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Fahrtechnik: Freemove

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Duck Jibe Handwash
Die Duck Jibe ist Kult – kaum ein Manöver auf Flachwasser ist so zeitlos und stylish. Mit der
einhändigen Variante setzt du sogar nochmal einen drauf.

Ideale Bedingungen: 5-6 Beaufort, gut angepowert, Flachwasser


Ideales Material: kleine, manöverorientierte Freemove- oder Freestyle-Waveboards
Lernvoraussetzungen: Gleiten, Fußschlaufenfahren, Powerhalse, Duck Jibe

Stephan Gölnitz, löst unser Fotofahrer Tobias Holzner di-


Fehleranalyse: fotos:
Text:Manuel Vogel rekt nach der Kuveneinleitung die vordere
Timing ist alles Hand von der Gabel und greift überkreuz
Egal ob „normal“ oder mit handwash – der Die Vorbereitung zur einhändigen Vari- nach hinten aufs Gabelbaumende.
perfekte Zeitpunkt für das Segelschiften bei ante unterscheidet sich nicht von der „nor- (5-8) Ziel sollte ein sauberer und gleichmä-
der Duck Jibe ist direkt nach Kurveneinleitung, malen“ Variante – um das Segel während ßiger Carve mit konstantem Radius sein.
also deutlich vor dem Vorwindkurs. In unserem der Duck Jibe möglichst neu­tral zu bekom- Um den Druck gleichmäßig auf die Kante
Fehlerbild schiftet Tobi zu spät (nach dem men, benötigst du maximalen Speed. zu bringen, bleiben die Knie – wie bei jeder
Vorwindkurs) und kommt dadurch mit der freien (1) Falle auf leichten Raumwindkurs ab und gecarvten Halsenvariante – konsequent
Hand nicht wieder nach vorne an die Gabel. Das hake dich aus dem Trapez aus. nach vorne geschoben (Knieschub). Ob
Segel wird ihm gleich über den Bug schlagen. (2) Jetzt bereitest du das Carven vor: Set- dein Timing passt und du die Duck Jibe mit
Wenn dir das öfter passiert, achte auf zwei Dinge:
ze den hinteren Fuß aus der Schlaufe auf genügend Speed eingeleitet hast, kannst
1) Leite die Duck Jibe mit mehr Speed ein, je
die Leekante. Um das Segel gleich maximal du in dieser Phase gut erkennen: Wenn
schneller du bist, desto neutraler wird sich das Segel
dichthalten zu können, rutsche die hintere beides der Fall ist, sollte sich das Segel in
beim Schiften anfühlen.
Hand weit nach hinten Richtung Gabel­­baum- dieser Phase komplett neutral und leicht
2) Schifte bereits direkt nach Kurveneinleitung.
ende. anfühlen. Die Phase, in der das Segel qua-
(3-4) Um das Segelschiften einzuleiten, si schwebt, kann Tobi nutzen, um die frei
werdende Hand lässig im Wasser schleifen
zu lassen und ein paar extra „Style-Punk-
te“ einzuheimsen.
(9-11) Im Scheitelpunkt der Duck Jibe, also
direkt auf Vorwindkurs, sollte man wieder
damit beginnen, zur neuen Gabelbaum­
seite zu kommen. Wartet man mit dem Be-
enden des Segelschiftens zu lange, schafft
man es nicht wieder an die Gabel (siehe
Fehleranalyse).
Um zu verhindern, dass der Mast auf der
Kurveninnenseite ins Wasser schlägt,
muss Tobi das Gabelbaumende aktiv über
1
den Kopf nach Luv ziehen. Dadurch kommt
der Mast wieder nach oben und Tobi kann
mit der freien Hand an die Gabel greifen.
Je weiter nach vorne Richtung Mast er da-
2 bei greifen kann, desto besser.
(12) Jetzt carvt Tobi noch locker weiter
3 und wechselt auf neuem Raumwindkurs

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‘ noch die Fußstellung (13-14).

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Fahrtechnik: Freemove

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9 Ideale Bedingungen:
4-6 Beaufort, glattes Wasser
Ideales Material:
Boards mit genügend Restauftrieb, leichte
10 & camberlose Segel
Lernvoraussetzungen:
Gleiten, Powerhalse, Backfahren

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12 Im Fokus:
Gegendruck kontrollieren
Wer die Backwind Jibe lernt, wird oft an diesem Punkt
(nach dem Seitenwechsel) vom Segel nach hinten vom
Brett gedrückt. Kontrollieren kannst du den Segelzug,
indem du den Mast weit vom Körper wegschiebst (Mastarm
lang!) und das Segel mit der hinteren Hand geöffnet
hältst (Segelarm gebeugt!). Drückst du stattdessen mit
dem hinteren Arm gegen das Segel, gleicht dies einer
Dichtholbewegung und der Gegendruck im Segel steigt
stark an und drückt dich nach hinten.

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Backwind Jibe
Bei Vollspeed auf die andere Seite wechseln und dann, back stehend, eine Halse fahren –
auch die Backwind Jibe gehört zu den Klassikern, die völlig zu Unrecht ein Schattendasein
fristen. surf rückt sie wieder ins Licht.

fotos: Stephan Gölnitz, Text: Manuel Vogel Gewicht so lange wie möglich auf dem und halte das Segel mit der hinteren Hand
hinteren Bein, der Fußwechsel sollte so offen.
Wer im Gleiten auf die andere Seite ge- schnell wie möglich mit nur zwei Schritten (10-11) Wenn du den Kurvenradius konse-
hen will, muss erstmal den Druck aus dem nahe um den Mast erfolgen. Die Bilder-­ quent beibehältst, rotiert auf dem Vor-
Segel bekommen. serie unten zeigt dir den Seitenwechsel windkurs automatisch das Gabelbaum­
(1) Falle dazu auf Raumwindkurs ab und noch mal aus anderer Perspektive. ende durch den Wind. Dabei kommt meist
hole so viel Speed wie möglich. Durch Ab- (7-9) Der Schlüsselmoment, der dem Ma- viel Zug ins Segel. Um diesen abfangen zu
fallen und Raumwindfahren sollte der Se- növer seinen Namen gibt! Du stehst jetzt können, solltest du den Mast durch Beu-
gelzug verschwinden. Jetzt kannst du den back, also auf der Leeseite des Segels. Je gen des Mastarms wieder nahe zum Kör-
vorderen Fuß vor den Mast setzen und schneller dein Brett an diesem Punkt noch per bringen.
den Seitenwechsel vorbereiten. ist, desto geringer ist der Gegendruck des (12-13) Der Rest ist easy – weiterhin die
(2-6) Nur wenn du an diesem Punkt viel Segels und desto leichter ist es, das Ma- Kante belasten, um die Kurve fertigzu-
Geschwindigkeit hast und sich das Segel növer trocken zu beenden. Um den Kur- fahren. Falls du an diesem Punkt aus dem
leicht und neutral anfühlt, kann der Sei- venradius einzuleiten muss die kurven­ Gleiten gekommen bist, kannst du auch
tenwechsel gelingen. Um den Bug nicht innere Kante belastet werden, verlagere per Segelsteuerung (Anluven) auf neuen
auf Tauchstation zu schicken, bleibt das dein Körpergewicht also auf die Fersen Halbwindkurs weiterdrehen.

Perspektivwechsel: Der Seitenwechsel


Die zweite Perspektive zeigt die entscheidenden Momente des Seitenwechsels: Um die
Segelseite wechseln zu können, muss man zuerst den Druck aus dem Segel bekommen. Dies
geht nur, wenn du zuvor maximalen Speed geholt hast und auf Raumwindkurs abgefallen bist.
Um das Vollgleiten nicht abzuwürgen, belaste das Brett weiterhin hinten (Gewicht auf hinteres
Bein) und setz den vorderen Fuß vor den Mast (1 in beiden Sequenzen). Fühlt sich das
Segel leicht und neutral an, geht es per Kreuzgriff und mit zwei schnellen Schritten auf die
andere Seite (3 & 5). Bleibe dabei nahe am Mast. Direkt nach dem Seitenwechsel leitest du
die weitere Kurve über Druck auf die Fersen ein (6). Auch hier sieht man noch mal, wie du den
5 Gegendruck kontrollieren kannst (siehe auch Bild „Im Fokus“): Den Mastarm strecken und das
Segel mit der hinteren Hand offen halten.
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Fahrtechnik: Freemove

Duck Tack Ideale Bedingungen:


5-6 Beaufort, glattes Wasser
Ideales Material:
Die getauchte Wende hat auch 20 Jahre nach ihrer Blütezeit Flache und neutrale Wave-, Free-
noch alles, was ein schönes Windsurfmanöver braucht: Style, style- oder Freemovesegel
Eleganz und ja, auch ein gewisses Maß an Schwierigkeit. Lernvoraussetzungen:
Gleiten, Segelkontrolle, Backfahren
Fotos: Oliver Maier

a b c d

Im Fokus: Fußwechsel
Der Fußwechsel auf Switch Stance findet vor dem eigentlichen Durchtauchen unter dem
Segel statt. Damit dieser gelingt, sollte es das Ziel sein, den Druck aus dem Segel zu
bekommen. Dies gelingt, indem du auf Raumwindkurs abfällst (a). Sobald sich das Segel
neutral anfühlt, kannst du den vorderen Fuß nach hinten setzen (b) (Hacke an Hacke)
und sofort den neuen Fuß nach vorne bringen (c und d).

Die Ducktack – so
Gabelbaumseite möglichst weit nach vorne
funktioniert’s... Richtung Mast zu greifen.
Den vorbereitenden Fußwechsel haben wir 6-9) Während du weiter nach Luv carvst
dir oben ausführlich aufgeschlüsselt (a-d). wirst du merken, dass der Gegendruck im
1) Ein erfolgreicher Segelduck beginnt Segel konstant ansteigt. Um nicht nach
auf Halbwindkurs, luve also nach dem hinten vom Brett gedrückt zu werden, soll-
Fußwechsel (Raumwindkurs) wieder leicht test du das Segel mit der hinteren Hand
an, indem du die Luvkante belastest. öffnen (nicht gegendrücken!) und den Mast
2-3) Dein Segel wird sich nur dann neu- auf Distanz halten (Mastarm lang). 14
tral verhalten, wenn du es beim Ducken surf-Tipp: Kommst du in dieser Phase
am Körper vorbei direkt in Richtung des aus dem Gleiten, kannst du auch mit
gefühlten (relativen) Windes schiebst. Segelsteuerung weiterdrehen, indem du
Dieser ist eine Mischung aus tatsächlich das Segel am Körper vorbei Richtung Heck
wehendem Wind und Fahrtwind und kommt schiebst (anluven).
somit nicht direkt aus Luv, sondern schräg 10-12) Bevor das Brett komplett im Wind
von vorne und Luv. Zum Ducken löst du die steht, ist es an der Zeit, das Segel wieder
vordere Hand von der Gabel und greifst, aufzurichten. Mit dosiertem Strecken der
wie bei einer Duck Jibe, über Kreuz nach hinteren Hand erhöhst du den Gegendruck 13
hinten auf das Gabelbaumendstück. und richtest das Segel auf.
4-5) Schwebt das Segel neutral muss 13-14) Der Rest ist easy, auf dem neuen 12
es dein Ziel sein, auf der neuen Bug anfahren.

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Fehleranalyse: Durchtauchen (Ducken) 1
Die eigentliche Schwierigkeit bei der Duck Tack ist das Durchtauchen auf
die andere Seite. Das Segel schwebt nur dann, wenn der Winkel, in dem du
es nach Luv kippen lässt, genau passt:
Problem 1: Segel klatscht in Luv ins Wasser (18-19)
Zwei mögliche Ursachen kommen infrage: Entweder bist du beim Ducken
noch zu weit auf Raumwindkurs oder du schiebst den Mast zu sehr nach
Luv. Versuche daher bereits vor dem Ducken nach Luv anzucarven (1) und
das Segel etwas mehr nach vorne statt direkt nach Luv zu schieben. 2
Problem 2: Segel kommt entgegen (15-17)
Zwei mögliche Ursachen kommen infrage. Entweder schiebst du das Segel
beim Ducken zu sehr nach vorne Richtung Bug (16) oder drückst nach dem
Ducken mit der hinteren Hand ins Segel (17), wodurch der Mast steigt.
Versuche das Segel beim Durchtauchen mehr Richtung Luv zu schieben
und halte es nach dem Ducken mit der hinteren Hand geöffnet (7).

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Fahrtechnik: Freemove

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Bodydrag Ideale Bedingungen:


5-6 Beaufort, glattes Wasser, gut ange-
powert
Ideales Material:
Kaum ein Manöver verbindet so viel Show-Faktor und
Alles
Spaß mit derart geringen Lernvoraussetzungen wie der
Lernvoraussetzungen:
Bodydrag. Viel Speed, ein bisschen Überwindung und
Gleiten, Speedfahren
die surf-Tipps machen dich im Nu zum Schleifer.

fotos: Phil Schreyer, Bodydrag und alle rasten aus. Abgesehen der Schlaufe und setzt den Spann aufs
Text: Manuel Vogel vom Show-Faktor ist es eine Gaudi. Wasser auf. Dadurch zieht es dir das Bein
Du musst für den Bodydrag richtig an- nach hinten weg.
Es gibt Manöver, da brechen sich gepowert sein, sonst wird schnell ein 3-4) Löse nun auch den zweiten Fuß aus
Top-Trickser einen ab, wirbeln und sliden Rohrkrepierer daraus. Hole also maxima- der Schlaufe. Beim Bodydrag ist es das
bis der Arzt kommt und der unbeteiligte len Speed auf Halbwindkurs. Bei sehr viel Ziel, nur die Beine im Wasser schleifen zu
Strandtourist dreht sich gelangweilt weg. Wind macht es Sinn, vor dem Abstieg so- lassen und nicht, wie der Name es vermu-
Dann kommt ein durchschnittlicher Free- gar auf leichten Amwindkurs anzuluven. ten lässt, den ganzen Körper. Dies gelingt
rider um die Ecke, macht einen simplen 1-2) Zuerst löst du den vorderen Fuß aus nur, wenn du nahe am Gabelbaum bleibst

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Fehleranalyse: „Ich bremse immer komplett ab!”


Der Fehlerklassiker – das Hinterherschleifen gerät zur Vollbremsung. Häufigste Ursache ist, dass nicht nur die Beine, sondern auch noch Hüfte
und Trapez im Wasser schleifen, wodurch das Brett abbremst. Dies passiert, wenn man die Arme zu sehr streckt (12) und die konsequente
Klimmzugposition verlässt. Halte also die Arme während des Schleifens komplett gebeugt (13).

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und die Arme bereits beim Abstieg konse-


quent angezogen hältst.
5-7) Während der Schleifphase wirst du im-
mer langsamer werden. Je mehr Wind ist und Übungstipp
je konsequenter du deine Klimmzughaltung In voller Fahrt aus den Schlaufen
und die Körperspannung beibehältst, desto – das erfordert ein wenig
länger kannst du dich hinterherziehen lassen. Überwindung. Als Vorübung
8-9) Während des Bodydrags ist es normal, kannst du erstmal nur den
dass dein Brett eine leichte Kurve nach Lee vorderen Fuß aus der Schlaufe
fährt. Wartest du mit dem Aufstieg zu lan- nehmen, den Spann leicht im
ge, drehst du zu weit und es wird dich beim Wasser schleifen lassen und
Aufstieg über den Bug schleudern (14-18). Der dann zurück aufs Brett setzen.
Aufstieg erfolgt mit dem hinteren Fuß zuerst. Achte auch bei dieser Vorübung
Um beim Anziehen des Beins nicht abzubrem- darauf, maximal nahe an der
sen, drehe deine Hüfte parallel zum Brett. Gabel zu bleiben (Klimmzug!)
10-11) Im Idealfall gleitest du den Bodydrag
durch und kannst dich den jubelnden Massen
am Ufer zuwenden.

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Fehleranalyse: „Beim Aufsteigen schleudert es mich immer über den Bug!”


Dieser Sturz-Klassiker sieht nicht minder spektakulär aus als ein gelungener Bodydrag. Wenn es dich wie bei einem Spinloop vorne über den Bug
zerrt, liegt das daran, dass du zu sehr auf Raumwindkurs abgefallen bist. Falle also vor dem Absteigen nicht ab, sondern beginne das Manöver auf
Halbwind- oder sogar leichtem Amwindkurs.

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Fahrtechnik: Freemove

Pushtack
Wenden-Variationen gelten manchmal als unsexy. Die Pushtack
Ideale Bedingungen:
Flachwasser, eher unterpowert
Ideales Material:
Camberlose Segel
muss sich davon sicher nicht angesprochen fühlen, vereint sie Lernvoraussetzungen:
doch Eleganz, Kraft und Technik... Helikopterwende, Segelkontrolle
Schothorn voraus

fotos: Oliver Maier,


Text: Manuel Vogel

Um diese Wenden-Variante zu üben, ist es


ideal, wenn du zwar gleitest, aber nicht voll an-
gepowert surfst.
1-3) Zuerst muss der Zug aus dem Segel – hake
dich dazu aus und falle auf tiefen Raumwindkurs
ab. Das Segel wird nun leicht und neutral.
4-5) Fußwechsel und Segelrotation gehen Hand
in Hand. Stelle die Füße auf Switch-Stance (nur
vorderer Fuß hinter den Mast, hinterer Fuß zwi-
schen die Schlaufen) um, sobald der Druck aus
dem Segel ist. Dadurch kannst du das Segel
gleich frei drehen. Sollte dir die kurze Switch-
Fahrt Probleme bereiten, kannst du jetzt auch 17
aus den Schlaufen gehen und die Füße zeitgleich
mit der folgenden Segelrotation umstellen.
6-7) Jetzt geht’s ans Eingemachte – Ziel ist es,
den Mast dynamisch nach Luv in den Wind zu
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schieben und das Segel backschlagen zu lassen.
Die vordere Hand übernimmt diesen Job.
8-9) Das Segel schlägt back, der Wind drückt nun
von vorne ins Segel, was dem Manöver seinen
Namen verleiht (to push: „drücken“). Damit das
Segel dich nicht nach hinten vom Brett drückt,
muss es weit runter Richtung Wasser. Strecke
deshalb den vorderen Arm und halte den Mast
15
weit unten. Das Backschlagen des Segels bringt
automatisch Druck auf dein hinteres Bein, wo-
durch das Brett in den Wind carvt.
10-12) Während das Brett nach Luv carvt, halte
den Mast auf Distanz.
13) Sobald das Brett direkt nach Luv zeigt, wirst
du aus dem Gleiten kommen, der Gegendruck
schwindet. Damit dir gleich das Heck nicht ab-
säuft, verlagere das Gewicht etwas nach vorne
über das vordere Bein.
14-15) Die letzte Hürde – das Achterliek schlägt
durch den Wind, aus Gegendruck wird wieder
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Segelzug. Wer bei wenig Wind übt, sein Segel
Schothorn voraus zu kontrollieren, hat Vorteile.
16-17) Zum finalen Schiften muss das Segel wie- 13
der senkrecht stehen – ziehe deshalb den Mast
nahe zum Körper und löse die Segelhand.

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Fokus: Druck aufbauen
Der für diese Wenden-Variante nötige
Gegendruck resultiert aus einer Drehbewegung
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des Segels gegen den Wind. Eingeleitet auf
Raumwindkurs (3-4) zieht die vordere Hand
das Segel dynamisch und mit viel Schwung
nach Luv und Richtung Wasser (8-9 und
unten). Je weiter und dynamischer das 2
Segel dabei Richtung Wasser gezogen wird,
desto mehr Druck bekommt man automatisch
aufs hintere Bein und desto enger fällt auch
der Kurvenradius aus. surf-Tipp: Damit der
Segeldruck über das hintere Bein auch aufs
Brett übertragen wird, achte darauf, dass der
hintere Fuß weit genug hinten steht. Ideal 3
ist eine Position direkt hinter den vorderen
Fußschlaufen.

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Fahrtechnik: Freemove

Flip 360
Der 360er nach Luv ist deutlich leichter als sein Pendant nach
Ideale Bedingungen:
eher unterpowert
Ideales Material:
Freemove, Freestyle-Wave, Wave
Lee, der Carving 360. Mit ein bisschen Übung und ein paar Vor- Lernvoraussetzungen:
übungen bei Leichtwind lässt sich dieser Klassiker knacken... Backfahren, Segelsteuerung,
Helitack

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fotos: Oliver Maier, Text: Manuel Vogel Schiebe dazu mit dem vorderen Arm das Se- rend des Weiterdrehs über Wasser zu halten.
gel schwungvoll am Körper vorbei Richtung 10-12) Hast du es geschafft, dein Brett back-
Komplett in den Schlaufen wird der Flip- Bug. Während dieser Phase schlägt das Se- stehend bis auf Vorwindkurs abfallen zu
360 – der auch als Upwind-360 oder Donut gel back, du surfst jetzt auf der Leeseite. lassen, musst du noch die letzte Schlüssel-
bezeichnet wird – gefahren. Ideal ist es, wenn 6-9) Die Backfahrt: Um in dieser Phase nicht stelle meistern: Das Umschlagen des Segels
du gleitest, aber leicht unterpowert bist. nach hinten vom Brett gedrückt zu werden, (Schot­horn rotiert durch den Wind) kenn-
1-2) Hake dich aus und carve backside in den halte den Mast auf Distanz (der Mastarm ist zeichnet den Übergang von Gegendruck zu
Wind, indem du die Hacken belastest. gestreckt) und das Segel offen (Segelarm ge- Segelzug. Hielt der Mastarm während der
3-5) Sobald der Bug gegen den Wind (nach beugt!). Wenn du das Segel weit genug nach gesamten Backfahrt den Mast konsequent
Luv) zeigt, musst du die Abfallbewegung ein- vorne verschiebst (abfällst), dreht das Brett auf Distanz (4-10), holt dieser im Moment des
leiten, um das Brett weiterdrehen zu lassen. gleichmäßig weiter nach Lee. Anspruchsvoll Umschlagens den Mast wieder nahe an den
Wie bei jeder Abfallbewegung muss dazu ist diese Phase weil das Segel zum Abfallen Körper (11). In dieser Phase kommt extrem
der Mast in der Segelebene nach vorne kip- nach vorne, das Körpergewicht aber auf dem viel Zug ins Segel, lass also Dampf ab, indem
pen, das Gabelbaumende nach oben zeigen. hinteren Fuß bleiben muss, um den Bug wäh- du das Segel mit der hinteren Hand öffnest.

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Fehleranalyse: Gegendruck in Backfahrt kontrollieren


Wenn du während der Backfahrt den Gegendruck nicht kontrollieren kannst und immer nach hinten vom
Brett gedrückt wirst, hat dies eine einfache Ursache: Das (unbewusste) Gegendrücken mit der hinteren Hand
gleicht einer Dichtholbewegung, das Segel kommt dir entgegen (13-15). Versuche deshalb, den Mast mit der vor-
deren Hand auf Distanz zu halten (links, Mastarm lang!) und die hintere Hand nur passiv auf der Gabel abzulegen.
Das Segel bleibt dadurch offen, der Gegendruck überschaubar. Übe das Backfahren und Steuern am besten bei
wenig Wind auf einem großen Brett, dann wirst du auch die Variante auf dem Shortboard deutlich schneller lernen.

Fehleranalyse:
Segelzug meis­
tern
Rotiert das Schothorn durch den
Wind, wird aus Gegendruck plötz-
lich wieder Zug. Um dann nicht
nach vorne gerissen zu werden
und den Bug auf Tauchstation
zu schicken (16-18), muss das
Gewicht beim Umschlagen des
Segels auf dem hinteren Fuß blei-
ben (10-11). Der Mastarm holt den
Mast im Moment des Umschlagens
16 17 18 wieder nahe zum Körper (11).

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Fahrtechnik: Freemove

Stall Tack
Was beginnt wie der miese Witz eines fahrtechnischen Clowns,
Ideale Bedingungen:
Flachwasser, nicht überpowert
Ideales Material:
Freestyle-Wave- und Freemove­
wendet sich binnen zwei Sekunden, wenn das weggeworfe- boards, camberlose Segel
ne Segel wie von Geisterhand in die Hand des Surfers zurück- Lernvoraussetzungen:
schwebt, zum Zaubertrick eines Magiers. Lerne zaubern! Helikopterwende, Gleiten

Fotos & Text: Manuel Vogel im Gleiten aus dem Trapez aus und setze die 5-6) Das Segel bildet jetzt einen Gegenbauch. Es
Füße aus den Schlaufen. kommt nur dann wieder zurück in deine Hände,
Der Grat zwischen fahrtechnischem Hasar- 3-4) Damit der folgende „Stall“, also das Schwe- wenn du konsequent weiter in den Wind carvst.
deur und Genie ist bei der Stall Tack schmal. Da- ben des Segels, klappt, muss der Winkel passen, 7-10) Im Idealfall kehrt das Segel zurück, bevor
mit das Rigg, einmal weggeworfen, nicht Vollgas in dem man das Segel auf die Reise schickt. Lei- du gegen den Wind stehst. Jetzt kannst du die
ins Wasser rauscht, ist das Timing entscheidend. te per Fußsteuerung eine leichte Kurve nach Stall Tack mit der bekannten Helikopterwende
1-2) Am besten klappt die Stall Tack auf halbwegs Luv ein und gib dem Segel einen kleinen Schubs abschließen.
glattem Wasser und nicht überpowert. Hake dich schräg nach vorne (nach Lee und Richtung Bug) 11) Ziel hierbei ist eine Abfallbewegung in Lee

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(back) stehend. Schiebe das Segel mit der Fehleranalyse: Wassern oder fliegen?
vorderen Hand am Körper vorbei Richtung
Bug, das Gabelbaumende geht nach oben. Klatscht das Segel einfach wie ein Sack Mehl in Lee ins Wasser (18), ist dies immer ein Zeichen dafür, dass
12) Den Gegendruck kontrollierst du, indem du den „Stall“ zu sehr auf Raum- oder Halbwindkurs eingeleitet hast. Luve also vorher leicht auf Amwindkurs
der vordere Arm das Segel auf Distanz an und gib dem Segel einen kleinen Stoß, damit es einen Gegenbauch bildet (19). Sobald das Segel über dem
hält. Die hintere Hand lässt das Segel offen Wasser schwebt, musst du konsequent Druck auf die Hacken ausüben und in den Wind carven (20), dadurch
(nicht gegendrücken!). beginnt das Segel wieder zu steigen und kehrt, wie von Geisterhand, in deine Hände zurück.
13-17) Hat das Brett aus dem Wind gedreht,
folgt das finale Schiften des Segels – Füße
umstellen (14) und Segel durchrotieren las-
sen. 19 18

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Fahrtechnik: Freemove

Air Jibe
Über 15 Jahre ist es her, dass Josh Stone die Tür in eine neue
Ideale Bedingungen:
Glattes Wasser, gut angepowert
Ideales Material:
Freestyle, Freemove & Freestyle-
Dimension aufstieß. Und auch wenn vielen Hobbysurfern die Wave
Disziplin Freestyle zunehmend fremd geworden ist, hat die Air Lernvoraussetzungen:
Jibe als Mutter aller Moves nichts von ihrem Reiz verloren. Gleiten, Speedfahren, Chophop

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Fotos & Text: Manuel Vogel sprungimpuls mit dem hinteren Bein gibst. Jibe möglichst flach zu drehen, um nach der
3) Die Rotation leitest du nicht etwa durch Landung flüssig weiter rückwärts zu sliden.
Viel Speed auf Halbwindkurs und glattes das Wegkicken des Hecks mit dem hinteren Im Prinzip reicht eine Drehung um 90 Grad in
Wasser sind die wichtigsten Voraussetzun- Fuß ein, sondern durch eine Oberkörper- der Luft, bevor der Bug ins Wasser eintaucht.
gen zum Üben des auch „Vulcan“ genannten drehung. Diese passiert automatisch, wenn 5-7) Hast du es mit der neuen Hand auf die
Manövers. du im Moment des Absprungs die Segel- andere Gabelbaumseite geschafft, ist es das
1) Peile eine glatte Stelle an, hole noch mal hand von der Gabel löst und über die hintere Ziel, das Segel weit nach vorne Richtung Bug
Speed und hake dich aus dem Trapez aus. Schulter Richtung Luv blickst. zu schieben, um das Heck zu entlasten und
Damit du gleich die Segelseite schnellstmög- 4) Der Griffwechsel erfolgt „boom-to-boom“ das Sliden nicht abzuwürgen.
lich wechseln kannst, rutsche mit der vorde- auf die neue Gabelbaumseite. Je näher das 8-9) Die hintere Hand greift an die Gabel und
ren Hand weit nach vorne Richtung Mast und Segel dabei am Körper steht, desto schneller holt das Segel von der neuen Seite dicht. Da-
bleibe mit beiden Füßen in den Schlaufen. und leichter kommst du auf die neue Seite. durch endet die Rückwärtsgleitfahrt und es
2) Eine kleine Kabbelwelle und ein minimaler Ziehe deshalb das Segel mit der vorderen baut sich Segelzug auf, der dir gleich beim
Schlenker nach Luv können zum Absprung Hand maximal nahe zum Körper. Es muss Umsteigen hilft.
hilfreich sein, im Prinzip ist aber der Speed nicht dein Ziel sein, hoch abzuspringen und 10-11) In verdrehter Fußstellung (switch) kurz
entscheidend. Je schneller, desto mehr die kompletten 180 Grad in der Luft zu dre- anfahren und zum Umsteigen zuerst den hin-
Pop produziert das Board, wenn du den Ab- hen. Vielmehr kommt es darauf an, die Air teren Fuß aus der Schlaufe ziehen.

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Fehleranalyse: Griffwechsel
Jeder Airjibe-Lehrling kennt dieses Problem: Das Brett
zu drehen gelingt, aber der Griffwechsel dauert zu
lange, und man slidet mit einer Hand an der Gabel
rückwärts, bevor man nach hinten oder nach Lee ins
Wasser fällt (13).
Der Grund: Beim Drehen des Boards ist man zu weit
vom Segel entfernt, um schnell genug auf die neue
Gabelbaumseite zu greifen.
surf-Tipp: Rutsche schon vor dem Absprung die
Masthand ganz nach vorne und ziehe den Mast im
Moment des Absprungs so nahe wie möglich zum
Körper (12). Der Griffwechsel boom-to-boom ist jetzt
schneller möglich.
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15 16 Im Fokus: Beine
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Das hintere Bein übernimmt bei der Air Jibe eine
wichtige Rolle. Versuche nie (!) das Heck wegzu-
kicken, die eigentliche Rotation resultiert immer
aus der Drehung des Oberkörpers (siehe 3).
Dabei kann man drei Phasen unterscheiden:
Absprungphase: Durch kurzes Strecken sorgt das
hintere Beim für den Absprungimpuls, ähnlich
einem normalen Chophop (14).
Rotationsphase: Während der Rotation, ver-
hindert ein Beugen des hinteren Beins, dass die
Finne zu früh greift und das Brett schmerzhaft
verkantet. Das Heck wird also aktiv zur Hüfte
he­rangezogen (15).
Landungsphase: Bei der Landung soll der
Oberkörper in eine Vorlage kommen, um den Bug
zu belasten. Dabei schiebt das wieder gestreckte
hintere Bein das Heck nach hinten weg (16).

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