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Was genau ist eigentlich Minimalismus?

Der Begriff Minimalismus stammt von dem lateinischen Wort minimus ab, was „das Geringste“
bedeutet. Davon lässt sich ableiten, dass es beim Minimalismus darum geht, alles auf das zu
reduzieren, was wirklich nötig ist. Minimalismus kommt in der Bildenden Kunst vor, es gibt ihn in
der Musik, in der Architektur, der Literatur, beim Film, als Tanzrichtung, und, gerade sehr
verbreitet, als Lebenstil. Auf Letzteres werde ich mich in meiner Arbeit beziehen, jedoch erläutere
ich kurz auf was genau es in der Bildenden Kunst, in der Musik und bei in der Architektur
ankommt.

Minimalismus in der Bildenden Kunst oder kurz „Minimal Art“ charakterisiert sich durch klare
Strukturen, Objektivität und oft auch durch wenig Farbgebungen. Die Kunstrichtung, in welcher
gerne mit geometrischen Formen gearbeitet wird, entstand ungefähr 1960 und ist eine Art
Gegenbewegung zum abstrakten Expressionismus.

Hier zwei Bilder zum Vergleichen

Abbildung 1 von Celine Ziang Abb. 2 von Jackson Pollock

Ich glaube, es ist nicht nötig zu erklären, welches Bild in welchem Kunststil kreiert wurde.

In der „Minimal Music“, die im Prinzip durch die „Minimal Art“ entstanden ist, gibt es häufig
sogenannte „Pattern“, die aus sich wiederholenden Rhythmen und Melodien bestehen. Oftmals
werden über das gesamte Stück nur einzele Töne und/oder die Geschwindigkeit des Rhythmus‘
verändert. Ein bekanntes Stück ist „Music for 18 Musicians“ von Steve Reich, welches 56 Minuten
mit wenig Vielfalt an Instrumenten und Melodien auskommt, jedoch trotzdem wunderbar lebendig
ist. John Cage bezeichnet sein Stück 4’33 als seine bedeutendste Komposition, ein Werk, das ohne
Töne auskommt und die Stille im Aufführungsraum eines Orchesters dokumentiert.

Minimalismus in der Architektur kommt am häufigsten bei der Gestaltung von Villen,
Verkaufsräumen für Luxusartikel und Gebäuden für Kunst (Museen, Ausstellungshallen) vor.
Gewissermaßen ist das ein Widerspruch in sich, da der luxuriöse, jedoch leere Raum in den Villen
nicht dem minimalistischen Grundkonzept entspricht.
Abb. 3 Abb.4

Auf der linken Abbildung sieht man jedoch wirklich wahrhaftigen Minimalismus, auf der Anderen
dagegen die luxuriösere Variante. Das linke „Haus“ kommt mit einem neun Quadratmeter großem
Raum, zwar mit Steckdosen , jedoch ohne Wasseranschluss versehen, aus. Auf der drei
Quadratmeter großen Terrasse könnte man dan FÜLLWORTn kochen. Das Haus wurde von einer
japanischen Minimalismus-Kette namens Muji entworfen und man kann Exemplare in der Nähe
von Tokio samt Gemüsegarten erwerben.
Das „Haus“ auf der rechten Seite ist eine „Minimalistische Luxusvilla“ mit sechs Schlafzimmern
und ebenso vielen Bädern auf 600 Quadratmetern.

Das Minimalismus auch in der Architektur sehr beliebt ist, bestätigt die Aktualität des 100 Jahre
alten Stils Bauhaus. Dieser entstand ungefähr 1919 in Weimar, wo Walter Gropius Handwerk und
Kunst vereinen wollte. Die Funktion des Produkts hat starken Einfluss auf die Ästhetik und den
künstlerischen Ausdruck. Nach dem Motto: „Form follows funktion“. Bauhaus ist nicht verspielt,
sonder sehr klar. Nichts wird ausgeschmückt, es gibt keinerlei Ornamente, sondern alles in dem
betrachtet, wofür es geschaffen wurde UNKLARER INHALT.
Statt dessen werden pure Arbeitsstoffe wie Beton oder Glas verarbeitet, die meist in geraden Linien
zueinander in Kontakt treten.

Künstler Tobias Rehberger "Das Bauhaus war eines der radikalsten, alles verändernden Konzepte,
das es vielleicht jemals gab."1

Minimalismus als Lifstyle hat seinen Ursprung wohl in der japanischen Kultur. Das Konzept des
Minimalismus entstand auf ein oder andere Weise schon im Mittelalter. Während dieser Zeit kam
auch der Zen-Buddhismus mit dem Leitgedanken der Reduktion und Konzentration auf das
Wesentliche auf. Bis heute ist die japanische Kultur in Sachen Minimalismus vorzeigewürdig.
1 https://www.dw.com/de/bauhaus-alles-ist-design-warum-das-konzept-der-k%C3%BCnstler-um-walter-gropius-bis-
heute-aktuell-ist/a-19158466
Allerdings basiert das nicht nur auf freiwilligem Entrümpeln ZUSAMMENHANG. In Japan leben
ca. 126 Millionen Menschen, allerdings nicht etwa gleichmäßig auf den ca. 377 Tausend km²,
sondern in einzelnen Teilen des Landes, da die Landschaft von Gebirgen und aktiven Vulkanen
durchzogen ist. Sie beschränken sich mit ihrem Wohnraum auf in etwa 20 % des Landes. Daher
lebten und leben sie oft auf engem Raum und führen ein eher minimalistisches Leben. Auch durch
die schwerwiegenden Naturkatastrophen verlieren viele ihren Besitz oder sie reduzieren ihn
freiwillig, nachdem sie erlebten haben müssen wie er z. B. bei Erdbeben zu einem tödlichen
Gegenstand wird.

Minimalismus wird heute in Sachen Lifestyle auch oft mit Nachhaltigkeit in Verbindung gebracht.
Es ist einleuchtend: Im Konsum werden Einwegprodukte propagiert, während der Minimalismus
auf die Qualität statt die Quantität achtet. So findet man leicht mehrere Gründe weshalb
Minimalismus heutzutage, wo man Bescheid weiß über die schrecklichen negativen Auswirkungen
der Konsumgesellschaft, so aktuell und verbreitet ist.
Minimalist_innen versuchen also nur das, was wirklich notwendig für deren Leben ist KOMMA zu
besitzen.

Das klingt für mich ziemlich einleuchtend, da heutzutage der durchschnittliche Europäer in Europa
Lebende einen Besitz von 10.000 Gegenständen hat. Um alle diese Gegenstände immerhin in einer
Woche einmal zu benutzen, müssten wir pro Stunde 60 Gegenstände verwenden. Das ist praktisch
unmöglich. Also kann man sagen, dass Menschen überproportional viele Besitztümer haben im
Vergleich zu deren Nutzzeit. Nun kommt der Minimalismus ins Spiel. Hierbei achten die Menschen
darauf nur Dinge zu besitzen, die wirklich einen Zweck für sie erfüllen. Das heißt jetzt aber nicht
zwingend, dass Sie Ihre alten Kuscheltiere oder Liebesbriefe wegwerfen müssen, obwohl sie im
Alltag wohl eher keine überlebenswichtige Rolle spielen. Meiner Meinung nach gibt es nämlich
zwei Arten von Minimalismus. Den „physischen“ und den „psychischen“.

Der physische Minimalismus definiert sich so:


-bewusst konsumieren
-Besitz reduzieren

Der psychische Minimalismus wie folgt:


-Dinge wertschätzen
-klare Strukturen schaffen

Und wenn DuSIE zum Beispiel gerade am Ausmisten bist, und Sie nun die Schachtel mit den alten
Briefen in der Hand halten und eigentlich auf den Wegwerfstapel legen müssten, dann können Sie
sie trotzdem zu den Behaltsachen tun, da Sie die Briefe eben noch sehr wertschätzen. Beim
Minimalismus geht es eben nicht darum sich radikal von allem zu trennen was einem lieb ist und
nur noch das Lebensnotwendige zu behalten, ohne das man wirklich nicht überleben kann. Es geht
um viel mehr. Es geht darum, sich selbst kennenzulernen und zu merken was einem wirklich am
Herzen liegt. Es geht darum, Dinge loslassen zu können und zu merken wahrzuhehmen, dass das
Leben trotzdem weitergeht. Es geht darum, festzustellen, dass wahre Zufriedenheit nicht in
Zusammenhang mit Besitz steht. Und mal ehrlich, ist man, wenn man das alles gemerkt hat, nicht
ein Stückchen mehr man selbst?
Ein Stückchen freier geworden?

WAS DER MINIMALISMUS VERSPRICHT


Mit einem minimalistischen Lebensstil erhoffen sich viele mehr Bewusstheit und Zeit. Dadurch,
dass man weniger Zeit mit Aufräumen verschwendet oder weniger Dinge hat, mit denen man sich
die Zeit vertreiben kann, ist das meistens auch der Fall. Allerdings findet man in der gewonnenen
Zeit bestimmt genug andere Dinge, die man machen will oder muss, weshalb es sich vielleicht doch
nicht nach viel gewonnener Zeit anfühlt. Auch das Gespür für Bewusstheit oder Achtsamkeit
kommt nicht von ungefähr. Aber ich denke, das wenig Besitz eine gute Grundlage dafür ist, da man
dem Wenigen was man besitzt mehr Anerkennung schenkt.
Außerdem spart man mit dem Minimalismus Geld. Zumindest auf den ersten Blick. Denn: Man hat
weniger was ersetzt oder repariert werden muss, man überlegt es sich zweimal KOMMA ob man
sich jetzt wirklich einen neuen Pulli kauft oder ob man ihn -wenn überhaupt- nicht gebraucht kauft.
Allerdings kann dieser Schein trügen. Denn ich finde es logisch, dass man, wenn man sich dann
doch mal etwas neu kauft, bei dem Produkt auf eine gute Qualität sowie auf faire Herstellung und
nachhaltiges Material achtet. Und solche Produkte können schon mal ein
bisschenFÜLLHALBSATZ teurer sein.
Und Minimalismus befreit. Er befreit von physischem Balast und das beeinflusst, meiner Meinung
nach, auch die Psyche positiv.

WIE WERDE ICH MINIMALIST_IN

Um Minimalist_in zu werden gibt es sehr verschiedene und unterschiedlich radikale Methoden. Ich
stelle hier ein paar der geläufigsten vor.

Die KonMari-Methode

Die von Marie Kondo entwickelte und nach ihr benannte KonMari-Methode ordnet den eigenen
Besitz zunächst den folgenden Kategorien zu:
1. Kleidung, Schuhen und Taschen
2. Bücher
3. Unterlagen sowie Dokumente
4. Haushaltsgeräte und sonstigen Krimskrams
5. Erinnerungsstücke

Nun legt man alle Gegenstände einer Kategorie auf einen Haufen um einen Überblick zu
bekommen KOMMA wie viel sich über die Jahre hinweg angesammelt hat.

Jetzt Anschließend nimmt man jedes einzelne Teil in die Hand und fragt sich, ob dieser Gegenstand
einem noch einen Funken Freude bereitet. Wenn kein klares „Ja“ die Antwort ist KOMMA entsorgt
man den Gegenstand. Am besten in dem man ihn nicht wegwirft KOMMA sondern spendet. Hierbei
empfehle ich allerdings die ausgemisteten Gegenstände wirklich schnell aus der Wohnung zu
schaffen und nicht noch zu versuchen sie auf Ebay zu verkaufen, da sie einen ansonsten nocheinmal
beanspruchen.

Für die übrigen Gegenstände legt man jetzt einen Stammplatz fest, an welchen man sie nach jedem
Benutzen wieder zurückräumt. So würde hat man nie wieder Unordnung in der Wohnung haben.
Außerdem muss man diese Methode konsequent leben, da sie sonst nicht ihren Zweck erfüllt. Und
es muss schon ziemlich toll sein nur von Dingen umgeben zu sein, die alle einen Sinn haben und
einem Freude bereiten!
Die „Eat the frog first“-Methode

Diese Methode funktioniert so in dem man zuerst die Besitztümer aussortiert, die einem am
wichtigsten sind. Dieses verschenkt, spendet oder verkauft man dann weiter, so dass es weiterhin
existiert.
Dadurch, dass man die größte Hemmschwelle jetzt schon überschritten hat KOMMA in dem man
etwas sehr wertvolles weggegeben hat, kann man sich von den wertloseren Gegenständen sehr viel
leichter trennen. Auch das Loslassen wird mit der Übung leichter, vor allem da der Gegenstand
jetzt wo anders seinen Zweck erfüllen kann.

Diese Methode funktioniert auch super bei der To-Do-Liste. Man erledigt zunächst die Sachen, auf
die man am wenigsten Lust hat und hat dann potentiell bei den weiteren Punkten mehr Spaß bzw.
kann sich immerhin freuen, dass man das Schlimmste schon hinter sich hat. Dadurch geht man auch
mit weniger Balast durch den Alltag und fühlt sich erleichtert und befreit.
Als ich diese zweite Variante praktiziert habe, fühlte ich mich unter Anderem auch sehr viel
strukturierter, was super angenehm war.

Die Korb-Methode

Hierbei gehst man täglich durch deine Wohnung und füllst den Korb währenddessen mit
überflüssigen Dingen und/oder solchen, die einem nicht mehr gefallen.
Wenn der Korb voll ist, hat man sein Tagesziel erreicht. Die aussortierten Gegenstände werden dann
wieder gespendet, verschenkt oder verkauft. Bitte auch hier: Man sollte die Dinge, wenn sie noch
gut in Schuss sind, wirklich nicht wegwerfen, da das überhaupt nicht nachhaltig ist!
Wenn man das jeden Tag tun würde, hätte man innerhalb einer Woche schon eine viel
minimalistischere Wohnung.
Was ich an dieser Methode allerdings nicht ganz verstehe und unlogisch finde ist, dass man ja
irgendwann den Korb nicht mehr voll bekommt. Nach mehreren Tagen wird sich der Korb immer
weniger füllen, bis man das Ziel des Minimalismus erreicht hat.

Die Karton-Methode

Diese Methode ist ziemlich radikal. Man packt alle (!) Besitztümer, im besten Fall gut sortiert,
sodass man schnell weiß wo was ist, in Umzugskartons und alles was man in dem selbstbestimmten
Zeitraum benutzt, darf wieder zurück in die Regale und Schränke. Der unbenutzte Rest wird
weggegeben.
Hierbei merkt man recht genau, welche Sachen man einfach nicht im Alltag zu brauchen scheint.

Die „Ich-schließe-betrunken-eine-Wette-ab-und-weiß-am-Ende-was-wirklich-zählt“-Methode
(nach dem Film „100 Dinge“)

Also, man braucht einen lustigen und Abend, einen Freund_ , der genauso an- (okay, seien wir
ehrlich) be-trunken ist wie man selbst und mit dem man gerade ein angespanntes Verhältnis hat und
dann…..die Wette!
Nein, praktisch funktioniert es ähnlich wie die Karton-Methode. Man packt sein Hab und Gut in
Umzugskartons und tut diese in einen Raum außerhalb seiner Wohnung, welche jetzt total leer ist.
Man selbst ist splitterfasernackt. Und jetzt darf man 100 Tage lang jeden Tag nur einen Gegenstand
zurückholen. Am Ende weiß man dann nicht nur was man wirklich zum überleben braucht, sondern
auch, dass Freundschaften und Beziehungen viel wichtiger als der Besitz sind und es immer ein
Happy-End gibt.
Den gesamten letzten Punkt verstehe ich hinten und vorne nicht…. Vielleicht auch weglassen, weil
nichts neues dazukommt

AUSSORTIERT-UND WAS JETZT?

Wie oben schon erwähnt, sollten die aussortierten Dinge bitte nicht alle einfach in den Müll
wandern. Davon gibt es sowieso schon mehr als genug. Verschenkt, spendet oder verkauft all diese
Gegenstände. Heute gibt es da ja durch Apps und Onlineplattformen genügend Möglichkeiten dies
auch von sich zuhause aus zu machen. Man muss gar nicht mehr den ganzen Tag auf dem
Flohmarkt stehen. Und falls einem_ das nichts ausmacht, gibt es auch davon genug.
Hier ein paar Vorschläge wo du deine Sachen loswerden kannst:

Klamotten: Ebay Kleinanzeigen, Kleiderkreisel, Momox Fashion (=ubup), Sellpy, Ebay


Elektr. Geräte: Ebay Kleinanzeigen, Ebay, Sellpy, Rebuy
Bücher, Dvds, Videospiele, CDs: Momox, Rebuy, Ebay Kleinanzeigen

Und wenn man die Sachen nicht übers Internet verchecken will, kann man auf der Seite von „Wohin
damit?“ ganz leicht in der Umgebung Läden oder Stiftungen finden, die die Sachen gerne nehmen.

MINIMALIST_IN BLEIBEN

Um nach der Aussortier-Session jetzt auch weiterhin minimalistisch zu leben, ist es gut KOMMA
wenn man alle Dinge möglichst immer sichtbar hat. Räume nichts in irgendwelche Schubladen, die
dann drei Jahre lang nicht geöffnet werden. Wenn man den eigenen Besitz immer gut im Blickfeld
hat, kauft man nichts doppelt. Und bevor man sich etwas Neues anschafft, frag erstmal bei
Freund_innen oder Nachbar_innen ach, ob DuMAN es ausleihen kannst. Oder wenn ein T-Shirt ein
kleines Loch hat näh es ersteinmal selber oder bring es in die Schneiderei bevor Du direkt ein
Neues kaufst.

Eine weitere sehr effektive Methode um Minimalist_in zu bleiben ist, dass Du für jede neu gekaufte
Sache eine alte weggibst. So bleibt die Anzahl an Besitztümern immer gleich.

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