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2.

Jänner

Jesus Christus ist die Mitte: „Bleibt in mir“


Die Verbindung mit Christus
Der Täufer – Vorbild der Nachfolge des Herrn

WIR HABEN ein neues Jahr begonnen. Jesus Christus ist der Herr der Zeit, der Geschichte,
und wir wollen, dass er auch das Zentrum unseres Lebens ist. Eine neue Etappe tut sich auf,
um zu lieben, zu dienen, um den Weg in seiner Gegenwart zu durchlaufen. Wir hoffen, dass
auch in diesem Jahr „alles immer mehr um seine Person kreist“ (1). Das Kommen des
Messias „ist qualitativ das wichtigste Ereignis der Geschichte, der es ihren letzten und vollen
Sinn verleiht“ (2). Er erfüllt unsere Tage und die ganze Existenz des Christen. In diesen ersten
Tagen vertrauen wir seiner göttlichen Vorsehung die Träume und Hoffnungen an, die wir für
dieses Jahr hegen, das wir beginnen.

Die zentrale Stellung Jesu Christi, wird vom Herrn selbst im Evangelium des heiligen Johan-
nes mit den Worten „bleibt in mir“ zum Ausdruck gebracht. Der geliebte Jünger ist neben
dem Herrn im Abendmahlssaal gegenwärtig und hörte dort diese Aussage aus seinem Mund:
„Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht“ (Joh 15,5). Der jüngste
Apostel schreibt sein Evangelium als Letzter: er hatte mehr Zeit, um nachzudenken und das
Geheimnis Christi reifen zu lassen. Und nach vielen Jahren rührt ihn der Widerhall dieser
Worte weiterhin. Deshalb finden wir denselben Ausdruck in seinem ersten Brief, den wir
heute im Wortgottesdienst lesen: „Wenn das, was ihr von Anfang an gehört habt, in euch
bleibt, dann bleibt ihr im Sohn und im Vater“ (1 Joh 2,24). Das geschieht beim Weinstock
und den Reben: diese empfangen von ihm ihr ganzes Leben, und ohne es verlieren sie nach
und nach die Kraft.

Bleiben – „dieses vom Herrn so geliebte Wort wird er oft wiederholen… Wenn du im Herrn
bleibst, im Wort des Herrn, im Leben des Herrn, dann wirst du ein Jünger sein“ (3). Jesus will
sein Leben mit unserem vereinen; mehr noch, es mit ihm verschmelzen. In ihm bleiben heißt,
für ihn, mit ihm und in ihm zu leben. Der heilige Ambrosius sagte: „Sammle das Wasser von
Christus (…). Fülle mit diesem Wasser dein Inneres, damit deine Erde gut durchfeuchtet wird
(…); und einmal ganz getränkt, wirst du die anderen besprengen“ (4).

FÜR DEN CHRISTEN „ist Christus das Leben. Und wenn wir aus Schwäche, Müdigkeit oder
so vielen Umständen des Lebens, diese Wirklichkeit aus den Augen verlieren, wird er uns
immer erwarten“ (5). Der heilige Josefmaria brachte diese Notwendigkeit der Vereinigung
mit Christus folgendermaßen zum Ausdruck: „Christus folgen – venite post me et faciam vos
fieri piscatores hominum (Mt 4,19) – ist unsere Berufung. Und ihm so nahe zu folgen, dass
wir wie die ersten Zwölf mit ihm leben; so nahe, dass wir uns mit ihm identifizieren, dass wir
sein Leben leben, bis der Augenblick kommt, in dem wir – wenn wir keine Hindernisse ge-
setzt haben – mit dem heiligen Paulus sagen können: ’Nicht ich lebe, sondern Christus lebt in
mir’ (Gal 2,20)“ (6).

In den Tagen der Weihnachtszeit, wenn wir das Kind in eine arme Krippe gebettet betrachten,
umgeben von der Liebe Marias und Josefs und von der Wärme einiger weniger Tiere, erwei-
sen wir ihm unsere Wünsche der Liebe und der Verbindung mit ihm. Wenn wir die Augen auf
das Kind richten, so klein und zugleich König des Universums, dann fühlen wir uns sanft an-
getrieben, in diesem neuen Jahr, im ganzen Leben, fest im Bemühen auszuharren, uns mit ihm
zu identifizieren: „Lieben wir Christus, suchen wir immer seine Nähe, und alles Schwierige
wird leicht scheinen“ (7).

Einmal zu Weihnachten zeigte der heilige Josefmaria dem Herrn seine Wünsche nach Liebe
und Vereinigung: „O Jesus – werde ich ihm sagen -, ich will ein Feuer verrückter Liebe sein!
Ich will, dass meine Gegenwart allein genügt, um die Welt viele Kilometer im Umkreis zu
entzünden, mit einem unauslöschlichen Brand. Ich will wissen, dass ich dein bin (…). Leiden
und lieben. Lieben und leiden. Welch wunderbarer Weg! Leiden, lieben und glauben: Glaube
und Liebe. Glaube des Petrus. Liebe des Johannes. Eifer des Paulus. Noch bleiben dem
kleinen Esel drei Minuten der Vergöttlichung, guter Jesus, und befiehl… dass du ihm mehr
Eifer als Paulus gibst, mehr Liebe als Johannes, mehr Glaube als Petrus. Der letzte Wunsch:
Jesus, möge mir nie das heilige Kreuz fehlen“ (8).

JOHANNES DER TÄUFER erscheint neuerlich, wie im Advent, im heutigen Evangelium.


Die Autoritäten des Tempels schicken Priester und Leviten an das andere Ufer des Jordans,
um ihn zu fragen: „Wer bist du?“ (Joh 1,19). Sie bedrängen ihn mit vielen Fragen, um ihn in
die Enge zu treiben: Bist du der Messias, bist du Elija, bist du ein Prophet? „Was sagst du
über dich selbst?“ (Joh 1,22). Die Antworten des Täufers lassen ihn als jemand erkennen, der
den Willen Gottes als Richtlinie seines Lebens betrachtet. „Ich bin die Stimme, die in der
Wüste ruft“ (Joh 1,23). Meine einzige Sendung – sagt er ihnen – besteht darin, Israel für den
bereitwilligen Empfang des Erlösers vorzubereiten.

In Jesus Christus zu bleiben bedeutet, in Gemeinschaft mit ihm zu sein: dass Jesus in unserem
Verstand, in unserem Willen, in unserem Herzen, in unseren Werken gegenwärtig ist. Der
evidenteste Beweis dafür besteht im Halten seiner Worte und seiner Gebote; er selbst hat uns
gesagt, dass derjenige, der das tut, „in Gott bleibt und Gott in ihm“ (1 Joh 3,24). Wir bitten
den Herrn um die Gabe, dass jeder von uns und alle Christen nach dem Evangelium leben.
„Vor dem Kind in der Krippe wollen wir jetzt – einigen Worten des heiligen Josefmaria
folgend - unsere persönliche Gewissenserforschung fortsetzen und uns fragen: Sind wir bereit,
unser Leben Vorbild und Lehre für die anderen sein zu lassen? Sind wir entschlossen, ein
anderer Christus zu sein? Ein Lippenbekenntnis genügt nicht. Ich frage einen jeden von euch
und ich frage mich selbst: Du, als Christ berufen, ein anderer Christus zu sein, kann man von
dir sagen, dass du dich nach diesem facere et docere, tun und lehren, richtest? Dass du in
allem als Kind Gottes aufmerksam dem Willen des Vaters gegenüber handelst? Dass du dich
bemühst, alle Menschen zu bewegen, an den guten, noblen, göttlichen und menschlichen
Dingen der Erlösung teilzunehmen? Lebst du in deinem Alltag in der Welt das Leben
Christi?“ (9).

Wir freuen uns mit der Jungfrau Maria, die glücklich ist, den Heiland in ihren Armen zu
halten, die Frucht ihres vollkommen treuen Hörens auf den Willen Gottes. Durch sie „ist das
Wort Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (10). Wir bitten sie, dass es uns nicht „an
Glauben, an Mut, an Kühnheit fehlt, um den Willen unseres Herrn Jesus zu erfüllen“ (11).

(1) Msgr. Fernando Ocáriz, Hirtenbrief, 14.2.2017, Nr. 8.


(2) Benedikt XVI., Homilie, 31.12.2006.
(3) Franziskus, Homilie, 1.4.2020.
(4) Hl. Ambrosius, Epistola 2,4 (PL 16, 880).
(5) Msgr. Fernando Ocáriz, Brief, 5.4.2017.
(6) Hl. Josefmaria, En diálogo con el Señor, meditación „Vivir para la gloria de Dios“, 1b.
(7) Hl. Hieronymus, Epistola 22, 39.
(8) Hl. Josefmaria, Apuntes íntimos, Fest der Unschuldigen Kinder, 28.12.1931.
(9) Ders., Christus begegnen, Nr. 21.
(10) Stundengebet, Vesper vom 2. Jänner, Responsorium.
(11) Hl. Josefmaria, Der Weg, Nr. 497.