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Na, wie sieht’s aus?

Hast du schon ein besseres Gefühl dafür, wann man den Konjunktiv II benutzt
und vor allem, wie man ihn grammatisch bildet? Keine Sorge, am Anfang scheint alles kompliziert,
aber wenn du genug übst und nicht aufgibst, dann ist der Konjunktiv bald kein Problem mehr für
dich! Zum Abschluss schauen wir uns an, wie man den Konjunktiv II für Bedingungen, Wünsche,
Theorien und Ideen verwendet. Es ist wichtig, dass du dieses Thema gut kannst, denn anders als für
die höfliche Form oder sogar für Ratschläge hast du quasi keine andere Möglichkeit, Wünsche,
Bedingungen etc. auszudrücken.

Schau dir das folgende Beispiel an, dann wirst du direkt verstehen, worum es hier geht.
Ich habe eine Frage an dich: Hast du eine Million Euro? Nein? Ich auch nicht.
Aber wenn ich eine Million Euro hätte, (dann) würde ich mir ein Haus kaufen.
Ich könnte aber auch die Hälfte des Geldes spenden, wenn ich eine Million auf dem Konto hätte.
Vielleicht würde ich auch eine Kreuzfahrt machen, wenn ich so viel Geld hätte.

Es handelt sich hierbei um eine Bedingung, die Million Euro ist die Bedingung dafür, dass man
verschiedene Sachen mit dem Geld machen kann. Das heißt, wenn A passiert, dann kann auch B
passieren.
Du kennst normale Bedingungssätze wie:
Wenn es regnet, (dann) wird die Straße nass.
Wenn du Hunger hast, (dann) isst du etwas.
Wir wachen auf, wenn der Wecker klingelt.
Was ist aber der Unterschied zum Konjunktiv II? Diese drei Situationen sind real! Es regnet oft
(zumindest in Deutschland), du hast wahrscheinlich jeden Tag Hunger und bestimmt wachst du auf,
wenn dein Wecker klingelt (hoffentlich). Aber! Die Million Euro, die ist nicht real, sie ist ein Wunsch.
Man spricht deshalb auch von Irrealem, das ist das Gegenteil von real.

Hier noch ein weiteres Beispiel für Irreales mit dem Konjunktiv II:
Bist du Präsident oder Präsidentin deines Heimatlandes? Nein? Ich auch nicht.
Aber wenn ich Präsidentin wäre, (dann) würde ich vieles ändern.
Ich würde mehr Geld in die digitale Bildung investieren, wenn ich Präsidentin wäre.
Jedes Schulkind hätte einen Computer und wüsste genau, wie man über das Internet lernt.
Wenn ich Präsidentin wäre, dann gäbe es keine Armut mehr, denn jeder hätte einen gut bezahlten
Job.

Aber ich bin keine Präsidentin und deshalb sind meine Ideen nicht real, sie sind irreal. Und übrigens:
In Deutschland sind die Bundeskanzlerin und die Regierung für solche Aufgaben zuständig und nicht
der Präsident. In Deutschland ist die Aufgabe des Präsidenten eher repräsentativ, aber das ist ein
anderes Thema.
Ist dir aufgefallen, dass es im dritten Beispiel im Nebensatz „wie man über das Internet lernt“ keinen
Konjunktiv II gibt? Das liegt daran, dass es Realität ist, dass man im Internet lernen kann. Außerdem
gehört dieser Nebensatz zu „wüsste“, was im Konjunktiv II steht. Der ganze Nebensatz ist übrigens
ein Akkusativobjekt, aber das ist ein Thema für ein späteres Modul.

Es ist möglich und üblich, Bedingungssätze mit Modalverben zu formulieren. Dazu schauen wir uns
nochmal ein paar der letzten Sätze mit mir als Präsidentin an:

Wenn ich Präsidentin wäre, (dann) würde ich vieles ändern.


Man kann auch sagen:
Wenn ich Präsidentin wäre, (dann) könnte ich vieles ändern.
Ich würde mehr Geld in die digitale Bildung investieren, wenn ich Präsidentin wäre. oder
Ich könnte mehr Geld in die digitale Bildung investieren, wenn ich Präsidentin wäre.
Du siehst, dass man meistens entweder würde oder ein Modalverb mit dem Infinitiv kombiniert.

Hier noch andere Beispiele von Konditional- bzw. Bedingungssätzen mit dem Konjunktiv II und
„würde“ oder mit Modalverben:
Wenn es draußen wärmer wäre, würde ich ins Schwimmbad gehen. / könnte ich ins Schwimmbad
gehen.
Wenn du mehr lernen würdest, müsstest du keine Angst vor deinen Prüfungen haben.
Du könntest schon längst im Supermarkt sein, wenn du nicht immer so langsam wärst.
Wenn die Kinder immer lieb wären, dann dürften sie viel mehr mit dem Computer spielen.
Wenn es keine Kriege gäbe, wäre die Erde ein friedlicher Ort.

Versuche dich nun mal an den Übungen, die ich für dich erstellt habe. Du kannst einerseits die
Formen trainieren und das Gelernte danach in einer kreativen Übung frei anwenden. Im Anschluss
werfen wir einen Blick auf den Konjunktiv II in der Vergangenheit.