Sie sind auf Seite 1von 10

GRAMMATISCHE KATEGORIE DES MODUS

Der Modus (auch: die Aussageweise) ist eine grammatische Kategorie des Verbs. Das ist ein besonderes
grammatisches Mittel, das das Verhalten des Redenden zur Realität der Aussage ausdrückt. Durch Modi wird die
subjektive Stellungnahme des Sprechers zur Satzaussage ausgedrückt. Deutsche Verben können in drei Modi
vorkommen.

1. Der Indikativ (Wirklichkeitsform) (ist der Hauptmodus der Aussage) ist die neutrale Aussageweise, die der
Aussage objektiven Charakter gibt. Das ist der Modus der Gegebenheit und Gewissheit.
2. Der Konjunktiv (aus spätlateinisch modus coniunctivus, eigentlich „der Satzverbindung dienende
Aussageweise“ zu lat. coniungere „verbinden“, „zusammenbinden“) (Möglichkeits- oder Wunschform) ist der
Modus der Möglichkeit, Ungewissheit und Unwirklichkeit. Er stellt ein Geschehen als erwünscht, möglich,
zweifelhaft oder gar nicht wirklich dar. Er bezeichnet eine irreale mögliche oder unmögliche Handlung. Er
gibt der Aussage subjektiven Charakter.
3. Der Imperativ  (Befehlsform) drückt eine Veranlassung, Aufforderung an die angesprochene Person zur
Realisierung einer Handlung aus. Der Imperativ ist nicht nur eine Befehlsform. Er drückt auch eine Bitte,
einen Rat oder ein Verbot aus.

Gelegentlich bis selten wird auch der Infinitiv (Grundform) fälschlicherweise als Modus genannt; allerdings wird der
Infinitiv von vielen Linguisten nicht als Modus, sondern als eigenständige Verbform betrachtet (z. B. vergleichbar
den Partizipien).
Beispielsätze
Beispiel für den Indikativ:

 Er läuft die Straße entlang. (Die Handlung findet im Präsens Indikativ statt.)


Im Vergleich dazu ein Beispiel für den Konjunktiv I:

 Ich dachte, er laufe die Straße entlang. (Es wäre möglich gewesen, aber ich habe mich wohl geirrt.)
Im Konjunktiv II heißt es:

 Er liefe die Straße entlang, wenn es nötig wäre. (Es ist aber nicht nötig)
Der Imperativ lautet:

 Lauf(e) die Straße entlang! (Eine Aufforderung an eine andere Person.)

1
KONJUNKTIV

Der Konjunktiv bezeichnet eine irreale mögliche oder unmögliche Handlung. Der Konjunktiv weist dieselben
Zeit- und Genusformen wie der Indikativ auf. Die Zeitformen werden ihrer Bildung nach in zwei Gruppen eingeteilt:
- den Konjunktiv  I = den präsentischen Konjunktiv (Präsens, Perfekt, Futurum I und Futurum II) (man nennt
Konjunktiv I präsentische Formen, weil das konjugierte Verb im Präsens steht);
- den Konjunktiv  II = den präteritalen Konjunktiv (Präteritum, Plusquamperfekt, außerdem gehören hierzu noch
zwei Formen: der Konditionalis I und der Konditionalis II (würde-Formen)) (man nennt Konjunktiv 
II präteritale Formen, weil das konjugierte Verb im Präteritum steht).
Es sei darauf hingewiesen, dass die zeitliche Bedeutung der gleichnamigen Zeitformen des Konjunktivs und des
Indikativs verschieden ist. So dient, zum Beispiel, das Präteritum Konjunktiv zum Ausdruck einer gegenwärtigen oder
zukünftigen Handlung.

DIE BEDEUTUNGEN VON KONJUNKTIV IM SELBSTSTÄNDIGEN SATZ

Konjunktiv I finden wir hauptsächlich in Zeitungstexten und Nachrichten, wenn Aussagen in der indirekten
Rede wiedergegeben werden. Aber auch in einigen festen Wendungen kommt Konjunktiv I vor.

Nachrichten: Hoch lebe das Geburtstagskind! Zu seinem 90. Geburtstag sagte der Schauspieler, er habe sich
noch nie so jung gefühlt.

Verwendung:

- einige feste Wendungen:Hoch lebe das Geburtstagskind!


- indirekte Rede (in der Umgangssprache bevorzugen wir oft Indikativ, siehe Indirekte Rede): Er sagt, er habe sich noch
nie so jung gefühlt.

KONJUNKTIV I FINDEN WIR AUCH:


- in der indirekten Rede (neutral): Martina hat mir erzählt, sie sei schrecklich in dich verliebt.
- in der indirekten Überlegung: Sascha dachte pausenlos darüber nach, wie er sie ansprechen könne.
- in der indirekten Frage: Er fragte sie endlich, ob sie mit ihm ins Kino gehe.

- im indirekten Befehl (der Befehl der dritten Person):  Er bringe mir das Buch – Нехай він принесе мені книгу!

- in einer Vermutung: Er glaubte, sie habe schon einen festen Freund.


- in einer Forderung: Sie forderte von ihm, dass er ihr ewig treu sei.
- in einem Wunsch: Dass diese Liebe ewig währen möge! 
- in den Lösungen, in der poetischen Rede: Es lebe die Freiheit !

In dieser Bedeutung tritt meistens im Satz das formale Subjekt es auf, um die Bedeutung zu verstärken. Das formale
Subjekt kann nur in der 1. Position gebraucht werden aber dabei hängt die Form des Prädikats vom nichtformalen Subjekt
ab. Z.B.: Es verwirklichen sich alle unsere Wünsche. – Нехай здійсняться всі наші бажання!

- in wissenschaftlich-technischen Hypothesen, in wissenschaftlicher Literatur, in Anweisungen: Der Winkel


ABC sei dem Winkel gleich – Нехай кут АВС дорівнює…
- in medizinischen Rezepten: Man nehme diese Arznei 3mal pro Tag nach dem Essen ein. – Ці ліки слід
приймати …
- in den Kochrezepten: Man nehme 3 Eier... – треба взяти з яйця…; die vorbereitete Ente brate man 40 Min –
підготовлену качку слід запікати 40 хвилин…

2
Als syntaktische Konstruktion kann man Infinitiv gebrauchen. Als eine besondere Form vom Präs. Konjunktiv
gilt Präs. Konjunktiv des Verbs sein +Partizip II einiger transitiver Verben. Die gebräuchlichsten von ihnen sind
erwähnen, betonen, hervorheben. Diese Konstruktionen übersetzt man слід, варто, потрібно, необхідно + Infinitiv I:

Es sei erwähnt, betont, hervorgehoben... – слід/варто/потрібно/необхідно згадати, наголосити, зауважити,


підкреслити, виділити…

Würden Sie beiseite treten? (Не могли б ви відійти на бік?)

Er zeige mir die, dass er Krank war, beweisenden Unterlagen vor. (Нехай він покаже документи, які
підтверджують, що він був хворий).

Es gehen alle unsere Wünsche in Erfüllung! (Нехай збудуться всі наші мрії!)

Man überquere bei rotem Licht die Straße nicht. (Не можна переходити вулицю на червоне світло).

Es sei die Wichtigkeit dieses Ereignisses betont. (Слід наголосити на важливості цієї події).

DER KONJUNKTIV BEI DER ÜBERTRAGUNG DER INDIREKTEN REDE

Der Konjunktiv I wird in der indirekten Rede verwendet. In der indirekten Rede gibt ein Sprecher eine
Äußerung eines anderen Sprechers wieder, ohne sie wörtlich zu wiederholen, anders gesagt ist die indirekte Rede die
Wiedergabe der Aussage der 3. Person. In diesen Sätzen drückt der Konjunktiv eine reale Handlung aus und dient einfach
dazu, um zu zeigen, dass die Aussage der 3. Person gehört.

In den konjunktionalen Sätzen mit der indirekten Rede gebraucht man neben der Form Konjunktivs auch die Form
Indikativs: Er sagt, dass er nicht versteht (Indikativ). – Er sagt, dass er nicht verstehe od. verstände (Konjunktiv).

Z.B:
- direkte Rede: Der Präsident sagt: "Ich werde die Steuern senken."
- indirekte Rede: Der Reporter berichtet: Der Präsident sagte, er werde die Steuern senken.
Der Sprecher ist in diesem Fall der Präsident. Seine Äußerung "Ich werde die Steuern senken." gibt der
Reporter indirekt wieder und berichtet, dass der Präsident die Steuern senken werde.
Bei der indirekten Rede muss man allerdings zwischen privaten und offiziellen Aussagen unterscheiden.
Im privaten Bereich (Freunde, Familie) wird der Konjunktiv kaum angewandt. Man benutzt den Indikativ und
einen Nebensatz, der mit dass eingeleitet wird.
Z.B:
- direkte Rede: Tom sagt zu Ute: "Ich liebe dich."
- indirekte Rede: Toms Bruder sagt zu Utes Schwester: Tom hat zu Ute gesagt, dass er sie liebt.
Der Konjunktiv findet in der indirekten Rede ausschließlich in öffentlichen Berichten Verwendung, wie zum
Beispiel in den Nachrichten von Funk und Fernsehen, Zeitungsberichten, politische Reden etc.:
- direkte Rede: Der Polizeisprecher sagt: "Der Täter ist gefasst."
- indirekte Rede: Die Zeitung schreibt: Der Polizeisprecher sagte, dass der Täter gefasst sei.

In den konjunktionslosen Sätzen gebraucht man nur den Konjunktiv: Er sagt, er verstehe (verstände) nicht.

Wenn der Satz einen Befehl enthält, gebraucht man das Modalverb sollen: Der Vater sagt dem Sohn, dass er nach Hause
gehen muss. Der Vater sagt dem Sohn, er sollte nach Hause gehen.

Konjunktiv II verwenden wir hauptsächlich, wenn wir uns etwas vorstellen oder wünschen, das zurzeit nicht
möglich ist. Auch in der indirekten Rede oder bei besonders höflichen Fragen oder Aussagen kommt Konjunktiv II zum
Einsatz.
3
Verwendung:

- (irreale) Wünsche und Hoffnungen: Ich wünschte, ich hätte Ferien.

- irreale Aussagen/Bedingungssätze (siehe Konditionalsätze): Dann könnte ich in den Urlaub fahren. Wenn ich


im Urlaub wäre, läge ich den ganzen Tag am Strand.

- indirekte Rede, wenn Konjunktiv I nicht möglich ist (siehe auch Indirekte Rede): Unser Lehrer sagt,
wir müssten noch viel lernen.

- besonders höfliche oder vorsichtige Anfragen/Aussagen: Wärst du so freundlich, an die Tafel zu kommen?

Konjunktiv II verwenden wir auch:

- in der indirekten Rede (starker Zweifel): Dieser alte Schwindler sagt, er hätte eine große Erbschaft gemacht. 
- in der indirekten Rede (Ersatzform für Konjunktiv I ) (siehe auch unten!) : Ich schrieb dir, ich käme um zehn
Uhr am Schwerter Bahnhof an. 
- in einem unerfüllbaren Wunsch: Wenn sie doch nur bald wieder gesund würde!
- in einer unwirklichen Aussage: Ohne deine Hilfe wäre ich nie rechtzeitig fertig geworden.
- in einem unwirklichen Vergleich: Ich hatte das Gefühl, als würde das Experiment jeden Moment explodieren.
- in einer unwirklichen Bedingung: Wenn ich das vorher gewusst hätte, dann hätte ich anders gehandelt.
- in einer höflichen Aussage: In diesem Fall hätte ich mich anders verhalten.
- in einer höflichen Frage : Herr Professor, ich möchte sie etwas fragen. Ob du nicht auch so handeln würdest ? 
- in einer höflichen Aufforderung: Könnten Sie mir erklären, wie ich zum Bahnhof komme?
- im Zweifel : Wenn Sie bitte das Rauchen einstellen würden ! Das hättest du wirklich getan? So etwas hätte ihm
niemand zugetraut.
- für den Ausdruck des Potentials: Für diese Aufgabe wäre ich wie geschaffen.
4
 Das könntest du doch auch!
- In einer einschränkenden Aufforderung: Sie müssten mal dringend ein paar Wochen Urlaub
machen. Er müsste so schnell wie möglich ins Krankenhaus. 

SATZEINLEITENDE VERBEN UND NOMEN


Damit Zuhörende erkennen, dass eine Äußerung indirekt wiedergegeben wird, muss die indirekte Rede durch ein
Verb des Sagens / Fragens / Denkens oder durch ein entsprechendes Nomen eingeleitet werden.
Verben, die eine indirekte Rede einleiten:
antworten, äußern, behaupten, berichten, denken, erklären, fragen, glauben, meinen, sagen etc. 
- Der Minister antwortete, dass er den Bericht so nicht akzeptieren könne. 
- Der Regierungssprecher erklärte, der Minister sei sich der Umweltproblematik bewusst. 

Nomen, die eine indirekte Rede einleiten:


die Antwort, die Aussage, die Äußerung, die Behauptung, die Erklärung, die Frage etc. 
- Die Antwort des Ministers habe lange auf sich warten lassen.
- Seine Äußerungen seien eine Zumutung für alle Anwesenden gewesen.

Die 1. Person Singular " ich " ist im Konjunktiv I mit dem Indikativ übereinstimmend, sodass kein Unterschied
zwischen diesen beiden Formen zu erkennen ist. Deshalb werden in der indirekten Rede die Ersatzformen des Konjunktiv
II benutzt, damit erkennbar ist, dass es sich um eine indirekte Rede handelt. Ausnahmen bilden nur die Modalverben und
das Verb "sein".
Der Gebrauch des Konjunktiv I in der 2. Person Singular " du " ist mittlerweile veraltet und wird in der Praxis kaum noch
angewandt. Auch hier werden die Ersatzformen des Konjunktiv II angewandt.
Die 3. Person Singular " man / er / sie / es " ist die einzige Form, die durchgängig im Konjunktiv I benutzt wird. Sie ist
sehr einfach, denn man nehme den Infinitiv und streiche die Endung " -n " und schon ist der Konjunktiv I gebildet.
Im Plural werden für alle Personen die Ersatzfomen des Konjunktiv II angewandt. Einzige Ausnahme ist
wiederum das Verb "sein".
Beachten Sie: 
In bestimmten Fällen stimmen die Formen des Indikativs und des Konjunktivs I überein: z.B. 
1. Person singular, Präsens und Futur  oder 1. Person plural,  Präsens und Futur. Um dennoch die Möglichkeitsform
unmissverständlich zum Ausdruck zu bringen,  weicht man dann auf die entsprechende Form des Konjunktivs II aus
(Ersatzform).

DER KONJUNKTIV ZUM AUSDRUCK EINER IRREALEN MÖGLICHKEIT

In den irrealen Konditionalsätzen, in den einfachen Sätzen mit einer irrealen Bedingung. Das Prädikat in diesen
Sätzen wird ins Ukrainische mit der Partikel б übersetzt. Zum Ausdruck dieser Bedeutung werden 4 Formen vom K
gebraucht: Präteritum, Konditionalis I – zum Ausdruck der Gegenwart und Zukunft, Plusquamperfekt, Konditionalis II
– zum Ausdruck der Vergangenheit.

Hättest du jetzt Zeit, könnten wir ins Theater gehen. Würdest du jetzt Zeit haben, würden wir ins Theater gehen
können. 

Wärest du gestern zu Hause geblieben, hättest du die negativen Folgen vermeiden können.

Würdest du gestern zu Hause geblieben sein, würdest du die negativen Folgen vermeiden können haben. 

Schwache und einige gemischte Verben unterscheiden sich im Konjunktiv II nicht vom Indikativ Präteritum.
Deshalb umschreiben wir diese Verben normalerweise mit würde (würde-Form).

5
Der Gebrauch des Konjunktivs in irrealen Vergleichsätzen

Irreale Vergleichsätze (Komparativsätze) antworten auf die Frage wie? und werden durch die Konunjktionen als
ob, als wenn und als eingeleitet, die gleich übersetzt werden „начебто, ніби, немов, немовби“. Unterschied zwischen
ihnen besteht in der Wortfolge:

als ob, als wenn: haben die Wortfolge eines gewöhnlichen Nebensatzes (Sie benimmt sich, als ob es nichts
passiert wäre).

als: der konjugierte Teil des Prädikats steht nach der Konjunktion, dann kommt das Subjekt und der
unkonjugierte Teil des Prädikats steht in der letzten Position (Sie benimmt sich, als wäre es nichts passiert).

In diesen Sätzen gebraucht man:

Plusquamperfekt K. und Perfekt K. zum Ausdruck der Vorzeitigkeit (Vergangenheit):

Sie sieht so aus, als ob sie die Prüfung bestanden hätte (начебто вона склала іспит).
Sie sieht so aus, als habe sie die Prüfung bestanden.

Präteritum K. und Präsens K. zum Ausdruck der Gleichzeitigkeit (Gegenwart):

Sie benimmt sich so, als wenn sie nichts verstände (нібито нічого не розуміє).

Sie benimmt sich so, als verstehe sie nichts.

Fut I K. und Kond I K. zum Ausdruck der Nachzeitigkeit (Zukunft):

Sie benimmt sich so, als ob nichts passieren werde (начебто нічого не станеться).

Sie benimmt sich so, als würde nichts passieren.

Konjunktiv in den irrealen Konsekutivsätzen

Die irreale KS werden durch 2 Konjunktionen eingeleitet: als dass, so...dass (so ist das Korrelat und steht meist
im HS). Man gebraucht 6 Formen des Konjunktivs: Plusq, Perf, Prät, Präs, FutI, Kond I.

In den Sätzen dieser Art steht meistens das Modallverb im Konjunktiv:

Es ist jetzt zu spät, als dass man sie besuchen könne/könnte (…, щоб йти до неї).

6
BILDUNG DER GEGENWARTSFORMEN
Der Konjunktiv I wird gebildet durch 
Verbstamm + Konjunktiv-Endung:
Pronomen Endung Infinitiv Stamm Stamm +Endung

ich -e gehen geh geh e

du -est gehen geh geh est

er, sie, es -e gehen geh geh e

wir -en gehen geh geh en

ihr -et gehen geh geh et

Sie / sie -en gehen geh geh en

Die 1. Person Singular " ich " ist im Konjunktiv I mit dem Indikativ übereinstimmend, sodass kein Unterschied
zwischen diesen beiden Formen zu erkennen ist. Deshalb werden in der indirekten Rede die Ersatzformen des Konjunktiv
II benutzt, damit erkennbar ist, dass es sich um eine indirekte Rede handelt. Ausnahmen bilden nur die Modalverben und
das Verb "sein".
Der Gebrauch des Konjunktiv I in der 2. Person Singular " du " ist mittlerweile veraltet und wird in der Praxis
kaum noch angewandt. Auch hier werden die Ersatzformen des Konjunktiv II angewandt.
Die 3. Person Singular " man / er / sie / es " ist die einzige Form, die durchgängig im Konjunktiv I benutzt wird. Sie ist
sehr einfach, denn man nehme den Infinitiv und streiche die Endung " -n " und schon ist der Konjunktiv I gebildet.
Im Plural werden für alle Personen die Ersatzfomen des Konjunktiv II angewandt. Einzige Ausnahme ist
wiederum das Verb "sein".
Folgende Tabelle zeigt auf, welche Konjunktivformen bei welchen Personen angewandt werden:
sein haben werden Modalverben andere Verben

ich sei hätte würde könne würde gehen

hättest würdest
du sei(e)st könntest würdest gehen
habest werdest

er / sie / es sei habe werde könne gehe

wir seien hätten würden könnten würden gehen

ihr sei(e)t hättet würdet könntet würdet gehen

Sie / sie seien hätten würden könnten würden gehen

Weitere Veränderungen bei der Bildung der indirekten Rede.


 Die indirekte Rede steht immer in derselben Zeit wie die entsprechende direkte Rede, unabhängig von der
Zeitform, in der das Verb des redeeinleitenden Satzes steht:

7
direkte Rede: Peter sagt: "Ich werde Petra immer lieben".
indirekte Rede: Peter sagt, er werde Petra immer lieben.
indirekte Rede: Peter sagte, er werde Petra immer lieben.
indirekte Rede: Peter hat gesagt, er werde Petra immer lieben.
indirekte Rede: Peter hatte gesagt, er werde Petra immer lieben.

 Die indirekte Rede kann mit einem dass-Satz (Nebensatz) eingeleitet werden:

direkte Rede: Klaus sagt: "Ich muss täglich 10 Stunden arbeiten".


indirekte Rede: Klaus sagt, er müsse täglich 10 Stunden arbeiten.
indirekte Rede: Klaus sagte, dass er täglich 10 Stunden arbeiten müsse.

 In der indirekten Rede ändern sich die Pronomen sinngemäß:

direkte Rede: Ute sagt: "Mein Sohn nimmt ohne mich zu fragen mein Auto".


indirekte Rede: Ute sagte, ihr Sohn nehme ohne sie zu fragen ihr Auto.
indirekte Rede: Ute sagte, dass ihr Sohn ohne sie zu fragen ihr Auto nehme.

 Adverbiale Angaben des Ortes oder der Zeit müssen in der indirekten Rede sinngemäß geändert werden:
direkte Rede: Kai sagt: "Hier in Kiel ist es heute sehr warm".
indirekte Rede: Kai sagte, dort in Kiel sei es gestern sehr warm gewesen.
indirekte Rede: Kai sagte, dass es gestern dort in Kiel sehr warm gewesen sei.

Imperativ in der indirekten Rede.


Der Imperativ in der indirekten Rede wird durch Modalverben wiedergegeben. "Sollen" gebraucht man bei einer
Aufforderung oder einem Befehl. "Mögen" gebraucht man bei einer höflichen Bitte.

direkter Imperativ: Der Ehemann fordert: "Beeil dich mal ein bisschen"!

indirekter Imperativ: Er verlangt von ihr, sie solle sich ein bisschen beeilen.

indirekter Imperativ: Er hat zu ihr gesagt, dass sie sich ein bisschen beeilen möge.

Bildung der Vergangenheit.


In der indirekten Rede gibt es nur eine Vergangenheit.
Basis bilden die Perfektformen von haben / sein:

     Konjunktivformen von haben / sein     +      Partizip II    

Infinitiv direkte Rede indirekte Rede

8
er versprach,
versprechen er hat versprochen, er habe versprochen
er hatte versprochen

er fuhr,
fahren er ist gefahren, er sei gefahren
er war gefahren

Sofern das Verb im Perfekt mit dem Hilfsverb "haben" gebildet wird, werden selbstverständlich alle anderen Personen
mit den Konjunktivformen des Hilfsverbs "haben" gebildet (siehe Bildung Konjunktiv I). Die Konjunktiv I-Formen
des Hilfsverbs "sein" werden ebenso übernommen:
Infinitiv direkte Rede indirekte Rede

ich versprach,
versprechen ich habe versprochen, ich hätte versprochen
ich hatte versprochen

ich fuhr,
fahren ich bin gefahren, ich sei gefahren
ich war gefahren

Auch bei der Bildung der Vergangenheit mit Modalverben wird als Basis das Perfekt benutzt:
Infinitiv direkte Rede indirekte Rede

Er wollte die Arbeit machen. 
wollen Er hat die Arbeit machen wollen.  Er habe die Arbeit machen wollen.
Er hatte die Arbeit machen wollen.

Das Futur in der indirekten Rede.


Futur I

Die indirekte Rede des Futur I bildet man wie folgt: 

     Konjunktivformen von "werden"     +      Infinitiv    

ich würde gehen, du würdest gehen, er werde gehen, ...

 Futur II
Die indirekte Rede des Futur II bildet man wie folgt: 

     Konjunktivformen von "werden"     +      Infinitiv Perfekt    

ich würde gegangen sein, du würdest gegangen sein, er werde gegangen sein, ...
ich würde gearbeitet haben, du würdest gearbeitet haben, er werde gearbeitet haben, ... 
Das Passiv in der indirekten Rede.

Passiv Gegenwart

Passiv + Gegenwart bildet man wie folgt:

     Konjunktivformen von "werden"     +      Partizip II    


9
ich würde operiert, du würdest operiert, er werde operiert, ... 

 Passiv Vergangenheit
Passiv + Vergangenheit bildet man wie folgt:

  Konjunktivformen von "sein"   +   Partizip II  +    worden  

ich sei operiert worden, du seiest operiert worden, er sei operiert worden, ... 

 Passiv Zukunft
Passiv + Zukunft bildet man wie folgt:

  Konjunktivformen von "werden"   +   Partizip II  +    werden  

ich würde operiert werden, du würdest operiert werden, er werde operiert werden, ... 

10