Sie sind auf Seite 1von 36

Rundfunkstaatsvertrag

3 | Dokumentation
Media Perspektiven
I/2016

Staatsvertrag für Rundfunk und Telemedien


(Rundfunkstaatsvertrag - RStV -)
vom 31. August 1991,
in der Fassung des Achtzehnten Staatsvertrages zur Änderung rundfunkrechtlicher Staatsverträge
(Achtzehnter Rundfunkänderungsstaatsvertrag)
in Kraft seit 1. Januar 2016

Das Land Baden-Württemberg, II. Abschnitt


der Freistaat Bayern, Vorschriften über den öffentlich-rechtlichen
das Land Berlin, Rundfunk
das Land Brandenburg, § 11 Auftrag
die Freie Hansestadt Bremen, § 11 a Angebote
die Freie und Hansestadt Hamburg, § 11 b Fernsehprogramme
das Land Hessen, § 11 c Hörfunkprogramme
das Land Mecklenburg-Vorpommern, § 11 d Telemedien
das Land Niedersachsen, § 11 e Satzungen, Richtlinien, Berichtspflichten
das Land Nordrhein-Westfalen, § 11 f Telemedienkonzepte sowie neue oder veränder-
das Land Rheinland-Pfalz, te Telemedien
das Saarland, § 12 Funktionsgerechte Finanzausstattung, Grundsatz
der Freistaat Sachsen, des Finanzausgleichs
das Land Sachsen-Anhalt, § 13 Finanzierung
das Land Schleswig-Holstein und § 14 Finanzbedarf des öffentlich-rechtlichen Rund-
der Freistaat Thüringen funks
§ 15 Zulässige Produktplatzierung
schließen nachstehenden Staatsvertrag: § 16 Dauer der Werbung, Sponsoring
§ 16 a Kommerzielle Tätigkeiten
§ 16 b Beteiligung an Unternehmen
Inhaltsverzeichnis § 16 c Kontrolle der Beteiligung an Unternehmen
§ 16 d Kontrolle der kommerziellen Tätigkeiten
Präambel § 16 e Haftung für kommerziell tätige Beteiligungs-
unternehmen
I. Abschnitt § 16 f Richtlinien
Allgemeine Vorschriften § 17 Änderung der Werbung
§1 Anwendungsbereich § 18 Ausschluss von Teleshopping
§2 Begriffsbestimmungen § 19 Versorgungsauftrag
§3 Allgemeine Grundsätze § 19 a Veröffentlichung von Beanstandungen
§4 Übertragung von Großereignissen
§5 Kurzberichterstattung III. Abschnitt
§6 Europäische Produktionen, Eigen-, Auftrags- Vorschriften für den privaten Rundfunk
und Gemeinschaftsproduktionen 1. Unterabschnitt
§7 Werbegrundsätze, Kennzeichnungspflichten Grundsätze
§7a Einfügung von Werbung und Teleshopping
§ 20 Zulassung
§8 Sponsoring
§ 20 a Erteilung einer Zulassung für Veranstalter von
§8a Gewinnspiele
bundesweit verbreitetem Rundfunk
§9 Informationspflicht, zuständige Behörden
§ 20 b Hörfunk im Internet
§9a Informationsrechte
§9b Verbraucherschutz 2. Unterabschnitt
§ 10 Berichterstattung, Informationssendungen, Verfahrensrechtliche Vorschriften
Meinungsumfragen
§ 21 Grundsätze für das Zulassungsverfahren
§ 22 Auskunftsrechte und Ermittlungsbefugnisse
§ 23 Publizitätspflicht und sonstige Vorlagepflichten
§ 24 Vertraulichkeit
Media Perspektiven
Dokumentation I/2016 |4 Rundfunkstaatsvertrag

IV. Abschnitt
3. Unterabschnitt
Revision, Ordnungswidrigkeiten
Sicherung der Meinungsvielfalt
§ 48 Revision zum Bundesverwaltungsgericht
§ 25 Meinungsvielfalt, regionale Fenster
§ 49 Ordnungswidrigkeiten
§ 26 Sicherung der Meinungsvielfalt im Fernsehen
§ 27 Bestimmung der Zuschaueranteile V. Abschnitt
§ 28 Zurechnung von Programmen Plattformen, Übertragungskapazitäten
§ 29 Veränderung von Beteiligungsverhältnissen § 50 Grundsatz
§ 30 Vielfaltssichernde Maßnahmen § 51 Zuordnung von drahtlosen Übertragungskapazi-
§ 31 Sendezeit für unabhängige Dritte täten
§ 32 Programmbeirat § 51 a Zuweisung von drahtlosen Übertragungskapazi-
§ 33 Richtlinien täten an private Anbieter durch die zuständige
§ 34 Übergangsbestimmung Landesmedienanstalt
4. Unterabschnitt § 51 b Weiterverbreitung
Organisation der Medienaufsicht, Finanzierung § 52 Plattformen
§ 52 a Regelungen für Plattformen
§ 35 Organisation § 52 b Belegung von Plattformen
§ 36 Zuständigkeiten, Aufgaben § 52 c Technische Zugangsfreiheit
§ 37 Verfahren bei Zulassung, Zuweisung § 52 d Entgelte, Tarife
§ 38 Anzeige, Aufsicht, Rücknahme, Widerruf § 52 e Vorlage von Unterlagen, Zusammenarbeit mit
§ 39 Anwendungsbereich der Regulierungsbehörde für Telekommunika-
§ 39 a Zusammenarbeit tion
§ 40 Finanzierung besonderer Aufgaben § 52 f Maßnahmen durch die zuständige Landesmedi-
5. Unterabschnitt enanstalt
Programmgrundsätze, Sendezeit für Dritte § 53 Satzungen, Richtlinien
§ 53 a Überprüfungsklausel
§ 41 Programmgrundsätze § 53 b Bestehende Zulassungen, Zuordnungen, Zuwei-
§ 42 Sendezeit für Dritte sungen, Anzeige von bestehenden Plattformen
6. Unterabschnitt VI. Abschnitt
Finanzierung, Werbung, Teleshopping Telemedien
§ 43 Finanzierung § 54 Allgemeine Bestimmungen
§ 44 Zulässige Produktplatzierung § 55 Informationspflichten und Informationsrechte
§ 45 Dauer der Fernsehwerbung § 56 Gegendarstellung
§ 45 a Teleshopping-Fenster und Eigenwerbekanäle § 57 Datenschutz bei journalistisch-redaktionellen
§ 46 Richtlinien Zwecken
§ 46 a Ausnahmen für regionale und lokale Fernseh- § 58 Werbung, Sponsoring, fernsehähnliche Tele-
veranstalter medien, Gewinnspiele
7. Unterabschnitt § 59 Aufsicht
Datenschutz § 60 Telemediengesetz, Öffentliche Stellen
§ 61 Notifizierung
§ 47 Datenschutz
VII. Abschnitt
Übergangs- und Schlussvorschriften
§ 62 Kündigung
§ 63 Übergangsbestimmung für Produktplatzierun-
gen
§ 64 Regelung für Bayern
Rundfunkstaatsvertrag
5 | Dokumentation
Media Perspektiven
I/2016

Präambel I. Abschnitt
Dieser Staatsvertrag enthält grundlegende Regelungen Allgemeine Vorschriften
für den öffentlich-rechtlichen und den privaten Rund- §1
funk in einem dualen Rundfunksystem der Länder des Anwendungsbereich
vereinten Deutschlands. Er trägt der europäischen
(1) Dieser Staatsvertrag gilt für die Veranstaltung und
Entwicklung des Rundfunks Rechnung.
Verbreitung von Rundfunk in Deutschland in einem
Öffentlich-rechtlicher Rundfunk und privater Rund- dualen Rundfunksystem; für Telemedien gelten nur der
funk sind der freien individuellen und öffentlichen IV. bis VI. Abschnitt sowie § 20 Abs. 2.
Meinungsbildung sowie der Meinungsvielfalt ver-
(2) Soweit dieser Staatsvertrag keine anderweitigen
pflichtet. Beide Rundfunksysteme müssen in der Lage
Regelungen für die Veranstaltung und Verbreitung von
sein, den Anforderungen des nationalen und des inter-
Rundfunk enthält oder solche Regelungen zulässt, sind
nationalen Wettbewerbs zu entsprechen.
die für die jeweilige Rundfunkanstalt oder den jeweili-
Im Zuge der Vermehrung der Rundfunkprogramme in gen privaten Veranstalter geltenden landesrechtlichen
Europa durch die neuen Techniken sollen Informati- Vorschriften anzuwenden.
onsvielfalt und kulturelles Angebot im deutschsprachi-
(3) Für Fernsehveranstalter gelten dieser Staatsvertrag
gen Raum verstärkt werden. Durch diesen Staatsver-
und die landesrechtlichen Vorschriften, wenn sie in der
trag, vor allem aber durch weitere Regelungen und
Bundesrepublik Deutschland niedergelassen sind. Ein
Förderungsvorhaben in der Bundesrepublik Deutsch-
Fernsehveranstalter gilt als in der Bundesrepublik
land, soll die Herstellung neuer europäischer Fernseh-
Deutschland niedergelassen, wenn
produktionen nachhaltig unterstützt werden.
1. die Hauptverwaltung in Deutschland liegt und die
Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind Bestand
redaktionellen Entscheidungen über das Programm
und Entwicklung zu gewährleisten. Dazu gehört seine
dort getroffen werden,
Teilhabe an allen neuen technischen Möglichkeiten in
2. die Hauptverwaltung in Deutschland liegt und die
der Herstellung und zur Verbreitung sowie die Mög-
Entscheidungen über das Programm in einem an-
lichkeit der Veranstaltung neuer Formen von Rund-
deren Mitgliedstaat der Europäischen Union ge-
funk. Seine fìnanziellen Grundlagen einschließlich des
troffen werden, jedoch
dazugehörigen Finanzausgleichs sind zu erhalten und
a) ein wesentlicher Teil des mit der Bereitstel-
zu sichern.
lung des Programms betrauten Personals in
Den privaten Veranstaltern werden Ausbau und Fort- Deutschland tätig ist oder
entwicklung eines privaten Rundfunksystems, vor b) ein wesentlicher Teil des mit der Bereitstel-
allem in technischer und programmlicher Hinsicht, lung des Programms betrauten Personals so-
ermöglicht. Dazu sollen ihnen ausreichende Sendeka- wohl in Deutschland als auch dem anderen
pazitäten zur Verfügung gestellt und angemessene Mitgliedstaat der Europäischen Union tätig ist
Einnahmequellen erschlossen werden. Sie sollen dabei oder
ihre über Satelliten ausgestrahlten Fernsehprogramme c) ein wesentlicher Teil des mit der Bereitstel-
unter Berücksichtigung lokaler und regionaler Beiträge lung des Programms betrauten Personals we-
nach Maßgabe des jeweiligen Landesrechts zusätzlich der in Deutschland noch dem anderen Mit-
über verfügbare terrestrische Fernsehfrequenzen ver- gliedstaat der Europäischen Union tätig ist,
breiten können, die bundesweit, auch im Hinblick auf aber der Fernsehveranstalter in Deutschland
neue Fernsehveranstalter, möglichst gleichgewichtig zuerst seine Tätigkeit begann und eine dauer-
aufgeteilt werden sollen. hafte und tatsächliche Verbindung mit der
Wirtschaft Deutschlands fortbesteht, oder
Die Vereinigung Deutschlands und die fortschreiten-
3. die Hauptverwaltung in Deutschland liegt und die
de Entwicklung des dualen Rundfunksystems machen
redaktionellen Entscheidungen über das Programm
es erforderlich, die bisherige Frequenzaufteilung und
in einem Drittstaat getroffen werden oder umge-
-nutzung umfassend zu überprüfen. Alle Länder erklä-
kehrt und vorausgesetzt, ein wesentlicher Teil des
ren ihre Absicht, festgestellte Doppel- oder Mehrfach-
mit der Bereitstellung des Programms betrauten
versorgungen abzubauen, um zusätzliche Übertra-
Personals ist in Deutschland tätig.
gungsmöglichkeiten für private Veranstalter, auch für
den Westschienenveranstalter, zu gewinnen. (4) Für Fernsehveranstalter, sofern sie nicht bereits
aufgrund der Niederlassung der Rechtshoheit Deutsch-
Den Landesmedienanstalten obliegt es, unter dem
lands oder eines anderen Mitgliedstaats der Europäi-
Gesichtspunkt der Gleichbehandlung privater Veran-
schen Union unterliegen, gelten dieser Staatsvertrag
stalter und der besseren Durchsetzbarkeit von Ent-
und die landesrechtlichen Vorschriften auch, wenn sie
scheidungen verstärkt zusammenzuarbeiten.
1. eine in der Bundesrepublik Deutschland gelegene
Satelliten-Bodenstation für die Aufwärtsstrecke
nutzen oder
2. zwar keine in einem Mitgliedstaat der Europäi-
schen Union gelegene Satelliten-Bodenstation für
Media Perspektiven
Dokumentation I/2016 |6 Rundfunkstaatsvertrag

die Aufwärtsstrecke nutzen, aber eine der Bundes- 5. Satellitenfensterprogramm ein zeitlich begrenztes
republik Deutschland zugewiesene Übertragungs- Rundfunkprogramm mit bundesweiter Verbreitung
kapazität eines Satelliten nutzen. Liegt keines die- im Rahmen eines weiterreichenden Programms
ser beiden Kriterien vor, gelten dieser Staatsver- (Hauptprogramm),
trag und die landesrechtlichen Vorschriften auch 6. Regionalfensterprogramm ein zeitlich und räum-
für Fernsehveranstalter, wenn sie in Deutschland lich begrenztes Rundfunkprogramm mit im We-
gemäß den Artikeln 49 bis 55 des Vertrags über sentlichen regionalen Inhalten im Rahmen eines
die Arbeitsweise der Europäischen Union, ABl. Hauptprogramms,
Nr. C 115 vom 9.5.2008 S. 47, niedergelassen 7. Werbung jede Äußerung bei der Ausübung eines
sind. Handels, Gewerbes, Handwerks oder freien Be-
rufs, die im Rundfunk von einem öffentlich-
(5) Dieser Staatsvertrag und die landesrechtlichen
rechtlichen oder einem privaten Veranstalter oder
Vorschriften gelten nicht für Programme von Fernseh-
einer natürlichen Person entweder gegen Entgelt
veranstaltern, die
oder eine ähnliche Gegenleistung oder als Eigen-
1. ausschließlich zum Empfang in Drittländern be- werbung gesendet wird, mit dem Ziel, den Absatz
stimmt sind und von Waren oder die Erbringung von Dienstleistun-
2. nicht unmittelbar oder mittelbar von der Allge- gen, einschließlich unbeweglicher Sachen, Rechte
meinheit mit handelsüblichen Verbraucherendge- und Verpflichtungen, gegen Entgelt zu fördern. § 7
räten in einem Staat innerhalb des Geltungsbe- Abs. 9 bleibt unberührt,
reichs der Richtlinie 2010/13/EU des Europäischen 8. Schleichwerbung die Erwähnung oder Darstellung
Parlaments und des Rates vom 10. März 2010 zur von Waren, Dienstleistungen, Namen, Marken
Koordinierung bestimmter Rechts- und Verwal- oder Tätigkeiten eines Herstellers von Waren oder
tungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Be- eines Erbringers von Dienstleistungen in Sendun-
reitstellung audiovisueller Mediendienste (ABl. L gen, wenn sie vom Veranstalter absichtlich zu
95 vom 15. April 2010, S. 1) empfangen werden. Werbezwecken vorgesehen ist und mangels Kenn-
zeichnung die Allgemeinheit hinsichtlich des ei-
(6) Die Bestimmungen des I. und III. Abschnitts dieses
gentlichen Zweckes dieser Erwähnung oder Dar-
Staatsvertrages gelten für Teleshoppingkanäle nur,
stellung irreführen kann. Eine Erwähnung oder
sofern dies ausdrücklich bestimmt ist.
Darstellung gilt insbesondere dann als zu Werbe-
§2 zwecken beabsichtigt, wenn sie gegen Entgelt oder
Begriffsbestimmungen eine ähnliche Gegenleistung erfolgt,
9. Sponsoring jeder Beitrag einer natürlichen oder
(1) Rundfunk ist ein linearer Informations- und Kom- juristischen Person oder einer Personenvereini-
munikationsdienst; er ist die für die Allgemeinheit und gung, die an Rundfunktätigkeiten oder an der Pro-
zum zeitgleichen Empfang bestimmte Veranstaltung duktion audiovisueller Werke nicht beteiligt ist,
und Verbreitung von Angeboten in Bewegtbild oder zur direkten oder indirekten Finanzierung einer
Ton entlang eines Sendeplans unter Benutzung elek- Sendung, um den Namen, die Marke, das Erschei-
tromagnetischer Schwingungen. Der Begriff schließt nungsbild der Person oder Personenvereinigung,
Angebote ein, die verschlüsselt verbreitet werden oder ihre Tätigkeit oder ihre Leistungen zu fördern,
gegen besonderes Entgelt empfangbar sind. Telemedien 10. Teleshopping die Sendung direkter Angebote an
sind alle elektronischen Informations- und Kommuni- die Öffentlichkeit für den Absatz von Waren oder
kationsdienste, soweit sie nicht Telekommunikations- die Erbringung von Dienstleistungen, einschließ-
dienste nach § 3 Nr. 24 des Telekommunikationsgeset- lich unbeweglicher Sachen, Rechte und Verpflich-
zes sind, die ganz in der Übertragung von Signalen tungen, gegen Entgelt in Form von Teleshopping-
über Telekommunikationsnetze bestehen oder tele- kanälen, -fenstern und -spots,
kommunikationsgestützte Dienste nach § 3 Nr. 25 des 11. Produktplatzierung die gekennzeichnete Erwäh-
Telekommunikationsgesetzes oder Rundfunk nach Satz nung oder Darstellung von Waren, Dienstleistun-
1 und 2 sind. gen, Namen, Marken, Tätigkeiten eines Herstellers
(2) Im Sinne dieses Staatsvertrages ist von Waren oder eines Erbringers von Dienstleis-
tungen in Sendungen gegen Entgelt oder eine ähn-
1. Rundfunkprogramm eine nach einem Sendeplan liche Gegenleistung mit dem Ziel der Absatzförde-
zeitlich geordnete Folge von Inhalten, rung. Die kostenlose Bereitstellung von Waren
2. Sendung ein inhaltlich zusammenhängender, ge- oder Dienstleistungen ist Produktplatzierung, so-
schlossener, zeitlich begrenzter Teil eines Rund- fern die betreffende Ware oder Dienstleistung von
funkprogramms, bedeutendem Wert ist,
3. Vollprogramm ein Rundfunkprogramm mit viel- 12. Programmbouquet die Bündelung von Program-
fältigen Inhalten, in welchem Information, Bil- men und Diensten, die in digitaler Technik unter
dung, Beratung und Unterhaltung einen wesentli- einem elektronischen Programmführer verbreitet
chen Teil des Gesamtprogramms bilden, werden,
4. Spartenprogramm ein Rundfunkprogramm mit im
wesentlichen gleichartigen Inhalten,
Rundfunkstaatsvertrag
7 | Dokumentation
Media Perspektiven
I/2016

13. Anbieter einer Plattform, wer auf digitalen Über- Deutschland (ARD) zusammengeschlossenen Landes-
tragungskapazitäten oder digitalen Datenströmen rundfunkanstalten, das Zweite Deutsche Fernsehen
Rundfunk und vergleichbare Telemedien (Teleme- (ZDF), das Deutschlandradio und alle Veranstalter
dien, die an die Allgemeinheit gerichtet sind) auch bundesweit verbreiteter Rundfunkprogramme haben in
von Dritten mit dem Ziel zusammenfasst, diese ihren Angeboten die Würde des Menschen zu achten
Angebote als Gesamtangebot zugänglich zu ma- und zu schützen; die sittlichen und religiösen Überzeu-
chen oder wer über die Auswahl für die Zusam- gungen der Bevölkerung sind zu achten. Die Angebote
menfassung entscheidet; Plattformanbieter ist sollen dazu beitragen, die Achtung vor Leben, Freiheit
nicht, wer Rundfunk oder vergleichbare Telemedi- und körperlicher Unversehrtheit, vor Glauben und
en ausschließlich vermarktet, Meinungen anderer zu stärken. Weitergehende landes-
14. Rundfunkveranstalter, wer ein Rundfunkpro- rechtliche Anforderungen an die Gestaltung der Ange-
gramm unter eigener inhaltlicher Verantwortung bote sowie § 41 dieses Staatsvertrages bleiben unbe-
anbietet, rührt.
15. unter Information insbesondere Folgendes zu ver-
(2) Die Veranstalter nach Absatz 1 Satz 1 sollen über
stehen: Nachrichten und Zeitgeschehen, politische
ihr bereits bestehendes Engagement hinaus im Rahmen
Information, Wirtschaft, Auslandsberichte, Religi-
ihrer technischen und finanziellen Möglichkeiten
öses, Sport, Regionales, Gesellschaftliches, Ser-
barrierefreie Angebote vermehrt aufnehmen.
vice und Zeitgeschichtliches,
16. unter Bildung insbesondere Folgendes zu verste- §4
hen: Wissenschaft und Technik, Alltag und Ratge- Übertragung von Großereignissen
ber, Theologie und Ethik, Tiere und Natur, Gesell-
schaft, Kinder und Jugend, Erziehung, Geschichte (1) Die Ausstrahlung im Fernsehen von Ereignissen
und andere Länder, von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung (Großer-
17. unter Kultur insbesondere Folgendes zu verstehen: eignisse) in der Bundesrepublik Deutschland ver-
Bühnenstücke, Musik, Fernsehspiele, Fernsehfilme schlüsselt und gegen besonderes Entgelt ist nur zuläs-
und Hörspiele, bildende Kunst, Architektur, Philo- sig, wenn der Fernsehveranstalter selbst oder ein Drit-
sophie und Religion, Literatur und Kino, ter zu angemessenen Bedingungen ermöglicht, dass das
18. unter Unterhaltung insbesondere Folgendes zu Ereignis zumindest in einem frei empfangbaren und
verstehen: Kabarett und Comedy, Filme, Serien, allgemein zugänglichen Fernsehprogramm in der Bun-
Shows, Talk-Shows, Spiele, Musik, desrepublik Deutschland zeitgleich oder, sofern wegen
19. unter sendungsbezogenen Telemedien zu verste- parallel laufender Einzelereignisse nicht möglich, ge-
hen: Angebote, die der Aufbereitung von Inhalten ringfügig zeitversetzt ausgestrahlt werden kann. Be-
aus einer konkreten Sendung einschließlich Hin- steht keine Einigkeit über die Angemessenheit der
tergrundinformationen dienen soweit auf für die Bedingungen, sollen die Parteien rechtzeitig vor dem
jeweilige Sendung genutzte Materialien und Quel- Ereignis ein schiedsrichterliches Verfahren nach den
len zurückgegriffen wird und diese Angebote the- §§ 1025 ff. der Zivilprozessordnung vereinbaren;
matisch und inhaltlich die Sendung unterstützend kommt die Vereinbarung eines schiedsrichterlichen
vertiefen und begleiten, ohne jedoch bereits ein ei- Verfahrens aus Gründen, die der Fernsehveranstalter
genständiges neues oder verändertes Angebot nach oder der Dritte zu vertreten haben, nicht zustande, gilt
§ 11 f Abs. 3 darzustellen, die Übertragung nach Satz 1 als nicht zu angemessenen
20. ein presseähnliches Angebot nicht nur elektroni- Bedingungen ermöglicht. Als allgemein zugängliches
sche Ausgaben von Printmedien, sondern alle Fernsehprogramm gilt nur ein Programm, das in mehr
journalistisch-redaktionell gestalteten Angebote, als zwei Drittel der Haushalte tatsächlich empfangbar
die nach Gestaltung und Inhalt Zeitungen oder ist.
Zeitschriften entsprechen. (2) Großereignisse im Sinne dieser Bestimmung sind:
(3) Kein Rundfunk sind Angebote, die 1. Olympische Sommer- und Winterspiele,
1. jedenfalls weniger als 500 potenziellen Nutzern 2. bei Fußball-Europa- und -Weltmeisterschaften alle
zum zeitgleichen Empfang angeboten werden, Spiele mit deutscher Beteiligung sowie unabhän-
2. zur unmittelbaren Wiedergabe aus Speichern von gig von einer deutschen Beteiligung das Eröff-
Empfangsgeräten bestimmt sind, nungsspiel, die Halbfinalspiele und das Endspiel,
3. ausschließlich persönlichen oder familiären Zwe- 3. die Halbfinalspiele und das Endspiel um den Ver-
cken dienen, einspokal des Deutschen Fußball-Bundes,
4. nicht journalistisch-redaktionell gestaltet sind oder 4. Heim- und Auswärtsspiele der deutschen Fußball-
5. aus Sendungen bestehen, die jeweils gegen Einzel- nationalmannschaft,
entgelt freigeschaltet werden. 5. Endspiele der europäischen Vereinsmeisterschaf-
ten im Fußball (Champions League, UEFA-Cup)
§3 bei deutscher Beteiligung.
Allgemeine Grundsätze Bei Großereignissen, die aus mehreren Einzelereignis-
(1) Die in der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich- sen bestehen, gilt jedes Einzelereignis als Großereignis.
rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Die Aufnahme oder Herausnahme von Ereignissen in
Media Perspektiven
Dokumentation I/2016 |8 Rundfunkstaatsvertrag

diese Bestimmung ist nur durch Staatsvertrag aller zugänglich und von allgemeinem Informationsinteresse
Länder zulässig. sind, steht jedem in Europa zugelassenen Fernsehver-
anstalter zu eigenen Sendezwecken zu. Dieses Recht
(3) Teilt ein Mitgliedstaat der Europäischen Union
schließt die Befugnis zum Zugang, zur kurzzeitigen
seine Bestimmungen über die Ausstrahlung von Groß-
Direktübertragung, zur Aufzeichnung, zu deren Aus-
ereignissen nach Artikel 3 a der Richtlinie 89/552/EWG
wertung zu einem einzigen Beitrag und zur Weitergabe
des Rates zur Koordinierung bestimmter Rechts- und
unter den Voraussetzungen der Absätze 2 bis 12 ein.
Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die
Ausübung der Fernsehtätigkeit in der Fassung der (2) Anderweitige gesetzliche Bestimmungen, insbe-
Richtlinie 97/36/EG des Europäischen Parlaments und sondere solche des Urheberrechts und des Persönlich-
des Rates der Europäischen Kommission mit und er- keitsschutzes, bleiben unberührt.
hebt die Kommission nicht binnen drei Monaten seit
(3) Auf die Kirchen und auf andere Religionsgemein-
der Mitteilung Einwände und werden die Bestimmun-
schaften sowie deren Einrichtungen mit entsprechender
gen des betreffenden Mitgliedstaates im Amtsblatt der
Aufgabenstellung findet Absatz 1 keine Anwendung.
Europäischen Gemeinschaften veröffentlicht, ist die
Ausstrahlung von Großereignissen verschlüsselt und (4) Die unentgeltliche Kurzberichterstattung ist auf
gegen Entgelt für diesen Mitgliedstaat nur zulässig, eine dem Anlass entsprechende nachrichtenmäßige
wenn der Fernsehveranstalter nach den im Amtsblatt Kurzberichterstattung beschränkt. Die zulässige Dauer
veröffentlichten Bestimmungen des betreffenden Mit- bemisst sich nach der Länge der Zeit, die notwendig
gliedstaates eine Übertragung in einem frei zugängli- ist, um den nachrichtenmäßigen Informationsgehalt der
chen Programm ermöglicht. Satz 1 gilt nicht für die Veranstaltung oder des Ereignisses zu vermitteln. Bei
Übertragung von Großereignissen für andere Mitglied- kurzfristig und regelmäßig wiederkehrenden Veranstal-
staaten, an denen Fernsehveranstalter vor dem 30. Juli tungen vergleichbarer Art beträgt die Obergrenze der
1997 Rechte zur ausschließlichen verschlüsselten Dauer in der Regel eineinhalb Minuten. Werden Kurz-
Übertragung gegen Entgelt für diesen Mitgliedstaat berichte über Veranstaltungen vergleichbarer Art zu-
erworben haben. sammengefasst, muss auch in dieser Zusammenfassung
der nachrichtenmäßige Charakter gewahrt bleiben.
(4) Sind Bestimmungen eines Staates, der das Europäi-
sche Übereinkommen über das grenzüberschreitende (5) Das Recht auf Kurzberichterstattung muss so aus-
Fernsehen in der Fassung des Änderungsprotokolls geübt werden, dass vermeidbare Störungen der Veran-
vom 9. September 1998 ratifiziert hat, nach dem Ver- staltung oder des Ereignisses unterbleiben. Der Veran-
fahren nach Artikel 9 a Abs. 3 des Übereinkommens stalter kann die Übertragung oder die Aufzeichnung
veröffentlicht, so gilt diese Regelung für Veranstalter einschränken oder ausschließen, wenn anzunehmen ist,
in der Bundesrepublik Deutschland nach Maßgabe des dass sonst die Durchführung der Veranstaltung in Fra-
Satzes 4, es sei denn, die Ministerpräsidenten der Län- ge gestellt oder das sittliche Empfinden der Veranstal-
der versagen der Regelung innerhalb einer Frist von tungsteilnehmer gröblich verletzt würden. Das Recht
sechs Monaten durch einstimmigen Beschluss die An- auf Kurzberichterstattung ist ausgeschlossen, wenn
erkennung. Die Anerkennung kann nur versagt werden, Gründe der öffentlichen Sicherheit und Ordnung ent-
wenn die Bestimmungen des betreffenden Staates ge- gegenstehen und diese das öffentliche Interesse an der
gen das Grundgesetz oder die Europäische Konvention Information überwiegen. Unberührt bleibt im Übrigen
zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten das Recht des Veranstalters, die Übertragung oder die
verstoßen. Die für Veranstalter in der Bundesrepublik Aufzeichnung der Veranstaltung insgesamt auszu-
Deutschland nach dem vorbezeichneten Verfahren schließen.
geltenden Bestimmungen sind in den amtlichen Veröf-
fentlichungsblättern der Länder bekannt zu machen. (6) Für die Ausübung des Rechts auf Kurzberichterstat-
Mit dem Tag der letzten Bekanntmachung in den Ver- tung kann der Veranstalter das allgemein vorgesehene
öffentlichungsblättern der Länder ist die Ausstrahlung Eintrittsgeld verlangen; im Übrigen ist ihm Ersatz
von Großereignissen verschlüsselt und gegen Entgelt seiner notwendigen Aufwendungen zu leisten, die
für diesen betreffenden Staat nur zulässig, wenn der durch die Ausübung des Rechts entstehen.
Fernsehveranstalter nach den veröffentlichten Bestim- (7) Für die Ausübung des Rechts auf Kurzberichterstat-
mungen des betreffenden Staates eine Übertragung dort tung über berufsmäßig durchgeführte Veranstaltungen
in einem frei zugänglichen Programm ermöglicht. kann der Veranstalter ein dem Charakter der Kurzbe-
(5) Verstößt ein Veranstalter gegen die Bestimmungen richterstattung entsprechendes billiges Entgelt verlan-
der Absätze 3 und 4, so kann die Zulassung widerrufen gen. Wird über die Höhe des Entgelts keine Einigkeit
werden. Statt des Widerrufs kann die Zulassung mit erzielt, soll ein schiedsrichterliches Verfahren nach
Nebenbestimmungen versehen werden, soweit dies §§ 1025 ff. der Zivilprozessordnung vereinbart werden.
ausreicht, den Verstoß zu beseitigen. Das Fehlen einer Vereinbarung über die Höhe des
Entgelts oder über die Durchführung eines schiedsrich-
§5 terlichen Verfahrens steht der Ausübung des Rechts auf
Kurzberichterstattung Kurzberichterstattung nicht entgegen; dasselbe gilt für
einen bereits anhängigen Rechtsstreit über die Höhe
(1) Das Recht auf unentgeltliche Kurzberichterstattung
des Entgelts.
über Veranstaltungen und Ereignisse, die öffentlich
Rundfunkstaatsvertrag
9 | Dokumentation
Media Perspektiven
I/2016

(8) Die Ausübung des Rechts auf Kurzberichterstattung Gemeinschaftsproduktionen aus dem deutschsprachi-
setzt eine Anmeldung des Fernsehveranstalters bis gen und europäischen Raum enthalten. Das Gleiche gilt
spätestens zehn Tage vor Beginn der Veranstaltung für Fernsehspartenprogramme, soweit dies nach ihren
beim Veranstalter voraus. Dieser hat spätestens fünf inhaltlichen Schwerpunkten möglich ist.
Tage vor dem Beginn der Veranstaltung den anmel-
(4) Im Rahmen seines Programmauftrages und unter
denden Fernsehveranstaltern mitzuteilen, ob genügend
Berücksichtigung der Grundsätze von Wirtschaftlich-
räumliche und technische Möglichkeiten für eine Über-
keit und Sparsamkeit ist der öffentlich-rechtliche
tragung oder Aufzeichnung bestehen. Bei kurzfristigen
Rundfunk zur qualitativen und quantitativen Sicherung
Veranstaltungen und bei Ereignissen haben die Anmel-
seiner Programmbeschaffung berechtigt, sich an Film-
dungen zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu erfolgen.
förderungen zu beteiligen, ohne dass unmittelbar eine
(9) Reichen die räumlichen und technischen Gegeben- Gegenleistung erfolgen muss. Weitere landesrechtliche
heiten für eine Berücksichtigung aller Anmeldungen Regelungen bleiben unberührt.
nicht aus, haben zunächst die Fernsehveranstalter Vor-
rang, die vertragliche Vereinbarungen mit dem Veran- §7
stalter oder dem Träger des Ereignisses geschlossen Werbegrundsätze, Kennzeichnungspflichten
haben. Darüber hinaus steht dem Veranstalter oder dem (1) Werbung und Teleshopping dürfen nicht
Träger des Ereignisses ein Auswahlrecht zu. Dabei
sind zunächst solche Fernsehveranstalter zu berück- 1. die Menschenwürde verletzen,
sichtigen, die eine umfassende Versorgung des Landes 2. Diskriminierungen aufgrund von Geschlecht, Ras-
sicherstellen, in dem die Veranstaltung oder das Ereig- se oder ethnischer Herkunft, Staatsangehörigkeit,
nis stattfindet. Religion oder Glauben, Behinderung, Alter oder
sexueller Orientierung beinhalten oder fördern,
(10) Fernsehveranstalter, die die Kurzberichterstattung 3. irreführen oder den Interessen der Verbraucher
wahrnehmen, sind verpflichtet, das Signal und die schaden oder
Aufzeichnung unmittelbar denjenigen Fernsehveran- 4. Verhaltensweisen fördern, die die Gesundheit oder
staltern gegen Ersatz der angemessenen Aufwendungen Sicherheit sowie in hohem Maße den Schutz der
zur Verfügung zu stellen, die nicht zugelassen werden Umwelt gefährden.
konnten.
(2) Werbung ist Teil des Programms. Werbung oder
(11) Trifft der Veranstalter oder der Träger eines Er- Werbetreibende dürfen das übrige Programm inhaltlich
eignisses eine vertragliche Vereinbarung mit einem und redaktionell nicht beeinflussen. Sätze 1 und 2
Fernsehveranstalter über eine Berichterstattung, hat er gelten für Teleshopping-Spots, Teleshopping-Fenster
dafür Sorge zu tragen, dass mindestens ein anderer und deren Anbieter entsprechend.
Fernsehveranstalter eine Kurzberichterstattung wahr-
nehmen kann. (3) Werbung und Teleshopping müssen als solche
leicht erkennbar und vom redaktionellen Inhalt unter-
(12) Die für die Kurzberichterstattung nicht verwerte- scheidbar sein. In der Werbung und im Teleshopping-
ten Teile sind spätestens drei Monate nach Beendigung dürfen keine Techniken der unterschwelligen Beein-
der Veranstaltung oder des Ereignisses zu vernichten; flussung eingesetzt werden. Auch bei Einsatz neuer
die Vernichtung ist dem betreffenden Veranstalter oder Werbetechniken müssen Werbung und Teleshopping
Träger des Ereignisses schriftlich mitzuteilen. Die Frist dem Medium angemessen durch optische oder akusti-
wird durch die Ausübung berechtigter Interessen Drit- sche Mittel oder räumlich eindeutig von anderen Sen-
ter unterbrochen. dungsteilen abgesetzt sein.
§6 (4) Eine Teilbelegung des ausgestrahlten Bildes mit
Europäische Produktionen, Eigen-, Auftrags- Werbung ist zulässig, wenn die Werbung vom übrigen
und Gemeinschaftsproduktionen Programm eindeutig optisch getrennt und als solche
(1) Die Fernsehveranstalter tragen zur Sicherung von gekennzeichnet ist. Diese Werbung wird auf die Dauer
deutschen und europäischen Film- und Fernseh- der Spotwerbung nach §§ 16 und 45 angerechnet. § 7 a
produktionen als Kulturgut sowie als Teil des audiovi- Abs. 1 gilt entsprechend.
suellen Erbes bei. (5) Dauerwerbesendungen sind zulässig, wenn der
(2) Zur Darstellung der Vielfalt im deutschsprachigen Werbecharakter erkennbar im Vordergrund steht und
und europäischen Raum und zur Förderung von euro- die Werbung einen wesentlichen Bestandteil der Sen-
päischen Film- und Fernsehproduktionen sollen die dung darstellt. Sie müssen zu Beginn als Dauerwerbe-
Fernsehveranstalter den Hauptteil ihrer insgesamt für sendung angekündigt und während ihres gesamten
Spielfilme, Fernsehspiele, Serien, Dokumentarsen- Verlaufs als solche gekennzeichnet werden. Die Sätze
dungen und vergleichbare Produktionen vorgesehenen 1 und 2 gelten auch für Teleshopping.
Sendezeit europäischen Werken entsprechend dem (6) Die Einfügung virtueller Werbung in Sendungen ist
europäischen Recht vorbehalten. zulässig, wenn
(3) Fernsehvollprogramme sollen einen wesentlichen 1. am Anfang und am Ende der betreffenden Sen-
Anteil an Eigenproduktionen sowie Auftrags- und dung darauf hingewiesen wird und
Media Perspektiven
Dokumentation I/2016 | 10 Rundfunkstaatsvertrag

2. durch sie eine am Ort der Übertragung ohnehin (12) Die Absätze 1 bis 11 gelten auch für Teleshop-
bestehende Werbung ersetzt wird. pingkanäle.
Andere Rechte bleiben unberührt. Satz 1 gilt auch für §7a
Teleshopping. Einfügung von Werbung und Teleshopping
(7) Schleichwerbung, Produkt- und Themenplatzierung (1) Übertragungen von Gottesdiensten sowie Sendun-
sowie entsprechende Praktiken sind unzulässig. Soweit gen für Kinder dürfen nicht durch Werbung oder Tele-
in den §§ 15 und 44 Ausnahmen zugelassen sind, muss shopping-Spots unterbrochen werden.
Produktplatzierung folgende Voraussetzungen erfüllen:
(2) Einzeln gesendete Werbe- und Teleshopping-Spots
1. Die redaktionelle Verantwortung und Unabhän- im Fernsehen müssen die Ausnahme bleiben; dies gilt
gigkeit hinsichtlich Inhalt und Sendeplatz müssen nicht bei der Übertragung von Sportveranstaltungen.
unbeeinträchtigt bleiben, Die Einfügung von Werbe- oder Teleshopping-Spots
2. die Produktplatzierung darf nicht unmittelbar zu im Fernsehen darf den Zusammenhang von Sendungen
Kauf, Miete oder Pacht von Waren oder Dienst- unter Berücksichtigung der natürlichen Sendeunterbre-
leistungen auffordern, insbesondere nicht durch chungen sowie der Dauer und der Art der Sendung
spezielle verkaufsfördernde Hinweise auf diese nicht beeinträchtigen noch die Rechte von Rechteinha-
Waren oder Dienstleistungen, und bern verletzen.
3. das Produkt darf nicht zu stark herausgestellt wer-
(3) Filme mit Ausnahme von Serien, Reihen und Do-
den; dies gilt auch für kostenlos zur Verfügung ge-
kumentarfilmen sowie Kinofilme und Nachrichtensen-
stellte geringwertige Güter.
dungen dürfen für jeden programmierten Zeitraum von
Auf eine Produktplatzierung ist eindeutig hinzuweisen. mindestens 30 Minuten einmal für Fernsehwerbung
Sie ist zu Beginn und zum Ende einer Sendung sowie oder Teleshopping unterbrochen werden.
bei deren Fortsetzung nach einer Werbeunterbrechung
(4) Richten sich Werbung oder Teleshopping-Spots
oder im Hörfunk durch einen gleichwertigen Hinweis
in einem Fernsehprogramm eigens und häufig an
angemessen zu kennzeichnen. Die Kennzeichnungs-
Zuschauer eines anderen Staates, der das Europäi-
pflicht entfällt für Sendungen, die nicht vom Veranstal-
sche Übereinkommen über das grenzüberschreitende
ter selbst oder von einem mit dem Veranstalter verbun-
Fernsehen ratifiziert hat und nicht Mitglied der Europä-
denen Unternehmen produziert oder in Auftrag gege-
ischen Union ist, so dürfen die für die Fernsehwerbung
ben worden sind, wenn nicht mit zumutbarem Auf-
oder das Teleshopping dort geltenden Vorschriften
wand ermittelbar ist, ob Produktplatzierung enthalten
nicht umgangen werden. Satz 1 gilt nicht, wenn die
ist; hierauf ist hinzuweisen. Die in der ARD zusam-
Vorschriften dieses Staatsvertrages über die Werbung
mengeschlossenen Landesrundfunkanstalten, das ZDF
oder das Teleshopping strenger sind als jene Vorschrif-
und die Landesmedienanstalten legen eine einheitliche
ten, die in dem betreffenden Staat gelten, ferner nicht,
Kennzeichnung fest.
wenn mit dem betroffenen Staat Übereinkünfte auf
(8) In der Fernsehwerbung und beim Teleshopping im diesem Gebiet geschlossen wurden.
Fernsehen dürfen keine Personen auftreten, die regel-
mäßig Nachrichtensendungen oder Sendungen zum §8
politischen Zeitgeschehen vorstellen. Sponsoring
(1) Bei Sendungen, die ganz oder teilweise gesponsert
(9) Werbung politischer, weltanschaulicher oder religi-
werden, muss zu Beginn oder am Ende auf die Finan-
öser Art ist unzulässig. Satz 1 gilt für Teleshopping
zierung durch den Sponsor in vertretbarer Kürze und in
entsprechend. Unentgeltliche Beiträge im Dienst der
angemessener Weise deutlich hingewiesen werden; der
Öffentlichkeit einschließlich von Spendenaufrufen zu
Hinweis ist in diesem Rahmen auch durch Bewegtbild
Wohlfahrtszwecken gelten nicht als Werbung im Sinne
möglich. Neben oder anstelle des Namens des Spon-
von Satz 1. § 42 bleibt unberührt.
sors kann auch dessen Firmenemblem oder eine Marke,
(10) Werbung und Teleshopping für alkoholische Ge- ein anderes Symbol des Sponsors, ein Hinweis auf
tränke dürfen den übermäßigen Genuss solcher Ge- seine Produkte oder Dienstleistungen oder ein entspre-
tränke nicht fördern. chendes unterscheidungskräftiges Zeichen eingeblendet
werden.
(11) Die nichtbundesweite Verbreitung von Werbung
oder anderen Inhalten in einem zur bundesweiten Ver- (2) Inhalt und Programmplatz einer gesponserten Sen-
breitung beauftragten oder zugelassenen Programm ist dung dürfen vom Sponsor nicht in der Weise beein-
nur zulässig, wenn und soweit das Recht des Landes, in flusst werden, dass die redaktionelle Verantwortung
dem die nichtbundesweite Verbreitung erfolgt, dies und Unabhängigkeit des Rundfunkveranstalters beein-
gestattet. Die nichtbundesweit verbreitete Werbung trächtigt werden.
oder andere Inhalte privater Veranstalter bedürfen einer
(3) Gesponserte Sendungen dürfen nicht zum Verkauf,
gesonderten landesrechtlichen Zulassung; diese kann
zum Kauf oder zur Miete oder Pacht von Erzeugnissen
von gesetzlich zu bestimmenden inhaltlichen Voraus-
oder Dienstleistungen des Sponsors oder eines Dritten,
setzungen abhängig gemacht werden.
vor allem durch entsprechende besondere Hinweise,
anregen.
Rundfunkstaatsvertrag
11 | Dokumentation
Media Perspektiven
I/2016

(4) Sendungen dürfen nicht von Unternehmen gespon- nehmen. Diesen Behörden sind zur Durchführung ihrer
sert werden, deren Haupttätigkeit die Herstellung oder Aufgaben alle erforderlichen Informationen durch die
der Verkauf von Zigaretten und anderen Tabakerzeug- zuständigen Behörden der einzelnen Länder zu über-
nissen ist. mitteln.
(5) Beim Sponsoring von Sendungen durch Unterneh- (3) Absätze 1 und 2 gelten entsprechend, soweit
men, deren Tätigkeit die Herstellung oder den Verkauf rechtsverbindliche Berichtspflichten der Länder zum
von Arzneimitteln und medizinischen Behandlungen Rundfunk gegenüber zwischenstaatlichen Einrichtun-
umfasst, darf für den Namen oder das Image des Un- gen oder internationalen Organisationen bestehen. Satz
ternehmens gesponsert werden, nicht jedoch für be- 1 gilt auch für Teleshoppingkanäle.
stimmte Arzneimittel oder medizinische Behandlun-
gen, die nur auf ärztliche Verordnung erhältlich sind. §9a
Informationsrechte
(6) Nachrichtensendungen und Sendungen zur politi-
(1) Rundfunkveranstalter haben gegenüber Behörden
schen Information dürfen nicht gesponsert werden. In
ein Recht auf Auskunft. Auskünfte können verweigert
Kindersendungen und Sendungen religiösen Inhalts ist
werden, soweit
das Zeigen von Sponsorenlogos untersagt.
1. hierdurch die sachgemäße Durchführung eines
(7) Die Absätze 1 bis 6 gelten auch für Teleshopping-
schwebenden Verfahrens vereitelt, erschwert, ver-
kanäle.
zögert oder gefährdet werden könnte oder
(8) § 7 Abs. 1, 3 und Abs. 8 bis 10 gelten entsprechend. 2. Vorschriften über die Geheimhaltung entgegenste-
hen oder
§8a 3. ein überwiegendes öffentliches oder schutzwürdi-
Gewinnspiele ges privates Interesse verletzt würde oder
(1) Gewinnspielsendungen und Gewinnspiele sind 4. ihr Umfang das zumutbare Maß überschreitet.
zulässig. Sie unterliegen dem Gebot der Transparenz
(2) Allgemeine Anordnungen, die einer Behörde Aus-
und des Teilnehmerschutzes. Sie dürfen nicht irrefüh-
künfte an Rundfunkveranstalter verbieten, sind unzu-
ren und den Interessen der Teilnehmer nicht schaden.
lässig.
Insbesondere ist im Programm über die Kosten der
Teilnahme, die Teilnahmeberechtigung, die Spielge- (3) Rundfunkveranstalter können von Behörden ver-
staltung sowie über die Auflösung der gestellten Auf- langen, dass sie bei der Weitergabe von amtlichen
gabe zu informieren. Die Belange des Jugendschutzes Bekanntmachungen im Verhältnis zu anderen Bewer-
sind zu wahren. Für die Teilnahme darf nur ein Entgelt bern gleichbehandelt werden.
bis zu 0,50 Euro verlangt werden; § 13 Satz 3 bleibt
unberührt. §9b
Verbraucherschutz
(2) Der Veranstalter hat der für die Aufsicht zuständi-
(1) Mit Ausnahme der §§ 2, 9 und 12 gelten die Rege-
gen Stelle auf Verlangen alle Unterlagen vorzulegen
lungen des EG-Verbraucherschutzdurchsetzungsge-
und Auskünfte zu erteilen, die zur Überprüfung der
setzes hinsichtlich der Bestimmungen dieses Staatsver-
ordnungsgemäßen Durchführung der Gewinnspielsen-
trages zur Umsetzung der Artikel 10 bis 21 der Richt-
dungen und Gewinnspiele erforderlich sind.
linie 89/552/EWG des Rates vom 3. Oktober 1989 zur
(3) Die Absätze 1 und 2 gelten auch für Teleshopping- Koordinierung bestimmter Rechts- und Verwaltungs-
kanäle. vorschriften der Mitgliedstaaten über die Ausübung der
Fernsehtätigkeit (ABl. L 298 vom 17. Oktober
§9 1989,S. 23), in der Fassung der Richtlinie 97/36/EG
Informationspflicht, zuständige Behörden des Europäischen Parlaments und des Rates (ABl. L
(1) Die Rundfunkanstalten des Landesrechts sind ver- 202 vom 30. Juli 1997, S. 60), bei innergemeinschaftli-
pflichtet, der nach Landesrecht zuständigen Behörde chen Verstößen entsprechend. Satz 1 gilt auch für Tele-
gemäß Artikel 6 Abs. 2 des Europäischen Überein- shoppingkanäle.
kommens über das grenzüberschreitende Fernsehen die
(2) Rundfunkveranstalter haben folgende Informatio-
dort aufgeführten Informationen auf Verlangen zur
nen im Rahmen ihres Gesamtangebots leicht, unmittel-
Verfügung zu stellen. Gleiches gilt für private Fern-
bar und ständig zugänglich zu machen:
sehveranstalter, die auf Verlangen die Informationen
der Landesmedienanstalt des Landes zur Verfügung zu 1. Name und geografische Anschrift,
stellen haben, in dem die Zulassung erteilt wurde. Die- 2. Angaben, die eine schnelle und unmittelbare Kon-
se leitet die Informationen an ihre rechtsaufsichtsfüh- taktaufnahme und eine effiziente Kommunikation
rende Behörde weiter. ermöglichen und
3. zuständige Aufsicht.
(2) Die Ministerpräsidenten der Länder bestimmen
durch Beschluss eine oder mehrere der in Absatz 1
genannten Behörden, welche die Aufgaben nach Arti-
kel 19 Abs. 2 und 3 des Europäischen Übereinkom-
mens über das grenzüberschreitende Fernsehen wahr-
Media Perspektiven
Dokumentation I/2016 | 12 Rundfunkstaatsvertrag

§ 10 § 11 b
Berichterstattung, Informationssendungen, Fernsehprogramme
Meinungsumfragen (1) Die in der ARD zusammengeschlossenen Landes-
(1) Berichterstattung und Informationssendungen ha- rundfunkanstalten veranstalten gemeinsam folgende
ben den anerkannten journalistischen Grundsätzen, Fernsehprogramme:
auch beim Einsatz virtueller Elemente, zu entsprechen.
1. das Vollprogramm „Erstes Deutsches Fernsehen
Sie müssen unabhängig und sachlich sein. Nachrichten
(Das Erste)“,
sind vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umständen
2. drei Programme als Zusatzangebote nach Maßgabe
gebotenen Sorgfalt auf Wahrheit und Herkunft zu prü-
der als Anlage beigefügten Konzepte, und zwar die
fen. Kommentare sind von der Berichterstattung deut-
Programme
lich zu trennen und unter Nennung des Verfassers als
a) „EinsExtra“,
solche zu kennzeichnen.
b) „EinsPlus“ und
(2) Bei der Wiedergabe von Meinungsumfragen, die c) „EinsFestival“.
von Rundfunkveranstaltern durchgeführt werden, ist
(2) Folgende Fernsehprogramme von einzelnen oder
ausdrücklich anzugeben, ob sie repräsentativ sind.
mehreren in der ARD zusammengeschlossenen Lan-
desrundfunkanstalten werden nach Maßgabe ihres
II. Abschnitt jeweiligen Landesrechts veranstaltet:
Vorschriften über den öffentlich-rechtlichen
Rundfunk 1. die Dritten Fernsehprogramme einschließlich
regionaler Auseinanderschaltungen, und zwar je-
§ 11 weils
Auftrag a) des Bayerischen Rundfunks (BR),
(1) Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstal- b) des Hessischen Rundfunks (HR),
ten ist, durch die Herstellung und Verbreitung ihrer c) des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR),
Angebote als Medium und Faktor des Prozesses freier d) des Norddeutschen Rundfunks (NDR),
individueller und öffentlicher Meinungsbildung zu e) von Radio Bremen (RB),
wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und f) vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB),
kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen. g) des Südwestrundfunks (SWR),
Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben in h) des Saarländischen Rundfunks (SR) und
ihren Angeboten einen umfassenden Überblick über i) des Westdeutschen Rundfunks (WDR),
das internationale, europäische, nationale und regionale 2. das Spartenprogramm „BR-alpha“ mit dem
Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu Schwerpunkt Bildung.
geben. Sie sollen hierdurch die internationale Verstän-
digung, die europäische Integration und den gesell- (3) Das ZDF veranstaltet folgende Fernsehprogramme:
schaftlichen Zusammenhalt in Bund und Ländern för- 1. das Vollprogramm „Zweites Deutsches Fernsehen
dern. Ihre Angebote haben der Bildung, Information, (ZDF)“,
Beratung und Unterhaltung zu dienen. Sie haben Bei- 2. drei Programme als Zusatzangebote nach Maßgabe
träge insbesondere zur Kultur anzubieten. Auch Unter- der als Anlage beigefügten Konzepte, und zwar die
haltung soll einem öffentlich-rechtlichen Angebotspro- Programme
fil entsprechen. a) „ZDFinfokanal“,
(2) Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben b) „ZDFkulturkanal“ und
bei der Erfüllung ihres Auftrags die Grundsätze der c) „ZDF-Familienkanal“.
Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, (4) Die in der ARD zusammengeschlossenen Landes-
die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer rundfunkanstalten und das ZDF veranstalten gemein-
Angebote zu berücksichtigen. sam folgende Fernsehprogramme:
§ 11 a 1. das Vollprogramm „3sat“ mit kulturellem Schwer-
Angebote punkt unter Beteiligung öffentlich-rechtlicher eu-
(1) Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ropäischer Veranstalter,
sind Rundfunkprogramme (Hörfunk- und Fernsehpro- 2. das Vollprogramm „arte - Der Europäische Kul-
gramme) und Telemedien nach Maßgabe dieses Staats- turkanal“ unter Beteiligung öffentlich-rechtlicher
vertrages und der jeweiligen landesrechtlichen Rege- europäischer Veranstalter,
lungen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk kann pro- 3. das Spartenprogramm „PHOENIX - Der Ereignis-
grammbegleitend Druckwerke mit programmbezoge- und Dokumentationskanal“ und
nem Inhalt anbieten. 4. das Spartenprogramm „KI.KA - Der Kinderkanal“.

(2) Rundfunkprogramme, die über unterschiedliche (5) Die analoge Verbreitung eines bislang ausschließ-
Übertragungswege zeitgleich verbreitet werden, gelten lich digital verbreiteten Programms ist unzulässig.
zahlenmäßig als ein Angebot.
Rundfunkstaatsvertrag
13 | Dokumentation
Media Perspektiven
I/2016

§ 11 c (2) Der Auftrag nach Absatz 1 umfasst das Angebot


Hörfunkprogramme von
(1) Die in der ARD zusammengeschlossenen Landes- 1. Sendungen ihrer Programme auf Abruf bis zu
rundfunkanstalten veranstalten Hörfunkprogramme sieben Tage nach deren Ausstrahlung, Sendungen
einzeln oder zu mehreren für ihr jeweiliges Versor- auf Abruf von Großereignissen gemäß § 4 Abs. 2
gungsgebiet auf Grundlage des jeweiligen Landes- sowie von Spielen der 1. und 2. Fußball-Bundes-
rechts; bundesweit ausgerichtete Hörfunkprogramme liga bis zu 24 Stunden danach,
finden nicht statt. Ausschließlich im Internet verbreite- 2. inhaltlich und zeitlich bis zu sieben Tage danach
te Hörfunkprogramme sind nur nach Maßgabe eines auf eine konkrete Sendung bezogenen Telemedien
nach § 11 f durchgeführten Verfahrens zulässig. soweit auf für die jeweilige Sendung genutzte Ma-
(2) Die Gesamtzahl der terrestrisch verbreiteten Hör- terialien und Quellen zurückgegriffen wird und
funkprogramme der in der ARD zusammengeschlosse- diese Telemedien thematisch und inhaltlich die
nen Rundfunkanstalten darf die Zahl der zum 1. April Sendung unterstützend vertiefen und begleiten,
2004 terrestrisch verbreiteten Hörfunkprogramme nicht ohne jedoch bereits ein eigenständiges Telemedi-
übersteigen. Das Landesrecht kann vorsehen, dass die enangebot nach § 11 f Abs. 3 darzustellen; diese
jeweilige Landesrundfunkanstalt zusätzlich so viele sendungsbezogenen Telemedien sind in Telemedi-
digitale terrestrische Hörfunkprogramme veranstaltet enkonzepten entsprechend § 11 f Abs. 1 zu be-
wie sie Länder versorgt. Das jeweilige Landesrecht schreiben; Vorankündigungen sind zulässig,
kann vorsehen, dass terrestrisch verbreitete Hörfunk- 3. Sendungen und sendungsbezogenen Telemedien
programme gegen andere terrestrisch verbreitete Hör- nach Ablauf der Fristen nach Nummer 1 1. Halb-
funkprogramme, auch gegen ein Kooperationspro- satz und Nummer 2 sowie von nichtsendungsbe-
gramm, ausgetauscht werden, wenn dadurch insgesamt zogenen Telemedien nach Maßgabe eines nach
keine Mehrkosten entstehen und sich die Gesamtzahl § 11 f durchgeführten Verfahrens; in den Teleme-
der Programme nicht erhöht. Kooperationsprogramme dienkonzepten ist angebotsabhängig eine Befris-
werden jeweils als ein Programm der beteiligten An- tung für die Verweildauer vorzunehmen; nichtsen-
stalten gerechnet. Regionale Auseinanderschaltungen dungsbezogene presseähnliche Angebote sind
von Programmen bleiben unberührt. Der Austausch nicht zulässig und
eines in digitaler Technik verbreiteten Programms 4. zeitlich unbefristeten Archiven mit zeit- und kul-
gegen ein in analoger Technik verbreitetes Programm turgeschichtlichen Inhalten nach Maßgabe der ge-
ist nicht zulässig. mäß § 11 f zu erstellenden Telemedienkonzepte.

(3) Das Deutschlandradio veranstaltet folgende Hör- Im Übrigen bleiben Angebote nach Maßgabe der §§ 16
funkprogramme mit den Schwerpunkten in den Berei- a bis e unberührt.
chen Information, Bildung und Kultur: (3) Durch die Telemedienangebote soll allen Bevölke-
1. das Programm „Deutschlandfunk“, rungsgruppen die Teilhabe an der Informationsgesell-
2. das Programm „Deutschlandradio Kultur“, schaft ermöglicht, Orientierungshilfe geboten sowie die
3. das in digitaler Technik verbreitete Programm technische und inhaltliche Medienkompetenz aller
„DRadio Wissen“ nach Maßgabe des als Anlage Generationen und von Minderheiten gefördert werden.
beigefügten Konzepts, insbesondere unter Rück- Bei sendungsbezogenen Telemedien muss der zeitliche
griff auf die Möglichkeiten nach § 5 Abs. 2 des und inhaltliche Bezug zu einer bestimmten Sendung im
Deutschlandradio-Staatsvertrages; die in der ARD jeweiligen Telemedienangebot ausgewiesen werden.
zusammengeschlossenen Landesrundfunkanstalten (4) Die in der ARD zusammengeschlossenen Landes-
kooperieren hierzu mit dem Deutschlandradio, rundfunkanstalten, das ZDF und das Deutschlandradio
4. ausschließlich im Internet verbreitete Hörfunkpro- bieten ihre Angebote in elektronischen Portalen an und
gramme mit Inhalten aus den in Nummer 1 bis 3 fassen ihre Programme unter elektronischen Pro-
aufgeführten Programmen nach Maßgabe eines grammführern zusammen.
nach § 11 f durchgeführten Verfahrens.
(5) Werbung und Sponsoring sind in Telemedien nicht
(4) Die in der ARD zusammengeschlossenen Landes- zulässig. Das Angebot auf Abruf von angekauften
rundfunkanstalten und das Deutschlandradio veröffent- Spielfilmen und angekauften Folgen von Fernsehse-
lichen in den amtlichen Verkündungsblättern der Län- rien, die keine Auftragsproduktionen sind, ist nicht
der jährlich, erstmals zum 1. Januar 2010, eine Auflis- zulässig. Eine flächendeckende lokale Berichterstat-
tung der von allen Anstalten insgesamt veranstalteten tung in Telemedien ist nicht zulässig. Die in der Anla-
Hörfunkprogramme. ge zu diesem Staatsvertrag aufgeführten Angebotsfor-
men sind in Telemedien nicht zulässig.
§ 11 d
Telemedien § 11 e
(1) Die in der ARD zusammengeschlossenen Landes- Satzungen, Richtlinien, Berichtspflichten
rundfunkanstalten, das ZDF und das Deutschlandradio (1) Die in der ARD zusammengeschlossenen Landes-
bieten Telemedien an, die journalistisch-redaktionell rundfunkanstalten, das ZDF und das Deutschlandradio
veranlasst und journalistisch-redaktionell gestaltet sind. erlassen jeweils Satzungen oder Richtlinien zur nähe-
Media Perspektiven
Dokumentation I/2016 | 14 Rundfunkstaatsvertrag

ren Durchführung ihres jeweiligen Auftrags sowie für Rundfunks, zu berücksichtigen. Darzulegen ist der
das Verfahren zur Erstellung von Angebotskonzepten voraussichtliche Zeitraum, innerhalb dessen das Ange-
und das Verfahren für neue oder veränderte Telemedi- bot stattfinden soll.
en. Die Satzungen oder Richtlinien enthalten auch
(5) Zu den Anforderungen des Absatzes 4 ist vor Auf-
Regelungen zur Sicherstellung der Unabhängigkeit der
nahme eines neuen oder veränderten Angebots durch
Gremienentscheidungen. Die Satzungen oder Richtli-
das zuständige Gremium Dritten in geeigneter Weise,
nien sind in den amtlichen Verkündungsblättern der
insbesondere im Internet, Gelegenheit zur Stellung-
Länder zu veröffentlichen.
nahme zu geben. Die Gelegenheit zur Stellungnahme
(2) Die in der ARD zusammengeschlossenen Landes- besteht innerhalb einer Frist von mindestens sechs
rundfunkanstalten, das ZDF und das Deutschlandradio Wochen nach Veröffentlichung des Vorhabens. Das
veröffentlichen alle zwei Jahre, erstmals am 1. Oktober zuständige Gremium der Rundfunkanstalt hat die ein-
2004, einen Bericht über die Erfüllung ihres jeweiligen gegangenen Stellungnahmen zu prüfen. Das zuständige
Auftrages, über die Qualität und Quantität der beste- Gremium kann zur Entscheidungsbildung gutachterli-
henden Angebote sowie die Schwerpunkte der jeweils che Beratung durch unabhängige Sachverständige auf
geplanten Angebote. Kosten der jeweiligen Rundfunkanstalt in Auftrag
geben; zu den marktlichen Auswirkungen ist gutachter-
§ 11 f liche Beratung hinzuzuziehen. Der Name des Gutach-
Telemedienkonzepte sowie neue oder ters ist bekanntzugeben. Der Gutachter kann weitere
veränderte Telemedien Auskünfte und Stellungnahmen einholen; ihm können
(1) Die in der ARD zusammengeschlossenen Landes- Stellungnahmen unmittelbar übersandt werden.
rundfunkanstalten, das ZDF und das Deutschlandradio
(6) Die Entscheidung, ob die Aufnahme eines neuen
konkretisieren die inhaltliche Ausrichtung ihrer Tele-
oder veränderten Angebots den Voraussetzungen des
medien nach § 11 d Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 und 4 jeweils
Absatzes 4 entspricht, bedarf der Mehrheit von zwei
in Telemedienkonzepten, die Zielgruppe, Inhalt, Aus-
Dritteln der anwesenden Mitglieder, mindestens der
richtung und Verweildauer der geplanten Angebote
Mehrheit der gesetzlichen Mitglieder des zuständigen
näher beschreiben.
Gremiums. Die Entscheidung ist zu begründen. In den
(2) Die Beschreibung aller Telemedien muss eine Entscheidungsgründen muss unter Berücksichtigung
Nachprüfung des Finanzbedarfs durch die KEF ermög- der eingegangenen Stellungnahmen und eingeholten
lichen. Gutachten dargelegt werden, ob das neue oder verän-
derte Angebot vom Auftrag umfasst ist. Die jeweilige
(3) Die in der ARD zusammengeschlossenen Landes-
Rundfunkanstalt hat das Ergebnis ihrer Prüfung ein-
rundfunkanstalten, das ZDF und das Deutschlandradio
schließlich der eingeholten Gutachten unter Wahrung
legen in den Satzungen oder Richtlinien übereinstim-
von Geschäftsgeheimnissen in gleicher Weise wie die
mende Kriterien fest, die sie in jedem Einzelfall bei der
Veröffentlichung des Vorhabens bekannt zu machen.
Entscheidung der Frage anzuwenden haben, in welchen
Fällen ein neues oder verändertes Telemedienangebot (7) Der für die Rechtsaufsicht zuständigen Behörde
vorliegt, das nach dem nachstehenden Verfahren zu sind vor der Veröffentlichung alle für eine rechtsauf-
prüfen ist. Ein verändertes Angebot liegt insbesondere sichtliche Prüfung notwendigen Auskünfte zu erteilen
vor, wenn die inhaltliche Gesamtausrichtung des An- und Unterlagen zu übermitteln. Nach Abschluss des
gebots oder die angestrebte Zielgruppe verändert wird. Verfahrens nach Absatz 5 und 6 und nach Prüfung
durch die für die Rechtsaufsicht zuständige Behörde ist
(4) Ist ein neues Angebot oder die Veränderung eines
die Beschreibung des neuen oder veränderten Angebots
bestehenden Angebots nach Absatz 1 geplant, hat die
in den amtlichen Verkündungsblättern der betroffenen
Rundfunkanstalt gegenüber ihrem zuständigen Gremi-
Länder zu veröffentlichen.
um darzulegen, dass das geplante, neue oder veränder-
te, Angebot vom Auftrag umfasst ist. Es sind Aussagen
darüber zu treffen, § 12
1. inwieweit das Angebot den demokratischen, sozia- Funktionsgerechte Finanzausstattung, Grundsatz
len und kulturellen Bedürfnissen der Gesellschaft des Finanzausgleichs
entspricht, (1) Die Finanzausstattung hat den öffentlich-rechtli-
2. in welchem Umfang durch das Angebot in qualita- chen Rundfunk in die Lage zu versetzen, seine verfas-
tiver Hinsicht zum publizistischen Wettbewerb sungsmäßigen und gesetzlichen Aufgaben zu erfüllen;
beigetragen wird und sie hat insbesondere den Bestand und die Entwicklung
3. welcher finanzielle Aufwand für das Angebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu gewährleisten.
erforderlich ist.
(2) Der Finanzausgleich unter den Landesrundfunkan-
Dabei sind Quantität und Qualität der vorhandenen frei stalten ist Bestandteil des Finanzierungssystems der
zugänglichen Angebote, die marktlichen Auswirkun- ARD; er stellt insbesondere eine funktionsgerechte
gen des geplanten Angebots sowie dessen meinungs- Aufgabenerfüllung der Anstalten Saarländischer Rund-
bildende Funktion angesichts bereits vorhandener ver- funk und Radio Bremen sicher. Der Umfang der Fi-
gleichbarer Angebote, auch des öffentlich-rechtlichen nanzausgleichsmasse und ihre Anpassung an den
Rundfunkstaatsvertrag
15 | Dokumentation
Media Perspektiven
I/2016

Rundfunkbeitrag bestimmen sich nach dem Rundfunk- (5) Die Beitragsfestsetzung erfolgt durch Staatsvertrag.
finanzierungsstaatsvertrag.
§ 15
§ 13 Zulässige Produktplatzierung
Finanzierung Abweichend von § 7 Abs. 7 Satz 1 ist Produktplatzie-
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk finanziert sich rung im Rundfunk zulässig
durch Rundfunkbeiträge, Einnahmen aus Rundfunk-
1. in Kinofilmen, Filmen und Serien, Sportsendungen
werbung und sonstigen Einnahmen; vorrangige Finan-
und Sendungen der leichten Unterhaltung, die
zierungsquelle ist der Rundfunkbeitrag. Programme
nicht vom Veranstalter selbst oder von einem mit
und Angebote im Rahmen seines Auftrags gegen be-
dem Veranstalter verbundenen Unternehmen pro-
sonderes Entgelt sind unzulässig; ausgenommen hier-
duziert oder in Auftrag gegeben wurden, sofern es
von sind Begleitmaterialien. Einnahmen aus dem An-
sich nicht um Sendungen für Kinder handelt, oder
gebot von Telefonmehrwertdiensten dürfen nicht er-
2. wenn kein Entgelt geleistet wird, sondern lediglich
zielt werden.
bestimmte Waren oder Dienstleistungen, wie Pro-
§ 14 duktionshilfen und Preise, im Hinblick auf ihre
Finanzbedarf des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Einbeziehung in eine Sendung kostenlos bereit-
gestellt werden, sofern es sich nicht um Nachrich-
(1) Der Finanzbedarf des öffentlich-rechtlichen Rund-
ten, Sendungen zum politischen Zeitgeschehen,
funks wird regelmäßig entsprechend den Grundsätzen
Ratgeber- und Verbrauchersendungen, Sendungen
von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit, einschließlich
für Kinder oder Übertragungen von Gottesdiensten
der damit verbundenen Rationalisierungspotentiale, auf
handelt.
der Grundlage von Bedarfsanmeldungen der in der
ARD zusammengeschlossenen Landesrundfunkanstal- Keine Sendungen der leichten Unterhaltung sind insbe-
ten, des ZDF und der Körperschaft des öffentlichen sondere Sendungen, die neben unterhaltenden Elemen-
Rechts „Deutschlandradio“ durch die unabhängige ten im Wesentlichen informierenden Charakter haben,
Kommission zur Überprüfung und Ermittlung des Verbrauchersendungen und Ratgebersendungen mit
Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) geprüft Unterhaltungselementen.
und ermittelt.
§ 16
(2) Bei der Überprüfung und Ermittlung des Finanzbe- Dauer der Werbung, Sponsoring
darfs sind insbesondere zugrunde zu legen
(1) Die Gesamtdauer der Werbung beträgt im Ersten
1. die wettbewerbsfähige Fortführung der bestehen- Fernsehprogramm der ARD und im Programm „Zwei-
den Rundfunkprogramme sowie die durch Staats- tes Deutsches Fernsehen“ jeweils höchstens 20 Minu-
vertrag aller Länder zugelassenen Fernsehpro- ten werktäglich im Jahresdurchschnitt. Nicht angerech-
gramme (bestandsbezogener Bedarf), net werden auf die zulässigen Werbezeiten Sendezeiten
2. nach Landesrecht zulässige neue Rundfunkpro- mit Produktplatzierungen und Sponsorhinweise. Nicht
gramme, die Teilhabe an den neuen rundfunktech- vollständig genutzte Werbezeit darf höchstens bis zu 5
nischen Möglichkeiten in der Herstellung und zur Minuten werktäglich nachgeholt werden. Nach 20.00
Verbreitung von Rundfunkprogrammen sowie die Uhr sowie an Sonntagen und im ganzen Bundesgebiet
Möglichkeit der Veranstaltung neuer Formen von anerkannten Feiertagen dürfen Werbesendungen nicht
Rundfunk (Entwicklungsbedarf), ausgestrahlt werden. § 17 bleibt unberührt.
3. die allgemeine Kostenentwicklung und die beson-
(2) In weiteren bundesweit verbreiteten Fernsehpro-
dere Kostenentwicklung im Medienbereich,
grammen von ARD und ZDF sowie in den Dritten
4. die Entwicklung der Beitragserträge, der Werbeer-
Fernsehprogrammen findet Werbung nicht statt.
träge und der sonstigen Erträge,
5. die Anlage, Verzinsung und zweckbestimmte (3) Im Fernsehen darf die Dauer der Spotwerbung
Verwendung der Überschüsse, die dadurch entste- innerhalb eines Zeitraums von einer Stunde 20 vom
hen, dass die jährlichen Gesamterträge der in der Hundert nicht überschreiten.
ARD zusammengeschlossenen Landesrundfunkan-
stalten, des ZDF oder des Deutschlandradios die (4) Hinweise der Rundfunkanstalten auf eigene Pro-
Gesamtaufwendungen für die Erfüllung ihres Auf- gramme und Sendungen und auf Begleitmaterialien,
trags übersteigen. die direkt von diesen Programmen und Sendungen
abgeleitet sind, unentgeltliche Beiträge im Dienst der
(3) Bei der Überprüfung und Ermittlung des Finanzbe- Öffentlichkeit einschließlich von Spendenaufrufen zu
darfs soll ein hoher Grad der Objektivierbarkeit er- Wohlfahrtszwecken sowie gesetzliche Pflichthinweise
reicht werden. gelten nicht als Werbung.
(4) Die KEF wird von den Rechnungshöfen über die (5) Die Länder sind berechtigt, den Landesrundfunkan-
Ergebnisse der Prüfungen der in der ARD zusammen- stalten bis zu 90 Minuten werktäglich im Jahresdurch-
geschlossenen Landesrundfunkanstalten, des ZDF und schnitt Werbung im Hörfunk einzuräumen; ein am 1.
des Deutschlandradios einschließlich deren Beteili- Januar 1987 in den Ländern abweichender zeitlicher
gungsunternehmen unterrichtet.
Media Perspektiven
Dokumentation I/2016 | 16 Rundfunkstaatsvertrag

Umfang der Werbung und ihre tageszeitliche Begren- Die Voraussetzungen nach Satz 1 müssen nicht erfüllt
zung kann beibehalten werden. sein, wenn die Beteiligung nur vorübergehend einge-
gangen wird und unmittelbaren Programmzwecken
(6) Sponsoring findet nach 20.00 Uhr sowie an Sonnta-
dient.
gen und im ganzen Bundesgebiet anerkannten Feierta-
gen im Fernsehen nicht statt; dies gilt nicht für das (2) Bei Beteiligungsunternehmen haben sich die Rund-
Sponsoring der Übertragung von Großereignissen nach funkanstalten in geeigneter Weise den nötigen Einfluss
§ 4 Abs. 2. auf die Geschäftsleitung des Unternehmens, insbeson-
dere eine angemessene Vertretung im Aufsichtsgremi-
§ 16 a um, zu sichern. Eine Prüfung der Betätigung der An-
Kommerzielle Tätigkeiten stalten bei dem Unternehmen unter Beachtung kauf-
(1) Die in der ARD zusammengeschlossenen Landes- männischer Grundsätze durch einen Wirtschaftsprüfer
rundfunkanstalten, das ZDF und das Deutschlandradio ist auszubedingen.
sind berechtigt, kommerzielle Tätigkeiten auszuüben.
(3) Die Absätze 1 und 2 gelten entsprechend für juristi-
Kommerzielle Tätigkeiten sind Betätigungen, bei de-
sche Personen des Privatrechts, die von den Rundfunk-
nen Leistungen auch für Dritte im Wettbewerb angebo-
anstalten gegründet werden und deren Geschäftsanteile
ten werden, insbesondere Werbung und Sponsoring,
sich ausschließlich in ihrer Hand befinden.
Verwertungsaktivitäten, Merchandising, Produktion für
Dritte und die Vermietung von Senderstandorten an (4) Die Absätze 1 und 2 gelten entsprechend für Betei-
Dritte. Diese Tätigkeiten dürfen nur unter Marktbedin- ligungen der Rundfunkanstalten an gemeinnützigen
gungen erbracht werden. Die kommerziellen Tätigkei- Rundfunkunternehmen und Pensionskassen.
ten sind durch rechtlich selbständige Tochtergesell-
schaften zu erbringen. Bei geringer Marktrelevanz § 16 c
kann eine kommerzielle Tätigkeit durch die Rundfunk- Kontrolle der Beteiligung an Unternehmen
anstalt selbst erbracht werden; in diesem Fall ist eine (1) Die in der ARD zusammengeschlossenen Landes-
getrennte Buchführung vorzusehen. Die in der ARD rundfunkanstalten, das ZDF und das Deutschlandradio
zusammengeschlossenen Landesrundfunkanstalten, das haben ein effektives Controlling über ihre Beteiligun-
ZDF und das Deutschlandradio haben sich bei den gen nach § 16 b einzurichten. Der Intendant hat das
Beziehungen zu ihren kommerziell tätigen Tochterun- jeweils zuständige Aufsichtsgremium der Rundfunkan-
ternehmen marktkonform zu verhalten und die entspre- stalt regelmäßig über die wesentlichen Vorgänge in den
chenden Bedingungen, wie bei einer kommerziellen Beteiligungsunternehmen, insbesondere über deren
Tätigkeit, auch ihnen gegenüber einzuhalten. finanzielle Entwicklung, zu unterrichten.
(2) Die Tätigkeitsbereiche sind von den zuständigen (2) Der Intendant hat dem jeweils zuständigen Auf-
Gremien der Rundfunkanstalten vor Aufnahme der sichtsgremium jährlich einen Beteiligungsbericht vor-
Tätigkeit zu genehmigen. Die Prüfung umfasst folgen- zulegen. Dieser Bericht schließt folgende Bereiche ein:
de Punkte:
1. die Darstellung sämtlicher unmittelbarer und mit-
1. die Beschreibung der Tätigkeit nach Art und Um- telbarer Beteiligungen und ihrer wirtschaftlichen
fang, die die Einhaltung der marktkonformen Be- Bedeutung für die Rundfunkanstalt,
dingungen begründet (Marktkonformität) ein- 2. die gesonderte Darstellung der Beteiligungen mit
schließlich eines Fremdvergleichs, kommerziellen Tätigkeiten und Nachweis der Er-
2. der Vergleich mit Angeboten privater Konkurren- füllung der staatsvertraglichen Vorgaben für
ten, kommerzielle Tätigkeiten und
3. Vorgaben für eine getrennte Buchführung und 3. die Darstellung der Kontrolle der Beteiligungen
4. Vorgaben für eine effiziente Kontrolle. einschließlich von Vorgängen mit besonderer Be-
deutung.
§ 16 b
Beteiligung an Unternehmen Der Bericht ist den jeweils zuständigen Rechnungshö-
fen und der rechtsaufsichtsführenden Landesregierung
(1) An einem Unternehmen, das einen gewerblichen
zu übermitteln.
oder sonstigen wirtschaftlichen Zweck zum Gegen-
stand hat, dürfen sich die in der ARD zusammenge- (3) Die für die in der ARD zusammengeschlossenen
schlossen Landesrundfunkanstalten, das ZDF und das Landesrundfunkanstalten, das ZDF und das Deutsch-
Deutschlandradio unmittelbar oder mittelbar beteiligen, landradio zuständigen Rechnungshöfe prüfen die Wirt-
wenn schaftsführung bei solchen Unternehmen des Privat-
rechts, an denen die Anstalten unmittelbar, mittelbar,
1. dies im sachlichen Zusammenhang mit ihren ge-
auch zusammen mit anderen Anstalten oder Körper-
setzlichen Aufgaben steht,
schaften des öffentlichen Rechts, mit Mehrheit beteiligt
2. das Unternehmen die Rechtsform einer juristi-
sind und deren Gesellschaftsvertrag oder Satzung diese
schen Person besitzt und
Prüfungen durch die Rechnungshöfe vorsieht. Die
3. die Satzung oder der Gesellschaftsvertrag des
Anstalten sind verpflichtet, für die Aufnahme der er-
Unternehmens einen Aufsichtsrat oder ein entspre-
forderlichen Regelungen in den Gesellschaftsvertrag
chendes Organ vorsieht.
oder die Satzung des Unternehmens zu sorgen.
Rundfunkstaatsvertrag
17 | Dokumentation
Media Perspektiven
I/2016

(4) Sind mehrere Rechnungshöfe für die Prüfung zu- § 16 e


ständig, können sie die Prüfung einem dieser Rech- Haftung für kommerziell tätige
nungshöfe übertragen. Beteiligungsunternehmen
Für kommerziell tätige Beteiligungsunternehmen dür-
§ 16 d
fen die in der ARD zusammengeschlossenen Landes-
Kontrolle der kommerziellen Tätigkeiten
rundfunkanstalten, das ZDF und das Deutschlandradio
(1) Bei Mehrheitsbeteiligungen der in der ARD zu- keine Haftung übernehmen.
sammengeschlossenen Landesrundfunkanstalten, des
ZDF, des Deutschlandradios oder bei Gesellschaften, § 16 f
bei denen ein Prüfungsrecht der zuständigen Rech- Richtlinien
nungshöfe besteht, sind die Rundfunkanstalten zusätz- Die in der ARD zusammengeschlossenen Landesrund-
lich zu den allgemein bestehenden Prüfungsrechten der funkanstalten und das ZDF erlassen Richtlinien zur
Rechnungshöfe verpflichtet darauf hinzuwirken, dass Durchführung der §§ 7, 7 a, 8, 8 a, 15 und 16. In der
die Beteiligungsunternehmen den jährlichen Ab- Richtlinie zu § 8 a sind insbesondere die Bedingungen
schlussprüfer nach § 319 Abs. 1 Satz 1 Handelsgesetz- zur Teilnahme Minderjähriger näher zu bestimmen.
buches nur im Einvernehmen mit den zuständigen Die in der ARD zusammengeschlossenen Landes-
Rechnungshöfen bestellen. Die Rundfunkanstalten ha- rundfunkanstalten und das ZDF stellen hierzu das Be-
ben dafür Sorge zu tragen, dass das Beteiligungsunter- nehmen mit den Landesmedienanstalten her und führen
nehmen vom Abschlussprüfer im Rahmen der Prüfung einen gemeinsamen Erfahrungsaustausch in der An-
des Jahresabschlusses auch die Marktkonformität sei- wendung dieser Richtlinien durch. In der Richtlinie zu
ner kommerziellen Tätigkeiten auf der Grundlage zu- § 7 Abs. 7 und § 15 ist näher zu bestimmen, unter wel-
sätzlicher von den jeweils zuständigen Rechnungshö- chen Voraussetzungen, in welchen Formaten und in
fen festzulegender Fragestellungen prüfen lässt und welchem Umfang unentgeltliche Produktplatzierung
den Abschlussprüfer ermächtigt, das Ergebnis der stattfinden kann, wie die Unabhängigkeit der Produ-
Prüfung zusammen mit dem Abschlussbericht den zenten und Redaktionen gesichert und eine unge-
zuständigen Rechnungshöfen mitzuteilen. Diese Frage- bührliche Herausstellung des Produkts vermieden wird.
stellungen werden von dem für die Prüfung zuständi- Die Sätze 1 bis 4 gelten für die Richtlinien des
gen Rechnungshof festgelegt und umfassen insbeson- Deutschlandradios zur Durchführung der §§ 7, 8 a und
dere den Nachweis der Einhaltung der staatsvertragli- 15 entsprechend.
chen Vorgaben für kommerzielle Aktivitäten. Die § 17
Rundfunkanstalten sind verpflichtet, für die Aufnahme Änderung der Werbung
der erforderlichen Regelungen in den Gesellschaftsver-
Die Länder können Änderungen der Gesamtdauer der
trag oder die Satzung des Beteiligungsunternehmens zu
Werbung, der tageszeitlichen Begrenzung der Werbung
sorgen. Die Wirtschaftsprüfer testieren den Jahresab-
und ihrer Beschränkung auf Werktage im öffentlich-
schluss der Beteiligungsunternehmen und berichten
rechtlichen Rundfunk vereinbaren.
den zuständigen Rechnungshöfen auch hinsichtlich der
in Satz 2 und 3 genannten Fragestellungen. Sie teilen § 18
das Ergebnis und den Abschlussbericht den zuständi- Ausschluss von Teleshopping
gen Rechnungshöfen mit. Die zuständigen Rechnungs- Teleshopping findet mit Ausnahme von Teleshopping-
höfe werten die Prüfung aus und können in jedem Spots im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht statt.
Einzelfall selbst Prüfmaßnahmen bei den betreffenden
Beteiligungsunternehmen ergreifen. Über festgestellte § 19
Verstöße gegen die Bestimmungen zur Marktkonformi- Versorgungsauftrag
tät unterrichten die Rechnungshöfe die für die Rechts- Die in der ARD zusammengeschlossenen Landesrund-
aufsicht über die jeweilige Rundfunkanstalt zuständige funkanstalten, das ZDF und das Deutschlandradio
Stelle. Die durch die ergänzenden Prüfungen zusätzlich können ihrem gesetzlichen Auftrag durch Nutzung
entstehenden Kosten tragen die jeweiligen Beteili- geeigneter Übertragungswege nachkommen. Bei der
gungsunternehmen. Auswahl des Übertragungswegs sind die Grundsätze
(2) Die Rechungshöfe teilen das Ergebnis der Prüfun- der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit zu beachten.
gen dem jeweiligen Intendanten, dem jeweiligen Auf- Die analoge Verbreitung bisher ausschließlich digital
sichtsgremium der Rundfunkanstalt und den Beteili- verbreiteter Programme ist unzulässig.
gungsunternehmen mit. Über die wesentlichen Ergeb-
nisse unterrichten die Rechnungshöfe die Landesregie- § 19 a
rungen und die Landtage der die Rundfunkanstalt tra- Veröffentlichung von Beanstandungen
genden Länder und die unabhängige Kommission zur Die zuständigen Aufsichtsgremien der in der ARD
Überprüfung und Ermittlung des Finanzbedarfs der zusammengeschlossenen Landesrundfunkanstalten, des
Rundfunkanstalten (KEF). Dabei achten sie darauf, ZDF und des Deutschlandradios können vom Intendan-
dass die Wettbewerbsfähigkeit der geprüften Beteili- ten verlangen, dass er bei Rechtsverstößen Beanstan-
gungsunternehmen nicht beeinträchtigt wird und insbe- dungen der Gremien im Programm veröffentlicht.
sondere Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse gewahrt
werden.
Media Perspektiven
Dokumentation I/2016 | 18 Rundfunkstaatsvertrag

III. Abschnitt des europäischen Übereinkommens über das


Vorschriften für den privaten Rundfunk grenzüberschreitende Fernsehen sind.
1. Unterabschnitt Statt der Versagung oder des Widerrufs der Zulassung
Grundsätze kann diese auch mit Nebenbestimmungen versehen
werden, soweit dies ausreicht, die Umgehung nach Satz 1
§ 20
auszuschließen.
Zulassung
(1) Private Veranstalter bedürfen zur Veranstaltung § 20 a
von Rundfunk einer Zulassung. Unbeschadet der Be- Erteilung einer Zulassung für Veranstalter von
stimmungen der §§ 21 bis 39 a richtet sich die Zulas- bundesweit verbreitetem Rundfunk
sung eines Veranstalters von bundesweit verbreitetem (1) Eine Zulassung darf nur an eine natürliche oder
Rundfunk nach § 20 a; im Übrigen richtet sich die Zu- juristische Person erteilt werden, die
lassung nach Landesrecht. In der Zulassung für Veran-
stalter bundesweit verbreiteter Programme ist die Pro- 1. unbeschränkt geschäftsfähig ist,
grammkategorie (Voll- oder Spartenprogramm) festzu- 2. die Fähigkeit, öffentliche Ämter zu bekleiden,
legen. nicht durch Richterspruch verloren hat,
3. das Grundrecht der freien Meinungsäußerung nicht
(2) Wenn und soweit ein elektronischer Informations-
nach Artikel 18 des Grundgesetzes verwirkt hat,
und Kommunikationsdienst dem Rundfunk zuzuordnen
4. als Vereinigung nicht verboten ist,
ist, bedarf der Anbieter eines solchen Dienstes einer
5. ihren Wohnsitz oder Sitz in der Bundesrepublik
Zulassung. Stellt die zuständige Landesmedienanstalt
Deutschland, einem sonstigen Mitgliedstaat der
fest, dass diese Voraussetzung vorliegt, muss der An-
Europäischen Union oder einem anderen Vertrags-
bieter, nachdem die Feststellung ihm bekannt gegeben
staat des Abkommens über den Europäischen
ist, nach seiner Wahl unverzüglich einen Zulassungsan-
Wirtschaftsraum hat und gerichtlich verfolgt wer-
trag stellen oder innerhalb von drei Monaten den elek-
den kann,
tronischen Informations- und Kommunikationsdienst
6. die Gewähr dafür bietet, dass sie unter Beachtung
so anbieten, dass der Dienst nicht dem Rundfunk zuzu-
der gesetzlichen Vorschriften und der auf dieser
ordnen ist. Anbieter von elektronischen Informations-
Grundlage erlassenen Verwaltungsakte Rundfunk
und Kommunikationsdiensten sind berechtigt, bei der
veranstaltet.
zuständigen Landesmedienanstalt einen Antrag auf
rundfunkrechtliche Unbedenklichkeit zu stellen. (2) Die Voraussetzungen nach Absatz 1 Nr. 1 bis 3 und
(3) Das Landesrecht kann ein vereinfachtes Zulas- 6 müssen bei juristischen Personen von den gesetzli-
sungsverfahren vorsehen, wenn Sendungen chen oder satzungsmäßigen Vertretern erfüllt sein.
Einem Veranstalter in der Rechtsform einer Aktienge-
1. im örtlichen Bereich einer öffentlichen Veranstal-
sellschaft darf nur dann eine Zulassung erteilt werden,
tung und im zeitlichen Zusammenhang damit ver-
wenn in der Satzung der Aktiengesellschaft bestimmt
anstaltet und verbreitet werden oder
ist, dass die Aktien nur als Namensaktien oder als Na-
2. für Einrichtungen angeboten werden, wenn diese
mensaktien und stimmrechtslose Vorzugsaktien ausge-
für gleiche Zwecke genutzt und die Sendungen nur
geben werden dürfen.
dort empfangen werden können und im funktionel-
len Zusammenhang mit den in diesen Einrichtun-
gen zu erfüllenden Aufgaben stehen. (3) Eine Zulassung darf nicht erteilt werden an juristi-
sche Personen des öffentlichen Rechts mit Ausnahme
Unberührt bleiben landesrechtliche Bestimmungen, von Kirchen und Hochschulen, an deren gesetzliche
nach denen Sendungen für eine beschränkte Anzahl Vertreter und leitende Bedienstete sowie an politische
von Wohneinheiten oder Sendungen in Einrichtungen, Parteien und Wählervereinigungen. Gleiches gilt für
die sich auf ein Gebäude oder einen zusammengehö- Unternehmen, die im Verhältnis eines verbundenen
renden Gebäudekomplex beschränken, keiner Zulas- Unternehmens im Sinne des § 15 des Aktiengesetzes
sung bedürfen. zu den in Satz 1 Genannten stehen. Die Sätze 1 und 2
(4) Die Zulassung eines Fernsehveranstalters kann gelten für ausländische öffentliche oder staatliche Stel-
versagt oder widerrufen werden, wenn len entsprechend.
1. sich das Programm des Veranstalters ganz oder in § 20 b
wesentlichen Teilen an die Bevölkerung eines an- Hörfunk im Internet
deren Staates richtet, der das Europäische Über- Wer Hörfunkprogramme ausschließlich im Internet
einkommen über das grenzüberschreitende Fern- verbreitet, bedarf keiner Zulassung. Er hat das Angebot
sehen ratifiziert hat und der zuständigen Landesmedienanstalt anzuzeigen. Im
2. der Veranstalter sich zu dem Zweck in der Bun- Übrigen gilt § 20 a entsprechend.
desrepublik Deutschland niedergelassen hat, die
Bestimmungen des anderen Staates zu umgehen
und
3. die Bestimmungen des anderen Staates, die der
Veranstalter zu umgehen bezweckt, Gegenstand
Rundfunkstaatsvertrag
19 | Dokumentation
Media Perspektiven
I/2016

2. Unterabschnitt stalt bestimmten Frist nicht nach, kann der Zulassungs-


Verfahrensrechtliche Vorschriften antrag abgelehnt werden.

§ 21 (6) Die im Rahmen des Zulassungsverfahrens Aus-


Grundsätze für das Zulassungsverfahren kunfts- und Vorlagepflichtigen sind verpflichtet, jede
Änderung der maßgeblichen Umstände nach Antrag-
(1) Der Antragsteller hat alle Angaben zu machen, alle
stellung oder nach Erteilung der Zulassung unverzüg-
Auskünfte zu erteilen und alle Unterlagen vorzulegen,
lich der zuständigen Landesmedienanstalt mitzuteilen.
die zur Prüfung des Zulassungsantrags erforderlich
Die Absätze 1 bis 5 finden entsprechende Anwendung.
sind.
§ 29 bleibt unberührt.
(2) Die Auskunftspflicht und die Verpflichtung zur
(7) Unbeschadet anderweitiger Anzeigepflichten sind
Vorlage von Unterlagen erstrecken sich insbesondere
der Veranstalter und die an ihm unmittelbar oder mit-
auf
telbar im Sinne von § 28 Beteiligten jeweils nach Ab-
1. eine Darstellung der unmittelbaren und mittelbaren lauf eines Kalenderjahres verpflichtet, unverzüglich der
Beteiligungen im Sinne des § 28 an dem Antrag- zuständigen Landesmedienanstalt gegenüber eine Er-
steller sowie der Kapital- und Stimmrechtsverhält- klärung darüber abzugeben, ob und inwieweit inner-
nisse bei dem Antragsteller und den mit ihm im halb des abgelaufenen Kalenderjahres bei den nach
Sinne des Aktiengesetzes verbundenen Unterneh- § 28 maßgeblichen Beteiligungs- und Zurechnungstat-
men, beständen eine Veränderung eingetreten ist.
2. die Angabe über Angehörige im Sinne des § 15
Abgabenordnung unter den Beteiligten nach § 22
Nummer 1, Gleiches gilt für Vertreter der Person Auskunftsrechte und Ermittlungsbefugnisse
oder Personengesellschaft oder des Mitglieds eines (1) Die zuständige Landesmedienanstalt kann alle
Organs einer juristischen Person, Ermittlungen durchführen und alle Beweise erheben,
3. den Gesellschaftsvertrag und die satzungsrechtli- die zur Erfüllung ihrer sich aus den §§ 26 bis 34 erge-
chen Bestimmungen des Antragstellers, benden Aufgaben erforderlich sind. Sie bedient sich
4. Vereinbarungen, die zwischen an dem Antragstel- der Beweismittel, die sie nach pflichtgemäßem Ermes-
ler unmittelbar oder mittelbar im Sinn von § 28 sen zur Ermittlung des Sachverhalts für erforderlich
Beteiligten bestehen und sich auf die gemeinsame hält. Sie kann insbesondere
Veranstaltung von Rundfunk sowie auf Treuhand-
1. Auskünfte einholen,
verhältnisse und nach den §§ 26 und 28 erhebliche
2. Beteiligte im Sinne des § 13 Verwaltungsverfah-
Beziehungen beziehen,
rensgesetz anhören, Zeugen und Sachverständige
5. eine schriftliche Erklärung des Antragstellers, dass
vernehmen oder die schriftliche Äußerung von Be-
die nach den Nummern 1 bis 4 vorgelegten Unter-
teiligten, Sachverständigen und Zeugen einholen,
lagen und Angaben vollständig sind.
3. Urkunden und Akten beiziehen,
(3) Ist für die Prüfung im Rahmen des Zulassungsver- 4. den Augenschein einnehmen.
fahrens ein Sachverhalt bedeutsam, der sich auf Vor-
Andere Personen als die Beteiligten sollen erst dann
gänge außerhalb des Geltungsbereichs dieses Staatsver-
zur Auskunft herangezogen werden, wenn die
trages bezieht, so hat der Antragsteller diesen Sachver-
Sachverhaltsaufklärung durch diese nicht zum Ziel
halt aufzuklären und die erforderlichen Beweismittel
führt oder keinen Erfolg verspricht.
zu beschaffen. Er hat dabei alle für ihn bestehenden
rechtlichen und tatsächlichen Möglichkeiten auszu- (2) Für Zeugen und Sachverständige besteht eine
schöpfen. Der Antragsteller kann sich nicht darauf Pflicht zur Aussage oder zur Erstattung von Gutachten.
berufen, dass er Sachverhalte nicht aufklären oder Die Vorschriften der Zivilprozessordnung über die
Beweismittel nicht beschaffen kann, wenn er sich nach Pflicht, als Zeuge auszusagen oder als Sachverständi-
Lage des Falles bei der Gestaltung seiner Verhältnisse ger ein Gutachten zu erstatten, über die Ablehnung von
die Möglichkeit dazu hätte beschaffen oder einräumen Sachverständigen sowie über die Vernehmung von
lassen können. Angehörigen des öffentlichen Dienstes als Zeugen oder
Sachverständige gelten entsprechend. Die Entschädi-
(4) Die Verpflichtungen nach den Absätzen 1 bis 3 gung der Zeugen und Sachverständigen erfolgt in ent-
gelten für natürliche und juristische Personen oder sprechender Anwendung des Justizvergütungs- und
Personengesellschaften, die an dem Antragsteller un- -entschädigungsgesetzes.
mittelbar oder mittelbar im Sinne von § 28 beteiligt
(3) Zur Glaubhaftmachung der Vollständigkeit und
sind oder zu ihm im Verhältnis eines verbundenen
Richtigkeit der Angaben darf die zuständige Landes-
Unternehmens stehen oder sonstige Einflüsse im Sinne
medienanstalt die Vorlage einer eidesstattlichen Versi-
der §§ 26 und 28 auf ihn ausüben können, entspre-
cherung von denjenigen verlangen, die nach § 21 Abs.
chend.
1 und 4 auskunfts- und vorlagepflichtig sind. Eine
(5) Kommt ein Auskunfts- oder Vorlagepflichtiger Versicherung an Eides statt soll nur gefordert werden,
seinen Mitwirkungspflichten nach den Absätzen 1 bis 4 wenn andere Mittel zur Erforschung der Wahrheit nicht
innerhalb einer von der zuständigen Landesmedienan-
Media Perspektiven
Dokumentation I/2016 | 20 Rundfunkstaatsvertrag

vorhanden sind, zu keinem Ergebnis geführt haben Satz 1, und mittelbar Beteiligte, denen das Programm
oder einen unverhältnismäßigen Aufwand erfordern. nach § 28 Abs. 1 Satz 2 zuzurechnen ist, entsprechende
Anwendung.
(4) Die von der zuständigen Landesmedienanstalt mit
der Durchführung der sich aus den §§ 26 bis 34 erge- (2) Innerhalb derselben Frist hat der Veranstalter eine
benden Aufgaben betrauten Personen dürfen während Aufstellung der Programmbezugsquellen für den Be-
der üblichen Geschäfts- und Arbeitszeiten die Ge- richtszeitraum der zuständigen Landesmedienanstalt
schäftsräume und -grundstücke der in § 21 Abs. 1, 3 vorzulegen.
und 4 genannten Personen und Personengesellschaften
betreten und die nachfolgend in Absatz 5 genannten § 24
Unterlagen einsehen und prüfen. Das Grundrecht des Vertraulichkeit
Artikels 13 Grundgesetz wird insoweit eingeschränkt. Angaben über persönliche und sachliche Verhältnisse
einer natürlichen oder juristischen Person oder einer
(5) Die in § 21 Abs. 1, 3 und 4 genannten Personen
Personengesellschaft sowie Betriebs- oder Geschäfts-
oder Personengesellschaften haben auf Verlangen
geheimnisse, die den Landesmedienanstalten, ihren
Aufzeichnungen, Bücher, Geschäftspapiere und andere
Organen, ihren Bediensteten oder von ihnen beauftrag-
Urkunden, die für die Anwendung der §§ 26 bis 34
ten Dritten im Rahmen der Durchführung ihrer Aufga-
erheblich sein können, vorzulegen, Auskünfte zu ertei-
ben anvertraut oder sonst bekannt geworden sind, dür-
len und die sonst zur Durchführung der Maßnahmen
fen nicht unbefugt offenbart werden. Soweit personen-
nach Absatz 4 erforderlichen Hilfsdienste zu leisten.
bezogene Daten verarbeitet werden, finden die Daten-
Vorkehrungen, die die Maßnahmen hindern oder er-
schutzbestimmungen nach Landesrecht Anwendung.
schweren, sind unzulässig.
(6) Der zur Erteilung einer Auskunft Verpflichtete 3. Unterabschnitt
kann die Auskunft auf solche Fragen verweigern, deren Sicherung der Meinungsvielfalt
Beantwortung ihn selbst oder einen der in § 383 Abs. 1
Nrn. 1 bis 3 Zivilprozessordnung bezeichneten Ange- § 25
hörigen der Gefahr strafrechtlicher Verfolgung oder Meinungsvielfalt, regionale Fenster
eines Verfahrens nach dem Gesetz über Ordnungswid- (1) Im privaten Rundfunk ist inhaltlich die Vielfalt der
rigkeiten aussetzen würde. Meinungen im Wesentlichen zum Ausdruck zu brin-
(7) Durchsuchungen dürfen nur aufgrund einer Anord- gen. Die bedeutsamen politischen, weltanschaulichen
nung des Amtsrichters, in dessen Bezirk die Durchsu- und gesellschaftlichen Kräfte und Gruppen müssen in
chung erfolgen soll, vorgenommen werden. Bei Gefahr den Vollprogrammen angemessen zu Wort kommen;
im Verzug können die in Absatz 4 bezeichneten Perso- Auffassungen von Minderheiten sind zu berücksichti-
nen während der Geschäftszeit die erforderlichen gen. Die Möglichkeit, Spartenprogramme anzubieten,
Durchsuchungen ohne richterliche Anordnung vor- bleibt hiervon unberührt.
nehmen. An Ort und Stelle ist eine Niederschrift über (2) Ein einzelnes Programm darf die Bildung der öf-
Grund, Zeit und Ort der Durchsuchung und ihr wesent- fentlichen Meinung nicht in hohem Maße ungleichge-
liches Ergebnis aufzunehmen, aus der sich, falls keine wichtig beeinflussen.
richterliche Anordnung ergangen ist, auch die Tatsa-
chen ergeben, die zur Annahme einer Gefahr im Ver- (3) Im Rahmen des Zulassungsverfahrens soll die Lan-
zug geführt haben. desmedienanstalt darauf hinwirken, dass an dem Ver-
anstalter auch Interessenten mit kulturellen Programm-
(8) Der Inhaber der tatsächlichen Gewalt über die zu beiträgen beteiligt werden. Ein Rechtsanspruch auf
durchsuchenden Räume darf der Durchsuchung bei- Beteiligung besteht nicht.
wohnen. Ist er abwesend, soll sein Vertreter oder ein
anderer Zeuge hinzugezogen werden. Dem Inhaber der (4) In den beiden bundesweit verbreiteten reich-
tatsächlichen Gewalt über die durchsuchten Räume weitenstärksten Fernsehvollprogrammen sind mindes-
oder seinem Vertreter ist auf Verlangen eine Durch- tens im zeitlichen und regional differenzierten Umfang
schrift der in Absatz 7 Satz 3 genannten Niederschrift der Programmaktivitäten zum 1. Juli 2002 nach Maß-
zu erteilen. gabe des jeweiligen Landesrechts Fensterprogramme
zur aktuellen und authentischen Darstellung der Ereig-
§ 23 nisse des politischen, wirtschaftlichen, sozialen und
Publizitätspflicht und sonstige Vorlagepflichten kulturellen Lebens in dem jeweiligen Land aufzuneh-
(1) Jeder Veranstalter hat unabhängig von seiner men. Der Hauptprogrammveranstalter hat organisato-
Rechtsform jährlich nach Maßgabe der Vorschriften risch sicherzustellen, dass die redaktionelle Unabhän-
des Handelsgesetzbuches, die für große Kapitalgesell- gigkeit des Fensterprogrammveranstalters gewährleis-
schaften gelten, einen Jahresabschluss samt Anhang tet ist. Dem Fensterprogrammveranstalter ist eine ge-
und einen Lagebericht spätestens bis zum Ende des sonderte Zulassung zu erteilen. Fensterprogrammver-
neunten auf das Ende des Geschäftsjahres folgenden anstalter und Hauptprogrammveranstalter sollen zu-
Monats zu erstellen und bekannt zu machen. Satz 1 einander nicht im Verhältnis eines verbundenen Unter-
findet auf an dem Veranstalter unmittelbar Beteiligte, nehmens nach § 28 stehen, es sei denn, zum 31. De-
denen das Programm des Veranstalters nach § 28 Abs. 1 zember 2009 bestehende landesrechtliche Regelungen
Rundfunkstaatsvertrag
21 | Dokumentation
Media Perspektiven
I/2016

stellen die Unabhängigkeit in anderer Weise sicher. 2. es kann im Falle des Absatzes 2 Satz 2 seine
Zum 31. Dezember 2009 bestehende Zulassungen Marktstellung auf medienrelevanten verwandten
bleiben unberührt. Eine Verlängerung ist zulässig. Mit Märkten vermindern oder ihm zurechenbare Betei-
der Organisation der Fensterprogramme ist zugleich ligungen an Veranstaltern aufgeben, bis keine vor-
deren Finanzierung durch den Hauptprogrammveranstal- herrschende Meinungsmacht nach Absatz 2 Satz 2
ter sicherzustellen. Die Landesmedienanstalten stimmen mehr gegeben ist, oder
die Organisation der Fensterprogramme in zeitlicher 3. es kann bei ihm zurechenbaren Veranstaltern
und technischer Hinsicht unter Berücksichtigung der vielfaltssichernde Maßnahmen im Sinne der §§ 30
Interessen der betroffenen Veranstalter ab. bis 32 ergreifen.

§ 26 Die KEK erörtert mit dem Unternehmen die in Be-


Sicherung der Meinungsvielfalt im Fernsehen tracht kommenden Maßnahmen mit dem Ziel, eine
einvernehmliche Regelung herbeizuführen. Kommt
(1) Ein Unternehmen (natürliche oder juristische Per-
keine Einigung zustande oder werden die einvernehm-
son oder Personenvereinigung) darf in der Bundesre-
lich zwischen dem Unternehmen und der KEK verein-
publik Deutschland selbst oder durch ihm zurechenbare
barten Maßnahmen nicht in angemessener Frist durch-
Unternehmen bundesweit im Fernsehen eine unbe-
geführt, so sind von der zuständigen Landesmedienan-
grenzte Anzahl von Programmen veranstalten, es sei
stalt nach Feststellung durch die KEK die Zulassungen
denn, es erlangt dadurch vorherrschende Meinungs-
von so vielen dem Unternehmen zurechenbaren Pro-
macht nach Maßgabe der nachfolgenden Bestimmun-
grammen zu widerrufen, bis keine vorherrschende
gen.
Meinungsmacht durch das Unternehmen mehr gegeben
(2) Erreichen die einem Unternehmen zurechenbaren ist. Die Auswahl trifft die KEK unter Berücksichtigung
Programme im Durchschnitt eines Jahres einen Zu- der Besonderheiten des Einzelfalles. Eine Entschädi-
schaueranteil von 30 vom Hundert, so wird vermutet, gung für Vermögensnachteile durch den Widerruf der
dass vorherrschende Meinungsmacht gegeben ist. Glei- Zulassung wird nicht gewährt.
ches gilt bei Erreichen eines Zuschaueranteils von 25
(5) Erreicht ein Veranstalter mit einem Vollprogramm
vom Hundert, sofern das Unternehmen auf einem me-
oder einem Spartenprogramm mit Schwerpunkt Infor-
dienrelevanten verwandten Markt eine marktbeherr-
mation im Durchschnitt eines Jahres einen Zuschauer-
schende Stellung hat oder eine Gesamtbeurteilung
anteil von 10 vom Hundert, hat er binnen sechs Mona-
seiner Aktivitäten im Fernsehen und auf medienrele-
ten nach Feststellung und Mitteilung durch die zustän-
vanten verwandten Märkten ergibt, dass der dadurch
dige Landesmedienanstalt Sendezeit für unabhängige
erzielte Meinungseinfluss dem eines Unternehmens mit
Dritte nach Maßgabe von § 31 einzuräumen. Erreicht
einem Zuschaueranteil von 30 vom Hundert im Fern-
ein Unternehmen mit ihm zurechenbaren Programmen
sehen entspricht. Bei der Berechnung des nach Satz 2
im Durchschnitt des Jahres einen Zuschaueranteil von
maßgeblichen Zuschaueranteils kommen vom tatsäch-
20 vom Hundert, ohne dass eines der Vollprogramme
lichen Zuschaueranteil zwei Prozentpunkte in Abzug,
oder Spartenprogramme mit Schwerpunkt Information
wenn in dem dem Unternehmen zurechenbaren Voll-
einen Zuschaueranteil von zehn vom Hundert erreicht,
programm mit dem höchsten Zuschaueranteil Fenster-
trifft die Verpflichtung nach Satz 1 den Veranstalter
programme gemäß § 25 Abs. 4 aufgenommen sind; bei
des dem Unternehmen zurechenbaren Programms mit
gleichzeitiger Aufnahme von Sendezeit für Dritte nach
dem höchsten Zuschaueranteil. Trifft der Veranstalter
Maßgabe des Absatzes 5 kommen vom tatsächlichen
die danach erforderlichen Maßnahmen nicht, ist von
Zuschaueranteil weitere drei Prozentpunkte in Abzug.
der zuständigen Landesmedienanstalt nach Feststellung
(3) Hat ein Unternehmen mit den ihm zurechenbaren durch die KEK die Zulassung zu widerrufen. Absatz 4
Programmen vorherrschende Meinungsmacht erlangt, Satz 5 gilt entsprechend.
so darf für weitere diesem Unternehmen zurechenbare
(6) Die Landesmedienanstalten veröffentlichen ge-
Programme keine Zulassung erteilt oder der Erwerb
meinsam alle drei Jahre oder auf Anforderung der
weiterer zurechenbarer Beteiligungen an Veranstaltern
Länder einen Bericht der KEK über die Entwicklung
nicht als unbedenklich bestätigt werden.
der Konzentration und über Maßnahmen zur Sicherung
(4) Hat ein Unternehmen mit den ihm zurechenbaren der Meinungsvielfalt im privaten Rundfunk unter Be-
Programmen vorherrschende Meinungsmacht erlangt, rücksichtigung von
schlägt die zuständige Landesmedienanstalt durch die
1. Verflechtungen zwischen Fernsehen und medien-
Kommission zur Ermittlung der Konzentration im
relevanten verwandten Märkten,
Medienbereich (KEK, § 35 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3) dem
2. horizontalen Verflechtungen zwischen Rundfunk-
Unternehmen folgende Maßnahmen vor:
veranstaltern in verschiedenen Verbreitungsgebie-
1. Das Unternehmen kann ihm zurechenbare Beteili- ten und
gungen an Veranstaltern aufgeben, bis der zure- 3. internationalen Verflechtungen im Medienbereich.
chenbare Zuschaueranteil des Unternehmens hier-
Der Bericht soll auch zur Anwendung der §§ 26 bis 32
durch unter die Grenze nach Absatz 2 Satz 1 fällt,
und zu erforderlichen Änderungen dieser Bestimmun-
oder
gen Stellung nehmen.
Media Perspektiven
Dokumentation I/2016 | 22 Rundfunkstaatsvertrag

(7) Die Landesmedienanstalten veröffentlichen jährlich auf einen Veranstalter einen vergleichbaren Einfluss
eine von der KEK zu erstellende Programmliste. In die ausüben kann. Als vergleichbarer Einfluss gilt auch,
Programmliste sind alle Programme, ihre Veranstalter wenn ein Unternehmen oder ein ihm bereits aus ande-
und deren Beteiligte aufzunehmen. ren Gründen nach Absatz 1 oder Absatz 2 Satz 1 zure-
chenbares Unternehmen
§ 27
Bestimmung der Zuschaueranteile 1. regelmäßig einen wesentlichen Teil der Sendezeit
eines Veranstalters mit von ihm zugelieferten Pro-
(1) Die Landesmedienanstalten ermitteln durch die
grammteilen gestaltet oder
KEK den Zuschaueranteil der jeweiligen Programme
2. aufgrund vertraglicher Vereinbarungen, satzungs-
unter Einbeziehung aller deutschsprachigen Program-
rechtlicher Bestimmungen oder in sonstiger Weise
me des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und des bun-
eine Stellung innehat, die wesentliche Entschei-
desweit empfangbaren privaten Rundfunks. Für Ent-
dungen eines Veranstalters über die Programmge-
scheidungen maßgeblich ist der bei Einleitung des
staltung, den Programmeinkauf oder die Pro-
Verfahrens im Durchschnitt der letzten zwölf Monate
grammproduktion von seiner Zustimmung abhän-
erreichte Zuschaueranteil der einzubeziehenden Pro-
gig macht.
gramme.
(3) Bei der Zurechnung nach den Absätzen 1 und 2
(2) Die Landesmedienanstalten beauftragen nach Maß-
sind auch Unternehmen einzubeziehen, die ihren Sitz
gabe einer Entscheidung der KEK ein Unternehmen
außerhalb des Geltungsbereichs dieses Staatsvertrages
zur Ermittlung der Zuschaueranteile; die Vergabe des
haben.
Auftrags erfolgt nach den Grundsätzen von Wirtschaft-
lichkeit und Sparsamkeit. Die Ermittlung muss auf- (4) Bei der Prüfung und Bewertung vergleichbarer
grund repräsentativer Erhebungen bei Zuschauern ab Einflüsse auf einen Veranstalter sind auch bestehende
Vollendung des dritten Lebensjahres nach allgemein Angehörigenverhältnisse einzubeziehen. Hierbei finden
anerkannten wissenschaftlichen Methoden durchge- die Grundsätze des Wirtschafts- und Steuerrechts An-
führt werden. Die Landesmedienanstalten sollen mit wendung.
dem Unternehmen vereinbaren, dass die anlässlich der
Ermittlung der Zuschaueranteile nach Absatz 1 Satz 1 § 29
erhobenen Daten vertraglich auch von Dritten genutzt Veränderung von Beteiligungsverhältnissen
werden können. In diesem Fall sind die auf die Lan- Jede geplante Veränderung von Beteiligungsverhältnis-
desmedienanstalten entfallenden Kosten entsprechend sen oder sonstigen Einflüssen ist bei der zuständigen
zu mindern. Landesmedienanstalt vor ihrem Vollzug schriftlich
anzumelden. Anmeldepflichtig sind der Veranstalter
(3) Die Veranstalter sind bei der Ermittlung der Zu-
und die an dem Veranstalter unmittelbar oder mittelbar
schaueranteile zur Mitwirkung verpflichtet. Kommt ein
im Sinne von § 28 Beteiligten. Die Veränderungen
Veranstalter seiner Mitwirkungspflicht nicht nach,
dürfen nur dann von der zuständigen Landesmedienan-
kann die Zulassung widerrufen werden.
stalt als unbedenklich bestätigt werden, wenn unter den
§ 28 veränderten Voraussetzungen eine Zulassung erteilt
Zurechnung von Programmen werden könnte. Wird eine geplante Veränderung voll-
zogen, die nicht nach Satz 3 als unbedenklich bestätigt
(1) Einem Unternehmen sind sämtliche Programme
werden kann, ist die Zulassung zu widerrufen; das
zuzurechnen, die es selbst veranstaltet oder die von
Nähere des Widerrufs richtet sich nach Landesrecht.
einem anderen Unternehmen veranstaltet werden, an
Für geringfügige Beteiligungen an Aktiengesellschaf-
dem es unmittelbar mit 25 vom Hundert oder mehr an
ten kann die KEK durch Richtlinien Ausnahmen für
dem Kapital oder an den Stimmrechten beteiligt ist.
die Anmeldepflicht vorsehen.
Ihm sind ferner alle Programme von Unternehmen
zuzurechnen, an denen es mittelbar beteiligt ist, sofern § 30
diese Unternehmen zu ihm im Verhältnis eines verbun- Vielfaltssichernde Maßnahmen
denen Unternehmens im Sinne von § 15 Aktiengesetz
Stellen die vorgenannten Vorschriften auf vielfalts-
stehen und diese Unternehmen am Kapital oder an den
sichernde Maßnahmen bei einem Veranstalter oder
Stimmrechten eines Veranstalters mit 25 vom Hundert
Unternehmen ab, so gelten als solche Maßnahmen:
oder mehr beteiligt sind. Die im Sinne der Sätze 1 und
2 verbundenen Unternehmen sind als einheitliche Un- 1. die Einräumung von Sendezeit für unabhängige
ternehmen anzusehen, und deren Anteile am Kapital Dritte (§ 31),
oder an den Stimmrechten sind zusammenzufassen. 2. die Einrichtung eines Programmbeirats (§ 32).
Wirken mehrere Unternehmen aufgrund einer Verein-
barung oder in sonstiger Weise derart zusammen, dass § 31
sie gemeinsam einen beherrschenden Einfluss auf ein Sendezeit für unabhängige Dritte
beteiligtes Unternehmen ausüben können, so gilt jedes (1) Ein Fensterprogramm, das aufgrund der Verpflich-
von ihnen als herrschendes Unternehmen. tung zur Einräumung von Sendezeit nach den vorste-
(2) Einer Beteiligung nach Absatz 1 steht gleich, wenn henden Bestimmungen ausgestrahlt wird, muss unter
ein Unternehmen allein oder gemeinsam mit anderen Wahrung der Programmautonomie des Hauptveranstal-
Rundfunkstaatsvertrag
23 | Dokumentation
Media Perspektiven
I/2016

ters einen zusätzlichen Beitrag zur Vielfalt in dessen des Hauptprogramms. In diese Vereinbarung ist insbe-
Programm, insbesondere in den Bereichen Kultur, sondere die Verpflichtung des Hauptprogrammveran-
Bildung und Information, leisten. Die Gestaltung des stalters aufzunehmen, dem Fensterprogrammveranstal-
Fensterprogramms hat in redaktioneller Unabhängig- ter eine ausreichende Finanzierung seines Programms
keit vom Hauptprogramm zu erfolgen. zu ermöglichen. Die Vereinbarung muss ferner vorse-
hen, dass eine Kündigung während der Dauer der Zu-
(2) Die Dauer des Fensterprogramms muss wöchent-
lassung nach Absatz 6 nur wegen schwerwiegender
lich mindestens 260 Minuten, davon mindestens 75
Vertragsverletzungen oder aus einem wichtigen Grund
Minuten in der Sendezeit von 19.00 Uhr bis 23.30 Uhr
mit einer Frist von sechs Monaten zulässig ist.
betragen. Auf die wöchentliche Sendezeit werden Re-
gionalfensterprogramme bis höchstens 150 Minuten (6) Auf der Grundlage einer Vereinbarung zu angemes-
pro Woche mit höchstens 80 Minuten pro Woche auf senen Bedingungen nach Absatz 5 ist dem Fensterpro-
die Drittsendezeit außerhalb der in Satz 1 genannten grammveranstalter durch die zuständige Landesmedi-
Sendezeit angerechnet; bei einer geringeren wöchentli- enanstalt die Zulassung zur Veranstaltung des Fenster-
chen Sendezeit für das Regionalfenster vermindert sich programms zu erteilen. In die Zulassung des Haupt-
die anrechenbare Sendezeit von 80 Minuten entspre- und des Fensterprogrammveranstalters sind die wesent-
chend. Die Anrechnung ist nur zulässig, wenn die Re- lichen Verpflichtungen aus der Vereinbarung nach
gionalfensterprogramme in redaktioneller Unabhängig- Absatz 5 als Bestandteil der Zulassungen aufzuneh-
keit veranstaltet werden und insgesamt bundesweit men. Eine Entschädigung für Vermögensnachteile
mindestens 50 vom Hundert der Fernsehhaushalte durch den teilweisen Widerruf der Zulassung des
erreichen. Eine Unterschreitung dieser Reichweite ist Hauptprogrammveranstalters wird nicht gewährt. Die
im Zuge der Digitalisierung der Übertragungswege Zulassung für den Fensterprogrammveranstalter ist auf
zulässig. die Dauer von fünf Jahren zu erteilen; sie erlischt,
wenn die Zulassung des Hauptprogrammveranstalters
(3) Der Fensterprogrammanbieter nach Absatz 1 darf
endet, nicht verlängert oder nicht neu erteilt wird.
nicht in einem rechtlichen Abhängigkeitsverhältnis
zum Hauptprogrammveranstalter stehen. Rechtliche § 32
Abhängigkeit im Sinne von Satz 1 liegt vor, wenn das Programmbeirat
Hauptprogramm und das Fensterprogramm nach § 28
(1) Der Programmbeirat hat die Programmverantwort-
demselben Unternehmen zugerechnet werden können.
lichen, die Geschäftsführung des Programmveranstal-
(4) Ist ein Hauptprogrammveranstalter zur Einräumung ters und die Gesellschafter bei der Gestaltung des Pro-
von Sendezeit für unabhängige Dritte verpflichtet, so gramms zu beraten. Der Programmbeirat soll durch
schreibt die zuständige Landesmedienanstalt nach Vorschläge und Anregungen zur Sicherung der Mei-
Erörterung mit dem Hauptprogrammveranstalter das nungsvielfalt und Pluralität des Programms (§ 25)
Fensterprogramm zur Erteilung einer Zulassung aus. beitragen. Mit der Einrichtung eines Programmbeirats
Die zuständige Landesmedienanstalt überprüft die durch den Veranstalter ist dessen wirksamer Einfluss
eingehenden Anträge auf ihre Vereinbarkeit mit den auf das Fernsehprogramm durch Vertrag oder Satzung
Bestimmungen dieses Staatsvertrages sowie der sonsti- zu gewährleisten.
gen landesrechtlichen Bestimmungen und teilt dem
(2) Die Mitglieder des Programmbeirats werden vom
Hauptprogrammveranstalter die zulassungsfähigen An-
Veranstalter berufen. Sie müssen aufgrund ihrer Zuge-
träge mit. Sie erörtert mit dem Hauptprogrammveran-
hörigkeit zu gesellschaftlichen Gruppen in ihrer Ge-
stalter die Anträge mit dem Ziel, eine einvernehmliche
samtheit die Gewähr dafür bieten, dass die wesentli-
Auswahl zu treffen. Kommt eine Einigung nicht zu-
chen Meinungen in der Gesellschaft vertreten sind.
stande und liegen der zuständigen Landesmedienanstalt
mehr als drei zulassungsfähige Anträge vor, unterbrei- (3) Der Programmbeirat ist über alle Fragen, die das
tet der Hauptprogrammveranstalter der zuständigen veranstaltete Programm betreffen, durch die Geschäfts-
Landesmedienanstalt einen Dreiervorschlag. Die zu- führung zu unterrichten. Er ist bei wesentlichen Ände-
ständige Landesmedienanstalt kann unter Vielfalts- rungen der Programmstruktur, der Programminhalte,
gesichtspunkten bis zu zwei weitere Vorschläge hinzu- des Programmschemas sowie bei programmbezogenen
fügen, die sie erneut mit dem Hauptprogrammveran- Anhörungen durch die zuständige Landesmedienanstalt
stalter mit dem Ziel, eine einvernehmliche Auswahl zu und bei Programmbeschwerden zu hören.
treffen, erörtert. Kommt eine Einigung nicht zustande,
wählt sie aus den Vorschlägen denjenigen Bewerber (4) Der Programmbeirat kann zur Erfüllung seiner
aus, dessen Programm den größtmöglichen Beitrag zur Aufgaben Auskünfte von der Geschäftsführung verlan-
Vielfalt im Programm des Hauptprogrammveranstal- gen und hinsichtlich des Programms oder einzelner
ters erwarten lässt und erteilt ihm die Zulassung. Bei Beiträge Beanstandungen gegenüber der Geschäftsfüh-
drei oder weniger Anträgen trifft die zuständige Lan- rung aussprechen. Zu Anfragen und Beanstandungen
desmedienanstalt die Entscheidung unmittelbar. hat die Geschäftsführung innerhalb angemessener Frist
Stellung zu nehmen. Trägt sie den Anfragen und Bean-
(5) Ist ein Bewerber für das Fensterprogramm nach standungen zum Programm nach Auffassung des Pro-
Absatz 4 ausgewählt, schließen der Hauptprogramm- grammbeirats nicht ausreichend Rechnung, kann er in
veranstalter und der Bewerber eine Vereinbarung über dieser Angelegenheit einen Beschluss des Kontroll-
die Ausstrahlung des Fensterprogramms im Rahmen
Media Perspektiven
Dokumentation I/2016 | 24 Rundfunkstaatsvertrag

organs über die Geschäftsführung, sofern ein solches 4. Unterabschnitt


nicht vorhanden ist, der Gesellschafterversammlung, Organisation der Medienaufsicht, Finanzierung
verlangen. Eine Ablehnung der Vorlage des Pro-
grammbeirats durch die Gesellschafterversammlung § 35
oder durch das Kontrollorgan über die Geschäftsfüh- Organisation
rung bedarf einer Mehrheit von 75 vom Hundert der (1) Die Aufgaben nach § 36 obliegen der zuständigen
abgegebenen Stimmen. Landesmedienanstalt. Sie trifft entsprechend den Be-
stimmungen dieses Staatsvertrages die jeweiligen Ent-
(5) Bei Änderungen der Programmstruktur, der Pro-
scheidungen.
gramminhalte oder des Programmschemas oder bei der
Entscheidung über Programmbeschwerden ist vor der (2) Zur Erfüllung der Aufgaben nach Absatz 1 und
Entscheidung der Geschäftsführung die Zustimmung nach den Bestimmungen des Jugendmedienschutz-
des Programmbeirats einzuholen. Wird diese verwei- Staatsvertrages bestehen:
gert oder kommt eine Stellungnahme binnen angemes-
sener Frist nicht zustande, kann die Geschäftsführung 1. Die Kommission für Zulassung und Aufsicht
die betreffende Maßnahme nur mit Zustimmung des (ZAK),
Kontrollorgans über die Geschäftsführung, sofern ein 2. die Gremienvorsitzendenkonferenz (GVK),
solches nicht vorhanden ist, der Gesellschafterver- 3. die Kommission zur Ermittlung der Konzentration
sammlung, für die eine Mehrheit von 75 vom Hundert im Medienbereich (KEK) und
der abgegebenen Stimmen erforderlich ist, treffen. Der 4. die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM).
Veranstalter hat das Ergebnis der Befassung des Pro- Diese dienen der jeweils zuständigen Landesmedienan-
grammbeirats oder der Entscheidung nach Satz 2 der stalt als Organe bei der Erfüllung ihrer Aufgaben nach
zuständigen Landesmedienanstalt mitzuteilen. § 36.
(6) Handelt es sich bei dem Veranstalter, bei dem ein (3) Die Landesmedienanstalten entsenden jeweils den
Programmbeirat eingerichtet werden soll, um ein ein- nach Landesrecht bestimmten gesetzlichen Vertreter in
zelkaufmännisch betriebenes Unternehmen, so gelten die ZAK; eine Vertretung im Fall der Verhinderung ist
die Absätze 4 und 5 mit der Maßgabe, dass der Pro- durch den ständigen Vertreter zulässig. Die Tätigkeit
grammbeirat statt der Gesellschafterversammlung oder der Mitglieder der ZAK ist unentgeltlich.
des Kontrollorgans über die Geschäftsführung die
zuständige Landesmedienanstalt anrufen kann, die über (4) Die GVK setzt sich zusammen aus dem jeweiligen
die Maßnahme entscheidet. Vorsitzenden des plural besetzten Beschlussgremiums
der Landesmedienanstalten; eine Vertretung im Fall
§ 33 der Verhinderung durch den stellvertretenden Vorsit-
Richtlinien zenden ist zulässig. Die Tätigkeit der Mitglieder der
Die Landesmedienanstalten erlassen gemeinsame Richt- GVK ist unentgeltlich.
linien zur näheren Ausgestaltung der §§ 25, 31 und 32. (5) Die KEK besteht aus
In den Richtlinien zu § 32 sind insbesondere Vorgaben
über Berufung und Zusammensetzung des Programm- 1. sechs Sachverständigen des Rundfunk- und des
beirats zu machen. Wirtschaftsrechts, von denen drei die Befähigung
zum Richteramt haben müssen, und
§ 34 2. sechs nach Landesrecht bestimmten gesetzlichen
Übergangsbestimmung Vertretern der Landesmedienanstalten.
Bis zur ersten Bestimmung der Zuschaueranteile nach Die Mitglieder nach Satz 1 Nr. 1 der KEK und zwei
§ 27 sind für die Beurteilung von Fragestellungen der Ersatzmitglieder für den Fall der Verhinderung eines
Sicherung der Meinungsvielfalt in Zusammenhang mit dieser Mitglieder werden von den Ministerpräsidenten
der bundesweiten Veranstaltung von Fernsehprogram- der Länder für die Dauer von fünf Jahren einvernehm-
men die vorhandenen Daten über Zuschaueranteile lich berufen. Von der Mitgliedschaft nach Satz 2 aus-
zugrunde zu legen. Die Veranstalter sind verpflichtet, geschlossen sind Mitglieder und Bedienstete der Insti-
bei ihnen vorhandene Daten über Zuschaueranteile auf tutionen der Europäischen Union, der Verfassungsor-
Anforderung der KEK zur Verfügung zu stellen. Die gane des Bundes und der Länder, Gremienmitglieder
Landesmedienanstalten haben durch Anwendung ver- und Bedienstete von Landesrundfunkanstalten der
waltungsverfahrensrechtlicher Regelungen unter Be- ARD, des ZDF, des Deutschlandradios, des Europäi-
achtung der Interessen der Beteiligten sicherzustellen, schen Fernsehkulturkanals ,Arte‘, der Landesmedien-
dass Maßnahmen nach diesem Staatsvertrag, die auf- anstalten, der privaten Rundfunkveranstalter und Platt-
grund von Daten nach Satz 1 ergehen, unverzüglich an formanbieter sowie Bedienstete von an ihnen unmittel-
die sich aufgrund der ersten Bestimmung der Zu- bar oder mittelbar im Sinne von § 28 beteiligten Unter-
schaueranteile nach § 27 ergebende Sach- und Rechts- nehmen. Scheidet ein Mitglied nach Satz 2 aus, berufen
lage angepasst werden können. die Ministerpräsidenten der Länder einvernehmlich ein
Ersatzmitglied oder einen anderen Sachverständigen
für den Rest der Amtsdauer als Mitglied; Entsprechen-
des gilt, wenn ein Ersatzmitglied ausscheidet. Die
Rundfunkstaatsvertrag
25 | Dokumentation
Media Perspektiven
I/2016

Mitglieder nach Satz 2 erhalten für ihre Tätigkeit eine § 36


angemessene Vergütung und Ersatz ihrer notwendigen Zuständigkeiten, Aufgaben
Auslagen. Das Vorsitzland der Rundfunkkommission
(1) Zuständig ist in den Fällen des Absatzes 2 Satz 1
schließt die Verträge mit diesen Mitgliedern. Der Vor-
Nr. 1, 3, 4 und 8 die Landesmedienanstalt, bei der der
sitzende der KEK und sein Stellvertreter sind aus der
entsprechende Antrag oder die Anzeige eingeht. Sind
Gruppe der Mitglieder nach Satz 1 Nr. 1 zu wählen.
nach Satz 1 mehrere Landesmedienanstalten zuständig,
Die sechs Vertreter der Landesmedienanstalten und
entscheidet die Landesmedienanstalt, die zuerst mit der
zwei Ersatzmitglieder für den Fall der Verhinderung
Sache befasst worden ist. Zuständig in den Fällen des
eines dieser Vertreter werden durch die Landesmedien-
Absatzes 2 Satz 1 Nr. 5 bis 7 und 9 sowie in den Fällen
anstalten für die Amtszeit der KEK gewählt.
der Rücknahme oder des Widerrufs der Zulassung oder
(6) Ein Vertreter der Landesmedienanstalten darf nicht der Zuweisung ist die Landesmedienanstalt, die dem
zugleich der KEK und der KJM angehören; Ersatzmit- Veranstalter die Zulassung erteilt, die Zuweisung vor-
gliedschaft oder stellvertretende Mitgliedschaft sind genommen oder die Anzeige entgegengenommen hat.
zulässig.
(2) Die ZAK ist für folgende Aufgaben zuständig:
(7) Die Landesmedienanstalten bilden für die Organe
1. Zulassung, Rücknahme oder Widerruf der Zulas-
nach Absatz 2 eine gemeinsame Geschäftsstelle; unbe-
sung bundesweiter Veranstalter nach §§ 20 a, 38
schadet dessen verbleiben bis zum 31. August 2013 die
Abs. 3 Nr. 1 und Abs. 4 Nr. 1 sowie Anzeige der
Geschäftsstelle der KJM in Erfurt und der KEK in
Veranstaltung von Hörfunk im Internet nach § 20
Potsdam.
b Satz 2,
(8) Die Mitglieder der ZAK, der GVK und der KEK 2. Wahrnehmung der Aufgaben nach § 51 Abs. 3
sind bei der Erfüllung ihrer Aufgaben nach diesem Satz 1 Nr. 1 und 3,
Staatsvertrag an Weisungen nicht gebunden. § 24 gilt 3. Zuweisung von Übertragungskapazitäten für bun-
für die Mitglieder der ZAK und GVK entsprechend. desweite Versorgungsbedarfe und deren Rück-
Die Verschwiegenheitspflicht nach § 24 gilt auch im nahme oder Widerruf nach §§ 51 a und 38 Abs. 3
Verhältnis der Mitglieder der Organe nach Absatz 2 zu Nr. 2 und Abs. 4 Nr. 2, soweit die GVK nicht nach
anderen Organen der Landesmedienanstalten. Absatz 3 zuständig ist,
4. Anzeige des Plattformbetriebs nach § 52,
(9) Die Organe nach Absatz 2 fassen ihre Beschlüsse 5. Aufsicht über Plattformen nach § 51 b Abs. 1 und
mit der Mehrheit ihrer gesetzlichen Mitglieder. Bei 2 sowie §§ 52 a bis f, soweit nicht die GVK nach
Beschlüssen der KEK entscheidet im Fall der Stim- Absatz 3 zuständig ist,
mengleichheit die Stimme des Vorsitzenden, bei seiner 6. Feststellung des Vorliegens der Voraussetzungen
Verhinderung die Stimme des stellvertretenden Vorsit- für Regionalfensterprogramme nach § 25 Abs. 4
zenden. Die Beschlüsse sind zu begründen. In der Be- Satz 1 und für Sendezeit für Dritte nach § 31 Abs.
gründung sind die wesentlichen tatsächlichen und recht- 2 Satz 4,
lichen Gründe mitzuteilen. Die Beschlüsse sind gegen- 7. Aufsichtsmaßnahmen gegenüber privaten bundes-
über den anderen Organen der zuständigen Landesme- weiten Veranstaltern, soweit nicht die KEK nach
dienanstalt bindend. Die zuständige Landesmedienan- Absatz 4 zuständig ist,
stalt hat die Beschlüsse im Rahmen der von den Orga- 8. Entscheidungen über die Zulassungspflicht nach
nen nach Absatz 2 Satz 1 gesetzten Fristen zu vollzie- § 20 Abs. 2; diese Entscheidungen trifft sie ein-
hen. vernehmlich,
(10) Die Landesmedienanstalten stellen den Organen 9. Befassung mit Anzeigen nach § 38 Abs. 1.
nach Absatz 2 die notwendigen personellen und sachli- Die ZAK kann Prüfausschüsse für die Aufgaben nach
chen Mittel zur Verfügung. Die Organe erstellen je- Satz 1 Nr. 7 einrichten. Die Prüfausschüsse entscheiden
weils einen Wirtschaftsplan nach den Grundsätzen der jeweils bei Einstimmigkeit anstelle der ZAK. Zu Be-
Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit. Die Kosten für die ginn der Amtsperiode der ZAK wird die Verteilung der
Organe nach Absatz 2 werden aus dem Anteil der Lan- Verfahren von der ZAK festgelegt. Das Nähere ist in
desmedienanstalten nach § 10 des Rundfunkfinanzie- der Geschäftsordnung der ZAK festzulegen.
rungsstaatsvertrages gedeckt. Näheres regeln die Lan-
desmedienanstalten durch übereinstimmende Satzun- (3) Die GVK ist zuständig für Auswahlentscheidungen
gen. bei den Zuweisungen von Übertragungskapazitäten
nach § 51 a Abs. 4 und für die Entscheidung über die
(11) Von den Verfahrensbeteiligten sind durch die Belegung von Plattformen nach § 52 b Abs. 4 Satz 4
zuständigen Landesmedienanstalten Kosten in ange- und 6. Die ZAK unterrichtet die GVK fortlaufend über
messenem Umfang zu erheben. Näheres regeln die ihre Tätigkeit. Sie bezieht die GVK in grundsätzlichen
Landesmedienanstalten durch übereinstimmende Sat- Angelegenheiten, insbesondere bei der Erstellung von
zungen. Satzungen und Richtlinienentwürfen, ein.
(4) Die KEK ist zuständig für die abschließende Beur-
teilung von Fragestellungen der Sicherung von Mei-
nungsvielfalt im Zusammenhang mit der bundesweiten
Veranstaltung von Fernsehprogrammen. Sie ist im
Media Perspektiven
Dokumentation I/2016 | 26 Rundfunkstaatsvertrag

Rahmen des Satzes 1 insbesondere zuständig für die 1. bei der Zulassung eine Zulassungsvoraussetzung
Prüfung solcher Fragen bei der Entscheidung über eine gemäß § 20 a Abs. 1 oder 2 nicht gegeben war
Zulassung oder Änderung einer Zulassung, bei der oder eine Zulassungsbeschränkung gemäß § 20 a
Bestätigung von Veränderungen von Beteiligungsver- Abs. 3 nicht berücksichtigt wurde oder
hältnissen als unbedenklich und bei Maßnahmen nach 2. bei der Zuweisung die Vorgaben gemäß § 51 a
§ 26 Abs. 4. Die KEK ermittelt die den Unternehmen Abs. 4 nicht berücksichtigt wurden
jeweils zurechenbaren Zuschaueranteile.
und innerhalb eines von der zuständigen Landesmedi-
(5) Die Auswahl und Zulassung von Regionalfenster- enanstalt bestimmten Zeitraums keine Abhilfe erfolgt.
programmveranstaltern nach § 25 Abs. 4 und Fenster-
(4) Zulassung und Zuweisung werden jeweils widerru-
programmveranstaltern nach § 31 Abs. 4 sowie die
fen, wenn
Aufsicht über diese Programme obliegen dem für die
Zulassung nicht bundesweiter Angebote zuständigen 1. im Fall der Zulassung
Organ der zuständigen Landesmedienanstalt. Bei Aus- a) nachträglich eine Zulassungsvoraussetzung
wahl und Zulassung der Veranstalter nach Satz 1 ist gemäß § 20 a Abs. 1 oder 2 entfällt oder eine
zuvor das Benehmen mit der KEK herzustellen. Zulassungsbeschränkung gemäß § 20 a Abs. 3
eintritt und innerhalb des von der zuständigen
(6) § 47 Abs. 3 Satz 1 bleibt unberührt.
Landesmedienanstalt bestimmten angemesse-
§ 37 nen Zeitraums keine Abhilfe erfolgt oder
Verfahren bei Zulassung, Zuweisung b) der Rundfunkveranstalter gegen seine Ver-
pflichtungen aufgrund dieses Staatsvertrages
(1) Geht ein Antrag nach § 36 Abs. 2 Nr. 1, 3, 4, 8 oder
oder des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages
9 bei der zuständigen Landesmedienanstalt ein, legt der
wiederholt schwerwiegend verstoßen und die
nach Landesrecht bestimmte gesetzliche Vertreter
Anweisungen der zuständigen Landesmedien-
unverzüglich den Antrag sowie die vorhandenen Unter-
anstalt innerhalb des von ihr bestimmten Zeit-
lagen der ZAK und in den Fällen des § 36 Abs. 2 Nr. 1
raums nicht befolgt hat;
zusätzlich der KEK vor.
(2) Kann nicht allen Anträgen nach § 36 Abs. 2 Nr. 3 2. im Fall der Zuweisung
entsprochen werden, entscheidet die GVK. a) nachträglich wesentliche Veränderungen des
Angebots eingetreten und vom Anbieter zu
(3) Absatz 1 gilt entsprechend für die Beurteilung von vertreten sind, nach denen das Angebot den
Fragestellungen der Sicherung von Meinungsvielfalt Anforderungen des § 51 a Abs. 4 nicht mehr
durch die KEK im Rahmen ihrer Zuständigkeit in an- genügt und innerhalb des von der zuständigen
deren Fällen als dem der Zulassung eines bundesweiten Landesmedienanstalt bestimmten Zeitraums
privaten Veranstalters. keine Abhilfe erfolgt oder
b) das Angebot aus Gründen, die vom Anbieter
(4) Den Kommissionen nach § 35 Abs. 2 stehen die zu vertreten sind, innerhalb des dafür vorgese-
Verfahrensrechte nach den §§ 21 und 22 zu. henen Zeitraums nicht oder nicht mit der fest-
gesetzten Dauer begonnen oder fortgesetzt
(5) Bei Rechtsmitteln gegen Entscheidungen nach den wird.
§§ 35 und 36 findet ein Vorverfahren nach § 68 Abs. 1 (5) Der Anbieter wird für einen Vermögensnachteil,
der Verwaltungsgerichtsordnung (VwGO) nicht statt. der durch die Rücknahme oder den Widerruf nach den
Absätzen 3 oder 4 eintritt, nicht entschädigt. Im Übri-
§ 38 gen gilt für die Rücknahme und den Widerruf das
Anzeige, Aufsicht, Rücknahme, Widerruf Verwaltungsverfahrensgesetz des Sitzlandes der je-
(1) Jede Landesmedienanstalt kann gegenüber der weils zuständigen Landesmedienanstalt.
zuständigen Landesmedienanstalt anzeigen, dass ein
bundesweit verbreitetes Programm gegen die sonstigen § 39
Bestimmungen dieses Staatsvertrages verstößt. Die zu- Anwendungsbereich
ständige Landesmedienanstalt ist verpflichtet, sich Die §§ 20 a bis 38 gelten nur für bundesweite Angebo-
durch die ZAK mit der Anzeige zu befassen. te. Die §§ 20, 20 a, § 21 Abs. 1, § 24 und die §§ 35 bis
(2) Stellt die zuständige Landesmedienanstalt fest, dass 38 und 39 a gelten auch für Teleshoppingkanäle. Eine
ein Anbieter gegen die Bestimmungen dieses Staats- abweichende Regelung durch Landesrecht ist nicht
vertrages verstoßen hat, trifft sie die erforderlichen zulässig. Die Entscheidungen der KEK sind den Zu-
Maßnahmen. Maßnahmen sind insbesondere Beanstan- weisungen von Übertragungskapazitäten nach diesem
dung, Untersagung, Rücknahme und Widerruf. Die Staatsvertrag und durch die zuständige Landesmedien-
Bestimmungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertra- anstalt auch bei der Entscheidung über die Zuweisung
ges bleiben unberührt. von Übertragungskapazitäten nach Landesrecht zu-
grunde zu legen.
(3) Die Zulassung nach § 20 a oder die Zuweisung
nach § 51 a werden jeweils zurückgenommen, wenn
Rundfunkstaatsvertrag
27 | Dokumentation
Media Perspektiven
I/2016

§ 39 a Gesetze und die gesetzlichen Bestimmungen zum


Zusammenarbeit Schutz der persönlichen Ehre sind einzuhalten.
(1) Die Landesmedienanstalten arbeiten im Rahmen (2) Die Rundfunkvollprogramme sollen zur Darstel-
der Erfüllung ihrer Aufgaben mit der Regulierungsbe- lung der Vielfalt im deutschsprachigen und europäi-
hörde für Telekommunikation und mit dem Bundeskar- schen Raum mit einem angemessenen Anteil an Infor-
tellamt zusammen. Die Landesmedienanstalten haben mation, Kultur und Bildung beitragen; die Möglichkeit,
auf Anfrage der Regulierungsbehörde für Telekommu- Spartenprogramme anzubieten, bleibt hiervon unbe-
nikation oder des Bundeskartellamtes Erkenntnisse zu rührt.
übermitteln, die für die Erfüllung von deren Aufgaben
(3) Die Absätze 1 und 2 gelten nur für bundesweit
erforderlich sind.
verbreiteten Rundfunk.
(2) Absatz 1 gilt für Landeskartellbehörden entspre-
chend. § 42
Sendezeit für Dritte
§ 40 (1) Den Evangelischen Kirchen, der Katholischen
Finanzierung besonderer Aufgaben Kirche und den Jüdischen Gemeinden sind auf Wunsch
(1) Der in § 10 des Rundfunkfinanzierungsstaatsvertra- angemessene Sendezeiten zur Übertragung religiöser
ges bestimmte Anteil kann für die Finanzierung fol- Sendungen einzuräumen; die Veranstalter können die
gender Aufgaben verwendet werden: Erstattung ihrer Selbstkosten verlangen.
1. Zulassungs- und Aufsichtsfunktionen der Landes- (2) Parteien ist während ihrer Beteiligung an den Wah-
medienanstalten einschließlich hierfür notwendi- len zum Deutschen Bundestag gegen Erstattung der
ger planerischer, insbesondere technischer Vorar- Selbstkosten angemessene Sendezeit einzuräumen,
beiten, wenn mindestens eine Landesliste für sie zugelassen
2. die Förderung offener Kanäle. wurde. Ferner haben Parteien und sonstige politische
Vereinigungen während ihrer Beteiligung an den Wah-
Mittel aus dem Anteil nach Satz 1 können bis zum 31.
len der Abgeordneten aus der Bundesrepublik Deutsch-
Dezember 2020 aufgrund besonderer Ermächtigung
land für das Europäische Parlament gegen Erstattung
durch den Landesgesetzgeber auch für die Förderung
der Selbstkosten Anspruch auf angemessene Sendezeit,
von landesrechtlich gebotener technischer Infrastruktur
wenn mindestens ein Wahlvorschlag für sie zugelassen
zur Versorgung des Landes und zur Förderung von
wurde.
Projekten für neuartige Rundfunkübertragungstechni-
ken verwendet werden. Die Förderung von Projekten (3) Die Absätze 1 und 2 gelten nur für bundesweit
für neuartige Rundfunkübertragungstechniken soll verbreiteten privaten Rundfunk.
zeitlich befristet werden. Formen der nichtkommerziel-
len Veranstaltung von lokalem und regionalem Rund- 6. Unterabschnitt
funk und Projekte zur Förderung der Medienkompe- Finanzierung, Werbung, Teleshopping
tenz können aus dem Anteil nach Satz 1 aufgrund be-
sonderer Ermächtigung durch den Landesgesetzgeber § 43
gefördert werden. Finanzierung
(2) Das Recht des Landesgesetzgebers, der Landesme- Private Veranstalter können ihre Rundfunkprogramme
dienanstalt nur einen Teil des Anteils nach Absatz 1 durch Einnahmen aus Werbung und Teleshopping,
zuzuweisen, bleibt unberührt. durch sonstige Einnahmen, insbesondere durch Entgel-
te der Teilnehmer (Abonnements oder Einzelentgelte),
(3) Soweit der Anteil nach Absatz 1 nicht in Anspruch sowie aus eigenen Mitteln finanzieren. Eine Finanzie-
genommen wird, steht er den jeweiligen Landesrund- rung privater Veranstalter aus dem Rundfunkbeitrag ist
funkanstalten zu. Eine landesgesetzliche Zweckbe- unzulässig. § 40 bleibt unberührt.
stimmung ist zulässig.
§ 44
5. Unterabschnitt Zulässige Produktplatzierung
Programmgrundsätze, Sendezeit für Dritte
Abweichend von § 7 Abs. 7 Satz 1 ist Produktplatzie-
§ 41 rung im Rundfunk zulässig
Programmgrundsätze 1. in Kinofilmen, Filmen und Serien, Sportsendungen
(1) Für die Rundfunkprogramme gilt die verfassungs- und Sendungen der leichten Unterhaltung, sofern
mäßige Ordnung. Die Rundfunkprogramme haben die es sich nicht um Sendungen für Kinder handelt,
Würde des Menschen sowie die sittlichen, religiösen oder
und weltanschaulichen Überzeugungen anderer zu 2. wenn kein Entgelt geleistet wird, sondern lediglich
achten. Sie sollen die Zusammengehörigkeit im verein- bestimmte Waren oder Dienstleistungen, wie Pro-
ten Deutschland sowie die internationale Verständi- duktionshilfen und Preise, im Hinblick auf ihre
gung fördern und auf ein diskriminierungsfreies Mit- Einbeziehung in eine Sendung kostenlos bereitge-
einander hinwirken. Die Vorschriften der allgemeinen stellt werden, sofern es sich nicht um Nachrichten,
Sendungen zum politischen Zeitgeschehen, Ratge-
Media Perspektiven
Dokumentation I/2016 | 28 Rundfunkstaatsvertrag

ber- und Verbrauchersendungen, Sendungen für 7. Unterabschnitt


Kinder oder Übertragungen von Gottesdiensten Datenschutz
handelt.
§ 47
Keine Sendungen der leichten Unterhaltung sind insbe- Datenschutz
sondere Sendungen, die neben unterhaltenden Elemen-
(1) Soweit bei der Veranstaltung und Verbreitung von
ten im Wesentlichen informierenden Charakter haben,
Rundfunk nach diesem Staatsvertrag personenbezoge-
Verbrauchersendungen und Ratgebersendungen mit
ne Daten erhoben, verarbeitet oder genutzt werden,
Unterhaltungselementen sowie Sendungen in Regional-
gelten die Vorschriften des Abschnittes Datenschutz
fensterprogrammen und Fensterprogrammen nach § 31.
des Telemediengesetzes in der jeweils geltenden Fas-
§ 45 sung entsprechend.
Dauer der Fernsehwerbung (2) Soweit ein Veranstalter personenbezogene Daten
(1) Der Anteil an Sendezeit für Fernsehwerbespots und ausschließlich zu eigenen journalistisch-redaktionellen
Teleshopping-Spots innerhalb einer Stunde darf 20 Zwecken verarbeitet und der Betroffene dadurch in
vom Hundert nicht überschreiten. Satz 1 gilt nicht für seinen schutzwürdigen Interessen beeinträchtigt wird,
Produktplatzierungen und Sponsorhinweise. kann dieser Auskunft über die zugrunde liegenden, zu
seiner Person gespeicherten Daten verlangen. Die Aus-
(2) Hinweise des Rundfunkveranstalters auf eigene
kunft kann nach Abwägung der schutzwürdigen Inte-
Programme und Sendungen und auf Begleitmaterialien,
ressen der Beteiligten verweigert werden, soweit durch
die direkt von diesen Programmen und Sendungen
die Mitteilung die journalistische Aufgabe des Veran-
abgeleitet sind, unentgeltliche Beiträge im Dienst der
stalters durch Ausforschung des Informationsbestandes
Öffentlichkeit einschließlich von Spendenaufrufen zu
beeinträchtigt würde oder aus den Daten
Wohlfahrtszwecken sowie gesetzliche Pflichthinweise
gelten nicht als Werbung. 1. auf Personen, die bei der Vorbereitung, Herstellung
oder Verbreitung mitgewirkt haben, oder
(3) Die Absätze 1 und 2 sowie § 7 a gelten nicht für
2. auf die Person des Einsenders oder des Gewährs-
reine Werbekanäle.
trägers von Beiträgen, Unterlagen und Mitteilungen
§ 45 a für den redaktionellen Teil
Teleshopping-Fenster und Eigenwerbekanäle geschlossen werden kann. Der Betroffene kann die
(1) Teleshopping-Fenster, die in einem Programm Berichtigung unrichtiger Daten oder die Hinzufügung
gesendet werden, das nicht ausschließlich für Tele- einer eigenen Darstellung von angemessenem Umfang
shopping bestimmt ist, müssen eine Mindestdauer von verlangen.
15 Minuten ohne Unterbrechung haben. Sie müssen
(3) Die Zuständigkeit für die Aufsicht über die Einhal-
optisch und akustisch klar als Teleshopping-Fenster
tung der Absätze 1 und 2 richtet sich nach Landesrecht.
gekennzeichnet sein.
Der Abruf von Angeboten oder der Zugriff auf Ange-
(2) Für Eigenwerbekanäle gelten die §§ 7 und 8 ent- bote im Rahmen der Aufsicht ist unentgeltlich. Veran-
sprechend. Die §§ 7 a und 45 gelten nicht für Eigen- stalter haben dies sicherzustellen. Der Veranstalter darf
werbekanäle. seine Angebote nicht gegen den Abruf oder den Zugriff
durch die zuständige Aufsichtsbehörde sperren.
§ 46
Richtlinien (4) Die Absätze 1 bis 3 gelten auch für Teleshopping-
kanäle.
Die Landesmedienanstalten erlassen gemeinsame Sat-
zungen oder Richtlinien zur Durchführung der §§7, 7 a,
8, 8 a, 44, 45 und 45 a; in der Satzung oder Richtlinie IV. Abschnitt
zu § 8 a sind insbesondere die Ahndung von Verstößen Revision, Ordnungswidrigkeiten
und die Bedingungen zur Teilnahme Minderjähriger § 48
näher zu bestimmen. Sie stellen hierbei das Benehmen Revision zum Bundesverwaltungsgericht
mit den in der ARD zusammengeschlossenen Landes- In einem gerichtlichen Verfahren kann die Revision
rundfunkanstalten und dem ZDF her und führen einen zum Bundesverwaltungsgericht auch darauf gestützt
gemeinsamen Erfahrungsaustausch in der Anwendung werden, dass das angefochtene Urteil auf der Verlet-
dieser Richtlinien durch. zung der Bestimmungen dieses Staatsvertrages beruhe.
§ 46 a § 49
Ausnahmen für regionale und lokale Ordnungswidrigkeiten
Fernsehveranstalter
(1) Ordnungswidrig handelt, wer als Veranstalter von
Für regionale und lokale Fernsehprogramme können bundesweit verbreitetem privatem Rundfunk vorsätz-
von § 7 Abs. 4 Satz 2, § 7 a Abs. 3 und § 45 Abs. 1 lich oder fahrlässig
nach Landesrecht abweichende Regelungen getroffen
werden. 1. Großereignisse entgegen § 4 Abs. 1 oder 3 ver-
schlüsselt und gegen besonderes Entgelt ausstrahlt,
Rundfunkstaatsvertrag
29 | Dokumentation
Media Perspektiven
I/2016

2. entgegen § 7 Abs. 3 Satz 2 in der Werbung oder 23. entgegen § 47 Abs. 1 in Verbindung mit § 12 Abs. 3
im Teleshopping Techniken zur unterschwelligen des Telemediengesetzes die Nutzung von Rund-
Beeinflussung einsetzt, funk von einer Einwilligung des Nutzers in eine
3. entgegen § 7 Abs. 3 Satz 3 Werbung oder Tele- Verarbeitung seiner Daten für andere Zwecke ab-
shopping nicht dem Medium angemessen durch hängig macht,
optische oder akustische Mittel oder räumlich ein- 24. entgegen § 47 Abs. 1 in Verbindung mit § 13 Abs. 1
deutig von anderen Sendungsteilen absetzt, Satz 1 oder 2 des Telemediengesetzes den Nutzer
4. entgegen § 7 Abs. 4 eine Teilbelegung des ausge- nicht, nicht richtig, nicht vollständig oder nicht
strahlten Bildes mit Werbung vornimmt, ohne die rechtzeitig unterrichtet,
Werbung vom übrigen Programm eindeutig op- 25. entgegen § 47 Abs. 1 in Verbindung mit § 13 Abs. 2
tisch zu trennen und als solche zu kennzeichnen, oder 4 Satz 1 Nr. 1 bis 5 des Telemediengesetzes
5. entgegen § 7 Abs. 5 Satz 2 eine Dauerwerbesen- einer dort genannten Pflicht zur Sicherstellung
dung nicht kennzeichnet, nicht oder nicht richtig nachkommt,
6. entgegen § 7 Abs. 6 Satz 1 virtuelle Werbung in 26. entgegen § 47 Abs. 1 in Verbindung mit § 14 Abs. 1
Sendungen oder beim Teleshopping einfügt, oder § 15 Abs. 1 oder 8 Satz 1 oder 2 des Teleme-
7. entgegen § 7 Abs. 7 Satz 1 Schleichwerbung, diengesetzes personenbezogene Daten verarbeitet,
Themenplatzierung oder entsprechende Praktiken 27. entgegen § 47 Abs. 1 in Verbindung mit § 15 Abs. 3
betreibt, Satz 3 des Telemediengesetzes ein Nutzungsprofil
8. entgegen § 7 Abs. 7 Satz 1 Produktplatzierung mit Daten über den Träger des Pseudonyms zu-
betreibt, soweit diese nicht nach § 44 zulässig ist, sammenführt,
9. entgegen § 7 Abs. 7 Satz 3 oder 4 auf eine Pro- 28. entgegen § 47 Abs. 3 Satz 4 Angebote gegen den
duktplatzierung nicht eindeutig hinweist, Abruf oder Zugriff durch die zuständige Auf-
10. entgegen § 7 Abs. 9 Werbung oder Teleshopping sichtsbehörde sperrt.
politischer, weltanschaulicher oder religiöser Art
verbreitet, Ordnungswidrig handelt auch, wer
11. entgegen § 7 a Abs. 1 Übertragungen von Gottes- 1. entgegen § 21 Abs. 6 eine Änderung der maßgeb-
diensten oder Sendungen für Kinder durch Wer- lichen Umstände nach Antragstellung oder nach
bung oder Teleshopping-Spots unterbricht, Erteilung der Zulassung nicht unverzüglich der zu-
12. entgegen den in § 7 a Abs. 3 genannten Vorausset- ständigen Landesmedienanstalt mitteilt,
zungen Sendungen durch Werbung oder Teleshop- 2. entgegen § 21 Abs. 7 nicht unverzüglich nach
ping unterbricht, Ablauf eines Kalenderjahres der zuständigen Lan-
13. entgegen § 8 Abs. 1 Satz 1 nicht zu Beginn oder desmedienanstalt gegenüber eine Erklärung darü-
am Ende der gesponserten Sendung auf den Spon- ber abgibt, ob und inwieweit innerhalb des abge-
sor hinweist, laufenen Kalenderjahres bei den nach § 28 maß-
14. gemäß § 8 Abs. 3 bis 6 unzulässig gesponserte geblichen Beteiligungs- und Zurechnungstatbe-
Sendungen verbreitet, ständen eine Veränderung eingetreten ist,
15. entgegen § 9 Abs. 1 Satz 2 der Informationspflicht 3. entgegen § 23 Abs. 1 seinen Jahresabschluss samt
nicht nachkommt, Anhang und Lagebericht nicht fristgemäß erstellt
16. entgegen § 9 b Abs. 2 die dort genannten Informa- und bekannt macht,
tionen im Rahmen des Gesamtangebots nicht 4. entgegen § 29 Satz 1 es unterlässt, geplante Ver-
leicht, unmittelbar und ständig zugänglich macht, änderungen anzumelden,
17. entgegen § 20 Abs. 1 Satz 1 oder Abs. 2 Satz 1 5. einer Satzung nach § 46 Satz 1 in Verbindung mit
ohne Zulassung Rundfunkprogramme veranstaltet, § 8 a zuwiderhandelt, soweit die Satzung für einen
18. entgegen § 20 b Satz 1 und 2 Hörfunkprogramme bestimmten Tatbestand auf diese Bußgeldvor-
ausschließlich im Internet verbreitet und dies der schrift verweist,
zuständigen Landesmedienanstalt nicht oder nicht 6. entgegen § 51 b Abs. 2 Satz 1 oder 3 die Weiter-
vollständig anzeigt, verbreitung von Fernsehprogrammen nicht, nicht
19. entgegen § 23 Abs. 2 nicht fristgemäß die Aufstel- rechtzeitig oder nicht vollständig anzeigt und die
lung der Programmbezugsquellen der zuständigen Anzeige nicht durch den Plattformanbieter vorge-
Landesmedienanstalt vorlegt, nommen wurde,
20. entgegen § 34 Satz 2 die bei ihm vorhandenen 7. entgegen § 52 Abs. 3 Satz 1 oder 2 den Betrieb
Daten über Zuschaueranteile auf Anforderung der einer Plattform mit Rundfunk und vergleichbaren
KEK nicht zur Verfügung stellt, Telemedien nicht, nicht rechtzeitig oder nicht voll-
21. entgegen § 45 Abs. 1 die zulässige Dauer der ständig anzeigt,
Werbung überschreitet, 8. entgegen § 52 a Abs. 3 Satz 1 und 2 ohne Zustim-
22. entgegen § 45 a Abs. 1 Satz 1 Teleshopping- mung des jeweiligen Rundfunkveranstalters dessen
Fenster verbreitet, die keine Mindestdauer von 15 Programm oder vergleichbare Telemedien inhalt-
Minuten ohne Unterbrechung haben oder entgegen lich und technisch verändert oder einzelne Rund-
§ 45 a Abs. 1 Satz 2 Teleshopping-Fenster verbrei- funkprogramme oder Inhalte in Programmpakete
tet, die nicht optisch und akustisch klar als solche aufnimmt oder in anderer Weise entgeltlich oder
gekennzeichnet sind, unentgeltlich vermarktet,
Media Perspektiven
Dokumentation I/2016 | 30 Rundfunkstaatsvertrag

9. entgegen § 52 b Abs. 1 oder § 52 b Abs. 2 Satz 2, 18. entgegen § 58 Abs. 3 in Verbindung mit § 7 Abs. 4
3 oder 4 die erforderlichen Übertragungskapazitä- das verbreitete Bewegtbildangebot durch die Ein-
ten für die zu verbreitenden Programme nicht oder blendung von Werbung ergänzt, ohne die Wer-
in nicht ausreichendem Umfang oder nicht zu den bung eindeutig optisch zu trennen und als solche
vorgesehenen Bedingungen zur Verfügung stellt zu kennzeichnen,
oder entgegen § 52 b Abs. 4 Satz 3 oder Satz 6 die 19. entgegen § 58 Abs. 3 in Verbindung mit § 7 Abs. 5
Belegung oder die Änderung der Belegung von Satz 2 ein Bewegtbildangebot nicht als Dauerwer-
Plattformen nicht, nicht rechtzeitig oder nicht voll- bung kennzeichnet,
ständig anzeigt, 20. entgegen § 58 Abs. 3 in Verbindung mit § 7 Abs. 7
10. entgegen § 52 c Abs. 1 Satz 2 durch die Verwen- Satz 1 Schleichwerbung, Themenplatzierung oder
dung eines Zugangsberechtigungssystems oder ei- entsprechende Praktiken betreibt,
nes Systems nach § 52 c Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 oder 21. entgegen § 58 Abs. 3 in Verbindung mit § 7 Abs. 7
durch Schnittstellen für Anwendungsprogramme Satz 1 Produktplatzierung betreibt, soweit diese
oder durch sonstige technische Vorgaben zu § 52 c nicht nach den §§ 15 oder 44 zulässig ist,
Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 bis 3 gegenüber Herstellern di- 22. entgegen § 58 Abs. 3 in Verbindung mit § 7 Abs. 7
gitaler Rundfunkempfangsgeräte Anbieter von Satz 3 oder 4 auf eine Produktplatzierung nicht
Rundfunk oder vergleichbarer Telemedien ein- eindeutig hinweist,
schließlich elektronischer Programmführer bei der 23. entgegen § 58 Abs. 3 in Verbindung mit § 7 Abs. 9
Verbreitung ihrer Angebote unbillig behindert Werbung oder Teleshopping politischer, weltan-
oder gegenüber gleichartigen Anbietern ohne sach- schaulicher oder religiöser Art verbreitet,
lich gerechtfertigten Grund unterschiedlich behan- 24. entgegen § 58 Abs. 3 in Verbindung mit § 7 a Abs.
delt, 1 in das Bewegtbildangebot eines Gottesdienstes
entgegen § 52 c Abs. 2 Satz 1 oder 2 die Verwen- oder in die Bewegtbildangebote für Kinder Wer-
dung oder Änderung eines Zugangsberechtigungs- bung oder Teleshopping-Spots integriert,
systems oder eines Systems nach § 52 c Abs. 1 25. entgegen den in § 58 Abs. 3 in Verbindung mit
Satz 2 Nr. 3 oder einer Schnittstelle für Anwen- § 7 a Abs. 3 genannten Voraussetzungen in Be-
dungsprogramme oder die Entgelte hierfür nicht wegtbildangebote Werbung oder Teleshopping in-
unverzüglich anzeigt oder tegriert,
entgegen § 52 c Abs. 2 Satz 3 der zuständigen 26. entgegen § 58 Abs. 3 in Verbindung mit § 8 Abs. 1
Landesmedienanstalt auf Verlangen die erforderli- Satz 1 bei einem gesponserten Bewegtbildangebot
chen Auskünfte nicht erteilt, nicht auf den Sponsor hinweist,
11. entgegen § 52 d Satz 1 Anbieter von Programmen 27. gemäß § 58 Abs. 3 in Verbindung mit § 8 Abs. 3
oder vergleichbaren Telemedien durch die Ausge- bis 6 unzulässig gesponserte Bewegtbildangebote
staltung der Entgelte oder Tarife unbillig behindert verbreitet,
oder gegenüber gleichartigen Anbietern ohne sach- 28. entgegen einer vollziehbaren Anordnung durch die
lich gerechtfertigten Grund unterschiedlich behan- zuständige Aufsichtsbehörde nach § 59 Abs. 3
delt oder Satz 2, auch in Verbindung mit Absatz 4 Satz 1 ein
entgegen § 52 d Satz 3 Entgelte oder Tarife für Angebot nicht sperrt, oder
Angebote nach § 52 b Abs. 1 Satz 1 oder Abs. 2 29. entgegen § 59 Abs. 7 Satz 3 Angebote gegen den
Satz 2 nicht oder nicht vollständig offenlegt, Abruf durch die zuständige Aufsichtsbehörde
12. entgegen § 52 e Abs. 1 Satz 1 der zuständigen sperrt.
Landesmedienanstalt auf Verlangen die erforderli-
Weitere landesrechtliche Bestimmungen über Ord-
chen Unterlagen nicht vorlegt,
nungswidrigkeiten bleiben unberührt.
13. entgegen § 55 Abs. 1 bei Telemedien den Namen
oder die Anschrift oder bei juristischen Personen (2) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße
den Namen oder die Anschrift des Vertretungsbe- von bis zu 500 000 Euro, im Falle des Absatzes 1 Satz
rechtigten nicht oder nicht richtig verfügbar hält, 2 Nr. 13 und 14 mit einer Geldbuße bis zu 50 000 Euro
14. entgegen § 55 Abs. 2 bei Telemedien mit journa- und im Falle des Absatzes 1 Satz 2 Nr. 15 und 16 [ge-
listisch-redaktionell gestalteten Angeboten einen meint sind hier Nr. 28 und 29, Redaktionsversehen im
Verantwortlichen nicht oder nicht richtig angibt, 13. RÄStV, Anm. d. Red.] mit einer Geldbuße bis zu
15. entgegen § 58 Abs. 3 in Verbindung mit § 7 Abs. 3 250 000 Euro geahndet werden.
Satz 2 in der Werbung oder im Teleshopping
Techniken zur unterschwelligen Beeinflussung (3) Zuständige Verwaltungsbehörde im Sinne des § 36
einsetzt, Abs. 1 Nr. 1 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten
16. entgegen § 58 Abs. 3 in Verbindung mit § 7 Abs. 3 ist die Landesmedienanstalt des Landes, in dem die
Satz 3 Werbung oder Teleshopping nicht dem Me- Zulassung erteilt oder beantragt wurde, soweit nicht
dium angemessen durch optische oder akustische nach Landesrecht für die Ahndung von Ordnungswid-
Mittel oder räumlich eindeutig von anderen Ange- rigkeiten nach Absatz 1 Satz 1 Nr. 23 bis 28 und Satz 2
botsteilen absetzt, Nr. 13 bis 29 eine andere Behörde als zuständige Ver-
17. entgegen § 58 Abs. 3 in Verbindung mit § 7 Abs. 6 waltungsbehörde bestimmt ist. Über die Einleitung
Satz 1 virtuelle Werbung in seine Angebote ein- eines Verfahrens hat die zuständige Verwaltungsbe-
fügt, hörde die übrigen Landesmedienanstalten unverzüglich
Rundfunkstaatsvertrag
31 | Dokumentation
Media Perspektiven
I/2016

zu unterrichten. Soweit ein Verfahren nach dieser Vor- den Beteiligten hin; Beteiligte sind für private An-
schrift in mehreren Ländern eingeleitet wurde, stimmen bieter die Landesmedienanstalten;
sich die beteiligten Behörden über die Frage ab, welche 4. kommt eine Verständigung zwischen den Beteilig-
Behörde das Verfahren fortführt. ten nicht zustande, entscheiden die Ministerpräsi-
denten, welche Zuordnung unter Berücksichtigung
(4) Die Landesmedienanstalt des Landes, die einem
der Besonderheiten der Übertragungskapazität so-
Veranstalter eines bundesweit verbreiteten Rundfunk-
wie unter Berücksichtigung des Gesamtangebots
programms die Zulassung erteilt hat, kann bestimmen,
die größtmögliche Vielfalt des Angebotes sichert;
dass Beanstandungen nach einem Rechtsverstoß gegen
dabei sind insbesondere folgende Kriterien zu be-
Regelungen dieses Staatsvertrages sowie rechtskräftige
rücksichtigen:
Entscheidungen in einem Ordnungswidrigkeitsverfah-
ren nach Absatz 1 von dem betroffenen Veranstalter in a) Sicherung der Grundversorgung mit Rundfunk
seinem Rundfunkprogramm verbreitet werden. Inhalt und Teilhabe des öffentlich-rechtlichen Rund-
und Zeitpunkt der Bekanntgabe sind durch diese Lan- funks an neuen Techniken und Programmfor-
desmedienanstalt nach pflichtgemäßem Ermessen fest- men,
zulegen. Absatz 3 Satz 2 und 3 gilt entsprechend. b) Belange des privaten Rundfunks und der An-
bieter von Telemedien.
(5) Die Verfolgung der in Absatz 1 genannten Ord-
nungswidrigkeiten verjährt in sechs Monaten. Die Zuordnung der Übertragungskapazität erfolgt für
die Dauer von längstens 20 Jahren.
V. Abschnitt (4) Der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz
Plattformen, Übertragungskapazitäten ordnet die Übertragungskapazität gemäß der Entschei-
§ 50 dung der Ministerpräsidenten nach Absatz 2 zu.
Grundsatz (5) Wird eine zugeordnete Übertragungskapazität nach
Die Entscheidung über die Zuordnung, Zuweisung und Ablauf von 18 Monaten nach Zugang der Zuordnungs-
Nutzung der Übertragungskapazitäten, die zur Verbrei- entscheidung nicht für die Realisierung des Versor-
tung von Rundfunk und vergleichbaren Telemedien gungsbedarfs genutzt, kann die Zuordnungsentschei-
(Telemedien, die an die Allgemeinheit gerichtet sind) dung durch Beschluss der Ministerpräsidenten widerru-
dienen, erfolgt nach Maßgabe dieses Staatsvertrages fen werden; eine Entschädigung wird nicht gewährt.
und des jeweiligen Landesrechts. Auf Antrag des Zuordnungsempfängers kann die Frist
durch Entscheidung der Ministerpräsidenten verlängert
§ 51 werden.
Zuordnung von drahtlosen
Übertragungskapazitäten (6) Die Ministerpräsidenten vereinbaren zur Durchfüh-
(1) Über die Anmeldung bei der für Telekommunikati- rung der Absätze 2 bis 5 Verfahrensregelungen.
on zuständigen Regulierungsbehörde für bundesweite § 51 a
Versorgungsbedarfe an nicht leitungsgebundenen Zuweisung von drahtlosen Übertragungs-
(drahtlosen) Übertragungskapazitäten entscheiden die kapazitäten an private Anbieter durch die
Länder einstimmig. Für länderübergreifende Bedarfs- zuständige Landesmedienanstalt
anmeldungen gilt Satz 1 hinsichtlich der betroffenen
Länder entsprechend. (1) Übertragungskapazitäten für drahtlose bundesweite
Versorgungsbedarfe privater Anbieter können Rund-
(2) Über die Zuordnung von Übertragungskapazitäten funkveranstaltern, Anbietern von vergleichbaren Tele-
für bundesweite Versorgungsbedarfe an die in der medien oder Plattformanbietern durch die zuständige
ARD zusammengeschlossenen Landesrundfunkanstal- Landesmedienanstalt zugewiesen werden.
ten, das ZDF, das Deutschlandradio oder die Landes-
medienanstalten entscheiden die Ministerpräsidenten (2) Werden den Landesmedienanstalten Übertragungs-
der Länder durch einstimmigen Beschluss. kapazitäten zugeordnet, bestimmen sie unverzüglich
Beginn und Ende einer Ausschlussfrist, innerhalb der
(3) Für die Zuordnung gelten insbesondere die folgen- schriftliche Anträge auf Zuweisung von Übertragungs-
den Grundsätze: kapazitäten gestellt werden können. Beginn und Ende
1. Zur Verfügung stehende freie Übertragungskapazi- der Antragsfrist, das Verfahren und die wesentlichen
täten sind den in der ARD zusammengeschlosse- Anforderungen an die Antragstellung, insbesondere
nen Landesrundfunkanstalten, dem ZDF oder dem wie den Anforderungen dieses Staatsvertrages zur
Deutschlandradio und den Landesmedienanstalten Sicherung der Meinungsvielfalt und Angebotsvielfalt
bekannt zu machen; genügt werden kann, sind von den Landesmedienan-
2. reichen die Übertragungskapazitäten für den gel- stalten zu bestimmen und in geeigneter Weise zu veröf-
tend gemachten Bedarf aus, sind diese entspre- fentlichen (Ausschreibung).
chend zuzuordnen; (3) Kann nicht allen Anträgen auf Zuweisung von
3. reichen die Übertragungskapazitäten für den gel- Übertragungskapazitäten entsprochen werden, wirkt
tend gemachten Bedarf nicht aus, wirken die Mi- die zuständige Landesmedienanstalt auf eine Verstän-
nisterpräsidenten auf eine Verständigung zwischen digung zwischen den Antragstellern hin. Kommt eine
Media Perspektiven
Dokumentation I/2016 | 32 Rundfunkstaatsvertrag

Verständigung zustande, legt sie diese ihrer Entschei- muss die Nennung eines Programmverantwortlichen,
dung über die Aufteilung der Übertragungskapazitäten eine Beschreibung des Programms und die Vorlage
zugrunde, wenn nach den vorgelegten Unterlagen er- einer Zulassung oder eines vergleichbaren Dokuments
wartet werden kann, dass in der Gesamtheit der Ange- beinhalten. Die Weiterverbreitung ist dem Betreiber
bote die Vielfalt der Meinungen und Angebotsvielfalt der Plattform zu untersagen, wenn das Rundfunk-
zum Ausdruck kommt. programm nicht den Anforderungen des § 3 oder des
Jugendmedienschutz-Staatsvertrages entspricht oder
(4) Lässt sich innerhalb der von der zuständigen Lan-
wenn der Veranstalter nach dem geltenden Recht des
desmedienanstalt zu bestimmenden angemessenen Frist
Ursprungslandes zur Veranstaltung von Rundfunk
keine Einigung erzielen oder entspricht die vorgesehe-
nicht befugt ist oder wenn das Programm nicht inhalt-
ne Aufteilung voraussichtlich nicht dem Gebot der
lich unverändert verbreitet wird.
Meinungsvielfalt und Angebotsvielfalt, weist die zu-
ständige Landesmedienanstalt dem Antragsteller die (3) Landesrechtliche Regelungen zur analogen Kanal-
Übertragungskapazität zu, der am ehesten erwarten belegung für Rundfunk sind zulässig, soweit sie zur
lässt, dass sein Angebot Erreichung klar umrissener Ziele von allgemeinem
Interesse erforderlich sind. Sie können insbesondere
1. die Meinungsvielfalt und Angebotsvielfalt fördert,
zur Sicherung einer pluralistischen, am Gebot der Mei-
2. auch das öffentliche Geschehen, die politischen
nungsvielfalt und Angebotsvielfalt orientierten, Medi-
Ereignisse sowie das kulturelle Leben darstellt und
enordnung getroffen werden. Einzelheiten, insbesonde-
3. bedeutsame politische, weltanschauliche und ge-
re die Rangfolge bei der Belegung der Kabelkanäle,
sellschaftliche Gruppen zu Wort kommen lässt.
regelt das Landesrecht.
In die Auswahlentscheidung ist ferner einzubeziehen,
ob das Angebot wirtschaftlich tragfähig erscheint so- § 52
wie Nutzerinteressen und -akzeptanz hinreichend be- Plattformen
rücksichtigt. Für den Fall, dass die Übertragungskapa- (1) Die nachstehenden Regelungen gelten für Plattfor-
zität einem Anbieter einer Plattform zugewiesen wer- men auf allen technischen Übertragungskapazitäten.
den soll, ist des Weiteren zu berücksichtigen, ob das Mit Ausnahme der §§ 52 a und f gelten sie nicht für
betreffende Angebot den Zugang von Fernseh- und Anbieter von
Hörfunkveranstaltern sowie Anbietern von vergleich-
1. Plattformen in offenen Netzen (Internet, UMTS
baren Telemedien einschließlich elektronischer Pro-
oder vergleichbare Netze), soweit sie dort über
grammführer zu angemessenen Bedingungen ermög-
keine marktbeherrschende Stellung verfügen,
licht und den Zugang chancengleich und diskriminie-
2. Plattformen, die sich auf die unveränderte Weiter-
rungsfrei gewährt.
leitung eines Gesamtangebotes beschränken, das
(5) Die Zuweisung von Übertragungskapazitäten er- den Vorgaben dieses Abschnitts entspricht,
folgt für die Dauer von zehn Jahren. Eine einmalige 3. drahtgebundenen Plattformen mit in der Regel
Verlängerung um zehn Jahre ist zulässig. Die Zuwei- weniger als 10 000 angeschlossenen Wohneinhei-
sung ist sofort vollziehbar. Wird eine zugewiesene ten oder
Übertragungskapazität nach Ablauf von zwölf Monaten 4. drahtlosen Plattformen mit in der Regel weniger
nach Zugang der Zuweisungsentscheidung nicht ge- als 20 000 Nutzern.
nutzt, kann die zuständige Landesmedienanstalt die
Die Landesmedienanstalten legen in den Satzungen
Zuweisungsentscheidung nach § 38 Abs. 4 Nr. 2 b
und Richtlinien nach § 53 fest, welche Anbieter unter
widerrufen. Auf Antrag des Zuweisungsempfängers
Berücksichtigung der regionalen und lokalen Verhält-
kann die Frist verlängert werden.
nisse den Regelungen nach Satz 2 unterfallen.
§ 51 b (2) Eine Plattform darf nur betreiben, wer den Anforde-
Weiterverbreitung rungen des § 20 a Abs. 1 und 2 genügt.
(1) Die zeitgleiche und unveränderte Weiterverbreitung
(3) Private Anbieter, die eine Plattform mit Rundfunk
von bundesweit empfangbaren Fernsehprogrammen,
und vergleichbaren Telemedien anbieten wollen, müs-
die in Europa in rechtlich zulässiger Weise und ent-
sen dies mindestens einen Monat vor Inbetriebnahme
sprechend den Bestimmungen des Europäischen
der zuständigen Landesmedienanstalt anzeigen. Die
Übereinkommens über das grenzüberschreitende Fern-
Anzeige hat zu enthalten
sehen veranstaltet werden, ist zulässig. Die Weiterver-
breitung von Fernsehprogrammen kann unter Beach- 1. Angaben entsprechend § 20 a Abs. 1 und 2 und
tung europäischer rundfunkrechtlicher Regelungen 2. die Darlegung, wie den Anforderungen der §§ 52 a
ausgesetzt werden. bis 52 d entsprochen werden soll.
(2) Veranstalter anderer als der in Absatz 1 genannten § 52 a
Fernsehprogramme haben die Weiterverbreitung min- Regelungen für Plattformen
destens einen Monat vor Beginn bei der Landesmedi-
enanstalt anzuzeigen, in deren Geltungsbereich die (1) Für die Angebote in Plattformen gilt die verfas-
Programme verbreitet werden sollen. Die Anzeige kann sungsmäßige Ordnung. Die Vorschriften der allgemei-
auch der Plattformbetreiber vornehmen. Die Anzeige
Rundfunkstaatsvertrag
33 | Dokumentation
Media Perspektiven
I/2016

nen Gesetze und die gesetzlichen Bestimmungen zum gung mit in digitaler Technik verbreiteten Fern-
Schutz der persönlichen Ehre sind einzuhalten. sehprogrammen und Telemedien, soweit er darin
unter Einbeziehung der Interessen der angeschlos-
(2) Plattformanbieter sind für eigene Programme und
senen Teilnehmer eine Vielzahl von Programm-
Dienste verantwortlich. Bei Verfügungen der Auf-
veranstaltern sowie ein vielfältiges Programman-
sichtsbehörden gegen Programme und Dienste Dritter,
gebot an Vollprogrammen, nicht entgeltfinanzier-
die über die Plattform verbreitet werden, sind diese zur
ten Programmen, Spartenprogrammen und Fremd-
Umsetzung dieser Verfügung verpflichtet. Sind Maß-
sprachenprogrammen einbezieht sowie vergleich-
nahmen gegenüber dem Verantwortlichen von Pro-
bare Telemedien und Teleshoppingkanäle ange-
grammen und Diensten nach Satz 2 nicht durchführbar
messen berücksichtigt,
oder nicht Erfolg versprechend, können Maßnahmen
zur Verhinderung des Zugangs von Programmen und 3. innerhalb der darüber hinausgehenden technischen
Diensten auch gegen den Plattformanbieter gerichtet Kapazitäten trifft er die Entscheidung über die Be-
werden, sofern eine Verhinderung technisch möglich legung allein nach Maßgabe der allgemeinen Ge-
und zumutbar ist. setze.
(3) Der Anbieter einer Plattform darf ohne Zustim- Reicht die Kapazität zur Belegung nach Satz 1 nicht
mung des jeweiligen Rundfunkveranstalters dessen aus, sind die Grundsätze des Satzes 1 entsprechend der
Programme und vergleichbare Telemedien inhaltlich zur Verfügung stehenden Gesamtkapazität anzuwen-
und technisch nicht verändern sowie einzelne Rund- den; dabei haben die für das jeweilige Verbreitungsge-
funkprogramme oder Inhalte nicht in Programmpakete biet gesetzlich bestimmten beitragsfinanzierten Pro-
aufnehmen oder in anderer Weise entgeltlich oder gramme und programmbegleitende Dienste des öffent-
unentgeltlich vermarkten. Technische Veränderungen, lich-rechtlichen Rundfunks Vorrang unbeschadet der
die ausschließlich einer effizienten Kapazitätsnutzung angemessenen Berücksichtigung der Angebote nach
dienen und die Einhaltung des vereinbarten Qualitäts- Satz 1 Nr. 1 Buchst. b und c.
standards nicht beeinträchtigen, sind zulässig.
(2) Für Plattformen privater Anbieter mit Hörfunkpro-
§ 52 b grammen gelten die nachfolgenden Bestimmungen.
Belegung von Plattformen Der Plattformanbieter hat sicherzustellen, dass
(1) Für Plattformen privater Anbieter mit Fernsehpro- 1. innerhalb einer technischen Kapazität im Umfang
grammen gelten die nachfolgenden Bestimmungen: von höchstens einem Drittel der für die digitale
Verbreitung von Hörfunk zur Verfügung stehen-
1. Der Plattformanbieter hat innerhalb einer techni-
den Gesamtkapazität die technischen Kapazitäten
schen Kapazität im Umfang von höchstens einem
für die in dem jeweiligen Verbreitungsgebiet ge-
Drittel der für die digitale Verbreitung von Rund-
setzlich bestimmten beitragsfinanzierten Pro-
funk zur Verfügung stehenden Gesamtkapazität si-
gramme und programmbegleitenden Dienste des
cherzustellen, dass
öffentlich-rechtlichen Rundfunks zur Verfügung
a) die erforderlichen Kapazitäten für die für die
stehen,
bundesweite Verbreitung gesetzlich be-
2. innerhalb einer weiteren technischen Übertra-
stimmten beitragsfinanzierten Programme
gungskapazität im Umfang nach Nummer 1 trifft
sowie für die Dritten Programme des öffent-
der Plattformanbieter die Entscheidung über die
lich-rechtlichen Rundfunks einschließlich
Belegung mit in digitaler Technik verbreiteten
programmbegleitender Dienste zur Verfü-
Hörfunkprogrammen und Telemedien, soweit er
gung stehen; die im Rahmen der Dritten
darin unter Einbeziehung der Interessen der ange-
Programme verbreiteten Landesfenster sind
schlossenen Teilnehmer ein vielfältiges Angebot
nur innerhalb der Länder zu verbreiten, für
und eine Vielfalt der Anbieter im jeweiligen Ver-
die sie gesetzlich bestimmt sind,
breitungsgebiet angemessen berücksichtigt,
b) die Kapazitäten für die privaten Fernsehpro-
3. innerhalb der darüber hinausgehenden technischen
gramme, die Regionalfenster gemäß § 25
Kapazität trifft er die Entscheidung über die Bele-
enthalten, zur Verfügung stehen,
gung allein nach Maßgabe der allgemeinen Geset-
c) die Kapazitäten für die im jeweiligen Land
ze.
zugelassenen regionalen und lokalen Fern-
sehprogramme sowie die Offenen Kanäle Absatz 1 Satz 2 gilt entsprechend. Werden Hörfunk-
zur Verfügung stehen; die landesrechtlichen und Fernsehprogramme auf einer Plattform verbreitet,
Sondervorschriften für Offene Kanäle und sind die Programme nach Satz 2 Nr. 1 im Rahmen der
vergleichbare Angebote bleiben unberührt, Kapazität nach Absatz 1 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a zu
d) die technischen Kapazitäten nach Buchstabe berücksichtigen.
a bis c im Verhältnis zu anderen digitalen
(3) Der Plattformanbieter ist von den Anforderungen
Kapazitäten technisch gleichwertig sind,
nach Absatz 1 und 2 befreit, soweit
2. innerhalb einer weiteren technischen Kapazität im
1. der Anbieter der zuständigen Landesmedienan-
Umfang der Kapazität nach Nummer 1 trifft der
stalt nachweist, dass er selbst oder ein Dritter
Plattformanbieter die Entscheidung über die Bele-
den Empfang der entsprechenden Angebote auf
Media Perspektiven
Dokumentation I/2016 | 34 Rundfunkstaatsvertrag

einem gleichartigen Übertragungsweg und dem- § 52 d


selben Endgerät unmittelbar und ohne zusätzli- Entgelte, Tarife
chen Aufwand ermöglicht, oder
Anbieter von Programmen und vergleichbaren Tele-
2. das Gebot der Meinungsvielfalt und Angebotsviel-
medien dürfen durch die Ausgestaltung der Entgelte
falt bereits im Rahmen der Zuordnungs- oder Zu-
und Tarife nicht unbillig behindert oder gegenüber
weisungsentscheidung nach den §§ 51 oder 51 a
gleichartigen Anbietern ohne sachlich gerechtfertigten
berücksichtigt wurde.
Grund unterschiedlich behandelt werden. Die Verbrei-
(4) Die Entscheidung über die Belegung von Plattfor- tung von Angeboten nach § 52 b Abs. 1 Nr. 1 und 2
men trifft der Anbieter der Plattform. Programme, die oder § 52 b Abs. 2 in Verbindung mit Abs. 1 Satz 1 hat
dem Plattformanbieter gemäß § 28 zugerechnet werden zu angemessenen Bedingungen zu erfolgen. Entgelte
können oder von ihm exklusiv vermarktet werden, und Tarife für Angebote nach § 52 b Abs. 1 Satz 1 oder
bleiben bei der Erfüllung der Anforderungen nach Abs. 2 Satz 2 sind offenzulegen. Entgelte und Tarife
Absatz 1 Nr. 1 und 2 außer Betracht. Der Anbieter sind im Rahmen des Telekommunikationsgesetzes so
einer Plattform hat die Belegung von Rundfunkpro- zu gestalten, dass auch regionale und lokale Angebote
grammen oder Telemedien der zuständigen Landesme- zu angemessenen und chancengleichen Bedingungen
dienanstalt spätestens einen Monat vor ihrem Beginn verbreitet werden können. Die landesrechtlichen Son-
anzuzeigen. Werden die Voraussetzungen der Absätze dervorschriften für Offene Kanäle und vergleichbare
1 bis 3 nicht erfüllt, erfolgt die Auswahl der zu verbrei- Angebote bleiben unberührt.
tenden Rundfunkprogramme nach Maßgabe dieses
Staatsvertrages und des Landesrechts durch die zustän- § 52 e
dige Landesmedienanstalt. Zuvor ist dem Anbieter Vorlage von Unterlagen, Zusammenarbeit
einer Plattform eine angemessene Frist zur Erfüllung mit der Regulierungsbehörde
der gesetzlichen Voraussetzungen zu setzen. Bei Ände- für Telekommunikation
rung der Belegungen gelten die Sätze 1 bis 5 entspre- (1) Anbieter von Plattformen sind verpflichtet, die
chend. erforderlichen Unterlagen der zuständigen Landesme-
dienanstalt auf Verlangen vorzulegen. §§ 21 bis 24
§ 52 c gelten entsprechend.
Technische Zugangsfreiheit
(2) Ob ein Verstoß gegen § 52 c Abs. 1 Satz 2 Nr. 1
(1) Anbieter von Plattformen, die Rundfunk und ver-
oder 2 oder § 52 d vorliegt, entscheidet bei Plattform-
gleichbare Telemedien verbreiten, haben zu gewähr-
anbietern, die zugleich Anbieter der Telekommunikati-
leisten, dass die eingesetzte Technik ein vielfältiges
onsdienstleistung sind, die zuständige Landesmedien-
Angebot ermöglicht. Zur Sicherung der Meinungsviel-
anstalt im Benehmen mit der Regulierungsbehörde für
falt und Angebotsvielfalt dürfen Anbieter von Rund-
Telekommunikation.
funk und vergleichbaren Telemedien einschließlich
elektronischer Programmführer weder unmittelbar § 52 f
noch mittelbar Maßnahmen durch die zuständige
1. durch Zugangsberechtigungssysteme, Landesmedienanstalt
2. durch Schnittstellen für Anwendungsprogramme, Verstößt ein Plattformanbieter gegen die Bestimmun-
3. durch Benutzeroberflächen, die den ersten Zugriff gen dieses Staatsvertrages oder des Jugendmedien-
auf die Angebote herstellen, oder schutz-Staatsvertrages, gilt § 38 Abs. 2 entsprechend.
4. durch sonstige technische Vorgaben zu den Num-
mern 1 bis 3 auch gegenüber Herstellern digitaler § 53
Rundfunkempfangsgeräte Satzungen, Richtlinien
Die Landesmedienanstalten regeln durch Satzungen
bei der Verbreitung ihrer Angebote unbillig behindert
und Richtlinien Einzelheiten zur Konkretisierung der
oder gegenüber gleichartigen Anbietern ohne sachlich
sie betreffenden Bestimmungen dieses Abschnitts mit
gerechtfertigten Grund unterschiedlich behandelt wer-
Ausnahme des § 51. Dabei ist die Bedeutung für die
den.
öffentliche Meinungsbildung für den Empfängerkreis
(2) Die Verwendung eines Zugangsberechtigungssys- in Bezug auf den jeweiligen Übertragungsweg zu be-
tems oder eines Systems nach Absatz 1 Satz 2 Nr. 3 rücksichtigen.
oder einer Schnittstelle für Anwendungsprogramme
und die Entgelte hierfür sind der zuständigen Landes- § 53 a
medienanstalt unverzüglich anzuzeigen. Satz 1 gilt für Überprüfungsklausel
Änderungen entsprechend. Der zuständigen Landes- Dieser Abschnitt sowie die ergänzenden landesrechtli-
medienanstalt sind auf Verlangen die erforderlichen chen Regelungen werden regelmäßig alle drei Jahre,
Auskünfte zu erteilen. erstmals zum 31. August 2011 entsprechend Artikel 31
Abs. 1 der Richtlinie 2002/22/EG des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 7. März 2002 über
den Universaldienst und Nutzerrechte bei elektroni-
Rundfunkstaatsvertrag
35 | Dokumentation
Media Perspektiven
I/2016

schen Kommunikationsnetzen und -diensten (Univer- jeweils Benannte verantwortlich ist. Als Verantwortli-
saldienstrichtlinie) überprüft. cher darf nur benannt werden, wer

§ 53 b 1. seinen ständigen Aufenthalt im Inland hat,


Bestehende Zulassungen, Zuordnungen, 2. nicht infolge Richterspruchs die Fähigkeit zur
Zuweisungen, Anzeige von bestehenden Plattformen Bekleidung öffentlicher Ämter verloren hat,
3. voll geschäftsfähig ist und
(1) Bestehende Zulassungen, Zuordnungen und Zuwei-
4. unbeschränkt strafrechtlich verfolgt werden kann.
sungen für bundesweite Anbieter gelten bis zu deren
Ablauf fort. Bestehende Zulassungen und Zuweisungen (3) Für Anbieter von Telemedien nach Absatz 2 Satz 1
für Fensterprogrammveranstalter sollen bis zum 31. gilt § 9 a entsprechend.
Dezember 2009 unbeschadet von Vorgaben des § 25
Abs. 4 Satz 4 verlängert werden. § 56
Gegendarstellung
(2) Anbieter von Plattformen, die bei Inkrafttreten
(1) Anbieter von Telemedien mit journalistisch-
dieses Staatsvertrages bereits in Betrieb sind, müssen
redaktionell gestalteten Angeboten, in denen insbeson-
die Anzeige nach § 52 Abs. 3 spätestens sechs Monate
dere vollständig oder teilweise Inhalte periodischer
nach Inkrafttreten dieses Staatsvertrages stellen.
Druckerzeugnisse in Text oder Bild wiedergegeben
werden, sind verpflichtet, unverzüglich eine Gegendar-
VI. Abschnitt stellung der Person oder Stelle, die durch eine in ihrem
Telemedien Angebot aufgestellte Tatsachenbehauptung betroffen
§ 54 ist, ohne Kosten für den Betroffenen in ihr Angebot
Allgemeine Bestimmungen ohne zusätzliches Abrufentgelt aufzunehmen. Die
(1) Telemedien sind im Rahmen der Gesetze zulas- Gegendarstellung ist ohne Einschaltungen und Weglas-
sungs- und anmeldefrei. Für die Angebote gilt die sungen in gleicher Aufmachung wie die Tatsachenbe-
verfassungsmäßige Ordnung. Die Vorschriften der hauptung anzubieten. Die Gegendarstellung ist so lange
allgemeinen Gesetze und die gesetzlichen Bestimmun- wie die Tatsachenbehauptung in unmittelbarer Ver-
gen zum Schutz der persönlichen Ehre sind einzuhal- knüpfung mit ihr anzubieten. Wird die Tatsachenbe-
ten. hauptung nicht mehr angeboten oder endet das Ange-
bot vor Aufnahme der Gegendarstellung, so ist die
(2) Telemedien mit journalistisch-redaktionell gestalte- Gegendarstellung an vergleichbarer Stelle so lange
ten Angeboten, in denen insbesondere vollständig oder anzubieten, wie die ursprünglich angebotene Tatsa-
teilweise Inhalte periodischer Druckerzeugnisse in Text chenbehauptung. Eine Erwiderung auf die Gegendar-
oder Bild wiedergegeben werden, haben den anerkann- stellung muss sich auf tatsächliche Angaben beschrän-
ten journalistischen Grundsätzen zu entsprechen. Nach- ken und darf nicht unmittelbar mit der Gegendarstel-
richten sind vom Anbieter vor ihrer Verbreitung mit lung verknüpft werden.
der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf Inhalt,
Herkunft und Wahrheit zu prüfen. (2) Eine Verpflichtung zur Aufnahme der Gegendar-
stellung gemäß Absatz 1 besteht nicht, wenn
(3) Bei der Wiedergabe von Meinungsumfragen, die
von Anbietern von Telemedien durchgeführt werden, 1. der Betroffene kein berechtigtes Interesse an der
ist ausdrücklich anzugeben, ob sie repräsentativ sind. Gegendarstellung hat,
2. der Umfang der Gegendarstellung unangemessen
§ 55 über den der beanstandeten Tatsachenbehauptung
Informationspflichten und Informationsrechte hinausgeht,
(1) Anbieter von Telemedien, die nicht ausschließlich 3. die Gegendarstellung sich nicht auf tatsächliche
persönlichen oder familiären Zwecken dienen, haben Angaben beschränkt oder einen strafbaren Inhalt
folgende Informationen leicht erkennbar, unmittelbar hat oder
erreichbar und ständig verfügbar zu halten: 4. die Gegendarstellung nicht unverzüglich, spätes-
tens sechs Wochen nach dem letzten Tage des An-
1. Namen und Anschrift sowie gebots des beanstandeten Textes, jedenfalls jedoch
2. bei juristischen Personen auch Namen und An- drei Monate nach der erstmaligen Einstellung des
schrift des Vertretungsberechtigten. Angebots, dem in Anspruch genommenen Anbie-
ter schriftlich und von dem Betroffenen oder sei-
(2) Anbieter von Telemedien mit journalistisch-redak-
nem gesetzlichen Vertreter unterzeichnet, zugeht.
tionell gestalteten Angeboten, in denen insbesondere
vollständig oder teilweise Inhalte periodischer Druck- (3) Für die Durchsetzung des vergeblich geltend ge-
erzeugnisse in Text oder Bild wiedergegeben werden, machten Gegendarstellungsanspruchs ist der ordentli-
haben zusätzlich zu den Angaben nach den §§ 5 und 6 che Rechtsweg gegeben. Auf dieses Verfahren sind die
des Telemediengesetzes einen Verantwortlichen mit Vorschriften der Zivilprozessordnung über das Verfah-
Angabe des Namens und der Anschrift zu benennen. ren auf Erlass einer einstweiligen Verfügung entspre-
Werden mehrere Verantwortliche benannt, so ist kennt- chend anzuwenden. Eine Gefährdung des Anspruchs
lich zu machen, für welchen Teil des Dienstes der braucht nicht glaubhaft gemacht zu werden. Ein Ver-
fahren zur Hauptsache findet nicht statt.
Media Perspektiven
Dokumentation I/2016 | 36 Rundfunkstaatsvertrag

(4) Eine Verpflichtung zur Gegendarstellung besteht bei einer Übermittlung der Daten gemeinsam mit die-
nicht für wahrheitsgetreue Berichte über öffentliche sen zu übermitteln.
Sitzungen der übernationalen parlamentarischen Orga-
ne, der gesetzgebenden Organe des Bundes und der § 58
Länder sowie derjenigen Organe und Stellen, bei denen Werbung, Sponsoring,
das jeweilige Landespressegesetz eine presserechtliche fernsehähnliche Telemedien, Gewinnspiele
Gegendarstellung ausschließt. (1) Werbung muss als solche klar erkennbar und vom
übrigen Inhalt der Angebote eindeutig getrennt sein. In
§ 57 der Werbung dürfen keine unterschwelligen Techniken
Datenschutz bei journalistisch-redaktionellen eingesetzt werden.
Zwecken
(2) Für Sponsoring bei Fernsehtext gilt § 8 entspre-
(1) Soweit Unternehmen und Hilfsunternehmen der
chend.
Presse als Anbieter von Telemedien personenbezogene
Daten ausschließlich zu eigenen journalistisch- (3) Für Telemedien mit Inhalten, die nach Form und
redaktionellen oder literarischen Zwecken erheben, Inhalt fernsehähnlich sind und die von einem Anbieter
verarbeiten oder nutzen, gelten nur die §§ 5, 7, 9 und zum individuellen Abruf zu einem vom Nutzer gewähl-
38 a des Bundesdatenschutzgesetzes mit der Maßgabe, ten Zeitpunkt und aus einem vom Anbieter festgelegten
dass nur für Schäden gehaftet wird, die durch die Ver- Inhaltekatalog bereitgestellt werden (audiovisuelle
letzung des Datengeheimnisses nach § 5 des Bundesda- Mediendienste auf Abruf), gelten die §§ 7 und 8 ent-
tenschutzgesetzes oder durch unzureichende technische sprechend. Für Angebote nach § 2 Abs. 3 Nummer 5
oder organisatorische Maßnahmen im Sinne des § 9 gelten zusätzlich die §§ 4 bis 6, 7 a und 45 entspre-
des Bundesdatenschutzgesetzes eintreten. Besondere chend.
staatsvertragliche oder landesrechtliche Bestimmungen
für den Rundfunk bleiben unberührt. (4) Für Gewinnspiele in vergleichbaren Telemedien
(Telemedien, die an die Allgemeinheit gerichtet sind)
(2) Werden über Angebote personenbezogene Daten gilt § 8 a entsprechend.
von einem Anbieter von Telemedien ausschließlich zu
eigenen journalistisch-redaktionellen Zwecken verar- § 59
beitet und wird der Betroffene dadurch in seinen Aufsicht
schutzwürdigen Interessen beeinträchtigt, kann er Aus- (1) Die nach den allgemeinen Datenschutzgesetzen des
kunft über die zugrunde liegenden, zu seiner Person Bundes und der Länder zuständigen Kontrollbehörden
gespeicherten Daten verlangen. Die Auskunft kann überwachen für ihren Bereich die Einhaltung der Da-
nach Abwägung der schutzwürdigen Interessen der tenschutzbestimmungen des Telemediengesetzes sowie
Beteiligten verweigert werden, soweit durch die Mittei- des § 57. Die für den Datenschutz im journalistisch-
lung die journalistische Aufgabe des Veranstalters redaktionellen Bereich beim öffentlich-rechtlichen
durch Ausforschung des Informationsbestandes beein- Rundfunk zuständigen Stellen überwachen für ihren
trächtigt würde oder aus den Daten Bereich auch die Einhaltung der Datenschutzbestim-
1. auf Personen, die bei der Vorbereitung, Herstel- mungen für journalistisch-redaktionelle Angebote bei
lung oder Verbreitung mitgewirkt haben oder Telemedien. Satz 1 gilt nicht, soweit Unternehmen und
2. auf die Person des Einsenders oder des Gewährs- Hilfsunternehmen der Presse der Selbstregulierung
trägers von Beiträgen, Unterlagen und Mitteilun- durch den Pressekodex und der Beschwerdeordnung
gen für den redaktionellen Teil des Deutschen Presserates unterliegen.

geschlossen werden kann. Der Betroffene kann die (2) Die Einhaltung der Bestimmungen für Telemedien
Berichtigung unrichtiger Daten oder die Hinzufügung einschließlich der allgemeinen Gesetze und der gesetz-
einer eigenen Darstellung von angemessenem Umfang lichen Bestimmungen zum Schutz der persönlichen
verlangen. Die Sätze 1 bis 3 gelten nicht für Angebote Ehre mit Ausnahme des Datenschutzes wird durch
von Unternehmen und Hilfsunternehmen der Presse, nach Landesrecht bestimmte Aufsichtsbehörden über-
soweit diese der Selbstregulierung durch den Presseko- wacht.
dex und der Beschwerdeordnung des Deutschen Pres- (3) Stellt die jeweils zuständige Aufsichtsbehörde ei-
serates unterliegen. nen Verstoß gegen die Bestimmungen mit Ausnahme
(3) Führt die journalistisch-redaktionelle Verwendung der § 54, § 55 Abs. 2 und 3, § 56, § 57 Abs. 2 oder der
personenbezogener Daten zur Verbreitung von Gegen- Datenschutzbestimmungen des Telemediengesetzes
darstellungen des Betroffenen oder zu Verpflichtungs- fest, trifft sie die zur Beseitigung des Verstoßes erfor-
erklärungen, Verfügungen oder Urteilen über die Un- derlichen Maßnahmen gegenüber dem Anbieter. Sie
terlassung der Verbreitung oder über den Widerruf des kann insbesondere Angebote untersagen und deren
Inhalts der Daten, sind diese Gegendarstellungen, Sperrung anordnen. Die Untersagung darf nicht erfol-
Unterlassungserklärungen oder Widerrufe zu den ge- gen, wenn die Maßnahme außer Verhältnis zur Bedeu-
speicherten Daten zu nehmen und dort für dieselbe tung des Angebots für den Anbieter und die Allge-
Zeitdauer aufzubewahren wie die Daten selbst sowie meinheit steht. Eine Untersagung darf nur erfolgen,
wenn ihr Zweck nicht in anderer Weise erreicht werden
kann. Die Untersagung ist, soweit ihr Zweck dadurch
Rundfunkstaatsvertrag
37 | Dokumentation
Media Perspektiven
I/2016

erreicht werden kann, auf bestimmte Arten und Teile ein Informationsverfahren auf dem Gebiet der Normen
von Angeboten oder zeitlich zu beschränken. Bei jour- und technischen Vorschriften.
nalistisch-redaktionell gestalteten Angeboten, in denen
ausschließlich vollständig oder teilweise Inhalte perio-
discher Druckerzeugnisse in Text oder Bild wiederge- VII. Abschnitt
geben werden, ist eine Sperrung nur unter den Voraus- Übergangs- und Schlussvorschriften
setzungen des § 97 Abs. 5 Satz 2 und des § 98 der § 62
Strafprozessordnung zulässig. Die Befugnisse der Auf- Kündigung
sichtsbehörden zur Durchsetzung der Vorschriften der
(1) Dieser Staatsvertrag gilt für unbestimmte Zeit. Der
allgemeinen Gesetze und der gesetzlichen Bestimmun-
Staatsvertrag kann von jedem der vertragschließenden
gen zum Schutz der persönlichen Ehre bleiben unbe-
Länder zum Schluss des Kalenderjahres mit einer Frist
rührt.
von einem Jahr gekündigt werden. Die Kündigung
(4) Erweisen sich Maßnahmen gegenüber dem Ver- kann erstmals zum 31. Dezember 2008 erfolgen. Wird
antwortlichen nach § 7 des Telemediengesetzes als der Staatsvertrag zu diesem Termin nicht gekündigt,
nicht durchführbar oder nicht Erfolg versprechend, kann die Kündigung mit gleicher Frist jeweils zu einem
können Maßnahmen zur Sperrung von Angeboten nach zwei Jahre späteren Termin erfolgen. Die Kündigung
Absatz 3 auch gegen den Diensteanbieter von fremden ist gegenüber dem Vorsitzenden der Ministerpräsiden-
Inhalten nach den §§ 8 bis 10 des Telemediengesetzes tenkonferenz schriftlich zu erklären. Kündigt ein Land
gerichtet werden, sofern eine Sperrung technisch mög- diesen Staatsvertrag, kann es zugleich den Rundfunk-
lich und zumutbar ist. § 7 Abs. 2 des Telemediengeset- beitragsstaatsvertrag und den Rundfunkfinanzierungs-
zes bleibt unberührt. staatsvertrag zum gleichen Zeitpunkt kündigen; jedes
andere Land kann daraufhin innerhalb von sechs Mo-
(5) Wird durch ein Angebot in Rechte Dritter einge- naten nach Eingang der Kündigungserklärung dem-
griffen und ist für den Dritten hiergegen der Rechtsweg entsprechend ebenfalls zum gleichen Zeitpunkt kündi-
eröffnet, sollen Anordnungen der Aufsichtsbehörde im gen. Zwischen den übrigen Ländern bleiben diese
Sinne von Absatz 3 nur erfolgen, wenn dies aus Grün- Staatsverträge in Kraft.
den des Gemeinwohls geboten ist.
(2) Im Falle der Kündigung verbleibt es bei der vorge-
(6) Für den Vollzug dieses Abschnitts ist die Auf- nommenen Zuordnung der Satellitenkanäle, solange für
sichtsbehörde des Landes zuständig, in dem der betrof- diese Kanäle noch Berechtigungen bestehen. Die §§ 11
fene Anbieter seinen Sitz, Wohnsitz oder in Ermange- a bis d bleiben im Falle der Kündigung einzelner Län-
lung dessen seinen ständigen Aufenthalt hat. Ergibt der unberührt.
sich danach keine Zuständigkeit, so ist diejenige Auf-
sichtsbehörde zuständig, in deren Bezirk der Anlass für (3) § 4 Abs. 1 und 2 kann von jedem der vertragschlie-
die Amtshandlung hervortritt. ßenden Länder auch gesondert zum Schluss des Kalen-
derjahres mit einer Frist von einem Jahr gekündigt
(7) Der Abruf von Angeboten im Rahmen der Aufsicht werden. Die Kündigung kann erstmals zum 31. De-
ist unentgeltlich. Diensteanbieter haben dies sicherzu- zember 2008 erfolgen. Wird § 4 Abs. 1 und 2 zu die-
stellen. Der Anbieter darf seine Angebote nicht gegen sem Zeitpunkt nicht gekündigt, kann die Kündigung
den Abruf durch die zuständige Aufsichtsbehörde sper- mit gleicher Frist jeweils zu einem zwei Jahre späteren
ren. Zeitpunkt erfolgen. Die Kündigung ist gegenüber dem
§ 60 Vorsitzenden der Ministerpräsidentenkonferenz schrift-
Telemediengesetz, Öffentliche Stellen lich zu erklären. Kündigt ein Land, kann jedes Land
innerhalb von drei Monaten nach Eingang der Kündi-
(1) Für Telemedien, die den Bestimmungen dieses gungserklärung § 4 Abs. 1 und 2 zum gleichen Zeit-
Staatsvertrages oder den Bestimmungen der übrigen punkt kündigen. Die Kündigung eines Landes lässt die
rundfunkrechtlichen Staatsverträge der Länder unter- gekündigten Bestimmungen dieses Staatsvertrages im
fallen, gelten im Übrigen die Bestimmungen des Tele- Verhältnis der übrigen Länder zueinander unberührt.
mediengesetzes des Bundes in seiner jeweils geltenden
Fassung. Absatz 2 bleibt unberührt. (4) § 12 Abs. 2 kann von jedem der vertragschließen-
den Länder auch gesondert zum Schluss des Kalender-
(2) Für die öffentlichen Stellen der Länder gelten ne- jahres mit einer Frist von einem Jahr gekündigt wer-
ben den vorstehenden Bestimmungen die Bestimmun- den. Die Kündigung kann erstmals zum 31. Dezember
gen des Telemediengesetzes des Bundes in seiner je- 2009 erfolgen. Wird § 12 Abs. 2 zu diesem Zeitpunkt
weils geltenden Fassung entsprechend. nicht gekündigt, kann die Kündigung mit gleicher Frist
§ 61 jeweils zu einem zwei Jahre späteren Zeitpunkt erfol-
Notifizierung gen. Die Kündigung ist gegenüber dem Vorsitzenden
der Ministerpräsidentenkonferenz schriftlich zu erklä-
Änderungen dieses Abschnittes unterliegen der ren. Kündigt ein Land, kann jedes Land innerhalb von
Notifizierungspflicht gemäß der Richtlinie 98/48/EG drei Monaten nach Eingang der Kündigungserklärung
des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. den Rundfunkstaatsvertrag, den ARD-Staatsvertrag,
Juli 1998 zur Änderung der Richtlinie 98/34/EG über den ZDF-Staatsvertrag, den Staatsvertrag über die
Körperschaft des öffentlichen Rechts „Deutschlandra-
Media Perspektiven
Dokumentation I/2016 | 38 Rundfunkstaatsvertrag

dio“, den Rundfunkfinanzierungsstaatsvertrag und den Anlage zu § 11 d Abs. 5 Satz 4 des Rundfunkstaats-
Rundfunkbeitragsstaatsvertrag zum gleichen Zeitpunkt vertrages
kündigen. Die Kündigung eines Landes lässt die ge-
Negativliste öffentlich-rechtlicher Telemedien
kündigten Bestimmungen dieses Staatsvertrages und
die in Satz 5 aufgeführten Staatsverträge im Verhältnis 1. Anzeigenportale, Anzeigen oder Kleinanzeigen,
der übrigen Länder zueinander unberührt. 2. Branchenregister und -verzeichnisse,
3. Preisvergleichsportale sowie Berechnungspro-
(5) § 16 Abs. 1, 2 und 5 kann von jedem der vertrag-
gramme (z.B. Preisrechner, Versicherungsrech-
schließenden Länder auch gesondert zum Schluss des
ner),
Kalenderjahres, das auf die Ermittlung des Finanzbe-
4. Bewertungsportale für Dienstleistungen, Einrich-
darfs des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gemäß § 14
tungen und Produkte,
folgt, mit einer Frist von sechs Monaten gekündigt
5. Partner-, Kontakt-, Stellen-, Tauschbörsen,
werden, wenn der Rundfunkfinanzierungsstaatsvertrag
6. Ratgeberportale ohne Sendungsbezug,
nicht nach der Ermittlung des Finanzbedarfs gemäß
7. Business-Networks,
§ 14 aufgrund einer Rundfunkbeitragserhöhung geän-
8. Telekommunikationsdienstleistungen im Sinne
dert wird. Die Kündigung kann erstmals zum 31. De-
von § 3 Nr. 24 des Telekommunikationsgesetzes,
zember 2008 erfolgen. Wird § 16 Abs. 1, 2 und 5 zu
9. Wetten im Sinne von § 762 des Bürgerlichen Ge-
einem dieser Termine nicht gekündigt, kann die Kün-
setzbuches,
digung mit gleicher Frist jeweils zu einem zwei Jahre
10. Softwareangebote, soweit nicht zur Wahrnehmung
späteren Termin erfolgen. Die Kündigung ist gegen-
des eigenen Angebots erforderlich,
über dem Vorsitzenden der Ministerpräsidentenkonfe-
11. Routenplaner,
renz schriftlich zu erklären. Kündigt ein Land, kann
12. Verlinkung ohne redaktionelle Prüfung; Verlin-
jedes Land innerhalb von drei Monaten nach Eingang
kungen sollen ausschließlich der unmittelbaren
der Kündigungserklärung den Rundfunkbeitragsstaats-
Ergänzung, Vertiefung oder Erläuterung eines Ei-
vertrag und den Rundfunkfinanzierungsstaatsvertrag
geninhalts (auch von Beteiligungsunternehmen)
zum gleichen Zeitpunkt kündigen. In diesem Fall kann
dienen und nicht unmittelbar zu Kaufaufforderun-
jedes Land außerdem innerhalb weiterer drei Monate
gen führen,
nach Eingang der Kündigungserklärung nach Satz 5 §§
13. Musikdownload von kommerziellen Fremdpro-
14 und 17 hinsichtlich einzelner oder sämtlicher Be-
duktionen,
stimmungen zum gleichen Zeitpunkt kündigen. Zwi-
14. Spieleangebote ohne Sendungsbezug,
schen den übrigen Ländern bleiben die gekündigten
15. Fotodownload ohne Sendungsbezug,
Bestimmungen dieses Staatsvertrages und die in Satz 5
16. Veranstaltungskalender (sendungsbezogene Hin-
angegebenen Staatsverträge in Kraft.
weise auf Veranstaltungen sind zulässig),
§ 63 17. Foren, Chats ohne Sendungsbezug und redaktio-
Übergangsbestimmung für Produktplatzierungen nelle Begleitung; Foren, Chats unter Programm-
oder Sendermarken sind zulässig. Foren und Chats
§ 7 Abs. 7 und die §§ 15 und 44 gelten nicht für Sen-
dürfen nicht inhaltlich auf Angebote ausgerichtet
dungen, die vor dem 19. Dezember 2009 produziert
sein, die nach Nummern 1 bis 16 unzulässig sind.
wurden.

§ 64
Regelung für Bayern
Der Freistaat Bayern ist berechtigt, eine Verwendung
des Anteils am Rundfunkbeitrag nach § 40 zur Finan-
zierung der landesgesetzlich bestimmten Aufgaben der
Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien im Rah-
men der öffentlich-rechtlichen Trägerschaft vorzuse-
hen. Im Übrigen finden die für private Veranstalter
geltenden Bestimmungen dieses Staatsvertrages auf
Anbieter nach bayerischem Recht entsprechende An-
wendung. Abweichende Regelungen zu § 7 Abs. 9 Satz 1
1. Variante zur Umsetzung von Vorgaben der Landes-
verfassung sind zulässig.