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Universität Potsdam

Helmut Assing, Lutz Partenheimer

Die Anfänge deutscher Herrschaft im Raum


Niemegk (Fläming) im 12. Jahrhundert

first published in:


Wissenschaftliche Zeitschrift der Brandenburgischen Landeshochschule
Potsdam 34 (1990), Heft 2, ISSN 0939-3986, S. 263- 270

Postprint published at the Institutional Repository of the Potsdam University:


In: Postprints der Universität Potsdam
Philosophische Reihe ; 32
http://opus.kobv.de/ubp/volltexte/2010/4086/
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:517-opus-40868

Postprints der Universität Potsdam


Philosophische Reihe ; 32
HELMUT ASSING und LUTZ PARTENHEIMER

Die Anfänge deutscher Herrschaft im Raum Niemegk (Fläming) im


12« Jahrhundert

Zusammenfassung

D i e U n t e r s u c h u n g vertieft d i e B e w e i s f ü h r u n g für d i e v o r k u r z e m a u s g e s p r o c h e n e T h e s e , d a ß der 1161


erstmals e r w ä h n t e B u r g w a r d N i e m e g k z u B e g i n n der 2 . E t a p p e d e r d e u t s c h e n O s t e x p a n s i o n w e d e r
von d e n Askaniern noch d e m Erzbistum Magdeburg okkupiert wurde, sondern v o n d e n Grafen v o n
Jabilinze, d i e auch in B e i z i g ihre Herrschaft errichteten.

Pe3H)Me

H a c T o m n e e HcaraeflOBamie yrjiyönaeT npHBeflemie jioKa3aTejiLCTB jyra He^aBHO B03HHKinero Te3Hca


o TOM, HTO npHHafljieacarnHÄ K cpejjHeBeKOBOMV 3aMKy cy^eÖHwÄ H aflMHHHCTpaTHBHMH paÄOH HH-
MeK, BnepBbie ynoMaHyraft B 1161-M rojry, B Hanajie 2 - r o 3Tana SKcnaHCHH HeMiieB Ha BOCTOK ÖLIJI
3aBoeßaH He acKaHuaMH HJIH apxHenncKoncTBOM B r. M a r j j e ö y p r e , a rpa(})aMH äpom ÄönnHHiie,
ycTaHOBHBuiHMH cBoe rocnojjCTBO TaioKe B r. E e j i w n i r e .

Summary

T h e investigation r e i n f o r c e s t h e a r g u m e n t a t i o n for t h e r e c e n t thesis that t h e castle N i e m e g k , w h i c h w a s


m e n t i o n e d for t h e first t i m e in 1 1 6 1 , w a s n o t o c c u p i e d b y t h e A s c a n i a n s n o r b y t h e archbishopric
M a g d e b u r g at t h e b e g i n n i n g of t h e s e c o n d stage of t h e G e r m a n E a s t e x p a n s i o n , b u t b y t h e c o u n t s o f
Jabilinze, w h o also e s t a b l i s h e d their p o w e r in B e l z i g .

Die Berechtigung einer derart kleinräumigen Untersuchung erwächst aus den spezifischen
Bedingungen, wie sie im Fläming in der Mitte und in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts be-
standen sowie aus den für diese Zeit überlieferten Quellen. Damals existierten im Hochflä-
ming um Belzig mehrere Burgwarde, die - Belzig vielleicht ausgenommen ) - 1161 erst- 1

mals erwähnt werden: Neben Belzig sind es Wiesenburg, Reetz oder Rädigke ), Mörz und 2

Niemegk ). Die U r k u n d e ist vom Brandenburger Bischof ausgestellt und befaßt sich u . a .
3

mit innerkirchlichen Verwaltungsfragen der hier interessierenden Gegend. Deshalb darf


geschlußfolgert werden, daß der Hochfläming bereits feudalherrlichen Gewalten unter-
stand. Soweit sie bisher bekannt sind oder erschlossen werden konnten, waren es deutsche
Fürsten oder deutsche Adelsgeschlechter: Wiesenburg gehörte möglicherweise den Her-
ren von Z e r b s t ) , Belzig den Grafen von Jabilinze ), (Treuen-)Bnetzen einem Reichs-
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ministerialengeschlecht^, das Land Jüterbog dem Erzbistum Magdeburg ), während im 7

Süden die Askanier offenbar bis Wittenberg vorgedrungen w a r e n ) . Von einem christiani- 8

sierten slawischen Fürstengeschlecht im noch wenig erkundeten Raum nördlich von

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Wittenberg ist nichts bekannt. Er dürfte auch zu klein gewesen sein, um es einem slawi-
schen Fürsten zu ermöglichen, sich der übermächtigen deutschen Konkurrenz zu erweh-
ren, so daß diese Variante ausgeschlossen werden kann. Spätestens 1161 beherrschten
demnach den Hochfläming - also auch den Raum Niemegk - deutsche Feudalgewalten.
Wer aber in Niemegk die Macht erstmals ausübte, geht aus den Quellen nicht hervor. I n
Auseinandersetzung mit anderweitigen Auffassungen bearbeitete zuletzt L. Partenheimer
den Burgward Niemegk und kam im Anschluß an Untersuchungen von H. Assing zu dem
Ergebnis, daß hier die Grafen von Jabilinze-Belzig die deutsche Herrschaft begründeten ). 9

D e r vorliegende Beitrag versteht sich als Fortsetzung und Vertiefung der von L. Partenhei-
mer geäußerten Gedanken.
Quellenmäßig sind als erste, die in Niemegk auftraten und denen anscheinend zu der Zeit
Niemegk gehörte, die askanischen Herzöge von Sachsen zu fassen: Johann und Albrecht
II. urkundeten 1272 in Niemegk ). Die Urkunde galt Abgaben im benachbarten Dahns-
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dorf, womit hinreichend belegt wäre, daß es sich um unser Niemegk handelte. Das erlaubt
allerdings nicht, die askanische Herrschaft in die Mitte des 12. Jahrhunderts vorzuverle-
gen. Vor allem deswegen nicht, weil seit 1174 ) in den Quellen Ministerialen auftauchen,
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die sich nach einem Niemegk nannten und in keinem Fall mit den sächsichen Askaniern in
Verbindung gebracht werden k ö n n e n ) . Soweit erkennbar, unterstanden sie den Erzbi-
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schöfen von Magdeburg, den Wettinern und den märkischen bzw. den seit 1212 selbständi-
gen anhaltinischen Askaniern. Das deutet schon darauf hin, daß mit mehreren Orten des
Namens Niemegk gerechnet werden muß, und genauso ist es auch. Neben dem Flämingort
gab es gleich- oder ganz ähnlich lautende Orte bei Bitterfeld, bei Burgstall (Altmark),
zwischen Loburg und Görzke sowie auf dem Barnim nordöstlich von Berlin ). Damit wäre
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natürlich zunächst offen, ob sich überhaupt einer der Belege auf unser Niemegk bezieht.
Mehrere Erwähnungen scheiden auch ziemlich sicher von vornherein a u s ) , doch nicht
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die, die auf magdeburgische Niemegk-Ministerialen hinweisen. Denn dem Burgward


Niemegk war das Land Jüterbog benachbart, das dem Erzbistum Magdeburg gehörte. I n
Verteidigung der eingangs dargelegten eigenen Auffassung wäre also zu fragen, welche
Argumente gegen eine ursprünglich askanische ) bzw. magdeburgische Herrschaft in
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Niemegk (Fläming) sprechen und wie stark die Argumente sind, die auf die Grafen von
Jabilinze-Belzig hindeuten. Darüber hinaus sei nicht vergessen, daß auch eine eventuell
vierte Variante bestanden haben könnte.
Erörtern wir zunächst die Möglichkeit einer magdeburgischen Herrschaft vor der der
Herzöge von Sachsen. Diese Zeitrelation bereitet schon genug Schwierigkeiten; es braucht
gar nicht nach der Erstherrschaft gefragt zu werden. Denn es ist kaum möglich, den Herr-
schaftswechsel vom Erzbistum Magdeburg zum Herzogtum Sachsen plausibel zu begrün-
den und gleichzeitig die magdeburgischen Niemegk-Ministerialen dem Flämingort zuzu-
ordnen. Vier Belege lassen eine magdeburgische Ministerialität erkennen: 1194 ist „Theo-
dericus de Niemeke filius Meinrici de Alesleve, ministerialis ecclesie Magdeburgensis" ), 16

1209 bezeugt ein Konrad „de Nemic" eine Urkunde Erzbischof Albrechts I I . ) , 1249 ein
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Rudolf „de Neminc" einen Vertrag zwischen dem Erzbischof Wilbrand und dem Herzog
Boleslaw von Schlesien ), schließlich 1254 wieder ein Rudolf „de N e m e k e " eine Urkunde
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Erzbischof Rudolfs ). Könnte nun ein Übergang Niemegks vom Erzbistum Magdeburg an
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die Herzöge von Sachsen zwischen 1254 und 1272 wahrscheinlich gemacht werden, spräche
nichts dagegen, die Niemegks in diesen Belegen mit dem Flämingort zu verbinden. Doch
die Beziehungen zwischen dem Erzbistum Magdeburg und den sächsischen Askaniern
waren gerade in der Zeit anscheinend recht e n t s p a n n t ^ und offenbaren obendrein finan-
2

zielle Schwierigkeiten der letzteren. Besonders aussagekräftig dürfte der Verkauf von
Beizig und Mörz an das Erzbistum aus dem Jahre 1278 sein, der erfolgte, weil die säch-
sischen Herzöge 3000 Mark Schulden beim Erzbistum h a t t e n ) . Sicher wäre das benach-
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barte Niemegk zur Sprache gekommen, wenn die Herzöge es in den Jahren zuvor
annektiert hätten. Gegen eine nicht weit zurückliegende legale Übereignung spricht aber
das Interesse Magdeburgs gerde an diesen Orten. Das Erzbistum war offenbar daran
interessiert, das Land Jüterbog durch einen Korridor mit den Besitzungen unmittelbar öst-

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lieh von Magdeburg zu verbinden. Wiesenburg war inzwischen magdeburgisch gewor-
d e n ) , ebenfalls (Treuen-)Brietzen ). Es fehlte noch der Beiziger Raum. Wäre unter die-
22 23

sen Bedingungen Niemegk vom Erzbistum an die sächsischen Askanier aus der Hand gege-
ben worden, hätte sich die geographische Breite des angestrebten Korridors dort, wo sie
schon günstig war, erheblich verschlechtert, d. h., Magdeburg hätte den eigenen strategi-
schen Zielen zuwidergehandelt. Bezieht man zusätzlich die sächsische Schuldenlast in die
Überlegungen ein, erhält ein solcher Besitzwechsel noch weniger Sinn. Die sächsischen
Askanier hätten im gleichen Raum (!) Niemegk auf Kredit erworben und dann d^für etwas
später Belzig und Mörz hingegeben. Es ist daher nicht sehr wahrscheinlich, daß nach 1254
Niemegk vom Erzbistum an die Herzöge von Sachsen kam.
Geht man aber auf der Suche nach dem Herrschaftswechsel in die Jahre oder Jahrzehnte
vor 1254 zurück, fällt es schwer, einige der erwähnten magdeburgischen Niemegk-Ministe-
rialen oder sogar - falls die Jahre vor 1194 ins Auge gefaßt werden - alle diese Ministerialen
unserem Ort zuzuordnen, da dieser nunmehr sächsisch war. Für die nach dem angenomme-
nen Herrschaftswechsel auftretenden Belege wäre ein anderer Ort zu erwägen. D a das
aber wahrscheinlich möglich ist - zu denken wäre an „Niemeck" zwischen Loburg und
G ö r z k e ) - , braucht überhaupt kein Beleg auf unser Niemegk bezogen zu werden: Was für
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die,späteren Erwähnungen gilt, muß für die früheren ohne zusätzliche Indizien nicht anders
sein! Vor allem dann, wenn die angeblich zum Flämingort gehörigen Ministerialen bei dem
neuen H e r r n , dem sächsischen Herzog, nicht mehr erscheinen.
Welche Zeit liefert nun erwägenswerte Anhaltspunkte für eine Besitzfolge vom Erzbistum
zum sächsischen Herzogtum? Es wäre eigentlich nur das Jahr 1217. Damals entbrannten
Kämpfe zwischen den askanischen Fürstenhäusern in der Mark, in Anhalt und in Sachsen,
die auf der Seite Kaiser Ottos IV. standen, und dem die Stauf er verteidigenden Erzbischof
von Magdeburg ). Erstere hatten offenbar zunächst das Übergewicht, mußten aber bald
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darauf die Sache Ottos IV. verlassen und auf die Seite der Staufer übergehen. Deshalb ist
anzunehmen, selbst wenn die Anfangserfolge einen Gebietszuwachs erbracht hätten -
wovon die Quellen jedoch nichts berichten-, daß Niemegk wieder herausgegeben worden
wäre, besonders bei einem Erzbischof wie Albrecht I I . ^ . Auch das Schweigen der Quel-
2

len darf hier als leichtes Indiz verwendet werden, da u. a. die askanisch gefärbte sächsische
Fürstenchronik die Kämpfe erwähnt, die einen bleibenden askanischen Gewinn wahr-
scheinlich gemeldet hätte. Alles in allem möchten wir daher konstatieren, daß die „Magde-
burger Variante" wenig für sich hat.
Zu den Askaniern. Sind sie schon in der Mitte des 12. Jahrhunderts aus dem Elbraum
zwischen Coswig und Wittenberg - eine andere Möglichkeit ist nicht vorhanden - nach
Norden bis Niemegk vorgestoßen? Die Grafschaft Belzig war zunächst selbständig und
wurde erst 1250/60 - nach einer längeren Phase lockerer Lehnsabhängigkeit - fest in das
seit 1180 bestehende askanische Herzogtum Sachsen einbezogen ). D a wir vor 1272 keine
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Kunde von einer sächsisch-askanischen Herrschaft in Niemegk haben, könnte hier eben-
falls ein anderer feudaler Machtbereich seiner Selbständigkeit beraubt oder ganz beseitigt
worden sein. Welche Indizien für ein frühes Vordringen der Askanier - d. h. noch unter
Albrecht dem Bären - besitzen wir? U n d wie weit reichte ihr Einfluß, wenn sie schon um
1150 vorgedrungen sein sollten, damals und in der Folgezeit nach Norden?
Anhaltspunkte liefern als erstes zwei Urkunden aus den Jahren 1215 und 1256 ). 1215 28

überließ Fürst Heinrich von Anhalt, der Bruder des sächsischen Herzogs Albrecht I., das
Dorf Lotschke - 12 km westsüdwestlich von Niemegk gelegen und heute Lehnsdorf ge-
nannt - dem von ihm gerade gegründeten Kollegiatstift in Coswig. Das Dorf war bis dahin
an den Grafen Hoy er von Falkenstein zu Lehen ausgetan. Sollte in der Lehnshoheit keine
nachträgliche herrschaftliche Überschichtung zum Ausdruck kommen, müßte der askani-
sche Verstoß in diesen Raum lange vor 1215 angesetzt werden, da die Begründung eines
Lehnsverhältnisses und dessen Aufhebung gegenüber einem so starken Adelsgeschlecht,
wie es die Falkensteiner waren, innerhalb weniger Jahre kaum glaubhaft ist. Überhaupt
spricht die ganze Einrichtung des Coswiger Stiftes 1215 für ein damaliges gespanntes Ver-
hältnis der Askanier zu den Falkensteinern ). Die Errichtung der Lehnshoheit könnte
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deshalb nur dann in diese Zeit fallen, wenn sie das Ergebnis einer herrschaftlichen Überla-
gerung wäre. Das beträfe dann aber keine vom Raum Niemegk aus agierende Feudalge-
walt. Wegen der Rechte und Besitzungen der Falkensteiner in Coswig müßten sie ebenfalls
aus dem Elbraum nach Norden vorgestoßen sein.
Auch die Urkunde von 1256 beinhaltet eine Besitzübertragung an das Coswiger Stift. Sie
galt den Dörfern Dannenberg und Hagenow zwischen Danna und Feldheim ), 15 km süd-
30

östlich von Niemegk. Ausgestellt war die Urkunde diesmal von dem sächsischen Herzog
Albrecht I., doch erneut erscheinen die Falkensteiner als Lehnsträger. Sie hatten aller-
dings das Dorf weiterverliehen, aber nicht an einen ihrer Ministerialen, sondern an einen
Getreuen („fidelis noster") des sächsischen Herzogs. Dieser nahm die Übertragung der
Dörfer vor. Die Falkensteiner sind nur kurz erwähnt und fehlen auch in der Zeugenliste.
Die Urkunde stellt deshalb wohl den letzten Akt einer völligen Ausschaltung der Falken-
steiner dar: Zuerst wurde ihnen eine Afterbelehnung an einen sächsisch-askanischen Ge-
treuen aufgezwungen, danach gingen ihnen die Dörfer ganz verloren. Auch ein von „oben"
aufgezwungenes Lehnsverhältnis dürfte demnach weit vor 1256 entstanden sein. A m sinn-
vollsten ist es sicher, unabhängig davon, wie das Lehnsverhältnis begründet worden ist, da-
für spätestens die Jahre vor 1212 anzusetzen, als die anhaltinischen und sächsischen Besit-
zungen der Askanier unter Herzog Bernhard, dem Vater Heinrichs von Anhalt und Al-
brechts I. von Sachsen, noch vereinigt w a r e n ) .
31

Nicht weit von Lotsche-Lehnsdorf entfernt - wir erörtern damit über die beiden Urkunden
hinaus zusätzliche Indizien bezüglich des Vordringens der Askanier - sind in Wahlsdorf
zwischen Klein- und Groß-Marzehns ), ungefähr 10 km südwestlich von Niemegk, für
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1376 anhaltinische Rechte b e k a n n t ) . Die Nähe zu Lehnsdorf, ferner die genaue Einord-
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nung in die Linie Lehnsdorf-Dannenberg/Hagenow und die Tatsache, daß sich die anhalti-
nischen Rechte in Wahlsdorf wie auch die in Lehnsdorf unter sächsisch-askanischem Druck
befanden ), erlauben die A n n a h m e , daß es sich hier höchstwahrscheinlich um ältere aska-
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nische Besitzrechte handelt, die ebenfalls vor 1212 entstanden sein dürften. Hinweise auf
eine einstige anhaltinische Landesherrschaft und damit auf frühe askanische Rechte liefert
auch eine Wahlsdorf benachbarte Wendemark zwischen Klepzig und Groß- bzw. Klein-
M a r z e h n s ) , so daß Klepzig, das zwischen der Wendemark bzw. Wahlsdorf und Lehnsdorf
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liegt, zunächst wohl genauso den Anhaltinern gehörte. Wir können also ein flächenhaftes
askanisches Vordringen vor 1212 mindestens bis 10-12 km südwestlich von Niemegk fas-
s e n ) , das auch - bei ungefähr gleichem Abstand zu Niemegk - die Gegend bis Danna/
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Feldheim eingeschlossen haben wird. Wenn nun die Falkensteiner erst belehnt worden
sein sollten, nachdem die Askanier diesen Raum okkupiert hatten, hätte die Belehnung so-
gar - darauf wurde ja aufmerksam gemacht - weit vor 1212 stattgefunden. Vor allem unter
einer solchen Bedingung wäre ein askanischer Vorstoß bis Niemegk schon um 1150 nicht
ohne weiteres abzulehnen. Doch einige Indizien, auf die jetzt einzugehen ist, sprechen da-
gegen.
Anzeichen für vier frühdeutsche Burgen auf engem Raum zwischen Rädigke und Raben ),
unmittelbar nördlich bzw. östlich der erwähnten askanischen „Alt"-Rechte, deuten auf
feudale Interessengegensätze und damit auf eine Grenzlage hin, die durch die noch 1251
bestehenden recht souveränen Rechte der Beiziger Grafen am oberen Planelauf bei Raben
und R ä d i g k e ) unterstrichen wird. Nun ist zwar die Burgenhäufung vorrangig ein weiteres
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Indiz dafür, daß die Grafschaft Beizig ursprünglich unabhängig w a r ) , aber genau in
39

diesem Burgengebiet lag Neu-Niemegk, das bereits 1388 wüst war ) und insofern wohl zur
Siedlungsbewegung des 12./13. Jahrhunderts gehörte, die die damaligen Herrschafts-
bildungen unterstützen sollte. Offenbar zielten von Niemegk aus Siedlungsbemühungen
nach Südwesten, die demnach gegen einen von Süden vordringenden feudalen Gegner
gerichtet gewesen sein könnten. Zumindest paßt eine derartige Siedlungspolitik schlecht
zu einer Herrschaftsbegründung in Niemegk von Süden aus. Noch deutlicher wird dies bei
unmittelbar östlich benachbarten Dörfern. Dort lagen sich im Mittelalter zwei Neuendorfs
in nord-südlicher Richtung gegenüber ). Eine plausible Erklärung dürfte sein, daß eines
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der Dörfer von Süden, das andere von Norden aus gegründet wurde, so daß hier wieder ge-

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geneinander gerichtete Siedlungsbemühungen zu erkennen wären. Unterstützt werden
diese Überlegungen durch eine wohl noch überzeugendere Beobachtung. Die anfangs er-
wähnte Urkunde von 1161 und mehrere nachfolgende U r k u n d e n ) grenzen innerhalb des
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Bistums Brandenburg die Archidiakonatsrechte des Domkapitels Brandenburg von denen


des Klosters Leitzkau ab. Von Interesse ist dabei der Abschnitt zwischen Belzig/Niemegk
im Norden, dem Brandenburger Archidiakonat zugehörig, und Coswig/Wittenberg/Do-
bien im Süden, dem Leitzkauer Archidiakonat zugehörig. Dazwischenliegende Orte sind
in diesen Urkunden nicht erwähnt, wenn man davon absieht, daß der eine Grenzburgward
vielleicht in Rädigke l a g ) . Rädigke wäre dann auf Brandenburger Seite ausgewiesen; auf
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unsere Frage hat das keinen Einfluß. Es bleibt die Fesstellung, daß mitten durch den Flä-
ming - ohne erkennbare Berücksichtigung natürlicher Gegebenheiten - eine Archidiako-
natsgrenze gezogen wurde, die mit Hilfe späterer Quellen - unter Beachtung der relativen
(!) Konstanz kirchlicher Verwaltungsmaßnahmen in den Jahrhunderten nach Abschluß
der Hauptokkupationsphase - ungefähr rekonstruiert werden kann. Eine sicher unvoll-
ständige Matrikel des Brandenburger Archidiakonats von etwa 1500 läßt als zugehörige
Pfarren im interessierenden Grenzbereich nur Raben, Rädigke und Hohenwerbig erken-
n e n ) . Eine entsprechende Matrikel fürs Leitzkauer Archidiakonat besitzen wir nicht, je-
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doch eine recht genaue Sedeseinteilung des Bistums aus der Zeit um 1450 ). Auf Grund 45

der erwähnten Brandenburger Archidiakonatsmatrikel dürfte die Archidiakonatsgrenze


südlich von Niemegk ungefähr mit der dortigen Grenze zwischen den Sedes Beizig und
Wittenberg gleichgesetzt werden. Zur Sedes Beizig zählten Raben mit Lehnsdorf und
Klepzig, Rädigke, Niemegk mit Neuendorf, Hohenwerbig mit Zixdorf ) sowie Pflügkuff 46

mit Z e u d e n ) . Die Sedes Wittenberg umfaßte dagegen u. a. Klein-Marzehns - jedoch


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kirchlich Rädigke in der Sedes Beizig unterstellt-, G a r r e y ) , ebenfalls Rädigke unter-


47a

stellt, Boßdorf, L o b b e s e ) , Marzahna mit Schmögelsdorf ), Feldheim mit Schwabeck


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und D a n n e n b e r g ) sowie schließlich D a n n a . ) .


50 51

Diese Grenze deckt sich ziemlich genau mit den bisherigen Indizien für das frühe Vordrin-
gen der Askanier bzw. der Falkensteiner. Kleine Abweichungen zeigen sich bei Lehnsdorf,
Klepzig, Garrey und Klein-Marzehns, wobei die Informationen zu den beiden letzten Or-
ten deutlich machen, daß die Abweichungen später entstanden sind: Ihre Sedeszugehörig-
keit war nicht die von Rädigke, so daß sie wohl einst selbst eine Mutterkirche besaßen. Die
danach erfolgte Zuordnung zu Rädigke ließe sich mit den spätmittelalterlichen Besitz-
strukturen erklären, da Rädigke, Garrey und Klein-Marzehns damals ganz oder vornehm-
lich an den Vogt bzw. den Amtmann auf Burg Rabenstein zinsten ). Ähnliches ist für
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Lehnsdorf und Klepzig a n z u n e h m e n ) . Die in die Zeit um 1200 weisende stattliche Kirche
53

in Lehnsdorf wird einst bestimmt Mutterkirche gewesen sein. Die Sedeszugehörigkeit wirft
allerdings noch Fragen a u f ) . Trotzdem möchten wir doch wohl berechtigt vermuten, daß
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die erstmals 1161 sichtbar werdende Archidiakonatsgrenze damals im wesentlichen Herr-


schaftsbereiche trennte, die einerseits von Norden, andererseits von Süden begründet wor-
den waren. Das würde bedeuten, daß die Askanier nicht als erste deutsche Herren in Nie-
megk anzusehen wären. Überhaupt scheidet damit eine von Süden ausgehende Herr-
schaftsbildung in Niemegk aus, so daß auch die Falkensteiner, wenn ihre Rechte im
Fläming das Ergebnis einer eigenständigen Okkupation w a r e n ) , dort nicht zuerst
55

gewesen sein können.


War Niemegk ursprünglich eine eigene Herrschaft? Eine Antwort wäre ganz auf Indizien
angewiesen, die aber fast ebenso fehlen wie die Quellenbelege. Eine Überlegung hilft et-
was weiter und rät von einer solchen Annahme ab. Hätten die sächsichen Askanier ein dort
sitzendes selbständiges Adelsgeschlecht von sich abhängig gemacht, wäre damit zu rechnen
gewesen, daß dessen Vertreter danach in sächsich-askanischen Urkunden als Zeugen auf-
treten würden. Doch gerade den sächsischen Askaniern kann nicht einer der recht zahl-
reich in den Quellen erscheinenden Niemegk-Ministerialen zugeordnet werden, so daß die
Ausgangsfrage am besten verneint werden sollte.
So blieben die Grafen von Beizig, deren Herrschaft, wie erwähnt, in der Mitte des 13. Jahr-
hunderts zumindest bis zum Oberlauf der Plane reichte, von dem Niemegk nur 2 km ent-

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fernt liegt, als diejenigen, auf die die dortige deutsche Herrschaft zurückgeht. Unter dieser
Voraussetzung hätte sich wahrscheinlich ebenfalls keiner der bekanntgewordenen Nie-
megks nach dem Flämingort genannt. Das wäre aber verständlich, da die Grafen von Bei-
zig zu den kleineren selbständigen Feudalgewalten zählten, die wenig Urkunden ausstell-
ten und deren Ministerialen unbedeutender waren als die der großen Herren. Eine solche
Interpretation hätte allerdings zur Folge, die Heraushebung des Burgwards Niemegk 1161
nicht aus den jungen deutschen Verhältnissen zu erklären, sondern aus seiner Bedeutung
in spätslawischer Zeit. D e m steht zwar entgegen, daß die für diese Zeit typische Keramik
(noch) fehlt ), doch wäre für den Fläming auch mit der Möglichkeit zu rechnen, daß die
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sag. mittelslawische Keramik bis ins 12. Jahrhundert in Gebrauch w a r ) . 57

Wir möchten also L. Partenheimers Ergebnis, daß der Burgward Niemegk nach der Okku-
pation durch den deutschen Feudaladel zunächst Teil der Grafschaft Beizig war, bekräfti-
gen. O b er eventuell eher an die sächsischen Askanier gelangte als die übrige Herrschaft,
läßt sich nicht feststellen. Jedenfalls stammen die askanischen Zeugnisse für Niemegk erst
aus den Jahren nach dem E n d e der Beiziger Grafschaft. Angesichts der 1227 betonten ver-
trauten Verwandtschaft („ex dilecti consanguinei n o s t r i . . . interventu" ) liegt eine partiel- 58

le Entfremdung Beiziger Rechte vor dem Ende der Grafendynastie u. E. weniger im Be-
reich des Möglichen als eine danach vollzogene Übernahme der gesamten Herrschaft.

ANMERKUNGEN:

*) S i e h e d a z u z.B. HERRMANN, J. I n : B r a n d e n b u r g i s c h e s N a m e n b u c h , T e i l 2 : D i e O r t s n a m e n d e s
K r e i s e s B e i z i g . - W e i m a r 1970. - S. 10 f.
2
) D i e S c h r e i b w e i s e in der in A n m . 3 aufgeführten U r k u n d e ist e t w a s u n g e n a u . Z u r P r o b l e m a t i k
s i e h e z. B . HERRMANN, J.: D i e vor- u n d frühgeschichtlichen B u r g w ä l l e G r o ß - B e r l i n s u n d d e s Bezir-
k e s P o t s d a m . - Berlin 1960. - S. 128 f. ( N r . 42 u n d 43)
3
) C o d e x diplomaticus B r a n d e n b u r g e n s i s , hrsg. v o n A . F . RIEDEL, 1. H a u p t t e i l , B d . 8 (künftig:
C D B , A 8; spätere A b k ü r z u n g e n für a n d e r e B ä n d e a n a l o g ) . - Berlin 1847. - S. 104
4
) PARTENHEIMER, L . : D e u t s c h e Herrschaftsbildung im F l ä m i n g w ä h r e n d d e s 12. u n d 13. Jahrhun-
derts. - D i s s e r t a t i o n A . P o t s d a m 1988. - S. 13 ff.
5
) Z u l e t z t : E b e n d a , S. 2 4 ff.; ASSING, H . : N e u e Ü b e r l e g u n g e n zur ursprünglichen F u n k t i o n d e s K l o -
sters L e h n i n . - I n : Jahrbuch für G e s c h i c h t e d e s F e u d a l i s m u s , B d . 10 ( 1 9 8 6 ) , S. 104 ff.
6
) ASSING, H./PARTENHEIMER, L . : W a r T r e u e n b r i e t z e n i m 1 2 . Jahrhundert Z e n t r u m einer selbständi-
g e n A d e l s h e r r s c h a f t ? - I n : W i s s . Z s . der P ä d a g o g i s c h e n H o c h s c h u l e „Karl L i e b k n e c h t " P o t s d a m ,
Jg. 2 9 ( 1 9 8 5 ) , H e f t 2 , S. 2 7 6 ff.
7
) V e r w i e s e n sei nur auf d i e b e k a n n t e G r ü n d u n g d e s Klosters Z i n n a nördlich v o n J ü t e r b o g durch
E r z b i s c h o f W i c h m a n n u m 1170
8
) A u s e i n e r U r k u n d e v o n 1196 g e h t h e r v o r , d a ß A l b r e c h t d e r B ä r die K i r c h e n in W o r g e l e z u n d B r o t e
( w o h l W ö r l i t z u n d Pratau südlich der E l b e ) g e g r ü n d e t hat ( C o d e x d i p l o m a t i c u s A n h a l t i n u s , hrsg.
v o n O . v. HEINEMANN, B d . 1 (künftig: C D A I ) , D e s s a u 1 8 6 7 - 1 8 7 3 , N r . 7 1 1 )
9
) PARTENHEIMER, L . : D e u t s c h e Herrschaftsbildung ( w i e A n m . 4 ) , S. 5 0 ff. D o r t sind auch d i e Beiträ-
g e v o n H . ASSING verarbeitet
1 0
) U r k u n d e n der C o m m e n d e d e s d e u t s c h e n R i t t e r o r d e n s zu D a n s d o r f i m e h e m a l i g e n kursächsischen
A m t e B e i z i g , hrsg. v o n F. T h . MÜHLMANN. I n : N e u e M i t t e i l u n g e n aus d e m G e b i e t e historisch-anti-
quarischer F o r s c h u n g e n , B d . 15 ( 1 8 8 2 ) , N r . 7
1 2
) Ü b e r b l i c k ü b e r die E r w ä h n u n g e n (einschließlich d e r e n A n a l y s e ) bei PARTENHEIMER, L . : D e u t s c h e
Herrschaftsbildung ( w i e A n m . 4 ) . - S. 5 2 ff.
1 3
) Ebenda
1 4
) Ebenda
1 5
) E i n e Spezifizierung (anhaltinisch, sächsisch u s w . ) s c h e i d e t bei dieser F r a g e a u s , da alle askani-
s c h e n R e c h t e in der M i t t e d e s 12. Jahrhunderts in der H a n d A l b r e c h t s d e s B ä r e n vereinigt w a r e n .
C D A I, N r . 6 8 6
C D A I, N r . 778
C D B A 2 4 , Berlin 1 8 6 3 , S. 338
) U r k u n d e n b u c h d e s Klosters B e r g e bei M a g d e b u r g , hrsg. v o n H . HOLSTEIN ( = G e s c h i c h t s q u e l l e n
der Provinz S a c h s e n , B d . 9 ) , H a l l e 1 8 7 9 , N r . 110
2 0
) PARTENHEIMER, L . : D e u t s c h e Herrschaftsbildung ( w i e A n m . 4 ) , S. 65 f.
2 1
) C D B , A 1 0 , Berlin 1856, S. 4 5 2
2 2
) PARTENHEIMER, L . : D e u t s c h e Herrschaftsbildung ( w i e A n m . 4 ) , S. 13 ff.
2 3
) ASSING, H./PARTENHEIMER, L . : T r e u e n b r i e t z e n ( w i e A n m . 6 ) , S. 277 ff.

268
2 4
) L o b u r g war m a g d e b u r g i s c h ( B e l e g e b e i PARTENHEIMER, L . : D e u t s c h e Herrschaftsbildung ( w i e
A n m . 4 ) , A n m . 1 5 0 ) ; d i e askanische Herrschaft e n d e t offenbar unmittelbar w e s t l i c h u n d südlich
v o n G ö r z k e (ASSING, H . : N e u e Ü b e r l e g u n g e n (wie A n m . 5 ) , S. 103)
2 5
) E i n e n Ü b e r b l i c k ü b e r d i e Q u e l l e n b i e t e n die R e g e s t e n der M a r k g r a f e n v o n B r a n d e n b u r g aus aska-
n i s c h e m H a u s e ( b e a r b . v o n H . KRABBO, 2. Lieferung, L e i p z i g 1 9 1 1 , N r . 5 6 1 )
2 6
) Z u s e i n e m militärischen E n g a g e m e n t s i e h e PARTENHEIMER, L . : D e u t s c h e Herrschaftsbildung ( w i e
' A n m . 4 ) , S . 64
2 7
) Z u m P r o z e ß der E i n b e z i e h u n g der Grafschaft B e l z i g in das H e r z o g t u m S a c h s e n s i e h e (mit w e i t e -
ren L i t e r a t u r b e l e g e n ) ASSING, H./PARTENHEIMER, L . : W e m g e h ö r t e z w i s c h e n 1150 u n d 1250 die
Herrschaft M ö r z ? I n : W i s s . Z s . der P ä d a g o g i s c h e n H o c h s c h u l e „Karl L i e b k n e c h t " P o t s d a m , Jg.
31(1987),Heft2,S.242f.
} C D A II, D e s s a u 1875, N r . 14 (1215) u n d N r . 2 2 3 (1256)
2 8

) D i e F a l k e n s t e i n e r h a t t e n d e n Standort d e s Kollegiatstiftes v o n d e n A s k a n i e r n zu L e h e n . ( D i e s
2 9

wird in e i n e r w e i t e r e n U r k u n d e v o n 1215 deutlich a u s g e s p r o c h e n : C D A II, N r . 19) D a r ü b e r h i n a u s


b e s a ß e n sie aber bis 1216 H ä u s e r in C o s w i g , die a n s c h e i n e n d nicht v o n d e n A s k a n i e r n z u L e h e n
g i n g e n ; w e n i g s t e n s e r w ä h n t e i n e U r k u n d e v o n 1216 k e i n e a s k a n i s c h e L e h n s h o h e i t ( C D A II, N r .
2 1 ) . A u c h h a t t e n die F a l k e n s t e i n e r n o c h 1215 das Patronatsrecht g e g e n ü b e r der C o s w i g e r Pfarrkir-
c h e ( C D A II, N r . 19). 1230 s c h e n k e n j e d o c h die A s k a n i e r die C o s w i g e r Pfarrkirche d e m Kollegiat-
stift u n d e r w ä h n e n die R e c h t e der F a l k e n s t e i n e r mit k e i n e m W o r t m e h r ( C D A II, N r . 103). D e r
g a n z e V o r g a n g e r w e c k t d e n Eindruck einer schrittweisen V e r d r ä n g u n g der F a l k e n s t e i n e r aus C o s -
wig mit Hilfe d e s Kollegiatstiftes.
) Z u r L a g e s i e h e WILLNOW R . : D i e O r t s n a m e n d e s K r e i s e s W i t t e n b e r g . - D i s s e r t a t i o n A . L e i p z i g
3 0

1971, Ü b e r s i c h t s k a r t e u n d S. 9 0 , 1 0 1
) S o auch s c h o n ASSING, H . : Z u m A u s m a ß der askanischen Territorialpolitik d e s 12. Jahrhunderts
3 1

im H o h e n F l ä m i n g u n d in s e i n e n R a n d g e b i e t e n . In: Jahrbuch für R e g i o n a l g e s c h i c h t e , 10. B d .


( 1 9 8 3 ) , S. 150 mit A n m . 8 9
) Z u r L a g e s i e h e H i s t o r i s c h e s O r t s h x i k o n für B r a n d e n b u r g , T e i l V : Z a u c h - B e l z i g , b e a r b . v o n P . P .
3 2

ROHRLACH (zukünftig: H O L V ) , W e i m a r 1977, S. 446


) D a s L a n d b u c h d e s A m t e s C o s w i g v o n 1566 berichtet zu 1376, d a ß J o h a n n v o n A n h a l t H e b u n g e n
3 3

aus W a h l s d o r f an das C o s w i g e r Stift ü b e r w i e s ( D i e anhaltinischen L a n d - u n d A m t s r e g i s t e r d e s 16.


Jahrhunderts, Teil III, b e a r b . v o n R. SPECHT ( = G e s c h i c h t s q u e l l e n der Provinz S a c h s e n u n d d e s
Freistaates A n h a l t , N e u e R e i h e , B d . 2 1 ) , M a g d e b u r g 1940, S. 5 7 )
} B e i d e O r t e g i n g e n vor 1426 b z w . vor 1506 an Kursachsen ü b e r ( H O L V , S. 2 2 3 , 4 4 6 )
3 4

) D i e anhaltinischen L a n d - u n d A m t s r e g i s t e r ( w i e A n m . 3 3 ) , S. 5 4 . Z u r L a g e s i e h e H O L V , S. 4 5 2
3 5

j W e i t e r e S p u r e n w e i s e n auf C o s w i g als e i n e n der A u s g a n g s p u n k t e : Z u 1224 sind askanische R e c h t e


3 6

in Pülzig ( C D A II, N r . 7 1 ) , z u 1228 in Senst ( C D A II, Nr. 9 4 ) u n d z u 1265 in K ö s e l i t z ( C D A II, N r .


3 0 0 , 3 0 1 , 3 0 4 ) bezeugt.
) S i e h e d a z u HERRMANN, J . : B u r g w ä l l e ( w i e A n m . 2 ) , S. 127 f. ( N r . 3 9 bis 4 2 ) . E s gibt aber keinerlei
3 7

H i n w e i s e , d a ß N r . 40 der „ m i ß l u n g e n e Vorläufer" v o n B u r g R a b e n s t e i n war. D i e hier d a r g e l e g t e n


G e d a n k e n lassen e i n e s e l b s t ä n d i g e A n l a g e v e r m u t e n .
) C D B , A 10, S. 206
3 8

) In d e n bisherigen A r b e i t e n v o n H . ASSING u n d L . PARTENHEIMER zur U n a b h ä n g i g k e i t der B e i z i g e r


3 9

Herrschaft spielte d i e s e s Indiz n o c h k e i n e R o l l e .


40\
HOLV,S.309f.
41
) D a s h e u t i g e N e u e n d o r f südlich v o n N i e m e g k und e i n e W ü s t u n g nördlich v o n Garrey ( H O L V ,
S. 3 1 0 )
4 2
) PARTENHEIMER, L . : D e u t s c h e Herrschaftsbildung (wie A n m . 4 ) , S. 5 f., gibt e i n e n Ü b e r b l i c k ü b e r
diese Urkunden. Ein Vergleich macht Kompetenzstreitigkeiten zwischen Kloster Leitzkau und
d e m D o m k a p i t e l sichtbar, die hier aber wahrscheinlich nicht v o n B e l a n g sind.
4 3
) Siehe dazu A n m . 2 !
u
) C D B , A 8, S. 459
4 5
) A b g e d r u c k t bei CURSCHMANN, F . : D i e D i ö z e s e B r a n d e n b u r g . - L e i p z i g 1906, S. 3 9 4 ff. D e r D r u c k
beruht auf einer Handschrift aus d e m 16. Jahrhundert, die aber w o h l e i n e n älteren Z u s t a n d aus der
Z e i t u m 1450 w i d e r s p i e g e l t . S i e h e d a z u H O L V , S. 5 0 6 f.
4 6
) B e i d e O r t e l i e g e n u n m i t t e l b a r östlich der g e n a n n t e n W ü s t u n g N e u e n d o r f .
4 7
j Sie s c h l i e ß e n sich östlich an Zixdorf an.
4 7 a
) Östlich n e b e n K l e i n - M a r z e h n s g e l e g e n .
4 8
} Südlich v o n Z e u d e n g e l e g e n
4 9
) B e i d e O r t e liegen südlich b z w . südöstlich v o n Pflügkuff.
5 0
) Sie s c h l i e ß e n sich östlich a n M a r z a h n a an.
5 1
) Z u r S e d e s z u g e h ö r i g k e i t s i e h e CURSCHMANN, F . : D i ö z e s e ( w i e A n m . 4 5 ) , S. 397 u n d 4 1 1 . D i e durch
„mit" kenntlich g e m a c h t e n O r t e b e s a ß e n damals nur T o c h t e r k i r c h e n .
5 2
) HOL V , S . 343,123,258
5 3
) A u c h sie entrichteten s p ä t e s t e n s im 15. Jahrhundert A b g a b e n an die B u r g R a b e n s t e i n ( H O L V ,
S. 1 9 3 , 2 2 3 ) .
5 4
) Z u b e a c h t e n ist, d a ß d i e S e d e s e i n t e i l u n g w o h l jünger als die A r c h i d i a k o n a t s g r e n z e ist u n d auf
s p ä t e r e n Herrschaftsstrukturen b e r u h e n k ö n n t e .

269
') D i e s e V a r i a n t e , der anderweitig n a c h g e g a n g e n w e r d e n soll, halten wir s o g a r für die wahrschein-
lichere. Ihr widerspricht nicht v o n v o r n h e r e i n , d a ß z. B . in Pülzig, K ö s e l i t z , Senst u n d Wahlsdorf
zwar a s k a n i s c h e , aber k e i n e R e c h t e der F a l k e n s t e i n e r e r k e n n b a r sind. D a s s c h n e l l e Ü b e r g e h e n der
Patronatsrechte der F a l k e n s t e i n e r i n C o s w i g z w i s c h e n 1215 u n d 1230 ( A n m . 2 9 ) m a h n t zur V o r -
sicht.
') S i e h e HERRMANN, J.: B u r g w ä l l e ( w i e A n m . 2 ) , S. 127 (Nr. 38)
) D a z u z. B . GREBE, K./GUSTAVS, S . : E i n e mittelalterliche B u r g s t e l l e v o n L ü s s e , Kr. B e i z i g . I n : A u s -
g r a b u n g e n u n d F u n d e , B d . 2 4 ( 1 9 7 9 ) , S. 9 2 f.
]
) U r k u n d e n der C o m m e n d e d e s d e u t s c h e n R i t t e r o r d e n s ( w i e A n m . 1 0 ) , N r . 1

Anschrift der Verfasser:

D o z . D r . sc. H . AssiNG/Dr. L . PARTENHEIMER


P ä d a g o g i s c h e H o c h s c h u l e „Karl L i e b k n e c h t " P o t s d a m
Sektion Geschichte
A m N e u e n Palais
Potsdam-1571

270