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Krefeld:Mögliche Verursacher des Affenhausbrandes melden sich

Die Polizei hat mehrere Personen vernommen, die im Zusammenhang mit


dem Brand im Krefelder Zoo stehen könnten. Bei dem Feuer im Affenhaus
starben mehr als 30 Tiere.
1. Januar 2020, 17:27 UhrAktualisiert am 1. Januar 2020, 18:34 UhrQuelle: ZEIT
ONLINE, dpa, AFP,

Das zerstörte Affenhaus des Krefelder Zoos © picture alliance / Christoph Reichwein / dpa/dpa
Nach dem Feuer im Krefelder Zoo mit etlichen toten Menschenaffen haben sich
mögliche Verursacher bei der Polizei gemeldet. "Die Polizei hat die Personen
vernommen und wird ihre Angaben überprüfen", teilten die Ermittler mit. Da die
Überprüfung einige Zeit dauere, würden zunächst keine weiteren Informationen zu den
Tatumständen und den Verdächtigen gegeben. Der Zoo bleibt auch am Donnerstag
geschlossen.
Die Polizei vermutet, dass eine Himmelslaterne das Feuer in der Silvesternacht
ausgelöst haben könnte. Diese schwebenden Leuchtkörper sind in Deutschland
verboten. Mehrere von ihnen, teils auch mit handschriftlichen Zetteln daran, waren
in Krefeld sichergestellt worden. Die Verdächtigen haben sich nach Angaben des
Polizeipräsidiums Krefeld nach einer Pressekonferenz zu dem Feuer in der
niederrheinischen Stadt an die Ermittler gewandt.
Die Feuerwehr berichtete, Anwohner hätten um 0.38 Uhr über den Brand informiert.
Die Einsatzkräfte seien wenige Minuten später vor Ort gewesen, doch bei ihrem
Eintreffen habe das Affenhaus bereits voll in Brand gestanden. Ein Übergreifen auf
angrenzende Zooteile wurde verhindert, am Affenhaus war laut Einsatzleiter Kai
Günther jedoch "nichts mehr zu retten".
Das Feuer hatte das Affentropenhaus des Krefelder Zoos komplett zerstört. Fast alle
Tiere, die in dem rund 2.000 Quadratmeter umfassenden Gebäude lebten, starben nach
Angaben des Zoos in dem Feuer. "Unsere schlimmsten Befürchtungen sind Realität
geworden", hatte der Zoo am frühen Mittwochmorgen auf seiner Facebook-Seite
berichtet.

Zwei Schimpansen überlebten


Mehr als 30 Tiere sind in den Flammen gestorben, darunter acht Menschenaffen, wie
Zoodirektor Wolfgang Dreßen sagte. Demnach kamen fünf Borneo-Orang-Utans, ein
westafrikanischer Schimpanse und zwei Flachlandgorillas ums Leben. In dem 1975
eröffneten Haus, das bis auf das Grundgerüst niederbrannte, lebten neben Orang-Utans,
Schimpansen und zwei alten Gorillas nach Angaben der Zoo-Website auch Krallenaffen
und Nagetiere der Gattung Aguti sowie freifliegende Vögel und Epauletten-Flughunde.
Auch diese Tiere kamen im Feuer ums Leben. Eine genaue Bilanz will der Zoo zu einem
späteren Zeitpunkt vorlegen. Unter den toten Tieren ist auch der älteste Zuchtgorilla
Europas, der 48 Jahre alte Massa.
Eigentlich sei davon auszugehen gewesen, dass kein Tier das Feuer überleben könne,
sagte der Einsatzleiter weiter. Nachdem sie jedoch Geräusche aus dem Gebäude hörten,
seien Feuerwehrleute gemeinsam mit Zoomitarbeitern hinein gegangen. "Es grenzt an
ein Wunder: Zwei Schimpansen haben diesen Feuermoloch überlebt", sagte Zoodirektor
Dreßen. Dabei handele es sich um das ältere Weibchen Bally und das junge Männchen
Limbo. Beide hätten lediglich leichte Brandverletzungen erlitten und seien in einem
bislang ungenutzten Gehege im Gorillagarten untergebracht worden, der an das
Affenhaus angrenzt.
Für Bally und Limbo bedeute der Vorfall "ein extremes Trauma", sagte Dreßen. Auch die
im Gorillagarten lebenden Tiere seien "stark beeinträchtigt" worden. Derzeit verhielten
sie sich aber unauffällig.
Der Gorilla-Garten des Zoos, in dem Westliche Flachlandgorillas gehalten werden, blieb
nach Angaben des Zoos von den Flammen verschont. Eine junge Gorillafamilie mit
sieben Mitgliedern überlebte das Feuer in dem Freigehege, das an das Affenhaus grenzt,
wie der Zoo bekannt gab.
Feuer im Krefelder Zoo - Affenhaus brennt komplett niederEin Feuer hat in der
Nacht das Affenhaus des Zoos komplett zerstört, mehr als 30 Tiere starben. Die Polizei
vermutet fahrlässige Brandstiftung durch Himmelslaternen. © Foto: Christoph
Reichwein/dpa
Himmelslaternen waren vermutlich der Auslöser
Auslöser für das Feuer waren vermutlich Himmelslaternen. Zeugen hätten ausgesagt,
dass sie in der Silvesternacht solche Laternen am Himmel im Umfeld des Zoos gesehen
hätten, sagte Gerd Hoppmann von der Krefelder Kriminalpolizei bei der
Pressekonferenz. Die Ermittler hätten außerdem in der Nähe drei solche
Himmelslaternen am Boden gefunden.
Himmels- oder Wunschlaternen bestehen aus dünnem Seidenpapier und einer Kerze
oder einem Behälter mit Brennpaste in der Mitte. Werden sie entzündet, können sie
weit durch die Luft schweben. Hoppmann betonte, die Laternen seien seit 2009 in
Nordrhein-Westfalen verboten.
Zwar liefen die Ermittlungen noch. "Unter Vorbehalt" erscheine es jedoch "sehr
naheliegend, dass diese Fackeln ursächlich sind", sagte Hoppmann. Es gebe einen engen
zeitlichen Zusammenhang zwischen der Sichtung der Laternen und der Meldung von
Feuer am Dach des Affenhauses. Sollte sich die Vermutung erhärten, sei von
fahrlässiger Brandstiftung auszugehen.

Tierschutzbund fordert Verbotszonen für Feuerwerk


 Der Deutsche Tierschutzbund forderte eine Feuerwerksverbotszonen im Umkreis von
Zoos. Auch in der Nähe von Tierheimen und landwirtschaftlichen Betrieben müsse das
Entzünden von Feuerwerk verboten werden, sagte der Artenschutzexperte des
Tierschutzbunds, James Brückner.

Was steckt dahinter? Alles über die Umfrage

Eine Mehrheit der Deutschen hatte sich vor Silvester für ein Böllerverbot
ausgesprochen. In einer von den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland
veröffentlichten Umfrage sprachen sich 57 Prozent der vom Meinungsforschungsinstitut
YouGov befragten Bundesbürger dafür aus, Böller zum Jahreswechsel zu verbieten.
Gegen ein solches Verbot waren 36 Prozent, unschlüssig zeigten sich sieben Prozent.
Vor allem Umweltschützer plädieren für einen Verzicht auf das Feuerwerk zum
Jahreswechsel.