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Fritz-Leonhardt-Kolloquium 1984

15. Forschungskolloquium des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton


Gallus Rehm, Jörg Schia ich. Kurt Schäfer und Rolf Eligehausen-)

(Fortsetzung aus Heft 6/1985 und Schluß)

Zur Fr.ge der Notwendigkeit einer Verbundbewehrung spröde. Durch Anordnung einer Verbundbewehrung wird die
zwilChen fertigteilen und Ortbelon Verbundfestigkeit nur wenig beeinflußt; jedoch können nach
überschreiten der Höchstlast bei zunehmenden Verschiebungen
Beim Zusammenwirken von Fertigteilen und Ortbcton müssen noch wesentliche Schubkräfte übertragen werden. Dies ist aus
nach DIN 1045 die auftretenden Schubkräflc: durch Bewehrung Bild 14 zu ersehen, das auch den Einfluß unterschiedlicher Fu-
aufgenommen werden. Es gibt Tendenzen, unter gewissen Vor- genbehandlung auf die Verbundspannungs-Verschiebungs-Cha-
aussetzungen auf diese Verbundbewehrung zu verzichten; im rakteristik zeigt.
Rahmen einer Bauaufsichtlichen Zulassung ist dies unter be-
Neben den planmäßigen Verbundspannungen aus äußerer LasI
stimmten Bedingungen bereits gestattet. Anhand der Beschrei-
müssen bei der Festlegung zulässiger Verbundspannungen aber
bung und Auswertung eigener und fremder Versuche (u. a. (20])
auch Zusatzeinflüsse, wie unterschiedliches Schwinden, Tempe-
wurde das Trag- und Verformungsverhalten in der Verbundfuge
raturunterschiede, Wechsel in der Lagerungsart und angehängte
unter baupraktiscben Gesichtspunkten erläutert; außerdem
Lasten, berücksichtigt und ihr Einnuß auf die Bruchsicherheit t»-
wurde der Aussagegehalt dieser Versuche kritisch beleuchtet.
Die Tragfähigk.eit der Verhundfuge wird spürbar von ihrer ße..
schafTenheit betinflußt. Nicht nur die Rauhigkeit - ausgedrückt U5
durch rüttelrauh bzw. aufgerauht -, sondern auch die Fugenbe-
unbellondeltJ
--- Wasseraufdvfur;e
handlung als Nachahmung einer in Wirklichkeit möglichen Ver- I.IXJ - - -_ .. SchwingulIflMI
_ ._ .- ScI'Iafof
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schmutzung der Fuge beeinflußt die übertragbare Schubkraft.
Die Verbundfestigkeit beträgt bei aufgerauhter Fuge und der Be- - -- grotnrOrlbtffJf1
tonfestigkeit B 25 fo..::::::: 1,0 N/mm1 bis 1,4 N fmm 2• Sie kann bei
verhältnismäßig gta tter (riiuelrauher) und zusätzlich verschmutz- I /):~ r- _.
ter Fuge wesentlich absinkeo. Sind Fertigteilbeton und Ortbeton fi '-- ~

---= -=--.
nicht durch Bewehrung miteinander verbunden, vtrsagt die Fuge f -

0.1>
. ) Proressor Or.-Ioa.• DrAog. E.b. GaUus Rebm, Institut für Werk-
~offe im Bauwesen; Proressor Or.-lna- Jöra Schlaicb. Institut für
00 Q5 1.0 l5 2D ,.5
Massivbau; Proressor DrAng. Kurt Schäf~ Institut rur Massivbau:
Proressor Dr,.)ng. Rolr Eligchausen, Institut für Werkstoffe im Bau- Verschiebung in,,/II
wesen; alie Universitit Stuttprt., pfalTenwaldring 4 (Werkstoffe) bzw. Bild 14. EillnLlB der Fugmbttlandlunl aurdu Vnbund5paMun,.VenchiebullP
pfaffenwaldriol 7 (Massivbau). 7000 Stuttgal180. -.uhaltalvoa riittelraubm Fugen mit vtrbundbtwc:hnln,

190 () WlIl'lelm Em.t & Sohn Verlag für Architektur und teetmltche WiultMCl\8lten. 8erIin. 1965 BETON- Ll"D STAI-LBETONSAU 7""
G. Rehm I J. Sch.. k:tIl K. Seh.itef/ R. Eligeh.I_· Fritz--l.onhlirdl-l<oIloquium

achtel werden. Diese ZusalZbeanspruchungen können die Ver- geode Stahlblech die kritische Temperatur von etwa soo oe nach
bundspannungen aus äußeren Lasten wesentlich erhöhen. Daher rund 35 Minuten erreichte, war diese Temperatur beim Trapez-
erscheint es sinnvoll, auch bei aufgerauhten, sauberen Fugen und proftl ohne Aufbeton nach 5 bis 10 Minuten vorhanden. Bei der
relativ niedriger Fugenbeanspruchung aus äußeren Lasten (z. B. Verbunddecke batte die BetonstabJbc:wc:hrung die kritische Tem-
fo s: 0,5 fall) eine konstruktive Verbundbewehrungan den Aufla- peratur 10 bis 15 Minuten später als bei fehlender Blechhaut er-
gern anzuordnen. reicht.
R. Koch , FMPA Baden-Württemberg
Das Tragverhalten der Konstruktion wird im kalten Zustand we-
sentlich durch den Verbund zwischen Stahlblech und Beton be-
verhaHen 'Ion Trapezprofll-Verbunddedlen unter staUscher einflußt. Demgegeniiber ist dieser nach einer Branddauer von
Belastung und Im Brandfall') etwa 40 Minuten ohne Einfluß. da das Blech nicht mehr nennens-
wert tragfähig ist. Daher muß zum Erreichen einer längeren Feu-
Trotz ihrer Wirtschaftlichkeit gegenüber herkömmlichen Schal- er- Wide~tandsdauer die Last vom Blech auf den ..thermisch at;
verfahren sind Stahl-Trapezprofil-Decken mit bewehrtem Aufbe- geschirmten" Stahlbetonquerschnitt umgelagert werden.
Ion verhällnismäßig wenig verbreitet. Grund dafür ist die Tatsa-
Im Kaltzustand können bei ausreichendem Verbund zwischen
che, daß das Brandverhalten i. al1g. bisher noch nicht ausrei-
Blech und Aufbeton im Sinne einer Traglastbetrachtung die Ei-
chend geklärt ist. Dies ruhrt in der Praxis zu teilweise unwirt-
gentragfähigkeiten des Trapezprofil-Querschnitts und der darin
schaftlichen, weit auf der sicheren Seite liegenden Bemessungs-
integrierten .. Stahlbeton-Rippenplatte" addiert werden; der An·
verfahren. So wird entweder die Tragfähigkeit des Trapezprofil-
teil des Trapezprofils so1l im allgemeinen nicht größer als derje-
Querschnitts oder der Zulagebewehrung bei der Bemessung im
nige der Rippenplatte sein. Dabei darf bei plattenähnlichen Ver-
Kaltzustand vernachlässigt.
bundkonstruktionen (Rippenplaue) mit verhältnismäßig breiten
Am Otto-Graf-Institut wurden an einem für die Ve~uche besan- Rippen in engem Abstand in der Regel auf eine Bügelbewehrung
den abgekanteten Profil (Bild 15) bei sonst konstant gehaltenen verzichtet werden. Ein geeignetes Bemessungsverfahren rUf den
Randbedingungen systematisch der Einfluß unterschiedlicher Brandfall wird derz.eit erarbeitet [2IJ.
Längsbewehrungsgrade und/oder Beanspruchungshöhen sowie R. LLhmann, FMPA Baden-Württemherg
der Einfluß der Verbundgüte zwischen Trapezprofil und Beton-
querschnitt bzw. einer zusätzlichen Bügelbewehrung im Beton-
querschnitt auf das Verhallen der Stahlverbunddecke im Kaltzu- Verheilen de, Beton. Im Vernlterungaberelch von
stand sowie im Brandfall unte~ucht. Bele.tlgungsmlneln
Im Verankerungsbereich von Berestigungsmitteln treten örtlich
hohe Betonzugspannungen bei hohen Dehnungsgradienten auf.
Zur Untersuchung des Betonverhaltens in diesen Bereichen wur-
den verfonnungsgesteuerte Auszugsversuche an den in Bild 17
dargestellten Ve~uchskörpem durchgeführt. Zur Sichtbarma-
chung etwa auftretender Mikrorisse in der Beobachtungsfläche
diente ein Eindringverfahren auf der Grundlage der UV-Licht-
Fluoreszenz. Die Betondehnungen senhccht zur Mantellinie des
zu erwartenden Bruchkegels wurden mit Dehnungsmeßstreifen
gemessen. Weiterhin wurde die Schallemissionsanalysc zur Riß-
Bild u. Ausbilduna des StahlprofIls und der Stahlbetoruippenplatle findung verwendet.
Schnitt A-A
eMr---~----,-~-,,----,~--~---,

lIlJ ./ '-1
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,. -: .. ... 8eobachtungs·
, -,'".- ->-- -.. - llijch~

Bild 11. AII$bildunJ der Vcnuchskörpef


zwn Studium deI Beloavmw-
l/J " 8randdauer
60 1/1 mm eo tJO Ieru im Verankenlnpbcfticb
VOll Berestigunpelemmten
Bild 16. Mittlere Temperaturen an venchicdenen Stellen im Quenchnill in
Abhingigkeil VOQ der Branddauer In den Ve~uchen bildeten sich bei etwa 40°/. der Höcbstlast Mi-
krorisse im Bereich des Bolzenkopfes, Diese Risse breiteten sicb
Die Versuchsergebnisse zeigen. daß sicb im BrandfaJl Stahlhaut mit steigender Last stabil aus; dabei markierten sie den Verlauf
und Betonquerschnitt gegenseitig positiv beeinflussen. Der Be- des späteren Ausbruchkegels. Die im Bereich der Risse gemesse-
Ionquerschniu entzieht dem Stahlblech Warme; das Stahlblech ncn Betondehnungen (Meßlänge 20 mm) lagen bei Erreichen der
seinerseits schirmt den Betonquerschnitt gegen die Wärme ab Höcbstlast beträchtlich über der üblicherweige angenommenen
(Bild 16). Während bei der Verhundkonstruktion das außen He- größten Betonzugdehnung von 0,1"- (Bild 18). Bei Höcbstlast
betrug die Länge der Mihorisse etwa 70°/, der Länge der Mall-
'I GefOrdert von: StudiengeseUscliaft für Anwmdungsl«:hnik von Ei5en und Stahl tellinie des voU ausgebildeten Bruchkegels. Erst zu diesem Zeit-
e.V.; BundcsminiM« rur Fonchuna uod Tcclwologie. punkt traten im Normallicht mit bloßem Auge sichtbare Maho-

BETON- UND STAHLBETON BAU 711985 191


a. RehmJ J. Sc:hIIIidll K. SdIIJ., I R. EligetIIi_ · Fr!tz.{.eonhardt.Kolloquium

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Bild 19. lasI ,VMormLingsturvedeK~ "il lf li~ ß.·
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risse auf. Mit zunehmenden Verfonnungen verlängerten sich die


Ma~orisse und schoben die Mikrorisse vor sich her. Dabei fiel "1 rn 11:'SI
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AJ . 101Omlll

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die übertragbare Last stetig ab (Bild 19), bis im Endzustand der
übliche Betonausbruchkegel auftrat. Dieses Verhalten wurde li,
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A'''N/~l
A$ 1011mm
auch dw-ch die Ergebnisse der Schallem.issionsanalyse bestä- 'Si
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" AJ 1016",111

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Die durchgerührten Untersuchungen zeigen, daß Beton bei Zug-
~ Bild 21. AuibildUIIJ der VemdlJbal.
beanspruchung mit hohen Dehnungsgradienten infolge Mikr~
rißbildung in der Lage ist. Kräfte von hochbeanspruchten Gebie- .. j 1
111
jJ., ~ "Hllllm l
AJ 1016",m
km im Vuanbrun~
bei Vcnuc:Jumne 2
ten auf weniger beanspruchte Stellen umzulagern. Die Länge der
Zone mit Mikrorissen betrug etwa das 6fache des Größtkom-
durc~'iCrs der Zuschlage; ihre Breite war sehr gering. Dabei Die Ergbnisse der Versuche lassen erkennen, daß im vorliegen-
ist aufgrund weiterer Versuche an mittig gezogenen unbewehrten den Fall über KoplOOlun und gezielt eingelegte Bewehrunp
Betonkörpern davon auszugehen. daß sich der Beton außerhalb Kräfte in die Zugzone eines Stahlbetonbalktns eingeleittt werden
der Zonen mit Mikrorissen elastisch verbalt und die nichtlinearen können, die in der Größenordnung der Balk.enbruchlast liegen.
Betonverformungen überwiegend durch die Öffnung der M i kr~ Abhängig von der Veraokerungstiefe der Kopfbolun kann je-
risse hervorgerufen werden. doch frühzeitig der Beton durch Bildung eines Ausbruchkegds
Die hier gefundenen Zusammenhange lassen sich auf der Grund- geschädigt werden; es können auch örtlich höhere Beanspru-
chungen der Längs- und Bügelbewehrung des Stahlbetonbalkens
lage der nichtlinearen Bruchmechanik !22] mathematisch be-
schreiben. im Vergleich zur üblichen lasteinleitung auf der Druckzoneo-
G. &wade; W. Clousnitur. Institut für Werkstoffe im Bauwesen seite auftreten. Zur wnfassenden Klärung der Bedingungen rUf
die Anwendung von Kopfbolzen mit Rückhängebewehrung zur
Lasteinleitung in Stahlbetonbauteile sind weitere Untersuchun-
Le.telnleltung In tHlwehrten Beton Ober Kopfbolzen gen erforderlich.
K. Roeder; R . Wohlfahrt . FMPA Baden-Württember&
Die lasteinleitung in Beton- und Stahlbetonbauteile über Stahl-
platten mit aufgeschweißten Kop!bo1zen ist in Bauaufsiehtlichen Elnpr.8m6rtel mH langer v • •rtt.ttungadeuer1')
Zulassungen geregelt. Die 8emessungsregeln vernachlässigen den
Einfluß einer Rückbängebe\\'thrung auf die Tragfiihigkeit der Nacb den derzeit giiltigen Vorschriften darf Einpreßmörtel. dc:t
Verankerung, da die damit zusammenhängenden Probleme bis- 30 Minuten nach seiner Herstellung nicht vtrbraucht ist, Diebt
her nicbt ausreichend geklärt sind. Daher sollte in geziehen Ver- mehr verarbeitet werden. Diese Verarbeitungsspanne reicht je-
suchen das Zusammenwirken zwischen Stahlbetontragwerk und doch oftmals nicht aus, wn einen Spannkanal vollständig zu füI·
Ankerkonstruktion sowie die Weiterleitung der Kräfte über ein- len. Daher soUte gtklä.rt werden, ob sich bei Verwendung VOll
gclegte Bewehrungen studiert werden. handelsüblichen Portland.zementen Z 45 F die Verarbeitungs-
Die Versuche wurden an Balken auf zwei Stützen mit einer Bela- dauer bis 60 Minuten verlängern läßt.
stung durch tine EinzeUast in Feldmitte durchgeführt. Der Quer- Untersucht wurden sechs verschiedene Zemente PZ 45 F. mit de-
schnitt der Balken sowie die Anordnung der Verankerung in der nen Einpreßmörttl nach üblichen Verfahren unter ZusaU einer
Zugrone sind in Bild 20 dargesteUt. Verandert wurde in Reibe I Eiopreßhilfe bei Raumtemperatur hergestellt wurden. Zwei Va·
die Ausbildung der RUc:k.hängebewehruog. 10 Reibe 2 wurden suchsreihen mit besonders geeigneten Zementen wurden bei ~
Bügel als Rückhängebe"Wthrung gcwählt und der Einfluß von rigen (5 °C) und erhöhten (35 0c) Temperaturen gefahren. Wo-
Ankerkonslruktion, Längsbewehrung und Betonfestigkeit stu-
dien (Bild 21). Zum Vergleich wurde auch ein Balken mit last-
einleitung in der Druckzone über Lastptatten geprüft.

192
terhin wurde der Einfluß besonderer Zusatzmittel auf die Verar- Q) t) bhrf-Belon stark
beitbarkeit studien. Schließlich wurde die Übertragbarkeit der frostl)fschiidigf (Kordino)
Laborversuche aur praktische Verhältnisse in einem Großver- Q) 11 lohn! - Beton l ... Jcm
wch überprüft. frOSlgtSChOdtg, (1lolkweinJ
Die Versuche zeigen. daß es mit handelsüblichem Zement mög- <l) 11 j()fIr~(rolkwtm)
lich erscheint. Einpreßmönel bei Temperaturen;;;; 20 'C mit ei- il) 15 Johrp (S{ringenschmtdI
Der Verarbeitungszeit von etwa 60 Minuten herzustellen. Bei \ll 18 Jo/lrp-8efon 1 Jcm
Temperaturen um 35 °C versteift der Einpreßmörtel sehr rasch. frosfgeschodll;f (fNPA)
so daß eine Verlängerung der Verarbeitungsdauer gegenüber bis-
her bei Temperaturen über 20 'c derzeit nicht durchführbar er-
scheint. Ein merklicher Zusammenhang zwischen der Verarbeit-
barkeit der Mörtel und der chemischen oder mineralogischen Zu-
sammensetzung des Zements konnte nicht festgestellt werden.
Daher sollte ein für eine erhöhte Verarbeitungszeit geeigneter Ze-
ment bis zum Vorliegen weiterer Kenntnisse nur über Eignungs-
Bild 22. ChIondva1cihml
versuche ausgewählt werden. In Fahtbithnpblt-
R. Zimbdmann. FMPA Baden-Württemberg

O~;--~--C---~
, --~--='--~
-. lenl!elonen von
Briicten bei UnlU-
rrichmckr bzw.
Auswirkung von Fehlstellen Im Elnpre8mörtel auf die Ol l68tJIl rchlmdcr Fahr-
Abstand...on rter8etonotJtrflöcfle incm
Korrosion des SpannstahlaU) blihNlbdil:htunl

Untersuchungen an bestehenden Bauwerken haben ergeben. daß


mit Einpreßmörtel verfüllte Spannglieder meist Fehlstellen auf-
weisen. Um den Einfluß dieser Fehlstellen aur die Korrosion von mentgüte. der Betongute (Dichtigkeit) und dem Wasserhaushalt
Spannstählen zu studieren. wurden umrangreiche Versuche des Betons. besonders aber dessen Belüftungsverhältnissen. gese-
durchgefUhrt. Die Ergebnisse gestatten die folgenden Schlußfol- hen werden. Führen selbst hohe Chloridgehalte nicht zu Korro-
gerungen [23J: sion. so ist dies daraurzurlickzuruhren. lfuß wegen begrenzter Be-.
luftung die korrosionsaktive Wirkung von Chloriden nicht zum
Ist ein Spannstahlabschnitt innerhalb einer wasserfreien Fehl- Tragen kommt.
stelle stets mit einer alkalischen Einpreßmörtelschicht bedeckt,
unterbleibt jeglicher Korrosionsangriff. Bei streusalzbeaufschlagten Brücken ist nur dann mit ernsthaften
Korrosionsschäden zu rechnen. wenn die Betondeckung entge-
Bei Fehlstellen ohne Verbindung durch orrene Entlüftungs- bzw. gen den Bestimmungen zu gering gewählt wurde, die 8etongüte
Einpreßröhrchen zur Außenwelt ist ein Korrosionsrisko i. allg. mangelhaft ist. physikalische Einwirkungen (z. B. Frost-Tau-
nur gegeben. wenn die Fehlstelle wenige cm unter der Betonober- wechsel) zu einer Zerstörung der Betondeckung führen oder der
fläche liegt. Bei sehr ungünstigen Temperatureinwirkungen kann Belon Risse hat (Bild 22).
önlich Korrosion auch bei einer Überdeckungder Fehlstelle von
mehr als 20 cm auftreten. Bei konstanter Oberdeckung nehmen Bei Bauten aus Stahlbeton im Meer wurden Korrosionsschäden
die Korrosioosangriffe mit zunehmendem Volumen (Länge und an der Bewehrung ausschließlich oberhalb der Wasserwechscl-
Durchmesser) der Fehlstelle deutlich zu . Die Stärke des Korro- zone, in der Spritzwasserzone oder unterhalb von Verdunstungs-
sionsangriffs ist materialspezifisch. Der Korrosionsabtrag nahert flächen bei aus dem Meerwasser herausragenden Bctonteilen rest-
sich jedoch stets im Laure der Zeit einem Grenzwert. gestellt. wenn gleichzeitig geringe Betondeckungen und -güten
gewählt wurden . Bei stets mit Meerwasser gesättigtem Beton
Besteht bei wasserfreien Fehlstellen durch offene Entlüftungs- wurden in der Regel keine Schäden festgesteUt, obwohl die Chlo-
und Einpreßröhrchen eine Verbindung zur Außenwelt. besteht ridgehahe an der Bewehrung in einigen Fällen mehrere Prozent
allein durch die erleichterte Lurtzuruhr zur Fehlstelleein erhöhtes betrugen . Auch in gerissenem Beton verhielten sich die Stähle im
KOrTosionsrisiko. Ist jedoch die Fc:hlstdlt: mit ("Ik.tlischem) Ein- Fall ständiger oder häufiger Meerwasserbeaufschlagung sehr viel
preßmörtel-Restwasser gerullt, ist nur Korrosion möglich, wenn günstiger als bei gelegentlichem Einwirken von Meerwasser.
sich im Restwasser korrosionsfördernde Mörtel- bzw. Zementbe-
standteile anreichern können . Bei einem gut verdichteten und rrostbeständigen Beton ~ B 25
kann in ungerissenem Zustand bei einer Betonde:ckung ~ 3 cm
Da selbst bei geringer Korrosion bereits so viel atomarer Wasser- von einer hohen Dauerhaftigkeit der Stahlbewehrung ausgegan-
storrentstehen kann, daß ein gespannter, gegenüber Wasserstoff gen werden . In solchen Fällen dringen selbst langfristig keine so
anfälliger Spannstahl vorzeitig versagt, ist es auf jeden Fall uner- hohen Chloridgehalte bis zur Bewehrung vor. daß bei dea vor-
läßlich. nur gegenüber Wasserstoff unempfindliche Spannstähle herßChenden Belüftungsverhältnissen mit kritischer Korrosion
zu verwenden. gerechnet werden muß. Im gerissenen Zustand sind Rißbreiten
R. Frey, Institut rur WerkstofTe im Bauwesen ~ 0.2 mm ohne erhebliche Auswirkung, wenn die Bctondec:kung
mindestens 5 cm beträgt.
U. Nürnberger. FMPA Baden-Württemberg
Bauprektlsche Erfahrungen zur Chlorldkorrollon von Stahl In
Beton
Korroslonnchutz durch Beschk:htung der Bew.tvung
Nach bisheriger Auffassung ist mit ernsthaften Korrosionsschä-
den erst ab 0,4 Gew.-"'/. Chlorid, bezogen aur den Zementanteil, Schäden an Stahlbetonbauwerken sind häufig auf Korrosion der
zu rechnen. Praktische Untersuchungen können jedoch belegen. 8ewehrung zurückzuführen. z. B. bei Einwirkung von Chloriden
daß selbst erhöhte Chloridgehalte um J% nicht zwangsläufig zu bzw. anderen aggressiven Storren sowie bei nicbt ordnungs~äß
Korrosion der Bcwehrung ruhren müssen (24]. Die Gelährdung hergestelltem Beton.
durch Chloride kann nämlich nur im Zusammenhang mit der Ze-
DasAufbringen einer KunststofIbeschichtung auf den noch nicht
eingebauten Betonstahl ist eine Korrosionsschutznahme, die im
Ausland bereits angewendet wird.

BETON- UNO STAHlBETON BAU 711965 li13


E. Ham~' Bemer1wngen zum Trlo..........llen von BehlI\ert)&UW'fIrten

In der Bundesrepublik Deutschland sind Bestrebungen im Weiterhin soll die Handhabung der beschichteten 8ewehrung auf'
Gange, ebenfalls kunststoflbeschichlete Bewehrungsstähle in der der Baustelle nicht durch besondere Maßnahmen erschwert wer-
Praxis zu benutzen. Dabei müssen noch einige grundlegende Fra- den. Vorteilhaft ist das Beschichten von vorgefertigten lkweh_
gen hinsichtlich der Anforderungen an die Beschichtung gtklärt rungen. die dann als fertige beschichtete 8ewehrungskörbe einge-
werden. Insbesondere ist die Dauerhaftigkeit dieses .. 8eweh- baut werden.
rungssystems" zu klären und die Beeinnussung des Verbund ver- Die amerikanischen ASTM-Vorschriften (25] sind nicht unbe.-
baltens zwischen Stahl und Beton durch eine Beschichtung zu un- dingt auf die baupraktischen Verhältnisse in der Bundesrepublik
tersuchen. Deutschland übertragbar; sie sollten daher entsprechend den hie-
sigen Anforderungen abgewandelt werden. damit auch dieses
Um einen wirksamen Korrosionsschutz sicherzustellen. muß die
Korrosionsschutzsystem bei uns verwendet werden kann.
BeschichlUng geschlossen sein und daher die Fähigkeit zum Fül-
E. Fie/ke,. Institut rur Werkstoffe im Bauwesen
len von Spalten und Oberdecken der Rippen btsil2en. Sie muß
ausreichend verfonnbar sein und auf Dauer fest am Stahl haften . UteI'.us. Heft 6{I98S.S. 160.

194 BEToo. UND STAHl.8ETONSAU , , -