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GERIATRIE

- ein Manuskript für Menschen, die


wirklich nur einen Tag Zeit haben,
um für Geriatrie zu lernen
Inhaltsverzeichnis
VL 1 – Einführung Medizin des Alterns und des alten Menschen.........................

VL 2 – Demenz, Delir und Depressionen im Alter.................................................

VL 3 – Alterungsprozesse und Assessment............................................................

VL 4 – Ernährung, Malnutrition, Frailty, Sarkopenie in der Geri..........................

VL 5 – Störungen des Wasserhaushaltes................................................................

VL 6 – Entscheidungen am Lebensende................................................................

VL 7 – Sturzsyndrom, Sturzprophylaxe, Sturzfolgen............................................

VL 8 – Pharmakotherapie im Alter.........................................................................
VL 1 – Einführung Medizin des Alterns und des alten Menschen...
Facts

- Werner Syndrom: autosomal-rezessive Erkankung; altersassoziierte Symptome bereits im


Kindesalter (man sieht wie ein Opa aus, obwohl man jung ist) (Ursache: genetisch bedingter
Helicase Schaden) (!)
- Werner-Syndrom (auch Hutchinson-Gilford Progerie Syndrom) zählt zum sogenannten Progerie-
Syndrom (!)
- genetische Mutationen verlängern die Lebensspanne; aber nicht den Alterungsprozess
- Altern durch Zunahme von Entropie (Genauigkeit auf molekularer Ebene nimmt ab, was
Fehlfunktionen begünstigt
- Schädigungen sind stochastisch, nicht genetisch → Reparaturmechanismen genetisch gesteuert
- Geriatrie (Altersmedizin) // Gerontologie (Alterswissenschaft)
- Telomere bestehen u.a. aus repetitiver DNA (!)
- Gewichtsverlust von 10% in 6 Monaten muss untersucht werden
- je besser die Alltagsaktivitäten im Alter, desto höher die Lebenserwartung (!)
- auf Schädigungen im Alter reagiert oft das vulnerabelste Organsystem (!)
- im Alter korreliert ein BMI von 25 mit einer höheren Lebenserwartung im Vergleich zu einem
BMI von 19 (!)
- jüngere Menschen nehmen mehr Kalorien zu sich als Ältere (!)
- im Alter verändert sich der Wasserhaushalt (!)
- Malnutrition hat Einfluss auf erhöhte Mortalität (!)
- in Ländern wie Iran/Indien verdoppelt sich die Anzahl der Ü60 schneller als in DE (!)
- ADL (Activity of daily living) – korreliert mit Lebenserwartung auch unter Berücksichtigung von
Lebensalter, Schlaganfall, Malignom
- Überprüfen der kognitiven Funktionen: Lebensalter erfragen – nicht Geburtsjahr (das bekommt
man oft noch hin)
- häufige neuropsychologische Störung nach Apoplex: Neglect (!)
- subkutane Infusionen sind super in der Geri (v.a. für Demenzpatienten)
- Schenkelhalsfrakturen sind die häufigsten und folgenreichsten Frakturen im höheren Lebensalter
(!)

Merkmale des Alters


- reduzierte Adaptationsfähigkeit → erschwerte Aufrechterhaltung der Homöostase (!!)
- wegen geringerer Organreserve entwickeln alte Menschen frühzeitig Symptome (schnelle
Dekompensation und schnellere Rekompensation)
- Gefahr der geriatrischen Abwärtsspirale (ADL-Abnahme, Orthostase-Dysregulation, Sturz, Angst
vor Stürzen, Mobilitätsabnahme)
- verzögerte Reaktion auf externe Reize (!) (erhöhte postpradiale BZ-Werte, langsame Hell-Dunkel-
Adaptation, Abnahme der Elastizität der Blutgefäße, langsame RR-Regulation nach Lagewechsel)
- Alterungsvorgänge beginnen pränatal
- Abnahme der Herzfunktion gehört nicht zum physiologischen Altern bis zur 8. Lebensdekade
- eine plötzliche Funktionsverschlechterung ist eher Folge einer Erkrankung und nicht des
physiologischen Alterungsprozesses (!)
- geriatrietypische Multimorbidität (!)
- verlängerte Rekonvaleszenz (brauchen länger zum Erholen)
- Wassergehalt nimmt ab (!)
- Fettgehalt nimmt zu (!)
Altersbeschwerden
- Krankheit, normaler Alterungsprozess (weniger Hunger, Durst), psychosoziale Faktoren
(Vereinsamung, finanzielle Probleme), iatrogene Faktoren (Medis, Ops) → Krankheiten im Alter
präsentieren sich häufig unspezifisch (!)
- multikausale Ursachen für die Krankheiten

Alterstypische Befunde ohne Krankheitswert


- Systolikum ohne Vitium
- Fehlender Achillessehnenreflex
- Haut: seborrhoische Keratosen, Lentigosenilis
- asymptomatische Bakteriurie → Normalbefund → kein Anlass für AB

Clostridien/Noro
- viele Clostridieninfektionen entstehen durch Antibiotika
- hohes Risiko: Cephalosporine
- relativ hohes Risiko: Aminoglykoside
- niedriges Risiko: Clindamycin
- Antibiose bei v.a. Clostridieninfektion sofort (Metronidazol) geben und nicht erst die Stuhlprobe
abwarten (!)
- bei Häufung: Meldepflicht (!)
- Norovirus tritt gehäuft in den Wintermonaten auf (!)
- eine Opstipation kann in eine paradoxe Diarrhoe übergehen (!)
- Opstipation als häufiges Problem multimorbider geriatrischer Patienten (!)
- Opstipation als Nebenwirkung einer Therapie mit Opiaten (!)

„Wichtige“ Zahlen
- Heterogenität nimmt im Alter deutlich zu (!)
- die meisten Menschen fühlen sich krank → falsch → nur 1/3
- nur 17% der Ü70 leiden an ernsthafter Beeinträchtigung ihrer Leistungsfähigkeit
- etwas über die Hälfte der Ü89 leidet an Demenz
- 94% haben ausgeprägte Lebensziele
- 40% der Ü94 lebt in Heimen
- 30% der Ü80 empfinden ihren eigenen Gesundheitszustand als schlecht

Geriatrische „I“ (!)


- Immobilität
- Instabilität (Stürze und ihre Folgen)
- Inkontinenz (Harn- und Stuhlinkontinenz)
- Intellektueller Abbau (Demenz, Delir)
- Inappetenz (Malnutrition)
- Iatrogene Schäden
- Isolation
VL 2 – Demenz, Delir und Depression im Alter...

Demenz

- Leitsymptom: fortschreitende Gedächtnisminderung (Merkfähigkeit, biographisches und


semantisches Gedächtnis), Persönlichkeitsveränderungen
- Beeinträchtigungen können so stark sein, dass es zu einer Beeinträchtigung der Alltagskompetenz
und Sozialbeziehungen führt
- andere Ursachen (z.B. ein Delir) müssen immer ausgeschlossen werden
- degenerative Demenzen → M. Alzheimer
- vaskuläre Demenzen → wichtigster Risikofaktor ist die arterielle Hypertonie
- ab dem 65. Lebensjahr verdoppelt sich alle 5 Jahre das Risiko, an Demenz zu erkranken (!)
- Demenz geht auch häufig mit schlechtem Zahnstatus und Mangelernährung einher (!)

- Diagnostik: Anamnese, klinischer Befund, Tests (Mini-Mental-Status-Test = zur Bestimmung des


Schweregrades // Uhrentest = zur Erkennung kognitiver Defizite), Instrumental Acitivities of Daily
Living (IADL) = Erfassung der Alltagskompetenzen bei Demenzdiagnostik
- strukturelle Bildgebung (MRT/CT) = Hippocampusatrophie

- Therapie: wichtig → so früh wie möglich // Kombi aus Psychotherapie und Pharmakotherapie ist
nur symptomatisch // keine kurative Therapie möglich

Delir
- Zustand geistiger Verwirrung
- wichtige DD zur Demenz aber akuter Notfall mit hoher Mortalität (25%)
- verschiedene Auslöser: Alkohol, Medikamente (Antidepressiva, Antihistaminika), Infekte,
Elektrolytentgleisungen
- hyperaktives Delir: psychomotorische Unruhe, Angst, Halluzinationen, ausgeprägte vegetative
Zeichen)
- hypoaktives Delir: „scheinbare“ Bewegungsarmut, kaum Kontaktaufnahme, kaum vegetative
Zeichen, Halluzinationen nur auf Nachfrage)

- Therapie: auslösende Faktoren mindern, Reizabschirmung, Reorientierungshilfen geben, erst spät


Medis geben

- Fallbeispiel: hypotoner, motorisch unruhiger älterer Herr in ZNA → Verdacht auf Delir → wa
mache ich? → neurologische/innere Diagnostik// Volumensubstitution//keine Neuroleptika (!!)

Depression
- 25% der Menschen zwischen 70 und 100 leiden an depressiven Störungen
- Depressionen erhöhen die Mortalität
- Achsensymptome: Affektivität (gedrückte Stimmung, mangelnde Schwingungsfähigkeit,
Freudlosigkeit, Antriebsminderung, Denken (Grübelneigung))
- Depression ist Risikofaktor für „echte“ Demenz // Pseudodemenz ist quasi eine Depression
- neuaufgetretene Depressionen im Alter Anlass zur Untersuchung auf hirnorganische Störungen
- Symptome oft wenig charakteristisch (Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Libidoverlust...)
- Depression von Demenz nicht immer safe unterscheidbar (!)
- Depression Prävalenz steigt ab Ü70 nicht exponentiell an (!) (Demenz beschreibt exponentiellen
Anstieg)

- Diagnose Altersdepression ist schwierig → Überlagerung der psychischen und körperlichen


Symptome

- Therapie: Psychotherapie (!), Medis (SSRI als 1. Wahl)

VL 3 – Alterungsprozesse und Assessment...

Facts
- 80% der geriatrischen Patienten sind weiblich
- Ziele: Geriatrie ist kein Fachgebiet, das eine Heilung anstrebt, sondern es geht hauptsächlich um
die Selbstständigkeit des Patienten (Wiederherstellung und Förderung)
- kein statischer Prozess, sondern ein Ausgangspunkt für einen dynamischen Prozess - ständige
Anpassung an die aktuelle Situation des Patienten
Definitionen „Assessment“ - Beurteilung der Fähigkeiten eines Patienten, wie sie im täglichen
Alltag funktionieren
- Prozess zur „Erfassung medizinischer, psychosozialer und funktioneller Ressourcen unter
Berücksichtigung der Umgebungssituation“
- folgende Bereiche sollen durch ein geriatrisches Assessment erreicht werden → körperliche,
kognitive und emotionale Funktionen, Aktivitäten des täglichen Lebens, ökonomische und soziale
Bedingungen, Bedingungen der engeren und weiteren Umgebung - „Beurteilung der funktionellen
Ressourcen des älteren Menschen“ (!)
Das geriatrische Assessment ist für die Pflegeversicherung relevant → Körperpflege, Ernährung,
Mobilität, hauswirtschaftliche Versorgung, Prinzipien: Fragebögen und Performance Tests
- geriatrische Assessments und Therapien erhöhen signifikant die Wahrscheinlichkeit, dass ein
Patient nach sechs Monaten noch lebt und zuhause ist (es gibt also Evidenz) (!)

Telomertheorie

- jede Zellteilung führt zur Verkürzung der Telomere


- je kürzer die Telomere also sind, desto älter die Zellen, desto schneller der Zelluntergang
- die Verkürzung der Telomere wird z.B. durch kardiovaskuläre Krankheiten oder DM beschleunigt
- Telomerase kann Telomere verlängern, hier liegt Angriffspunkt für medizinische Anti-Aging-
Forschung
- Telomerase wird häufig auch in malignen Zellen exprimiert

- Biologische Theorien des Alterns: - Theorie der freien Radikale


- Telomertheorie
- Rate of Living Theorie
- Theorie des mitochondrialen Alterns
- NICHT Quantenfeldtheorie (!)

Tests, die man vlt. mal gehört haben sollte [nur ein Auszug, weil es wirklich 1000 gibt]

Barthel-Index → bezieht sich auf die Selbstständigkeit des Patienten (s. Reha //
Allgemeinmedizin)// er umfasst NICHT alles Wichtige- es fehlen u.a. Kognition,
psychische Komponente, Sprache... // Maximal 100 Punkte (!)

IADL-Test → “Intrumental Activities of Daily living” nach Lawton/Brody; 8 Items


→ wichtig für die Demenzdiagnostik (Kognition, Gedächtnis)

FIM-Test → “Functional independence measure”); 18 Funktionen werden von 1-7 bewertet


→ Messung der ADL (Aktivitäten des täglichen Lebens), Kognition und
Kommunikation // Sprache spielt eine wichtige Rolle (!)
→ wird häufig in der Neurologie angewandt

[Physiotherapie]

Tinetti-Test → max. 28 Punkte, < 20: sturzgefährdeter Patient


→ Balancetest + Gehprobe

Timed up and go Test (TUG-Test)


→ Patient muss aufstehen, laufen (3m) und sich wieder hinsetzen
→ <10 s gut, > 30s: ausgeprägte Einschränkung in der Mobilität, Hilfsmittel
unbedingt erforderlich

Transfer-Test → Patient soll vom Liegen im Bett auf einen Stuhl „befördert“ werden
→ Einteilung H0 – H4 (je nach Hilfe die benötigt wird)

Handkraft = Korrelat für die Muskelkraft (bei Männern > 65 Jahren mit 131kPa, bei Frauen > 65
Jahren mit 76 kPa, wird dreimal an dominanter Hand gemessen

[Neuropsychologie und Kognition]

MMSE “ Minimal Mental State Examination”


→ Screeninginstrument für kognitive Defizite
→ keine Validität für Testwiederholung, CAVE: bei Visuseinschränkung
→ Schlechte Sensitivität und Spezifität bei beginnender Demenz
→ 0 – 30 mögliche Punkte; < 24: beginnende Demenz, < 10: schwere Demenz
→ Orientierung (Datum, Ort), Merkfähigkeit (Wörter merken), Rechnen, Erinnern
(gemerkte Wörter wiederholen), Benennen von Gegenständen, Wiederholen,
dreiteiligen Befehl ausführen, Reagieren (z.B. Schließen Sie die
Augen), Schreiben (spontan einen Satz der Sinn ergibt)

Uhrentest → Demenzdiagnostik

GDS (Geriatrische Depressionsskala nach Yesavage)


→ 15 Fragen zur Zufriedenheit mit dem eigenen Leben; Pro „Ja“ ein Punkt
- < 6 Punkte: schließt Depression nicht vollständig aus, > 6 Punkte: Depression ist
wahrscheinlich
VL 4 – Ernährung, Malnutrition, Frailty, Sarkopenie in der Geri...

Malnutrition

- im Alter korreliert ein BMI von 25 mit einer höheren Lebenserwartung im Vergleich zu einem
BMI von 19 (!)
- alte Menschen nehmen weniger Kalorien auf als junge Menschen (!)
- Malnutrition erhöht die Mortalität im Alter (!)
- Albuminwert ist DER entscheidende Laborparameter, um eine Malnutrition aufzuzeigen (!)
- Malnutrition korreliert mit erhöhter Gefahr, funktionell abhängig zu werden (!)

- also Risikofaktoren: Vitamin D-Mangel // Anämie und Eisenmangel // Gewicht // Schlechte


Nierenfunktion // erniedrigte Laborparameter: Albumin, Präalbumin, Lymphos (!)

Ernährung

- bei Mangelernährung → Albumin fällt (!!)

Frailty

- = Gebrechlichkeit
- Teufelskreis in der Geri → Angst vor Stürzen → Mobilitätseinschränkung → Abnahme der Kraft
→ Gangunsicherheit → Sturz → und wieder Angst vor Stürzen...
- plötzliche Funktionsverschlechterung im Alter ist eher eine Folge von Erkrankungen als von
Alterungsprozessen (!)

Sarkopenie

- = Muskelschwäche
- definiert als geringe Muskelkraft oder geringe körperliche Leistungsfähigkeit bei verminderter
Muskelmasse (!)
- alterskorrelierter Verlust an Skelettmuskelmasse → Zahl + Größe der Muskelfasern nimmt ab
- DD: bei Inaktivitätsatrophie nimmt nur Größe der Muskelfasern ab
- Ursache der Sarkopenie unklar
- Testosterongabe bei normalem Spiegel hat keine Evidenz (!)
- Messung der Handkraft des Patienten dient als Korrelat für seine Muskelkraft
- es besteht Korrelation zwischen Sarkopenie und Alltagsfähigkeit (!)
- Adipositas im hohen Alter verschlimmert Sarkopenie (!)
- auch bei Ü90: durch Krafttraining lässt sich Muskelkraft steigern (also immer schön den Bizeps
flexen) (!)
- eiweißreiche Kost wird grundsätzlich empfohlen (!)
- Performance-Test: messen u.a. die Teilleistungen Mobilität, Kraft und Geschicklichkeit (!)

- vom 40. - 70. Lebensjahr vollzieht sich eine Kraftabnahme von ca. 1% pro Jahr
- ab 70. LJ → beschleunigter Abbau
- bei Immobilisation: bis zu 4% pro Tag
Crockcroft-Gault-Formel

- berücksichtigt Alter und Geschlecht


- eine KI für Medis mit renaler Elimination ist eine Clearance kleiner als 30 ml/min
- GFR = ((140-Alter) * Körpergewicht / (72* Kreatinin) (*0,85 für Frauen)

VL 5 – Störungen des Wasserhaushaltes...

Veränderungen der Regulationsmechanismen im Alter

- Patienten mit kognitiver Störung (Demenz) sind anfälliger für Störungen des Wasserhaushaltes
- eingeschränkte Nierenfunktion, veränderte Hormonsekretion, niedriges Durstgefühl

- CAVE: Syndrome mit Flüssigkeitsmangel und mit Flüssigkeitsüberschuss (Ödeme und Exsikkose)
können gleichzeitig bestehen (!)
- im Alter: Natriumrückresorption sinkt // ADH und ANP-Spiegel steigt // Durstgefühl sinkt
- bei Albuminmangel gelangt Flüssigkeit vom intravasalen Raum in den interstitiellen Raum
(Ödeme)

Exsikkose

- Delir // stehende Hautfalten // trockene Schleimhäute // Verwirrtheit // Gewichtsverlust // Oligurie


NICHT: Kopfschmerzen und Obstipation (eher Symptome bei Jüngeren)
- kein sensitiver Laborparameter für Exsikkose
- Therapie: Rehydratation → wichtig dabei, Lunge im Blick zu behalten → CAVE: Ödeme
- ebenfalls CAVE bei Patienten mit Herzinsuffizienz → Gefahr von Ödemen

Hyponatriämie

- häufigste Elektrolytstörung (Natrium unter 135 mmol/l) (!)


- oft Wasserüberschuss, Extrazellularvolumen steigt
- 20 % aller Patienten im Pflegeheim, häufigste Ursache für Verwirrtheit (!)
- Ursachen: Diuretika + Herzinsuffizienz (!) // iatrogen // hepatorenales Syndrom // hohe
Trinkmenge // Syndrom der inadäquaten ADH Sekretion (SIADH) → durch Medis wie
Gabapentin ausgelöst //idiopathisch
- Symptome (<125mmol/l) → Lethargie // Müdigkeit // Verwirrtheit // Muskelkrämpfe // Anorexie //
Übelkeit // Erbrechen // Desorientiertheit // Verwirrtheit bis zum Koma
- Symptome (<115mmol/l) → plötzlicher Tod // Sehnenreflexe
- CAVE: zu schnelle Änderungen der Natrium-Konzentration → zentrale pontine Myelinose
- BZ messen, da bei Hyperglykämien vermehrt Natrium ausgeschieden wird

Harninkontinenz
- häufigste Ursache für verminderte Lebensqualität
- Hauptursache: Störung der nervalen Steuerung der Blase
- JEDER unwillkürliche Urinverlust spricht für Harninkontinenz – jede(r) 3. über 80J. ist betroffen
- potentiell reversibel: Polyurie, Entzündung, NW von Medis, Immobilität, Stuhlgang-Probleme

- Diagnostik: kognitives Screening // Depressionsscreening // Kontinenzanamnese // DRU // U-


Stix // Miktionsprotokoll // Restharn ermitteln (Sono)

Dranginkontinenz → häufigste Form mit höchstem Leidensdruck


→ Patient verliert Urin unmittelbar nachdem er den Harndrang verspürt hat
→ Ursache: Detrusorüberaktivität (durch Veränderung Gehirn; Medis..)

Stressinkontinenz/
Belastungsinkontinenz → Urinverlust beim Husten/ Tennisspielen

Überlaufinkontinenz → ungewollter Urinverlust; im Zusammenhang mit einer überdehnten Blase


(Gefahr der postrenalen Niereninsuffizienz)
→ Ursachen: urologisch, neurologisch, iatrogen, idiopathisch
→ Behandlung: kausal, z.B. Antibiose bei HWI oder Behandlung der Opsti,
Blasentraining...

- Harninkontinenz verursacht oft Stürze

- kein Toilettentraining bei Harnverhalt

VL 6 – Entscheidungen am Lebensende...

Patientenverfügung

- BGB legt fest, dass...


- schriftliche Patientenverfügung bindend und jederzeit formlos widerrufbar ist
- sie nur von einwilligungsfähigen Volljährigen erstellt werden kann
- sie für den Fall der Einwilligungsunfähigkeit gilt
- die Patientenverfügung unabhängig von Art und Studium einer Erkrankung gilt
- falls die Festlegung auf die aktuelle Lebens- und Behandlungssituation zutreffen, der
Betreuer dem Willen des Betreuten Ausdruck und Geltung verleiht

VL 7 – Sturzsyndrom, Sturzprophylaxe, Sturzfolgen...

Facts

- Stürze sind im höheren Alter häufig und folgenschwer


- Stürze sind meist Folge multipler Risikofaktoren
- jeder Sturz sollte ein Sturzassessment + Überprüfung der Medikation zur Folge haben
- Stürze und Sturzfolgen lassen sich um 20-30% reduzieren
- Osteoporose Diagnostik + Therapie unerlässlich
- niedriger RR korreliert mit erhöhter Sturzgefahr (bei Ü80 sollte er nicht unter 130/65 mmHg
liegen)
- Schädel CT wenig zielführend bei Suche nach Sturzursachen, eher bei Abklärung von Sturzfolgen
- je niedriger der HbA1c Wert, desto höher das Frakturrisiko bei älteren DM II Patienten
- ältere Patienten mit erhöhtem Sturzrisiko leiden oft an Vitamin D Mangel – aber keine Vit. D
Gabe zur Sturzprävention
- Fixierung zur Sturzprävention nicht sinnvoll (!)
- Osteoporose Prävention → Sonne, kein Nikotin/Cola, lebenslange Versorgung mit Calcium und
Vitamin D, keine Mangelernährung, Sport

Klausur

- im höheren Lebensalter können auch leichte Erkrankungen wie HWI/Sturz die Alltagsfähigkeit
erheblich beeinträchtigen (!)
- häufigste Sturzfolge: Angst vor weiteren Stürzen (!)
- bei bestehendem Vitamin D Mangel kann Gabe von Vit. D die Sturzgefahr senken (!)
- gefürchteste Folgen eines Sturzes: Angst vor weiterem Sturz + Syndrom des langen Liegens (!)
- Syndrom des langen Liegens → es kann zu Rhabdomyolysen und Niereninsuffizienz kommen (!)
- Studien haben ergeben, dass Inzidenz von Stürzen mit jeder Lebensdekade um 10% ansteigt (!)

VL 8 – Pharmakotherapie im Alter...

Facts

- Overuse = Verabreichung von zu vielen nicht sinnvollen Medikamenten, alle theoretisch


möglichen Optionen werden eingesetzt ohne Überdenkung der Sinnhaftigkeit und individuelle
Bedürfnisse des Patienten, alles Machbare wird eingesetzt

- Misuse = wenn „richtige“ Medikamente falsch eingesetzt werden (z.B. falsche Dosierung)

- Underuse = Medis, die eigentlich gegeben werden müssen, aber vergessen werden

- immer: Start low, go slow!

- Arzneimittelhersteller → Studien meist nur für jüngere Patienten

Super wichtig Klausurrelevantes

- Polypharmazie → laut WHO ab 5 eingenommenen Medikamenten (!)


- Multimorbidität → geriatrische Patienten sind zu 50% von 2 oder mehr Krankheiten betroffen (!)
- Fehlversorgung durch Non-Adhärenz → ab einer Einnahme von mehr als 4 Medikamenten
verdoppelt sich die Non-Adhärenz in allen Altersgruppen (!!!)
- ein hohes Risiko wirkt sich positiv auf die Adhärenz aus (dem Patienten sollte die Schwere seiner
Erkrankung bewusst sein) (!)

Unterschiede Pharmakodynamik/-kinetik

- Pharmakotherapie im Alter ist eine Langzeittherapie – ABER Indikation muss immer wieder neu
überprüft werden
- ggf. Absetzen oder reduzieren
Alterstypische Veränderungen...
...verlangsamte Resorption; Anstieg von Körperfett und Abfall von Körperwasser
...Abfall des Serum-Albumins (wichtig für Medis mit Proteinbindung)
...veränderte Nierenfunktion (ggf GFR bestimmen)
- Medis mit hohem Potential an UNW
...Diuretika, NSAR, Psychotropika, Hypnotika, Neuroleptika, Antidepressiva...

Weiteres

- hydrophile Medis wirken (aufgrund des kleineren Körperwasseranteils) stärker (=kleineres


Verteilungsvolumen) (!)
- Elimination aufgrund der verringerten Filtrationsleistung der Niere eingeschränkt – GFR sinkt (!)
- die beobachteten UAWs steigen im Alter an (!)
- wenn der Patient ein neues Symptom zeigt, immer auch an UAW denken