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T U R B O G E N E R A T O R E N

[1 ... 8]. Speziell für die Nachrüstung sol-

Neuartige Retrofit- cher Komponenten in den osteuropä-


ischen Ländern bzw. in der GUS (Staaten

Pakete für 200-MW- der früheren Sowjetunion) wurden neu-


artige Lösungen entwickelt [6 ... 8].

Turbogeneratoren Zielsetzung
Retrofit-Maßnahmen sollen nicht nur die
Lebensdauer eines Turbogenerators ver-
längern, sondern auch Zuverlässigkeit,
Für die Nachrüstung von 200-MW-Turbogeneratoren hat ABB neuartige Verfügbarkeit und Wartungsfreundlichkeit
Lösungen entwickelt – speziell geeignet für Maschinen anderer Hersteller. verbessern. Alterungs-, qualitäts- und
Sie ermöglichen, die Lebensdauer um weitere 20 bis 30 Jahre zu ver- konstruktionsbedingte Probleme müssen
längern, für Grundlast konzipierte Turbosätze auch für Spitzenlastbetrieb deshalb konsequent ausgemerzt werden.
zu nutzen sowie Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit der Generatoren und Gleichzeitig läßt sich die Nennleistung der
ihrer Zusatzanlagen wesentlich zu erhöhen. Durch die Nachrüstung wer- Turbogeneratoren durch die Nachrüstung
den die Turbogeneratoren mit modernster Technik ausgestattet. Die deutlich erhöhen.
Retrofit-Maßnahmen führen zudem zu deutlich niedrigeren Wartungs- und Durch Einsatz modernster ABB-Tech-
Reparaturkosten. Sie bieten ferner die Möglichkeit, die Leistung der nik, durch Isolierstoffe der Klasse F, hoch-
Turbogeneratoren auf über 230 MW, d. h. um ungefähr 15 %, zu steigern. wertige, neuentwickelte Werkstoffe und
Die neuartigen Lösungen werden in Form von Paketen angeboten. Ein konstruktive Verbesserungen werden fol-
Kunde kann wahlweise einzelne oder mehrere Pakete bestellen, je nach gende Ziele erreicht:
Bedarf und Finanzierungsvermögen. Durch die nachfolgend beschriebe- • Verlängerung der Nutzungsdauer um
nen Maßnahmen amortisieren sich die Investitionen des Kunden nicht nur weitere 20 bis 30 Jahre
schneller, sondern sie helfen auch, elektrische Energie in Zukunft effi- • Umstellung von Grundlast- auch auf
zienter und umweltfreundlicher zu erzeugen. Am Beispiel einiger Nach- Spitzenlastbetrieb
rüstungsprojekte in Polen wird gezeigt, welche Verbesserungen sich • Erhöhung der Zuverlässigkeit und Ver-
durch die neuentwickelten Retrofit-Pakete erzielen lassen. fügbarkeit der Generatoren und ihrer
Zusatzanlagen

I n vielen Fällen reichen normale War-


tungs- und Instandsetzungsmaßnahmen
erbringen. Dank entsprechender Aufträge
ist die Technik zahlreicher anderer Herstel-


Senkung der Wartungs- und Instand-
setzungskosten
Anhebung der Ausgangsleistung von
nicht aus, um ältere Kraftwerke so zu mo- ler sehr genau bekannt. Es besteht vieler- 200 MW auf mindestens 230 MW, d. h.
dernisieren, daß eine hohe Verfügbarkeit orts sogar die Möglichkeit, Retrofit-Pakete um ca. 15 %
und gleichzeitig ein kostengünstiger Be- auf lokale Belange zuzuschneiden und Um auf die spezifischen technischen
trieb über längere Zeit gewährleistet wer- z. B. einen hohen lokalen Fertigungsanteil Probleme der Kraftwerksbetreiber, aber
den kann. Deshalb investieren viele Elek- vorzusehen. auch auf unterschiedliche Finanzierungs-
trizitätsversorgungsunternehmen (EVU) Dies erklärt, warum die Nachrüstung möglichkeiten flexibel reagieren zu kön-
weltweit nicht nur in neue Ausrüstungen, eigener und fremder Kraftwerkskom- nen, hat ABB Retrofit-Lösungen in Form
sondern auch in die Nachrüstung und ponenten bei ABB eine sehr lange Tradi- von Paketen für folgende Komponenten
Rehabilitation bestehender Kraftwerksan- tion hat und das Unternehmen über um- entwickelt:
lagen mit dem Ziel, deren Betrieb wirt- fassende einschlägige Erfahrungen verfügt • Stator
schaftlich und konkurrenzfähig zu gestal- • Rotor
ten. Sie erreichen auf diese Weise nicht • Bürstenbrücke mit Eigenkühlung
nur einen Wettbewerbsvorsprung, son- • Öldichtungen
dern sorgen auch für die bestmögliche Dr. Bernd Gellert • Dichtölsystem
Kapitalnutzung und reduzieren Fehlinvesti- ABB Kraftwerke AG • Regelung der Temperatur des Wasser-
tionen auf ein Minimum. stoffs und des Statorkühlwassers
Durch die weltweite Organisation ist Wieslaw Suchecki Die Retrofit-Pakete können einzeln oder
ABB in der einzigartigen Lage, Service- Tadeusz Gajowy auch komplett für die Nachrüstung eines
und Retrofit-Leistungen überall und auch ABB Dolmel Ltd. Turbogenerators eingesetzt werden. Ein
für nicht von ABB gebaute Kraftwerke zu kompletter Satz der Pakete betrifft das

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gesamte Leistungsspektrum eines Gene- Herausdrücken des Blechpakets, was laubt zudem eine lückenlose Überwa-
rators. Ein Beispiel für eine erfolgreiche wiederum zum Lockern der Wicklungs- chung des Kühlsystems.
Nachrüstung mit allen von ABB neu- stäbe und der Endblechpakete führte.
entwickelten Retrofit-Paketen ist der Ge- Mit dem neuen Wickelkopf hat ABB ABB-Wasserkammer
nerator von Block 5 des Kraftwerks Dolna Abstützungen eingeführt, die unabhängig Bei allen in Polen nachgerüsteten Turbo-
Odra in Polen 1 , dessen Leistung von von Träger und Preßplatte axial beweglich generatoren war der Wasseranschluß der
200 auf 230 MW erhöht wurde. sind, so daß die durch die thermische Wicklungsstäbe nicht vom elektrischen
Axialdehnung verursachten Probleme Anschluß getrennt. Dies führte zu Wärme-
Modernisierung des Stators nicht mehr bestehen 2 , 3 . dehnungs- und Schwingungsbeanspru-
chungen in den Stabenden, die einige
Wickelkopf Statorwicklung Komponenten überkritisch beanspruchten
Einer der typischen wesentlichen Nach- Im Zuge der Modernisierung des Stators und schließlich zu Schäden am Wickel-
teile der ursprünglichen Ausführung eines hat man nicht nur die Wickelkopf- kopfsystem führten. Bei der neuen Kon-
derartigen Generators, wie z. B. vom Kraft- abstützung, sondern auch die Wicklungs- struktion ist der elektrische Anschluß
werk Dolna Odra, bestand darin, daß die stäbe erneuert. Zur Erhöhung der Lebens- deshalb von der Wasserkammer völlig
Statorwicklung starr am Gehäuse befe- dauer des nachgerüsteten Stators wurden getrennt. Die mechanisch stabile Kon-
stigt war. Deshalb wurden alle Axialkräfte, die neuen Wicklungsstäbe mit modernster struktion ist gut an den Stäben befestigt
die im Betrieb und speziell bei Last- Micadur®-Isolation der Klasse F versehen. und läßt sich leicht montieren. Die Wasser-
änderungen infolge Behinderung der frei- Um die Zuverlässigkeit und das langfristi- kammer selbst ist eine bewährte ABB-
en Dehnung auftraten, auf den Wickelkopf ge Verhalten weiter zu verbessern, wird Konstruktion aus hochwertigem, korro-
übertragen. Als Folge davon kam es die Reinstwassertemperatur in jedem sionsfreiem Stahl 3 . Sie hilft nicht nur
manchmal zu Wärmespannungen und zum Wicklungsstab überwacht. Letzteres er- Leckagen von Wasserstoff und Wasser zu

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Modernisierung des Stators – u. a. mit axial flexibler Aufhängung 2


des Wickelkopfs, d. h. axiale Wärmedehnungen können problemlos
aufgenommen werden.

Generator des Blocks 5 des 1


Kraftwerks Dolna Odra in Polen 5
als Beispiel für eine erfolgreiche
Nachrüstung mit allen von ABB
2 1
neuentwickelten Retrofit-Paketen.
6
Seine Leistung wurde von 200 MW
auf 230 MW gesteigert.
5

Änderungen am Wickelkopf. 3
Die elektrischen Verbindungen
3
zwischen den Statorwicklungsstäben
sind von den Kühlwasserverbindun-
gen getrennt. Der Wickelkopf
kann sich ausdehnen, ohne daß
die Preßplatte vom Blechpaket
abhebt. Die Temperatur
wird für jeden Stab geregelt.
4
1 Wasserkammer in ABB-Ausführung
2 Elektrische Verbindungen
3 Träger 7
4 Preßplatte
5 Befestigung für den Wickelkopf
6 Statorwicklungsstäbe
mit Micadur-Isolation
7 Temperaturfühler

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werden und zu Schäden an den Stator-


gehäusekeilen führen. Die Statorgehäuse-
keile der alten Statorausführung waren mit
dem Gehäuse verschweißt. Um die oben-
genannten im praktischen Einsatz nach-
weislich aufgetretenen Schwingungen zu
beseitigen bzw. auf ein Mindestmaß zu
beschränken, hat die neue Konstruktion
eine flexible Aufhängung, die die Schwin-
gungen weitgehend dämpft. Außerdem
wurde die Kompaktheit des Blechpakets
mit Hilfe eines magnetischen Vibra-
tionsverfahrens unter konstantem Preß-
a druck und konstanter erhöhter Temperatur
während des Modernisierungs- und Fer-
tigungsprozesses verbessert. Dank der
höheren Kompaktheit des Blechpakets
und Verwendung verstärkter Preßplatten
und -finger aus einem speziellen Werkstoff
wurden Einzelblechschwingungen weitge-

B B hend unterdrückt.

Reinstwasseranschlüsse
mit Axialkompensatoren
Eine weitere Ursache für Leckagen im
Wasserstoff- bzw. Wasserkühlsystem wa-
ren die starren Wasseranschlüsse am
B B Generator. Um diese Leckagen zu vermei-
b den, wurden Axialkompensatoren integriert
4 , die die Wärmespannungen sowie die
Auswirkungen der statischen und dyna-
Gegenüberstellung der Wasseranschlüsse in alter (a) 4 mischen Kräfte reduzieren und somit eine
und neuer Ausführung (b). Bei der alten Ausführung ist die Befestigung
optimale Dichtigkeit gewährleisten.
am Gehäuse starr, so daß sie keine Wärmespannungen und keine statischen
und dynamischen Kräfte aufnehmen kann. Bei der neuen Ausführung
gleichen dagegen Kompensatoren (B) aus korrosionsfreiem Stahl alle an Erhöhung der Ausgangsleistung
den Halterungen auftretenden Kräfte aus. Darüber hinaus hat man Maßnahmen
ergriffen, um die Ausgangsleistung des
vermeiden, sondern bietet auch die Mög- letztgenannte Forderung wurde mit Hilfe Turbogenerators zu erhöhen. So wurden
lichkeit, den Wasserkreislauf getrennt zu eines speziellen Verkeilverfahrens erfüllt. z. B. zusätzlich zu anderen Änderungen
öffnen und zu kontrollieren. Dadurch wird Dieses und das Herstellverfahren verhin- durch ein optimiertes, abgestuftes Profil
das System erheblich wartungsfreundlicher. dern, daß es später zum Setzen der Nut- der Blechpaketenden die magnetischen
füllung infolge Oberflächenunebenheiten Verluste verringert. Weitere Maßnahmen
Doppelschrägkeile kommt. Eine hohe Preßkraft und die erfor- zur Erhöhung der Generatorleistung be-
Besonderes Augenmerk wurde auf die derliche Elastizität werden durch Einsatz treffen die Nachrüstung des Rotors.
Nutverkeilung und die dazugehörigen Fer- von kurzen Doppelschrägkeilen erreicht.
tigungsverfahren gelegt. Die Abstützung Modernisierung des Rotors
der Wicklungsstäbe in den Statornuten Aufhängung des Das wichtigste Ziel bei der Modernisierung
muß im wesentlichen zwei Aufgaben er- Statorblechpakets des Rotors war, die Temperatur der Feld-
füllen – erstens eine Preßkraft erzeugen, Die Erfahrung hat gezeigt, daß starr wicklung zu senken, um die Ausgangs-
die größer ist als die größte im Betrieb fixierte Statorblechpakete zu Schwingun- leistung des Turbogenerators auf 230 MW
auftretende Kraft, und zweitens diese gen neigen [9]. Diese Schwingungen kön- erhöhen zu können. Dies erfolgte in
Preßkraft möglichst konstant halten. Die nen sogar auf das Gehäuse übertragen Verbindung mit Maßnahmen, die Lebens-

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Nachrüstung eines Turbogeneratorrotors für das Kraftwerk Laziska, Polen, im Werk von ABB Dolmel, Wroclaw, Polen 5

Umbau der Rotorwicklung von Radialkühlung (a) 6 Neuwicklung eines Turbogenerators. 7


auf Axialkühlung (b). In der neuen Ausführung (b) kommt Die Form der Rotornuten ist so geändert worden,
der Kühlgaszustrom vom Bereich der Rotorwickelköpfe. daß eine gleichmäßige Kühlung längs der Wicklung
Das Gas strömt durch die Wicklungen und tritt in der erfolgt und dadurch lokale Überhitzungen
Mitte des Rotors aus. vermieden werden.

a b

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ABB verfügt über modernste Werk-


Tabelle 1: zeuge, um verschiedene Formen und Aus-
Vergleich wichtiger technischer Daten der alten führungen von Endkappen zu untersuchen
und der neuen Ausführung des Rotors und zu berechnen. Dabei wurde fest-
gestellt, daß sich moderne Werkstoffe, die
Alte Ausführung Neue Ausführung
in neuen ABB-Turbogeneratoren für End-
Nennleistung 200 MW 230 MW kappen verwendet werden, auch für
Kühlwassertemperatur 33 ˚C 33 ˚C Retrofit-Endkappen älterer Turbogenera-
Feldstrom 2660 A 2570 A toren anderer Hersteller eignen. Zur Er-
Maximale Temperatur der Feldwicklung* 115 ˚C 110 ˚C höhung der Lebensdauer wird die Form
Tatsächliche Temperatur der Feldwicklung ca. 115 ˚C unter 100 ˚C geändert 8 .
Die eingesetzte ABB-Bajonettbefesti-
* nach IEC 34 gung läßt sich leicht montieren. Der
Wickelkopf kann sich nun im entstehen-
den freien Raum axial ausdehnen.
dauer und Zuverlässigkeit der Rotor- wird 6b . Die neue Rotorausführung läßt Während Doppelschrumpfsitze stets
komponenten verbessern 5 . sich zudem einfacher berechnen und her- durch Wechselbiegebeanspruchung be-
stellen, und es ergibt sich eine sehr homo- dingte Änderungen an den Kappen erfah-
Umbau der Wicklung gene, niedrigere Wicklungstemperatur ent- ren, gestattet die sogenannte fliegende
von Radial- auf Axialkühlung lang der ganzen Wicklung sowie ein höhe- Endkappe eine freie Axialdehnung, ohne
Um die angestrebte Leistungsverbesse- rer Wirkungsgrad 7 . Tabelle 1 vergleicht daß es zu den früher aufgetretenen
rung zu erreichen, hat man das Kühlsy- einige Ergebnisse, die erreicht wurden. Schäden kommt.
stem der Wicklungen von Radialkühlung
auf Axialkühlung umgebaut und eine Sub- Endkappe mit Zuleitungsbolzen
nut vorgesehen. 6a zeigt den alten Kühl- Bajonettverschluß Durch Modernisierung der Zuleitungsbol-
gaspfad. Ein- und Austrittsbereich zur Nut Die Werkstofforschung hat bei ABB eine zen konnte eine weitere Wasserstofflecka-
waren so gestaltet, daß die Gefahr einer lange Tradition, und viele Forschungser- ge mit entsprechender Explosionsgefahr
lokalen Überhitzung mit entsprechenden gebnisse sind mit Erfolg in kommerziellen beseitigt werden. Bei der alten Ausführung
Folgen für die Isolation bestand. Derartige Anwendungen genutzt worden. Typische wurden zum Verbinden der Anschlußlei-
Isolationsschäden wurden in der Praxis Forschungsgebiete waren beispielsweise tung mit dem Schleifring zwei konische
tatsächlich gefunden. Dieses Problem tritt Werkstoffe mit hoher Beständigkeit gegen Gewindebolzen verwendet. Bei verschie-
bei einem modernisierten Rotor nicht interkristalline Spannungsrißkorrosion [10, denen Dichtwerkstoffen, einschließlich
mehr auf, da jetzt für jeden Hohlleiter über 11]. Derartige neuentwickelte Materialien Gummi, traten leicht Verformungsschäden
der Nuthöhe die gleiche Temperaturver- sind wesentlich unempfindlicher gegen- auf, weil sie unterschiedliche Dehnungs-
teilung entlang der Wicklung erreichbar über Feuchtigkeit als früher eingesetzte. eigenschaften besaßen. Bei der neuen
Ausführung aus modernen thermischen
Isolierstoffen wird die Wärmedehnung der
Erregerschiene aufgenommen, ohne daß
Wasserstoffleckagen auftreten.
1

Schleifringe
Auch die Schleifringe wurden moderni-
siert, um ihrer Neigung, oval zu werden,

2 entgegenzuwirken und die Gefahr eines

Bajonettbefestigung für neue 8


Endkappen – sie werden aus einem
Werkstoff mit hoher Beständigkeit
3 gegen interkristalline Spannungsriß-
korrosion hergestellt.
1 Endkappe
2 Zentrierungsring
3 Rotorkörper

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Bürstenbrücke mit Eigenkühlung. 9


Das neugestaltete Gehäuse
läßt sich einbauen, ohne den ganzen
Aufbau zu zerlegen.
Es ermöglicht, den Bürstenapparat
wirksam zu kühlen, und reduziert
die Geräuschentwicklung erheblich.

Weglaufens bzw. Verschiebens zu verrin-


gern. Neue Werkstoffe und Bearbeitungs-
verfahren verbessern das Betriebsverhal-
ten der Bürsten erheblich, verlängern
deren Lebensdauer und erleichtern die
Reinigung vom Kohlenstaub. Verbesse-
rungen wurden nicht nur durch andere
Dichtungen für die Zuleitungen erzielt,
sondern auch durch eine Umgestaltung
der Verbindungen zwischen der Zulei-
tungsschiene und den Zuleitungsbolzen
sowie durch Änderung des Isolationsver-
fahrens und der Konstruktion der Schleif-
ringe selbst.

Bürstenbrücke mit Eigenkühlung


Ohne Gehäuse gab es bei der alten
Bürstenbrücke Schwierigkeiten, eine effi-
ziente Belüftung sicherzustellen. Die neu-
entwickelte Bürstenbrücke ist als gekap-
seltes System mit Eigenkühlung 9 und
einem zusätzlichen Ventilator ausgebildet,
dessen Aufgabe es ist, die Belüftung

Vergleich der Dichtölsysteme. Bei der alten Ausführung (a) wurden am Rotor Axialdichtungen verwendet; 10
hier besteht die Gefahr von Leckagen, wenn es zu Wärmedehnungen infolge von Laständerungen kommt.
Bei der neuen Ausführung (b) kommen Radialdichtungen zum Einsatz, die selbst bei plötzlicher Axialbewegung
und bei Wärmedehnungen des Rotors ihr Dichtvermögen behalten.

H2 Wasserstoff A Luft O Schmieröl

H2 A

a b

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zu verstärken und die Kühlung zu opti-


mieren. Dank der niedrigeren Tempera-
turen wird die Lebensdauer der Bürsten-
brücke beträchtlich erhöht. Das neue
System ist zudem wartungsfreundlich
konzipiert, um die Instandhaltungskosten
zu reduzieren.

Neue Radialöldichtungen
und getrenntes Dichtölsystem
Bei den zu ersetzenden Öldichtungen
handelte es sich ausschließlich um Axial-
dichtungen. Der Nachteil dieser Dich-
tungsart besteht darin, daß eine Axialdeh-
nung des Rotors Schäden und Leckagen
verursachen kann – mit der Folge, daß
Wasserstoff verlorengeht und Öl in den
Turbogenerator eintritt. Deshalb wurde ein
System entwickelt, das erlaubt, die von
ABB serienmäßig eingesetzten Radial-
dichtungen sowie ein Einkreis-Dichtöl-
system zu verwenden. Das System, wel-
ches das Dichtöl streng vom Schmieröl
trennt, zeichnet sich durch hohe Zuver-
lässigkeit und Sicherheit aus 10 , 11 . Es
gewährleistet dank der Vakuumentgasung
eine extrem hohe Reinheit des Öls. Dies
führt wiederum zu höherer Wasserstoff-
reinheit und somit zu einem höheren Wir-
kungsgrad des Turbogenerators.

Regelung der Temperatur


des Wasserstoffs und des Stator-
Neues Dichtölsystem im Kraftwerk Dolna Odra, Polen, mit kurzen, 11
Kühlwassers
gradlinigen Verbindungen zum Generator. Das System besteht aus einer
einzigen Anlage; auch sämtliches Zubehör ist hier untergebracht. Im Betrieb sollte die Temperatur des Kühl-
gases und des Reinstwassers möglichst
konstant sein. Durch eine Verbesserung
des Rückkühlsystems mit automatischer
30
Regelung für das Gas wurde es möglich,
die Kaltgastemperatur auf einem nahezu
25 24
konstanten Wert zu halten.
20 Bei der alten Ausführung wurde die
Temperatur des durch die Statorwick-
16 15
15 lungsstäbe strömenden Reinstwassers
13
überwacht, jedoch nicht geregelt. Eine
10 9 Regelung ist jedoch notwendig, denn
Schwankungen der Wicklungstemperatur
Anzahl

5
verursachen Wärmedehnungen, die zu

0
Statoren Rotoren Bürsten- Wellen- Dichtöl-
Übersicht über die in Polen 12
brücken dichtungen systeme
an 200-MW-Turbogeneratoren
durchgeführten Nachrüstungen

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T U R B O G E N E R A T O R E N

100 100
K K
81K
80 80
70 70
60 60
I
50 50 46K

40 40
II I
30 30
20 20
II
10 10
∆T ∆T
0 0
0 100 200 300 400 500 600 700 800 kW 1000 0 100 200 300 400 500 600 700 800 kW 1000
a Pf b Pf

Gemessener Anstieg der Rotorwicklungstemperatur 13


in Abhängigkeit von den Feldwicklungsverlusten. 100
Nach der Modernisierung liegt der Temperaturanstieg
K
selbst bei einer Leistung von 230 MW mit 59 K unter
dem vorher bei 200 MW erreichten Wert von 81 K. 80 81K

70
a Vor der Modernisierung
60 59K
b Nach der Modernisierung
c Gegenüberstellung vor und nach der Modernisierung bei 50
höherer Leistung und gleichen Betriebsbedingungen
(230 statt 200 MW) 40
III
30
∆T Temperaturanstieg
20
Pf Feldwicklungsverluste
10
I Temperaturanstieg bei verschiedenen Feldströmen ∆T
0
II Feldwicklungsverluste bei 200 MW 0 100 200 300 400 500 600 700 800 kW 1000
III Feldwicklungsverluste bei 230 MW
c Pf
(nach der Modernisierung)

einer Beschädigung oder Herabsetzung reichen anderen Maschinen in Polen mit dernisiert wurden, bestätigen die Berech-
der Isolationsfähigkeit der Hauptisolation Erfolg ausgeführt 12 . Dolna Odra, einer nungen und Erwartungen bezüglich der
führen können. Bei der neuen, verbesser- der größten polnischen Kraftwerksbetrei- Senkung der Wicklungstemperatur unter
ten Konstruktion wird die Temperatur des ber, hat nun vier komplett nachgerüstete die in IEC 34 festgelegten Grenzwerte, so
Reinstwassers deshalb nicht nur genaue- Generatoren in Betrieb 1 . Andere Kraft- daß eine Leistungserhöhung tatsächlich
stens überwacht, sondern auch durch ein werksbetreiber haben ausgewählte Retro- erzielbar ist.
spezielles Temperaturregelventil konstant fit-Pakete bestellt. Alle Kunden waren mit 13 zeigt die Rotorwicklungstempera-
gehalten. der Qualität der durchgeführten Maßnah- turen, die an einem Turbogenerator in
Dank dieser und anderer Maßnahmen men und der dabei erreichten Wartungs- einem polnischen Kraftwerk vor und nach
bleibt die Nutzungsdauer der Wicklungen freundlichkeit sehr zufrieden. der Modernisierung gemessen wurden.
unbeeinträchtigt, selbst wenn der Turbo- Der nach dem Widerstandsverfahren ge-
satz mit wechselnder Belastung betrieben Überwachung der messene Temperaturanstieg ist in Abhän-
oder täglich hochgefahren wird. Betriebstemperaturen gigkeit von den Verlusten in der Rotor-
Messungen an den ursprünglichen Gene- wicklung dargestellt. 13a bezieht sich
Betriebserfahrungen ratoren hatten ergeben, daß die Überhit- auf den Rotor vor der Modernisierung,
Die beschriebenen Verbesserungen wur- zung der Rotorwicklungen ein kritisches während 13b, c die Meßwerte nach der
den nicht nur am Generator des Kraft- Problem der Konstruktion darstellt. Mes- Modernisierung zeigen. Die dicken Linien
werks Dolna Odra, sondern auch an zahl- sungen an Generatoren, die von ABB mo- geben die Temperaturerhöhung bei ver-

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schiedenen Feldströmen an. Die Feldwick- Möglichkeiten [4] Torsteinsrud, T.: Schnelles Auswech-
lungsverluste Pf wurden wie folgt be- zur lokalen Fertigung seln von Generatorständern in Kernkraft-
rechnet: in vielen Ländern werken. ABB Technik 2/94, 8 –12.
Die vollständige Modernisierung eines [5] Krämer, E.; Huber, H.; Scarlin, B.:
2
Pf = If · Rf Turbogenerators dauert ungefähr 18 Wo- Nachrüstung von Niederdruckdampftur-
If Feldstrom chen, einschließlich Teileherstellung und binen. ABB Technik 5/96, 4 –13.
Rf Widerstand der Feldwicklung Zusammenbau in der Fabrik. Sie kostet – [6] Olechnowicz, P.; Czwiertnia, K.; Lu-
ohne Überholung der Zusatzeinrichtungen niewicz, B.: Rehabilitation, retrofit or mo-
Die steileren Kurven zeigen die tatsäch- – ungefähr 1⁄ 3 eines neuen Turbogenera- dernization of 200 MW turbine sets. Proc.
lichen Feldverluste bei verschiedenen tors vergleichbarer Leistung. Dies macht PowerGen ’93, Singapore, 13 –15 Sept.
Temperaturen und bei einer bestimmten eine Nachrüstung für EVUs sehr interes- 1993.
Nennleistung. Wie zu erkennen ist, erfüllt sant, die derartige alte Maschinen betrei- [7] Kosman, G.; Rusin, A.; Czwiertnia, K.;
ein modernisierter Rotor die Anforderun- ben. Die beschriebene Nachrüstung ist Luniewicz, B.; Dobrowolski, P.: Steam
gen nach IEC 34 für Isolierstoffe der Klas- nur eine von mehreren möglichen Lösun- turbines retrofit and modernization of their
se B sogar bei einer Ausgangsleistung von gen, aber in den meisten Fällen wahr- operating conditions as the basis for life
230 MW (59 K, d. h. 11 K unter dem scheinlich die kostengünstigste. extension. Proc. PowerGen ’96, Buda-
IEC-Grenzwert). Bei einer Leistung von Alle Retrofit-Lösungen werden über pest, 26 – 28 June 1996.
200 MW ist die Temperatur der gleichen das weltweite Fertigungsnetz von ABB an- [8] Gajowy, T.; Suchecki, W.; Gellert, B.:
Rotorwicklung ungefähr 35 K niedriger als geboten. Durch die Möglichkeit, zahlrei- Successful Retrofit of 200 MW Turbo-
vor der Modernisierung (46 K gegenüber che Komponenten lokal zu fertigen, wer- generators of Non-ABB Design. Proc.
81 K). Dadurch ergeben sich für die Isola- den sie für viele EVUs noch interessanter. PowerGen Asia, New Delhi 96, 3 – 247 to
tion des Rotors bessere Betriebsbedin- Die lokale Fertigung fördert zudem eine 3 – 259.
gungen. Auch die Wärmedehnung der enge Zusammenarbeit mit den Betreibern, [9] Przybysz, J.: Turbogeneratory eksplo-
Rotorwicklung, die mechanische Schäden vertieft Erfahrungsaustausch und fördert atacja i diagnostyka (Turbogeneratoren:
verursachen kann, wird beträchtlich ver- somit die Kundenzufriedenheit. Betrieb und Messungen). WNT publishing,
ringert. Die Ergebnisse zeigen, daß die Zusammenfassend kann festgestellt Warsaw, Polen, 1991, 114 –117.
Temperaturerhöhung der Rotorwicklungen werden, daß mit nachgerüsteten Turbo- [10] Speidel, M. O.; Gabrielli, G.; Scarlin,
beträchtlich reduziert werden konnte. In generatoren des 200-MW-Leistungsbe- B.: Alloy development and service relia-
Verbindung mit der neuen Rotoraus- reichs das gleiche Betriebsverhalten und bility of retaining rings. Proc. of the Intern.
führung, in der Isolierstoffe der Klasse F Leistungsvermögen erzielt wird wie mit Conf. on Advances in Material Technology
zum Einsatz kommen, und einem optima- neuen Anlagen. Der Kunde erhält einen for Fossil Power Plants, Chicago (USA),
len Werkstoff für die Endkappen wird die Turbogenerator, der die modernste Tech- 1987, 461– 467.
Lebensdauer des Rotors so erheblich nik enthält und dessen Lebensdauer dem- [11] Gabrielli, G.; Weigelt, K.; Scarlin, B.:
verlängert. Es war auch möglich, den entsprechend um 20 bis 30 Jahre ver- Overall consideration of rotor retaining
Revisionsabstand von 8 auf 10 Jahre längert wird. Eine Nachrüstung und Wir- rings for reliable operation. EPRI Gener-
zu erhöhen, ohne daß der Rotor zwi- kungsgraderhöhung macht sich nicht nur ator Retaining Rings Workshop, Septem-
schenzeitlich ausgebaut werden muß. rasch bezahlt, sondern sie hilft auch, in ber 15 –17, 1987.
Thermische Messungen an moderni- Zukunft elektrische Energie umweltfreund-
sierten Statoren zeigen, daß die Tempera- licher zu erzeugen.
tur der mit Reinstwasser von 40 ˚C gekühl- Adressen der Autoren
ten Statorwicklungen 90 ˚C nicht über- Literaturhinweise Dr. Bernd Gellert
schreitet. Der für die Isolierstoffklasse B [1] Ulrich, A.: «Power Plant Service ABB Kraftwerke AG
geltende IEC-Grenzwert für Statorwick- Management» – ein neues Konzept zur CH-5401 Baden/Schweiz
lungstemperaturen beträgt 120 ˚C. Auch Maximierung der Kraftwerksrentabilität. Telefax: +41 (0) 56 466 6685
die am Austritt der Statorwicklungsstäbe ABB Technik 5/95, 21 – 27. Internet: bernd.gellert@chkra.mail.abb.com
gemessene Höchsttemperatur des Kühl- [2] Weigelt, K.: Erfolgreiche Nachrüstung
wassers liegt unter 70 ˚C, also weit unter eines 970-MVA-Turbogenerators. ABB Wieslaw Suchecki
dem IEC-Grenzwert von 85 ˚C. Diese Technik 3/88, 3 –10. Tadeusz Gajowy
Messungen bestätigen, daß modernisierte [3] Schöninger, J.: Kraftwerksservice – ABB Dolmel Ltd.
Turbogeneratoren ohne irgendwelche Ein- ein neues Konzept für die schnelle Um- ul. Fabryczna 10
schränkungen mit einer Leistung von rüstung von Turbogeneratoren. ABB Tech- PL-53609 Wroclaw/Polen
230 MW arbeiten können. nik 10/95, 23 – 30. Telefax: +48 (0) 71 551 800

28 ABB Technik 1/1997