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Definition des natürlichen Logarithmus nach Felix Klein

Im Zusammenhang mit der Lösung des Schneepflugproblems ergibt sich, dass man zu seiner Lösung
das Integral der Kehrwertfunktion 1/x benötigt. Da nun die Kehrwertfunktion gerade nicht mit der
Formel für die Integration von Potenzfunktionen bestimmt werden kann, muss man es doch über
Riemannsche Summen näherungsweise bestimmen. Dieeses Integral bezeichnet man als den
natürlichen Logarithmus, genauer gesagt definiert man
(1) ln x = Df

Am Beispiel x = 2 gehen wir auf die gewöhnliche Weise vor und teilen das Intervall [1 ; 2] äquidistant
in n Teile. Es ergeben sich als Ober- und Untersumme :
Un = = = = + + + ... +

und entsprechend
On = + + + ... + .

Damit ist
O n - Un = - = .

Um das Ergebnis mit einem Fehler unter 0,001 zu ermitteln, müßte die Differenz von Ober- und
Untersumme mindestens kleiner als 0.001 sein, d.h. man benötigt wenigstens n = 500 für diese
Genauigkeit. Das zeigt, dass diese Riemannsche Summe sehr ungeeignet zur Approximation von ln 2
ist.

Eine wünschenswerte Lösung könnte darin bestehen, das Intervall [1 ; 2] nicht äquidistant so
einzuteilen, dass alle n Rechteckke den gleichen Flächeninhalt haben. Dazu berechnen wir für ein
beliebiges Rechteck über bzw. unterhalb der Hyperbel mit dem allgemeinen Grenzenintervall [a ; b].
Für ein Oberrechteck mit der Fläche Ro gilt dann

(2) Ro = (b - a) = -1  Ro = q – 1
wobei q = der Quotient der Randwerte des Intervalls ist .
-2-
.
Definition des natürlichen Logarithmus nach Felix Klein, Seite 2

Entsprechend erhält man für ein Hyperbelunterrechteck


(3) Ru = (b - a) = 1- = 1-

Da der Inhalt eines Hyperbelober- bzw. -unterrechteckes nur vom Quotient q der Randwerte abhängt,
können wir die Unterteilung so wählen, dass

x0 = 1 ; x1 = q, x2 = q2 ; x3 = q3 ; ... ; xn = qn = 2  q=

zu lauter Rechtecke mit gleichem Quotient der Randwerte führt und damit alle diese Rechtecke den
gleichen Flächeninhalt haben.

Setzen wir allgemein x statt 2 als obere Intervallgrenze, so ändert sich an diesen Überlegungen
nichts. Da wir jeweils n gleich große Rechtecke haben, erhalten wir folgende Näherungsformeln für ln
x:

( ) < ln x < n ( - 1)
(4) n 1 -

0,69297006 < ln 2 < 0,69338746

d.h. wir erhalten den ln 2 mit einer Genauigkeit von etwas mehr als 4 . 10-4 und den sicheren Stellen
O,69 ..... .

Setzen wir den - von uns nicht bewiesenen - Satz voraus, dass das Riemannsche Integral stetiger
Funktionen immer existiert, so kommen wir zu folgender Grenzwertaussage :
(5) (ln x = lim; n ® ¥ n ( - 1)

Diese Formel können wir benutzen, um einige Regeln für den natürlichen Logarithmus zu beweisen.
Es liegt z.B. nahe, dass die Regel für Hyperbelober- bzw- -unterrechtecke auch für Hyperbelrechtecke
selbst gilt, d.h. dass
- = .

Definition des natürlichen Logarithmus nach Felix Klein, Seite 3

Benutzen wir die Definition Formel (1) dann wird daraus die Regel
(6) ln () = ln b - ln a

Zur Begründung benutzen wir Formel (5) :

n ( - 1) = n ( - 1) = n ( - 1) = n =n

Für n  gilt  1, so dass der Zähler gegen ln b - ln a konvergiert.

Setzt man in (6) für b = 1 ein, so ergibt sich

(7) ln () = - ln a ,

setzt man hingegen für a ein, so ergibt sich

(8) ln (a b) = ln a + ln b

(9) ln (an) = n ln a
Alternativvorschlag (Alena Brewka, LK 12.1, Dezember 2003)

Um die Fläche unter der Hyperbel von a bis b zu berechnen, wiederholen wir die geometrische
Einteilung beginnend bei a :

x0 = a ; x1 = a q, x2 = a q2 ; x3 = a q3 ; ... ; xn = a qn = b  q=

Einsetzen in Formel (4) mit anstelle von 2 ergibt als Flächeninhalt ln . Benutzt man hingegen das
Ergebnis für das von 1 beginnende Integral, so erhält man ln b – ln a .