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Ein Service von Stiftung Lesen und Deutsche Bahn Stiftung

Amelie & Antonio. Ein Tag zum


Träumen - Teil 2
Eine Geschichte von Monika Hülshoff mit Illustrationen von Thorsten
Saleina, erschienen im Loewe Verlag.
Hier kommen die nächsten Geschichten.
Antonio und der Schlüssel
Amelie ist mit Mama und Papa in der großen Stadt.

Antonio ist natürlich auch dabei.

Sie wollen sich neue Anziehsachen kaufen für Omas 70. Geburtstag.

Alle außer Papa finden es schrecklich, Anziehsachen zu besorgen.

„Das liegt daran, dass du immer die gleichen Jeans und den gleichen Pulli

kaufst, nur in Neu!“, stellt Mama fest.

„Ich habe eben einen guten Geschmack!“, meint Papa und ist dann auch

schon nach dem ersten Laden fertig und schlägt vor: „Treffen wir uns doch in

einer Stunde auf dem Parkplatz, meine Damen!“

Er winkt und ist so schnell weg, dass Amelie es nicht schafft, ihm zu sagen,

dass Antonio keine Dame ist und dass Papa lieber mitkommen soll, weil mit

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Mama einkaufen so anstrengend ist.

Also bleiben für den großen Einkauf nur Amelie, Mama und Antonio übrig.

Und der fällt Amelie auch schon beim ersten Anprobieren aus dem Arm.

„Autschi!“, beschwert sich Antonio, aber Amelie kann ihn gar nicht trösten,

weil Mama gleich schimpft: „Dass Antonio unbedingt dabei sein muss!“

„Aber er ist mein bester Freund!“, verteidigt ihn Amelie. „Und er hat einen sehr

guten Geschmack!“

Trotzdem muss der geschmackvolle Antonio beim nächsten

Kleideranprobieren auf dem Stuhl in der Umkleidekabine sitzen und

zuschauen, wie Mama Amelie ein Kleid nach dem anderen anzieht:

Ein blaues, aber das juckt so komisch.

Ein grünes, ganz wunderschönes. So zart, als wäre es für Prinzessinnen

gemacht.

Das gefällt Amelie und Antonio sehr gut, aber Mama nicht. Sie meint, es sei

zu empfindlich, sie kenne doch Amelie, keine fünf Minuten und schon klettere

sie irgendwo rum und das Kleid sei kaputt.

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Nur schwer lässt Amelie sich umstimmen, weil sie nämlich so etwas

Wunderschönes in ihrem ganzen Leben noch nicht gesehen hat.

„Ich auch nicht“, flüstert Antonio ihr ins Ohr. „Aber ein ganzer Tag ohne Toben

ist doch schrecklich!“ Und da hat er recht.

Kurz darauf entdeckt Antonio ein Kleid mit kleinen roten Blümchen und das

gefällt Amelie und Mama auch. Und Antonio sowieso.

„Ich bin jetzt schon mit den Nerven fertig!“, seufzt Mama.

Amelie und Antonio verstehen das gar nicht, sie drehen sich auf dem Gehweg

im Kreis herum und singen dazu laut: „Lalala, einkaufen, lalala, rumlaufen.“

Dabei verpassen sie, dass die Ampel schon grün und dass Mama

losgegangen ist.

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Als sie es dann merken, ist es schon zu spät und Mama steht auf der anderen

Seite der Straße.

„Bleibt bloß da stehen!“, ruft Mama und winkt hektisch. „Wartet, bis die Ampel

wieder grün ist!“

„Pff, als ob wir nicht wüssten, dass man warten muss, wenn die Ampel rot

ist“, sagt Antonio.

„Das weiß ich doch schon lange, dass man bei Rot warten muss!“, schreit

Amelie laut über die Straße.

Die Frau neben ihr lacht, aber Mama nicht. Sie sieht ziemlich sauer aus, das

kann Amelie sogar von Weitem sehen.

Endlich schaltet die Ampel um und Amelie und Antonio gehen stolz und ganz

gerade über die Straße.

Im Laden für Mama ist es fürchterlich langweilig!

Mama guckt hier und da hin, nimmt dieses Kleid, dann das … oder vielleicht

noch das?

Am Ende nimmt sie fünf Kleider mit in die Umkleidekabine und Amelie und

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Antonio müssen davor warten. Sie hüpfen ein bisschen herum und Amelie

stolpert dabei über Antonio und fällt hin.

„Autschi!“, schreit sie und Mama reißt den Vorhang auf.

„Was ist denn los?“, fragt sie.

„Ich bin gestolpert und dann hab ich mir wehgetan, guck mal, am Knie!“,

schnieft Amelie.

Mama sieht nichts. „Da ist nichts,

Amelie“, sagt sie und guckt gehetzt

auf die große Uhr im Laden. „Ich sehe

nur, dass wir ganz schnell losmüssen,

Papa wartet schon. Das kommt von

der Trödelei!“

„Und welches Kleid kauft sie?“, flüstert

Antonio Amelie zu.

„Antonio macht sich wirklich Sorgen, ob du noch ein geschmackvolles Kleid

findest!“, sagt Amelie.

Aber Mama geht nicht darauf ein: „Schluss jetzt, es war eh eine dumme Idee,

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euch mitzunehmen!“

Sie hängt die Kleider zurück an die Stange, nimmt Amelie an die Hand und

verlässt das Geschäft, ohne etwas gekauft zu haben.

Antonio bittet Amelie, dass sie Mama mal fragen soll, ob sie jetzt wohl ein

altes Kleid zu Omas Geburtstag anzieht.

Aber Amelie weiß, dass sie jetzt am besten gar nichts sagt.

Ziemlich außer Atem kommen die drei am Parkplatz an, wo Papa schon auf

sie wartet.

„Hast du den Schlüssel?“, fragt er Mama.

„Den Autoschlüssel? Nein, den hast du!“

Mama rollt mit den Augen. „Ich hab ihn dir gegeben, als du mit deinem

Jeanskauf fertig warst!“

„Daran erinnere ich mich nicht“, meint Papa. „Ich weiß nur, dass du gefahren

bist, also musst du den Schlüssel haben.“

„So ein Blödsinn!“, schnaubt Mama.

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„Guck doch einfach in deiner Tasche nach!“ Papas Stimme wird laut.

Amelie kriegt plötzlich ein ganz komisches Gefühl im Bauch.

Wenn Mama und Papa so laut sprechen, streiten sie sich, und das kann

Amelie überhaupt nicht aushalten.

„Papa, vertragt ihr euch wieder?“, fragt sie.

„Pssst“, winkt Papa ab und sagt zu

Mama: „Wenn du so nett wärst,

einfach mal nachzugucken.“

„Das brauche ich gar nicht“, antwortet

Mama spitz. „Ich bin mir ganz sicher,

dass ich dir den Schlüssel gegeben

habe!“

Amelie treten Tränen in die Augen, eine kullert ihr schon die Wange herunter.

Aber das merken Mama und Papa gar nicht.

Zum Glück passt Antonio immer auf sie auf und nimmt sie feste in den Arm.

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Amelie drückt ihn an sich. Antonio guckt traurig nach unten und da sieht er,

dass es in Papas Einkaufstüte mit der Jeans und dem Pullover geheimnisvoll

glitzert.

Er springt aus Amelies Arm heraus in die Tüte, die Tüte kippt um und die

Einkäufe liegen auf dem Bürgersteig.

„Amelie!“, ruft Papa. „Warum schmeißt du denn Antonio durch die Gegend?“

„Das war er selber!“, entgegnet Amelie. „Guck mal, Papa, darum hat er das

gemacht!“ Unter dem Pullover zieht Amelie den silbern glänzenden

Autoschlüssel hervor.

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„Oh“, sagt Papa.

„Oh“, sagt auch Mama.

„Da muss ich mich aber bei dir entschuldigen, meine Liebste“, sagt Papa zu

Mama und seine Stimme ist wieder normal.

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„Ich war mir ganz sicher, dass du den Schlüssel hast.“

Und Mama sagt: „Und ich muss mich bei dir entschuldigen, ich bin so

schlecht gelaunt, weil der Einkauf so schrecklich war. – Oh, Amelie, hast du

etwa geweint?“, fragt sie erschrocken, als sie Amelie ins Gesicht sieht.

Und dann entschuldigen sich Mama und Papa bei Amelie, dass sie so

miteinander gestritten und nicht auf sie geachtet haben.

Amelie entschuldigt sich bei Antonio, weil sie ihn vorhin fallen gelassen und

nicht getröstet hat.

Nur einer entschuldigt sich nicht und das ist Antonio, weil der überhaupt

keinen Grund dazu hat.

Antonio und Amerika


Amelie spielt mit Antonio in ihrem Zimmer.

Durch die offene Tür hört sie, wie Mama am Telefon spricht: „Na, das wird ja

ein Aufwand, so ein Umzug und in eine ganz fremde Stadt! Und dann der

Kindergartenwechsel, das wird ihr bestimmt nicht gefallen, mal sehen, wie sie

das verkraftet!“

Antonio hat dasselbe gehört und fällt Amelie vor Schreck aus dem Arm.

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Umzug! Andere Stadt! Anderer Kindergarten! Was ist mit Ole?

Amelie wird plötzlich ganz schlecht. Und Antonio meint: „Man weiß ja nie, wo

man hingezogen wird, kann ja sein, dass es ganz weit weg von Oma und Opa

ist, zum Beispiel nach Amerika.“

Jetzt fängt Amelie an zu weinen und Antonio weint beinahe mit, doch dann

ruft er laut „Stopp!“ und stellt sich vor Amelie. „Wir müssen das verhindern.“

„Aber wie?“, fragt Amelie.

„Das ist doch ganz einfach“, behauptet

Antonio. „Für den Umzug müssen wir

mit dem Auto fahren, denn Amerika ist

sehr weit weg, da kann man nicht zu

Fuß hin. Wie wäre es, wenn wir den

Autoschlüssel verstecken?“

Aber Amelie ist dagegen! „Weißt du noch, wie Mama und Papa sich soooo

gestritten haben, als der Autoschlüssel verloren war beim Einkaufen? Das

sollen die nie wieder tun!“

Antonio erinnert sich noch gut an den Streit und denkt darum weiter

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angestrengt nach.

„Ich hab’s!“, ruft er. „Wir lassen Amerika verschwinden! Dann können wir gar

nicht dahin umziehen!“

Und als er Amelie den Plan erklärt, ist sie sofort dabei.

Sie schleichen sich heimlich ins Wohnzimmer und holen das große Buch aus

dem Regal, in dem die Landkarten von allen Ländern der Welt sind, auch die

von Amerika.

Wie sie aussieht, weiß Amelie ganz genau, denn Mama hat sie ihr und

Antonio erst letzte Woche gezeigt.

Ein bisschen sieht Amerika aus wie die Hälfte von einem bunten Luftballon.

„Sollen wir wirklich?“, fragt Amelie, die sich jetzt doch Sorgen macht, ob die

Idee gut ist.

„Sollen wir!“, sagt der mutige Antonio.

Und dann reißen Amelie und Antonio mit einem Ruck die Seite aus dem Buch.

Gerade in dem Moment kommt Mama ins Wohnzimmer: „Amelie, was machst

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du denn da?“, fragt sie entsetzt.

„Nichts sagen“, rät Antonio ihr leise, aber das kann Amelie nicht.

Mit Tränen und viel Schniefen bricht es aus ihr heraus: „Ich will nicht nach

Amerika gezogen werden und der Antonio auch nicht und das ist eine ganz

dumme Idee von Papa und dir und darum haben wir die Karte aus dem Buch

rausgemacht, damit ihr nicht dahin findet.“

„Amerika?“, fragt Mama verdutzt. „Wie

kommst du denn da drauf?“

„Na, wegen dem, was du am Telefon

gesagt hast“, erklärt Amelie. „Das ist

doch schrecklich, wenn Oma und Opa

dann so weit weg sind und ich den Ole

nicht mehr besuchen kann und ich in

einen anderen Kindergarten gehen

muss …“

Ganz langsam dämmert es Mama und sie lacht: „Du hast mich eben am

Telefon belauscht! Jetzt wird mir einiges klar!“

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Und sie erklärt, dass Amelie und Antonio bei ihrer Lauscherei alles völlig

falsch verstanden haben: „Wir ziehen gar nicht um, Amelie! Ich hab nur mit

meiner Freundin Kathrin gesprochen. Und die hat mir erzählt, dass sie

umziehen. Allerdings nicht nach Amerika.“

„Aber ich habe gehört, dass ich den Kindergarten wechseln muss! Der

Antonio hat das auch gehört!“, sagt Amelie und Antonio nickt heftig.

„Aber es ging gar nicht um dich! Es ging um Sophie, du weißt doch – die, mit

der du immer so schön spielst, wenn Kathrin und sie uns besuchen kommen!“

„Na ja“, brummelt Antonio, der sich gut daran erinnert, dass das Spielen mit

Sophie nicht immer Spaß macht.

„Sophie muss natürlich den Kindergarten wechseln, wenn sie umziehen“, sagt

Mama und Antonio nickt weise.

„Da bin ich aber ganz sehr froh, dass wir nicht umziehen!“ Amelie will schon

mit Antonio ins Kinderzimmer hüpfen, aber Mama hält sie auf.

„Amelie, dass du die Karte aus dem Buch gerissen hast, war nicht nur schade,

sondern auch ziemlich unnütz! Karten von allen Orten der Welt gibt es ganz

viele! Große, kleine, lose oder in Büchern oder im Internet. Das Rausreißen hat

nur das Buch kaputt gemacht.“

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„Ach, Mama, das tut uns leid!“, sagt Amelie.

Und das stimmt auch. Zum Glück kennen sich Amelie und Antonio mit

kaputten Sachen sehr gut aus: Sie holen den Kleber aus Mamas

Schreibtischschublade und kleben die Seite wieder ein.

Amerika sieht jetzt im dicken Buch aus wie ein halber bunter Luftballon, aus

dem die ganze Luft raus ist, so zerknittert ist die Seite.

Antonio und der Puzzle-Streit


Amelie kann nicht einschlafen.

Sie hat sich im Kindergarten mit Ole gestritten. Daran muss sie jetzt die ganze

Zeit denken und sie erzählt es Antonio, der wie immer neben ihr im Bett liegt.

„Das war nämlich so: Erst haben Ole und ich Wettsingen gespielt. Das war

ganz schön!

Da muss sich nur jeder sein Lieblingslied ausdenken und das dann ganz laut

singen. Wer am lautesten singt, hat gewonnen“, erklärt Amelie, und dass sie

es fast geschafft hätte und beinah die Gewinnerin gewesen wäre.

„Aber dann ist es nicht gut gegangen, weil Barbara, die Erzieherin, gesagt hat,

dass wir viel zu laut sind und besser sollten wir was Leises machen. Puzzeln

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zum Beispiel.“

„Pff, puzzeln, langweilig!“, sagt Antonio und pustet in die Luft.

„Lass mich doch zu Ende erzählen!“ Manchmal verliert Amelie ein bisschen

die Geduld mit Antonio. Alles, bei dem er nicht dabei war, findet er langweilig!

„Also“, fährt sie fort. „Das haben wir dann auch gemacht, das mit dem

Puzzeln. Ich hab mir das Baustellen-Puzzle geholt und Ole das mit den

Tierkindern. Aber Ole fand puzzeln langweilig!“

„Sag ich doch", unterbricht sie Antonio. „Langweilig.“

„Pssst", sagt Amelie. „Soll ich jetzt erzählen, oder nicht?“

„Erzählen!“, brummelt Antonio und Amelie erzählt weiter.

„Ole wollte Wettpuzzeln machen. Wer zuerst fertig ist, hat gewonnen.“

„Ha, jetzt wird’s spannend!“, freut sich Antonio.

„Gar nicht“, sagt Amelie. „Nur deswegen habe ich mich mit Ole gestritten!“

Und das stimmt auch. Kaum hatten sie angefangen zu puzzeln, war Ole

schon fertig.

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„Weil das Puzzle mit den Tierkindern auch viel einfacher ist“, hat Amelie

behauptet.

Dann haben sie die Puzzles getauscht. Aber mit dem Baustellen-Puzzle war

Ole schon wieder Erster und Amelie ist da sehr wütend geworden und hat die

Puzzleteile durch den Raum geschmissen und „Du blöder Ole!“ gerufen.

Dann hat Barbara geschimpft: „Jetzt ist aber mal Schluss, Amelie!“

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Das war gemein, fand Amelie, sie wollte doch auch einfach nur mal gewinnen!

Und da hat sie gleich noch einmal aus Wut „Du blöder Ole!“ geschrien.

Danach hat Ole nicht mehr mit ihr gespielt, sondern mit Taylant.

Amelie war so wütend, dass sie gar nicht mehr mit Ole geredet hat, bis sie

von Papa abgeholt wurde.

Und jetzt liegt sie im Bett und kann einfach nicht einschlafen. Obwohl Antonio

sagt: „Gemein war das!“

Aber so wirklich gemein war Ole nicht.

Er hat einfach nur zwei Mal hintereinander gewonnen!

„Vielleicht waren die Puzzles gemein“, überlegt Antonio.

Das kann sich Amelie gut vorstellen. Der Bagger und die dicken Laster vom

Baustellen-Puzzle könnten ja wirklich gemein zu den Tieren aus dem

Tierkinder-Puzzle gewesen sein.

Weil die so klein und ängstlich sind und die Laster groß und laut!

Antonio setzt sich im Bett auf und sagt streng: „Gemein geht nicht! Ich mache

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das schon. Warte nur ab!“

„Uaah", gähnt Amelie. „Was willst du denn da machen?“ Ihr fallen jetzt die

Augen zu.

„Das wirst du schon sehen!“, sagt Antonio sehr laut und überzeugend.

Und auf einmal merkt Amelie, dass Antonio gar nicht im Bett liegt, sondern

auf der Baustelle steht, mitten zwischen den Lastern und dem großen Kran.

Um ihn herum hüpfen ein Hamster, ein Babyhund und eine Babykatze, die

ganz genauso aussehen wie die Tierkinder aus dem Tierkinder-Puzzle.

„Das ist ja komisch!“, wundert sich Amelie, aber Antonio findet das gar nicht

und SCHWUPPS, springt er mit einem gehörigen Runddrehsalto auf den

Laster, der vor Schreck anfängt, ganz laut zu hupen.

„Ruhe!“, schreit Antonio. „Ich muss was sagen: Ihr dürft nicht gemein zu den

Tierkindern sein, die sind doch noch so klein!“

„Ja, ja„und „Genau“ und „Wuff“, sagen ganz weit unten am Boden die kleinen

Tierkinder.

Aber der Laster hupt noch lauter und der Kran dreht seinen langen Kranarm

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auf Antonio zu. Dann greift er seine Hose am Träger und zieht ihn hoch in die

Luft.

„Hilfe, Hilfe, Amelie!“, schreit Antonio.

„Hiiiilfe!“, schreien die Tierkinder ganz jämmerlich.

Aber Amelie weiß nicht, wie sie in das Baustellen-Puzzle reinkommen soll und

sie ruft: „Hilfe! Hilfe, Mama!“

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Und schon hört sie Mama sagen: „Aufwachen, Amelie, mein Mädchen, alles

ist gut! Du hattest nur einen wilden Traum!“

Tatsächlich: Amelie liegt in ihrem Bett und neben ihr liegt ganz ruhig und in

Sicherheit Antonio.

„Bin ich froh, dass ich das nur geträumt habe“, seufzt Amelie und gibt erst

Mama und dann Antonio einen dicken Kuss.

Am nächsten Tag im Kindergarten geht Amelie zu Ole. „Ich hab ‚blöder Ole‘ zu

dir gesagt und das war gemein, denn eigentlich waren nur die Puzzles blöd.

Soll ich dir mal erzählen, warum?“

„Ja klar!“, sagt Ole, der immer gerne Geschichten hört.

Und dann erzählt sie Ole die Geschichte mit Antonio und den Tierkindern auf

der Baustelle und Ole staunt sehr!

„Bist du wieder mein Freund?“, fragt Amelie.

„Na klar!“, sagt Ole mit breitem Grinsen.

Und dann ist es, als hätten sie sich nie gestritten.

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Antonio und die Sonne


„Juhuuu, Antonio! Juhuuu!", jubelt Amelie: „Siehst du, wie die Sonne scheint?

Juhu, juhu!“

Sie tanzt mit nackten Füßen im warmen Sand und wirbelt Antonio ganz hoch

in die Luft, damit er so nah an die Sonne kommt wie nur möglich.

„Urlaub!“, jubelt Antonio.

Amelie und Antonio sind nämlich wirklich im Urlaub. In Italien, am großen

Meer.

„Oh, Amelie“, unterbricht Mama Amelies Freudentanz. „Wir haben ganz

vergessen, dich noch einmal einzucremen!“

„Macht nix“, sagt Amelie schnell. Sie hat das Eincremen nämlich nicht

vergessen, sondern wollte Mama nicht daran erinnern.

„Denn, weißt du, Antonio“, flüstert sie. „Eincremen ist blöd. Da muss man still

sitzen und dann ist die Creme so glitschig und kalt und klebt so auf der Haut!

Mama soll sich nicht so anstellen, man kann auch sehr gut ohne

Sonnencreme am Strand sitzen!“

„Das habe ich gehört, Amelie.“ Mama erklärt, dass alle sich eincremen

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müssen, wenn sie lange in der Sonne sitzen, besonders Amelie.

Denn sie hat so eine blasse Haut, da bekommt man schnell einen

Sonnenbrand, und der tut weh und ist nicht gesund.

Nach einigem Hin und Her lässt Amelie das Eincremen über sich ergehen.

Aber dass sie den doofen Sonnenhut tragen soll, das sieht sie gar nicht ein!

„Der juckt an den Ohren“, behauptet sie.

Es nutzt alles nichts: Kurz darauf sitzt Amelie wütend, aber eingecremt und

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mit Hut am Meer und klagt Antonio ihr Leid:

„Immer gewinnt Mama. Oder Papa. Ich will selber Bestimmerin sein! Und fühl

mal, wie die blöde Creme klebt, Antonio! Und außerdem hab ich noch nie, nie

einen Sonnenbrand gehabt!“

„Das stimmt!“, meint Antonio. „Ich hab auch keinen Sonnenbrand und ich bin

überhaupt nicht eingecremt!“

Wenn Amelie sich Antonio jetzt so anguckt, sieht sie, dass auch er ziemlich

blass ist.

„Hm!“, brummt sie nachdenklich. „Manchmal haben Mama und Papa aber

auch recht, und vielleicht musst du doch eingecremt werden.“

Und sosehr Antonio sich wehrt und zappelt, Amelie schmiert ihn mit

ordentlich viel Creme ein. Danach setzt sie ihm ihren Hut auf.

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„So“, sagt sie. „Jetzt kannst du fein unterm Sonnenschirm sitzen und mir

zugucken.“

Zufrieden buddelt Amelie mit den anderen Kindern im Sand.

Mama und Papa lesen und unterhalten sich und schauen gar nicht mehr zu

Amelie. Super!

Als sie endlich bemerken, dass Amelie keinen Hut mehr trägt, ist es schon zu

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spät: Amelie ist schlecht!

„Mir tut der Kopf so weh!“, jammert sie.

Mama fühlt mit ihrer Hand an Amelies Stirn.

„Oje, Amelie! Du bist ja ganz heiß! Ohne Hut war das eindeutig zu viel Sonne

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für deinen Kopf!“, sagt Mama und sieht ganz besorgt aus.

„Schnell ins Bett, viel trinken und schlafen!“, ergänzt Papa und trägt Amelie

den langen Weg vom Strand bis ins Haus.

Er legt sie in ihr Bett und zieht die Vorhänge zu, damit Amelie ihren

schmerzenden Kopf im Dunkeln ausruhen kann.

„Wo ist mein Antonio?“, jammert sie.

„Oh“, sagt Papa. „Dem ist der Strandtag auch nicht gut bekommen! Mama

muss ihn tüchtig waschen, der klebt ganz schrecklich! Ich möchte bloß mal

wissen, wer auf die Idee gekommen ist, ihn einzucremen?“

„Ich“, sagt Amelie kleinlaut. „Weil der doch so eine helle Haut hat …“

Noch ehe Papa etwas erwidern kann, kommt Mama ins Zimmer, den nassen

Antonio in den Händen.

„So! Nass, aber wie neu ist er, dein Antonio“, sagt sie und will ihn auf die

Kommode neben Amelies Bett setzen.

„Gib ihn mir, Mama, bitte gib ihn mir!“, ruft Amelie und zieht heftig an Mamas

Arm. Antonio rutscht aus Mamas Händen und fällt direkt auf Amelies Kopf.

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„Das ist schön kalt“, seufzt Amelie.

„Na, dann lass ihn auf deiner Stirn liegen, vielleicht hilft der nasse Antonio ja

gegen die Kopfschmerzen!“, flüstert Mama sanft und Papa murmelt: „Gute

Besserung, mein Mädchen.“

Dann gehen die beiden leise aus dem Zimmer.

„Da bin ich aber sehr froh, dass du auf die Idee gekommen bist, dich auf

meinen Kopf zu legen. Bestimmt bin ich morgen wieder ganz gesund!“, kann

Amelie Antonio gerade noch zuflüstern, dann schläft sie ein.

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Noch mehr Geschichten gibt es im nächsten Teil!

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Amelie & Antonio. Ein Tag zum Träumen - Teil 2


Geschichte aus: Amelie & Antonio. Ein Tag zum Träumen
Autor: Monika Hülshoff
Illustration: Thorsten Saleina
Verlag: Loewe
Alterseinstufung: ab 3 Jahren
ISBN: 978-3-7432-0381-5

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