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Tomáš Sobihard, 01613964, KU Historische Interpretation literarischer Quellen 1

Aischines

Leben

- geboren ca. 399-396 oder 391-389 v. Chr.


- Todesjahr ca. 322 oder 315
o Daten nicht sicher bekannt

Die Nachrichten über sein Leben (acht Viten aus ant. bzw. byz. Zeit, Hinweise in seinen
eigenen Reden sowie bei seinem Gegner Demosthenes) sind z. T. widersprüchlich.

- in frühen Jahren – Tätigkeit als Schauspieler, aber seine Brüder Philochares und
Aphobetos als Rhetoren und Strategen Athens polit.-mil. Elite (ca. 355 bis 338)
- 350 v. Chr. – Heirat in die Familie des bedeutenden Politikers Philokrates
- polit. Freundschaft zu dem Strategen Phokion und dem Rhetor Eubulos
- 348/7 – Aischines als Gesandter bei den Arkadern – um Unterstützung gegen
Philippos II. zu bitten
o Bericht vor Rat und Ekklesia – Aischines erstmals als Rhetor
- 346 – Aischines einer von den Gesandten, die am “Philokratesfrieden” mit Philippos
II. beteiligt waren
o Meinung von Aischines – Unabhängigkeit Athens durch friedliche Koexistenz
mit Makedonien, unterstützte den Frieden
o viele Athener fanden die Friedensbedingungen (v.a. Aufgabe von Amphipolis)
für unakzeptabel – leitende Figur der „anti-makedonischen“ Gruppe –
Demosthenes
- 343 – Demosthenes klagte Aischines an, behauptete, dass sich Aischines als Gesandter
bei Friedensverhandlungen bestechen ließ
o nur durch Fürsprache des Eubulos und Phokion eine Verurteilung vermieden
- nach 338 – Verlust des politischen Einflusses von Aischines
- 336 – Klage gegen den Politiker Ktesiphon – wollte Demosthenes einen goldenen
Kranz als Auszeichnung geben
- 330 – “Kranzprozeß”, eine Art Plebiszit über seine und die Politik des Demosthenes,
Niederlage von Aischines
- nach 330 – Aischines ins Exil, weitere politische Tätigkeit nicht sicher bezeugt.
Der in der älteren Forsch. betonte Gegensatz zw. einer “promakedonischen” Außenpolitik des
Aischines und einer “antimakedonischen” des Demosthenes verkennt die politische Struktur
Athens und die politische Überzeugung des Aischines. Umstritten zwischen Aischines und
seinen Gegnern war freilich die Strategie, mit der Athens außenpolitische Position gewahrt
und eine Koexistenz mit dem expansiven Makedonien ermöglicht werden sollte.

Werke

- erhalten 3 umfangreiche Reden:


o „Gegen Timarchos“ (345)
 Anklage gegen einen polit. Freund des Demosthenes
 Aischines gewann den Prozeß
o „Über den Gesandtschaftsbetrug“ (343)
 Verteidigung gegen eine Anklage des Demosthenes wegen Tätigkeit
des Aischines als Gesandter im Jahre 346
 Aischines mit knapper Mehrheit freigesprochen
o „Gegen Ktesiphon“ (330)
 Klage gegen einen Antrag auf Ehrung des Demosthenes
 Aischines weniger als ein Fünftel der Richterstimmen
 verließ Athen, um der hohen Geldstrafe zu entgehen
- verloren sind eine (unechte) “delische” Rede sowie erotische Gedichte

Bedeutung des Werkes von Aischines

- Aischines gehört zum Kanon der zehn besten Redner der Antike
o obwohl wahrscheinlich keine rhetorische Ausbildung
- In seinen letzten Jahren soll er auf Rhodos eine Rhetorenschule gegründet haben
- Aischines in der Antike als Redner hochgeschätzt, fleißig studiert
- Stil:
o Durchsichtigkeit und Klarheit (εὐκρίνεια, σαφήνεια)
o Schönheit der Diktion (σεμνολόγια)
o negative Aspekte
 zu große Heftigkeit (σφοδρότης)
 mangelnde Sorgfalt (ἐπιμέλεια)