZK blass, ZB feucht, weiß, Puls schwach, langsam. Aku-
punktur und Moxibustion : KG 4, KG 6, LG 4, B 23, N 3, N 7 und symptomatische
Punkte.
Niere-Yin-Leere: Symptome: Tinnitus, Vertigo, Vergesslichkeit, Nachtschweiß,
Hitzegefühl, Mundtrockenheit, ZK rissig, ZB sehr wenig, Puls schnell, dünn. Aku-
punktur: B 23, N 3, N 7, N 6, KG 4, Le 3, G 20, Lu 7 und symptomatische Punkte.
Hier ist allgemein die Moxibustion nicht günstig.
Niere-Qi-Leere: Symptome: Tinnitus, Vertigo, Vergesslichkeit, Schmerzen und
Schwäche im Kreuz bzw. Knie, ZK blass, dick, Puls zart. Akupunktur: B 23, KG 4,
KG 6, LG 4, M 36, N 3 und symptomatische Punkte.
Shen Yang wird als das Lebens-Feuer (Ming Men Zhi Huo), die Basis des Yang-
Qi im Körper angesehen. Es fördert die Organfunktion, den Stoffwechsel, schränkt
die Kälte im Körper ein. Yang der Niere gelangt in Form des Qi überall in den
Körper. Starke Vitalität bedeutet starkes Yang der Niere. Niere-Yang-Verlust be-
deutet somit Schwäche. Wenn das Nieren-Yang verbraucht ist, dann tritt der Tod
ein. Eine Studie aus China besagt (Siehe Xue Hong Li, in: Chen gnag et al., Pa-
thoimechanismus des alterns (in Chinesisch), Chinese J Basic Med TCM 2001,
Vol. 7, No. 7), dass 70% der 40-Jährigen beiderlei Geschlechts Zeichen von Shen
Xu aufweisen. Die Konstitution des Niere-Yang-Mangel ist beim Heranreifen (Es-
senz der Niere, Jing Qi) vom Kind zum Erwachsenen normal. Im Alter kommt es
wieder zum Nieren-Yang-Mangel, weil die Essenz der Niere (Jing Qi) physiolo-
gisch bedingt immer weniger wird. Anzeichen sind: Kältescheu, Lumbalgie, wei-
che Knie, Gelenksschmerzen etc. Die TCM empfiehlt bei krankheitsbedingtem
oder altersbedingtem Niere-Yang-Mangel wärmende Nahrung (Wen Re) wie
188 Nieren- und Leber-Schwäche

Rind, Schaf, Ingwer etc., aber auch Nahrung, welche die Essenz und das Yin der
Niere stärken. Das Tor zum Leben (Ming men) ist in der Akupunktur der LG 4.
Die TCM hat dazu 3 Meinungen: 1. Ming meng ist Lebensfeuer (ming men hua
= Nieren-Yang). 2. Nieren-Yin und Nieren-Yang zusammen sind das Ming men.
3. Ming men ist ein eigenständiges Organ, ihre Wirkung umfasst alle Yang- und
Yin-Aspekte des Körpers. Die Niere ist nur für ihr eigenes Yang und Yin zustän-
dig.
TCM-Arzneien, die allgemein günstig dafür sind:
Sheng Di Huang (Rhemanniae Radix), Shou Wu (Polygoni multiflori Radix), Gou
Qi Zi (Lycii Fructus), Nu Zhen Zi (Ligustrum Lucidum), Yin Yang Huo (Epimedii
Herba), Liu Wei Di Huang Wan (besteht aus Shoudihuang – Rehmanniae Radix
prep. Shanzhuyu – Corni Fructus, Shan Yao – Discoreae oppositae Rhiz., Zexie –
Alismatis Rhizoma, Mu Dan Pi – Moutan Radicis Cortex, Fuling – Poriae cocos
Sclerotium). Diese sind als Fertigpräparate in Drageeform im Handel erhältlich.
Allgemein günstige Akupunktur-Punkte bei Leere-Syndromen der Niere sind:
M 36, MP 6, B 23, KG 4 und LG 20 (meist mit tonisierendem Reiz oder Moxi-
bustion). Zusätzlich symptomatische Punkte sind B 13 für die Lunge, B 15 für das
Herz, B 20 für die Milz, B 21 für den Magen, B 18, LG 4, KG 6 und N 3 für Leber
und Niere.
Moxibustion: B 20, B 23, KG 4, KG 6 und M 36. Jeweils 2 bis 4 Punkte, jeden
2. Tag einmal jede Zone 1 Min. lang.

Depression
Symptome: übertriebene Sorgen und Angstgefühle, vermindertes Selbstwertge-
fühl, negatives Denken, Zukunftsangst, gestörter Schlaf, morgendliches Stim-
mungstief, Abgeschlagenheit, Energielosigkeit, Freudlosigkeit, man lebt zurück-
gezogen.

Behandlung
Programm 1: M 25, H3, LG 20, KG 15, MP 3.
Programm 2: LG 20, Yintang (EX-HN 3), LG 14, G 20, B 23, N 3, LE 3 und
MP 6.
Programm 3:
Bei Leere-Syndrom von Herz und Milz/Pankreas: KS 6, MP 6, B 15, B 20, Tai-
yang (EX-HN 5), H 7 und LG 20.
Bei Stagnation des Leber-Qi: KG 17, Le 3, Le 14 und B 18.
Programm 4: LG 20, LG 24, KG 17, KG 14, G 20, KS 6, LG 14 und LG 12.
Moxibustion:
Programm 1: LG 15, KS 6, Le 2, Le 3 und N 3.
Programm 2: LG 20 (dabei auf die Haare Acht geben), Di 4, H 7, B 18, KG 6
und MP 6.
Die tägliche Durchführung der 21 Qigongübungen (siehe Seite 215 Bao Jian
Gong) kann in leichten Fällen überraschend viel positive Effekte bewirken.
Aus dem Bereich der Phythotherapie ist Johanniskraut bei milder Form der
Depression empfehlenswert.
Wenn die stimmungsaufhellende Wirkung nicht ausreichend ist, dann sind auch
Kalte Hände/Füße, Frieren 189

Antidepressiva der neuen Generation, die effektiv und nebenwirkungsarm sind,


angebracht.

Müdigkeit
Symptome: Kraftlosigkeit, Schläfrigkeit am Tag, man ist wenig belastbar, man
macht öfters eine Ruhepause.

Behandlung
KS 6, Di 11, M 36.
Das tägliche Trinken von Ginseng-Tee kann innerhalb von einigen Tagen die
Müdigkeit beseitigen. Die einfachste Art der Zubereitung ist das Aufweichen von
einer einen halben Daumen großen getrockneten Ginsengwurzel in Menge von
100 cc kochend heißem Wasser über 1 bis 2 Stunden. Die gleiche Wurzel kann
man noch 2 × in je 100 cc kochend heißem Wassern ziehen lassen. Die Ginseng-
Wurzel in weißer Farbe sollte bevorzugt werden, da die Wurzel von braun-roter
Farbe ev. den Blutdruck erhöhen kann.

Kalte Hände/Füße, Frieren


Diese Beschwerden treten auch im gut geheizten Zimmer und im Sommer auf.
Behandlung
Täglich 30 Minuten vor dem Schlafengehen nach einem heißen Fußbad die
Fußsohlen beiderseits fest massieren, die Zone N1 (im Winkel zwischen Groß- und
Kleinzehenball) je 100-mal fest drücken und kreisförmig reiben bzw. friktionie-
ren.
Dann die Außenseite des Schienbeines von oben nach unten fest drücken und
reiben; das Gleiche auch am Unterarm vom Ellbogen bis zu den Fingerspitzen
durchführen.
Da ja die TCM davon ausgeht, dass der gute Arzt vorsorgt, sollte jahreszeitlich
auf die Nahrungszusammensetzung geachtet werden. „Im Herbst und Winter das
Yin aufbauen; im Frühjahr und Sommer das Yang aufbauen“.
Der ältere Mensch (ab 45 Jahren) steht im Herbst des Lebens, daher sind Scho-
nung und Aufbau von Yin im Körper wichtig. Zu Yin rechnet die TCM alles, was
der Stofflichkeit (Substrat, Blut, Körpersäfte etc.) im Körper zuzurechnen ist.
Der alte Mensch sollte besonders im Herbst und Winter auf Bekleidung, Ruhe
und Ernährung achten. Es wird empfohlen, mehr Nahrung, welche „Hitze er-
zeugt“ zu sich zu nehmen: z.B. im Feuertopf (mit klarer Suppe oder Wasser) ge-
gartes Gemüse, dem das Fleisch in halbgefrorenem Zustand klein geschnitten hin-
zugefügt wird, alles abschließend mit Sojasoße, Paprikasoße, Schnittlauchsoße etc.
gewürzt.
Als Fleisch für den Winter werden besonders Rind-, Schaf-, Hammelfleisch
empfohlen.
Im Topf kann man auch abwechselnd Ginsengwurzel, Lotussamen (Lianzi), ge-
trockneter Cassia, Zimtbaum, Zimtzweig (Gui Yuan Rou), Baikal-Heimkraut,
Helmkraut-Wurzel (Huang Qin), Angelika pubescens oder Bärenklau-Wurzel (Du
Huo), Chinesische Guttapercharinde (Du Zhong), Bocksdorn-Früchte (Gou Qi Zi)
190 Nieren- und Leber-Schwäche

mitkochen. Pro Topf genügen abwechselnd 1 bis 2 Pflanzen. Alle oben genann-
ten Pflanzen gehören in China sowohl zur Medizin wie auch zur Gesundheits-
nahrung. Sie sind in gut sortierten Apotheken erhältlich.

Innere Unruhe mit Hitze der Handflächen und Fußsohlen


Diese Symptome treten oft in Begleitung weiterer vegetativer Störungen auf.

Behandlung
H 3, H 7, N 1, Le 3 und LG 14 (über dem 7. Halswirbeldornfortsatz).

Nächtliches bzw. verstärktes Schwitzen


ohne ersichtlichen Grund
Dies ist besonders oft bei Frauen in der Menopause, aber auch bei Männern um
das 50. Lebensjahr anzutreffen bzw. nach schwerer Krankheit.

Behandlung
N 7 (2 Fingerbreit über dem Innenknöchel des Unterschenkels, am Rand des
Schienbeins), Lu 7 (etwa 3 Fingerbreit über dem daumenseitigen Handgelenks-
querfaltenende, genau über der Arterie; hier ist die Stelle der Pulsdiagnose für
die Niere), LG 14.
Bei trockenem Mund, Kehle bzw. Augen: Die allgemeine Ausgetrockenheit
kommt nicht nur davon, dass man weniger Flüssigkeit zu sich nimmt, der Haupt-
grund liegt darin, dass das Gewebe – wie Haut, Schleimhaut, Unterhautgewebe,
Muskulatur – „altert wie ein welkendes Blatt im Herbst“. Das morgendliche Tro-
ckenheitsgefühl, aber auch der Reizzustand der Augen verweist auf ein Versie-
gen der Tränen (Konjunktivitis sicca).
Mehr zu trinken ist sicher wichtig, aber die TCM legt auch Wert auf eine Ver-
besserung der Organfunktionen, welche mit dem Wasserhaushalt direkt zu tun
haben. Es sind dies die Organe: Milz/Pankreas, Lunge und Niere.
Punkte: MP 6, MP 4, Lu 7, KG 17, B 13, B 23, N 1.

Kurzatmigkeit
Wenn diese schon bei geringen Belastungen auftritt, spricht das neben einem
Trainingsmangel auch für eine Schwächung der Vitalkapazität, der Atmungshilfs-
muskulatur und es ist auch ev. ein Anzeichen für das Vorliegen zu hohem Drucks
im Bauchraum (z.B. bei Blähungen).

Behandlung
LG 14, B 13, KG 17, KS 6, M 36, M 25, B 25.

Palpitationen
Wenn das Herz laut internistischem Befund in einem dem Alter entsprechenden
Zustand ist, dann kann diese Störung auf ein psychosomatisches Krankheitsbild
Vergesslichkeit, Demenz 191

zurückzuführen sein. Ein „Tapetenwechsel“, Spazieren gehen, ein Hobby aus-


üben etc. können ausgleichend wirken.

Behandlung
Wenn die Palpitation nur fallweise auftritt, dann hilft zumeist die Akupressur der
Punkte KS 8, H 3, H 7, Lu 1, B 65 und KS 6.

Vergesslichkeit, Demenz
Vergesslichkeit bedeutet nicht immer automatisch Demenz. In aller Munde ist
heute die Angst, man stehe am Beginn der sog. Alzheimer Krankheit. Bei diesen
Symptomen ist zuerst eine genaue neurologische Untersuchung angebracht, denn
dahinter kann neben einer organischen Störung oft auch eine Depression oder
eine vaskuläre Demenz stecken.
Auf das Bestehen einer Demenz weisen folgende Punkte hin: Störung des Kurz-
zeitgedächtnisses (des gerade Erlebten), gestörte Erinnerungsfähigkeit, z.B. der
alte Mensch ist ständig auf der Suche nach seinen Gebrauchsgegenständen wie
die Brille, der Schlüssel etc. Auffallend ist auch das Verleugnen der Vergesslich-
keit. Eine Fassade wird aufrecht erhalten. Ausweichende floskelhafte Antworten
sind oft zu hören. Später kommen Orientierungsstörungen (hinsichtlich Adresse,
Wohnung, Jahreszeiten etc.) hinzu. Schwierigkeiten beim Erkennen von Freun-
den, Angehörigen und Störungen der Sprache und der Bewegungen verursachen
Probleme im Alltag. Schließlich treten geistiger und körperlicher Verfall auf. In
speziellen Memory-Kliniken (-Ambulanzen) können fortgeschrittene Fälle multi-
professionell betreut werden.

Behandlung
Programm 1: LG 20, Vier Klugen-Götter (EX-HN 1), M 36 und MP 6.
Programm 2: H 7, KS 6, Yintang (EX-HN 3) und N 3.
Programm 3: (nach Wang Qicai, 2003): LG 20, die „Vier Klugen Götter“ (EX-
HN 1), N 3, N 4, G 39 und M 36. Bei Leber/Niere-Leere: B 18, MP 6. Bei Qi-/Xue-
Mangel: KG 6, B 17. Bei Schleim-Stagnation in der Körpermitte: M 40 und KG 12.
Bei Blutstau: B 17 und B 54 (Weizhong).
Am Beginn der Alzheimer-Krankheit schützt die regelmäßige Einnahme von
speziellen Medikamenten (z.B. Galantamin, Donepezil Hydrochlorid, Rivastig-
mindehydrogentartrat, Memantinhydrochlorid, Ginkgopräparate etc.) vor einem
raschen Fortschreiten der Vergesslichkeit. Bei der sog. Altersdepression kann die
gezielte antidepressive medikamentöse Einstellung binnen kurzer Zeit den Zu-
stand bessern.

Akupunktur und Tee-Rezepte der TCM


Laut TCM verbessert die tägliche Moxibustion von KG 6, M 36 die Funktion der
für die „Alterung“ verantwortlichen Organ-Niere. Empfehlenswerte Tees:
Bu Nao Yi Zhi Tang („hirnstärkend“, Gedächtnis verbessernder Tee) besteht
aus Yi Ren Zhi (Alpinia oxyphylla), Ren Shen (Ginseng Radix), Yuan Zhi (Poly-
galae Radix), Dong Chong Xia Cao (Cordyceps sinensis), Wu Wei Ci (Schisandrae
Fructus), jeweils 2 Gramm; 6 Gramm Long Yan (Drachenaugen, Arillus Longan),
192 Nieren- und Leber-Schwäche

je 5 Gramm He Tao Ren (Walnuss, Juglans regia) und Fu Shen (Poriae cocos Pra-
dicis Slerotium). Die Mischung in 4 Schüsseln Wasser kochen bis nur 1 Schüssel
übrig bleibt (erst aufkochen, dann bei kleiner Flamen weiterkochen). Bei Fieber,
Grippe und Husten mit viel Schleim damit pausieren. (Rezept von Chen Jianbo,
China, Zhong Hua Yang Sheng Bao Jian 2/2003.)

Zu viel Feuer im Alter (Shang Huo)


Symptome wie Obstipation, rote Augen, Rachenschmerzen, Parodontose, Aphto-
se werden in der TCM den Feuersyndromen von Leber (Augen), Lunge (Rachen)
und Magen (Zahnfleisch, Parodontose) zugeordnet. Wegen der allgemeinen
Schwäche der Organe finden schädigende Noxen (Xie) leichter Zutritt in den Kör-
per, das längere Verweilen von Noxen führt wiederum zur Entstehung von Hitze
(Feuer) im Körper. Ferner führt der Yin-Mangel (Substanzmangel, Flüssigkeits-
defizite) zu Obstipation, Aufsteigen von Feuer. Weiters sind schlechte Essge-
wohnheiten (zuviel Geröstetes, Gebackenes und scharf Gewürztes) ebenfalls für
die Hitze und das Aufsteigen des Feuers verantwortlich.
Empfehlung: die Speisen wenig würzen, viel Obst und Gemüse, wenig Ge-
backene, Geröstetes, Geräuchertes essen. Ferner wenig Ingwer, Zwiebeln, Lauch,
Paprika, Pfeffer, Knoblauch etc. essen. Tofu, der chinesische Sojabohnenkäse, hin-
gegen fördert die Verdauung und senkt das zu starke Feuer. Bauchmassage,
Bauchatmung, Regelmäßigkeit des Toilettengangs, Honig etc. können bei Obsti-
pation hilfreich sein.
TCM-Fertigpräparate wie Liu Wei Di Huang Wan (besteht aus Shoudihuang –
Rehmanniae Radix prep. Shan Zhu Yu – Corni Fructus, Shan Yao – Discoreae op-
positae Rhiz., Zexie – Alismatis Rhizoma, Mu Dan Pi – Moutan Radicis Cortex, Fu-
ling – Poriae cocos Sclerotium) und Zhi bai dihuang wan (besteht aus Shoudi-
huang – Rehmanniae Radix prep. Shan Zhu Yu – Corni Fructus, Shanyao – Disco-
reae oppositae Rhiz., Ze Xie – Alismatis Rhizoma, Mu Dan Pi – Moutan Radicis
Cortex, Fu Ling – Poriae cocos Sclerotium, Zhi Mu – Anemarrhenae Rhizoma,
Huang Bai – Phellodendri Cortex) sind bewehrte tonische Mittel bei Yin-Mangel
und zur Vermeidung von zu viel Feuer (Zi Yin Jiang Huo).

Chronische Bronchitis
Nach der TCM werden Lunge, Milz/Pankreas und Niere als beteiligte Organe an-
gesehen.

Behandlung
Programm 1: B 13, B 15, B 17, KG 21 und KG 17.
Programm 2: Lu 1, M 40, LG 12, B 13 und B 38 (Gaohuang).
Moxaprogramm: LG 14, KG 12, B 13, B 23 und B 38 (Gaohuang).

Schlafstörung
Wenn die Schlafdauer weniger als 5 Stunden beträgt, sprechen wir von Ein- und
Durchschlafstörung. Die Therapie des Mangels an Qi und Xue sieht die TCM als
Schwerpunkt an.
Obstipation 193

Behandlung
Programm 1: H 7, MP 6.
Programm 2: LG 20, LG 24, G 20, EX-HN 1, Di 4, LE 3, MP 6, H 7 und M 36.
Programm 3: N 1 (nur 5 Min. lang zart stimulieren, die Nadeln etwas liegen las-
sen). Der Patient kann selbst vor dem Schlafengehen diese Stelle massieren oder
N 1 und M 36 mit Moxa erwärmen.
Programm 4: B 15, B 23, B 18, B 20, B 19, KS 6, MP 6 und Di 11 zu KS 3.

Schlafapnoe-Syndrom
Wenn eine konservative bzw. nicht apparative Therapie erwünscht wird, dann
kann man es mit der Akupunktur versuchen. Die Nadeln werden neutral stimu-
liert, 2 × in der Woche, nach einer Behandlungsserie von 10 × ist eine Pause von
etwa einer Woche sinnvoll. Um ein Urteil über das Ansprechen zu fällen, ist zu-
nächst eine Serie erforderlich. Insgesamt sind aber mindestens 3 Behandlungsse-
rien erforderlich, um den Zustand zu stabilisieren. (Empfehlungen von Liu Gui-
ling, Shenyang, China, 2000).

Behandlung
Hauptprogramm: LG 20, LG 26, M 36, Di 4, MP 6.
Zusatzprogramm: KG 4, M 25, M 40.

Vertigo
Schwankschwindel wird in der TCM als verursacht durch das Aufsteigen des Le-
ber-Yang bzw. durch Schleim (Tan), der die Sinne vernebelt, angesehen. Leber
und Niere zeigen dabei zumeist Mangelzustände. Es gehört zu den Störungen,
die relativ gut auf Akupunktur ansprechen.

Behandlung
Programm 1: Yintang (EX-HN 3), KS 6, G 20 und Dü 19.
Programm 2: G 12 und KS 6.
Programm 3: Le 3 in Richtung N 1.
Programm 4: Le 3, M 40, Dü 19, MP 6, Di 4 und KS 6.
Programm 5: LG 23 in Richtung LG 20, H 7 und G 20.
Programm 6: (nach Wang Qicai 2003): G 20, M 1 (Touwei), Taiyang und G 39.
Bei Aufsteigen des Leberwindes: Le 2, Le 3 und N 3 zusätzlich. Bei Beteiligung
von Schleim (Zhu Tan Shang Meng) auch KS 6, KG 12 und M 40. Bei Mangel an
Vitalenergie und Blut (Qi Xue Bu Zu): KG 6, MP 10 und M 36 zusätzlich. Bei Yin-
Leere in Leber und Niere (Gan Shen Yin Xu) auch B 18, B 23 und N 3.

Obstipation
(Empfehlungen nach Zhu Zhaogang, China)
Hauptpunkte: M 25, M 36, M 37, 3E 6, B 25, B 57.
Zusatzpunkte: KG 12, Di 4, 3E 3, G 34, MP 6, M 40.
194 Nieren- und Leber-Schwäche

Spezielle Zusatzpunkte:
Analhämorrhoiden: LG 1, KG 1, Erbai (EX-UE 2), B 35
Analfissur: Lu 6 und KG 24.
Analprolaps: LG 20, KG 1.
Arterielle Hypertonie: M 1 (Touwei), LG 14, M 36.
Weitere Empfehlungen: Sich regelmäßig am Morgen für den Stuhlgang Zeit
nehmen, viel faserreiche Nahrung essen (Gemüse, Obst, Bohnen, schwarzer Se-
sam, Walnüsse etc.), täglich dreimal mit übereinander gelegten Händen um den
Nabel je 36-mal in der einen und anderen Richtung kreisen.

Chronische Diarrhö
(Empfehlungen von Guo Zhili, Nanking, China, Nanjing)
Hauptpunkte: M 25, B 25, M 36, B 20, B 21, B 18, B 19, B 27 und B 23. Nade-
lung je nach Fülle- oder Leere-Syndrom, sedierend bzw. tonisierend. Bei Leere-
Syndrom in MP sowie Stauung von Feuchtigkeit und Hitze nicht moxen. Immer
nach Entfernung der Nadel an den entsprechenden Zustimmungspunkten 10 Min.
lang Schröpfen.

Spezielle Zusatzpunkte:
– Bei Qi-Leere in Magen/MP (Wei Pi Qi Xu): LG 20, KG 6.
– Bei Yang-Leere in MP und Niere (Pi Shen Yang Xu): KG 6, LG 4.
– Bei Stagnation in Leber und Leere in MP (Gan You Pi Xu): KS 6, Le 3, MP 4.
– Bei Stauung von Feuchtigkeit und Hitze (Shi Re Wen Jie): MP 9, MP 6.

Chronische Gastritis
Symptome: wenig Appetit, Druckgefühl am Oberbauch, Gewichtsabnahme, Mü-
digkeit etc.

Behandlung
Programm 1: KG 12, M 36 und KG 6.
Programm 2: B 20, B 21, KG 12 und Le 13.
Programm 3: MP 3, MP 4, M 34, KS 6.
Programm 4: Die „Zehn Punkte für Magen und MP“ nach Wang Leting: KG 12,
M 26, KG 6, KS 6, M 36 und MP 4. Das Programm wirkt auch bei Schlafstörung,
Dyspnoe, innerer Unruhe, Vertigo, Obstipation und gegen den Zustand nach
einem cerebralen Insult.

Moxibustion:
Programm 1: M 36 und M 36.
Programm 2: B 20, B 21, KG 12, LE 13, KG 6 und M 36.
Schröpfen: B 13, B 36 (Dashu), B 18, B 19, B 20, B 21, B 22, B 23, B 24, B 25 und
B 26.
Jedes Mal 2 bis 4 Punkte verwenden, ca. 30 Minuten.
Harninkontinenz 195

Tinnitus, Schwerhörigkeit
Im Alter treten diese Beschwerden meist im Rahmen eines Leeresyndroms (Xu
Zheng) der Leber und Niere auf.
Der Erfolg mit Akupunktur ist nicht besonders gut.

Behandlung
Programm 1: 3E 17, Dü 19, 3E 21 und LG 20.
Programm 2: B 23, 3E 17, 3E und G 2.

Zahnschmerzen
Programm 1: Le 3 und 3E 5.
Programm 2: 3E 17.
Programm 3: G 12.
Moxibustion: Di 4, M 2 (Xiaguan) und M 3 (Jiaju), Le 2 oder M 44 zusätzlich.
Pro Punkt etwa 15–20 Minuten bis zu leichter Rötung der Haut moxen.
Akupressur: homolateraler G 21 mit sedierendem (starkem) Griff 1 bis 3 Minu-
ten lang drücken. Besonders wirksam bei Schmerzen der hinteren Zähne.

Pollakisurie
Wenn ein alter Mensch in der Nacht mehr als dreimal aufstehen muss, dann kann
mit Akupunktur und Moxa eine Besserung erreicht werden. Die TCM sieht als
Ursache einen Qi-Mangel der Niere, eine Leber-Qi-Stagnation (Gan You Qi Xie)
oder Innere Hitze, durch Yin-Mangel (Yin Xu Nei Re) ausgelöst, an.

Behandlung
Selbstmassage der Lumbosacral- und Nabelregion.
Programm 1: B 23, N 3 und N 7.
Programm 2: Moxa an KG 4 und LG 4.
Programm 3: KG 6, MP 6 und KG 3.
Programm 4 (nach Jiang Junqing, China 2003): B 23, LG 4, H 7, N 3 und KG 4.
Zuerst die Blase entleeren, dann mit Moxa die Punkte B 23, LG insgesamt 10 Mi-
nuten lang mit Moxazigarre erwärmen, anschließend in Rückenlage H 7 und N 3
nadeln (30 Minuten), während des Verweilens der Nadeln KG 4 mit Moxazigar-
re 10 Min. lang erwärmen. Am besten ist es, täglich oder jeden 2. Tag zu behan-
deln. Nach 5 Behandlungen eine Pause von 3 Tagen einlegen. Wenn ein Syndrom
des Qi-Mangels in der Mitte (Zhong Qi Bu Zu) vorliegt, dann KG 12 und M 36 na-
deln, während des Verweilens der Nadeln etwa 5 Minuten lang die Zone LG 20
mit Moxazigarre erwärmen. Wenn ein Leere-Syndrom des Yin (Yin Xu Huo Wang)
vorliegt, dann nur kurz moxen.

Harninkontinenz
Harnstress und Dranginkontinenz sind die zwei häufigsten Inkontinenzformen.
Seit Jahren wird „Beckenbodentraining“ zur Vorbeugung einer Beckenboden-
196 Nieren- und Leber-Schwäche

schwäche während der Schwangerschaft und Geburt, aber auch bei leichteren
Formen der Harnstressinkontinenz empfohlen. Initial kann neben der Elektrosti-
mulation des Beckenbodens, dem Biofeedback, der Verhaltenstherapie, der
Physiotherapie auch die Akupunktur angewendet werden. Die Nadelung der
Punkte B 23, MP 6 ist zu empfehlen, während die Punkte B 32 und B 35 links so-
wie B 32 und B 35 rechts an ein elektrisches Nadelstimulationsgerät angeschlos-
sen sind (wechselnde Impulsbreite mit 15 Hz). Die Intensität sollte gut tolerierbar
sein. Die Stimulationsdauer beträgt 20 Minuten. Ideal ist eine tägliche Behand-
lung, mit einer Wochenendpause. Mindestens 15 Sitzungen sind notwendig. Zur
Not kann auch ein TENS-Apparat diese Punkte transkutan stimulieren. Nur die
Punkte B 23 und MP 6 müssen mit der Nadel behandelt werden. Eine Studie der
Arbeitsgruppe Liu Zhiyuan (siehe Guanganmen Hospital, China Academy of
TCM, in Zhongguo Zhenjiu, Okt. 2001, Vol. 21, Nr. 10) zeigt, dass die Akupunk-
turgruppe ein besseres Ergebnis als die Vergleichsgruppe mit medikamentöser
Behandlung und Blasentraining aufweist.

Uterussenkung
Die TCM sieht darin einen Zustand des Nieren-Qi-Mangels (Shen Qi Bu Zu)
und/oder Qi-Mangels (Qi xu) sowie eine Störung in den Sondermeridianen Dai-
mai, Chongmai und Renmai. Die Uterussenkung tritt oft bei älteren Frauen auf.

Behandlung
Programm 1: EX-CA 1 (Zigong), KG 2, N 11, KG 4, LG 4, B 32, B 33, B 34, M
36, LE 3 und B 60.
Programm 2: LG 20, KG 6 und M 36.
Programm 3: Mit Moxakegeln auf Ingwerscheiben an LG 20, KG 4, KG 6, M
29, B 23.
Programm 4: MP 6, KG 6 und KG 4.

Menopause-Syndrom
Nach der Philosophie der TCM schädigt die psychosoziale Umstellung die Leber
(Stagnation des Leber-Qi führt zu innerer Hitze) und es kommt zum Verschleiß an
Essenz der Niere und Blut (Jing/Xue); weiters nimmt die Yin/Yang-Harmonie und
die Organfunktionen ab.

Behandlung
Programm 1: LG 20, H 7, B 15 und KS 6.
Programm 2: Le 2, MP 2 und Le 3.
Programm 3: KG 4, KG 6, B 23, Yintang (EX-HN 3), N 8, MP 6, MP 10 und H 7.
Programm 4: MP 6, N 3, B 23, M 40, LG 20, 3E 6, KS 7.
Programm 5: Moxa von KG 4, KG 6, B 20, MP 6, M 36 und H 7.
TCM-Kräuterrezepte: Xiao Yao San (Chai Hu – Bupleurum, Dang Gui – Ange-
lica sin., Bai Shao – Paeonia alba, Bai Zhu – Atractylodes macrocephalae, Fu Ling
– Poria cocos, Gan Cao – Glycyrrhiza; Jiang – Zingiberis rec., Bo He – Mentha).
Diese können als Kräutermischung selbst frisch gekocht oder in Drageeform ver-
Chronisches Zervikalsyndrom 197

wendet werden. In China wird diese Rezeptur gerne zur Therapie dieser Wohl-
standskrankheit verwendet sowie zur Gewichtsreduktion, zum psychovegetati-
ven Ausgleich; sie wirkt auch antidepressiv. Nach Erfahrung der TCM wirkt die-
se Rezeptur besonders positiv auf die Leber. Empfohlen sind täglich zweimal je 8
Gramm.

Potenzprobleme
Das Auftreten von erektiler Dysfunktion steigt mit dem Alter, bei über 60-Jähri-
gen sind mehr als 45% betroffen. Als Ursache kommen psychische Probleme, or-
ganische Erkrankungen wie Bluthochdruck, Arteriosklerose, Herzerkrankungen,
Zuckerkrankheit, manche Medikamente und Stress in Frage. Aber auch Lifesty-
le-Faktoren wie mangelnde körperliche Bewegung, übermäßiger Alkoholgenuss,
Nikotingenuss und Adipositas beeinträchtigen die Erektion und Libido. Nach der
TCM spielt die allgemeine biologische Schwächung von Yin und Yang, insbe-
sondere die Schwäche der Niere, eine große Rolle.

Behandlung
Programm 1: B 23, KG 3, MP 6, M 36.
Programm 2: B 32, Le 11 (Yinlian), KG 2, Le 1.
Programm 3: KG 4 mit Moxa 10 Min. lang behandeln.
Arthroseschmerzen können neben der medikamentösen Therapie (z.B. Nat-
riumchondroitinsulfat, Nichtsteroidale Antirheumatika, Refecoxib, Celcoxib) mit
Akupunktur unterstützend behandelt werden.

Akutes Zervikalsyndrom
Nach Erreichen des Deqi-Gefühls wird der Patient aufgefordert, selbst die
schmerzhafte Region zu mobilisieren.

Behandlung
Programm 1: Di 4, lokaler Schmerzpunkt, Dü 3, G 39. Weitere Punkte: Dü 13,
Di 15, B 11 und Dü 14.
Programm 2: Di 10.
Programm 3: Ein Daumen breit lateral von LG 14 und G 20.
Tuinaprogramm: Zuerst die schmerzhafte Region leicht klopfen, dann Druck an
Dü 15 der betroffenen Seite, stabiler Griff (Nafa) an G 21, Dü 9 der betroffenen
Seite, dann Zupf-Griff (Tanbo) an Dü 8. Zum Abschluss sollte bei Friktion (Roufa)
am 3E 5 der Patient die Halswirbelsäule selbst mobilisieren.
Ohrakupunktur: Zone für Halswirbelsäule und Schmerzpunkt am Ohr nadeln
und der Patient sollte die Halswirbelsäule selbst mobilisieren.

Chronisches Zervikalsyndrom
Programm 1: Paravertebrale Punkte nach Huatuo im Bereich schmerzhafter Seg-
mente der Halswirbelsäule (etwa 1 cm lateral der Dornfortsätze) und Dü 6.
198 Nieren- und Leber-Schwäche

Programm 2: G 20, B 10, G 21, Dü 14 und Dü 15. Dazu MP 6 bei Vitalenergie-


und Blut-Mangelsyndrom; lokale Schmerzpunkte bei Vitalenergie- und Blut-Stag-
nation; LG 14 bei Wind, Kälte und Feuchtigkeitssyndromen; Di 15, Di 11 und 3E 5
bei Schulter/Armschmerzen; Di 4 und EX-UE 9 (Baxie) bei Parästhesie der Fin-
ger.
Programm 3: B 10, EX-B 1 (Dingchuan), paravertebrale Punkte nach Huatuo im
Bereich schmerzhafter Segmente der Halswirbelsäule (etwa 1 cm lateral der Dorn-
fortsätze), Di 15, 3E 5 und Di 11. Während der Nadelung werden Oberarm und
Unterarm massiert, mit Friktion, Greifen, Streichen, Klopfen und Mobilisierung.
Nach Entfernung der Nadeln (20 Minuten) wird die Nacken/Schulterregion mas-
siert. Dabei nur Tuina anwenden.
Programm 4: Das Tuinaprogramm aus Alexander Meng, Lehrbuch der Tuina-
therapie, Haug-Verlag anwenden.
Programm 5: Moxibustion der paravertebralen Region nach Huatuo im Bereich
schmerzhafter Segmente der Halswirbelsäule (etwa 1 cm lateral der Dornfortsät-
ze) und G 20.

Schulterschmerzen
Nach den Regeln der TCM ist die Ursache meist eine äußere, bioklimatische Noxe
(Wind, Kälte, Feuchtigkeit etc.) und die Schmerzen werden hervorgerufen durch
Anstrengungen, Verletzungen und Schwäche in der Autoregulation (Zheng Qi
Xu). Nach Erreichen des Deqi-Gefühls wird der Patient aufgefordert, selbst die
schmerzhafte Region zu mobilisieren.

Behandlung
Programm 1: M 38 zu B 56.
Programm 2. 3E 3, Dü 3 und Di 4.
Programm 3: Je nach Schmerzlokalisation Anfangs- und Endpunkte des vor-
beiziehenden Meridians verwenden. Bei Schmerz beim Heben des Armes: Di 1
und Di 20. Wenn der Schmerz ventral liegt und die Abduktion schmerzhaft ist:
Lu 1 und Lu 11. Wenn der Schmerz dorsal und die Innenrotation schmerzhaft ist:
Dü 1 und Dü 19.
Programm 4: MP 9.
Programm 5: Jeweils einen Daumenbreit lateral von C 4, C 5, C 6 und Dü 3.
Programm 6: Di 15 zu Di 14, Dü 9 zu H 1, 3E 14 zu 3E 13, Di 11 zu H 3. Die Na-
deln 20 Minuten liegen lassen, dann die Einstichstelle schröpfen bis eine Rötung
der Haut sichtbar wird.
Programm 7: Moxen der Schmerzpunkte, insgesamt etwa 10 Minuten.
Programm 8: Das Tuinaprogramm nach Alexander Meng, Lehrbuch der Tuina-
therapie, Haug-Verlag, anwenden.

Chronische Lumbalgie
Die TCM sieht als Ursachen – wie bei chronischen Schulterschmerzen – Ab-
nützung, Einwirkung bioklimatischer Noxen und eine Schwäche des Nieren-Qi.
Schmerzen an den Fußsohlen 199

Behandlung
Programm 1: B 23, B 25, LG 3, B 31, B 54 (Weizhong), G 34, B 60 und lokale
Schmerzpunkte.
Programm 2: Moxa an B 23, B 25 und lokale Schmerzpunkte mit Moxazigarre.
Programm 3: Moxa an B 23, B 25, LG 3 und lokale Schmerzpunkte mit Ing-
werscheibe und Moxakegel.
Programm 4: Das Tuinaprogramm nach Alexander Meng, Lehrbuch der Tuina-
therapie, Haug-Verlag, anwenden.

Gonarthrose
Die TCM sieht als Ursachen – wie bei chronischen Schulterschmerzen – Abnüt-
zung, Einwirkung bioklimatischer Noxen und eine Schwäche des Nieren-Qi.

Behandlung
Programm 1. M 36 und EX-LE 5 (Xiyan).
Programm 2: G 34, MP 9, EX-LE 2 (Heding), M 34, MP 10 und M 36.
Programm 3: Moxazigarre an M 36, EX-Le 5 (Xiyan), G 33, G 34 und MP 9.
Programm 4: Das Tuinaprogramm nach Alexander Meng, Lehrbuch der Tuina-
therapie, Haug-Verlag, anwenden.

Schmerzen an den Fußsohlen


Symptome: Fersensporn und Schmerzen am Fußgewölbe. Neben der Akupunk-
tur sollte täglich nach einem warmen Fußbad die Fußsohle massiert werden.

Behandlung
Programm 1: MP 6, lokale Schmerzpunkte.
Programm 2: KS 7, lokale Schmerzpunkte.
Programm 3: B 60, B 57.
Chinesische
19 Kräutermedizin

Allgemein
Anti-Aging aus der Natur bedeutet, Pflanzen, Mineralien und Bestandteile der
Tierwelt zu nützen, um die Gesundheit zu fördern. Die Kräuterheilkunde beruht
in China auf einer dreitausendjährigen klinischen Erfahrung. Es wird in China
immer die ganze Pflanze verwendet. Wenn Kräuter mit giftigen Bestandteilen in
Rezepturen benutzt werden, kombiniert man sie mit anderen Pflanzen, von de-
nen bekannt ist, dass diese gezielt diese Giftwirkung aufheben. Die chinesische
Kräutermedizin kennt mehr als 8000 natürliche Heilsubstanzen (Pflanzen, Mine-
ralien und tierische Bestandteile), aber nur etwa 300 von ihnen werden in der täg-
lichen Praxis verwendet. Die therapeutischen Effekte der Kräuter werden nach
vier Eigenschaften (Si Xing), fünf Geschmacksrichtungen (Wu Wei), vier Akti-
vitäten (Sheng, Jiang, Fu, Cheng), nach dem Organ- und Meridianbezug (Gui
Jing) sowie der Giftigkeit (Du Xing) eingeteilt.
Die Eigenschaften hinsichtlich Temperaturverhalten (aber auch Qi-Verhalten)
im Körper sind: kalt, heiß, warm, (neutral) und kühlend.
Geschmack: herb (pungent), süß (sweet), sauer (sour), bitter (bitter), salzig (sal-
ty), ohne Geschmack (tasteless) und astringierend (astringent).
Wirkrichtung des Qi: aufsteigend (lifting), verringernd (lowering), schwebend
bzw. nach außen (floating) und absteigend (sinking).
Organ- und Meridianbezug: auf einen oder mehrere Meridiane selektive Wir-
kung.
Giftigkeit: Es gibt die Bewertung extrem starke Giftigkeit, mäßige Giftigkeit
oder wenig Giftigkeit. Die Anwendung giftiger Substanzen sollte mit äußerster
Sorgfalt verbunden sein.

Beispiele für die Temperaturwirkung


– Warm und heiß: Fenchel, Huhn, Shrimps, Rind, Wildschwein, Hafer, Buchwei-
zen, Aal, Lachs, Ingwer, Schnittlauch, Petersilie, Koriander, Ziegenkäse, Zie-
genmilch, Haselnuss, Kastanien, Walnuss, Pinienkern, Kaffee, schwarzer Tee,
Rotwein, Weißwein, Essig, Kakao, Tabak.
– Heiß: Lamm, Forelle, Sojaöl, Schnaps, Knoblauch, Zimt, Pfeffer, Chili, Curry.
– Kalt: Chinakohl, Tomaten, grüner Salat, Spargel, Wassermelone, Rhabarber,
Krabben, Schnecken, Salz, Sojasoße, grüner Tee, Wasser.
– Kühl: Weizen, Weizenkleie, Brokkoli, Kohl, Sellerie, Gurken, Löwenzahn, Pilze,
Spinat, Radieschen, Bohnensprossen, Zucchini, Schwein, Hase, Apfel, Birne, Zit-
202 Chinesische Kräutermedizin

rone, Orange, Mandarine, Erdbeere, Joghurt, Sauermilch, Tofu, Sauerrahm,


Fruchtsäfte, Pfefferminztee, Weizenbier, Sesamöl, Olivenöl, Sonnenblumenöl.
– Neutral: Hirse, Reis, Blumenkohl, Kartoffel, Rüben, Avocado, Kohlrabi, Karpfen,
Ente, Austern, Tintenfisch, Mango, Ananas, Jasmintee, Weintrauben, Pflau-
men, Linsen, Erbsen, Safran, Süßholz, Kuhmilch, Käse, Topfen, Mandel, Erd-
nuss, Sesam, Honig, Hühnerei, Erdnussöl.

Beispiele für den Organ/Meridianbezug


– Lunge: Ente, Hafer, Spargel, Pilze, Oliven, Radieschen, Rüben, Zwiebel, Kohl-
rabi, Banane, Apfel, Mandarine, Knoblauch, Ingwer, Honig, Tofu, Hühnerei,
Milch, Alkohol, Mandel, Erdnuss, Walnuss, Pinienkern, Schwarzer Tee, Pfef-
ferminztee.
– Dickdarm: Mais, Buchweizen, Gurke, Pilze, Aubergine, Spinat, Feige, Banane,
Salz, Pfeffer, Tofu, Honig, Sesam, Pinienkern, Mandel.
– Niere: Schwein, Karpfen, Tintenfisch, Ente, Auster, Shrimps, Aal, Lamm, Spar-
gel, Kartoffel, Weintrauben, Erdbeere, Salz, Fenchel, Sesam, Kastanie, Walnuss,
Sonnenblumenkerne.
– Leber: Roggen, Shrimps, Krabben, Aal, Kaninchen, Austern, Leber vom Rind,
Schaf und Huhn, Safran, Olivenöl, Essig, Alkohol, Kamillentee, Pfefferminztee,
Pinienkerne.
– Herz: Weizen, Kohlrabi, Zwiebel, Knoblauch, Wassermelone, Kokosnuss, Sa-
fran, Anis, Chili, Alkohol, Kaffee, Milch, schwarzer Tee.
– Milz: Reis, Buchweizen, Gerste, Hafer, Lamm, Schwein, Rind, Karpfen, Aal,
Lachs, Feige, Aubergine, Kartoffel, Knoblauch, Kohlrabi, Weintrauben, Ana-
nas, Erdbeere, Anis, Ingwer, Chili, Zimtrinde, Honig, Olivenöl, Erdnuss, Sesam,
Kastanie, Mandel.
– Magen: Reis, Gerste, Hirse, Hafer, Huhn, Rind, Schwein, Schnecke, Sellerie,
Knoblauch, Ingwer, Pfeffer, Gurke, Pilze, Ananas, Aubergine, Radieschen, Kar-
toffel, Apfel, Wassermelone, Sesam, Tofu, Essig, Alkohol, Kastanie, Kamillen-
tee.

Einige häufig verwendete Kräuter in der Rehabilitation


In der Rehabilitation werden auf Yin, Yang, Qi bzw. Blut stärkend wirkende Kräu-
ter sowie Kräuter, die Blockaden von Qi, Blut bzw. Schleim bessern, eingesetzt.
Selten wird eine Therapie mit Einzelbestandteilen angewendet. Bewährte Stan-
dardrezepturen aus vielen Bestandteilen werden nach den Syndromen zu-
sammengesetzt.
– Ginseng (Radix Ginseng): Es tonisiert das Quellen-Qi (Yuanqi), besonders bei
Leere-Syndromen von Qi (Xue) und Jing-Ye (Vitalenergie, Blut und Körper-
säfte) mit innerer Unruhe, Palpitationen, Schlafstörungen; verbessert die Atem-
funktion, kräftigt das Herz und reguliert den Blutdruck, fördert die Aktivität
der Sexualhormone, verbessert auch die Erythropoese, Eiweißsynthese etc.
Weiters wirksam bei Erkrankungen wie Neurasthenie, KHK, Anämie und Im-
potenz.
– Huang Qi (Radix Astragali seu Hedysari): Kann das Qi stärken und steigert das
Yang (Bu Qi Sheng Yang), stoppt die starke Schweißsekretion, festigt die Haut
Einige häufig verwendete Kräuter in der Rehabilitation 203

(Gu Biao Sheng Yang). Wenn auf Grund des Qi-Mangels und der Organsen-
kungen, Menorrhagie, Verzögerung im Blutkreislauf und schlecht heilende
Wunden auftreten, dann kann Huang Qi helfen. Es stärkt das Herz, erweitert
die Blutgefäße, aktiviert das ZNS. Wird bei Krankheiten wie KHK, Hypertonie,
chronische Nephritis, chronische Ulzera und Hemiparese nach cerebralem In-
sult gerne verwendet.
– Shan Yao (Rhizoma Dioscoreae): Stärkt das Qi, ohne es zu stagnieren, kräftigt
das Yin ohne zu viel (Ni) zu sein. Es ist das ideale Mittel, um den mittleren 3E
(Verdauung) zu tonisieren.
– Huang Jing (Rhizoma Polygonati): Stärkt das Qi des mittleren 3E, kräftigt das
Yin und befeuchtet die Lunge. Dyspepsien bei Verdauungsstörungen im Rah-
men von chronischen Krankheiten sprechen gut darauf an. Es wird oft verwen-
det bei Diabetes mellitus, KHK, Rheumatismus, Anämie etc.
– Ci Wu Jia (Radix Acanthopanacis Senticosi): Stärkt sowohl das Qi des mittle-
ren 3E wie auch Leber und Niere. Günstig bei allen chronischen Leere-Syn-
dromen. Es soll eine dem Ginseng ähnliche Wirkung haben.
– He Shou Wu (Radix Polygoni Multiflori): Kann Leber und Niere stärken, ver-
bessert den Zustand vom Blut- und Essenz-Jing und kräftigt die Knochen. Da
es sehr milde wirksam ist, besteht keine Gefahr für Stagnation (Ni Xie). Es ist
ein ideales Tonikum für chronische Lumbalgie, Schlafstörung, Palpitationen,
Hypertonie, Vertigo und müde, kraftlose Beine. Es wirkt gefäßerweiternd, spas-
molytisch, senkt den hohen Cholesterinspiegel im Blut, wirkt gegen Arterio-
sklerose, fördert die Erythropoese. Findet klinisch oft Anwendung bei KHK.
– Dang Gui (Radix Angelicae Sinensis): Tonisiert und belebt das Blut, wirkt anal-
getisch durch Förderung der Qi-Zirkulation. Bei vielen Blut-Syndromen findet
es Verwendung. In der Gynäkologie, z.B bei Regelstörung, bei Verletzungen
wie Zerrung, Prellung sowie in der Rheumatologie wird es zur Beseitigung von
Blutleere (Xuexu), Blutstagnation (Xuexie) verwendet.
– A Jiao (Colla Corii Asini): Tonisiert und stoppt eine Blutung, tonisiert das Yin
und wirkt der Trockenheit entgegen. Bei allen Syndromen, wo Yin-Leere bzw.
Blut-Mangel vorliegen, wie Schlafstörung, Menorrhagie etc., wird es verwen-
det.
– Gou Qi Zi (Fructus Lycii): Kräftigt Niere und Leber, tonisiert Essenz (Jing) und
Blut (Xue), verbessert die Sehfähigkeit und beruhigt den Geist. Seit jeher ein
hoch geschätztes Tonikum. Bei Lumbalgie als Folge einer Nieren-Leere und
eines Essenz-Mangels sowie bei Sehstörung als Folge eines Mangels an Leber-
Blut oder bei innerer Unruhe.
– Sha Shen (Radix Glehniae): Befeuchtet die Lunge, besänftigt den Husten,
schont den Magen und fördert die Säfte-Produktion, wird daher oft bei Reiz-
husten als Folge von Hitze in der Lunge verwendet.
– Lu Rong (Cornu Cervi Pantotrichum): Kräftigt das Yang der Niere, kräftigt Es-
senz und Blut, kräftigt den Knochen. Daher oft Anwendung bei Yang-Mangel
der Niere, Essenz und Blut-Mangel, z.B. bei Frösteln, Tinnitus, Vertigo, Kraft-
losigkeit der Extremitäten, Lumbalgie, Pollakisurie, Impotenz etc. Wird auch
oft bei Krankheiten mit körperlicher Schwäche, wie chronische Leiden, Hypo-
tonie und Neurasthenie, angewendet.
– Tai Pan (Placenta Hominis): Stärkt die Niere und Essenz, auch Blut und Qi wer-
den gestärkt, verbessert die Lungenfunktion und besänftigt den Husten. Es ist
ein Mittel, welches bei allerlei Schwächezuständen sowohl als Einzelstoff, als
204 Chinesische Kräutermedizin

auch innerhalb einer Rezeptur hilfreich ist. Es stärkt die Abwehr, fördert die
Rehabilitation und hat positive Effekte bei Allergien. Wird oft verwendet bei
Atrophie des Uterus, funktioneller Amenorrhoe, Metrorrhagie, Neurasthenie,
Anämie, Bronchitis und COPD.
– Ha Jie (Gecko): Stärkt die Lunge und die Niere. Reduziert die Symptome bei
Asthma.
– Du Zhong (Cortex Eucommiae): Stärkt Leber und Niere, dadurch auch Kno-
chen und Muskulatur. Senkt den Blutdruck. Wird oft zur Behandlung von Kraft-
losigkeit in Knie und Kreuz, bei Impotenz, Pollakisurie, Hypertonie etc. ver-
wendet.
– Suan Zao Ren (Semen Ziziphi Spinosae): Beruhigt die Sinne und stoppt das ver-
stärkte Schwitzen, Schreckhaftigkeit, Schlafstörungen infolge einer Yin-Leere.
– He Huan Hua (Flos Albizziae): Wirkt psychisch ausgleichend, antidepressiv,
verbessert die Gedächnisleistung und den Schlaf.
– Xiang Fu (Rhizoma Cyperi): Reguliert das Qi und ist antidepressiv. Wird ver-
wendet bei Druckgefühl in der Brust, im Bauch, bei Menstruationsstörung als
Folge der Leber-Qi-Stagnation. Diese Pflanze wird auch als Meisterheiler bei
allen Qi-Erkrankungen bezeichnet und wirkt hervorragend in der Frauenheil-
kunde.
– Ju Pi (Pericarpium Citri Reticulatae): Reguliert die Verdauung durch Qi-Regu-
lation und entfernt Feuchtigkeit. Dyspepsie, Druckgefühl im Oberbauch, Ap-
petitlosigkeit, Übelkeit, viel Schleim in der Lunge sind die passenden Krank-
heitsbilder. Wird gerne zusammen mit Ban Xia (Rhizoma Pinelliae und Fu Ling
(Poria) gegeben, um den mittleren 3E (Verdauung) zu stärken und den Schleim
zu lösen, ohne zu blockieren.
– Sha Ren (Fructus Amomi): Fördert die Qi-Beweglichkeit und stoppt den
Schmerz, wärmt den Magen, hilft gegen Erbrechen. Zur Behandlung von
Schmerzen im Oberbauch als Folge der Nahrungsstagnation und bei Appetit-
losigkeit. Das aromatische Öl fördert die Sekretion des Magensaftes.
– Dan Shen (Radix Salviae Miltiorrhizae): Fördert die Blutzirkulation und löst den
Schleim, wirkt psychisch beruhigend, beseitigt die Schwellung und ist schmerz-
stillend. Besonders geeignet bei Dismenorrhoe, Unterleibsschmerzen, innerer
Unruhe, Hitzegefühl als Folge einer Yin-Leere. Es erweitert die peripheren Ge-
fäße, senkt so den Blutdruck.
– Chuan Ciong (Rhizoma Ligustici Chuanxiong): Verbessert den Blut- und Qi-
Fluss, beseitigt den pathogenen Wind und ist schmerzstillend; ist bei Kopf-
schmerzen, Dismenorrhoe, Stenocardie zu verwenden.
– Ju Hua (Flos Chrysanthemi): Verteilt die Wind-Hitze, beruhig die Leber und
verbessert die Sehfähigkeit; oft verwendet bei Erkrankungen durch pathoge-
ne, äußere Wind-Hitze sowie bei Vertigo im Rahmen eines Ansteigens von Le-
ber-Yang.
– Gui Zhi (Ramulus Cinnamomi): Wärmt die Meridiane, vertreibt die Kälte, unter-
stützt das Yang bei der Transformation. Zu verwenden bei Verkühlungen,
rheumatoider Arthritis und Gastralgie als Folge von Kälte.
Spezielle Rezepte 205

Zubereitung und Anwendung der Kräuter zu Hause


In einem feuerfesten Glas- oder Keramiktopf mit Deckel wird die Mischung in
etwa 4 Tassen Wasser unter starker Hitze zum Kochen gebracht, anschließend bei
geringer Hitze im zugedeckten Topf köcheln, bis sich die Flüssigkeit auf etwa die
Hälfte der ursprünglichen Wassermenge verringert hat (etwa 30 Minuten). Gie-
ßen Sie dann die Flüssigkeit durch ein Sieb (nicht aus Metall) ab. Der Rest im Topf
wird nochmals mit 2 Tassen Wasser 30 Min. lang gekocht und wieder abgeseiht.
Je nach Verordnung wird die Flüssigkeitsmischung aus beiden Kochvorgängen
in eine Thermosflasche gefüllt und in zwei oder drei Tagesportionen aufgeteilt,
zwischen den Mahlzeiten, auf leeren Magen getrunken.

Verwendung einer pulverisierten Kräutermischung


Die pulverisierte Kräutermischung mit kochendem Wasser übergießen, etwa 5 Mi-
nuten ziehen lassen und abkühlen lassen; auf leeren Magen trinken.
Die Kräuterpackungen als Tabletten, Kapsel, Beutel oder Fläschchen werden
eingenommen wie schulmedizinische Arzneien.

Vorsichtsmaßnahmen
– Die chinesische Kräutermedizin und die Nahrungsergänzungen sind in den
meisten Fällen sanft, harmonisch und unkompliziert. Dennoch sollte vor jeder
Verwendung professioneller ärztlicher Rat eingeholt werden. Einige Wochen
vor einer Operation muss der Arzt festlegen, wann eine Pause der Kräuterthe-
rapie notwenig ist. Im vorausgehenden Kapitel ist bereits viel über die An-
wendung der Heilkräuter zur Behandlung und Vorbeugung gesagt worden.
– Vor dem Schlafengehen sollte kein Tee (die drei chinesischen Tee-Sorten: Grü-
ner, Jasmin- oder Schwarzer Tee) getrunken werden. Tee vom Vortag sollte man
nicht mehr trinken. Auf den leeren Magen nicht Tee trinken und nach dem Es-
sen nur wenig. Ältere Menschen mit koronarer Herzkrankheit, Bluthochdruck,
Herz/Lungen-Erkrankungen, Magen-Darm-Geschwüren, chronischer Obsti-
pation sollten starken Tee nicht trinken. Patienten mit Schilddrüsenüberfunk-
tion dürfen keinen Tee trinken. Zur Medikamenteneinnahme sollte nicht Tee
als Getränk verwendet werden.

Spezielle Rezepte
Die nachfolgend angeführten Rezepte wurden von Su Yongan (in: Zhonghua
yangsheng baojian, 9/2002) empfohlen. Alle genannten Pflanzen sind in gut sor-
tierten Apotheken und manchen Chinageschäften als Trockensubstanz erhältlich.

Für die Frauen des Kaiserhofes


Am Kaiserhof Chinas gab es einige spezielle Rezepte für Frauen.
Huang Qi (Astragalus membranaceus) wurde als Schatz zur weiblichen Gesund-
heitspflege hoch angesehen. Besonders für Symptome während und nach der
Menopause geeignet. Huang Qi (Astragalus membranaceus) ist nicht toxisch, die
regelmäßige Beigabe bei der Speisenzubereitung wird empfohlen.
206 Chinesische Kräutermedizin

Rezept 1: 10 Gramm Dang Gui (Angelicae sinensis Radix): 30 Gramm Huang


Qi (Astragalus membranaceus) in 250 ml Wasser zuerst auf großer Flamme auf-
kochen, dann auf kleiner Flamme 30 Minuten weiter kochen, den Tee täglich ein-
mal trinken.
Rezept 2: Dang Gui (Angelicae sinensis Radix): 3 Gramm, Huang Qi (Astraga-
lus membranaceus) 6 Gramm als Gewürz mit Huhn in der Suppe kochen.
Rezept 3: Dang Gui (Angelicae sinensis Radix): 7 Gramm, chinesische rote Dat-
teln (Hong Zao) 15 Gramm zusammen in 250 ml Wasser kochen, vor dem Schla-
fengehen trinken.
Rezept 4: Hunag Qi (Astragalus membranaceus): 5 Gramm, Gui Yuan 10 Gramm
zusammen in 250 ml Wasser kochen, vor dem Schlafengehen trinken.

Jungbrunnen-Rezept
Ling Zhi (Ganoderma Lucidum), eine Pilzart, genießt in China den Ruf eines Wun-
dermittels. Daoistische Einsiedler nehmen sie, im Kaiserlichen Speiseplan darf sie
nicht fehlen. Die letzte Kaiserin Chinas sah mit 60 Jahren noch immer wie eine
40-Jährige aus. Rezept: Ling Zhi mit Hühnerbein ohne Zutaten kochen, am Ende
des Kochens wird etwas Long Yan (Drachenaugen, Arillus Longan) zum Süßen
verwendet.

He Shou Wu (ein Mittel gegen ergraute Haare)


Eine Sage berichtet, ein grauhaariger, geschwächter kinderloser 58-jähriger Mann
namens He sei eines Tages nach einem Rausch im Wald erwacht und sah zwei
Schlingpflanzen, die einander umschlungen hatten. Er aß die Wurzel dieser Pflan-
zen. 7 Tage danach fühlte er sich kräftiger und nach und nach wurden seine Haa-
re wieder dunkler, innerhalb von 10 Jahren bekam er viele Kindern, er starb erst
mit 130 Jahren. Nach ihm wurde diese Pflanze als He Shou Wu (Polygonum mul-
tiflorum) benannt. In der TCM wird diese Pflanze zur Behandlung von Leber-Nie-
ren-Schwäche mit körperlicher Schwäche und dem Ergrauen der Haare, bei Kraft-
losigkeit in den Beinen und im Kreuz, Anämie, Menorrhagie etc. verwendet. Zur
Vorbeugung sollte die Menge bei täglich 13–16 Gramm He Shou Wu in Form von
Tee bzw. Medizinschnaps liegen. Nicht in einem Eisengeschirr kochen, nicht zu-
sammen mit Rettich, Zwiebel und Knoblauch einnehmen.

Huang Jing (für eine schöne Haut)


Huang Jing (Polygonatum sibiricum Red.) ist eine Wurzel, die ebenso teuer wie
Ginseng ist. Nach Erfahrung der TCM stärkt sie Niere und Leber, fördert die Re-
generation und verschönert die Haut. Eine tägliche Einnahme von etwa 5 bis 6
Gramm, als Tee, Medizinalschnaps oder Speisezusatz, ist die übliche Dosierung.

Dong Chong Xia Cao (für ein gutes Leben)


Dong Chong Xia Cao (Cordyceps sinensis) ist eine sehr kostbare Medizin aus den
südwestlichen Provinzen Chinas. Es kräftigt sanft das Yang der Niere, das Yin der
Lunge. Es kräftigt auch Yin und Yang allgemein auf sanfte Weise. Häufig wird es
zusammen mit Fleischgerichten (Huhn, Ente, Schweinefleisch etc.) und etwas
Hausmittel für Schönheit, Gesundheit und das Jungbleiben 207

Kandiszucker zubereitet. Die tägliche Menge sollte 3–10 Gramm betragen. Bei
Husten, Fieber muss pausiert werden.

Hausmittel für Schönheit, Gesundheit und das Jungbleiben


Eine Empfehlung von Liang Dong (in: Zhong Hua Yang Sheng Bao Jian 4/2002,
China):
– Gou qi zi (Lycii Fructus): Ein typisches Hausmittel für die Schönheit, es kräftigt
die Niere, das Blut und verbessert die Sehfähigkeit, verzögert das Grauwerden
der Haare. Täglich etwa 30 Gramm mit kochendem Wasser aufgießen und als
Tee trinken bzw. als Zutat in einer Hühnersuppe.
– He shou wu (Polygonum multiflorum): Verbessert die Haut, kräftigt Niere und
Leber (bei Schwindel, Schwerhörigkeit, Kraftlosigkeit im Kreuz und Beinen,
Pollakisurie), verzögert rasches Ergrauen der Haare.
– Tian dong (Asparagi Radix): Es empfehlt sich gleichviel Tian Dong (Asparagi
Radix), Gou qi zi (Lycii Fructus) und Huang Jing (Polygonatum sibiricum Red.)
in Schnaps zu legen, dann täglich etwas davon zu trinken.
– Dang gui (Angelicae sinensis Radix): Hat besondere Wirkung auf das Blut (Bil-
dung und Kreislauf), auf die Haare, die Haut und bei Obstipation (wenn Blut-
mangel und Darmtrockenheit – Xue Xu Chang Zao – die Ursache ist).
– Shou di huang (Rehmanniae Radix praep.): Hat eine Wirkung allgemein auf
Yin und Blut (Bildung), kräftigt Knochen und Mark (Sui = Rückenmark und Ge-
hirn). Bekannt sind bewährte Fertigpräparate wie „Qi ju di huang wan“” (Liu
wei di huang wan plus Gou qi zi – Lycium und Ju hua – Chrysanthemum) und
die Rezeptur „Si wu tang“ (Shuo di huang – Rehmannia praep., Bai shao – Pae-
onia alba, Dang gui – Angelica sinensis, Chuan xiong – Ligusticum chuanxiong).
20 Drei Qigong-Formen

Die 3 Formen des Qigong sind:


Nei Yang Gong
Dieses Qigong dient zur inneren Stärkung. Es wird im Liegen auf der Seite, im
Sitzen bzw. auf dem Rücken liegend durchgeführt. Diese Form dient der Thera-
pie bei chronischen Leiden, meist Erkrankungen des Magen-Darmtraktes.

Qiang Zhuang Gong


Dieses Qigong dient zur Kräftigung. Es wird im Liegen, Sitzen, Stehen und im
Freistil geübt. Es empfiehlt sich zur sanften Kräftigung des Körpers.

Bao Jian Gong


Dieses Qigong kombiniert mit Massage und Bewegung. Es eignet sich besonders
für ältere Menschen und ihre tägliche Fitnessübung. Mittels Akupressur und Qi-
gong kann der alte Mensch viel zur Gesundheit und für ein langes Leben beitra-
gen. Bao Jian Gong besteht aus 24 Übungen.

Nei Yang Gong


Dies ist eine uralte Form des inneren Qigong zur Gesundheitspflege. Diese Qi-
gong-Form wurde von Liu Duzhou an Liu Guizheng weitergegeben. Er wendet
das seit den 50er Jahren mit großem Erfolg in Reha-Kliniken (Beidaihe) an. Durch
die meditative Atmung in bestimmter Körperhaltung (Liegen oder Sitzen) wird
das Qi im Dantian gestärkt. Besonders der körperlich geschwächte Patient sollte
die Übung im Liegen praktizieren. Im Sitzen erst üben, wenn sich die körperliche
Verfassung gebessert hat. Wenn nach einer bestimmten Zeit der Appetit zunimmt,
muss der Patient die Menge der Nahrung entsprechend steigern. Mit leerem Ma-
gen darf man Nei Yang Gong nicht ausüben.
Die drei Übungspositionen sind:
■ Liegen auf der Seite: Der Patient liegt auf einem nicht zu weichem Bett in der
Seitenlage. Der Polster sollte etwa eine Hand breit sein, d.h. den Abstand zwi-
schen Kopf und Schulter ausgleichen. Die eine Hand auf dem Oberschenkel,
die andere Hand mit der Handfläche nach oben, vor dem Gesicht. Die beiden
Beine sollten leicht gebeugt sein, entspannt liegen. Die Augen werden bis auf
einen kleinen Spalt geschlossen. Der Blick ist auf die Nasenspitze gerichtet.
210 Drei Qigong-Formen

Der Mund bleibt geschlossen. Nur mit der Nase ein- und ausatmen. Eventuell
den Körper mit einem dünnen Tuch zudecken.
■ Liegen auf dem Rücken: Der Patient liegt auf dem Rücken. Der Polster sollte
etwa zwei Hand breit sein. Die Beine gestreckt, mit einem flachen Polster un-
ter beiden Kniegelenken. Die Hände sind locker neben dem Oberschenkel an-
gelegt. Die Augen werden bis auf einen kleinen Spalt geschlossen. Der Blick
ist auf die Zehenspitzen gerichtet. Der Mund bleibt geschlossen. Nur mit der
Nase ein- und ausatmen. Eventuell den Körper mit einem dünnen Tuch zu-
decken.
■ Sitzen (Droschkenkutschersitz): Der Patient sitzt aufrecht auf einem Hocker, so-
dass beide Füße auf dem Boden sind, die Kniegelenke sollen einen Winkel von
90 Grad bilden. Die Beine sind in Schulterbreite gespreizt. Die Hände liegen
auf den Oberschenkeln. Die Augen werden bis auf einen kleinen Spalt ge-
schlossen. Der Blick ist auf die Zehenspitzen gerichtet. Der Mund bleibt ge-
schlossen. Der Kopf ist leicht nach vorne geneigt. Nur mit der Nase ein- und
ausatmen.

Die drei Atemtechniken


Atmung, Zungenbewegung und Memorieren müssen bei Qigong zusammen-
spielen. Bei Nei Yang Gong steht die Atemtechnik im Vordergrund.
■ Dreiertakt „Ein-Pause-Aus“: Atmen mit Zungenbewegung und Memorieren.
Der Patient beginnt mit einer lockeren Nasen- und Mund-Atmung. Der Patient
stößt beim Einatmen mit der Zunge an den Gaumen und begleitet mit seinen
Gedanken den Luftstrom bis zum Unterleib (Qi Chen Tan Tia =, Qi senkt sich
zum Dantian). Die Zunge verweilt für kurze Zeit am Gaumen, dabei wird we-
der ein-, noch ausgeatmet. Die Zunge geht wieder herunter, dann wieder nor-
mal ausatmen. Diese Bewegung der Zunge beim Ein- und Ausatmen wird re-
gelmäßig wiederholt. Gleichzeitig zählt der Patient in Gedanken eins beim
Hochheben der Zunge, zwei beim Verweilen der Zunge am Gaumen und drei
beim Senken der Zunge. Man wiederholt den Atemrhythmus immer wieder.
Wenn das nach einigen Tagen recht gut funktioniert, dann kann der Patient
dazu übergehen, positive, beruhigende Sätzen wie: „Ich bin ruhig“ zu ver-
wenden. Die Verweildauer der Zunge am Gaumen (Atem anhalten) wird durch
Satzverlängerung erreicht. Der Satz sollte jedoch nicht länger als neun Silben
sein. In der Tat ist dies eine Vertiefung der Atmung. Die Atmung muss immer
zwanglos, natürlich, gleichmäßig und ohne das Gefühl, ersticken zu müssen,
erfolgen. Diese sogenannte weiche Form der Atmung eignet sich besonders für
geschwächte Patienten.
■ Dreiertakt „Ein-Aus-Pause“: Atmen mit Zungenbewegung und memorieren.
Nur mit der Nase einatmen, die Zunge hochheben und den ersten Satz me-
morieren, ohne Pause gleichmäßig langsam (mit der Nase) ausatmen, dann an
einen Satz denken und die Zunge senken. Bei der anschließenden Pause denkt
man an andere Sätze. Diese harte Form der Atemtechnik eignet sich für jün-
gere, kräftigere Patienten.
■ Vierertakt „Ein-Pause-Ein-Aus“: Atmen mit Zungenbewegung und memorie-
ren. Mit der Nase erst wenig Luft einatmen, Zunge hochheben und den ersten
Satz memorieren, dann eine kurze Pause gemeinsam mit dem Memorieren
eines zweiten Satzes, danach nochmals tief einatmen und den dritten Satz me-
Qiang Zhuang Gong 211

morieren, schließlich ohne Unterbrechung gleich langsam ausatmen und gleich-


zeitig die Zunge senken. Dieser Rhythmus ist schwer zu erlernen.
Bei diesen Atemübungen denkt man ohne Zwang an eine bestimmet Stelle (den
Dantian), die sich etwa 2 Querfinger unter dem Nabel (KG6/Qihai) befindet. Nach
etwa 20 Tagen hat man ein Gefühl, als ob die Atemluft bis in den Bauchraum ge-
langen würde. Nachher verlegt man den Gedanken an eine andere Stelle, z.B. an
die große Zehe (MP 1 bzw. Le 1); nach einer gewissen Zeit spürt man in dieser
Stelle ein Wärmegefühl.
Allgemein kann die Atmung in die drei nachfolgenden Formen eingeteilt wer-
den: 1. Das ganz natürliche Ein- und Ausatmen (für Ungeübte). 2. Die Zwerch-
fell- bzw. Bauch-Atmung: beim Einatmen wölbt sich zuerst die Brust vor, dann die
Bauchdecke (saugt die Luft an), bei der Ausatmung zieht sich zuerst die Bauch-
decke ein (man presst die Luft aus), dann auch der Brustkorb. 3. Die sogenannte
irreguläre Atmung: diese wird nur bei Qiang Zhuang Gong angewendet. Hier
wird während des Einatmens die Bauchdecke eingezogen, bei der Ausatmung die
Bauchdecke vorgewölbt. Diese irreguläre Form verursacht hohen Druck im
Bauch- und Thoraxraum, daher sollte man nur unter Anleitung üben.

Qiang Zhuang Gong


Diese Qigong-Übung dient der allgemeinen Roborierung.
Die Durchführung hat viele Ähnlichkeiten mit Nei Yang Gong. Beim Sitzen soll-
te die Hüfte etwas mehr hinter dem Körper sein, die Brust darf nicht vorgedrückt
sein. Die beiden Hände liegen vor dem Unterbauch auf dem Schenkel. Die vier
Finger der einen Hand werden in die Handfläche der anderen Hand gelegt, der
Daumen drückt auf den Daumen der anderen Hand. Wenn ein Bein eingeschla-
fen ist, kann man es mit einer Hand etwas massieren bzw. man wechselt das Sitz-
bein. Wenn der Patient nicht mehr so sitzen kann, so darf er einige Lockerungs-
bewegungen machen. Wenn der Patient in keiner dieser Position sitzen kann, so
darf er auch in der Sitzposition des Nei Yang Gong (Droschkenkutschersitz) üben.
Die drei Positionen sind:
Sitzen
■ Türkensitz: einfaches Bein-Unterschlagen; der rechte Unterschenkel kommt
auf dem linken Unterschenkel zu liegen; oder umgekehrt.
■ Lotussitz: doppeltes Bein-Unterschlagen; der rechte Unterschenkel liegt auf
dem linken Unterschenkel, dann wird der linke Unterschenkel hoch gehoben
und kommt auf dem rechten Unterschenkel zu liegen. Die beiden Fußsohlen
liegen auf den Oberschenkeln und schauen nach oben.
■ Schneidersitz: natürliches Bein-Unterschlagen; die Beine verschränken sich
ganz natürlich, ohne Zwang.

Stehen (Ballhalten)
Man steht aufrecht, den Kopf gerade, leicht nach vorne geneigt, man spreizt die
Beine in Schulterbreite, leichte Hockstellung im Kniegelenk, beide Arme leicht
gebeugt vor dem Unterbauch oder vor der Brust (eine Stellung als ob man einen
Ball hält). Diese Übung verlangt eine bessere körperliche Verfassung. Man übt
täglich zweimal, frühmorgens und abends; man soll sich während und nach der
212 Drei Qigong-Formen

Übung wohl fühlen, nicht ermüden. Diese Übung kann man im Zimmer vor
einem offenen Fenster und auch im Freien durchführen.

Freistil
Man kann an jedem Ort und in jeder Körperstellung üben. Ein ruhiger Ort mit
guter Luft ist ideal. Man konzentriert sich mit seinen Gedanken auf den Dantian.
Personen mit reduziertem Allgemeinzustand sollten zuerst die Übungen im Lie-
gen oder Sitzen machen, erst wenn sie kräftiger sind, auch im Stehen üben.

Atemtechniken
Für die drei Atemtechniken gilt in der Regel das gleiche wie bei Nei Yang Gong.
Bei allen Übungen darf man sich nicht zwingen. Bei der Nasenatmung muss
der Mund geschlossen sein. Die Zunge stößt leicht an den harten Gaumen. Die
Übungen mit vertiefter Atmung und irregulärer Atmung dürfen nicht ummittel-
bar nach dem Essen praktiziert werden. Hingegen kann man die Übung mit ru-
higer Atmung sowohl vor wie auch nach dem Essen machen.

Geistige Konzentration und Entspannung


Bei Qiang Zhuang Gong steht die Meditation und geistige Konzentration im
Vordergrund. Meditative Techniken sind:
– Atemzähltechnik: lautlos wird beim Atmen (Ein- und Ausatmung) bis zu 10
oder 100 gezählt, dann erneut von 1 bis 10 oder 100 zählen. Wenn man durch
andere Gedanken vom Zählen abgekommen ist, dann von neuem beginnen.
– Atembegleittechnik: Diese ist natürlicher als die Atemzähltechnik. Man be-
gleitet mit seinen Gedanken die Atembewegung, die reine Luft gelangt von
der Nase langsam bis zum Beckenboden, dann wird die verbrauchte Luft vom
Beckenboden wieder aufwärts mit den Gedanken bis zur Ausatmung beglei-
tet.
– Dantiantechnik: Man behütet den Dantian (meist KG 6/Qihai) mit seinen Ge-
danken. Man stellt sich vor, der Dantian sei ein Ort, wo sich ein Blatt auf der
Wasseroberfläche auf- und abbewegt.
Wenn sich dabei viel Speichel ansammelt, dann in vielen kleinen Portionen
langsam schlucken. Man beendet diese Übung mit einigen Lockerungsübungen.
Bao Jian Gong 213

Therapieempfehlungen

Stufe 1 (1.Woche) 2 (2.–4. Woche) 3 (ab der 5. Woche)

Übungsposition Liegen oder Freisit- Freisitzen oder im Sitzen oder Stehen


zen Schneidersitz
Atemtechnik natürliche bis gering tiefe Atmung tiefe Atmung
tiefere Atmung
Art der (medita- Atemzähltechnik, Atembegleittechnik, Dantiantechnik
tiven) Konzen- Atembegleittechnik Dantiantechnik
tration
Zahl und Dauer täglich 3- bis 4-mal, täglich 3- bis 4-mal, täglich 3- bis 4-mal,
der Übungen jedes Mal 15–20 Mi- jedes Mal 30 Minu- jedes Mal 30–45 Mi-
(ambulante nuten ten nuten
Patienten nur
1–2-mal täglich)
Ziele – Korrekte Position – Atmung etwas tie- – Atmung ist dünn,
– Atem sollte ruhig, fer, bis zum Dan- lang und tief, ruhig
dünn, stabil sein, tian begleiten – Deutliche Besse-
aber immer noch – Zur Ruhe kommen rung der Be-
Reserve bestehen – Übung wird zur schwerden, Übung
– Ausschalten von Gewohnheit bereitet große
Störgedanken Freude

Von Zhou Dahong, Zhongshan-Uniklinik Guangzhou, 1978.

Bao Jian Gong


Bao Jian Gong bedeutet „Übungen zur Gesundheitspflege“. Diese Übung besteht
aus 21 Teilübungen. Jede davon hat eine Wirkung auf die Durchblutung, das Ner-
vensystem und die Muskelfunktion. Ferner stärkt sie den Widerstand des Körpers
und das psychische Wohlbefinden. Diese Übungen sind nicht anstrengend. Sie
eignen sich besonders für ältere Menschen. Wenn man diese Übungen täglich
übt, ist eine Verbesserung der Befindlichkeit in ein bis zwei Wochen deutlich zu
verspüren.
1. Übung: Ausgangsposition: Ruhiges Sitzen: Mit verstärkten Beinen sitzt der
Übende, die Augen werden leicht geschlossen. Er sollte versuchen, an nichts
zu denken. Mit den vier Fingern wird der Daumen leicht gehalten, die bei-
den Hände liegen auf den Oberschenkeln. Die Wirbelsäule wird natürlich, ge-
rade gehalten. Die Zunge stößt leicht an den Gaumen. Man behütet mit sei-
nen Gedanken den Dantian (etwa 2 Finger breit unter dem Nabel). Es wird
mit der Nase geatmet, 50-mal ein und aus. Anfangs sollte man ganz zwang-
los atmen, nach einiger Zeit kann man auf vertiefte Atmung umstellen. Wenn
man nicht so viel Zeit hat, so kann man auch weniger als 50-mal ein- und aus-
atmen. Nach Beendigung dieser Übung wird die Zunge wieder gesenkt.
2. Übung: Für das Ohr:
a) Zuerst mit beiden Händen die Ohrmuschel auf und ab massieren, links und
rechts je 18-mal;
214 Drei Qigong-Formen

b) Dann mit beiden Händen das Ohr zudecken, die Finger kommen an das
Hinterhaupt, man legt den Zeigefinger auf den Mittelfinger, dann rutscht
man mit dem Zeigerfinger abrupt herunter und klopft so auf das Hinter-
haupt, etwa 24-mal. Es soll sich wie Trommelschläge im Ohr anhören. Die-
se Übung eignet sich besonders zur Vorbeugung und Verbesserung des
Ohhrensausens, bei Altersschwerhörigkeit, Spannungs- und Nackenkopf-
schmerzen und Schwindel.
3. Übung: Zähne klopfen: Man konzentriert sich und presst Oberkiefer und
Unterkiefer 36-mal leicht zusammen, die Zähne sollen dabei nicht zu kräftig
klopfen. Diese Übung dient zum Kräftigen der Zähne und zur Vermeidung
von Zahnlockerung.
4. Übung: „Die Zunge im See umrühren“: Die Zunge kreist im Mund außerhalb
der Zahnreihen entlang, nach links und nach rechts je 18-mal. Den dabei ver-
mehrt produzierten Speichel nicht gleich hinunterschlucken.
5. Übung: Mundspülen: Der angesammelte Speichel wird 36-mal im Mund ge-
gurgelt, dann in 3 kleinen Portionen geschluckt. Beim Schlucken muss man
den Speichel in Gedanken bis zum Dantian (Zinnoberfeld) begleiten; nach
längerer Zeit wird dann das Schlucken mit Geräuschen verbunden sein. Die-
se Übung dient zur Prophylaxe von bitterem Mundgeschmack, trockener Zun-
ge, Halsschmerzen und sie verbessert die Verdauung.
6. Übung: Nasenreiben: Die Daumenrücken gegeneinander warmreiben, dann
damit beiderseits den Nasenrücken 18-mal reiben. Die Punkte Di 20 (Ying
Xiang, der Duftempfänger) beiderseits mäßig etwa 30 Sekunden drücken.
Dies beugt einer Erkältung vor.
7. Übung: Für die Augen (Mu Gong): Die Daumenrücken gegeneinander reiben
bis sie warm werden. Dann damit 18-mal die Augenlider zart massieren, an-
schließend noch je 18-mal die Augenbrauen zart massieren. Als letztes schaut
der Patient nach links und rechts je 18-mal bei geschlossenen Augen. Diese
Übung beugt Augenleiden vor und stärkt die Sehkraft.
8. Übung: Für das Gesicht: Die beiden Handflächen gegeneinander warm rei-
ben, dann die Hände von der Stirn beiderseits entlang des Nasenrückens nach
unten bis zum Unterkiefer führen, von da dann über die Wange zur Stirn zu-
rück, auf und ab 36-mal. Dies beugt der Faltenbildung vor, fördert die Durch-
blutung der Wangen.
9. Übung: Für den Nacken (Xiang Gong): Die beiden Hände verschränken sich
hinter dem Nacken, Blick nach oben, Kopf nach hinten neigen, die Hände
leisten dem Nacken Widerstand, 3- bis 9-mal. Dies verhindert Schulter-
schmerzen und Schwindel.
10. Übung: Für die Schulter: Mit der linken Hand die rechte Schulter, dann mit
der rechten Hand die linke Schulter je 18-mal im Kreis massieren. Dies ver-
hindert Schulterschmerzen.
11. Übung: Für die Paravertebralregion (Jia Ji Gong): Ellbogen leicht beugen, die
Hände zur Faust schließen, dann den Arm abwechselnd nach vorne und hin-
ten bewegen, 18-mal. Diese Übung stärkt die Eingeweidefunktion.
12. Übung: Für die Lenden (Cuo Nei Shen): Zuerst die beiden Hände warm mas-
sieren, dann mit den warmen Händen beiderseits des Kreuzes (entlang des
Blasenmeridians = 2 Fingerbreit neben den Dornfortsätzen) auf- und abmas-
sieren, je 18-mal. Diese Übung beugt Kreuzschmerzen und Unterleibsbe-
schwerden vor.
Bao Jian Gong 215

13. Übung: Für das Steißbein (Cuo Wei Lü): Mit den Zeige- und Mittelfingern bei-
der Hände die Gegend beiderseits des Kreuzbeines je 36-mal massieren. Dies
beugt der Beckenbodenschwäche vor.
14. Übung: Für den Dantian (Ca Dan Tian, entspricht dem KG 6, Meer der Ener-
gie, eines der drei Energiezentren):
a) Zuerst die beiden Hände warm reiben, dann mit linker und rechter Hand
je 100-mal um den Nabel reiben, dann noch die Region unterhalb des Na-
bels (KG 6, Dantian) massieren. Das verbessert die Darmtätigkeit, die Ver-
dauung und es entsteht ein angenehmes Wärmegefühl im Unterleib.
b) Wenn eine Potenzstörungen (z.B. erektile Dysfunktion) vorliegt, dann mit
einer Hand den Hodensack halten, die andere Hand reibt die Dantian-Re-
gion 81-mal, anschließend die Hände wechseln, erneut 81-mal.
15. Übung: Für die Knie: Mit beiden Händen gleichzeitig beide Knie je 100-mal
massieren. Das beugt der Kniearthrose vor.
16. Übung: Für die Niere: Ca Yong Quan = N 1 (ist in der Fußreflexzonenmassa-
ge die Zone für den Solar Plexus, in der TCM der 1. Punkt des Nierenmeri-
dians): Mit der linken und rechten Hand die Zone an der Fußsohle (Mitte zwi-
schen den Fußballen) je 100-mal massieren. Das stärkt die Niere, verbessert
den Kreislauf, den Schlaf und den Schwindel.
17. Übung: Der Weber: Sitzen im Langsitz, die Handflächen nach außen gerich-
tet, beide Hände zu den Füßen drücken. Der Oberkörper beugt sich beim Aus-
atmen nach vorne, danach kehren beim Einatmen die Hände wieder zurück,
diesmal aber die Handflächen nach innen gerichtet. Das ganze 36-mal durch-
führen.
18. Übung: Das Wundermeridian-Gürtelgefäß (Daimai) harmonisieren (He Dai
Mai): Im Türkensitz sitzend die 4 Finger der einen Hand mit der anderen Hand
halten. Man dreht den Oberkörper von links nach rechts im Kreis 16-mal, dann
von rechts nach links 16-mal. Beim Strecken der Brust einatmen und beim
Vorbeugen ausatmen. Diese Übung stärkt die Funktion der Niere. Bevor man
mit der nächsten Übung beginnt, sollte man zuerst wie bei der Übung 1 ru-
hig sitzen und dabei die Atmung regulieren, 50-mal ein- und ausatmen, dann
langsam die Augen öffnen und aufstehen.
19. Übung: Der Hand nachschauen: Im Stehen:
a) Den Kopf gerade halten, die rechte Hand wird mit gestreckten Fingern und
die Handfläche zum Körper gerichtet vor das Gesicht gehalten, der Mittel-
finger bildet mit der Nase eine Linie. Die Hand bewegt sich von Gesichts-
nähe in die Ferne, dann wieder zurück, die Augen fixieren immer die Fin-
ger. Etwa 50-mal.
b) Wolkenhand (aus dem Tai Ji Quan): Der rechte Arm leicht gebeugt vor dem
Gesicht, Handfläche zum Körper, Augen schauen zu den Fingern und ver-
folgen die Bewegung des Armes nach links und rechts. Diese Übung ver-
bessert die Nackenmuskulatur und die Koordination sowie den Gleichge-
wichtsapparat. Schwindel wird besser.
20. Übung: Hocken:
a) Ältere Personen sollten sich anfangs am Tischrand aufstützen. Mit in Schul-
terbreite gespreizten Beine stehen. Langsam niederhocken, dann wieder
langsam aufstehen. Diese Übung stärkt die Beinmuskulatur und den venö-
sen Rückstrom aus den Beinen. Etwa 3 bis 4-mal.
b) Frei, ohne anhalten, mit in Schulterbreite gespreizten Beinen stehen. Nie-
216 Drei Qigong-Formen

derhocken und Aufstehen (3- bis 4-mal). Diese Übung nur durchführen,
wenn man kräftig und sicher ist.
21. Übung: Stehen auf einem Bein, Einbeinstand des goldenen Hahnes: Freiste-
hend beide Arme seitlich des Thorax in Schulterhöhe gestreckt halten, mit der
linken Fußsohle zum rechten Knie, dann die Arme heruntersenken und das
linke Bein wieder auf den Boden stellen. Die gleiche Übung anschließend sei-
tenverkehrt mit dem rechten Fuß durchführen (etwa 5-mal). Die Übungen 20
und 21 sind präventive Maßnahmen, um Balance und Koordination zu trai-
nieren. Das Risiko zu stürzen wird dadurch im Alter minimiert.

Diese 21 Übungen sollten täglich einmal durchgeführt werden, am besten mor-


gens eine halbe Stunde vor dem Frühstück.
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Sachverzeichnis

A Di Zhi 68
Abwehrkraft 66 Dong Zhongshu 4
Abwehr-Qi 102 drei Dan Tian 93
Akupunktur/Akupressur 76 Dreier-Regel 131
Analogie 23 Drei Schätze der Gesundheit 162
Angst 142 Dualsystem 31
Anti-Aging 201 Dui 21
aristotelische Lehre 22
Atmungs-Qi 102 E
Aufsteigendes Leber-Yang 151 5 Elementenlehre 24
Augenreflexzonen 59 7 Emotionen 11
Elemente 2
B emotionale Faktoren 141
Bagang 122 Ernährung 5, 13
Bagua 18 Ethik 12
Bao Jian Gong 188, 209 exogene, klimatische Faktoren 137
Bauchdeckendiagnose 49
Bi-Krankheiten 136 F
Biorhythmus 14 Feng Shui 1
Blut-Hitze (Xue Re) 158 Feng Xie 138
Blutkälte (Xue Han) 158 Feuchtigkeit der Qi-geschwächten Milz
Blutmangel 105 153
Blut-Mangel im Herzen 152 F. Ramakers 68
Blut-Mangel (Xue Xu) 157 Freude und Schrecken 141
Blut-Stau 105 Frühling 75
Blut-Stau (Xue Yu) 158 Frühwarnsystem 64
Blut-Syndrome (Xue Zheng) 157 Fußreflexzonen 61
Bluttrockenheit (Xu Zao) 158 Fu Xi 36
Burnout-Syndrom 166
G
C Ganyang Shangkang 151
Chemo-/Radiotherapie 184 Ganzheitlichkeit 65
Chronic Fatigue Syndrom (CFS) 167 Gen 21
Chronoakupunktur 42 Gesichtsreflexzone 54
G. König und I. Wanschura 55
D G. Kubiena 68
Dantian 7 Grübelei 141
Dao De Jing 3 Guasha 77
Daoismus 3
Daoyin 2 H
De La Fuye 84 Handreflexzonen 62
Demenz 191 Han Xie 138
Deqi 84 Hegelsche Dialektik 22
222 Sachverzeichnis

Hemmung 117 Nebenwirkung 184


He Puren 171 Nei Dan 8
Herbst 75 Nei Yang Gong 209
Herz-Qi 3 Neun Paläste 73
Herz- und Milz-Yin-Mangel 152 Neurasthenie 165
Hetu-Zahlensymbol 24 Nieren-Qi 3
Hexagramm 19, 21 Nieren-Yang-Mangel 153
Himmelsstämme 68
Hitzesydrome 85 O
Holographie 43 Ohr-Dauernadel 166
H. Tilscher 92 Ohrreflexzone 55
Huang Di Nei Jing 2 Opioide 184
Organlehre 2
I
Individualität 66 P
Irdische Zweige 68 8 Prinzipien 23, 122
Paul Nogier 55
J Pi Gua 19
Jahresrhythmus 5, 67 Pi Qi Xia Xian 153
Jian Shen Shu 8 Pi Qi Xu 152
Ji Gua 20 Pi Xu Shi 153
Jing-Essenz 7 Pi Yang Xu 153
Jing-Mangel 105 Prävention 66
Jiugong 73 Produktion 117
Johannes Bischko 84 Produktionskette 23
Jueyin 22 Psychohygiene 5
K Psychosomatik 11, 161
Kältesyndrome 85 Pulsqualität 43
Kan 21
Q
Kardinalpunkt 41
Qi 1
Kneipp auf chinesisch 11
Qian 21
komplexes Regulationssystem 121
Qiang Tong 172
Konfuzius 3
Qiangua 7, 19
Königsorgan 161
Qiang Zhuang Gong 209
Kun 21
Qigong 1
Kun Gua 7, 19
Qi Hua 8, 101
L Qi Ji 8, 101
Lao Zi 1 Qi-Mangel 105, 157
Laserpunktur 165 Qi-Mangel der Milz 152
Lebensbasis 65 Qi-Mangel im Herzen 152
Lebens-Feuer 187 Qing-Qi 102
Leber-Qi 3 Qi-Senkung der Milz 153
Li 21 Qi-Stau 105, 157
Lian Dan Shu 8 Qi-Syndrome 157
Lungen-Qi 3 Qi-Verlust (Qi Tuo) 157
Luoshu-Zahlendiagramm 24 Qi-Verschluss (Qi Bi) 157
Qi Xie 157
M Qi Xu 157
Maoshing Ni 3 Quellen-Qi 102
Meng Zi 3
Meridiansystem 97 R
Milz-Qi 3 Re Xie 140
Monatsrhythmus 67 rheumatische Erkrankung 136
Moxen 76 Richard Wilhelm 2

N S
Nahrungs-Qi 102 Santong-Technik 171
Sachverzeichnis 223

Schädelakupunktur 51 Wei Tong 171


Schleim (Tan Yin) 154 Wen Tong 172
Schröpfen 89 Wen Wang 17, 36
Sexualität 10 Winter 77
Shang Dan Tian 93 Wu Wei Zustand 7
Shang Han Lun 8 Wu Yun 31
Shaoyang 22
Shaoyin 22 X
Shen-Geist 7 Xia Dan Tian 93
Shen Yang Xu 151, 153 Xiang 63
Shi Xie 139 Xie Qi 5
Shue Xie 139 Xing 63
Skapulaschriften 1 Xin Pi Liang Xu 152
Sommer 75 Xin Qi Xu 152
Sondermeridiane 42 Xin Xue Xu 152
Spätsommer 75 Xiu Dao 7
Stress 142 Xue 3
Xun 21
T
Tages-Maximalzeit 81 Y
Tagesrhythmus 67 Yang-Mangel im Herzen 152
Tai Gua 19 Yang-Mangel in der Milz 153
Taijiquan 1 Yang-Mangel in der Niere 151
Taiyang 22 Yang-Mangel (Yang Xu) 159
Taiyin 22 Yangming 22
TCM-Syndrom 132 Yangqi 7, 105
Temperaturverhalten 85 Yang Sheng 4, 7
TENS 184 Yang-Syndrom 147
Tian Gan 68 Yi Jing 17
Tianre heyi 31 Ying-Qi 7, 102, 105
Trauer und Sorge 142 Yin-Mangel (Yin Xu) 159
Trigramme 18, 21 Yin Ping Yang Bi 8
Tripelsystem 31 Yin-Syndrom 147
Tugend 12 Yin/Yang 2
Tuina 81 Yuan-Qi 5, 102
Tumorschmerztherapie 183 Yu Xue 155

Z
U
Zao Xie 140
Urkraft 18
Zhang Qicheng 22
Zhang Zhongjing 8
V Zhen 21
Vergesslichkeit 191 Zheng Qi 1, 5
Zhong Dantian 93
W Zhou Yi 3, 17
wahres Qi 1 Zhuang Zi 5
Wai Dan 8 Ziwu-Liuzhu 67
Wei Ji Gua 20 Zorn 141
Wei-Qi 102 Zungendiagnose 45

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