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Olivier Blanchard, Gerhard Illing

Makroökonomie
Inklusive eLearning Zugang zu
MyMathLab | Makroökonomie

7., aktualisierte Auflage


ISBN: 978-3-86894-308-5
800 Seiten | 2-farbig
€ 54,95 [D] | € 56,50 [A] | sFr 64,20*

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www.pearson.ch
Kapitel 11
Produktion, Sparen
und der Aufbau von Kapital

© Pearson Studium 2017 | © Olivier Blanchard/Gerhard Illing: Makroökonomie 2


Literatur

• Blanchard, O., Illing, G. (2017). Makroökonomie. 7. Aufl. Pearson


Studium, Kap. 11 (11.1-11.3).

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Vorlesungsübersicht

11.1 Die Wechselwirkung zwischen Produktion und Kapital


11.2 Sparquote und Kapitalakkumultation
11.3 Ein Gefühl für die Größenordnungen

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11.1 Die Wechselwirkung zwischen Produktion und Kapital

Gesamtwirtschaftliche Produktionsfunktion: 𝑌𝑡 = 𝐴𝑡 𝐹(𝐾𝑡 , 𝑁𝑡 )

• Die Produktion hängt langfristig ab vom:


o technischen Wissen (At);
o Arbeitseinsatz (Beschäftigung Nt) und
o Kapitalbestand (Kt).

• Wir konzentrieren uns auf die Entwicklung des Kapitalbestands und


treffen daher folgende Annahmen:

1. Bevölkerungsgröße, Partizipationsrate und Arbeitslosenquote


nehmen wir als konstant an: Nt=N

2. Es gibt keinen technischen Fortschritt. At=A=1


𝑌𝑡 = 𝐹(𝐾𝑡 , 𝑁)

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11.1 Die Wechselwirkung zwischen Produktion und Kapital

• Zwei Beziehungen zwischen Produktion und Kapital


bestimmen langfristig die Produktion:

o Die Höhe des Kapitalbestands beeinflusst die Gütermenge,


die produziert werden kann.
o Die Produktionsmenge beeinflusst, wie viel gespart und
investiert werden kann und damit, wie viel Kapital
akkumuliert wird.

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Die Wechselwirkung zwischen Produktion und Kapital

Kapital, Produktion und Sparen/Investitionen

Y = F (K , N )

I =S = s Y

 K = I − Abschreibungen

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Die Wirkung von Kapital auf die Produktion

• Unter der Annahme konstanter Skalenerträge gilt für die Beziehung


zwischen Produktion je Beschäftigten und Kapitalintensität (K/N):

𝑌 𝐾 𝐾 𝐾
• Vereinfacht: =𝑓 mit 𝑓 ≡𝐹 ,1
𝑁 𝑁 𝑁 𝑁
• Unter diesen Annahmen lässt sich die Beziehung zwischen Produktion
und Kapital (jeweils je Beschäftigten) wie folgt schreiben:

• In Worten: Steigt die Kapitalintensität (Kapital je Beschäftigten), dann


steigt auch die Produktion je Beschäftigen.

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Die Wirkung der Produktion auf die Kapitalakkumulation

Produktion und Investition:


• Zwischen privater Ersparnis und Investitionen besteht
folgende Beziehung:
𝐼 = 𝑆 + (𝑇 − 𝐺)
• Wenn 𝑇 = 𝐺 ⇒ 𝑇 − 𝐺 = 0 ⇒
• 𝑆 = 𝑠 ∙ 𝑌, 0 < 𝑠 < 1
• Die Investitionen entsprechen der privaten Ersparnis; diese
steigt proportional mit dem Einkommen →
• Die Investitionen sind deshalb proportional zur Produktion: Je
höher die Produktion, desto höher die Ersparnis; umso höher
sind damit auch die Investitionen.

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Die Wirkung der Produktion auf die Kapitalakkumulation

Investition und Kapitalakkumulation:


• Die Entwicklung des Kapitalbestands im Zeitablauf:

o  bezeichnet die Abschreibungsrate.

• Kombinieren wir die Beziehung zwischen Produktion und


Investition, 𝐼𝑡 = 𝑠 ∙ 𝑌𝑡 , und die Beziehung zwischen Investition
und Kapitalakkumulation, so erhalten wir die zweite zentrale
Gleichung der Wachstumstheorie:

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Die Wirkung der Produktion auf die Kapitalakkumulation

Produktion und Kapital je Beschäftigten:

• Eine Umformung erlaubt es uns, die Veränderung der


Kapitalintensität über die Zeit zu betrachten:

• In Worten: Die Veränderung der Kapitalintensität (linke Seite)


ist gleich der Ersparnis je Beschäftigten minus den
Abschreibungen auf Kapital je Beschäftigten (rechte Seite).

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11.2 Sparquote und Kapitalakkumulation

• Wir haben zwei Beziehungen hergeleitet:

Erste Beziehung: Zweite Beziehung:


Die Produktion wirkt
Das Kapital bestimmt
ihrerseits über die
über die
Ersparnis auf die
Produktionsfunktion
Kapitalakkumulation
die Produktion

• Führen wir nun beide Beziehungen zusammen, so können wir


die Entwicklung von Produktion und Kapital im Zeitverlauf
betrachten.
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Die Dynamik von Kapitalbildung und Produktion

• Ersetzen wir in der rechten Gleichung die Produktion je


Beschäftigten (Yt /N) durch f(Kt /N), dann erhalten wir:

Veränderung der Investitionen Abschreibungen


Kapitalintensität vom während des während des
Jahr t zum Jahr t+1 Jahres t Jahres t

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Die Dynamik von Kapitalbildung und Produktion

Veränderung der Investitionen Abschreibungen


Kapitalintensität vom Jahr t während des während des
zum Jahr t+1 Jahres t Jahres t
• Übersteigt die Investition je Beschäftigten die Abschreibungen je
Beschäftigten, dann ist die Veränderung der Kapitalintensität positiv:
Das Kapital je Beschäftigten steigt.
• Wenn die Investition je Beschäftigten kleiner ist als die
Abschreibungen je Beschäftigten, dann ist die Veränderung der
Kapitalintensität negativ: Das Kapital je Beschäftigten fällt.

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Die Dynamik von Kapitalbildung und Produktion

Dynamische Entwicklung von Kapital und Produktion


Kapital hat abnehmende Grenzerträge: Die Produktionszuwächse werden immer kleiner.
Die Ersparnisse (ein Teil der Produktion) werden investiert.
Abschreibungen 𝜹 ∙ 𝑲𝒕 Τ𝑵
Produktion je Beschäftigten
Produktion je Beschäftigten Y/N

∗Τ
𝒀 𝑵 𝒇(𝑲𝒕 Τ𝑵)

Ausgangspunkt B Investitionen je Beschäftigten


(𝑲𝟎 Τ𝑵) 𝐬 ∙ 𝒇(𝑲𝒕 Τ𝑵)

C
Sind Kapital und AB = Produktion je Beschäftigten
Produktion niedrig, AC = Investition je Beschäftigten
dann übersteigen
D
die Investitionen AD = Abschreibungen
die Abschreibungen; AC > AD
der Kapitalbestand
wächst. A Die Abschreibungen je
Beschäftigten steigen
𝑲𝟎 Τ𝑵 𝑲∗ Τ𝑵
proportional mit der
Kapitalintensität K/N
Kapitalintensität.

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Die Dynamik von Kapitalbildung und Produktion

• Beim Niveau K*/N, sind Abschreibungen


die Investitionen gerade 𝜹 ∙ 𝑲𝒕 Τ𝑵

Produktion je Beschäftigten Y/N


Produktion je
groß genug, um die Y*/N Beschäftigten
𝒇(𝑲𝒕 Τ𝑵)
Abschreibungen zu B Investitionen je
decken. Beschäftigten
𝐬 ∙ 𝒇(𝑲𝒕 Τ𝑵)
• Kapitalintensität und C

Produktion je
Beschäftigten bleiben D

von da an konstant auf


ihrem langfristigen A
Gleichgewichtsniveau. 𝑲𝟎 Τ𝑵 𝑲∗ Τ𝑵

Kapitalintensität K/N

• Links von K*/N: Investitionen > Abschreibungen: Kapitalintensität steigt


• Rechts von K*/N: Investitionen < Abschreibungen: Kapitalintensität fällt

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Die Dynamik von Kapitalbildung und Produktion

Dynamische Entwicklung von Kapital und Produktion


Bei K0/N ist die Differenz zwischen Investitionen
und Abschreibungen positiv (Strecke CD). Abschreibungen
δ Kt /N
Produktion je Beschäftigten
f(Kt /N)
Produktion je Beschäftigten Y/N

Y*/N

Kapitalintensität B Investitionen je Beschäftigten


sf(Kt /N)
und Produktion
je Beschäftigten C

steigen also. Sind Kapital und


D Produktion hoch, liegen
die Investitionen unter
den Abschreibungen;
A der Kapitalbestand
(K0/N) K*/N
nimmt ab.
Kapitalintensität K/N

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Kapital und Produktion im Steady State

• Als Steady State bezeichnet man den Zustand, bei dem sich
Produktion je Beschäftigten und Kapitalintensität nicht mehr
verändern. Die linke Seite der obigen Gleichung ist also gleich
Null:

• Die Produktion je Beschäftigten (Y*/N) im Steady State ergibt


sich für K*/N aus der Produktionsfunktion:

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Der Einfluss der Sparquote auf die Produktion

Die Auswirkungen unterschiedlicher Sparquoten


Abschreibungen
Ein Land mit δ Kt /N
einer höheren D Produktion f(Kt /N)
Sparquote
Produktion je Beschäftigten Y/N

Y1/N
erreicht im
B Investition bei s1
Steady State Y0/N s1f(Kt /N)
ein höheres C
Produktions- Investition bei s0
niveau je s0f(Kt /N)

Beschäftigten. A

(K0/N) K1/N
Kapitalintensität K/N

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Der Einfluss der Sparquote auf die Produktion

• „Welchen Einfluss hat die Sparquote auf die Wachstumsrate


der Produktion?“

Die bisherige Analyse liefert uns drei Antworten auf diese


Frage:

1. Die Sparquote beeinflusst die langfristige Wachstumsrate


der Produktion je Beschäftigten nicht. Diese liegt bei Null, da
die Wirtschaft langfristig zu einem konstanten
Produktionsniveau je Beschäftigten konvergiert.

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Der Einfluss der Sparquote auf die Produktion

• „Welchen Einfluss hat die Sparquote auf die Wachstumsrate


der Produktion?“

2. Die Sparquote bestimmt aber die Höhe des langfristigen


Produktionsniveaus je Beschäftigten. Ceteris paribus
erreichen Länder mit einer höheren Sparquote ein höheres
Produktionsniveau.

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Der Einfluss der Sparquote auf die Produktion

• „Welchen Einfluss hat die Sparquote auf die Wachstumsrate


der Produktion?“

3. Eine höhere Sparquote lässt für einige Zeit, nicht aber für
immer, die Produktion stärker wachsen.

Das langfristige Produktionsniveau steigt mit einer höheren


Sparquote. Allerdings kann die Sparquote die langfristige
Wachstumsrate nicht beeinflussen.

In der Zeit, in der die Produktion ansteigt, erlebt die


Ökonomie eine Phase positiven Wachstums. Sie endet,
sobald sie ihren neuen Ruhepunkt erreicht.

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Der Einfluss der Sparquote auf die Produktion

Die Auswirkungen eines


Anstiegs der Sparquote auf
die Produktion je
Beschäftigten

Ein Anstieg der Sparquote


führt zu einer Wachstums-
periode, bis die Produktion
ihr neues, höheres Steady
State Niveau erreicht hat.

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Der Einfluss der Sparquote auf die Produktion

Die Auswirkungen eines


Anstiegs der Sparquote
auf die Produktion je
Beschäftigten in einer
Volkswirtschaft mit
technischem Fortschritt

Ein Anstieg der Sparquote


führt zu einer Periode mit
höherem Wachstum, bis die
Produktion einen neuen,
höheren Wachstumspfad
erreicht hat.

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Sparquote und Konsum

Die Auswirkungen der Sparquote auf den Konsum je Beschäftigten im


Steady State
Abschreibungen
s=1: C/N=0 δ Kt /N
Produktion f(Kt /N)
Mit der Spar-
Produktion je Beschäftigten Y/N

Y1/N
quote variiert C/N bei s1
der Konsum je B Investition bei s1
Y0/N
Beschäftigten im s1f(Kt /N)

Steady State.
Investition bei s0
s0f(Kt /N)
A

Konsum C/N
bei s0: AB
s=0: C/N=0 (K0/N) K1/N
Kapitalintensität K/N

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Sparquote und Konsum

Die Auswirkungen der Sparquote auf den Konsum je


Beschäftigten im Steady State

Maximaler Steady State


Konsum je Beschäftigten
Konsum je Beschäftigten C/N

Ein Anstieg Dann aber (ab sG)


der Sparquote kommt es zu einem
führt zunächst Rückgang des
zu einem Anstieg Konsums je
des Konsums je Beschäftigten im
Beschäftigten Steady State.
im Steady State.

sG

0 1
Sparquote s

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Sparquote und Konsum

• Für s > sG, führt eine höhere


Sparquote zu einem Anstieg
von Produktion und Kapital,
sie verringert aber den
Konsum je Beschäftigten.
• Für s = 1, sind zwar Kapital
und Produktion je
Beschäftigten maximal. Die
gesamte Produktion wird
aber benötigt, um die Sparquote s >sG ist ineffizient:
Konsumverzicht heute würde
Abschreibungen zu ersetzen. auch Konsum in der Zukunft reduzieren!
Für Konsum bleibt nichts Für s <sG bedeutet ein Anstieg der Sparquote
mehr übrig. (Konsumverzicht heute) dauerhaft höheren
Konsum in der Zukunft!
Welche Sparquote ist optimal?

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Sparquote und Konsum

Goldene Regel der Kapitalakkumulation (Golden Rule):

• Wähle die Sparquote sG, die den den maximalen Konsum im


Steady State ermöglicht

• Aber: Anstieg der Sparquote bis sG bedeutet Konsumverzicht


heute: Trade off zwischen Gegenwarts- und Zukunftskonsum

• Unterschiedliche Belastung der Generationen!

• Beispiel: Reform der Rentenversicherung

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Rentenversicherung, Rentenversicherungsreform
und Kapitalakkumulation
Grundsätzlich lässt sich ein Rentenversicherungssystem auf zwei
Arten organisieren:
• Im ersten System zahlen die Beschäftigten
Rentenversicherungsbeiträge; diese Beiträge werden dann
unmittelbar im gleichen Jahr als Leistungen an die jeweiligen
Rentner ausgezahlt. Ein solches Verfahren bezeichnet man als
Umlageverfahren.
• Im zweiten System investieren die Beschäftigten ihre
Rentenzahlungen in Finanzanlagen; im Rentenalter erhalten sie
ihre Investitionen dann einschließlich der Erträge zurück. Ein
solches System wird Kapitaldeckungsverfahren genannt.

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Rentenversicherung, Rentenversicherungsreform und
Kapitalakkumulation

Prognostizierter Altersquotient für verschiedene Renteneintrittsalter (60, 65 und 67), 2015–2060


Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden

• Ein Altersquotient von 0,51 im Jahr 2015 bei einem faktischen


Renteneintrittsalter von 60 Jahren bedeutet, dass knapp 2 Beschäftigte einen
Rentner finanzieren müssen.
• Bis zum Jahr 2060 würde er auf 0,9 ansteigen (1,11 Beschäftigte je Rentner).
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Rentenversicherung, Rentenversicherungsreform und
Kapitalakkumulation
Ist das Umlageverfahren langfristig tragbar?
• Ohne Änderung müsste der Rentenbeitragssatz deutlich angehoben oder
das Rentenniveau entsprechend abgesenkt werden
• Untragbar hohe Belastung
• Kann Umstellung auf Kapitaldeckungsverfahren das Problem lösen?
o Ohne Einführung des Umlageverfahrens ab 1957: höhere Sparquote;
größerer Kapitalbestand, höhere Produktion und Konsum je
Beschäftigten. Aber: dann hätte es keinen Einführungsgewinn für die
Kriegsgeneration gegeben.
o Wegen bestehender Verpflichtungen muss ein Wechsel langsam
erfolgen, damit die Anpassungskosten nicht übermäßig zu Lasten einer
einzelnen Generation gehen.
o Rentenreform: Riester Rente, Nachhaltigkeitsfaktor, Anhebung des
Renteneintrittsalters
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11.3 Ein Gefühl für die Größenordnungen

• Betrachten wir einen Spezialfall der Cobb Douglas Produktionsfunktion:


𝑌= 𝐾 𝑁
• Die Produktion je Beschäftigten erhält man durch Teilen durch N:
𝑌 𝐾 𝑁 𝐾 𝐾
= = =
𝑁 𝑁 𝑁 𝑁

𝐾𝑡 𝐾𝑡
• Man erhält eine konkrete Produktionsfunktion: 𝑓 =
𝑁 𝑁

• Die Kapitalintensität im Zeitverlauf verändert sich entsprechend:


𝐾𝑡+1 𝐾𝑡 𝐾𝑡 𝐾𝑡
− =𝑠∙𝑓 −𝛿∙
𝑁 𝑁 𝑁 𝑁
𝐾𝑡+1 𝐾𝑡 𝐾𝑡 𝐾𝑡
• Es gilt also: − =𝑠∙ −𝛿∙
𝑁 𝑁 𝑁 𝑁

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Wie wirkt sich ein Anstieg der Sparquote auf die Steady
State Produktion aus?

𝐾𝑡+1 𝐾𝑡 𝐾𝑡 𝐾𝑡
− =𝑠∙ −𝛿∙
𝑁 𝑁 𝑁 𝑁

𝐾∗ 𝐾∗
• Im Steady State ist die linke Seite gleich Null: 𝑠 ∙ 𝑁
=𝛿∙
𝑁

𝐾∗ 𝐾∗ 2
• Quadrieren beider Seiten liefert: 𝑠2 ∙ = 𝛿2 ∙
𝑁 𝑁
𝐾∗ 𝑠 2
• Teilen durch (K/N) und umformen liefert: = Die 𝑁 𝛿
.
Kapitalintensität im Steady State entspricht dem Quadrat des
Quotienten aus Sparquote und Abschreibungsrate.
𝑌∗ 𝐾∗ 𝑠 2 𝑠
• Die Produktion je Beschäftigten ist: = = =
𝑁 𝑁 𝛿 𝛿

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Wie wirkt sich ein Anstieg der Sparquote auf die
Steady State Produktion aus?

𝑌∗ 𝐾∗ 𝑠 2 𝑠
= = =
𝑁 𝑁 𝛿 𝛿
• Die Produktion je Beschäftigten ist im Steady State durch den
Quotienten aus Sparquote und Abschreibungsrate bestimmt.
• Steigt die Sparquote oder sinkt die Abschreibungsrate, so
nehmen sowohl Kapitalintensität als auch die Produktion je
Beschäftigten im Steady State zu.

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Wie wirkt sich ein Anstieg der Sparquote auf den
Anpassumgsprozess aus?

Der Anpassungsprozess des


Niveaus und der Wachstums-
rate der Produktion je
Beschäftigten bei einem Anstieg
der Sparquote von 10% auf 20%.

Es dauert lange, bis sich die


Produktion nach einem Anstieg
der Sparquote auf ihr höheres
Niveau angepasst hat. Anders
gesagt, ein Anstieg der
Sparquote führt zu einer langen
Periode höheren Wachstums.

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Die Sparquote aus der Sicht der Goldenen Regel

• Im Steady State entspricht der Konsum je Beschäftigten der


Differenz aus Produktion und Abschreibungen je Beschäftigten.
𝐶 ∗ 𝑌∗ 𝐾∗
= −𝛿
𝑁 𝑁 𝑁
𝐾∗ 𝑠 2 𝑌∗ 𝐾∗ 𝑠 2 𝑠
• Bekannt ist: = und = = =
𝑁 𝛿 𝑁 𝑁 𝛿 𝛿

𝐶∗ 𝑠 𝑠 2 𝑠(1−𝑠)
• Dann ergibt sich: = −𝛿 =
𝑁 𝛿 𝛿 𝛿
• Ausgehend von diesen Gleichungen gibt Tabelle 11.1 auf der
nächsten Folie die Steady State-Werte für Kapital, Produktion
und Konsum (jeweils) je Beschäftigten für unterschiedliche
Sparquoten wieder.

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Die Sparquote aus der Sicht der Goldenen Regel

Tabelle 11.1 Die Sparquote und die Steady – State Werte von
Kapital, Produktion und Konsum je Beschäftigten;
 = 10%

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