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Mitteilungsblatt

der Priesterbruderschaft St. Pius X.


für den deutschen Sprachraum

Jahrgang 1999

Omnia instaurare in Christo


Liebe Freunde und Wohltäter, liebe Gläubige,

angesichts der zahlreichen Aktivitäten, die die Bruderschaft im vergangenen Jahr


nicht zuletzt dank Ihrer Hilfe und Unterstützung entfalten konnte, möchte ich Ihnen
nicht nur ein gesegnetes und gnadenreiches Neues Jahr wünschen, sondern auch mit
einem herzlichen „Vergelt’s Gott“ für Ihre Unterstützung und Mitarbeit danken.
Nicht immer sind wir in der glücklichen Lage, daß die Bemühungen der Priester
unserer Bruderschaft nach außen sichtbare Früchte tragen. Es liegt in der Natur des
geistlichen Kampfes, daß es auch Rückschläge und Untreue gibt. Aber daß wir im
vergangenen Jahr dennoch so sichtbar viel für den Aufbau tun konnten, muß man
als eine große Gnade betrachten und wir wollen Gott dafür danken.
Das Blühen eines kirchlichen Werkes hängt von materiellen und von geistlichen
Bedingungen ab. Was die materiellen Voraussetzungen angeht, so beruhen diese auf
dem Glaubens- und Opfergeist der Gläubigen (und jedenfalls nicht auf einigen „rei-
chen Adeligen aus Burgund“, wie ein Außenstehender neulich zu einem Mitbruder
meinte). Schon die materiellen Bedingungen sind also getragen von einer Haltung,
die den Glauben voraussetzt (und nicht umgekehrt!).
Geistliche Schwierigkeiten können solcherart beschaffen sein, daß sie umfang-
reicher und schwieriger zu überwinden sind als materielle. Wenn die Menschen et-
was nicht verstehen (wollen), wenn sie von der Sünde verblendet sind, wenn sie ihre
Herzen verhärtet haben – dann braucht es viel Gnade, um solche Hindernisse zu
überwinden.
Wir sollten uns auch daran erinnern, daß der böse Geist, nach der Aussage des
hl. Ignatius von Loyola, immer so vorgeht, daß er Verwirrung stiftet (diabolus –
Durcheinanderwerfer). Wahrheiten werden verdreht, Nichtiges aufgebauscht, Irre-
führendes behauptet, Richtiges und Verkehrtes durcheinandergemischt. Daher ist es
wichtig, sich um die „Unterscheidung der Geister“ zu bemühen: Was sagt einer,
warum sagt er es und wie sagt er es. Wer die Wahrheit in aller Einfachheit anstrebt,
der wird auch Klarheit über die einzuschlagenden Wege erhalten.
Daß im Neuen Jahr 1998 der Priesterbruderschaft St. Pius X., ihren Mitgliedern
und allen mit ihr verbundenen Gläubigen der hl. Geist beistehe, das wünsche ich Ih-
nen und uns allen.

Mit priesterlichem Segensgruß


Stuttgart, 11. Dezember 1998
P. Markus Heggenberger
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Aus der Priesterbruderschaft

„Haus Gottes und Pforte des Himmels“


Predigt des Generaloberen Msgr. Bernard Fellay anläßlich der Benediktion der
neuen Kirche in Ecône, am 10. Oktober 1998

Im Namen des Vaters und des Soh- pel in Jerusalem erbaut werden Am Tag
nes und des Hl. Geistes. Amen. der Tempelweihe, als er endlich Gott
geweiht werden konnte, wurde er von
Exzellenzen, verehrte Vertreter und einer Wolke umhüllt. Die Heilige
Vertreterinnen der zivilen Behörden, Schrift berichtet uns, wie Salomo bei
liebe Kleriker, Schwestern und Gläubi- dieser Weihe darauf hinwies, daß Gott
ge. in der Wolke wohne. Gott wollte also zu
verstehen geben, dieser Ort sei nun
Heute, wo wir endlich den innigen
nicht mehr einer wie die anderen, son-
Wunsch unseres Gründers, dem wir al-
dern die Wohnung Gottes.
les verdanken, unser Priestertum, unser
Bischofsamt, das Fortdauern der Tradi- Genau das haben wir vorher gesun-
tion, verwirklicht sehen, sind unsere gen. Wir brauchen nicht eine sinnlich
Freude und unser Dank sehr groß. Es wahrnehmbare Wolke. Wir wissen und
war der Wunsch Monseigneurs, dieses glauben diese Tatsache, die durch diese
Projekt realisiert zu sehen, das er fast zwar feierliche, aber doch schlichte Seg-
selbst entworfen und so sehr ersehnt nung zum Ausdruck kommt.
hat. Nun sieht er es vom Himmel aus. Dieses Gebäude wurde von der Welt
In der Tat hat sich oft in der Kir- abgesondert, sozusagen von ihr befreit,
chengeschichte das gleiche abgespielt. von der Welt der Geschöpfe, und wir
Wie oft hat sich die Kirche gegenteili- können sie sogar profan nennen. Dieses
gen Eingriffen beugen müssen, mußte Gebäude wurde für Gott bestimmt und
sie sich zurückziehen, um das Offizi- ihm geweiht. Es ist, so haben wir ge-
um, die heilige Messe, das Opfer an sungen, nichts anderes als das Haus
provisorischen Orten zu feiern. Immer Gottes und die Pforte des Himmels. Zu-
aber war sie bemüht, so schnell als erst wurden die Außen- und Innen-
möglich Stätten zu erbauen, die würdig mauern sichtbar mit einem besonders
waren für die so erhabene Liturgie, für geweihten Wasser gereinigt, und da-
die Größe und Herrlichkeit Gottes, dem nach haben wir mit dem Kreuz den Bo-
dieses Opfer dargebracht wird. So war den gekennzeichnet, und zwar vom Al-
es in der Kirchengeschichte, so war es tar bis zur Eingangspforte und von ei-
auch im Alten Testament. Unsere Freu- nem Seitenschiff zum anderen. Da-
de heute gleicht ein wenig jener Salo- durch kam zum Ausdruck, daß nun
mos. Erst viele Jahrhunderte nach dem Christus, Hoherpriester und Gott zu-
Auszug aus Ägypten konnte der Tem- gleich, von diesem Ort Besitz ergriffen
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Aus der Priesterbruderschaft

hat. Das ganze Erbarmen Gottes hat abermillionen von Toten, und was erst
sich über die Erde geneigt und sie soll man sagen von den Verfolgten und
berührt. Darum ist hier eine neue Him- den Todesopfern des Kommunismus,
melspforte, nichts anderes als das Haus und dann all diese Unschuldigen, die
Gottes und die Pforte des Himmels. im Mutterschoß hingeschlachtet wer-
Msgr. Marcel Lefebvre hat diese Kir- den, und die zahlreicher sind als die
che bauen wollen, weil sie der Mittel- Opfer des Zweiten Weltkriegs. Und
punkt des Seminars ist. Im Seminar dennoch, all diese menschlichen Tragö-
werden Priester ausgebildet, und der dien sind nichts im Vergleich mit einem
Priester ist aus den Menschen heraus- viel tödlicheren Krieg, der unsichtbar
genommen. Auch er ist abgesondert ist und die Seele tötet. Die Worte des
und für die Anliegen bei Gott geweiht, heiligen Paulus sind wirklich auch heu-
und zwar ganz besonders, um das Op- te noch aktuell, wenn er sagt: „Unser
fer darzubringen, das Opfer, nämlich Kampf richtet sich nicht gegen Fleisch
das Opfer Christi selbst. Wenn wir von und Blut.“ Gewiß verursachen diese
diesem Ort sagen dürfen, er sei eine Kriege und Verfolgungen Leid. Aber
neue Schleuse des Himmels, von dem die Mächte der Finsternis, die von einer
aus die Gnaden auf die Erde fließen, unbeschreiblichen Eifersucht auf die
um die Seelen mit dem himmlischen menschlichen Geschöpfe besessen sind,
Leben zu nähren, dann eben wegen des setzen alles daran, um die Seelen von
Opfers, das auf dem Altar dargebracht Gott abzuwenden, um sie zu beschmut-
wird und eine Verlängerung, eine Er- zen und um ihnen das göttliche Leben
neuerung des Opfers auf Kalvaria ist. zu entreißen, das notwendig ist, um in
Ja, wir feiern heute das Priestersemi- den Himmel zu kommen. Es sind wah-
nar, das mit einer Kirche vollendet und re Abgründe, die den Glauben zer-
ausgezeichnet wird, die dem Unbe- stören! Und diese Kräfte haben es ge-
fleckten Herzen Mariens geweiht ist. schafft, in die Kirche einzudringen! Wie
Auch das ist der Wunsch Msgr. Lefebv- sehr also brauchen wir dieses Heilmit-
res. Und warum dem Unbefleckten tel des Himmels, ist es doch der Him-
Herzen Mariens? Wir meinen, daß man mel selbst, der uns diese besondere Ver-
diesen Titel im Lichte Fatimas sehen ehrung des Unbefleckten und Schmerz-
muß. Fatima ist ein Leuchtturm, ein haften Herzens Mariä schenkt.
Licht vom Himmel, das unsere Epoche Ja, Gott wollte diese Epoche, er woll-
erleuchtet, dieses Jahrhundert und te uns ein Herz zur Verehrung geben,
womöglich noch spätere Zeiten. Ein das Herz einer Mutter, das Herz der
Jahrhundert, das wegen seiner Moder- Muttergottes. Ein Herz, das ganz rein
nität gelobt wird, das aber in seiner Bar- und jungfräulich und von einer unaus-
barei, Grausamkeit, Bosheit und Entfes- sprechlichen Liebe erfüllt ist. Papst Pius
selung der Kräfte des Bösen alle ande- IX. sagt uns, daß kein geschaffener
ren übertrifft. In diesem Jahrhundert er- Geist das Gnadenmaß ermessen kann,
lebten wir die Weltkriege mit ihren das Gott Unserer Lieben Frau eingegos-
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Aus der Priesterbruderschaft

sen hat, und zwar vom ersten Augen- allerseligsten Jungfrau Maria und der
blick ihres Lebens an. Die allerseligste Päpste zu einem Rosenkranzkreuzzug
Jungfrau Maria ist die Besiegerin Satans. aufzurufen, im Geiste dieser Päpste, die
Sie zertritt ihm den Kopf, und zwar ge- gegen die Welt und den Geist der Welt
rade durch ihre Liebe, ihre Demut und gekämpft haben, welcher der beste Bun-
ihre Jungfräulichkeit, die bewirkt, daß desgenosse des Teufels ist. Beten Sie,
ihr ganzes Wesen Gott hingegeben ist. daß die Kirche aus dieser schrecklichen
Das Böse hat in ihr keinen Anteil. Es ist Krise herausfinde; daß wieder ihre erste
offensichtlich, daß Gott dieser bösen Sorge die Bewahrung und die Weiterga-
Zeit ein Gegenmittel als Medizin anbie- be des Glaubens sei, der Glaube, der ret-
tet, nämlich das Unbefleckte Herz Mari- tet und ohne den niemand gerettet wer-
ens. Dieses Herz gibt uns die Mittel für den kann. Ein Kreuzzug sagen wir, da-
den heutigen Kampf. mit die heilige Messe von neuem trium-
Die Kirche und in erster Linie die phiere und überall, in der ganzen Welt,
Päpste haben den Aufruf der Mutter- ohne Behinderung und ohne Angst von
gottes wiederholt. Es ist ein Aufruf zur allen Priestern gefeiert werden kann, die
Buße und zum Gebet, und zwar zum dadurch ihre wahre priesterliche Iden-
Rosenkranzgebet. „Betet den Rosen- tität finden werden. Denn die alte Mes-
kranz!“ wiederholen unablässig die se wurde niemals verboten und kann
Päpste Leo XIII., Pius XI., Pius XII. Es ist auch nicht verboten werden. Wie oft
das Mittel, um heute die Familien zu hei- konnten wir bei alten Priestern feststel-
ligen und geeint zu halten. Natürlich len, daß sie allein durch das Zelebrieren
geht es nicht um ein Rosenkranzgebet, der alten Messe, des Opfers, wofür sie ja
bei dem nur fünfzig Ave Maria abgebe- Priester sind, aus jener Depression her-
tet werden, sondern um eines, das man ausfanden, in die sie (durch die neue
betrachtend betet und dabei in die Ge- Messe) geraten waren.
heimnisse unseres Herrn und seiner Ja, es geht um einen Kreuzzug für
Mutter eindringt. Auch sagen diese den Triumph des Unbefleckten Her-
Päpste, daß uns dieses Gebet einlädt, zens. Diese neue Kirche möge ein be-
die Tugenden nachzuahmen, welche ständiger Aufruf sein für alle, die hier
wir betrachten. Ja, daß sich sogar durch vorbeikommen; ein Aufruf, daß es not-
die heilsame Kraft der betrachteten Ge- wendig ist, gerettet zu werden, um un-
heimnisse diese Tugenden in die Seele ser Ziel zu erreichen, für das wir ge-
des Rosenkranzbeters einprägen. schaffen sind; ein Aufruf zur Notwen-
Mehrere Päpste haben deutlich ihren digkeit des Gebetes, und zwar des Ro-
Willen bekundet, daß alle Christen täg- senkranzgebetes, das immer aktuell ist.
lich den Rosenkranz beten. Täglich! Alle Und schließlich, liebe Freunde, ist
Christen! Und so möchten wir die Gele- das heutige Fest auch eine Gelegenheit,
genheit dieses Festes und des Rosen- unserer Freude die Erinnerung an die
kranzmonates nützen, um im Geist der Bischofsweihe vor zehn Jahren hinzuzu-
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Aus der Priesterbruderschaft

fügen, an diese so kühne, heroische Tat der Glaubensfestigkeit wachsen lassen.


von Msgr. Marcel Lefebvre, denn ohne Aber auch die Priester und Sie, liebe
die Bischofsweihen wäre diese neue Gläubige, mögen in der Liebe zu Gott
Kirche überflüssig. Dank der Bischofs- wachsen, denn wir sind auf Erden, um
weihen konnten so viele Gnaden den Gott zu dienen, zu ehren und zu loben.
Seelen zugewendet werden, konnten so Dazu möge die Reinigung dieser Kirche
viele Priesterweihen gespendet werden. helfen; hier möge Gott verehrt und ver-
Dieser Tag sei wahrhaft ein Tag der herrlicht werden, verherrlicht durch die
Danksagung, ein Tag, an dem wir Gott Heiligung der Seelen und durch die
bitten, er möge zuallererst uns, die Eingießung einer immer glühenderen
Bischöfe, in der Liebe zu Gott und in Liebe in die Herzen der Priester. Amen.

Tradition 30 Jahre in Ecône


Am Gründonnerstag 1968 erfuhr Al- noud sowie Alphonse und Marcel Pe-
phonse Pedroni, ein junger Unterneh- droni den Kaufvertrag.
mer aus Saxon, daß die Stiftsherren vom Im Jahr darauf machte Erzbischof
Großen St. Bernhard Haus und Anwe- Marcel Lefebvre im Pfarrhaus von Fully
sen in Ecône, die sich seit 1302 in ihrem die Bekanntschaft des Rechtsanwalts
Besitz befunden hatten, zum Verkauf Roger Lovey. Im Verlauf der Begegnung
anboten. In diesem Gebäudekomplex kam das Gespräch auch auf Ecône. Erz-
hatten die Stiftsherren bis 1922 eine bischof Lefebvre hatte sich in jener Zeit
Landwirtschaftsschule unterhalten; da- einiger Seminaristen angenommen, die
nach diente das Anwesen dem Obst- vom Französischen Seminar in Rom als
und Gemüseanbau für die Kongregati- zu traditionell zurückgewiesen worden
waren. Da der Unterricht an der Univer-
on sowie als Ausbildungsstätte für jun-
sität Freiburg (Schweiz) in Philosophie
ge Kanoniker. Auch ein Hundezwinger
und Theologie noch gut war, setzten die
mit Bernhardinern gehörte zur Nieder-
Seminaristen dort ihre Studien fort.
lassung. Nun sollte sie ganz aufgegeben Doch der Erzbischof mußte feststellen,
werden. Für Alphonse Pedroni stand daß in Freiburg keine spirituelle For-
fest, daß Ecône nicht in weltliche Hände mung stattfand. „Sie brauchen eine Art
fallen sollte, und er organisierte eine Noviziat“, sagte er zu Rechtsanwalt
Rettungsaktion. Am 31. Mai 1968, dem Lovey. „Warum nicht in Ecône?“ fragte
Fest Mariä Königin, unterzeichneten dieser. Die abgeschiedene Lage Ecônes
Gratien Rousis, Roger Lovey, Guy Ge- schien dem Erzbischof verlockend.
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Aus der Priesterbruderschaft

Ein Bild aus alten Tagen:


Ecône, als es noch den Stiftsherren
vom Großen St. Bernhard gehörte.

Am 6. Juni 1969 traf sich


Erzbischof Lefebvre auf Anre-
gung seiner Freiburger Freun-
de mit Msgr. Charrière, dem
Bischof von Freiburg; im Ver-
lauf der Unterredung ermu-
tigte ihn dieser, in Freiburg
ein Haus zu errichten. Daraufhin öffne- sammen, besichtigte Ecône und faßte
te am 13. Oktober 1969 das „Internatio- den Entschluß, dort ein Haus für den
nale Konvikt St. Pius X.“ seine Pforten, Spiritualitätsjahrgang einzurichten.
dessen Leitung Mgr Lefebvre persönlich Msgr. Nestor Adam, Bischof von Sitten,
übernahm. erteilte im Juni 1970 diesem Projekt sei-
Da sich für den Jahrgang 1970/71 ne Approbation.
weitere Kandidaten ankündigten, such- In den folgenden Jahren (1971-1972)
te der Erzbischof nach einem anderen wurde mit Erlaubnis von Bischof Adam
Haus, in dem die Seminaristen ein Spiri- und dank der Mitarbeit des Kanonikers
tualitätsjahr durchlaufen sollten, bevor René Berthod der erste Jahrgang Philo-
sie mit den Studien an der Universität sophie eingerichtet. Bald wurde das alte
begannen. So kam er am 22. Mai 1970 Haus „St. Bernhard“ zu klein, immer
wiederum mit Rechtsanwalt Lovey zu- mehr Kandidaten baten um Aufnahme.

Da das Seminar
rasch wächst,
müssen in den
Jahren 1971-73
nacheinander
drei neue
Gebäude errich-
tet werden.
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Aus der Priesterbruderschaft

So wurden in den Jahren 1971 bis 1973 großem Querschiff. 20 Jahre lang mußte
nacheinander die Gebäude St. Pius X., dieses Bauprojekt auf seine Verwirkli-
St. Thomas und hl. Pfarrer von Ars er- chung warten, bis endlich von den Ge-
baut und schließlich die Lagerhalle in meinden Saxon (23. Dezember 1994)
eine Kapelle umgewandelt. Diese konn- und Riddes (12. Januar 1995) die Bauge-
te und sollte jedoch nur ein Provisorium nehmigung erteilt wurde. Am 16. Janu-
sein. Daher setzte sich Erzbischof Lefeb- ar 1995 begann man mit dem Entfernen
vre 1975 mit dem Architekten Felix Por- der Weinstöcke. Der Grundstein konnte
cellana aus Lausanne zusammen und am 1. November 1995, dem 25jährigen
gemeinsam entwarfen sie die Pläne für Jubiläum der Priesterbruderschaft, von
eine große Kirche in romanischem Stil ihrem Generaloberen Mgr. Bernard Fel-
in Form eines lateinischen Kreuzes mit lay gelegt werden.

Blick auf das Seminar. Rechts im Vordergrund die Seminargebäude, links die neue Kirche. Das
kleine Bild unten links zeigt den Beginn der Bauarbeiten an der Seminarkirche.

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Aus der Priesterbruderschaft

Sakristei

Blumenraum

Querschiff der Altar Querschiff der


Seminaristen Seminaristen

Kreuzgang Kreuzgang
der Gläubigen der
Für die Gläubigen Schwestern
bestimmtes Haupt-
schiff der Kirche

Vorhalle

Portalvorbau

Vorhalle

Die neue Seminarkirche besteht aus drei Elementen auf zwei Ebenen: Der oberen Kirche mit
einem Hauptschiff, das 350 Gläubigen Platz bietet, und einem Querschiff für 140 Seminari-
sten und Priester, sowie einer Sakristei, einem Blumenraum und einem Glockenturm; dem
Untergeschoß mit einer Vorhalle, in der Bücher ausgestellt und verkauft werden, einem Kreuz-
gang für die Gläubigen, einer Krypta mit sechs Seitenaltären, einer kleinen Grabkapelle, Kell-
erräumen sowie Räumlichkeiten für sanitäre und technische Anlagen; und einem Gebäude für
die Schwestern mit 13 Zimmern, einem Kreuzgang mit Klausur, einem Sprechzimmer, einem
Refektorium, einer Küche und anderen Wirtschaftsräumen. Aus dem oben abgebildeten Grun-
driß ist das Untergeschoß zum Teil ausgeblendet. Er zeigt den Oberteil der Kirche mit den auf
tieferer Ebene gelegenen Anbauten, jedoch nicht die Räumlichkeiten, die sich direkt unter
Haupt- und Querschiff befinden.
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Aus der Priesterbruderschaft

Firmreise mit S.E. Msgr. Richard Williamson

Dankbar und froh wahren zahlreiche drücken, so daß er sich der Aufmerk-
Gläubige, die im Verlauf der herbstli- samkeit seiner Zuhörer(innen) gewiß
chen Firmreise in Deutschland die An- sein konnte.
wesenheit von S.E. Weihbischof Richard Diese Aufmerksamtkeit war auch bei
Williamson im eigenen Priorat bzw. der dem nachmittäglichen kurzen Vortrag
eigenen Kapelle erfahren und ihn viel- zu spüren, der ursprünglich nicht vor-
fach sogar persönlich begrüßen konn- gesehen war. Doch einige Schülerinnen
ten. hatten selbst spontan – vielleicht war es
Nach der Ankunft des Bischofs aus auch ein Komplott, um einen Vorwand
Amerika auf dem Flughafen in Frank- zu finden, den Bischof um ein Stück am
furt gab es zunächst eine Zwischenstati- Klavier zu bitten – um einen Vortrag ge-
on in Hattersheim, wo der Bischof sich beten, und so fand sich die Schüler-
erholen und für die weitere Fahrt stär- schaft einschließlich einiger Eltern für
ken konnte. Die Ankunft in der Schule eine halbe Stunde am Nachmittag zu-
in Schönenberg gestaltete sich herzlich, sammen. Als sich der Bischof auf den
indem die Mädchen alle zusammenka- abschließenden Wunsch einer Schülerin
men und den Würdenträger mit Gesang hin auch noch bereit fand, ein Stück auf
begrüßten. Zwar machte das Wetter dem Klavier zu spielen (1. Satz der
dem Namen von Schönenberg nicht ge- Mondscheinsonate; wann erlebt man
rade Ehre, aber S. Exzellenz, der ein her- schon einen Bischof, der Klavier spielt?),
vorragender Musikkenner ist (mit Vor- war die Begeisterung kaum mehr zu
liebe für Beethoven und Wagner), bremsen...
schätzte die musikalische Umrahmung Die nächste Station war das Don-
seines Aufenthaltes so sehr, daß er allein Bosco-Gymnasium in Diestedde, wo die
aus diesem Grunde gerne länger geblie- Firmung am Sonntag stattfinden sollte.
ben wäre: „Wo man singt, da laß Dich Zur Begrüßung kamen alle Schüler zu-
nieder“. sammen, wobei P. Weigl und der Schul-
Das Amt am folgenden Tag wurde sprecher einige Worte des Willkommens
pontifiziert, was vor allem den Priestern an den Bischof richteten. Danach ging es
aus Bonn einschließlich der gut einge- – liturgisch korrekt – in die Kapelle, wo
übten Ministrantengruppe des dortigen nach Intonation der entsprechenden Ge-
Priorates zu danken war, die Pontifi- sänge der Bischof den Schülern den Se-
kalämter schon öfter souverän gemei- gen erteilte.
stert hatten. Die Predigt war eine Ermu- Die Predigt vor der Spendung des
tigung zur Treue im Glauben und reli- Firmsakramentes betonte die Notwen-
giösen Praxis, gewürzt mit einigen ihm digkeit, auch gegen den Strom schwim-
ganz eigenen Beispielen und Aus- men zu können. Monseigneurs kritische
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Aus der Priesterbruderschaft

S.E. Msgr. Williamson bei


der Glockenweihe in
Kleinwallstadt

Haltung zur Technik zeigte sich darin, sowohl Zeitung als auch Radio berich-
daß er das Motto „Weg mit dem 20. teten sachlich darüber. – Schön war die
Jahrhundert“ gleich in die Tat umsetzte, Beteiligung der Gemeinde und Bekann-
indem er das Mikrofon vom Zeremoni- ten am abschließenden Abendessen un-
ar wegtragen ließ. Die Backenstreiche ter dem Vorsitz des Bischofs, den man-
verteilte er mit solchem Schwung, daß che noch aus der Zeit kannten, da er als
die Schüler hell begeistert waren, be- Priester im deutschen Sprachraum öfter
sonders weil einer der Lehrer gefirmt Exerzitien gepredigt hatte.
wurde... Eine weitere Weihe einer Kir-
An den nächsten beiden Tagen, chenglocke schloß sich gleich am Diens-
Montag und Dienstag, sollten jeweils tag an, diesmal mit darauffolgendem
Glocken geweiht werden. Daher führte Hochamt, und zwar in Reutlingen, wo
der Saal unter der neuen Kirche inzwi-
die Fahrt zunächst nach Kleinwallstadt
schen fertig eingerichtet ist und als pro-
in der Nähe von Miltenberg (Franken).
visorische Kapelle dient, bis der Innen-
Die Zeremonie fand am Nachmittag bei
ausbau des Kirchenraumes vollendet
unsicherem Wetter statt, doch gedulde-
sein wird. Zwar war die Glocke diesmal
te sich der Himmel bis zum Ende der
verhältnismäßig klein (250 kg), aber der
Weihehandlung, ehe es regnete. Nicht Besuch des Bischofs war für die Ge-
nur die entstehende Kirche in Klein- meinde ein besonderer Höhepunkt: Es
wallstadt ist ein Glücksfall, sondern war der erste Besuch eines Bischofs seit
auch die Tatsache, daß diese drei der Eröffnung des Gottesdienstraumes
Glocken (aus dem Nachlaß eines ver- in Reutlingen durch S.E. Msgr. Lefebvre
storbenen Pfarrers) kostengünstig er- im Februar 1978. So Gott will, wird im
worben werden konnten. Ansonsten nächsten Jahr ein weiterer Besuch statt-
hätte man, wenigstens vorläufig, keine finden, nämlich für die Konsekration
Glocken angeschafft. Diese Weihe wur- der Kirche. Sehr nett war der Empfang
de von der Öffentlichkeit viel beachtet, durch die Kinder, die am Eingang der
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Aus der Priesterbruderschaft

Kirche den Bischof mit einem Lied (auf Bischof im Vorbeifahren die in Bau be-
die Melodie von ‘O when the saints’) findliche Kirche in Augenschein, die
begrüßten. äußerlich bereits ihre endgültigen For-
Am folgenden Tag wurde die wohl men angenommen hat. Daß die Ge-
größte Gruppe von Firmlingen im Ver- meinde mit viel Eigenleistung und im
lauf dieser Reise in Rheinhausen ge- wesentlichen eigenen Mitteln dies voll-
firmt. Rechtzeitig zu diesem Besuch bringen konnte, zeugt von Glauben
war die Verschönerung des Altarrau- und Opfergeist. – Firmung und Hoch-
mes fertig geworden, die den Altar mit amt waren würdig umrahmt von einer
einem passenden Hintergrund versieht gut besetzten Schola. Im Rahmen eines
und aus dem begrenzten Raum das Stehempfanges konnten nach der hl.
Bestmögliche macht. S. Exzellenz führte Messe diejenigen, die es wünschten,
in der Predigt aus, daß wir für die auch ein persönliches Wort mit S. Exzel-
Wahrheit kämpfen müssen, aber nicht lenz wechseln. – Die anschließende
irgendwie, sondern hierbei die Ord- Übernachtung war im Priorat in Göffin-
nung der Liebe zu beachten hätten, gen. Den Schwestern hielt S. Exzellenz
denn Gott ist der Urheber von beidem. am fogenden Vormittag vor der Weiter-
– Anschließend waren Firmlinge und fahrt nach Zeitzkofen noch einen Vor-
Familien zum gemeinsamen Essen im trag. Offenbar wurden viele Fragen ge-
Saal des Priorates eingeladen, wo es ne- stellt, denn der Vortrag dauerte weit
ben einer guten Mahlzeit auch einige über die Zeit; die klosterübliche
musikalische Darbietungen und ein Ge- Schweigsamkeit konnte danach wieder
dichtlein von den Kleinen gab. einkehren...
Obwohl die Gemeinde in Memmin- Einer der Höhepunkte dieser Reise
gen weniger Firmlinge hatte, war doch war dann sicher die Einweihung der
der Empfang des Bischofs nicht weni- neuen Kirche in Nürnberg-Zirndorf un-
ger herzlich. Vor der Firmung nahm der ter Assistenz von Priestern und Semina-

In Reutlingen steht die


Glocke
festlich geschmückt
zur Weihe bereit.
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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 11

Aus der Priesterbruderschaft

S.E. Msgr. Richard Williamson


erteilt am Ende des Pontifikalam-
tes, das im Anschluß an die Kir-
chenbenediktion in Zirndorf
gefeiert wurde, den Segen.

Der in neugotischem Stil aus


Eichenholz gefertigte Altar der
Kirche in Zirndorf stammt aus
Holland.

Der frühere Betsaal der


Neuapostolischen Kirche
in Zirndorf wurde in eine
Kirche in neugotischem
Stil umgewandelt.
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Aus der Priesterbruderschaft

Der neue Altar der Kirche


St. Michael des
Priorates Rheinhausen.

einen Bischof der Bruder-


schaft sahen. Daß es 5 Er-
wachsenenfirmungen gab
und von diesen wiederum 2
erst kürzlich getauft wurden,
zeigt ein wenig die Besonder-
heit dieser Stadt an, die einer-
seits als multikulturell und
risten aus Zaitzkofen. Die Kapelle in multireligiös gilt, andrerseits immer ei-
Nürnberg war von Herrn Schlüter von nen aktiven Katholizismus pflegte. Die
Zaitzkofen aus gegründet und seither Zeremonie selbst wurde von einer gut
auch vom Seminar aus betreut worden. eingeübten Schar von Ministranten voll-
Nachdem ein Gottesdienstgebäude der zogen, die an diesen Besuch noch lange
Neuapostolischen Gemeinde preisgün- zurückdenken werden. Man merkte es
stig erworben werden konnte, begann dem Bischof an, daß er sich für diese
im Januar 1998 der Aus- und Umbau, Stadt interessierte, die er schon einmal
der zügig durchgeführt wurde. Es ent- als Germanistik-Student besucht hatte.
standen ein sehr schöner und sakraler Es fehlte, auch in Anbetracht des 50jähri-
Kirchenraum, in den Kirchenfenster gen Jubiläums der Berliner Blockade, nur
und Altar eingebaut werden konnten, noch der Satz: „Ich bin ein Berliner...“
die bereits älteren Datums sind und aus Daß das Priorat und Distriktssitz St.
Holland stammen. Für eine zukünftige Athanasius in Stuttgart einen würdigen
Priesterwohnung wurde aufgestockt, Rahmen bildeten, um die Reise zu be-
so daß im Prinzip ein kleines Priorat schließen, braucht schließlich fast nicht
entstanden ist. Beten wir, daß es bald mehr erwähnt zu werden. Unzähligen
möglich sein wird, einen ständigen Gläubigen vermittelte die persönliche
Priester vor Ort zu entsenden. Begegnung mit dem Bischof Mut und
Die letzten Stationen der Reise wa- Kraft, zu ihren Überzeugungen und zum
ren Berlin und Stuttgart, von wo aus katholischen Glauben auch in schwieri-
der Bischof wieder nach Winona (Prie- ger Zeit treu zu stehen.
sterseminar) in den USA zurückflog.
Berlin, das in bezug auf die übrigen Pri-
orate der Bruderschaft in Deutschland
eher abgelegen ist, war einer jener Orte,
die seit sehr langer Zeit zum ersten Mal
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Aus der Priesterbruderschaft

Fürther Nachrichten:

Eine Heimstatt für die „Ausgestoßenen“


Betsaal der Neuapostolischen Gemeinde wurde ausgebaut - In Gegensatz zur
Amtskirche

Zirndorf – In der Bibertstadt gibt es muniziert wurde. Hatte er allerdings


seit kurzem zwei katholische Gottes- vorher Priester und Bischöfe geweiht,
häuser, ein Umstand allerdings, über waren diese Weihen gültig und diese
den die Kirchenoberen alles andere als Priester können formell weiter alle
glücklich sind. In den früher von der kirchlichen Handlungen vornehmen.
Neuapostolischen Kirche genutzten Dekan Webert betont allerdings, daß
Bau in der Angerzeile zog nämlich nach sich diese Priester und auch die ihnen
grundlegender Umgestaltung der anhängenden Gläubigen „eindeutig ge-
„Deutsche Distrikt“ der „Vereinigung
gen den Willen der Kirche stellen“ und
St. Pius X.“ ein, die Gefolgschaft des
natürlich gewärtig sein müssen, in Kir-
von der katholischen Amtskirche aus-
chenzucht genommen zu werden. Erzbi-
gestoßenen und 1991 verstorbenen fran-
schof Lefebvre war ja, so Webert, zuletzt
zösischen Erzbischofs Marcel Lefebvre.
exkommuniziert, und wer jetzt in seiner
Eine kirchliche Weihe erhielt das Nachfolge sei, „zieht sich möglicherwei-
Gotteshaus – als Kirche „Unbefleckte se dieselben Konsequenzen zu“.
Empfängnis“ – allerdings. Vorgenom-
Grund des Zwistes zwischen Heili-
men hat sie Bischof Richard Williamson
aus Großbritannien, ein Gefolgsmann gem Stuhl und den Anhängern von Erz-
Lefebvres, unter Assistenz anderer Prie- bischof Lefebvre ist die Weigerung die-
ster der deutschen St. Pius X.-Vereini- ser „Traditionalisten“, die gesamten Er-
gung („Priorat St. Athanasius“) – und gebnisse des zweiten Vatikanischen
diese Weihe ist für die Amtskirche sogar Konzils (1962 bis 1965 in St. Peter) an-
gültig, obwohl sie nach Auskunft des zuerkennen. So lehnten sie die Öffnung
heimischen katholischen Dekans Alfons der Kirche zur „Welt“ hin ab, wandten
Webert natürlich weder vom Heiligen sich gegen ökumenische Bestrebungen
Stuhl noch vom erzbischöflichen Ordi- und „Vermischung“ mit anderen Kir-
nariat in Bamberg „gewünscht“ war, ja chen, bekämpften „Progressivität“ und
sogar heftig „abgelehnt“ wird. „Dialog“.
Grund für diese verzwickte Lage Äußeres Zeichen des Willens der
sind die Lehren über das Priestertum in Lefebvre-Anhänger, „die Glaubensin-
der katholischen Kirche. Erzbischof Le- halte wie vor dem zweiten Vatikanum
febvre hat sich nach dem zweiten Vati- behalten“ zu wollen, ist besonders die
kanischen Konzil zwar gegen die Amts- Feier der Messe in alter Form. Da wird
kirche gestellt und den Zwist dann so- nicht nur die lateinische Sprache beibe-
weit eskalieren lassen, daß er exkom- halten, sondern der Priester ist auch
13
MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 14

Aus der Priesterbruderschaft

nicht der Gemeinde, sondern dem Altar teshaus völlig aus eigenen Mitteln – al-
zugewandt. so fast allein aus Spenden – einzurich-
ten hatte. Und das war kein leichtes Un-
terfangen.
Die Messe wird noch in alter
Der frühere Betsaal der Neuaposto-
Form gefeiert lischen Kirche in der Angerzeile war ja
Bruderschaft lehnt die „Modernisierun- nur ein mit Flachdach versehener Kir-
gen“ des zweiten Vatikanischen Konzils chenraum ohne Möglichkeit liturgi-
ab – In der Region soll es rund 200 An- scher Handlungen und mit kleinen Ne-
hänger geben benräumen. Deswegen wurde dem Bau
nun ein Satteldach mit Dachreiter auf-
Dabei betont man in der Vereini- gesetzt und eine Apsis für den Altar an-
gung „St. Pius X.“, daß man alles ande- gebaut. Die Nebenräume wurden auf-
re denn die Gründung einer eigenen gestockt, so daß nun auch nach außen
Kirche anstrebt. Man wolle lediglich die der Bau als Gotteshaus zu erkennen ist.
Möglichkeit, seinen Glauben innerhalb Auch im Inneren schuf man sich ei-
der Kirche leben zu können. So sagt Pe- nen „traditionellen“ Kirchenraum. Der
ter Farrenkopf aus Stein, Vertrauens- Altar wurde im neugotischen Stil aus
mann der Vereinigung in unserem Eichenholz geschaffen.
Raum, die Kirche würde unter ihrem Peter Farrenkopf beziffert die Ge-
Schutz ja verschiedensten Glaubens- meinde, die das Gotteshaus künftig
richtungen Raum geben, nur „mit gren- nutzen wird, auf rund 200 Mitglieder
zenlosem Rigorismus“ gehe sie gegen im Ballungsraum. Ob man mit der hie-
die Anhänger der traditionalistischen sigen Gemeinde St. Josef allerdings in
Gottesdienstform vor. Dabei geht nach „gute Nachbarschaft“ kommen werde,
Farrenkopfs Ansicht diese Gegner- ist für ihn unwahrscheinlich.
schaft nicht einmal betont vom Heili-
gen Stuhl aus, sondern von Bischöfen in Adamwalter Wieserner
verschiedenen Ländern, „und da steckt
(Fürther Zeitung vom 4. Dezember
viel Politik dahinter“.
1998)
Auch die Exkommunizierung des
Erzbischofs Lefebvre hält er für „strit-
tig“ und als „Meinung, die nicht vom
Kirchenrecht gedeckt“ ist. Trotzdem
will die katholische Amtskirche mit die-
sem neuen Kirchbau in Zirndorf nichts
zu tun haben und distanziert sich strikt
von Bau und Weihe.
Für die Vereinigung St. Pius X. be-
deutet dies vor allem, daß sie ihr Got-
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Verschiedenes

Die „Saatkörner der Wahrheit“ in den


nichtchristlichen Religionen
von P. Matthias Gaudron

Trotz einiger konservativer Entschei- wegs der Hl. Schrift. Nach dieser sind
dungen, die Papst Johannes Paul II. in die anderen Religionen ein Abfall von
letzter Zeit gefällt hat, hält er an seinem der wahren Religion, die den Menschen
Lieblingsthema Ökumenismus ungebro- am Beginn der Schöpfung durch die Ur-
chen fest. Dies kann man der Ansprache offenbarung gegeben wurde. Wenn sie
bei der Generalaudienz am 9. Septem- auch noch manches Wahre enthalten -
ber 1998 entnehmen. Hierin erklärt der natürliche Wahrheiten oder Reste der
Papst, wie er sich die Entstehung der Uroffenbarung - so ist dieses doch im
verschiedenen Religionen vorstellt. Gesamtzusammenhang entstellt und
Zunächst betont er, daß es ein Anlie- verfälscht. Die anderen Religionen sind
gen seines Pontifikates sei, immer wie- darum schlecht und führen nicht zu
der an die von den Kirchenvätern her- Gott; vielmehr sind die Götzendiener
kommende Lehre von den „Saatkörnern ein Greuel in den Augen Gottes. Der hl.
des Wortes“ in den verschiedenen Reli- Paulus sagt ganz klar: „Was die Heiden
gionen zu erinnern. Dann sagt er: „Vor opfern, opfern sie den Dämonen und
allem müssen wir uns vergegenwärtigen, nicht Gott“ (1Kor 10,20).
daß alles Suchen des menschlichen Geistes Die Worte des Papstes ähneln aber in
in Richtung auf die Wahrheit und das Gute erschreckender Weise der Vorstellung,
und letzten Endes auf Gott hin vom Heili- die die Modernisten von der Entste-
gen Geist angeregt ist. Gerade aus dieser ur- hung der Religion haben. Wie Papst Pi-
anfänglichen Öffnung des Menschen Gott us X. in seiner Enzyklika Pascendi
gegenüber entstehen die verschiedenen Reli- schreibt, lehnen die Modernisten eine
gionen. Nicht selten finden wir an deren Be- äußere Offenbarung ab. Der Glaube
ginn Gründer, die mit der Hilfe des Geistes steigt vielmehr aus dem Inneren empor.
Gottes eine tiefere religiöse Erfahrung ge- Es sind die religiösen Gefühle und Er-
macht haben. An andere weitergegeben, hat fahrungen, die am Beginn der Religion
diese Erfahrung Form angenommen in den stehen und die dann, wegen des Bedürf-
Lehren, den Riten und den Vorschriften der nisses die Religion auch äußerlich zu
einzelnen Religionen“ (Zitate nach OR dt. betätigen, ihren Ausdruck in verschie-
vom 18. 9. 1998 - Hervorhebungen vom denen Riten und Vorschriften finden.
Verfasser). Genau so beschreibt der Papst es: Am
Die Art und Weise, wie hier die Ent- Beginn der Religion finden sich Grün-
stehung der verschiedenen Religionen der, die „eine tiefere religiöse Erfahrung
beschrieben wird, entspricht keines- gemacht haben. An andere weitergege-
15
MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 16

Verschiedenes

ben, hat diese Erfahrung Form ange- und ausdrücklich keinen Sohn hat, ist
nommen in den Lehren, den Riten und nicht der wahre Gott.
den Vorschriften der einzelnen Religio- Nun sagt der Papst aber leider aus-
nen.“ drücklich, daß das Wirken des Heiligen
Einen gewissen Unterschied kann Geistes in den anderen Religionen sich
man noch darin finden, daß der Papst nicht nur auf einzelne Personen, son-
diese religiösen Erfahrungen der Hilfe dern auch auf die Religion als solche be-
des Heiligen Geistes zuschreibt, aber zieht: „Die Gegenwart und das Han-
man kann sich fragen, ob das die Sache deln des Geistes berühren - wie ich in
weniger schlimm macht, sagt der Papst der Enzyklika Redemptoris missio ge-
doch damit implizit, daß der Heilige schrieben habe - nicht nur einzelne Men-
Geist auch andere Religionen gestiftet schen, sondern auch die Gesellschaft
hat. und die Geschichte, die Völker, die Kul-
In den Worten des Papstes findet turen, die Religionen.“ Daher nennt der
sich eine totale Konfusion in bezug auf Papst hier auch das Gebetstreffen von
die notwendige Unterscheidung der Re- Assisi und andere Treffen dieser Art Er-
ligion als solcher und den Mitgliedern eignisse „von großer geistlicher Inten-
der Religionen. Es ist ja wahr, daß ein- sität“.
zelne Menschen in den falschen Religio- Man könnte die Gedanken des Pap-
nen zu einer wahren Gottesbegegnung stes als die Ideen eines Mannes bezeich-
finden können, denn sonst könnte kei- nen, der ohne Blick auf die Offenbarung
ner von ihnen gerettet werden. Eventu- und die Wirklichkeit ein Gedankenge-
ell können sie diese Erfahrung auch an bäude errichtet, ein „Wolkenkuckucks-
andere weitergeben, aber das ist dann heim“, wie man umgangsprachlich
immer trotz der falschen Religion. Nicht sagt. Rein theoretisch könnte man sich
die falsche Religion führt die Menschen ja vielleicht vorstellen, daß die Gründer
zu Gott, sondern es ist der Heilige Geist, der verschiedenen Religionen Reste der
der durch eine besondere Gnaden- Uroffenbarung aufgriffen, mit Hilfe des
führung bewirkt, daß einzelne Mitglie- Heiligen Geistes zu einer wahren Got-
der der falschen Religionen sich nicht tesbegegnung fanden und zu dieser
derart in dem falschen Gottesbild ihrer dann auch andere führten. Somit hätten
Religion verhärten, daß eine wahre wir dann Religionen, die zwar die Drei-
Gottesbegegnung unmöglich wird. Von faltigkeit und Christus noch nicht ken-
sich aus kann die falsche Religion nicht nen, sich aber doch an den wahren Gott
zu Gott führen, da sie den wahren Gott wenden würden.
nicht kennt. Der Gott der Mohammeda- Die Wirklichkeit sieht anders aus.
ner z.B., der befiehlt, die Christen zu tö- Zunächst belehrt uns die Hl. Schrift,
ten, der dem Mohammed erlaubt, die daß die Schwäche des Menschen durch
Frau eines anderen zu nehmen, der ein die Erbsünde so groß und die Ver-
Paradies sinnlicher Freuden verspricht führung durch den Teufel so stark ist,
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Verschiedenes

daß nur im Volk Israel die wahre Religi- man schon rein äußerlich ansieht, wer
on bewahrt wurde. Außerhalb Israels sie inspiriert hat, und die mit aus-
findet sich höchstens bei einzelnen Per- schweifenden, abscheulichen Kulten
sonen eine wahre Gottesbeziehung, et- verehrt werden? Es ist nicht ehrlich,
wa bei Melchisedech, Job u.a. Die Öku- wenn man seit dem II. Vatikanum im-
meniker können daher ja auch nie ein mer nur die wenigen richtigen Punkte,
einziges Schriftzitat für ihre Ideen an- die sich in diesen Religionen finden, be-
führen. tont, die zahllosen Irrtümer aber ver-
Dies bestätigt auch der Blick auf die schweigt.
Wirklichkeit. Wenn die Gedanken des Die Rechtfertigung des Nichtchri-
Papstes richtig wären, müßte man über- sten beschreibt der Papst dann auch in
all Religionen finden, die ein einiger- einer Weise, die keineswegs der katholi-
maßen richtiges Gottesbild haben, die schen Theologie entspricht. „Normaler-
Tugenden predigen, die Laster geißeln weise ‘antworten die Anhänger anderer
und den Menschen zu einem guten Le- Religionen immer dann positiv auf
ben aneifern. So stellt es das Konzil Gottes Einladung und empfangen sein
auch dar. In Wirklichkeit aber predigt Heil in Jesus Christus, wenn sie in ehrli-
z.B. der Islam den Haß und die Sinn- cher Weise das in ihren religiösen Tradi-
lichkeit. Er erlaubt die Lüge, wenn man tionen enthaltene Gute in die Tat umset-
damit dem Islam dienen kann und ver- zen und dem Spruch ihres Gewissens
spricht jedem das Heil, der nur bekennt, folgen’“. Der Papst zitiert hier die In-
daß Allah Gott ist und Mohammed sein struktion Dialog und Verkündigung des
Prophet, gleichgültig was für ein Leben Päpstl. Rates für den interreligiösen
er führt. Eine wahre Beziehung zu Gott Dialog vom 19. Mai 1991. Nun genügt
wird im Islam auch gar nicht gesucht, es aber keinesfalls für die übernatürli-
denn das Paradies besteht hier im Ge- che Rechtfertigung eines Heiden, daß er
nuß sinnlicher Freuden und nicht in der irgend etwas Gutes, das sich in seiner
Anschauung Gottes. Kann man im Religion findet, in die Tat umsetzt. Um
Ernst glauben, daß Mohammed „mit gerettet zu werden genügt nicht ein
der Hilfe des Geistes Gottes eine tiefere natürlich gutes Leben, sondern es be-
religiöse Erfahrung gemacht“ hat, die darf des Glaubens und der Gnade. Es ist
dann im Islam „Form angenommen“ nicht möglich, im Rahmen dieses Arti-
hat? Oder was ist mit dem Buddhismus, kels alle Fragen zu erörtern, die sich in
der eine atheistische Religion ist, der die diesem Zusammenhang stellen, aber
Selbsterlösung mit dem Eingehen ins fest steht, daß dies nur durch eine be-
Nirwana, ins Nichts lehrt? Was ist mit sondere Gnadenführung des Heiligen
dem Hinduismus, seiner Lehre vom Geistes möglich ist. Dieses Wirken des
Karma und der Wiedergeburt, seinem Heiligen Geistes kann vielleicht an ge-
menschenverachtenden Kastenwesen? wisse in den falschen Religionen enthal-
Was ist mit all den heidnischen Religio- tene Wahrheiten anknüpfen, ist aber
nen, deren scheußlichen Götzenbildern letztlich unabhängig von diesen, ja wird
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Verschiedenes

an sich von diesen Religionen behindert In diesem Zusammenhang sei noch


und nicht unterstützt. Daher versteht darauf hingewiesen, daß die seit dem II.
man, daß Pius IX. den folgenden Satz Vatikanum immer wieder aufgestellte
verurteilte: „Wenigstens guter Hoff- (und auch in dieser Rede sich findende)
nung muß man sein in bezug auf das These, alle Religionen seien Ausdruck
ewige Heil derjenigen, die sich über- der Suche nach der Wahrheit und nach
haupt nicht in der wahren Kirche Chri- Gott, falsch ist. Wer eine Religion be-
sti befinden“ (17. Satz des Syllabus). kennt, der sucht nicht nach der Wahr-
Die naive, wirklichkeitsfremde Be- heit, sondern glaubt, sie gefunden zu
trachtungsweise der falschen Religio- haben. Jede Religion hat ein gewisses
nen führt dann zu der Beteuerung, daß Lehrsystem, das den Anspruch nach
„die Haltung der Kirche und der einzel- Wahrhaftigkeit in sich trägt. Erst wenn
nen Christen den anderen Religionen jemand an seiner Religion irre gewor-
gegenüber von aufrichtiger Hochschät- den ist oder zumindest anfängt, an ihrer
zung und tiefer Sympathie geprägt“ ist. Wahrheit zu zweifeln, macht er sich auf
Eine solche Aussage ist eine Ungeheuer- die Suche nach der wahren Religion.
lichkeit. Wie ist es für einen Christen Wenn aber heute die Nichtchristen von
möglich, den Islam, den Buddhismus, den höchsten Würdenträgern der katho-
das Heidentum hochzuschätzen? Wir lischen Kirche immer wieder aufgefor-
sollen die Mohammedaner, die Buddhi- dert werden, in immer größerer Treue
sten, die Heiden usw. lieben, aber nicht zu ihren religiösen Traditionen zu leben,
den Islam, den Buddhismus oder das so ist dies eine Aufforderung, dem Chri-
Heidentum. Und wenn man die Nicht- stentum fernzubleiben und damit ein
christen wahrhaft liebt, dann möchte Verrat am Missionsauftrag Christi.
man sie zur Wahrheit führen und nicht Wie immer, wenn es um dieses The-
in ihren falschen Religionen belassen. ma geht, finden sich in der Ansprache
Es stimmt daher auch nicht, wenn nur Zitate aus dem II. Vatikanum, den
der Papst sagt, diese Haltung der Hoch- eigenen Enzykliken und Reden sowie
schätzung der anderen Religionen sei nachkonziliaren Dokumenten. Die von
„weit davon entfernt, sich der Verkün- Johannes Paul II. vorgetragene Lehre ist
digung des Evangeliums entgegenzu- eben eine neue Lehre, die dem, was die
stellen“. Die Tatsachen beweisen, daß Kirche immer lehrte, radikal entgegen-
das endlose Dialogisieren zum fast voll- gesetzt ist.
ständigen Zusammenbruch der Mission
geführt hat. Besonders der Islam wertet
die Dialogbereitschaft der Christen als
Eingeständnis dafür, daß sie von der
Wahrheit ihrer eigenen Religion nicht
überzeugt seien, was ja faktisch in vie-
len Fällen auch nicht ganz falsch ist.

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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 19

Verschiedenes

Die kopernikanische Wende


Die Kirche und das neuzeitliche Wissenschaftsverständnis1

Teil 1: Kopernikus
von Robert Mildenberger

Vorwort mittelalterliche Weltbild der Christen-


heit mit der Erde als Zentrum des Uni-
versums aus den Fugen — doch die In-
Die Annahme des Frauenburger
quisition hatte von dem epochalen Um-
Domherrn2 Nikolaus Kopernikus3, daß
sturz kaum Kenntnis genommen.
die Erde um die unbewegliche Sonne
Womöglich waren die Glaubenswächter
kreist, gilt heute zugleich als entschei-
dender Durchbruch des neuzeitlichen des heiligen Offiziums blind geworden
Weltbildes und seit der Verurteilung für die Naturwissenschaften, die in den
Galileis wegen Kopernikanismus als be- vorangegangenen 1000 Jahren keinerlei
schämendste Kompromittierung der nennenswerten Fortschritt gemacht hat-
katholischen Wissenschaft. Trotz der ten.” (ebd. 89). Mit diesem Zitat gibt das
Entfernung von Kopernikus’ Haupt- Hamburger Nachrichtenmagazin das
werk „De revolutionibus4” und Galileis säkulare Durchschnittsbewußtsein in
„Dialogo dei massimi sistemi” vom In- vorbildlicher Weise wieder.
dex (18225 und 18356), trotz der feierli-
chen Rehabilitierung Galileis durch Jo- A. Inhalt der kopernikanischen These
hannes Paul II. am 31.10.1992 sind die Die Indexkongregation unter Vorsitz
Gegner der Kirche nicht zufriedenzu-
des hl. Robert Bellarmin reduzierte die
stellen. So konnte noch in diesem Som-
Annahmen des Kopernikus in ihrer Ver-
mer der „Spiegel” schreiben: „Mit dem
urteilung vom 23. Februar 1616 auf
Prozeß gegen Galilei ruinierte die Inqui-
zwei Thesen:
sition für Jahrhunderte das Verhältnis
der katholischen Kirche zu den Natur- 1. Sol est centrum mundi et omnino
wissenschaften. Jetzt versucht der Vati- immobilis motu locali.
kan, den Schaden zu reparieren”, und 2. Terra non est centrum mundi, nec
einen vierseitigen Artikel zur Verächt- immobilis, sed secundum se totam
lichmachung kirchlicher Organe brin- movetur, etiam motu diurno.
gen7. In Übersetzung: ‘1. Die Sonne ist der
Der Spiegel weiter: „Spätestens seit Mittelpunkt der Welt und ohne jede Be-
Mai 1543, dem Erscheinungsdatum sei- wegung von einem Ort zum andern.
nes Hauptwerks mit dem Titel ‘De revo- 2. Die Erde ist nicht der Mittelpunkt der
lutionibus orbium coelestium’, war das Welt und auch nicht unbeweglich. Sie
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Verschiedenes

bewegt sich vielmehr als Ganzes, und


dies Tag für Tag.’
Die These von der im Zentrum fest-
stehenden Sonne lautet in Kopernikus’
Formulierung: „In medio vero omnium
residet Sol” (De rev. I, 10): „In der Mitte
aber von allen steht die Sonne. Denn
wer wollte diese Leuchte und in diesem
wunderschönen Tempel an einen ande-
ren oder besseren Ort setzen als dort-
hin, von wo aus sie das Ganze beleuch-
ten kann? Zumal einige sie nicht unpas-
send das Licht, andere die Seele, noch
andere den Lenker der Welt nennen.
Trismegistos bezeichnet sie als den
sichtbaren Gott, die Elektra des Sopho-
kles als den Allessehenden. So lenkt in
der Tat die Sonne, auf dem königlichen
Thron sitzend, die sie umkreisende Fa-
milie der Gestirne.”8
Nikolaus Kopernikus

B. Problematik der kopernikanischen These


darf, war im 17. Jahrhundert ein exege-
Das hl. Offizium verurteilt 1633 im tisches Problem. Der geozentrische
Rahmen des Prozesses gegen Galilei Standpunkt der hl. Schrift ist eindeutig,
den Kopernikanismus mit den Worten: allen voran die auch vom frühen Prote-
„Daß die Sonne das Zentrum des Kos- stantismus gegen Kopernikus zitierte
mos und in Hinblick auf räumliche Be- Stelle aus dem Buch Josuë, wo Josuë in
wegung unbeweglich sei, ist eine wi- der Schlacht gegen die Amoriten Gott
dersprüchliche, philosophisch falsche um Verlängerung des Tages bittet und
und formell häretische Aussage, weil der Sonne befiehlt: „Sonne über Gaba-
sie der hl. Schrift ausdrücklich entge- on, bewege dich nicht, und Mond über
gengesetzt ist” (Dictionnaire de Théolo- Ajalon [, bewege dich nicht]! Und Son-
gie, Bd. 6b, 1947, 1076).9 ne und Mond blieben stehen.” (Jos. 10,
12-13:) Weitere Stellen: „Der du das
I. Theologische Fragwürdigkeit Erdreich auf seine Feste gegründet
hast” (Ps. 103, 5:); „Sie tritt hervor wie
1. Exegese der Bräutigam aus seiner Kammer, sie
Was heute als naturwissenschaftli- jauchzt wie ein Held, um ihre Bahn zu
che Erkenntnis seit dem 19. Jh. mit laufen10” (Ps. 18, 6); „Die Sonne geht
kirchlicher Billigung gelehrt werden auf und geht unter und kehrt an ihre
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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 21

Verschiedenes

Stelle zurück. Dort ersteht sie von neu- durchsetzen. In diesem Punkt war Ko-
em, dreht sich im Süden und neigt sich pernikus entweder zu blauäugig oder
nach Norden” (Ecclesiastes 1, 5-6). Das zu stolz.
Zitat aus dem Ecclesiastes benutzte Kardinal Bellarmin, der einer priva-
schon Ludovico delle Colombe 1611 ge- ten Äußerung zufolge die Lehre des Ko-
gen Kopernikus in seiner Schrift „Con- pernikus als Hypothese für diskutabel
tro il moto della terra” (Gegen die Erd- hielt13, wußte als Vorsitzender der In-
bewegung).11 dexkongregation von 1616, was er tat.
Schon Kopernikus ahnte, daß sein Der italienische Wissenschaftshistoriker
Bild der physikalischen Welt auf exege- Redondi schreibt über ihn 1983: „Nie-
tische Widerstände stoßen könnte. In mand verstand mehr als er (sc. Bellar-
seiner Vorrede an Paul III. schreibt er min) von der Notwendigkeit, die Bibel-
selbstbewußt: „Wenn es vielleicht doch auslegung im Rahmen der scholasti-
Dummschwätzer geben sollte, die, ob schen Tradition zu halten. Nun waren
sie schon jedes mathematischen Wissens die Bibelstellen zum Problem der Son-
unkundig sind, doch darüber ein Urteil nenbewegung weder besonders zahl-
sich anmaßen und aufgrund irgendei- reich noch besonders wichtig; und kein
ner Stelle der Schrift, die sie zu ihrem Konzil hatte je den Geozentrismus als
Zweck bös verdreht haben, sich erfre- Glaubenswahrheit verkündet. Aber es
chen sollten, dies mein Vorhaben zu ta- handelte sich um eine Prinzipienfrage.
deln und zu verunglimpfen, so halte ich Wäre es zulässig gewesen, die Bibel im
mich mit denen nicht auf, dermaßen Lichte neuer, naturwissenschaftlicher
daß ich im Gegenteil ihr Urteil als leicht- Kenntnisse zu interpretieren, dann hätte
fertig verachte. Es ist ja nur allzu be- die Gefahr heraufziehen können, daß
kannt, daß etwa Lactantius, ein sonst sich diese Praxis auch auf andere, für
namhafter Schriftsteller, aber mit ganz den Glauben und die überkommene In-
wenig mathematischen Kenntnissen, ei- terpretation grundlegendere Stellen
nigermaßen kindlich über die Gestalt ausdehnte.”14 Konsequenterweise geht
der Erde redet, wenn er sich über die lu- die Anzeige des florentinischen Domini-
stig macht, die behauptet haben, die Er- kaners P. Caccini, die den ersten Prozeß
de habe Kugelgestalt [Div. inst. III, 24]. gegen Galilei im Jahr 1616 auslöste, vom
... Mathematisches wird für Mathemati- exegetischen Skandal aus: „Ich bringe
ker geschrieben” (nach ZEKL a.a.O. 77). demnach dem hl. Offizium zur Anzeige,
Wie das exegetische Problem zu lösen daß das öffentliche Gerücht geht, daß
sei, deutet Kopernikus freilich nicht an. Galilei die folgenden beiden Sätze für
Er begnügt sich mit dem Beispiel des wahr hält: die Erde bewegt sich als
Laktanz, dessen physikalische Ansich- Ganzes in bezug auf sich selbst, auch in
ten12 seinen Zeitgenossen, aber auch täglicher Bewegung, die Sonne ist unbe-
schon dem Spätmittelalter, überholt er- weglich, Sätze, die nach meinem Gewis-
schienen. Ebenso widerstandslos, so sen und Verstand mit den göttlichen
hofft er, wird sich das neue Weltbild Schriften, wie sie uns von den heiligen
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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 22

Verschiedenes

Vätern ausgelegt sind, im Widerspruch hl. Thomas von Aquin) in ähnlicher


stehen und demgemäß dem Glauben Weise, nach der Art, wie es mit den Sinnen
widersprechen, daß wir als wahr anzu- wahrgenommen wird, berichtet [Thomas v.
nehmen haben, was in der Schrift ent- A., S. Th. I. q. 70 a. 1 ad 3], bzw. das mit-
halten ist.”15 Die Lehre des Kopernikus geteilt, was Gott selbst, zu den Men-
durfte in der Folgezeit nicht positiv ge- schen redend, nach deren Fassungskraft
lehrt, sondern nur als Hypothese for- und nach menschlichem Sprachge-
muliert werden. Erst die Berechnungen brauch ausgedrückt hat.”16 „Denn diese
und empirischen Forschungen der fol- (sc. Väter und nachfolgende Ausleger)
genden zwei Jahrhunderte (Kepler, haben je nach den Anschauungen ihrer
Newton, Herschel) überzeugten die Zeit geurteilt und bei der Erörterung
Kirche von der Annehmbarkeit der ko- von Stellen, wo dem Naturbereich zu-
pernikanischen These, so daß „De revo- gehörige Dinge in Frage stehen, viel-
lutionibus” 1822 vom Index genommen leicht nicht immer das Richtige getrof-
werden konnte. 1893 sprach Leo XIII. in fen: daß sie nämlich manches so dar-
seiner Enzyklika „Providentissimus De- stellten, wie es heute weniger Beifall
us – De studiis sacrae Scripturae“ ein finden könnte”17 (ebd. 27).
letztes klärendes Wort über das Verhält-
nis von hl. Schrift und moderner Natur-
2. Sicht der Schöpfung
wissenschaft: „(Es) ist zuerst in Erwä-
gung zu ziehen, daß die heiligen Das heliozentrische Weltbild birgt
Schriftsteller, oder richtiger der Geist, die Gefahr der Relativierung der Schöp-
welcher durch sie redete, nicht beabsichtigt fung:
habe, den Menschen darüber (nämlich über a) als einzigartiger Ort der Verherrli-
die innerste Beschaffenheit der augenfälli- chung Gottes in der sichtbaren Welt,
gen Dinge) Belehrungen zu geben, da diese b) als Schauplatz des Erlösungsgesche-
für niemanden einen Heilsnutzen bringen hens.
[Augustin, De Genesi ad lit. II, 9, 20]: Walter BRANDMÜLLER faßt diesen
daß sie daher, anstatt direkte Naturfor- Gedanken zusammen: „In der universa-
schung zu betreiben, die Dinge manch- len theologisch-existenziellen Schau der
mal lieber auf bildliche Weise beschrei- Zeitgenossen Galileis war die Erde eben
ben und behandeln, oder auch so, wie zuvörderst nicht ein nach seinen physi-
es die allgemeine Ausdrucksweise in je- kalisch-astronomischen Verhältnissen
ner Zeit mit sich brachte: eine Sprache, zu befragender Himmelskörper, son-
die noch jetzt bei vielen Dingen im all- dern der einmalige Schauplatz göttli-
täglichen Leben in Gebrauch ist, selbst cher Offenbarung und Erlösung.”18
unter den größten Gelehrten. Da aber
die Sprache des Volkes die sinnlich
wahrnehmbaren Dinge zuerst und vor- Zu a)
zugsweise ausdrückt, so hat der heilige Die Erde als Staubkorn inmitten ei-
Schriftsteller (hieran erinnerte auch der ner unabsehbaren schwarzen Wüstenei
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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 23

Verschiedenes

— dies ist die heute gängige nihilisti- kreisbewegung, oder besser, deren Bild
sche Sicht der sichtbaren Schöpfung. vor den Augen, sich verflüchtigt” (ib.
Die Entwertung ihrer Herrlichkeit ist in I,11; ZEKL a.a.O. 139); „Ob also die Welt
der Annahme angelegt, daß nicht der begrenzt ist oder unbegrenzt, wollen
Wohnort des Menschen, sondern die wir dem Meinungsstreit der Naturphi-
Sonne im Zentrum der Sphärenbewe- losophen überlassen” (ib. I,8; ZEKL
gungen und somit der göttlichen Vorse- a.a.O. 115). Von hier ist es mental nur
hung steht. Die Sonne ist bei Koperni- noch ein Schritt zu Pascals existenziali-
kus, wohlgemerkt, nicht bloß das Zen- stischer Desillusionierung: „Ich sehe
trum des Planetensystems, sondern des diese furchtbaren Räume des Weltalls,
gesamten Kosmos. Kopernikus’ bereits die mich umschließen, und ich finde
zitierten Worte über die Sonne als mich an einen Winkel dieser unermeßli-
„Leuchte in diesem wunderschönen chen Ausdehnung gebunden, ohne zu
Tempel ..., Licht, ... Seele, ... Lenker der wissen, warum ich gerade an diesen Ort
Welt, ... sichtbarer Gott, ... der Allesse- gestellt bin und nicht an einen anderen”
hende” (De rev. I,10, KLAUS a.a.O. 75) (Pensées).20 Immerhin, könnte man sa-
atmen mehr den Stolz heidnischen Son- gen, verlieh die Heliozentrik noch eine
nenkults als das Lob der barmherzigen gewisse Geborgenheit. Im 19. Jh. ent-
Vorsehung. Weiter folgt aus seinen Be- thronte man schließlich die Sonne. Der
rechnungen des Abstands zwischen Pla- Beweis, daß auch die Sonne nicht im
netensystem und der immer noch als Mittelpunkt des Weltraums steht, der
festes Schalenrund gedachten Fixstern- vielmehr ohne erkennbaren räumlichen
sphäre die Unermeßlichkeit des Welt- Mittelpunkt ist, wurde 1838 durch
raums, so daß sich schon bei ihm die Friedrich Wilhelm Bessel erbracht.21 Der
heute nicht mehr hinterfragte physikali- Sensationswert des nunmehr ‘azentri-
sche Heimatlosigkeit unseres Planeten schen’ Weltbilds war im Vergleich zur
abzeichnet. Maß bei Ptolemäus der Ab- kopernikanischen Annahme, die das
stand von der Erde zu den Fixsternen Prinzip gesetzt hatte, gering. Seit dem
noch 20000 Erdradien, sind es bei Ko- 18. Jh. kommen die „kopernikanischen
pernikus von der Sonne zu den Fixster- Wenden” Schlag auf Schlag. Der Ko-
nen 1,4 Millionen Erdradien (richtiger pernikus-Biograph Jochen KIRCH-
Wert: ca. 7 Milliarden Erdradien)19. Ko- HOFF: „Bewußtseinsbestimmende
pernikus: „Der Umfang der Welt <ist> Neuerungen der letzten zwei Jahrhun-
so groß, daß die Entfernung der Erde derte sind häufig mit dem Etikett der
von der Sonne ... im Vergleich mit der «kopernikanischen Wende» versehen
Fixsternsphäre verschwindend klein worden: Es sei nur an die mit den Na-
ist” (I, 10; KLAUS a.a.O. 71); „Daß aber men Kant, Darwin, Marx, Freud oder
nichts davon an den Fixsternen er- Einstein verbundenen ‘Umwertungen’
scheint, das weist auf deren unermeßli- erinnert.”22 Der Begriff der „kopernika-
che Erhabenheit (immensa celsitudo) nischen Wende” wird zwar inflationär,
hin, die ausmacht, daß sogar die Jahres- deutet aber mit seiner Tendenz der Auf-
23
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Verschiedenes

wertung des Subjektiven (bei Kant), Un- Wüstenei, in der wir angeblich ziellos
terprivilegierten (bei Marx), Animali- treiben, hat nur über diejenigen Men-
schen (bei Darwin), Triebhaften (bei schen eine depressive Macht, die Natur-
Freud), Chaotischen (bei Einstein) einen vorstellung mit Weltbild, Weltall mit
theologisch nicht erträglichen Nihilis- Weltganzem gleichsetzen. Schon der
mus an, den Kopernikus vielleicht nicht Begriff „Welt-all” ist irreführend, da er
im Sinn hatte, den aber seine Parteigän- besagt, daß alles Seiende für räumlich
ger hofierten und seine Gegner instink- und körperlich zu halten sei. Das „Welt-
tiv fürchteten. Möglicherweise hat der all” als Friedhof anorganischer Substan-
Atheist Feuerbach etwas Richtiges er- zen ist ein zugegebenermaßen beklem-
kannt, wenn er schreibt: „Er (sc. Ko- mendes Bild, zum Weltganzen jedoch
pernikus) hat als echter ‘Umsturzmann’ gehören zum Glück auch Seelen, Gott
das Unterste zuoberst und das Oberste und Engel. Eine Weltanschauung, die
zuunterst gekehrt ... der Erde die Initia- nur in Ausdehnung und Quantitäten
tive der Bewegung zugeeignet und da- denkt, ermüdet und resigniert, über-
durch allen ferneren und anderweitigen wältigt von den Abmessungen eines so
Revolutionen der Erde Tür und Tor gigantischen schwarzen Raumes wie
geöffnet ... Copernicus ist es, der die dem sogenannten „Weltall”; eine Welt-
Menschheit um ihren Himmel gebracht anschauung jedoch, die in Substanzen
hat.”23 Die Worte Feuerbachs scheinen denkt, hat eine kontemplative Freude
jedoch eher eine anachronistische Rück- an der Erkenntnis, wie hoch das Leben-
projektion seines materialistischen Den- dige über dem Anorganischen, wie
kens zu sein, in dem Naturvorstellung hoch das Denkende über dem bloß Be-
mit Weltbild identisch ist. lebten und schließlich, wie hoch Gott
Hat Kopernikus wirklich den Men- über den geschaffenen Geistern steht.
schen aus seiner Mitte vertrieben? Das
geozentrische Weltbild von Antike, Mit-
Zu b)
telalter und, zum Teil noch, der Barock-
zeit war ja gerade nicht anthropozen- Dann ist zu fragen, ob der Erdkreis
trisch, sondern theozentrisch. Nicht nur, als Ort von Inkarnation, Auferstehung
daß der Mensch gegenüber Gott und und Eucharistie durch die kopernikani-
den Engelschören eine niedere Ord- sche These abgewertet wurde. Die „Ab-
nung einnahm, obendrein ist er hinter wertung” durch unseren erbsündlichen
seiner Ordnung oder, wenn man so will, Zustand ist drastisch genug. Gleichgül-
seinem Zentrum, noch durch den Sün- tig, welches Naturbild man hat, die Er-
denfall zurückgeblieben: Das Paradies, de ist der Ort dämonischer Mächte, des
nichts anderes, war der locus congruens Todes und der Sünde. Schlimmer geht
homini24, der dem Menschen angemes- es nicht. Die imaginäre Verkleinerung
sene Ort. Seit unserem Fall sind wir exu- der Erde durch Kopernikus’ Theorie
les filii Evae – verbannte Kinder Evas. fügt dem nicht viel hinzu; umgekehrt
Die Vorstellung der unendlich großen aber werten Menschwerdung, Auferste-
24
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Verschiedenes

hung und Darbringung des hl. Meßop- Anmerkungen


fers die Erde höher auf, als es der klüg-
ste Entwurf einer Weltharmonik oder 1 Der folgende Aufsatz in zwei Teilen beruht auf ei-
der aufopferndste Philanthrop vermö- nem im Rahmen der theologischen Studienwoche
gen. Solange hier das Meßopfer darge- am Priesterseminar Herz Jesu in Zaitzkofen am
bracht und Werke der Güte verrichtet 07.10.1998 gehaltenen Vortrag. Für Anregung und
werden, gilt, was in der hl. Schrift von Einladung danke ich H.H. P. Niklaus Pfluger.
der göttlichen Weisheit und mit ihr pro- 2 Kopernikus war in Besitz niederer Weihen, die ihn
phetisch von der Zweiten Person Gottes zur Nutzung einer Pfründe berechtigten, aber kein
gesagt wird: „Cum eo eram, cuncta Priester. Er war promovierter Kirchenjurist und als
componens, et delectabar per singulos leitender Verwaltungsbeamter des nach der Re-
formation katholisch gebliebenen Bistums Erm-
dies, ludens coram eo omni tempore: lu-
land (Ostpreußen) tätig. Seine noch heute zu be-
dens in orbe terrarum, et deliciae meae sichtigende Wohnung hatte er in einem der Wehr-
esse cum filiis hominum” (Prov. 8, 30: türme um den Frauenburger Dom.
„Ich war bei Ihm und ordnete alles, und 3 Ein kurzes Wort zur Nationalitätenfrage: ”Als Hei-
hatte meine Freude jeden Tag und spiel- mat hat Copernicus Preußen bezeichnet” (Hans
te vor Ihm immerzu: Ich spielte auf dem Günter ZEKL, Nicolaus Copernicus. Das neue
Erdkreis, und meine Wonne ist es, bei Weltbild. Drei Texte ..., übers., hsg. und mit einer
den Menschenkindern zu wohnen”). Einl. und Anm. versehen von H. G. Z., Hamburg
Soweit wir es vermögen, sind wir ver- 1990, XVIII). ”In amtlichen und wissenschaftlichen
pflichtet, die Schöpfung nach der Texten schreibt Copernicus ... Latein, ... in weni-
Schönheit und vor allem nach der Ziel- ger öffentlichkeitsrelevanten Texten schreibt er
gerichtetheit ihrer Ordnung zu beurtei- deutsch, in der zeittypischen abenteuerlichen Or-
len, um, wie von Röm 1, 20 vorgege- thographie, – das ist also seine Muttersprache”
(ib. XVIII f.).
ben25 und vom I. Vaticanum gegen den
4 Revolutio ist bei Kopernikus noch ein rein astro-
Agnostizismus der Moderne erneut ein-
geschärft (Denz.1785), auf die Weisheit nomischer Terminus mit dem Sinn ”Kreisbewe-
gung”. Der soziologische Sinn ”gewaltsame Ver-
des Schöpfers zu schließen. So heißt es
fassungsänderung” findet sich zunächst nur in
im Canticum Isaiae passend: „Denn so Texten zur politischen Theorie in der italienischen
spricht der Herr, der Schöpfer des Him- Renaissance. In eine stehende Verbindung
mels, Gott selbst, der die Erde geschaf- kommt er erst mit dem 1789 in Frankreich vollzo-
fen hat, er, ihr Bildner: Nicht vergeblich genen Umsturz. Zwischen dem Titel des koperni-
(ohne Ziel, in vanum) hat er sie geschaf- kanischen Hauptwerks und dem politischen Vor-
fen. Damit sie bewohnt werde, hat er sie gang gibt es keine begriffsgeschichtliche Brücke.
geschaffen (nun folgt der Rückschluß auf Ich danke meinem Kollegen Herrn Enno Kolzer,
Gott!): Ich bin der HErr und sonst kein Bonn, für seine Recherchen.
anderer” (Is. 45, 1826; Gebet der Freitags- 5 Dictionnaire de Théologie Catholique, 1947, Bd.
laudes). 6a, 1093.
6 Johannes HEMLEBEN, Galileo Galilei, 15. Aufl.
Hamburg, 1997, 167.
(Fortsetzung folgt)
7 Der Spiegel 23 / 1998 [1.6.1998], S. 88 - 91.
25
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Verschiedenes

8 Übers. nach Georg KLAUS, Nicolaus Copernicus. 16 Leo XIII, Apostolisches Rundschreiben Providen-
Über die Kreisbewegungen der Weltkörper, hsg. tissimus Deus vom 18.11.1893, hsg. u. übers. von
u. eingeleitet v. G. K., Berlin (Ost) 1959, 75: In Karl HASELBÖCK, Wien 1987, 26 f.
medio vero omnium residet Sol. Quis enim in hoc 17 ”Qui prout erant opiniones aetatis, in locis edisse-
pulc<h>errimo templo lampadem hunc in alio vel rendis, ubi physica aguntur, fortasse non ita sem-
meliori loco poneret, quam unde totum possit illu- per iudicaverunt ex veritate, ut quaedam posue-
minare? Siquidem non inepte quidam lucernam rint, quae nunc minus probentur”, zit. n. Denz.
mundi, alii mentem, alii rectorem vocant. Trisme- 1948.
gistus visibilem deum, Sophoclis Electra intuen- 18 BRANDMÜLLER a.a.O. 138
tem omnia. Ita profecto tamquam in solio regali
Sol residens circumagentem gubernat astrorum 19 TEICHMANN a.a.O. 111.
familiam. 20 Blaise PASCAL, Gedanken. Nach der endgültigen
9 ”Che il sole sia centro del mondo ed immobile di Ausgabe übertragen von Wolfgang RÜTTENAU-
moto locale è proposizione assurda e falsa in filo- ER, Wiesbaden o.J. (zw. 1945 und 1949), 5.
sofia, e formalmente eretica per essere espressa- 21 TEICHMANNa.a.O.121 f.
mente contraria alla sacra Scrittura.” 22 Jochen KIRCHHOFF, Kopernikus, Hamburg
10 Die Psalmstelle, die Bellarmin gegen den Ko-
1985, 24.
pernikanismus anführt (nach Johannes HEMLE- 23 KIRCHHOFF a.a.O. 23.
BEN, Galilei, Hamburg 1969, 89).
24 Begriff nach Blumenberg, Die Genesis der ko-
11 Dictionnaire de Théologie Bd. 6 b. a.a.O. 1059.
pernikanischen Welt, Bd. 1: Die Zweideutigkeit
12 Der Unterstellung, das Mittelalter habe aussch-
des Himmels, Frankfurt a.M. 1975, 239.
ließlich an die Scheibengestalt der Erde geglaubt, 25 Invisibilia enim ipsius, a creatura mundi, per ea,
ist u.a. Dantes [^1321]Beschreibung einer Äqua- quae facta sunt, intellecta, conspiciuntur; sempi-
torüberquerung in Div. Com. Inf. 26 entgegenzu- terna quoque ejus virtus et divinitas.
halten:ferner Pierre d’Ailly’s ‘Imago Mundi’ und 26 Quia haec dicit Dominus creans caelos, ipse De-
Toscanellis Weltkarte (1474), für deren Richtigkeit
us formans terram, et faciens eam, ipse plastes
Kolumbus den empirischen Nachweis erbrachte.
ejus: non in vanum creavit eam, ut habitaretur, for-
Sofern sich das Mittelalter für den Aufbau der
mavit eam: ego Dominus, et non est alius.
sinnlichen Welt interessierte, war die von Laktanz
und v.a. dem spätantiken christlichen Geogra-
phen Kosmas Indikopleustes vertretene Schei-
bengestalt nicht die allein herrschende.
”Schon sah das Aug’ der Nacht die Sterne sämt-
lich
Des andern Poles und so tief den unsern,
Daß kaum er aus der Meeresflut emporstieg” (Inf.
26, 127-9),
13 Brief vom 12. April 1615 an Foscarini (vgl.
BRANDMÜLLER a.a.O. 62 f.).
14 Pietro REDONDI, Galilei der Ketzer, München
1989, 44 (Galileo eretico, Turin 1983).
15 nach HEMLEBEN a.a.O. 88.

26
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Die heilige Messe, das Opfer des


Neuen Bundes
Schluß
von P. Klaus Wodsack

Zur Theologie des heiligen Meßopfers 2. – Das Konzil von Trient faßt in sei-
ner 22. Sitzung vom 17. September 1562
1.– Wir fassen zusammen: Das Opfer die Lehre vom heiligen Meßopfer gegen
des Neuen Bundes ist das blutige Kreu- die Falschlehren der Protestanten wie
zesopfer Christi (Hebr. 9, 11–14). Das folgt zusammen (DH 1738–1742):
heilige Meßopfer wurde in der unbluti- „Damit die alte, unbedingte und in
gen, sakramentalen Form der allerhei- jeder Hinsicht vollkommene Glaubens-
ligsten Eucharistie durch Christus selbst lehre über das große Geheimnis der Eu-
in die Hände der Menschen gelegt (Mt. charistie in der heiligen katholischen
26, 26–29; Mk. 14, 22–25; Lk. 22, 19–21; 1. Kirche beibehalten und nach Abwehr
Kor. 11, 23–26). Die heilige Messe liegt von Irrtümern und Häresien in ihrer
als Opfer des Neuen Bundes in der Linie Reinheit bewahrt werde, lehrt und er-
und Nachfolge der alttestamentlichen
klärt das hochheilige ökumenische und
Opfer, insbesondere des Abel, des Abra-
allgemeine Konzil von Trient (...), durch
ham und des Melchisedech, genau wie
die Erleuchtung des Heiligen Geistes
es der Römische Kanon im zweiten Ge-
belehrt, über sie, insofern sie das wahre
bet nach der Wandlung ausdrückt: „Su-
und einzigartige Opfer (verum et singula-
pra quae propitio ac sereno vultu respicere
re sacrificium) ist, und bestimmt zur Ver-
digneris: et accepta habere, sicuti accepta ha-
kündigung für die gläubigen Völker fol-
bere dignatus es munera pueri tui justi
gendes:
Abel, et sacrificium Patriarchae nostri Abra-
hae: et quod tibi obtulit summus sacerdos Da es (nach dem Zeugnis des Apo-
tuus Melchisedech, sanctum sacrificium, stels Paulus) unter dem ersten Bunde
immaculatam hostiam.“ In der deutschen wegen der Ohnmacht des levitischen
Fassung: „Schaue huldvoll darauf nie- Priestertums keine Vollendung gab, ge-
der mit gnädigem und mildem Ange- ziemte es sich (da Gott, der Vater der Er-
sichte, und nimm es wohlgefällig an, barmungen, es so anordnete), daß ein
wie Du einst mit Wohlgefallen aufge- anderer Priester ,nach der Ordnung des
nommen hast die Gaben Abels, Deines Melchisedek‘ (Ps. 110, 4; Hebr. 5, 6–10; 7,
gerechten Dieners, das Opfer unseres 11–17} vgl. Gen. 14, 18) erstehe, unser
Patriarchen Abraham, das heilige Opfer Herr Jesus Christus, der alle, die gehei-
und die makellose Gabe, die Dein Ho- ligt werden sollten, vollenden (vgl. He-
herpriester Melchisedech Dir darge- br. 10, 14) und zur Vollkommenheit
bracht hat.“ führen könnte.
27
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Verschiedenes

Dieser unser Gott und Herr also hat


zwar sich selbst ein für allemal auf dem
Altar des Kreuzes durch den eintreten-
den Tod Gott, dem Vater, opfern wollen
(vgl. Hebr. 7, 27), um ,für jene‘ (daselbst)
ewige Erlösung zu wirken; weil jedoch
sein Priestertum durch seinen Tod nicht
ausgelöscht werden sollte (vgl. Hebr. 7,
24) hat er beim letzten Abendmahle, ,in
der Nacht, da er verraten wurde‘ (1 Kor. 11,
23), um seiner geliebten Braut, der Kir-
che, ein sichtbares (wie es die Natur des
Menschen erfordert) Opfer zu hinterlas-
sen, durch das jenes blutige (Opfer), das
einmal am Kreuze dargebracht werden
S.E. Mgr. Lefebvre feiert das hl. Meßopfer
sollte, vergegenwärtigt werde, sein Ge-
dächtnis bis zum Ende der Zeit fortdau- der Kirche durch die Priester unter dem
ern und dessen heilbringende Kraft für sichtbaren Zeichen geopfert werden
die Vergebung der Sünden, die von uns sollte zum Gedenken an seinen Hin-
täglich begangen werden, zugewandt übergang aus dieser Welt zum Vater, als
werden sollte, sich auf ewig als Priester er uns durch das Vergießen seines Blu-
nach der Ordnung des Melchisedek tes erlöste, ,der Macht der Finsternis ent-
(vgl. Ps. 110, 4; Hebr. 5, 5; 7, 17) einge- riß und in sein Reich versetzte‘ (Kol. 1, 13).
setzt erklärend, seinen Leib und sein Und dies ist nun jenes reine Opfer
Blut unter den Gestalten von Brot und (munda oblatio), das durch keine Unwür-
Wein Gott, dem Vater, dargebracht und digkeit oder Schlechtigkeit derer, die es
sie unter den Zeichen derselben Dinge darbringen, verunreinigt werden kann,
den Aposteln (die er damals als Priester von dem der Herr durch Malachias vor-
des neuen Bundes einsetzte) darge- hergesagt hat, daß es seinem Namen,
reicht, damit sie empfingen, und ihnen der groß sein werde unter den Völkern,
und ihren Nachfolgern im priesterli- an jedem Ort als reines Opfer darge-
chen Amte durch folgende Worte gebo- bracht werde (vgl. Mal. 1, 11), und auf
ten, daß sie sie darbrächten: ,Tut dies zu das der Apostel Paulus in seinem Brief
meinem Gedächtnis‘ (Lk. 22, 19; 1 Kor. 11, an die Korinther unzweideutig anspielt,
24), usw., wie es die katholische Kirche wenn er sagt, es könnten diejenigen, die
immer verstanden und gelehrt hat. durch die Teilhabe am Tisch der Dämo-
Denn nach der Feier des alten nen befleckt seien, nicht am Tisch des
Pascha, das die Schar der Kinder Israels Herrn teilhaben (vgl. 1 Kor. 10, 21), wo-
zum Gedenken an den Auszug aus bei er unter Tisch beidemal den Altar
Ägypten opferte (vgl. Ex. 12), setzte er versteht. Dies ist schließlich jenes (Op-
das neue Pascha ein, sich selbst, der von fer), das durch die mannigfaltigen
28
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Gleichnisse von Opfern zur Zeit der Na- will, muß in die Opfergemeinschaft, in
tur und des Gesetzes (vgl. Gen. 4, 4; 8, die sakramentale Gemeinschaft der ka-
20; 12, 8; 22, 1–19; Ex.: überall) vorgebil- tholischen Kirche eintreten.
det wurde, da es ja alle Güter, die durch
jene bezeichnet wurden, als deren aller 4.– Wird das Opfer Christi, die heili-
Vollendung und Vervollkommnung ge Messe, würdig und in geziemender
umfaßt. Form dargebracht, so läßt sich auf die
heilige Messe, das Wort aus dem Evan-
3.– Dieses heilige Meßopfer also, das gelium anwenden, das der hl. Evange-
wir täglich feiern, sei es als stille Messe, list Markus über den lehrenden Chri-
sei es als gesungenes einfaches Amt, sei stus spricht (Mk. 1, 21): „... sogleich am
es als Levitenamt, sei es auch als Ponti- Sabbat begab sich Jesus in die Synagoge und
fikalamt mit dem Bischof usw., ist das lehrte. Sie waren betroffen über seine Lehre,
Opfer Christi selber. Der ungeheuerli- denn er lehrte sie wie einer, der Macht hat,
che, überaus heilige Inhalt erfordert ei- und nicht wie die Schriftgelehrten.“
ne entsprechende würdige Form, wie Die heilige Kirche hat 13 verschiede-
sie die heilige Kirche im Laufe der Zeit ne Riten anerkannt, wobei sich vor al-
entwickelt hat. Hier ergeht also das An- lem die alten Ostriten im selben Sinne
gebot an die Menschen, hier haben wir
wie die heilige Messe in Rom entwickelt
das Opfer Christi, das in die Hände der
haben. Allein die traditionelle Form der
Menschen gelegt wurde, hier kann jeder
römischen Messe übertrifft alle anderen
Mensch, sofern er glaubt und sich vor-
Riten an Schönheit, Klarheit und Ausge-
bereitet, seine Pflicht Gott gegenüber
glichenheit. In der Liturgie erfahren wir
vollkommen erfüllen, die vollkommene
ganz ähnlich wie die Jünger Christi die
Huldigung, die vollkommene Sühne für
Macht Gottes, die milde, sanftmütige,
die eigenen Sünden leisten. In der heili-
jedoch reale und verwandelnde Macht,
gen Messe realisiert sich die Kirche als
die zum Ausdruck kommt, wenn die Li-
Opfergemeinschaft: „Ihr seid ein heiliges
turgie richtig gefeiert wird, und jeder,
Volk, ein königliches Priestertum“ (1 Petr.
der guten Willens ist und der sich bereit
2, 4–9). Der Priester opfert in persona
Christi, die Gläubigen, kultfähig gewor- hält, erfährt dies auch. So können wir
den durch den Glauben und durch die mit den Worten schließen: In der heili-
Taufe, opfern mit, sie versammeln sich gen Messe stehen wir tatsächlich unter
am Altar, am Opferaltar. Der Opferaltar dem Kreuze Christi. Die Wirkung der
Christi ist das Zentrum der Christen- heiligen Messe beruht auf der Tatsache,
heit. Ohne Opferaltar gibt es kein Chri- daß sie Repräsentation, Gegenwärtig-
stentum! (Das muß gesagt werden ge- setzung des Kreuzesopfers Christi ist.
gen jede Art von Spiritualismus, wo das
Christentum – z.B. bei den Protestanten 5.– Kurze Bemerkung zum Verhält-
– auf Gebet, Predigt, Nächstenliebe be- nis des einen Kreuzesopfers und der
schränkt werden soll.). Wer Christ sein vielen Messen. Numerisch sind es ver-
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Verschiedenes

schiedene Handlungen in der raumzeit- des neuen Missale, wo er schreibt: „Die


lichen Welt, das einmalige Kreuzesopfer Messe ist die Versammlung des Volkes
Christi zu Jerusalem und die vielen Gottes unter dem Vorsitz des Priesters zur
Messen, die im Laufe der Zeit gelesen Feier des Gedächtnisses des Herrn gemäß
werden. Es sind sichtbare Handlungen, dem Worte des Herrn: ,Wo zwei oder drei in
die voneinander in Raum und Zeit ver- meinem Namen beisamen sind, da bin ich
schieden sind und den sichtbaren Be- mitten unter ihnen‘“ (Institutio generalis
reich betreffen. Wie steht es aber im un- Missalis Romani, Nr. 7, 3.4.1969). Dies
sichtbaren Bereich? Den Begriff „Zeit“ ist sicher eine skandalöse Definition!
können wir nicht richtig fassen, wenn und eben unter dieser Definition wurde
wir nicht einen überzeitlichen Stand- das neue Missale eingeführt. Die Defini-
punkt haben. Und so muß man auch tion wurde später geändert, das Missale
hier einen überzeitlichen Standpunkt
aber nicht.
für das Opfer Christi einnehmen. In der
Äußerst tendenziös ist auch die Be-
Ewigkeit haben sie denselben Gehalt:
das sichtbare blutige Opfer Christi in Je- zeichnung der heiligen Messe seitens
rusalem und jede einzelne Messe, die hoher kirchlicher Stellen als „Mahlge-
von uns zelebriert wird. Auch bei Chri- meinschaft mit dem Auferstandenen“. Wie
stus wird ja ausdrücklich unterschieden ist das zu vereinen mit dem Satz des hl.
zwischen dem Karfreitag und dem Paulus (1. Kor. 11, 26), daß wir in der al-
Gründonnerstag. Am Gründonnerstag lerheiligsten Eucharistie „den Tod des
wird das allerheiligste Altarsakrament, Herrn verkünden“? Der Tod ist ja der Op-
also die Eucharistie eingesetzt, und am fertod! Auch gibt es genügend Zeugnis-
Karfreitag das blutige Opfer vollzogen, se, etwa Ausgaben von Missalen für die
das, in verborgener Weise, der Gehalt Gläubigen, z.B. eine französische Aus-
der allerheiligsten Eucharistie ist. gabe vom Jahre 1975, wo die Messe
schlicht als „Mahl“ dargestellt wird.
Schluß: Vom Opfer ist nicht mehr die Rede! Die-
Die aktuelle Lage bezüglich des heiligen sen neuen, von der Wahrheit abirrenden
Meßopfers in der katholischen Kirche Ideen entspricht weitgehend die Praxis
Bis zum II. Vatikanischen Konzil hat der nachkonziliaren Kirche. Die heilige
die katholische Kirche am Meßopfer Messe degeneriert zu einem „Hap-
und an der Opfertheologie, wie hier pening“, gewissermaßen zu einem Ge-
dargelegt, festgehalten. Mit dem II. Va- sellschaftsspiel mit „Gestaltung“, „Mo-
tikanischen Konzil und dessen Folgen, deratoren“, Tanz, Rhythmen völlig
vor allem der Liturgiereform, sind neue weltlicher Musik usw. Das Antlitz, die
Ideen und eine neue Praxis in die Kir- göttliche Würde Christi werden auf un-
che eingedrungen, die, wie wir meinen, erträgliche und abstoßende Weise ent-
dem objektiven Geschehen nicht mehr stellt, banalisiert. Die Macht Christi
gerecht werden. So z.B die Definition (s.o.) wirkt nicht mehr. Die Seelen wer-
Papst Pauls VI. in der ersten Ausgabe den nicht mehr angezogen, gehen in die
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Verschiedenes

Irre, verlieren sich. Die Kirchen leeren ,Hostia seu Victima est ipse Christus
sich. praesens sub speciebus panis et vini.‘ (De fi-
Dagegen hat sich seit 1970 Erzbi- de divina catholica definita): Opfergabe
schof Marcel Lefèbvre erhoben, um die oder Schlachtopfer ist Christus selbst, der
katholische Lehre und die traditionelle unter den Gestalten des Brotes und des Wei-
(römische) Praxis der heiligen Messe für nes gegenwärtig ist. Dies gehört zum defi-
neue Generationen zu bewahren und zu nierten katholischen Glauben.
retten. Zu diesem Zweck gründete er Häretiker wären auch die, welche diese
mit der Zustimmung und dem Lob der beiden Sätze leugneten. Drei Realitäten sind
kirchlichen Autoritäten die Priesterbru- also für die Realität des Meßopfers wesent-
derschaft St. Pius X., die heute über die lich: der Priester (,Sacerdotes, illique soli,
ganze Welt verbreitet ist. Die traditio- sunt ministri‘ – de fide divina catholica),
nelle Messe zieht die Menschen an und welcher den priesterichen ,Charakter‘ hat;
bekehrt sie. Erzbischof Lefèbvre macht die wirkliche und substantielle Gegenwart
sich zum Echo der katholischen Traditi- des Schlachtopfers, das Christus ist; die
on und schreibt am 13. Mai 1971: priesterliche Handlung der opfernden Dar-
bringung, welche wesentlich durch die Kon-
„Um über den dogmatischen, sittlichen
sekration geschieht. Vergessen wir nicht,
und spirituellen Wert dieser Reform (d.h.
daß es gerade diese drei fundamentalen
der Liturgiereform) urteilen zu können,
Wahrheiten sind, die von den Protestanten
müssen wir uns kurz die unveränderlichen
und von den Modernisten geleugnet wer-
Grundsätze des katholischen Glaubens über
den. Vergessen wir nicht, daß als Ausdruck
die wesentlichen Elemente unserer heiligen ihrer Ablehnung des Glaubens an diese
Messe ins Gedächtnis rufen. ,In Missa offe- Dogmen ihre Messen sich zum ,Kult‘, zum
rentur Deo verum et proprium Sacrificium‘ Abendmahl oder zur eucharistischen Ver-
(De fide divina catholica definita): In der sammlung gewandelt haben, wobei die Bi-
Messe wird Gott ein wahres und eigentli- bellesung, das Wort sich stark ausdehnte
ches Opfer dargebracht. Dies gehört zum de- zum Schaden der Darbringung und der Li-
finierten katholischen Glauben. Wer diesen turgie des Opfers. (...)
Satz leugnen wollte, wäre ein Häretiker. (...) Nun müssen wir uns aber genau
Zu jedem Opfer ist ein Priester, ein darüber klar sein, daß die Messe nicht nur
Schlachtopfer und eine priesterliche Hand- der wichtigste religiöse Akt ist, sondern daß
lung erforderlich, bei welcher das sie die Quelle der gesamten katholischen
Schlachtopfer dargebracht wird. ,In Missa et Lehre ist, die Quelle des Glaubens und der
in Cruce eadem est Hostia et idem Sacerdos Moral – der individuellen Moral, der Moral
principalis‘. (De fide divina catholica de- der Familie und der Moral der Gesellschaft.
finita): Bei der Messe und am Kreuze han- Nur von dem auf dem Altar fortgesetzten
delt es sich um dieselbe Opfergabe und den- Kreuzesopfer steigen alle Gnaden herab,
selben Priester. Dies gehört zum definierten welche der christlichen Gesellschaft erlau-
katholischen Glauben. ben, zu leben und sich zu entwickeln; die
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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 32

Verschiedenes

Quelle versiegen lassen heißt alle Wirkun- die Menschen Sünder. Zur Zeit leben et-
gen vernichten.(...) wa sechs Milliarden Menschen auf der
(...) Die katholische Messe hatte immer Erde. Wie steht es mit dem Opfern, der
die Wirkung – und hat sie noch –, daß sie Huldigungs- und Sühnepflicht bei die-
die Menschen zum Kreuz hin erhob, daß sie sen Menschen? Christus wurde zu ih-
sie einte in unserm gekreuzigten Herrn Je- nen allen gesandt. Er hat sich für sie al-
sus Christus, daß sie die Fermente der Sün- le auf Kalvaria geopfert. Zu ihrer aller
de in ihnen schwächte, die sie zur Spaltung Nutzen hat er das heilige Meßopfer ein-
treiben. Wenn das Kreuz Unseres Herrn gesetzt, somit ist die heilige Messe nicht
verschwindet, wenn sein Leib und sein Blut fakultativ! Die meisten Menschen sind
nicht mehr gegenwärtig sind, werden die heute aber aufgeklärt, sie sind säkulari-
Menschen sich nur noch untereinander zu- sierte Menschen, de facto Atheisten, in
sammenfinden um einen öden, leblosen einer sakrilegischen Haltung der Gott-
Tisch; nichts wird sie mehr einen. und Opfervergessenheit.
Daher wohl jene Müdigkeit und jenes Betrachten wir einige Religionen: Es
öde Unbehagen, das sich überall geltend zu gibt noch Opfer bei den Heiden, z.B, bei
machen beginnt, daher das Verschwinden den Hinduisten in Asien. Es handelt
der Berufungen, die keinen Gegenstand sich dabei um Naturopfer gemäß dem
mehr haben, daher jene Säkularisierung und Alten Testament vor der mosaischen
Profanierung des Priesters, der seine ,raison Gesetzgebung. In diesem Sinne hat
d‘être‘ nicht mehr findet, daher jenes Be- auch der Islam das Opfer bewahrt.
dürfnis nach der Welt. Durch die Schuld Höhepunkt der Wallfahrt nach Mekka
dieser protestantischen Konzeption der hei- ist jedes Frühjahr das Opferfest. Einem
ligen Messe verläßt Jesus Christus nach Bericht der „Frankfurter Allgemeinen
und nach die Kirchen, die so häufig profa- Zeitung “ zufolge wurden im Jahre 1996
niert werden.“ (Una Voce Korrespon- in Mekka 520.000 Schafe, 22.000 Kamele
denz, 1. Jg., Heft 7, Juli-Aug. 1971, S. 246 und Rinder geopfert (FAZ 19.6.1996).
ff.) Ähnlich 1997 (FAZ, 10.4.97). Zwar gibt
Das ist die Lage in der katholischen es dabei keinen Altar, aber die Tiere
Kirche nach dem II. Vatikanischen Kon- werden zur Huldigung Gottes geopfert
zil. (Vgl. auch: Georg May: „Die Alte und das Opferfleisch zur Wohltätigkeit
und die Neue Messe“, Düsseldorf 1975.) an die arme Bevölkerung mohammeda-
nischer Länder versandt. Es ist festzu-
Heidentum, Islam, Judentum, Protestan- halten, daß hier ganz offensichtlich der
tismus Sinn für die Pflicht des Menschen, Gott
Anbetung und Huldigung Gottes durch das Opfer zu huldigen, erhalten
durch das Opfer sind Pflicht eines jeden ist. Welche Opfer werden hier aber dar-
Menschen, da alle Menschen Geschöpfe gebracht! Die Naturopfer sind längst
und daher Eigentum Gottes sind. Seit durch das Opfer Christi und die Einset-
dem Sündenfall Adams und Evas sind zung des heiligen Meßopfers überholt
32
MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 33

Verschiedenes

Pater Pio beim


Hl. Meßopfer

und hinfällig. Sie können Gott nicht ge- „Diese Religionsstruktur (d.h. der Op-
fallen. ferreligion) wurde durch den jüdischen
Kommen wir zum Judentum. Die jü- Monotheismus überwunden. Er ist die erste
dische Religion hat das Opfer aufgege- nationale Religion, die letztlich jedes Opfer,
ben, obwohl es im Alten Testament und Menschen-, Tier- oder sonstige Opfer, ab-
im mosaischen Gesetz eine zentrale Rol- lehnt. Somit durchbricht der jüdische Mo-
le spielt. Insofern sind die religiösen Ju- notheismus einen kollektiven Wahnsinn,
den inkonsequent mit sich selbst. Es gab nämlich zu glauben, daß durch Opferungen
zwar mehrere Ansätze zur Wiederer- die Welt gerettet werden kann. An die Stel-
richtung des Tempels von Jerusalem, le des Ritus tritt die individuelle Moral und
z.B. unter Julian dem Abtrünnigen, sie Verantwortung.
sind aber immer und sogar unter dra- Das Christentum dagegen fällt im Ver-
matischen Umständen gescheitert. (Vgl. gleich mit dem jüdischen Monotheismus
die Berichte bei Ammianus Marcellia- weit hinter dessen Kulturleistung zurück.
nus, Rabbi Gedalja, Gregor von Nazi- Der mythologisierte Christus ist die rituelle
anz, Johannes Chrysostomus, Ambrosi- Wiederkehr des Menschenopfers. Er stirbt
us, Socrates, Socomenos, Theodoret, Ru- für die Erlösung der Menschheit. Das
finus usw.) Die jüdische Religion ist seit Abendmahl ist jedesmal die tatsächliche
der Zerstörung Jerusalems zu einer Verspeisung des Gottessohnes.“ (Michael
„Buch-Religion“ geworden, das Opfer Ley: „Genozid und Heilserwartung“,
wird abgelehnt und der Zustand wird Wien 1993, S. 32 f.)
ausdrücklich gerechtfertigt. Dazu fol- Hier sind wir im Zentrum der Anti-
gender jüngst erschienener Text aus Haltung gegen das Opfer und gegen das
dem jüdischen Kulturbereich: heilige Meßopfer.
33
MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 34

Verschiedenes

Nun zu den Protestanten: Luther Meßopfer! Ohne heilige Messe kann


hat die heilige Messe, das Opfer und die Welt nicht bestehen (Padre Pio). Die
das Priestertum abgeschafft. Die Kir- heilige Messe hat und gibt die Kraft, al-
chen, selbst die alten katholischen Kir- le geistigen Krisen zu überwinden, auch
chen des Mittelalters, darunter sehr diejenigen der modernen Weltgesell-
schöne Kirchen Norddeutschlands, z.B. schaft.
der Dom von Magdeburg, der Dom von Die Philosophen der Antike haben
Braunschweig, die Kirchen von die Wahrheit gesucht, die Antwort Got-
Gandersheim, Bursfelde, Goslar, Hal- tes ist das Kreuz Christi, wirksam und
berstadt usw., herrliche Kirchen, die für lebendig im heiligen Meßopfer bis zum
die heilige Messe gebaut wurden, sind heutigen Tage, und ist Lösung für jede
leer! Das protestantische Kirchengebäu- geistige Katastrophe und für jede
de ist ein Bethaus, wo die Orgel ge- Schuld. Nehmen wir z.B. die aktuelle
spielt, gebetet wird, das Evangelium geistige Lage in Deutschland, wo Leute
gehört und gepredigt wird, allein das wie Daniel Goldhagen im Publikum mit
Opfer ist nicht da. Das Opfer, diese all den Anschuldigungen und vielen
große Gnade Gottes, und die Pflicht der Irrtümern vermischten Unterstellungen
Menschen Gott gegenüber, das Opfer umhergehen. Sicher – das Verbrechen
zu zelebrieren, wird zurückgewiesen, war groß: der Holokaust, die Hinrich-
obwohl die Heilige Schrift (sola scriptu- tung, die Vernichtung jüdischer Men-
ra!) dafür Zeugnis ablegt (s.o.). Ohne schen in großer Anzahl. Aber nach der
Opfer keine Christenheit! Bekehrung ist auch hier die Lösung das
Opfer Christi: die Versöhnung mit Gott
Die Modernisten in der katholi- und das Angebot des übernatürlichen
schen Kirche haben, wie hier bereits an- Friedens unter den Menschen. Das Op-
gedeutet, das Opfer zu einem „Mahl“ fer Christi ist das Sühne- und Reini-
abgewertet. Der Tisch, der dafür aufge- gungsbad für die Seelen, dazu ist Chri-
stellt wurde, ist im Grunde das, was stus gekommen, daher ersehnte er „sei-
dort früher die Kommunionbank war ne Stunde“. Der hl. Thomas von Aquin
und bei uns noch immer ist. Der Op- hat dies im „Adoro te“ beschrieben mit
feraltar, das „Thysiasterion“ des He- den Worten „Cuius una stilla salvum fáce-
bräerbriefes, ist entweder entfernt oder re. Totum mundum quit ab omni scélere.“
verstellt worden. Das ist ein sprechen- Ein einziger Tropfen (vom Blute Christi)
des Sinnbild für das, was hier gesche- schafft die ganze Erde neu. Wäscht alle
hen ist. Die Messe ist weitgehend zum Sünder rein, macht alle schuldenfrei.
„Happening“, zur gesellschaftlichen
„Animation“ geworden, bis hin nach St.
Peter in Rom, wie man sie auch dort so
erleben kann!
Wir befinden uns zur Zeit im Zen-
trum des Kampfes um das heilige
34
MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 35

Verschiedenes

Der wahre Held auf der Titanic hieß


Joseph Peruschitz
von Petra Preis

Bestrafung für Technikgläubigkeit, schriftliche Testament des Paters, ver-


Symbol für die gefährdete Welt, Objekt faßt in altdeutscher Schrift. Eine Perso-
der Sammlerwelt: Der Luxusliner Tita- nalakte, die Joseph Peruschitz höchst-
nic, der am 15. April 1912 von einem Eis- persönlich beim Eintritt ins Kloster am
berg aufgeschlitzt im Ozean versank, 14. August 1894 mit schwarzer Tinte
liegt nicht nur tief im Atlantik, sondern ausgefüllt hatte. Über Jahrzehnte aufbe-
auch als mythischer Ort mitten in der wahrt wurden außerdem Photos, Briefe,
Seele des modernen Menschen. Das Aufsätze, Zeitungsausschnitte und die
Filmepos Titanic lockte Hunderttausen- Todesanzeige. Die wertvollen Doku-
de weltweit in die Kinos - und beweist, mente werden von Pater Anselm Reich-
daß dieses legendäre Schiff auch heute hold wie ein Schatz gehütet. Aus den
noch einen ungebrochenen Zauber auf Dokumenten lassen sich Leben und En-
den Menschen ausübt... de eines Mannes rekonstruieren, von
Es geschah in einer kalten, aber dem später berichtet wurde, daß er ei-
sternklaren Nacht. Ein tückischer Eis- nen „Heldentod“ gestorben ist.
berg schlitzte die Titanic, als „unsinkba- Der 41jährige stammte aus Straßlach
re Königin der Meere“ bestaunt und ge- bei Wolfratshausen und hieß mit weltli-
feiert, bei ihrer Jungfernfahrt unterhalb chem Namen Benedikt. Im Jahre 1872
der Wasserlinie auf. In einem dreistün- übersiedelte die Familie Peruschitz nach
digen Drama sank das Riesenschiff, nur Dorfen, wo der Vater eine kleine Bau-
711 von insgesamt 2201 Passagieren und materialienhandlung betrieb. In den
Bordpersonal überlebten. 1985 wurde Jahren 1882/86 treffen wir den jungen
das Wrack vor der Küste Neufundlands Benedikt Peruschitz an der damaligen
entdeckt, 3800 Meter unter der Mee- Lateinschule in Scheyern und danach
resoberfläche. Trotz aller Publikationen am Gymnasium in Freising, wo er am 7.
über die Schiffskatastrophe ist eine Tat- August 1890 das Reifezeugnis erhielt. Er
sache weithin unbekannt geblieben: An erzielte gute bis mittelmäßige Leistun-
Bord des Unglücksschiffes befand sich gen.
auch ein oberbayrischer Pater namens Vom 26. Oktober 1890 bis 31. Juli
Joseph Peruschitz. Die Fahrt mit der Ti- 1894 besuchte er das Königlich-Bayri-
tanic wurde seine letzte Mission. In ei- sche Lyceum in Freising, wo er Philoso-
ner grauen Mappe liegen im Kloster phie und Theologie studierte. Dort er-
Scheyern fein zusammengeschnürt fas- zielte er durchwegs sehr gute Erfolge.
zinierende Zeitdokumente: Das hand- Bereits am 16. April 1894 hatte er um
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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 36

Verschiedenes

geteiltes Opferleben zeitlebens Buße zu


tun und Gott vollkommen dienen zu
dürfen.“
Am 23. August 1894 wurde Benedikt
Peruschitz eingekleidet, bei der einfa-
chen Profeß 1895 erhielt er den Ordens-
namen Joseph. Am 28. April 1895 wur-
de er zum Priester geweiht und feierte
in Dorfen seine Primiz. Mit einer Son-
dererlaubnis legte er erst nach der Prie-
sterweihe die feierlichen Gelübde ab.
Bereits vom Schuljahr 1895/96 an wur-
de er in der Schule und im Knabense-
minar eingesetzt als Präfekt, Lehrer für
Mathematik, Musik und Turnen. Bei
den Schülern war er sehr beliebt. Die
Buben liebten und verehrten ihren Pa-
ter Joseph, wie viele Schreiben an das
Kloster Scheyern nach dem Titanic-Un-
tergang bezeugen. Peruschitz sollte
beim Aufbau eines Gymnasiums der
Amerikanisch-Casinensischen Benedik-
Pater Joseph Peruschitz OSB tiner-Kongregation im Bundesstaat
Minnesota mitwirken und wurde nach
Nordamerika berufen. Der 41jährige
Aufnahme in das Kloster Scheyern ge-
buchte um 155 Goldmark eine Passage
beten. In seinem Gesuch schreibt er un- dritter Klasse. Bis zur Einschiffung vom
ter anderem: „Es sind nun schon bald Hafen Southhampton wohnte er im
zwei Jahre, daß ich ernstlich daran den- Kloster St. Augustine bei Ramsgate in
ke, Benediktiner zu werden. Ich habe der englischen Grafschaft Kent. Seine
hierüber auch mit meinem Beichtvater Familie wußte noch nichts von dem
öfters geredet. Jetzt aber bin ich fest ent- Ortswechsel. Erst nach der Ankunft in
schlossen diesem, wie ich zuversicht- Amerika wollte Peruschitz sie mit der
lich hoffe, von Gott stammenden Ruf zu Vollzugsmeldung überraschen. Aber es
folgen. Dazu veranlaßt mich besonders sollte anders kommen. Der Wunsch,
einmal meine natürliche Neigung zu ei- seinem Leben noch einmal eine ganz
ner einsamen und doch wieder gemein- neue Wendung zu geben, ging nicht in
samen Lebensweise, sodann das auf- Erfüllung.
richtige Verlangen, für die Sünden und Eine Woche nach Reisebeginn, am
Verirrungen meiner Jugendzeit durch 14. April kurz vor Mitternacht, herrscht
ein in Gebet und heiligem Gehorsam in den Bars auf dem Luxusdeck der Ti-
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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 37

Verschiedenes

tanic Hochbetrieb.
Während unten im Ma-
schinendeck bereits die
Wassermassen herein-
stürzen, flirten elegante
Menschen oben auf dem
Deck, feiern und blicken
in den Sternenhimmel.
Kaum einer der Passa-
giere nimmt so recht
wahr, daß das Schiff
vom Eisberg fast in hal-
ber Länge regelrecht
aufgeschlitzt wurde. Als
die Menschen die Kata-
strophe so recht wahr-
nehmen, bricht Panik Der Untergang der Titanic
aus: Die Mannschaft ver-
teilt die wenigen
Schwimmwesten, dirigiert Frauen und der sich bei dem Unglück abspielte. Pa-
Kinder in die paar Rettungsboote. Ob- ter Peruschitz und auch Pater Byles hal-
wohl für die rund 2200 Passagiere viel fen ohne Unterlaß. Einige merkten die
zu wenig Rettungsboote an Bord wa- Gefahr anfangs noch nicht; als diese
ren, nahm zunächst kaum einer die aber näher kam und die Aufregung
Aufforderung ernst, schließlich galt das furchtbar wurde, verlangten alle mit
Schiff als unsinkbar! Im Speisesaal der größter Inbrunst nach dem Beistand der
ersten Klasse wurde Kaviar und Hum- Priester.“
mer serviert, Champagner getrunken Man tröstete die Einsteigenden in
und Puccini gespielt. Erst als die Ret- den Rettungsbooten mit schönen Wor-
tungsboote wie Nußschalen auf den At- ten. Einige Frauen wollten sich nicht
lantikwellen schaukelten, hörte die von ihren Männern trennen und lieber
Bordkapelle auf zu spielen. Zu den letz- mit ihnen sterben. Erst als sich keine
ten, die Haltung bewahrten, gehörte Frauen mehr in der Nähe befanden, ließ
auch Pater Peruschitz sowie ein engli- man einzelne Männer einsteigen. Nach
scher Pater namens Byles. Sie waren so- Aussagen von Überlebenden bot man
fort zur Stelle, um allen zu helfen. Ein auch Pater Peruschitz einen Platz an,
Augenzeuge schilderte der New Yorker den dieser jedoch ablehnte. Als das letz-
Zeitschrift America: „Alle Überleben- te Rettungsboot hinuntergelassen wur-
den, mit denen wir gesprochen haben, de, bleiben noch mehr als 1600 Men-
berichten von einem außerordentlich schen zurück, welche dem Tod ins An-
ergreifenden und tröstlichen Vorfall, gesicht zu schauen hatten. Wie erging
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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 38

Verschiedenes

es eigentlich dem Kapitän Smitz? Er ster mit ihren zum Segen erhobenen
stand schon mit den Achseln im Wasser Händen inmitten einer betenden Schar
auf dem Verdeck, als er eine Frau mit ei- untergingen.“ Sie gingen inmitten derer
nem Kind sah. Er faßte beide und unter, denen Gott noch in letzter Stunde
schwamm mit ihnen zum nächsten Ret- die Gnade der Bekehrung geschenkt
tungsboot. Als er sie in Sicherheit ge- hatte und die mit ihnen gottergeben das
bracht hatte, wollte er nicht aufgenom- Opfer ihres Lebens brachten. Agnes
men werden, obwohl man ihn dazu Mac Goy gab zu Protokoll: „Man konn-
drängte, sondern er entfernte sich und te nichts mehr sehen, aber man hörte
verschwand für immer. Beim Sinken weder Jammergeschrei noch Schrek-
des Schiffes spielte die Schiffskapelle kensrufe. Nur die friedvollen Stimmen
den Choral „Näher mein Gott zu dir, des Gebetes klangen herüber als das
näher zu dir!“ Schiff unterging.“ Weit über 3000 Meter
Die beiden Priester ermunterten die tief. Es war der kostspieligste Sarg, den
Todeskandidaten laut Augenzeugin die Welt je geschaut - stummer Zeuge
Agnes Mac Goy, „sie sollten Akte der von menschlicher Technikgläubigkeit
Reue erwecken und sich bereit machen, und hilfloser Ohnmacht zugleich.
Gott von Angesicht zu Angesicht zu An Pater Peruschitz erinnert im Klo-
schauen. Sie beteten den Rosenkranz ster Scheyern eine bescheidene, unter
vor, und die anderen antworteten.“ vielen anderen Marmortafeln kaum
Währenddessen rückte das Ende näher: auffallende Gedenkplatte im Kreuz-
Das Meerwasser strömte in die Kajüten. gang des Klosters. „In Frieden möge Jo-
Gegen zwei Uhr nachts knien viele der seph Peruschitz ruhen“, ist darauf ge-
Passagiere nieder, weinen, manche le- meißelt, „der auf jenem Schiff Titanic
gen die Beichte ab. Die Geistlichen wa- fromm sein Leben hingab.“
ren unablässig bemüht, den Todgeweih-
ten beizustehen und bald den im Was-
(aus: Betendes Gottesvolk 1998/3, Nr.
ser mit dem Tode Ringenden, bald den
125)
auf dem Schiffe Betenden die Losspre-
chung zu erteilen. Bevor auf der Titanic
die Lichter ausgehen, das Heck wie ein
zum Himmel gestreckter Finger hoch-
kippt und dann lärmend endgültig in
die Tiefe taucht, erteilen Pater Peru-
schitz und sein Amtsbruder die Gene-
ralabsolution. „Viele von den 750 Geret-
teten“, schreibt später eine Zeitung,
„die von ihren Booten aus zusahen, wie
das Schiff in den Wellen verschwand,
erzählten, sie würden es nie in ihrem
Leben vergessen, wie die beiden Prie-
38
MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 39

Liturgischer Kalender
Januar
1.1. Freitag Oktavtag vom Fest der Geburt Unseres Herrn
(1. Kl.)
2.1. Samstag Herz-Mariä-Sühnesamtag
3.1. Sonntag Fest des heiligsten Namens Jesu (2. Kl.)
4.1. Montag Wochentag
5.1. Dienstag Wochentag
6.1. Mittwoch Fest der Erscheinung des Herrn (1. Kl.)
7.1. Donnerstag Wochentag
8.1. Freitag Wochentag
9.1. Samstag Mariensamstag
10.1. Sonntag Fest der Heiligen Familie (2. Kl.) (1. Sonntag nach
Erscheinung)
11.1. Montag Wochentag
12.1. Dienstag Wochentag
13.1. Mittwoch Fest vom Gedächtnis der Taufe Unseres Herrn (2. Kl.)
14.1. Donnerstag Fest des hl. Hilarius (3. Kl.)
15.1. Freitag Fest des hl. Paulus, erster Eremit (3. Kl.)
16.1. Samstag Fest des hl. Marcellus I. (3. Kl.)
17.1. Sonntag 2. Sonntag nach Erscheinung
18.1. Montag Wochentag
19.1. Dienstag Wochentag
20.1. Mittwoch Fest der hll. Fabian und Sebastian (3. Kl.)
21.1. Donnerstag Fest der hl. Agnes (3. Kl.)
22.1. Freitag Fest der hll. Vincentius und Anastasius (3. Kl.)
23.1. Samstag Fest des hl. Raymund von Peñaforte (3. Kl.)
24.1. Sonntag 3. Sonntag nach Erscheinung
25.1. Montag Fest d. Bekehrung Pauli (3. Kl.)
26.1. Dienstag Fest des hl. Polykarp (3. Kl.)
27.1. Mittwoch Fest des hl. Johannes Chrysostomus (3. Kl.)
28.1. Donnerstag Fest des hl. Petrus Nolascus (3. Kl.)
29.1. Freitag Fest des hl. Franz von Sales (3. Kl.)
30.1. Samstag Fest der hl. Martina (3. Kl.)
31.1. Sonntag Sonntag Septuagesima (2. Kl.)
39
MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 40

Heilige Messen
Ort Name PLZ, Straße Tel. Meßzeiten s
DEUTSCHLAND
Aachen Kapelle St. Petrus Canisius 52072, Brüggemannstr. 12 0201/664922 9.15/18.00 (1. u.
Altötting Kapelle Maria Hilf 84503, Dr. Hiemer Str. 3 08671/13201 9.00 bzw. 1. So 1
Augsburg siehe Königsbrunn
B. Friedrichshall Kapelle Sieben Schm. Mariens 74177, Ulmenweg 4 06321/32260 9.00 bzw. 18.00
Berlin Kapelle St. Petrus 10961, Mehringdamm 64 030/7859225 9.30/ 18.30 (Fr), 8
Bonn Priorat Christkönig 53111, Kaiser Karl Ring 32 a 0228/679151 8.00, 10.00/ 7.15,
Brilon Wald Karmel St. Josef 59929, Korbacher Str. 89 02961/6445 10.00/ 8.00
Spiritual 59929, Korbacher Str. 99 02961/908134
Diestedde Don-Bosco-Gymnasium 59329, Lange Str. 1 02520/93040 10.00/6.40
Essen Priorat St. Bonifatius 45356, Bottroper Str. 295 0201/664922 8.00, 9.30/ 7.15, 1
Freiburg Kapelle St. Antonius v. Padua 79114, Wiechertstr. 2B 07643/6980 9.00 bzw. 18.00
Fulda Kapelle M v.d. Immerw.Hilfe 36037, Heinrichstr. 45 0661/72674 9.30 oder 17.00
Göffingen Priorat Hl. Geist 88527, Biberacher Str. 2 07371/93640 8.00, 9.30/ 7.15, 1
Noviziat St. Pius X. (wie Priorat) 07371/13736
Hagstedt Kapelle Herz Jesu u. Mariä 49429 0201/664922 9.30
Hamburg Kapelle St. Theresia v. Avila 22297, Alsterdorfer Str. 210 040/5116813, 8320283 10.30/ 18.00 (Fr)
Hannover Kapelle St. Ansgar 30419, Hartungstr. 11 02520/93040 9.30 bzw. 17.00
Hattersheim Kapelle St. Athanasius 65795, Schulstr. 7 06190/2644, 0711/89692929 8.00, 10.00/ 18.00
Häusern Kloster Marienberg 79837, Haselwies 10 07672/328 8.45/ 7.00
Heilbronn siehe Bad Friedrichshall
Karlsruhe Kapelle Herz-Jesu 76149, Sudetenstr. 93-95 0711/89692929 9.00 bzw. 18.00,
Kaufbeuren Kapelle Hl. 14 Nothelfer 87600, Dr. Muschak-Str. 14 07371/93640 9.00/ 1. Fr 19.00
Kleve Kapelle Maria, Trösterin d. Betr. 47533,Van Bracht-Steege 0201/664922 18.00 (1. u. 3. So
Koblenz Kapelle Mariä Heimsuchung 56073, Bahnhofsweg 6 0261/408246, 0228/679151 10.00/ 18.00 (Fr),
Köln Kapelle Hl. Drei Könige 50668, Am Salzmagazin 6 0228/679151 10.00/ 18.30 (Mi),
Königsbrunn Kapelle Mutter vom Großen Sieg 86343, Keltenstr. 9 08231/34146, 08236/5395 9.00/ verschieden
Lübeck St. Katharinenkirche 23552, Königstr. 27 0201/664922 -/ 17.30 (Sa)
Memmingen Kapelle St. Josef 87700, Tummelplatzweg 15 089/712707 7.45, 9.30/ 19.00
Miltenberg Kapelle St. Judas Thaddäus 63897, Mainzer Str. 14 06321/32260 9.00 bzw. 16.00
München Priorat St. Pius X. 81369, Johann Clanze Str. 100 089/712707 7.30, 9.30/ 6.30, 1
Neustadt Priorat Hl. Familie 67433, Mandelring 36 06321/32260 8.00, 9.30/ 7.15 (
Nürnberg Kapelle Unbefleckte Empfängnis 90478,Angerzeile 14 09451/1225, 3659 9.45 bzw. 15.00
Offenburg Kapelle St. Konrad 77654, Werderstr. 2 07643/6980 9.00 bzw. 18.00/
Passau Rosenkranz-Kapelle 94032, Kapuzinerstr. 75 09451/1225 So 8.10 Rosenkra
Reutlingen Kirche Hl. Kreuz 72770, Im Staudfuß 9 0711/89692929 9.00/ 18.45 (Di), 1
Rheinhausen Priorat St. Michael 79365, Kronenstr. 2 07643/6980 9.00/ 6.30 (Mo, M
Saarbrücken Priorat St. Maria zu den Engeln 66119, Julius Kiefer Str. 11 0681/854588 7.45, 9.30/ 7.00 (
40
MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 41

Meßzeiten sonntags/werktags

9.15/18.00 (1. u. 3. Mi) Nähe Ponttor


9.00 bzw. 1. So 16.00

9.00 bzw. 18.00 Kochendorf


9.30/ 18.30 (Fr), 8.00 (Sa), übrige Tage anfragen U-Bahn Mehringdamm (U6 u. U7)
8.00, 10.00/ 7.15, 8.00 (Sa), 18.00 (Di, Fr)
10.00/ 8.00

10.00/6.40 Wadersloh
8.00, 9.30/ 7.15, 17.45 Bergeborbeck
9.00 bzw. 18.00
9.30 oder 17.00
8.00, 9.30/ 7.15, 19.30 (Do zusätzlich), 1. Fr u. Sa nur 19.30

9.30 bei Vechta


0283 10.30/ 18.00 (Fr) Alsterdorf
9.30 bzw. 17.00 Vinnhorst
92929 8.00, 10.00/ 18.00 (Do, Fr), 8.00 Sa
8.45/ 7.00

9.00 bzw. 18.00, im Winter 9.00 bzw. 17.00 ehem. Kasernengelände


9.00/ 1. Fr 19.00 Neugablonz
18.00 (1. u. 3. So) Nähe Stiftskirche
9151 10.00/ 18.00 (Fr), 8.00 (Sa) Moselweiß
10.00/ 18.30 (Mi), 8.00 (Sa) beim Ursulaplatz
/5395 9.00/ verschiedene Zeiten bei Augsburg
-/ 17.30 (Sa)
7.45, 9.30/ 19.00 bzw. 19.30 (Sommer) (Fr, 1. Sa), 7.15 (Sa)
9.00 bzw. 16.00
7.30, 9.30/ 6.30, 18.00 (außer Mo), 8.00 (Sa) U-Bahn: Partnachplatz (U6)
8.00, 9.30/ 7.15 (außer Di, Fr: 19.00) N. (Weinstraße); Haardt
9.45 bzw. 15.00 Nürnberg-Zirndorf
9.00 bzw. 18.00/ 19.00 (1. Fr)
So 8.10 Rosenkranz, 9.00 hl. Messe Innstadt
9.00/ 18.45 (Di), 19.30 (1. Fr) Betzingen
9.00/ 6.30 (Mo, Mi)/ 19.00 (Do, Fr), 7.00 (Sa), 20.00 (1. Sa) Niederhausen
7.45, 9.30/ 7.00 (Mo, Mi, Do, Sa), 17.40 (Di, Fr)
41
MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 42

Ort Name PLZ, Straße Tel. Meßzeiten s


Schönenberg St. Theresien-Gymnasium 53809, St. Vinzenz-Str. 2 02295/5082, 5163 10.00/6.35
Schramberg Kapelle Sel. Bernhard von Baden 78713, Hardtstr. 4 0711/89692929 9.00 bzw. 18.00;
Siegen Kapelle St. Trinitas 57072, Tiergartenstr. 37 0228/679151 17.00
Stuttgart Distriktsitz St. Athanasius 70469, Stuttgarter Str. 24 0711/89692929 7.30,9.30/ 7.15, 1
Sulzberg Kapelle Unbefl. Herz Mariens 87477, Bundesstr. 309 08376/8458 9.00
Überlingen Priorat St. Josef 88662, Litscherweg 2 07551/2266 7.30,9.30/ 7.00 (
Weihungszell Seniorenh. St. Josef 88477, Maienfeld 5 07347/6010 7.30, 9.30/ 6.40 (
Priorat St. Christophorus 88477, Kapellenstr. 12 07347/921690 siehe oben
Würzburg Konferenzsaal d. Hbf 0931/72281 15.00 (gewöhnlic
Zaitzkofen Priestersem. Herz Jesu 84069, Hauptstr. 26 09451/1225, 3659 8.00, 10.00/ 7.15

SCHWEIZ –––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Balsthal siehe Oensingen
Basel Priorat St. Theresia v. K. Jesu 4057, Schliengerweg 17 061/6923377 8.00, 10.00/7.00
Carouge Kapelle St. Joseph 1227, Av. du Card. Mermillod 9 022/3426232,7922319 8.30, 10.00, 19.0
Chexbres Karmel Marie Reine des Anges 1605, Cremières 021/9462910,9463206 7.45/ 8.00
Delémont Hl. Geist-Kirche 2800, 1,rue de la Prévóté 061/6923377 9.15/ 18.30 (werk
Ecône Priesterseminar St. Pius X. 1908 027/7443525 7.20, 8.30,10.00/
Enney Exerzitienhaus Domus Dei 1667 026/9211138 7.45/ 7.15
Freiburg Kapelle ULF Hüterin d. Glaubens 1700, 3 bis, route-Neuve 026/9211138 9.30/ 18.45 (Di, D
Genf (siehe Carouge und Onex)
Glis (Brig) Kapelle Hl. Antlitz 3902, Zwingartenstr. 56 027/9233901, 7443525 8.00 (alle 14 Tag
Goldau Kapelle Maria Hilfe d. Christen 6410, Hügelweg 8 041/3608832,7553647 9.30/ 19.15 (Mi)
Lausanne Kapelle Charles B. u. Reg. Pacis 1005, avenue Avant-Poste 7 021/3112814, 026/9211138 8.30, 10.00/ anfr
Luzern Kapelle St. Josef 6005, Tribschenstr. 51 041/3608832,7553647 7.30, 9.15/ 19.15
Mels Institut Sancta Maria 8887 081/7234423 8.30 (nicht an all
Menzingen Generalhaus M. Verkündigung 6313, Schloß Schwandegg 041/7553636 7.30/ 7.15
Monthey Kapelle St. Antoine 1870, Av. du Simplon 100 027/3064666, 024/4772351 9.30/ 8.00 (Mi, F
Montreux Kirche ULF v. Lepanto 1820, rue de la Gare 24 026/9211138 10.15/ 19.00 (Mi,
Oberriet Priorat St. Karl Borromäus 9463, Staatsstraße 87 071/7612726 8.30,10.00,19.00
Oensingen Kirche Herz-Jesu 4702, Staadackerstr. 4 062/2161818 9.15/ 7.15 (Mo),
Onex Schule St. François de Sales 1213, 23, rue Gaudy-Le-Fort 022/7934211 -/ 7.15
Rickenbach Distriktsitz St. Niklaus v. Flüe 4613, Solothurner Str. 11 062/2161818 7.15/ 7.15
Riddes Kapelle Sts Coeurs de J. et M. 1908 027/3064666 9.30, 19.00/ 19.3
Siders Priorat Herz Jesu 3960, rue des Lacs 25 027/4555322 8.30, 18.00/ 6.45
Sitten Kapelle Hl. Familie 1950, rue de la Bourgeoisie 027/3228102,4555322 7.45,10.30/ 18.00
St. Gallen Kapelle St. Pius X. 9000, Zürcher Str. 68a 071/9122933 9.00/ 18.30 (Mi, 1
Uznach Kapelle St. Meinrad 8730, Im Städtchen 8 081/7234423 jeden 2. Sonntag
Wil Priorat Hl. Familie 9500, Florastr. 3 071/9122933 7.30, 9.30, 19.30
42
MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 43

Meßzeiten sonntags/werktags
3 10.00/6.35 b. Ruppichteroth
9.00 bzw. 18.00; im Winter 9.00 bzw. 17.00 Sulgen
17.00
7.30,9.30/ 7.15, 18.00 (Mo. Do, Fr) Feuerbach
9.00 Bodelsberg 5 (Kempten)
7.30,9.30/ 7.00 (Mo, Do), 7.30 (Sa), 18.30 (Di, Fr) Mi, 19.00 hl. Messe in Scheidegg
7.30, 9.30/ 6.40 (Fr 18.30)
siehe oben
15.00 (gewöhnlich 3. Sonntag)
9 8.00, 10.00/ 7.15, 17.15

––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––

8.00, 10.00/7.00 (Mo, Do), 19.00 (Di, Mi, Fr), 8.00 (Sa) Kapelle im Schl.weg 33
2319 8.30, 10.00, 19.00/ 18.30 (außer Sa 9.00)
3206 7.45/ 8.00
9.15/ 18.30 (werktags jeden Freitag) Ecke rue de Chaux
7.20, 8.30,10.00/ 7.15 (Festtage 6.50), 17.30 bei Riddes
7.45/ 7.15
9.30/ 18.45 (Di, Do, Fr., 1. Sa, 13.) Eingang PROMS, Bhf

43525 8.00 (alle 14 Tage)


3647 9.30/ 19.15 (Mi)
9211138 8.30, 10.00/ anfragen
3647 7.30, 9.15/ 19.15 (Di, Fr), 7.15 (sonst)
8.30 (nicht an allen So)/Mo-Sa unregelmäßig
7.30/ 7.15
4772351 9.30/ 8.00 (Mi, Fr), 18.00 (1. Sa)
10.15/ 19.00 (Mi, 1. Fr, 1. Sa)
8.30,10.00,19.00/ 7.00+18.00, (Di) 19.00
9.15/ 7.15 (Mo), 19.15 (Do, Sa u. 1. Fr im Monat)
-/ 7.15
7.15/ 7.15
9.30, 19.00/ 19.30 nahe Sägerei Fournier
8.30, 18.00/ 6.45 (Mo), 18.30 (Mi-Fr), 7.15 (Sa)
5322 7.45,10.30/ 18.00 (Mo-Mi, Fr), 7.45 (Do, Sa) hinter dem Bahnhof
9.00/ 18.30 (Mi, 1. Fr)
jeden 2. Sonntag (in Mels anfragen)/ 18.45 (Mo)
7.30, 9.30, 19.30/ 7.15, 18.45 (Di), 19.30 (Do), 18.45 (Fr), 8.00 (Sa), 18.00 (1. Sa)
43
MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 44

Ort Name PLZ, Straße Tel. Meßzeiten


Zürich Kapelle Christkönig 8048, Im Struppen 11 062/2161818 10.00/ 19.15 (Mi,

ÖSTERREICH ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Graz Kapelle St. Thomas von Aquin 8010, Körösistr. 17 01/8121206 9.00 oder 17.00
Innsbruck Priorat Maria Hilf 6020, Höttingergasse 14 0512/273826 9.00/ 7.15 (Di, D
Jaidhof Distriktsitz Kath. Bildungshaus 3542 02716/6515 9.00/ 7.15, 17.4
Klagenfurt Kapelle St. Hemma von Gurk 9020, Villacher Ring 5 01/8121206,0463/507873 9.00 oder 17.00
Lienz Kapelle Maria Miterlöserin 9900, Rohracherstr. 7 04852/70995, 02716/6515 18.00 (jeden 2.
Piesendorf Kapelle Herz Jesu 5721, Walchen 51 0512/273826 18.00 (einmal im
Salzburg Kapelle St. Pius X. 5020,Schillinghofstr. 6 0512/273826 9.00 (einmal im
Ternberg Haus St. Josef 4452, Breitenfurt 55-57 02716/6515 9.00, manchma
Wien Priorat St Klemens M. Hofbauer 1120, Fockygasse 13 01/8121206 7.15 (Di-Fr), 8.0
Kirche St. Josef 1070, Bernardgasse 22 01/8121206 7.00, 9.00 (So+
(vom Ausland: 00431/8121206)
UNGARN ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Budapest VIII Hotel Platanus 1087, Könyves Kalman krt. 44 10.00 (3. So im
TSCHECHIEN ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Prag 4 Chodovská tvrz Ledvinowa ul. 9 10.00 (2. So im
Brünn Radnická 10 Sa vor dem 2. S
SÜDTIROL ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Spinges Pfarrkirche 39037 6.30, 9.00/ 7.00
St. Lorenzen 39030, Hl. Kreuz-Str. 27 8.00/ 7.30
FRANKREICH (Elsaß und Lourdes) –––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Bitsch Schule Etoile du Matin 57230 03.87-06.53.90 10.00 (auch Fe
Colmar Kapelle Saint-Joseph 68000, 22, rue Ampere 03.89-41.78.12, -389-27.10.04 10.00, So nach
Straßburg Priorat Notre Dame du Rosaire 67000, 28, rue Faub. de Pierre 03.88-22.61.06 10.00/ 18.30 (M
Mülhausen Priorat Marie Reine 68100, 195, rue de Bâle 03.89-44.66.93 10.45/ 20.30 (1
Lourdes Priorat Coeurs de Jésus et M. 65100, 1, route de Pau 05.62–94.24.42 9.00, 18.00/ 18.
ITALIEN/ROM ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Albano Laziale Pilgerhaus Fraternità San Pio X 00041 Via Trilussa 45 0039/69306816 (anfragen)
NIEDERLANDE –––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Gerwen-Nuenen Priorat St. Clemens 5674 RR Heuvel 23 040/2834505 (D: 0031) 11.30/ 18.30 (M
BELGIEN ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Antwerpen Priorat v. h. Allerh. Sacrament 2018, Hemelstr. 23 00323/2330449 7.30, 10.00 (au
Brüssel Priorat Christ-Roi 1050, Rue de la Concorde 39 00322/5500020 7.45, 9.00,10.30
Gent Kapelle Sint-Amandus 9000, Kortrijkse Steenweg 139 00323/2330449 10.00 (auch Fe
Namur Kapelle St. Aubin 5000, Rue Delvaux 10 00323/5500020 10.30/ 19.00 (M

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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 45

Meßzeiten sonntags/werktags
10.00/ 19.15 (Mi, Fr) Altstetten

–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
9.00 oder 17.00/ 17.00 (Sa) oder 7.00 (Mo)
9.00/ 7.15 (Di, Do), 19.00 (Mo, Mi, Fr), 18.00 (Sa)
9.00/ 7.15, 17.45 (Mi)
/507873 9.00 oder 17.00/ 18.00 (Sa) oder 7.30 (Mo)
716/6515 18.00 (jeden 2. Sonntag)
18.00 (einmal im Monat 9.00)
9.00 (einmal im Monat 18.00) (Sa 18.00, wenn So 9.00) Rückgebäude
9.00, manchmal 18.00
7.15 (Di-Fr), 8.00 (Sa)
7.00, 9.00 (So+Feiertag)/ 18.00 (Mo, Di, Do, Fr)
6)
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
10.00 (3. So im Monat)
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
10.00 (2. So im Monat)
Sa vor dem 2. So im Monat 17.00
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
6.30, 9.00/ 7.00 nördlich Brixen
8.00/ 7.30 Pustertal
–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
10.00 (auch Feiertage)/ 7.00 Eguelshardt-Waldeck
9-27.10.04 10.00, So nach 1. Sa zusätzlich 7.00 Nähe Fußballst. Ladhof
10.00/ 18.30 (Mi, Fr)
10.45/ 20.30 (1. Fr)
9.00, 18.00/ 18.00 (telefonisch anfragen)
–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
(anfragen)
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
: 0031) 11.30/ 18.30 (Mo, Do), 7.15 (Di, Mi u. Fr), 8.00 (Sa) tel. Ausk. auch f. Maastricht u. Den Haag
–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
7.30, 10.00 (auch Feiertage)/ 11.00 (Sa), 18.30 (sonst)
7.45, 9.00,10.30/ 7.15, 18.30 (außer Sa: 8.00)
10.00 (auch Feiertage)
10.30/ 19.00 (Mi)

45
MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 46

Termine und Daten


Ignatianische Exerzitien 1999
Deutschland
11.-16. Februar Häusern Frauen (über Fasching)
29.3.-3. April Diestedde Frauen (Karwoche)
5.-10. April Zaitzkofen Männer (Osterwoche)
10.-15. Mai Häusern Männer (Christi Himmelfahrt)
14.-19. Juni Häusern Frauen
5.-10. Juli Göffingen Schwestern
12.-17. Juli Zaitzkofen Priester
12.-17. Juli Häusern Frauen
19.-24. Juli Diestedde Brüder
9.-14. August Zaitzkofen Männer
27.8.-1. September Oberstdorf Frauen
1.-4. September Oberstdorf Mädchen (14-17 Jahre)
5.-8. September Oberstdorf Jungen (14-17 Jahre)
8.-13. September Oberstdorf Männer
4.-9. Oktober Diestedde Frauen
26.-31. Dezember Zaitzkofen Männer
Anmeldung: Priesterseminar Herz Jesu, Zaitzkofen, 84069 Schierling

Österreich
21.-27. März Jaidhof Frauen
5.-10. April Ternberg Männer
9.-15. Mai Spinges (Südtirol) Frauen
16.-22. Mai Spinges (Südtirol) Männer
4.-10. Juli Jaidhof Männer
11.-17. Juli Ternberg Frauen
Anmeldungen: Kath. Bildungshaus, Schloß, A-3542 Jaidhof 1

Schweiz
22.-27. Februar Frauen
8.-13. März Männer
12.-17. April Frauen
11.-16. Oktober Frauen
25.-30. Oktober Männer
22.-27. November Männer
Anmeldung: Pater H. Mörgeli, Postfach 302, CH-9501 Wil SG

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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 47

Ferienlager 1999

Deutschland

Kleine Mädchen (8-13 Jahre)


Haus Langhärdle (Schwarzwald)
Donnerstag, den 29.7. bis Donnerstag, den 12.8.1999

Kleine Jungen (8-13 Jahre)


Haus Langhärdle (Schwarzwald)
Freitag, den 13.8. bis Freitag den, 26.8.1999

Exerzitien im Kloster Marienberg, 79837 Häusern

11. - 14. März und 14. - 17. Oktober:


Marianische Exerzitien: „Durch Maria zu Jesus“
Einführungskurs in das Goldene Buch für solche, die die Ganzhingabe
noch nicht abgelegt haben.

Diese Kurse sind für alle Stände. Beginn 15 Uhr; Schluß 16 Uhr
Anmeldung: Priesterseminar Herz Jesu, Zaitzkofen, 84069 Schierling

Wallfahrten 1999
Frankreich – Lourdes
26. April – 4. Mai

Italien – Rom
4. – 16. Oktober

Informationen bei:
Glattal-Reisen, Tel. 07455/91292 Fax 07455/91293

47
MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 48

Die Schulen der Priesterbruderschaft


Die Schulen der Priesterbruderschaft St. Pius X. sind Bekenntnis-Schulen, die
vom Geist der katholischen Glaubenslehre geprägt sind. Sie bauen auf den Prin-
zipien der Erziehungsenzyklika „Divini illius magistri“ von Papst Pius XI. auf.
Das konkrete Vorbild in der Erziehungsarbeit ist der große Jugendpädagoge
Don Bosco. Nach seinem Beispiel kommen der Gottes- und der Nächstenliebe,
dem menschlichen Verständnis und der religiösen Haltung eine zentrale Bedeu-
tung bei der Formung von Geist und Seele zu.
Ziel aller Schulen ist es, frohe, selbständige junge Menschen heranreifen zu
lassen, die gelernt haben, ihr Leben auf der Grundlage einer christlichen Über-
zeugung zu gestalten.
Die Schulen gewährleisten mit qualifizierten Lehrkräften einen den öffentli-
chen Schulen ebenbürtigen Unterricht. Die Schülerinnen oder Schüler sollen
nach Beendigung der Schule in der Lage sein, eine Berufsausbildung oder ein
Studium erfolgreich zu absolvieren.
Die Internate bilden mit einer altersgemäßen Betreuung das Umfeld, in dem
die Heranwachsenden das Verhalten in der Gesellschaft einüben und sich har-
monisch entfalten können.
Weitere Informationen erhalten Sie:

Diestedde Schönenberg Saarbrücken


Don Bosco Gymnasium St. Theresien-Gymnasium Grundschule St. Arnual
(für Jungen) (für Mädchen) (für Jungen und Mädchen)
Sekundarschule Herz Jesu
(für Jungen)
Rektor Rektorin Rektor
P. Michael Weigl Schw. Michaela Metz P. Peter Lang
Lange Str. 1 St. Vinzenz-Str. 2 Julius-Kiefer-Str. 11
D-59329 Wadersloh D-53809 Ruppichteroth D-66119 Saarbrücken
Tel. 02520/9304-0 Tel. 02295/5082 u. 5163 Tel. 0681/8555-41
Fax 9304-44 Fax 2166 Fax 855434

Mels
Institut Sancta Maria Tel. 081/723 44 23
Sekundarschulde Fax 081/723 08 38
(für Mädchen)
Rektor
P. Lukas Weber
Fabrikstr. 24
CH-8887 Mels

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MB Januar 19.06.1999 12:08 Uhr Seite 49

Neuerscheinungen
Das christliche Abendland und
die fremden Religionen
Vorträge der Theologischen Sommerakademie
1996 in Schönenberg
Herausgegeben von Dr. Heinz-Lothar Barth
Brosch., 128 Seiten

Erzbischof Lefebvre spricht


29. August 1976 in Lille

Die erste Originalaufnahme von S.E. Erz-


bischof Marcel Lefebvre auf CD mit deut-
scher Übersetzung.

Die Broschüre und die CD sind erhältlich an den Schriftenständen der Priorate
und Kapellen der Priesterbruderschaft St. Pius X. oder direkt bei den Distrikt-
sitzen Stuttgart (D), Jaidhof (A) und Rickenbach (CH).


Bestellung des Mitteilungsblattes
Ich erhalte bisher das Mitteilungsblatt nicht zugeschickt, bin aber am regelmäßi-
gen Bezug interessiert und bitte hiermit um Zustellung (bis auf Widerruf).
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formular bei, das jedoch unverbindlich ist. - Bestelladresse siehe letzte Seite (Impressum).
Vorwort

Aus der Priesterbruderschaft

„Haus Gottes und Pforte des Him-


mels“ ....................................................1
Tradition 30 Jahre in Ecône ...............4
Firmreise mit S.E. Msgr. Richard
Williamson ..........................................8
Eine Heimstatt für die
„Ausgestoßenen“ ..............................13

Verschiedenes
Die „Saatkörner der Wahrheit“ in
den nichtchristlichen Religionen ....15
Die kopernikanische Wende
(Teil 1)..................................................19
Die heilige Messe, das Opfer
des Neuen Bundes (Schluß) ............27
Der wahre Held auf der Titanic ......35

Liturgischer Kalender ......................39

Heilige Messen ................................ 40

Termine und Daten ......................... 46


MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 1

Aus der Priesterbruderschaft

„Haus Gottes und Pforte des Himmels“


Predigt des Generaloberen Msgr. Bernard Fellay anläßlich der Benediktion der
neuen Kirche in Ecône, am 10. Oktober 1998

Im Namen des Vaters und des Soh- pel in Jerusalem erbaut werden Am Tag
nes und des Hl. Geistes. Amen. der Tempelweihe, als er endlich Gott
geweiht werden konnte, wurde er von
Exzellenzen, verehrte Vertreter und einer Wolke umhüllt. Die Heilige
Vertreterinnen der zivilen Behörden, Schrift berichtet uns, wie Salomo bei
liebe Kleriker, Schwestern und Gläubi- dieser Weihe darauf hinwies, daß Gott
ge. in der Wolke wohne. Gott wollte also zu
verstehen geben, dieser Ort sei nun
Heute, wo wir endlich den innigen
nicht mehr einer wie die anderen, son-
Wunsch unseres Gründers, dem wir al-
dern die Wohnung Gottes.
les verdanken, unser Priestertum, unser
Bischofsamt, das Fortdauern der Tradi- Genau das haben wir vorher gesun-
tion, verwirklicht sehen, sind unsere gen. Wir brauchen nicht eine sinnlich
Freude und unser Dank sehr groß. Es wahrnehmbare Wolke. Wir wissen und
war der Wunsch Monseigneurs, dieses glauben diese Tatsache, die durch diese
Projekt realisiert zu sehen, das er fast zwar feierliche, aber doch schlichte Seg-
selbst entworfen und so sehr ersehnt nung zum Ausdruck kommt.
hat. Nun sieht er es vom Himmel aus. Dieses Gebäude wurde von der Welt
In der Tat hat sich oft in der Kir- abgesondert, sozusagen von ihr befreit,
chengeschichte das gleiche abgespielt. von der Welt der Geschöpfe, und wir
Wie oft hat sich die Kirche gegenteili- können sie sogar profan nennen. Dieses
gen Eingriffen beugen müssen, mußte Gebäude wurde für Gott bestimmt und
sie sich zurückziehen, um das Offizi- ihm geweiht. Es ist, so haben wir ge-
um, die heilige Messe, das Opfer an sungen, nichts anderes als das Haus
provisorischen Orten zu feiern. Immer Gottes und die Pforte des Himmels. Zu-
aber war sie bemüht, so schnell als erst wurden die Außen- und Innen-
möglich Stätten zu erbauen, die würdig mauern sichtbar mit einem besonders
waren für die so erhabene Liturgie, für geweihten Wasser gereinigt, und da-
die Größe und Herrlichkeit Gottes, dem nach haben wir mit dem Kreuz den Bo-
dieses Opfer dargebracht wird. So war den gekennzeichnet, und zwar vom Al-
es in der Kirchengeschichte, so war es tar bis zur Eingangspforte und von ei-
auch im Alten Testament. Unsere Freu- nem Seitenschiff zum anderen. Da-
de heute gleicht ein wenig jener Salo- durch kam zum Ausdruck, daß nun
mos. Erst viele Jahrhunderte nach dem Christus, Hoherpriester und Gott zu-
Auszug aus Ägypten konnte der Tem- gleich, von diesem Ort Besitz ergriffen
1
MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 2

Aus der Priesterbruderschaft

hat. Das ganze Erbarmen Gottes hat abermillionen von Toten, und was erst
sich über die Erde geneigt und sie soll man sagen von den Verfolgten und
berührt. Darum ist hier eine neue Him- den Todesopfern des Kommunismus,
melspforte, nichts anderes als das Haus und dann all diese Unschuldigen, die
Gottes und die Pforte des Himmels. im Mutterschoß hingeschlachtet wer-
Msgr. Marcel Lefebvre hat diese Kir- den, und die zahlreicher sind als die
che bauen wollen, weil sie der Mittel- Opfer des Zweiten Weltkriegs. Und
punkt des Seminars ist. Im Seminar dennoch, all diese menschlichen Tragö-
werden Priester ausgebildet, und der dien sind nichts im Vergleich mit einem
Priester ist aus den Menschen heraus- viel tödlicheren Krieg, der unsichtbar
genommen. Auch er ist abgesondert ist und die Seele tötet. Die Worte des
und für die Anliegen bei Gott geweiht, heiligen Paulus sind wirklich auch heu-
und zwar ganz besonders, um das Op- te noch aktuell, wenn er sagt: „Unser
fer darzubringen, das Opfer, nämlich Kampf richtet sich nicht gegen Fleisch
das Opfer Christi selbst. Wenn wir von und Blut.“ Gewiß verursachen diese
diesem Ort sagen dürfen, er sei eine Kriege und Verfolgungen Leid. Aber
neue Schleuse des Himmels, von dem die Mächte der Finsternis, die von einer
aus die Gnaden auf die Erde fließen, unbeschreiblichen Eifersucht auf die
um die Seelen mit dem himmlischen menschlichen Geschöpfe besessen sind,
Leben zu nähren, dann eben wegen des setzen alles daran, um die Seelen von
Opfers, das auf dem Altar dargebracht Gott abzuwenden, um sie zu beschmut-
wird und eine Verlängerung, eine Er- zen und um ihnen das göttliche Leben
neuerung des Opfers auf Kalvaria ist. zu entreißen, das notwendig ist, um in
Ja, wir feiern heute das Priestersemi- den Himmel zu kommen. Es sind wah-
nar, das mit einer Kirche vollendet und re Abgründe, die den Glauben zer-
ausgezeichnet wird, die dem Unbe- stören! Und diese Kräfte haben es ge-
fleckten Herzen Mariens geweiht ist. schafft, in die Kirche einzudringen! Wie
Auch das ist der Wunsch Msgr. Lefebv- sehr also brauchen wir dieses Heilmit-
res. Und warum dem Unbefleckten tel des Himmels, ist es doch der Him-
Herzen Mariens? Wir meinen, daß man mel selbst, der uns diese besondere Ver-
diesen Titel im Lichte Fatimas sehen ehrung des Unbefleckten und Schmerz-
muß. Fatima ist ein Leuchtturm, ein haften Herzens Mariä schenkt.
Licht vom Himmel, das unsere Epoche Ja, Gott wollte diese Epoche, er woll-
erleuchtet, dieses Jahrhundert und te uns ein Herz zur Verehrung geben,
womöglich noch spätere Zeiten. Ein das Herz einer Mutter, das Herz der
Jahrhundert, das wegen seiner Moder- Muttergottes. Ein Herz, das ganz rein
nität gelobt wird, das aber in seiner Bar- und jungfräulich und von einer unaus-
barei, Grausamkeit, Bosheit und Entfes- sprechlichen Liebe erfüllt ist. Papst Pius
selung der Kräfte des Bösen alle ande- IX. sagt uns, daß kein geschaffener
ren übertrifft. In diesem Jahrhundert er- Geist das Gnadenmaß ermessen kann,
lebten wir die Weltkriege mit ihren das Gott Unserer Lieben Frau eingegos-
2
MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 3

Aus der Priesterbruderschaft

sen hat, und zwar vom ersten Augen- allerseligsten Jungfrau Maria und der
blick ihres Lebens an. Die allerseligste Päpste zu einem Rosenkranzkreuzzug
Jungfrau Maria ist die Besiegerin Satans. aufzurufen, im Geiste dieser Päpste, die
Sie zertritt ihm den Kopf, und zwar ge- gegen die Welt und den Geist der Welt
rade durch ihre Liebe, ihre Demut und gekämpft haben, welcher der beste Bun-
ihre Jungfräulichkeit, die bewirkt, daß desgenosse des Teufels ist. Beten Sie,
ihr ganzes Wesen Gott hingegeben ist. daß die Kirche aus dieser schrecklichen
Das Böse hat in ihr keinen Anteil. Es ist Krise herausfinde; daß wieder ihre erste
offensichtlich, daß Gott dieser bösen Sorge die Bewahrung und die Weiterga-
Zeit ein Gegenmittel als Medizin anbie- be des Glaubens sei, der Glaube, der ret-
tet, nämlich das Unbefleckte Herz Mari- tet und ohne den niemand gerettet wer-
ens. Dieses Herz gibt uns die Mittel für den kann. Ein Kreuzzug sagen wir, da-
den heutigen Kampf. mit die heilige Messe von neuem trium-
Die Kirche und in erster Linie die phiere und überall, in der ganzen Welt,
Päpste haben den Aufruf der Mutter- ohne Behinderung und ohne Angst von
gottes wiederholt. Es ist ein Aufruf zur allen Priestern gefeiert werden kann, die
Buße und zum Gebet, und zwar zum dadurch ihre wahre priesterliche Iden-
Rosenkranzgebet. „Betet den Rosen- tität finden werden. Denn die alte Mes-
kranz!“ wiederholen unablässig die se wurde niemals verboten und kann
Päpste Leo XIII., Pius XI., Pius XII. Es ist auch nicht verboten werden. Wie oft
das Mittel, um heute die Familien zu hei- konnten wir bei alten Priestern feststel-
ligen und geeint zu halten. Natürlich len, daß sie allein durch das Zelebrieren
geht es nicht um ein Rosenkranzgebet, der alten Messe, des Opfers, wofür sie ja
bei dem nur fünfzig Ave Maria abgebe- Priester sind, aus jener Depression her-
tet werden, sondern um eines, das man ausfanden, in die sie (durch die neue
betrachtend betet und dabei in die Ge- Messe) geraten waren.
heimnisse unseres Herrn und seiner Ja, es geht um einen Kreuzzug für
Mutter eindringt. Auch sagen diese den Triumph des Unbefleckten Her-
Päpste, daß uns dieses Gebet einlädt, zens. Diese neue Kirche möge ein be-
die Tugenden nachzuahmen, welche ständiger Aufruf sein für alle, die hier
wir betrachten. Ja, daß sich sogar durch vorbeikommen; ein Aufruf, daß es not-
die heilsame Kraft der betrachteten Ge- wendig ist, gerettet zu werden, um un-
heimnisse diese Tugenden in die Seele ser Ziel zu erreichen, für das wir ge-
des Rosenkranzbeters einprägen. schaffen sind; ein Aufruf zur Notwen-
Mehrere Päpste haben deutlich ihren digkeit des Gebetes, und zwar des Ro-
Willen bekundet, daß alle Christen täg- senkranzgebetes, das immer aktuell ist.
lich den Rosenkranz beten. Täglich! Alle Und schließlich, liebe Freunde, ist
Christen! Und so möchten wir die Gele- das heutige Fest auch eine Gelegenheit,
genheit dieses Festes und des Rosen- unserer Freude die Erinnerung an die
kranzmonates nützen, um im Geist der Bischofsweihe vor zehn Jahren hinzuzu-
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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 4

Aus der Priesterbruderschaft

fügen, an diese so kühne, heroische Tat der Glaubensfestigkeit wachsen lassen.


von Msgr. Marcel Lefebvre, denn ohne Aber auch die Priester und Sie, liebe
die Bischofsweihen wäre diese neue Gläubige, mögen in der Liebe zu Gott
Kirche überflüssig. Dank der Bischofs- wachsen, denn wir sind auf Erden, um
weihen konnten so viele Gnaden den Gott zu dienen, zu ehren und zu loben.
Seelen zugewendet werden, konnten so Dazu möge die Reinigung dieser Kirche
viele Priesterweihen gespendet werden. helfen; hier möge Gott verehrt und ver-
Dieser Tag sei wahrhaft ein Tag der herrlicht werden, verherrlicht durch die
Danksagung, ein Tag, an dem wir Gott Heiligung der Seelen und durch die
bitten, er möge zuallererst uns, die Eingießung einer immer glühenderen
Bischöfe, in der Liebe zu Gott und in Liebe in die Herzen der Priester. Amen.

Tradition 30 Jahre in Ecône


Am Gründonnerstag 1968 erfuhr Al- noud sowie Alphonse und Marcel Pe-
phonse Pedroni, ein junger Unterneh- droni den Kaufvertrag.
mer aus Saxon, daß die Stiftsherren vom Im Jahr darauf machte Erzbischof
Großen St. Bernhard Haus und Anwe- Marcel Lefebvre im Pfarrhaus von Fully
sen in Ecône, die sich seit 1302 in ihrem die Bekanntschaft des Rechtsanwalts
Besitz befunden hatten, zum Verkauf Roger Lovey. Im Verlauf der Begegnung
anboten. In diesem Gebäudekomplex kam das Gespräch auch auf Ecône. Erz-
hatten die Stiftsherren bis 1922 eine bischof Lefebvre hatte sich in jener Zeit
Landwirtschaftsschule unterhalten; da- einiger Seminaristen angenommen, die
nach diente das Anwesen dem Obst- vom Französischen Seminar in Rom als
und Gemüseanbau für die Kongregati- zu traditionell zurückgewiesen worden
waren. Da der Unterricht an der Univer-
on sowie als Ausbildungsstätte für jun-
sität Freiburg (Schweiz) in Philosophie
ge Kanoniker. Auch ein Hundezwinger
und Theologie noch gut war, setzten die
mit Bernhardinern gehörte zur Nieder-
Seminaristen dort ihre Studien fort.
lassung. Nun sollte sie ganz aufgegeben Doch der Erzbischof mußte feststellen,
werden. Für Alphonse Pedroni stand daß in Freiburg keine spirituelle For-
fest, daß Ecône nicht in weltliche Hände mung stattfand. „Sie brauchen eine Art
fallen sollte, und er organisierte eine Noviziat“, sagte er zu Rechtsanwalt
Rettungsaktion. Am 31. Mai 1968, dem Lovey. „Warum nicht in Ecône?“ fragte
Fest Mariä Königin, unterzeichneten dieser. Die abgeschiedene Lage Ecônes
Gratien Rousis, Roger Lovey, Guy Ge- schien dem Erzbischof verlockend.
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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 5

Aus der Priesterbruderschaft

Ein Bild aus alten Tagen:


Ecône, als es noch den Stiftsherren
vom Großen St. Bernhard gehörte.

Am 6. Juni 1969 traf sich


Erzbischof Lefebvre auf Anre-
gung seiner Freiburger Freun-
de mit Msgr. Charrière, dem
Bischof von Freiburg; im Ver-
lauf der Unterredung ermu-
tigte ihn dieser, in Freiburg
ein Haus zu errichten. Daraufhin öffne- sammen, besichtigte Ecône und faßte
te am 13. Oktober 1969 das „Internatio- den Entschluß, dort ein Haus für den
nale Konvikt St. Pius X.“ seine Pforten, Spiritualitätsjahrgang einzurichten.
dessen Leitung Mgr Lefebvre persönlich Msgr. Nestor Adam, Bischof von Sitten,
übernahm. erteilte im Juni 1970 diesem Projekt sei-
Da sich für den Jahrgang 1970/71 ne Approbation.
weitere Kandidaten ankündigten, such- In den folgenden Jahren (1971-1972)
te der Erzbischof nach einem anderen wurde mit Erlaubnis von Bischof Adam
Haus, in dem die Seminaristen ein Spiri- und dank der Mitarbeit des Kanonikers
tualitätsjahr durchlaufen sollten, bevor René Berthod der erste Jahrgang Philo-
sie mit den Studien an der Universität sophie eingerichtet. Bald wurde das alte
begannen. So kam er am 22. Mai 1970 Haus „St. Bernhard“ zu klein, immer
wiederum mit Rechtsanwalt Lovey zu- mehr Kandidaten baten um Aufnahme.

Da das Seminar
rasch wächst,
müssen in den
Jahren 1971-73
nacheinander
drei neue
Gebäude errich-
tet werden.
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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 6

Aus der Priesterbruderschaft

So wurden in den Jahren 1971 bis 1973 großem Querschiff. 20 Jahre lang mußte
nacheinander die Gebäude St. Pius X., dieses Bauprojekt auf seine Verwirkli-
St. Thomas und hl. Pfarrer von Ars er- chung warten, bis endlich von den Ge-
baut und schließlich die Lagerhalle in meinden Saxon (23. Dezember 1994)
eine Kapelle umgewandelt. Diese konn- und Riddes (12. Januar 1995) die Bauge-
te und sollte jedoch nur ein Provisorium nehmigung erteilt wurde. Am 16. Janu-
sein. Daher setzte sich Erzbischof Lefeb- ar 1995 begann man mit dem Entfernen
vre 1975 mit dem Architekten Felix Por- der Weinstöcke. Der Grundstein konnte
cellana aus Lausanne zusammen und am 1. November 1995, dem 25jährigen
gemeinsam entwarfen sie die Pläne für Jubiläum der Priesterbruderschaft, von
eine große Kirche in romanischem Stil ihrem Generaloberen Mgr. Bernard Fel-
in Form eines lateinischen Kreuzes mit lay gelegt werden.

Blick auf das Seminar. Rechts im Vordergrund die Seminargebäude, links die neue Kirche. Das
kleine Bild unten links zeigt den Beginn der Bauarbeiten an der Seminarkirche.

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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 7

Aus der Priesterbruderschaft

Sakristei

Blumenraum

Querschiff der Altar Querschiff der


Seminaristen Seminaristen

Kreuzgang Kreuzgang
der Gläubigen der
Für die Gläubigen Schwestern
bestimmtes Haupt-
schiff der Kirche

Vorhalle

Portalvorbau

Vorhalle

Die neue Seminarkirche besteht aus drei Elementen auf zwei Ebenen: Der oberen Kirche mit
einem Hauptschiff, das 350 Gläubigen Platz bietet, und einem Querschiff für 140 Seminari-
sten und Priester, sowie einer Sakristei, einem Blumenraum und einem Glockenturm; dem
Untergeschoß mit einer Vorhalle, in der Bücher ausgestellt und verkauft werden, einem Kreuz-
gang für die Gläubigen, einer Krypta mit sechs Seitenaltären, einer kleinen Grabkapelle, Kell-
erräumen sowie Räumlichkeiten für sanitäre und technische Anlagen; und einem Gebäude für
die Schwestern mit 13 Zimmern, einem Kreuzgang mit Klausur, einem Sprechzimmer, einem
Refektorium, einer Küche und anderen Wirtschaftsräumen. Aus dem oben abgebildeten Grun-
driß ist das Untergeschoß zum Teil ausgeblendet. Er zeigt den Oberteil der Kirche mit den auf
tieferer Ebene gelegenen Anbauten, jedoch nicht die Räumlichkeiten, die sich direkt unter
Haupt- und Querschiff befinden.
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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 8

Aus der Priesterbruderschaft

Firmreise mit S.E. Msgr. Richard Williamson

Dankbar und froh wahren zahlreiche drücken, so daß er sich der Aufmerk-
Gläubige, die im Verlauf der herbstli- samkeit seiner Zuhörer(innen) gewiß
chen Firmreise in Deutschland die An- sein konnte.
wesenheit von S.E. Weihbischof Richard Diese Aufmerksamtkeit war auch bei
Williamson im eigenen Priorat bzw. der dem nachmittäglichen kurzen Vortrag
eigenen Kapelle erfahren und ihn viel- zu spüren, der ursprünglich nicht vor-
fach sogar persönlich begrüßen konn- gesehen war. Doch einige Schülerinnen
ten. hatten selbst spontan – vielleicht war es
Nach der Ankunft des Bischofs aus auch ein Komplott, um einen Vorwand
Amerika auf dem Flughafen in Frank- zu finden, den Bischof um ein Stück am
furt gab es zunächst eine Zwischenstati- Klavier zu bitten – um einen Vortrag ge-
on in Hattersheim, wo der Bischof sich beten, und so fand sich die Schüler-
erholen und für die weitere Fahrt stär- schaft einschließlich einiger Eltern für
ken konnte. Die Ankunft in der Schule eine halbe Stunde am Nachmittag zu-
in Schönenberg gestaltete sich herzlich, sammen. Als sich der Bischof auf den
indem die Mädchen alle zusammenka- abschließenden Wunsch einer Schülerin
men und den Würdenträger mit Gesang hin auch noch bereit fand, ein Stück auf
begrüßten. Zwar machte das Wetter dem Klavier zu spielen (1. Satz der
dem Namen von Schönenberg nicht ge- Mondscheinsonate; wann erlebt man
rade Ehre, aber S. Exzellenz, der ein her- schon einen Bischof, der Klavier spielt?),
vorragender Musikkenner ist (mit Vor- war die Begeisterung kaum mehr zu
liebe für Beethoven und Wagner), bremsen...
schätzte die musikalische Umrahmung Die nächste Station war das Don-
seines Aufenthaltes so sehr, daß er allein Bosco-Gymnasium in Diestedde, wo die
aus diesem Grunde gerne länger geblie- Firmung am Sonntag stattfinden sollte.
ben wäre: „Wo man singt, da laß Dich Zur Begrüßung kamen alle Schüler zu-
nieder“. sammen, wobei P. Weigl und der Schul-
Das Amt am folgenden Tag wurde sprecher einige Worte des Willkommens
pontifiziert, was vor allem den Priestern an den Bischof richteten. Danach ging es
aus Bonn einschließlich der gut einge- – liturgisch korrekt – in die Kapelle, wo
übten Ministrantengruppe des dortigen nach Intonation der entsprechenden Ge-
Priorates zu danken war, die Pontifi- sänge der Bischof den Schülern den Se-
kalämter schon öfter souverän gemei- gen erteilte.
stert hatten. Die Predigt war eine Ermu- Die Predigt vor der Spendung des
tigung zur Treue im Glauben und reli- Firmsakramentes betonte die Notwen-
giösen Praxis, gewürzt mit einigen ihm digkeit, auch gegen den Strom schwim-
ganz eigenen Beispielen und Aus- men zu können. Monseigneurs kritische
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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 9

Aus der Priesterbruderschaft

S.E. Msgr. Williamson bei


der Glockenweihe in
Kleinwallstadt

Haltung zur Technik zeigte sich darin, sowohl Zeitung als auch Radio berich-
daß er das Motto „Weg mit dem 20. teten sachlich darüber. – Schön war die
Jahrhundert“ gleich in die Tat umsetzte, Beteiligung der Gemeinde und Bekann-
indem er das Mikrofon vom Zeremoni- ten am abschließenden Abendessen un-
ar wegtragen ließ. Die Backenstreiche ter dem Vorsitz des Bischofs, den man-
verteilte er mit solchem Schwung, daß che noch aus der Zeit kannten, da er als
die Schüler hell begeistert waren, be- Priester im deutschen Sprachraum öfter
sonders weil einer der Lehrer gefirmt Exerzitien gepredigt hatte.
wurde... Eine weitere Weihe einer Kir-
An den nächsten beiden Tagen, chenglocke schloß sich gleich am Diens-
Montag und Dienstag, sollten jeweils tag an, diesmal mit darauffolgendem
Glocken geweiht werden. Daher führte Hochamt, und zwar in Reutlingen, wo
der Saal unter der neuen Kirche inzwi-
die Fahrt zunächst nach Kleinwallstadt
schen fertig eingerichtet ist und als pro-
in der Nähe von Miltenberg (Franken).
visorische Kapelle dient, bis der Innen-
Die Zeremonie fand am Nachmittag bei
ausbau des Kirchenraumes vollendet
unsicherem Wetter statt, doch gedulde-
sein wird. Zwar war die Glocke diesmal
te sich der Himmel bis zum Ende der
verhältnismäßig klein (250 kg), aber der
Weihehandlung, ehe es regnete. Nicht Besuch des Bischofs war für die Ge-
nur die entstehende Kirche in Klein- meinde ein besonderer Höhepunkt: Es
wallstadt ist ein Glücksfall, sondern war der erste Besuch eines Bischofs seit
auch die Tatsache, daß diese drei der Eröffnung des Gottesdienstraumes
Glocken (aus dem Nachlaß eines ver- in Reutlingen durch S.E. Msgr. Lefebvre
storbenen Pfarrers) kostengünstig er- im Februar 1978. So Gott will, wird im
worben werden konnten. Ansonsten nächsten Jahr ein weiterer Besuch statt-
hätte man, wenigstens vorläufig, keine finden, nämlich für die Konsekration
Glocken angeschafft. Diese Weihe wur- der Kirche. Sehr nett war der Empfang
de von der Öffentlichkeit viel beachtet, durch die Kinder, die am Eingang der
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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 10

Aus der Priesterbruderschaft

Kirche den Bischof mit einem Lied (auf Bischof im Vorbeifahren die in Bau be-
die Melodie von ‘O when the saints’) findliche Kirche in Augenschein, die
begrüßten. äußerlich bereits ihre endgültigen For-
Am folgenden Tag wurde die wohl men angenommen hat. Daß die Ge-
größte Gruppe von Firmlingen im Ver- meinde mit viel Eigenleistung und im
lauf dieser Reise in Rheinhausen ge- wesentlichen eigenen Mitteln dies voll-
firmt. Rechtzeitig zu diesem Besuch bringen konnte, zeugt von Glauben
war die Verschönerung des Altarrau- und Opfergeist. – Firmung und Hoch-
mes fertig geworden, die den Altar mit amt waren würdig umrahmt von einer
einem passenden Hintergrund versieht gut besetzten Schola. Im Rahmen eines
und aus dem begrenzten Raum das Stehempfanges konnten nach der hl.
Bestmögliche macht. S. Exzellenz führte Messe diejenigen, die es wünschten,
in der Predigt aus, daß wir für die auch ein persönliches Wort mit S. Exzel-
Wahrheit kämpfen müssen, aber nicht lenz wechseln. – Die anschließende
irgendwie, sondern hierbei die Ord- Übernachtung war im Priorat in Göffin-
nung der Liebe zu beachten hätten, gen. Den Schwestern hielt S. Exzellenz
denn Gott ist der Urheber von beidem. am fogenden Vormittag vor der Weiter-
– Anschließend waren Firmlinge und fahrt nach Zeitzkofen noch einen Vor-
Familien zum gemeinsamen Essen im trag. Offenbar wurden viele Fragen ge-
Saal des Priorates eingeladen, wo es ne- stellt, denn der Vortrag dauerte weit
ben einer guten Mahlzeit auch einige über die Zeit; die klosterübliche
musikalische Darbietungen und ein Ge- Schweigsamkeit konnte danach wieder
dichtlein von den Kleinen gab. einkehren...
Obwohl die Gemeinde in Memmin- Einer der Höhepunkte dieser Reise
gen weniger Firmlinge hatte, war doch war dann sicher die Einweihung der
der Empfang des Bischofs nicht weni- neuen Kirche in Nürnberg-Zirndorf un-
ger herzlich. Vor der Firmung nahm der ter Assistenz von Priestern und Semina-

In Reutlingen steht die


Glocke
festlich geschmückt
zur Weihe bereit.
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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 11

Aus der Priesterbruderschaft

S.E. Msgr. Richard Williamson


erteilt am Ende des Pontifikalam-
tes, das im Anschluß an die Kir-
chenbenediktion in Zirndorf
gefeiert wurde, den Segen.

Der in neugotischem Stil aus


Eichenholz gefertigte Altar der
Kirche in Zirndorf stammt aus
Holland.

Der frühere Betsaal der


Neuapostolischen Kirche
in Zirndorf wurde in eine
Kirche in neugotischem
Stil umgewandelt.
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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 12

Aus der Priesterbruderschaft

Der neue Altar der Kirche


St. Michael des
Priorates Rheinhausen.

einen Bischof der Bruder-


schaft sahen. Daß es 5 Er-
wachsenenfirmungen gab
und von diesen wiederum 2
erst kürzlich getauft wurden,
zeigt ein wenig die Besonder-
heit dieser Stadt an, die einer-
seits als multikulturell und
risten aus Zaitzkofen. Die Kapelle in multireligiös gilt, andrerseits immer ei-
Nürnberg war von Herrn Schlüter von nen aktiven Katholizismus pflegte. Die
Zaitzkofen aus gegründet und seither Zeremonie selbst wurde von einer gut
auch vom Seminar aus betreut worden. eingeübten Schar von Ministranten voll-
Nachdem ein Gottesdienstgebäude der zogen, die an diesen Besuch noch lange
Neuapostolischen Gemeinde preisgün- zurückdenken werden. Man merkte es
stig erworben werden konnte, begann dem Bischof an, daß er sich für diese
im Januar 1998 der Aus- und Umbau, Stadt interessierte, die er schon einmal
der zügig durchgeführt wurde. Es ent- als Germanistik-Student besucht hatte.
standen ein sehr schöner und sakraler Es fehlte, auch in Anbetracht des 50jähri-
Kirchenraum, in den Kirchenfenster gen Jubiläums der Berliner Blockade, nur
und Altar eingebaut werden konnten, noch der Satz: „Ich bin ein Berliner...“
die bereits älteren Datums sind und aus Daß das Priorat und Distriktssitz St.
Holland stammen. Für eine zukünftige Athanasius in Stuttgart einen würdigen
Priesterwohnung wurde aufgestockt, Rahmen bildeten, um die Reise zu be-
so daß im Prinzip ein kleines Priorat schließen, braucht schließlich fast nicht
entstanden ist. Beten wir, daß es bald mehr erwähnt zu werden. Unzähligen
möglich sein wird, einen ständigen Gläubigen vermittelte die persönliche
Priester vor Ort zu entsenden. Begegnung mit dem Bischof Mut und
Die letzten Stationen der Reise wa- Kraft, zu ihren Überzeugungen und zum
ren Berlin und Stuttgart, von wo aus katholischen Glauben auch in schwieri-
der Bischof wieder nach Winona (Prie- ger Zeit treu zu stehen.
sterseminar) in den USA zurückflog.
Berlin, das in bezug auf die übrigen Pri-
orate der Bruderschaft in Deutschland
eher abgelegen ist, war einer jener Orte,
die seit sehr langer Zeit zum ersten Mal
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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 13

Aus der Priesterbruderschaft

Fürther Nachrichten:

Eine Heimstatt für die „Ausgestoßenen“


Betsaal der Neuapostolischen Gemeinde wurde ausgebaut - In Gegensatz zur
Amtskirche

Zirndorf – In der Bibertstadt gibt es muniziert wurde. Hatte er allerdings


seit kurzem zwei katholische Gottes- vorher Priester und Bischöfe geweiht,
häuser, ein Umstand allerdings, über waren diese Weihen gültig und diese
den die Kirchenoberen alles andere als Priester können formell weiter alle
glücklich sind. In den früher von der kirchlichen Handlungen vornehmen.
Neuapostolischen Kirche genutzten Dekan Webert betont allerdings, daß
Bau in der Angerzeile zog nämlich nach sich diese Priester und auch die ihnen
grundlegender Umgestaltung der anhängenden Gläubigen „eindeutig ge-
„Deutsche Distrikt“ der „Vereinigung
gen den Willen der Kirche stellen“ und
St. Pius X.“ ein, die Gefolgschaft des
natürlich gewärtig sein müssen, in Kir-
von der katholischen Amtskirche aus-
chenzucht genommen zu werden. Erzbi-
gestoßenen und 1991 verstorbenen fran-
schof Lefebvre war ja, so Webert, zuletzt
zösischen Erzbischofs Marcel Lefebvre.
exkommuniziert, und wer jetzt in seiner
Eine kirchliche Weihe erhielt das Nachfolge sei, „zieht sich möglicherwei-
Gotteshaus – als Kirche „Unbefleckte se dieselben Konsequenzen zu“.
Empfängnis“ – allerdings. Vorgenom-
Grund des Zwistes zwischen Heili-
men hat sie Bischof Richard Williamson
aus Großbritannien, ein Gefolgsmann gem Stuhl und den Anhängern von Erz-
Lefebvres, unter Assistenz anderer Prie- bischof Lefebvre ist die Weigerung die-
ster der deutschen St. Pius X.-Vereini- ser „Traditionalisten“, die gesamten Er-
gung („Priorat St. Athanasius“) – und gebnisse des zweiten Vatikanischen
diese Weihe ist für die Amtskirche sogar Konzils (1962 bis 1965 in St. Peter) an-
gültig, obwohl sie nach Auskunft des zuerkennen. So lehnten sie die Öffnung
heimischen katholischen Dekans Alfons der Kirche zur „Welt“ hin ab, wandten
Webert natürlich weder vom Heiligen sich gegen ökumenische Bestrebungen
Stuhl noch vom erzbischöflichen Ordi- und „Vermischung“ mit anderen Kir-
nariat in Bamberg „gewünscht“ war, ja chen, bekämpften „Progressivität“ und
sogar heftig „abgelehnt“ wird. „Dialog“.
Grund für diese verzwickte Lage Äußeres Zeichen des Willens der
sind die Lehren über das Priestertum in Lefebvre-Anhänger, „die Glaubensin-
der katholischen Kirche. Erzbischof Le- halte wie vor dem zweiten Vatikanum
febvre hat sich nach dem zweiten Vati- behalten“ zu wollen, ist besonders die
kanischen Konzil zwar gegen die Amts- Feier der Messe in alter Form. Da wird
kirche gestellt und den Zwist dann so- nicht nur die lateinische Sprache beibe-
weit eskalieren lassen, daß er exkom- halten, sondern der Priester ist auch
13
MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 14

Aus der Priesterbruderschaft

nicht der Gemeinde, sondern dem Altar teshaus völlig aus eigenen Mitteln – al-
zugewandt. so fast allein aus Spenden – einzurich-
ten hatte. Und das war kein leichtes Un-
terfangen.
Die Messe wird noch in alter
Der frühere Betsaal der Neuaposto-
Form gefeiert lischen Kirche in der Angerzeile war ja
Bruderschaft lehnt die „Modernisierun- nur ein mit Flachdach versehener Kir-
gen“ des zweiten Vatikanischen Konzils chenraum ohne Möglichkeit liturgi-
ab – In der Region soll es rund 200 An- scher Handlungen und mit kleinen Ne-
hänger geben benräumen. Deswegen wurde dem Bau
nun ein Satteldach mit Dachreiter auf-
Dabei betont man in der Vereini- gesetzt und eine Apsis für den Altar an-
gung „St. Pius X.“, daß man alles ande- gebaut. Die Nebenräume wurden auf-
re denn die Gründung einer eigenen gestockt, so daß nun auch nach außen
Kirche anstrebt. Man wolle lediglich die der Bau als Gotteshaus zu erkennen ist.
Möglichkeit, seinen Glauben innerhalb Auch im Inneren schuf man sich ei-
der Kirche leben zu können. So sagt Pe- nen „traditionellen“ Kirchenraum. Der
ter Farrenkopf aus Stein, Vertrauens- Altar wurde im neugotischen Stil aus
mann der Vereinigung in unserem Eichenholz geschaffen.
Raum, die Kirche würde unter ihrem Peter Farrenkopf beziffert die Ge-
Schutz ja verschiedensten Glaubens- meinde, die das Gotteshaus künftig
richtungen Raum geben, nur „mit gren- nutzen wird, auf rund 200 Mitglieder
zenlosem Rigorismus“ gehe sie gegen im Ballungsraum. Ob man mit der hie-
die Anhänger der traditionalistischen sigen Gemeinde St. Josef allerdings in
Gottesdienstform vor. Dabei geht nach „gute Nachbarschaft“ kommen werde,
Farrenkopfs Ansicht diese Gegner- ist für ihn unwahrscheinlich.
schaft nicht einmal betont vom Heili-
gen Stuhl aus, sondern von Bischöfen in Adamwalter Wieserner
verschiedenen Ländern, „und da steckt
(Fürther Zeitung vom 4. Dezember
viel Politik dahinter“.
1998)
Auch die Exkommunizierung des
Erzbischofs Lefebvre hält er für „strit-
tig“ und als „Meinung, die nicht vom
Kirchenrecht gedeckt“ ist. Trotzdem
will die katholische Amtskirche mit die-
sem neuen Kirchbau in Zirndorf nichts
zu tun haben und distanziert sich strikt
von Bau und Weihe.
Für die Vereinigung St. Pius X. be-
deutet dies vor allem, daß sie ihr Got-
14
MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 15

Verschiedenes

Die „Saatkörner der Wahrheit“ in den


nichtchristlichen Religionen
von P. Matthias Gaudron

Trotz einiger konservativer Entschei- wegs der Hl. Schrift. Nach dieser sind
dungen, die Papst Johannes Paul II. in die anderen Religionen ein Abfall von
letzter Zeit gefällt hat, hält er an seinem der wahren Religion, die den Menschen
Lieblingsthema Ökumenismus ungebro- am Beginn der Schöpfung durch die Ur-
chen fest. Dies kann man der Ansprache offenbarung gegeben wurde. Wenn sie
bei der Generalaudienz am 9. Septem- auch noch manches Wahre enthalten -
ber 1998 entnehmen. Hierin erklärt der natürliche Wahrheiten oder Reste der
Papst, wie er sich die Entstehung der Uroffenbarung - so ist dieses doch im
verschiedenen Religionen vorstellt. Gesamtzusammenhang entstellt und
Zunächst betont er, daß es ein Anlie- verfälscht. Die anderen Religionen sind
gen seines Pontifikates sei, immer wie- darum schlecht und führen nicht zu
der an die von den Kirchenvätern her- Gott; vielmehr sind die Götzendiener
kommende Lehre von den „Saatkörnern ein Greuel in den Augen Gottes. Der hl.
des Wortes“ in den verschiedenen Reli- Paulus sagt ganz klar: „Was die Heiden
gionen zu erinnern. Dann sagt er: „Vor opfern, opfern sie den Dämonen und
allem müssen wir uns vergegenwärtigen, nicht Gott“ (1Kor 10,20).
daß alles Suchen des menschlichen Geistes Die Worte des Papstes ähneln aber in
in Richtung auf die Wahrheit und das Gute erschreckender Weise der Vorstellung,
und letzten Endes auf Gott hin vom Heili- die die Modernisten von der Entste-
gen Geist angeregt ist. Gerade aus dieser ur- hung der Religion haben. Wie Papst Pi-
anfänglichen Öffnung des Menschen Gott us X. in seiner Enzyklika Pascendi
gegenüber entstehen die verschiedenen Reli- schreibt, lehnen die Modernisten eine
gionen. Nicht selten finden wir an deren Be- äußere Offenbarung ab. Der Glaube
ginn Gründer, die mit der Hilfe des Geistes steigt vielmehr aus dem Inneren empor.
Gottes eine tiefere religiöse Erfahrung ge- Es sind die religiösen Gefühle und Er-
macht haben. An andere weitergegeben, hat fahrungen, die am Beginn der Religion
diese Erfahrung Form angenommen in den stehen und die dann, wegen des Bedürf-
Lehren, den Riten und den Vorschriften der nisses die Religion auch äußerlich zu
einzelnen Religionen“ (Zitate nach OR dt. betätigen, ihren Ausdruck in verschie-
vom 18. 9. 1998 - Hervorhebungen vom denen Riten und Vorschriften finden.
Verfasser). Genau so beschreibt der Papst es: Am
Die Art und Weise, wie hier die Ent- Beginn der Religion finden sich Grün-
stehung der verschiedenen Religionen der, die „eine tiefere religiöse Erfahrung
beschrieben wird, entspricht keines- gemacht haben. An andere weitergege-
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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 16

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ben, hat diese Erfahrung Form ange- und ausdrücklich keinen Sohn hat, ist
nommen in den Lehren, den Riten und nicht der wahre Gott.
den Vorschriften der einzelnen Religio- Nun sagt der Papst aber leider aus-
nen.“ drücklich, daß das Wirken des Heiligen
Einen gewissen Unterschied kann Geistes in den anderen Religionen sich
man noch darin finden, daß der Papst nicht nur auf einzelne Personen, son-
diese religiösen Erfahrungen der Hilfe dern auch auf die Religion als solche be-
des Heiligen Geistes zuschreibt, aber zieht: „Die Gegenwart und das Han-
man kann sich fragen, ob das die Sache deln des Geistes berühren - wie ich in
weniger schlimm macht, sagt der Papst der Enzyklika Redemptoris missio ge-
doch damit implizit, daß der Heilige schrieben habe - nicht nur einzelne Men-
Geist auch andere Religionen gestiftet schen, sondern auch die Gesellschaft
hat. und die Geschichte, die Völker, die Kul-
In den Worten des Papstes findet turen, die Religionen.“ Daher nennt der
sich eine totale Konfusion in bezug auf Papst hier auch das Gebetstreffen von
die notwendige Unterscheidung der Re- Assisi und andere Treffen dieser Art Er-
ligion als solcher und den Mitgliedern eignisse „von großer geistlicher Inten-
der Religionen. Es ist ja wahr, daß ein- sität“.
zelne Menschen in den falschen Religio- Man könnte die Gedanken des Pap-
nen zu einer wahren Gottesbegegnung stes als die Ideen eines Mannes bezeich-
finden können, denn sonst könnte kei- nen, der ohne Blick auf die Offenbarung
ner von ihnen gerettet werden. Eventu- und die Wirklichkeit ein Gedankenge-
ell können sie diese Erfahrung auch an bäude errichtet, ein „Wolkenkuckucks-
andere weitergeben, aber das ist dann heim“, wie man umgangsprachlich
immer trotz der falschen Religion. Nicht sagt. Rein theoretisch könnte man sich
die falsche Religion führt die Menschen ja vielleicht vorstellen, daß die Gründer
zu Gott, sondern es ist der Heilige Geist, der verschiedenen Religionen Reste der
der durch eine besondere Gnaden- Uroffenbarung aufgriffen, mit Hilfe des
führung bewirkt, daß einzelne Mitglie- Heiligen Geistes zu einer wahren Got-
der der falschen Religionen sich nicht tesbegegnung fanden und zu dieser
derart in dem falschen Gottesbild ihrer dann auch andere führten. Somit hätten
Religion verhärten, daß eine wahre wir dann Religionen, die zwar die Drei-
Gottesbegegnung unmöglich wird. Von faltigkeit und Christus noch nicht ken-
sich aus kann die falsche Religion nicht nen, sich aber doch an den wahren Gott
zu Gott führen, da sie den wahren Gott wenden würden.
nicht kennt. Der Gott der Mohammeda- Die Wirklichkeit sieht anders aus.
ner z.B., der befiehlt, die Christen zu tö- Zunächst belehrt uns die Hl. Schrift,
ten, der dem Mohammed erlaubt, die daß die Schwäche des Menschen durch
Frau eines anderen zu nehmen, der ein die Erbsünde so groß und die Ver-
Paradies sinnlicher Freuden verspricht führung durch den Teufel so stark ist,
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daß nur im Volk Israel die wahre Religi- man schon rein äußerlich ansieht, wer
on bewahrt wurde. Außerhalb Israels sie inspiriert hat, und die mit aus-
findet sich höchstens bei einzelnen Per- schweifenden, abscheulichen Kulten
sonen eine wahre Gottesbeziehung, et- verehrt werden? Es ist nicht ehrlich,
wa bei Melchisedech, Job u.a. Die Öku- wenn man seit dem II. Vatikanum im-
meniker können daher ja auch nie ein mer nur die wenigen richtigen Punkte,
einziges Schriftzitat für ihre Ideen an- die sich in diesen Religionen finden, be-
führen. tont, die zahllosen Irrtümer aber ver-
Dies bestätigt auch der Blick auf die schweigt.
Wirklichkeit. Wenn die Gedanken des Die Rechtfertigung des Nichtchri-
Papstes richtig wären, müßte man über- sten beschreibt der Papst dann auch in
all Religionen finden, die ein einiger- einer Weise, die keineswegs der katholi-
maßen richtiges Gottesbild haben, die schen Theologie entspricht. „Normaler-
Tugenden predigen, die Laster geißeln weise ‘antworten die Anhänger anderer
und den Menschen zu einem guten Le- Religionen immer dann positiv auf
ben aneifern. So stellt es das Konzil Gottes Einladung und empfangen sein
auch dar. In Wirklichkeit aber predigt Heil in Jesus Christus, wenn sie in ehrli-
z.B. der Islam den Haß und die Sinn- cher Weise das in ihren religiösen Tradi-
lichkeit. Er erlaubt die Lüge, wenn man tionen enthaltene Gute in die Tat umset-
damit dem Islam dienen kann und ver- zen und dem Spruch ihres Gewissens
spricht jedem das Heil, der nur bekennt, folgen’“. Der Papst zitiert hier die In-
daß Allah Gott ist und Mohammed sein struktion Dialog und Verkündigung des
Prophet, gleichgültig was für ein Leben Päpstl. Rates für den interreligiösen
er führt. Eine wahre Beziehung zu Gott Dialog vom 19. Mai 1991. Nun genügt
wird im Islam auch gar nicht gesucht, es aber keinesfalls für die übernatürli-
denn das Paradies besteht hier im Ge- che Rechtfertigung eines Heiden, daß er
nuß sinnlicher Freuden und nicht in der irgend etwas Gutes, das sich in seiner
Anschauung Gottes. Kann man im Religion findet, in die Tat umsetzt. Um
Ernst glauben, daß Mohammed „mit gerettet zu werden genügt nicht ein
der Hilfe des Geistes Gottes eine tiefere natürlich gutes Leben, sondern es be-
religiöse Erfahrung gemacht“ hat, die darf des Glaubens und der Gnade. Es ist
dann im Islam „Form angenommen“ nicht möglich, im Rahmen dieses Arti-
hat? Oder was ist mit dem Buddhismus, kels alle Fragen zu erörtern, die sich in
der eine atheistische Religion ist, der die diesem Zusammenhang stellen, aber
Selbsterlösung mit dem Eingehen ins fest steht, daß dies nur durch eine be-
Nirwana, ins Nichts lehrt? Was ist mit sondere Gnadenführung des Heiligen
dem Hinduismus, seiner Lehre vom Geistes möglich ist. Dieses Wirken des
Karma und der Wiedergeburt, seinem Heiligen Geistes kann vielleicht an ge-
menschenverachtenden Kastenwesen? wisse in den falschen Religionen enthal-
Was ist mit all den heidnischen Religio- tene Wahrheiten anknüpfen, ist aber
nen, deren scheußlichen Götzenbildern letztlich unabhängig von diesen, ja wird
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an sich von diesen Religionen behindert In diesem Zusammenhang sei noch


und nicht unterstützt. Daher versteht darauf hingewiesen, daß die seit dem II.
man, daß Pius IX. den folgenden Satz Vatikanum immer wieder aufgestellte
verurteilte: „Wenigstens guter Hoff- (und auch in dieser Rede sich findende)
nung muß man sein in bezug auf das These, alle Religionen seien Ausdruck
ewige Heil derjenigen, die sich über- der Suche nach der Wahrheit und nach
haupt nicht in der wahren Kirche Chri- Gott, falsch ist. Wer eine Religion be-
sti befinden“ (17. Satz des Syllabus). kennt, der sucht nicht nach der Wahr-
Die naive, wirklichkeitsfremde Be- heit, sondern glaubt, sie gefunden zu
trachtungsweise der falschen Religio- haben. Jede Religion hat ein gewisses
nen führt dann zu der Beteuerung, daß Lehrsystem, das den Anspruch nach
„die Haltung der Kirche und der einzel- Wahrhaftigkeit in sich trägt. Erst wenn
nen Christen den anderen Religionen jemand an seiner Religion irre gewor-
gegenüber von aufrichtiger Hochschät- den ist oder zumindest anfängt, an ihrer
zung und tiefer Sympathie geprägt“ ist. Wahrheit zu zweifeln, macht er sich auf
Eine solche Aussage ist eine Ungeheuer- die Suche nach der wahren Religion.
lichkeit. Wie ist es für einen Christen Wenn aber heute die Nichtchristen von
möglich, den Islam, den Buddhismus, den höchsten Würdenträgern der katho-
das Heidentum hochzuschätzen? Wir lischen Kirche immer wieder aufgefor-
sollen die Mohammedaner, die Buddhi- dert werden, in immer größerer Treue
sten, die Heiden usw. lieben, aber nicht zu ihren religiösen Traditionen zu leben,
den Islam, den Buddhismus oder das so ist dies eine Aufforderung, dem Chri-
Heidentum. Und wenn man die Nicht- stentum fernzubleiben und damit ein
christen wahrhaft liebt, dann möchte Verrat am Missionsauftrag Christi.
man sie zur Wahrheit führen und nicht Wie immer, wenn es um dieses The-
in ihren falschen Religionen belassen. ma geht, finden sich in der Ansprache
Es stimmt daher auch nicht, wenn nur Zitate aus dem II. Vatikanum, den
der Papst sagt, diese Haltung der Hoch- eigenen Enzykliken und Reden sowie
schätzung der anderen Religionen sei nachkonziliaren Dokumenten. Die von
„weit davon entfernt, sich der Verkün- Johannes Paul II. vorgetragene Lehre ist
digung des Evangeliums entgegenzu- eben eine neue Lehre, die dem, was die
stellen“. Die Tatsachen beweisen, daß Kirche immer lehrte, radikal entgegen-
das endlose Dialogisieren zum fast voll- gesetzt ist.
ständigen Zusammenbruch der Mission
geführt hat. Besonders der Islam wertet
die Dialogbereitschaft der Christen als
Eingeständnis dafür, daß sie von der
Wahrheit ihrer eigenen Religion nicht
überzeugt seien, was ja faktisch in vie-
len Fällen auch nicht ganz falsch ist.

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Die kopernikanische Wende


Die Kirche und das neuzeitliche Wissenschaftsverständnis1

Teil 1: Kopernikus
von Robert Mildenberger

Vorwort mittelalterliche Weltbild der Christen-


heit mit der Erde als Zentrum des Uni-
versums aus den Fugen — doch die In-
Die Annahme des Frauenburger
quisition hatte von dem epochalen Um-
Domherrn2 Nikolaus Kopernikus3, daß
sturz kaum Kenntnis genommen.
die Erde um die unbewegliche Sonne
Womöglich waren die Glaubenswächter
kreist, gilt heute zugleich als entschei-
dender Durchbruch des neuzeitlichen des heiligen Offiziums blind geworden
Weltbildes und seit der Verurteilung für die Naturwissenschaften, die in den
Galileis wegen Kopernikanismus als be- vorangegangenen 1000 Jahren keinerlei
schämendste Kompromittierung der nennenswerten Fortschritt gemacht hat-
katholischen Wissenschaft. Trotz der ten.” (ebd. 89). Mit diesem Zitat gibt das
Entfernung von Kopernikus’ Haupt- Hamburger Nachrichtenmagazin das
werk „De revolutionibus4” und Galileis säkulare Durchschnittsbewußtsein in
„Dialogo dei massimi sistemi” vom In- vorbildlicher Weise wieder.
dex (18225 und 18356), trotz der feierli-
chen Rehabilitierung Galileis durch Jo- A. Inhalt der kopernikanischen These
hannes Paul II. am 31.10.1992 sind die Die Indexkongregation unter Vorsitz
Gegner der Kirche nicht zufriedenzu-
des hl. Robert Bellarmin reduzierte die
stellen. So konnte noch in diesem Som-
Annahmen des Kopernikus in ihrer Ver-
mer der „Spiegel” schreiben: „Mit dem
urteilung vom 23. Februar 1616 auf
Prozeß gegen Galilei ruinierte die Inqui-
zwei Thesen:
sition für Jahrhunderte das Verhältnis
der katholischen Kirche zu den Natur- 1. Sol est centrum mundi et omnino
wissenschaften. Jetzt versucht der Vati- immobilis motu locali.
kan, den Schaden zu reparieren”, und 2. Terra non est centrum mundi, nec
einen vierseitigen Artikel zur Verächt- immobilis, sed secundum se totam
lichmachung kirchlicher Organe brin- movetur, etiam motu diurno.
gen7. In Übersetzung: ‘1. Die Sonne ist der
Der Spiegel weiter: „Spätestens seit Mittelpunkt der Welt und ohne jede Be-
Mai 1543, dem Erscheinungsdatum sei- wegung von einem Ort zum andern.
nes Hauptwerks mit dem Titel ‘De revo- 2. Die Erde ist nicht der Mittelpunkt der
lutionibus orbium coelestium’, war das Welt und auch nicht unbeweglich. Sie
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bewegt sich vielmehr als Ganzes, und


dies Tag für Tag.’
Die These von der im Zentrum fest-
stehenden Sonne lautet in Kopernikus’
Formulierung: „In medio vero omnium
residet Sol” (De rev. I, 10): „In der Mitte
aber von allen steht die Sonne. Denn
wer wollte diese Leuchte und in diesem
wunderschönen Tempel an einen ande-
ren oder besseren Ort setzen als dort-
hin, von wo aus sie das Ganze beleuch-
ten kann? Zumal einige sie nicht unpas-
send das Licht, andere die Seele, noch
andere den Lenker der Welt nennen.
Trismegistos bezeichnet sie als den
sichtbaren Gott, die Elektra des Sopho-
kles als den Allessehenden. So lenkt in
der Tat die Sonne, auf dem königlichen
Thron sitzend, die sie umkreisende Fa-
milie der Gestirne.”8
Nikolaus Kopernikus

B. Problematik der kopernikanischen These


darf, war im 17. Jahrhundert ein exege-
Das hl. Offizium verurteilt 1633 im tisches Problem. Der geozentrische
Rahmen des Prozesses gegen Galilei Standpunkt der hl. Schrift ist eindeutig,
den Kopernikanismus mit den Worten: allen voran die auch vom frühen Prote-
„Daß die Sonne das Zentrum des Kos- stantismus gegen Kopernikus zitierte
mos und in Hinblick auf räumliche Be- Stelle aus dem Buch Josuë, wo Josuë in
wegung unbeweglich sei, ist eine wi- der Schlacht gegen die Amoriten Gott
dersprüchliche, philosophisch falsche um Verlängerung des Tages bittet und
und formell häretische Aussage, weil der Sonne befiehlt: „Sonne über Gaba-
sie der hl. Schrift ausdrücklich entge- on, bewege dich nicht, und Mond über
gengesetzt ist” (Dictionnaire de Théolo- Ajalon [, bewege dich nicht]! Und Son-
gie, Bd. 6b, 1947, 1076).9 ne und Mond blieben stehen.” (Jos. 10,
12-13:) Weitere Stellen: „Der du das
I. Theologische Fragwürdigkeit Erdreich auf seine Feste gegründet
hast” (Ps. 103, 5:); „Sie tritt hervor wie
1. Exegese der Bräutigam aus seiner Kammer, sie
Was heute als naturwissenschaftli- jauchzt wie ein Held, um ihre Bahn zu
che Erkenntnis seit dem 19. Jh. mit laufen10” (Ps. 18, 6); „Die Sonne geht
kirchlicher Billigung gelehrt werden auf und geht unter und kehrt an ihre
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Stelle zurück. Dort ersteht sie von neu- durchsetzen. In diesem Punkt war Ko-
em, dreht sich im Süden und neigt sich pernikus entweder zu blauäugig oder
nach Norden” (Ecclesiastes 1, 5-6). Das zu stolz.
Zitat aus dem Ecclesiastes benutzte Kardinal Bellarmin, der einer priva-
schon Ludovico delle Colombe 1611 ge- ten Äußerung zufolge die Lehre des Ko-
gen Kopernikus in seiner Schrift „Con- pernikus als Hypothese für diskutabel
tro il moto della terra” (Gegen die Erd- hielt13, wußte als Vorsitzender der In-
bewegung).11 dexkongregation von 1616, was er tat.
Schon Kopernikus ahnte, daß sein Der italienische Wissenschaftshistoriker
Bild der physikalischen Welt auf exege- Redondi schreibt über ihn 1983: „Nie-
tische Widerstände stoßen könnte. In mand verstand mehr als er (sc. Bellar-
seiner Vorrede an Paul III. schreibt er min) von der Notwendigkeit, die Bibel-
selbstbewußt: „Wenn es vielleicht doch auslegung im Rahmen der scholasti-
Dummschwätzer geben sollte, die, ob schen Tradition zu halten. Nun waren
sie schon jedes mathematischen Wissens die Bibelstellen zum Problem der Son-
unkundig sind, doch darüber ein Urteil nenbewegung weder besonders zahl-
sich anmaßen und aufgrund irgendei- reich noch besonders wichtig; und kein
ner Stelle der Schrift, die sie zu ihrem Konzil hatte je den Geozentrismus als
Zweck bös verdreht haben, sich erfre- Glaubenswahrheit verkündet. Aber es
chen sollten, dies mein Vorhaben zu ta- handelte sich um eine Prinzipienfrage.
deln und zu verunglimpfen, so halte ich Wäre es zulässig gewesen, die Bibel im
mich mit denen nicht auf, dermaßen Lichte neuer, naturwissenschaftlicher
daß ich im Gegenteil ihr Urteil als leicht- Kenntnisse zu interpretieren, dann hätte
fertig verachte. Es ist ja nur allzu be- die Gefahr heraufziehen können, daß
kannt, daß etwa Lactantius, ein sonst sich diese Praxis auch auf andere, für
namhafter Schriftsteller, aber mit ganz den Glauben und die überkommene In-
wenig mathematischen Kenntnissen, ei- terpretation grundlegendere Stellen
nigermaßen kindlich über die Gestalt ausdehnte.”14 Konsequenterweise geht
der Erde redet, wenn er sich über die lu- die Anzeige des florentinischen Domini-
stig macht, die behauptet haben, die Er- kaners P. Caccini, die den ersten Prozeß
de habe Kugelgestalt [Div. inst. III, 24]. gegen Galilei im Jahr 1616 auslöste, vom
... Mathematisches wird für Mathemati- exegetischen Skandal aus: „Ich bringe
ker geschrieben” (nach ZEKL a.a.O. 77). demnach dem hl. Offizium zur Anzeige,
Wie das exegetische Problem zu lösen daß das öffentliche Gerücht geht, daß
sei, deutet Kopernikus freilich nicht an. Galilei die folgenden beiden Sätze für
Er begnügt sich mit dem Beispiel des wahr hält: die Erde bewegt sich als
Laktanz, dessen physikalische Ansich- Ganzes in bezug auf sich selbst, auch in
ten12 seinen Zeitgenossen, aber auch täglicher Bewegung, die Sonne ist unbe-
schon dem Spätmittelalter, überholt er- weglich, Sätze, die nach meinem Gewis-
schienen. Ebenso widerstandslos, so sen und Verstand mit den göttlichen
hofft er, wird sich das neue Weltbild Schriften, wie sie uns von den heiligen
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Vätern ausgelegt sind, im Widerspruch hl. Thomas von Aquin) in ähnlicher


stehen und demgemäß dem Glauben Weise, nach der Art, wie es mit den Sinnen
widersprechen, daß wir als wahr anzu- wahrgenommen wird, berichtet [Thomas v.
nehmen haben, was in der Schrift ent- A., S. Th. I. q. 70 a. 1 ad 3], bzw. das mit-
halten ist.”15 Die Lehre des Kopernikus geteilt, was Gott selbst, zu den Men-
durfte in der Folgezeit nicht positiv ge- schen redend, nach deren Fassungskraft
lehrt, sondern nur als Hypothese for- und nach menschlichem Sprachge-
muliert werden. Erst die Berechnungen brauch ausgedrückt hat.”16 „Denn diese
und empirischen Forschungen der fol- (sc. Väter und nachfolgende Ausleger)
genden zwei Jahrhunderte (Kepler, haben je nach den Anschauungen ihrer
Newton, Herschel) überzeugten die Zeit geurteilt und bei der Erörterung
Kirche von der Annehmbarkeit der ko- von Stellen, wo dem Naturbereich zu-
pernikanischen These, so daß „De revo- gehörige Dinge in Frage stehen, viel-
lutionibus” 1822 vom Index genommen leicht nicht immer das Richtige getrof-
werden konnte. 1893 sprach Leo XIII. in fen: daß sie nämlich manches so dar-
seiner Enzyklika „Providentissimus De- stellten, wie es heute weniger Beifall
us – De studiis sacrae Scripturae“ ein finden könnte”17 (ebd. 27).
letztes klärendes Wort über das Verhält-
nis von hl. Schrift und moderner Natur-
2. Sicht der Schöpfung
wissenschaft: „(Es) ist zuerst in Erwä-
gung zu ziehen, daß die heiligen Das heliozentrische Weltbild birgt
Schriftsteller, oder richtiger der Geist, die Gefahr der Relativierung der Schöp-
welcher durch sie redete, nicht beabsichtigt fung:
habe, den Menschen darüber (nämlich über a) als einzigartiger Ort der Verherrli-
die innerste Beschaffenheit der augenfälli- chung Gottes in der sichtbaren Welt,
gen Dinge) Belehrungen zu geben, da diese b) als Schauplatz des Erlösungsgesche-
für niemanden einen Heilsnutzen bringen hens.
[Augustin, De Genesi ad lit. II, 9, 20]: Walter BRANDMÜLLER faßt diesen
daß sie daher, anstatt direkte Naturfor- Gedanken zusammen: „In der universa-
schung zu betreiben, die Dinge manch- len theologisch-existenziellen Schau der
mal lieber auf bildliche Weise beschrei- Zeitgenossen Galileis war die Erde eben
ben und behandeln, oder auch so, wie zuvörderst nicht ein nach seinen physi-
es die allgemeine Ausdrucksweise in je- kalisch-astronomischen Verhältnissen
ner Zeit mit sich brachte: eine Sprache, zu befragender Himmelskörper, son-
die noch jetzt bei vielen Dingen im all- dern der einmalige Schauplatz göttli-
täglichen Leben in Gebrauch ist, selbst cher Offenbarung und Erlösung.”18
unter den größten Gelehrten. Da aber
die Sprache des Volkes die sinnlich
wahrnehmbaren Dinge zuerst und vor- Zu a)
zugsweise ausdrückt, so hat der heilige Die Erde als Staubkorn inmitten ei-
Schriftsteller (hieran erinnerte auch der ner unabsehbaren schwarzen Wüstenei
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— dies ist die heute gängige nihilisti- kreisbewegung, oder besser, deren Bild
sche Sicht der sichtbaren Schöpfung. vor den Augen, sich verflüchtigt” (ib.
Die Entwertung ihrer Herrlichkeit ist in I,11; ZEKL a.a.O. 139); „Ob also die Welt
der Annahme angelegt, daß nicht der begrenzt ist oder unbegrenzt, wollen
Wohnort des Menschen, sondern die wir dem Meinungsstreit der Naturphi-
Sonne im Zentrum der Sphärenbewe- losophen überlassen” (ib. I,8; ZEKL
gungen und somit der göttlichen Vorse- a.a.O. 115). Von hier ist es mental nur
hung steht. Die Sonne ist bei Koperni- noch ein Schritt zu Pascals existenziali-
kus, wohlgemerkt, nicht bloß das Zen- stischer Desillusionierung: „Ich sehe
trum des Planetensystems, sondern des diese furchtbaren Räume des Weltalls,
gesamten Kosmos. Kopernikus’ bereits die mich umschließen, und ich finde
zitierten Worte über die Sonne als mich an einen Winkel dieser unermeßli-
„Leuchte in diesem wunderschönen chen Ausdehnung gebunden, ohne zu
Tempel ..., Licht, ... Seele, ... Lenker der wissen, warum ich gerade an diesen Ort
Welt, ... sichtbarer Gott, ... der Allesse- gestellt bin und nicht an einen anderen”
hende” (De rev. I,10, KLAUS a.a.O. 75) (Pensées).20 Immerhin, könnte man sa-
atmen mehr den Stolz heidnischen Son- gen, verlieh die Heliozentrik noch eine
nenkults als das Lob der barmherzigen gewisse Geborgenheit. Im 19. Jh. ent-
Vorsehung. Weiter folgt aus seinen Be- thronte man schließlich die Sonne. Der
rechnungen des Abstands zwischen Pla- Beweis, daß auch die Sonne nicht im
netensystem und der immer noch als Mittelpunkt des Weltraums steht, der
festes Schalenrund gedachten Fixstern- vielmehr ohne erkennbaren räumlichen
sphäre die Unermeßlichkeit des Welt- Mittelpunkt ist, wurde 1838 durch
raums, so daß sich schon bei ihm die Friedrich Wilhelm Bessel erbracht.21 Der
heute nicht mehr hinterfragte physikali- Sensationswert des nunmehr ‘azentri-
sche Heimatlosigkeit unseres Planeten schen’ Weltbilds war im Vergleich zur
abzeichnet. Maß bei Ptolemäus der Ab- kopernikanischen Annahme, die das
stand von der Erde zu den Fixsternen Prinzip gesetzt hatte, gering. Seit dem
noch 20000 Erdradien, sind es bei Ko- 18. Jh. kommen die „kopernikanischen
pernikus von der Sonne zu den Fixster- Wenden” Schlag auf Schlag. Der Ko-
nen 1,4 Millionen Erdradien (richtiger pernikus-Biograph Jochen KIRCH-
Wert: ca. 7 Milliarden Erdradien)19. Ko- HOFF: „Bewußtseinsbestimmende
pernikus: „Der Umfang der Welt <ist> Neuerungen der letzten zwei Jahrhun-
so groß, daß die Entfernung der Erde derte sind häufig mit dem Etikett der
von der Sonne ... im Vergleich mit der «kopernikanischen Wende» versehen
Fixsternsphäre verschwindend klein worden: Es sei nur an die mit den Na-
ist” (I, 10; KLAUS a.a.O. 71); „Daß aber men Kant, Darwin, Marx, Freud oder
nichts davon an den Fixsternen er- Einstein verbundenen ‘Umwertungen’
scheint, das weist auf deren unermeßli- erinnert.”22 Der Begriff der „kopernika-
che Erhabenheit (immensa celsitudo) nischen Wende” wird zwar inflationär,
hin, die ausmacht, daß sogar die Jahres- deutet aber mit seiner Tendenz der Auf-
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wertung des Subjektiven (bei Kant), Un- Wüstenei, in der wir angeblich ziellos
terprivilegierten (bei Marx), Animali- treiben, hat nur über diejenigen Men-
schen (bei Darwin), Triebhaften (bei schen eine depressive Macht, die Natur-
Freud), Chaotischen (bei Einstein) einen vorstellung mit Weltbild, Weltall mit
theologisch nicht erträglichen Nihilis- Weltganzem gleichsetzen. Schon der
mus an, den Kopernikus vielleicht nicht Begriff „Welt-all” ist irreführend, da er
im Sinn hatte, den aber seine Parteigän- besagt, daß alles Seiende für räumlich
ger hofierten und seine Gegner instink- und körperlich zu halten sei. Das „Welt-
tiv fürchteten. Möglicherweise hat der all” als Friedhof anorganischer Substan-
Atheist Feuerbach etwas Richtiges er- zen ist ein zugegebenermaßen beklem-
kannt, wenn er schreibt: „Er (sc. Ko- mendes Bild, zum Weltganzen jedoch
pernikus) hat als echter ‘Umsturzmann’ gehören zum Glück auch Seelen, Gott
das Unterste zuoberst und das Oberste und Engel. Eine Weltanschauung, die
zuunterst gekehrt ... der Erde die Initia- nur in Ausdehnung und Quantitäten
tive der Bewegung zugeeignet und da- denkt, ermüdet und resigniert, über-
durch allen ferneren und anderweitigen wältigt von den Abmessungen eines so
Revolutionen der Erde Tür und Tor gigantischen schwarzen Raumes wie
geöffnet ... Copernicus ist es, der die dem sogenannten „Weltall”; eine Welt-
Menschheit um ihren Himmel gebracht anschauung jedoch, die in Substanzen
hat.”23 Die Worte Feuerbachs scheinen denkt, hat eine kontemplative Freude
jedoch eher eine anachronistische Rück- an der Erkenntnis, wie hoch das Leben-
projektion seines materialistischen Den- dige über dem Anorganischen, wie
kens zu sein, in dem Naturvorstellung hoch das Denkende über dem bloß Be-
mit Weltbild identisch ist. lebten und schließlich, wie hoch Gott
Hat Kopernikus wirklich den Men- über den geschaffenen Geistern steht.
schen aus seiner Mitte vertrieben? Das
geozentrische Weltbild von Antike, Mit-
Zu b)
telalter und, zum Teil noch, der Barock-
zeit war ja gerade nicht anthropozen- Dann ist zu fragen, ob der Erdkreis
trisch, sondern theozentrisch. Nicht nur, als Ort von Inkarnation, Auferstehung
daß der Mensch gegenüber Gott und und Eucharistie durch die kopernikani-
den Engelschören eine niedere Ord- sche These abgewertet wurde. Die „Ab-
nung einnahm, obendrein ist er hinter wertung” durch unseren erbsündlichen
seiner Ordnung oder, wenn man so will, Zustand ist drastisch genug. Gleichgül-
seinem Zentrum, noch durch den Sün- tig, welches Naturbild man hat, die Er-
denfall zurückgeblieben: Das Paradies, de ist der Ort dämonischer Mächte, des
nichts anderes, war der locus congruens Todes und der Sünde. Schlimmer geht
homini24, der dem Menschen angemes- es nicht. Die imaginäre Verkleinerung
sene Ort. Seit unserem Fall sind wir exu- der Erde durch Kopernikus’ Theorie
les filii Evae – verbannte Kinder Evas. fügt dem nicht viel hinzu; umgekehrt
Die Vorstellung der unendlich großen aber werten Menschwerdung, Auferste-
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hung und Darbringung des hl. Meßop- Anmerkungen


fers die Erde höher auf, als es der klüg-
ste Entwurf einer Weltharmonik oder 1 Der folgende Aufsatz in zwei Teilen beruht auf ei-
der aufopferndste Philanthrop vermö- nem im Rahmen der theologischen Studienwoche
gen. Solange hier das Meßopfer darge- am Priesterseminar Herz Jesu in Zaitzkofen am
bracht und Werke der Güte verrichtet 07.10.1998 gehaltenen Vortrag. Für Anregung und
werden, gilt, was in der hl. Schrift von Einladung danke ich H.H. P. Niklaus Pfluger.
der göttlichen Weisheit und mit ihr pro- 2 Kopernikus war in Besitz niederer Weihen, die ihn
phetisch von der Zweiten Person Gottes zur Nutzung einer Pfründe berechtigten, aber kein
gesagt wird: „Cum eo eram, cuncta Priester. Er war promovierter Kirchenjurist und als
componens, et delectabar per singulos leitender Verwaltungsbeamter des nach der Re-
formation katholisch gebliebenen Bistums Erm-
dies, ludens coram eo omni tempore: lu-
land (Ostpreußen) tätig. Seine noch heute zu be-
dens in orbe terrarum, et deliciae meae sichtigende Wohnung hatte er in einem der Wehr-
esse cum filiis hominum” (Prov. 8, 30: türme um den Frauenburger Dom.
„Ich war bei Ihm und ordnete alles, und 3 Ein kurzes Wort zur Nationalitätenfrage: ”Als Hei-
hatte meine Freude jeden Tag und spiel- mat hat Copernicus Preußen bezeichnet” (Hans
te vor Ihm immerzu: Ich spielte auf dem Günter ZEKL, Nicolaus Copernicus. Das neue
Erdkreis, und meine Wonne ist es, bei Weltbild. Drei Texte ..., übers., hsg. und mit einer
den Menschenkindern zu wohnen”). Einl. und Anm. versehen von H. G. Z., Hamburg
Soweit wir es vermögen, sind wir ver- 1990, XVIII). ”In amtlichen und wissenschaftlichen
pflichtet, die Schöpfung nach der Texten schreibt Copernicus ... Latein, ... in weni-
Schönheit und vor allem nach der Ziel- ger öffentlichkeitsrelevanten Texten schreibt er
gerichtetheit ihrer Ordnung zu beurtei- deutsch, in der zeittypischen abenteuerlichen Or-
len, um, wie von Röm 1, 20 vorgege- thographie, – das ist also seine Muttersprache”
(ib. XVIII f.).
ben25 und vom I. Vaticanum gegen den
4 Revolutio ist bei Kopernikus noch ein rein astro-
Agnostizismus der Moderne erneut ein-
geschärft (Denz.1785), auf die Weisheit nomischer Terminus mit dem Sinn ”Kreisbewe-
gung”. Der soziologische Sinn ”gewaltsame Ver-
des Schöpfers zu schließen. So heißt es
fassungsänderung” findet sich zunächst nur in
im Canticum Isaiae passend: „Denn so Texten zur politischen Theorie in der italienischen
spricht der Herr, der Schöpfer des Him- Renaissance. In eine stehende Verbindung
mels, Gott selbst, der die Erde geschaf- kommt er erst mit dem 1789 in Frankreich vollzo-
fen hat, er, ihr Bildner: Nicht vergeblich genen Umsturz. Zwischen dem Titel des koperni-
(ohne Ziel, in vanum) hat er sie geschaf- kanischen Hauptwerks und dem politischen Vor-
fen. Damit sie bewohnt werde, hat er sie gang gibt es keine begriffsgeschichtliche Brücke.
geschaffen (nun folgt der Rückschluß auf Ich danke meinem Kollegen Herrn Enno Kolzer,
Gott!): Ich bin der HErr und sonst kein Bonn, für seine Recherchen.
anderer” (Is. 45, 1826; Gebet der Freitags- 5 Dictionnaire de Théologie Catholique, 1947, Bd.
laudes). 6a, 1093.
6 Johannes HEMLEBEN, Galileo Galilei, 15. Aufl.
Hamburg, 1997, 167.
(Fortsetzung folgt)
7 Der Spiegel 23 / 1998 [1.6.1998], S. 88 - 91.
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Verschiedenes

8 Übers. nach Georg KLAUS, Nicolaus Copernicus. 16 Leo XIII, Apostolisches Rundschreiben Providen-
Über die Kreisbewegungen der Weltkörper, hsg. tissimus Deus vom 18.11.1893, hsg. u. übers. von
u. eingeleitet v. G. K., Berlin (Ost) 1959, 75: In Karl HASELBÖCK, Wien 1987, 26 f.
medio vero omnium residet Sol. Quis enim in hoc 17 ”Qui prout erant opiniones aetatis, in locis edisse-
pulc<h>errimo templo lampadem hunc in alio vel rendis, ubi physica aguntur, fortasse non ita sem-
meliori loco poneret, quam unde totum possit illu- per iudicaverunt ex veritate, ut quaedam posue-
minare? Siquidem non inepte quidam lucernam rint, quae nunc minus probentur”, zit. n. Denz.
mundi, alii mentem, alii rectorem vocant. Trisme- 1948.
gistus visibilem deum, Sophoclis Electra intuen- 18 BRANDMÜLLER a.a.O. 138
tem omnia. Ita profecto tamquam in solio regali
Sol residens circumagentem gubernat astrorum 19 TEICHMANN a.a.O. 111.
familiam. 20 Blaise PASCAL, Gedanken. Nach der endgültigen
9 ”Che il sole sia centro del mondo ed immobile di Ausgabe übertragen von Wolfgang RÜTTENAU-
moto locale è proposizione assurda e falsa in filo- ER, Wiesbaden o.J. (zw. 1945 und 1949), 5.
sofia, e formalmente eretica per essere espressa- 21 TEICHMANNa.a.O.121 f.
mente contraria alla sacra Scrittura.” 22 Jochen KIRCHHOFF, Kopernikus, Hamburg
10 Die Psalmstelle, die Bellarmin gegen den Ko-
1985, 24.
pernikanismus anführt (nach Johannes HEMLE- 23 KIRCHHOFF a.a.O. 23.
BEN, Galilei, Hamburg 1969, 89).
24 Begriff nach Blumenberg, Die Genesis der ko-
11 Dictionnaire de Théologie Bd. 6 b. a.a.O. 1059.
pernikanischen Welt, Bd. 1: Die Zweideutigkeit
12 Der Unterstellung, das Mittelalter habe aussch-
des Himmels, Frankfurt a.M. 1975, 239.
ließlich an die Scheibengestalt der Erde geglaubt, 25 Invisibilia enim ipsius, a creatura mundi, per ea,
ist u.a. Dantes [^1321]Beschreibung einer Äqua- quae facta sunt, intellecta, conspiciuntur; sempi-
torüberquerung in Div. Com. Inf. 26 entgegenzu- terna quoque ejus virtus et divinitas.
halten:ferner Pierre d’Ailly’s ‘Imago Mundi’ und 26 Quia haec dicit Dominus creans caelos, ipse De-
Toscanellis Weltkarte (1474), für deren Richtigkeit
us formans terram, et faciens eam, ipse plastes
Kolumbus den empirischen Nachweis erbrachte.
ejus: non in vanum creavit eam, ut habitaretur, for-
Sofern sich das Mittelalter für den Aufbau der
mavit eam: ego Dominus, et non est alius.
sinnlichen Welt interessierte, war die von Laktanz
und v.a. dem spätantiken christlichen Geogra-
phen Kosmas Indikopleustes vertretene Schei-
bengestalt nicht die allein herrschende.
”Schon sah das Aug’ der Nacht die Sterne sämt-
lich
Des andern Poles und so tief den unsern,
Daß kaum er aus der Meeresflut emporstieg” (Inf.
26, 127-9),
13 Brief vom 12. April 1615 an Foscarini (vgl.
BRANDMÜLLER a.a.O. 62 f.).
14 Pietro REDONDI, Galilei der Ketzer, München
1989, 44 (Galileo eretico, Turin 1983).
15 nach HEMLEBEN a.a.O. 88.

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Verschiedenes

Die heilige Messe, das Opfer des


Neuen Bundes
Schluß
von P. Klaus Wodsack

Zur Theologie des heiligen Meßopfers 2. – Das Konzil von Trient faßt in sei-
ner 22. Sitzung vom 17. September 1562
1.– Wir fassen zusammen: Das Opfer die Lehre vom heiligen Meßopfer gegen
des Neuen Bundes ist das blutige Kreu- die Falschlehren der Protestanten wie
zesopfer Christi (Hebr. 9, 11–14). Das folgt zusammen (DH 1738–1742):
heilige Meßopfer wurde in der unbluti- „Damit die alte, unbedingte und in
gen, sakramentalen Form der allerhei- jeder Hinsicht vollkommene Glaubens-
ligsten Eucharistie durch Christus selbst lehre über das große Geheimnis der Eu-
in die Hände der Menschen gelegt (Mt. charistie in der heiligen katholischen
26, 26–29; Mk. 14, 22–25; Lk. 22, 19–21; 1. Kirche beibehalten und nach Abwehr
Kor. 11, 23–26). Die heilige Messe liegt von Irrtümern und Häresien in ihrer
als Opfer des Neuen Bundes in der Linie Reinheit bewahrt werde, lehrt und er-
und Nachfolge der alttestamentlichen
klärt das hochheilige ökumenische und
Opfer, insbesondere des Abel, des Abra-
allgemeine Konzil von Trient (...), durch
ham und des Melchisedech, genau wie
die Erleuchtung des Heiligen Geistes
es der Römische Kanon im zweiten Ge-
belehrt, über sie, insofern sie das wahre
bet nach der Wandlung ausdrückt: „Su-
und einzigartige Opfer (verum et singula-
pra quae propitio ac sereno vultu respicere
re sacrificium) ist, und bestimmt zur Ver-
digneris: et accepta habere, sicuti accepta ha-
kündigung für die gläubigen Völker fol-
bere dignatus es munera pueri tui justi
gendes:
Abel, et sacrificium Patriarchae nostri Abra-
hae: et quod tibi obtulit summus sacerdos Da es (nach dem Zeugnis des Apo-
tuus Melchisedech, sanctum sacrificium, stels Paulus) unter dem ersten Bunde
immaculatam hostiam.“ In der deutschen wegen der Ohnmacht des levitischen
Fassung: „Schaue huldvoll darauf nie- Priestertums keine Vollendung gab, ge-
der mit gnädigem und mildem Ange- ziemte es sich (da Gott, der Vater der Er-
sichte, und nimm es wohlgefällig an, barmungen, es so anordnete), daß ein
wie Du einst mit Wohlgefallen aufge- anderer Priester ,nach der Ordnung des
nommen hast die Gaben Abels, Deines Melchisedek‘ (Ps. 110, 4; Hebr. 5, 6–10; 7,
gerechten Dieners, das Opfer unseres 11–17} vgl. Gen. 14, 18) erstehe, unser
Patriarchen Abraham, das heilige Opfer Herr Jesus Christus, der alle, die gehei-
und die makellose Gabe, die Dein Ho- ligt werden sollten, vollenden (vgl. He-
herpriester Melchisedech Dir darge- br. 10, 14) und zur Vollkommenheit
bracht hat.“ führen könnte.
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Verschiedenes

Dieser unser Gott und Herr also hat


zwar sich selbst ein für allemal auf dem
Altar des Kreuzes durch den eintreten-
den Tod Gott, dem Vater, opfern wollen
(vgl. Hebr. 7, 27), um ,für jene‘ (daselbst)
ewige Erlösung zu wirken; weil jedoch
sein Priestertum durch seinen Tod nicht
ausgelöscht werden sollte (vgl. Hebr. 7,
24) hat er beim letzten Abendmahle, ,in
der Nacht, da er verraten wurde‘ (1 Kor. 11,
23), um seiner geliebten Braut, der Kir-
che, ein sichtbares (wie es die Natur des
Menschen erfordert) Opfer zu hinterlas-
sen, durch das jenes blutige (Opfer), das
einmal am Kreuze dargebracht werden
S.E. Mgr. Lefebvre feiert das hl. Meßopfer
sollte, vergegenwärtigt werde, sein Ge-
dächtnis bis zum Ende der Zeit fortdau- der Kirche durch die Priester unter dem
ern und dessen heilbringende Kraft für sichtbaren Zeichen geopfert werden
die Vergebung der Sünden, die von uns sollte zum Gedenken an seinen Hin-
täglich begangen werden, zugewandt übergang aus dieser Welt zum Vater, als
werden sollte, sich auf ewig als Priester er uns durch das Vergießen seines Blu-
nach der Ordnung des Melchisedek tes erlöste, ,der Macht der Finsternis ent-
(vgl. Ps. 110, 4; Hebr. 5, 5; 7, 17) einge- riß und in sein Reich versetzte‘ (Kol. 1, 13).
setzt erklärend, seinen Leib und sein Und dies ist nun jenes reine Opfer
Blut unter den Gestalten von Brot und (munda oblatio), das durch keine Unwür-
Wein Gott, dem Vater, dargebracht und digkeit oder Schlechtigkeit derer, die es
sie unter den Zeichen derselben Dinge darbringen, verunreinigt werden kann,
den Aposteln (die er damals als Priester von dem der Herr durch Malachias vor-
des neuen Bundes einsetzte) darge- hergesagt hat, daß es seinem Namen,
reicht, damit sie empfingen, und ihnen der groß sein werde unter den Völkern,
und ihren Nachfolgern im priesterli- an jedem Ort als reines Opfer darge-
chen Amte durch folgende Worte gebo- bracht werde (vgl. Mal. 1, 11), und auf
ten, daß sie sie darbrächten: ,Tut dies zu das der Apostel Paulus in seinem Brief
meinem Gedächtnis‘ (Lk. 22, 19; 1 Kor. 11, an die Korinther unzweideutig anspielt,
24), usw., wie es die katholische Kirche wenn er sagt, es könnten diejenigen, die
immer verstanden und gelehrt hat. durch die Teilhabe am Tisch der Dämo-
Denn nach der Feier des alten nen befleckt seien, nicht am Tisch des
Pascha, das die Schar der Kinder Israels Herrn teilhaben (vgl. 1 Kor. 10, 21), wo-
zum Gedenken an den Auszug aus bei er unter Tisch beidemal den Altar
Ägypten opferte (vgl. Ex. 12), setzte er versteht. Dies ist schließlich jenes (Op-
das neue Pascha ein, sich selbst, der von fer), das durch die mannigfaltigen
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Verschiedenes

Gleichnisse von Opfern zur Zeit der Na- will, muß in die Opfergemeinschaft, in
tur und des Gesetzes (vgl. Gen. 4, 4; 8, die sakramentale Gemeinschaft der ka-
20; 12, 8; 22, 1–19; Ex.: überall) vorgebil- tholischen Kirche eintreten.
det wurde, da es ja alle Güter, die durch
jene bezeichnet wurden, als deren aller 4.– Wird das Opfer Christi, die heili-
Vollendung und Vervollkommnung ge Messe, würdig und in geziemender
umfaßt. Form dargebracht, so läßt sich auf die
heilige Messe, das Wort aus dem Evan-
3.– Dieses heilige Meßopfer also, das gelium anwenden, das der hl. Evange-
wir täglich feiern, sei es als stille Messe, list Markus über den lehrenden Chri-
sei es als gesungenes einfaches Amt, sei stus spricht (Mk. 1, 21): „... sogleich am
es als Levitenamt, sei es auch als Ponti- Sabbat begab sich Jesus in die Synagoge und
fikalamt mit dem Bischof usw., ist das lehrte. Sie waren betroffen über seine Lehre,
Opfer Christi selber. Der ungeheuerli- denn er lehrte sie wie einer, der Macht hat,
che, überaus heilige Inhalt erfordert ei- und nicht wie die Schriftgelehrten.“
ne entsprechende würdige Form, wie Die heilige Kirche hat 13 verschiede-
sie die heilige Kirche im Laufe der Zeit ne Riten anerkannt, wobei sich vor al-
entwickelt hat. Hier ergeht also das An- lem die alten Ostriten im selben Sinne
gebot an die Menschen, hier haben wir
wie die heilige Messe in Rom entwickelt
das Opfer Christi, das in die Hände der
haben. Allein die traditionelle Form der
Menschen gelegt wurde, hier kann jeder
römischen Messe übertrifft alle anderen
Mensch, sofern er glaubt und sich vor-
Riten an Schönheit, Klarheit und Ausge-
bereitet, seine Pflicht Gott gegenüber
glichenheit. In der Liturgie erfahren wir
vollkommen erfüllen, die vollkommene
ganz ähnlich wie die Jünger Christi die
Huldigung, die vollkommene Sühne für
Macht Gottes, die milde, sanftmütige,
die eigenen Sünden leisten. In der heili-
jedoch reale und verwandelnde Macht,
gen Messe realisiert sich die Kirche als
die zum Ausdruck kommt, wenn die Li-
Opfergemeinschaft: „Ihr seid ein heiliges
turgie richtig gefeiert wird, und jeder,
Volk, ein königliches Priestertum“ (1 Petr.
der guten Willens ist und der sich bereit
2, 4–9). Der Priester opfert in persona
Christi, die Gläubigen, kultfähig gewor- hält, erfährt dies auch. So können wir
den durch den Glauben und durch die mit den Worten schließen: In der heili-
Taufe, opfern mit, sie versammeln sich gen Messe stehen wir tatsächlich unter
am Altar, am Opferaltar. Der Opferaltar dem Kreuze Christi. Die Wirkung der
Christi ist das Zentrum der Christen- heiligen Messe beruht auf der Tatsache,
heit. Ohne Opferaltar gibt es kein Chri- daß sie Repräsentation, Gegenwärtig-
stentum! (Das muß gesagt werden ge- setzung des Kreuzesopfers Christi ist.
gen jede Art von Spiritualismus, wo das
Christentum – z.B. bei den Protestanten 5.– Kurze Bemerkung zum Verhält-
– auf Gebet, Predigt, Nächstenliebe be- nis des einen Kreuzesopfers und der
schränkt werden soll.). Wer Christ sein vielen Messen. Numerisch sind es ver-
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Verschiedenes

schiedene Handlungen in der raumzeit- des neuen Missale, wo er schreibt: „Die


lichen Welt, das einmalige Kreuzesopfer Messe ist die Versammlung des Volkes
Christi zu Jerusalem und die vielen Gottes unter dem Vorsitz des Priesters zur
Messen, die im Laufe der Zeit gelesen Feier des Gedächtnisses des Herrn gemäß
werden. Es sind sichtbare Handlungen, dem Worte des Herrn: ,Wo zwei oder drei in
die voneinander in Raum und Zeit ver- meinem Namen beisamen sind, da bin ich
schieden sind und den sichtbaren Be- mitten unter ihnen‘“ (Institutio generalis
reich betreffen. Wie steht es aber im un- Missalis Romani, Nr. 7, 3.4.1969). Dies
sichtbaren Bereich? Den Begriff „Zeit“ ist sicher eine skandalöse Definition!
können wir nicht richtig fassen, wenn und eben unter dieser Definition wurde
wir nicht einen überzeitlichen Stand- das neue Missale eingeführt. Die Defini-
punkt haben. Und so muß man auch tion wurde später geändert, das Missale
hier einen überzeitlichen Standpunkt
aber nicht.
für das Opfer Christi einnehmen. In der
Äußerst tendenziös ist auch die Be-
Ewigkeit haben sie denselben Gehalt:
das sichtbare blutige Opfer Christi in Je- zeichnung der heiligen Messe seitens
rusalem und jede einzelne Messe, die hoher kirchlicher Stellen als „Mahlge-
von uns zelebriert wird. Auch bei Chri- meinschaft mit dem Auferstandenen“. Wie
stus wird ja ausdrücklich unterschieden ist das zu vereinen mit dem Satz des hl.
zwischen dem Karfreitag und dem Paulus (1. Kor. 11, 26), daß wir in der al-
Gründonnerstag. Am Gründonnerstag lerheiligsten Eucharistie „den Tod des
wird das allerheiligste Altarsakrament, Herrn verkünden“? Der Tod ist ja der Op-
also die Eucharistie eingesetzt, und am fertod! Auch gibt es genügend Zeugnis-
Karfreitag das blutige Opfer vollzogen, se, etwa Ausgaben von Missalen für die
das, in verborgener Weise, der Gehalt Gläubigen, z.B. eine französische Aus-
der allerheiligsten Eucharistie ist. gabe vom Jahre 1975, wo die Messe
schlicht als „Mahl“ dargestellt wird.
Schluß: Vom Opfer ist nicht mehr die Rede! Die-
Die aktuelle Lage bezüglich des heiligen sen neuen, von der Wahrheit abirrenden
Meßopfers in der katholischen Kirche Ideen entspricht weitgehend die Praxis
Bis zum II. Vatikanischen Konzil hat der nachkonziliaren Kirche. Die heilige
die katholische Kirche am Meßopfer Messe degeneriert zu einem „Hap-
und an der Opfertheologie, wie hier pening“, gewissermaßen zu einem Ge-
dargelegt, festgehalten. Mit dem II. Va- sellschaftsspiel mit „Gestaltung“, „Mo-
tikanischen Konzil und dessen Folgen, deratoren“, Tanz, Rhythmen völlig
vor allem der Liturgiereform, sind neue weltlicher Musik usw. Das Antlitz, die
Ideen und eine neue Praxis in die Kir- göttliche Würde Christi werden auf un-
che eingedrungen, die, wie wir meinen, erträgliche und abstoßende Weise ent-
dem objektiven Geschehen nicht mehr stellt, banalisiert. Die Macht Christi
gerecht werden. So z.B die Definition (s.o.) wirkt nicht mehr. Die Seelen wer-
Papst Pauls VI. in der ersten Ausgabe den nicht mehr angezogen, gehen in die
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Verschiedenes

Irre, verlieren sich. Die Kirchen leeren ,Hostia seu Victima est ipse Christus
sich. praesens sub speciebus panis et vini.‘ (De fi-
Dagegen hat sich seit 1970 Erzbi- de divina catholica definita): Opfergabe
schof Marcel Lefèbvre erhoben, um die oder Schlachtopfer ist Christus selbst, der
katholische Lehre und die traditionelle unter den Gestalten des Brotes und des Wei-
(römische) Praxis der heiligen Messe für nes gegenwärtig ist. Dies gehört zum defi-
neue Generationen zu bewahren und zu nierten katholischen Glauben.
retten. Zu diesem Zweck gründete er Häretiker wären auch die, welche diese
mit der Zustimmung und dem Lob der beiden Sätze leugneten. Drei Realitäten sind
kirchlichen Autoritäten die Priesterbru- also für die Realität des Meßopfers wesent-
derschaft St. Pius X., die heute über die lich: der Priester (,Sacerdotes, illique soli,
ganze Welt verbreitet ist. Die traditio- sunt ministri‘ – de fide divina catholica),
nelle Messe zieht die Menschen an und welcher den priesterichen ,Charakter‘ hat;
bekehrt sie. Erzbischof Lefèbvre macht die wirkliche und substantielle Gegenwart
sich zum Echo der katholischen Traditi- des Schlachtopfers, das Christus ist; die
on und schreibt am 13. Mai 1971: priesterliche Handlung der opfernden Dar-
bringung, welche wesentlich durch die Kon-
„Um über den dogmatischen, sittlichen
sekration geschieht. Vergessen wir nicht,
und spirituellen Wert dieser Reform (d.h.
daß es gerade diese drei fundamentalen
der Liturgiereform) urteilen zu können,
Wahrheiten sind, die von den Protestanten
müssen wir uns kurz die unveränderlichen
und von den Modernisten geleugnet wer-
Grundsätze des katholischen Glaubens über
den. Vergessen wir nicht, daß als Ausdruck
die wesentlichen Elemente unserer heiligen ihrer Ablehnung des Glaubens an diese
Messe ins Gedächtnis rufen. ,In Missa offe- Dogmen ihre Messen sich zum ,Kult‘, zum
rentur Deo verum et proprium Sacrificium‘ Abendmahl oder zur eucharistischen Ver-
(De fide divina catholica definita): In der sammlung gewandelt haben, wobei die Bi-
Messe wird Gott ein wahres und eigentli- bellesung, das Wort sich stark ausdehnte
ches Opfer dargebracht. Dies gehört zum de- zum Schaden der Darbringung und der Li-
finierten katholischen Glauben. Wer diesen turgie des Opfers. (...)
Satz leugnen wollte, wäre ein Häretiker. (...) Nun müssen wir uns aber genau
Zu jedem Opfer ist ein Priester, ein darüber klar sein, daß die Messe nicht nur
Schlachtopfer und eine priesterliche Hand- der wichtigste religiöse Akt ist, sondern daß
lung erforderlich, bei welcher das sie die Quelle der gesamten katholischen
Schlachtopfer dargebracht wird. ,In Missa et Lehre ist, die Quelle des Glaubens und der
in Cruce eadem est Hostia et idem Sacerdos Moral – der individuellen Moral, der Moral
principalis‘. (De fide divina catholica de- der Familie und der Moral der Gesellschaft.
finita): Bei der Messe und am Kreuze han- Nur von dem auf dem Altar fortgesetzten
delt es sich um dieselbe Opfergabe und den- Kreuzesopfer steigen alle Gnaden herab,
selben Priester. Dies gehört zum definierten welche der christlichen Gesellschaft erlau-
katholischen Glauben. ben, zu leben und sich zu entwickeln; die
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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 32

Verschiedenes

Quelle versiegen lassen heißt alle Wirkun- die Menschen Sünder. Zur Zeit leben et-
gen vernichten.(...) wa sechs Milliarden Menschen auf der
(...) Die katholische Messe hatte immer Erde. Wie steht es mit dem Opfern, der
die Wirkung – und hat sie noch –, daß sie Huldigungs- und Sühnepflicht bei die-
die Menschen zum Kreuz hin erhob, daß sie sen Menschen? Christus wurde zu ih-
sie einte in unserm gekreuzigten Herrn Je- nen allen gesandt. Er hat sich für sie al-
sus Christus, daß sie die Fermente der Sün- le auf Kalvaria geopfert. Zu ihrer aller
de in ihnen schwächte, die sie zur Spaltung Nutzen hat er das heilige Meßopfer ein-
treiben. Wenn das Kreuz Unseres Herrn gesetzt, somit ist die heilige Messe nicht
verschwindet, wenn sein Leib und sein Blut fakultativ! Die meisten Menschen sind
nicht mehr gegenwärtig sind, werden die heute aber aufgeklärt, sie sind säkulari-
Menschen sich nur noch untereinander zu- sierte Menschen, de facto Atheisten, in
sammenfinden um einen öden, leblosen einer sakrilegischen Haltung der Gott-
Tisch; nichts wird sie mehr einen. und Opfervergessenheit.
Daher wohl jene Müdigkeit und jenes Betrachten wir einige Religionen: Es
öde Unbehagen, das sich überall geltend zu gibt noch Opfer bei den Heiden, z.B, bei
machen beginnt, daher das Verschwinden den Hinduisten in Asien. Es handelt
der Berufungen, die keinen Gegenstand sich dabei um Naturopfer gemäß dem
mehr haben, daher jene Säkularisierung und Alten Testament vor der mosaischen
Profanierung des Priesters, der seine ,raison Gesetzgebung. In diesem Sinne hat
d‘être‘ nicht mehr findet, daher jenes Be- auch der Islam das Opfer bewahrt.
dürfnis nach der Welt. Durch die Schuld Höhepunkt der Wallfahrt nach Mekka
dieser protestantischen Konzeption der hei- ist jedes Frühjahr das Opferfest. Einem
ligen Messe verläßt Jesus Christus nach Bericht der „Frankfurter Allgemeinen
und nach die Kirchen, die so häufig profa- Zeitung “ zufolge wurden im Jahre 1996
niert werden.“ (Una Voce Korrespon- in Mekka 520.000 Schafe, 22.000 Kamele
denz, 1. Jg., Heft 7, Juli-Aug. 1971, S. 246 und Rinder geopfert (FAZ 19.6.1996).
ff.) Ähnlich 1997 (FAZ, 10.4.97). Zwar gibt
Das ist die Lage in der katholischen es dabei keinen Altar, aber die Tiere
Kirche nach dem II. Vatikanischen Kon- werden zur Huldigung Gottes geopfert
zil. (Vgl. auch: Georg May: „Die Alte und das Opferfleisch zur Wohltätigkeit
und die Neue Messe“, Düsseldorf 1975.) an die arme Bevölkerung mohammeda-
nischer Länder versandt. Es ist festzu-
Heidentum, Islam, Judentum, Protestan- halten, daß hier ganz offensichtlich der
tismus Sinn für die Pflicht des Menschen, Gott
Anbetung und Huldigung Gottes durch das Opfer zu huldigen, erhalten
durch das Opfer sind Pflicht eines jeden ist. Welche Opfer werden hier aber dar-
Menschen, da alle Menschen Geschöpfe gebracht! Die Naturopfer sind längst
und daher Eigentum Gottes sind. Seit durch das Opfer Christi und die Einset-
dem Sündenfall Adams und Evas sind zung des heiligen Meßopfers überholt
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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 33

Verschiedenes

Pater Pio beim


Hl. Meßopfer

und hinfällig. Sie können Gott nicht ge- „Diese Religionsstruktur (d.h. der Op-
fallen. ferreligion) wurde durch den jüdischen
Kommen wir zum Judentum. Die jü- Monotheismus überwunden. Er ist die erste
dische Religion hat das Opfer aufgege- nationale Religion, die letztlich jedes Opfer,
ben, obwohl es im Alten Testament und Menschen-, Tier- oder sonstige Opfer, ab-
im mosaischen Gesetz eine zentrale Rol- lehnt. Somit durchbricht der jüdische Mo-
le spielt. Insofern sind die religiösen Ju- notheismus einen kollektiven Wahnsinn,
den inkonsequent mit sich selbst. Es gab nämlich zu glauben, daß durch Opferungen
zwar mehrere Ansätze zur Wiederer- die Welt gerettet werden kann. An die Stel-
richtung des Tempels von Jerusalem, le des Ritus tritt die individuelle Moral und
z.B. unter Julian dem Abtrünnigen, sie Verantwortung.
sind aber immer und sogar unter dra- Das Christentum dagegen fällt im Ver-
matischen Umständen gescheitert. (Vgl. gleich mit dem jüdischen Monotheismus
die Berichte bei Ammianus Marcellia- weit hinter dessen Kulturleistung zurück.
nus, Rabbi Gedalja, Gregor von Nazi- Der mythologisierte Christus ist die rituelle
anz, Johannes Chrysostomus, Ambrosi- Wiederkehr des Menschenopfers. Er stirbt
us, Socrates, Socomenos, Theodoret, Ru- für die Erlösung der Menschheit. Das
finus usw.) Die jüdische Religion ist seit Abendmahl ist jedesmal die tatsächliche
der Zerstörung Jerusalems zu einer Verspeisung des Gottessohnes.“ (Michael
„Buch-Religion“ geworden, das Opfer Ley: „Genozid und Heilserwartung“,
wird abgelehnt und der Zustand wird Wien 1993, S. 32 f.)
ausdrücklich gerechtfertigt. Dazu fol- Hier sind wir im Zentrum der Anti-
gender jüngst erschienener Text aus Haltung gegen das Opfer und gegen das
dem jüdischen Kulturbereich: heilige Meßopfer.
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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 34

Verschiedenes

Nun zu den Protestanten: Luther Meßopfer! Ohne heilige Messe kann


hat die heilige Messe, das Opfer und die Welt nicht bestehen (Padre Pio). Die
das Priestertum abgeschafft. Die Kir- heilige Messe hat und gibt die Kraft, al-
chen, selbst die alten katholischen Kir- le geistigen Krisen zu überwinden, auch
chen des Mittelalters, darunter sehr diejenigen der modernen Weltgesell-
schöne Kirchen Norddeutschlands, z.B. schaft.
der Dom von Magdeburg, der Dom von Die Philosophen der Antike haben
Braunschweig, die Kirchen von die Wahrheit gesucht, die Antwort Got-
Gandersheim, Bursfelde, Goslar, Hal- tes ist das Kreuz Christi, wirksam und
berstadt usw., herrliche Kirchen, die für lebendig im heiligen Meßopfer bis zum
die heilige Messe gebaut wurden, sind heutigen Tage, und ist Lösung für jede
leer! Das protestantische Kirchengebäu- geistige Katastrophe und für jede
de ist ein Bethaus, wo die Orgel ge- Schuld. Nehmen wir z.B. die aktuelle
spielt, gebetet wird, das Evangelium geistige Lage in Deutschland, wo Leute
gehört und gepredigt wird, allein das wie Daniel Goldhagen im Publikum mit
Opfer ist nicht da. Das Opfer, diese all den Anschuldigungen und vielen
große Gnade Gottes, und die Pflicht der Irrtümern vermischten Unterstellungen
Menschen Gott gegenüber, das Opfer umhergehen. Sicher – das Verbrechen
zu zelebrieren, wird zurückgewiesen, war groß: der Holokaust, die Hinrich-
obwohl die Heilige Schrift (sola scriptu- tung, die Vernichtung jüdischer Men-
ra!) dafür Zeugnis ablegt (s.o.). Ohne schen in großer Anzahl. Aber nach der
Opfer keine Christenheit! Bekehrung ist auch hier die Lösung das
Opfer Christi: die Versöhnung mit Gott
Die Modernisten in der katholi- und das Angebot des übernatürlichen
schen Kirche haben, wie hier bereits an- Friedens unter den Menschen. Das Op-
gedeutet, das Opfer zu einem „Mahl“ fer Christi ist das Sühne- und Reini-
abgewertet. Der Tisch, der dafür aufge- gungsbad für die Seelen, dazu ist Chri-
stellt wurde, ist im Grunde das, was stus gekommen, daher ersehnte er „sei-
dort früher die Kommunionbank war ne Stunde“. Der hl. Thomas von Aquin
und bei uns noch immer ist. Der Op- hat dies im „Adoro te“ beschrieben mit
feraltar, das „Thysiasterion“ des He- den Worten „Cuius una stilla salvum fáce-
bräerbriefes, ist entweder entfernt oder re. Totum mundum quit ab omni scélere.“
verstellt worden. Das ist ein sprechen- Ein einziger Tropfen (vom Blute Christi)
des Sinnbild für das, was hier gesche- schafft die ganze Erde neu. Wäscht alle
hen ist. Die Messe ist weitgehend zum Sünder rein, macht alle schuldenfrei.
„Happening“, zur gesellschaftlichen
„Animation“ geworden, bis hin nach St.
Peter in Rom, wie man sie auch dort so
erleben kann!
Wir befinden uns zur Zeit im Zen-
trum des Kampfes um das heilige
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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 35

Verschiedenes

Der wahre Held auf der Titanic hieß


Joseph Peruschitz
von Petra Preis

Bestrafung für Technikgläubigkeit, schriftliche Testament des Paters, ver-


Symbol für die gefährdete Welt, Objekt faßt in altdeutscher Schrift. Eine Perso-
der Sammlerwelt: Der Luxusliner Tita- nalakte, die Joseph Peruschitz höchst-
nic, der am 15. April 1912 von einem Eis- persönlich beim Eintritt ins Kloster am
berg aufgeschlitzt im Ozean versank, 14. August 1894 mit schwarzer Tinte
liegt nicht nur tief im Atlantik, sondern ausgefüllt hatte. Über Jahrzehnte aufbe-
auch als mythischer Ort mitten in der wahrt wurden außerdem Photos, Briefe,
Seele des modernen Menschen. Das Aufsätze, Zeitungsausschnitte und die
Filmepos Titanic lockte Hunderttausen- Todesanzeige. Die wertvollen Doku-
de weltweit in die Kinos - und beweist, mente werden von Pater Anselm Reich-
daß dieses legendäre Schiff auch heute hold wie ein Schatz gehütet. Aus den
noch einen ungebrochenen Zauber auf Dokumenten lassen sich Leben und En-
den Menschen ausübt... de eines Mannes rekonstruieren, von
Es geschah in einer kalten, aber dem später berichtet wurde, daß er ei-
sternklaren Nacht. Ein tückischer Eis- nen „Heldentod“ gestorben ist.
berg schlitzte die Titanic, als „unsinkba- Der 41jährige stammte aus Straßlach
re Königin der Meere“ bestaunt und ge- bei Wolfratshausen und hieß mit weltli-
feiert, bei ihrer Jungfernfahrt unterhalb chem Namen Benedikt. Im Jahre 1872
der Wasserlinie auf. In einem dreistün- übersiedelte die Familie Peruschitz nach
digen Drama sank das Riesenschiff, nur Dorfen, wo der Vater eine kleine Bau-
711 von insgesamt 2201 Passagieren und materialienhandlung betrieb. In den
Bordpersonal überlebten. 1985 wurde Jahren 1882/86 treffen wir den jungen
das Wrack vor der Küste Neufundlands Benedikt Peruschitz an der damaligen
entdeckt, 3800 Meter unter der Mee- Lateinschule in Scheyern und danach
resoberfläche. Trotz aller Publikationen am Gymnasium in Freising, wo er am 7.
über die Schiffskatastrophe ist eine Tat- August 1890 das Reifezeugnis erhielt. Er
sache weithin unbekannt geblieben: An erzielte gute bis mittelmäßige Leistun-
Bord des Unglücksschiffes befand sich gen.
auch ein oberbayrischer Pater namens Vom 26. Oktober 1890 bis 31. Juli
Joseph Peruschitz. Die Fahrt mit der Ti- 1894 besuchte er das Königlich-Bayri-
tanic wurde seine letzte Mission. In ei- sche Lyceum in Freising, wo er Philoso-
ner grauen Mappe liegen im Kloster phie und Theologie studierte. Dort er-
Scheyern fein zusammengeschnürt fas- zielte er durchwegs sehr gute Erfolge.
zinierende Zeitdokumente: Das hand- Bereits am 16. April 1894 hatte er um
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Verschiedenes

geteiltes Opferleben zeitlebens Buße zu


tun und Gott vollkommen dienen zu
dürfen.“
Am 23. August 1894 wurde Benedikt
Peruschitz eingekleidet, bei der einfa-
chen Profeß 1895 erhielt er den Ordens-
namen Joseph. Am 28. April 1895 wur-
de er zum Priester geweiht und feierte
in Dorfen seine Primiz. Mit einer Son-
dererlaubnis legte er erst nach der Prie-
sterweihe die feierlichen Gelübde ab.
Bereits vom Schuljahr 1895/96 an wur-
de er in der Schule und im Knabense-
minar eingesetzt als Präfekt, Lehrer für
Mathematik, Musik und Turnen. Bei
den Schülern war er sehr beliebt. Die
Buben liebten und verehrten ihren Pa-
ter Joseph, wie viele Schreiben an das
Kloster Scheyern nach dem Titanic-Un-
tergang bezeugen. Peruschitz sollte
beim Aufbau eines Gymnasiums der
Amerikanisch-Casinensischen Benedik-
Pater Joseph Peruschitz OSB tiner-Kongregation im Bundesstaat
Minnesota mitwirken und wurde nach
Nordamerika berufen. Der 41jährige
Aufnahme in das Kloster Scheyern ge-
buchte um 155 Goldmark eine Passage
beten. In seinem Gesuch schreibt er un- dritter Klasse. Bis zur Einschiffung vom
ter anderem: „Es sind nun schon bald Hafen Southhampton wohnte er im
zwei Jahre, daß ich ernstlich daran den- Kloster St. Augustine bei Ramsgate in
ke, Benediktiner zu werden. Ich habe der englischen Grafschaft Kent. Seine
hierüber auch mit meinem Beichtvater Familie wußte noch nichts von dem
öfters geredet. Jetzt aber bin ich fest ent- Ortswechsel. Erst nach der Ankunft in
schlossen diesem, wie ich zuversicht- Amerika wollte Peruschitz sie mit der
lich hoffe, von Gott stammenden Ruf zu Vollzugsmeldung überraschen. Aber es
folgen. Dazu veranlaßt mich besonders sollte anders kommen. Der Wunsch,
einmal meine natürliche Neigung zu ei- seinem Leben noch einmal eine ganz
ner einsamen und doch wieder gemein- neue Wendung zu geben, ging nicht in
samen Lebensweise, sodann das auf- Erfüllung.
richtige Verlangen, für die Sünden und Eine Woche nach Reisebeginn, am
Verirrungen meiner Jugendzeit durch 14. April kurz vor Mitternacht, herrscht
ein in Gebet und heiligem Gehorsam in den Bars auf dem Luxusdeck der Ti-
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Verschiedenes

tanic Hochbetrieb.
Während unten im Ma-
schinendeck bereits die
Wassermassen herein-
stürzen, flirten elegante
Menschen oben auf dem
Deck, feiern und blicken
in den Sternenhimmel.
Kaum einer der Passa-
giere nimmt so recht
wahr, daß das Schiff
vom Eisberg fast in hal-
ber Länge regelrecht
aufgeschlitzt wurde. Als
die Menschen die Kata-
strophe so recht wahr-
nehmen, bricht Panik Der Untergang der Titanic
aus: Die Mannschaft ver-
teilt die wenigen
Schwimmwesten, dirigiert Frauen und der sich bei dem Unglück abspielte. Pa-
Kinder in die paar Rettungsboote. Ob- ter Peruschitz und auch Pater Byles hal-
wohl für die rund 2200 Passagiere viel fen ohne Unterlaß. Einige merkten die
zu wenig Rettungsboote an Bord wa- Gefahr anfangs noch nicht; als diese
ren, nahm zunächst kaum einer die aber näher kam und die Aufregung
Aufforderung ernst, schließlich galt das furchtbar wurde, verlangten alle mit
Schiff als unsinkbar! Im Speisesaal der größter Inbrunst nach dem Beistand der
ersten Klasse wurde Kaviar und Hum- Priester.“
mer serviert, Champagner getrunken Man tröstete die Einsteigenden in
und Puccini gespielt. Erst als die Ret- den Rettungsbooten mit schönen Wor-
tungsboote wie Nußschalen auf den At- ten. Einige Frauen wollten sich nicht
lantikwellen schaukelten, hörte die von ihren Männern trennen und lieber
Bordkapelle auf zu spielen. Zu den letz- mit ihnen sterben. Erst als sich keine
ten, die Haltung bewahrten, gehörte Frauen mehr in der Nähe befanden, ließ
auch Pater Peruschitz sowie ein engli- man einzelne Männer einsteigen. Nach
scher Pater namens Byles. Sie waren so- Aussagen von Überlebenden bot man
fort zur Stelle, um allen zu helfen. Ein auch Pater Peruschitz einen Platz an,
Augenzeuge schilderte der New Yorker den dieser jedoch ablehnte. Als das letz-
Zeitschrift America: „Alle Überleben- te Rettungsboot hinuntergelassen wur-
den, mit denen wir gesprochen haben, de, bleiben noch mehr als 1600 Men-
berichten von einem außerordentlich schen zurück, welche dem Tod ins An-
ergreifenden und tröstlichen Vorfall, gesicht zu schauen hatten. Wie erging
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Verschiedenes

es eigentlich dem Kapitän Smitz? Er ster mit ihren zum Segen erhobenen
stand schon mit den Achseln im Wasser Händen inmitten einer betenden Schar
auf dem Verdeck, als er eine Frau mit ei- untergingen.“ Sie gingen inmitten derer
nem Kind sah. Er faßte beide und unter, denen Gott noch in letzter Stunde
schwamm mit ihnen zum nächsten Ret- die Gnade der Bekehrung geschenkt
tungsboot. Als er sie in Sicherheit ge- hatte und die mit ihnen gottergeben das
bracht hatte, wollte er nicht aufgenom- Opfer ihres Lebens brachten. Agnes
men werden, obwohl man ihn dazu Mac Goy gab zu Protokoll: „Man konn-
drängte, sondern er entfernte sich und te nichts mehr sehen, aber man hörte
verschwand für immer. Beim Sinken weder Jammergeschrei noch Schrek-
des Schiffes spielte die Schiffskapelle kensrufe. Nur die friedvollen Stimmen
den Choral „Näher mein Gott zu dir, des Gebetes klangen herüber als das
näher zu dir!“ Schiff unterging.“ Weit über 3000 Meter
Die beiden Priester ermunterten die tief. Es war der kostspieligste Sarg, den
Todeskandidaten laut Augenzeugin die Welt je geschaut - stummer Zeuge
Agnes Mac Goy, „sie sollten Akte der von menschlicher Technikgläubigkeit
Reue erwecken und sich bereit machen, und hilfloser Ohnmacht zugleich.
Gott von Angesicht zu Angesicht zu An Pater Peruschitz erinnert im Klo-
schauen. Sie beteten den Rosenkranz ster Scheyern eine bescheidene, unter
vor, und die anderen antworteten.“ vielen anderen Marmortafeln kaum
Währenddessen rückte das Ende näher: auffallende Gedenkplatte im Kreuz-
Das Meerwasser strömte in die Kajüten. gang des Klosters. „In Frieden möge Jo-
Gegen zwei Uhr nachts knien viele der seph Peruschitz ruhen“, ist darauf ge-
Passagiere nieder, weinen, manche le- meißelt, „der auf jenem Schiff Titanic
gen die Beichte ab. Die Geistlichen wa- fromm sein Leben hingab.“
ren unablässig bemüht, den Todgeweih-
ten beizustehen und bald den im Was-
(aus: Betendes Gottesvolk 1998/3, Nr.
ser mit dem Tode Ringenden, bald den
125)
auf dem Schiffe Betenden die Losspre-
chung zu erteilen. Bevor auf der Titanic
die Lichter ausgehen, das Heck wie ein
zum Himmel gestreckter Finger hoch-
kippt und dann lärmend endgültig in
die Tiefe taucht, erteilen Pater Peru-
schitz und sein Amtsbruder die Gene-
ralabsolution. „Viele von den 750 Geret-
teten“, schreibt später eine Zeitung,
„die von ihren Booten aus zusahen, wie
das Schiff in den Wellen verschwand,
erzählten, sie würden es nie in ihrem
Leben vergessen, wie die beiden Prie-
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Liturgischer Kalender
Januar
1.1. Freitag Oktavtag vom Fest der Geburt Unseres Herrn
(1. Kl.)
2.1. Samstag Herz-Mariä-Sühnesamtag
3.1. Sonntag Fest des heiligsten Namens Jesu (2. Kl.)
4.1. Montag Wochentag
5.1. Dienstag Wochentag
6.1. Mittwoch Fest der Erscheinung des Herrn (1. Kl.)
7.1. Donnerstag Wochentag
8.1. Freitag Wochentag
9.1. Samstag Mariensamstag
10.1. Sonntag Fest der Heiligen Familie (2. Kl.) (1. Sonntag nach
Erscheinung)
11.1. Montag Wochentag
12.1. Dienstag Wochentag
13.1. Mittwoch Fest vom Gedächtnis der Taufe Unseres Herrn (2. Kl.)
14.1. Donnerstag Fest des hl. Hilarius (3. Kl.)
15.1. Freitag Fest des hl. Paulus, erster Eremit (3. Kl.)
16.1. Samstag Fest des hl. Marcellus I. (3. Kl.)
17.1. Sonntag 2. Sonntag nach Erscheinung
18.1. Montag Wochentag
19.1. Dienstag Wochentag
20.1. Mittwoch Fest der hll. Fabian und Sebastian (3. Kl.)
21.1. Donnerstag Fest der hl. Agnes (3. Kl.)
22.1. Freitag Fest der hll. Vincentius und Anastasius (3. Kl.)
23.1. Samstag Fest des hl. Raymund von Peñaforte (3. Kl.)
24.1. Sonntag 3. Sonntag nach Erscheinung
25.1. Montag Fest d. Bekehrung Pauli (3. Kl.)
26.1. Dienstag Fest des hl. Polykarp (3. Kl.)
27.1. Mittwoch Fest des hl. Johannes Chrysostomus (3. Kl.)
28.1. Donnerstag Fest des hl. Petrus Nolascus (3. Kl.)
29.1. Freitag Fest des hl. Franz von Sales (3. Kl.)
30.1. Samstag Fest der hl. Martina (3. Kl.)
31.1. Sonntag Sonntag Septuagesima (2. Kl.)
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Heilige Messen
Ort Name PLZ, Straße Tel. Meßzeiten s
DEUTSCHLAND
Aachen Kapelle St. Petrus Canisius 52072, Brüggemannstr. 12 0201/664922 9.15/18.00 (1. u.
Altötting Kapelle Maria Hilf 84503, Dr. Hiemer Str. 3 08671/13201 9.00 bzw. 1. So 1
Augsburg siehe Königsbrunn
B. Friedrichshall Kapelle Sieben Schm. Mariens 74177, Ulmenweg 4 06321/32260 9.00 bzw. 18.00
Berlin Kapelle St. Petrus 10961, Mehringdamm 64 030/7859225 9.30/ 18.30 (Fr), 8
Bonn Priorat Christkönig 53111, Kaiser Karl Ring 32 a 0228/679151 8.00, 10.00/ 7.15,
Brilon Wald Karmel St. Josef 59929, Korbacher Str. 89 02961/6445 10.00/ 8.00
Spiritual 59929, Korbacher Str. 99 02961/908134
Diestedde Don-Bosco-Gymnasium 59329, Lange Str. 1 02520/93040 10.00/6.40
Essen Priorat St. Bonifatius 45356, Bottroper Str. 295 0201/664922 8.00, 9.30/ 7.15, 1
Freiburg Kapelle St. Antonius v. Padua 79114, Wiechertstr. 2B 07643/6980 9.00 bzw. 18.00
Fulda Kapelle M v.d. Immerw.Hilfe 36037, Heinrichstr. 45 0661/72674 9.30 oder 17.00
Göffingen Priorat Hl. Geist 88527, Biberacher Str. 2 07371/93640 8.00, 9.30/ 7.15, 1
Noviziat St. Pius X. (wie Priorat) 07371/13736
Hagstedt Kapelle Herz Jesu u. Mariä 49429 0201/664922 9.30
Hamburg Kapelle St. Theresia v. Avila 22297, Alsterdorfer Str. 210 040/5116813, 8320283 10.30/ 18.00 (Fr)
Hannover Kapelle St. Ansgar 30419, Hartungstr. 11 02520/93040 9.30 bzw. 17.00
Hattersheim Kapelle St. Athanasius 65795, Schulstr. 7 06190/2644, 0711/89692929 8.00, 10.00/ 18.00
Häusern Kloster Marienberg 79837, Haselwies 10 07672/328 8.45/ 7.00
Heilbronn siehe Bad Friedrichshall
Karlsruhe Kapelle Herz-Jesu 76149, Sudetenstr. 93-95 0711/89692929 9.00 bzw. 18.00,
Kaufbeuren Kapelle Hl. 14 Nothelfer 87600, Dr. Muschak-Str. 14 07371/93640 9.00/ 1. Fr 19.00
Kleve Kapelle Maria, Trösterin d. Betr. 47533,Van Bracht-Steege 0201/664922 18.00 (1. u. 3. So
Koblenz Kapelle Mariä Heimsuchung 56073, Bahnhofsweg 6 0261/408246, 0228/679151 10.00/ 18.00 (Fr),
Köln Kapelle Hl. Drei Könige 50668, Am Salzmagazin 6 0228/679151 10.00/ 18.30 (Mi),
Königsbrunn Kapelle Mutter vom Großen Sieg 86343, Keltenstr. 9 08231/34146, 08236/5395 9.00/ verschieden
Lübeck St. Katharinenkirche 23552, Königstr. 27 0201/664922 -/ 17.30 (Sa)
Memmingen Kapelle St. Josef 87700, Tummelplatzweg 15 089/712707 7.45, 9.30/ 19.00
Miltenberg Kapelle St. Judas Thaddäus 63897, Mainzer Str. 14 06321/32260 9.00 bzw. 16.00
München Priorat St. Pius X. 81369, Johann Clanze Str. 100 089/712707 7.30, 9.30/ 6.30, 1
Neustadt Priorat Hl. Familie 67433, Mandelring 36 06321/32260 8.00, 9.30/ 7.15 (
Nürnberg Kapelle Unbefleckte Empfängnis 90478,Angerzeile 14 09451/1225, 3659 9.45 bzw. 15.00
Offenburg Kapelle St. Konrad 77654, Werderstr. 2 07643/6980 9.00 bzw. 18.00/
Passau Rosenkranz-Kapelle 94032, Kapuzinerstr. 75 09451/1225 So 8.10 Rosenkra
Reutlingen Kirche Hl. Kreuz 72770, Im Staudfuß 9 0711/89692929 9.00/ 18.45 (Di), 1
Rheinhausen Priorat St. Michael 79365, Kronenstr. 2 07643/6980 9.00/ 6.30 (Mo, M
Saarbrücken Priorat St. Maria zu den Engeln 66119, Julius Kiefer Str. 11 0681/854588 7.45, 9.30/ 7.00 (
40
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Meßzeiten sonntags/werktags

9.15/18.00 (1. u. 3. Mi) Nähe Ponttor


9.00 bzw. 1. So 16.00

9.00 bzw. 18.00 Kochendorf


9.30/ 18.30 (Fr), 8.00 (Sa), übrige Tage anfragen U-Bahn Mehringdamm (U6 u. U7)
8.00, 10.00/ 7.15, 8.00 (Sa), 18.00 (Di, Fr)
10.00/ 8.00

10.00/6.40 Wadersloh
8.00, 9.30/ 7.15, 17.45 Bergeborbeck
9.00 bzw. 18.00
9.30 oder 17.00
8.00, 9.30/ 7.15, 19.30 (Do zusätzlich), 1. Fr u. Sa nur 19.30

9.30 bei Vechta


0283 10.30/ 18.00 (Fr) Alsterdorf
9.30 bzw. 17.00 Vinnhorst
92929 8.00, 10.00/ 18.00 (Do, Fr), 8.00 Sa
8.45/ 7.00

9.00 bzw. 18.00, im Winter 9.00 bzw. 17.00 ehem. Kasernengelände


9.00/ 1. Fr 19.00 Neugablonz
18.00 (1. u. 3. So) Nähe Stiftskirche
9151 10.00/ 18.00 (Fr), 8.00 (Sa) Moselweiß
10.00/ 18.30 (Mi), 8.00 (Sa) beim Ursulaplatz
/5395 9.00/ verschiedene Zeiten bei Augsburg
-/ 17.30 (Sa)
7.45, 9.30/ 19.00 bzw. 19.30 (Sommer) (Fr, 1. Sa), 7.15 (Sa)
9.00 bzw. 16.00
7.30, 9.30/ 6.30, 18.00 (außer Mo), 8.00 (Sa) U-Bahn: Partnachplatz (U6)
8.00, 9.30/ 7.15 (außer Di, Fr: 19.00) N. (Weinstraße); Haardt
9.45 bzw. 15.00 Nürnberg-Zirndorf
9.00 bzw. 18.00/ 19.00 (1. Fr)
So 8.10 Rosenkranz, 9.00 hl. Messe Innstadt
9.00/ 18.45 (Di), 19.30 (1. Fr) Betzingen
9.00/ 6.30 (Mo, Mi)/ 19.00 (Do, Fr), 7.00 (Sa), 20.00 (1. Sa) Niederhausen
7.45, 9.30/ 7.00 (Mo, Mi, Do, Sa), 17.40 (Di, Fr)
41
MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 42

Ort Name PLZ, Straße Tel. Meßzeiten s


Schönenberg St. Theresien-Gymnasium 53809, St. Vinzenz-Str. 2 02295/5082, 5163 10.00/6.35
Schramberg Kapelle Sel. Bernhard von Baden 78713, Hardtstr. 4 0711/89692929 9.00 bzw. 18.00;
Siegen Kapelle St. Trinitas 57072, Tiergartenstr. 37 0228/679151 17.00
Stuttgart Distriktsitz St. Athanasius 70469, Stuttgarter Str. 24 0711/89692929 7.30,9.30/ 7.15, 1
Sulzberg Kapelle Unbefl. Herz Mariens 87477, Bundesstr. 309 08376/8458 9.00
Überlingen Priorat St. Josef 88662, Litscherweg 2 07551/2266 7.30,9.30/ 7.00 (
Weihungszell Seniorenh. St. Josef 88477, Maienfeld 5 07347/6010 7.30, 9.30/ 6.40 (
Priorat St. Christophorus 88477, Kapellenstr. 12 07347/921690 siehe oben
Würzburg Konferenzsaal d. Hbf 0931/72281 15.00 (gewöhnlic
Zaitzkofen Priestersem. Herz Jesu 84069, Hauptstr. 26 09451/1225, 3659 8.00, 10.00/ 7.15

SCHWEIZ –––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Balsthal siehe Oensingen
Basel Priorat St. Theresia v. K. Jesu 4057, Schliengerweg 17 061/6923377 8.00, 10.00/7.00
Carouge Kapelle St. Joseph 1227, Av. du Card. Mermillod 9 022/3426232,7922319 8.30, 10.00, 19.0
Chexbres Karmel Marie Reine des Anges 1605, Cremières 021/9462910,9463206 7.45/ 8.00
Delémont Hl. Geist-Kirche 2800, 1,rue de la Prévóté 061/6923377 9.15/ 18.30 (werk
Ecône Priesterseminar St. Pius X. 1908 027/7443525 7.20, 8.30,10.00/
Enney Exerzitienhaus Domus Dei 1667 026/9211138 7.45/ 7.15
Freiburg Kapelle ULF Hüterin d. Glaubens 1700, 3 bis, route-Neuve 026/9211138 9.30/ 18.45 (Di, D
Genf (siehe Carouge und Onex)
Glis (Brig) Kapelle Hl. Antlitz 3902, Zwingartenstr. 56 027/9233901, 7443525 8.00 (alle 14 Tag
Goldau Kapelle Maria Hilfe d. Christen 6410, Hügelweg 8 041/3608832,7553647 9.30/ 19.15 (Mi)
Lausanne Kapelle Charles B. u. Reg. Pacis 1005, avenue Avant-Poste 7 021/3112814, 026/9211138 8.30, 10.00/ anfr
Luzern Kapelle St. Josef 6005, Tribschenstr. 51 041/3608832,7553647 7.30, 9.15/ 19.15
Mels Institut Sancta Maria 8887 081/7234423 8.30 (nicht an all
Menzingen Generalhaus M. Verkündigung 6313, Schloß Schwandegg 041/7553636 7.30/ 7.15
Monthey Kapelle St. Antoine 1870, Av. du Simplon 100 027/3064666, 024/4772351 9.30/ 8.00 (Mi, F
Montreux Kirche ULF v. Lepanto 1820, rue de la Gare 24 026/9211138 10.15/ 19.00 (Mi,
Oberriet Priorat St. Karl Borromäus 9463, Staatsstraße 87 071/7612726 8.30,10.00,19.00
Oensingen Kirche Herz-Jesu 4702, Staadackerstr. 4 062/2161818 9.15/ 7.15 (Mo),
Onex Schule St. François de Sales 1213, 23, rue Gaudy-Le-Fort 022/7934211 -/ 7.15
Rickenbach Distriktsitz St. Niklaus v. Flüe 4613, Solothurner Str. 11 062/2161818 7.15/ 7.15
Riddes Kapelle Sts Coeurs de J. et M. 1908 027/3064666 9.30, 19.00/ 19.3
Siders Priorat Herz Jesu 3960, rue des Lacs 25 027/4555322 8.30, 18.00/ 6.45
Sitten Kapelle Hl. Familie 1950, rue de la Bourgeoisie 027/3228102,4555322 7.45,10.30/ 18.00
St. Gallen Kapelle St. Pius X. 9000, Zürcher Str. 68a 071/9122933 9.00/ 18.30 (Mi, 1
Uznach Kapelle St. Meinrad 8730, Im Städtchen 8 081/7234423 jeden 2. Sonntag
Wil Priorat Hl. Familie 9500, Florastr. 3 071/9122933 7.30, 9.30, 19.30
42
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Meßzeiten sonntags/werktags
3 10.00/6.35 b. Ruppichteroth
9.00 bzw. 18.00; im Winter 9.00 bzw. 17.00 Sulgen
17.00
7.30,9.30/ 7.15, 18.00 (Mo. Do, Fr) Feuerbach
9.00 Bodelsberg 5 (Kempten)
7.30,9.30/ 7.00 (Mo, Do), 7.30 (Sa), 18.30 (Di, Fr) Mi, 19.00 hl. Messe in Scheidegg
7.30, 9.30/ 6.40 (Fr 18.30)
siehe oben
15.00 (gewöhnlich 3. Sonntag)
9 8.00, 10.00/ 7.15, 17.15

––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––

8.00, 10.00/7.00 (Mo, Do), 19.00 (Di, Mi, Fr), 8.00 (Sa) Kapelle im Schl.weg 33
2319 8.30, 10.00, 19.00/ 18.30 (außer Sa 9.00)
3206 7.45/ 8.00
9.15/ 18.30 (werktags jeden Freitag) Ecke rue de Chaux
7.20, 8.30,10.00/ 7.15 (Festtage 6.50), 17.30 bei Riddes
7.45/ 7.15
9.30/ 18.45 (Di, Do, Fr., 1. Sa, 13.) Eingang PROMS, Bhf

43525 8.00 (alle 14 Tage)


3647 9.30/ 19.15 (Mi)
9211138 8.30, 10.00/ anfragen
3647 7.30, 9.15/ 19.15 (Di, Fr), 7.15 (sonst)
8.30 (nicht an allen So)/Mo-Sa unregelmäßig
7.30/ 7.15
4772351 9.30/ 8.00 (Mi, Fr), 18.00 (1. Sa)
10.15/ 19.00 (Mi, 1. Fr, 1. Sa)
8.30,10.00,19.00/ 7.00+18.00, (Di) 19.00
9.15/ 7.15 (Mo), 19.15 (Do, Sa u. 1. Fr im Monat)
-/ 7.15
7.15/ 7.15
9.30, 19.00/ 19.30 nahe Sägerei Fournier
8.30, 18.00/ 6.45 (Mo), 18.30 (Mi-Fr), 7.15 (Sa)
5322 7.45,10.30/ 18.00 (Mo-Mi, Fr), 7.45 (Do, Sa) hinter dem Bahnhof
9.00/ 18.30 (Mi, 1. Fr)
jeden 2. Sonntag (in Mels anfragen)/ 18.45 (Mo)
7.30, 9.30, 19.30/ 7.15, 18.45 (Di), 19.30 (Do), 18.45 (Fr), 8.00 (Sa), 18.00 (1. Sa)
43
MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 44

Ort Name PLZ, Straße Tel. Meßzeiten


Zürich Kapelle Christkönig 8048, Im Struppen 11 062/2161818 10.00/ 19.15 (Mi,

ÖSTERREICH ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Graz Kapelle St. Thomas von Aquin 8010, Körösistr. 17 01/8121206 9.00 oder 17.00
Innsbruck Priorat Maria Hilf 6020, Höttingergasse 14 0512/273826 9.00/ 7.15 (Di, D
Jaidhof Distriktsitz Kath. Bildungshaus 3542 02716/6515 9.00/ 7.15, 17.4
Klagenfurt Kapelle St. Hemma von Gurk 9020, Villacher Ring 5 01/8121206,0463/507873 9.00 oder 17.00
Lienz Kapelle Maria Miterlöserin 9900, Rohracherstr. 7 04852/70995, 02716/6515 18.00 (jeden 2.
Piesendorf Kapelle Herz Jesu 5721, Walchen 51 0512/273826 18.00 (einmal im
Salzburg Kapelle St. Pius X. 5020,Schillinghofstr. 6 0512/273826 9.00 (einmal im
Ternberg Haus St. Josef 4452, Breitenfurt 55-57 02716/6515 9.00, manchma
Wien Priorat St Klemens M. Hofbauer 1120, Fockygasse 13 01/8121206 7.15 (Di-Fr), 8.0
Kirche St. Josef 1070, Bernardgasse 22 01/8121206 7.00, 9.00 (So+
(vom Ausland: 00431/8121206)
UNGARN ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Budapest VIII Hotel Platanus 1087, Könyves Kalman krt. 44 10.00 (3. So im
TSCHECHIEN ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Prag 4 Chodovská tvrz Ledvinowa ul. 9 10.00 (2. So im
Brünn Radnická 10 Sa vor dem 2. S
SÜDTIROL ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Spinges Pfarrkirche 39037 6.30, 9.00/ 7.00
St. Lorenzen 39030, Hl. Kreuz-Str. 27 8.00/ 7.30
FRANKREICH (Elsaß und Lourdes) –––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Bitsch Schule Etoile du Matin 57230 03.87-06.53.90 10.00 (auch Fe
Colmar Kapelle Saint-Joseph 68000, 22, rue Ampere 03.89-41.78.12, -389-27.10.04 10.00, So nach
Straßburg Priorat Notre Dame du Rosaire 67000, 28, rue Faub. de Pierre 03.88-22.61.06 10.00/ 18.30 (M
Mülhausen Priorat Marie Reine 68100, 195, rue de Bâle 03.89-44.66.93 10.45/ 20.30 (1
Lourdes Priorat Coeurs de Jésus et M. 65100, 1, route de Pau 05.62–94.24.42 9.00, 18.00/ 18.
ITALIEN/ROM ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Albano Laziale Pilgerhaus Fraternità San Pio X 00041 Via Trilussa 45 0039/69306816 (anfragen)
NIEDERLANDE –––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Gerwen-Nuenen Priorat St. Clemens 5674 RR Heuvel 23 040/2834505 (D: 0031) 11.30/ 18.30 (M
BELGIEN ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Antwerpen Priorat v. h. Allerh. Sacrament 2018, Hemelstr. 23 00323/2330449 7.30, 10.00 (au
Brüssel Priorat Christ-Roi 1050, Rue de la Concorde 39 00322/5500020 7.45, 9.00,10.30
Gent Kapelle Sint-Amandus 9000, Kortrijkse Steenweg 139 00323/2330449 10.00 (auch Fe
Namur Kapelle St. Aubin 5000, Rue Delvaux 10 00323/5500020 10.30/ 19.00 (M

44
MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 45

Meßzeiten sonntags/werktags
10.00/ 19.15 (Mi, Fr) Altstetten

–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
9.00 oder 17.00/ 17.00 (Sa) oder 7.00 (Mo)
9.00/ 7.15 (Di, Do), 19.00 (Mo, Mi, Fr), 18.00 (Sa)
9.00/ 7.15, 17.45 (Mi)
/507873 9.00 oder 17.00/ 18.00 (Sa) oder 7.30 (Mo)
716/6515 18.00 (jeden 2. Sonntag)
18.00 (einmal im Monat 9.00)
9.00 (einmal im Monat 18.00) (Sa 18.00, wenn So 9.00) Rückgebäude
9.00, manchmal 18.00
7.15 (Di-Fr), 8.00 (Sa)
7.00, 9.00 (So+Feiertag)/ 18.00 (Mo, Di, Do, Fr)
6)
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
10.00 (3. So im Monat)
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
10.00 (2. So im Monat)
Sa vor dem 2. So im Monat 17.00
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
6.30, 9.00/ 7.00 nördlich Brixen
8.00/ 7.30 Pustertal
–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
10.00 (auch Feiertage)/ 7.00 Eguelshardt-Waldeck
9-27.10.04 10.00, So nach 1. Sa zusätzlich 7.00 Nähe Fußballst. Ladhof
10.00/ 18.30 (Mi, Fr)
10.45/ 20.30 (1. Fr)
9.00, 18.00/ 18.00 (telefonisch anfragen)
–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
(anfragen)
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
: 0031) 11.30/ 18.30 (Mo, Do), 7.15 (Di, Mi u. Fr), 8.00 (Sa) tel. Ausk. auch f. Maastricht u. Den Haag
–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
7.30, 10.00 (auch Feiertage)/ 11.00 (Sa), 18.30 (sonst)
7.45, 9.00,10.30/ 7.15, 18.30 (außer Sa: 8.00)
10.00 (auch Feiertage)
10.30/ 19.00 (Mi)

45
MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 46

Termine und Daten


Ignatianische Exerzitien 1999
Deutschland
11.-16. Februar Häusern Frauen (über Fasching)
29.3.-3. April Diestedde Frauen (Karwoche)
5.-10. April Zaitzkofen Männer (Osterwoche)
10.-15. Mai Häusern Männer (Christi Himmelfahrt)
14.-19. Juni Häusern Frauen
5.-10. Juli Göffingen Schwestern
12.-17. Juli Zaitzkofen Priester
12.-17. Juli Häusern Frauen
19.-24. Juli Diestedde Brüder
9.-14. August Zaitzkofen Männer
27.8.-1. September Oberstdorf Frauen
1.-4. September Oberstdorf Mädchen (14-17 Jahre)
5.-8. September Oberstdorf Jungen (14-17 Jahre)
8.-13. September Oberstdorf Männer
4.-9. Oktober Diestedde Frauen
26.-31. Dezember Zaitzkofen Männer
Anmeldung: Priesterseminar Herz Jesu, Zaitzkofen, 84069 Schierling

Österreich
21.-27. März Jaidhof Frauen
5.-10. April Ternberg Männer
9.-15. Mai Spinges (Südtirol) Frauen
16.-22. Mai Spinges (Südtirol) Männer
4.-10. Juli Jaidhof Männer
11.-17. Juli Ternberg Frauen
Anmeldungen: Kath. Bildungshaus, Schloß, A-3542 Jaidhof 1

Schweiz
22.-27. Februar Frauen
8.-13. März Männer
12.-17. April Frauen
11.-16. Oktober Frauen
25.-30. Oktober Männer
22.-27. November Männer
Anmeldung: Pater H. Mörgeli, Postfach 302, CH-9501 Wil SG

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MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 47

Ferienlager 1999

Deutschland

Kleine Mädchen (8-13 Jahre)


Haus Langhärdle (Schwarzwald)
Donnerstag, den 29.7. bis Donnerstag, den 12.8.1999

Kleine Jungen (8-13 Jahre)


Haus Langhärdle (Schwarzwald)
Freitag, den 13.8. bis Freitag den, 26.8.1999

Exerzitien im Kloster Marienberg, 79837 Häusern

11. - 14. März und 14. - 17. Oktober:


Marianische Exerzitien: „Durch Maria zu Jesus“
Einführungskurs in das Goldene Buch für solche, die die Ganzhingabe
noch nicht abgelegt haben.

Diese Kurse sind für alle Stände. Beginn 15 Uhr; Schluß 16 Uhr
Anmeldung: Priesterseminar Herz Jesu, Zaitzkofen, 84069 Schierling

Wallfahrten 1999
Frankreich – Lourdes
26. April – 4. Mai

Italien – Rom
4. – 16. Oktober

Informationen bei:
Glattal-Reisen, Tel. 07455/91292 Fax 07455/91293

47
MB Januar 19.06.1999 12:07 Uhr Seite 48

Die Schulen der Priesterbruderschaft


Die Schulen der Priesterbruderschaft St. Pius X. sind Bekenntnis-Schulen, die
vom Geist der katholischen Glaubenslehre geprägt sind. Sie bauen auf den Prin-
zipien der Erziehungsenzyklika „Divini illius magistri“ von Papst Pius XI. auf.
Das konkrete Vorbild in der Erziehungsarbeit ist der große Jugendpädagoge
Don Bosco. Nach seinem Beispiel kommen der Gottes- und der Nächstenliebe,
dem menschlichen Verständnis und der religiösen Haltung eine zentrale Bedeu-
tung bei der Formung von Geist und Seele zu.
Ziel aller Schulen ist es, frohe, selbständige junge Menschen heranreifen zu
lassen, die gelernt haben, ihr Leben auf der Grundlage einer christlichen Über-
zeugung zu gestalten.
Die Schulen gewährleisten mit qualifizierten Lehrkräften einen den öffentli-
chen Schulen ebenbürtigen Unterricht. Die Schülerinnen oder Schüler sollen
nach Beendigung der Schule in der Lage sein, eine Berufsausbildung oder ein
Studium erfolgreich zu absolvieren.
Die Internate bilden mit einer altersgemäßen Betreuung das Umfeld, in dem
die Heranwachsenden das Verhalten in der Gesellschaft einüben und sich har-
monisch entfalten können.
Weitere Informationen erhalten Sie:

Diestedde Schönenberg Saarbrücken


Don Bosco Gymnasium St. Theresien-Gymnasium Grundschule St. Arnual
(für Jungen) (für Mädchen) (für Jungen und Mädchen)
Sekundarschule Herz Jesu
(für Jungen)
Rektor Rektorin Rektor
P. Michael Weigl Schw. Michaela Metz P. Peter Lang
Lange Str. 1 St. Vinzenz-Str. 2 Julius-Kiefer-Str. 11
D-59329 Wadersloh D-53809 Ruppichteroth D-66119 Saarbrücken
Tel. 02520/9304-0 Tel. 02295/5082 u. 5163 Tel. 0681/8555-41
Fax 9304-44 Fax 2166 Fax 855434

Mels
Institut Sancta Maria Tel. 081/723 44 23
Sekundarschulde Fax 081/723 08 38
(für Mädchen)
Rektor
P. Lukas Weber
Fabrikstr. 24
CH-8887 Mels

48
MB Januar 19.06.1999 12:08 Uhr Seite 49

Neuerscheinungen
Das christliche Abendland und
die fremden Religionen
Vorträge der Theologischen Sommerakademie
1996 in Schönenberg
Herausgegeben von Dr. Heinz-Lothar Barth
Brosch., 128 Seiten

Erzbischof Lefebvre spricht


29. August 1976 in Lille

Die erste Originalaufnahme von S.E. Erz-


bischof Marcel Lefebvre auf CD mit deut-
scher Übersetzung.

Die Broschüre und die CD sind erhältlich an den Schriftenständen der Priorate
und Kapellen der Priesterbruderschaft St. Pius X. oder direkt bei den Distrikt-
sitzen Stuttgart (D), Jaidhof (A) und Rickenbach (CH).


Bestellung des Mitteilungsblattes
Ich erhalte bisher das Mitteilungsblatt nicht zugeschickt, bin aber am regelmäßi-
gen Bezug interessiert und bitte hiermit um Zustellung (bis auf Widerruf).
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Anmerkung: Der Bezug ist kostenlos. Aus organisatorischen Gründen liegt jedem Heft ein Spenden-
formular bei, das jedoch unverbindlich ist. - Bestelladresse siehe letzte Seite (Impressum).
Vorwort

Aus der Priesterbruderschaft

„Haus Gottes und Pforte des Him-


mels“ ....................................................1
Tradition 30 Jahre in Ecône ...............4
Firmreise mit S.E. Msgr. Richard
Williamson ..........................................8
Eine Heimstatt für die
„Ausgestoßenen“ ..............................13

Verschiedenes
Die „Saatkörner der Wahrheit“ in
den nichtchristlichen Religionen ....15
Die kopernikanische Wende
(Teil 1)..................................................19
Die heilige Messe, das Opfer
des Neuen Bundes (Schluß) ............27
Der wahre Held auf der Titanic ......35

Liturgischer Kalender ......................39

Heilige Messen ................................ 40

Termine und Daten ......................... 46


Liebe Freunde und Wohltäter,

in seiner Erklärung vom 21. November 1974, die den offenen Konflikt mit Rom
einläutete, schrieb Erzbischof Lefebvre: „Wir hängen mit ganzem Herzen und mit
ganzer Seele am katholischen Rom, der Hüterin des katholischen Glaubens und der
für die Erhaltung dieses Glaubens notwendigen Traditionen, am Ewigen Rom, der
Lehrerin der Weisheit und Wahrheit.
Wir lehnen es hingegen ab, und haben es immer abgelehnt, dem Rom der neo-
modernistischen und neo-protestantischen Tendenz zu folgen, die klar im Zweiten
Vatikanischen Konzil und nach dem Konzil in allen Reformen, die daraus hervor-
gingen, zum Durchbruch kam.“
Diese Unterscheidung zwischen dem „katholischen Rom“ und dem „moderni-
stischen Rom“ ist fundamental und gewissermaßen kirchenhistorisch. Es ist keine
Unterscheidung, die die Kirche in zwei reale Teile spaltete. Die Trennung verläuft
vielmehr mitten durch die kirchlichen Institutionen und oft auch durch die Herzen
der Einzelnen.
Die Sichtweise des Erzbischofs, der darunter litt, daß die Kirche ihre Identität
verlor, ist ähnlich der des hl. Augustinus in seinem Werk „Der Gottesstaat“: Es gibt
ein Reich Gottes und ein Reich der Finsternis, beide in dieser Welt im Kampf mit-
einander liegend, ringend um die Seelen.
Daher gilt es, zwei verkehrten Auffassungen entgegenzutreten. Die Verheißung
Christi „Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen“ gilt (Gott sei Dank!),
bedeutet jedoch nicht, daß die Kirche von schmerzhaften Spaltungen verschont
bliebe, weder in den Herzen der Gläubigen, noch der Priester, noch Petri selbst! –
Es wäre aber auch verkehrt, die tatsächliche Existenz zweier Kirchen anzunehmen,
gibt es doch nur eine Kirche Christi. Manche reden von der „häretischen Konzils-
kirche“ im Gegensatz zu einer – nicht klar umgrenzten – „Wahren Kirche“. Aber
was nützt uns eine „Wahre Kirche“, die nicht sichtbar und erkennbar ist?
Es bleibt daher dabei: Die Kirche Christi ist die katholische Kirche (und nicht,
wie im II. Vatikanischen Konzil formuliert: ist verwirklicht in der katholischen Kir-
che). Gerade deshalb müssen alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um den der-
zeitigen weitgreifenden Zerfall zu beenden.

Stuttgart, 19. Januar 1999


P. Markus Heggenberger
MB Februar 99 19.06.1999 12:09 Uhr Seite 1

Aus der Priesterbruderschaft

„Nachfolge im Opfer“
Predigt von S.E. Msrg. Bernard Fellay vom 8. Dezember 1998 in Zaitzkofen

Im Namen des Vaters, der Sohnes befleckt vor Seinem Angesicht seien.
und des Heiligen Geistes. Amen. Gegen Ende desselben Briefes finden
wir dasselbe Wort, diesmal für die Kir-
che. Er, Christus, hat sich hingegeben,
Meine lieben Mitbrüder im Priester-
auf daß diese Braut, die Kirche, vor Ihm
tum, liebe Seminaristen, liebe Gläubige,
unbefleckt sei.
mit großer Freude feiern wir heute die
Unbefleckte Empfängnis, dieses so Das Ziel, unbefleckt zu sein, wird
große Privileg der Gottesmutter, von ei- zusammen mit heilig genannt. Beide
ner jeden Sünde, von einem jeden Ma- Worte haben die gleiche Bedeutung,
kel der Sünde verschont geblieben zu doch „unbefleckt“ drückt sie negativ
sein. aus. Dieses „unbefleckt“ ist nicht bloß
ein Nicht-Sein, als ob es ein Mangel an
Dieses Privileg der Gottesmutter ist Flecken wäre, nein, es bedeutet Voll-
so einzigartig, daß Maria selbst in Lour- kommenheit, die vollkommene Rein-
des in der Tradition der Heiligen Schrift heit. In unserem armen, elenden Men-
dieses Privileg zu ihrem Eigennamen schenzustand nach der Erbsünde sind
gemacht hat, indem sie sagte: „Ich bin wir so sehr von der Sünde umgeben,
die unbefleckte Empfängnis“. daß dieser Zustand des von der Sünde
In der ganzen Geschichte der total Befreit- und Verschont-Seins als et-
Menschheit ist sie allein die Unbefleck- was Einzigartiges erscheint. Es ist aber
te. Dieses Privileg wurde ihr von Gott unsere Berufung.
erteilt, weil sie auserwählt wurde, die Wie gelangen wir zu diesem Zu-
Mutter Gottes, die Mutter Seines einge- stand der Heiligkeit, des Unbefleckt-
borenen Sohnes zu werden. Seins? Für uns erscheint es als ein Ziel,
Das Wort „unbefleckt“ finden wir in bei der Gottesmutter steht es schon am
der Heiligen Schrift; dort ist es jedesmal Anfang. Es geschieht durch das Opfer.
mit dem Heil verbunden. Im Epheser- Gerade im Alten Testament finden wir
brief kennzeichnet das Wort ein Ziel. das Wort „unbefleckt“ jedesmal mit
Das Ziel der Geschöpfe besteht gemäß dem Opfer verbunden, nämlich mit der
der Berufung Gottes darin, daß sie un- Opfergabe. Gott verlangt ein Opfer, um
befleckt vor Seinem Angesicht stehen. die Sünde zu tilgen und zu verzeihen.
Am Anfang des Epheserbriefes heißt es: Es braucht ein Opfer. Die Opfergabe
Er hat uns vor der Gründung der Welt, aber muß unbefleckt sein. Nun ist klar,
bevor Er die Welt erschaffen hat, in daß die Opfergabe, die die Sünden tilgt,
Ihm, in Seinem Wort, im Sohne, in Chri- das Opferlamm, Christus ist; aber Ma-
sto, auserwählt, daß wir heilig und un- ria, die Mutter Christi ist im Heilsde-
1
MB Februar 99 19.06.1999 12:09 Uhr Seite 2

Aus der Priesterbruderschaft

kret so eng mit ihrem Sohn verbunden , hen, wenn wir nicht einen Blick auf die
daß auch sie unbefleckt ist. Wir können heutige Lage der Kirche werfen.
mit Recht sagen: Auch sie ist unbefleckt Ein Papst hat es gewagt zu bemer-
für das Opfer. Sie wird Mutter Gottes, ken, daß der Rauch Satans irgendwie in
sie wird Mutter des Priesters, sie wird den Tempel Gottes eingedrungen sei.
die Mutter des Agnus Dei, des Opfer- Jetzt scheint alles benebelt zu sein. Eine
lammes, der Opfergabe. Und sie wird in große Verwirrung herrscht. Derselbe
Sein Opfer auch hineingenommen. Sie Papst hat auch gewagt zu sagen, dies-
wird am Fuße des Kreuzes stehen, eins mal im privaten Rahmen, daß sich ein
mit ihrem Sohn. nichtkatholisches Denken in der Kirche
Und wir? Wir Menschen werden die ausbreite. Und nach seiner Meinung sei
Verzeihung unserer Sünden empfangen es wohl möglich, daß in Zukunft dieses
dank dieses Opfers des Unbefleckten, unkatholische Denken das stärkere wer-
aber in der Vereinigung mit diesem Op- de. Nicht nur wir sagen es also.
fer. An diesem Punkt möchten wir die-
Dieses nichtkatholische Denken und
ses Fest mit einem anderen Fest ver-
Handeln bildet nur eine Scheinkirche,
knüpfen: Unser verehrter Gründer hat
es ist nicht die Kirche. Auch wenn da
diesen Tag gewählt für den Eintritt in
gesprochen und angeordnet wird mit
die Priesterbruderschaft, für die Er-
Stab und Mitra, mit Kardinalshut: es ist
neuerung des Treueversprechens. Dies
ist ein Werk der Erneuerung dieses Ge- nicht die Kirche. Die Kirche bleibt, geht
heimnisses des Heiles, ein Werk im Her- weiter; sie ist heilig. Es ist manchmal
zen der Kirche. Ein Werk, das einzig das schwer, sie zu erkennen. Schon vor fast
fortsetzen will und möchte, was die Kir- 25 Jahren hat unser Erzbischof eine
che immer getan hat, also zuallererst ganz berühmte Erklärung abgegeben,
das Opfer der Kirche fortsetzen. Da- in der er von einem zweifachen Rom
durch wird die Unversehrtheit des sprach, von einem traditionellen, einem
Glaubens weiterverkündet, denn beides ewigen Rom, und von einem moder-
gehört zusammen: die Bewahrung des nen. Neulich hat Kardinal Ratzinger
Glaubens und das Opfer. von zwei Parallelkirchen gesprochen.
Das ist die Lage, eine verheerende Lage,
Glaube und Liebe, Glaube und Gna-
weil man den Eindruck hat, daß der lie-
de gehören zusammen. Es ist zwar
wahr, daß es bei gewissen Seelen einen be Gott es erlaubt, daß die wahre Kirche
Zustand geben kann, wo der Glaube wie von der anderen gelähmt wird.
weiterbesteht und die Gnade ver- Die Lösungen, die von Rom angebo-
schwunden ist. Es ist aber kein Normal- ten werden, wie z.B. durch Msgr. Perl,
zustand. Dieser Glaube ist wie tot, weil sind unmöglich. Nur ein Beispiel: Vor
er nicht belebt und nicht geformt wird kurzem hat eine Familie Kardinal Rat-
durch die Liebe. Wir können diese zinger die Lage der Kirche in Frank-
große Gnade, in eine solche Bruder- reich beschrieben. Die Antwort von
schaft eintreten zu dürfen, nicht verste- Rom: „Ja, die Lage der Kirche ist anar-
2
MB Februar 99 19.06.1999 12:09 Uhr Seite 3

Aus der Priesterbruderschaft

chisch.“ Eine Anarchie wird bestätigt. ster die Identität, fehlt die Beziehung zu
Und es wird sogar empfohlen, einen of- dem, wofür er Priester ist, für das Opfer.
fenen Brief an den Papst über die anar- Dieses Verzichten ist auch mit dem
chische Kirche zu lesen. Es wird also be- Unbefleckten-Sein zu verbinden, denn
stätigt, daß es ein völliges Durcheinan- die Heiligkeit besteht aus zwei Teilen:
der in der Kirche gibt. Dann wird ge- Der erste ist das Freisein von Anhäng-
sagt: „Wenn Sie denken, daß ein Wort lichkeit an das Geschaffene, an alles, das
von Rom“ – also vom Papst – „die ganze vor Gott unrein ist. Der zweite ist die
Sache wieder in Ordnung bringen könn- feste Anhänglichkeit, die Zustimmung
te, dann sind Sie in der völligen Illusi- zum Willen Gottes und zu diesem bo-
on.“ Also a: Kirchliche Anarchie, b: Von num supremum, dem höchsten Gut, das
Rom ist nichts zu erwarten, c: Was sol- Gott ist.
len wir also tun? Unser Vertrauen dem Ja, möge die Gottesmutter heute in
Papst und den Bischöfen schenken! alle Herzen der Mitglieder dieser klei-
Eine unmögliche Lage. Und doch nen Priesterbruderschaft diesen Geist
dürfen wir die Hoffnung nicht verlieren. senken, der ein reiner Geist der Liebe
Was wir zu tun haben, ist klar. Wir ha- ist, ein Geist des Opfers. Unter den Tu-
ben diese Hoffnung. Der Herr ist ewig. genden, die die Mitglieder der Priester-
Gerade heute sehen wir in diesem Privi- bruderschaft zu leben und zu üben ha-
leg, dem dieses Fest gewidmet ist, die ben – in dem Kapitel 6 unserer Statuten
Allmacht, die Güte Gottes, der uns Sei- –, was lesen wir? Nummer 1: die Liebe;
ne Mutter schenkt, die Unbefleckte; der Nummer 2: die Liebe; Nummer 3: die
uns diesen Weg der Nachfolge, der Liebe; Nummer 4: die Liebe. Die Liebe
Nachfolge im Opfer, gewiesen hat. zu Gott ist das erste. Die Liebe zur aller-
Durch das Opfer, durch die Vereinigung höchsten Dreifaltigkeit muß eine so
mit dem Opfer dessen, der sich hingege- brennend große Liebe sein, daß sie in
ben hat, werden wir heilig. Dieses Opfer uns ganz natürlich Armut, Keuschheit –
ist eigentlich das Eigene des Priesters. nicht nur Keuschheit, sondern Jungfräu-
Ihr, liebe Seminaristen, wollt Priester lichkeit –, Hingabe, Gehorsam zeuge.
werden? Der Priester ist für das Opfer Das ist die Liebe, die von den Mitglie-
bestimmt und bestellt. „Wer mein Jün- dern erwartet wird – sie wird nicht nur
ger sein will, der verleugne sich selbst.“ empfohlen, sondern geboten! So sollen
Dies ist die erste Bedingung. Wollt Ihr wir leben. Das Merkmal der Mitglieder
Priester werden, dann ist mit dem zu ist die Liebe, die Liebe zu Gott.
beginnen, mit dem Geist des Opfers. Ich Da es geboten ist, müssen wir daraus
will Priester werden heißt: Ich will das schließen, daß auch die Gnade dazu an-
Opfer, ich will das Kreuz, ich will diese geboten wird: Eine Liebe bis zum Opfer,
Entäußerung, ich will nicht mehr wol- eine priesterliche Liebe. Ja, möge die
len, nicht mehr meinen Willen tun. Dar- Gottesmutter uns diese brennende Lie-
auf verzichte ich. Sonst fehlt dem Prie- be erlangen: Daß dieses Band uns zu
3
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Aus der Priesterbruderschaft

Heiligkeit und Heiligung führe, daß die die größere Ehre Gottes und das Heil
ganze Kirche, nicht nur wir, von diesem von vielen Seelen. Amen
Feuer des Herzens Jesu, des unbefleck-
ten Herzens Mariens entflammt sei für

Mission in Indien
von P. Thomas Blute

Erlauben Sie mir, mich selbst vorzu-


stellen: P. Thomas Blute, Amerikaner, 35
Jahre alt, vor 4 Jahren zum Priester ge-
weiht in Winona/Minnesota. Die ersten
zwei Jahre meines Priestertums habe
ich in Manila auf den Philippinen ver-
bracht. Danach wurde ich nach Südin-
dien versetzt. Hier in Palayamkottai
sind wir momentan nur zu zweit: P. Ed-
win Alfonse und ich. Demnächst wird
P. Fabrice Loschi aus Manila ankom-
men, um P. Benoît Wailliez zu ersetzen.
Zu dritt werden wir dann fähig sein, al-
le unsere laufenden Verpflichtungen zu
erfüllen.
Am 1. November 1997 sind wir aus
unserem Haus in Thomas Town in ein
gemietetes Haus in Palayamkottai um-
Pater Thomas Blute (links) und Pater Couture
gezogen. Dadurch sind wir weniger
(rechts)
isoliert, in engerer Verbindung mit un-
seren Gläubigen und in der Lage, für sie gut wie unbekannt. Die dortige Stadt
täglich die heilige Messe zu feiern; Nazareth ist vollkommen protestan-
außerdem haben wir leichteren Zugang tisch, und wir konnten von dort nie-
zu den Verkehrsmitteln und den Not- mals Konversionen erwarten. Wir muß-
wendigkeiten des täglichen Lebens. ten ständig nach Palayamkottai fahren
Vorher, in Thomas Town, waren wir so und zurück. Die Priester litten unter
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MB Februar 99 19.06.1999 12:09 Uhr Seite 5

Aus der Priesterbruderschaft

Links: Das ehemals als Priorat genutzte Anwesen in St. Thomas Town. Rechts: Das Wohnhaus der
Priester in Palayamkottai.

dieser Isolation. Wenn wir jetzt fahren Feldern unseres Herrn.


müssen, sind Bus und Bahn nur 5 Mi- Das Haus in Palayamkottai liegt
nuten entfernt. Unsere Ausgaben sind zentral in einem überwiegend von Ka-
wesentlich geringer, und auch die Ar- tholiken bewohnten Wohngebiet, einige
beit in Thomas Town ist besser, seit wir Häuserblöcke entfernt von der Bushal-
umgezogen sind. Es gibt dort einen testelle. Es gibt einen kleinen Garten, ei-
Wachmann, einen Farmer und einen ne hohe Mauer und ein von uns einge-
Aufseher, die sich um die Plantage richtetes kleines Oratorium. Unsere Ka-
kümmern, die gerade beginnt, Kokos- pelle ist ebenfalls an einem gemieteten
nüsse, Bananen und Gemüse hervorzu- Ort untergebracht, getrennt vom Prio-
bringen. Es gibt nun für uns auch keine rat. Wir mieteten das gesamte 3. Stock-
Versuchung mehr, bei der Bestellung werk eines Geschäftshauses für 45
der Felder mitarbeiten zu müssen. Wir Dollar im Monat. Wir haben es für we-
sorgen nur noch für die Seelen auf den nig Geld schön hergerichtet, und nun

Hl. Messe im
Oratorium von
Palayamkottai
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MB Februar 99 19.06.1999 12:09 Uhr Seite 6

Aus der Priesterbruderschaft

ist es eine ansehnliche kleine Kapelle. P. Wailliez steigerte den Meßbesuch auf
Ich bin sehr stolz darauf, wie schön es das dreifache, indem er die Häuser der
geworden ist. Der Zementaltar erhielt Gläubigen besuchte, sie an die Messe
durch geschickte Malerei das Aussehen erinnerte und vor allem, indem er ihre
von Marmor. Unser Oratorium, dem hl. Namen nach der Messe aufrief, um zu
Joseph geweiht, ist auch sehr hübsch sehen, ob sie da waren. Schon die
ausgestaltet worden und lädt zum Ge- Scham, nicht dort zu sein, um „Hier“ zu
bet ein. Nach und nach kommen nun sagen, reichte aus, viele in die Kirche zu
auch die Gläubigen. Das Beste von al- bringen.
lem ist, daß wir 20 Personen haben, die Singamparai liegt außerdem nur ei-
täglich an der hl. Messe teilnehmen. ne Stunde entfernt von Palayamkottai –
Dies bringt unserem Werk zweifellos eine weitere Wohltat unseres Umzugs.
viele Gnaden ein. Daher ist nun unser Sonntagsapostolat
Die Gläubigen der Mission in der viel leichter (obwohl die Straßen immer
Stadt Singamparai, die extrem arm ist, noch furchtbar sind!). Wir können nun
zeigen in der letzten Zeit immer mehr ab und zu sogar im Laufe der Woche
Eifer. Als ich ankam, war an der Kapel- hinfahren. Wir haben dort auch regel-
le schon seit 8 oder 10 Jahren nichts mäßig Katechismusunterricht für die
mehr gemacht worden: Sandboden, vielen Kinder, die zur Messe kommen.
hölzerne Altarstufen, Holzaltar, Para- Die Gläubigen der Kapelle, die wir
mente, die in einem Koffer steckten, in Asaripalam betreuen, sind standhaft,
heilige Gefäße, die schmutzig in einer obwohl gesellschaftliche Bande die
Ecke standen ... eine wahre Folter, dort meisten der an sich interessierten Men-
die Messe lesen zu müssen. Ich be- schen fernhalten. Ein Problem ist, daß
schloß, dies zu ändern, schon um mei- die Pfarrer die Leute nicht mehr auf
nen eigenen Seelenfrieden wiederzuge- dem Pfarreifriedhof beerdigen lassen,
winnen. Wir machten einen Zement- wenn diese in unsere Kapelle kommen.
fußboden, später installierten wir über- Die Gläubigen denken aber, dies sei für
all eine neue Beleuchtung, und nun das ewige Heil notwendig. Außerdem
sieht wenigstens das Innere der Kapelle können sie, wenn sie zu unserer Messe
recht würdig aus. Die Außenseite wer- gehen, niemanden finden, der ihre
den wir bis 1999 geschafft haben. Wir Töchter heiratet. Hier in Indien gibt es
machten eine zweiwöchige Marien- „arrangierte Hochzeiten“, bei denen die
wallfahrt, zu deren Abschluß wir die Eltern alles regeln. Von den Kindern
Stadt dem Unbefleckten Herzen Mari- wird erwartet, daß sie ihr Leben lang
ens weihten. Die Gläubigen fanden beisammen bleiben. Normalerweise
neuen Eifer, arbeiteten mit und beende- tun sie das auch. Scheidungen gibt es
ten die Außenseite der Kirche. Durch ei- bei diesen „arrangierten Hochzeiten“
ne sonderbare Ironie ist sie nun die praktisch nicht. Aber das Problem der
schönste unter unseren Missionen, in Mitgift reißt die Nation auseinander.
denen wir die heilige Messe feiern. Von der Braut wird erwartet, daß sie,
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Aus der Priesterbruderschaft

Die kleine Kapelle von Asaripalam


egal, wie arm die Familie ist, minde- hältnisse. Wir taten den mutigen Schritt,
stens 3000 Dollar in die Ehe mitbringt, das Lehrergehalt von 325 Rupien mo-
außerdem einigen Goldschmuck, kleine natlich auf 1000 Rupien (von 9 Dollar
Goldstücke usw. (Inder sind die habgie- auf 25 Dollar) zu erhöhen. Es war wirk-
rigsten Geschöpfe der Welt). Die Familie lich schon geradezu ungerecht, von den
bringt sich selbst in völlige Mittellosig- Lehrern zu erwarten, daß sie für derart
keit, verkauft ihr Land, ihr Haus, ihr geringe Löhne arbeiten. Die Schule ent-
Vieh, alles, nur um eine gute Hochzeit wickelt sich gut. Wir haben 70 Schüler
für ihre Tochter arrangieren zu können. und inzwischen keinen freien Raum
Wenn jemand zwei oder drei Töchter mehr in der Schule. Demnächst werden
hat, ist er am Verzweifeln. Er ist ruiniert. wir die staatliche Anerkennung erhal-
Und niemand will mit der Sitte brechen ten, so daß die Schüler in der Lage sein
und ohne Mitgift heiraten. Folglich ist werden, höhere Studien zu machen. Wir
die Tötung von Kleinkindern allgemein bauen dort gerade eine Kirche und wei-
üblich. Mit der Ultraschalltechnik kann tere Schulräume. Es besuchen hier etwa
man heute das Geschlecht der Kinder 75 Gläubige die Sonntagsmesse, an
im Mutterleib feststellen und die Ostern und Weihnachten kommen etwa
Mädchen abtreiben. Die schlimmen Fol- 120.
gen dieses Mitgiftsystems sind zu zahl- Die Kapelle in Tuticorin war vor
reich, als daß man sie alle aufzählen zwei Jahren Schauplatz eines schlim-
könnte. So kommen nur wenige zu un- men Streites. Die Gläubigen dort mach-
serer Messe, weil sonst niemand ihre ten uns so viele Schwierigkeiten, daß
Töchter heiraten würde. wir sie schließlich verlassen mußten.
In unserer kleinen Gemeinschaft in Die meisten der Leute haben die Positi-
Christarajapuram bessern sich die Ver- on der Priesterbruderschaft beibehalten,
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MB Februar 99 19.06.1999 12:09 Uhr Seite 8

Aus der Priesterbruderschaft

Die Lehrer der Schule


in Christarajapuram
mit ihren Schülern

und ich denke, daß wir sie vielleicht Vertrauen der Gläubigen für unsere Be-
zurückgewinnen können. In der Zwi- wegung zu gewinnen. Bald beginnen
schenzeit lesen dort einige unabhängige wir mit einem Chor und mit der Legio
Priester die Messe (in unserer Kapelle!). Mariä.
Die Moral von der Geschichte: Baue nie In Goa haben wir ein uns vor einigen
deine Kirche auf einem Grundstück, Jahren geschenktes altes kaputtes Haus
das dir nicht gehört. renoviert. Es war dem Einsturz nahe,
Die größten Chancen haben wir und mein erster Gedanke war, es zu
möglicherweise in Bombay. Die Ent- verkaufen. Doch die Gläubigen brach-
wicklung geht in der letzten Zeit ten mich von der Idee wieder ab, und so
tatsächlich rasant vor sich. Es gibt in renovierten wir das Haus. Nun ist es
dieser Stadt viele Katholiken, auch ge- schön, mit hohen Korridoren, Steinbo-
bildete, die selbständig denken können den (original) und einer hübschen Ka-
und erkennen, was in ihren Pfarrkir- pelle mit einem Mosaikboden. Wir wür-
chen geschieht. Wir hatten am Anfang den gern ein zweites Priorat hier eröff-
damit begonnen, die Messe in gemiete- nen und außerdem ein Vorseminar. Das
ten Hallen zu lesen. Es kamen immer Haus ist auf der Landseite nahe Alt-
mehr Leute. Dann hielten wir Vorträge Goa: an einem Fluß, mit ruhigen
und Einkehrtage, und nun haben wir ei- Straßen, guten Fischen und freundli-
ne Wohnung geschenkt bekommen, um chen katholischen Nachbarn. Außer-
dort eine Kapelle zu errichten. Außer- dem sprechen alle Englisch.
dem haben wir in Malade, der Vorstadt Unsere Probleme sind immer diesel-
mit den meisten Katholiken, ein Wohn- ben: staatliche Behinderungen und die
haus. Ein weiteres Stück Land ist uns legale Einfuhr von Spenden. Visapro-
geschenkt worden und steht uns zur bleme sind unsere größte Schwierigkeit,
Verfügung. Es ist uns gelungen, das weil jedes Projekt, das wir beginnen,
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MB Februar 99 19.06.1999 12:09 Uhr Seite 9

Aus der Priesterbruderschaft

Das Haus in Goa vor der


Renovierung

davon abhängt, daß meine


Aufenthaltserlaubnis um ein
weiteres Jahr verlängert
wird. Die neue Regierung
(für deren Ablösung wir täg-
lich beten) ist extrem hindui-
stisch. Sie will alle nicht-hin-
duistischen Einflüsse in diesem Land sie einreisen lassen. Es sind so viele In-
beseitigen. Die Regierung wendet sich der illegal ausgewandert. Außerdem ist
nicht gegen die Moslems, weil diese bekannt, daß 95 % der Inder auswan-
sonst das Land zerstören würden – sie dern wollen (natürlich in die USA), so
verfolgt lieber die ängstlichen und fried- daß unsere armen Seminaristen von den
liebenden Christen. Die Heuchelei ist Behörden als Lügner angesehen wer-
empörend: Die Leiter der BJP, der Hin- den, die nur einen schlaueren Weg su-
dupartei, haben alle christliche Schulen chen, aus Indien herauszukommen.
besucht und die Wohltaten der Missio- Die physischen Beschwernisse für
nare empfangen, und nun wollen sie im Missionare aus dem Westen sind vielfäl-
Namen des Fanatismus anderen nicht tig, aber ich meine: wenn man nur auf-
erlauben, dieselben Wohltaten zu emp- hört zu klagen und sie mannhaft erträgt,
fangen. gibt Gott die Gnade und sie werden da-
Die besten Schulen des Landes sind durch erträglicher. Ich gebe zu, Indien
die katholischen! Alle wollen ihre Kin- macht einen hart und weniger wehlei-
der in die christlichen Schulen schicken. dig – und es gibt einem mit Sicherheit
Wenn die Behörden herausbekommen, einen guten Magen. Wenn Pater Loschi
daß ich in erster Linie als Missionar wir- kommt, werde ich ihm gleich sagen:
ke, dann ist mein Visum beendet! Bis „Beschließen Sie einfach, indisches Es-
jetzt ist es mir gelungen, das Märchen sen zu lieben, und Sie werden eine viel,
aufrechtzuerhalten, daß ich nur Eng- viel einfachere Zeit haben. (Und über-
lischlehrer an unserer Schule bin. Wird haupt, 900 000 000 Inder können nicht
es noch ein weiteres Jahr gelingen? Nur ganz so falsch liegen.)“
mit der Gnade Gottes und auf die Für-
sprache der schmerzhaften Muttergot- (aus der Gottesdienstordnung des Prio-
tes. rates St. Maria zu den Engeln, Saar-
Seminaristen aus Indien ausreisen zu brücken, Januar 1999)
lassen ist auch ein Kampf: niemand will
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MB Februar 99 19.06.1999 12:09 Uhr Seite 10

Aus der Priesterbruderschaft

Erfahrungen eines Chinamissionars


Interview mit einem „Heimkehrer“

Frage: Hochwürden, Sie zählen 88 Len- zwei Brüder aufgelöst worden war –
ze und schauen auf 63 Jahre der Arbeit wieder nach St. Wendel, wo ich kurze
im Weinberg des Herrn zurück. Können Zeit später für das Altersheim in Bad
Sie uns kurz über Ihr priesterliches Le- Tölz bestimmt wurde. Es war ein Heim
ben erzählen? der Bayerischen Schulschwestern. Diese
Aufgabe erfüllte ich von 1989 bis 1997,
P. Sermon: Ich war zuerst von 1936- bis zu meinem Ruhestand. Ich kam also
1949 als Missionar in China tätig, dann wieder nach St. Wendel, und von dort
auf den Philippinen, wo ich wegen im Sommer vergangenen Jahres wegen
Krankheit nur zwei Jahre bleiben konn- wieder auftretenden Allergie-Erschei-
te. Hierauf kam ich nach Deutschland nungen ins Öztal. Hier wollte man mich
zurück, und habe in der Diözese Fulda nur unter der Bedingung aufnehmen,
bis 1970 als Diasporapriester gearbeitet. daß ich bereit wäre, die alte hl. Messe zu
1970 wurde ich in die Auslandsseelsor- lesen. Dieser Aufforderung habe ich
ge nach USA – Los Angeles – geschickt, gerne Folge geleistet, da es schon immer
jedoch nur für ein Jahr. In St. Louis mein Wunsch war, die alte hl. Messe le-
(USA, Miss.) betreute ich anschließend sen zu können. Bei dieser Gelegenheit
die Schwestern von der ewigen Anbe- lernte ich in Innsbruck über Pater Persie
tung. Nach Deutschland zurückge- das Werk der Priesterbruderschaft St.
kehrt, war ich nach 10 Jahren gewöhnli- Pius X. kennen. Das hat mich so beein-
chem Seelsorgedienst in der Diözese druckt, daß ich mir sagte: „Hier und
Fulda in einem Krankenhaus tätig, um nur hier findest du deinen Frieden.“
anschließend wieder bei Schwestern in Nachdem ich nach St. Wendel
der Eifel zu wirken. Von dort ging ich zurückgekehrt und die Krankheit er-
wegen einer Allergie-Erkrankung nach neut sehr stark ausgebrochen war, sagte
Österreich, um Heilung zu suchen: Die- ich mir: „Das ist ein Wink von oben. Du
se fand ich in den höchsten Höhen, in mußt nun bei der Priesterbruderschaft
Hochgurgel. bleiben.“
Danach blieb ich in Österreich, habe
mehrere Pfarreien betreut und zwar bis Frage: Sie sind vor wenigen Monaten
zum Jahre 1986. Dann mußte ich diese zur überlieferten hl. Messe zurückge-
Tätigkeit aufgeben und kam nach Ingol- kehrt. Warum haben Sie diesen Schritt
stadt, um von meiner Krebserkrankung getan, und was bedeutet er lehrmäßig
durch Operation geheilt zu werden. und spirituell für den Priester?
Von dort kam ich – nachdem das
Haupthaus bis auf zwei Patres und P. Sermon: In unseren Konferenzen und
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MB Februar 99 19.06.1999 12:09 Uhr Seite 11

Aus der Priesterbruderschaft

Priesterzusammenkünften mußte ich er- cher widersprachen. Er reiste von Pfar-


fahren, daß katholische Glaubenswahr- rei zu Pfarrei. Und überall, wo er auf-
heiten immer mehr geleugnet werden. trat, verkaufte er im Auftrage des Bi-
Wir wurden vom modernistischen Geist schofs seine neuesten Lehren. Und es
so überfahren, daß man kaum zu einer hatte den Anschein, daß er gut damit
Rechtfertigung kam. Es war alles so ankam. So wandte sich auch die Frauen-
plötzlich und so neu. Der Vortragende schaft meiner Pfarrei an ihn, um ihn für
sprach sehr selbstsicher, so daß man einen Vortrag zu gewinnen. Ich hatte
kaum einen Widerspruch wagte. Man auch anfangs nichts dagegen, weil ich
sagte sich auch: Das sind ja Professoren. noch nicht wußte, was er alles sagen
Die müssen es schließlich besser wissen. werde. Jedoch kam es bereits in der er-
Du hingegen bist nur ein ganz kleiner sten Sitzung zwischen mir und ihm zu
Tropf. Wenn du mit einem Einwand einer Auseinandersetzung, weil ich eini-
kommst, antwortet er so, daß er dein ge Korrekturen an seinen Ausführungen
Wissen und deine Kompetenz bei wei- anbringen mußte. Aber ich ließ ihn noch
tem überschreitet. Da kommst du nicht gewähren, da ich damals weg mußte
mit. Du blamierst dich nur. Und so wag- und die restlichen Vorträge nicht mitbe-
te man vorerst nichts zu sagen. Und kam. Als ich zurückkam, merkte ich,
doch ließ einem das Gewissen keine Ru- daß die Lehren, die er vorgetragen hat-
he, das einem immer wieder vorwarf: te, direkt dem Glauben widersprachen.
Du bist ein Feigling! Du hättest wider- So leugnete er das Dasein der Engel und
sprechen müssen! Die Konferenzen erklärte, es sei ein schönes Märchen, das
wurden zunehmend unergiebiger, so man den Kindern vortrage, damit sie
daß man sich sagen mußte: Besser, du brav blieben. Damit waren aber auch
hörst es nicht und gehst schon gar nicht die bösen Geister, die Teufel, geleugnet.
mehr hin, obwohl wir dazu verpflichtet Zum Glück hatte er den Frauen alles
wurden. Und so kam ich zur mariani- schriftlich hinterlassen. So war schließ-
schen Priesterbewegung, die dagegen lich ein ganzes Heft zusammen gekom-
eine Erholung war. Hier fühlte ich mich men, das zahlreiche Irrlehren enthielt.
eher zu Hause. Das war eine Gegenbe- Daß die Jungfrau Maria vom Hl. Geist
wegung, die ich mehr und mehr liebge- empfangen hatte, wurde zwar nicht di-
wann. Dort fand ich Ruhe und die mah- rekt geleugnet, aber so dargelegt, daß
nende Stimme des Gewissens kam all- man auch glauben könnte, sie hätte bloß
mählich zum Schweigen. Auch glaubte von einem Menschen empfangen. Der
ich sicher zu sein, daß hier die Mutter- Tod des Menschen wurde nicht so sehr
gottes spreche, und das war schon et- als persönlicher Tod dargestellt, son-
was Gutes und Wohltuendes. In der dern als ein allgemeines Eingehen in
Pfarrei, die ich in der Diözese Fulda zu Gott wie ein Tropfen Wasser ins Meer.
betreuen hatte, sprach ein Schulleiter – Dann ist der Mensch nicht mehr für sei-
angeblich vom Bischof beauftragt – Irr- ne Taten verantwortlich. Und alles geht
tümer aus, die dem Glauben klar und si- ins Meer der Gottheit ein. Das Individu-
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MB Februar 99 19.06.1999 12:09 Uhr Seite 12

Verschiedenes

um verschwindet ganz in der Gottheit Frage: In welchem Verhältnis stehen Sie


und wird von ihr so aufgesogen, daß zur Priesterbruderschaft St. Pius X.?
vom einzelnen Menschen nichts mehr Wie sehen Sie das Werk von Erzbischof
übrig bleibt. Von der hl. Beichte war fast Lefebvre?
keine Rede mehr. Diese neuen Lehren
fanden bei den Frauen großen Beifall. P. Sermon: Der Priesterbruderschaft
Ein großer Kenner des hl. Thomas von stehe ich positiv gegenüber, und ich
Aquin und ich brachten alles genau zu möchte die tridentinische Messe nicht
Papier. Mit einem Schreiben wandten mehr missen. Das Werk von Erzbischof
wir uns an die Glaubenskongregation, Lefebvre sehe ich als Rettung für die
welcher damals Kardinal Seper vor- zukünftige Kirche. Ich empfehle die
stand. Die Antwort war für den Bischof Schriften von Erzbischof Lefebvre allen
sehr unangenehm. In einem Hirten- Priestern, wie ich es bereits einem Mit-
schreiben mußte er die Irrlehren wider- bruder empfohlen habe. Dieser hatte in
rufen. Diese Ereignisse hatten mich da- einem Krankenhaus in Süddeutschland
mals sehr mitgenommen, so daß ich auf gewirkt, bis er von den Schwestern ver-
eine weitere Gemeinde in Fulda ver- drängt wurde, weil er aus Gewissens-
zichtete. Ich war damals gerade 70 Jah- gründen keine Handkommunion spen-
re alt geworden und konnte zurücktre- den kann.
ten. Dann aber ging es später nach
Österreich, wo ich noch zwei Pfarreien (aus: Ursprung und Ziel Nr. 115, Dez.
vorübergehend betreute, bis ich durch 1998)
den Darmkrebs gezwungen war, den
Pfarrseelsorgedienst aufzugeben.

„Alter Wein in neue Schläuche“?


.
von P. Matthias Gaudron

Im November 1998 ist im Anzeiger len Geistlichen in Deutschland kosten-


für die Seelsorge ein Artikel mit dem Ti- los zugesandt wird. Der Artikel scheint
tel „Alter Wein in neue Schläuche“ von mir charakteristisch für die unehrliche,
Prof. Dr. Norbert Scholl erschienen, in heuchlerische Weise zu sein, in der heu-
dem eine Neuformulierung des Glau- te der Glaube von sog. katholischen
bensbekenntnisses vorgeschlagen wird. Theologen angegriffen wird.
Der Anzeiger für die Seelsorge ist eine In Wahrheit handelt es sich nämlich
Zeitschrift des Herder-Verlages, die al- um ein neues Glaubensbekenntnis und
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MB Februar 99 19.06.1999 12:09 Uhr Seite 13

Verschiedenes

nicht nur um eine Neuformulierung des ziehbar ist... Weggelassen werden auch
alten Glaubensbekenntnisses. Aber das die beiden anderen im Credo verwende-
will man nicht zugeben, sondern man ten Hoheitstitel ‘Sohn’ und ‘Herr’:
gibt sich den Anschein, den Glauben ‘Sohn’ wird noch immer weithin
nur von Mißverständnissen rein erhal- mißverstanden im Sinne menschlicher
ten zu wollen. So behauptet Prof. Scholl: Sohnschaft oder im Sinne einer Gottes-
„Heute wissen die meisten Gläubigen sohnschaft, die Jesus in der Weise des
mit den alten Bekenntnisformeln kaum heutigen Personenverständnisses als
noch etwas anzufangen. Ohne umfang- ‘zweite göttliche Person’ und damit als
reiche Kommentierung erscheinen die zweiten Gott mißdeutet“. Ehrlicher wä-
tradierten Glaubensbekenntnisse wie re es, er würde offen zugeben, daß er
leere Worthülsen, wie geheimnisvolle, nicht an die Gottheit Christi glaubt.
unverständliche Satzgebilde.“ Der Satz, Aber wenn man ihn mit dem katholi-
„Ich glaube an Gott, den Vater, den All- schen Dogma von der Gottheit Christi
mächtigen, den Schöpfer des Himmels konfrontieren würde, würde er wahr-
und der Erde“, ist also eine unverständ- scheinlich behaupten, er habe ja nur vor
liche Worthülse, mit der niemand mehr
dem Mißverständnis einer Zwei-Götter-
etwas anfangen kann. Wenn die Kirche
lehre warnen wollen. Das ist Heuchelei!
die alten Glaubensbekenntnisse beibe-
halte, riskiere sie daher, „daß selbst eini- In diesem Zusammenhang spricht
germaßen gebildete Christinnen und der Autor jedoch wenigstens einmal
Christen sie falsch verstehen und damit klare Worte, indem er die Heilsnotwen-
objektiv im Irrglauben leben.“ digkeit des Glaubens an Christus offen
leugnet und Christus auf eine Stufe mit
Darauf bespricht der Autor Punkt
Buddha und Mohammed stellt: „Mit
für Punkt seinen Vorschlag eines neuen
Glaubensbekenntnisses, wobei er be- der Betonung, daß Jesus ein Geschenk
wußt meist solche Formulierungen für alle Menschen ist, wird an seine uni-
wählt, die entweder klar zu erkennen versale Heilsbedeutung erinnert, frei-
geben oder wenigstens vermuten las- lich in einer Weise (ein Geschenk), die
sen, daß der Autor die entsprechende für andere Heilsmittler (Buddha, Mo-
katholische Wahrheit ablehnt, die aber hammed u.a.) noch Platz läßt und die
andererseits auch keine ausdrückliche als behutsames Angebot zu verstehen
und deutliche Leugnung derselben ent- ist, das die Annahme der Botschaft Jesu
halten. So schreibt er z.B. zur Stelle „Ich nicht als zwingend und ‘absolut heils-
glaube an Jesus“: „Der Hoheitstitel notwendig’ erscheinen läßt.“ Christus
‘Christus’ wird bewußt weggelassen, ist demnach nur ein unverbindliches
weil er häufig zu sehr im Sinne einer Er- Angebot für die Menschen. Der hl. Pe-
höhungschristologie verstanden wird, trus muß sich geirrt haben, als er über
die das wahre und wirkliche Mensch- Jesus Christus sagte: „In ihm allein ist
sein Jesu ignoriert und die darum für Heil, denn es ist kein anderer Name un-
viele Menschen kaum mehr nachvoll- ter dem Himmel den Menschen gege-
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MB Februar 99 19.06.1999 12:09 Uhr Seite 14

Verschiedenes

ben, in dem wir selig werden könnten“ als sei Jesus tatsächlich am chronolo-
(Apg 4,12). gisch dritten Tag auferweckt worden.
Den Glauben an die jungfräuliche Die Erwähnung der ‘Freunde’ als Zeu-
Empfängnis und Geburt Christi läßt gen der Auferweckung ... soll deutlich
man dann mit dem Hinweis auf „un- machen, daß es sich bei der Aufer-
überwindbare Glaubensschwierigkei- weckung Jesu um eine Glaubenstatsache
ten“ einfach unter den Tisch fallen: handelt, nicht um ein auch für Außen-
„Problematisch erscheint allerdings der stehende real wahrnehmbares und hi-
Zusatz ‘Jungfrau’, weil sich wegen der storisch nachweisbares Geschehen.“ Al-
verbreiteten physiologischen Deutung so: Jesus ist auch nicht wirklich aufer-
von ‘Jungfrau’ für viele Menschen un- weckt worden, sondern nur im Glauben
überwindbare Glaubensschwierigkei- seiner Jünger.
ten auftun.“ Abgesehen davon, daß der Statt des Glaubens an den Heiligen
kluge Professor mit der Ablehnung ei- Geist will der Autor nur noch den Glau-
ner „physiologischen Deutung“ schein- ben „an Gottes lebenschaffenden Geist“
bar behaupten will, Maria sei nur in bekennen. Es ist zwar wieder nicht ein-
sinnbildlicher Weise und nicht wirklich deutig gesagt, aber die neue Formulie-
Jungfrau gewesen, offenbart dieser Satz rung läßt doch die Leugnung der drit-
den vollkommen falschen Glaubensbe- ten göttlichen Person vermuten, denn
griff der Modernisten: Es ist nicht mehr der lebenschaffende Geist Gottes kann
die Offenbarung Gottes, die der Mensch auch einfach eine göttliche Kraft mei-
gläubig annehmen muß, sondern der
nen.
Mensch selber bestimmt, was er glau-
ben kann und will. Ein solcher Glaube Natürlich heißt es dann statt „Ich
ist aber nicht mehr übernatürlich, sond- glaube an die heilige katholische Kir-
nern nur noch ein menschliches Pro- che“ nur „Ich bekenne mich zu der ei-
dukt. nen christlichen Kirche“, und wenn
dann noch die „versöhnte Gemein-
Über die Auferstehung Christi heißt
schaft aller in Gott“ erwartet wird,
es im neuen Glaubensbekenntnis:
wundert man sich nicht mehr: die Hölle
„Doch Gott hat ihn vom Tode erweckt.
ist mit dem modernistischen Glauben ja
Das bezeugen seine Freunde.“ Dazu
nie zu vereinbaren.
kommentiert Prof. Scholl: „Zunächst
soll die Auferweckung Jesu deutlich als Eigentlich müßte man den ganzen
Tat Gottes gekennzeichnet werden.“ Artikel abdrucken, in dem es kaum ei-
Das heißt im Klartext: Jesus ist nicht aus nen einzigen Satz gibt, den ein gläubi-
eigener Kraft auferstanden, sondern ger Katholik vorbehaltlos unterschrei-
nur auferweckt worden, (da er ja nicht ben könnte. Alles in allem ist festzustel-
Gott ist). Weiter heißt es: „Durch die len, daß es sich wirklich um einen neu-
Auslassung der Formel ‘...am dritten en Glauben handelt, der hier vorgetra-
Tag’ soll der noch immer verbreiteten gen wird, einen Glauben, der mit dem
Vorstellung entgegengewirkt werden, katholischen Glauben nur noch einige
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MB Februar 99 19.06.1999 12:09 Uhr Seite 15

Verschiedenes

äußere Anklänge gemeinsam hat. Noch man nur gegen einige Mißverständnisse
einmal sei es betont: Es wäre ehrlicher, kämpfen und zeitgemäßere Formulie-
man würde wenigstens zugeben, daß rungen für das suchen, was die Christen
man einen neuen Glauben will und den immer geglaubt hätten, daß ist Verstel-
alten ablehnt. Aber so zu tun, als würde lung und Irreführung der Gläubigen.

Apostolisches Glaubensbekenntnis Neuformulierung

Ich glaube an Gott, den Vater, den All- Ich glaube an Gott. Er ist wie Vater
mächtigen, den Schöpfer des Himmels und Mutter. Er ist der Urgrund des
und der Erde Universums.
und an Jesus Christus, seinen eingebo- Ich glaube an Jesus.
renen Sohn, unsern Herrn, empfangen Er ist ein Geschenk für alle Menschen.
durch den Heiligen Geist, geboren von Er ist geboren von Maria aus Nazareth.
der Jungfrau Maria, In Wort und Tat hat er Zeugnis gege-
ben von der Liebe Gottes zu uns Men-
schen und zu allen Geschöpfen.
gelitten unter Pontius Pilatus, Pontius Pilatus hat ihn zum Tode ver-
gekreuzigt, gestorben und begraben, urteilt und kreuzigen lassen.
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den
Toten, aufgefahren in den Himmel; er Doch Gott hat ihn vom Tode erweckt.
sitzt zur Rechten Gottes, des allmächti- Das bezeugen seine Freunde.
gen Vaters; von dort wird er kommen
zu richtendie Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, Ich glaube an Gottes lebenschaffenden
Geist.
die heilige katholische Kirche, Ich bekenne mich zu der einen christli-
chen Kirche, geeint in Wort und Sakra-
ment.
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung Ich erwarte die Auferweckung der To-
der Sünden, Auferstehung der Toten ten zu einer versöhnten Gemeinschaft
und das ewige Leben. aller in Gott.
Amen. Amen

(aus: Wochenbrief des Priesterseminars Herz Jesu Nr. 1/1999)

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MB Februar 99 19.06.1999 12:09 Uhr Seite 16

Verschiedenes

Wer schaffte das Latein in der Messe ab?


von Dr. Heinz-Lothar Barth

1999 jährt sich das Datum der Ein- § 2 desselben Artikels bereits eine – al-
führung des Novus Ordo Missae zum lerdings beschränkte – Einführung auch
dreißigsten Mal. Eine der äußerlich auf- der Muttersprache erlaubte („vor allem
fälligsten Veränderungen stellte der in den Lesungen und Hinweisen und in
weitgehende Verzicht auf die lateini- einigen Orationen und Gesängen“2).
sche Kultsprache dar. Wenn diese Neue- Leider sah aber schon Art. 54c dessel-
rung auch nicht direkt das Wesen der ben Dokumentes ausdrücklich eine viel
hl. Messe betraf, so berührte sie doch ei- weitergehende Berücksichtigung der
ne ihrer wesentlichen Erscheinungsfor- Landessprache vor, wenn auch noch so-
men, die mehr ist als ein rein äußerli- zusagen als Sonderrecht getarnt („Wenn
ches Beiwerk. So wird noch heute die indes darüber hinaus irgendwo der Ge-
sog. Tridentinische Messe oft einfach als brauch der Muttersprache bei der Mes-
die „lateinische“ bezeichnet, obwohl se in weiterem Umfang angebracht zu
auch der neue Ritus – mehr auf dem Pa- sein scheint...“)3 Damit war – obgleich
pier als in der Praxis – auf Latein exi- dies sicherlich nicht dem Willen der
stiert, der dogmatische Unterschied Mehrheit unter den Konzilsvätern ent-
zwischen beiden aber erheblich ist. sprach – Art. 36,1 praktisch ausgehöhlt,
Es erscheint angebracht, aus Anlaß wie ja die Praxis der folgenden Jahre
jenes 30jährigen „Jubiläums“ der Neuen zeigte.
Messe, bei dem es freilich wenig zu ju- Was kommen mußte, kam ganz
beln gibt, ein Argument zur Kultspra- rasch. Bereits am 26.9.1964, also noch
che zu überprüfen, dem man immer vor Abschluß des Konzils, wurde in der
wieder begegnet: Das II. Vatikanische „Instruktion zur ordnungsgemäßen
Konzil habe ausdrücklich das Lateini- Durchführung der Konstitution über
sche in der hl. Messe beibehalten wol- die heilige Liturgie“ mit explizitem Be-
len. Seine Abschaffung sei erst auf die zug auf jenen Artikel 54 der vatikani-
spätere Liturgiereform zurückzuführen. schen Liturgiekonstitution allgemein
Gerne beruft man sich heute gerade der Gebrauch der Muttersprache für al-
in konservativen Kreisen auf den Art. 36 le Teile der Messe gestattet, bei denen
§ 1 der Liturgiekonstitution des II. Vati- die Gläubigen beteiligt sind (Nr. 57). Le-
kanums, welcher besagt: „Der Ge- diglich für die „anderen Teile der Mes-
brauch der lateinischen Sprache soll in se..., die vom Priester allein gesungen
den lateinischen Riten erhalten bleiben, oder gesprochen werden“, sollte noch –
soweit nicht Sonderrecht entgegen- nun, nicht etwa das Latein weiterhin
steht“1 Allenfalls gibt man noch zu, daß verbindlich bleiben, sondern die Er-
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laubnis zu seiner Preisgabe dem Apo- Otto Hermann Pesch versucht in sei-
stolischen Stuhl vorbehalten sein! (Nr. nem Buch „Das Zweite Vatikanische
58)4 Einstweilen hatten wenigstens – of- Konzil“7 die Entscheidung Johannes
fenbar zur Beruhigung der „Konservati- XXIII. zum einen lächerlich zu machen.
ven“ – die Meßbücher noch zweispra- Das gelingt ihm, indem er die Apostoli-
chig gedruckt zu werden (Nr. 57). Das sche Konstitution (nicht „Enzyklika“,
war alles, was von der absoluten Ver- wie Pesch schreibt) auf die Forderung,
pflichtung der Kirche auf die lateinische grundsätzlich alle theologischen Vorle-
Liturgiesprache noch übrig geblieben sungen wieder auf Latein abzuhalten,
war, wie sie Johannes XXIII. nicht ein- reduziert, auf jene Maßnahme also, die
mal drei Jahre zuvor, nämlich am 22. Fe- man selbst als kompromißloser Befür-
bruar 1962, in feierlicher Form in seiner worter der Kirchensprache für überzo-
Apostolischen Konstitution „Veterum gen, da schon angesichts der damaligen
sapientia“ verkündet hatte. Verhältnisse unrealistisch, halten kann.
Dieses Dokument, mit dem der Zum selben Urteil gelangte beispiels-
Papst das Latein als Kult-, Amts- und weise Hubert Jedin in seinem „Lebens-
Wissenschaftssprache für die Katholi- bericht“8, in dem er keinen Zweifel an
sche Kirche noch einmal als verbindlich seiner Sorge über die nachkonziliaren
vorschrieb, war neben weiteren Entwicklungen, vor allem über die Be-
Stellungnahmen zugunsten des Idioms drohung der Liturgie ließ. Die anderen
der Römer und des mit ihm aufs engste Aspekte des päpstlichen Dokumentes,
zusammenhängenden Gregorianischen speziell die Bewahrung des Lateins als
Chorals Gegenstand heftigster Ausein- Liturgiesprache, werden von Pesch
andersetzungen zwischen progressisti- kaum thematisiert. Auf der anderen Sei-
schen und glaubenstreuen Kräften. Aus te suggeriert der Theologe, „Veterum sa-
Sicht der Neuerer ist der ganze Streit zu pientia“ sei lediglich zur Beruhigung
Beginn des II. Vatikanums jüngst aus- der konservativen Kurie verfaßt und
führlich dargestellt worden von Joseph von vornherein nicht als die Zukunft
A. Komonchak in seinem Beitrag „Der der Kirche angesehen worden. Verf.
Kampf für das Konzil während der Vor- weiß aus dem absolut zuverlässigen Be-
bereitung (1960-1962)“5. Komonchak richt eines Bischofs, dessen Namen er
gibt erfreulicherweise, wenn auch nur aus verständlichen Gründen nicht nen-
in vorsichtigen Andeutungen, zu, daß nen möchte, daß diese auf den ersten
es den auf Fortschritt Gesinnten keines- Blick ungeheuerliche Vermutung Peschs
wegs nur um die Abschaffung der alt- mit höchster Wahrscheinlichkeit leider
ehrwürdigen Sprache um ihrer selbst den wahren Verhältnissen sehr nahe
willen ging, sondern daß sie damit vor kommt.
allem weitgehende Ziele wie Stärkung Nach all dem, was wir gesagt haben,
der Landeskirchen gegenüber Rom, De- braucht es nicht zu verwundern, daß
mokratisierung, Inkulturation und Öku- nach einer Verordnung der Gottes-
menismus verfolgten.6 dienstkongregation bereits am 10. No-
17
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vember 1969 gestattet wurde, nunmehr Sogar eines der größten und erhaben-
auch auf die Zweisprachigkeit zu ver- sten Kulturgüter, das die Kirche als Er-
zichten und die Meßbücher nur in den be ihrer Tradition verwalten darf, den
Landessprachen herauszugeben.9 Ein noch vom Konzil aufs höchste gelobten
Jahr später mußte Rom sogar eine An- Gregorianischen Choral (SC 116), geist-
frage beantworten, welche Fälle vom gewirkte Auslegung der heiligen Texte
Gesetz für die Feier der lateinischen durch die Stimme des Menschen, war
Messe (wohlgemerkt der neuen!) mit man bereit dahinzugeben. Jenen Ver-
Gläubigen noch vorgesehen seien. In lust, den man in vollem Bewußtsein der
der Antwort, soweit sie die Weltkirche zukünftigen Entwicklung billigend in
betraf, zog sich der Vatikan nunmehr, Kauf nahm und der dann mit zur Ent-
im Unterschied zum erwähnten Doku- sakralisierung des Kultes, ja zur allge-
ment vom 29.6.1964, auf die Zuständig- meinen Säkularisierung beitragen soll-
keit der jeweiligen Diözesanbischöfe te, bezeichnete derselbe Nachfolger Pe-
zurück.10 Auf dem II. Vatikanum hatte tri einige Jahre später13 ebenso wie den
die Vorstellung, die ganze Messe könne Verzicht auf die Kultsprache als „ein
einmal in der Landessprache zelebriert Opfer von unschätzbarem Preis“. Müß-
werden, schallendes Gelächter in der te der Verfasser dieser Zeilen nicht auch
Konzilsaula ausgelöst11; nunmehr durf- gegenüber derartigen Hirten seiner Kir-
te man lediglich unter besonderen Um- che den geschuldeten Respekt wahren
ständen jene vor nur wenigen Jahren und könnte gleichsam als Außenstehen-
noch verlachte Gottesdienstform mei- der urteilen, so würde er nicht zögern,
den! hier von Barbarei zu sprechen.
Hier lagen aber nicht irgendwelche Schon als Erzbischof von Mailand
Machenschaften ultraprogressiver Krei- hatte Montini diese Linie verfolgt. In
se vor, wie man gelegentlich hört, son- seinem Fastenhirtenbrief vom Jahre
dern man muß um der wissenschaftli- 1958, in dem er in versteckter Form be-
chen Redlichkeit willen den Verant- reits eine Reihe von Zielen nannte, die
wortlichen unumwunden beim Namen er dann später bei der Liturgiereform
nennen: Papst Paul VI. hatte beispiels- verwirklichte – auf Einzelheiten können
weise bereits in einer Sonntags-Alloku- wir hier nicht eingehen – hatte er auf
tion vom 7. März 1965 mit ausdrückli- höchst subtile Weise das Latein als Kult-
chem Bezug auf den angeblichen Willen sprache angegriffen. Der entscheidende
des Konzils vom „Opfer der eigenen Satz lautete: „Das Hindernis (für eine
Sprache, des Lateins“ gesprochen, das aktive Teilnahme der Gläubigen an der
die Kirche nunmehr in ihrer Liturgie Messe, H-L B) ist nicht allein die lateini-
bringe. Er war sich, wie sein Lob dieses sche Sprache, die die Kirche aus ge-
wunderbaren Idioms zeigt, völlig des wichtigen Gründen beibehalten
hohen Gutes bewußt, auf das man ver- will...“14 Also stellt die lateinische Spra-
zichtete, „um bei allen anzukommen“ – che aber eben doch auch ihrerseits ein
so lautete die offizielle Rechtfertigung!12 Hindernis für die Frömmigkeit der Ka-
18
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tholiken dar! Aber einstweilen läßt man oder nur für ganz wenige angemessen
das Urteil der Kirche aus taktischen ist und die unser Volk nicht für die Teil-
Gründen insofern unangetastet, als man nahme am göttlichen Kult begeistert,
dem Lehramt wichtige Motive für seine sondern es ihm entfremdet.“16 Man
abweichende Entscheidung attestiert. sieht also ganz deutlich, wie falsch es
Ähnlich waren viele Vertreter der litur- wäre, die späteren „Reformen“ nur auf
gischen Bewegung vorgegangen: Hohes das Konto einzelner Prälaten, wie z.B.
Lob für das altehrwürdige Idiom der Annibale Bugninis, zu setzen, und Paul
Römer wurde geschickt mit Bedenken VI. hieran für unschuldig zu erklären.
gegen seinen Einsatz als heutiger Kult- Es ist überhaupt keine Frage, daß über
sprache verbunden. Ein Beispiel sei hier die durchaus nicht unwesentliche Frage
kurz vorgestellt. Anton Baumstark der Kultsprache hinaus der Montini-
schrieb in seinem weitverbreiteten Papst im wesentlichen den NOM von
Büchlein „Vom geschichtlichen Werden 1969 aktiv gefördert hat17 und für ihn
der Liturgie“15: „Es liegt auf der Hand, die Verantwortung vor Gott und der Ge-
wie viel an Würde und Hoheit die römi- schichte der Kirche trägt, wenn auch das
sche Liturgie selbst durch das einheitli- eine oder andere heute mit ihm verbun-
che Kleid der alten Römersprache ge- dene Element eher seinen Wünschen
winnt. Gleichwohl läßt sich nicht ver- widersprach18.
kennen, daß die Feier der Liturgie in ei- Seine Intervention gegen das Latein
ner toten, der Masse der Gläubigen un- in der Konzilsaula begründete Paul VI.
verständlichen Sprache die entscheiden- zu allem Überfluß auch noch mit dem-
de Schwierigkeit für die Erreichung des selben Argument, das man immer wie-
Endzieles der starken liturgischen Be- der in modernistischen Abhandlungen
wegung unsrer Tage bildet.“ lesen kann19; ganz Ähnliches trug er
Auf dem Konzil sollte Montini dann dann auch wieder im Jahre 1969 vor20:
seine Taktik schlagartig ändern. Hier Der hl. Paulus habe jeder unverständli-
ließ der mittlerweile von Johannes chen Sprache im Gottesdienst, also für
XXIII. zum Kardinal erhobene Mailän- unsere Zeit auch dem Lateinischen, eine
der Erzbischof seinem Ressentiment ge- Absage erteilt, indem er die Korinther
gen das liturgische Latein freien Lauf: mahnte: „In der Gemeinde will ich lie-
„Wenn wir wünschen, daß diese Ge- ber fünf Worte mit meinem Verstande
meinschaft (die der Christen ist ge- reden, um auch andere zu belehren, als
meint, H-L B) nicht unsere Gotteshäuser zehntausend Worte in einer (unver-
verläßt, sondern gerne dorthin geht, ständlichen) Sprache“ (1 Kor 14,19). Der
dort die Prägung für ein inneres Seelen- Völkerapostel wendet sich jedoch im
leben erhält und seinen Glauben in wür- Korintherbrief in Wahrheit lediglich ge-
diger Weise ausdrückt, dann muß man gen grundsätzlich unverständliches
auf kluge Weise, aber ohne Aufschub und damit die christliche Gemeinde
und Zögern das Hindernis der Sprache nicht erbauendes Sprechen, wie es im
beseitigen, die nicht verstanden wird Bereich des Zungenredens vorkam, kei-
19
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neswegs aber gegen den Gebrauch ei- 5 In: „Geschichte des Zweiten Vatikanischen Kon-
ner der ehrwürdigsten menschlichen zils“, hg. von Giuseppe Alberigo und Klaus Witt-
Sprachen, die ohne weiteres, und sei es stadt, Bd. I, Mainz-Leuven 1997, 242-256. Veter-
um sapientia ist abgedruckt in: AAS 54/1962, 129-
mit Hilfe von Übersetzungen, für jeder-
135.
mann zugänglich ist. Theologen, die
6 a.O. 255f.
Gegenteiliges behaupten, machen sich 7 Würzburg 1993, 82-85.
mindestens indirekt anheischig, der 8 Hg. von K. Repgen, 3. Aufl. Mainz 1988, 203.
Kirche zu unterstellen, sie habe Jahr- 9 Lengeling, Die neue Ordnung der Eucharistiefeier
hunderte lang in der Frage der Liturgie- 42.
sprache gegen die Hl. Schrift entschie- 10 Notitiae 6/1970, 104.
den. Und dies verficht man, obwohl das 11 So Alfons Maria Kardinal Stickler, Erinnerungen
Trienter Konzil ausdrücklich erklärt und Erfahrungen eines Konzilsperitus der Litur-
hatte: „Wer sagt, ... die Messe dürfe nur giekommission, in: Die heilige Liturgie, hg. von
in der Volkssprache gefeiert werden, ... Franz Breid,Steyr 1997, 178.
12 Insegnamenti di Paolo VI, III, Vatikanstadt 1965,
der sei mit dem Anathem belegt“ (DH
1131.
1759)!21
13 In der Allgemeinen Audienz vom 26. November
1969, auszugsweise abgedruckt bei Lengeling,
Die neue Ordnung der Eucharistiefeier 82f. Es ist
(Im Anmerkungsteil gekürzt entommen
also bestenfalls die halbe Wahrheit, wenn Msgr.
aus: Heinz-Lothar Barth, Die Mär vom Pablo Colino, Domkapellmeister von St. Peter im
antiken Kanon des Hippolytos. Unter- Vatikan, mit Blick auf das Choralbüchlein „Iubilate
suchungen zur Liturgiereform. Heraus- Deo“, das Paul VI. 1974 herausgab, im Papst ei-
gegeben von UNA VOCE Deutschland nen entschiedenen Befürworter der Choraltraditi-
e.V. Dieses Buch wird voraussichtlich ab on erblicken will (30 Tage 16,2/1998, 50,53).
März 1999 an den Schriftenständen der 14 Giovanni Battista Montini, Erziehung zur Liturgie –
Kapellen und Priorate der Priesterbru- Fastenhirtenbrief 1958, Nr. 34. Übersetzt und im
Auftrag des Liturgischen Instituts herausgegeben
derschaft erhältlich sein.)
von Ferdinand Kolbe, Münster 1963, Zitat S. 38.
Der Text wurde nicht ohne Grund zu Beginn des
Pontifikates Pauls VI. neu ediert, weil man, wie
Anmerkungen das Vorwort von J. Wagner signalisiert, hoffte,
1 Siehe LThK 12, 40. daß Montini nunmehr als Nachfolger Petri seine
2 Ebd. schon längst gehegten Neuerungsbestrebungen
3 Die anderen Bestimmungen des Konzils, die die in die Praxis umsetzen würde.
Einführung der Nationalsprachen in der Messe 15 Reihe „Ecclesia orans“, hrsg. von Abt Ildefons
förderten (besonders SC 39 und 40), sind kurz be- Herwegen, Bd. 10, 5. Aufl., Freiburg 1923, 100.
sprochen in: The New Dictionary of Sacramental 16 Congregatio generalis IV (22. Oktober 1962), Ac-
Worship, ed. by P.E. Fink SJ, Collegeville/Minne- ta synodalia Sacrosancti Concilii Oecumenici Va-
sota 1990, 651f. Vgl. auch Dictionnaire ency- ticani II, Vol. I, Pars I, Vatikanstadt 1970, 315.
clopédique de la liturgie, Brepols 1992, I 617f. 17 Siehe z.B. Johannes Wagner, Der Papst der Li-
4 Text abgedruckt bei: Herman Schmidt, Die Konsti- turgiereform – Zum Heimgang Papst Paul VI., in:
tution über die heilige Liturgie, Text – Vorge- Gottesdienst 12/1978, 129-131; Walter von Arx,
schichte – Kommentar, Freiburg/B. 1965, 258. Der Anteil Papst Paul VI. an der Liturgiereform
20
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des Zweiten Vatikanischen Konzils, Fuldaer 19 Siehe auch die Kritik von P. Caelestis Eichenseer,
Hochschulschriften Nr. 2, St. Ottilien 1987, 32 S. Cultus cultiorve sermo cottidianus, Vox Latina
Quellenkritisch ist zu diesem Beitrag zu bemer- 31,121/1995, 354 mit Anm. 5.
ken, daß sich von Arx überwiegend auf Zitate aus 20 Siehe oben Anm. 13.
Bugninis Werk zur Liturgiereform stützt. Es kann 21 Verf. hat jüngst noch einmal die wesentlichen Ar-
natürlich a priori nicht ganz ausgeschlossen wer- gumente für die Feier der hl. Messe im Idiom der
den, daß Bugnini das Votum des Papstes auch in Römer zusammengestellt: „Latein – Universale
solchen Einzelheiten der liturgischen Reform für Kultsprache der Katholischen Kirche“, in: Dem
sich vereinnahmte, in denen jener eher gezögert Schönen und Heiligen dienen, dem Bösen weh-
hatte oder gar ganz anderer Meinung gewesen ren, hg. von Norbert Esser, Sinzig 1997, 152-164.
war. StudDir a.D. Margarethe Kuppe zeigt ferner in ei-
18 Das gilt z.B. für die unselige Handkommunion, ner soeben erschienenen Kleinschrift mit dem Ti-
die Paul VI. entgegen dem, was Eckehard Kauf- tel „Latein – der absolute Glücksfall“ auf, wie eng
mann behauptete (Bugnini oder Paul VI.? Theo- die gesamte europäisch-christliche Kultur mit
logisches 28,3/1998, 157), nachweislich abgerun- Sprache und Denken der Römer verbunden ist
gen worden ist. Dies geht aus der Instruktion (Stuttgart 1998, 32 S.).
„Memoriale Domini“ (AAS 61/1969, 541-545) ein-
deutig hervor: In ihr warnte der Papst ausdrück-
lich vor den Gefahren der Handkommunion, ja er
berief sich für seine Befürchtungen sogar auf das
ablehnende Votum von mehr als Zweidrittel der
Mitglieder des Weltepiskopats. Und dann über-
ließ er es auf Druck progressiver Kreise doch den
nationalen Bischofskonferenzen, die Neuerung
zu gestatten! Offenbar sollte damit vor allem das
Ziel verfolgt werden, einen widergesetzlich einge-
führten Brauch nunmehr zu legalisieren. Bugnini
selbst führt detailliert auf, welche eigenen Beden-
ken Paul VI. auf dem Weg zu seinem Zugeständ-
nis zu überwinden hatte. (Die Liturgiereform, dt.
Ausgabe Freiburg/B. 1988, 673-694; weitere Ein-
zelheiten zu den Hintergründen der neuen Art der
Kommunionspendung und ihrer Einführung s.
Verf., UVK 25,4/1995, 199-201).
Doch hat es mit der Erlaubnis der Handkommuni-
on nicht sein Bewenden. Auch manche andere
Einzelheit der liturgischen Veränderungen waren
nicht von Paul VI. geplant worden. Durch die Aus-
sage Kardinal Journets wissen wir, daß Paul VI.
die berühmt-berüchtigte Definition der Messe in
der „Allgemeinen Einführung“ zum Neuen Meß-
buch von 1969 (Nr. 7, Erstfassung) absegnete,
ohne sie überhaupt gelesen zu haben – so sehr
vertraute er seinen „Fachleuten“! (30 Tage, Mai
1992, 37).
21
MB Februar 99 19.06.1999 12:09 Uhr Seite 22

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Die kopernikanische Wende


Die Kirche und das neuzeitliche Wissenschaftsverständnis

Teil 2: Die philosphischen Grundlagen


von Robert Mildenberger

II. Philosophische Fragwürdigkeit

Wie erklärt es sich, daß die Kirche ei-


ne so große Zurückhaltung gegenüber
dem kopernikanischen Weltbild geübt
und es erst 1822 anerkannt hat?
1. Das Werk des Kopernikus blieb
hinter dem Anspruch zurück, die Ge-
stirnbewegungen in einer gediegeneren
und ihrer Gottesnähe entsprechenderen
Ordnung, als es das ptolemäische Welt-
bild vermochte, zu erklären. In der er-
sten Ausgabe von De revolutionibus,
aber auch schon im Autograph, findet
sich ein Schema des Planetensystems,
dessen optische Konzentrik eine Ein-
fachheit suggeriert, die dem im Text be-
schriebenen System fehlt (Abb. 1).
2. In Wahrheit ist die Erklärung des
Kopernikus ebenso kompliziert wie die
des Ptolemäus und trug übrigens nichts
zur Lösung praktischer Erfordernisse
bei, v.a. zur damals jahrzehntelang dis-
kutierten Kalenderreform27, die nach Abb. 1: Das Weltsystem des Kopernikus, von
geozentrischen Grundsätzen berechnet ihm selbst vereinfacht dargestellt.
und von Papst Gregor XIII. 1582 einge-
führt wurde. Ein schematischer Ver- München, macht die Schwierigkeiten,
gleich der astronomischen Auffassung
die man mit Kopernikus haben konnte,
des Ptolemäus mit der des Kopernikus,
1996 veröffentlicht in „Wandel des graphisch klar (Abb. 2).28
Weltbildes“ von Jürgen TEICHMANN, 3. Methodisch stellten weder Ko-
Professor am Deutschen Museum in pernikus noch der größte Astronom
22
MB Februar 99 19.06.1999 12:09 Uhr Seite 23

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Abb. 2: Links das komplexe System des Kopernikus, rechts das komplexe System des Ptolemäus.

zwischen ihm und Kepler, Tycho Brahe, che Bewegung der Erde mußte die Erd-
eine Alternative zur ptolemäischen bewegung auf ein Koordinatensystem
Theorie dar. Kopernikus hatte eine rein außerhalb unseres Sonnensystems be-
spekulative Astronomie mit Mitteln der ziehen, um nicht nur Relativbewegun-
Antike (Armillarsphäre, Astrolabium) gen zwischen Erde und Sonne festzu-
und Meßwerten des Mittelalters (Alfon- halten. Das Koordinatensystem außer-
sinische Tafeln) getrieben. Auf dem To- halb aller Planetenbahnen sind natür-
tenbett soll er bedauert haben, nie den lich die Fixsterne. Bezüglich dieses Ko-
selten wahrnehmbaren Planeten Mer- ordinatensystems gibt es heute drei ver-
kur gesehen zu haben.29 TEICH- schiedene Beobachtungen, die für die
MANNs tabellarischer Vergleich der jährliche Erdbewegung sprechen: - die
Weltsysteme macht es deutlich Der me- Lichtaberration, - die Fixsternparallaxe,
thodische Durchbruch kam auch nicht - die Dopplerverschiebung in Stern-
mit Galilei30, sondern erst mit Newton. spektren im jährlichen Rhythmus der
TEICHMANN dazu an anderer Stelle: Erdbewegung. Sind sie eigentlich eine
„´Beweise’ für das heliozentrische Welt- endgültige Lösung des Problems im
bild, die unabhängig von der Newton’- Sinne eines eindeutigen ´Beweises’?
schen Gravitationskonstante waren, Nein: Man beobachtet nun natürlich
gab es bis nach 1700 nicht“ (Seite 113). Relativbewegungen Sterne–Erde und
Die folgende Passage spricht sehr für könnte sich – wenn man wollte – aus
TEICHMANNs Redlichkeit und die der heliozentrischen Schlinge ziehen,
weise Skepsis der Kirche: „Das gesuch- indem man entsprechende Sternbewe-
te ´Experimentum crucis’ für die jährli- gungen annimmt“ (Seite 113, Herv. v.
23
MB Februar 99 19.06.1999 12:09 Uhr Seite 24

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Verf.). Paradox formuliert: Man könnte selbst unbewegten als auch ewigen Sein
nicht an das kopernikanische System verursacht werden muß“ (Met. 1073 a
zuverlässig glauben, wenn nicht die 24 - 34).
Kirche seit dem 19. Jh. die „moralische In der Metaphysik heißt es weiter:
Gewißheit“31 hätte, daß es so ist. „Die genaue Zahl der Bewegungen aber
4. Ein wichtiger Grund, weshalb die muß man allein aus derjenigen mathe-
Kirche an dem Bewahren des ptolemäi- matischen Disziplin ersehen, die der
schen Systems interessiert war, ist die Philosophie am nächsten steht: aus der
Bedeutung von Geozentrik und Astronomie; denn diese hat zum Ge-
Sphärenschema für das kosmologische genstand ihrer Erforschung ein sichtba-
Gottesargument, das von der Bewe- res, aber ewiges Sein, die anderen ma-
gung ausgeht. Der Astronomie kommt thematischen Disziplinen dagegen ha-
hier eine Schlüsselrolle zu, die sie, abge- ben es überhaupt nicht mit wirklichem
sehen von der Majestät ihres Gegen- Sein zu tun, z.B. die Zahlenlehre und
standes, zur Krone der Sieben freien Geometrie“ (1073 b 4 - 8).
Künste machte. In der Metaphysik des
Auch die berühmte Kernpassage aus
Aristoteles ist der Beweis a parte motus
dem Gottesargument des Aristoteles
eng mit Astronomie und Physik ver-
macht den Zusammenhang zwischen
knüpft:
Physik–Astronomie–Ontologie sicht-
„Der Ursprung nämlich und das Er- bar:
ste, was ist, ist unbewegt, sowohl an
Ortsbewegung ist aber die oberste
sich als auch mittelbar, und verursacht
Form des Wechsels, und von dieser die
die erste Bewegung, die ewig und eine
kreisförmige. In einer solchen bewegt
einzelne ist. Nun wissen wir: Was be-
nun dies Erste. Es ist also mit Notwen-
wegt wird, wird notwendig von etwas
digkeit seiend; und sofern mit Notwen-
bewegt und das erste Bewegende ist
digkeit, steht es mit ihm aufs beste –
notwendig an ihm selbst unbewegt,
und in dieser Weise ist es Ursprung. (...)
und die ewige Bewegung wird von et-
was Ewigem bewegt, und zwar diese ei- An einem solchen Ursprung hängt also
ne von dem einen Ewigen. Nun sehen der Himmel und die Erde“ (Met. 1072 b
wir aber doch neben der einfachen Be- 5 - 14).
wegung des Ganzen, die wir von dem Wenn die Gestirnbewegungen nun
ersten und unbewegten Sein verursacht auf einen anderen Punkt als die Erde
sein lassen, daß es noch andere Bewe- bezogen sind, verliert ihre Betrachtung
gungen gibt, auch ewige, nämlich die als Via analogica zum Ersten Prinzip
der Planeten (ewig und ohne Stillstand massiv an Erkenntniswert, denn ihre
ist ja der im Kreise laufende Körper – Kreisbewegung um den Betrachter und
darüber ist in der Physik der Nachweis somit die Kommensurabilität der Bewe-
gegeben worden). Dann ergibt sich aber gungen ist nur noch eine scheinbare.
mit Notwendigkeit, daß auch jede von Vollends unbrauchbar werden sie,
diesen Bewegungen von einem sowohl wenn wir den Himmelsraum als mon-
24
MB Februar 99 19.06.1999 12:09 Uhr Seite 25

Verschiedenes

ströse und chaotische Nacht imaginie- fortkommen, daß wir annehmen, die
ren. Der Wandel der Astronomie zer- Gegenstände müssen sich nach unserem
reißt die alte Jakobsleiter des seelischen (sic!) Erkenntnis richten, welches so
Aufstiegs zu Gott durch Betrachtung schon besser mit der verlangten Mög-
des Sichtbaren. Er ist ein Triumph des lichkeit einer Erkenntnis derselben a
Nominalismus (s.u.), der sich nun auch priori zusammenstimmt, die über Ge-
in der Physik über seinen Feind Aristo- genstände, ehe sie uns gegeben werden,
teles überlegen fühlen durfte. Durch die etwas festsetzen soll. Es ist hiermit
rein mathematische Auffassung der Na- ebenso, als mit den ersten Gedanken des
tur, die seit Galilei üblich wurde, von Kopernikus bewandt, der, nachdem es
Aristoteles aber, wie das zweite Meta- mit der Erklärung der Himmelsbewe-
physik-Zitat zeigt, abgelehnt wird, weil gungen nicht gut fortgehen wollte,
Zahlen kein substantielles Sein haben, wenn er annahm, das ganze Sternen-
verliert sich die von Aristoteles als Rea- heer drehe sich um den Zuschauer, ver-
lität gedachte Bewegung in einer scha- suchte, ob es nicht besser gelingen
blonenhaften Abstraktion. Ferner verlie- möchte, wenn er den Zuschauer sich
ren mit der ebenfalls seit Galilei durch- drehen, und dagegen die Sterne in Ruhe
brechenden Ersetzung des Substanzbe- ließ.“32 Goethe lobt den Heliozentris-
griffs durch den Quantitätsbegriff die mus noch in seinem Todesjahr 1832 oh-
subrationalen Geschöpfe Würde, Wesen ne religiösen Respekt als die „größte, er-
und Sein. Für den Materie–Geist-Dua- habenste, folgenreichste Entdeckung,
lismus sind die Weichen gestellt. Die die der menschliche Geist je gemacht
Astronomie ist dann die autonome Ein- hat, wichtiger als die ganze Bibel.“33
zelwissenschaft ohne jeden Verweischa- Auch Nietzsche sieht im Kopernikanis-
rakter, die wir heute kennen. mus eine Weichenstellung, freilich zum
Nihilismus: „Seit Kopernikus scheint
D. Philosophische Tragweite der kopernika- der Mensch auf eine schiefe Ebene gera-
nischen These ten, – er rollt immer schneller nunmehr
aus dem Mittelpunkte weg – wohin? ins
Nichts?“34 Siegmund Freud urteilt über
I. Gab es überhaupt eine „kopernikanische die kopernikanische Wende in der ihm
Wende“? eigenen Weise: „Die zentrale Stellung
Ja, aber nur in der Optik, die uns das der Erde war ihm (scil. dem Menschen)
18. Jahrhundert aufgesetzt hat. Es war aber eine Gewähr für ihre herrschende
Immanuel Kant, der Kopernikus als Rolle im Weltall und schien in guter
Ahnvater der Wendung zum Subjekt Übereinstimmung mit seiner Neigung,
feierte: „Bisher nahm man an, alle unse- sich als Herrn dieser Welt zu fühlen. Die
re Erkenntnis müsse sich nach den Ge- Zerstörung dieser narzißtischen Illusion
genständen richten. (...) Man versuche ... (fügte der) menschliche(n) Eigenliebe
es daher einmal, ob wir nicht in den ihre erste, die kosmologische Kränkung
Aufgaben der Metaphysik damit besser (zu)“.35 Zwar berühren die hier aus dem
25
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Verschiedenes

großen Chor herausgegriffenen aufklä- kluge Herrscher sollten die Frechheit


rerischen und nachaufklärerischen Epo- der Geister zügeln!“39.
chendeuter mit Goethes Ausnahme alle Nun fand Kopernikus jedoch nicht
etwas Wahres, nur eines nicht: Im Früh- den von Melanchthon geforderten
jahr 1543, als Kopernikus sein Werk ver- Herrscher, der ihn zügelte. Der Papst,
öffentlichte und wenige Wochen darauf unter dem das Tridentinum einberufen
starb, trat kein „Bewußtseinswandel“ wurden, Paul III. (1534 - 49), der Wid-
ein. Der Kopernikus-Forscher Hans mungsträger von „De revolutionibus“,
Günter ZEKL: „Gedruckt wurden 1000 nahm es ohne Kritik auf.40 Pauls III.
Stück, in ansprechender Aufmachung, Aufgeschlossenheit gegenüber Wissen-
doch so voller Fehler, daß man nach zu- schaft und Kunst (Gönner Michelange-
sätzlichem Vergleich mit dem unterdes- los) ließen Kopernikus und seinen Kreis
sen, nach Copernicus’ Tode, auch zur auf eine wohlwollende Aufnahme hof-
Verfügung stehenden Autograph als- fen. Galilei spricht sogar, freilich nicht
bald in Form eines Doppelblatts ein ohne Absicht, von einer „guten Aufnah-
ausführliches Verzeichnis der Errata me“.41 – An der Universität Salamanca
nachreichen mußte, das indessen von gehörte die Beschäftigung mit Koperni-
einem modernen Herausgeber [Zeller kus zum Fach Astronomie, wie Walter
1949, d. Verf.] selbst als ‘schlampig ge- BRANDMÜLLER darlegt.42
arbeitet und reich an Fehlern’ charakte- Der Protestant und Kopernikaner Jo-
risiert wird. Mehr wurde zur Korrektur hannes Kepler war aus dem protestanti-
... nicht unternommen. (...) Die Wirkung schen Württemberg, wo seine Mutter
ist zunächst auch gering.“36 später als Hexe angeklagt wurde43, we-
Aufgrund ihres einseitigen Biblizis- gen seiner Ansichten vertrieben44 wor-
mus waren sich die untereinander ge- den und ging seinen Forschungen im
spaltenen Protestanten in der Ableh- Dienst der katholischen Kaiser Rudolf
nung der kopernikanischen Theorie ei- II. und Matthias I. nach.45
nig; so Calvin: „Wer wird es wagen, die Auf der anderen Seite war schon
Autorität von Kopernikus über die des 1520 das Werk eines italienischen Prie-
heiligen Geistes zu stellen?“37, Luther: sters namens Celio Calcagnini veröf-
„Der Narr will die gantze Kunst Astro- fentlicht worden, das auf einem niedri-
nomiae umbkeren. / Aber wie die heili- geren Erklärungsniveau dieselbe These
ge Schrift anzeiget / so hies Josua die vertrat, die Kopernikus berühmt ma-
Sonne stillstehen / und nicht das Erd- chen sollte. Es trug den Titel „Che il cie-
reich“38, und Melanchthon: „Es gibt da lo sta fermo e la terra si muove“ („Daß
Leute, die glauben, es sei ein hervorra- der Himmel fest steht und die Erde sich
gender Fortschritt, eine so absurde Be- bewegt“).46 Calcagnini blieb unbeach-
hauptung zu verfechten wie dieser sar- tet. Tycho Brahe hingegen, der erste ma-
matische Astronom, der die Erde be- thematisch exakte Astronom vor Kepler
wegt und die Sonne anheftet. Wahrlich, und wie dieser am Prager Kaiserhof
26
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Verschiedenes

Abb. 3: Der Holzschnitt des


Populärastronomen Flammarion,
der im 19. Jahrhundert lebte, ist
so geschickt gemacht, daß er bis
vor wenigen Jahren als Original-
holzschnitt aus dem
16. Jahrhundert galt.

tätig, hielt grundsätzlich am geozentri- am besten die geistesgeschichtliche Be-


schen Weltbild fest.47 Noch für das 18. deutung des Kopernikus wieder: Ko-
und 19. Jahrhundert, als die Kirche pernikus der Perspektivist. In De revolu-
längst Kopernikus anerkannt hatte, läßt tionibus findet sich eine Stelle, auf die
sich protestantischer Widerstand gegen Kant möglicherweise anspielt: „Jede in
die Heliozentrik belegen.48 Erscheinung tretende Ortsveränderung
Ein eindrucksvolles Zeugnis, wie nämlich findet statt entweder auf
stark im 19. Jh. das Bedürfnis war, den Grund von Bewegung des beobachte-
Zeitgenossen des Kopernikus eine Ah- ten Gegenstandes oder auf Grund sol-
nung der kopernikanischen Wende zu cher des Beobachtenden oder auf
unterstellen, ist die Tatsache, daß ein als Grund von – selbstverständlich unglei-
Inbegriff des frühneuzeitlichen Weltge- cher – Veränderungen beider ... . (...)
fühls geltender Holzschnitt (Abb. 3) Wenn man dagegen zugäbe, daß der
auch in seriösen Veröffentlichungen in Himmel von derlei Bewegung nichts an
die 30er Jahre des 16. Jhs. datiert wird, sich hat, sondern die Erde es ist, die sich
während er nur die gelungene histori- von Sonnenuntergang nach Sonnenauf-
stische Phantasie eines holländischen gang dreht: wenn jemand das, bezogen
Graphikers namens Camille Flammari- auf den bei Sonne, Mond und Sternen
on aus dem Jahr 1888 ist.49 erscheinenden Auf- und Untergang,
ernsthaft in die Betrachtung einbezöge,
II. Warum es dennoch eine „kopernikani- so wird er finden, daß das ein bestehen-
sche Wende“ gab der Tatbestand ist“ (I, 5; ZEKL a.a.O.
Das oben angeführte Zitat Kants aus 101).
der „Kritik der reinen Vernunft“ gibt Nun ist die Einbeziehung der Per-
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Verschiedenes

spektive des Betrachters in die Beobach- biet bloß in unserm subjektiven Den-
tung weder die Tat des Kopernikus ken, und darf derhalben keine objektive
noch die Kants, sondern ein Ergebnis Wirklichkeit zugetheilet werden“ (ib.
des spätmittelalterlichen Nominalis- 1002). Es ist interessant, daß die Vorar-
mus, der nicht das Sein, sondern das Er- beiter des neuen physischen Weltbildes
kennen zum Ausgangspunkt der Philo- Nominalisten waren, z.B. Pierre d’Ailly
sophie machte. Nach seinem Stand- (+ 1425, Kugelgestalt der Erde) und Ni-
punkt gehen unsere Begriffe nicht mehr kolaus von Oresme (+ 1382, Drehbewe-
auf ein essentielles, vorgegebenes Sein. gung der Erde). Vielleicht ist es ver-
Es gibt nur noch universalia post rem, al- früht, von diesen Philosophen als Sub-
so im Denken des einzelnen. Wilhelm jektivisten zu sprechen. Besser ist viel-
von Ockham (+ vor 1349), der „Fürst
leicht die Bezeichnung Perspektivisten.
der Nominalisten“ (princeps nominali-
Es ist merkwürdig, daß sich um die
um), lehrt über das universale: „Das, was
Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert
als erstes und direkt als universale be-
nicht nur der Nominalismus an den
zeichnet wird, ist nur ein Seiendes in
der Seele und besteht so nicht in der Sa- Universitäten ausbreitete, sondern auch
che“50). Der Neuscholastiker Albert die perspektivische Darstellung in der
Stöckl dazu kommentierend: „Das All- Malerei. Besonders zu nennen wäre hier
gemeine (bei Ockham) ist ausschließlich Giotto (1266 - 1337), der gewöhnlich als
in die Subjektivität zu verlegen; das All- Ausgangspunkt der modernen und
gemeine ist ein bloßes Produkt unseres Ver- Überwinder der byzantinisch-mittelal-
standes. In der objektiven Wirklichkeit terlichen Malerei verstanden wird.
gibt es kein Allgemeines, sondern nur
einzelnes“ (a.a.O. 1000). Solche (Fortsetzung folgt)
Grundsätze sind von den apriorischen
Anschauungs- und Verstandeskategori-
en Kants inhaltlich nicht weit entfernt.
In Ockhams Formulierung: „Die Gat- Anmerkung
tung (genus) ist keine außerhalb der
Seele bestehende Wirklichkeit (res), die 27 Schon Thema des V. Laterankonzils (Sitzung vom
sich auf das Wesen der Dinge bezieht, 1. Dez. 1514). Es spricht für Kopernikus’ astrono-
mische Kompetenz, daß er von einem Konzilsteil-
von denen es ausgesagt wird. Vielmehr
nehmer um ein Gutachten gebeten wurde. (Vgl.
ist es ein Gedanke (intentio) der Seele, der
ZEKL a.a.O. LXIV f. und Anm. 124)
von einer Vielheit von Dingen ausge-
28 Jürgen TEICHMANN, Wandel des Weltbildes.
sagt werden kann; freilich steht er nicht Astronomie, Physik und Meßtechnik in der Kultur-
für sich, sondern für die Dinge, die er geschichte, 3. Aufl. Stuttgart, Leipzig, Zürich
bezeichnet“ (Log. l. 1 c. 20, nach 1996, 75.
STÖCKL a.a.O. 1002, Anm. 3). Dazu 29 Nach: Mainzer Allgemeine Zeitung vom
STÖCKL: „So hat die Gliederung der 28.02.1998 in ihrer Meldung über die letztjährige
Dinge in Gattungen und Arten ihr Ge- 10tägige Merkursichtbarkeit Ende März.
28
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Verschiedenes

30 „A coup sûr, Galilé est loin d’avoir fourni les 44 „On sait que l’astronome protestant Képler dut
épreuves démonstratives“, Dictionnaire de Théo- quitter le Wurtemberg, sa patrie, à cause de ses
logie catholique Bd. 6b a.a.O. 1079. opinions coperniciennes“, Dictionnaire de Théolo-
31 „La théorie du mouvement de la terre autour du gie a.a.O. Bd. 6a, 1091.
soleil est aujourd’hui considerée comme morale- 45 Diese Bemerkung soll nicht darüber hinwegtäu-
ment certaine“, Dictionnaire de Théologie catholi- schen, daß Kepler seit 1619 auf dem Index stand
que Bd. 6b a.a.O. 1079. (Pietro REDONDI, Galilei, der Ketzer, München
32 Immanuel KANT, Vorrede zur zweiten Auflage 1989, 148), und daß das Mäzenat Rudolfs II. we-
(1787) der Kritik der reinen Vernunft, hsg. v. Ray- niger auf katholischer Gesinnung als auf einer bis
mund SCHMIDT, Hamburg 1993, 19f zur Regierungsunfähigkeit gehenden Duldsam-
33 Im Gespräch mit Kanzler Müller (1832), zitiert keit (1609 Religionsfreiheit für die böhmischen
nach: ZEKL a.a.O. LXXXIV. Protestanten) und Kunstliebe beruhte.
34 aus: Genealogie der Moral (1887), zit. nach: ZE- 46 BRANDMÜLLER a.a.O. 46.
KL a.a.O. LXXXIV 47 „Auch Tycho de Brahe ... wurde ... zur Entwick-
35 nach ZEKL a.a.O. LXXVII. lung eines eigenen Weltsystems bewogen, das
unter Wahrung des geozentrischen Prinzips eine
36 ZEKL a.a.O. LXXIV.
Verbesserung des Ptolemäus bringen sollte“,
36 Kommentar zur Genesis, zit. n. KIRCHHOFF BRANDMÜLLER a.a.O. 49. Detaillierter TEICH-
a.a.O. 145. MANN a.a.O. 112.
38 Tischrede vom 4. Juni 1539, zit. n. ZEKL a.a.O. 48 „Hier sei der Prediger an der Berliner Bethle-
LXIII. hems-Kirche, Pastor Gustav Knak, erwähnt, der
39 Brief an Burkhard Mithob (1541), zit. n. ZEKL noch im Jahre 1868 seine Attacken gegen Ko-
a.a.O. LXIII. Es darf freilich nicht unerwähnt blei- pernikus ritt“, BRANDMÜLLER a.a.O. 49; „En
ben, daß das anonyme Nachwort zur im prote- 1744, le pasteur Kohlreiff, curé de Ratzeburg,
stantischen Nürnberg erschienenen Erstausgabe préchait résolument que la théorie copernicienne
von „De revolutionibus“ vom Reformator dieser était une abominable invention du diable“, Dic-
Stadt, dem Pfarrer Andreas Osiander, verfaßt tionnaire de Théologie Bd. 6a a.a.O. 1092.
worden war (BRANDMÜLLER a.a.O. 47). 49 TEICHMANN a.a.O. 201.
40 Weder KLAUS a.a.O. 92 noch ZEKL a.a.O. 220 50 In l. sent. 1. dist. 2 qu. 7, G; zit. n. Albert Stöckl,
berichten von einer Reaktion. - Die Widmung an Geschichte der Philosophie des Mittelalters, Bd.
Paul III. war nach ZEKL a.a.O. 220 ein Vorschlag 4, Mainz 1864, 1000. ähnlich: Universale est in-
des mit Kopernikus eng befreundeten Bischofs tentio animae, nata praedicari de multis (Logica,
von Kulm, Tiedemann Giese. Der Sinn der Wid- l. 1. c 15, ib. 1001).
mung war die Unterschutzstellung der Schrift un-
ter die päpstliche Autorität (vgl. ZEKL a.a.O. 220).
41 „Bon acceuil“, Brief an Dini, nach Dictionnaire de
Théologie Catholique, Bd. 6b a.a.O. 1061.
42 „Didacus a Stunica, Doktor der Universität Sala-
manca, hatte 1584 in Toledo einen Kommentar
zum Hiob erscheinen lassen, in dem er die co-
pernicanische Theorie einfacher und einleuchten-
der als die ptolemäische genannt hatte“, ZEKL
a.a.O. XXV. Didacus wurde am 3.3.1616 zusam-
men mit Kopernikus auf den Index gesetzt.
43 Jürgen TEICHMANN, Wandel des Weltbildes, 3.
Auflage Stuttgart, Leipzig, Zürich 1996, 88.
29
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Fortschritt der Religion – ein Fort-Schritt?


Internationale Verflechtungen der Fokolarbewegung

Teil 1
von Dr. Regina Hinrichs

Wie Chiara Lubich bei der ökumeni- Des weiteren sind die Gen Rosso und
schen Versammlung in Graz im Som- die Gen Verde zu erwähnen, nämlich
mer 97 sagte, gehören zu der 1943 ge- die männliche und die weibliche Mu-
gründeten Fokolar-Bewegung über sikgruppe der Fokolare; und schließlich
90 000 feste Mitglieder; hinzu kommen die Gen-S, die Seminaristen, denn die
über 2 Millionen Menschen in über 180 Fokolar-Bewegung verfügt über eigene
Ländern, die mit ihr in Verbindung ste- Ausbildungsstätten für Priester. Nicht
hen. Chiara Lubichs monatliches ‘Wort ohne Grund spricht die Gründerin von
des Lebens’, ein Kommentar der Grün- ‘unseren’ Theologen und ‘unserer’
derin zu einer Bibelstelle, wird in 84 Theologie – wir werden auf diese Punk-
Sprachen übersetzt. Des weiteren te zurückzukommen haben.
gehören zu der Bewegung 27 Verlage. In regelmäßigen Abständen stattfin-
Es gibt zahlreiche Formen der Zu- dende Gen-Feste, die Sommer-Treffen,
gehörigkeit: von einer verbindlichen die sog. Mariapoli, und monatliche
Lebensform in kleinen Gemeinschaften, weltweite Telephonkonferenzen sorgen
deren Mitglieder nach den evangeli- für den Zusammenhalt dieses weitver-
schen Räten zölibatär leben, über ver- zweigten Organismus; sie geben geistli-
heiratete Fokolarine, die ebenfalls die che Impulse und verbreiten Nachrich-
Gelübde ablegen bis hin zur freiwilligen ten aus der Bewegung. Außerdem gibt
Mitarbeit in einer der offenen Bewegun- es die festen Siedlungen – heute insge-
gen. So entstand 1956 die Bewegung der samt 19 – wie das 1964 entstandene
Freiwilligen, d.h. der Laien ohne äußere Loppiano bei Florenz, zu dem weitere
Verpflichtungen, eine Bewegung, aus Siedlungen in der Schweiz, in Deutsch-
der wiederum die Bewegung für eine land, in Afrika, den USA, in Argentinien
neue Gesellschaft entstand. Aus dieser und auf den Philippinen hinzugekom-
erwuchs das Internationale Büro für men sind.
Wirtschaft und Arbeit, das Beraterstatus So ist in rund 50 Jahren ein beachtli-
bei der UNO genießt. ches weltumspannendes Werk entstan-
Daneben müssen die verschiedenen den, das sich bis auf den heutigen Tag
Gen-Bewegungen (von ital. generatio- ständig weiter ausbreitet und sich der
ne) genannt werden: die der jungen Er- Unterstützung durch zahlreiche Diöze-
wachsenen, die der Jugendlichen und sanpriester, Ordensleute, Bischöfe, Kar-
die der Kinder, die alle mit dem Zusatz dinäle und durch den Papst erfreuen
versehen sind: ‘für eine geeinte Welt’. kann. Die Wertschätzung, die der Hl.
30
MB Februar 99 19.06.1999 12:09 Uhr Seite 31

Verschiedenes

Vater der Fokolar-Bewegung entgegen- ‘Magna Charta’ unseres neuen Lebens


bringt, zeigt sich z.B. in der Tatsache, sein.“1
daß er die Audienzhalle in Castelgan- „Das Fokolar ist“, so sagt Chiara Lu-
dolfo dieser Bewegung zur ausschließli- bich, „eine kleine Gemeinschaft mitten
chen Nutzung zur Verfügung stellte. in der Welt. Die Fokolare bzw. die Foko-
Nachdem wir in kurzen Zügen den larinnen unterscheiden sich nicht von
äußeren Aufbau dieses Werkes Mariens der Welt, kleiden sich und arbeiten wie
– so der offizielle Name der Bewegung – die anderen. Und doch ist diese Ge-
skizziert haben, wollen wir uns nun der meinschaft etwas Besonderes, denn sie
Frage zuwenden, auf welchen Grundla- besteht aus Menschen, die ‘die Welt’
gen dieses in der Tat beeindruckende verlassen haben, ihre Heimat, ihre Fami-
Werk errichtet worden ist. Welches sind lie, ihre Arbeit, um ihr Leben für die
die geistigen bzw. geistlichen Funda- Einheit in der Welt einzusetzen.“2
mente, die die Basis dieser Bewegung Welche Einheit ist gemeint? Worauf
bilden? beruht sie? In einer Telephonkonferenz
Es sind drei Grundgedanken, die für definiert Chiara Lubich die Einheit fol-
Chiara Lubichs Werk richtungweisend gendermaßen: „Einheit ist das, was aus
sind: der gemeinsamen Suche nach ein und
1) Jesu Bitte: ut unum sint; derselben leuchtenden Wahrheit folgt.“3
2) seine Verheißung: wo zwei oder drei Fundament der Einheit ist also nicht
in meinem Namen versammelt sind, die eine bestimmte Gruppe von Men-
da bin ich mitten unter ihnen, und schen verbindende Grundüberzeugung,
3) die Verlassenheit Jesu am Kreuz, die die geoffenbarte Wahrheit, auf die diese
in seinem Schrei ‘Mein Gott, mein Menschen im Glauben antworten, son-
Gott, warum hast du mich verlas- dern etwas anderes. Was die Gründerin
sen?’ zum Ausdruck kommt. der Fokolar-Bewegung unter Einheit
Diese drei Punkte sind aufs engste versteht und was u.E. einen Schlüssel
miteinander verknüpft durch den Ge- zum Verständnis der Tatsache, daß ihre
danken der Einheit: „In einem Luft- Bewegung sich weltweit ausbreiten
schutzbunker, den nur eine Kerze er- konnte, liefert, wird deutlich in der
hellte, lasen wir eines Tages im Evange- Schilderung dessen, was sie nach der
lium. In besonderer Weise fühlten wir Verleihung des Templeton-Preises in
uns angezogen vom Gebet Jesu um die London erlebte:
Einheit, wie es das Johannesevangelium „Nach meiner Rede in der Guildhall
überliefert. Wir lasen es von Anfang bis in London schienen mir alle Anwesen-
Ende und waren selbst verwundert, daß den – sie gehörten verschiedenen Reli-
uns diese Worte nicht mehr so schwierig gionen an – eins zu sein. Ich fragte mich:
erschienen; ja, wir hatten den Eindruck, Woran hat das wohl gelegen? Vielleicht
sie ein wenig zu verstehen. Schon da- daran, daß fast alle an Gott glaubten
mals wurde uns klar: Das wird die und er uns in diesem Moment sozusa-
31
MB Februar 99 19.06.1999 12:09 Uhr Seite 32

Verschiedenes

gen alle umfangen hat? Als ich hinaus- ke, an der Einheit unter den Religionen
ging, kamen als erste ausgerechnet An- mitzuarbeiten, nimmt deutliche Gestalt
gehörige anderer Religionen auf mich an.
zu: Ein Mönch aus Tibet sagte mir, er Wie kann diese als weltumspannend
werde sofort dem Dalai Lama in Indien
gefaßte Einheit erreicht werden? Die
schreiben, damit er sich unverzüglich
hier angezielte Einheit entsteht und be-
mit mir in Verbindung setze. Vier Juden
steht im Sich-Eins-Machen mit den Brü-
sagten mir mit großer Freude, daß das
Alte Testament im Grunde der Stamm dern. Sich-Eins-Machen bedeutet:
ist, auf den das Neue Testament aufge- zuhören, sich für die Angelegenheiten
pfropft ist. Sie schienen sagen zu wol- des anderen interessieren, ihm zustim-
len, daß auch die Entwicklung unserer men, ihn in seinem Geschmack bestär-
Bewegung auf diesem Stamm gründet. ken, enge Freundschaft schließen. Die-
Danach kamen Sikhs, Hindus und an- ses Sich-Eins-Machen bedeutet aber
dere.“4 noch mehr: „sich die verschiedenen, oft
Dieses hier geschilderte Erlebnis so reichen Kulturen, die manchmal tau-
deutet Chiara Lubich dahingehend, daß sendjährigen Traditionen, ganz zu eigen
in jenem Augenblick Jesu Gebet ‘ut un- zu machen und in ihnen den Keim der
um sint’ Wirklichkeit geworden sei: Frohen Botschaft aufgehen zu lassen.“ –
„Auch wenn wir verschiedenen Religi- so Chiara Lubich in ihrer Ansprache
onsgemeinschaften angehörten, wir wa- ‘Der Priester heute’, in der sie u.a. aus-
ren eins geworden... Vielleicht weil alle führt, der Priester von heute müsse in
an Gott glaubten und er uns in diesem erster Linie ein Mann des Dialogs sein.
Augenblick gewissermaßen alle um- Da die Einheit der Wille Gottes ist
gab.“5 Der erstaunte Christ fragt sich al-
(Jesu Gebet: ut unum sint!), da die Fo-
lerdings: wie ist es möglich, daß die an-
kolar-Bewegung an der Verwirklichung
wesenden Christen, buddhistischen Ti-
dieser Einheit arbeitet, ist sie im Namen
beter, Juden, Hindus und Sikhs alle an
Jesu tätig – und so kann Chiara Lubich
Gott glauben? An welchen Gott? Der
dreifaltige Gott, den Christen bekennen, auf Jesu Wort verweisen: wo zwei oder
kann es wohl nicht sein. drei in meinem Namen versammelt
sind, da bin ich mitten unter ihnen, und
Von dieser Erfahrung in London
sie kann konsequenterweise die Schluß-
ausgehend, greift die Fokolar-Bewe-
gung immer weiter über die engen folgerung ziehen: dieses eben zitierte
Grenzen der Konfessionen hinaus, ja Wort Jesu ist „für die Bewegung die
auch über die des Christentums, wie es Norm der Normen, das, was absolut
ja schon angedeutet wurde. Chiara Lu- Vorrang hat: die Gegenwart Christi un-
bich zeigt sich besonders beeindruckt ter uns. So bekommt die göttliche Brü-
von der Tatsache, daß nach dieser Rede derlichkeit, die Jesus für die ganze
in London Buddhisten, Juden, Sikhs sie Menschheit auf die Erde gebracht hat,
ansprachen, sie einluden – der Gedan- Sinn und Leben.“6
32
MB Februar 99 19.06.1999 12:09 Uhr Seite 33

Verschiedenes

Jesus ist in unserer Mitte, so sagt sie,


wenn wir die gegenseitige Liebe, die
sein Wille ist, verwirklichen: sie schafft
die Einheit; und so ist Jesus „eine enor-
me Hilfe für eine lebendige Ökume-
ne.“7 Mit seiner Hilfe, so führt sie aus,
finden wir die Brüderlichkeit wieder,
die das gegenseitige Verstehen erleich-
tert und jahrhundertealte Vorurteile zu-
nichte macht.8
Damit kommen wir zum dritten
Grundpfeiler der Spiritualität der Foko-
lare, dem Kreuz, genauerhin der Verlas-
senheit Jesu am Kreuz. Den Schrei, den
der Herr in seiner Todesstunde aus-
stößt, deutet sie folgendermaßen:
„Durch ihn, durch seinen Schrei kön-
nen wir uns über die vielen Wunden,
Trennungen und Spaltungen hinaus für
die Wiederherstellung der Einheit der
Kirche engagieren. Durch ihn haben
wir zahlreiche Kirchen und Bekenntnis-
se kennengelernt, ihre Besonderheiten
erfaßt und sie schätzen gelernt; wir
fühlen uns als Geschwister, verbunden Chiara Lubich mit Papst Johannes Paul II. bei
durch die Taufe und die gegenseitige einem sog. Gen-Fest
Liebe.“9 log ist der Weg, und zwar nicht nur der
Glaubensspaltungen beruhen, so ha- interkonfessionelle, sondern, da wir es
ben wir gesehen, auf Vorurteilen, auf ja mit einer über die Grenzen des Chri-
der Verschiedenartigkeit der Mentalitä- stentums hinausreichenden Bewegung
ten und der kulturellen Prägung.10 zu tun haben, der interreligiöse Dialog.
Folglich ist der Weg, der aus diesen In den internationalen Organisatio-
schmerzlichen Differenzen und Spal- nen und Gremien, denen dieser Dialog
tungen herausführt, der Dialog, nicht am Herzen liegt, nimmt Chiara Lubich
die Mission, die sich dem Auftrag Chri- seit langem einen hervorragenden Platz
sti verpflichtet weiß: gehet hin in alle ein. Wir müssen uns daher nun dieser
Welt und lehret alle Völker, d.h. verkün- Frau im Hinblick auf die großen inter-
det ihnen die geoffenbarte Wahrheit nationalen Anerkennungen, die sie im
und befreit sie von den Irrtümern, in Laufe ihres Lebens erhalten hat, zuwen-
denen sie befangen sind – nein: der Dia- den.
33
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Verschiedenes

Die Preise, die Chiara Lubich verlie- ter ‘Fortschritt in der Religion’ zu ver-
hen wurden, sind zahlreich und zeugen stehen sei, sagt der Prospekt der Tem-
von der hohen Anerkennung, die ihr pleton-Gesellschaft recht deutlich, näm-
von vielen Seiten zuteil wird: lich: wie es in jedem anderen Bereich
1977 Templeton-Preis menschlicher Erfahrung und menschli-
chen Bemühens einen Fortschritt gibt,
1988 Preis zum Augsburger Friedens-
so auch auf dem Gebiet der Religion.
fest
Wie wir in anderen Disziplinen ein
1996 Verleihung der Ehrendoktorwür- sich ständig beschleunigendes Voran-
de der katholischen Universität schreiten zu verzeichnen haben, so muß
Lublin es auch in der Religion sein: ein sich er-
1997 Preis für Friedenserziehung der weiterndes Universum erfordert ein
UNESCO und Verleihung der Eh- entsprechend erweitertes Bewußtsein
rendoktorwürde der katholischen der geistigen Dimension und Fähigkei-
Universität von Manila, Taipeh ten, die dem Menschen zur Verfügung
und Bangkok stehen. Daher liegt die Absicht bei der
Hand in Hand mit der internationa- Preisvergabe darin, das Bemühen um
len Würdigung dieser Frau geht die weiterreichendes Verständnis und Pio-
wachsende internationale Anerken- nierleistungen im Bereich des religiösen
nung der Fokolar-Bewegung und deren Wissens zu ermutigen, und dies mit
Einbeziehung in Organisationen, mit dem Ziel, auf diese Weise ein vertieftes
denen eine Zusammenarbeit offenbar geistliches Bewußtsein zu fördern sowie
möglich oder wünschenswert ist. ein besseres Verständnis dessen, was
der Sinn des Lebens ist, Hingabe und
An erster Stelle soll hier der 1972 Liebe anzuregen, das Leben des Men-
von Sir John Templeton gestiftete Tem- schen immer mehr mit dem Willen
pleton-Preis, der seit 1973 jedes Jahr ver- Gottes in Übereinstimmung zu bringen
liehen wird und mit mehr als 1 Million und so neue und schöpferische Energi-
Dollar der am höchsten dotierte Preis en für das Zusammenleben der Men-
der Welt ist, vorgestellt werden. Zu den schen freizusetzen.
bisherigen Preisträgern gehören Mutter
Synkretismus – der Versuch, vonein-
Teresa, Roger Schutz, Kardinal Suenens,
ander abweichende Glaubensüberzeu-
C.F. v. Weizsäcker, ein Buddhist, ein gungen miteinander zu verbinden und
Moslem, ein Rabbiner, ein Hindu und zu versöhnen – soll ausdrücklich ver-
eben auch Chiara Lubich. mieden werden. Der Preis will vielmehr
Sir John stiftete seinen Preis als Ge- die Verschiedenartigkeit der Religionen
genstück zum Nobelpreis. Wie dieser unterstreichen und Verständnis für die
den Fortschritt auf dem Gebiet der Na- Vielfalt religiöser Überzeugungen und
turwissenschaften würdigt, so will jener Ausdrucksformen wecken. Daher hat
den Fortschritt auf dem Gebiet der Reli- Toleranz einen hohen Stellenwert. Ver-
gion anerkennen und fördern. Was un- ständnis für Religion im Sinne von
34
MB Februar 99 19.06.1999 12:09 Uhr Seite 35

Verschiedenes

re-ligio zu wecken ist Sir Johns Anlie- Einzelnen: – Da fragt man sich denn
gen. doch voll Staunen, wie auf dem offenbar
Die Frage nach Wahrheit oder Irrtum so steinigen Boden der Kirche bis in die-
stellt sich nicht. Es geht vielmehr dar- se 50er Jahre hinein eine solche Fülle
um, den Menschen zu helfen, die „Un- von Heiligengestalten, eine wahre Wol-
endlichkeit des universalen Geistes“11 ke von Zeugen, wachsen konnte!
zu erkennen sowie die Vielfalt der We- Das neue Gebot, das im Zentrum der
ge, auf denen der Schöpfer sich Men- Fokolar-Bewegung steht, ‘liebet einan-
schen offenbart. Ob hier ein nach christ- der’, erstreckt sich auf alle Menschen,
lichem Verständnis persönlicher Gott fährt der Templeton-Text fort; das Wort
gemeint ist, bleibt offen, denn wenige Pius XII., das 20. Jahrhundert sei das
Zeilen später ist die Rede von ‘dem Jahrhundert des mystischen Leibes
Göttlichen’ (the Divine) – die Vermu- Christi, wird in diesem Zusammenhang
tung liegt nahe, daß hier wohl eher der angeführt, da es als die Ausbreitung der
Allmächtige Baumeister aller Welten im gegenseitigen Liebe verstanden wird.
Spiel ist. Wenn wir entsprechend leben, so wird
Warum wurde Chiara Lubich wür- gesagt, bedeute es gegenseitige Achtung
dig befunden, den Templeton-Preis zu zwischen Staaten und Völkern, Vermin-
bekommen? Was bewog die Juroren, derung der Angst voreinander und die
diese Entscheidung zu treffen? Die Ver- Überwindung von Schranken. Des wei-
öffentlichung der Templeton-Stiftung teren wird lobend hervorgehoben,
über Chiara Lubich hebt hervor, die Fo- Chiara Lubich und ihre Tätigkeit stehen
kolar-Bewegung habe der Welt deutlich im Dienst der Kirche und des Öku-
gemacht, daß es heute nicht mehr aus- menismus.
reiche, einer institutionalisierten Kirche Uns erscheinen die hier hervorgeho-
anzugehören. Während – so wörtlich! – benen Werte als sehr fragwürdig, be-
die Profis der 50er Jahre die Kirche als zeichnen sie doch eben jene Tendenzen
Corpus Christi mysticum bezeichneten, und Umwertungen, deren wachsenden
besteht der Fortschritt darin, daß jetzt Einfluß in der Kirche wir als eher zer-
vom ‘Volk Gottes’ gesprochen wird und störerisch denn als aufbauend erleben.
daß die Erfahrung, daß Christus das Le- Es ist daher zu fragen: hat Chiara Lu-
ben des Einzelnen ändern kann, hervor- bich den Preis tatsächlich verdient oder
gehoben wird – genau dies sei das hat man sie und ihre Intention vielleicht
Kennzeichen der Fokolar-Bewegung. mißverstanden und umgedeutet?
Ein weiterer Fortschritt – wir folgen Hören wir daher Chiara Lubich
der Templeton-Veröffentlichung – liegt selbst und was sie zu den Themen ‘neue
in der neuen Akzentuierung der Spiritu- Sicht der Kirche’ und ‘Ökumenismus’
alität: sie sei nicht länger traditionell un- zu sagen hat.
persönlich und abstrakt, sondern basie- In ihrer Dankansprache nach der
re auf der persönlichen Erfahrung des Preisverleihung geht sie ausführlich auf
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Verschiedenes

die Ausdehnung ihres Werkes über die die Welt gekommen, um für die Wahr-
Grenzen der Kirche, ja über die Grenzen heit Zeugnis abzulegen“; die Warnung
des Christentums hinaus ein. Sie er- vor falschen Propheten, die Verurtei-
wähnt die Juden, mit denen uns die Of- lung des Götzendienstes, der Hinweis
fenbarung in gewisser Hinsicht verbin- auf Christus als den Eckstein, an dem
det; bei den Moslems hebt sie mit Be- sich die Geister scheiden und unzählige
wunderung deren beharrliches Festhal- andere.
ten an der Religion hervor; bei den Hin- Das große Ziel, das sich die Fokolar-
dus betont sie den Vorrang der Liebe: Bewegung gesteckt hat, ist – wir sahen
„Wir lieben sie so wie sie sind“, sagt sie, es bereits – die Einheit, und zwar die
„und wir suchen gemeinsam die Wahr-
Einheit unter den Christen, dann, wei-
heiten, die uns am meisten verbinden,
ter ausgreifend, die Einheit unter den
um sie gemeinsam zu leben und um un-
Religionen, und schließlich die Einheit
sere Erfahrungen auszutauschen in un-
der ganzen Menschheit. In der Mitar-
serem Einsatz für Gott und die Brü-
beit an der Verwirklichung dieser Ein-
der.“12 In Anlehnung an die schon ge-
heit sieht Chiara Lubich die Erfüllung
nannten Gen-Bewegungen, so fährt sie
des Willens Gottes, denn, so sagt sie:
fort, nennen sich die mit der Fokolar-
„Jesus ist auf die Erde gekommen, da-
Bewegung verbundenen Andersgläubi-
mit alle eins seien. Am Kreuz, in der
gen ‘Moslem-Gen’, ‘Buddhisten-Gen’
usw. Verlassenheit, hat er dafür sein Leben
gegeben. Wir wollen jetzt dabei helfen,
Die Tatsache, daß Anhänger dieser dies zu verwirklichen: das Werk Mari-
Religionen völlig verschiedene Gottes-
ens hat sich die Einheit aller Menschen
bilder und demzufolge auch ebenso
zu seiner besonderen Aufgabe ge-
verschiedene Auffassungen vom Men-
macht.“14
schen, von Leben und Tod, von Aufer-
stehung oder Reinkarnation haben – Folgerichtig besteht die ökumeni-
um nur einige Punkte zu nennen – die- sche Arbeit der Fokolar-Bewegung „in
se Tatsache spielt offensichtlich keine der Schulung und Sensibilisierung der
oder nur eine untergeordnete Rolle. Katholiken für die Einheit der Christen
Nur die Liebe zählt, sagt Chiara Lubich, sowie in der geschwisterlichen Gemein-
und das Bemühen darum, an einer Welt schaft mit Christen, die anderen Kir-
der Liebe mitzuarbeiten.13 chen angehören.“15 Ebenso folgerichtig
Das Evangelium zu leben ist Chiara ist, daß die Fokolar-Bewegung auch den
Lubichs Anliegen; aber an einem Punkt Angehörigen anderer Religionen offen-
wie diesem muß doch die Frage erlaubt steht.
sein, wie selektiv dieses Evangelium Ganz im Sinne dessen, was die Tem-
hier gelebt wird. Welchen Stellenwert pleton-Stiftung über den gewandelten
haben Aussagen Jesu wie diese: „Ich bin Kirchenbegriff sagt, äußert sich Chiara
nicht gekommen, den Frieden zu brin- Lubich und bestätigt damit, daß man
gen, sondern das Schwert“; „ich bin in ihr mit Recht diesen Preis zuerkannt
36
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hat. Auch sie ist der Ansicht, die Kirche beiführen: „Jede Kirche ist im Lauf der
habe mit dem Zweiten Vatikanischen Jahrhunderte gewissermaßen in sich
Konzil einen großen Schritt nach vorn selbst erstarrt aufgrund des Umsichgrei-
getan, wofür sie zahlreiche Anzeichen fens von Gleichgültigkeit, mangelndem
sieht: die Kollegialität und den Vorrang Verständnis, wenn nicht sogar Haß ge-
der Liebe. Sie bekennt sich klar und ein- genüber den anderen Kirchen. In jeder
deutig – so in ihrer Rede bei der öku- braucht es ein Mehr an Liebe; ein Strom
menischen Versammlung in Graz im Ju- der Liebe müßte die Christenheit erfas-
ni 1997 – zu der einen und einzigen Kir- sen... Eine Liebe, die dazu führt, alles
che, die Christus gestiftet hat, aber, so gemeinsam zu haben, jeder ein Ge-
fügt sie hinzu: „Hier tritt m.E. die fun- schenk für die anderen zu sein.“17
damentale Bedeutung der Ekklesiologie Auch hier wird die Frage nach der
zutage. Doch um welche Ekklesiologie Wahrheit nicht gestellt; die eine Kirche,
handelt es sich da?“16 an deren Errichtung es mitzuarbeiten
Auf Kardinal Willebrands, der bei gilt, ist also nicht die una sancta catholi-
der Verleihung des Templeton-Preises ca Ecclesia, die in der Einheit mit sich
an sie das Wort ergriffen hatte, anspie- selbst, in der Einheit ihrer Lehre und ih-
lend, erläutert sie, daß die Vertiefung ei- res Kultes bis auf den heutigen Tag be-
ner Ekklesiologie der Communio die steht, sondern: „Man könnte sich die
große Chance für die Ökumene der Zu- Kirche der Zukunft so vorstellen, daß
kunft sei; die Bemühungen um die Ein- die Wahrheit nur eine einzige ist, sich
heit der Kirche, sagt sie, müssen von aber auf verschiedene Weise ausdrückt,
dieser Ekklesiologie ausgehen. Aus die- unter verschiedenen Blickwinkeln er-
sem Grund sind, so fährt sie fort, der schlossen wird und in einer Vielfalt von
Ökumenische Rat der Kirchen und an- Deutungen ihren ganzen Reichtum an
dere Institutionen auf der Suche nach ei- den Tag legt.“18
ner ökumenischen Spiritualität. Spal- Um diese Vision von Kirche zu ver-
tungen, die die Kirche im Lauf der letz- wirklichen, bedarf es, so führt sie aus,
ten 2000 Jahre erschüttert haben, be- eines weitgefaßten Dialogs, der das
zeichnet sie als „Meinungsverschieden- ganze Volk Gottes einschließt: „Dieser
heiten“, die auf einen Mangel an Liebe Dialog bewirkt, daß das große, den
der Christen untereinander zurückzu- Christen gemeinsame Erbe... noch mehr
führen sind. entdeckt, geschätzt und bewußter von
Wie alle Christen beklagt auch sie die allen gemeinsam gelebt wird. Dieses ei-
Spaltung, die dem ausdrücklichen Wil- ne Volk, das sich hier und dort bereits
len Jesu ’ut unum sint’ zuwiderläuft. abzeichnet, wünschen wir uns überall,
Und da sie einen Mangel an Liebe als wo eine Kirche besteht.“19
Ursache dieser Spaltung betrachtet, An diesem Punkt, bei der Schaffung
könnte also ein Mehr an Liebe die verlo- der Kirche von morgen, hat die Fokolar-
rengegangene Einheit wieder her- Bewegung ihren Platz, ihre Aufgabe: ex-
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Verschiedenes

emplarisch lebt sie vor, was es weltweit der sagte, wir Katholiken haben das
noch zu schaffen gilt. Angehörige von große Glück, der Diktatur des Zeit-
rund 500 Kirchen, sagt Chiara Lubich, gemäßen enthoben zu sein!
lassen ihr Leben von dem in der Bewe-
gung gelebten Charisma prägen. Um es (Fortsetzung folgt)
noch einmal hervorzuheben: es geht
hier keineswegs nur um die Einheit un-
ter den Christen, sondern um eine viel Anmerkungen
weiter gefaßte Einheit, zu deren Schaf- 1 Wo Zwei oder Drei... Die Fokolar-Bewegung; Ent-
fung der Dialog mit Angehörigen ande- stehung – Spiritualität – Initiativen, 4. Aufl. Mün-
rer Religionen höchst hilfreich ist. chen 1992, S. 14
2 Chiara Lubich, Gespräche mit der Gründerin der
Bezugnehmend auf das Werk Mari- Fokolar-Bewegung, Verlag Neue Stadt. 2. Aufl.
ens spricht sie (bei der Verleihung der München 1988, S. 36
Ehrendoktorwürde der Universität Ma- 3 Gordon Urquhard, Im Namen des Papstes, Droe-
nila) von unserer Doktrin, unseren Theo- mer Knaur, München 1995, S. 52
logen: wie aus der Erfahrung eines hl. 4 Chiara Lubich, Die Welt wird Eins, Neue Stadt
Franz von Assisi eine neue Doktrin er- München, 2. Aufl. 1992, S. 22
wuchs, wie Thomas von Aquin nicht 5 Chiara Lubich, Gespräche..., S. 25
der doctor communis ist, sondern auch 6 a.a.O., S. 59
7 a.a.O., S. 60
der Theologe seines Ordens, so sieht sie
8 a.a.O., S. 60
heute die Aufgabe ihrer Theologie dar-
9 C. Lubich, Die Welt wird Eins, S. 118
in, das der Fokolar-Bewegung eigene
10 a.a.O., S. 118
Charisma der Einheit in die Gesamtkir- 11 „the infinity of the Universal Spirit“, Second Bro-
che einzubringen: schure on the Templeton Foundation Prize, ap-
„Dieses Charisma der Einheit schafft pendix c, S. 145, 1976.
also die Voraussetzungen, damit eine 12 We love them as they are... seek together the
große Theologie Jesu entstehen kann truth which most unite us in order to live them to-
gether and to tell each other about the experien-
(die es also offenbar bisher nicht gab!),
ces which show our concern for God and our bro-
nicht des Jesus von vor 2000 Jahren, thers ... Templeton-Veröffentlichungen Kap. 9, S.
sondern des Jesus, der heute in der Kir- 128f.
che lebt.“20 13 a.a.O., ‘a world of love’ S. 129
Das Wörtchen ‘heute’ ist in solchen 14 C. Lubich, Jesus der Verlassene und die Einheit,
Zusammenhängen immer verräterisch: Verlag Neue Stadt, 2. Aufl. 1992, S. 56
15 C. Lubich, Die Welt wird Eins, S. 116
Christus heri – hodie – et in saecula! Es
16 C. Lubich, Eine Spiritualität der Versöhnung
ist immer derselbe; und daher ist es sehr
EÖV2. Graz S. 2
bedenklich, wenn hier ein Gegensatz 17 a.a.O., S. 4
zwischen dem historischen Jesus und 18 a.a.O., S. 4
dem heute in Seiner Kirche lebenden 19 a.a.O., S. 6
aufscheint. Da fallen uns unwillkürlich 20 Rede zur Verleihung der Ehrendoktorwürde in
die berühmten Worte Chestertons ein, Theologie von der St. Thomas-Universität in Ma-
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Liturgischer Kalender
Februar
1.2. Montag Fest d. hl. Ignatius (3. Kl.)
2.2. Dienstag Fest Mariä Reinigung (Lichtmeß)
3.2. Mittwoch Wochentag (Ged. des hl. Blasius)
4.2. Donnerstag Fest d. hl. Andreas Corsini (3. Kl.)
5.2. Freitag Fest d. hl. Agatha (3. Kl.)
6.2. Samstag Fest d. hl. Titus (3. Kl.); (Ged. der hl. Dorothea)
7.2. Sonntag Sonntag Sexagesima (2. Kl.)
8.2. Montag Fest d. hl. Johannes von Matha (3. Kl.)
9.2. Dienstag Fest d. hl. Cyrill von Alexandrien (3. Kl.)
10.2. Mittwoch Fest d. hl. Scholastika (3. Kl.)
11.2. Donnerstag Erscheinung d. Unbefl. Jungfr. Maria in Lourdes(3. Kl.)
12.2. Freitag Fest d. 7 hll. Gründer des Servitenordens (3. Kl.)
13.2. Samstag Mariensamstag
14.2. Sonntag Sonntag Quinquagesima (2. Kl.)
15.2. Montag Wochentag (Ged. d. hll. Faustinus u. Jovita)
16.2. Dienstag Wochentag
17.2. Mittwoch Aschermittwoch (1. Kl.)
18.2. Donnerstag nach Aschermittwoch
19.2. Freitag nach Aschermittwoch
20.2. Samstag nach Aschermittwoch
21.2. Sonntag Erster Fastensonntag (Invocabit)
22.2. Montag Thronfest d. hl. Apostels Petrus (2. Kl.)
23.2. Dienstag n. d. 1. Fastensonntag (Ged. d. hl. Petrus Damianus)
24.2 Mittwoch Quatembermittwoch (2. Kl.) Fest des hl. Matthias (2.
. Kl.)
25.2. Donnerstag n. d. 1. Fastensonntag
26.2. Freitag Quatemberfreitag (2. Kl.)
27.2. Samstag Quatembersamstag
28.2. Sonntag Zweiter Fastensonntag (Reminiscere)
39
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Heilige Messen
Ort Name PLZ, Straße Tel. Meßzeiten s
DEUTSCHLAND
Aachen Kapelle St. Petrus Canisius 52072, Brüggemannstr. 12 0201/664922 9.15/18.00 (1. u.
Altötting Kapelle Maria Hilf 84503, Dr. Hiemer Str. 3 08671/13201 9.00
Augsburg siehe Königsbrunn
B. Friedrichshall Kirche Sieben Schm. Mariens 74177, Ulmenweg 4 06321/32260 9.00 bzw. 18.00
Berlin Kapelle St. Petrus 10961, Mehringdamm 64 030/7859225 9.30/ 18.30 (Fr), 8
Bonn Priorat Christkönig 53111, Kaiser Karl Ring 32 a 0228/679151 8.00, 10.00/ 7.15,
Brilon Wald Karmel St. Josef 59929, Korbacher Str. 89 02961/6445 10.00/ 8.00
Spiritual 59929, Korbacher Str. 99 02961/908134
Diestedde Don-Bosco-Gymnasium 59329, Lange Str. 1 02520/93040 10.00/6.40
Essen Priorat St. Bonifatius 45356, Bottroper Str. 295 0201/664922 8.00, 9.30/ 7.15, 1
Freiburg Kapelle St. Antonius v. Padua 79114, Wiechertstr. 2B 07643/6980 9.00 bzw. 18.00
Fulda Kapelle M v.d. Immerw.Hilfe 36037, Heinrichstr. 45 0661/72674 9.30 oder 17.00
Göffingen Priorat Hl. Geist 88527, Biberacher Str. 2 07371/93640 8.00, 9.30/ 7.15, 1
Noviziat St. Pius X. (wie Priorat) 07371/13736
Hagstedt Kapelle Herz Jesu u. Mariä 49429 0201/664922 9.30
Hamburg Kapelle St. Theresia v. Avila 22297, Alsterdorfer Str. 210 040/5116813, 8320283 10.30/ 18.00 (Fr)
Hannover Kapelle St. Ansgar 30419, Hartungstr. 11 02520/93040 9.30 bzw. 17.00
Hattersheim Kapelle St. Athanasius 65795, Schulstr. 7 06190/2644, 0711/89692929 8.00, 10.00/ 18.00
Häusern Kloster Marienberg 79837, Haselwies 10 07672/328 8.45/ 7.00
Heilbronn siehe Bad Friedrichshall
Karlsruhe Kirche Herz-Jesu 76187, Sudetenstr. 93 06321/32260 9.00 bzw. 18.00/1
Kaufbeuren Kapelle Hl. 14 Nothelfer 87600, Dr. Muschak-Str. 14 07371/93640 9.00/ 1. Fr 19.00
Kleve Kapelle Maria, Trösterin d. Betr. 47533,Van Bracht-Steege 0201/664922 18.00 (1. u. 3. So
Koblenz Kapelle Mariä Heimsuchung 56073, Bahnhofsweg 6 0261/408246, 0228/679151 10.00/ 18.00 (Fr),
Köln Kapelle Hl. Drei Könige 50668, Am Salzmagazin 6 0228/679151 10.00/ 18.30 (Mi),
Königsbrunn Kapelle Mutter vom Großen Sieg 86343, Keltenstr. 9 08231/34146, 08236/5395 9.00/ verschieden
Lübeck St. Katharinenkirche 23552, Königstr. 27 0201/664922 -/ 17.30 (Sa)
Memmingen Kapelle St. Josef 87700, Tummelplatzweg 15 089/712707 7.45, 9.30/ 19.00
Miltenberg Kapelle St. Judas Thaddäus 63897, Mainzer Str. 14 06321/32260 9.00 bzw. 16.00
München Priorat St. Pius X. 81369, Johann Clanze Str. 100 089/712707 7.30, 9.30/ 6.30, 1
Neustadt Priorat Hl. Familie 67433, Mandelring 36 06321/32260 8.00, 9.30/ 7.15 (
Nürnberg Kapelle Unbefleckte Empfängnis 90513, Angerzeile 14 09451/1225, 3659 9.45 bzw. 15.00
Offenburg Kapelle St. Konrad 77654, Werderstr. 2 07643/6980 9.00 bzw. 18.00/
Passau Rosenkranz-Kapelle 94032, Kapuzinerstr. 75 09451/1225 So 8.10 Rosenkra
Reutlingen Kirche Hl. Kreuz 72770, Im Staudfuß 9 0711/89692929 9.00/ 18.45 (Di), 1
Rheinhausen Priorat St. Michael 79365, Kronenstr. 2 07643/6980 9.00/ 6.30 (Mo, M
Saarbrücken Priorat St. Maria zu den Engeln 66119, Julius Kiefer Str. 11 0681/854588 7.45, 9.30/ 7.00 (
40
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Meßzeiten sonntags/werktags

9.15/18.00 (1. u. 3. Mi) Nähe Ponttor


9.00

9.00 bzw. 18.00 Kochendorf


9.30/ 18.30 (Fr), 8.00 (Sa), übrige Tage anfragen U-Bahn Mehringdamm (U6 u. U7)
8.00, 10.00/ 7.15, 8.00 (Sa), 18.00 (Di, Fr)
10.00/ 8.00

10.00/6.40 Wadersloh
8.00, 9.30/ 7.15, 17.45 Bergeborbeck
9.00 bzw. 18.00
9.30 oder 17.00
8.00, 9.30/ 7.15, 19.30 (Do zusätzlich), 1. Fr u. Sa nur 19.30

9.30 bei Vechta


0283 10.30/ 18.00 (Fr) Alsterdorf
9.30 bzw. 17.00 Vinnhorst
92929 8.00, 10.00/ 18.00 (Do, Fr), 8.00 Sa
8.45/ 7.00

9.00 bzw. 18.00/18.30 (Fr) Knielingen


9.00/ 1. Fr 19.00 Neugablonz
18.00 (1. u. 3. So) Nähe Stiftskirche
9151 10.00/ 18.00 (Fr), 8.00 (Sa) Moselweiß
10.00/ 18.30 (Mi), 8.00 (Sa) beim Ursulaplatz
/5395 9.00/ verschiedene Zeiten bei Augsburg
-/ 17.30 (Sa)
7.45, 9.30/ 19.00 bzw. 19.30 (Sommer) (Fr, 1. Sa), 7.15 (Sa)
9.00 bzw. 16.00
7.30, 9.30/ 6.30, 18.00 (außer Mo), 8.00 (Sa) U-Bahn: Partnachplatz (U6)
8.00, 9.30/ 7.15 (außer Di, Fr: 19.00) N. (Weinstraße); Haardt
9.45 bzw. 15.00 Nürnberg-Zirndorf
9.00 bzw. 18.00/ 19.00 (1. Fr)
So 8.10 Rosenkranz, 9.00 hl. Messe Innstadt
9.00/ 18.45 (Di), 19.30 (1. Fr) Betzingen
9.00/ 6.30 (Mo, Mi)/ 19.00 (Do, Fr), 7.00 (Sa), 20.00 (1. Sa) Niederhausen
7.45, 9.30/ 7.00 (Mo, Mi, Do, Sa), 17.40 (Di, Fr)
41
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Ort Name PLZ, Straße Tel. Meßzeiten s


Schönenberg St. Theresien-Gymnasium 53809, St. Vinzenz-Str. 2 02295/5082, 5163 10.00/6.35
Schramberg Kapelle Sel. Bernhard von Baden 78713, Hardtstr. 4 0711/89692929 9.00 bzw. 18.00;
Siegen Kapelle St. Trinitas 57072, Tiergartenstr. 37 0228/679151 17.00
Stuttgart Distriktsitz St. Athanasius 70469, Stuttgarter Str. 24 0711/89692929 7.30,9.30/ 7.15, 1
Sulzberg Kapelle Unbefl. Herz Mariens 87477, Bundesstr. 309 08376/8458 9.00
Überlingen Priorat St. Josef 88662, Litscherweg 2 07551/2266 7.30,9.30/ 7.00 (
Weihungszell Seniorenh. St. Josef 88477, Maienfeld 5 07347/6010 7.30, 9.30/ 6.40 (
Priorat St. Christophorus 88477, Kapellenstr. 12 07347/921690 siehe oben
Würzburg Konferenzsaal d. Hbf 0931/72281 15.00 (gewöhnlic
Zaitzkofen Priestersem. Herz Jesu 84069, Hauptstr. 26 09451/1225, 3659 8.00, 10.00/ 7.15

SCHWEIZ –––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Balsthal siehe Oensingen
Basel Priorat St. Theresia v. K. Jesu 4057, Schliengerweg 17 061/6923377 8.00, 10.00/7.00
Carouge Kapelle St. Joseph 1227, Av. du Card. Mermillod 9 022/3426232,7922319 8.30, 10.00, 19.0
Chexbres Karmel Marie Reine des Anges 1605, Cremières 021/9462910,9463206 7.45/ 8.00
Delémont Hl. Geist-Kirche 2800, 1,rue de la Prévóté 062/2161818 9.15/ 18.30 (werk
Ecône Priesterseminar St. Pius X. 1908 027/7443525 7.20, 8.30,10.00/
Enney Exerzitienhaus Domus Dei 1667 026/9211138 7.45/ 7.15
Freiburg Kapelle ULF Hüterin d. Glaubens 1700, 3 bis, route-Neuve 026/9211138 9.30/ 18.45 (Di, D
Genf (siehe Carouge und Onex)
Glis (Brig) Kapelle Hl. Antlitz 3902, Zwingartenstr. 56 027/9233901, 7443525 8.00 (alle 14 Tag
Goldau Kapelle Maria Hilfe d. Christen 6410, Hügelweg 8 041/3608832,7553647 9.30/ 19.15 (Mi)
Lausanne Kapelle Charles B. u. Reg. Pacis 1005, avenue Avant-Poste 7 021/3112814, 026/9211138 8.30, 10.00/ anfr
Luzern Kapelle St. Josef 6005, Tribschenstr. 51 041/3608832,7553647 7.30, 9.15/ 19.15
Mels Institut Sancta Maria 8887 081/7234423 8.30 (nicht an all
Menzingen Generalhaus M. Verkündigung 6313, Schloß Schwandegg 041/7553636 7.30/ 7.15
Monthey Kapelle St. Antoine 1870, Av. du Simplon 100 027/3064666, 024/4772351 9.30/ 8.00 (Mi, F
Montreux Kirche ULF v. Lepanto 1820, rue de la Gare 24 026/9211138 10.15/ 19.00 (Mi,
Oberriet Priorat St. Karl Borromäus 9463, Staatsstraße 87 071/7612726 8.30,10.00,19.00
Oensingen Kirche Herz-Jesu 4702, Staadackerstr. 4 062/2161818 9.15/ 7.15 (Mo),
Onex Schule St. François de Sales 1213, 23, rue Gaudy-Le-Fort 022/7934211 -/ 7.15
Rickenbach Distriktsitz St. Niklaus v. Flüe 4613, Solothurner Str. 11 062/2161818 7.15/ 7.15
Riddes Kapelle Sts Coeurs de J. et M. 1908 027/3064666 9.30, 19.00/ 19.3
Siders Priorat Herz Jesu 3960, rue des Lacs 25 027/4555322 8.30, 18.00/ 6.45
Sitten Kapelle Hl. Familie 1950, rue de la Bourgeoisie 027/3228102,4555322 7.45,10.30/ 18.00
St. Gallen Kapelle St. Pius X. 9000, Zürcher Str. 68a 071/9122933 9.00/ 18.30 (Mi, 1
Uznach Kapelle St. Meinrad 8730, Im Städtchen 8 081/7234423 jeden 2. Sonntag
Wil Priorat Hl. Familie 9500, Florastr. 3 071/9122933 7.30, 9.30, 19.30
42
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Meßzeiten sonntags/werktags
3 10.00/6.35 b. Ruppichteroth
9.00 bzw. 18.00; im Winter 9.00 bzw. 17.00 Sulgen
17.00
7.30,9.30/ 7.15, 18.00 (Mo. Do, Fr) Feuerbach
9.00 Bodelsberg 5 (Kempten)
7.30,9.30/ 7.00 (Mo, Do), 7.30 (Sa), 18.30 (Di, Fr) Mi, 19.00 hl. Messe in Scheidegg
7.30, 9.30/ 6.40 (Fr 18.30)
siehe oben
15.00 (gewöhnlich 3. Sonntag)
9 8.00, 10.00/ 7.15, 17.15

––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––

8.00, 10.00/7.00 (Mo-Do), 19.00 (Di, Mi,-Fr), 8.00 (Sa) Kapelle im Schl.weg 33
2319 8.30, 10.00, 19.00/ 18.30 (außer Sa 9.00)
3206 7.45/ 8.00
9.15/ 18.30 (werktags jeden Freitag) Ecke rue de Chaux
7.20, 8.30,10.00/ 7.15 (Festtage 6.50), 17.30 bei Riddes
7.45/ 7.15
9.30/ 18.45 (Di, Do, Fr., 1. Sa, 13.) Eingang PROMS, Bhf

43525 8.00 (alle 14 Tage)


3647 9.30/ 19.15 (Mi)
9211138 8.30, 10.00/ anfragen
3647 7.30, 9.15/ 19.15 (Di, Fr), 7.15 (sonst)
8.30 (nicht an allen So)/Mo-Sa unregelmäßig
7.30/ 7.15
4772351 9.30/ 8.00 (Mi, Fr), 18.00 (1. Sa)
10.15/ 19.00 (Mi, 1. Fr),17.30 (1. Sa)
8.30,10.00,19.00/ 7.00+18.00, (Di) 19.00
9.15/ 7.15 (Mo), 19.15 (Do, Sa u. 1. Fr im Monat)
-/ 7.15
7.15/ 7.15
9.30, 19.00/ 19.30 nahe Sägerei Fournier
8.30, 18.00/ 6.45 (Mo), 18.30 (Mi-Fr), 7.15 (Sa)
5322 7.45,10.30/ 18.00 (Mo-Mi, Fr), 7.45 (Do, Sa) hinter dem Bahnhof
9.00/ 18.30 (Mi, 1. Fr)
jeden 2. Sonntag (in Mels anfragen)/ 18.45 (Mo)
7.30, 9.30, 19.30/ 7.15, 18.45 (Di), 19.30 (Do), 18.45 (Fr), 8.00 (Sa), 18.00 (1. Sa)
43
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Ort Name PLZ, Straße Tel. Meßzeiten


Zürich Kapelle Christkönig 8048, Im Struppen 11 062/2161818 10.00/ 19.15 (Mi,

ÖSTERREICH ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Graz Kapelle St. Thomas von Aquin 8010, Körösistr. 17 01/8121206 9.00 oder 17.00
Innsbruck Priorat Maria Hilf 6020, Höttingergasse 14 0512/273826 9.00/ 7.15 (Di, D
Jaidhof Distriktsitz Kath. Bildungshaus 3542 02716/6515 9.00/ 7.15, 17.4
Klagenfurt Kapelle St. Hemma von Gurk 9020, Villacher Ring 5 01/8121206,0463/507873 9.00 oder 17.00
Lienz Kapelle Maria Miterlöserin 9900, Rohracherstr. 7 04852/70995, 02716/6515 18.00 (jeden 2.
Piesendorf Kapelle Herz Jesu 5721, Walchen 51 0512/273826 18.00 (einmal im
Salzburg Kapelle St. Pius X. 5020,Schillinghofstr. 6 0512/273826 9.00 (einmal im
Ternberg Haus St. Josef 4452, Breitenfurt 55-57 02716/6515 9.00, manchma
Wien Priorat St Klemens M. Hofbauer 1120, Fockygasse 13 01/8121206 7.15 (Di-Fr), 8.0
Kirche St. Josef 1070, Bernardgasse 22 01/8121206 7.00, 9.00 (So+
(vom Ausland: 00431/8121206)
UNGARN ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Budapest Hotel Flandria 1135, Szegedi ut 27 10.00 (3. So im
TSCHECHIEN ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Prag 4 Chodovská tvrz Ledvinowa ul. 9 10.00 (1. So im
Brünn Radnická 10 Sa vor dem 1. S
SÜDTIROL ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Spinges Pfarrkirche 39037 6.30, 9.00/ 7.00
St. Lorenzen 39030, Hl. Kreuz-Str. 27 8.00/ 7.30
FRANKREICH (Elsaß und Lourdes) –––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Bitsch Schule Etoile du Matin 57230 03.87-06.53.90 10.00 (auch Fe
Colmar Kapelle Saint-Joseph 68000, 22, rue Ampere 03.89-41.78.12, -389-27.10.04 10.00, So nach
Straßburg Priorat Notre Dame du Rosaire 67000, 28, rue Faub. de Pierre 03.88-22.61.06 10.00/ 18.30 (M
Mülhausen Priorat Marie Reine 68100, 195, rue de Bâle 03.89-44.66.93 10.45/ 20.30 (1
Lourdes Priorat Coeurs de Jésus et M. 65100, 1, route de Pau 05.62–94.24.42 9.00, 18.00/ 18.
ITALIEN/ROM ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Albano Laziale Pilgerhaus Fraternità San Pio X 00041 Via Trilussa 45 0039/69306816 (anfragen)
NIEDERLANDE –––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Gerwen-Nuenen Priorat St. Clemens 5674 RR Heuvel 23 040/2834505 (D: 0031) 11.30/ 18.30 (M
BELGIEN ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Antwerpen Priorat v. h. Allerh. Sacrament 2018, Hemelstr. 23 00323/2330449 7.30, 10.00 (au
Brüssel Priorat Christ-Roi 1050, Rue de la Concorde 39 00322/5500020 7.45, 9.00,10.30
Gent Kapelle Sint-Amandus 9000, Kortrijkse Steenweg 139 00323/2330449 10.00 (auch Fe
Namur Kapelle St. Aubin 5000, Rue Delvaux 10 00323/5500020 10.30/ 19.00 (M

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Meßzeiten sonntags/werktags
10.00/ 19.15 (Mi, Fr) Altstetten

–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
9.00 oder 17.00/ 17.00 (Sa) oder 7.00 (Mo)
9.00/ 7.15 (Di, Do), 19.00 (Mo, Mi, Fr), 18.00 (Sa)
9.00/ 7.15, 17.45 (Mi)
/507873 9.00 oder 17.00/ 18.00 (Sa) oder 7.30 (Mo)
716/6515 18.00 (jeden 2. Sonntag)
18.00 (einmal im Monat 9.00)
9.00 (einmal im Monat 18.00) (Sa 18.00, wenn So 9.00) Rückgebäude
9.00, manchmal 18.00
7.15 (Di-Fr), 8.00 (Sa)
7.00, 9.00 (So+Feiertag)/ 18.00 (Mo, Di, Do, Fr)
6)
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
10.00 (3. So im Monat)
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
10.00 (1. So im Monat)
Sa vor dem 1. So im Monat
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
6.30, 9.00/ 7.00 nördlich Brixen
8.00/ 7.30 Pustertal
–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
10.00 (auch Feiertage)/ 7.00 Eguelshardt-Waldeck
9-27.10.04 10.00, So nach 1. Sa zusätzlich 7.00 Nähe Fußballst. Ladhof
10.00/ 18.30 (Mi, Fr)
10.45/ 20.30 (1. Fr)
9.00, 18.00/ 18.00 (telefonisch anfragen)
–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
(anfragen)
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
: 0031) 11.30/ 18.30 (Mo, Do), 7.15 (Di, Mi u. Fr), 8.00 (Sa) tel. Ausk. auch f. Maastricht u. Den Haag
–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
7.30, 10.00 (auch Feiertage)/ 11.00 (Sa), 18.30 (sonst)
7.45, 9.00,10.30/ 7.15, 18.30 (außer Sa: 8.00)
10.00 (auch Feiertage)
10.30/ 19.00 (Mi)

45
MB Februar 99 19.06.1999 12:09 Uhr Seite 46

Termine und Daten


Ignatianische Exerzitien 1999
Deutschland
11.-16. Februar Häusern Frauen (über Fasching)
29.3.-3. April Diestedde Frauen (Karwoche)
5.-10. April Zaitzkofen Männer (Osterwoche)
10.-15. Mai Häusern Männer (Christi Himmelfahrt)
14.-19. Juni Häusern Frauen
5.-10. Juli Göffingen Schwestern
12.-17. Juli Zaitzkofen Priester
12.-17. Juli Häusern Frauen
19.-24. Juli Diestedde Brüder
9.-14. August Zaitzkofen Männer
27.8.-1. September Oberstdorf Frauen
1.-4. September Oberstdorf Mädchen (14-17 Jahre)
5.-8. September Oberstdorf Jungen (14-17 Jahre)
8.-13. September Oberstdorf Männer
4.-9. Oktober Diestedde Frauen
26.-31. Dezember Zaitzkofen Männer
Anmeldung: Priesterseminar Herz Jesu, Zaitzkofen, 84069 Schierling

Österreich
26.12.-31.12.1998 Jaidhof Männer
1.-7. Januar 1999 Jaidhof Frauen
21.-27. März Jaidhof Frauen
5.-10. April Ternberg Männer
9.-15. Mai Spinges (Südtirol) Frauen
16.-22. Mai Spinges (Südtirol) Männer
4.-10. Juli Jaidhof Männer
11.-17. Juli Ternberg Frauen
Anmeldungen: Kath. Bildungshaus, Schloß, A-3542 Jaidhof 1

Schweiz
22.-27. Februar Frauen
8.-13. März Männer
12.-17. April Frauen
11.-16. Oktober Frauen
25.-30. Oktober Männer
22.-27. November Männer
Anmeldung: Pater H. Mörgeli, Postfach 302, CH-9501 Wil SG

46
MB Februar 99 19.06.1999 12:09 Uhr Seite 47

Ferienlager 1999

Deutschland

Kleine Mädchen (8-13 Jahre)


Haus Langhärdle (Schwarzwald)
Donnerstag, den 29.7. bis Donnerstag, den 12.8.1999

Kleine Jungen (8-13 Jahre)


Haus Langhärdle (Schwarzwald)
Freitag, den 13.8. bis Freitag den, 26.8.1999

Wallfahrten 1999
Italien
vom 26.4. - 5.5.1999
Loreto, Rimini, Lanciano, San Marco de Limas, San Giovanni Ro-
tondo, Monte Sant Angelo, Mugnano, Montecassino, Rom (2. Mai:
Seligsprechung von Pater Pio), Orvieto, La Verna, Padua, Trient
Anmeldung: Frau Auguste Erne, Am Vogelherd 25, 88099
Neukirch, Tel/Fax 07528/2702

Frankreich – Lourdes
26. April – 4. Mai

Italien – Rom
4. – 16. Oktober
Informationen bei: Glattal-Reisen, Tel. 07544/91292 Fax
07455/91293

Heilig-Land-Wallfahrt
Israel – Jordanien – Sinai
vom 4. bis zum 18. September

Anmeldung: Exerzitienwerk, Kronenstr. 2, 79365 Rheinhausen


(Fax: 07643/4883)
47
MB Februar 99 19.06.1999 12:09 Uhr Seite 48

Das Kirchenjahr
im gregorianischen Gesang
– auf CD! –

Die erste
Doppel-CD
liegt vor.

Sie enthält die


Messen vom
1. Adventsonntag
bis zum Fest der
Erscheinung des
Herrn

Doppel-CD: 50 DM
2 Audio-Kassetten: 30 DM

Erhältlich an den Schriftenständen oder


direkt bei:

Schola Bellarmina – Diffusion


21, av. Charles Plisnier – B-1070 Brüssel
Fax: 0032.2.523.61.74

48
MB Februar 99 19.06.1999 12:09 Uhr Seite 49

Aus unserem Cassettenangebot

Ärztetagung, Vorträge, 5 Kassetten 35,00 DM


Fischlin, W.: Prälat Robert Mäder, sein Leben 12,00 DM
Schmidberger: Geheimnis der Gnade, Geheimnis der Bosheit 8,00 DM
Schmidberger: Die Vorbereitung der Menschwerdung im AT 13,00 DM
Schmidberger: Das Fernsehen 13,00 DM
Ecône: Beerdigung von Erzbischof Lefebvre 9,00 DM
Wilhelm: Katholisch sein gestern und heute 10,00 DM
Don-Bosco-Gymnasium: Salve Regina 9,00 DM
Der Bruder an der Pforte (Hl. Bruder Konrad) 8,00 DM
Der Psalter 8,00 DM
Die hl. Philomena (3 Teile) 18,00 DM
Msgr. Fellay: Gibt es eine Kirchenkrise? 10,00 DM
Raffalt, Der Antichrist (2 Teile) 20,00 DM
Schönenberg: Geistliche und weltliche Chorsätze 10,00 DM


Bestellung des Mitteilungsblattes
Ich erhalte bisher das Mitteilungsblatt nicht zugeschickt, bin aber am regelmäßi-
gen Bezug interessiert und bitte hiermit um Zustellung (bis auf Widerruf).
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formular bei, das jedoch unverbindlich ist. - Bestelladresse siehe letzte Seite (Impressum).
Vorwort

Aus der Priesterbruderschaft

„Nachfolge im Opfer“ ........................1


Mission in Indien ................................4
Erfahrungen eines
Chinamissionars ................................10

Verschiedenes

„Alter Wein in neue Schläuche“? ..12


Wer schaffte das Latein in der
Messe ab?............................................16
Die kopernikanische Wende
(Teil 2)..................................................22
Fortschritt der Religionen –
ein Fort-Schritt? (Teil 1) ....................30

Liturgischer Kalender ......................39

Heilige Messen ................................ 40

Termine und Daten ......................... 46


Liebe Freunde und Wohltäter, liebe Gläubige,

wenn ein Pfarrer seine Gemeinde verläßt und dabei erklärt,


• daß „Herz und Verstand“ ihn zur Tradition führten,
• daß er dorthin gehe, wo „mutige Hirten die Notlage der Kirche längst erkannt und
sich für den wahren Gehorsam entschieden haben“,
• daß dieser wahre Gehorsam gegenüber dem katholischen und apostolischen Glauben
aller Zeiten bestehe, „nicht gegenüber einer verworrenen Kirchenversammlung und
ihren unglücklichen Vollstreckern“,
so ist dies sicher kein alltäglicher Vorgang (siehe S. 7ff). Welche Folgerungen können
gezogen werden?
1. Es braucht viel persönlichen Mut, daß ein Priester mit solcher Konsequenz ein Be-
kenntnis zum traditionellen katholischen Glauben ablegt. Muß er nicht damit rechnen,
daß man ihm ein solches „Vergehen“ viel übler ankreiden wird, als wenn er z.B. seine
Berufung aufgegeben hätte?
2. Es zeigt sich, daß es bei der Auseinandersetzung mit den „Traditionalisten“, un-
ter denen die Priesterbruderschaft St. Pius X. die Speerspitze bildet, um viel mehr geht
als „nur“ um die traditionelle Liturgie. Gewisse Richtungen haben sich viele Verdienste
um die Rettung der traditionellen Liturgie erworben, aber sie sind auch in Gefahr, an-
gesichts eines auf sehr lange Zeit angelegten Kampfes vorzeitig zu erlahmen, wenn
nicht die ganze Dimension der Kirchenkrise erkannt wird: die dogmatische Grundlage
des gesamten Glaubens ist durch den Modernismus erschüttert, und damit insbesonde-
re auch die Existenz des katholischen Priesters.
3. Es ist geradezu verblüffend, wie ähnlich die Feststellungen eines katholischen
Pfarrers aus dem Jahre 1999 den Feststellungen von Erzbischof Lefebvre sind, der vor
nunmehr 29 Jahren sein Werk (mit kirchlicher Approbation) gründete, vor 23 Jahren
suspendiert wurde, vor 11 Jahren exkommuniziert, alleine deshalb, weil er dem Nie-
dergang nicht tatenlos zuzusehen bereit war.
4. Schließlich ist es ein Zeichen der Hoffnung für die Gläubigen der Tradition, daß
die Konzeption vom katholischen Priestertum im überlieferten Sinne an Boden gewinnt
und sich ausbreitet. Die Kirche hat lange genug ihr Licht unter den Scheffel gestellt und
gemeint, sich mit Rückzügen und Klein-Beigeben die Gunst der Welt erkaufen zu kön-
nen. Nun stehen die Heere von Lila-Stolen-Trägerinnen, Basisgemeindlern, Kirchen-
volksbegehrern und Priesteramtsanwärterinnen vor den Toren und fordern die Schlei-
fung der letzten dogmatischen Festungen. Die Amtskirche wird sich irgendwann ent-
scheiden müssen, ob sie weiterhin nachgibt (und damit preisgibt) oder sich endlich zu
einer konsequenten Abwehr aufrafft, die alleine auf dem Boden des traditionellen Glau-
bens erfolgen kann.
Die Schmerzensmutter Maria, der vorhergesagt wurde, daß auch ihr Herz ein
Schwert durchdringen werde, möge allen Gläubigen und insbesondere den Priestern
beistehen, daß sie die Schätze des Glaubens freudig bewahren.
Stuttgart, 18. Februar 1999 Pater M. Heggenberger
MB März 99 19.06.1999 12:11 Uhr Seite 1

Aus der Priesterbruderschaft

„Ein Zeichen, dem widersprochen wird“


Predigt von Msgr. Bernard Tissier de Mallerais zur Einkleidung am 2. Februar 1999

„Sieh, dieser ist bestimmt zum Falle vor mir bereite“ (das ist der hl. Johan-
und zur Auferstehung vieler in Israel, nes der Täufer, der Vorläufer Jesu Chri-
und zu einem Zeichen, dem widerspro- sti); und er fügt hinzu: „Dann kommt
chen wird“ (Lk 2,34) sofort zu seinem Tempel der Herr, den
ihr erwartet, und der Bundesengel, den
ihr herbeiwünscht. Siehe, er kommt,
Liebe Seminaristen, an diesem heu-
spricht der Herr der Heerscharen“ (Mal
tigen Hochfest Mariae Reinigung op-
3,1).
fern Sie das erste Mal Ihr Selbst Gott
auf. Wie die Allerseligste Jungfrau Ma- Mit all diesem scheint die Sendung
ria freudig und sich der Bedeutung ih- Jesu, des wahren Messias, so vollkom-
rer Geste voll bewußt ihren erstgebore- men übereinzustimmen! „Wer aber er-
nen und einzigen Sohn Jesus Christus tägt den Tag seines Kommens? Und
nach dem Gesetz des Herrn im Tempel wer hält stand bei seinem Erscheinen?“
dargebracht hat, so sind auch Sie bereit, Nicht der König Herodes, nicht die Ho-
Ihr Selbst Gott aufzuopfern und Ihm zu henpriester und Schriftgelehrten seines
weihen. Mit Freude machen Sie diesen Volkes, sondern nur arme Hirten, frem-
ersten Schritt zum Altar Gottes, zu dem de Weise und heute der greise Simeon
Ort des Priesters, weil der Altar der Ort und die alte Anna!
des Priesters ist! Aber mit welchem Glauben, durch
Maria hat das Vorgefühl der Zu- welches Licht von oben erleuchtet,
kunft: sie weiß, daß derjenige, welcher nimmt der heilige Greis das Kindlein in
von Gott gesandt wird, um „die Söhne seine Hände! Siehe, er prophezeit und
Levis zu reinigen und zu läutern wie sagt: „Sieh, dieser ist bestimmt zum Fal-
Gold und Silber, damit sie für den le und zur Auferstehung vieler in Israel,
Herrn geeignet werden, in rechter Wei- und zu einem Zeichen, dem widerspro-
se Opfer darzubringen“ (Mal 3,3), daß chen wird!“ (Lk 2,34)
jener zugleich der Priester und die Op- Zeichen des Falles für jene, die Ihn
fergabe eines neuen Opfers sein wird! nicht anerkennen, die Ihn nicht anneh-
Des Opfers des Neuen und Ewigen men; und Zeichen der Auferstehung für
Bundes; des Opfers des neuen und ewi- diejenigen, die Ihn suchen, die Seine
gen Priestertums nach Melchisedech! Sendung verstehen und anerkennen!
Der Prophet Malachias, dessen Buch Angesichts der Ruinen der nach-
das letzte des Alten Testaments ist, hat- konziliaren Revolution wurde Erzbi-
te nämlich vorhergesagt: „Siehe, ich schof Lefebvre ein Zeichen des Wider-
sende meinen Boten, daß er einen Weg spruchs. Und die Prophezeiung des
1
MB März 99 19.06.1999 12:11 Uhr Seite 2

Aus der Priesterbruderschaft

Vor der Einkleidung


werden die Soutanen
gesegnet

greisen Simeon verwirklicht sich noch gen sind in der Kirchengeschichte von
heute. der göttlichen Vorsehung erweckt wor-
Sie sind auch, liebe Seminaristen, den, um genau das Priestertum Jesu
Zeichen des Widerspruchs. Dies hat uns Christi in seiner Reinheit zu bewahren.
Erzbischof Lefebvre mehrmals gesagt, Damit, wie der Prophet Malachias sagt,
fast jedesmal, wenn er den angehenden „das Opfer Jerusalems und Judas – das
Kleriker angesprochen hat: „Ihr seid ein Opfer der Kirche – dem Herrn wieder
Zeichen des Widerspruchs!“ Dies hat er angenehm sei, wie in den Tagen der
immer und immer wieder gesagt. Vorzeit, wie in längst vergangenen Jah-
ren“ (Mal 3,4).
Deswegen, liebe Seminaristen, wun-
Treten Sie, liebe Seminaristen, mit
dern Sie sich nicht, wenn Sie vielleicht
Glaube in die Sendung unserer kleinen
in Ihrer Familie und in Ihrer Verwandt-
Priesterbruderschaft St. Pius X. ein, um
schaft einer gewissen Verständnislosig-
mit der Gnade Gottes einfach wahre,
keit begegnen!
echte katholische Priester zu werden.
Die Welt verlassen, eine schwarze
Liebe Mitbrüder, liebe Seminaristen,
Soutane anziehen, einer umstrittenen
liebe Gläubige!
Priesterbruderschaft beitreten: all dies
stellt Fragen, provoziert Erstaunen, gibt Es ist angebracht, daß der Bischof ih-
vielleicht Anstoß. nen ein letztes Mal die Würde und die
Pflichten der Ämter erklärt, die sie von
Aber bleiben Sie fest! Zögern Sie der Kirche empfangen.
nicht! Sie treten einfach in dieses im-
merwährende Unternehmen der katho-
lischen Kirche ein, der Bewahrung und 1. Die Soutane
der Läuterung des katholischen Prie- Sie ist das Gewand des Klerus und
stertums! So viele Priestervereinigun- des Priesters. Ihre schwarze Farbe, ihre
2
MB März 99 19.06.1999 12:11 Uhr Seite 3

Aus der Priesterbruderschaft

Der neue
Jahrgang des
Seminares nach der
Einkleidung

Weite, ihre Länge symbolisieren das Ge- spruchs für die Welt. Ihr Anblick wird
wand unserer Sterblichkeit und den Tod die Menschen scheiden; die einen, die
des alten Menschen, des Menschen der den Grundsätzen der Welt folgen und
Sünde, der sterben muß, damit Christus von bösen Geistern inspiriert sind, wer-
in uns lebe. den Ihre Soutane kritisieren und sich
Es ist das Kleid der Trauer und be- über Sie lustig machen; beten Sie für de-
deutet, daß Sie die Welt verlassen, um ren Bekehrung, damit sie begreifen.
sich dem Dienste Gottes zu weihen, Die anderen verstehen, auch wenn
dem Gottesdienst. ihnen die schwarze Soutane ein wenig
Wie zu seinen Aposteln, so spricht Furcht einflößt. Sie verstehen, daß Ihre
unser Herr Jesus heute auch zu Ihnen: Soutane ein wenig das Kreuz ist! Der
„Ich nehme euch nicht aus der Welt her- Priester trägt die Soutane, wie er das
aus, aber ihr seid nicht mehr von der Kreuz trägt, denn er ist ein Kreuzträger.
Welt.“ Lieben Sie Ihre Soutane! Behalten Sie
Die Soutane in sich selbst ist eine Ihre Soutane und sie wird Sie behalten!
Predigt, sagt Erzbischof Lefebvre in den
Statuten der Priesterbruderschaft: „Die 2. Die klerikale Tonsur
Soutane ist ein Zeugnis, eine Predigt. Sie Sie ist noch keine heilige Weihe, aber
vertreibt die bösen Geister und diejeni- sie ist eine Beförderung („promovendi“)
gen, die ihnen unterworfen sind. Sie und ein Tor zu den heiligen Weihen. Sie
zieht aufrechte und religiöse Menschen markiert Ihren Eintritt in den Kleriker-
an. Sie erleichtert das Apostolat sehr.“ stand. Klerus heißt ja pars Domini, Anteil
Die Soutane ist daher ein Zeichen am Herrn. Als Kleriker sind Sie dem
des Widerspruchs und auch Sie werden Dienst an der Kirche gewidmet. Einst, in
heute zu einem Zeichen des Wider- der Urkirche und heute wieder sind die
3
MB März 99 19.06.1999 12:11 Uhr Seite 4

Aus der Priesterbruderschaft

langen Haare ein Zeichen von Unkulti- schätzung der Gläubigen erwecken. Ih-
viertheit. Sie kurz zu tragen, ist ein Zei- re ganze Würde als Kleriker muß im In-
chen der Zivilisation. Das Abschneiden neren ihrer Seele zu finden sein.
von 5 Haarlocken bedeutet nach den „Dominus pars mea et ego pars Do-
Worten des Pontifikale Romanum das mini“ müssen Sie sagen. Der Herr ist
Ablegen der Schande der Welt. Dieses mein Anteil und mein Erbteil, und ich
Wort mag übertrieben erscheinen. Aber bin Teil des Herrn, gehöre dem Herrn,
es wird zur Realität, wenn ein ganzer ich bin dem Herrn geweiht.
Teil der männlichen Jugend in ein ver-
Liebe Seminaristen! Danken Sie dem
weichlichtes Benehmen verfällt. Sicher-
lieben Gott für Ihre heilige Priesterberu-
lich müssen die Kleriker heute mehr als
fung und für den Empfang Ihrer lieben
alle anderen Männlichkeit und männli-
Soutane und der klerikalen Tonsur!
che Tugend zeigen.
Möge die Allerheiligste Jungfrau
Aber eine andere Tugend des Kleri-
Maria, die Mutter des Hohenpriesters,
kers ist sicher die Demut. Auch wenn
Ihnen die Gnaden für Ihren heiligen
ein Kleriker durch den Empfang der
Stand gewähren, liebe zukünftige Levi-
Tonsur auf eine höhere Stufe als die Lai-
ten!
en gestellt ist, muß er sich doch durch
eine größere Demut und Einfachheit Und vielen anderen den festen
empfehlen. Wunsch eingeben, sich – wie Sie es ge-
tan haben – dem Herrn darzubringen,
Ihre Soutane, liebe zukünftige Kleri-
um eines Tages zum Altar emporzustei-
ker, erzeugt von sich aus Respekt. Möge
gen. „Introibo ad altare Dei“!
Ihr Verhalten durch Ihre Demut und
Milde das Vertrauen und die Hoch- Amen!

Im Gewerbegebiet
Memmingen-Amen-
dingen baut die
St.-Pius-Bruderschaft
ein Gotteshaus.

Foto: Allgäuer
Zeitung
4
MB März 99 19.06.1999 12:11 Uhr Seite 5

Aus der Priesterbruderschaft

Allgäuer Zeitung:

Kirchen-Konservative haben großen Zulauf


Diözese besorgt über Anwachsen der Pius-Bruderschaft

Kempten/Sulzberg/Memmingen menische und liberale Tendenzen in der


Die erzkonservative Priesterbruder- Amtskirche. Auch junge Familien orien-
schaft St. Pius in der Tradition des ver- tierten sich an der Pius-Bruderschaft,
storbenen und von der katholischen Kir- die sich als „der gesündere Teil der ka-
che exkommunizierten Bischofs Marcel tholischen Kirche“ versteht.
Lefebvre hat immer stärkeren Zulauf. „Die Entwicklung macht uns Sor-
„Die Zahl der Gläubigen steigt im All- gen“, gibt Diözesan-Pressesprecher
gäu und in Oberschwaben kontinuier- Bernhard Gattner unumwunden zu. In
lich an und liegt derzeit bei 400 bis 600“, gewisser Weise sehe man die Pius-Bru-
sagt Pater Wolfgang Dickele vom Priorat derschaft natürlich als Konkurrenz, sagt
der Bruderschaft in München. Die Zahl er. Pressemeldungen, nach denen die
der Sympathisanten sei noch weit höher. Diözese die Lefebvre-Bewegung igno-
In Memmingen bauen die Pius-Brüder riere, seien unrichtig. Gattner: „Jeder,
einen neue Kirche. Großen Zulauf hat der die kirchliche Gemeinschaft verläßt,
auch die konservative, von der Amtskir- muß für uns Anlaß zur Sorge sein.“
che aber geduldete St.-Petrus-Bruder- In der katholischen St.-Josefs-Pfarrei
schaft in Wigratzbad (Kreis Lindau). in Memmingen ärgert man sich darüber,
Im Oberallgäuer Sulzberg, in Kauf- daß die Pius-Brüder die neue Kirche
beuren-Neugablonz und in Memmin- demselben Heiligen weihen wollen. Das
gen unterhält die Pius-Bruderschaft Ka- könne zu Verwechslungen führen, be-
pellen. Im Gewerbegebiet Memmingen- fürchtet Pfarrer Erich Renz.
Amendingen ist inzwischen der Rohbau Ähnlich wie die Pius-Brüder ver-
einer romanischen Saalkirche fertigge- zeichnet auch die Wigratzbader Petrus-
stellt. „Wahrscheinlich wird sie noch Bruderschaft seit Jahren wachsenden
heuer eingeweiht“, sagt Pater Dickele Zulauf. Nach Angaben eines Sprechers
von den Pius-Brüdern in München. Fi- sind allein im Vorjahr 16 Schüler neu in
nanziert werde der Bau, der zum Groß- das Westallgäuer Priesterseminar einge-
teil in Eigenleistung erstellt wird, aus- treten. Die Petrus-Bruderschaft ist als
schließlich aus Spenden. konservatives Sammelbecken direkt
Rom unterstellt. Dort ausgebildete Prie-
„Zu uns kommen Menschen, die an
ster dürfen in Deutschland nicht in der
der überlieferten Form des Glaubens
regulären Pfarrgemeinde-Seelsorge ein-
und der heiligen Messe festhalten“, cha-
gesetzt werden.
rakterisiert Dickele die Bruderschaft.
„Der Mensch muß dem lieben Gott die-
nen, nicht umgekehrt“, kritisiert er öku- (Allgäuer Zeitung vom 29. Januar 1999)
5
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 6

Aus der Priesterbruderschaft

Herz-Jesu-Kirche in Karlsruhe eingesegnet


Für die Gemeinde in Karlsruhe hat
das Provisorium in der Kaiserstraße
endlich ein Ende. Bereits im vergange-
nen November konnte sie den ehemali-
gen Filmvorführsaal, der zu klein ge-
worden war, gegen eine richtige Kirche
eintauschen. Das neue Gotteshaus be-
findet sich auf dem Gelände der ehe-
maligen amerikanischen Kaserne. Dies
bringt Vorteil und Nachteil zugleich: da
das Gelände noch immer durch Zäune
gesichert ist und bewacht wird, ist die
Kirche zwar sicher, aber der Zugang zu
ihr zeitlich auf die Gottesdienstzeiten
beschränkt.
Jahrelang hatte das Gotteshaus nach
dem Abzug der Amerikaner leergestan-
den, bevor ein rühriger Gläubiger aus
der Karlsruher Gemeinde es entdeckte.
In mühevoller Eigenarbeit wurde der
Innenraum des Gotteshauses renoviert,
ausgemalt und mit neuen Kirchenbän-

Oben: Altarraum der Herz-


Jesu-Kirche in Karlsruhe.
Die Amerikaner hatten vor
der Übergabe des Areals an
die Bundesvermögensver-
waltung die Bedingung ge-
stellt, daß die Kirche wei-
terhin als Kirche genutzt
werden solle.

Links: Msgr. Bernard Fel-


lay, der die Einsegnung
vornahm, bei der Inzensie-
rung des Altars. Der Altar
stammt aus der früheren
Kapelle in der Kaiserstraße.
6
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 7

Aus der Priesterbruderschaft

ken versehen, die teils aus der früheren Am vergangenen 5. Februar – einem
Kapelle stammten, teils aus Zaitzkofen Herz-Jesu-Freitag – wurde die neue
geliefert wurden. Jetzt bietet die kleine Karlsruher Herz-Jesu-Kirche nun von
Kirche Sitzplätze für 140 Personen. S.E. Msgr. Bernard Fellay benediziert.

Priestertum: Erneuerung notwendig


Der Weggang von Pfr. Dr. Anton Morhard (39) aus seiner Gemeinde Hartkirchen, Bistum
Passau, hat überregionales Aufsehen erregt. Der promovierte Kirchenrechtler war bisch.
Ehebandverteidiger, Vertreter des Bistums Passau bei amtlichen Tagungen und Habilitand
an der Universität München. Nur vordergründig ist dies ein Fall von vielen anderen, bei
denen ein katholischer Priester sich aus seinem Amt zurückzieht. Denn Dr. Morhard will
seinen Priesterberuf nicht aufgeben, sondern vollwertig bewahren. Es ist wohl mehr als ein
Zufall, daß er derzeit Gastrecht bei der Priesterbruderschaft St. Pius X. genießt. Abzuwar-
ten bleibt, wie der Bischof von Passau, S.Ex. Franz Xaver Eder, sich ihm gegenüber verhal-
ten wird: Findet Dr. Morhard in seiner geistlichen Not dasselbe Verständnis wie jene Prie-
ster, die unter Preisgabe ihrer Berufung ihr Amt verlassen?
Es folgen zwei Dokumente: Ein Zeitungsbericht und der Abschiedsbrief des in der Gemein-
de geschätzten Seelsorgers an seine Gläubigen.

Passauer Neue Presse:


Nach dem Weggang des Seelsorgers:
Die Pfarrei hält zu Dr. Morhard
Hartkirchen. Betroffen und traurig ende zum Weggang von Dr. Anton Mor-
zeigten sich gestern die Gottesdienstbe- hard erklären. Doch erst am Ende des
sucher angesichts des Weggangs ihres Sonntagsgottesdienstes – die Kirche war
Pfarrers, Dr. Anton Morhard. Gram in- wie üblich besetzt – kam Pfarrer Lang
des ist dem ehemaligen Pfarradmini- kurz auf die jüngsten Vorkommnisse
strator von Hartkirchen niemand: „Das („Die Presse wußte mehr als ich“) zu
war seine persönliche Entscheidung“, so sprechen und betonte gegenüber den
die einhellige Meinung der Gläubigen. Gläubigen: „Dr. Morhard ist mein Mit-
Und dem schloß sich auch Pockings bruder.“
Stadtpfarrer Hans Lang – er zelebrierte Stellung aber wollte der Stadtpfarrer
den Gottesdienst in Vertretung für Mor- zum Verhalten des Hartkirchner Seel-
hard – an. Wie angekündigt, wollte sich sorgers nicht beziehen. Auch zu den
Prälat Lang in den Messen am Wochen- Gründen für Morhards Fortgang äußer-
7
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 8

Aus der Priesterbruderschaft

te er sich nicht. Wichtig sei nun, so


Prälat Lang, die Zukunft zu gestalten. Dr. Morhards Erklärung
Der Pfarrgemeinderat habe aus diesem Dr. Anton Morhard wandte sich ge-
Grund am Samstag getagt, um die stern mit einem Schreiben an die Öffent-
künftigen Wege für die Pfarrei zu wei- lichkeit:
sen.
„Wie in meinem ‘Offenen Brief’ zu An-
Hartkirchens Kirchgänger jedenfalls fang geschrieben, habe ich mit der Pfarrei
haben Verständnis für das plötzliche
Hartkirchen und ihren Gläubigen ganz
Verschwinden von Dr. Morhard. „Er
überwiegend gute Erfahrungen gemacht.
war in seinem Glauben nicht so mo-
Meine inneren Kämpfe rührten dagegen
dern“, meinte ein Pfarrangehöriger den
Grund zu kennen. Dessen Frau fügt er- von der Erkenntnis der allgemeinen Notla-
läuternd hinzu: „Dr. Morhard war ein ge in der Kirche Jesu Christi her. Die Kir-
paar Jahrhunderte zurück.“ chenkrise hat ihren Ursprung sicher nicht
beim ‘einfachen Volk’, wirkt allerdings zu-
Der Ex-Pfarrer weilt seit kurzem bei
der radikal-christlichen Priesterbruder- nehmend auf dieses zurück (s. z.B. sin-
schaft St. Pius X., die sich als Bewahrer kender Gottesdienstbesuch und Verlust
der Tradition der heiligen römischen der christlichen Moral!). Zu unterstreichen
Kirche sieht. Von seinem derzeitigen ist: ich verlasse die Pfarrei Hartkirchen
Aufenthaltsort – Jaidhof in Niederöster- und das Bistum Passau nicht aus perso-
reich – aus nahm der Seelsorger ge- nellen Gründen (sonst hätte ich ja nur
genüber der PNP Stellung zu seinem über den Inn oder die Isar zu wechseln
Entschluß, der Pfarrei den Rücken zu brauchen). Tatsächlich nehme ich bis auf
kehren. „Meine inneren Kämpfe rühr- weiteres die Gastfreundschaft der Prie-
ten von der Erkenntnis der allgemeinen sterbruderschaft St. Pius X. in Anspruch.
Notlage in der Kirche Jesu Christi her“, Ihre Bezeichnung als ‘radikal-katholisch’,
so Morhards Erklärung. was mit ‘radikal-christlich’ gleichzusetzen
Und eben mit dieser Krise, in der ist, kann ich gut annehmen. Radikal, d.h.
sich die Kirche heutzutage befinde, sei fest und unbeirrbar (wurzelhaft) für die ka-
der Ex-Pfarrer nicht zurechtgekommen, tholische=christliche Sache. Jedenfalls
meinte eine Hartkirchnerin. „Dr. Mor- sehe ich bei dieser Gemeinschaft im Au-
hard ist ein überzeugter Christ, er ist genblick eine Zone, wo ich mich und an-
nicht so lala, wie man es heute häufig
dere im traditionell katholischen – also ur-
bei Pfarrern sieht“, beschrieb sie den
christlichen – Sinn heiligen (nicht ‘heilen’,
promovierten Kirchenrechtler.
wie im Artikel!) kann. Sicher ist die Prie-
Mit der unmittelbaren Pfarrgemein- sterbruderschaft St. Pius X. auch insofern
de Hartkirchen hatte Morhards Ent-
‘radikal’, als sie an der unverkürzten apo-
scheidung, ins „Exil“ zu gehen, nichts
stolischen Glaubens- und Morallehre so-
zu tun: „Es gab keinerlei Diskrepanz
wie an der rechtlich für alle Zeiten festge-
zwischen der Gemeinde und Dr. Mor-
8
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 9

Aus der Priesterbruderschaft

schriebenen Form des Meßopfers unserer hard“, betonte ein Hartkirchner im An-
schluß an den gestrigen Gottesdienst.
Rituskirche festhält. Ich betone: Es be-
steht keine Absicht meinerseits, mich der Verärgert zeigte sich ein Pfarran-
Bruderschaft anzuschließen, indes ist dort gehöriger über die spärliche Informati-
onspolitik der Kirche. Er bedauerte, den
der einzige Bereich, wo mir eine wahrhaft
Weggang Morhards aus der Presse er-
priesterliche Lebensweise, wie sie von der
fahren haben zu müssen. Der Hart-
katholischen Kirche immer gelehrt wurde, kirchner: „Nun ist eine Pfarrversamm-
nicht verunmöglicht werden kann. (P.S.: lung notwendig, bei der die Gläubigen
Die Tatsache der tiefgreifenden Krise der ausführlich informiert werden.“
Kirche ist offenkundig und wird auch von
amtlicher Seite – z.B. Kardinal Ratzinger –
(Passauer Neue Presse vom 1. Februar
längst zugegeben.)“ 1999)

Abschiedsbrief von Pfarrer Dr. Morhard an seine Pfarrge-


meinde

Liebe Pfarrgemeinde! Die eigentliche Aufgabe des Priesters


wird im real existierenden System im-
mer mehr verdrängt: nämlich in der
Dreieinhalb Jahre habe ich bei Euch
Nachfolge Christi Seelenführer zu sein,
verbracht. Eine Zeit, die für mich mit
d.h. wie Er die anvertraute Herde durch
vielen Erinnerungen verbunden bleibt. Verkündigung im Wort und Heiligung
Ganz überwiegend waren es mensch- im Sakrament zum ewigen Heil zu
lich gute Erfahrungen, die ich vor Ort führen und der Verdammnis zu ent-
mit Euch gemacht habe: Eure unkompli- reißen. Statt dessen wird man zum
zierte Hilfsbereitschaft und die gemütli- Funktionär einer Diesseits-Religion de-
che Rottaler Art hätten mir unter ande- gradiert: man soll sich als Manager ei-
ren Zeitumständen Geborgenheit und ner Gebietskörperschaft, säuselnder
Heimat für Jahrzehnte bieten können – Psycho-Onkel, oder Stimmungsmacher
soweit ein Priester darauf Anspruch hat. bzw. dekoratives Ornament bei Famili-
Trotzdem habe ich mich jetzt entschlos- enfesten betätigen. Liebe katholische
sen, aus dem Bereich des Bistums Pas- Mitchristen – dafür ist mir mein Leben
sau – und damit auch von Hartkirchen – und meine priesterliche Berufung zu
wegzugehen. Warum? schade!
9
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 10

Aus der Priesterbruderschaft

Beheimatung findet der Priester Forderung der Mitbrüder und Vorge-


zum einen, wie gesagt, in Nachfolge setzten. Vor nichts haben die Ordinaria-
und Nachahmung Christi. Natürlich te mehr Angst, als mit negativen Schlag-
hat sich mit dieser Haltung noch keiner zeilen oder agressiven Medienberichten
bei der Welt, wie uns das Johannes- konfrontiert zu werden. Dieses Gefühl
Evangelium (Joh. 17,14) sagt, beliebt ge- kann ich noch nachempfinden. Aber ich
macht. Aber in den geordneten Zeiten kann mich mitunter des Eindrucks nicht
der Kirche fand der zum Herrn streben- erwehren, daß man höheren Orts Ru-
de, gem. Röm 12,2 weltwiderständige higstellung bzw. Entsorgung von Prie-
Gottesdiener das andere Element, das stern, die nicht im weltangepaßten
ihn trägt. Verständnis bei den Mitbrü- Trend liegen, nicht nur widerstandslos
dern und Rückhalt bei den Vorgesetz- hinnimmt, sondern zumindest nicht
ten. Dies half, das übliche Martyrium ganz ungern sieht. (Zurückhaltender
des Alltags zu ertragen, die Verständ- kann ich es ohne Verletzung der Wahr-
nislosigkeit und Hetze der Angepaßten heitsliebe nicht ausdrücken.)
aller Zeiten, den Spott der Biertische Wohlgemerkt: ich treffe keine
ebenso wie den Klatsch der Kaffee- Schuldzuweisung. Über alle Menschen
kränzchen. Wo ist diese Solidarität der richtet zuletzt und einzig Gott. Doch
geistlichen Mitbrüder geblieben? Ich will ich zum Abschied nicht schweigen
bekenne: Mit Widerwillen und Abscheu über den Zustand der Kirche und ihrer
besucht man die diversen Zusam- Priesterschaft, der zum Himmel schreit.
menkünfte der Theologenschaft und Und mich seit Jahren fragen läßt: woher
geht mit einer Mischung aus Mitleid dieser Zusammenbruch? Hier ist nicht
und Verzweiflung wieder weg. Denn der Ort, um meine Antworten detailliert
dort steht im besseren Fall Jammerei, auszubreiten. Zum Thema kann ich
immer öfter aber antikatholische Hetze Euch aber zwei Bücher besonders emp-
bis zur Selbstzerfleischung auf dem fehlen: „Die Krise der Kirche...“ von
Programm. Von Re-form im wahren Prof. Georg May, sowie „Athanasius
Sinn, d.h. Erneuerung in Christus, neu- und die Kirche unserer Zeit“ von Bi-
er Heiligung des Seelsorgers und der schof Dr. Rudolf Graber. Deren Ergeb-
ihm anvertrauten Gläubigen, von der nis, in Kürze: Wir Christen sind, wenig-
Freude, zur wahren Kirche Jesu Christi stens was die Konsequenzen angeht,
zu gehören: Kein Wort! Opfer des – mit rühmlichen Ausnah-
Auch dieses Kreuz könnte man tra- men wie Ratzinger – vergötzten Großer-
gen – wenn man heutzutage wenigstens eignisses „Zweites Vatikanisches Kon-
in der Gemeinde, als Einzelkämpfer, an- zil“. Es war vom naiven Fortschrittsop-
ders als weltkonformistisch sein dürfte. timismus der 60er Jahre geprägt. Mehr-
Denn was wollen die zeitgenössischen deutig bis nebulös in der Formulierung,
kirchlichen Behörden? Ruhe, nicht das wurde in der Anwendung des Konzils
widerständige priesterliche Zeugnis ge- der Mensch an die Stelle Gottes gesetzt.
gen einen falschen Zeitgeist ist die erste Nicht mehr der Mensch hat sich Gottes
10
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 11

Aus der Priesterbruderschaft

Offenbarung zu unterwerfen, sondern zehntelang, kaputtzumachen. Wird z.B.


der Mensch selbst bestimmt, was er ge- die Darstellung des Gekreuzigten in 10
rade zu glauben geruht. Damit ist natür- Jahren noch in öffentlichen Gebäuden
lich die Religion auf den Kopf gestellt. zu finden sein? Wird das Kreuz da noch
Entsprechend wurde die Kirche im all- einen zentralen Platz wenigstens in den
gemeinen Bewußtsein von der göttlich Kirchen haben? Wenn Ihr mich für einen
gestifteten Heilseinrichtung zur rabenschwarzen Pessimisten haltet,
menschlich gemanagten Sozialbedürf- dann bedenkt, wie rabiat fast alle Kom-
nisanstalt. Öffnung zur Welt – mit Ver- munionbänke, ja selbst viele Altäre und
laub – als kriecherische Anbiederung! Tabernakel, schon aus den Kirchen ge-
rissen worden sind. Wenn das der
Natürlich war der Boden für den an-
„Konzilsgeist“ ist, erübrigt sich ein
tikatholischen Umsturz schon lange be-
Kommentar! Denn ist das nicht Aus-
reitet – außer- und innerhalb der Kirche.
druck von Gleichgültigkeit bis Haß ge-
Namen, Organisationen und Irrlehren
genüber dem Aller-Heiligsten, das wir
brauche ich nicht zu nennen. Haben
besitzen?
nicht z.B. die großen Pius-Päpste über
hundert Jahre lang unermüdlich vor Angesichts des „Greuels der Verwü-
den Verderbern gewarnt und die heuti- stung an heiliger Stätte“ (Dan 8,13) frage
ge Lage exakt vorausgesehen? Doch die ich Euch: Darf man weiter in den verlo-
satte Selbstzufriedenheit und verblen- genen Chor der Triumphalisten einstim-
dete Selbstsicherheit der Kirche – einsa- men, die das Konzil als „Neues Pfing-
sten“ feiern? Darf man schweigen zu
me Mahner ausgenommen – in der
dieser neuen babylonischen Verwirrung,
Nachkriegszeit war der richtige Humus
zur Zersetzung von Glaube und Moral
für die offene Zerstörung ab dem Kon-
als Folge? Und vor allem: Soll man ach-
zil. Seitdem ist die Kirche – statistisch
selzuckend den zu befürchtenden Mas-
belegbar – in offenem und sich be-
senruin unsterblicher Seelen hinneh-
schleunigendem Niedergang. Gottes-
men, für deren Rettung der Seel-Sorger
dienstbesucherzahlen und Berufungen
doch zu wirken hat? Darf man eine Mes-
gehen rapide zurück. Der katholische
se feiern, die auf die Zerstörung ihrer
Glaube (ver)schwindet – weniger, weil
selbst abzielt? Gott und sich selbst kann
er in einer heidnischen Gesellschaft
niemand belügen. „Quid sum miser
„verdunstet“, sondern weil er von tunc dicturus“ – was soll ich dem Rich-
kirchlichen Stellen über Jahrzehnte zu- ter am Jüngsten Tag antworten, wenn er
mindest verkürzt dargestellt wurde. fragt: Weshalb hast du den Menschen
Eine Wende ist nicht in Sicht. mehr gehorcht als mir? Wieso hast du
Menschlich gesehen besteht keine Hoff- wider besseres Wissen mitgemacht bei
nung. Doch der Herr verläßt seine Kir- der Zerstörung meiner Kirche? Weswe-
che nicht und wird eingreifen. Bange gen hast du dich auf „inneren Wider-
fragen wir uns freilich: wann? Für die stand“ herausgeredet? Warum hast du
Menschen gibt es noch viel, evtl. jahr- durch Schweigen kollaboriert?
11
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 12

Aus der Priesterbruderschaft

Was soll ich kleiner Pfarrer tun? ich doch in den letzten Jahren z.T. schon
Auch Hartkichen ist keine Insel der Se- bis zum Zerreißen unter Spannung, ha-
ligen. Bei allem Vertrauen, das ich in be daher oft überreagiert und manchen
Euch hege: einen Seelsorger ohne Geg- zu Unrecht wehgetan. Ich bitte auch
ner gibt es nicht. Vertritt ein Ortsgeistli- dafür um Verzeihung und Nachsicht!
cher aber eine auch nur halbwegs be-
Was und wo ist meine Zukunft? Ich
wahrend-konservative Position, hat er
gehe dorthin, wo mutige Hirten die
schon bei einem Judas in seiner Gemein-
Notlage der Kirche längst erkannt und
de keine Chance. Der o.g. Mechanismus
der Macht tritt unerbittlich in Aktion. sich für den wahren Gehorsam ent-
Will ich mein Gewissen nicht dauernd schieden haben: gegenüber dem katho-
vergewaltigen, wäre jetzt bald der kriti- lischen und apostolischen Glauben aller
sche Punkt erreicht, wo der offene Kon- Zeiten, nicht gegenüber einer verworre-
flikt ausbricht. Eine solche Auseinan- nen Kirchenversammlung und ihren
dersetzung, evtl. mit medialen unglücklichen Vollstreckern. Herz und
Schlammschlachten und emotionalen Verstand führen mich zur Tradition.
Weiterungen auf Gemeindeebene, will Unter ihren Schutz stelle ich mich, bis
ich Euch und mir ersparen. Ich gehe: lie- die Zeiten gemäß Gottes Willen wieder
ber ein Ende mit Schrecken als ein anders werden. Dort bin ich als Priester
Schrecken ohne Ende! willkommener Bruder, dort will ich an-
Glaubt mir: Einfach war die Ent- dere und mich mit meinen schwachen
scheidung nicht. Mein Inneres war zu- Kräften heiligen. Euch aber bleibe ich
letzt nur noch ein durch Seelenkämpfe verbunden im Gebet und ihm Hl.
verwüstetes Schlachtfeld. Lange habe Meßopfer aller Zeiten. Betet bitte auch
ich zwischen den Möglichkeiten von Ihr für mich! Vielleicht erleben wir
Resignation, Widerstand oder Exil ge- schließlich den Tag, an dem die Krise
schwankt. Schweren Herzens habe ich der Kirche überwunden ist, den Tag, an
mich für letzteres entschieden, da ich dem in unserer Pfarrkirche St. Petrus
weder für die Rolle des gleichgültigen nicht mehr Altar gegen Altar steht –
Fatalisten, noch die des selbstmörderi- und wir zusammen zum Herrn hin das
schen Einzelkämpfers geeignet bin. Ich
Heilige Meßopfer aller Zeiten im sieg-
bitte Euch inständig um Verzeihung.
haften katholischen Glauben feiern.
Aber auch um Verständnis, daß ich mei-
nem Gewissen folgen muß. Einfach ist Noch einmal: Vergelt’s Gott für alles
es auch so nicht. Für mich ist eine Welt Gute, das Ihr mir getan habt!
zusammengebrochen und mit vierzig Gott segne Hartkirchen! Gott segne
Jahren muß ich noch einmal neu anfan- Euch alle!
gen. In das real existierende „Kirchen-
System“ kann ich mich indes nicht län-
ger einfügen, ohne seelisch zu zerbre- Hartkirchen, 17.01.1999
chen und völlig unterzugehen. Stand Euer Pfarrer
12
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 13

Verschiedenes

Der Apostel von Kalifornien


von Catherine Macarius

Papst Johannes Paul II. besuchte im Januar 1999 Mexiko und die USA. Auf seiner 88. Pa-
storalreise sprach er mehrmals von den ersten Glaubenszeugen in der Neuen Welt. Von vie-
len wurde er deswegen angegriffen, denn man erwartete Entschuldigungen für die „Zer-
störung“ der „Kultur“ der Ureinwohner Amerikas durch die katholischen Missionare. Bei
den Besuchern, die heute die eigenartigen Missionskirchen von Kalifornien bewundern,
wird der (falsche) Eindruck erweckt, die Patres hätten diese Gebäude mit Hilfe der „Skla-
venarbeit“ der Indianer errichtet. Die wahre Geschichte der katholischen Mission in
Spanisch-Amerika darf nicht mehr erzählt werden, obwohl diese Geschichte reichlich und
präzise dokumentiert ist.
Wir wollen den ersten Franziskanermissionar auf dem Gebiet des heutigen US-Bundes-
staates Kalifornien vorstellen.

Wer waren sie wirklich, diese angeb- auch für andere Orden die Transport-
lich so zerstörerisch wirkenden Franzis- und Kommunikationsbasis für die wei-
kaner? Und wie verhält es sich mit den tere Missionierung erforschten.
Ureinwohnern, zu denen sie das Evan- Die dünnbesiedelte Halbinsel Nie-
gelium bringen sollten? derkalifornien (Baja California) hatten
Ohne Warnung, ohne jeglichen Pro- sie längst erschlossen. Geplant war nun
zeß verbannte 1767 der aus dem Haus eine Expedition zu der bisher von Eu-
Bourbon stammende spanische König ropäern fast unberührten Küste von Al-
Carlos III. die Jesuiten aus dem gesam- ta California, nördliche der Allerheili-
ten Königreich einschließlich den ameri- genbucht (Bahia Todos Santos). Als die
kanischen Kolonien. Zu jener Zeit waren Jesuiten verbannt wurden, fielen ihre
die Völker des mittleren Mexiko, d.h. schon etablierten Missionen in Baja Ca-
die Azteken, Olmeken, Maya u.a. nicht lifornia den Dominikanern zu. Das
zuletzt dank Unserer Lieben Frau von schwierige Erbe der oberkalifornischen
Guadalupe bekehrt und zivilisiert. Die mußten die Franziskaner antreten.
Universität von Mexiko war schon über Erst 1769 konnte die erste Gruppe
200 Jahre alt; Literatur und Kunst flo- von Franziskanern aufbrechen. Der
rierten. Die Jesuiten waren die großen Obere dieser Missionsgruppe war ein
Zivilisatoren des Landes gewesen, sie kleiner, drahtiger Mann, der schon 20
waren aber auch die Pioniere der neuen Jahre Erfahrung in den mexikanischen
Missionsgebiete nördlich des „Großen Missionen besaß. Geboren wurde er
Flusses“, des Rio Grande, wie auch an 1713 auf der Insel Mallorca. Sein Name
der Westküste Mexikos. Sie waren die war Miguel José Serra. Früh reifte in
Kartographen und die Linguisten, die ihm der Entschluß, seine Heimat zu ver-
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MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 14

Verschiedenes

lassen, um als Missionar Seelen für zu verkünden, gestaltete sich äußerst


Christus zu gewinnen. Er trat in den schwierig. Die Jesuiten hatten schon
Franziskanerorden ein und erhielt den viele Märtyrer zu beklagen.
Ordensnamen Junipero, nach einem der Es ist jedoch nicht undenkbar, daß
Jünger des hl. Franziskus. Aber der lieb- die Entsendung armer Franziskaner
lich klingende Name, der eigentlich nach Oberkalifornien eine besondere
„Wacholder“ bedeutet, darf nicht zu Fügung Gottes war. Denn Fray Junipero
dem Trugschluß führen, der Franziska- und seine Mitbrüder fanden an der Kü-
nerpriester sei schwach oder sentimen- ste und in den heißen Binnenlandtälern
tal gewesen. Fray Junipero Serra OFM die primitivsten aller Indianerstämme,
mußte sein Leben lang gegen sein zum „Jäger und Sammler“, wie sie die Ar-
Zorn neigendes Temperament kämpfen, chäologen und Völkerkundler nennen,
das ihn freilich nie gegen die Indianer, die eine Kultur im eigentlichen Sinne
sondern gegen die Trägheit und die ge- nicht besaßen.
legentliche Ungerechtigkeit der Militär- Bis zur Ankunft der ersten Europäer
und Kolonialbehörden heftig ankam. lebten in dem riesigen Gebiet des heuti-
Heute wird gern vergessen, daß zwi- gen Kalifornien nichts mehr als
schen den zentralmexikanischen Urein- 190 000 Indianer, die in unzähligen klei-
wohnern und den nordamerikanischen nen Gruppen mit ebenso vielen Dialek-
Indianern ein enormer Unterschied be- ten der vier oder fünf Hauptsprachen
stand: Die mexikanischen Völker hatten ein ausreichendes aber karges Dasein
schon eine Zivilisationsstufe erreicht, im fruchtbaren Land führten, das sie
die durchaus mit der jener Philister und aus Unkenntnis jeglicher Landwirt-
Phönizier vergleichbar war, welche zur schaft nicht bebauen konnten. Sie waren
Zeit des Propheten Elias im Umfeld des scheu und machten sich anfangs rar, so
alten Israel wohnten. Das heißt: Sie daß die Franziskaner es nicht leicht hat-
praktizierten bei der Ankunft der Spa- ten, zu ihnen Kontakt aufzunehmen.
nier das Menschenopfer auf grausamste Pater Serra bestand darauf, lange vor
Art, lebten aber schon in Städten, hatten dem Einzug der spanischen Kolonial-
eine Bilderschrift entwickelt und waren truppen die Orte für seine Missionssta-
besonders in der Baukunst sehr weit tionen festzulegen und die ersten Kon-
fortgeschritten. Die Völker nördlich des takte zu den Ureinwohnern aufzubau-
Rio Grande waren dagegen – mit Aus- en. Wie die iroschottischen Mönche ein
nahme der silberbearbeitenden, noma- Jahrtausend früher pflegten sie kleine
dischen Navajo – Steinzeitvölker, die Glocken mitzutragen, die sie früh mor-
zum größten Teil dem Animismus, dem gens in eine der knorrigen, immergrü-
Schamanismus und im weiteren Nor- nen „Taleichen“ hängten; unter den
den sogar dem rituellen Kanibalismus Ästen errichteten sie ihren Tragaltar, um
verfallen waren. Die Aufgabe, derarti- die heilige Messe zu feiern. Manchmal
gen Stämmen katholische Lehren wie kamen neugierige Ureinwohner, um zu-
die vom allerheiligsten Altarsakrament zuschauen, aber einmal wurden zwei
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MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 15

Verschiedenes

Patres bei einer derartigen Morgenmes- mitgereisten Handwerker eine Festung


se durch die Pfeile aufgeregter Scho- (Presidio) im spanischen Stil auf luftge-
schones getötet. Sie waren die einzigen trockneten Ziegeln (Adobe) errichtete,
Märtyrer der Expedition. half auch beim Kirchbau. Einige India-
Von San Diego (= St. Jakobus) an der ner zeigten Talent für Dekoration und
heutigen Grenze zu Mexiko bis Santa prägten entscheidend die Innenausstat-
Rosa nördlich von San Francisco die Kü- tung der Missionskirchen.
ste entlang, aber auch bis in die Bin- Selbst nach der festen Etablierung
nentäler des Salinas-Flusses und des der Missionen, presidios und Siedlun-
Santa-Cruz-Gebirges gründeten P. Serra gen, als er die Aufgabe des Visitators
und seine Mitbrüder 21 Missionsstatio- ausüben und jedes Jahr über eine
nen. Aus mehreren von ihnen ent- Strecke von mehr als 800 Kilometern al-
wickelten sich die bekanntesten Städte le Missionen besuchte, ging Fray Juni-
des heutigen Bundesstaates Kalifornien. pero Serra zu Fuß! Nur in seinen letzten
Pater Serra plante sie in Abständen von Jahren, als ein offenes Geschwür an ei-
ca. 100 Kilometern oder einem Ritt von nem Bein das Laufen zu sehr erschwer-
ca. fünf Wochentagen. Sein Hauptquar- te, zwang er sich aufs Eselchen. Er nahm
tier schlug er an der malerischen Küste jede Entbehrung mit Freuden als Opfer
bei Cap Piños, wo um die schöne Mis- auf sich und investierte jedes nicht drin-
sion San Carlo Borromeo herum bald gend notwendige Geldstück in die soli-
das Dorf Carmel entstand. Pater Serra de Ausstattung der Klosterbibliotheken.
wußte sich die kleine Kolonialarmee im- Seine Bibliothek in Carmel ist noch voll-
mer dichter auf den Fersen. Diese sehr ständig vorhanden. Sonst lebte er hel-
gemischte Truppe, die mit „Kind und denhaft die Armut des hl. Franziskus.
Kegel“, Marketendern und bald auch
Trotz immenser Schwierigkeiten,
landsuchenden Siedlern heranzog, war
nicht zuletzt des Klimas und der häufi-
oft, wie Pater Serra wußte, eine Bedro-
gen Erdbeben, die auch heute immer
hung für die Indianer. Er versuchte, die
Indianer auf die Gefahren, die die weiße wieder für Schäden an den Missionskir-
Zivilisation mit sich brachte, durch Aus- chen sorgen, florierten die spanischen
bildung in Landwirtschaft und Hand- Missionen in Alta California. Pater Serra
werk vorzubereiten, aber die Steinzeit- starb im Jahr 1784 einen heiligmäßigen
Yuma, -Schoschone und -Tschumasch Tod und liegt vor dem Hochaltar der
kannten keine geregelte Arbeit und ver- Missionskirche begraben. Neben ihm
ließen oft lieber die Missionsstationen, liegen seine treuesten Mitbrüder, die
als Ackerbau und Bauhandwerk zu er- Patres Crespi, Lasuen und Lopez.
lernen. Hätten sich die Patres nur auf Die Tragödie der Küstenindianer
die „Sklavenarbeit“ der Indianer verlas- und der Missionen begann erst ein Vier-
sen müssen, hätte es keine Missionskir- teljahrhundert später mit den napoleo-
chen gegeben. Die Armee, die in jeder nischen Kriegen in Spanien, die beson-
neuen Missionsstation mit Hilfe der ders während des britischen Feldzuges
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Verschiedenes

auf der Iberischen Halbinsel der Frei-


maurerei und der „Aufklärung“ den
Weg bereiteten. Der in der französi-
schen Philosophie hochgebildete Kreo-
lenpriester Miguel Hidalgo brachte die-
se Ideen in Mexiko unter sein eigenes
Volk und führte 1811 die erste Rebellion
der Kreolen, Mestizos (= Mischlinge)
und Indianer gegen die spanische Kolo-
nialregierung. Revolutionäre Unruhen
in Mexiko flammten immer wieder auf,
bis die Revolution von 1820 in Spanien
zur Unabhängigkeit Mexikos, aller-
dings als konstitutionelle Monarchie
(24. Februar 1821), führte. Die schwache
Monarchie fiel nur zwei Jahre später,
und Mexiko litt unter jahrzehntelangen
revolutionären und gegenrevolu-
tionären Kämpfen. Die Missionen wur-
den zum Teil säkularisiert. Manche
konnten die Franziskaner allerdings be-
halten. Die Isolierung vom ohnehin in-
stabilen Mexiko und eine Serie von Na-
Das Grab von P. Junipero Serra
turkatastrophen ruinierten mehrere
Missionen. Die Priester blieben aber oft len und Mulatten waren.
unter unglaublich schlechten Bedin- Als 1848 Gold in Nordkalifornien
gungen bei ihren Gemeinden. Am tra- entdeckt und das Schicksal des alten,
gischsten ist die Geschichte der Mission katholisch-spanischen Kalifornien be-
Nuestra Señora de la Soledad (U.L. siegelt wurde, gab es fast keine Küsten-
Frau von der Einsamkeit), wo die letz-
indianer mehr. Die goldhungrigen US-
ten Priester lieber den Hungertod star-
Amerikaner, die jetzt in großen Scharen
ben, als ihren Posten zu verlassen.
nach Kalifornien kamen, vernichteten
Die einfachen Küstenindianer kann- gewalttätig die Indianer im Binnenland
ten, wie alle nordamerikanischen Stäm- und führten die undisziplinierte, mer-
me, keine Viruskrankheiten. Sie hatten
kantile Gesellschaft ein, die in jähem
daher keine Widerstandskraft gegen
Kontrast zur Zukunftsvision eines Pa-
die Erreger, welche die Europäer mit
ters Junipero Serra steht.
sich brachten. Die „einfache Erkältung“
trägt weit mehr Schuld an ihrer Ausrot- Ein Gipfel des Santa-Lucia-Gebirges
tung als die spanischen Siedler, die südlich von Carmel wurde nach Pater
selbst oft Halbindianer (mestizos), Kreo- Junipero Serra benannt. Er glaubte, wie
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Verschiedenes

alle echten Christen bis zurück zu den „Werten“ gehört hätte, zuallererst aus
Aposteln, daß Jesus Christus es mit dem einem reinen Gewissen hervorgehen
Auftrag zur Missionierung ernst meinte müßten. Er war bereit, für die Bekeh-
und noch heute ernst meint. Pater Serra rung der Indianer zu sterben.
glaubte fest an die Wahrheiten der Höl- Kann es eine größere Liebe geben?
le und der Sünde, der Notwendigkeit
des Glaubens und der Sakramente. Er
wollte die Indianer vor der Hölle retten, (mit freundlicher Genehmigung aus:
nicht ihr „Selbstgefühl“ oder ihre „Kirchliche Umschau“ 1/1999)
„Selbstverwirklichung“ steigern, die für
ihn, wenn er überhaupt von solchen

Fastenzeit
von P. Eberhard Repp
Aschermittwoch! Allzu schnell ist wahrhaft freie Menschen seien! Viele,
dieser Tag den meisten Menschen ge- heute die meisten, verstehen darunter
kommen. Für die meisten ist die Fasten- allerdings etwas anderen: tun und las-
zeit die fadeste Zeit des Jahres, eine Zeit sen können, was man will. Den gläubi-
düsteren Ernstes und weltschmerzli- gen Christen betrachtet man demgemäß
chen Verzichtens, nicht wissend, was als unfrei, weil eingeengt und gehemmt
mit der Fastenzeit anzufangen! Wer so von den Geboten Gottes und der Kirche.
denkt und die Fastenzeit so auffaßt, Ihnen dagegen hat niemand etwas
muß lesen, was im Evangelium des dreinzureden – sie sind liberal, frei, wie
Aschermittwochs steht. Christus selbst sie glauben!
sagt es: „Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht Aber wer ist hier nun wirklich der
finster dreinschauen wie die Heuchler!“ freie Mensch? Der, welcher am Sonntag
(Mt 6,18) Also genau das Gegenteil von bis zum Mittagessen im Bett liegen
Weltschmerz und düsterem Ernst! Fa- bleibt, bis ihn der Hunger heraustreibt –
stenzeit ist keine traurige Zeit, sondern oder der, welcher die faule Bequemlich-
Weg zur österlichen Freude! Buße und keit überwinden kann, um Gott die Eh-
Fasten, wozu uns die Kirche in diesen re zu geben und so auch dem Sonntag
Tagen ruft, wollen uns helfen, daß wir seinen eigentlichen Sinn als „Tag des
frei werden für Gott, um froh zu werden Herrn“ zu geben? Ist der frei, welcher
in Gott. aus Angst und Feigheit lügt, um einer
„Für die Freiheit hat uns Christus eventuellen Strafe oder Blamage zu ent-
frei gemacht“, sagt der hl. Apostel Pau- gehen – oder der, welcher unbeirrt und
lus im Galaterbrief (5,1); also daß wir tapfer auch die Folgen seines Tuns und
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Lassens auf sich zu nehmen weiß? Wer Der Mensch ist immer in Gefahr,
ist frei? Der, welcher seinen Trieben und über dem Nächstliegenden, wie z.B. Es-
Leidenschaften nachgibt und Dinge tut, sen und Trinken, das Wesentliche zu
die unter Christen nicht einmal genannt übersehen: Gott, die Mitte unseres Le-
werden sollen (Eph. 5,3) – oder der, wel- bens. In uns kommt immer wieder der
cher sich beherrschen kann? Leichtsinn hoch, so daß uns Gott gleich-
„Zur Freiheit seid ihr berufen! Nur gültig wird. Das Böse lockt uns wieder
und wieder, es gefällt uns so gut, daß
mißbraucht die Freiheit nicht zu einem
wir kaum begreifen, warum wir es nicht
Vorwand für fleischliche Gelüste.“ (Gal.
tun dürfen. Das ist die böse Begierlich-
5,13) Die Versuchung zum Mißbrauch
keit in uns – eine Folge der Erbsünde,
tritt an den Menschen immer wieder
aber auch unserer persönlichen Sünden.
heran. Im Evangelium des ersten Fa-
Je mehr einer in das Böse hineinkommt,
stensonntags hören wir, wie der Versu-
z.B. die Sinnlichkeit, desto lebendiger
cher sogar an Christus herantritt und
und heftiger wird die böse Begierlich-
ihm lockende Dinge vor Augen stellt: er
keit, desto schwerer geht es, sich frei zu
soll Brot schaffen, den Hunger stillen; machen. Daher brauchen wir die Hal-
die Freuden der Welt genießen; er soll tung der Buße, Härte und Strenge ge-
sich von der Zinne des Tempels herab- gen uns selbst. Der Mensch scheut zwar
stürzen – das wäre Sensation! Wie wür- davor zurück, aber es muß sein um der
den da die Gaffer staunen! Wie würde Freiheit willen, zu der wir als Christen
ihm da der Pöbel nachlaufen! Und dann berufen sind. Die Freiheit fällt einem
die letzte und größte Versuchung: nicht einfach in den Schoß, man muß
Macht! Herrschaft über die Menschen, darum kämpfen wie um das Himmel-
über alle Reiche der Welt! Aber Christus reich, von dem Christus sagt: „Das
weist den Versucher zurück: „Der Himmelreich leidet Gewalt, und nur die
Mensch lebt nicht vom Brot allein“, sagt Gewalt brauchen, reißen es an sich.“
er. (Mt 4,4) Es gibt andere, höhere Din- (Mt 11,12) Ohne den Willen zur Selbst-
ge, um derentwillen es sich lohnt, auf überwindung kommen wir immer wie-
niedere zu verzichten. Nicht der Ver- der in die Sünde hinein. Es ist eine alte
zicht an sich ist wertvoll, sondern durch Erfahrung: Wer sich nicht beherrscht,
das Opfer soll uns zum Bewußtsein ge- wer nicht zu verzichten weiß, der ge-
bracht werden, daß es noch höhere Gü- fährdet sich selbst und seine Freiheit,
ter gibt als Essen und Trinken und das aber auch die des anderen.
Leben genießen. Um diese wichtige Er- Das Freiwerden für Gott verlangt
kenntnis nicht zu vergessen, sollen wir Anstrengung und Selbstüberwindung;
ab und zu auf etwas verzichten, ein Op- dies ist aber nur die eine Seite christli-
fer bringen können, damit wir nicht cher Bußhaltung. Die andere heißt:
Sklaven der Dinge oder unserer Triebe Frohwerden in Gott! Beide gehören zu-
werden, sondern sie in Freiheit beherr- sammen. Nur der innerlich freie
schen. Mensch ist wie kein anderer fähig, sich
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wirklich und tief und dauernd an der Wettkampf des christlichen Lebens:
Schöpfung Gottes zu freuen. Es wäre ein „Wer im Wettkampf ringt, enthält sich
grausames Mißverständnis christlicher von allem. Jene tun es, um einen ver-
Bußgesinnung, wenn wir durch sie zu gänglichen Kranz zu gewinnen, wir
ängstlichen, verkümmerten und ver- aber um einen unvergänglichen. So lau-
grämten Menschen würden, die sich fe auch ich, nicht wie ins Blaue hinein;
schließlich nicht mehr recht zu lachen so kämpfe auch ich, nicht wie einer, der
getrauten und jedem, der sich freut, Luftstreiche macht. Vielmehr züchtige
mißtrauten. Christliche Buße verlangt ich meinen Leib und mache ihn mir un-
keine unnatürliche Unterdrückung ech- tertan.“ (1 Kor 9, 25ff)
ter Lebensäußerungen, sondern im Ge- In den Meßtexten der Fastenzeit
genteil: Entfaltung und Steigerung all wird immer wieder Bezug genommen
unserer Kräfte, Fähigkeiten und Talente auf die Taufe. Durch die Taufe sind wir
der Seele und des Leibes. Wir müssen Christen geworden. Getauft sein aber
dazu helfen, daß sich diese Anlagen in heißt soviel wie hineingetaucht sein in
rechter Weise entfalten können. den Kreuzestod Christi. Es heißt teilneh-
All diese Anlagen zu entfalten heißt men am Kreuzestod und an der Aufer-
stehung Christi. Und das bedeutet zu-
natürlich nicht ein wildes Wachstum,
gleich: Alles muß zuerst durch das Op-
ein zügelloses Gewähren- und Treiben-
fer hindurch. So wie ein Sportler Opfer
lassen. Es gibt ja Kräfte in uns, die dem
bringen und auf manche Bequemlich-
Gesetze des Geistes widerstreiten, die
keit verzichten muß, so steht das Opfer
also der Führung und Formung durch
erst recht in einem echten Christenle-
den Geist bedürfen. Das Wort „Askese“,
ben. Darum predigen wir Christus als
das oft für „Buße“ gebraucht wird, deu-
den Gekreuzigten; er steht im Mittel-
tet das sehr gut an. Das Wort stammt
punkt der Fastenzeit.
aus dem Griechischen und heißt wört-
lich „feines Herausarbeiten“. Die alten Es geht nicht um Weltflucht und Le-
bensfeindlichkeit, sondern darum, daß
Griechen verstanden darunter jenes
wir als freie, frohe Menschen die Welt
Training, dem sich die Wettkämpfer un-
und unser Leben meistern und unser
terzogen, um aus ihrem Körper alle
letztes Ziel erreichen. Diese Aufgabe gilt
Kräfte herauszuholen und ihn so in
es immer wieder neu anzupacken, be-
Form zu bringen. Jeder weiß: ein Sport-
sonders jetzt in der Fastenzeit. Packen
ler muß trainieren, wieder und wieder
wir diese Aufgabe wieder an mit frohem
üben, damit er gewandt wird und Lei-
Mut und ganzem Herzen; denn die Frei-
stungen erzielt. Er muß für den Sport so heit und das Himmelreich gewinnen
manches Opfer bringen, z.B. auf Alko- keine Halben.
hol und Nikotin verzichten, er braucht
einen klaren Kopf; nur so kann er sport- (entnommen aus: Gottesdienstordnung
liche Erfolge erzielen. der Kirche „Patrona Bavariae“, Mün-
Dasselbe sagt der hl. Paulus vom chen)
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Die kopernikanische Wende


Teil 3 (Schluß): Galilei
von Robert Mildenberger

Der Urteilsspruch gegen Galileo Ga- es um die Eindämmung des häretischen


lilei (1564 - 1642) vom 22. Juni 1633 lau- Potentials der galileischen Physik ge-
tet: „Wir sagen, verkünden, urteilen gangen. Der durch frühere Begünsti-
und erklären, daß du dich, obengenann- gung und Parteinahme für Galilei bela-
ter Galileo, durch die im Prozeß herge- stete Papst habe auf den Gang des Pro-
leiteten und von dir, wie oben angege- zesses so eingewirkt, daß der Fall Gali-
ben, gestandenen Dinge diesem Hl. Of- lei als disziplinarisches Problem er-
fizium der Ketzerei dringend verdäch- schien und er, der Papst, nicht als För-
tig gemacht hast, nämlich daß du die derer eines Häretikers kompromittiert
falschen und den Heiligen und göttli- sei. Damit berührt Redondi eine Ebene,
chen Schriften widersprechende Lehre die BRANDMÜLLERs bildungsbürger-
für gültig gehalten und geglaubt hast, lich-konservatives Galilei-Buch, das das
wonach die Sonne der Mittelpunkt der Problem im Disziplinarischen und im
Welt sei und sich nicht von Ost nach unentwickelten naturwissenschaftli-
West bewege und die Erde sich bewege chen Bewußtsein der Kirche aufsucht,
und nicht der Mittelpunkt der Welt sei, ignoriert. Zum Beweis der REDONDI-
und daß man eine Meinung für vertret- schen These sind zwei Dinge nötig: zu
bar halten und verfechten könne, nach- zeigen, wie Urban VIII. den Inquisi-
dem sie als der Heiligen Schrift wider- tionsprozeß von 1633 beeinflußte, und
sprechend erklärt und definiert wurde. welche Häresien Galilei unausgespro-
<...>”51 chen vertrat.
1983 erschien ein Buch des liberalen Die Rolle Urbans VIII. bezeichnet
italienischen Wissenschaftshistorikers das Dictionnaire de Théologie als ‘viel-
Pietro REDONDI, des stellvertretenden schichtig’: „Le rôle d’ Urbain VIII. dans
Direktors am Centre Alexandre Koyré l’affaire de Galilée est assez complexe”
für Wissenschaftsgeschichte in Paris (a.a.O. 1078). Der Galilei-Biograph
(Stand: 1991), das neues Licht auf die HEMLEBEN: „Der Grund, die Motive
Affäre um dieses prominenteste Opfer für sein (sc. Urbans) Verhalten sind heu-
kirchlicher Maßregelung wirft: „Galilei te, nach über dreihundert Jahren, kaum
eretico - Galilei der Ketzer”52. Der Titel aufzuhellen” (a.a.O. 120).
enthält bereits die Kernthese: Galilei REDONDI: „Galilei wird auf Anwei-
wurde zwar verurteilt, weil er gegen die sung des Papstes, der die geheime Un-
Anweisung des hl. Offiziums von 1616 tersuchung in dem berühmten Prozeß
ungehorsam war, in Wahrheit aber sei an sich gezogen hatte, vom Heiligen Of-
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fizium offiziell verurteilt, weil er im ein schlichter Kunstgriff, die Anklage


starken Verdacht steht, trotz seiner wie- gegen Galilei im Sommer des Jahres
derholten Widerrufe gegenüber der 1632 dem eigentlich dafür zuständigen
obersten Kirchenbehörde (1616 und im Gericht zu entziehen und einer Sonder-
Dialog) an die kopernikanische Lehre zu kommission zu übergeben, die unter
glauben. Also eine disziplinarische, und dem Vorsitz von Kardinal Francesco
keine theologische oder doktrinäre Barberini <Neffe Urbans VIII., d. Verf.>
Häresie, wie sich die Handbücher der unmittelbar der päpstlichen Kontrolle
Kriminalhäresiologie von damals aus- unterstand. Die Handlungen der Kom-
drückten. Darauf weisen auch die seriö- missionen wickelten sich in größter Ver-
seren Beobachter der juristischen Affäre schwiegenheit ab. Eine so außerge-
hin” (326, Herv. d. V.). wöhnliche Kommission war einzig für
Die Protektion Galileis durch Urban exzeptionell schwerwiegende Fälle vor-
ist eine Tatsache. Als Kardinal Barberini gesehen, die zudem besonders schwieri-
verfaßte er schon 1620 eine 19strophige ge theologische Probleme aufwarfen.
lateinische Ode zum Lob des vier Jahre Wir müssen bis in die 50er Jahre <des
zuvor von der Inquisition verwarnten 17. Jh., d. Verf.> warten, bis wieder eine
Kopernikaners Galilei.53 1630 - also ge- ähnliche Sonderkommission <wg. Ver-
rade zwei Jahre vor Prozeßbeginn - ge- urteilung des Jansenius, d. Verf.> zu-
währte derselbe Urban dem ohnehin als sammentritt” (247). „Die Einberufung
großherzoglicher Hofmathematiker gut unserer Kommission hier wurde mit
bezahlten Galilei „eine Pension von 40 schwersten theologischen Bedenken be-
Scudi auf eine Domherrnpfründe der gründet, denn als der Papst den floren-
Kathedrale von Pisa.”54 „Galilei war der tinischen Botschafter von deren Exi-
Wissenschaftler des Papstes gewesen. Er stenz am 4. Sept. 1632 in Kenntnis setzt,
war so sehr protegiert worden, daß man rechtfertigt er seine Entscheidung mit
auf geradezu skandalöse Weise die den Worten, ‘es handelte sich um die
schwersten Anklagen wegen Häresie verderbteste Materie, die man in Hän-
gegen ihn hatte versanden lassen – und den haben könnte (...), eine in hohem
das erst vor wenigen Jahren. Nun <1632 Maße verderbte Lehre.’ Mehr konnte
wg. des Dialogo dei massimi sistemi, der Papst nicht sagen” (247). „Die Kom-
d.Verf.> war er erneut der Häresie ver- mission trat fünfmal zusammen, und
dächtig. Den Fall vor das Hl. Offizium Mitte September <1632, d.Verf.>, also
zu bringen, das wäre politischer Selbst- nach einem Monat, hatte sie, nach Ab-
mord gewesen. Es hätte Kardinal Borgia wägung und Diskussion der Gründe für
<kaiserlich-spanischer Flügel der Kurie, die Anschuldigungen gegen Galilei, ihre
d. Verf.> die wunderbare Gelegenheit Aufgabe abgeschlossen. Die Zusam-
gegeben, einen riesigen Skandal <gegen menkünfte blieben absolut geheim. Für
den franzosenfreundlichen Urban VIII., den Historiker ist diese Kommission ei-
d.Verf.> zu inszenieren. Es gab nur ei- ne Art black-box” (248). „(Die Anklage)
nes: den Fall an sich zu ziehen. Es war war weder für den Angeklagten noch
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Verschiedenes

... Eine geheime theologische Untersu-


chungskommission wird doch nicht zu-
sammengerufen, um so eindeutige Ver-
brechen und so unstrittige Themen zu
behandeln wie den erforderlichen Re-
spekt gegenüber der offiziellen Anord-
nung Kardinal Bellarmins oder aber
Normen der Publikation. Man hat
Mühe zu glauben, daß diese ‘erzürnten
Theologen’ einen Monat und fünf Ver-
sammlungen dazu benötigten, eine
Aussage zu der völlig offen zutage lie-
genden kopernikanischen Ausrichtung
des Dialogo zu formulieren” (249).
„Sieht man genau hin, dann fällt auf,
daß der Bericht das unbedingt erforder-
liche Minimum für einen ordnungs-
gemäßen Prozeß enthielt und daß kei-
ner seiner Beteiligten kompromittiert
wurde. Genau das war verlangt. Der
Bericht enthob die Richter jeder weite-
Altersbild von Galileo Galilei ren Ermittlung. Er lieferte einen perfek-
ten juristischen Vorwand, um Galilei
für seine Gönner allzu schwer: keine auf der Grundlage einer kirchlichen
Häresie in der Glaubenslehre ..., son- Vorschrift zu verurteilen. Man mußte
dern die Übertretung eines Gebots und noch nicht einmal den Prozeß gegen die
keine echte Häresie in ‘einer in höch- Theorie des Kopernikus <von 1616, d.
stem Maße verderbten Materie’. Das Verf.> wiederholen; das hätte nämlich
Resultat der Untersuchungskommissi- Galilei gestattet, seine überzeugenden
on war also eine Anklage mit einer Rei- dialektischen Fähigkeiten ins Spiel zu
he von Beschuldigungen, die in dem bringen, und vielleicht hätte er im Hei-
Abschlußbericht zusammengefaßt wur- ligen Offizium angefangen, Experimen-
den. Die Richter des Heiligen Offiziums te mit Wassereimern vorzuführen, und
mußten sich nur noch daran halten – am Ende gar seine Richter zu Koperni-
was sie auch taten. So wurden sie kanern bekehrt. Es mußten auch keine
schlicht die juristischen Exekutoren der heiklen theologischen Fragen behandelt
Beschlüsse jener vom Papst gewollten werden, denn es war nicht der rechte
Kommission. ... Die Anklage wegen Ko- Zeitpunkt, einen neuen Prozeß wie den
pernikanismus erforderte im Jahre 1632 gegen Bruno zu veranstalten: Man kon-
für einen theologischen Fachmann kei- frontierte Galilei einfach mit seiner
ne besondere inquisitorische Phantasie. mehr oder weniger verstellten Übertre-
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tung der von Bellarmin ausgesproche- pro-französischen Kräfte in der Politik


nen Anweisung. Mit dieser Prozeß- wich nach dem Bündnis Richelieus mit
führung hatte der Papst offiziell zu er- Schweden und Gustav Adolfs Erfolgen
kennen gegeben, daß er sich von Galilei einer neutralen Einstellung. Die aristo-
distanzierte und keinerlei geheimes Ein- telisch und habsburgisch orientierten Je-
verständnis für die Neuerungen hegte. suiten hatten wieder Einfluß. Die Jesui-
Aber er machte denen, die der Philoso- ten, die unangefochtene theologische,
phie Galileis viel schwerwiegendere wissenschaftliche, missionarische und
Häresien unterstellten, keinerlei Zuge- apologetische Elite, lagen mit Galilei
ständnisse” (249 f.). Daß 1633 der Pro- von Anbeginn im Streit. Dies war ein
zeß geführt wurde, den Papst Urban wichtiger Grund, weshalb Galilei bei
VIII. wollte, deutet auch das Dictionnai- anderen Orden, deren Glanz von den Je-
re de Théologie catholique an (a.a.O. suiten verdunkelt wurde, in unverdien-
1081). ter Geltung stand. Galilei hatte Freunde
Das Ergebnis des Prozesses war das unter Karmeliten (Foscarini), Benedikti-
Beste, was Galilei passieren konnte. Das nern (Castelli) u.a., aber keinen einzigen
Jahr 1632, in dem die Pest Rom zu errei- unter den Jesuiten. Hätten die Jesuiten
chen drohte und Galileis kopernikani- und nicht die von Redondi erwähnte
sierender Dialogo dei due massimi sistemi Sonder-Untersuchungskommission die
erschien, markiert für Urban VIII. (1623 Anklage formuliert, hätte Galilei bei
- 1644) die Abkehr von seiner liberalen konsequenter Rechtsprechung dieselbe
Politik. Dieses Jahr bezeichnet übrigens Strafe wie dem i. J. 1600 als Ketzer ver-
zugleich den Beginn der Augenkrank- brannten Philosophen Giordano Bruno
heit, an der Galilei erblindete.55 Urban gedroht. Zu Brunos Inquisitoren gehör-
VIII. hatte das deutsche Reichslehen te auch der hl. Kardinal Bellarmin S.J.,
Mantua den Franzosen zugesprochen, der Gegner Galileis in erstem Prozeß
was einen Krieg hervorrief, Galilei und von 1616.
seine Anhänger protegiert (Galileis je-
Was hätten die Jesuiten gegen Galilei
suitenfeindlicher und anti-aristoteli-
vorbringen können, das ihm die Todes-
scher „Saggiatore” trägt das päpstliche
strafe eingetragen hätte? Eben das, was
Wappen!), die Zahl der kirchlichen Feste
zu Brunos Verurteilung führte: Atomis-
beschränkt und die drei jährlichen Ver-
lesungen der Abendmahlsbulle (= Liste mus.56 Was ist das Gravierende am Ato-
der im Kirchenbann befindlichen Perso- mismus? Daß er auf direktem Weg zur
nen) auf eine reduziert. Bei einer zu sei- Leugnung der Transsubstantiation
ner Umstimmung 1632 gehaltenen Kri- führt.
sensitzung der Kardinäle kam es sogar Tatsächlich gelingt es einem anony-
zu Handgreiflichkeiten (REDONDI men Ankläger57, Galilei anhand seiner
232). Auf die Anschuldigungen des Kar- veröffentlichten Schriften, insbesondere
dinals Borgia wußte der Papst keine dem Saggiatore, Atomismus nachzu-
Antwort (ib. 231f.). Die Förderung der weisen und eine Verbindungslinie vom
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Atomismus zur Leugnung des euchari- Schrift, die eindeutig P. Grassi S.J. zu-
stischen Geschehens zu ziehen: „Wenn weisbar ist, belastet Galilei ebenfalls auf
man nun annimmt, diese Philosophie das schwerste mit Atomismus und eu-
sei wahr, dann dünkt mich, können die charistischer Häresie. P. Grassi kommt
Akzidentien, die im Hlg. Sakrament besonderes Gewicht zu, da er die Auto-
von der Substanz getrennt sind, wohl rität des damaligen Jesuitenordens in
schwerlich existieren. Denn dort kom- vorzüglicher Weise verkörperte: Er war
men die Begriffe und Gegenstände des Mathematiker und Astronom, Professor
taktilen Empfindens, des Gesichtssinns, am Collegium Romanum, Architekt
des Geschmackssinns usw. vor; nach je- und langjähriger Bauleiter von San Ig-
ner Theorie wird man sagen, daß hier nazio. Unter dem Pseudonym Lothario
die kleinsten Teilchen der ursprüngli- Sarsi führte er jahrelang einen publizi-
chen Substanz, die unsere Sinne akti- stischen Kampf gegen Galilei, der ihn
vierte, verbleiben, die, wie das Anaxa- mit Wörtern beschimpfte wie „feierli-
goras sagte und wie es auch unser Au- cher Dummkopf, erbärmlicher Esel,
tor (= Galilei, d.Verf.) auf Bl. 200, Z. 28 Riesenochse, Skorpion” (REDONDI,
zu behaupten scheint, substantiell sein 126). P. Grassi führt in seiner Schrift Ra-
soll, dann folgt daraus, daß im Sakra- tio ponderum gegen Galilei aus: „Hier
ment substantielle Teile von Brot und muß ich eingehen auf die Abhandlung
Wein sind, und das ist ein Irrglaube, der Wärme, in der sich Galileo ganz
den das Heilige Konzil von Trient in der ausdrücklich als Gefolgsmann von De-
Sessio XIII, Kanon 2 verurteilt hat” (RE- mokrit und Epikur59 zu erkennen gibt.
DONDI, 337). Es ist nur logisch, daß (...) Aber dennoch kann man nicht um-
Galilei sich seiner Verurteilung wider- hin, einigen Bedenken Ausdruck zu ge-
spruchslos fügte. Seine Abschwörung ben, die mich beunruhigen. Sie ergeben
mit den Worten: „Eppur si muove — sich aus dem, was unsererseits auf der
und sie bewegt sich doch” ist nie er- Grundlage der Vorschriften der Kir-
folgt. Sie ist erst ab 1761 belegt.58 Selbst chenväter, der Konzilien und der Kirche
der „Spiegel” gesteht: „Der trotzige insgesamt als unbestreitbar erachtet
Spruch: ‘Und sie bewegt sich doch!’ werden muß. Das betrifft die Spezies
kam in Wahrheit nie über seine Lippen” (Qualitäten), deren wahrnehmbare Spe-
(a.a.O. 91). zies, obwohl die Substanz des Brotes
Diese vernichtende Anklage gegen und des Weins verschwindet, dank des
Galilei, aus der ich zitierte, eine Ent- allmächtigen Wortes erhalten bleiben,
deckung REDONDIs, wurde nie in den als da sind: ihre Farbe, ihr Geschmack,
Prozeß einbezogen und macht gerade ihre Wärme oder ihre Kühle. Allein
dadurch plausibel, daß die plötzliche durch Gottes Wille bleibt die Spezies er-
Verurteilung Galileis wegen Kopernika- halten, und zwar, wie die Kirchenväter
nismus eine relativ elegante Rettung und Konzilien uns lehren, in Form eines
vor dem Scheiterhaufen und das Werk Wunders. Das ist es, was sie sagen. Ga-
sehr guter Freunde war. Eine andere lilei hingegen behauptet ausdrücklich,
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Verschiedenes

daß die Wärme, die Farbe und alles den, daß er kurz vor Beginn des Prozes-
übrige von dieser Art außerhalb dessen, ses von 1633 von Rom nach Savona ver-
der sie wahrnimmt, also im Brot und im setzt wurde und erst nach dem Tod des
Wein, reine Namen seien. Bleiben also, Papstes dauerhaft nach Rom zurück-
wenn die Substanz von Brot und Wein kehrte.
verschwindet, nichts als die Namen von Den Atomismus vertrat Galilei im
Qualitäten? Bedürfte es denn eines fort- Saggiatore, den er 1623 seinem gerade
gesetzten Wunders, um reine Namen zu zum Papst erhobenen Förderer Urban
bewahren? Quid ergo perpetuo opus VIII. widmete. REDONDI: „Nach den
miraculo est puris tantum nominibus Kriterien, die er selbst aufgestellt hatte,
sustentandis?” (nach REDONDI 339 f.) konnte sich der Saggiatore an die physi-
P. Grassi wehrt sich dagegen, daß „die kalisch erkennbare Essenz der Atome
Vorschriften der heiligen Formeln des wagen. Er interpretiert die aristotelische
Glaubens nach Belieben interpretiert Doktrin von der ‘Bewegung als Ursache
und ihr authentischer und allgemein an- der Wärme’ mittels der Bewegung
erkannter Sinn auf den Kopf gestellt kleinster Feuerteilchen und der Emissi-
werden könnte. Aber, um die Wahrheit on von Substanzpartikeln” (66). In Gali-
zu sagen, das ist nicht zugestanden wor- leis Zeit wimmelte es förmlich von ato-
den für die Bewegung der Erde, obwohl mistischen und anti-aristotelischen
deren Unbeweglichkeit nicht als ein Schriften: De rerum sensu et magia von
fundamentaler Grundsatz unseres Campanella, Philosophia naturalis adver-
Glaubens erachtet wurde; und so wird sus Aristotelem von Basson (Genf, 1621),
es, wenn ich nicht irre, noch weniger Philosophia epicurea democritiana von Hill
zulässig sein für das, was entweder den (Genf 1620), Exercitationes philosophicae
wesentlichen Punkt des Glaubens bil- von Gorlæus (Leyden 1620) (REDONDI
det, oder für das, was jeden anderen we- 67). Redondi zieht auch eine Parallele zu
sentlichen Punkt in sich enthält. In der Ockham, allerdings ohne die persönli-
Hostie, so wird allgemein behauptet, che Beschäftigung Galileis mit dem im
bleiben die sinnlich wahrnehmbaren 16. Jh. wieder häufig aufgelegten Nomi-
Spezies, die Wärme, der Geschmack nalisten nachweisen zu können: „Es
usw. erhalten: Galilei sagt dagegen, daß schien so, als sei die Ablehnung der ari-
die Wärme und der Geschmack außer- stotelischen Tradition im Saggiatore von
halb desjenigen, der sie wahrnimmt, rei- der Polemik Ockhams gegen die Schola-
ne Namen sind, also daß sie nichts sind” stik im 14. Jahrhundert, die sich auf die
(nach REDONDI, 340). In der Diagnose Freiheit der Philosophie gegen die ab-
Grassis finden sich alle oben besproche- strakten Spekulationen der Scholastiker
nen glaubenswidrigen Haltungen: Ato- berief, inspiriert” (68). Auch der schon
mismus, Nominalismus, Subjektivis- von Francis Bacon in der Nova Atlantis
mus. (1627) ausgesprochene Fortschrittsge-
P. Grassi war für Urban VIII. offen- danke findet sich bei Galilei angedeutet:
bar so sehr zu einer Belastung gewor- „Unter diesem Gesichtspunkt (sc. dem
25
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 26

Verschiedenes

Atomismus, d. Verf.) erinnert das Bild und seiner Anhänger verurteilt, weil er
vom Buch des Universums, das mit unmöglich ‘mit den Lehren der Religion
geometrischen Schriftzeichen geschrie- zu vereinbaren war’.” (REDONDI 272)
ben ist, an die Vorstellung von einem Wie sehr die Spatzen den Atomismus
Buch, dessen Seiten wie Netzwerke mit Galileis von den Dächern pfiffen, zeigt
ganz feinen geometrischen Maschen ein italienisches Gedicht von 1698: „...
aus Kreisen, Dreiecken und Quadraten Die erhabne Anstrengung Galileis, /
bestehen. Kühn wirft der Saggiatore die- das Wunder der Jahrhunderte, / mach-
se Maschen aus ‘ins unendliche Meer’ te die Atome bekannt und brachte die
der Erfahrung, um ‘fernab des Ufers’, Sterne näher.”60 (REDONDI 273)
abseits der befahrenen Routen, dem Au-
ge unsichtbare Atome mit den Maschen Anmerkungen zum Fall Galilei
der mathematischen Beschreibung ein-
Einer der Schlüsse, die REDONDI
zufangen. (...) Der neue Christophorus
aus seinen Forschungen zieht, ist die
Columbus, der Entdecker einer neuen
Abwendung von dem „positivistischen
Welt, so pries Johannes Faber Galilei in
Kult um Galilei” und von der „kitschi-
der Widmung, die auf der ersten Seite
gen Heldenverehrung, die noch heute
des Saggiatore publiziert wurde” (RE-
unser Bild von Galilei nachhaltig beein-
DONDI 69). Wie hoch das Interesse der
flußt”(321). Vor dem Hintergrund die-
Galileischen Physik am Atomismus ist,
ser Erkenntnisse liest sich der „Spiegel”
zeigt sich an der Erfindung des Barome-
als Hauspostille für Katholikenhasser.
ters durch Torricelli, einem Schüler Ga-
Eine Reihe von Mythen, mit denen Kir-
lileis. Um die Quecksilbersäule steigen
chengegner, aber auch Katholiken le-
zu lassen, bedurfte es der Erzeugung ei-
ben, bedürfen der Hinterfragung.
nes Vacuums. Nach Funktionieren des
Experiments glaubte man den für die
atomistische Physik unbedingt erfor- 1. Mythos: Es gibt noch so manche Akten
derlichen absolut leeren Raum, das rei- aus dem Inquisitionsprozeß gegen Galilei,
ne Nichts, in dem sich die unzerstörba- die wir nicht kennen. (Der „Spiegel” knüpft
ren Atome bewegen, empirisch nachge- ja sensationelle Erwartungen an die neuer-
wiesen zu haben. (Die aristotelische liche Öffnung der vatikanischen Archive für
Physik hat den berühmten horror vacui bürgerliche Forscher.)
und hält das reine Nichts für ein bloßes Entgegnung: 1811 läßt Napoleon alle
ens rationis. Der Raum [Kategorie des Prozeßakten des Hl. Offiziums nach Pa-
ubi] ist ein Akzidens körperlicher Sub- ris bringen. Frankreich gibt sie erst 1845
stanzen, also stets etwas durch Form an den Vatikan zurück. Karl von Gebler
Bestimmtes und nichts, wie in der ato- veröffentlicht 1877 alle Akten zum Pro-
mistischen Lehre, Unabhängiges.) Nach zeß. Leo XIII. gewährte einem Gelehr-
Galileis Tod verurteilte die Kirche Gali- ten namens Antonio Favaro ungehin-
leis Atomismus: „Noch im Jahr 1667 derten Zugang zu allen Dokumenten.
wurde in Rom der Atomismus Galileis Favaro veröffentlichte seine bis heute
26
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 27

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als vollständig angesehene Ausgabe florentinischen Botschafters. Während


1907 unter dem Titel: Galileo e l’inquisi- der Verhöre vom 12.04. - 30.04.1633 war
zione. Documenti del processo Galileiano er in den Räumen des Hl. Offiziums in-
esistenti dell’ Archivo del S. Ufficio e nell’ haftiert (im Dominikanerkloster S. Ma-
Archivo segreto Vaticano, nella prima volta ria sopra Minerva). Galilei wurde nicht
integralmente pubblicati da A. Favoro, Flo- gefoltert, allerdings wurde ihm
renz 1907.61 Wie groß das Bedürfnis ist, während des Prozesses mit dem damals
neue Dokumente zum Fall Galilei zu üblichen Beweiserhebungsmittel der
finden, zeigte sich 1870 an den anfäng- peinlichen Befragung gedroht.
lich von der Académie des Sciences für
echt gehaltenen „2000 Handschriften
3. Mythos: Galilei war ein großer Philo-
Galileis” des französischen Fälschers
soph.62
Vrain Lucas (REDONDI 322).
Entgegnung: Galilei war, nach unse-
ren Begriffen, ein TH-Professor im
2. Mythos (vom „Spiegel” nicht behaup- Staatsdienst. Sein Dienstherr war der
tet): Galilei wurde gefoltert und als Ketzer Großherzog von Toscana. Eine kohären-
verurteilt. te Philosophie vertrat er nicht. Descar-
Entgegnung: In seinem ersten Pro- tes, ein unverdächtiger Zeuge (1663
zeß von 1616 mußte Galilei nicht einmal selbst auf dem Index; REDONDI 284),
vor Gericht erscheinen. Er wurde ver- urteilt über ihn: „Sein Fehler ist, daß er
warnt. Ihm wurde nur auferlegt, die ko- beständig abschweift und niemals sei-
pernikanische These nicht zu lehren. nen Stoff erschöpft, woraus man er-
Während seines zweiten Prozesses wur- kennt, daß er ihn nie ordnungsgemäß
de Galilei nicht als Ketzer verurteilt, geprüft <hat> und daß er, ohne die er-
sondern als der Auflage Bellarmins von sten Gründe der Natur zu betrachten,
1616 ungehorsam mit Hausarrest und lediglich die Ursachen einiger besonde-
dem Verbot, sich über den Kopernika- rer Vorgänge gesucht hat, so daß er oh-
nismus zu äußern, diszipliniert. Galilei ne Fundament gebaut hat” (an Mersen-
durfte weiter Schüler haben und Besu- ne, 11.10.1638).63 Am ehesten kann man
cher empfangen und lebte von einer seinen philosophischen Standpunkt als
stattlichen Rente, die ihm der Großher- Frühmaterialismus bezeichnen. Wie Ba-
zog von Toscana zahlte, und einer con der theoretische, so war Galilei der
Pfründe, die ihm Urban VIII. geschenkt praktische Vollender des Empirismus.
hatte, in seinem Landsitz, der Villa „Il Einige seiner naturwissenschaftlichen
giojello”, in der Toscana. Zu seinem Pro- Erkenntnisse sind anerkennenswert
zeß reiste er in einer vom Großherzog (Fallgesetze, Venusphasen, Sonnen-
gestellten Sänfte an. Während seines In- flecken, Jupitermonde), aber nicht bahn-
quisitionsprozesses in Rom (Februar - brechend wie die Keplers und Newtons.
Juni 1633) bewohnten er und sein Die- Seriosität war nicht seine Stärke, wie
ner eine Dreizimmersuite im Palast des sich an dem im September 1998 aufge-
27
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 28

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deckten Schwindel mit den Saturn- 58 Dictionnaire de Théologie a.a.O. 1084.


Monden zeigt.64 59 Führende Materialisten der griechischen Antike.
60 Ich danke meinem Kollegen Herrn Quast-Cojo-
caru, Soest, für die Übersetzung.
4. Mythos: Galilei war ein guter Katholik
61 Dictionnaire de Théologie a.a.O. 1093.
Entgegnung: Galilei ist in der Ge- 62 Zu einer realistischen Einschätzung der wissen-
genwart von Priestern gestorben. Aller- schaftlichen Leistung Galileis vgl. J. C. Pitts
dings sind zwei Inquisitionsprozesse, (Hsg.), New Perspectives on Galilei, 1978.
das Erscheinen auf dem Index, die mit BRANDMÜLLER erwähnt dieses Buch nicht. Ich
Nennung seines Namens verbundene danke Herrn Priv.Doz. Dr. Dr. Zecher, Mainz, für
kirchliche Verurteilung des Materialis- diesen Hinweis.
mus von 1667, ferner schriftlich beleg- 63 zitiert nach: H. BLUMENBERG, Die Legitimität
der Neuzeit, Frankfurt a.M. 1996, 465.
bare Äußerungen von Stolz und
64 vgl. F.A.Z.-Meldung vom 30.09.1998: „Saturn-Be-
Hochmut65, sein beständiger Kampf ge-
obachtungen von Galilei ‘erfunden’. Der italieni-
gen die von der Kirche empfohlene ari- sche Astronom Galileo Galilei hat im Jahr 1612
stotelisch-scholastische Philosophie eine Beobachtung des Saturns vorgetäuscht, weil
und ein elfjähriges Konkubinat (1599 - er sie offenbar für ein Modell benötigte, das er zu
1610)66 nicht geeignet, das Leben Gali- dem seltsamen Verhalten des Planeten aufge-
leis für einen Katholiken vorbildlich zu stellt hat. Das haben Volker Nebel von der Uni-
machen. Als Knabe besuchte er die versität Frankfurt und Bruno Deiss von der Uni-
Schule der Benediktiner von Vallom- versität Köln herausgefunden. (...)” Ich danke
meinem verehrten Kollegen, Herrn Dr. Barth,
brosa. Daß er dort Novize war, läßt sich
Bonn, für diesen Hinweis.
nicht belegen. Seine unehelichen Töch-
65 „Bescheidenheit war Galileis Tugend nicht”,
ter gab er zur Versorgung in ein Kloster. HEMLEBEN a. a. O. 48. „Ein gefürchteter Streit-
Seinen unehelichen Sohn adoptierte er. hahn und Rechthaber”, DER SPIEGEL a.a.O. 91.
Galilei schmäht P. Grassi im Saggiatore: „Was
wollt ihr machen, Herr Sarsi (= Grassis Pseud-
Anmerkungen
onym als Verfasser des von Galilei attackierten
51 nach REDONDI a.a.O. 262. Werkes Libra, d.Verf.), wenn es mir allein ver-
52 Ich danke Herrn Egon Grabmeier M.A. für den gönnt war, alles Neue am Himmel zu entdecken
Hinweis auf dieses inzwischen nicht mehr im und niemand anderes auch nur irgendetwas.”
Handel befindliche bemerkenswerte Buch. 66 Genaueres bei HEMLEBEN, a.a.O. 39. BRAND-
53 Dictionnaire de Théologie a.a.O. 1078. MÜLLER, der Galilei zum biederen Katholiken sti-
54 HEMLEBEN a.a.O. 166. Die Pension des Pap- lisiert, äußert sich zu dem delikaten Punkt „Le-
stes erlaubte Galilei, ab 1631 für 35 Scudi jährlich bensführung” gar nicht. Hier ist der „Spiegel” ehr-
eine schloßartige Villa in der Nähe von Florenz zu licher als BRANDMÜLLER: „Daß er sonntags
mieten (HEMLEBEN ebd.). statt zur heiligen Messe lieber zu seiner Mätresse
55 HEMLEBEN a.a.O. 166 ging, trug ihm schon früh eine erste Anzeige bei
der Inquisition ein” (DER SPIEGEL a.a.O. 91).
56 Von Bruno gelehrt in seiner Schrift De minimo.
57 REDONDI fügt seinem Buch ein Facsimile der
anonymen Anklage bei und identifiziert die Hand-
schrift als die seines wichtigsten Gegenspielers
nach Bellarmin, P. Grassi S.J. (s.u).
28
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 29

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Fortschritt der Religionen – Ein Fort-Schritt?


Schluß
von Dr. Regina Hinrichs

Die Fokolar-Bewegung lebt vor, was Spiritualität leben bedeutet, den Men-
an Einheit schon möglich ist; sie stellt schen eine größere Möglichkeit zu ge-
gewissermaßen einen ersten, oder viel- ben, sich als Söhne und Töchter Gottes
leicht sogar schon einen zweiten Schritt zu offenbaren. Und während wir alle in
dar auf dem Weg zu dieser Kirche von jeder Hinsicht die Natur zu bewahren
morgen. suchen, wird sie selbst auf geheimnis-
Natürlich fragt man sich, welcher volle Weise unsere Liebe erwidern, wie
Art eine Einheit sein kann, in der An- alles, was aus Gott lebt und von ihm her
gehörige der verschiedensten Religio- Bestand hat.“22
nen und Weltanschauungen zusammen- Wenn wir diese seltsamen Worte
leben – denn von dem Ausgangspunkt überdenken, müssen wir uns u.a. fra-
der Fokolar-Bewegung, dem Wunsch, gen, was sie hier unter dem Begriff ‘of-
nach dem Evangelium zu leben, haben fenbaren’ verstanden wissen will, da
wir uns weit entfernt. Es wäre auch nur dieser ja hier offensichtlich nicht im ur-
schwer vorstellbar, wie ein Hindu oder sprünglichen Sinn des Wortes verwen-
ein Moslem diese Einheit im täglichen det wird. Dasselbe gilt für die in ihren
Leben umsetzen sollte. Worten anklingende Naturmystik: ‘die
Was also kann Grundlage des prakti- Natur erwidert unsere Liebe’. Die uns
schen Zusammenlebens sein? In Graz aus New Age-Veröffentlichungen zur
gibt Chiara Lubich auf diese Frage fol- Genüge bekannte und dort häufig be-
gende Antwort: „Was du nicht willst schworene Einheit des ganzen Kosmos
das man dir tut, das füg’ auch keinem scheint hier mindestens aus der Ferne
andern zu. Auf dieser Grundlage kön- Pate gestanden zu haben.
nen wir auch mit Angehörigen anderer Der Schluß dieser Grazer Rede läßt
Religionen zu einer Beziehung gegen- ebenfalls an aus ganz anderen – oder
seitiger Liebe kommen.“21 vielleicht doch nicht so anderen? – Krei-
Wie man dieser in Graz gehaltenen sen bekannte Zukunftsvisionen denken:
Rede entnehmen kann, bleibt Chiara „Unser Planet ist von dramatischen
Lubich aber nicht bei der Einheit unter Spaltungen, ja von Zerfall bedroht.
den Religionen stehen; sie geht noch Durch dieses neue Leben kann man um-
über diese hinaus, indem sie mit einem kehren und zugleich vorangehen. So
Ausblick auf die Einheit von Mensch wird die Menschheit jene Einheit wie-
und Natur schließt: „Eine ökumenische derfinden, für die Gott sie geschaffen
29
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 30

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hat, und die Kirchen werden jene volle einzige Buddhist, der als Beobachter am
Gemeinschaft verwirklichen, die Chri- Zweiten Vatikanischen Konzil teilnahm.
stus seiner Kirche eingestiftet hat.“23 Er erhielt den Preis, so die Temple-
Ganz ähnlich hatte sie sich in ihrer ton-Stiftung, für seine beharrlichen
Ansprache anläßlich der Verleihung des Bemühungen um interreligiöse Zusam-
Preises der UNESCO für Friedenserzie- menarbeit und den Weltfrieden.
hung geäußert: „Gemeinsam (d.h. auch In seiner Dankesrede hebt Nikkyo
mit Angehörigen anderer Religionen) Niwano hervor, daß es darauf ankom-
schreiten wir voran auf dem Weg zur me, daß die Menschheit zu einer globa-
Fülle der Wahrheit, nach der wir alle len Gemeinschaft zusammenwachse.
streben; dank der Spiritualität der Foko- Religionen haben, so sagt er, in diesem
lar-Bewegung bemühen sich weltweit Prozeß eine wichtige Rolle zu spielen:
Menschen darum, Keimzellen eines die höchsten Ziele, die sie verfolgen,
neuen Volkes zu sein, einer Welt des sollen das Glück, das spirituelle Wachs-
Friedens, einer geeinten Welt.“24 tum und der Weltfriede sein. Aufgabe
der von ihm ins Leben gerufenen Welt-
Zusammenfassend läßt sich also sa-
konferenz soll es sein, alle Hindernisse
gen: heute (!), 20 Jahre nach Verleihung
auf dem Weg zu dieser friedvollen Welt
des Templeton-Preises, hat Chiara Lu-
zu beseitigen.
bich voll bestätigt, daß sie ihn verdient
hat. Wir sind deshalb so ausführlich auf
Nikkyo Niwano eingegangen, weil 1)
Ausgehend von der Verleihung die-
ihn eine enge Freundschaft mit Chiara
ser beiden letztgenannten Preise an Chi-
Lubich verbindet und weil sie 2) Ehren-
ara Lubich wollen wir nun einen Blick
präsidentin der von ihm gegründeten
auf einige internationale Organisatio- Weltkonferenz ist und damit dokumen-
nen werfen, mit denen die Fokolar-Be- tiert, daß sie deren Bestrebungen unter-
wegung in mehr oder weniger enger stützt: „Buddhistische Initiativen für
Verbindung steht. den Frieden in der Welt finden bei uns
Zwei Jahre nach der Verleihung des volle Zustimmung und Unterstützung.
Templeton-Preises an Chiara Lubich, al- Ein Beispiel ist der sehr geschätzte Bei-
so 1979, wird ein Mann mit diesem trag der Weltkonferenz der Religionen
Preis geehrt, der, wie Chiara Lubich für den Frieden.“26
sagt, in religiösen Kreisen sehr bekannt Die nun schon mehrfach genannte
ist und mit dem sie einen tiefen geisti- Weltkonferenz der Religionen für den
gen Austausch pflegt – wir meinen Nik- Frieden wurde 1970 gegründet, und
kyo Niwano. Er ist der Gründer einer zwar – nach Informationen dieser Welt-
buddhistischen Laienorganisation mit konferenz selbst – basierend auf Gedan-
dem Namen Rissho Kosai-Kai25 (1938) ken dreier amerikanischer Religions-
und der Weltkonferenz der Religionen führer, von denen einer Bischof Wright,
für den Frieden; außerdem ist er der der spätere Kardinal, war. Man be-
30
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 31

Verschiedenes

schloß damals, das internationale Sekre- Emeritierter Präsident der Weltkon-


tariat in New York einzurichten, und ferenz ist der frühere Erzbischof von Neu
zwar – was niemanden wundern wird – Delhi Angeno Fernandes. Er unterstützt
gegenüber dem UN Gebäude, da von offen die mächtige Organisation der
vornherein eine enge Zusammenarbeit Planetary Citizens, die inzwischen ein-
mit der Weltorganisation ins Auge ge- deutig okkult ist.27 Bei einer von der
faßt war. Als kleine Illustration dessen, UNESCO veranstalteten Tagung in Bar-
was hier gemeint ist, sei erwähnt, daß es celona 1994 hielt er eine Ansprache zum
diese Weltkonferenz war, die Chiara Lu- Thema ‘Eine globale Spiritualität der so-
bich für den Friedenspreis der UNESCO zialen Verantwortung’, in der er – und
vorschlug, den sie dann ja 1996 erhielt. dies möge einen Eindruck von der Per-
sönlichkeit dieses Mannes vermitteln –
Die Weltkonferenz der Religionen
‘Spiritualität’ folgendermaßen definier-
für den Frieden genießt Beraterstatus im
te: nämlich als das „Bewußtsein unserer
Wirtschafts- und Sozialrat der UNO so-
Verantwortung auch für die Neugestal-
wie bei UNICEF und ist seit 1996 als
tung wirtschaftlicher und politischer
NGO bei der UNESCO voll anerkannt.
Einrichtungen, einer Verantwortung,
Die internationalen Verflechtungen sind
die in der persönlichen Erfahrung des
eng und nicht zu übersehen. Federico
Göttlichen verankert ist.“28 Für einen Erz-
Maxor, Generaldirektor der UNESCO,
bischof eine wahrlich bemerkenswerte Defi-
ist z.B. mit einem Interview in der deut- nition.
schen Zeitschrift der Fokolar-Bewe-
Die hier erwähnte Rede in Barcelona
gung, ‘Neue Stadt’, vertreten. Man darf
verdient noch aus anderen Gründen un-
dabei nicht vergessen, in wie enger Ver-
sere Beachtung. In enger Anlehnung an
bindung Federico Maxor und viele an-
Robert Müller (langjähriger hoher Be-
dere hochrangige UN Mitarbeiter mit
amter in UNO-Diensten und ebenfalls
dem Lucis Trust von A.A. Bailey stehen
langjähriger führender Mitarbeiter des
und daß man sich – nolens volens – in
Lucis Trust), in enger Anlehnung also an
mindestens gefährliche Gesellschaft be-
diesen Mann, den er mehrfach zitiert,
gibt.
beruft sich Erzbischof Fernandes auf die
Diese Weltkonferenz ist aus vielen UN Generalsekretäre Dag Hammer-
Gründen ein bedeutsames internationa- skjöld und U Thant, die darauf hinwie-
les Gremium, das wir noch etwas ge- sen, die Welt brauche eine globale Spiri-
nauer zu betrachten haben. tualität, die durch das neue planetari-
Zu den Ehrenpräsidenten gehört ne- sche Bewußtsein unumgänglich gewor-
ben Chiara Lubich auch Rodrigo Cara- den sei.
zo, der über ähnliche Verbindungen ver- So sagt denn auch Fernandes, ein
fügt wie Federico Mayor: auch Carazo, entscheidendes Element dieser neuen
der ehemalige Präsident von Costa Rica, Spiritualität sei die Sorge um unseren
arbeitet mit dem Lucis Trust zusammen. Planeten Erde, um unsere Umwelt. Wie
31
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 32

Verschiedenes

er sagt, brauchen wir eine neue allum- Zu Beginn wurde eine Grußadresse
fassende Weltgemeinschaft, denn diese von Pir Vilayat Khan verlesen, in der
Form von Gemeinschaft ist die einzige, dieser – und damit berühren wir einen
die er für lebensfähig hält. Und so be- Grundton, der schon mehrfach ange-
schließt er seine Rede mit dem Aufruf, klungen ist – zur Fortsetzung des inter-
das zu werden, was wir eigentlich religiösen Dialogs aufrief, indem er alle
schon längst sind, nämlich eins. Religionen dazu anregte, das Streben
Die Parallelen zu den eingangs dar- nach Universalität, das in allen religiö-
gelegten Grundüberzeugungen von sen Traditionen verborgen sei, zu för-
Chiara Lubich sind nicht zu übersehen; dern. Pir Vilayat Khan ist in internatio-
und leider ebenso wenig zu übersehen nalen Kreisen kein unbeschriebenes
sind die Parallelen, bis hinein in die Blatt: er ist Ehrenmitglied des Club of
Wortwahl, zwischen von New Age- Budapest, einer Tochtergründung des
Kreisen und anderen weltweit operie- Club of Rome, und einer der Signatare
renden Gruppen von Mondialisten seit des von diesem Club of Budapest veröf-
langem propagierten Zielen. fentlichten Manifests zum Planetari-
Dies sind Worte. Fragen wir uns schen Bewußtsein.
nun, wie die Weltkonferenz der Religio- Auf Pir Vilayat Khan folgten weitere
nen für den Frieden versucht, die hier Redner, darunter ein Angehöriger der
von ihrem emeritierten Präsidenten Schweizer Reformierten Kirche und Fo-
vorgelegten Grundprinzipien und Auf- kolarmitglied; dann ein Mitglied von
rufe mit Hilfe der ihr verbundenen in- Brahma Kumaris – einer Gruppierung,
ternationalen Gemeinschaften in die Tat auf die wir später noch kurz einzuge-
umzusetzen. hen haben werden. Neben Ansprachen
Was Sie im Folgenden hören wer- und Diskussionen gab es Gebete und
den, fußt auf den Berichten dieser Welt- Meditationen aus verschiedenen reli-
konferenz selbst. giösen Traditionen sowie eine Blumen-
Zwei Ereignisse der letzten Jahre zeremonie, die leider nicht näher be-
verdienen Beachtung: zunächst die Ge- schrieben wurde.
denkveranstaltung anläßlich der Hun- Das zweite Ereignis, das ein Licht
dertjahrfeier des Zusammentretens des auf die Aktivität der Weltkonferenz und
Parlaments der Weltreligionen in Chica- die der mit ihr verbundenen Organisa-
go 1993, deren Gastgeber übrigens die tionen wirft, ist die 6. Weltkonferenz der
Erzdiözese Chicago war. Für unseren Religionen, die 1994 in Rom, genauer-
Zusammenhang ist die Veranstaltung in hin im Vatikan, und in Riva del Garda
Amsterdam von besonderer Bedeutung. stattfand. Diese Veranstaltung stand un-
An Gestaltung und Durchführung wa- ter dem Leitwort ‘Die Welt heilen – Re-
ren u.a. die internationale Vereinigung ligionen für den Frieden’. Zweifellos be-
für religiöse Freiheit (IARF) und die Fo- darf die Welt und jeder von uns der
kolar-Bewegung beteiligt. Heilung, des Heils, des Heilandes –
32
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 33

Verschiedenes

aber um diesen ging es wohl bestenfalls Schaffung des Friedens auf Erden, zu
am Rande. bewältigen.
Alles drehte sich nämlich auch hier Der zweite und für unser Thema
darum, in einen vertiefenden Dialog der noch interessantere Teil dieser Konfe-
Religionen einzutreten, sich besser zu renz fand in Riva del Garda statt – und
verstehen, sich näherzukommen – ein hier engagierte sich die Fokolar-Bewe-
Ziel, das man einerseits durch Ausspra- gung mit offenbar bewundernswertem
chen und Appelle verschiedener religiö- Einsatz. So hebt es jedenfalls das Mittei-
ser Führer anzustreben suchte, anderer- lungsblatt der Weltkonferenz mehrfach
seits durch die Teilnahme an religiösen lobend hervor.
Zeremonien, die aus dem Islam, dem Es lohnt, einen Blick auf die Redner-
Shintoismus, dem Judentum und aus liste in Riva del Garda zu werden, denn
Naturreligionen stammen. Es geht hier da befinden wir uns auf fast schon ver-
nicht unbedingt – wir sagten es schon – trautem Boden, auf dem sich die großen
um Synkretismus, um die Übernahme internationalen Vereinigungen die
einzelner Elemente aus verschiedenen Hand reichen. Von katholischer Seite
Religionen und deren Verschmelzung sind die Kardinäle Arinze, Etchegaray und
zu einer neuen Superreligion, sondern Martini sowie der uns schon bekannte
um die alle Religionen übersteigende Erzbischof Fernandes vertreten. Die UNO
höhere Einheit, in der die historisch ge- wird durch Yasushi Akashi, den zeitwei-
ligen Repräsentanten der Weltorganisa-
wachsenen unterschiedlichen Ausprä-
tion im ehemaligen Jugoslawien, vertre-
gungen erhalten bleiben. Sie erscheinen
ten; Hans Küng ist anwesend und natür-
nun als farbige Bereicherung der neu
lich der Gründer der Weltkonferenz
gewonnenen Einheit.
Nikkyo Niwano, den wir zu Beginn aus-
Auf dieser niederen Ebene wäre führlich behandelt haben. Ohne den
dann wohl die Überzeugung des Katho- selbstlosen Einsatz von Fokolarmitglie-
liken anzusiedeln, der immer noch dar- dern, vor allem im Hinblick auf deren
an festhält, der Religion anzuhangen, Beziehungen zur Presse, wäre, so wird
der die Wahrheit anvertraut ist, und der immer wieder betont, dieser Versamm-
Kirche treu zu sein, die er als Mater et lung nicht der Erfolg beschieden gewe-
Magistra Veritatis aller Menschen aller sen, den sie offenbar hatte.
Zeiten bekennt. Dieses darf er sicherlich Krönender Abschluß dieser Konfe-
auch weiterhin meinen, er soll es nur renz war die Erklärung von Riva del
nicht laut sagen und damit den sich Garda, die von einem Schiff aus am
überall ausbreitenden universalen Frie- Abend feierlich vorgelesen wurde – eine
den stören. Denn dieser ist das summum Zeremonie übrigens, auf deren symboli-
bonum: alle Religionen sind Werkzeuge, sche Bedeutung ausdrücklich hingewie-
deren man sich bedient, um die der sen wird: das auf dem See schwimmen-
Menschheit gestellte Aufgabe, die de Schiff bedeutet die Fahrt hinüber
33
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 34

Verschiedenes

zum Frieden, zu dem die Religionen tragen. Die Vision der einen, alle ande-
uns geleiten, aber das Gestade, das Ziel ren Religionen wie eine Kuppel über-
ist noch nicht erreicht. wölbenden Religion – oder sollte man
Die genannte Deklaration faßt die eher von der Spitze einer Pyramide
Ergebnisse und Ausblicke der Konfe- sprechen? – steht am Schluß dieser Er-
renz zusammen. Im Mittelpunkt der Er- klärung: wenn die Religionen sich so
klärung steht der Gedanke, eine Weltge- wie eben beschrieben verhalten, dann
meinschaft zu bilden, ihre Rechte und können sie „ohne Beeinträchtigung ih-
Pflichten festzulegen. Hervorgehoben rer Identität und ihres Wahrheitsan-
spruchs auf der eigentlich religiösen
wird die Heiligkeit der Erde und unsere
Ebene, Übereinstimmungen und Ergän-
Einheit mit ihr29, echte, wahre Religio-
zungen auf der sozialethischen Ebene
sität wirkt mit an der Durchsetzung von
entdecken.30
Freiheit und Menschenrechten.
Es ist sicher nicht notwendig, im ein-
Daher hat hier der interreligiöse Dia-
zelnen nachzuweisen, daß diese Er-
log seinen Platz, denn es geht ja darum,
klärung kaum einen Punkt enthält, den
die Erde zu heilen, destruktive Elemen-
ein Christ vorbehaltlos unterschreiben
te aber abzuwehren. Was unter den letz-
könnte – umso bedenklicher ist die Teil-
ten zu verstehen ist, kann man sich in
nahme so vieler hochrangiger Vertreter
etwa denken, es wird aber auch ganz
der Kirche und das große Engagement,
klar ausgesprochen; nämlich religiöser mit dem die Fokolar-Bewegung diese
Nationalismus und Extremismus. Die Konferenz unterstützt hat.
so gesteckten Ziele erfordern natürlich
Wie bei einer solchen Zusammen-
die Zusammenarbeit mit der UNO; die
kunft kaum anders zu erwarten, wurde
Weltkonferenz bekräftigt ihr diesbezüg-
diese neue Sicht von Religionen nicht
liches Engagement.
nur mit Worten beschworen, sie wurde
Die Erklärung spricht vom Heilen auch gelebt, oder, wie man heute sagen
der Welt, sowohl lokal als auch global, würde, ‘erfahren’. Es gab Anrufungen
vom harmonischen, friedvollen Univer- verschiedener Gottheiten; buddhisti-
sum als dem Ziel des Lebens und der sche, indianische, hinduistische Gebete
spirituellen Bemühungen des Men- und Meditationen. Wenn man derartige
schen. Die von uns zuvor beschriebene Aktivitäten und das mit ihrer Hilfe an-
neue Einheit der Religionen wird erneut gestrebte Ziel bedenkt, verwundert es
beschworen: wir werden aufgefordert, nicht, daß die Weltkonferenz in ihrem
im Hinblick auf die Versöhnung unter Informationsblatt – einen interreligiö-
den Religionen heilige Texte gemein- sen Kalender veröffentlicht, in dem
sam zu benutzen, anderen religiösen Feste von neun Religionen (Christen-
Traditionen mit Achtung zu begegnen, tum, Islam, Buddhismus, Baha’i, Juden-
gemeinsame Meditationen durchzu- tum, Hinduismus, Sikhismus, Jainis-
führen, denn all dies kann zur gegensei- mus und Zoroastrismus) enthalten sind,
tigen Bereicherung und Inspiration bei- wobei von den christlichen Festen nun-
34
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 35

Verschiedenes

mehr Epiphanie, Weihnachten, Ascher- Konkreten Ausdruck findet diese en-


mittwoch, Ostern und Pfingsten übrig- ge Verflochtenheit in einer Publikation
bleiben. Diese sind, das dürfen wir nicht des Rates des Parlaments der Weltreli-
vergessen, nunmehr Ausdruck von Son- gionen mit dem Titel ‘Sourcebook for
dertraditionen auf der rein religiösen the Community of Religions’, in dem
Ebene. Dort sind sie geduldet, dort dür- zwar weder die Fokolar-Bewegung
fen sie eine Rolle spielen, aber nur so noch Chiara Lubich selbst vertreten
lange und nur insoweit als sie nicht die sind, wohl aber alle die internationalen
angestrebte große Einheit stören oder Organisationen, mit denen sie zusam-
gar behindern. menarbeiten. Es handelt sich bei dieser
Neben den schon genannten interna- Quellensammlung um eine Zusammen-
tionalen interreligiösen Organisationen, stellung von Texten von Vereinigungen,
mit denen die Fokolar-Bewegung in die ergänzt wird durch eine Fülle ande-
Verbindung steht, wurde Brahma Ku- rer Netzwerke, die leider – alle mitein-
maris genannt, eine Vereinigung, die, ander – uns einen Eindruck davon ver-
1936 in Karachi gegründet, sich als mitteln, in welch dichtem Netz des Was-
‘World Spiritual University’ bezeichnet. sermanns wir uns seit geraumer Zeit
Sie verfügt über Niederlassungen auf schon befinden – einem Netz, aus dem
der ganzen Welt, ist besonders stark in sich zu befreien für einen Christen le-
Asien und Europa vertreten, hier allein bensnotwendig, ja überlebensnotwen-
in 18 Ländern. Erklärtes Ziel ist die För-
dig ist. Gelingt ihm dies nicht, versucht
derung von Meditation, spirituellen
er es vielleicht nicht einmal, sondern
Werten, vor allem durch die Entwick-
fördert und fordert er gar die Zusam-
lung des eigenen Selbst.
menarbeit um eines vermeintlich höhe-
Abgesehen von diesen, den Einzel- ren Zieles willen, dann sind höchste
nen betreffenden Zielen, verfolgt diese Vorsicht und Wachsamkeit geboten.
Universität, wie alle hier vorgestellten
und miteinander verbundenen Organi- Eine Kennerin auf dem Gebiet des
sationen, dieselben Ziele: Schaffung des New Age, Cornelia Ferreira, bringt die
Weltfriedens, einer harmonischen Welt. Gefährdung, in der wir uns befinden,
Zusammenarbeit mit UNICEF und der auf den Punkt: „Eines der seit langem ver-
UNO, bei der sie ebenfalls Beraterstatus folgten Ziele der freimaurerischen Neuen
im Wirtschafts- und Sozialrat genießt Weltordnung scheint endlich in greifbare
sowie die Anerkennung als NGO, sowie Nähe gerückt: die Eine-Welt-Kirche, an de-
Zusammenarbeit mit dem Weltparla- ren Errichtung seit 150 Jahren gearbeitet
ment der Religionen in Chicago. Wir wird, nimmt Form an. ... Kollaborateure
stoßen auf dieselben weitverzweigten sind gewisse Führer der katholischen Kirche,
internationalen Verpflechtungen, in die die durch die internationale Organisation,
eben auch die Fokolar-Bewegung einge- die als Weltkonferenz der Religionen für den
fügt ist. Frieden bekannt ist, ihr Werk tun.“31
35
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 36

Verschiedenes

Drei falsche Prämissen liegen all die- schen; Kai bedeutet die Vervollkommnung der
sen Konzepten, an denen auch die Fo- Persönlichkeit und das Erreichen der ‘Bud-
kolar-Bewegung so engagiert mitarbei- dhaschaft’, in: William Proctor, The Templeton
tet, zugrunde: Touch, New York 1983, S. 201
26 a.a.O., S. 121
1) Friede auf Erden ist das oberste Ge- 27 Vgl. C. Ferreira, One-World Church Expected
bot – des Christen erstes Gebot lau- This Year, in: Christian Order März 1997, S. 142
tet anders! 28 The Contribution of Religions to the Culture of
2) Religionen sind schuld an Kriegen Peace, Barcelona 1995, S. 50
und Streitigkeiten – die Lehre der 29 Religion for Peace, Newsletter Febr. 1995, New
York, S. 6
Kirche über den Ursprung von
30 VI. Weltkonferenz der Religionen für den Frieden
Krieg und Zwist sieht ganz anders in Riva 1994, Die Riva-Erklärung S. 16
aus. 31 C. Ferreira, One-World Church Expected This
3) Die Einheit der Religionen wird Year, in: Christian Order, März 1997, S. 135
zum Frieden führen – nur die Ein-
heit in der Wahrheit kann den wirk- Mit freundlicher Genehmigung der Au-
lichen Frieden bringen; vergessen torin entnommen aus: Theologisches
wir nicht das Wort des Herrn: mei- Mai und Juni 1998
nen Frieden gebe ich euch, nicht wie
die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch.
Das einzige Ziel, das für die Katholiken
von Interesse ist, ist die immer tiefere Ein-
wurzelung in den mystischen Leib Christi,
die uns eines Tages – Deo iuvante – zur vi-
sio beatifica, zur seligen Anschauung Got-
tes und damit zum ewigen Frieden führen
wird.

Anmerkungen
20 Rede zur Verleihung der Ehrendoktorwürde in
Theologie von der St. Thomas-Universität in Ma-
nila , 14.1.97, S. 5
21 C. Lubich, Eine Spiritualität der Versöhnung, S. 8
22 a.a.O., S. 8
23 a.a.O., S. 9
24 Rede vor der UNESCO am 17.12.1996, S. 5, Pa-
ris PF 171296.DOC
25 Rissho bedeutet: das Lehren des wahren Geset-
zes in der Welt begründen; Kosai bezieht sich auf
den Gedankenaustausch unter gläubigen Men-
36
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 37

Liturgischer Kalender
März
1.3. Montag n. d. 2. Fastensonntag
2.3. Dienstag n. d. 2. Fastensonntag
3.3. Mittwoch n. d. 2. Fastensonntag
4.3. Donnerstag n. d. 2. Fastensonntag (Ged. d. hll. Kasimir u. Lucius)
5.3. Freitag n. d. 2. Fastensonntag
6.3. Samstag n. d. 2. Fastensonntag (Ged. d. hll. Perpetua u. Felizi-
tas)
7.3. Sonntag 3. Fastensonntag (Oculi)
8.3. Montag n. d. 3. Fastensonntag (Ged. d. hl. Johannes v. Gott)
9.3. Dienstag n. d. 3. Fastensonntag (Ged. d. hl. Franziska von Rom)
10.3. Mittwoch n. d. 3. Fastensonntag (Ged. d. hll. 40 Martyrer von
Sebaste)
11.3. Donnerstag n. d. 3. Fastensonntag
12.3. Freitag n. d. 3. Fastensonntag (Ged. d. hl. Gregor I.)
13.3. Samstag n. d. 3. Fastensonntag
14.3. Sonntag 4. Fastensonntag (Laetare)
15.3. Montag n. d. 4. Fastensonntag
16.3. Dienstag n. d. 4. Fastensonntag
17.3. Mittwoch n. d. 4. Fastensonntag (Ged. d. hl. Patrick)
18.3. Donnerstag n. d. 4. Fastensonntag (Ged. d. hl. Cyrillus)
19.3. Freitag Fest des hl. Josef (1. Kl.) (Ged. Fr. n. d. 4. Fasten-
sonntag)
20.3. Samstag n. d. 4. Fastensonntag
21.3. Sonntag Erster Passionssonntag (Judica)
22.3. Montag n. d. 1. Passionssonntag
23.3. Dienstag n. d. 1. Passionssonntag
24.3. Mittwoch n. d. 1. Passionssonntag (Ged. d. hl. Gabriel)
25.3. Donnerstag Fest Mariä Verkündigung (1. Kl.)
26.3. Freitag n. d. 1. Passionssonntag
27.3. Samstag n. d. 1. Passionssonntag (Ged. d. hl. Joh. von Damas-
kus)
28.3. Sonntag Zweiter Passionssonntag (Palmsonntag)
29.3. Montag in der Karwoche
30.3. Dienstag in der Karwoche
31.3. Mittwoch in der Karwoche
37
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 38

Heilige Messen
Ort Name PLZ, Straße Tel. Meßzeiten s
DEUTSCHLAND
Aachen Kapelle St. Petrus Canisius 52072, Brüggemannstr. 12 0201/664922 9.15/18.00 (1. u.
Altötting Kapelle Maria Hilf 84503, Dr. Hiemer Str. 3 08671/13201 9.00
Augsburg siehe Königsbrunn
B. Friedrichshall Kirche Sieben Schm. Mariens 74177, Ulmenweg 4 06321/32260 9.00 bzw. 18.00
Berlin Kapelle St. Petrus 10961, Mehringdamm 64 030/7859225 9.30/ 18.30 (Fr), 8
Bonn Priorat Christkönig 53111, Kaiser Karl Ring 32 a 0228/679151 8.00, 10.00/ 7.15,
Brilon Wald Karmel St. Josef 59929, Korbacher Str. 89 02961/6445 10.00/ 8.00
Spiritual 59929, Korbacher Str. 99 02961/908134
Diestedde Don-Bosco-Gymnasium 59329, Lange Str. 1 02520/93040 10.00/6.40
Essen Priorat St. Bonifatius 45356, Bottroper Str. 295 0201/664922 8.00, 9.30/ 7.15, 1
Freiburg Kapelle St. Antonius v. Padua 79114, Wiechertstr. 2B 07643/6980 9.00 bzw. 18.00
Fulda Kapelle M v.d. Immerw.Hilfe 36037, Heinrichstr. 45 0661/72674 9.30 oder 17.00
Göffingen Priorat Hl. Geist 88527, Biberacher Str. 2 07371/93640 8.00, 9.30/ 7.15, 1
Noviziat St. Pius X. (wie Priorat) 07371/13736
Hagstedt Kapelle Herz Jesu u. Mariä 49429 0201/664922 9.30
Hamburg Kapelle St. Theresia v. Avila 22297, Alsterdorfer Str. 210 040/5116813, 8320283 10.30/ 18.00 (Fr)
Hannover Kapelle St. Ansgar 30419, Hartungstr. 11 02520/93040 9.30 bzw. 17.00
Hattersheim Kapelle St. Athanasius 65795, Schulstr. 7 06190/2644, 0711/89692929 8.00, 10.00/ 18.00
Häusern Kloster Marienberg 79837, Haselwies 10 07672/328 8.45/ 7.00
Heilbronn siehe Bad Friedrichshall
Karlsruhe Kirche Herz-Jesu 76187, Sudetenstr. 93 06321/32260 9.00 bzw. 18.00/1
Kaufbeuren Kapelle Hl. 14 Nothelfer 87600, Dr. Muschak-Str. 14 07371/93640 9.00/ 1. Fr 19.00
Kleve Kapelle Maria, Trösterin d. Betr. 47533,Van Bracht-Steege 0201/664922 18.00 (1. u. 3. So
Koblenz Kapelle Mariä Heimsuchung 56073, Bahnhofsweg 6 0261/408246, 0228/679151 10.00/ 18.00 (Fr),
Köln Kapelle Hl. Drei Könige 50668, Am Salzmagazin 6 0228/679151 10.00/ 18.30 (Mi),
Königsbrunn Kapelle Mutter vom Großen Sieg 86343, Keltenstr. 9 08231/34146, 08236/5395 9.00/ verschieden
Lübeck St. Katharinenkirche 23552, Königstr. 27 0201/664922 -/ 17.30 (Sa)
Memmingen Kapelle St. Josef 87700, Tummelplatzweg 15 089/712707 7.45, 9.30/ 19.00
Miltenberg Kapelle St. Judas Thaddäus 63897, Mainzer Str. 14 06321/32260 9.00 bzw. 16.00
München Priorat St. Pius X. 81369, Johann Clanze Str. 100 089/712707 7.30, 9.30/ 6.30, 1
Neustadt Priorat Hl. Familie 67433, Mandelring 36 06321/32260 8.00, 9.30/ 7.15 (
Nürnberg Kapelle Unbefleckte Empfängnis 90513, Angerzeile 14 09451/1225, 3659 9.45 bzw. 15.00
Offenburg Kapelle St. Konrad 77654, Werderstr. 2 07643/6980 9.00 bzw. 18.00/
Passau Rosenkranz-Kapelle 94032, Kapuzinerstr. 75 09451/1225 So 8.10 Rosenkra
Reutlingen Kirche Hl. Kreuz 72770, Im Staudfuß 9 0711/89692929 9.00/ 18.45 (Di), 1
Rheinhausen Priorat St. Michael 79365, Kronenstr. 2 07643/6980 9.00/ 6.30 (Mo, M
Saarbrücken Priorat St. Maria zu den Engeln 66119, Julius Kiefer Str. 11 0681/854588 7.45, 9.30/ 7.00 (
38
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 39

Meßzeiten sonntags/werktags

9.15/18.00 (1. u. 3. Mi) Nähe Ponttor


9.00

9.00 bzw. 18.00 Kochendorf


9.30/ 18.30 (Fr), 8.00 (Sa), übrige Tage anfragen U-Bahn Mehringdamm (U6 u. U7)
8.00, 10.00/ 7.15, 8.00 (Sa), 18.00 (Di, Fr)
10.00/ 8.00

10.00/6.40 Wadersloh
8.00, 9.30/ 7.15, 17.45 Bergeborbeck
9.00 bzw. 18.00
9.30 oder 17.00
8.00, 9.30/ 7.15, 19.30 (Do zusätzlich), 1. Fr u. Sa nur 19.30

9.30 bei Vechta


0283 10.30/ 18.00 (Fr) Alsterdorf
9.30 bzw. 17.00 Vinnhorst
92929 8.00, 10.00/ 18.00 (Do, Fr), 8.00 Sa
8.45/ 7.00

9.00 bzw. 18.00/18.30 (Fr) Knielingen


9.00/ 1. Fr 19.00 Neugablonz
18.00 (1. u. 3. So) Nähe Stiftskirche
9151 10.00/ 18.00 (Fr), 8.00 (Sa) Moselweiß
10.00/ 18.30 (Mi), 8.00 (Sa) beim Ursulaplatz
/5395 9.00/ verschiedene Zeiten bei Augsburg
-/ 17.30 (Sa)
7.45, 9.30/ 19.00 bzw. 19.30 (Sommer) (Fr, 1. Sa), 7.15 (Sa)
9.00 bzw. 16.00
7.30, 9.30/ 6.30, 18.00 (außer Mo), 8.00 (Sa) U-Bahn: Partnachplatz (U6)
8.00, 9.30/ 7.15 (außer Di, Fr: 19.00) N. (Weinstraße); Haardt
9.45 bzw. 15.00 Nürnberg-Zirndorf
9.00 bzw. 18.00/ 19.00 (1. Fr)
So 8.10 Rosenkranz, 9.00 hl. Messe Innstadt
9.00/ 18.45 (Di), 19.30 (1. Fr) Betzingen
9.00/ 6.30 (Mo, Mi)/ 19.00 (Do, Fr), 7.00 (Sa), 20.00 (1. Sa) Niederhausen
7.45, 9.30/ 7.00 (Mo, Mi, Do, Sa), 17.40 (Di, Fr)
39
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 40

Ort Name PLZ, Straße Tel. Meßzeiten s


Schönenberg St. Theresien-Gymnasium 53809, St. Vinzenz-Str. 2 02295/5082, 5163 10.00/6.35
Schramberg Kapelle Sel. Bernhard von Baden 78713, Hardtstr. 4 0711/89692929 9.00 bzw. 18.00;
Siegen Kapelle St. Trinitas 57072, Tiergartenstr. 37 0228/679151 17.00
Stuttgart Distriktsitz St. Athanasius 70469, Stuttgarter Str. 24 0711/89692929 7.30,9.30/ 7.15, 1
Sulzberg Kapelle Unbefl. Herz Mariens 87477, Bundesstr. 309 08376/8458 9.00
Überlingen Priorat St. Josef 88662, Litscherweg 2 07551/2266 7.30,9.30/ 7.00 (
Weihungszell Seniorenh. St. Josef 88477, Maienfeld 5 07347/6010 7.30, 9.30/ 6.40 (
Priorat St. Christophorus 88477, Kapellenstr. 12 07347/921690 siehe oben
Würzburg Konferenzsaal d. Hbf 0931/72281 15.00 (gewöhnlic
Zaitzkofen Priestersem. Herz Jesu 84069, Hauptstr. 26 09451/1225, 3659 8.00, 10.00/ 7.15

SCHWEIZ –––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Balsthal siehe Oensingen
Basel Priorat St. Theresia v. K. Jesu 4057, Schliengerweg 17 061/6923377 8.00, 10.00/7.00
Carouge Kapelle St. Joseph 1227, Av. du Card. Mermillod 9 022/3426232,7922319 8.30, 10.00, 19.0
Chexbres Karmel Marie Reine des Anges 1605, Cremières 021/9462910,9463206 7.45/ 8.00
Delémont Hl. Geist-Kirche 2800, 1,rue de la Prévóté 062/2161818 9.15/ 18.30 (werk
Ecône Priesterseminar St. Pius X. 1908 027/7443525 7.20, 8.30,10.00/
Enney Exerzitienhaus Domus Dei 1667 026/9211138 7.45/ 7.15
Freiburg Kapelle ULF Hüterin d. Glaubens 1700, 3 bis, route-Neuve 026/9211138 9.30/ 18.45 (Di, D
Genf (siehe Carouge und Onex)
Glis (Brig) Kapelle Hl. Antlitz 3902, Zwingartenstr. 56 027/9233901, 7443525 8.00 (alle 14 Tag
Goldau Kapelle Maria Hilfe d. Christen 6410, Hügelweg 8 041/3608832,7553647 9.30/ 19.15 (Mi)
Lausanne Kapelle Charles B. u. Reg. Pacis 1005, avenue Avant-Poste 7 021/3112814, 026/9211138 8.30, 10.00/ anfr
Luzern Kapelle St. Josef 6005, Tribschenstr. 51 041/3608832,7553647 7.30, 9.15/ 19.15
Mels Institut Sancta Maria 8887 081/7234423 8.30 (nicht an all
Menzingen Generalhaus M. Verkündigung 6313, Schloß Schwandegg 041/7553636 7.30/ 7.15
Monthey Kapelle St. Antoine 1870, Av. du Simplon 100 027/3064666, 024/4772351 9.30/ 8.00 (Mi, F
Montreux Kirche ULF v. Lepanto 1820, rue de la Gare 24 026/9211138 10.15/ 19.00 (Mi,
Oberriet Priorat St. Karl Borromäus 9463, Staatsstraße 87 071/7612726 8.30,10.00,19.00
Oensingen Kirche Herz-Jesu 4702, Staadackerstr. 4 062/2161818 9.15/ 7.15 (Mo),
Onex Schule St. François de Sales 1213, 23, rue Gaudy-Le-Fort 022/7934211 -/ 7.15
Rickenbach Distriktsitz St. Niklaus v. Flüe 4613, Solothurner Str. 11 062/2161818 7.15/ 7.15
Riddes Kapelle Sts Coeurs de J. et M. 1908 027/3064666 9.30, 19.00/ 19.3
Siders Priorat Herz Jesu 3960, rue des Lacs 25 027/4555322 8.30, 18.00/ 6.45
Sitten Kapelle Hl. Familie 1950, rue de la Bourgeoisie 027/3228102,4555322 7.45,10.30/ 18.00
St. Gallen Kapelle St. Pius X. 9000, Zürcher Str. 68a 071/9122933 9.00/ 18.30 (Mi, 1
Uznach Kapelle St. Meinrad 8730, Im Städtchen 8 081/7234423 jeden 2. Sonntag
Wil Priorat Hl. Familie 9500, Florastr. 3 071/9122933 7.30, 9.30, 19.30
40
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 41

Meßzeiten sonntags/werktags
3 10.00/6.35 b. Ruppichteroth
9.00 bzw. 18.00; im Winter 9.00 bzw. 17.00 Sulgen
17.00
7.30,9.30/ 7.15, 18.00 (Mo. Do, Fr) Feuerbach
9.00 Bodelsberg 5 (Kempten)
7.30,9.30/ 7.00 (Mo, Do), 7.30 (Sa), 18.30 (Di, Fr) Mi, 19.00 hl. Messe in Scheidegg
7.30, 9.30/ 6.40 (Fr 18.30)
siehe oben
15.00 (gewöhnlich 3. Sonntag)
9 8.00, 10.00/ 7.15, 17.15

––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––

8.00, 10.00/7.00 (Mo-Do), 19.00 (Di, Mi,-Fr), 8.00 (Sa) Kapelle im Schl.weg 33
2319 8.30, 10.00, 19.00/ 18.30 (außer Sa 9.00)
3206 7.45/ 8.00
9.15/ 18.30 (werktags jeden Freitag) Ecke rue de Chaux
7.20, 8.30,10.00/ 7.15 (Festtage 6.50), 17.30 bei Riddes
7.45/ 7.15
9.30/ 18.45 (Di, Do, Fr., 1. Sa, 13.) Eingang PROMS, Bhf

43525 8.00 (alle 14 Tage)


3647 9.30/ 19.15 (Mi)
9211138 8.30, 10.00/ anfragen
3647 7.30, 9.15/ 19.15 (Di, Fr), 7.15 (sonst)
8.30 (nicht an allen So)/Mo-Sa unregelmäßig
7.30/ 7.15
4772351 9.30/ 8.00 (Mi, Fr), 18.00 (1. Sa)
10.15/ 19.00 (Mi, 1. Fr),17.30 (1. Sa)
8.30,10.00,19.00/ 7.00+18.00, (Di) 19.00
9.15/ 7.15 (Mo), 19.15 (Do, Sa u. 1. Fr im Monat)
-/ 7.15
7.15/ 7.15
9.30, 19.00/ 19.30 nahe Sägerei Fournier
8.30, 18.00/ 6.45 (Mo), 18.30 (Mi-Fr), 7.15 (Sa)
5322 7.45,10.30/ 18.00 (Mo-Mi, Fr), 7.45 (Do, Sa) hinter dem Bahnhof
9.00/ 18.30 (Mi, 1. Fr)
jeden 2. Sonntag (in Mels anfragen)/ 18.45 (Mo)
7.30, 9.30, 19.30/ 7.15, 18.45 (Di), 19.30 (Do), 18.45 (Fr), 8.00 (Sa), 18.00 (1. Sa)
41
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 42

Ort Name PLZ, Straße Tel. Meßzeiten


Zürich Kapelle Christkönig 8048, Im Struppen 11 062/2161818 10.00/ 19.15 (Mi,

ÖSTERREICH ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Graz Kapelle St. Thomas von Aquin 8010, Körösistr. 17 01/8121206 9.00 oder 17.00
Innsbruck Priorat Maria Hilf 6020, Höttingergasse 14 0512/273826 9.00/ 7.15 (Di, D
Jaidhof Distriktsitz Kath. Bildungshaus 3542 02716/6515 9.00/ 7.15, 17.4
Klagenfurt Kapelle St. Hemma von Gurk 9020, Villacher Ring 5 01/8121206,0463/507873 9.00 oder 17.00
Lienz Kapelle Maria Miterlöserin 9900, Rohracherstr. 7 04852/70995, 02716/6515 18.00 (1. So im
Piesendorf Kapelle Herz Jesu 5721, Walchen 51 0512/273826 18.00
Salzburg Kapelle St. Pius X. 5020,Schillinghofstr. 6 0512/273826 9.00 (3. So. im
Ternberg Haus St. Josef 4452, Breitenfurt 55-57 02716/6515 9.00, manchma
Wien Priorat St Klemens M. Hofbauer 1120, Fockygasse 13 01/8121206 7.15 (Di-Fr), 8.0
Kirche St. Josef 1070, Bernardgasse 22 01/8121206 7.00, 9.00 (So+
(vom Ausland: 00431/8121206)
UNGARN ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Budapest Hotel Flandria 1135, Szegedi ut 27 10.00 (3. So im
TSCHECHIEN ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Prag 4 Chodovská tvrz Ledvinowa ul. 9 10.00 (2. So im
Brünn Radnická 10 Sa vor dem 2. S
SÜDTIROL ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Spinges Pfarrkirche 39037 6.30, 9.00/ 7.00
St. Lorenzen 39030, Hl. Kreuz-Str. 27 8.00/ 7.30
FRANKREICH (Elsaß und Lourdes) –––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Bitsch Schule Etoile du Matin 57230 03.87-06.53.90 10.00 (auch Fe
Colmar Kapelle Saint-Joseph 68000, 22, rue Ampere 03.89-41.78.12, -389-27.10.04 10.00, So nach
Straßburg Priorat Notre Dame du Rosaire 67000, 28, rue Faub. de Pierre 03.88-22.61.06 10.00/ 18.30 (M
Mülhausen Priorat Marie Reine 68100, 195, rue de Bâle 03.89-44.66.93 10.45/ 20.30 (1
Lourdes Priorat Coeurs de Jésus et M. 65100, 1, route de Pau 05.62–94.24.42 9.00, 18.00/ 18.
ITALIEN/ROM ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Albano Laziale Pilgerhaus Fraternità San Pio X 00041 Via Trilussa 45 0039/69306816 (anfragen)
NIEDERLANDE –––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Gerwen-Nuenen Priorat St. Clemens 5674 RR Heuvel 23 040/2834505 (D: 0031) 11.30/ 18.30 (M
BELGIEN ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Antwerpen Priorat v. h. Allerh. Sacrament 2018, Hemelstr. 23 00323/2330449 7.30, 10.00 (au
Brüssel Priorat Christ-Roi 1050, Rue de la Concorde 39 00322/5500020 7.45, 9.00,10.30
Gent Kapelle Sint-Amandus 9000, Kortrijkse Steenweg 139 00323/2330449 10.00 (auch Fe
Namur Kapelle St. Aubin 5000, Rue Delvaux 10 00323/5500020 10.30/ 19.00 (M

42
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 43

Meßzeiten sonntags/werktags
10.00/ 19.15 (Mi, Fr) Altstetten

–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
9.00 oder 17.00/ 17.00 (Sa) oder 7.00 (Mo)
9.00/ 7.15 (Di, Do), 19.00 (Mo, Mi, Fr), 18.00 (Sa)
9.00/ 7.15, 17.45 (Mi)
507873 9.00 oder 17.00/ 18.00 (Sa) oder 7.30 (Mo)
16/6515 18.00 (1. So im Monat), 9.00 (3. So im Monat)
18.00
9.00 (3. So. im Monat 18.00) (Sa 18.00, wenn So 9.00) Rückgebäude
9.00, manchmal 18.00
7.15 (Di-Fr), 8.00 (Sa)
7.00, 9.00 (So+Feiertag)/ 18.00 (Mo, Di, Do, Fr)
6)
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
10.00 (3. So im Monat)
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
10.00 (2. So im Monat)
Sa vor dem 2. So im Monat
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
6.30, 9.00/ 7.00 nördlich Brixen
8.00/ 7.30 Pustertal
–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
10.00 (auch Feiertage)/ 7.00 Eguelshardt-Waldeck
-27.10.04 10.00, So nach 1. Sa zusätzlich 7.00 Nähe Fußballst. Ladhof
10.00/ 18.30 (Mi, Fr)
10.45/ 20.30 (1. Fr)
9.00, 18.00/ 18.00 (telefonisch anfragen)
–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
(anfragen)
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
: 0031) 11.30/ 18.30 (Mo, Do), 7.15 (Di, Mi u. Fr), 8.00 (Sa) tel. Ausk. auch f. Maastricht u. Den Haag
–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
7.30, 10.00 (auch Feiertage)/ 11.00 (Sa), 18.30 (sonst)
7.45, 9.00,10.30/ 7.15, 18.30 (außer Sa: 8.00)
10.00 (auch Feiertage)
10.30/ 19.00 (Mi)

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Termine und Daten


Ignatianische Exerzitien 1999
Deutschland
29.3.-3. April Diestedde Frauen (Karwoche)
5.-10. April Zaitzkofen Männer (Osterwoche)
10.-15. Mai Häusern Männer (Christi Himmelfahrt)
14.-19. Juni Häusern Frauen
5.-10. Juli Göffingen Schwestern
12.-17. Juli Zaitzkofen Priester
12.-17. Juli Häusern Frauen
19.-24. Juli Diestedde Brüder
9.-14. August Zaitzkofen Männer
27.8.-1. September Oberstdorf Frauen
1.-4. September Oberstdorf Mädchen (14-17 Jahre)
5.-8. September Oberstdorf Jungen (14-17 Jahre)
8.-13. September Oberstdorf Männer
4.-9. Oktober Diestedde Frauen
26.-31. Dezember Zaitzkofen Männer
Anmeldung: Priesterseminar Herz Jesu, Zaitzkofen, 84069 Schierling

Österreich
21.-27. März Jaidhof Frauen
5.-10. April Ternberg Männer
9.-15. Mai Spinges (Südtirol) Frauen
16.-22. Mai Spinges (Südtirol) Männer
4.-10. Juli Jaidhof Männer
11.-17. Juli Ternberg Frauen
Anmeldungen: Kath. Bildungshaus, Schloß, A-3542 Jaidhof 1

Schweiz
8.-13. März Männer
12.-17. April Frauen
11.-16. Oktober Frauen
25.-30. Oktober Männer
22.-27. November Männer
Anmeldung: Pater H. Mörgeli, Postfach 302, CH-9501 Wil SG

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MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 45

Exerzitien im Kloster Marienberg, 79837 Häusern


11.-14 März und 14.-17. Oktober:
Marianische Exerzitien: „Durch Maria zu Jesus“
Einführungskurs in das Goldene Buch für solche, die die Ganzhingabe
noch nichtabgelegt haben.

Diese Kurse sind für alle Stände. Beginn 15 Uhr; Schluß 16 Uhr
Anmeldung: Priesterseminar Herz JEsu, Zaitzkofen, 84069 Schierling

Wallfahrten 1999
Italien
vom 26.4. - 5.5.1999
Loreto, Rimini, Lanciano, San Marco de Limas, San Giovanni Ro-
tondo, Monte Sant Angelo, Mugnano, Montecassino, Rom (2. Mai:
Seligsprechung von Pater Pio), Orvieto, La Verna, Padua, Trient
Anmeldung: Frau Auguste Erne, Am Vogelherd 25, 88099
Neukirch, Tel/Fax 07528/2702

Frankreich – Lourdes
26. April – 4. Mai

Italien – Rom
4. – 16. Oktober
Informationen bei: Glattal-Reisen, Tel. 07544/91292 Fax
07455/91293

Heilig-Land-Wallfahrt
Israel – Jordanien – Sinai
vom 4. bis zum 18. September

Anmeldung: Exerzitienwerk, Kronenstr. 2, 79365 Rheinhausen


(Fax: 07643/4883)
45
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 46

Ferienlager 1999

Deutschland

Kleine Mädchen (8-13 Jahre)


Haus Langhärdle (Schwarzwald)
Donnerstag, den 29.7. bis Donnerstag, den 12.8.1999

Kleine Jungen (8-13 Jahre)


Haus Langhärdle (Schwarzwald)
Freitag, den 13.8. bis Freitag den, 26.8.1999

Große Jungen (17-24 Jahre)


Wanderlager Norditalien
Sonntag, den 1.8. bis Samstag, den 14.8.99

Wanderlager in der Toskana (16-26 Jahre)


Sonntag, den 8.8. bis Freitag, den 26.8.99

Schweiz
Familienlager in Enney
26. Juli bis 6. August 1999

Große Jungen
Gebirgslager
19. bis 24. Juli 1999

Kleine Mädchen
26. Juli bis 6. August 1999

Hl. Weihen im Priesterseminar Herz Jesu,


Zaitzkofen
20. März Subdiakonatsweihen: Beginn 9.30 Uhr
22. Mai Diakonatsweihen: Beginn 9.30 Uhr
26. Juni Priesterweihen: Beginn 9.00 Uhr

Alle Gläubigen sind herzlich eingeladen!


MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 47

Einladung zum Studenten- und Jungakademikertreffen


am 17./18. April 1999 in Bonn

Ein neues Virus hat sich, von den meisten unbemerkt, in den Leib der Kirche ein-
geschlichen: die Gruppendynamik. Der Pädagoge Michael M. Weber, Verfasser
einschlägiger Arbeiten zur Thematik, wird uns jene Techniken vorstellen, die
Vernunft und Glaubenssinn einer ganzen Generation, vor allem künftiger Prie-
ster, bedrohen. Wer auf solche und andere Gefahren für die Kirche hinweist und
sie bekämpft, wird von der angeblich so toleranten Gesellschaft nicht mehr tole-
riert. Über die Hetzjagd auf engagierte Christen wird Rechtsanwalt Rainer Ro-
the berichten. Daß sich der Einsatz für den authentischen Glauben jedoch auch
heute noch lohnt, zeigt uns Oberstudienrat Rolf Pentzlin anhand der Entwick-
lung im brasilianischen Bistum Campos.

Samstag, 17. April


14.00 Gesungenes Amt, 15.15 Kaffee
16.00 Michael M. Weber, Psychotecniken – die programmierte Zerstörung von
Kirche und Kultur (Vortrag mit Diskussion)
18.30 Lateinische Vesper, 19.15 Abendessen
20.15 OStR Rolf Pentzlin, Das Wunder von Campos (Dia-Vortrag)
21.15 Gemütliches Beisammensein, zum Abschluß: Lateinische Komplet

Sonntag, 18. April


10.00 Hochamt
12.00 Mittagessen
14.00 Rechtsanwalt Rainer Rothe, Die Verletzung der geistigen Freiheit in Eu
ropa (Vortrag mit Diskussion)
15.30 Kaffee und Schlußandacht

Das Wochenendseminar findet statt im Bonner Priorat Christ König, Kaiser-


Karl-Ring 32a.

Schriftliche Anmeldungen und Rückfragen bitte bei: Dr. Heinz-Lothar und Ra-
phaela Barth, Heerstr. 67, 53111 Bonn, Tel./Fax: 0228/636220.
Wir bitten dringend, sich möglichst rasch anzumelden, spätestens aber bis zum
7. April, da wir für die Teilnehmer Unterkünfte, u.a. in der Jugendherberge, be-
sorgen müssen. Bitte bei der Anmeldung Namen und volle Adresse, ggf. für
mündliche Rückfragen auch Tel.-Nr., angeben.

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MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 48

Neuerscheinung
Kassettenreihe
Erzbischof Lefebvre
Dokumente, Rundbriefe,
Predigten, Vorträge

Teile 2, 3, 4, 5 und 6

Die Kassetten sind erhältlich an den Schriftenständen der Priorate und Ka-
pellen der Priesterbruderschaft St. Pius X. sowie bei den Distriktsitzen.

St.-Theresien-Gymnasium
in Schönenberg
sucht baldmöglichst zwei Haushaltshilfen
(für Waschküche und Nähstube)

Interessentinnen melden sich bei:


St.-Theresien-Gymnasium
Ehrw. Schwester Michaela Metz
St. Vinzenzhaus
53809 Ruppichteroth
Tel. 02295/5163

48
MB März 99 19.06.1999 12:12 Uhr Seite 49

St. Athanasius Hattersheim lädt 1999 ein


zu folgenden Vorträgen

Donnerstag, 11. März Papst und Kirche heute


– Fragen und Antworten aus katholischer Sicht
H.H. DDr. Gregorius Hesse, Wien

Sonntag, 30. Mai Leben in einem Orden


Sr. Theresia Maria, Göffingen

Freitag, 11. Juni Die heiligen Sakramente


H.H. P. Patrice Laroche, Zaitzkofen

Freitag, 15. Oktober Thema steht noch nicht fest


H.H. Prof. Dr. Georg May, Mainz

Freitag, 12. November Die Erbsünde


H.H. P. Bernhard Zaby, Stuttgart

Alle Veranstaltungen finden statt im Anschluß an die hl. Messe und beginnen
um 19.00 Uhr im Gemeindezentrum in der Schulstraße 7


Bestellung des Mitteilungsblattes
Ich erhalte bisher das Mitteilungsblatt nicht zugeschickt, bin aber am regelmäßi-
gen Bezug interessiert und bitte hiermit um Zustellung (bis auf Widerruf).
Name:........................................................................................................................
Straße:..................................................PLZ, Ort:.....................................................
...................................................................................................................................
Unterschrift

Anmerkung: Der Bezug ist kostenlos. Aus organisatorischen Gründen liegt jedem Heft ein Spenden-
formular bei, das jedoch unverbindlich ist. - Bestelladresse siehe letzte Seite (Impressum).
Jahrgang 1999 Nr. 3

Vorwort

Aus der Priesterbruderschaft

„Ein Zeichen, dem widersprochen


wird ......................................................1
Kirchen-Konservative haben
großen Zulauf ......................................5
Herz-Jesu-Kirche in Karlsruhe
eingesegnet ..........................................6
Priestertum:
Erneuerung notwendig ......................7

Verschiedenes

Der Apostel von Kalifornien ..........13


Fastenzeit............................................17
Die kopernikanische Wende
(Teil 3)..................................................20
Fortschritt der Religionen –
ein Fort-Schritt? (Schluß) ................29

Liturgischer Kalender ......................37

Heilige Messen ................................ 38

Termine und Daten ......................... 44


Liebe Freunde und Wohltäter,

Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, bot vor wenigen Tagen ein
grauenerregendes Schauspiel: Zwei Schüler schossen wahllos auf Mitschüler, Lehrer
und Angestellt, ehe sie sich selbst töteten. Das Resultat: über ein Dutzend Todesopfer
und zahlreiche Verletzte.
In der nun zu erwartenden Besinnung, an der sich pflichtgemäß die verschiedensten
Gruppen beteiligen und betroffen zeigen werden, wird auch wieder der Ruf nach einer
verschärften Kontrolle von Feuerwaffen erhoben werden.
Kontrolle ist gut, Vorsorge ist besser.
Polizeimaßnahmen sind notwenig, zeigen ihre grundsätzliche Begrenzung aber ge-
rade in einem Fall, in dem wirksamer erzieherischer Einfluß auf die Jugendlichen das
einzige Mittel wäre, das Heilung bringen könnte.
Es reicht nicht aus, an Symptomen zu kurieren. Wenn Jugendliche Kurzschlußhand-
lungen begehen, dann stellt sich die Frage nach den Ursachen. Diese Fragestellung ist
in der westlich-liberalen Gesellschaft verpönt, jedenfalls dann, wenn die fälligen Ant-
worten die „liberalen Errungenschaften“ in Frage stellen.
Man organisiert Kongresse, um über Maßnahmen gegen Kindesmißbrauch zu bera-
ten (und bei dieser Gelegenheit „guten Willen“ zu demonstrieren), gleichzeitig aber
wagt niemand, die heilige Kuh der schrankenlosen Freiheit ohne Gebote Gottes zu
schlachten.
Wir stehen vor dem Phänomen, daß eine Gesellschaft, die Befreiung und Enthem-
mung im Zuge des Wertewandels der 60er Jahre als ihre vornehmste Errungenschaft an-
sah, inzwischen in Gefahr geraten ist, von ihren Errungenschaften zerstört zu werden.
Die Aktivisten einer Gesellschaftsveränderung haben von Anfang an den Umbau der
christlichen Ordnung beabsichtigt. Sie werden sich durch „Entgleisungen“ der oben be-
richteten Art nicht beirren lassen. – Die große Masse des Volkes einschließlich der Ka-
tholiken sind ihnen gefolgt, weil es an der Einsicht gefehlt hat, daß nur Glauben und das
Halten der Gebote dauerhaften Wohlstand garantieren können. Versagt haben insbeson-
dere die Hirten, die sich von den äußeren Erfolgen eines christlich verbrämten Materia-
lismus im Wohlfahrtsstaat beeindrucken ließen.
Es wird nicht so leicht sein, zu gesunden Grundsätzen zurückzukehren. Zu viele sind
am status quo ideologisch interessiert. Auch wenn Sie böse Ereignisse wie Amokläufe
von Jugendlichen nicht wollen, so wollen sie doch auch das nicht, was einzig geeignet
wäre, solche Verirrungen dauerhaft zu verhindern: die Errichtung des Gemeinwesens
auf der Grundlage der 10 Gebote!
Wir bitten Maria, die Frau aller Völker, daß sie den Völkern den inneren und äuße-
ren Frieden schenke, der allein auf der wahren Bekehrung zu Gott gedeihen kann.

Stuttgart, am Fest des hl. Georg, 24. April 1999


Pater Markus Heggenberger
MB April 99 19.06.1999 12:13 Uhr Seite 1

Aus der Priesterbruderschaft

„Firmzettel abgefangen“
Ein Bericht über das Apostolat in Tschechien

von P. Andreas Steiner

S.E. Bischof Tissier de Mallerais hat Und diese Einflüsse kommen jetzt auch zu
am Sonntag, dem 15. November 1998, uns. Wir erfahren, daß z.B. in Chodov
in Prag neun Firmlingen das Sakrament (Stadtteil von Prag; Anm. des Verf.) sich
der Stärkung im Hl. Geist erteilt. Es war einmal monatlich Menschen versammeln,
dies der erste offizielle Besuch eines Bi- die solcher Prägung sind. Sogar ein öster-
schofs der Priesterbruderschaft in reichischer Priester kommt, der ihnen diese
Tschechien. An der Zeremonie, die von vorkonziliare Liturgie zelebriert. Und sie
Seminaristen aus Zaitzkofen feierlich haben sogar in der letzten Zeit einen von
gestaltet worden war, haben ca. 70 diesen schismatischen und exkommunizier-
Gläubige teilgenommen. ten Bischöfen eingeladen, der hier, bei uns,
Die Firmung und das feierliche levi- wirklich das Sakrament der Firmung ge-
tierte Pontifikalamt im Anschluß waren spendet hat. Wir haben einen Firmzettel ab-
ein großes Ereignis für den katholi- gefangen, der von einem Priester als Garant
schen Wiederaufbau in Tschechien, das unterschrieben war, es stand dort „Pater
nicht unbemerkt bleiben konnte. Kardi- Steiner“ geschrieben. Ich weiß, daß ein sol-
nal Vlk, Erzbischof von Prag, gab am cher Ort auch in Mähren ist. Hier ist es
30. Januar 1999 ein Radiointerview im notwendig zu sagen, daß jene, die an der Li-
Sender „Freies Europa“, das wir hier in turgie dieser schismatischen Priester und
gekürzter Fassung wiedergeben: Bischöfe teilnehmen, selbst in Gefahr kom-
men, in die Exkommunikation zu fallen.
„Ich meine, daß vielen Zuhörern der
(...) Ich sage dies, um zu erinnern, daß die
Name ‘Lefebvre’ bekannt ist. Er war ein
Bischofskonferenz angefangen hat, sich mit
Erzbischof in der Schweiz, im Wallis, in
diesen Erscheinungen zu beschäftigen, und
diesem Kanton Wallis, der das Konzil nicht
daß sie wahrscheinlich auf der nächsten Sit-
anerkannte, oder mindestens einige Doku-
zung durch eine Verlautbarung Stellung
mente des Konzils, vor allem die Konstitu- nehmen wird...
tion über die Liturgie, oder das Dokument
über den Ökumenismus, über die Religi- (Übersetzung aus dem Tschechischen:
onsfreiheit. Er hat um sich herum eine H.H. Diakon Thomas Stritzko)
Gruppe von Menschen gesammelt, die die-
selbe Meinung hatten, vor allem Priester; er Kardinal Vlk ist für das Wirken der
hat sogar in diesem Schweizer Kanton, na- Priesterbruderschaft in Tschechien kein
he bei der großen Stadt Sion, auch ein eige- unbeschriebenes Blatt. Die erste Be-
nes Seminar, in Ecône, gegründet und dort kanntschaft datiert aus der Zeit, da Pa-
Priester gerade in diesem Geist erzogen... ter Stefan Maeßen das Apostolat im
1
MB April 99 19.06.1999 12:13 Uhr Seite 2

Aus der Priesterbruderschaft

Land des Prager Jesulein begonnen hat. ich bezahlen konnte. Ich fragte noch einmal,
Die handschriftlichen Aufzeichnungen ob jemand die Abhaltung der Messe verhin-
von Frau Dagmar Bilková aus dem Jahr dern könnte. Ich wollte das wissen, bevor
1991 beschreiben, was Kardinal Vlk un- ich eine Ankündigung in der Zeitung be-
ternommen hat, um die erste hl. Messe zahlte. Es wurde mir aber wieder gesagt, es
zu verhindern. Frau Bilková hatte die sei ihre Sache, wem sie den Saal zur Verfü-
Bruderschaft gebeten, das Apostolat in gung stellten und niemand habe das Recht,
Tschechien zu beginnen, und hatte nach sich einzumischen. Ich bezahlte 3000 Kro-
Vereinbarung eines Termins einen Saal nen und reichte die Annonce in der Zeitung
für die hl. Messe gefunden, nämlich im „Lidová Demokracie“ ein.
polnischen Kulturzentrum in Prag. Was Am 30.9. kam Pater Maeßen nach Prag,
dann folgte, beweist, daß das Sprich- und wir gingen in das polnische Kulturzen-
wort „nomen est omen“ nicht ohne trum, wo wir den Saal besichtigten und
Grund existiert. „Vlk“ heißt nämlich Einzelheiten besprachen: Tische, Vasen, Be-
übersetzt „Wolf“. leuchtung. Mit Frau Mojdl wurde verein-
bart, daß sie am Sonntag um 8.00 Uhr kom-
Verlauf der Vorbereitungen zur ersten hl. men sollte, um das Zentrum aufzu-
Messe in Prag schließen.
Handschriftliche Aufzeichnungen von Am 12.10. wurde die Anzeige in der
Frau Dagmar Bilková: Zeitung „Lidová Demokracie“ veröffent-
Am 3.9.1991 bestellte ich einen Saal im licht. Ich freute mich, daß der Text auf Seite
polnischen Kulturzentrum. Ich machte die 3 gedruckt wurde, nicht unter den anderen
Besitzer darauf aufmerksam, daß es sich um Anzeigen. Am Donnerstag, Freitag, Sams-
eine tridentinische Messe handele, die von tag und Sonntag brachte ich Flugblätter in
der Priesterbruderschaft St. Pius X. gelesen die Kirchen.
werde, daß diese Messe nicht beliebt sei und Am Montag, dem 16.10., vormittags,
sie deswegen Schwierigkeiten haben könn- brachte mir ein Angestellter des polnischen
ten. Die Sekretärin sagte, das würde nichts Kulturzentrums einen Brief. Er lautete:
ausmachen und der Direktor würde von ihr
„Im Zusammenhang mit der Messe, die
informiert werden.
in unserem Kulturzentrum stattfinden soll,
Ich hatte ein Gesuch geschrieben, und ersuchen wir Sie, die Zustimmung des Erz-
dieses brachte ich am 26.9. persönlich ins bischofs von Prag, Msgr. Vlk, vorzulegen.
polnische Kulturzentrum. Ich schlug vor, Sollten wir diese Zustimmung bis Mitt-
daß ich am Montag, dem 30.9., bezahle, da woch, den 10.10., nicht erhalten, wird diese
der Direktor dann schon zurück sein würde Aktion nicht stattfinden können.“
und so das Gesuch auch unterschreiben
gez. Andrej Zajaczkowski, Direktor
könne. Die Sekretärin sagte, das sei nicht
notwendig; der Direktor sei bereits infor-
miert und sei einverstanden. Sie wollte In einem Telefongespräch fragte ich den
dann die Buchhaltung verständigen, damit Direktor, warum sie diese Bedingung nicht
2
MB April 99 19.06.1999 12:13 Uhr Seite 3

Aus der Priesterbruderschaft

eher gestellt hätten. Er antwortete, daß das niziert wurde, gegründet. Diese Nachricht
Kulturzentrum nicht verpflichtet gewesen erwies sich als falsch, das polnische Kultur-
sei, dies zu wissen. Es hätte meine Sorge zentrum distanzierte sich von der Annonce
sein müssen. Er sei nur ein Beamter. Ich – es wird dort nichts derartiges stattfinden.
fragte noch, nach welcher Vorschrift er Wir wurden von Gläubigen angerufen, die
handle, bekam aber keine Antwort. überrascht waren, daß wir in der „Lidová
An demselben Tag erschienen nachmit- Demokracie“ einen Gottesdienst annoncie-
tags drei Männer aus dem polnischen Kul- ren, der im Widerspruch zum offiziellen Ka-
turzentrum in der Redaktion der Zeitung tholizismus steht.
„Lidová Demokracie“. Sie verlangten ein so- Die im Inseratenbüro arbeitende Frau
fortiges Dementi. Es sollte lauten: „Das pol- konnte natürlich nicht wissen, daß die An-
nische Kulturzentrum gibt bekannt, daß es gelegenheit unrechtmäßig war, besonders da
mit der hl. Messe der Bruderschaft St. Pius die erwähnte Frau für die Annonce (LD
X. am 20.10. nichts gemeinsam habe und vom 12.10., Seite 3), deren Text noch einmal
aus diesem Grund werde diese Messe auch wiederholt werden sollte, 7000 Kronen bar
nicht stattfinden.“ (Das alles sagte mir spä- bezahlte. Von den Bürokräften und auch von
ter der Chefredakteur der Zeitung, Dr. den Redakteuren kann man spezifische
Decker). Kenntnisse des Kirchenrechts nicht erwar-
Diese Intervention war der Anlaß für ei- ten. Sollte es vielleicht doch einige stutzig
nen Zeitungsartikel in der „Lidová Demo- machen: die Redaktion und das Inseraten-
kracie“ am 24.10., in dem mein Name veröf- büro hatten keine Absicht, die Gefühle der
fentlicht wurde. Der Artikel lautete folgen- römisch-katholischen Kirche, zu der sich
dermaßen: auch viele von uns bekennen, anzutasten. Es
ist aber zu bemerken, daß Lidová Demokra-
cie kein Kirchenblatt ist und mit keiner Kir-
„Ein Betrug oder ein Irrtum?
che in Verbindung steht. Es bleibt ein Rät-
Das polnische Kulturzentrum gibt be- sel, wer dahinter steht, wer versuchte, die
kannt, daß es sich von der Messe der Prie- Redaktion und das polnische Kulturzen-
sterbruderschaft St. Pius X. am 20.10.1991 trum so naiv zu diskreditieren, und woher
distanziert und daß diese deswegen nicht
die Geldsumme kam, die für uns keine klei-
stattfinden wird.
ne Summe ist, ob es sich um Betrug oder Irr-
Am 26.9. kam in unser Büro in Prag, tum handelte. Sollte es sich um Betrug han-
Voidickova Straße, eine Frau, die sich als deln, was war dann die konkrete Motivati-
Dagmar Bilková vorstellte. Sie gab eine kon- on? Vielleicht werden wir es niemals erfah-
krete Adresse in Prag an und bestellte eine ren.
Zeitungsanzeige für eine „gesungene, latei-
Jan Kastánek“
nische Messe nach tridentinischem Ritus“.
Diese Messe solle im polnischen Kulturzen-
trum ein Priester der Priesterbruderschaft Da ich nicht wußte, was ich machen soll-
St. Pius X. lesen. Diese Bruderschaft wurde te, rief ich Pater Maeßen an, konnte ihn aber
von Bischof Marcel Lefebvre, der exkommu- nicht erreichen. So rief ich in der Schweiz an
3
MB April 99 19.06.1999 12:13 Uhr Seite 4

Aus der Priesterbruderschaft

und erzählte das Vorgefallene. Pater Mae- tag, dem 14.10., der Erzbischof angerufen
ßen kam dann Mittwoch abend. habe. Er habe über die Annonce geschimpft
Am Donnerstag besuchten wir das pol- und auch der Frau, die die Annonce in Auf-
nische Kulturzentrum, aber der Direktor trag genommen hatte, Vorwürfe gemacht.
war krank, und sein Stellvertreter sagte Der Erzbischof hatte bei einem ehemaligen
uns, daß Kardinal Vlk über den Gesandten Parlamentarier der christlich-demokrati-
der polnischen Botschaft interveniert habe. schen Partei interveniert.
Er sagte, er habe mit uns über nichts zu Am Freitag, dem 18.10., legte ich im
sprechen und wir sollten die Zustimmung polnischen Kulturzentrum den Brief vom
vorlegen oder er gäbe uns das Geld zurück. Rechtsanwalt vor. Sie hatten aber eine Be-
Ich lehnte ab, das Geld wieder zurückzu- dingung: Sie übernehmen den Brief, wenn
nehmen, da es ein Beweis für das Zustande- ich einen Brief von ihnen übernehme. Das
kommen der Abmachung war. Wir verlang- schlug ich ab. Ich wollte, daß sie den Brief
ten zu diesem Verbot eine schriftliche Er- des Rechtsanwalts lesen. Das wollten sie
klärung. „Erst am nächsten Tag“, wurde nicht und lehnten jede weitere Unterredung
uns gesagt, wenn der Direktor anwesend ab.
sei.
Ich habe dann einen Brief an den Chefre-
Inzwischen fuhren wir in den ehemals dakteur der Zeitung „Lidová Demokracie“
kommunistischen Kulturpalast, um einen geschrieben, Zdenek Sedivy. Ich verlangte,
anderen Saal zu mieten. Der 20.10. war be- daß sie am Donnerstag in der Zeitung an
setzt, und wir bestellten vorläufig für den gleicher Stelle alles richtigstellen. Eine Ko-
27.10. pie habe ich auch an das polnische Kultur-
Dann besuchten wir einen Rechtsan- zentrum geschickt. Ich schrieb, daß die
walt. Er sprach telefonisch mit dem polni- Nachricht, die sie der Zeitung übersandt
schen Kulturzentrum, und es wurde verein- hatten, nicht der Wahrheit entsprach, daß
bart, daß ich einen Brief vom Rechtsanwalt sie widerrechtlich gehandelt hätten, als sie
persönlich überbringe, damit sich die Ange- meinen Namen veröffentlichten und mich
legenheit nicht in die Länge zieht. Der des Betruges beschuldigten. Ich schrieb, daß
Rechtsanwalt sagte, daß der Vertrag gültig ich mich an einen Rechtsanwalt wenden
abgeschlossen wurde und die Zustimmung mußte. Sie haben nichts getan; auch das
des Erzbischofs irrelvant wäre. Die Veröf- Geld bekam ich nicht zurück, obwohl ich es
fentlichung in der Zeitung „Lidová Demo- abholen wollte. Der Rechtsanwalt, bei dem
kracie“ sei unwahrhaft und beleidigend. Im wir gewesen waren, hatte kein Interesse, die
Falle der Nichtverwirklichung der Aktion Angelegenheit zu Ende zu führen. Was den
seien die Schäden zu bezahlen: die Annonce Artikel in der „Lidová Demokracie“ betraf,
in der Zeitung und die Reise von Pater schlug er vor, mich an das Amt für Perso-
Maeßen nach Prag. nenschutz zu wenden, damit mir eine Ent-
Dann besuchten wir die Redaktion der schädigung für die öffentliche Beschuldi-
„Lidová Demokracie“. Hier sprach Dr. gung gezahlt werde. Gegen sie einen Prozeß
Decker mit uns. Er sagte uns, daß am Mon- zu führen, würde zu lange dauern.
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MB April 99 19.06.1999 12:13 Uhr Seite 5

Aus der Priesterbruderschaft

Es ist bezeichnend, daß der liebe


Gott auch durch die Wege der Finster-
nis Gutes wirken kann. Die hl. Messe ist
nämlich nicht ausgefallen. Sie mußte
nur verlegt werden, und zwar auf den
Sonntag Christkönig. Und Prag ist in
gewisser Weise die Stadt des Christkö-
nigs. Das Prager Jesulein ist nicht nur
das gnadenreiche Jesulein, sondern
auch der Herrscher der Welten.
Das Apostolat in Tschechien ist
durch die segensreiche Aufbauarbeit
von Pater Maeßen ständig weiterge-
wachsen. P. Florian Abrahamowicz hat
diese Arbeit fortgeführt, insbesondere
durch eine sehr fruchtbringende Ju-
gendarbeit. Zur Zeit wird die hl. Messe
einmal monatlich in Brünn (Mähren)
und Prag gelesen. In Anbetracht der
wachsenden Zahl an Gläubigen denken
wir an den Kauf eines Hauses, aller-
dings wird der hl. Josef hierfür einige
großherzige Wohltäter schicken müs-
sen, da es um die finanzielle Seite in
Das gnadenreiche Prager Jesulein im Krö- den ehemaligen Ostblock-Ländern
nungsornat
nicht besonders gut bestellt ist.
Seit Oktober letzten Jahres wird im
Anschluß an die hl. Messe in ganz be-
Die Anzeige für den neuen Termin im sonderer Weise die Weihe des Landes
ehemals kommunistischen Kulturpalast an das Unbefleckte Herz Mariens er-
konnte in so kurzer Zeit nur im Mittags- neuert. Ihr ist es anvertraut, daß auch in
blatt veröffentlicht werden. Die geänderten Tschechien, dem einstigen Kronland
Flugblätter brachte ich dann in die Kirchen. des Heiligen Römischen Reiches, wie-
Am Donnerstag, dem 24.10., wurde der täglich das wahre Opfer des Herrn
auf den Altären dargebracht werden
dann aus dem Wagen von Pater Maeßen
kann.
nur das gestohlen, was man für die heilige
Messe braucht: der Wein, die Hostien und
zwei Kerzenständer. Sonst nichts.
(Übersetzung aus dem Tschechischen:
Frau Scheinherrová)
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MB April 99 19.06.1999 12:13 Uhr Seite 6

Aus der Priesterbruderschaft

„Hier ist Gottes Haus und hier die Pforte des


Himmels“
Weihe der Klosterkapelle in Göffingen am 11. Februar 1999

Mit welcher Freude erklang der Ge- dieser Tag auch die Krönung all der
sang dieser Antiphon aus dem Munde Mühen unserer unermüdlichen Arbei-
der mehr als 30 Schwestern, die sich zur ter und der Unterstützung unserer
Einweihung der dem hl. Pius X. und großherzigen Wohltäter, denn sie haben
dem hl. Josef geweihten Kapelle und unter der Leitung des hl. Josefs diesen
Konsekration des herrlichen Steinaltars Bau errichtet, der fortan jeglicher profa-
am 11. Februar 1999 im deutschsprachi- nen Benutzung entzogen und ganz dem
gen Noviziat ihrer Gemeinschaft in Dienste Gottes geweiht ist.
Göffingen eingefunden hatten. Ohne Schon am Vorabend begann die Fei-
Zweifel darf dieser Tag als der bedeu- erlichkeit mit der Segnung des Grego-
tungsvollste in der Geschichte unseres rianischen Wassers durch S.E. Weihbi-
Noviziates angesehen werden, ist doch schof Bernard Fellay. Dieses Entsüh-
das heilige Meßopfer und die Gegen- nungswasser enthält Salz, Asche und
wart unseres Erlösers in seinem Sakra- Wein und ist ein Sinnbild unseres Herrn
ment der Liebe das Zentrum unseres Jesus Christus. Es wird zur Bespren-
Lebens: „Der Geist der Schwestern der gung des Altares dienen. Sodann wur-
Bruderschaft St. Pius X. ist ganz und den die kostbaren Reliquien der Heili-
gar auf die Verehrung des hl. Meßop- gen Simon (Apostel), Markus (Evange-
fers ausgerichtet...“ (Statuten) So war list), Pius X., Sebastian, Klemens (Papst
und Martyrer), Fi-
delis von Sigmarin-
gen, Lucia, Ursula
und anderer die
ganze Nacht zur
Verehrung ausge-
setzt. Noch klingt
in unseren Ohren
die Predigt des hl.
Bischofs Augusti-
nus, der uns in ei-
ner der Lesungen
der zu Ehren der

Die Reliquien werden


in die Kirche gebracht
6
MB April 99 19.06.1999 12:13 Uhr Seite 7

Aus der Priesterbruderschaft

Links: Der Innenraum der neuen


Klosterkapelle

Unten: S.E. Msgr. Bernard


Fellay mit einem Teil der freiwil-
ligen Helfer

Martyrer rezitierten Matutin auffordert:


„Sooft wir, liebe Brüder, den Festtag
heiliger Martyrer begehen, wollen wir
neue Hoffnung fassen, daß wir auf ihre
Fürbitte hin vom Herrn so viel Hilfe für
dieses Leben erhalten, daß wir die Mar-
tyrer nachahmen können und so die monien, so z.B. die Herabkunft des Hei-
ewigen Güter empfangen dürfen. ... Die ligen Geistes auf den Altar während des
Festtage der Martyrer sind jedesmal ei- feierlichen Augenblicks, in dem das
ne Aufmunterung zum Martyrium. Wir Opfer des Weihrauchs von den fünf
sollen gerne nachahmen, was wir voll Kreuzen der Altarplatte zu Gott empor-
Freude feiern.“ steigt und der Bischof das „Veni Sancte
Beim Gesang herrlicher Antiphonen Spiritus“ anstimmt.
durften wir diese Reliquien dann am Vom Distriktoberen, Pater Heggen-
folgenden Tag während der Zeremonie berger, und von Pater Bialek assistiert,
in feierlicher Prozession in die neue Ka- wurde anschließend von S. Exzellenz
pelle begleiten, wo sie von nun an im zum ersten Mal auf diesem neu konse-
sogenannten Reliquiengrab unter dem krierten Altar das überlieferte heilige
Altarstein ruhen. Nur erahnen können Meßopfer zu Ehren des hl. Pius X., des
wir die Freude dieser Heiligen im Him- Altarpatrons, gefeiert.
mel, da sie nun in einem Altar beige- Der Nachmittag vereinte noch ein-
setzt sind, auf dem das wahre heilige mal die Schwestern und die anwesen-
Meßopfer gefeiert wird. den Gäste in der Kapelle zur feierlichen
In seiner Predigt erläutert S. Exzel- Segnung der Kreuzwegstationen wäh-
lenz auf einfache und eindrucksvolle rend einer Kreuzwegandacht sowie zur
Weise einige der unvergeßlichen Zere- Segnung der kleinen Pfeifenorgel.
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Aus der Priesterbruderschaft

Ein denkwürdiger Sieg


von Pater Philippe Laguérie

Alles begann am Samstag, dem 26. Sakrale damit nicht in Verbindung und
September 1998: das neueste Exemplar schon gar nicht auf der Titelseite (die ei-
der Tageszeitung Le Figaro kündigte die ne nackte gekreuzigte Frau zeigt). Diese
Herausgabe eines Buches von Bettina ekelhafte Bettina Rheims hat die Stirn,
Rheims und Serge Bramly mit dem Titel uns zu sagen, dies sei in Irrtum. Wer’s
INRI (Jesus von Nazareth, König der Ju- glaubt! Als ob man eine Titelseite ent-
den; für jene, denen diese Abkürzung würfe, ohne nachzudenken! Hier ein
unbekannt ist!) an. Vorschlag für Sie, Frau Rheims: Stellen
Diese Aufarbeitung des Evangeli- Sie doch auf der Titelseite Ihres näch-
ums in anarchistischem Flower-Power- sten Werkes den Präsidenten Chirac im
Stil ist in Wirklichkeit eine Überarbei- Adamskostüm dar. Das würde sich si-
tung von Phantastereien auf einen Jesus, cher trotz der Scheußlichkeit sehr gut
über den der Autor ohne jegliche Sach- verkaufen, und Sie müßten nur sagen,
kenntnis schreibt (wann werden diese daß es sich erneut um einen Irrtum han-
Ignoranten endlich begreifen, daß es für delt – im Nachhinein natürlich. Doch
sie und die anderen am besten ist, wenn hier geht es um mehr als um Chirac. Ab-
sie den Mund halten?). Ein Haufen ver- gesehen davon könnte man sich vor lau-
weichlichter Apostel trifft dort auf einen ter Irrtümern fragen, ob Sie etwas ande-
Schönling als Christus, während sich im res können, als irre sein. Das müssen Sie
Hintergrund (…) Weibsbilder tummeln. selbst wissen!
Die einzige Gemeinsamkeit dieser Figu- Man kann nicht gegen allen Schmutz
ren ist das stetige Bedürfnis, die Kleider, in der Welt kämpfen. Es bräuchte keinen
die wir seit dem Sündenfall tragen müs- Fluß, sondern den ganzen Ozean, um
sen, abzulegen … Kurz gesagt, es geht diesen Augiasstall zu säubern. Aber es
um eine dieser zeitgenössischen, lang- muß Priester geben, die aufstehen,
weiligen Scheußlichkeiten, die sich hau- wenn Christus angegriffen und in den
fenweise in jedem Kiosk finden, so daß Dreck gezogen wird. Und man wird uns
man sich langsam fragt, wer diese ver- immer unbequem finden.
zweifelt traurig-fleischliche Literatur Die Empörung war in der Tat fast all-
überhaupt noch kaufen will. gemein: der Erzbischof von Paris, der
Nur: Man bringe Christus nicht mit Oberrabbiner Sitruck und sogar Dalil
solchen Dingen in Verbindung! Und sei- Boubakeur (Oberhaupt der moslemi-
ne Mutter auch nicht. Wir wissen, daß es schen Gemeinde von Paris). Letzterer
schon immer Schmutz und schlechten ging die Sache nicht mit Samthandschu-
Geschmack gab. Aber man bringe das hen an und verkündete: „Dieses Buch
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MB April 99 19.06.1999 12:13 Uhr Seite 9

Aus der Priesterbruderschaft

ist für die Moslems eine große Blasphe- tober, festgelegt. Schade, ich werde
mie.“ Wagen es denn wirklich nur die nicht hingehen können, ich muß nach
Moscheen, bei einer Schmutzkampagne Paris, um dort den unvergeßlichen Bru-
gegen Jesus Christus von „Blasphemie“ der Gilles zu beerdigen… Das Urteil
zu sprechen? kommt am 7., bei meiner Rückkehr.
In jedem Fall ist Handeln eine ande- Ich glaube daran und doch wieder
re Sache als Reden. Zwischen diesen nicht. Ich glaube nicht, daß ein Beamter
beiden besteht der unsichtbare aber die Ehre Jesu Christi retten wird (Ich bin
mächtige Unterschied der Liebe. Wer es also im Unrecht). Aber ich glaube es
fassen kann, der fasse es. doch wieder, weil die Medien, die von
Maître Rémy auf sehr professionelle Art
Ich rufe natürlich Maître Rémy an.
aufmerksam gemacht wurden, wissen
Ich kenne ausgezeichnete Rechtsanwäl-
werden und es bereits schon wissen,
te, ganz besonders diesen.
daß ein Priester Jesu Christi die Blas-
„Wir müssen unbedingt etwas tun.“ phemie gegen seinen Herrn nicht
„Ja, Herr Pater, aber was?“ zuläßt. Dies allein schon ist ein großer
„Eine einstweilige Verfügung, eine Erfolg, jener Kleinen, der „Armen Chri-
Notmaßnahme.“ sti“, denen wir dieses Zeugnis verdan-
ken.
„Aber die AGRIF1 in Paris hat es ver-
sucht und verloren.“ Ich schicke Pater Maignant zur An-
hörung. Herr Pater Barnabé läßt um ge-
„Machen Sie mal, kümmern Sie sich nau 9 Uhr alle Kinder der Schule Saint-
darum.“ (Ich glaube, ich bin höflich Georges drei Minuten lang zur Ehre
geblieben) Gottes auf Knien beten. Ach diese Kin-
„Gut, Herr Pater.“ der, wenn wir ihnen ein bißchen ähnli-
Der Einsatz und die Kompetenz vie- cher wären, was würden wir nicht alles
ler Laien ist einfach wunderbar, wenn vom Himmel erlangen.
der Glaube auf dem Spiel steht, wenn
unser Herr angegriffen wird, wenn sei- Das Urteil
ne Stellvertreter auf Erden sich wehren.
Am 7. um 11.30 Uhr treffen Maître
Im Handumdrehen werden die Ge- Rémy und ich unter dem Blitzlichtge-
richtsvollzieher in die FNAC, zu Virgin witter der Photographen und Fernseh-
und Mollat2 geschickt. Beim Gericht kameras im Labyrinth des Justizpa-
wird ein Termin vereinbart, die An- lastes von Bordeaux ein. Wir schweigen.
hörung ist auf den Montag, den 5. Ok- Im Saal der Urteilsverkündigung hören
wir stehend und verblüfft die Anspra-
1 Alliance générale contre le racisme et pour le re- che des Richters:
spect de l’identité Française et chrétienne, eine
französische Vereinigung, die in solchen Fällen „Im Grunde genommen ist das
gerichtlich vorgeht. Kreuz im Bewußtsein der katholischen
2 Drei große Buchhandlungen in Frankreich Allgemeinheit eng mit dem Geheimnis
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MB April 99 19.06.1999 12:13 Uhr Seite 10

Aus der Priesterbruderschaft

der Erlösung der Menschheit durch den ben. Der Rest ist einfach: Wir werden
Tod Christi verknüpft.“ beim Herauskommen von Journalisten
„Das Kreuz ist deshalb das Symbol belagert. Doch was liegt an diesem
für den gekreuzigten Jesus. Die Darstel- Rummel: der Kleine, der Demütige, der
lung einer Frau an dieser Stelle, über der Schüchterne, der Jesus von Herzen liebt,
die Inschrift INRI hängt – und deren wird in wenigen Minuten wissen, daß in
nackter Oberkörper sich auf die Sünde- Frankreich, „in diesem Land, von dem
rin im Evangelium beziehen könnte, man einst sagte, daß Gott dort glücklich
und dies in einer der Wollust ausgelie- sei“, Gottes Sohn nicht beleidigt werden
ferten Handlung – kann die religiösen darf, ohne daß sich jemand wehrt, we-
Empfindungen eines ungewollt auf- nigstens einer seiner Stellverter auf Er-
merksam gewordenen Publikums zu- den.
tiefst schockieren.“ Es war am Tag Unserer Lieben Frau
„Es handelt sich um eine provokante vom Rosenkranz, zur Stunde des Engel
Werbung, die die Kreuzigung lächerlich des Herrn.
macht. Sie stellt einen Angriff auf den
persönlichen Glauben der Christen dar. (Fideliter Nr. 126, Nov./Dez. 1998;
Dies bewirkt, unabhängig von der Zahl Übersetzung: E. Dupont)
der verkauften Exemplare des besagten
Buches, die sehr niedrig ist, ein strafba-
res Aufsehen oder einen möglichen
Schaden. Letzteres ist hauptsächlich in
den Häusern Virgin und FNAC der Fall,
da im einen Fall das Buch noch nicht im
Verkauf auslag und im anderen Fall die
bestellten Exemplare noch gar nicht ge-
liefert worden waren.“
„Es obliegt dem Verfügungsrichter,
diesen unannehmbaren Angriff auf das
persönliche Gewissen zu bestrafen.“
Ich glaube zu träumen. Aber da ich
feststellen muß, daß ich aufrecht in mei-
ner Soutane dastehe, steigt langsam in
mir ein inneres Magnifikat empor, das
feierlich zu einem mächtigen Chor an-
schwellt. Die fassungslosen Gesichter
der Gegenpartei zeigen mir, daß wir mit
Hilfe und Dank der Arbeit von Maître
Rémy der sozialistischen Medienwelt
einen Tritt ans Schienbein versetzt ha-
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MB April 99 19.06.1999 12:13 Uhr Seite 11

Aus Kirche und Welt

Probleme, Ursachen, Lösungen


Ein Vortrag zur Lage der Kirche von S.E. Msgr. Bernard Fellay, gehalten in Kansas
City am 7. Januar 1999

Ich werde einen Überblick über die Bereiche des kirchlichen Lebens erfaßt.
aktuelle Lage in der katholischen Kirche Sie begann mit der Verwirrung in der
geben, der lose in drei Teile gegliedert Lehre.
ist: 1. Eine Beschreibung der Situation
durch eine Auflistung ausgewählter
Der Feind sät seine Saat
Fakten, 2. meine Überlegungen zu den
Ursachen dieser Situation, und 3. mögli- In den 50er Jahren verurteilte Rom
che Lösungen. eine große Zahl von Theologen. In sei-
ner Enzyklika Humani generis verurteilte
Papst Pius XII. die Theorie von Henri de
„Die Kirche befindet sich in Anarchie“ Lubac, eines Jesuiten, wonach kein Un-
Einer unserer französischen Gläubi- terschied bestehe zwischen Natur und
gen schrieb einen Brief an Joseph Kardi- Gnade, zwischen der natürlichen und
nal Ratzinger, in dem er das skandalöse der übernatürlichen Ebene. Diese Verur-
Verhalten eines bestimmten französi- teilung verpflichtete alle Jesuiten, diese
schen Bischofs beschrieb. Im Auftrag des Theorie nicht mehr zu lehren oder ihren
Kardinals antwortete Msgr. Perl: „Ja, Sie Lehrstuhl zu räumen. Zwei Jahre später
haben recht. Die Kirche befindet sich in wurde ein Dominikaner, Yves Congar,
Anarchie. Wenn Sie erwarten, daß eine verurteilt wegen seines Buches über die
Anordnung von Rom im oben erwähn- wahre und falsche Reform in der Kirche
ten Fall eine Lösung bringen werde, ge- und nach Jerusalem ins Exil geschickt.
ben Sie sich einer völligen Illusion hin.“ Zur gleichen Zeit begann ein Jesuit aus
Es ist sehr wichtig, diesen Punkt zu ver- den Vereinigten Staaten, John Courtney
stehen. Er bedeutet, daß Rom die Kon- Murray, eine neue Theorie über die Be-
trolle verloren hat. Oft hören wir, das ziehungen zwischen Kirche und Staat
Heilmittel für die Krise bestehe darin, zu lehren, und wurde von Rom verur-
unsere Treue gegenüber Papst und teilt. Kurz vor dem II. Vatikanischen
Bischöfen zu verstärken. Nun gibt je- Konzil wurde ein anderer Jesuit, Karl
doch Msgr. Perl in seinem Brief zu, daß Rahner, gezwungen, wegen Verdachts
die Bischöfe nicht gehorchen und das auf Modernismus alle seine Schriften
Ergebnis Anarchie ist. Die Antwort ist, dem Hl. Offizium vorzulegen. Die glei-
den Bischöfen gehorsam zu sein?! Das che Maßnahme wurde gegen einen Be-
ist unlogisch! Das richtige Wort, um die- nediktiner, Dom Beaudoin, getroffen.
sen Unsinn zu beschreiben, ist „Verwir- Am Vorabend des II. Vatikanischen
rung“. Diese Verwirrung kommt aus der Konzils bereitete die Konferenz der zen-
Vergangenheit und hat inzwischen alle tralen Konzilskommission eine Liste von
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MB April 99 19.06.1999 12:13 Uhr Seite 12

Aus Kirche und Welt

Theologen vor, die den Bischöfen Irrtümer in den zehn Jahren, die dem II.
während des Konzils zur Seite stehen Vatikanischen Konzil vorausgingen!
sollten. Auf dieser Konferenz bemerkte Heute wird das, was sie lehrten, als
Erzbischof Lefebvre, eines der Mitglie- Lehre der Kirche betrachtet!
der der Kommission: „Da ist etwas, das Hier eine kleine Geschichte, die die
ich nicht verstehe. Wir haben hier eine intellektuelle „Ehrenhaftigkeit“ der ver-
Liste der vorgeschlagenen Experten. urteilten Theologen demonstriert. Un-
Wir haben die Vorschrift, die uns unter-
mittelbar nach dem Konzil wurde Yves
sagt, Theologen auf die Liste zu setzen,
Congar zitiert mit den Worten:
die von der Kirche verurteilt wurden.
Auf einer der Vorschlagslisten hier ste- Mir wurde während des Konzils eine
hen drei verurteilte Theologen.“ Nach schwierige Arbeit aufgetragen. Ich sollte
dem Treffen nahm Kardinal Ottaviani den Teil des Dokuments vorbereiten, in dem
den Erzbischof beiseite und sagte: „Es ich nachweisen mußte, daß die Religions-
ist der Chef, der es so will“, d.h. Papst freiheit in der Hl. Schrift zu finden ist, was
Johannes XXIII. Er erließ die Vorschrift, sie nicht ist!
daß verurteilte Theologen nicht auf der Das ist schrecklich! Der Widerspruch
Liste stehen sollten, und ordnete gleich- in der Lehre hat zu dem Durcheinander
zeitig an, daß sie doch darauf stehen geführt, in dem wir uns jetzt befinden.
sollten! Wir haben einen Zustand der Verwir-
Um die gleiche Zeit publizierte rung in der Kirche. Hier einige neuere
Papst Johannes XXIII. eine Enzyklika Beispiele von Widersprüchen und Ver-
über die Bedeutung des Lateins in der wirrungen.
katholischen Kirche. Zehn Tage nach ih-
rer Veröffentlichung griff ein Bischof im
Eine neue Ära
Gespräch mit Erzbischof Lefebvre das
Latein an. Erzbischof Lefebvre fragte: Papst Johannes Paul II. gab einen
„Wie können Sie es wagen, das Latein apostolischen Brief heraus, um das Ju-
anzugreifen, nachdem der Papst einen biläum des Jahres 2000 vorzubereiten,
Text zu seiner Verteidigung herausgege- mit dem Titel Tertio Millennio Adveniente.
ben hat?“ … „Was ich sage, ist genau Das Wort adveniente bezieht sich auf Ad-
das, was der Papst denkt“, antwortete vent; eine wörtliche Anspielung des
dieser Bischof. Um dies selbst herauszu- Heiligen Vaters, womit er sich auf die
finden, bat Erzbischof Lefebvre um eine Zeitspanne vom II. Vatikanum bis zum
Audienz bei Papst Johannes XXIII, der Jahr 2000 bezieht. Dieser „Advent“ ist
in einer Stunde selbst zerstörte, was er die Vorbereitung für eine neue Ära. Je-
zehn Tage zuvor in seiner Enzyklika ge- ne, die vorgaben, daß die berühmten
schrieben hatte! drei Nullen der Jahrtausendjahre ein
Die großen Intellektuellen des Kon- neues Zeitalter einleiten, wurden in frü-
zils – de Lubac, Congar, Rahner, Murray heren Zeiten verurteilt. Praktisch ge-
– waren alle verurteilt worden für ihre sprochen, ist der Papst ein Milleniarist,
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MB April 99 19.06.1999 12:13 Uhr Seite 13

Aus Kirche und Welt

doch zu gleicher Zeit sagt Rom, er sei es den müsse. Aber in der zweiten Version
nicht. finden Sie Sätze, die die Befreiungstheo-
Das Jubiläumsjahr 2000 wird interre- logie rechtfertigen. Auf diese Weise
ligiöse christliche und nicht-christliche wird die Befreiungstheologie zugleich
Treffen fördern. Zur gleichen Zeit be- verurteilt und gerechtfertigt!
steht Rom darauf, daß es keinen Synkre- Im vergangenen Jahr wurde ein sin-
tismus dulden wird. Was ist aber Syn- ghalesischer Priester, Pater Tissa Balasu-
kretismus, wenn nicht diese Art von riya OMI, wegen der Häresien verur-
Vermischung aller Religionen? Wir ver- teilt, die er über die heilige Jungfrau und
ehren den einen Herrn, den Schöpfer die Kirche lehrte. Weniger als ein Jahr
des Himmels und der Erde. In Assisi be- später hat sein Orden die Aufhebung
tete der Vikar Christi zusammen mit der Exkommunikation erreicht, obwohl
Leuten, die zum Großen Donner bete- Pater Tissa Balasuriya es vorgezogen
ten, mit anderen, die die Friedenspfeife hat, lieber seinen eigenen Text zur Ab-
rauchten, und mit wieder anderen, die schwörung zu unterzeichnen als den
Buddha verehrten. Dies ist in die Praxis von Rom vorgelegten. Nachdem seine
umgesetzter Synkretismus, aber Rom Exkommunikation aufgehoben worden
protestiert: „Nein, das ist kein Synkretis- war, sagte Pater Balasuriya, er bedaure
mus!“ nichts und habe nichts zurückgenom-
In seiner Enzyklika Ut unum sint er- men. Er ist also weiterhin Häretiker,
klärt und verteidigt Papst Johannes Paul aber nicht mehr länger exkommuniziert!
II. den Primat des Papstes. Unmittelbar Vor zwei Jahren gab es in Österreich
nachdem er darüber in der Enzyklika in eine große Bewegung, die Unterschrif-
korrekter Weise gelehrt hat, bittet er
ten sammelte, um eine neue Kirche auf-
darum, daß neue Wege gesucht werden
zurichten, eine Kirche, deren Priester
sollen, den Primat auszuüben. Das ist
heiraten können, in der Frauen Prieste-
die Zerstörung des Primats. Meinen Sie,
rinnen sein können u.s.w. Es hat eine
die Päpste der vergangenen 2000 Jahre
Menge Aufruhr verursacht, und so lu-
hätten nicht gewußt, wie sie ihren Pri-
den die Bischöfe Delegierte aus dem
mat ausüben müßten?
ganzen Land zu einem Treffen ein. Was
waren die Vorschläge, über die abge-
Widersprüchlichkeit in der Hierarchie stimmt wurden? – Daß Laien bei der
Vor einigen Jahren gab Kardinal Rat- Weihe von Bischöfen zu Rate gezogen
zinger einen Text heraus, in dem er die werden sollen; daß Frauen auf allen
Befreiungstheologie verurteilte. Der er- Ebenen der Hierarchie präsent sein sol-
ste Text enthielt eine klare Verurteilung. len, die nicht das Sakrament der Prie-
Der zweite Text wurde angekündigt, sterweihe ausüben; daß verheiratete
und es wurde gesagt, daß der zweite Männer Priester werden können; daß
und der erste im Lichte sowohl des er- Frauen Diakone werden können; daß
sten als auch des zweiten gelesen wer- wiederverheiratete Geschiedene zu den
13
MB April 99 19.06.1999 12:13 Uhr Seite 14

Aus Kirche und Welt

Sakramenten zugelassen werden, u.s.w. Irrsinn


Das geringste Mehrheitsvotum bestand Eine 78jährige Schwester hat sich
in einer 75-prozentigen Zustimmung. uns angeschlossen, um ihrem Konvent
Kardinal Ratzinger schrieb einen zu entfliehen, in dem sie unter Gehor-
Brief an die deutschen Bischöfe, in dem sam gezwungen war, jeden Sonntag
er ihnen mitteilte, daß die Kommunion zwei Stunden lang fernzusehen!
nicht an „geschiedene wiederverheira- In einer der bedeutenden Kirchen-
tete Katholiken“ gegeben werden dürfe. zeitungen Hollands (Juli 1998) schrieb
Alle Bischöfe bis auf drei wiesen seine ein Bischof derart skandalöse Dinge,
Anordnung zurück und verteidigten ih- daß ich mich gezwungen sah, in seiner
re Priester, die das gleiche taten. Wie er Kanzlei nachzufragen, die den Artikel
selbst zugibt, sagt Kardinal Ratzinger, als von ihm stammend bestätigte. In
dem Artikel begann der Bischof: „Wenn
„Dialog“ sei der einzige „Gehorsam“,
ich sterbe, werde ich weder in den Him-
der bei den deutschen Bischöfen noch
mel noch in die Hölle kommen, denn
besteht.
diese Bezeichnungen sind Bezeichnun-
Der Papst schrieb 1998 den deut- gen, die die Kirche aus dem Mittelalter
schen Bischöfe wegen der Abtreibung. übernommen hat. Sie haben mit der
Wenn eine Frau in Deutschland abtrei- Wirklichkeit nichts zu tun. Die Wissen-
ben will, muß sie zuerst zur Beratung schaft hat nun den Himmel mit starken
gehen und einen Beratungsschein erhal- Teleskopen untersucht, also waren die-
ten. Der Papst schrieb einen Brief, in se Auffassungen völlig falsch, und wir
dem er den deutschen Bischöfen verbot, können nicht länger von Himmel und
diesen Schein auszuhändigen, da sie Hölle sprechen.“ Er fährt fort, indem er
auf diese Weise an der Abtreibung mit- Euthanasie befürwortet, außereheliche
wirkten. Als Antwort hielten die deut- Verhältnisse und Empfängnisverhü-
schen Bischöfe eine außerordentliche tung. Schließlich argumentiert er, daß
80 % der Katholiken Vergehen begin-
Versammlung ab und kamen überein,
gen, für die sie eigentlich exkommuni-
daß sie in einem Jahr dem Papst gehor-
ziert werden müßten, doch da es un-
chen wollten. Zwei Wochen später sag-
möglich sei, vier von fünf Katholiken zu
te der Vorsitzende der Deutschen Bi-
exkommunizieren, könnten wir glau-
schofskonferenz, daß die päpstliche An- ben, was wir wollten! Nichts geschieht
ordnung nicht praktikabel sei, und die mit ihm!
deutschen Bischöfe kamen wiederum
In seinem Buch Salz der Erde nimmt
zusammen. Zu dieser Zeit sprachen
Kardinal Ratzinger eine genaue Analyse
sich nur zwei Bischöfe für den Gehor- der Situation in der Kirche vor und zieht
sam gegenüber dem Papst aus! Alle an- den Schluß, daß die Kirche, wie wir sie
deren wirken am Mord mit. gekannt haben, am Ende ist! Er sagt,
daß einen kleine Gruppe übrigbleiben
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wird, die, wie „das Salz der Erde“, der nen Jahr erwartete Verurteilung der
Erde, der katholischen Kirche, ein Priesterbruderschaft St. Pius X.
bißchen Geschmack geben wird, sonst Die polnisches Bischöfe waren sehr
wird die Kirche vernichtet werden. Den- voreingenommen gegen unsere Arbeit
noch ist der Kardinal glücklich, denn ge- in Polen, die sehr intensiv ist und zum
wisse kirchliche Bewegungen geben der Diskussionsthema in den dortigen Me-
Kirche Leben, z.B. die Charismatiker. dien geworden ist. Wir haben erfahren,
Obwohl diese Bewegungen, wie er sagt, daß die Verurteilung der Priesterbru-
oftmals kontrovers sind, so ist dort doch derschaft von den polnischen Bischöfe
wenigstens Leben. Etwas ist in Bewe- verlangt wurde und daß sie mehrere
gung! Unter diesen kirchlichen Bewe- Punkte für diese Verurteilung vorschlu-
gungen befinden sich wirkliche Häreti- gen. Der Heilige Vater stimmte zu und
ker, aber das stört den Kardinal nicht. beauftragte Msgr. Perl, einen Text auf-
Einer unserer Freunde an der Kurie zusetzen, der vervollständigt und dem
besuchte mich kürzlich. Er erzählte mir Papst im Juni (1998) übergeben wurde.
eine Geschichte, die ein bißchen zeigt, Der Staatssekretär erhielt ebenfalls ein
was der Papst tut oder tun kann. Der Exemplar und schätzte es als inoppor-
Papst, berichtete er mir, habe zur 80- tun ein. Er riet, es fallenzulassen, weil es
Jahr-Feier der ersten Erscheinung nach uns übermäßige Publizität einbringen
Fatima reisen wollen, aber er nahm würde. So wurde es augenscheinlich fal-
nicht an der Veranstaltung teil, weil er lengelassen.
nicht eingeladen wurde! Ich wußte
nicht, daß der Papst eingeladen sein
Falsche Lösungen: Ökumenismus und Trad-
muß, um irgendwohin zu gehen. Der
Ökumenismus
Papst fragte zuerst den Bischof von Lei-
ria (in dieser Diözese liegt Fatima), und Es ist nicht alles gut in Rom, das ist
der Bischof leitete es zur Bischofskonfe- sicher, und wir sollten uns darüber im
renz weiter und gab keine Antwort. Der klaren sein. In den Kreisen um die Kom-
Papst sandte einen Brief an diesen Bi- mission Ecclesia Dei herrscht Euphorie.
schof und ließ ihn benachrichtigen, die- Sie sagen: „Schaut, wir wurden in Rom
sen Brief zu erwarten. Er hat ihn nie er- empfangen. Alles ist in Ordnung. Kardi-
halten. Der Brief wurde vom Staatsse- na Ratzinger hat uns gegrüßt; der Papst
kretariat unterschlagen. Unser Freund hat uns empfangen, er grüßte die Semi-
an der Kurie vermittelte mir den Ein- naristen. Also, alles in Ordnung.“
druck, daß der Papst die Kontrolle ver- Nun…
loren hat. Er ist weiter im Amt, hat aber Um den 10. Jahrestag der Errichtung
nichts Wichtiges zu sagen. Er hat große der Kommission Ecclesia Dei zu bege-
Ideen zum Jubiläumsjahr 2000, aber al- hen, wollte die Priesterbruderschaft St.
les übrige ist unter Kontrolle des Staats- Petrus ein Pontifikalamt feiern und bat
sekretariats. Ich will Ihnen einige Bei- Kardinal Ratzinger, es zu zelebrieren.
spiele geben. Eines ist die im vergange- Der Kardinal lehnte ab, und so wandte
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sich die Petrusbruderschaft an den Kar- große Verluste erleiden. Ökumenismus


dinalpräfekten der Kongregation für ist die praktische Zerstörung der Iden-
den Gottesdienst, der mit den Fragen tität der Kirche. Die Priesterbruder-
der Liturgie für die Gesamtkirche be- schaft bleibt dabei, daß dieser Öku-
traut ist. Der Kardinal war bereit, die menismus nicht katholisch ist.
Messe zu lesen, aber der Staatssekretär Der Ökumenismus ist protestanti-
intervenierte und teilte ihm mit, daß die schen Ursprungs, dennoch sind die Pro-
tridentinische Messe nicht in die Kom- testanten unfähig, zu einer wirklichen
petenz des Präfekten der Kongregation Einheit zu gelangen! 1950, zwei Jahre
für den Gottesdienst falle! Ich denke, es nach seiner Gründung, bestimmte der
ist wichtig, dies zu verstehen. Es bedeu- Ökumenische Rat der Kirchen, daß Ein-
tet, daß für den Staatssekretär die tri- heit nicht auf irgendeiner Vorstellung
dentinische Messe nicht länger die Mes- von „Kirche“ basieren könne. Einige
se der katholischen Kirche ist. Die latei- meinten, diese Einheit könne als Einheit
nische Messe wurde nur einer kleinen in Hierarchie und Lehre erlangt wer-
Gruppe gewährt, der die Freiheit eines den, andere meinten, sie könne erreicht
Vogels im Käfig gewährt wurde. werden durch eine übergeordnete Übe-
Ich kenne einen armenischen (ortho- reinkunft den Glauben betreffend, und
doxen) Priester, der kürzlich in die ka- der Rest glaubte, eine Übereinkunft
tholische Kirche aufgenommen wurde. welcher Art auch immer würde zu wei-
Die Antwort, die ihm in Rom gegeben teren Spaltungen führen. Die Protestan-
wurde, als er um Aufnahme in die Kir- ten haben nie gewußt, welche Art von
che bat, war: „Haben Sie eine Erlaubnis Einheit sie wollen. Sie kommen zusam-
Ihres Bischofs?“ Gemäß dem Abkom- men, um zu versuchen, etwas in die
men von Balamand müssen die Katholi- Praxis umzusetzen, was sie nie errei-
ken davon Abstand nehnen, Orthodoxe chen können! Daß die Orthodoxen mit
zu bekehren. Dennoch wurde der ar- Boykott des Ökumenischen Rates droh-
menische Priester in die katholische ten (Dezember 1998), zeigt klar die
Kirche aufgenommen, aber Rom fühlte Fruchtlosigkeit dieser Bewegung.
sich verpflichtet, sich bei den Ar- Auf der anderen Seite enthalten die
meniern zu entschuldigen: „Es tut uns Gebete der katholischen Kirche zum
leid. Wir versprechen, es ist der einzige Karfreitag, die aus dem 2. Jahrhundert
Fall; es wird die ökumenischen Bezie- stammen, eine Serie von Gebeten für
hungen nicht schädigen.“ Die Zuge- Schismatiker, Häretiker, Juden u.s.w.,
ständnisse, die im Namen des Öku- damit sie zur Einheit der Kirche zurück-
menismus gemacht werden, kommen kehren. Das ist es, wonach die Kirche
alle von katholischer Seite. Die Prote- immer gesucht hat bei ihren Beziehun-
stanten sind noch immer Protestanten, gen zu jenen, die sie verlassen haben.
was ebenso für die Anglikaner und die Die katholische Kirche besitzt die Ein-
Orthodoxen gilt. Die einzigen Verände- heit; sie kann sie nicht verlieren. Sie
rungen betreffen die Katholiken, die braucht die Einheit nicht zu „erfinden“!
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Aus Kirche und Welt

Sie ist eines der Kennzeichen der katho- Ich perönlich schätze, daß etwa die
lischen Kirche. Wahre Einheit mit den Hälfte der Priester weltweit den Glau-
Orthodoxen oder den Protestanten wird ben an die Realpräsenz verloren hat. Ich
erreicht durch deren Bekehrung, deren denke, zwei Drittel der Priester glauben
Rückkehr zur katholischen Kirche. Dies nicht länger, daß die Messe wirklich die
ist die Lehre der Kirche durch die Jahr- Erneuerung des Kreuzesopfers Christi
hunderte hindurch. Falscher Dialog tut ist. Ich kenne Seminardirektoren, die
nichts anderes als die Kirche zu zer- lehren, daß die Messe kein Opfer ist.
stören. Zwei von ihnen gingen und verloren
den Glauben. Es ist keine Frage des Miß-
brauchs. Es ist die Neue Messe selbst,
Der Glaube wird zerstört
der die Schuld anzulasten ist, weil sie
Es gab eine Zeit, da waren Katholi- den Gedanken des Opfers und der Real-
ken bei der Liturgie überall in der Welt präsenz nicht deutlich ausdrückt. Es
zu Hause. Es war unsere Messe. Jetzt ist gibt eine Menge kleiner Dinge in der
jede Kirche anders. Sie wissen nicht, Neuen Messe, die den Glauben der Prie-
was geschieht. Manchmal wissen Sie ster aushöhlen, so daß sie schließlich so
nicht einmal, ob die Konsekration rich- denken, wie die Neue Messe sie handeln
tig vorgenommen wurde. Jene, die über läßt. Die Priester müssen nicht länger
die Krise im Zweifel sind, werden viel- Daumen und Zeigefinger, die die konse-
leicht durch die Teilnahme an einer die- krierte Hostie berührt haben, zusam-
ser Zeremonien eines Besseren belehrt. menhalten. Es ist nicht mehr Vorschrift,
Einer unserer Priester las kürzlich daß Kelch und Patene vergoldet sein
die lateinische Messe in einer Pfarrkir- oder daß die heiligen Gefäße am Ende
che in Belgien, an der der Pfarrer teil- der Messe purifiziert werden müssen.
nahm. Es war das erste Mal in seinen 30 Manchmal geschehen entsetzliche Din-
Jahren als Pfarrer, daß er eine tridentini- ge. Ich kenne einen Priester, der auf-
sche Messe sah. Nach der Messe sagte grund solcher Vorfälle zur Tradition
er: „Sie haben uns 30 Jahre lang betro- fand.
gen!“ Er war so bewegt, daß er mehr- Während der Papstmesse in Neusee-
mals innehalten mußte, als er später an land war dieser Priester schockiert, als
diesem Morgen die Neue Messe las. einer seiner Kommunikanten die hl.
Plötzlich verließ er den Altar, ging in die Kommunion von ihm in die Hand
Sakristei und kehrte mit einem traditio- nahm, die Hostie zerbrach und sie vor
nellen Meßgewand bekleidet zurück. ihm auf den Boden warf. Der Priester
Damit zeigte er, daß er für den Herrn et- beugte sich hinab, um die Partikel der
was mehr haben wollte. Am Ende dieser Hostie aufzusammeln, und brach die
Messe vertraute er unserem Priester an: Kommunionspendung ab. Er kehrte zu
„Ich bin der einzige Priester in der der Stelle zurück, an der das Ziborium
ganzen Diözese, der an die Realpräsenz stand, und sah etwas, das ihn noch
glaubt.“ mehr erschütterte. Er sah Priester, die
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Aus Kirche und Welt

nichtkonsumierte Hostien in Abfallbeu- weil die Dinge sich ändern müssen.“


tel warfen. Er ging in seinen nahegele- Das ist nicht vernünftig. Kann denn
genen Konvent, stellte sein Ziborium das, was zu Fuß, zu Rad, im Zug oder
dort in den Tabernakel, verließ das Klo- im Flugzeug getan wird, nicht mehr
ster und schloß sich uns an. Reisen genannt werden? Hat das Herz
Naive Katholiken sagen, dies seien des Menschen sich verändert? Eine Lü-
einzelne Mißbräuche, das II. Vatikanum ge vor 2000 Jahren ist auch heute noch
sei nicht dafür verantwortlich. Sehen eine Lüge! Was Sünde war, ist noch im-
Sie sich um! Ich frage Sie: „Wo gibt es mer Sünde; was Wahrheit war, ist noch
keine Mißbräuche?“ Was wird getan, immer Wahrheit. Diese Dinge haben
um die Gläubigen zu schützen? – Man sich nicht geändert. Zu argumentieren,
wir müßten für ein neues technologi-
sagt ihnen, sie sollen untreuen Bischö-
sches Zeitalter die Messe verändern, ist
fen treu bleiben, wie Msgr. Perl es tut!
verrückt. Die Wahrheit kann sich nicht
ändern!
Die Gläubigen sind verlassen Ein berühmter französischer Denker,
Unter französischen Katholiken, die Maurice Blondel (1861-1949) ist einer
wenigstens einmal im Monat an einer der Großväter des II. Vatikanums. Er
Messe teilnehmen, wurde eine Umfage lehrte eine neue Definition von Wahr-
zu verschiedenen kirchlichen Themen heit. Entgegen der immerwährenden
durchgeführt (Oktober 1998). Die Mehr- Definition der Kirche sagte er, Wahrheit
heit war für den Gebrauch von emp- sei nicht die Übereinstimmung unseres
fängnisverhütenden Mitteln durch Ka- Intellektes und der objektiven Realität.
tholiken (72 %); für verheiratete Priester Ich gebe Ihnen ein Beispiel dafür, wes-
(66 %); für die Möglichkeit einer kirchli- halb dies falsch ist und warum die
chen Wiederverheiratung für Geschie- Wahrheit die Konformität unseres Intel-
dene (60 %); für das Frauenpriestertum lekts mit der Realität ist. Wenn ich einen
(60 %); für Euthanasie (62 %). Was sind Vogel halte und Ihnen sage, dies sei ein
die Ursachen für dieses Desaster? Um Vogel, dann werden Sie die Wahrheit
diese Frage zu beantworten, müssen meiner Behauptung dadurch überprü-
wir einen Blick werfen auf Philosophie, fen, daß sie das, was ich sage, mit der
Theologie, Moral und Politik. objektiven Realität vergleichen. Wenn
beide übereinstimmen, dann sind meine
Worte wahr und Sie müssen Ihren Ver-
Philosophie stand der Realität des Vogels unterord-
In der Philosophie haben uns die nen. Stimmen sie nicht überein, dann
modernen Philosophen den Gedanken sind meine Worte falsch. Doch moderne
der Evolution eingegeben; alles müsse Denker sagen, daß Wahrheit die Übe-
sich ändern. Im Namen der Verände- reinstimmung zwischen unserem Intel-
rung wurde das II. Vatikanum zusam- lekt und Leben sei. Nun, woran erken-
mengerufen. „Alles muß sich ändern, nen wir Leben? Die erste Frage, die wir
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Aus Kirche und Welt

uns stellen, wenn wir jemanden auf der eine Gott muß so verehrt werden, wie Er
Straße liegend finden, ist: „Lebt er befohlen hat. Hier kann es keine Verän-
noch?“ Um dies festzustellen, betrach- derung geben! Aber die Modernisten sa-
ten Sie die Bewegung seiner Augen, sei- gen: „Wir können nicht länger sagen,
nen Herzschlag u.s.w. Leben bedeutet daß unser Herr hier auf Erden zu herr-
Bewegung. Wenn man sagt, Wahrheit schen hat; es gibt die Buddhisten, die
sei die Übereinstimmung zwischen un- Mohammedaner, dies und das, und es
serem Intellekt und Leben, d.h. unserem ist unmöglich, von ihnen zu verlangen,
Intellekt und Bewegung, dann muß sich Jesus Christus zu verehren, den sie nicht
die Wahrheit bewegen! Wenn sich Wahr- kennen. Aber versucht nicht, sie zu be-
heit bewegen muß, dann müssen wir sie kehren, denn ihre Meinung ist genauso
immer verändern. Wenn sie stillsteht, gut oder schlecht wie unsere!“ Der Ver-
dann ist sie keine Wahrheit. Also wur- lust des Wesentlichen in der katholi-
den uns Veränderungen befohlen, um schen Kirche bedeutet, Wahrheit und
zu zeigen, daß die Kirche lebt! Überzeugung zu verlieren.
Moderne Philosophien verneinen
außerdem, daß unsere Intelligenz das Theologie
Wesen der Dinge – die tiefsten Teile der
Dinge, die sich nicht verändern können Eine andere Katastrophe wird in der
– verstehen könne . Sie haben einen Jun- Theologie verursacht durch die Weige-
gen namens Paul, der sich in Größe, Ge- rung schlechter Theologen, zwischen
wicht und Alter verändern wird, doch Natur und Gnade zu unterscheiden.
sein Wesen als Paul wird immer Paul Dies führt zur Ablehnung, zwischen
bleiben. Er wird immer ein Mann sein, Körper und Seele zu unterscheiden. Die
immer eine menschliche Natur besitzen, Verweigerung der Unterscheidung zwi-
und dies wird sich nicht ändern. Die schen geschaffener Natur und der Gna-
modernen Philosophen sagen, daß man de des Schöpfers endet damit, daß zwi-
nicht so tief gehen könne, daß man ge- schen Geschöpf und Schöpfer, zwischen
zwungen sei, auf der Ebene der Verän- Mensch und Gott nicht unterschieden
derung zu bleiben. Dies begrenzt Dis- wird! Was sagt Papst Johannes Paul II.
kussionen allein auf die veränderlichen selbst? Jeder Mensch und jedes Volk, durch
Teile der Dinge und unsere persönliche die Tatsache, daß Unser Herr am Kreuz
Meinung über sie, die bedeutender oder starb und durch die Handlung des Heiligen
weniger bedeutend sein kann als die Geistes, ist jeder Mensch ein Kind Gottes.
Meinung von irgend jemand anderem. Er nimmt Anteil am göttlichen Leben und
Dies ist die Welt des totalen Subjektivis- ist zu ewiger Glückseligkeit berufen (Tertio
mus, der Meinungen, die auf allen Ebe- Millennio Adveniente).
nen der Religionen erkennbar ist. Alle Jeder Mensch! Der hl. Paulus sagt
Religionen sind gleich gut! Aber die Es- (Röm 8,14), daß jene, die vom Geist
senz Gottes ist Seine Existenz. Es gibt Gottes geleitet werden, Söhne Gottes
immer noch nur einen Gott und dieser seien. Der Geist Gottes müsse in ihnen
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Aus Kirche und Welt

sein. Er sagt ganz klar, daß der Heilige le verkünden würde. Seine Strategie
Geist nicht in jedem sei (Röm 8,13). Aber hob die Zerstörung besonders der Semi-
der jetzige Papst behauptet, daß der nare und der Frauen hervor. Vor drei
Heilige Geist auf geheimnisvolle Weise Jahren prahlte ein Freimaurer aus Mexi-
in jedem wohne, weil er nicht zwischen ko in einem Interview damit, es gäbe im
Natur und Gnade unterscheidet. Vatikan vier Freimaurerlogen des
Schottischen Ritus. In weiteren Er-
Moral klärungen behauptete er, die Freimau-
rer hätten die Macht, mit ihnen zusam-
Auf der Ebene der Moral haben wir
menarbeitende Priester mit dem Bi-
eine Angleichung an die Welt gesehen.
schofsamt zu belohnen. Ein NATO-Be-
Im Namen der Veränderung wird uns
richt (1974) über die Aktivitäten des
gesagt: „Schauen Sie, die Kirche ist so
Kommunistischen Geheimdienstes in
weit hinter der Welt zurück. Holen wir
den Ostblockstaaten innerhalb der
auf!“ Um mit der Welt Schritt zu halten,
Hierarchie der katholischen Kirche
müssen wir uns ändern, und so wird
schätzte, daß 3000 Agenten die katholi-
uns der breite Weg anstelle des steini-
sche Hierarchie erfolgreich infiltriert
gen schmalen empfohlen, der zum
Himmel führt. Der breite Pfad des Libe- hätten. 1984, kurz vor der deutschen
ralismus ist der Kompromiß mit der Wiedervereinigung, wurde bekannt,
Welt. Dieser Liberalismus ist überall in daß der Geheimdienst der DDR die
der Kirche zu finden. Kardinal Ratzin- Zahl seiner Agenten beträchtlich stei-
ger selbst sagt, daß das Problem der gerte mit dem Ziel, die katholische und
Kirchen in den 60er Jahren der Konflikt die protestantischen Gemeinschaften zu
gewesen sei, „die besten Werte aus zwei unterwandern.
Jahrhunderten liberaler Kultur“ in sich
aufzunehmen, aber nun sei es geschafft. Modernismus ist nicht so „modern“
Das bedeutet, daß die Kirche die libera-
Es gibt außerdem eine Infiltration
le Kultur in sich aufgenommen hat. Was
der katholischen Kirche durch Moder-
ist diese liberale Kultur? – Die Französi-
nisten. Sie verbergen sich in ihr, und es
sche Revolution!
ist unsere Aufgabe, sie zu demaskieren.
Die Modernisten sind eng verbunden
Politik mit dem Gnostizismus, zu dem hin es in
Wir können Politik nicht verstehen, der heutigen Kirche eine starke Tendenz
wenn wir nicht zugeben, daß die katho- gibt. Es gibt leise Spuren davon im II.
lische Kirche von ihren Feinden infil- Vatikanum. Ein vorausschauender Prie-
triert wurde. Es gibt einen von der Kir- ster, der 1890 starb, sagte korrekt vor-
che entdeckten und unter Papst Pius IX. aus, daß die katholische Kirche ihre Lei-
veröffentlichten Beweis für den Plan tung durch ein ökumenisches Konzil
der Freimaurer, einen Papst auszu- ändern und daß eine neue Liturgie zu-
wählen, der ihre freimaurerischen Idea- sammengestellt würde, um Einklang
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Aus Kirche und Welt

mit der Welt herzustellen. Er sagte vor- Die Kirche selbst hat diese Attribute der
her, daß die Priester die Soutane auszie- Stabilität.
hen würden. Er nannte sie „Progressi-
sten“. Selbst die Gründer der New-Age-
Bleiben Sie im Boot
Bewegung schrieben, daß die katholi-
sche Kirche am Ende des 20. Jahrhun- Im Glaubensbekenntnis bekennen
derts die Prinzipien der Freimaurerei wir die Kirche als eine, daß die Kirche
annehmen, aber eine katholische Fassa- heilig ist, und so ist es! Wir müssen dar-
de aufrechterhalten würde, um die an denken, daß Gott über alles die Kon-
Gläubigen nicht aufzuschrecken. trolle hat, auch wenn es für uns so aus-
sieht, als habe Er sie verloren. Denken
Solche Dinge geschehen vor unseren
Sie an die Apostel im kleinen Boot. Sie
Augen. Unser Problem ist, daß der
dachten, sie würden sinken. Aber wer
Feind die gleiche Uniform trägt wie je-
gab dem Wind seine Heftigkeit, den
ne, die er angreift. Wie soll man wissen,
Wellen ihre Stärke? Es war Jesus, der Ei-
daß derjenige, der die gleiche Uniform
ne, der dort schlief. Als Er sagte „Stop!“,
trägt, ein Feind ist? Sie wissen es erst,
war Frieden. Wenn Gott diesen Frieden
wenn er auf Sie schießt, und dann ist es
für Seine Kirche will, dann wird es in ei-
zu spät! Die Zerstörungsarbeit findet auf
allen Ebenen statt. Wir können nicht un- nem Augenblick geschehen; wenn es
sere Augen schließen und sagen: „Oh, es jetzt nicht geschieht, dann weil Er will,
ist schön, wir überleben“, oder „Es muß daß wir, die streitende Kirche, Seine Lei-
gut sein, denn der Papst sagt es.“ den und Schmerzen teilen. Die Kirche
wird triumphieren, aber wir müssen
dafür beten. Wir müssen bei unserem
Keine Angst Herrn bleiben, und das bedeutet, im
Was ist nun unsere Lösung? Denken gleichen Glauben verharren.
Sie daran, wir dürfen die Kirche nicht
allein mit dem menschlichen Verstand
Den Glauben bewahren
betrachten. Die katholische Kirche ist ei-
ne übernatürliche Gemeinschaft, nicht ei- Der Glaube ist das Tor zur Allerhei-
ne natürliche. Das Haupt der Kirche ist ligsten Dreifaltigkeit, zu Gott. Jemand,
unser Herr selbst, und die Kirche ist der gegen den Glauben sündigt, begeht
nichts anderes als unser Herr Jesus eine schwerere Todsünde als jemand,
Christus und die Seelen, die zusammen der gegen das 6. Gebot verstößt. Je-
Seinen mystischen Leib ausmachen. Die mand, der den Glauben verloren hat,
wesentliche Dimension der Kirche ist hat keinen Weg zu Gott! Wer immer
nicht menschlich; sie wird nicht verge- auch nur einen Teil des Glaubens
hen, sie ist heilig, sie ist einige; und das zurückweist, weist den ganzen Glauben
Haupt der Kirche ist allmächtig und zurück.
ewig! Seine Weisheit überragt alle Ver- Der katholische Glaube ist wie ein
hältnisse der Zeiten und Geschehnisse. mit Luft gefüllter Ballon. Wenn man
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MB April 99 19.06.1999 12:13 Uhr Seite 22

Aus Kirche und Welt

versucht, nur ein Stück aus diesem Bal- Um den Rosenkranz scharen
lon mit dem Messer herauszuschnei- Die Erscheinung Unserer Lieben
den, platzt der ganze Ballon. Einige sa- Frau in Fatima zu Beginn dieses Jahr-
gen, Katholiken und Protestanten ha- hunderts ist bedeutungsvoll. Es ist
ben den gleichen Glauben. Nein! Die nicht schwer zu erraten, daß ihr 3. Ge-
Protestanten haben den Ballon zum heimnis etwas mit dem Desaster zu tun
Platzen gebracht. Ihnen blieb nichts hat, das wir jetzt erleben. Ihre Heilmit-
außer ein wenig Gummi. Es ist nicht tel sind jedoch einfach: Betet täglich den
länger der katholische Glaube. Wir ha- Rosenkranz und tut Buße. Tröstet das
ben die Pflicht, diesen Glauben in sei- Unbefleckte Herz Mariens, unserer
ner Ganzheit zu kennen und zu bewah- himmlischen Mutter. Ihr wurde der
ren. Katechismus ist für alle Lebensal- Frieden der Welt anvertraut.
ter, nicht nur für die Kinder. Frischen Da ich durch die ganze Welt gereist
Sie Ihre Kenntnisse auf, indem Sie die bin, kann ich bezeugen, daß jene, die
Enzykliken der guten Päpste lesen. den Glauben und die Traditionen der
katholischen Kirche bewahrt haben, die
allerseligste Jungfrau Maria verehren
Um Gnade bitten und den Rosenkranz beten. Jener
Beten Sie um Gnade. Der hl. Thomas Freund des Papstes, der mich besuchte,
von Aquin sagt, daß Gott etwas Größe- sagte dasselbe.
res tut als die Erschaffung des Univer- Am Vorabend des Jahres 2000 möch-
sums, wenn Er bei der Taufe die Gnade te ich einen neuen Rosenkranzkreuzzug
in eine Seele eingießt. Das bedeutet, daß ausrufen. In den verzweifeltsten Stun-
der Verlust dieses Schatzes durch eine den der Kirche haben die Päpste immer
Todsünde schlimmer ist als die Zer- die Gläubigen aufgerufen, den Rosen-
störung des ganzen Universums. kranz zu beten. Das war immer der Sieg
für die Kirche: in der Zeit des hl. Domi-
Es ist wichtig, daß wir die katholi-
nik, Lepanto, Budapest, Wien etc. Jedes-
schen Prinzipien kennen und katholi-
mal sehen wir den Rosenkranz und den
sche Standards in unserem Leben set-
Besuch der allerseligsten Jungfrau Ma-
zen. Wir müssen die Mittel ergreifen,
ria. Beten wir für den gleichen Sieg!
die Gott zur Verfügung stellt. Wenn wir
nahe bei Gott bleiben, haben wir nichts
zu fürchten. Gott steht über allen Ereig- (übersetzt aus: Angelus, März 1999)
nissen, die seinen Geschöpfen wider-
fahren. Er hat den Sieg davongetragen,
und jene, die bei Ihm bleiben, werden
mit Ihm siegen. Unser Herr selbst sagte:
„Suchet zuerst das Reich Gottes und
Seine Gerechtigkeit, alles andere wird
euch hinzugegeben werden.“
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Verschiedenes

Nichtkatholische Martyrer?
Der katholische Begriff des Martyriums

Es scheint, daß sich unglücklicher- unseres Herrn Jesus Christus stellt ganz
weise der katholische Begriff des Marty- eindeutig zwei grundlegende Punkte
riums im 20. Jahrhundert verdunkelt. auf:
Hat doch der jetzige Papst vom „gülti- 1. Die Apostel sind Zeugen und Bo-
gen Zeugnis so vieler Martyrer unseres ten: „und auch ihr werdet Zeugnis ge-
Jahrhunderts, die auch anderen Kirchen ben, weil ihr von Anfang an bei mir
und kirchlichen Gemeinschaften an- seid“ (Joh. 15,27).
gehören, die nicht mit der Kirche in vol- Während der letzten Weisungen an
ler Einheit sind“ (Enzyklika „Ut unum die Apostel, nach seiner Auferstehung
sint“, § 1), gesprochen. Wird nicht davon und vor seiner Himmelfahrt, sagt der
gesprochen, das Martyrologium zu re- göttliche Meister zu ihnen: „So steht ge-
formieren und darin „Martyrer“ des schrieben: der Messias wird leiden und
Protestantismus, der Anglikaner und von den Toten auferstehen am dritten
der Orthodoxie einzufügen? (vgl. den Tag, und in seinem Namen wird Bekeh-
Apostolischen Brief „Tertio millennio rung und Vergebung der Sünden ver-
adveniente“ vom 10. November 1994, kündet an alle Völker, angefangen von
Nr. 37). Jerusalem. Ihr seid Zeugen dafür“ (Lk
Aus diesem Grunde erscheint es uns 24,46-48). Zu diesem Ziel empfiehlt er
wichtig, kurz die grundlegenden Punk- sie dem Heiligen Geist: „Ihr werdet mei-
te der katholischen Theologie des Mar- ne Zeugen sein in Jerusalem, in ganz Ju-
tyriums darzulegen. Wir werden so däa, in Samaria und bis an die Grenzen
nacheinander zunächst das analysieren, der Erde“ (Apg 1,8).
was unser Herr Jesus Christus gesagt 2. Dieses Zeugnis geht bis zum Opfer
hat, dann die Bedingungen, die die Kir- ihres Lebens: „Nehmt euch in acht vor
che stellt, damit wirklich von einem den Menschen; denn sie werden euch
Martyrium gesprochen werden kann, den Gerichten übergeben und in ihren
ferner die Tugenden, die im Martyrium Synagogen geißeln. Vor Statthalter und
wirken, eine besondere Wirkung des Könige werdet ihr geführt um meinet-
Martyriums und schließlich den apolo- willen, ihnen und den Heiden zum
getischen Wert des Martyriums. Zeugnis“ (Mt 10,17-18). „Alsdann wer-
den sie euch der Drangsal überliefern
und euch töten, und ihr werdet verhaßt
Das Evangelium und das Martyrium sein bei allen Völkern meines Namens
Ethymologisch stammt das Wort wegen“ (Mt 24,9). „Doch noch vor die-
„Martyrium“ vom griechischen „Mar- sem allem wird man Hand an euch le-
tyr“, was „Zeuge“ bedeutet. Die Lehre gen und euch verfolgen: man wird euch
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Verschiedenes

Martyrium des hl. Apostels Andreas

an die Synagogen und Ge-


fängnisse überliefern und
vor Könige und Statthalter
führen um meines Namens
willen. Doch dies wird für
euch zum Zeugnis gerei-
chen“ (Lk 21,12-13). „Ein
Knecht ist nicht größer als
sein Herr. Haben sie mich
verfolgt, werden sie auch
euch verfolgen... Dies alles
werden sie euch tun um mei-
nes Namens willen, weil sie
den nicht kennen, der mich
gesandt hat“ (Joh 15,20-21).
Die Lektüre der Apostel-
geschichte und der Briefe der
Apostel zeigt uns, daß der
Wille unseres Herrn sich so erfüllte, wie hl. Stefan (Apg 6,8 – 7,60), die Verfol-
wir ihn in den Evangelien ausgedrückt gung der Kirche von Jerusalem (Apg
gesehen haben. In der Tat waren die 8,1) und das Martyrium des hl. Jakobus
Apostel Zeugen. Die Apostel waren des Jüngeren (Apg 12,2). Diese alle hat
Zeugen vor den Juden: „Diesen Jesus der hl. Johannes in der Vision gesehen,
hat Gott auferweckt, dessen sind wir von der er in seiner Apokalypse berich-
Zeugen“ (Apg 2,32) und vor den Hei- tet: „Und als es das fünfte Siegel öffne-
den: „Und wir sind Zeugen von all te, sah ich unter dem Altar die Seelen
dem, was er im Land der Juden und in derer, die hi