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Praktische Psychologie

IHK

Lernheft 1

Grundlagen Psychologie

Inhaltsverzeichnis

1.1 Einleitung ............................................................................................... 2


1.2 Psychologie als Wissenschaft vom Menschen...................................... 2
1.3 Geschichte der Psychologie .................................................................. 3
1.4 Psychische Erscheinungen ................................................................... 4
1.5 Was kann Psychologie? ........................................................................ 6
1.6 Die drei Berufsfelder .............................................................................. 6
1.7 Selbstlernaufgaben ................................................................................ 8
1.8 Zusammenfassung ................................................................................ 8
1.9 Hausaufgabe ......................................................................................... 8
1.10 Lösungen zu den Selbstlernaufgaben ................................................... 9
1.11 Anhang .................................................................................................. 9

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Grundlagen Psychologie Lernheft 1

1.1 Einleitung

Im ersten Lernheft des Lehrgangs: „Praktische Psychologie “ möchte ich Ihnen eine
erste Orientierung über das große Gebiet der Psychologie vermitteln. Sie werden die
Definition der Psychologie kennenlernen, einen kurzen Abstecher in die Geschichte
der Psychologie unternehmen und sich einen Überblick über die psychischen Phäno-
mene und die Auswirkung auf unser Verhalten verschaffen. Im Anschluss daran erfah-
ren Sie noch etwas über die drei Berufsfelder: Psychologe, Psychotherapeut und Psy-
chiater.

Erklärung der Symbole

Selbstlernaufgaben Hausaufgabe

Zusammenfassung Hinweis bzw. Tipp

Lösungen zu den
Notizen
Selbstlernaufgaben

1.2 Psychologie als Wissenschaft vom Menschen

Das Wort Psychologie stammt aus dem Griechischen (psyche = Seele) und bedeutet
die Lehre von den seelisch-geistigen Erscheinungen. Da die Begriffe Seele und see-
Definition lisch-geistig schwer fassbar sind, gilt heute folgende Definition:
Psychologie

„Die Psychologie ist die Lehre vom


Erleben und Verhalten des Menschen.“ 1

Die Psychologie ist als moderne wissenschaftliche Disziplin noch nicht so alt und hat
sich erst allmählich aus der Philosophie entwickelt. Etwa 1875 hat sie sich als eigen-
ständiges wissenschaftliches Fach an den Universitäten etabliert. Ihre Kenntnisse
erhält sie hierbei aus geisteswissenschaftlichen, sozialwissenschaftlichen und natur-
wissenschaftlichen Denkmodellen und der Forschung in diesen Fachgebieten. Die
wissenschaftliche Psychologie hat es sich zur Aufgabe gemacht, zur Verbesserung
individueller und sozialer Prozesse in Menschen, Familien, Gemeinschaften usw. bei-
zutragen.

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Grundlagen Psychologie Lernheft 1

1.3 Geschichte der Psychologie

„Die Psychologie besitzt eine lange Vergangenheit, aber nur eine kurze Geschichte“1,
um es mit den Worten von Herrmann Ebbinghaus (1908), einem der ersten Experi-
mentalpsychologen, zu sagen. Das psychologische Denken beruhte in der Frühzeit
vor allem auf Mythologie, Naturkunde und Kunst. Einige Gelehrte hatten sich wichtige
Fragen über die menschliche Natur gestellt, wie Menschen die Realität wahrnehmen,
aber auch wie das Bewusstsein beschaffen ist und worin die Ursprünge des Wahn-
sinns liegen. Leider waren sie jedoch noch nicht in der Lage diese Fragen zu beant-
worten.

Um ein Verständnis für die Ursprünge der Psychologie zu erhalten, ist die Gedanken-
welt der großen griechischen Philosophen ausschlaggebend, denn der Ursprung
westlicher Psychologie geht auf Sokrates, Platon und Aristoteles im 4. und 5. Jahr-
hundert v. Chr. zurück.

Diese großartigen Philosophen diskutierten einst über die Funktionsweise des Geis-
tes, das Wesen der Willensfreiheit und die Beziehung des Einzelnen zu anderen. Et-
wa gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Forscher Labortechniken aus anderen Wis-
senschaften (Physiologie, Physik) zur Untersuchung der Fragen aus der Philosophie
anwendeten, entwickelte sich die Psychologie zu einer eigenen Fachdisziplin.

Abb. 1: Wilhelm Wundt (1832 – 1920).


Begründer der Psychologie als eigenständige Wissenschaft2

Experiment
Wilhelm Wundt, Mediziner und Philosoph, gilt als Gründer der modernen Psychologie.
1879 eröffnete er das erste Universitätsinstitut bzw. das erste ausgewiesene Labor für
experimentelle Psychologie in Leipzig. Das Experiment wurde als Erkenntnisquelle in
die Psychologie eingeführt. Mit dieser Eröffnung trennte sich die Psychologie als Er-
fahrungswissenschaft von der Philosophie. Überall auf der Welt entstanden

1
Gerrig/Zimbardo (2008), S. 8
2
www.wikipedia.de, Originalquelle unbekannt

3
Grundlagen Psychologie Lernheft 1

Psychologische Institute und die Psychologie als eigenständige Wissenschaft begann


ihren Siegeszug an den Universitäten. Mit einem kurzen Einstieg in die Geschichte will
ich es hier belassen, da Sie die vielen Daten und Namen nur verwirren würden.

Es sei erwähnt, dass sich seit der Jahrhundertwende bis heute sehr viele verschiede-
ne Auffassungen in der Psychologie entwickelt haben, die sich allerdings auf folgende
große Richtungen zurückführen lassen:
– die Tiefenpsychologie
– den Behaviorismus
– die Ganzheits- und Gestaltpsychologie
– die humanistische Psychologie

1.4 Psychische Erscheinungen

Während wir die anorganischen und organischen Erscheinungen bzw. den Realitäts-
bereich objektiv untersuchen können, sind die psychischen Vorgänge und Zustände
durch eine direkte Beobachtung durch andere nicht möglich. Psychische Vorgänge
sind im Gegensatz zu den organischen oder anorganischen immateriell (unkörperlich),
das heißt, man kann sie nicht hören und nicht sehen.

Außerdem ist es jedem möglich, seinen Gedanken und Vorstellungen zu jeder Zeit
und an jedem Ort freien Lauf zu lassen. Psychische Erscheinungen lassen sich durch
ein Merkmal charakterisieren, das uns als Bewusstsein bekannt ist. Es wurden ver-
schiedene Untersuchungen vorgenommen, die psychischen Phänomene nach Merk-
malen zu unterscheiden:

3
Hubert Rohracher (1903–1972) nimmt folgende Klassifikationen vor :

Psychische Kräfte  Instinkte, Triebe, Gefühle,


Motivation, Willenshandlung
Psychische Funktionen  Wahrnehmen, Lernen, Gedächtnis,
Denken, Sprache

Die Aufgabe der psychischen Kräfte besteht darin, das Erleben und Verhalten des
Menschen so zu steuern, dass ein bestimmtes Ziel erreicht wird. Die psychischen
Funktionen hingegen zeigen den richtigen Weg zur Erreichung des Ziels auf. Dies
geschieht durch Informationsaufnahme, die gespeichert und verarbeitet wird.

3
Vgl. Konecny/Leitner (2005), S. 5

4
Grundlagen Psychologie Lernheft 1

Neuere Klassifikation unterscheiden folgendermaßen4:

Input  Informationen werden aus der Umwelt wahrgenommen (Umweltreize),


aber auch durch Wahrnehmung des
eigenen Körpers (Sinne)

Informationsverarbeitung  hier geschieht die wechselseitige Beeinflussung der


psychischen Phänomene im menschlichen
Organismus,
Wahrnehmung durch Lernen
Wahrgenommenes im Gedächtnis,
Wahrnehmung durch Denken,
Wahrnehmung durch Motivation,
Wahrnehmung durch Emotion
Output  ist das Ergebnis der Informationsverarbeitung und zeigt sich als äuße-
res Verhalten, aber auch als inneres Erleben

Damit Sie besser verstehen können, wie psychische Phänomene unser Verhalten
bestimmen und Handlungen unterschiedlich motiviert sein können, orientieren Sie sich
bitte an folgendem Beispiel5
1. Sie verspüren Durst  Trieb, innere Motivation
2. Dass es etwas zu Trinken in der Küche gibt, wird Ihnen durch Ihr Gedächtnis
signalisiert
3. Sie nehmen in der Küche den Kühlschrank wahr, löschen Ihren Durst und be-
friedigen Ihren Trieb
4. Eine Werbung für ein Getränk im Fernsehen veranlasst Sie durch Wahrneh-
mung bzw.
5. äußeren Anreiz zur gleichen Handlung, das Trinken findet jedoch hier nicht aus
Befriedigung eines Triebes hin, sondern aufgrund eines äußeren Anreizes statt
6. Stress als innere Motivation kann hierbei jedoch auch zum Trinken führen

Im Lernheft „Allgemeine Psychologie“ werden wir uns ausführlicher mit Wahrneh-


mung, Gedächtnis, Motivation und Emotion auseinandersetzen.

4
Vgl. Konecny/Leitner (2005), S. 5 – 6
5
Vgl. Konecny/Leitner (2005), S. 6

5
Grundlagen Psychologie Lernheft 1

1.5 Was kann Psychologie?

Psychologie ist in unserer heutigen Zeit kein Fremdwort mehr. Immer mehr Menschen
beschäftigen sich mit ihr, aber was kann Psychologie für uns tun?

Psychologie kann helfen:


1. sich und andere besser zu verstehen
2. fair miteinander zu reden
3. privat und im Beruf erfolgreicher zu agieren
4. Gesundheit und Wohlbefinden zu fördern
5. Ängste zu überwinden
6. persönliche Fähigkeiten zu entwickeln, erkennen und anzuwenden
7. das Lernen zu lernen
8. viele soziale Prozesse menschenfreundlich zu gestalten
9. effizienter helfen zu können

Die Liste ist beliebig fortsetzbar. Vielleicht fallen Ihnen nach Abschluss des Lehrgangs
„Praktische Psychologie“ noch weitere Punkte ein.

1.6 Die drei Berufsfelder

Psychologe – Psychotherapeut – Psychiater! Die drei Berufsfelder sind in der heutigen


Zeit zwar keine Fremdwörter mehr und werden auch nicht mehr als Exemplare einer
exotischen Gattung angesehen, aber dennoch kommt es vor, dass die Begriffe ver-
wechselt werden. Aufschluss soll nun ein kurzer Überblick über diese drei Berufe
bringen.6

Psychologe
Psychologen haben an einer Hochschule studiert und schließen ihr Studium mit einem
Diplom ab. Die Berufsbezeichnung „Psychologe“ ist in Deutschland geschützt und darf
nur von Personen mit entsprechendem Hochschulabschluss geführt werden. Psycho-
logen beschäftigen sich mit menschlichem Erleben und Verhalten der Menschen und
versuchen beides zu erklären, vorherzusagen und zu ändern.

Nach dem Abschluss des Psychologiestudiums können die Absolventen eine mindes-
tens dreijährige psychotherapeutische Weiterbildung besuchen, Diese Weiterbildung
qualifiziert den Psychologen zur Ausübung der Psychotherapie und er darf sich nun
auch Psychologischer Psychotherapeut nennen. Er verwendet jedoch keine Medika-
mente. Die Arbeitsfelder der Psychologen sind insgesamt sehr vielfältig:7

6
Vgl. www.bdp-verband.org.
7
Gerrig/Zimbardo (2008), S. 20

6
Grundlagen Psychologie Lernheft 1

Arbeits- und
Organisationsbereich Schulen und andere
Bildungseinrichtungen

Eigene
Praxis Diverse
8,5

Kliniken und Forschung und Lehre


Beratungsstellen

Abb.2: Arbeitsgebiete von Psychologen. Prozentanteile der Arbeitsgebiete von


Psychologinnen und Psychologen, die einen Doktorgrad in Psychologie
besitzen und der American Psychological Association (APA) angeschlossen
sind

Psychotherapeut
Die Berufsbezeichnung Psychotherapeut darf von Ärzten oder Psychologen getragen
werden, die zusätzlich zu ihrem eigentlichen Beruf noch eine psychotherapeutische
Zusatzausbildung absolviert haben. Nach Abschluss dieser Zusatzausbildung spre-
chen wir von einem Ärztlichen Psychotherapeuten bzw. im Falle des Psychologen von
einem Psychologischen Psychotherapeuten.

Während der Ärztliche Psychotherapeut Medikamente verordnen darf, unterstützt der


Psychologische Psychotherapeut seine Klienten ausschließlich mit psychologischen
Methoden, wie zum Beispiel durch eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Prob-
lem, den Ursachen oder durch das Einüben neuer Verhaltensweisen. Psychologische
Psychotherapeuten arbeiten daher mit Ärzten eng zusammen, wenn in einer Therapie
eine organische Erkrankung mitbehandelt werden muss oder eine Heilung nur durch
eine kombinierte Therapie möglich ist.

Psychiater
Ein Psychiater hat nach Abschluss seines Medizinstudiums eine mehrjährige Fach-
arztausbildung zum Psychiater absolviert. Er ist somit Facharzt für seelische Erkran-
kungen und Störungen. Psychiater gehen im Gegensatz zu Psychologen von der kör-
perlichen Seite aus und verordnen Medikamente, die so genannten Psychopharmaka.
Erst nach einer psychotherapeutischen Zusatzausbildung darf der Psychiater oder
auch ein anderer Arzt Psychotherapie ausüben und neben der Facharztbezeichnung
Psychiater, die Zusatzbezeichnung Psychotherapie oder Psychoanalyse führen.

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Grundlagen Psychologie Lernheft 1

1.7 Selbstlernaufgaben

1. Wie lautet die Definition der Psychologie?

2. Worin besteht die Aufgabe psychischer Kräfte?

3. Von wem darf die Berufsbezeichnung Psychotherapeut getragen werden?

1.8 Zusammenfassung

Die Psychologie hat sich als moderne wissenschaftliche Disziplin aus der Philosophie
entwickelt. Dank Wilhelm Wundt und der Einführung des Experiments in die Psycho-
logie , aufgrund der Orientierung an anderen Wissenschaften entwickelte sich die
Psychologie zu einer eigenen Fachdisziplin. Dabei beschäftigt sich die Psychologie
mit dem Erleben und Verhalten des Menschen. Psychische Erscheinungen, wie zum
Beispiel die Wahrnehmung, das Denken usw. zeigen auf, wie das Verhalten des Men-
schen durch sie bestimmt wird und wie unterschiedlich eine einfache Handlung moti-
viert sein kann. Die Beschäftigung mit der Psychologie kann helfen, sich und andere
besser zu verstehen. Eine der Grundvoraussetzungen für ein friedliches Miteinander
in unserer heutigen schnelllebigen Zeit.

Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiater helfen bei seelischen Problemen


und Erkrankungen. Diese drei Begriffe voneinander zu unterscheiden, ist äußerst
wichtig, damit Sie genau einschätzen können , wer wie behandeln darf.

1.9 Hausaufgabe

1. Wodurch entwickelte sich die Psychologie zu einer eigenen Fachdisziplin?

2. Zählen Sie die vier großen Richtungen der Psychologie auf!

3. Erklären Sie die Begriffe Input, Informationsverarbeitung und Output!

4. Was kann Psychologie?

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Grundlagen Psychologie Lernheft 1

1.10 Lösungen zu den Selbstlernaufgaben

1. Die Definition für Psychologie lautet: „Psychologie ist die Lehre vom Verhalten
und Erleben des Menschen.“

2. Die Aufgabe der psychischen Kräfte besteht darin, das Erleben und Verhalten so
zu steuern, dass ein gesetztes Ziel erreicht wird.

3. Die Berufsbezeichnung Psychotherapeut darf von Ärzten und Psychologen ge-


führt werden, wenn sie zusätzlich zu ihrem Grundberuf eine psychotherapeuti-
sche Zusatzausbildung abgeschlossen haben. Der Psychologe führt zusätzlich
die Bezeichnung Psychologischer Psychotherapeut und Ärzte Ärztlicher Psycho-
therapeut.

1.11 Anhang

Literaturverzeichnis:
1. Gerrig, Richard J. Zimbardo, Philip G.:
Psychologie. München 2008
2. Fröhlich, Werner D.:
Wörterbuch Psychologie. 24. Aufl., München 2002
3. Hobmair, Hermann (Hrsg.):
Altenthan, Sophia, Dirrigl, Werner, Gotthardt, Winfried, Höhlein, Rainer, Ott,
Wilhelm: Psychologie für Fachoberschulen. Köln 1994
4. Konecny, Edith, Leitner, Maria-Luise:
Psychologie. 8. Aufl., Wien 2005
5. Nolting, Hans-Peter, Paulus, Peter:
Psychologie lernen. Weinheim & Basel 1999
6. Seidel, Christoph:
Telekolleg II Psychologie. München 1989

Quellen:
www.wikipedia.de

www.bdp-verband.org