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645 Orientalistische Literaturzeitung 60. Jahrgang 1965 Nr.

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Hochzeitslieder und -brauche - so der wasf, eine Zahlwortkomposita (Bo-Studien 4, 1920, S. 2ff.)
Art Beschreibungslied der körperlichen Schönheit haben die Fragestellung weiter gefördert, die ge-
der Braut, oder die Tatsache, daß während der rade in letzter Zeit erfreulich lebendig wieder auf-
Königswoche Braut und Bräutigam als König und genommen worden ist. Es genüge hier der Hin-
Königin, deren Thron eine Dreschtafel auf der weis auf H. Kronasser in der 2. Lieferung seiner
Tenne ist, gefeiert werden - eine nahe Ent- „Etymologie der hethitischen Sprache" 1 S. 141ff.
sprechung im Hohenlied des AT haben, das er da- mit dem Abschnitt: Indisches Wortgut, wo auch
raufhin geradezu als eine „Sammlung von reizen- weitere Literatur angaben.
den Hochzeitsliedern und Fragmenten solcher" Bei all diesen Erörterungen steht der Name der
bestimmen konnte. Gottheit Agni/Akni etwas am Rande, weil die bis-
Wetzsteins zahlreiche und mannigfache Bei- herigen Belegstellen aus den Bogazköy-Texten
träge haben die Kunde vom Morgenland bereichert wenig charakteristisch schienen. Nach M. Mayr-
und gefördert. Daß sie aber damals wie heute von hofer, Die Sprache 5, 1959, S. 89f. Anm. 65
einer ungemein starken Anziehungskraft sind, „dürfte (der Name) wohl Entlehnung aus arisch
verdanken sie einer Begabung ihres Autors, die *Agni (auch im Iranischen) sein ; . . . doch muß zu-
sich schon während dessen Leipziger Studenten- gegeben werden, daß eine Grundform des indo-
jahre im regen freundschaftlichen Verkehr germanischen „Feuer"-Wortes wie die von aksl.
mit dem Dichter Otto Ludwig geformt hatte. ognh echt-hethitisch ebenfalls zu Ak/gni geführt
Wetzstein war selbst ein großer Dichter. Über hätte".
welch nachfühlende und nachgestaltende Kraft der Man darf demgegenüber darauf verweisen, daß
Sprache er verfügte, davon legen die Nachdich- ein Appellativum *ahni, Hgni o. ä. im hethitischen
tungen arabischer Poesien wie „Die Liebenden von Wortschatz nicht belegt ist. Das hethitische Wort
Amasia" oder die in der Zeitschr. f. Ethnol., 1880, für 'Feuer' ist pahhur, und erscheint auch einmal
gebotene Qaside ein beredtes Zeugnis ab. So soll deifiziert als D Pahhur (E. Laroche, RHA 46, 1947,
denn zum Beschluß dieses Gedenkens Wetzstein S. 76) in KTJB X I I 21 rechte Kolumne 8ff.:
selbst zu Worte kommen und zugleich damit LUGAL-w? DU-an*) DUTTJ-un*) Dffal-hi-in
unser Bedauern unterstreichen, daß uns nicht mehr D Mi-ia-ta-ari[-zi-pa-anb)~]
aus seiner Feder zugeflossen ist, weil er dem in 0 Pa-ah-hur-ra?) sal-la-nu-utá) nu-ut-ta-ri-ia-
einem Brief des Leidener Orientalisten C. Snouck
as ρί[-
Hurgronje vom 6. November 1887 an ihn nach-
drücklich herangetragenen Wunsch, „etwas von lci-is-ta-ti nu Tcu-it IGI-iP) us-Tci-si
Ihren in Syrien gehobenen Schätzen zum waqf zu Jcu-it-ta-ia is-ta-ma-an-ta is-ta[-ma-as-Jci-si]
machen für die Wissenschaft des Orients . . . und
a) Dupl. 83/e I 5' nUTU-wn DISKUR-cm
uns mit einem größeren Werke über Sprache und b) Erg. nach KTJB X V I I 10 I I I 31
Sitten der heutigen Araber zu beglücken", nicht c) 83/e I 6' vpa-afy-fyu-ur
mehr nachkommen konnte. d) ibd. sa-al-la-nu-ut
e) 83/e I 7 sa-a-hu-it
Auf einem Grabstein im berühmten musli-
mischen Wallfahrtsorte mebrak en-näqa in Bosra 'Der König hat den Wettergott, Sonnengott,
stehen, so erzählt Wetzstein, zwei sinnreiche Getreide, Wachstum und das göttliche Feuer (bzw.
arabische Verse, die er so wiedergibt: den Feuergott) großgemacht . . . eil . . . [ ] du
Der Tas; hat sich geneigt, ich bin als Gast wirst. Nun, was mit dem Auge du jeweils siehst,
I m reichen Hause Gottes angekommen, und was mit dem Ohre du jeweils hör [st]
Und Gäste sind ja freundlich überall Leider ist die Aussage über das Wesen des D Pahhur
Vom Gastfreund und mit Ehren aufgenommen. so wenig konkret, daß es bei der kurzen Zitierung
Kann durch den Eintritt in die Königsburg der bisher einzigen Belegstelle bleiben muß 2 . ·
Ein Fehlender Verzeihung schon erlangen, " Den ersten Hinweis auf Un dieu hittite Ak/gnis
Wie dürfte dann nicht hoffen wer ins Haus verdanken wir Fr. Hrozny, RA X V I I I , 1921,
Des allbarmherz'gen Gottes eingegangen?
S. 34ff. In dem Omentext Bo 581 = K U B V I I I 28
findet sich zweimal in der Apodose der Fall jta-at-
vA-ak-ni-is Jca-ra-a-pi (Vs. 16', erg. Rs. 7') 'und
Der Gott Akni in den hethitischen Texten das wird die Gottheit Akni fressen/verschlingen'.
und seine indoarisehe Herkunft ι K r o n a s s e r , Heinz : Etymologie der hethitischen Sp ra -
Yon H. O t t e n und M. M a y r h o f e r che. Lfg. 2 u. 3: II. Wortbildung des Hethitischen.
Wiesbaden: Harrassowitz 1963. S. 1 0 5 - 3 4 4 gr. 8°. Kart,
I. je DM 2 0 , - .
2 Eine ideographische Schreibung für diesen Gottes-

Die Diskussion um indoarisches Sprachgut in namen ist mir nicht bekannt. Die Äußerung bei E . La-
den Bogazköy-Texten des 14./13. Jh.s v. Chr. ist roche, R H A 46, 1947, S. 98 D GIBTL = Dieu du F e u ;
hittite D P a h h u r — beruht auf einem lapsus calami, in-
bereits früh von H. Winckler, MDOG 35, 1907, dem an den"zitierten Stellen G I B I L (ohne Akzent) um-
S. 51 und MVAeG 1913, 4, S. 76 mit den Hin- schrieben werden muß, was als „un dieu nouveau" zu
weisen auf die Eidgötter Mitra, Varuna, Indra und verstehen ist. - Der von Laroche, R A 45, 1951, S. 188
die beiden Näsatyas eröffnet worden. Die folgenden zitierte Beleg aus KTJB I I 6 I 5 bietet in der Tat
P N I E . A N , ist aber mit Laroche wohl Entsprechung
Arbeiten von P. Jensen (SPAW phil.-hist. Kl. zu DKuzzanisu und gehört damit in das protohattische
1919, S. 367ff.) und F. Sommer, Zu den arischen Pantheon.

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Ähnliche Vorhersagen auch anderwärts in den nicht ausgeschlossen, auch wenn der Text als
Omina, etwa K U B V I I I 1 ganzes sonst augenscheinlich auf anatolische Vor-
I I I 19 BURU X mi-ëa-ri-is ka-ra-a[-pi] stellungen zurückgeht, wofür auch die Legiti-
'Insekten (vgl. J. Friedrich, H W b S. 143) mation des Beschwörungspriesters spricht:
werden die Ernte fressen' I I 24f. na-at-ta am-me-el [ud-da-a-ar
D UTU-«s D Kam-ru-si-pa-as-ëa ud-da- a-a[r
I I 16 f. KUR-e an-da [ka]r-sa-as pa-ra-a-i
BURU X ? L A ka-ra-a-pi 'Nicht meine [Worte, sondern] die Worte des
'im Lande werden Heuschrecken erscheinen Sonnengottes und der Kamrusepa [spreche ich]'1.
und die Ernteerträge fressen' Mit einem Gebet verbunden erscheint der Gott
I I I 9f. dci-ga-an-zi-pa-as [hu]-i-da'--a-ar pa-ra-a-i Akni in dem rituellen Text 336/t (demnächst in
hal-ki-in ka-ra-pa-an-zi KBo X I I I ) .
'Lebewesen der Erde werden erscheinen und rechte Kolumne
die Getreideernte fressen' 8 EGIR-$Ù-ma-aë SA D[
Hier führt das Auftreten von schädlichen Tieren ti-ia-az-zi kat-t[a-
jeweils zu einem Vertilgen (karap-) der Ernte. In 10 se-e-na-aè-sa ha-an[-
anderen Texten findet sich die charakteristische A-NA DAk-ni-i x[
Aussage, daß ein Wolf ein eingespanntes Zugtier
s c h l ä g t (Heth. Ges. § 75), daß ein Hund ein Stück 12 »Ak-ni-is E N - J A [
Schweinefleisch v e r s c h l i n g t (Heth. Ges. § 90) [p]i-is-kat-tal-la-as x[
oder auch Hunde vor Hunger Menschen a n f a l l e n 'Hinterher aber er des Gottes [ ] er tritt,
(Madduwatta I 11), ferner der panku den Rechts- herab [ ] und den Ersatzbildern . . . [ ] für
brecher mit seinen Zähnen z e r f l e i s c h e n soll den Gott Akni [ ] «Akni, mein Herr [
(KBo X I I 4 I I I 6')· Geber2 [ »'
So schließt denn auch Hrozny a.a.O. 36: Der Text nennt linke Kol. Z. 3 den „Sonnengott
„Selon notre texte est Aknis ou Agnis un dieu des Himmels", weshalb er hier im Anschluß an
K B o X I 14 gebracht wird. Die Nennung der
dévastateur qui détruit le pays". Es lag nahe, an
„Ersatzbilder" r. Kol. Z. 10 erweist den Text als
die Parallele zum akkadischen Feuergott Nergal
Beschwörungsritual, wobei neben der Ritual-
zu denken (J. Friedrich, R L A I S. 42), während
anweisung auch die direkten Anreden an die Gott-
F. Sommer, OLZ 1939, Sp. 688 Zweifel hinsicht-
heit wiedergegeben werden. Der Wortlaut dieses
lich einer Zusammenstellung mit indisch Agni für
Gebetes gestattet trotz der dürftigen Erhaltung
durchaus berechtigt hielt.
die Aussage, daß Akni als männlich anzusehen
Einen Schritt weiter führt das Beschwörungs- ist. (Die Möglichkeit der Beibehaltung einer all-
ritual K B o X I 14, das an den Sonnengott (doch gemeinen Anrede „mein Herr" des Formulars
kaum taknas D UTU, vgl. I I I 30?) gerichtet ist, auch im Falle der Übertragung des Gebetes auf
und wo in einem Vergleich 1 auch die Gottheit eine Göttin, darf man hier wohl außer acht lassen.)
Akni genannt wird: I I 20 f. NA ARÀ-zœ-Mw
Ebenso bietet 119/u (demnächst K B o X I I I )
GIM-are kap-pí-is is-pár-ti-i-e-ez-zi E N . SISKUR-
ein Beschwörungsritual, wobei vielleicht gar ein
kán3·) vA-ak-nia) KAxU-ζα QA-TAM-MA iS-pár-
Mensch als Substitut herangezogen wird (I 3 nu
ti-id-du.
LÚ-an da-a-i) ; Kol. I I I ist nur mit wenigen Zeilen-
a) Das Dupl. 854/u Vs. 6' bietet E N . S I S K U R - m - anfängen erhalten:
Icán Î>Alc-ni ez-zi-is-kad-du [
'Wie ein kleines (Korn) vom Mühlstein ent- ]cu-u-un-ma-as-sa-a[n
springen kann, so möge der Opfermandant dem nu-za ^Ak-ni-is [
Munde der Gottheit Akni ebenso entkommen!' ku-un hur-tal-l[i-
le-e se-ek[-du
Es liegt diesem Vergleich also die Vorstellung
'er soll verspeisen [
zugrunde, daß der Gott Menschen in seinem
diesen aber [
Rachen verschlingt, eine deutliche Parallele zu der
nun Gott Akni [
Aussage im erstgenannten Omentext. Verfasser
jenes Gemengsei [
der Beschwörung ist eine Frau Hantitaääu aus
nicht [soll er] kennen [ '
der Stadt Hurma, die man in der Gegend von
Im Augenblick ist nicht mehr zu bemerken, als
Kummanni, Comana Cappadociae, lokalisiert2.
daß beide Textfragmente Anklänge zeigen an die
Hurritische3 oder syrische Einflüsse sind demnach
sar pÄ-Rituale, die demnächst von H. Kümmel
1 Zur Illustrierung dieser Aussage seien die weiteren
als Dissertationsschrift vorgelegt werden.
Vergleiche aus dem Text hier angeführt: „ W i e Schafe
Salz lecken, so soll der Sonnengott diese Beschwörungen 1 Vgl. auch das kleine Fragment V B o T 119 mit
ebenso auflecken" ( I 21 f.) „ W i e (beim Wagen) ein Nennung von Akni und Kamrusepa; zu „ W o r t e der
Hinterrad das Vorderrad nicht einholen kann, so möge Kamrusepa·.' K U B X V I I 15 I I I 12.
ein böser Tag den Opferherrn nicht erreichen" ( I I 22f.). 2 Diese Übersetzung liegt in einem Gebet nahe. Vgl.
2 Garstang-Gurney, The Geography of the Hittite schon nach den bisherigen Belegen die Ausführungen
Empire, 1959, S. 48, 52f., wonach Hurma, Kummanni von N . van Brock, Β H A 71, 1962, S. 80, 166 gegenüber
und Lawazantija als Teile von Kizzuwatna im östlichen A. Goetze, Tunnawi 92 „Freilasser" ; s. auch P. Meriggi,
Kalikien zu lokalisieren sind. Ebenso A . Goetze, Kizzu- R H A 67, 1960, S. 94 (H. Kümmel). - Lexikalisch aller-
watna, 1940, S. 71 ff. dings noch zu wenig gesichert, um für das Wesen und
3 Vgl. noch I I 30 die Nennung der Göttin IJepat, die Funktion des Gottes Akni aussagekräftig zu sein.

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In einem rituellen Text erscheint schließlich 'Kohle' herstellen wollen (J. Aistleitner, Wb. der
der Name des Gottes noch 258/e Z. 5 I DUG mar- ugaritischen Sprache, 1963, S. 67 Nr. 678) Κ
n]u-ua-an I DUG ua-al-M A-NA DA-ak-n[i . . ., Angesichts der noch ungeklärten lexikalischen
wonach Krüge mit alkoholischen Getränken der Bedeutung wird man fürs erste das Ugaritische
Gottheit übergeben werden, ebenso wie vorher außer Betracht lassen. Die Frage der Beziehung
an [ D Mu]l-li-ia-ra (?), die nach E. Laroche, RHA des in den Bogazköy-Texten genannten Gottes
46, 1947, S. 86 für die Stadt Lawazantija be- Ag/kni zum indoarischen Gott gleichen Namens
zeugt ist (zur geographischen Situation s. Sp. 547 ist jedoch mit dem hier vorgelegten neuen Material
Anm. 2). ernsthaft erneut zur Diskussion zu stellen.
Schließlich gibt auch der Tafelkatalog KUB Während die Gruppe Mitra, Varuna, Indra und
X X X 45 -f 51 mit seiner Eintragung Kol. I 10 Näsatya lediglich als Schwurgötter im Mitanni-
den Hinweis auf eine eigene Ritualtafel für den Vertrag erscheint, und damit in einem Dokument,
Gott Akni: das eindeutig über die Grenzen Kleinasiens hinaus-
I DUP-PU vAlc-ni-ia-as mu-ga-a[(-u-ua-as)] führt, sind mit dem Namen Agni Rituale und Be-
" QA-TI schwörungen verbunden, die doch wohl anzeigen,
Die Ergänzung folgt dem Dupl. KBo XIV 6815, daß der Gott in seiner dämonischen Wesensform
wo sich noch die Varianten: Ak-ni-ia-as ohne und seinen magischen Praktiken eine weitere Ver-
Gottesdeterminativ und mu-ga-u-ua-as findet. 'Eine breitung gefunden hat. E. Laroche hat daher
Tafel des Opferrituals für den Gott Akni - be- zweifellos Recht, wenn er RHA 46, 1947, S. 119
endet.' sagt, Agni sei plus significatif, à notre sens, sur
Die Übersetzung „Opferritual" folgt dabei der les relations anciennes entre le monde aryen et
Aussage der beiden obigen Duplikate, wo muga- l'Asie Mineure ou de moins les Hourrites.
und aniia- sowie mukeèëar und SISKUR. SISKUR
miteinander wechseln. Aller Wahrscheinlichkeit II.
nach gehört die eine oder andere der oben an- Das im ersten Teil dieser Arbeit vorgelegte er-
geführten bruchstückhaften Ritualstellen zu dieser weiterte Tatsachenmaterial über den Gott Akni
hier inventarisierten Tafel für den Gott Akni 1 . erleichtert die Entscheidung des Indogermanisten,
Ferner darf man angesichts einer gewissen Ord- der sich die Frage nach der Herkunft dieses Na-
nung des Tafelbestandes darauf hinweisen, daß mens stellt. Er wird sich dabei von folgenden Über-
die vorhergehende Eintragung (I 8f.) ein Ritual legungen leiten lassen:
der hurritischen Beschwörungspriesterin Allai- 1. Die bedeutsamen Argumente dafür, daß
turahi nennt, die im folgenden genannte Tafel Akni „im Zusammenhang mit dem allgemeinen
(I 11 ff.) die hurritischen Gottheiten Hepat, Kultureinfluß aus dem Süiosten Kleinasiens nach
Sarruma und Allanzu zitiert. Hattuëa gekommen" sei, verweisen den Gottes-
Somit spricht alles dafür, daß der Gott Akni, namen in ein Ursprungsgebiet, wo die Berührung
für dessen Wesen KUB VIII 28 und KBo X I 14 mit dem hurritischen und dem damit so oft ver-
bedeutsame Aussagen machen, in den vorlie- bundenen indo-arischen Sprachgut natürlich ist.
genden rituellen Textzeugnissen im Zusammen- 2. Eine formale Übereinstimmung wie die
hang mit dem allgemeinen Kultureinfluß aus zwischen dem altindischen Gottesnamen Agni-
dem Südosten Kleinasiens nach Hattuäa gekommen und dem Ag/kni- der hethitischen Texte begegnet
ist. zwar einer Interpretationsmöglichkeit, welche die
Der Gedanke, daß Akni sich wiederfinde in dem Entlehnung verneint: da Hethitisch und Indo-
in ugaritischer Buchstabenschrift belegten Appel- arisch verwandte Sprachen sind, ließe sich die
lativum agn vielleicht 'Opferfeuer', ist von Gleichung Agni- = Akni- auch als Fortsetzung
Segert-Zgusta, ArOr 21, 1953, S. 274f. geäußert einer von beiden Sprachen ererbten indogerma-
worden. Doch hat man auch in Anlehnung an nischen Grundform fassen. In einigen weiteren
hebr. aggän das Wort als 'Becken' gedeutet, Fällen hat man ähnlich argumentiert 2 . Die An-
bzw. mit einer Lesung gnt(l), pl. fractus 'agn eine nahme eines aus dem Indogermanischen ererbten
etymologische Verbindung mit arab. gaimat echthethitischen Akni- wird aber schon durch-die?
Hinweise auf Übernahme Aknis aus dem ' Sud-
osten (s. u. 1) stark erschüttert. Zudem sei an-
1
Allerdings stammen Tafelkataloge und Rituale aus gemerkt, daß ein Erbwort *akni- 'Feuer(gott)'
verschiedenen Fundkomplexen, so daß sieh jede prä-
1
zisere Aussage verbietet. O. R ö s s l e r macht mich jedoch darauf aufmerk-
Der Katalog K U B X X X 45 + 51 ( = 157/d + 612/f) sam, daß ein solcher gebrochener Plural in der Form
stammt von Büyükkale. Areal Geb. C; *'agyn zu erwarten wäre. Viel eher also agannu 'Becken'
der Katalog K B o X I V 68 ( = 43/q) von Büyükkale, aus — oder eine -anti-Bildung von 'agg (arab. 'brennen,
gestörtem Zusammenhang; die Anschlußfragmente flammen', vielleicht gleich akk. agägui). Für letzteres
K U B X X X 44 + 58 ( = 750/c + 93/d) gehören zu könnte sprechen Shr-w-Slm Z. 14: Ί 'ist . . . im Ver-
dem geschlossenen Tafelfund in Geb. A. Ebenfalls gleich mit Z. 15: w Ί 'agn . . .; das sieht so aus, als
von Büyükkale stammen das wären ugar. 'isätu und *'aggänu Synonyme.
2
Beschwörungsrifrual K B o X I 14 = 190/p und zwar aus Vgl. etwa die Frage heth. iukan: ai. yugám, wo
dem Tafelfund in Geb. Κ ; das Fragment 258/e aus man sich wohl für Urverwandtschaft entscheiden muß
Oberflächenschutt des Burghügels. (s. zuletzt mein altind. etym. Wb. I I I [Heidelberg 1964]
Dagegen kommen die rituellen Texte 336/t und 119/u 19, mit Lit.); weiteres demnächst in meinem Aufsatz
aus den Grabungen in der Unterstadt, Planquadrat 'Hethitisches und arisches Lexikon', Indogermanische
L/18, im Areal „Haus am Hang". Forschungen 70 (1965).

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551 Orientalistische Literaturzeitung 60. Jahrgang 1965 Nr. 11/12
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auch aus linguistischen Gründen nicht sehr wahr- schließen, daß auch der Mund des Gottes die
scheinlich ist: Dieses idg. 'Feuer'-Wort hat be- Opfer zermalmte und zerbrach. Denn Agni hat
kanntlich keine einheitliche Grundform, und auch scharfe Kinnladen (tigmäh . . . hánavah) und gute
bei ökonomischer Auswertung des Materials muß Beißzähne (sujámbhah; 8, 60, 13); er ist der
man mit zwei ablautgerechten Parallelformen, 'Eisenzahn' (áyodamstrah), der die Raksas mit der
*egni- und *ogni-, rechnen*; nur aus der letzten Zunge packen (ä jihväyä . . . rabhasva) und in
Form, die das Slawische und vielleicht das Bal- den Rachen stecken soll (àpi dhatsväsän), mit
tische 2 , kaum das Arisches, fortsetzt, wäre heth. beiden Hauern (ubhd . . . dámstra) einschlagend
*aJcni- zu erwarten. Zudem weist das Hethitische (10, 87, 2-3). 'Scharfzahnig' (tigmäjambhah) heißt
mit pahhur das konkurrierende 'Feuer'-Wort er oft, der mit glühendsten Flammen (tápisthena
*peu9-r auf, dessen Fortsetzer gewöhnlich dort éocísa) zuschnappt (4, 5, 4); er ißt und verzehrt
erscheinen, wo *e/ogni- fehlt. Und auf jeden Fall mit scharfen Zähnen (agnir jámbhais tigitair atti
zeigt, wie oben schon hervorgehoben worden ist, bhárvati 1, 143, 5); usw.
das Hethitische keine Spur eines Appellativums
*akni-. - Nicht jedes dieser negativen Argumente Was wir von Akni aus KUB VIII 28 und KBo
wiegt gleich schwer; aber zusammengenommen X I í é wissen, stimmt also zum Agni des alt-
lassen sie doch die Waagschale zugunsten der indischen Pantheons. Zusammen mit anderen
Auffassung sinken, daß ein eingeführter indo- Argumenten (s. o., 1-2) empfiehlt dies den
arischer Agni-, nicht ein ererbtes idg. *ogni-, im Schluß, daß die Gottheit Akni aus Sprache und
Religion der vorderasiatischen Indo-Arier 1 her-
Akni der hethitischen Belege fortlebt. zuleiten ist.
3. Aber stimmen Akni und der vedische Agni
auch im Sachlichen genügend überein - über den
Zusammenklang der Namen hinaus, der Zufall
sein könnte? Allgemeines
Schon die seit Hroznys erstem Hinweis bekannte F o r b e s , R. J.: Studies in Ancient Technology. Voi VII
Charakterisierung Aknis als einer 'fressenden, Leiden: Brill 1963. VII, 253 S. m. 36 Abb. gr. 8».*
verschlingenden' Gottheit (KUB VIII 28) hat man Lw. hfl. 32.—. — Bespr. von Alexander B a d a w y , Los
Angeles.
auf das vergöttlichte Feuer bezogen; diese Kenn-
zeichnung stimmt auch zu den Merkmalen des This volume of an extensive work deals with
vedischen Agni, des 'allesverzehrenden' (viávád-: Ancient Geology (pp. 1-103), Ancient Mining
RV 8, 44, 26; 10, 16, 6), des 'gierig nach Nahrung (pp. 104-191) and Ancient Mining Techniques
lechzenden' (ádma . . . trsv àvisyân 1, 58, 2), der (pp. 192-243). An appendix giving chronological
'hastig die Speise aufißt' {nitikti. . . ànnam atti bibliography of ancient authors on geology and
6, 4, 5) und der durch die Nahrung nur noch gie- mining and an index (pp. 247-253) form useful
riger wird (vgl. Geldners Rigveda-Übersetzung I sources of reference. Each of the three sections of
[1951] 286, zu 2, 10, 4) - um nur eine kleine Aus- the work is followed by its own bibliography,
wahl dieser Charakteristika zu geben. according to a system which may have its ad-
Die zweite aussagekräftige Stelle über Akni, vantages. Though these references feature mainly
KBo X I 14, - wonach Akni eine Gottheit ist, die classical authors sufficient oriental sources are
Menschen in ihren Mund aufnimmt - findet eben- studied to arouse the interest of an orientalist.
falls einen Widerhall in den rigvedischen Agni- Thus, for instance, several Egyptian, Coptic,
Beschreibungen; zumal wenn es erlaubt ist, aus Sumerian and Accadian terms for geological
dem Vergleich mit Korn und Mühlstein zu phenomena are mentioned (pp. 9-10). The various
classical views about the inundation of the Nile-
1 V
g!· J· Pokorny, Indogermanisches etymologisches none of which by the way was exact except that
Wörterbuch I (Bern-München 1959) 293 und v. a. of Anaxagoras - and of the origins and structure
M. Vasmer, Russisches etymologisches Wörterbuch I I of the Nile valley are mentioned in detail (pp. 19
(Heidelberg 1955) 252, mit reicher Lit. Der Ansatz
ζν-gnis erscheint jedenfalls unnötig; lit. unguis bei bis 26). The Egyptian views, essentially mythologi-
Bretkun ist wohl nur Schreibfehler. Anlaut-Entstellung cal, are of little scientific value. Among the classical _
durch Sprachtabu ist in diesem Falle nicht sicher er- theories relating to the formation of the Helle-
weisbai·; die Scheu vor dem Feuer hat sich hier eher spont that of Aristotle described a connection
durch Ersatzwörter sprachlich ausgedrückt (W. Havers,
Neue Literatur zum Sprachtabu, Sb. Akad. Wien 223/s! between the Caspian and the Black Seas (pp. 26
1946, 66f.). bis 28). The story of the canal between the Nile and
2
Vgl. die abweichenden Erklärungen, die einerseits
Pokorny a. a. O., andererseits A. W a l d e - J . Pokorny, 1
Vergleichendes Wörterbuch der indogermanischen Spra- Für die Bestimmung der vorderasiatischen Sprach-
chen I (Berlin-Leipzig 1930) 323 und Vasmer a. a. O reste als Arisch der indischen Ausprägung liefert der
festhalten. von den Hethitern übernommene *Agni- zwar kein
:i
Lautgesetzlich läßt sich dies zwar nicht ent- zwingendes Argument: das idg. 'Feuer'-Wort, das
scheiden; aber die sakralsprachlichen Übereinstim- m ai. agni- fortlebt, war natürlich schon urarisch, und
mungen zwischen Italisch und Indoiranisch - vgl das älteste Iranisch hat es, wie Namenszeugnisse er-
T e ? d r y e s ' k l a s s i s c h e n Aufsatz, MSL 20 (1918) 265ff., weisen, vor seiner Verdrängung durch ätar- ebenfalls
" n d für unseren Sonderfall v. a. F. Specht, KZ 62 besessen (Altind. etym. Wb. I [1956] 544). Doch haben
(1935) 131 - lassen völlige Identität von agni- und sich die Argumente für den indo-arischen Charakter
' f n w f ' a l s o Herleitung aus *egni-, vorziehen (so dieser Relikte in letzter Zeit gemehrt (vgl. mein Re-
auch A. Walde - J. B. Hofmann, Latein, etymol. Wörter- ferat in ZDMG 111 [1961] 456 f. ; weiteres in Sprache 10
buch I [Heidelberg 1938] 676). [1964] 187 ff.), so daß wir getrost Akni unmittelbar dem
vedischen Agni anschließen können.

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