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DIE VERWANDLUNG

FRANZ KAFKA
INTERPRETATION

Iaco Pescollderungg
5AN
8. Jänner 2021

Die 1912 entstandene Erzählung „Die Verwandlung“ von Franz Kafka handelt von
Gregor Samsas plötzlicher Verwandlung in einen Käfer.
Als Gregor Samsa, ein tugendhafter, fleißiger, etwas schüchterner Reisehändler, der im
Hause seiner Eltern wohnt, eines Morgens aufwacht, bemerkt er, dass er sich über Nacht
verwandelt hat. Eltern und Schwester Grete, die er bisher versorgt hat, wenden sich
allmählich von ihm ab. Der körperlichen Metamorphose folgt die psychische. Die
Verwandlung führt zur steigenden Isolation und schließlich zum Tode Gregors.
Als Käfer sind Gregors erste Gedanken arbeitsbezogen. Er fragt sich, wie er in seinem
neuen Zustand zur Arbeit gelangen könne. (1) Wenn ich morgens als Ungeziefer aufwachte,
dann würde mich in erster Linie die Veränderung als solche beschäftigen. Ich würde eine
Erklärung verlangen, da etwas Mysteriöses passiert ist. Die Hauptfigur Kafkas Erzählung
verlangt diese Erklärungen aber nie ein. Die Verwandlung an sich wird nie hinterfragt,
sondern die Auswirkungen wahrgenommen. Dieses Element, was außerhalb unserer
weltlichen Realität liegt, wird in der Realität der Erzählung, angenommen. Vorstellungen, die
normalerweise auf der metaphorischen Ebene passieren würden, wie die Idee, ein Ungeziefer
zu sein, werden einfach als wirklich dargestellt.
Das Mysterium rund um die Frage, warum Gregor Samsa sich in ein Ungeziefer
verwandelt, ist meiner Meinung nach der Kern der Erzählung, die keinerlei Erklärungen dafür
anbietet. Somit macht man sich als Leser auf die Suche nach einer möglichen Begründung.
Und genau das ist es, was Kafkas Werk so vieldeutig macht! Man kann den Text, je nach
Empfinden und Ideen, als Leser in unterschiedlichen Weisen erleben. Man findet Zugang zu
vielen verschiedenen Wegen, wie man die Erzählung verstehen kann. Der Schriftsteller
begünstigt, aufgrund seiner genauen Beschreibungen und durch einen genauen Aufbau, ganz
viele Interpretationen, die auch durch eine logische Struktur bestätigt werden.
Man kann die Verwandlung als Reaktion auf eine ungesunde Familiendynamik sehen
und als Folge die Familienverhältnisse analysieren. Solange Gregor arbeitsfähig ist und so die
wirtschaftlichen Kosten des Lebens seiner ganzen Familie tragen kann, wird er akzeptiert.
Ihm wird vielleicht nicht die verdiente Dankbarkeit ausgedrückt, aber er verlangt diese auch
nie ein. Alles, was Gregor für die Familie macht, wird als selbstverständlich betrachtet. Die
Träume und Bedürfnisse Gregors werden von der Familie unterdrückt. Ab dem Zeitpunkt, als
sich die Verhältnisse umdrehen, sodass die Familie auf sich gestellt ist und sich auch noch um
Gregor kümmern muss, verschwindet nach und nach jede Art von Kontakt und Gregor fühlt
sich von seinen Mitmenschen entfremdet. Das wird in der Erzählung dadurch ausgedrückt,
dass anfangs Gregor noch mit seinen Mitmenschen kommunizieren kann, doch er die
menschliche Sprache allmählich verlernt, bis ihn niemand mehr verstehen kann.
(2)
Es könnte aber auch sein, dass in der Erzählung der Werdegang einer psychischen
Erkrankung beschrieben wird. Zu Beginn besteht noch Hoffnung auf eine Genesung, doch
mit der Zeit erlischt diese. Durch die Intoleranz der Gesellschaft, die keine Intentionen zeigt,
behilflich zu sein, verschlechtert sich der Zustand stetig und führt zuletzt zum Tode des
Erkrankten.
Eine Kritik an der Berufswelt ist auch erkennbar. Gregors berufliche Entfremdung führt
zur persönlichen Entfremdung. Er muss die harten Arbeitsbedingungen als Reisehändler und
die langen Arbeitszeiten tolerieren, wenn er die Arbeit nicht verlieren will. Die Arbeitgeber
sind sehr misstrauisch. Unter diesen Berufsbedingungen kann es, wie es in Kafkas Erzählung
beschrieben wird, zu einem Identitätsverlust kommen. (3)
Wenn man die historischen Hintergründe der Zeit der Entstehung der Erzählung
berücksichtigt, kann man den Text als Kritik auf einen aufstrebenden Kapitalismus deuten.
Durch Gregors Berufsunfähigkeit nimmt ihn die kapitalistische Gesellschaft als nutzlos wahr,
da diese funktionierende Menschen fordert. Gregor Samsa wird in der Erzählung als ein
Ausgebeuteter des Kapitalismus dargestellt.
Der im Titel genannte Begriff „Die Verwandlung“ bezieht sich aber keinesfalls nur auf
Gregor Samsa, sondern es finden mehrere Verwandlungen gleichzeitig statt, wobei die des
Vaters, der Mutter und der Schwester genauer im Verlauf der Erzählung beschrieben werden.
Zu Beginn der Erzählung ist Herr Samsa arbeitslos. Er sitzt den ganzen Tag zu Hause
herum und liest Zeitung. Gregor hat, seit dem Konkurs der Firma seines Vaters, die Rolle des
Ernährers in der Familie eingenommen. Sobald Gregor arbeitsunfähig ist, beginnt der Vater
wieder zu arbeiten. Dadurch erobert er die Rolle des Ernährers zurück und fühlt sich wieder
wohl. (4)
Frau Samsa wird immer als sanfte, jedoch abhängige, schwache Frau dargestellt. Auch
sie muss anfangen zu arbeiten, aber sie bleibt unter dem Schutz der anderen.
Gregors Schwester, Grete Samsa, wird am Anfang des Textes als unschuldiges Kind
dargestellt. Ihre einzige Beschäftigung ist das Geigenspielen. Direkt nach Gregors
Verwandlung ist sie jene, die sich um ihn kümmert. Ihr wird somit Verantwortung und eine
gewisse Bedeutung übertragen. Am Ende der Erzählung blüht sie als schöne und
selbstbewusste Frau auf. (5)
Das Schöne an diesem Text ist, dass es nicht darum geht, wie Gregor Samsa sich
zurückverwandeln kann, sondern, dass die Verwandlung einfach ein Geschehen ist, das
hingenommen werden muss. Diese Besonderheit der Verwandlung ist ein Teil der Welt, wie
Gregor sie erlebt. Die Tatsache, dass die Realität als etwas Unverständliches empfunden wird,
dem man ausgesetzt ist, löst sich nicht auf.
Für mich ist aus diesem Grund das Hauptthema Kafkas Erzählung die unauflösliche
Rätselhaftigkeit der Welt. Das Leben ist und bleibt ein unverständliches Mysterium.
ZITATE:
1) „»Ach Gott«, dachte er, »was für einen anstrengenden Beruf habe ich gewählt! Tag aus, Tag ein auf
der Reise. … »Dies frühzeitige Aufstehen«, dachte er, »macht einen ganz blödsinnig. Der Mensch muss
seinen Schlaf haben. … Der nächste Lok ging um heraussuchen Uhr; um den einzuholen, hätte er sich
witzlos sputen sollen“

2)„Gregor erschrak, als er seine antwortende Stimme hörte, die wohl unverkennbar seine frühere war, in
die sich aber, wie von unten her, ein nicht zu unterdrückendes, schmerzliches Piepsen mischte, das die Worte
förmlich nur im ersten Augenblick in ihrer Deutlichkeit beließ, um sie im Nachklang derart zu zerstören, daß
man nicht wußte, ob man recht gehört hatte. …Infolge der Holztür war die Veränderung in Gregors Stimme
draußen wohl nicht zu merken, denn die Mutter beruhigte sich mit dieser Erklärung und schlürfte davon. …Man
hatte sich eben daran gewöhnt, sowohl die Familie, als auch Gregor, man nahm das Geld dankbar an, er
lieferte es gern ab, aber eine besondere Wärme wollte sich nicht mehr ergeben.“ “Wenn ich mich nicht wegen
meiner Eltern zurückhielte, ich hätte längst gekündigt, ich wäre vor den Chef hin getreten und hätte ihm meine
Meinung von Grund des Herzens aus gesagt.“ „habe ich einmal das Geld beisammen, um die Schuld der Eltern
an ihn abzuzahlen – es dürfte noch fünf bis sechs Jahre dauern – , mache ich die Sache unbedingt.“

3)„»Ach Gott«, dachte er, »was für einen anstrengenden Beruf habe ich gewählt! Tag aus, Tag ein auf der
Reise. Die geschäftlichen Aufregungen sind viel größer, als im eigentlichen Geschäft zu Hause, und außerdem
ist mir noch diese Plage des Reisens auferlegt, die Sorgen um die Zuganschlüsse, das unregelmäßige, schlechte
Essen, ein immer wechselnder, nie andauernder, nie herzlich werdender menschlicher Verkehr. Der Teufel soll
das alles holen!«“

4)„Nun aber war er recht gut aufgerichtet; […] der Blick der schwarzen Augen frisch und aufmerksam
[…]  das sonst zerzauste weiße Haar war zu einer peinlich genauen, leuchtenden Scheitelfrisur niedergekämmt.
Er warf seine Mütze, auf der ein Goldmonogramm, wahrscheinlich das einer Bank, angebracht war, über das
ganze Zimmer im Bogen auf das Kanapee hin und ging, die Enden seines langen Uniformrockes
zurückgeschlagen, die Hände in den Hosentaschen, mit verbissenem Gesicht auf Gregor zu.“

5) „Während jene sich so unterhielten, fiel es Herrn mehr noch auf, …, zu einem positiv darstellen überdies
üppigen junge Frau aufgeblüht war. … , denn am Ziele ihrer Expedition die Töchterchen qua erste einander
erhob noch dazu ihren jungen Corpus dehnte.“