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Betreff: EB205 Strauch- und Baumpflege

01.06.2021

Sehr geehrte Frau Alscher,

die Eingabe beantworte ich wie folgt:

zu 1.) In der Deklaration "Biologische Vielfalt in Kommunen" wird auf Seite 3 eine naturnahe Pflege
öffentlicher Grünflächen mit weitgehendem Verzicht auf Pestizide und Düngung gefordert. Diese
Forderung wird vom Straßen- und Grünflächenamt (SGA) eingehalten. Weiterhin ist eine Reduktion
der Schnittfrequenz vorzusehen. Diese Maßgabe wird ebenfalls vom SGA angewendet. Der
Baumrückschnitt erfolgt grundsätzlich nach bestem fachlichen Wissen und Gewissen sowohl der
eigenen Mitarbeitenden als auch der extern beauftragten Firmen. Mindeststandards für die
fachliche Qualifikation des Personals werden gefordert. "Billigfirmen" ohne fachlichen Hintergrund
werden auf Grund ihrer mangelnden Qualifikation von den Ausschreibungen ausgeschlossen. Das
SGA schult sein Personal regelmäßig auf dem aktuellen Stand der Technik. Die Schnitte erfolgen
jedoch auch nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten unter Beachtung der zur Verfügung stehenden
Mittel.

zu 2.) Die Gehölze werden i.d.R. nach individueller örtlicher Einschätzung der Ausführenden oder
des fachlich versierten Anleitenden beschnitten. Die Einschätzung basiert dabei auf der Grundlage
der gärtnerischen Ausbildung und in Abwägung der anderen Belange – hier u.a. Möglichkeiten der
Aufrechterhaltung von Ordnung und Reinigung sowie Verkehrssicherheit.

zu 3.) Grundsätzlich wird der Gehölzschnitt bei Sträuchern nur außerhalb der Vogelbrut/-schutzzeit
von Anfang Oktober bis Ende Februar durchgeführt. Unter Berücksichtigung aller Belange (siehe
oben) werden Gehölze i.d.R. nicht einfach "auf Stock" gesetzt, sondern möglichst
Verjüngungsschnitte durchgeführt. In größeren Anlagen wird versucht, nicht alle Bereiche
zeitgleich zu bearbeiten. Bezüglich der Baumpflege sind die beauftragten Baumpflegefirmen
geschult im Umgang mit Artenschutz (Zertifikate werden seitens des SGA gefordert). Es besteht ein
enger Kontakt zu dem Umwelt- und Naturschutzamt. Baumpflegemaßnahmen können leider nicht
nur außerhalb der Vogelschutzzeit stattfinden. Das Beschneiden von Bäumen ist grundsätzlich
auch in der Vegetationszeit zulässig. Dies ist auch fachlich richtig, da der Saftfluss des Baumes in
der Vegetationsperiode ein besseres Verschließen von Schnittwunden und damit eine Heilung
ermöglicht. Natürlich müssen bei diesen Maßnahmen die artenschutzrechtlichen Bestimmungen
eingehalten werden. Kann die Maßnahme aus Verkehrssicherungssicht verschoben werden, wird
dies grundsätzlich getan.

zu 4.) Auf ca. einem Drittel der öffentlichen Grünanlagen erfolgt die Strauchpflege durch externe
Firmen. Hierdurch entstehen dem SGA Kosten in Höhe von knapp 200.000 € jährlich. Die anderen
Grünanlagen werden durch eigenes Personal bearbeitet.

Im Baummanagement wurden 2020 insgesamt knapp 2 Millionen Euro für


Verkehrssicherungsmaßnahmen und für Bewässerung zum Erhalt des Baumbestandes verausgabt.
Der Bedarf für eine, über die Verkehrssicherung und aktuelle Bewässerung hinausgehende,
nachhaltige Entwicklung des Bestands, insbesondere unter den aktuellen klimatischen
Bedingungen, ist finanziell nicht gedeckt. Die Baumpflege erfolgt zu 100 % durch extern
beauftragte Baumpflegefirmen.

Zu 5.) Die Beantwortung dieser Frage erfolgt untenstehend unter dem Punkt "Zu
Ausgleichszahlungen für aufgrund von Wohnungsbau gefällter Bäume."

Zur Grünfläche Am Görlitzer Ufer:

Aufgrund mangelnder finanziellen und personellen Kapazitäten konnte die Grünanlage Am


Görlitzer Ufer viele Jahre nicht ausreichend gepflegt werden. Dies führte dazu, dass sich z.B.
Rankgehölze wie Clematis stark ausbreiteten und viele Strauchflächen stark überwucherten. Die
dadurch entstandene Konkurrenz führte zu einem Absterben vieler Gehölze und einem
"Verwildern" der Anlage. Die Reinigung der Flächen durch die BSR wurde dadurch immer
schwieriger und stellenweise unmöglich. Mit großem Aufwand gelang es im Herbst letzten Jahres,
eine koordinierte Grünpflege- und Reinigungsaktion durchzuführen, bei der die Anlage in einen
Zustand gebracht werden konnte, der die regelmäßige Reinigung durch die BSR wieder ermöglicht
und der bis dahin zunehmenden Verwahrlosung des Ortes ein vorläufiges Ende bereitete. Bei den
Rückschnittarbeiten musste festgestellt werden, dass der Totholzanteil der stark überwucherten
Sträucher enorm war und dass deshalb nur ein kleiner Teil der vorhandenen Gehölzstruktur
erhalten werden konnte. Bei einer regelmäßigen, jährlichen Gehölzpflege hätte eine derart
umfangreiche Auslichtung vermieden werden können. Aus den vorab genannten Gründen war dies
jedoch in der Vergangenheit nicht möglich. Die Entwicklung der ausgedünnten Flächen wird jedoch
beobachtet und ggf. in der Zukunft stellenweise mit Gehölzpflanzungen ergänzt.

Das ehrenamtliche Engagement einer Bürgerin bzgl. der Duftjasminhecke war der ausführenden
Gruppe der Grünflächenaufsicht und -unterhaltung nicht bekannt. Leider fehlen dem SGA aktuell
noch die erforderlichen personellen Kapazitäten, um alle Bürgerinitiativen des Bezirks angemessen
koordinieren und betreuen zu können.

Zur Reichenberger Straße:

Das baumspezifische sekundäre Dickenwachstum der Bäume hat zur Folge, dass Äste in das
Lichtraumprofil der Straßen und Gehwege hineinragen. Hier wird rechtlich ein Mindestmaß von 2,5
m Lichtraumprofil über Gehwegen und 4,5 m (bzw. bei Schleppen bildenden Baumarten 6-7 m)
über Straßen angesetzt (siehe auch Unterlagen der FLL – Forschungsgesellschaft
Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau). Erfolgt der Rückschnitt nicht rechtzeitig, entstehen
immer größere Astungswunden, die Fäuleerreger dringen ein, die Wunde wird schlechter
abgeschottet, der Baum muss auf Grund seiner Schäden früher gefällt werden. Auf Grund der in
der Vergangenheit nicht ausreichend zur Verfügung stehenden personellen und finanziellen
Mitteln wurden und werden diese notwendigen Schnitte nicht ausreichend oder zu spät
durchgeführt. Generell wächst die Krone auf Grund des terminalen Wachstums jedoch weiter und
das Verhältnis Stamm zu Krone relativiert sich wieder. Das Aufasten ist daher keine "unnötige
Maßnahme", sondern eine zwingend durchzuführende Entwicklungsmaßnahme von Bäumen im
Straßenland, um überhaupt Bäume an diesen Standorten zu erhalten bzw. zu pflanzen, wo sonst
keine Bäume stehen würden.

Viele der angesprochenen Missstände sind Folge der personellen Unterbesetzung und
Unterfinanzierung des SGA und Ergebnis des massiven Stellenabbaus in den vergangenen
Jahrzehnten. Der derzeitige Verteilungsschlüssel der öffentlichen Gelder für die Bewirtschaftung
der Grünanlagen ist unausgewogen, weil der sehr hohe Nutzungsdruck überwiegend kleiner
Anlagen in der Innenstadt nicht angemessen in der Zuteilung der Gelder Berücksichtigung findet
und Innenstadtbezirke dadurch praktisch eine Benachteiligung erfahren. Eine nachhaltige,
artenschutzgerechte und v.a. substanzerhaltende Grünflächenunterhaltung ist nur mit einer
Bereitstellung der dafür notwendigen personellen und finanziellen Ressourcen möglich.
Regelmäßige Pflegegänge würden radikalere Rückschnitte entbehrlich machen, weil stetig nur ein
kleiner Gehölzteil aus der Anlage entnommen würde und sich die Gehölze fortlaufend verjüngen
könnten. Gut und regelmäßig gepflegte Anlagen sind übersichtlicher, bieten dadurch weniger
Raum für Verstecke, lassen sich leichter reinigen und werden durch die dadurch insgesamt größere
Akzeptanz der erholungsuchenden Bevölkerung besser genutzt, was zu einer größeren sozialen
Kontrolle führt.

Doch auch bei einem gerechteren Verteilungsschlüssel lassen sich die Folgen des Klimawandels,
der daraus resultierenden immer neuen Krankheiten und pathogenen Schaderreger an Bäumen
(bspw. Lindenmassaria, Rußrindenkrankheit, Eichenprozessionsspinner, Ulmensterben usw.) nicht
ausgleichen oder wegretuschieren. Die seitens des Senates zugewiesenen Mittel müssen
unbedingt erhöht werden!

Nicht zuletzt geht es bei diesen Fragen um öffentliches Eigentum sowie Lebensqualität und
Erholungsansprüche der Bevölkerung in einem dicht besiedelten Bezirk mit dem wenigsten
wohnungsnahen Grün pro Kopf.

Zu Baumfällungen im Rahmen von Baumaßnahmen:

Baumfällungen sind immer das letzte Mittel in einer langen Kette aus Abwägungen
unterschiedlicher Belange. Geht von den Bäumen eine starke Gefährdung aus, die nicht durch
Sicherungsmaßnahmen des Fachbereichs Straßen in Kooperation mit dem Fachbereich
Grünflächen behoben werden können, mit dem Ziel, den Baum zu erhalten, müssen diese leider in
Einzelfällen gefällt werden.

Hier kommt es, für die Bürger*innen teilweise nicht ersichtlich, bei Wurzelschachtungen zu
größeren Funden als oberflächlich vermutet wurde. Baumaßnahmen (insbesondere unterirdischer
Weise) sind seit langem die am stärksten in das Leben der Bäume eingreifende Tätigkeiten. So
liegen Leitungen z. B. dort, wo sie nicht verzeichnet waren. Das SGA fordert aktuell bei fast allen
Baumaßnahmen eine ökologische Baubegleitung um größtmöglich Schäden zu verhindern, jedoch
ist das SGA auf die Hilfe und Meldung von rechtsbeugenden Handlungen angewiesen. Durch
Meldungen von Bürger*innen konnten Baumaßnahmen bereits erfolgreich gestoppt und in der
Vergangenheit schon diverse Bäume gerettet werden. Hinweise werden immer gerne
entgegengenommen. Leider muss das SGA "den Täter überführen". Fotos von Wurzelabrissen sind
dann am hilfreichsten, wenn bspw. das Fahrzeug oder die ausführende Firma fotografiert und dem
SGA übermittelt werden.

Zur Baumbewässerung in Hitzesommern:

Der Bezirk hat 2020 knapp 300.000 Euro für Bewässerungsmaßnahmen verausgabt. Bei knapp
40.000 Bäumen im Zuständigkeitsbereich des SGA können leider nicht alle Bäume bewässert oder
in der Intensivität bewässert werden, wie sie es benötigen. Bei der Entwicklung gerade neuerer
Bestandsbäume hat das SGA jedoch bereits nachgesteuert und die Entwicklungspflege inkl.
Bewässerung von 2-3 auf 5-6 Jahre verlängert, um den Bäumen einen besseren Start geben zu
können. Ausfälle sind jedoch nicht komplett zu vermeiden. Das SGA ist sehr dankbar für die
Hinweise der interessierten Öffentlichkeit und bezieht diese in der Umsetzung ein. Die
Kommunikation mit den Revierleitungen läuft sehr gut, jedoch können auch die Revierleiter*innen
bzw. die Mitarbeitenden nicht überall gleichzeitig sein. Gelder und Personal fehlen hier seit
Jahren.

Zu Ausgleichszahlungen für aufgrund von Wohnungsbau gefällter Bäume:

Entsprechend der naturschutzrechtlichen Regelungen sind die aus der Ausgleichsabgabe


aufkommenden Mittel für Maßnahmen zu verwenden, die der Förderung des Schutzes, der Pflege
und Entwicklungen von Natur und Landschaft dienen. Die untere Naturschutzbehörde initiiert und
fördert mit diesen Mitteln ökologische Projekte im gesamten Bezirk. Eine Unterscheidung zwischen
den beiden Ortsteilen ist auf Grund der geringen Flächengröße unseres Bezirkes weder rechtlich
notwendig noch fachlich erforderlich.

Die aktuellen Ausgleichsprojekte können auf der Internetseite des Umwelt- und Naturschutzamtes
eingesehen werden.

Die ökologischen Ausgleichsmittel dürfen nicht für Maßnahmen eingesetzt werden, wenn sich
diese aus anderen Rechtsvorschriften ergeben. So ist im Berliner Straßengesetz geregelt, dass bei
der Errichtung bzw. der Sanierung von Verkehrswegen Straßenbäume zu pflanzen sind. Das
Pflanzen von Straßenbäumen mit Naturschutzmitteln ist deshalb ausgeschlossen.

Die Höhe der Ausgleichsabgabe für gefällte Bäume richtet sich nach der vom Land Berlin
erlassenen Verordnung zum Schutze des Baumbestandes in Berlin. Der Bezirk Friedrichshain-
Kreuzberg setzt sich seit langem für eine Erhöhung bzw. Anpassung der Ausgleichsabgabe bei der
demnächst anstehenden Überarbeitung der Baumschutzverordnung ein.

Mit freundlichen Grüßen,

Monika Herrmann

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