l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/ ·ei/e I

Klaus Kegebein
[suspecta sententia de haeresi]

© 2010 · Letzte Korrekturen: 31.08.2010
·ei/e 2 l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/
„wer nic// die çan;e |irc//ic/e |er/ie/erunç annimm/ die
çesc/rie|ene uie die unçesc/rie|ene der sei ausçesc//cssen“
1
Zweites Konzil von Nicä a
„ua|e 1u/ dic/ deines eiçenen \ers/andes ;u |edienen/“
2
Immanuel Kant
1
Gemä ß Nr. 85 der Dogmensammlung „Der Glaube der Kirche“ (siehe Fußnote 56) handelt es sich um eine noch heute gü ltige, unfehlbare Aussage.
2
Kants Ü bertragung des Wortes „·a/ere aude“ aus den Episteln des lateinischen Dichters Horaz (Epist. I,2,40)
l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/ ·ei/e )
Einleitung
Der Papst ist nach katholischer Lehre „·/e//rer/re/er (/ris/i und uir/e der 6esam/|irc/e /ier
au/ lrden des/a/| rer/ ç/ er |ra// seines +m/es in der lirc/e |er / c/s/e rc//e unmi//e/­
|are und unirersa/e crden//ic/e 6eua// die er immer /rei aus |en |ann“
3
Wenn er in hö chster Lehrgewalt spricht, „sc |esi/;/ er au/çrund des ç ///ic/en 8eis/andes
der i/m im // /e/rus rer/ei/en is/ iene /n/e//|ar|ei/ mi/ der der ç ///ic/e lr/ ser seine
lirc/e |ei endç //içen ln/sc/eidunçen in 6/au|ens· und ·i//en/e/ren ausçer s/e/ /a|en
uc///e“
4
Mit nur drei Bibelstellen
5
wird die Macht und Unfehlbarkeit des Papstes begrü ndet:
Du bist Petrus
„/c/ a|er saçe dir· 0u |is/ /e/rus und au/ diesen le/sen uerde ic/ meine lir­
c/e |auen und die 1 c//e der /n/erue// uerden sie nic// |eru //içen /c/
uerde dir die ·c// sse/ des uimme/reic/s çe|en· uas du au/ lrden |inden
uirs/ das uird auc/ im uimme/ çe|unden sein und uas du au/ lrden / sen
uirs/ das uird auc/ im uimme/ çe/ s/ sein“ (Mt 16,18–19)
Weide meine Lä mmer
„+/s sie çeçessen /a//en saç/e /esus ;u ·imcn /e/rus· ·imcn ·c/n des /c/an­
nes /ie|s/ du mic/ me/r a/s diese? lr an/ucr/e/e i/m· /a uerr du uei// dass
ic/ dic/ /ie|e /esus saç/e ;u i/m· weide meine l mmer/“ (Joh 21,15)
Stä rke deine Brü der
„/c/ a|er /a|e / r dic/ çe|e/e/ dass dein 6/au|e nic// er/isc// /nd uenn du
dic/ uieder |e|e/r/ /as/ dann s/ r|e deine 8r der“ (Lk 22,32)
Ich werde in diesem Aufsatz zeigen, dass viele Argumente gegen die Interpretation der
Kirche sprechen.
3
Codex des Kanonischen Rechts (1983), Canon 331; http://www.vatican.va/archive/DEU0036/__P16.HTM
4
Denzinger-Schö nmetzer (Hrsg.): „lnc/iridicn ·vm|c/crum defini/icnum e/ dec/ara/icnum de re|us fidei e/ mcrum“ , Nr. 454.
Das „lnc/iridicn ·vm|c/crum“ ist eine handbuchartige Sammlung der – aus rö misch-katholischer Sicht – wichtigsten Glaubensbekenntnisse und
kirchlichen Lehrdokumente zu Fragen des Glaubens und der Sitten vom Anfang des 2. Jahrhunderts bis heute.
5
Alle Bibelzitate sind – wenn nicht anders erwä hnt – der „Einheitsü bersetzung“ entnommen. Das ist die vom Katholischen Bibelwerk heraus gege­
bene offizielle Bibelü bersetzung fü r den liturgischen Gebrauch im rö misch-katholischen Gottesdienst.
·ei/e 1 l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/
Was hat Jesus wirklich zu Petrus gesagt?
1. Wir kö nnen nicht mehr feststellen, was Jesus tatsä chlich gesagt hat.
Die Evangelien sind kein stenographischen Mitschriften der Worte Jesu. Sie sind erst in der
Zeit von etwa 65 bis 120 n. Chr., also frü hestens 36 Jahre nach seiner Himmelfahrt geschrie­
ben worden:
das Markus-Evangelium ca. 65 n. Chr.
das Matthä us-Evangelium 80 bis 90 n. Chr.
das Lukas-Evangelium 80 bis 90 n. Chr.
das Johannes-Evangelium 110 bis 120 n. Chr.
Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Autoren nach so langer Zeit noch an die genauen
Worte erinnern konnten.
2. Nur Matthä us berichtet von der „Berufung des Petrus“.
Die Synoptiker Matthä us, Markus und Lukas beschreiben ü bereinstimmend das Gesprä ch,
das Jesus mit den Aposteln im Gebiet von Caeserea Philippi fü hrt:
Matthä us 16,13–16
+/s /esus in das 6e|ie/ rcn ( sarea
//i/i//i |am /raç/e er seine / nçer·
l r uen /a//en die leu/e den 1en­
sc/ensc/n? ·ie saç/en· 0ie einen / r
/c/annes den I u/er andere / r l/i­
ia uieder andere / r /eremia cder
scns/ einen /rc//e/en 0a saç/e er
;u i/nen· //r a|er / r uen /a//e/
i/r mic/? ·imcn /e/rus an/ucr/e/e·
0u |is/ der 1essias der ·c/n des /e­
|endiçen 6c//es/
Markus 8,27–29
/esus çinç mi/ seinen / nçern in
die 0 r/er |ei ( sarea //i/i//i
/n/erueçs /raç/e er die / nçer·
l r uen /a//en mic/ die 1en­
sc/en? ·ie saç/en ;u i/m· liniçe
/ r /c/annes den I u/er andere
/ r l/iia uieder andere / r scns/
einen rcn den /rc//e/en 0a /raç­
/e er sie· //r a|er / r uen /a//e/
i/r mic/? ·imcn /e/rus an/ucr/e­
/e i/m· 0u |is/ der 1essias/
Lukas 9,18–20
/esus |e/e/e einma/ in der lin­
sam|ei/ und die / nçer uaren
|ei i/m 0a /raç/e er sie· l r uen
/a//en mic/ die leu/e? ·ie an/ucr­
/e/en· liniçe / r /c/annes den
I u/er andere / r l/iia· uieder
andere saçen· liner der a//en /rc­
//e/en is/ au/ers/anden 0a saç/e
er ;u i/nen· //r a|er / r uen /a/­
/e/ i/r mic/? /e/rus an/ucr/e/e·
l r den 1essias 6c//es
Aber nur bei Matthä us
6
spricht Jesus anschließend direkt zu Petrus:
„ /esus saç/e ;u i/m· ·e/iç |is/ du ·imcn 8aricna· denn nic// l/eisc/ und 8/u/
/a|en dir das c//en|ar/ scndern mein \a/er im uimme/ /c/ a|er saçe dir·
0u |is/ /e/rus und au/ diesen le/sen uerde ic/ meine lirc/e |auen und die
1 c//e der /n/erue// uerden sie nic// |eru //içen /c/ uerde dir die ·c// s­
se/ des uimme/reic/s çe|en· uas du au/ lrden |inden uirs/ das uird auc/ im
uimme/ çe|unden sein und uas du au/ lrden / sen uirs/ das uird auc/ im
uimme/ çe/ s/ sein“ (Mt 16,17–19)
Es gibt auch andere Szenen im NT, die nur in einem der drei synoptischen Evangelien er­
wä hnt werden, zum Beispiel die Flucht nach Ä gypten oder Jesu Gang ü ber das Wasser.
Wä hrend es sich in dort aber um in sich abgeschlossene Begebenheiten handelt, ist
Mt 16,17–19 Teil eines Dialogs, der auch bei den anderen Synoptikern geschildert wird.
Es ist unerklä rlich, warum die anderen drei Evangelisten dieses Jesus-Wort, dass von so
großer Bedeutung fü r die Kirche ist, nicht erwä hnen.
6
Beim Autor des Matthä us-Evangeliums handelt es sich sehr wahrscheinlich nic// um den Apostel Matthä us. Nach der historisch-kritischen „Zwei­
quellen-Theorie“ haben die Autoren des Matthä us- und Lukas-Evangeliums zwei gleiche Quellen verwendet, das Markusevangelium und eine nicht
erhaltene, sogenannte „Logienquelle“, ergä nzt durch eigenes mü ndliches und schriftliches „Sondergut“. Ein Apostel als Augenzeuge wü rde nicht
das Material eines Nicht-Apostels (Markus) verwendet haben. http://de.wikipedia.org/wiki/Evangelium_nach_Matthä us
l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/ ·ei/e 5
3. Wahrscheinlich gehen diese Worte nicht auf Jesus zurü ck.
Wenn Jesus mit diesen Worten seine Kirche gegrü ndet hat, ist schwer zu erklä ren, warum
Markus und Lukas sie nicht erwä hnt haben – es sei denn, Jesus hä tte sie nicht so gemeint
und die Jü nger nicht so verstanden, wie sie die Kirche in spä teren Jahrhunderten (bis heute)
interpretierte.
Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass die Worte so gar nicht gefallen sind. Selbst der Katholi­
sche Erwachsenen-Katechismus gibt zu, dass diesen Text „rie/e ·c/ri//aus/eçer im ie/;içen
wcr//au/ nic// dem irdisc/en /esus se/|er ;usc/rei|en“
7
, dass es sich also mö glicherweise
um spä tere Ergä nzungen handelt.
8

Der katholische Theologe Prof. Karl Heinz Ohlig wird deutlicher:
„0ieses wcr/ çe// sic/er nic// au/ /esus ;ur c| und es |ann auc/ nic// ein
lei/unçsam/ in der lirc/e meinen· das 1a/// userançe/ium uird a/s ‚|ruder­
sc/a///ic/es lrançe/ium‘ |e;eic/ne/ uei/ es a//e +m/sans/r c/e a|/e/n/ der
/ nçer (nic//· der +/cs/e/i der ;en/ra/e 8eçri// is/ und die (un/ierarc/isc/ei
6emeinde der / nçer a/s en/sc/eidende 6r /e /inçes/e/// uird (rç/ 1/ I8i“
9
4. Jesus hat sich sehr ungenau ausgedrü ckt.
Wenn man davon ausgeht, dass es sich um authentische Jesus-Worte handelt, muss es ü ber­
raschen, wie vage er sich ausgedrü ckt hat. Schließlich geht es hier – nach Interpretation der
Kirche – um nichts Geringeres als die Berufung des Stellvertreters Christi auf Erden. Es hä tte
viele Missverstä ndnisse und Streitereien unter den Christen vermieden, wenn Jesus zum Bei­
spiel so formuliert hä tte:
„Wenn ich nicht mehr bei euch bin, dann sollst du, Simon Petrus, mein Stell­
vertreter sein; dir schenke ich die Gnade, meine Lehre unverfä lscht weiterzu­
geben; dir gebe ich alle Vollmachten, meine Kirche zu fü hren, bis sie nach dei­
nem Tod auf deinen Nachfolger ü bergehen.“
7
Katholischer Erwachsenen-Katechismus, Deutsche Bischofskonferenz, 1985; Band 1, Seite 302
8
Die Interpolationstheorie ist eine bibelwissenschaftliche Theorie, nach der bestimmte Teile des Bibeltextes von Bearbeitern nachträ glich ein- und
hinzugefü gt („interpoliert“) wurden.
Der katholische Fundamentaltheologe Prof. Dr. Albert Lang schreibt in „Der Auftrag der Kirche, Band 2“ (1954):
„0ie /i/erarisc/e lc///ei/ rcm 1/ I(I7 // uird /eu/e nur ncc/ se//en |es/ri//en da sic/ ein anderer +usueç darçe|c/en /a/ die
8eueis|ra// des /rima/s/ex/es a|;u|ieçen 0er Iex/ uurde sc saç/ man rcn der sc/ //erisc/en lra// der iunçen (/ris/ençemeinde
çesc/a//en uie rie/e andere Iex/e 1/ I( I7–I9 sei |ein uerrenucr/· es sei ;uar /i/erarisc/ a|er nic// çesc/ic///ic/ ec// d / es
sei ;uar rcn 1a/// us çesc/rie|en a|er nic// rcn (/ris/us çes/rcc/en ucrden (lrc/u/icns//ecriei“
http://www.kath-info.de/primat.html
9
Karl Heinz Ohlig: „Das Papstamt und seine Geschichte“ (2006); http://www.phil.uni-sb.de/projekte/imprimatur/2005/imp050705.html
·ei/e ( l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/
Welchen Beinamen hatte Simon?
5. Es ist unklar, wann und warum Simon seinen Beinamen bekam.
Mt 16,18 erweckt den Eindruck, Jesus habe Simon
10
bei dieser Gelegenheit den Namen
/e/rus verliehen. Der Eindruck tä uscht. Im Matthä us-Evangelium hatte Simon diesen Bei­
namen bereits, bevor ihn Jesus am See Gennesaret das erste Mal ansprach (Mt 4,18).
Bei Markus (Mk 3,16), Lukas (Lk 6,14) und Johannes (Joh 1,42) steht, dass Simon seinen
Beinamen von Jesus bekam, aber das geschah jeweils zu einem frü heren Zeitpunkt. Eine Er­
klä rung nennen diese Evangelisten nicht. Sie kö nnen den Beinamen jedenfalls nicht als An­
spielung auf das „Fundament der Kirche“ verstanden haben, weil sie die „Petrus-Berufung“
– ohne den die Anspielung unverstä ndlich bleibt – unerwä hnt lassen (siehe Nr. 2).
Die Mehrheit der Exegeten vermutet sogar, dass die Bezeichnung le//a erst nach dem Tod
Jesu entstanden ist.
11
6. Jesus nennt ihn nicht Petrus, sondern אפיכ (kefa).
/e/rus ist ein lateinischer Name. Jesus und die Jü nger sprachen aber nicht Latein, sondern
Aramä isch, eine kanaanä ische Sprache, die mit dem Hebrä ischen verwandt ist. Simon wurde
nicht /e/rus
12
genannt, sondern אפיכ = |e/a, was Felsbrocken, Kiesel, loser Stein oder Edel­
stein bedeutet.
Die Evangelien wurden in griechischer Sprache verfasst. Dort wurde der aramä ische Name
als Κηφᾶς = le//as wiedergegeben. Paulus verwendet in seinen Briefen ausschließlich die­
sen Namen.
In den ü brigen Schriften des Neuen Testaments wird אפיכ = |e/a mit dem altgriechischen
Namen Πέτρος = / /rcs (lat.: /e/rus) gleichgesetzt, der seinerseits von πέτρα = / /ra
(lat.: /e/ra) abstammt. / /rcs bezeichnete wie das aramä ische |e/a einen einzelnen Natur­
stein, runden Kiesel oder Klumpen, der nicht als Baugrund geeignet ist, /e/ra hingegen
einen einzelnen Felsen.
13
7. Jesus spricht nicht davon, seine Kirche auf Petrus zu erbauen.
Jesus sagte nic//: „Du bist Petrus, auf dir werde ich meine Kirche bauen“, sondern:
„… κἀγὼ δέ σοι λέγω ὅτι σὺ εἶ Πέτρος, καὶ ἐπὶ ταύτῃ τῇ πέτρᾳ …“
„… ego dico tibi quia tu es Petrus et super hanc petram aedificabo … “
„… du bist Petrus, auf diesen Fels werde ich meine Kirche bauen … “
/ /rcs / /e/rus und / /ra / /e/ra bezeichnen unterschiedliche Dinge.
So kann dieses Wort auch genau entgegengesetzt verstanden werden:
„Du, Simon, bist ein kleiner Stein – meine Gemeinde werde ich auf einen Felsen bauen.“
10
Alle Evangelien nennen als Namen ·imcn; Jesus redet ihn bis auf eine Ausnahme (Lk 22,34) immer so an. Apg 15,14 und 2 Petr 1,1 nennen ihn
·vmecn: Dies war eine Grä zisierung von ·imecn, wie im Tanach einer der Sö hne Jakobs und Stammvä ter der Zwö lf Stä mme Israels hieß.
11
Karl Heinz Ohlig (Professor fü r Katholische Theologie) in: „Das Papstamt und seine Geschichte“ (2006)
http://www.phil.uni-sb.de/projekte/imprimatur/2005/imp050705.html
12
/e/rus ist nicht das lateinische Wort fü r „Fels“, sondern ein von /e/ra (s.o.) abgeleiteter Eigenname.
13
http://de.wikipedia.org/wiki/Simon_Petrus
l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/ ·ei/e 7
8. „Stein“ und „Fels“ sind im NT oft ein Synonym fü r Jesus Christus.
„0enn sie /ran|en aus dem le|en s/endenden le/sen der mi/ i/nen ;cç
/nd dieser le/s uar (/ris/us“ (1 Kor 10,3–4)
„lcmm/ ;u i/m dem /e|endiçen ·/ein der rcn den 1ensc/en rerucr/en a|er
rcn 6c// auseru /// und çee/r/ ucrden is/“ (1 Petr 2,4)
„l r iene a|er die nic// ç/au|en is/ dieser ·/ein den die 8au/eu/e rerucr/en
/a|en ;um lc|s/ein çeucrden ;um ·/ein an den man ans/ // und ;um le/­
sen an dem man ;u la// |cmm/“ (1 Petr 2,7–8)
„… uie es in der ·c/ri// /ei//· ·ie/e ic/ ric//e in 2icn einen ·/ein au/ an
dem man ans/ // einen le/s an dem man ;u la// |cmm/ wer an i/n ç/au|/
uird nic// ;uçrunde çe/en“ (Rö m 9,33)
Auch im Alten Testament wird „Fels“ als Umschreibung fü r Gott verwendet. Allein in den
Psalmen wird Gott 19 mal als „Felsen“ bezeichnet. Einige Beispiele:
„wer is/ ein le/s uenn nic// unser 6c//?“ (Psalm 18,32)
„lr /ei//· der le/s“ (5 Mose 32,4)
„+n den le/s der dic/ çe;euç/ /a/ dac//es/ du nic// me/r du rerça/es/ den
6c// der dic/ çe|cren /a/“ (5 Mose 32,18)
„\iemand is/ /ei/iç nur der uerr· denn au/er dir çi|/ es |einen [Gott];
|einer is/ ein le/s uie unser 6c//“ (1 Sam 2,2)
„uerr du mein le/s meine 8urç mein ke//er“ (2 Sam 22,2)
9. Nicht Petrus ist das Fundament der Kirche, sondern Christus selbst.
„0enn einen anderen 6rund |ann niemand /eçen a/s den der çe/eç/ is/·
/esus (/ris/us“ (1 Kor 3,11)
Im Gleichnis vom Hausbau sagt Jesus:
„wer diese meine wcr/e / r/ und danac/ /ande// is/ uie ein |/uçer 1ann der
sein uaus au/ le/s |au/e +/s nun ein wc/|en|ruc/ |am und die wassermassen
/eranflu/e/en a/s die ·/ rme /c|/en und an dem uaus r //e//en da s/ r;/e es
nic// ein· denn es uar au/ le/s çe|au/ wer a|er meine wcr/e / r/ und nic//
danac/ /ande// is/ uie ein unrern n//içer 1ann der sein uaus au/ ·and
|au/e +/s nun ein wc/|en|ruc/ |am und die wassermassen /eranflu/e/en a/s
die ·/ rme /c|/en und an dem uaus r //e//en da s/ r;/e es ein und uurde
r //iç ;ers/ r/“ (Mt 7,24–27)
Jesus und sein Wort sind der Fels – Menschen sind nur Sand.
Der Hl. Augustinus von Hippo (354–430), der bedeutendste Kirchenlehrer, widerspricht der
Interpretation, Jesus habe die Kirche auf Petrus erbaut:
„0u |is/ /e/rus und au/ diesen le/sen ue/c/en du |ennen çe/ern/ /as/ n m­
/ic/ dein 8e|enn/nis· 0u |is/ (/ris/us des /e|endiçen 6c//es ·c/n ui// ic/
meine lirc/e |auen au/ mic/ se/|s/ der ic/ der ·c/n des /e|endiçen 6c//es
|in· ic/ ui// sie |auen au/ mic/ nic// au/ dic/“
14
14
Dieses und die folgenden Zitate nach der „Rede Des Bischofs Stroßmayer Ü ber Die Unfehlbarkeit des Papstes“, Kö ln 1872
http://anglicanhistory.org/oc/strossmayer_rede.pdf
·ei/e 8 l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/
Der Hl. Hilarius von Poitiers (315–367), Bischof und Kirchenlehrer, schreibt in seinem zwei­
ten und sechsten Buch ü ber die Dreieinigkeit:
„0er le/sen is/ der çeseçne/e und ein;içe le/sen des 6/au|ens ue/c/en
der 1und des /ei/içen /e/rus |e|ann/e“ und „ls is/ au/ diesen le/sen des 6/au­
|ens|e|enn/nisses dass die lirc/e çe|au/ uurde/“
Der Hl. Chrysostomus († 407), Erzbischof von Konstantinopel und Kirchenlehrer, schreibt in
seiner 53. Predigt ü ber Matthä us:
„+u/ diesen le/sen ui// ic/ meine lirc/e çr nden – das is/ au/ dieses
6/au|ens|e|enn/nis“
Der Hl. Kyrill von Alexandria († 444), Patriarch von Alexandria und Kirchenlehrer, schreibt in
seinem vierten Buch ü ber die Dreieinigkeit:
„/c/ ç/au|e dass man un/er dem le/sen den unersc/ //er/ic/en 6/au|en
der +/cs/e/ rers/e/en muss“
10. Der Beiname kefa (Fels) kann auch anders gedeutet werden.
Besonders wenn man berü cksichtigt, dass Simon seinen Beinamen nicht erst im Zusammen­
hang mit der „Petrus-Berufung“ bekommen hat, sind andere Deutungen mö glich:
• Unmittelbar vor Mt 16,18 spricht ihn Jesus als ·imcn 8aricna an. Der aramä ische Name
kann mit „Sohn des Jona“ ü bersetzt werden.
15
Als Adjektiv bedeutet |aricna aber auch
„impulsiv“ oder „unbeherrscht“. Darin sehen einige Exegeten einen Hinweis auf eine
mö gliche frü here Zugehö rigkeit Simons zu der paramilitä rischen Widerstandsbewegung
der Zeloten, da im spä teren Talmud jü dische Freiheitskä mpfer als |aricnim (Plural) be­
zeichnet wurden.
16

Der Beiname kö nnte also auch eine Anspielung auf seine Zeit als radikaler, „steinharter“
Widerstandskä mpfer sein.
• Simon Petrus erwies sich zu Jesu Lebzeiten als schwach und wankelmü tig: Er ging vor
Angst unter, als Jesus ihn aufforderte, ü ber das Wasser zu gehen (Mt 14,31), er schlief
mehrmals ein, als Jesus im Garten Getsemani betete (Mt 26,40), er verleugnete Jesus nach
seiner Festnahme (Lk 22,57). Er handelte außerdem oft spontan und unü berlegt: Er ver­
suchte, Jesus von seinem Weg abzubringen (Mt 16,22), er wollte fü r Jesus, Moses und Eli­
ja Hü tten auf einem Berg bauen („er uuss/e n m/ic/ nic// uas er saçen sc///e“ Lk 9,33),
er weigerte sich zunä chst, sich von Jesus die Fü ße waschen zu lassen (Joh 13,8), er schlug
bei der Festnahme Jesu mit dem Schwert um sich (Joh 18,10).
Der Beiname „Fels“ kö nnte also auch programmatisch gemeint sein, als Ermunterung
Jesu, mehr Festigkeit, Beharrlichkeit und Standhaftigkeit zu zeigen.
• Manche Theologen vermuten, dass Jesus den aramä ischen Begriff |e/a im Sinn von selten
auffindbarem „Edelstein“ (siehe Nr. 6) verwendete, um seine besondere Rolle als Wort­
fü hrer der Apostel hervorzuheben. Die Sinnverschiebung zu „Fels“ als Fundament der
Kirche sei eine nachö sterliche Umdichtung.
17
15
Nach Joh 1,42 hieß sein Vater aber Johannes, so dass diese Interpretation des Wortes |aricna eher unwahrscheinlich ist.
16
Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Simon_Petrus und http://de.wikipedia.org/wiki/Zeloten
17
Professor Otto Bö cher: Petrus I, in: Theologische Realenzyklopä die, 4. Auflage 1996, Band 26, S. 268
l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/ ·ei/e 9
11. Die Worte sind nicht allein an Petrus gerichtet.
Die Kirche lehrt, dass die Bibel keine Zusammenstellung von historischen, abgeschlossenen
und lä ngst vergangenen Begebenheiten ist, sondern dass sich Gott mit der Heiligen Schrift
an a//e Menschen richtet.
• Wenn Jesus den Pharisä ern sagt: „wer rcn euc/ c/ne · nde is/ uer/e a/s lrs/er einen
·/ein au/ sie/“ (Joh 8,7), dann ist es ein Appell an a//e Christen andere Menschen nicht
leichtfertig zu verurteilen.
• Wenn Jesus sagt: „1ar/a 1ar/a du mac/s/ dir rie/e ·crçen und 1 /en +|er nur eines
is/ nc/uendiç/“ (Lk 10,41), dann ist es eine Mahnung an a//e Christen bei allen Pflichten
des Alltags das Wesentliche nicht zu vergessen.
• Wenn Jesus zu Petrus und Andreas sagt: „lcmm/ /er /c/ç/ mir nac// /c/ uerde euc/ ;u
1ensc/enfisc/ern mac/en“ (Mk 1,17), dann ist das der Aufruf an a//e Christen Men­
schen fü r das Reich Gottes zu gewinnen.
• Wenn Jesus zu den Jü ngern sagt: „wer der lrs/e sein ui// sc// der le/;/e rcn a//en und
der 0iener a//er sein“ (Mk 9,35), dann ist es eine Warnung an a//e Christen nicht nach
Macht und Ansehen zu streben.
Es ist nicht zu erkennen, warum speziell diese drei Jesusworte (siehe Seite 3) ausschließlich
an Petrus – und die spä teren Bischö fe von Rom – gerichtet sein sollen.
18
12. Ein Gebä ude hat nur ein Fundament.
Wenn wir – trotz der vorherigen Argumente – davon ausgehen, dass Jesus mit diesen Worten
Petrus dazu bestimmt hat, das Fundament seiner Kirche zu sein, dann kann er damit nur Pe­
trus selbst gemeint haben, nicht ein „Petrus-Amt“ oder die Nachfolger des Petrus: Denn es
kann nur ein Fundament geben, auch wenn das darauf errichtete Gebä ude stä ndig wä chst
und verä ndert wird.
18
Manfred Kock (EKD-Ratsvorsitzender 1997–2003) in seinem Vortrag „Das Papstamt aus evangelischer Perspektive“ am 04.09.2001:
„0ie 2us/r c/e an /e/rus in 1/ I(I7–I9 und /c/ 2II5// çe//en der çan;en lirc/e und sind in a//en i/ren m/ern uir|sam line
uierarc/ie der m/er uie auc/ ein /is/crisc/er \ac//c/çeau/cma/ismus finde/ sic/ in der |er/ie/erunç der uei/içen ·c/ri// nic//
lri/erium / r die (/ris/usnac//c/çe is/ das 8e|enn/nis uie es /e/rus çes/rcc/en /a/ nic// a|er /e/rus se/|er a/s 8e|enner“
http://www.ekd.de/vortraege/kock/6213.html
·ei/e I9 l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/
Was meint Jesus, wenn er von e||/esia spricht?
13. In den Evangelien erscheint der Begriff ekklesia nur an zwei Stellen.
Und zwar bei Matthä us 16,18 und 18,17. Angesichts der herausragenden Bedeutung, die die
katholische Kirche diesem Begriff und dieser Institution zuschreibt, ist es erstaunlich, dass Je­
sus sich so spä rlich dazu ä ußert – oder dass die Evangelisten die anderen Zitate nicht erwä h­
nenswert finden.
14. Im Alten Testament ist damit „Versammlung“ oder „Gemeinde“ gemeint.
Der griechische Begriff e||/esia (ἐκκλησία) bedeutet ursprü nglich „Gemeinschaft der
Herausgerufenen“. Er wird im Alten Testament recht hä ufig verwendet. Dort wird er i.d.R.
mit „Versammlung“ oder „Gemeinde“ ü bersetzt und meint die Gemeinschaft des israeliti­
schen Volkes – das Volk Gottes. Hier einige Beispiele:
„wer a|er unrein çeucrden is/ und sic/ nic// en/s ndiç/ ein sc/c/er 1ensc/
is/ aus der \ersamm/unç aus;umer;en“ (4 Mose 19,20)
„\ic// nur die o|er/ u//er der ·/ mme |amen ;usammen scndern die çan;e
6emeinde der /srae/i/en“ (Richter 20,2)
„/c/ ui// deinen \amen meinen 8r dern rer| nden inmi//en der 6emeinde
dic/ /reisen“ (Ps 22,23)
„las/ / //e mic/ a//es /n/ei/ çe/rc//en in der \ersamm/unç und in der 6e­
meinde“ (Spr 5,14)
Es gibt keinen Grund, warum der Begriff e||/esia im NT eine andere Bedeutung haben soll.
15. Jesus erklä rt nicht, was er unter ekklesia versteht.
Jesus erklä rt weder hier noch an einer anderen Stelle, was er mit e||/esia meint, worin sich
sein e||/esia-Verstä ndnis von dem des AT unterscheidet. Es gibt keinen Grund, warum Jesus
darunter nicht wie im AT die von Gott herausgerufene Gemeinschaft oder Gemeinde (die zu
diesem Zeitpunkt bereits besteht), sondern eine neu zu grü ndende /ns/i/u/icn Kirche unter
menschlicher Leitung meint.
16. Ekklesia wird im NT meistens mit „Gemeinde“ ü bersetzt.
Im gesamten NT kommt der Begriff e||/esia 91 mal vor.
19
Nur die Einheitsü bersetzung ü ber­
setzt ihn mit „Kirche“ – und das auch nur an 27 Stellen; an den ü brigen 64 Stellen ist meis­
tens von „Gemeinde“ die Rede.
20
Alle anderen Bibelü bersetzungen, die ich prü fen konnte (Luther-Bibel von 1984, Revidierte
Elberfelder, Gute Nachricht, Hoffnung fü r Alle, Schlachter 2000, Neue Genfer Ü bersetzung,
und Neues Leben)
21
verwenden den Begriff „Kirche“ an keiner einzigen Stelle! In der Regel
wird e||/esia dort mit „Gemeinde“ ü bersetzt – was etwas vö llig anderes ist.
19
Ermittelt ü ber den Suchbegriff ecc/esia in der lateinischen Vulgata. (Ich kann kein Griechisch).
20
Im Matthä us-Evangelium stehen die beiden einzigen Stellen, in denen Jesus selbst von e||/esia spricht. Bei Mt 16,18 verwendet (nur) die Einheits­
ü bersetzung den Begriff „Kirche“. Bei Mt 18,17 ü bersetzt sogar die Einheitsü bersetzung e||/esia mit „Gemeinde“: „u r/ er auc/ au/ sie nic//
dann saç es der 6emeinde u r/ er a|er auc/ au/ die 6emeinde nic// dann sei er / r dic/ uie ein ueide cder ein 2 //ner“
21
Das sind die deutschsprachigen Bibelausgaben, die unter http://www.bibleserver.com/ eingesehen werden kö nnen.
l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/ ·ei/e II
Was bedeutet „Kirche“?
17. Mit „Kirche“ meint die Kirche nicht die Gemeinschaft der Glä ubigen.
Der Begriff „Kirche“ hat (abgesehen vom Gebä ude) mindestens zwei Bedeutungen:
• die Gemeinschaft der Christglä ubigen (im engeren Sinn die Gemeinschaft der |a//c­
/isc/en Christglä ubigen);
• die Institution, die unter der Leitung des Papstes und der Bischö fe steht und sich auf die
Apostolische Sukzession grü ndet – oder anders ausgedrü ckt: die Leitung der Glä ubigen
oder das „Hirtenamt“.
22
Das ist ein ganz wesentlicher Unterschied – auch wenn im normalen Sprachgebrauch zwi­
schen diesen beiden Bedeutungen nicht unterschieden wird.
23
Wenn vom „Lehramt der Kirche“, der „Autoritä t der Kirche“ usw. die Rede ist, kann natü rlich
nur die zweite Bedeutung gemeint sein.
Auch bei der katholischen Interpretation der Petrus-Berufung wird der Begriff e||/esia als
„Institution Kirche“ gedeutet, denn mit ihr soll der Fü hrungsanspruch und die Autoritä t des
Papstes begrü ndet werden. (Eine Kirche im Sinne von „Gemeinschaft der Christglä ubigen“
braucht keine Petrus-Berufung und muss nicht erst von Petrus aufgebaut werden – Jesus
hatte sie bereits gegrü ndet.) Es gibt aber keinen Hinweis darauf, dass Jesus dem Begriff e|­
|/esia eine neue Bedeutung gegeben hat (siehe Nr. 14).
18. Jesus wollte keine Institution Kirche grü nden.
Jesus erwartete und verkü ndete die unmittelbare Nä he des Gottesreiches:
„le/r/ um/ 0enn das uimme/reic/ is/ na/e“ (Mt 3,2 und Mt 4,17)
„0ie 2ei/ is/ er/ /// das keic/ 6c//es is/ na/e“ (Mk 1,15)
„uei// die lran|en die dcr/ sind und saç/ den leu/en·
0as keic/ 6c//es is/ euc/ na/e“ (Lk 10,9)
„+men ic/ saçe euc/· \cn denen die /ier s/e/en uerden einiçe den Icd nic//
er/eiden |is sie den 1ensc/ensc/n in seiner | niç/ic/en 1ac// |cmmen se/en“
(Mt 16,28 und Lk 9,27)
In dieser unmittelbaren Jenseits-Erwartung war die Grü ndung einer Institution Kirche
ü berflü ssig.
24
22
Der „Katechismus der Katholischen Kirche“ (KKK) nennt unter Nr. 752 drei Bedeutungen fü r den Begriff Kirche:
„/m c/ris//ic/en ·/rac/çe|rauc/ |e;eic/ne/ ‚lirc/e‘ die /i/urçisc/e \ersamm/unç [… ] a|er auc/ die or/sçemeinde [… ] cder die
çesam/e 6emeinsc/a// der 6/ u|içen [… ] 0iese drei 8edeu/unçen /assen sic/ nic// rcneinander /rennen 0ie ‚lirc/e‘ is/ das \c/|
das 6c// in der çan;en we// rersamme// ·ie |es/e// in den or/sçemeinden und reruir|/ic// sic/ a/s /i/urçisc/e rcr a//em a/s eu ­
c/aris/isc/e \ersamm/unç“
Diese Definition ist unvollstä ndig. Das „Lehramt der Kirche“ lä sst sich keiner dieser drei Bedeutungen zuordnen.
23
Auch ich verwende den Begriff „Kirche“ recht undifferenziert. Manchmal verwende ich zur Unterscheidung den Begriff „Institution Kirche“. Deut ­
licher wä re es gewesen, wenn ich den Begriff „Amtskirche“ verwendet hä tte; darauf habe ich aber verzichtet, als ich las, dass dieser Begriff auch „im
abschä tzigen Sinne“ verwendet wird. http://de.wikipedia.org/wiki/Amtskirche
24
Professor Karl Heinz Ohlig schreibt in „Das Papstamt und seine Geschichte“ (2006):
„0a er [Jesus] |er;euç/ uar dass ‚das lnde‘ |a/d |cmmen uerde [… ] |esc/ //iç/e er sic/ nic// mi/ uei/erreic/enden ;ei//ic/en
/ers/e|/iren a/sc einer 2ei/ nac/ i/m /n diesem lcn/ex/ is/ auc/ die wa// eines ençeren 2u //er|reises un/er den / nçern ;u se ­
/en· uenn dieser lreis ins le|en /esu ;ur c|reic// (uas ua/rsc/ein/ic/ a|er nic// sic/er is/i svm|c/isier/ er den +ns/ruc/ /esu
au/ eine ke/crm der ‚2u // ·/ mme‘ a/sc çan; /srae/s· er /a/ nic//s mi/ einem |irc//ic/en +m/ ;u /un“
http://www.phil.uni-sb.de/projekte/imprimatur/2005/imp050705.html
·ei/e I2 l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/
19. Jesus warnte die Jü nger davor, zu herrschen und Macht auszuü ben:
Wä hrend des Abendmahls, nachdem Jesus ankü ndigte, dass er verraten und ausgeliefert
werde, entstand unter den Jü ngern ein Streit, wer von ihnen wohl der Grö ßte sei.
„0a saç/e /esus· 0ie l niçe /errsc/en |er i/re \ /|er und die 1 c//içen /as­
sen sic/ wc/// /er nennen 8ei euc/ a|er sc// es nic// sc sein scndern der
6r //e un/er euc/ sc// uerden uie der l/eins/e und der l /rende sc// uerden
uie der 0ienende“ (Lk 22,25–26)
Die Pä pste nennen sich zwar seit Gregor dem Großen (690–604) ·errus ·errcrum 0ei
25

(Diener der Diener Gottes), aber das scheint eher dazu bestimmt gewesen zu sein, die Macht
dieses Amtes mit dem biblischen Auftrag „wer der lrs/e sein ui// sc// der le/;/e rcn a//en
und der 0iener a//er sein“ (Mk 9,35) in Einklang zu bringen.
Besonders krass zeigt sich der Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei Papst
Gregor VII. (1073–1085). Er verfasste den 0ic/a/us /a/ae
26
(Diktat des Papstes) mit 27 Lehr­
sä tzen ü ber den Primat des Papstes. Darin legt er unter anderem fest:
9 0ass a//e l rs/en nur des /a/s/es l /e | ssen
I2 0ass es i/m er/au|/ is/ laiser a|;use/;en
I8 0ass sein /r/ei/ss/ruc/ rcn niemandem uiderru/en uerden dar/
und er se/|s/ a/s ein;içer die /r/ei/e a//er uiderru/en |ann
I9 0ass er rcn niemandem çeric//e/ uerden dar/
Bis in die Neuzeit verwenden die Pä pste in offiziellen Schreiben und Ansprachen den //ura­
/is maies/a/is.
27
Johannes Paul I. war der erste Papst, der darauf verzichtete.
Noch heute betont die Kirche die 6eua// des Papstes. Im Codex des Kanonischen Rechts von
1983 heißt es unter Nummer 331:
„des/a/| rer/ ç/ er |ra// seines +m/es in der lirc/e |er / c/s/e rc//e unmi/­
/e/|are und unirersa/e crden//ic/e 6eua// die er immer /rei aus |en |ann“
28
25
Nach dem +nnuaric /cn/ificic (dem offiziellen Jahrbuch des Vatikans) trä gt Benedikt XVI. außer dem Titel ·errus ·errcrum 0ei noch folgende
Titel: \icarius /esu (/ris/i („Stellvertreter Jesu Christi“), ·uccesscr /rinci/is +/cs/c/crum („Nachfolger des Apostelfü rsten“), /rimas //a/iae („Pri­
mas von Italien“), +rc/ie/iscc/us e/ 1e/rc/c/i/anus /rcrinciae kcmanae („Erzbischof und Metropolit der Kirchenprovinz Rom“), „Souverä n des
Staates der Vatikanstadt“ und ·ummus /cn/i/ex lcc/esiae /nirersa/is („Oberster Priester der Weltkirche“).
Der /cn/i/ex 1aximus war der oberste Wä chter des altrö mischen Gö tterkults. Der Titel ging spä ter auf den rö mischen Kaiser ü ber. Leo der Große
war der erste Bischof von Rom (440–461), der diesen Titel ü bernahm.
26
http://de.wikipedia.org/wiki/Dictatus_Papae
27
Der //ura/is maies/a/is ist die Bezeichnung der eigenen Person im Plural als Ausdruck der Macht.
28
Nur am Rande erwä hnt: Auch das 2000 von Papst Johannes Paul II. eingefü hrte „Neue Grundgesetz des Vatikanstaats“ kennt keine Gewaltenteilung,
sondern gibt dem Papst die gesetzgebende, ausfü hrende und richterliche Gewalt (Legislative, Exekutive und Judikative). Der Vatikan gehö rt damit
zu den letzten absolutistisch regierten Staaten – neben Brunei, Katar, Oman, Saudi-Arabien und Swasiland.
l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/ ·ei/e I)
Wie stand Jesus zu einem Oberhaupt der Kirche?
20. Jesus hat Petrus nie als seinen Stellvertreter benannt.
Der katholische Theologe und Bischof Joseph Georg Stroßmayer sagte in seiner 1871 auf
dem Ersten Vatikanischen Konzil gehaltenden Rede „Ü ber die Unfehlbarkeit des Papstes“:
„wenn ·imcn der ·c/n /cnas’ das çeuesen u re uc/ r uir /eu/;u/açe ·eine
uei/iç|ei/ /ius /\ /a//en sc is/ es uunder|ar da/ (/ris/us nic// ;u i/m saç­
/e· ‚wenn ic/ ;u meinem \a/er au/çe/a/ren |in sc/// i/r a//e dem ·imcn /e/rus
çe/crc/en uie i/r mir çe/crc/e/ /c/ /es/e i/n ;u meinem ·/e//rer/re/er au/ lr­
den ein‘ (/ris/us sc/ueiç/ |er diesen /un|/ und den|/ nic// im 6erinçs/en
daran der lirc/e ein uau// ;u çe|en“
29
21. Jesus hat allen Aposteln die gleiche Vollmacht gegeben.
„//r sc/// in meinem keic/ mi/ mir an meinem Iisc/ essen und /rin|en und
i/r sc/// au/ I/rcnen si/;en und die ;u // ·/ mme /srae/s ric//en“ (Lk 22,30)
Er erwä hnt keinen „Oberthron“.
22. Jesus sagte zu Petrus: „Satan, geh mir aus den Augen!“
Es ist unvorstellbar, dass Jesus ausgerechnet den Jü nger zu seinem Stellvertreter und ober­
sten Haupt der Kirche macht, dem er schon vier Verse spä ter vorwirft, gegen den Willen Got­
tes zu handeln:
„ /esus a|er uand/e sic/ um und saç/e ;u /e/rus· weç mi/ dir ·a/an çe/ mir
aus den +uçen/ 0u ui//s/ mic/ ;u la// |rinçen· denn du /as/ nic// das im
·inn uas 6c// ui// scndern uas die 1ensc/en uc//en“ (Mt 16,23)
23. Jesus wollte keine Rangunterschiede unter den Aposteln.
„·ie |amen nac/ la/arnaum +/s er dann im uaus uar /raç/e er sie· wcr |er
/a|/ i/r un/erueçs çes/rcc/en? ·ie sc/uieçen denn sie /a//en un/erueçs mi/­
einander dar |er çes/rcc/en uer (rcn i/neni der 6r //e sei 0a se/;/e er
sic/ rie/ die 2u // und saç/e ;u i/nen· wer der lrs/e sein ui// sc// der le/;/e
rcn a//en und der 0iener a//er sein“ (Mk 9,33–35)
29
http://docs.google.com/anglicanhistory.org/oc/strossmayer_rede.pdf
·ei/e I1 l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/
Hatte Petrus eine herausragende Stellung?
24. Petrus war nicht „der Erste der Apostel“.
Die Kirche bezeichnet Petrus als den „Ersten der Apostel“.
30
Es stimmt zwar, dass er in den
vier Apostellisten (Mt 10,2; Mk 3,18; Lk 6,15 und Apg 1,13) an erster Stelle genannt wird
31
,
denn er war unbestreitbar Wortfü hrer der Apostel und stand in einem besonders engen Ver­
hä ltnis zu Jesus. Er war aber nicht der zuerst berufene Apostel. Das war sein jü ngerer Bruder
Andreas.
25. Petrus war nicht der Lieblingsjü nger Jesu.
Ein besonderes Verhä ltnis hatte Jesus zu Johannes. Er wird mehrmals als „der / nçer den
/esus /ie|/e“ bezeichnet (Joh 13,23; Joh 19,26; Joh 20,2; Joh 21,7; Joh 21,20).
26. Petrus war nicht „Erstzeuge der Auferstehung“.
Die Kirche lehrt
32
, Jesus sei nach seinem Tod zuerst dem Petrus erschienen. Begrü ndet wird
das mit 1 Kor 15,5:
„lr is/ am dri//en Iaç au/eruec|/ ucrden çem / der ·c/ri// und ersc/ien
dem le//as dann den 2u //“
Es ist unverstä ndlich, dass die Kirche das Zeugnis der Evangelisten ignoriert:
Matthä us:
„·cç/eic/ rer/ie/en sie [die Frauen] das 6ra| und ei//en rc// lurc// und
çrc/er lreude ;u seinen / nçern um i/nen die 8c/sc/a// ;u rer| nden
// /;/ic/ |am i/nen /esus en/çeçen und saç/e· ·eid çeçr ///“ (Mt 28,8–10)
Markus:
„+/s /esus am /r /en 1crçen des ers/en wcc/en/açes au/ers/anden uar er­
sc/ien er ;uers/ 1aria aus 1açda/a aus der er sie|en 0 mcnen ausçe/rie|en
/a//e“ (Mk 16,9)
Johannes:
„0ie lnçe/ saç/en ;u i/r [Maria von Magdala]· lrau uarum ueins/ du? ·ie an/­
ucr/e/e i/nen· 1an /a/ meinen uerrn ueççencmmen und ic/ uei/ nic// uc­
/in man i/n çe/eç/ /a/ +/s sie das çesaç/ /a//e uand/e sie sic/ um und sa/
/esus das/e/en uuss/e a|er nic// dass es /esus uar /esus saç/e ;u i/r· lrau
uarum ueins/ du?“ (Joh 20,13–14)
Lukas:
Im Lukas-Evangelium wird nicht ausdrü cklich Jesus genannt. Hier erscheinen
den Frauen am Grab „;uei 1 nner in /euc//enden 6eu ndern“. (Lk 24,4)
Der Kirchenhistoriker Prof. Dr. Klaus Schatz SJ, der Petrus ebenfalls fü r den „Erstzeugen der
Auferstehung“ hä lt, erklä rte das in einer persö nlichen E-Mail an mich so:
„ls s/imm/ die lrauen uaren nac/ a//en lrançe/ien die ers/en 2euçen des
+u/ers/andenen ncc/ rcr den / nçern \ur uaren die 2u // und /ier |escn­
30
Zum Beispiel im Kanonischen Recht ü ber den Papst (can. 331 CIC)
31
Das ist aber nicht immer der Fall. In Gal 2,9, wo Petrus als eine von drei Sä ulen der Gemeinde beschrieben wird, lautet die Reihenfolge:
Jakobus, Petrus und Johannes.
32
Zum Beispiel im Katechismus, Nr. 641
l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/ ·ei/e I5
ders /e/rus die ers/en ‚am//ic/en‘ |erc//m c//iç/en 2euçen (;uma/ lrauen
nac/ i disc/er +u//assunç nic// ;euçnis|erec//iç/ uareni und a/s sc/c/e sind
sie und an ers/er ·/e//e /e/rus in I lcr I55 au/çe; /// [… ] +|er uc es au/
am//ic/e 8e;euçunç an|am /a//en /e/rus und die 2u // den \crranç“
Das reicht mir als Begrü ndung nicht aus. Die Autoren des Matthä us-, Markus- und Johannes-
Evangeliums berichten ü ber die Erscheinungen am leeren Grab, und zwar nicht in der Form
„+/s die lrauen rcm 6ra| ;ur c| |amen er; ///en sie … “ sondern so, als wä ren die Evan­
gelisten selbst dabei gewesen. Fü r sie war das Zeugnis trotz der jü dischen Vorbehalte gegen­
ü ber den Frauen glaubwü rdig und wichtig.
Wenn die Evangelisten die Schilderungen der Frauen ernst genommen haben, gibt es keinen
Grund, warum das die Kirche – erst recht heute – nicht auch tun sollte.
Außerdem kö nnen wir davon ausgehen, dass Jesus wusste, wem er wann erschien. Dass er
sich zuerst den Frauen zeigte, war sicher kein Zufall.
27. Petrus hat nie einen hö heren Rang beansprucht oder eingenommen.
Nirgends in den Schriften, die traditionell dem Apostel Petrus zugeschrieben werden (1.
und 2. Petrusbrief) behauptet er, dass er eine spezielle Rolle, Autoritä t oder Macht ü ber die
anderen Gemeinden hä tte. Im Gegenteil:
„lure //es/en erma/ne ic/ da ic/ ein //es/er |in uie sie“ (1 Petr 5,1)
Auch in den ü brigen Schriften des Neuen Testaments gibt es keine Stellen, aus denen hervor­
geht, dass Petrus einen besonderen Rang beansprucht oder eingenommen hä tte.
28. Die Apostel haben Petrus nie eine herausgehobene Stellung gewä hrt.
Mehrere Schriftstellen weisen auf das Gegenteil hin:
„+/s die +/cs/e/ in /erusa/em / r/en dass ·amarien das wcr/ 6c//es ançencm­
men /a//e sc/ic|/en sie /e/rus und /c/annes dcr//in“ (Apg 8,14)
Nicht Petrus schickte die Apostel – die Apostel schickten Petrus!
„0es/a/| ça|en /a|c|us le//as und /c/annes die a/s die ‚· u/en‘ +nse/en
çenie/en mir und 8arna|as die uand ;um 2eic/en der 6emeinsc/a//“
(Gal 2,9)
Hier werden drei Apostel ohne Unterscheidung im Rang genannt.
33
Paulus weist Petrus ö ffentlich zurecht:
„+/s le//as a|er nac/ +n/icc/ia çe|cmmen uar |in ic/ i/m c//en en/çeçen­
çe/re/en uei/ er sic/ ins /nrec// çese/;/ /a//e“ (Gal 2,11)
Das hä tte er sicher nicht gemacht, wenn er Petrus als den von Gott eingesetzten Oberhirten
angesehen hä tte. Erst recht nicht, wenn er der Ü berzeugung war, Petrus sei „in Glaubens­
fragen unfehlbar“.
„ls uurde mir n m/ic/ meine 8r der rcn den leu/en der (//c |eric//e/
dass es 2an| und ·/rei/ un/er euc/ çi|/ /c/ meine dami/ dass ieder rcn euc/
e/uas anderes saç/· /c/ /a//e ;u /au/us ic/ ;u +/c//cs ic/ ;u le//as ic/ ;u
33
Die drei Apostel Petrus, Jakobus und Johannes werden oft gemeinsam genannt (Mt 17,1; Mk 5,37; Mk 9,2; Mk 14,33; Lk 5,10; Lk 8,51; Lk 9,28).
Offensichtlich haben alle drei ein besonders enges Verhä ltnis zu Jesus.
·ei/e I( l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/
(/ris/us /s/ denn (/ris/us ;er/ei//? wurde e/ua /au/us / r euc/ çe|reu;iç/?
oder seid i/r au/ den \amen des /au/us çe/au// ucrden?“ (1 Kor 1,11–13)
Der Streit, den Paulus hier erwä hnt, wä re undenkbar, wenn die Urgemeinde die „Petrus-
Berufung“ so verstanden hä tte, wie es die katholische Kirche spä ter interpretierte. Wenn
Paulus in Petrus den „Stellvertreter Jesu Christi“ gesehen hä tte, hä tte er an dieser Stelle mit
Sicherheit darauf hingewiesen – denn kein Argument hä tte den Streit besser schlichten kö n­
nen als der Hinweis auf den ausdrü cklichen Willen Jesu.
29. Auf dem Konzil zu Jerusalem hat Petrus keine Leitungsfunktion.
In Jerusalem fand ein allgemeines Konzil statt (Apg 15). Es ging um die Frage, ob sich be­
kehrte Heiden nach den jü dischen Vorschriften beschneiden lassen mussten.
• Nicht Petrus berief das Konzil ein – sondern die Gemeinde in Antiochien.
• Sie wandten sich nicht an Petrus – sondern an die Apostel und die Ä ltesten in Jerusalem.
• Nicht Petrus leitete die Versammlung – „die +/cs/e/ und die //es/en /ra/en ;usammen
um die lraçe ;u /r /en“.
• Nicht Petrus hielt das entscheidende Schlussplä doyer – sondern Jakobus.
• Nicht Petrus entschied den Streit – sondern „die +/cs/e/ und die //es/en ;usammen mi/
der çan;en 6emeinde“.
• Nicht Petrus verfasste das Schlussdokument – sondern „die +/cs/e/ und die //es/en“.
Entweder war den Konzilteilnehmern nicht bekannt, was Jesus ü ber die Vollmachten des Pe­
trus gesagt hat – oder sie haben es ignoriert.
30. Paulus weiß nichts von einem Papstamt.
Ein Schriftsteller, der ein Buch ü ber die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland
schreibt, darin aber mit keinem Wort das Amt des Bundesprä sidenten erwä hnt, wird sich vor­
werfen lassen mü ssen, etwas ganz Wesentliches ausgelassen zu haben.
Aber genau das tat Paulus. Er nennt in seinen Schriften verschiedene Ä mter, Dienste und Auf­
gaben in der Gemeinde
34
: Apostel (ἀπόστολος/apó stolos), Bischö fe (επισκέπτοµαι/ epis­
keptomai), Diakone (διάκονος/diakonos), Ä lteste (Presbyter = πρεσβύτερος/
presbuteros), Evangelisten, Hirten, Lehrer und Propheten. Vom Papstamt oder einer „obers­
ten Fü hrung“ der Kirche schreibt er nichts. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass er ein solch
wichtiges Amt vergessen hä tte, besonders wenn es – im Unterschied zu den ü brigen Ä m­
tern – von Jesus selbst eingesetzt worden wä re.
31. Paulus weiß nichts von der besonderen Stellung des Petrus.
Ein Schriftsteller, der heute ein Buch ü ber Joseph Alois Ratzinger, ü ber seine Zeit als Flak­
helfer, Theologiestudent, Kaplan, Theologieprofessor, Bischof und Kardinal schreibt, aber
mit keinem Wort seine Wahl zum Papst erwä hnt, wird sich vorwerfen lassen mü ssen, etwas
ganz Wesentliches ausgelassen zu haben.
Aber genau das tat Paulus: Mit keinem Wort erwä hnt er den besonderen Rang des Apostels
Petrus als Oberhaupt der Kirche. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass er die besondere Stel­
lung des Petrus vergessen hä tte.
34
Zum Beispiel in den „Dienste-Listen“ 1 Kor 12,28 und Eph 4,11.
l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/ ·ei/e I7
32. Paulus weiß nichts von Petrus als Fundament der Kirche.
Im Gegenteil: Er bezeichnet a//e Apostel als „Fundament“:
„//r seid au/ das lundamen/ der +/cs/e/ und /rc//e/en çe|au/·
der ·c//usss/ein is/ (/ris/us /esus se/|s/“ (Eph 2,20)
33. Die Apostelgeschichte verliert sehr frü h die Spur des Petrus.
Bereits in der ersten Hä lfte der Apostelgeschichte, im zwö lften von 28 Kapiteln, wird Petrus
das letzte Mal erwä hnt. Nach seiner wundersamen Befreiung aus dem Kerker des Herodes
Antipas heißt es: „0ann rer/ie/ er sie und çinç an einen anderen or/“ (Apg 12,17)
Wohin er ging und was er dann machte, wird nicht berichtet.
Es ist nicht nachzuvollziehen, warum die Apostelgeschichte die letzten 24 Jahre des Stell­
vertreters Christi und Bischofs von Rom mit keinem Wort erwä hnt.
35
35
Herodes ging im Jahr 39 nach Rom und wurde von dort nach Sü dgallien verbannt (http://de.wikipedia.org/wiki/Herodes_Antipas). Der Katechis­
mus gibt das Todesjahr des Petrus mit ca. 65 an. Fü r die Datierung der Apostelgeschichte gibt es im Wesentlichen zwei Argumentationslinien: Die
eine nimmt das Jahr 63 an, die andere den Zeitraum 80 bis 90. Es fehlen also mindestens 24 Jahre aus dem Leben des Petrus.
·ei/e I8 l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/
Was bedeuten die „Schlü ssel des Himmelreichs“?
34. Petrus erhä lt keine exklusive „Schlü sselgewalt“.
Zur „Berufung des Petrus“ gehö rt auch der unmittelbar folgende Vers:
„/c/ uerde dir die ·c// sse/ des uimme/reic/s çe|en· uas du au/ lrden |in­
den uirs/ das uird auc/ im uimme/ çe|unden sein und uas du au/ lrden / ­
sen uirs/ das uird auc/ im uimme/ çe/ s/ sein“ (Mt 16,19)
Die Kirche lehrt, Jesus habe mit diesen Worten Petrus eine besondere Vollmacht erteilt –
schließlich habe er ihn persö nlich angesprochen. Doch schon kurz danach richtet sich Jesus
mit den gleichen Worten an a//e Jü nger:
„+men ic/ saçe euc/· +//es uas i/r au/ lrden |inden uerde/ das uird auc/
im uimme/ çe|unden sein und a//es uas i/r au/ lrden / sen uerde/ das uird
auc/ im uimme/ çe/ s/ sein“ (Mt 18,18)
36
35. Die „Schlü sselgewalt“ kann anders gedeutet werden.
Die oben zitierten Bibelstellen geben der Kirche nicht das Recht, nach Belieben zu binden
oder zu lö sen, sondern sind ein +u//raç Mit einem Schlü ssel kö nnen Tü ren sowohl geö ffnet
als auch verschlossen werden, aber Jesus hat deutlich gemacht, dass es ihm um das //nen
geht:
„we/ euc/ 6ese/;es/e/rern/ //r /a|/ den ·c// sse/ (der I ri ;ur lr|enn/nis
ueççencmmen //r se/|s/ seid nic// /ineinçeçançen und die die /ineinçe/en
uc///en /a|/ i/r daran çe/inder/“ (Lk 11,52)
Oft wird die „Schlü sselgewalt“ mit der Sü ndenvergebung in Verbindung gebracht, denn es
gibt einen ganz ä hnlichen Vers:
„wem i/r die · nden rerçe|/ dem sind sie rerçe|en· uem i/r die \erçe|unç
rerueiçer/ dem is/ sie rerueiçer/“ (Joh 20,23)
Hier gilt das gleiche: Dieses Wort gewä hrt nicht die Freiheit, Sü nden zu vergeben oder Sü n­
den nicht zu vergeben, sondern ist ein +u//raç·
„wenn i/r a|er den 1ensc/en nic// rerçe|/ dann uird euc/ euer \a/er eure
\er/e//unçen auc/ nic// rerçe|en“ (Mt 6,15)
„/nd uenn i/r |e/en uc/// und i/r /a|/ einem anderen e/uas rcr;uuer/en
dann rerçe|/ i/m dami/ auc/ euer \a/er im uimme/ euc/ eure \er/e//unçen
rerçi|/“ (Mk 11,25)
„·eid ç /iç ;ueinander seid |arm/er;iç rerçe|/ einander uei/ auc/ 6c//
euc/ durc/ (/ris/us rerçe|en /a/“ (Eph 4,32)
„wie der uerr euc/ rerçe|en /a|/ sc rerçe|/ auc/ i/r“ (Kol 3,13)
36
Dr. Ludwig Neidhart schreibt in „Das Papstamt: Anmaßung oder biblisches Amt der Einheit?“ (http://catholic-church.org/ao/ps/papst.html):
„0ass auc/ den |riçen +/cs/e/n eine rcr 6c// ç //içe 8inde· und l seçeua// ;uçes/rcc/en uird (1/ I8I(i is/ |ein +rçumen/ çe ­
çen den \crranç des /e/rus· 0enn dieser \crranç ;eiç/ sic/ darin dass dem /e/rus ein;e/n und a/s ers/em ;uçes/rcc/en uird uas
die anderen ers/ s/ /er und |c//e|/ir er/a//en“
Das Argument ist nicht schlü ssig. Der Auferstandene zeigte sich zuerst Maria Magdalena und den Frauen, danach erst Petrus und den anderen Jü n ­
gern – ohne dass die Kirche daraus einen Vorrang fü r Maria Magdalena und die Frauen abgeleitet hä tte.
l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/ ·ei/e I9
Von einer Gewalt im Sinne von Macht kann also keine Rede sein. Sü nden zu vergeben ist
kein Privileg – nicht fü r Petrus, nicht fü r die Apostel und nicht fü r seine Nachfolger –, son­
dern eine oft mü hsame Verpflichtung.
Es ist sicher zu einfach, das „Binden“ und „Lö sen“ auf die Sü ndenvergebung zu reduzieren.
Ich weiß nicht, ob „Lö sen“ im Aramä ischen und Griechischen die gleiche Bedeutungsvielfalt
wie im Deutschen hat; in unserer Sprache lassen sich jedenfalls nicht nur Fesseln lö sen (die
Fesseln der Sü nde, die Fesseln des Todes), sondern auch Knoten, Rä tsel, Probleme und Auf­
gaben. So kö nnen Mt 16,19 und Mt 18,18 auch verstanden werden als Aufruf an die Jü nger,
sich der unçe/ s/en Aufgaben und Probleme der Welt anzunehmen:
„Wartet nicht tatenlos auf das Himmelreich, sondern kü mmert euch /ier au/ lrden um das,
womit ich euch beauftragt habe. Denn was ihr auf Erden nicht erledigen werdet, dass wird
auch am Ende der Zeiten unerledigt sein.“
·ei/e 29 l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/
Was ist mit dem „Hirtenamt“ gemeint?
Die zweite Bibelstelle, mit der die katholische Kirche das Papstamt begrü ndet, ist das Wort,
das Jesus an Petrus richtet: „weide meine l mmer/“ Hier der Text im Zusammenhang:
„+/s sie çeçessen /a//en saç/e /esus ;u ·imcn /e/rus· ·imcn ·c/n des /c/an­
nes /ie|s/ du mic/ me/r a/s diese? lr an/ucr/e/e i/m· /a uerr du uei// dass
ic/ dic/ /ie|e /esus saç/e ;u i/m· weide meine l mmer/“ (Joh 21,15)
36. „Weide meine Lä mmer“ begrü ndet keinen Herrschaftsanspruch.
Diese Bibelstelle ist ungeeignet, den Herrschaftsanspruch des Petrus und seiner Nachfolger
zu begrü nden. Jesus sagt nicht „/ /re meine Lä mmer“ oder „|eau/sic//içe meine Lä mmer“,
sondern beauftragt ihn, die Lä mmer zu ueiden ihnen \a/runç zu geben. Jesus beauftragt
Petrus nicht mit der Herrschaft ü ber die Christenheit, sondern ruft ihn dazu auf, den Lä m­
mern – der christlichen Gemeinde – Gottes Wort zu verkü nden (siehe Mt 4,4). Dieser Auftrag
richtet sich selbstverstä ndlich nicht allein an die „Oberhirten“, sondern an a//e, die in der
apostolischen Nachfolge stehen.
37. Das Hirtenamt ist kein exklusives Amt
+//e Hirten und Ä ltesten
37
sind aufgerufen, die Herde zu hü ten:
„6e|/ +c// au/ euc/ und au/ die çan;e uerde in der euc/ der uei/içe 6eis/ ;u
8isc/ /en |es/e/// /a/ dami/ i/r a/s uir/en / r die lirc/e 6c//es scrç/ die er
sic/ durc/ das 8/u/ seines eiçenen ·c/nes erucr|en /a/“ (Apg 20,28)
Petrus selbst
38
ermahnt sie, sich als Hirten um die Herde Gottes zu kü mmern – ohne dabei
zu herrschen:
„·crç/ a/s uir/en / r die euc/ anrer/rau/e uerde 6c//es nic// aus 2uanç
scndern /reiui//iç uie 6c// es ui//· auc/ nic// aus 6euinnsuc// scndern aus
\eiçunç· seid nic// 8e/errsc/er eurer 6emeinden scndern \cr|i/der / r die
uerde“ (1 Petr 5,2–3)
Denn „der c|ers/e uir/“ ist Christus! (1 Petr 5,4)
37
Im Neuen Testament bezeichnet Bischof (e/is|c/csi ebenso wie Ä ltester (/res|v/ercsi und Diakon (dia|cncs = Diener) eine Fü hrungsfunktion in
der lokalen Gemeinde, wobei es keine durchgehenden Rangunterschiede zwischen Bischof und Ä ltester gibt und die Ausdrü cke oft austauschbar
verwendet werden. http://de.wikipedia.org/wiki/Bischof
38
Die historisch-kritische Forschung bezweifelt heute ü berwiegend, dass Petrus der Verfasser der Petrusbriefe war.
l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/ ·ei/e 2I
Was bedeutet „Stä rke deine Brü der“?
Das dritte Bibelwort, mit dem die Kirche den Papstprimat begrü ndet, lautet „·/ r|e deine
8r der“. Hier der Text im Zusammenhang:
„·imcn ·imcn der ·a/an /a/ rer/anç/ dass er euc/ uie wei;en sie|en dar/
/c/ a|er /a|e / r dic/ çe|e/e/ dass dein 6/au|e nic// er/isc// /nd uenn du
dic/ uieder |e|e/r/ /as/ dann s/ r|e deine 8r der 0arau/ saç/e /e/rus ;u
i/m· uerr ic/ |in |erei/ mi/ dir scçar ins 6e/ nçnis und in den Icd ;u çe/en
/esus eruider/e· /c/ saçe dir /e/rus e/e /eu/e der ua/n |r // uirs/ du drei­
ma/ /euçnen mic/ ;u |ennen“ (Lk 22,31–34)
38. Es macht mehr Sinn, diese Anweisung „zeitnah“ zu interpretieren.
Den Auftrag „·/ r|e deine 8r der“ gibt Jesus wä hrend des Abendmahls, unmittelbar vor
dem Gebet im Garten Getsemani, kurz vor seiner Verhaftung. Die Kirche deutet dieses Wort
als nachpfingstliche Anweisung an Petrus als den kü nftigen Bischof von Rom (siehe auch Nr.
40 und 41).
Es ist nä her liegend, dies als „zeitnahe“ Anweisung zu interpretieren:
„Du, Petrus, Wortfü hrer der Jü nger, stä rke, ermutige und trö ste deine Brü der in den kom­
menden Stunden und Tagen: wenn ihr mich auf den Ö lberg begleitet, wenn mich die Hohen­
priester und Hauptleute gefangen nehmen, wenn ich gefoltert und gekreuzigt werde, wenn
ich tot bin und ihr ohne Hoffnung seid.“
39. Petrus hat den Auftrag nicht erfü llt.
Petrus scheiterte, denn der Glaube verließ ihn wie beim Gang ü ber das Wasser (Mt 14,28); im
Garten Getsemani schlä ft er, wie die anderen Jü nger, vor Erschö pfung ein; er schafft es nicht,
in sich selbst und in den Jü ngern den Glauben an die Auferstehung des Menschensohnes
wach zu halten.
·ei/e 22 l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/
War Petrus unfehlbar?
40. Lk 22,32 sagt nichts ü ber die Unfehlbarkeit des Petrus aus.
Seit sich gegen Ende des ersten Jahrtausends des Idee des Papstprimats durchgesetzt hatte
39
,
galt der Bischof von Rom als oberste Autoritä t in Kirchenrechts- und Glaubensfragen. (Aller­
dings wurden viele wichtige Glaubensfragen auch auf Konzilen entschieden.
40
)
Aber erst das Erste Vatikanische Konzil entschied im Jahr 1870 rü ckwirkend, dass die Glau­
bensentscheidungen aller rö mischen Bischö fe bis zurü ck zu Petrus unfehlbar seien. Im Kon­
zilsdekret /as/cr ae/ernus
1I
heißt es unter Verwendung des Bibelverses Lk 22,32:
„0enn sie [die rechtglä ubigen, heiligen Lehrer] uuss/en ;u |/ar da/ der le/r­
s/u// des /ei/içen /e/rus rcn iedem /rr/um immerdar /rei |/ei|en uerde uei/
der uerr unser lr/ ser dem c|ers/en seiner / nçer das ç ///ic/e \ers/rec/en
çe/an· ‚/m /a|e / r dic/ çe|e/e/ dass dein 6/au|e nic// uan|e und du /in­
uieder s/ r|e dereins/ deine 8r der‘“
Jesus sagte nicht „/c/ uerde rer/indern dass dein 6/au|e uan|en uird“ sondern „/c/
/a|e / r dic/ çe|e/e/ dass dein 6/au|e nic// uan|e“ Das ist genauso wenig eine Zusiche­
rung der Unfehlbarkeit, wie der Satz „weç mi/ dir ·a/an/“ (Mt 16,23) eine Verdammung des
Petrus ist. Wenn Jesus ihm die Gabe der Unfehlbarkeit hä tte verleihen wollen, hä tte er dafü r
deutlichere Worte gefunden, zum Beispiel: „Was du ü ber mich und meinen Vater lehren wirst,
das wird wahr sein, und alle sollen deinen Lehren folgen.“
41. Pastor aeternus zitiert Lk 22,32 unvollstä ndig.
In der Einheitsü bersetzung ist Lk 22,32 folgendermaßen wiedergegeben:
„/c/ a|er /a|e / r dic/ çe|e/e/ dass dein 6/au|e nic// er/isc//
/nd uenn du dic/ uieder |e|e/r/ /as/ dann s/ r|e deine 8r der“
Hier ist nicht vom Wanken, sondern vom drohenden Erlö schen des Glaubens die Rede; der
Glaube war also offensichtlich stark gefä hrdet.
Außerdem unterschlä gt der Konzilstext die Bedingung: „uenn du dic/ uieder |e|e/r/ /as/“.
Die Bekehrung des Petrus stand also noch aus.
42. Petrus verhä lt sich nicht, als stü nde er fest im wahren Glauben.
• Nachdem Jesus den Jü ngern erklä rte, „er m sse nac/ /erusa/em çe/en und rcn den
//es/en den uc/en/ries/ern und den ·c/ri//çe/e/r/en rie/es er/eiden· er uerde çe/ /e/
uerden a|er am dri//en Iaç uerde er au/ers/e/en“ (Mt 16,21), beweist Petrus, dass er
ihn grü ndlich missverstanden hat: er versucht Jesus von seinem Kreuzestod abzubringen.
Dafü r muss er sich heftige Kritik gefallen lassen: „6e/ mir aus den +uçen/ 0u ui//s/ mic/
;u la// |rinçen· denn du /as/ nic// das im ·inn uas 6c// ui// scndern uas die 1en­
sc/en uc//en“ (Mt 16,23)
• Trotzdem verleugnet Petrus mehrmals seinen Herrn (Mt 26,70ff). Seine Angst vor einer
mö glichen Festnahme ist grö ßer als die Liebe zu Jesus und zur Wahrheit.
42
39
Darauf gehe ich genauer ab Nr. 53 ein.
40
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_ö kumenischer_Konzile
41
http://www.kathpedia.com/index.php/Pastor_aeternus_(Wortlaut)
42
Ich mache ihm deswegen keine Vorwü rfe. Ich fü rchte, ich wü rde in einer ä hnlichen Situation genauso feige handeln.
l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/ ·ei/e 2)
• Jesus hatte zwar seinen Tod und seine Auferstehung angekü ndigt, aber als die Frauen
vom leeren Grab berichteten, war Petrus genauso unglä ubig wie die anderen Jü nger:
sie „/ie//en a//es / r 6esc/u /; und ç/au|/en i/nen nic//“ Er ü berprü fte vor Ort ihre
Angaben. „0ann çinç er nac/ uause rc// \eruunderunç |er das uas çesc/e/en uar“
(Lk 24,12) Dass Jesus die Wahrheit sagte, als er ankü ndigte, er werde nach drei Tagen auf­
erstehen (Mk 8,31) scheint fü r Petrus unvorstellbar gewesen zu sein – obwohl er selbst
die Gottessohnschaft Jesu anerkannt hat und mehrmals miterlebte, dass Jesus die Macht
hat, Tote aufzuerwecken.
• Jesus fragt ihn: „·imcn ·c/n des /c/annes /ie|s/ du mic/ me/r a/s diese?“ Er antwortet:
„ /a uerr du uei// dass ic/ dic/ /ie|e“ Jesus scheint dieser Antwort nicht zu trauen,
denn er wiederholt die Frage noch zwei Mal (Joh 21,15).
• In Gal 2,11ff schildert Paulus, wie er Petrus – angeblich der unfehlbare oberste Hirte der
Kirche – ö ffentlich kritisierte, weil sein Verhalten gegenü ber den Heidenchristen „unrer­
ein|ar mi/ der wa/r/ei/ des lrançe/iums sei“.
43
Petrus erweist sich bei diesen Ereignissen – zeitlich nac/ der Verheißung von Lk 22,32! – als
unsicher, unglä ubig und irrend. Es ist unklar, wann und wodurch „iene /n/e//|ar|ei/ mi/
der der ç ///ic/e lr/ ser seine lirc/e |ei endç //içen ln/sc/eidunçen in 6/au|ens· und ·i/­
/en/e/ren ausçer s/e/ /a|en uc///e“
44
, in Petrus oder seinen Nachfolgern wirksam wurde.
43
Gerd Lü demann in „Paulus, der Heidenapostel“ (Band 2, 1990):
„/n der çemisc//en (/ris/ençemeinde +n/icc/iens /a//en çe|crene /uden mi/ ueiden Iisc/çemeinsc/a// çe/a//en 0ieser /raxis
sc//css sic/ /e/rus an a/s er in +n/icc/ien uei//e +/s einiçe rcn /a|c|us |amen ;cçen sic/ /e/rus 8arna|as und die |riçen /u ­
den aus lurc// rcr den 8esc/neidunçs/eu/en [gemeint sind die Mitglieder der christlichen Gemeinde Jerusalems] ;ur c| ucrau/
/au/us den /e/rus rcr a//en a/s sc/u/diç an|/aç/e· 0urc/ diese +|/icn ;uinçe /e/rus die ueiden die i disc/e le|ensueise an;u ne/­
men uas unrerein|ar mi/ der wa/r/ei/ des lrançe/iums sei“
44
Katholischer Erwachsenen-Katechismus, Deutsche Bischofskonferenz, 1985; Band 1, Seite 304
·ei/e 21 l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/
Meinte Jesus nur Petrus oder auch alle seine Nachfolger?
43. Die erwä hnten Bibelstellen beziehen sich nur auf Petrus.
Keine der drei Bibelstellen (Mt 16,18–19; Joh 21,15; Lk 22,32) enthä lt einen Hinweis darauf,
dass Jesus nicht nur Petrus, sondern alle Nachfolger im Amt des Bischofs von Rom meinte.
Auch im ü brigen NT gibt es darauf keinen Hinweis.
Das bestä tigt sogar der Katechismus:
„o//en|undiç is/ in a//en diesen Iex/en nic// ausdr c|/ic/ rcn einer \ac//c/çe
in den am//ic/en lun|/icnen des /e/rus a/sc rcn einem /e/rusam/ in der lir­
c/e die kede“
45
44. Die Kirche erklä rt nicht, warum Jesus trotzdem alle Nachfolger meinte.
Obwohl in der Bibel nirgendwo ausdrü cklich von einer Nachfolge in den amtlichen Funk­
tionen die Rede ist, sehen die Autoren des Katechismus dennoch …
„[… ] einen deu//ic/en uinueis darau/ da/ die /e/rus/un|/icn auc/ ncc/
|er den Icd des /is/crisc/en /e/rus /inaus rcn nic// nur /is/crisc/er scn­
dern auc/ rcn a|/ue//er 8edeu/unç uar [… ] 0a;u |cmm/ da/ 1/ I(I8
rcn der 2u|un// s/ric// (‚+u/ diesen le/sen uerde ic/ meine lirc/e |auen‘i
[… ] ls çi|/ a/sc sc/cn inner/a/| des \euen Ies/amen/s uinueise / r eine
lcr/dauer der lun|/icn des /e/rus a/s le/sençrund der lirc/e und a/s |/ei­
|ender 6aran/ des 6/au|ens (rç/ l| 22)2i“
45
• Das erklä rt nicht, warum die Petrus-Nachfolger die Zusagen beanspruchen kö nnen, die
Jesus dem Petrus gemacht haben soll. 0ass die „Petrusfunktion“ bis heute heute fort­
dauert, wird niemand bestreiten.
46
Es geht um die Vollmachten, die damit verbunden
sind.
• Aber selbst fü r „eine lcr/dauer der lun|/icn des /e/rus“ findet der Katechismus nur „uin­
ueise“ Auf solch schwachem Grund kö nnen keine absoluten Wahrheiten (zum Beispiel
das Dogma der Unfehlbarkeit) begrü ndet werden.
• Wenn Mt 16,18 von der Zukunft spricht, sind damit nicht die Nachfolger des Petrus ge­
meint. Petrus konnte noch etwa 36 Jahre lang fü r die Kirche Christi wirken
47
– genug, um
den Futur in Mt 16,18 zu erklä ren. Außerdem spricht der Katechismus ausdrü cklich von
„der lun|/icn des /e/rus a/s le/sençrund“, dem Fundament der Kirche. Das Fundament
wird aber nur einma/ gelegt, braucht also keine Nachfolger.
48
• Lk 22,32 ist ein Auftrag – keine Garantie. Dieser Bibelvers ist also ebenfalls ungeeignet,
die „Ü bertragbarkeit“ der Petrus-Vollmachten zu begrü nden.
45. Es ist unklar, ob Petrus jemals in Rom gewirkt hat.
„0ann rer/ie/ er sie und çinç an einen anderen or/“ (Apg 12,17) Das sind die letzten Worte
ü ber Petrus nach seiner wundersamen Befreiung aus dem Kerker des Herodes Antipas. In
45
Katholischer Erwachsenen-Katechismus, Deutsche Bischofskonferenz, 1985; Band 1, Seite 303
46
Es mü sste vielleicht noch geklä rt werden, was der Katechismus an dieser Stelle mit der „Petrusfunktion“ meint.
47
Jesus ist 4 v. Chr. geboren. Das in Mt 16,18 beschriebene Gesprä ch findet etwa 29 n. Chr. statt. Der Katechismus gibt den Tod des Petrus mit ca.
65 n. Chr. an. Also hatte Petrus noch etwa 36 Jahre vor sich.
48
Wenn Jesus seine Kirche auf dem Felsen Petrus gebaut hat, handelt es sich um die (damalige) Gegenwart. Wenn Jesus mit dem Futur die Nach folger
im Petrusamt meinte, dann wü rde das bedeuten, dass die Kirche nicht auf Petrus, sondern erst auf seinen Nachfolgern erbaut wurde.
l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/ ·ei/e 25
den ü brigen 16 Kapiteln der Apostelgeschichte wird Petrus mit keinem Wort mehr erwä hnt.
Es ü berrascht, dass Lukas (der Autor der Apostelgeschichte) ü ber den weiteren Weg des
Oberhaupts der Kirche nichts zu berichten weiß.
Auch Paulus ignoriert ihn: Im Rö merbrief – verfasst ca. 56 bis 58 n. Chr., also noch zu Leb­
zeiten des Petrus! – grü ßt er namentlich 23 Mitglieder der Gemeinde in Rom. Petrus, angeb­
lich Bischof von Rom und Oberhaupt der Kirche, nennt er nicht.
Erst Ende des zweiten Jahrhunderts, also mehr als hundert Jahre nach seinem vermuteten
Tod, bildet sich die Tradition heraus, die rö mische Gemeinde sei von Petrus und Paulus ge­
grü ndet worden. Fü r Paulus trifft das definitiv nicht zu, denn den Rö merbrief – den er
schrieb, bevor er zum ersten Mal nach Rom reiste –, richtet er an die dort bereits existie­
rende Gemeinde.
Der Altphilologe Otto Zwierlein schreibt:
„ls is/ c|en çe;eiç/ ucrden da/ der \er/asser des scçenann/en ers/en (/e­
mens|rie/es
49
den man am |es/en in die /a/re I29–I25 n (/r da/ier/ nic//s
rcn einem +u/en//a// des /e/rus in kcm uei/ und auc/ |eine lenn/nis /a/
rcn einer \er/c/çunç und dem 1ar/vrium des /e/rus und des /au/us un/er
\erc [… ]. 0ie \crs/e//unç da/ /e/rus nac/ kcm çe|cmmen sei sc/ein/ sic/
/r /es/ens in der +useinanderse/;unç mi/ den çncs/isc/en u re/i|ern en/ui­
c|e// ;u /a|en [… ], a/sc nic// rcr dem 2ei/raum I59–I51“
50
Auch wenn man davon ausgeht, dass Petrus in Rom wirkte: er war mit Sicherheit nicht Bi­
schof von Rom, denn dieses Amt oder etwas Vergleichbares gab es zu seinen Lebzeiten noch
nicht. Eine monarchisch-episkopale Leitung bildete sich in Rom frü hestens um das Jahr 130
heraus. Bis dahin wurden die Gemeinden kollegial durch mehrere Presbyter geleitet.
51
46. Die Pä pste sind keine Nachfolger des Petrus.
Der Papstprimat beruht auf der Annahme, dass die Pä pste Amtsnachfolger des ersten Bi­
schofs von Rom sind. Wenn Petrus aber nicht Bischof von Rom war, dann kö nnen sich die
spä teren rö mischen Bischö fe und Pä pste nicht als Nachfolger Petri bezeichnen.
52
47. Niemand dachte an eine Petrus-Nachfolge.
Als ich mit diesem Aufsatz fast fertig war, stieß ich im Internet auf das Buch „Geschichte des
pä pstlichen Primats“ des katholischen Kirchenhistorikers Prof. Dr. Klaus Schatz SJ (Frankfurt,
1990)
53
. Ich war sehr ü berrascht, als ich viele meiner Vorbehalte bestä tigt fand:
„0ie uei/ere lraçe c| |er ·imcn·/e/rus /inaus an ein |/ei|endes +m/ çe­
dac// is/ d r//e rein /is/crisc/ çes/e/// neça/ir ;u |ean/ucr/en sein a/sc in
der lraçes/e//unç· 0ac//e der /is/crisc/e /esus |ei der 8eau//raçunç des /e­
49
Der Erste Clemensbrief ist ein Brief von Clemens von Rom an die Gemeinde von Korinth. Der Brief, der nicht Bestandteil des Neuen Testaments ist,
wird immer wieder benutzt, um die Anwesenheit und den Tod des Petrus in Rom zu belegen.
50
Prof. Dr. Otto Zwierlein: „Petrus in Rom – Die literarischen Zeugnisse“ (2009). In diesem Buch weist der Autor nach, dass es die Martyrien von Pe ­
trus und Paulus nicht gegeben hat. http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Zwierlein
51
Quelle: siehe Fußnote 11.
52
Professor Karl Heinz Ohlig schreibt in „Das Papstamt und seine Geschichte“ (2006):
„\ie/es s/ric// da/ r dass die Iradi/icn |eide +/cs/e/ die mi///eruei/e a/s die uic//içs/en ça//en / r kcm ;u |eans/ruc/en der
Ienden; en/s/runçen is/ die 6emeinde der keic/s/au//s/ad/ mi/ den +n/ nçen des (/ris/en/ums ;u rer|inden und i/r scmi/ eine
|escndere c/ris//ic/e leçi/imi/ / ;u rer/ei/en /n/ic/ sind – /v/c/cçisc/ – auc/ andere uic//içe ·/ d/e rer/a/ren die sic/ mi/ der
8e/au//unç a/cs/c/isc/er 6r ndunç ein ueniç 6/an; und +u/cri/ / rersc/a//en uc///en |is /in ;u Irier dem ‚kcm des \crdens‘
das – a/s \ac/; ç/er – die 6e|eine des +/cs/e/s 1a///ias / r sic/ |eans/ruc//e“
http://www.phil.uni-sb.de/projekte/imprimatur/2005/imp050705.html
53
http://www.sankt-georgen.de/leseraum/schatz2-1.html
·ei/e 2( l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/
/rus an \ac//c/çer? war sic/ der \er/asser des 1a/// us·lrançe/iums a/sc
nac/ dem Icde des /e/rus |euu// da/ /e/rus und sein +u//raç ie/;/ in den
au/ i/n /c/çenden r misc/en 6emeinde/ei/ern /cr//e|/?“
„wenn uir uei/er /raçen c| sic/ die /r|irc/e nac/ dem Icd des /e/rus |euu//
uar da/ seine \c//mac// au/ den ie/;içen 8isc/c/ rcn kcm |erçeçançen is/
da/ a/sc der 6emeinde/ei/er rcn kcm ie/;/ \ac//c/çer /e/ri le/s der lirc/e
und dami/ Ir çer der \er/ei/unç nac/ 1/ I(I8// is/ dann mu/ diese lraçe
sc çes/e/// sic/er rernein/ uerden“
Der Autor nennt Grü nde fü r die Ü berzeugung, dass Petrus in Rom wirkte, dort zum Mä rtyrer
wurde und begraben worden ist, und schreibt weiter:
„lcn|re/e +ns/r c/e im ·inne eines /rima/s |er die çan;e lirc/e uerden ie­
dcc/ aus dieser |er;euçunç nic// a|çe/ei/e/ u //e man einen (/ris/en um
I99 299 cder auc/ )99 çe/raç/ c| der 8isc/c/ rcn kcm o|er/au// a//er (/ris­
/en is/ c| es einen c|ers/en 8isc/c/ çi|/ der |er den anderen 8isc/ /en s/e//
und in lraçen die die çan;e lirc/e |er /ren das /e/;/e wcr/ /a/ dann / //e
er sic/er mi/ \ein çean/ucr/e/“
Damit argumentiert Prof. Dr. Klaus Schatz SJ ganz in meinem Sinne – er kommt aber ü ber­
raschender Weise zum umgekehrten Ergebnis:
„+|er is/ diese lraçe ric//iç çes/e///? 1u/ nic// die +n/ucr/ neça/ir /au/en
uenn man mi/ dem kas/er unserer mcdernen en/uic|e//en /rima/s/e/re und
çar des I \a/i|anums an die ers/en /a/r/under/e /erançe//? /s/ es nic// un­
/is/crisc/ sc ;u /raçen? /nd is/ darum die se/|s/rers/ nd/ic/ neça/ire +n/­
ucr/ au/ die sc çes/e///e lraçe sc/cn eine neça/ire \cren/sc/eidunç / r die
//ec/cçisc/ çemein/e ·ac/e?“
Mir wird nicht klar, was genau „die theologisch gemeinte Sache“ sein soll. Doch er schreibt in
der Einfü hrung:
„0ieser /rima/ is/ dami/ / r das |a//c/isc/e lirc/en|euu//sein ein ·/ru|/ur­
e/emen/ das im |umenisc/en 6es/r c/ nic// ;ur 0is/csi/icn s/e// und c/ne
das eine rc//e lirc/ençemeinsc/a// nic// m ç/ic/ is/ 0enn er is/ nac/ |a//c­
/isc/er |er;euçunç uie diese in dem çenann/en lcn;i/ i/re /e/ram//ic/e
·an|/icnierunç er/a/ren /a/ im wi//en (/ris/i und im /e/rus des \euen Ies/a­
men/s çrundçe/eç/“
Also geht der Klaus Schatz davon aus, dass der Primat „im wi//en (/ris/i und im /e/rus des
\euen Ies/amen/s çrundçe/eç/“ ist, obwohl Jesus, Petrus, die Urkirche, der Verfasser des Mat­
thä us-Evangeliums und die Christen der ersten Jahrhunderte sicher nicht an einen Petrus-
Nachfolger dachten. Eine Erklä rung dafü r habe ich in seiner „Geschichte des pä pstlichen Pri­
mats“ nicht gefunden.
54
Es mag sein, dass Prof. Schatz die theologische Begrü ndung fü r den Papstprimat woanders
findet. Dann stellt sich aber die Frage, warum die Kirche im Katechismus, im (cdex /uris
(ancnici in Konzilstexten usw. durchweg nur auf die drei Bibelstellen verweist, die eigent­
lichen Grü nde aber nicht nennt.
54
Was nicht heißen soll, dass sie dort nicht steht.
l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/ ·ei/e 27
Selbst wenn man der Lehre der Kirche folgt, dass Jesus Petrus die Unfehlbarkeit zugespro­
chen hat und dass er nicht nur Petrus, sondern alle seine Nachfolger meinte (die Gegenargu­
mente habe ich bereits genannt), darf man bezweifeln, dass die Pä pste in Glaubens- und Sit­
tenfragen unfehlbar sind. Das ist ein weites Thema; ich will hier nur kurz darauf eingehen.
48. Erst 1871 erklä rte die Kirche den Papst als unfehlbar.
Die Bischö fe von Rom beanspruchten zwar schon recht frü h die ln/sc/eidunçsçeua// in
Glaubensfragen, aber erst 1870 definierte die Kirche, dass bestimmte Entscheidungen un­
/e//|ar seien.
55
Unbekannt ist, welche frü heren Lehraussagen als unfehlbar zu gelten haben. Im Vorwort des
theologischen Standardwerks „Der Glaube der Kirche“
56
heißt es:
„1a/çe|end / r die |indende lra// einer le/ren/sc/eidunç is/ immer der wi/­
/e der lirc/e scuei/ er in der /r|unde ausçedr c|/ is/ \ic// immer / // sic/
da/er die lraçe nac/ dem dcçma/isc/en wer/ çan; eindeu/iç |ean/ucr/en ls
çi// /ier die +|sic// des |irc//ic/en kec//s|uc/es· wc die +|sic// der lirc/e
endç //iç ;u |inden nic// |/ar ausçes/rcc/en is/ da /a/ man auc/ |ein
kec// rcn einer un/e//|aren ln/sc/eidunç ;u s/rec/en“
Gleich darauf heißt es aber:
„/n der rcr/ieçenden 2usammens/e//unç sind die un/e//|aren ln/sc/eidunçen
mi/ /e//çedruc|/en kand;a//en |e/eç/“
57
Ein großer Teil
58
der 940 im Buch aufgefü hrten Lehrentscheidungen hat fett gedruckte Rand­
zahlen, gilt also als unfehlbar. Es handelt sich aber fast ausschließlich um „negative“ Aussagen
– also um Entscheidungen darü ber, welche Lehraussagen von Hä retikern /a/sc/ sind. So
heißt es zum Beispiel unter der Nummer 746 (fett gedruckt):
„wer saç/ l/eançe/eçen/ei/en çe/ r/en nic// rcr den |irc//ic/en kic//er
der sei ausçesc//cssen“
59
Dieser Lehrsatz der Allgemeinen Kirchenversammlung zu Trient (1563) ist gegen die Refor­
matoren gerichtet, die das siebente Sakrament nicht anerkannten.
Trotz langwieriger Recherche im Internet konnte ich nicht feststellen, welche „positiven“
Lehraussagen unfehlbar und verbindlich sind. Manche Quellen sprechen von maximal zehn
bis zwanzig unfehlbaren Lehraussagen, ohne sie aber zu nennen.
60
Es scheint, als sei sich die
Kirche in dieser Frage selbst nicht einig:
55
Fast der ganze deutsch-ö sterreichische Episkopat war gegen die Verabschiedung des Unfehlbarkeitsdogmas.
http://de.wikipedia.org/wiki/Erstes_Vatikanisches_Konzil
56
Neuner/Roos/Rahner/Weger: „Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkü ndigung“, 1971, Regensburg, 13. Auflage
„Der Glaube der Kirche“ ist eine Sammlung kirchlicher Lehraussagen. Dieses theologische Standardwerk ä hnelt in Inhalt und Zweck dem „Enchiri­
dion Symbolorum“ (siehe Fußnote 3), ist aber nicht chronologisch, sondern thematisch sortiert.
57
Wenn das stimmt, bin ich verloren. Im Buch „Der Glaube der Kirche“ steht nä mlich, die Kirche lehre mit dem Anspruch der Unfehlbarkeit: „wer
nic// die çan;e |irc//ic/e |er/ie/erunç annimm/ die çesc/rie|ene uie die unçesc/rie|ene der sei ausçesc//cssen“ (Nr. 85) Der Bann trennt
mich nicht nur von der Kirche, sondern auch von Gott, und fü hrt zum Ausschluss vom Heil, denn „au/er i/r [= außerhalb der Kirche] uird |ei­
ner çere//e/“ (Nr. 375) Immerhin befinde ich mich in guter Gesellschaft mit Dietrich Bonhoeffer (Lutheraner), Martin Luther King (Anglikaner),
Frè re Roger (Reformierter), Mahatma Gandhi (Hindu), Martin Buber (Jude) und dem Dalai Lama (Buddhist), die – nur weil sie nicht katholisch
sind – ebenfalls nicht gerettet werden kö nnen, denn: „0em r misc/en /a/s/ sic/ ;u un/eruer/en is/ / r a//e 1ensc/en un|edinç/ ;um uei/e nc/ ­
uendiç“. (Nr. 430) Ich mache mir aber keine Sorgen, denn ich weiß (und hier wird mir auch Papst Benedikt uneingeschrä nkt zustimmen), dass Je­
sus ein grö ßeres Herz hat als alle Pä pste zusammen.
58
Ich habe die fett gedruckten Ziffern nicht gezä hlt; das Buch hat ü ber 600 Seiten.
59
Neuner/Roos/Rahner/Weger: „Der Glaube der Kirche“, Seite 474
60
http://de.wikipedia.org/wiki/Dogma
·ei/e 28 l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/
49. Die Kirche sagt nicht, welche Lehren vor 1870 unfehlbar sind.
Die Lehre der Kirche hat sich im Laufe der Zeit immer wieder geä ndert, am deutlichsten wur­
de das beim Zweiten Vatikanischen Konzil. Viele Konzilsaussagen stehen im Widerspruch zu
frü heren Lehraussagen. Wenn diese frü heren Lehraussagen von den damaligen Pä psten ex
ca//edra verkü ndet wurden, lä sst das nur zwei Schlü sse zu:
Entweder verkü ndete das Zweite Vatikanische Konzil Irrlehren
61
oder es gibt keine Unfehlbarkeit.
Die Kirche umgeht dieses Dilemma, indem sie Lehren, die im Widerspruch zu spä teren Re­
formen stehen, als „nicht unfehlbar“ bezeichnet. Das ist leicht mö glich, weil die formalen
Vorschriften fü r die Verkü ndigung unfehlbarer Lehraussagen erst vom Ersten Vatikanischen
Konzil festgelegt wurden.
In manchen Fä llen hat es die Kirche aber schwerer:
50. „Dignitatis humanae“ widerspricht „Quanta cura“
Papst Pius IX. bezeichnet 1864 (nur wenige Jahre, bevor er das Dogma der pä pstlichen Un­
fehlbarkeit verkü ndete) in der Enzyklika (uan/a cura
62
die Gewissens- und Religionsfreiheit
als „Wahnsinn“:
„\cn dieser a|sc/u/ /a/sc/en \crs/e//unç |er die keçierunç des ·/aa/es sc/eu­
en sie sic/ nic// die irriçe 1einunç ;u |eç ns/içen ue/c/e / r die |a//c/isc/e
lirc/e und das uei/ der ·ee/en im / c/s/en 6rad ;um /n/erçanç / /r/ die |e­
rei/s /nser unmi//e/|arer \crç nçer se/içen +nden|ens 6reçcr \\/ a/s wa/n­
sinn |e;eic/ne/ /a/ und ;uar die 6euissens· und ke/içicns/rei/ei/ sei das ei­
çene kec// eines ieden 1ensc/en“
Als unfehlbar gilt eine dogmatische Aussage, die mit der Formel „definimus e/ dec/aramus“
(„Wir definieren und erklä ren“) oder einer vergleichbaren Formulierung eingeleitet wird. Der
katholische Theologe und Dogmatiker Mathias Joseph Scheeben (1835–1888) schreibt im
„Handbuch der katholischen Dogmatik“ ü ber die Einleitung zu (uan/a cura, dass sie genau
der Struktur entspricht, die das Erste Vatikanische Konzil fü r ex ca//edra-Entscheidungen
vorgesehen hatte:
„line der çeçenu r/içen 0efini/icn /as/ u r//ic/ en/s/rec/enden lassunç
finde/ sic/ in der lncvc/ica ‚(uan/a cura‘ rcm 8 0e;I8(1“
63
Und der katholische Kirchenhistoriker Josef Kardinal Hergenrö ther (1824–1890) schreibt in
dem von ihm begonnenen Kirchenlexikon
64
:
„8e/re//s der eru /n/en I( in der lncv|/ica se/|s/ ançe/ /r/en · /;e |ann
|ein 2uei/e/ |es/e/en da/ es sic/ |ei i/nen um eine \eruer/unç |ra// der
un/e//|aren / c/s/en / /s//ic/en le/rçeua// /ande//· die/ çe// |/ar aus der
\eruer/unçs/crme/ /errcr“
65
Mit der Formulierung von der „a|sc/u/ [!] /a/sc/en \crs/e//unç“ ü ber die Gewissens- und
Religionsfreiheit des Menschen macht auch Pius IX. selbst deutlich, dass es sich hier nicht um
eine „relative“ Aussage handelt.
61
Davon ist zum Beispiel die „Priesterbruderschaft St. Pius X.“ (FSSPX) ü berzeugt. http://de.wikipedia.org/wiki/Priesterbruderschaft_St._Pius_X.
62
http://www.domus-ecclesiae.de/magisterium/quanta-cura.teutonice.html
63
M.J. Scheeben, Handbuch der katholischen Dogmatik I, Freiburg i. Br. 1873 (Unverä nderter Neudruck 1925), 224
64
Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon XI, verö ffentlicht in 1886, Herder (Freiburg im Breisgau [etc.], St. Louis, Mo)
65
Beide Zitate fand ich in der sehr lesenswerten Schrift „Dignitatis humanae und Quanta cura – Die Verurteilung der Religionsfreiheit vor dem Zwei­
ten Vatikanischen Konzil“ von Prof. Reinhold Sebott SJ; http://www.sankt-georgen.de/leseraum/sebott3.pdf
l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/ ·ei/e 29
Also kann man davon ausgehen, dass es sich bei (uan/a cura um eine Lehraussage ex ca//e­
dra handelt. Die Verdammung der Gewissens- und Religionsfreiheit wä re demnach unfehlba­
re Lehre.
66
Das steht aber im Widerspruch zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Denn das ver­
kü ndete in 0içni/a/is /umanae (1965):
„0as \a/i|anisc/e lcn;i/ er|/ r/ da/ die mensc//ic/e /erscn das kec// au/
re/içi se lrei/ei/ /a/“
67
51. Pä pste kö nnen auch in Glaubensfragen irren
Bischof Joseph Georg Strossmayer zä hlte in seiner Rede vor dem Ersten Vatikanischen Konzil
weitere Widersprü che und Irrtü mer der Pä pste auf:
68
„/a/s/ \i|/cr (I92i |i//iç/e ;uers/ den 1cn/anismus und nac//er rerdamm/e
er i/n
1arce//inus (29(–)9)i uar ein 6 /;endiener lr çinç in den Iem/e/ der \es/a
und |rac//e wei/rauc/ dieser 6 //in dar ·ie uerden saçen dies uar ein +|/
rcn ·c/u c/e a|er ic/ an/ucr/e ein ·/e//rer/re/er (/ris/i s/ir|/ uird a|er
|ein +|/ //içer
li|erius ()58i s/imm/e der \erdammunç des +//anasius ;u und |e|ann/e
sic/ ;um +rianismus dami/ er rcn seiner \er|annunç ;ur c|çeru/en und
uieder in sein +m/ einçese/;/ u rde
ucncrius ((25i uar ein +n/ nçer des 1cnc//e/e/ismus· \a/er 6ra/rv /a/ es
auçen/ //iç |euiesen
6reçcr / (578–99i /ei// /eden den +n/ic/ris/en ue/c/er sic/ a/s a//çemeinen
8isc/c/ /i/u/iren / //· und umçe|e/r/ 8cni/a;ius /// ((97–(98i reran/a//e
den ra/erm rderisc/en laiser //ccas da/ er diesen Ii/e/ i/m rer/ie/
/asca/ // (I988–I999i und luçenius /// (II15–II5)i au/crisir/en das 0ue//
u /rend /u/ius // (I599i und /ius /\ (I5(9i es rer|c/en
luçenius /\ (I1)I–)9i /ie/ das 8ase/er lcn;i/ und die le/c/rer/ei/unç an
die | /misc/e lirc/e çu/ u /rend /ius // (I158i diese lcn;essicn uiderrie/
uadrian // (8(7–872i er|/ r/e | rçer/ic/e ueira//en / r ç //iç· a|er /ius \//
(I899–2)i rerdamm/e sie
·ix/us \ (I585–99i rer //en//ic//e eine +usça|e der 8i|e/ und em//a// durc/
eine 8u//e deren lesunç /ius \// rerdamm/e das lesen derse/|en [… ]
+|er uarum |/ic|en uir /in au/ sc /erne 8eueise? ua/ nic// unser /ier çeçen­
u r/içer /ei/içer \a/er in seiner 8u//e ue/c/e dieses lcn;i/ reçe//e im la// sei­
nes Icdes (u /rend der ·i/;unçen dieses lcn;i/si +//es uiderru/en uas in rer­
çançener 2ei/ demse/|en en/çeçens/e// se/|s/ uenn es rcn der ln/sc/eidunç
seiner \crç nçer ausçeçançen is/? /nd çeui/ uenn /ius /\ ex ca//edra çe­
s/rcc/en /a/ sc is/ es nic// a/s uenn er rcn der Iie/e seines 6ra|es seinen
wi//en den lirc/en|e/errsc/ern au/er/eç/ [… ]
„/c/ u rde nie /er/iç uerden rere/r/e 8r der uenn ic/ //nen die widers/r ­
c/e der / /s/e und i/re le/re auseinanderse/;en uc///e wenn ·ie a/sc die /n­
/e//|ar|ei/ des çeçenu r/içen /a/s/es rer| ndiçen sc m ssen ·ie en/ueder
66
Auch davon ist die „Priesterbruderschaft St. Pius X.“ ü berzeugt.
67
http://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/documents/vat-ii_decl_19651207_dignitatis-humanae_ge.html
68
„Rede Des Bischofs Stroßmayer Ü ber Die Unfehlbarkeit des Papstes“, Kö ln 1872; http://anglicanhistory.org/oc/strossmayer_rede.pdf
·ei/e )9 l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/
|eueisen (uas unm ç/ic/ is/i da/ die / /s/e nie sic/ uiders/rcc/en /a|en
cder ·ie m ssen er|/ ren da/ der /ei/içe 6eis/ es //nen çec//en|ar/ /a/ da/
die /n/e//|ar|ei/ des /a/s///ums sic/ nur rcn I879 da/ir/ ua|en ·ie die
l /n/ei/ dies ;u //un?“
52. Die Pä pste haben das Geschenk Gottes nicht angenommen.
1870 verkü ndete die Kirche das Dogma der Unfehlbarkeit. Spä testens seit diesem Zeitpunkt
steht fest, dass die Kirche (durch den Papst oder die Gemeinschaft der Bischö fe) in der Lage
ist, den eindeutigen und unverfä lschten Willen Christi zu lehren. Einzige Voraussetzung: Die
Unfehlbarkeit der Lehraussage muss ausdrü cklich genannt sein (siehe Nr. 50).
Seither sind nur zwei ex ca//edra-Lehren verkü ndet worden: das Dogma der Unfehlbarkeit
selbst und die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel – 1950 unter Pius XII. Sein Nach­
folger, Johannes XXIII., verkü ndete gleich zu Beginn seiner Amtszeit, er beabsichtige nicht,
vom Dogma der Unfehlbarkeit weiteren Gebrauch zu machen.
69
Auch seine vier Nachfolger
haben sich nie ex ca//edra geä ußert.
Es ist unerklä rlich, warum sich die Kirche nicht ö fter auf den eindeutigen und unverfä lschten
Willen Christi beruft. Es gibt viele Themen, die die Kirche heute bewegen, zum Beispiel:
• Pflichtzö libat, • Homosexualitä t, • Ehescheidung, • Schwangerschaftsverhü tung,
• Schwangerschaftskonfliktberatung, • Befreiungstheologie, • Interkommunion, • Priester­
weihe fü r Frauen, • die Rolle der Laien in der Kirche.
Zu allen diesen Themen gibt es eindeutige Lehraussagen. Sie haben aber nicht den Anspruch
der Unfehlbarkeit, sondern kö nnen genauso revidiert werden wie andere Lehren (zum Bei­
spiel zu Kreuzzü gen, Inquisition, Ablasshandel, zum kopernikanischen Weltbild usw.).
Sinn dogmatischer Definitionen sei es, „in einer a|/ue// /e//iç ums/ri//enen 6/au|ens/raçe
eine rer|ind/ic/e ln/sc/eidunç /er|ei;u/ /ren“
69
Es wü rde der Kirche und den Glä ubigen
sehr helfen, wenn die oben genannten Streitpunkte durch eine unfehlbare Aussage geklä rt
werden wü rden. Es stellt sich die Frage, ob die Pä pste der von Gott geschenkten Vollmacht
nicht trauen.
69
http://de.wikipedia.org/wiki/Unfehlbarkeit
l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/ ·ei/e )I
Wie ist das Papsttum entstanden?
53. Das Papsttum hat sich im Laufe vieler Jahrhunderte entwickelt.
Die rö misch-katholische Kirche betrachtet sich mit der Urkirche in ununterbrochener Kon­
tinuitä t stehend.
70
Das ist nicht richtig. Kirche und Papsttum haben sich ü ber mehrere Jahr­
hunderte entwickelt; sie haben sich in dieser Zeit fundamental verä ndert:
54. Die frü hkirchlichen Gemeinden wurden durch Ä lteste geleitet.
Die Begriffe Ä ltester (/res|v/ercs), Bischof (e/is|c/cs) und Diakon (dia|cncs = Diener) be­
zeichnen im Neuen Testament eine Fü hrungsfunktion in der lokalen Gemeinde; sie werden
ohne Rangunterschied und uneinheitlich verwendet. Die Kompetenzen, Aufgaben und das
Einsetzungsverfahren (Weihe) sind noch nicht festgelegt.
Erst im zweiten Jahrhundert wird die kollegiale Leitung durch Gemeindeä lteste allmä hlich
durch eine Bischofskirche mit einem Bischof an der Spitze abgelö st.
55. Die Kirche teilt sich in fü nf gleichberechtigte Patriarchate auf.
In der Frü hzeit der Kirche bildeten sich, der rö mischen Verwaltungsstruktur entsprechend,
fü nf Patriarchate heraus. Das rö mische Patriarchat deckte dabei das gesamte Gebiet des West­
rö mischen Reiches ab.
Die frü he Kirche hat dem Patriarchat von Rom gegenü ber den anderen Patriarchaten ein Eh­
renprimat oder „Primat der Liebe“ zugestanden – eine Ehrenstellung im Sinne eines /rimus
in/er /ares („Erster unter Gleichen“), die aber weder einen qualitativ hö heren Rang umfasste
noch das Recht, ungefragt in die inneren Angelegenheiten anderer Patriarchate einzugreifen.
56. Die „Petrusverheißung“ spielt ü ber Jahrhunderte keine Rolle.
Die Petrusverheißung (Mt 16,18) wird in der ganzen christlichen Literatur der ersten Jahr­
hunderte nur einmal zitiert: bei Tertullian
71
, der die Stelle aber nur auf Petrus, nicht auf Rom
bezieht.
72
Als dominierende Zentralidee der kirchlichen Stellung Roms wird die Petrusverheißung erst
seit dem Ende des 4. Jahrhunderts genannt.
73
57. Das Konzil von Nicä a lehnt eine Vorrangstellung des Bischofs von Rom ab.
Das vom rö mischen Kaiser Konstantin
74
einberufene Konzil von Nicä a (325) beschließt die
sogenannte „Metropolitanverfassung“, die den Bischö fen von Alexandria, Rom, Antiochien
und den anderen Exarchien ausdrü cklich ihre Vorrechte garantiert:
„0ie a//e ·i//e sc// in çv//en li|ven und /en/a/c/is 8es/and /a//en dass der
8isc/c/ rcn +/exandria |er dies a//es die o|erçeua// inne /a/ da auc/ dem
70
http://de.wikipedia.org/wiki/Katholische_Kirche
71
Quintus Septimius Florens Tertullianus (150 bis ca. 230) war ein frü her christlicher Schriftsteller.
72
http://de.wikipedia.org/wiki/Papst-Primat
73
Prof. Dr. Klaus Schatz SJ in seinem Vortrag „Historische Erfahrungen mit dem pä pstlichen Primat“ (undatiert)
74
Konstantin war zu dieser Zeit noch kein Christ. Er „/a//e sei/ e/ua )I) (Ic/eran;edi|/ rcn 1ai/andi das (/ris/en/um /riri/eçier/ lcns/an/in er ­
/c///e sic/ uc// rcm (/ris/en/um eine s/a|i/isierende wir|unç / r die e|en ers/ uiederçeucnnene lin/ei/ des k misc/en keic/es 0iese r /|er ­
rer|indende lun|/icn uar durc/ den arianisc/en ·/rei/ çe/ /rde/ line ·/a//unç der lirc/e drc//e 0a das /rc|/em rcn der lirc/e a//ein nic//
çe/ s/ uerden |cnn/e dr nç/e der laiser au/ eine 8eendiçunç des ·/rei/es“ http://de.wikipedia.org/wiki/Erstes_Konzil_von_Nicä a
·ei/e )2 l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/
8isc/c/ rcn kcm dies ;u|cmm/ +u/ ç/eic/e weise sc//en scuc// der lirc/e rcn
+n/icc/ien a/s auc/ den anderen lxarc/ien den lirc/en i/re \crrec//e çe­
ua/r/ |/ei|en“
75
58. Die „Konstantinische Schenkung“ ist eine Fä lschung der Kirche.
Bei der Konstantinischen Schenkung ((cns/i/u/um (cns/an/ini oder 0cna/ic (cns/an/inii
handelt es sich um eine Urkunde, die angeblich um 315/317 vom rö mischen Kaiser Konstan­
tin I. († 337) ausgestellt wurde.
„[Darin] /a|e lcns/an/in dem r misc/en 8isc/c/ den \crranç |er a//e ande­
ren lirc/en d/ |er die /a/riarc/a/e rcn lcns/an/inc/e/ +n/icc/ia +/exan­
dria und /erusa/em rer/ie/en +u/erdem |e|am der /a/s/ die |aiser/ic/en /n­
siçnien und \crrec//e rer/ie/en (das 0iadem den /ur/urman/e/ das 2e//er
und das /rc;essicnsrec//i ·c//ie//ic/ uurde i/m auc/ die uerrsc/a// |er
çan; //a/ien und den çesam/en wes/en |er/assen lcns/an/in |er/ ss/ i/m
auc/ den la/eran/a/as/ und /eis/e/ a/s 2eic/en der /n/eru rfiç|ei/ den ·/ra­
/crdiens/ d/ den ri/ue//en 0iens/ eines ·/a//|nec//s indem er das / /s//ic/e
//erd / /r/ lr rer/eç/ seinen keçierunçssi/; rcn kcm nac/ lcns/an/inc/e/
und ·i/res/er /ri// die uerrsc/a// |er den çesam/en wes/en das +|end/and
an
0as çe/ /sc//e 0c|umen/ |eçr nde/ scmi/ den +ns/ruc/ der r misc/en lirc/e
au/ l ndereien und die weisunçs|e/uçnis |er a//e anderen or/s|irc/en und
rer/ei// dem /a/s/ einen kanç der dem |aiser/ic/en rerç/eic/|ar is/“
76
Die wohl grö ßte Rolle in der Kirchengeschichte spielte das Dokument beim Streit zwischen
der West- und Ostkirche Mitte des 11. Jahrhunderts. Der Vertreter der rö mischen Kirche nutz­
te das (cns/i/u/um, um das Patriarchat Rom auf- und Konstantinopel abzuwerten. Der Streit
– bei dem es ursprü nglich nur um liturgische Fragen ging – eskalierte immer weiter und
fü hrte schließlich zum bis heute andauernden Schisma (1054). Im 15. Jahrhundert wiesen
Gelehrte nach, dass es sich bei dem Dokument um eine Fä lschung aus dem 8. oder 9. Jahr­
hundert handelt.
„·ei/ dem /r /en I7 /a/r/under/ rer/ra/ die |a//c/isc/e lirc/e die +u//as­
sunç die /r|unde sei ;uar çe/ /sc// dcc/ /a|e es uir|/ic/ eine ·c/en|unç
lcns/an/ins çeçe|en und die l /sc/unç sei rcn den 6riec/en |eçançen ucr­
den a/sc nic// im 0iens/ des /a/s//ums lrs/ im I9 /a/r/under/ /a/ der |a­
//c/isc/e 6e/e/r/e /çna; 0 //inçer nac/çeuiesen dass die 8e/au//unç eines
çriec/isc/en /rs/runçs und nac//r ç/ic/er |erse/;unç ins la/einisc/e /a//­
/cs is/ 0er \a/i|an /a/ im se/|en /a/r/under/ die l /sc/unç einçes/anden“
77
59. Die nordafrikanische Kirche behielt ihre eigene Jurisdiktion.
Zosimus (Bischof von Rom 417–418) und Coelestin I. (Bischof von Rom 422–432) hatten
Schwierigkeiten mit der nordafrikanischen Kirche, die Entscheidungen der rö mischen Kirche
nicht anerkennen wollte. (Es ging hauptsä chlich um die Absetzung des Presbyters Apiarius
und die Verurteilung des Pelagius.) Coelestin versuchte, das Appellationsrecht afrikanischer
Kleriker durchzusetzen, d.h. Rom sollte Berufungsinstanz fü r causae maicres sein. Die nord­
afrikanische Kirche beharrte jedoch in beiden Fä llen auf der eigenen Jurisdiktion.
75
http://de.wikipedia.org/wiki/Patriarchat_(Kirche)
76
Beide Zitate in diesem Absatz aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Konstantinische_Schenkung
77
Fü nf Jahre spä ter wurde der Kirchenhistoriker und Theologe Dr. Ignaz Dö llinger exkommuniziert.
l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/ ·ei/e ))
Erst mit der Eroberung der rö mischen Provinz Africa durch die Vandalen im Jahr 429 endete
diese Selbstä ndigkeit.
60. Der Hl. Augustinus weiß nichts von einem Jurisdiktionsprimat Roms.
Bonifatius I. (Bischof von Rom 418–422) verbot Mitgliedern anderer Patriarchate weitere
Appellationen, wenn Rom eine Entscheidung getroffen hat (siehe Nr. 59). Er nannte Rom
a/cs/c/icum cu/men („apostolische Spitze“). Hingegen war fü r seinen Zeitgenossen, den in
Nordafrika
78
lebenden Kirchenlehrer Augustinus (354–430), ebenso wie fü r die ü brige dama­
lige (nichtrö mische) Kirche, das Konzil die hö chste Instanz.
61. Das Konzil von Chalcedon gewä hrt Rom nur einen „Ehrenvorrang“
Das Konzil von Chalcedon (Viertes Ö kumenisches Konzil, 451) teilte die Kirche in fü nf Patri­
archate auf: Rom und Konstantinopel
79
gleichberechtigt mit einem gewissen Vorrang vor
Alexandrien, Antiochien und Jerusalem:
„0em ·i/; des +//en kcm ça|en die \ /er çe| /renderueise den \crranç da es
die laisers/ad/ uar 0iesem /m/u/s /c/çend rer/ie/en die I59 çc//çe/ //içen 8i­
sc/ /e auc/ dem /cc//ei/içen ·i/; rcn \eu·kcm [Konstantinopel] den ç/eic/en
\crranç da sie in rec//er weise /c/çer/en dass die ·/ad/ ue/c/e die l/re er­
/ie// ·/ad/ des laisers und der keçierunç ;u sein und die ç/eic/en \cr; çe |e­
si/;/ uie das +//e kcm auc/ in |irc//ic/en +nçe/eçen/ei/en ç/eic/ ienem er/ //
ucrden sei und nac/ i/m der ;uei/e [Sitz] sei“
80
Der Primat des Rö mischen Bischofs wurde also nicht von der Sukzession dieses Bischofs
vom Apostel Petrus her verstanden, sondern auf Grund der politischen Bedeutung Roms als
Hauptstadt des Reiches. Ebenso ergab sich die Vorrangstellung des Sitzes von Konstantinopel
nicht aus seinem Alter (die Sitze von Jerusalem, Alexandrien und Antiochien waren ä lter)
und nicht aus irgendwelchen anderen kirchlichen Begrü ndungen, sondern einzig aus der po­
litischen Bedeutung Konstantinopels als „Stadt des Kaisers und der Regierung“.
81
62. Der Begriff papa („Papst“) wird erst von Gregor I. offiziell eingefü hrt.
Der Titel „Papst“ (vom lateinischen /a/a = Vater) war ursprü nglich eine allgemeine Ehren­
bezeichnung fü r Kirchenmä nner und Patriarchen. Siricius († 399) war der erste Bischof von
Rom, der den Titel „Papst“ als Eigentitel fü hrte. Aber erst Gregor der Große (Bischof von
Rom 590–604) schrieb den Begriff „Papst“ als ausschließliche Amtsbezeichnung fü r den Bi­
schof von Rom gesetzlich fest.
82
63. Noch 879 gilt die Jurisdiktion des Papstes nur fü r den Westen.
Beim gesamtkirchlichen Konzil von 879 in Konstantinopel wird bestä tigt, dass die Jurisdik­
tion fü r die gesamte Westkirche (die rö mische Kirche) gilt – fü r die ü brigen Patriarchate wird
sie klar abgelehnt. Dort hat der Bischof von Rom weiterhin nur das „Ehrenprimat“.
78
Er lebte in der Kü stenstadt Hippo, heute Annaba, im ä ußersten Nordosten Algeriens.
79
Wegen der zunehmenden Bedeutung des ö stlichen Teils des Rö mischen Reiches grü ndete der rö mische Kaiser Konstantin I. im Jahr 330 die neue
Residenzstadt Konstantinopel am Bosporus (heute: Istanbul). Das „alte Rom“ verlor danach rasch an politischer Bedeutung.
80
Kanon 28 des Konzils von Chalcedon
81
Aus dem Vortrag des orthodoxen Bischof Hilarion „Primat und Katholizitä t in der Orthodoxen Tradition“, gehalten auf der Tagung der Theolo­
gischen Kommission der Schweizer Bischofskonferenz, Basel, 24. Januar 2005; http://orthodoxeurope.org/page/14/57.aspx
82
Aus diesem Grund habe ich seine Vorgä nger nicht als „Papst“ bezeichnet, sondern unter dem korrekten Titel „Bischof von Rom“ gefü hrt.
·ei/e )1 l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/
Wie sieht die Kirche heute aus?
64. Die katholische Kirche ist nicht die eine Kirche, als die sie sich darstellt.
Innerhalb der Westkirche stellt sich die katholische Kirche stellt sich oft als die eine „Mutter­
kirche“ dar. Dieser Eindruck tä uscht. Sie besteht aus sehr vielen Teilkirchen, die ganz unter­
schiedliche Riten, Ä mter und Strukturen haben.
65. Wenn von „katholisch“ die Rede ist, ist meistens „lateinisch“ gemeint.
Im westlichen Sprachgebrauch wird fast immer der Begriff „katholische Kirche“ oder
„rö misch-katholische Kirche“ verwendet, wenn eigentlich „lateinische Kirche“ (genauer:
„katholische Kirche im lateinischen Ritus“) oder „rö mische Kirche“ gemeint ist.
83
Denn zur
(rö misch-)katholischen Kirche gehö ren auch die der Ostkirche entstammenden unierten
Kirchen.
„\ie/es rcn dem uas çemein/in a/s ‚/v/isc/ |a//c/isc/‘ ançese/en uird sc der
/ries/er/ic/e 2 /i|a/ die dire|/e lrnennunç rcn 8isc/ /en durc/ den /a/s/ und
;a//reic/e liçen/ei/en der li/urçie und des lirc/enrec//s /ri/// in wir|/ic/|ei/
nur au/ die /a/einisc/e lirc/e ;u 0ie meis/en |a//c/isc/en Iei/|irc/en s//ic/er
/r çunç er/au|en daçeçen |eis/ie/sueise die wei/e rer/eira/e/er 1 nner ;u
/ries/ern u //en in rie/en l //en i/re eiçenen 8isc/ /e die rcm /a/s/ nur |e­
s/ /iç/ uerden und /e/nen sic/ in i/rem |irc//ic/en und /i/urçisc/en le|en
auc/ scns/ enç an die Iradi/icn i/rer cr//cdcxen uer|un//s|irc/en an“
84
Auch der (cdex /uris (ancnici (Codex des kanonischen Rechtes, das Gesetzbuch der katho­
lischen Kirche) gilt nur fü r die lateinische Kirche.
Sie entwickelte sich aus dem Patriarchat von Rom (siehe Nr. 55) und stellt nur eine Teilkirche
innerhalb der Gesamtkirche dar. Sie wird auch Westkirche genannt, weil es im Ursprung das
gesamte Gebiet des Weströ mischen Reichs abdeckte. Die Ostkirche entwickelte sich aus dem
Patriarchat von Konstantinopel. Die Patriarchate von Alexandrien, Antiochien und Jerusalem
verloren spä ter an Bedeutung; die aus ihr hervorgegangenen Kirchen werden heute zur Ost­
kirche gezä hlt.
Ost- und Westkirche trennten sich 1054 (Morgenlä ndisches Schisma)
85
. Von fast allen ost­
kirchlichen Patriarchaten gibt es „unierte“ Zweige; die sich im Laufe der Geschichte von ihrer
Mutterkirche gelö st und wieder an Rom angenä hert haben. Sie erkennen den Papst als Ober­
haupt der Weltkirche an, feiern aber den Gottesdienst nach eigenen Riten und stehen in ihrer
Tradition und Hierarchie den orthodoxen Mutterkirchen nahe.
Folgende Kirchen gehö ren – wie die lateinische Kirche – zur katholischen Weltkirche:
83
In Deutschland ist die Bezeichnung „katholisch“ namensrechtlich geschü tzt und darf ohne unterscheidenden Zusatz als Bezeichnung nur fü r Ein­
richtungen und Veranstaltungen der rö misch-katholischen Kirche benutzt werden. http://de.wikipedia.org/wiki/Katholische_Kirche
84
http://de.wikipedia.org/wiki/Lateinische_Kirche
85
„o// uird a/s 0a/um / r das ·c/isma I951 ançeçe|en a/s /a/s/ lec /\ den /a/riarc/en rcn lcns/an/inc/e/ ex|cmmuni;ier/e a|er /a/s c//ic/
/ande//e es sic/ um einen /rc;ess der sic/ e/ua rcm 5 |is ins I5 /a/r/under/ /in;cç ueu/e s/immen uis/cri|er darin |erein dass os/|irc/e
und wes/|irc/e sic/ au/çrund einer /cr/sc/rei/enden ln//remdunç /renn/en die mi/ dem wac/s/um der / /s//ic/en +u/cri/ / ;usammenfie/
ln/sc/eidend / r die Irennunç uaren nic// //ec/cçisc/e 0i//eren;en scndern |irc/en/c/i/isc/e la|/cren“
http://de.wikipedia.org/wiki/Morgenlä ndisches_Schisma
l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/ ·ei/e )5
U n i e r t e K i r c h e n
im Byzantinischen Ritus:
Apostolische Administratur fü r Sü dalbanien
Bulgarisch-Katholische Kirche
Georgisch-Katholische Kirche
Griechisch-Katholische Kirche
Italo-albanische Kirche
Griechisch-Katholische Diö zese in Kroatien
Apostolisches Exarchat von Serbien-Montenegro
Apostolisches Exarchat von Mazedonien
Melkitische Griechisch-Katholische Kirche
Rumä nische Griechisch-Katholische Kirche
Ruthenische Griechisch-Katholische Kirche
Griechisch-Katholische Kirche in der Slowakei
Apostolisches Exarchat in der Tschechischen Republik
Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche
Ungarische Griechisch-Katholische Kirche
Unierte Katholiken in Weißrussland
Unierte Katholiken in Russland
Kasachische Griechisch-Katholische Kirche
im Alexandrinischen Ritus:
Ä thiopisch-Katholische Kirche
Koptisch-Katholische Kirche
im Westsyrischen/Antiochenischen Ritus:
Maroniten
Syrisch-Katholische Kirche
Syro-Malankara Katholische Kirche (Thomaschristen)
im Ostsyrischen/Chaldä ischen Ritus:
Chaldä isch-Katholische Kirche
Syro-Malabarische Kirche
im Armenischen Ritus:
Armenisch-Katholische Kirche
Die orthodoxen Kirchen betrachten sich ebenfalls als die ursprü ngliche christliche Kirche,
von der sich alle ü brigen Kirchen im Laufe der Geschichte abgespalten bzw. entfernt haben.
Anders als die unierten Kirchen erkennen sie den Papst als Oberhaupt nicht an:
O r t h o d o x e K i r c h e n
Altkirchliche Patriarchate:
Ö kumenisches Patriarchat von Konstantinopel
Patriarchat von Alexandria und ganz Afrika
Patriarchat von Antiochia
Patriarchat von Jerusalem
Patriarchate der nachkaiserlichen Zeit:
Patriarchat von Georgien
Patriarchat von Bulgarien
Patriarchat von Moskau und ganz Russland
Patriarchat von Serbien
Patriarchat von Rumä nien
·ei/e )( l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/
weitere autokephale (eigenstä ndige) Kirchen:
Autokephales Orthodoxes Erzbistum von Zypern
Autokephales Orthodoxes Erzbistum von Griechenland
Autokephales Orthodoxes Erzbistum von Polen
Autokephales Orthodoxes Erzbistum von Albanien
Autokephales Orthodoxes Erzbistum Tschechiens und der Slowakei
Orthodoxe Kirche in Amerika
weitere autonome Kirchen (hier nicht aufgefü hrt)
A l t o r i e n t a l i s c h e K i r c h e n
Orientalisch-orthodoxe (monophysitische) Kirchen:
Ä thiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche
Armenische Apostolische Kirche
Eritreisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche
Koptische Kirche
Malankara Orthodox-Syrische Kirche
Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien
Assyrische Kirche des Ostens
Nicht zur Weltkirche gehö ren – nach der Meinung des Vatikans – die „kirchlichen Gemein­
schaften“, die aus der Reformation des 16. Jahrhunderts hervorgegangen sind:
„0ie çenann/en |irc//ic/en 6emeinsc/a//en die rcr a//em ueçen des le//ens
des sa|ramen/a/en /ries/er/ums die urs/r nç/ic/e und rc//s/ ndiçe wir|/ic/­
|ei/ des euc/aris/isc/en 1vs/eriums nic// |eua/r/ /a|en | nnen nac/ |a//c­
/isc/er le/re nic// ‚lirc/en‘ im eiçen//ic/en ·inn çenann/ uerden“
86
66. Auch die rö mische Kirche ist keine einheitliche Gemeinschaft.
Nicht einmal die rö mische oder lateinische Kirche ist ein so einheitliches Gebilde, wie sie
sich – im Gegensatz zu den vielen protestantischen Kirchen – selbst immer wieder darstellt.
Zu ihr gehö ren Traditionalisten wie die Vereinigungen „Una voce“ und „Pro Sancta Ecclesia“,
Reformbewegungen wie „Wir sind Kirche“, die Friedensbewegung „Pax Christi“, der Katholi­
sche Arbeiterverein und der Bund Katholischer Unternehmer, Arbeiterpriester, Charismati­
ker, Schweigeorden, Anhä nger der Befreiungstheologie usw., die inhaltlich nicht weniger
voneinander entfernt sind als die evangelischen Kirchen untereinander.
Und theologisch trennt die rö mische und die lutherische Kirche weit weniger als zum Bei­
spiel „Una voce“ und „Wir sind Kirche“.
67. Die Grö ße der rö mischen Kirche gibt ihr keine Vorrangstellung.
Die rö mische oder lateinische Kirche hat weltweit die meisten Mitglieder. Das gibt ihr aber
keinen hö heren Rang. Sie ist nicht die grö ßte Kirche geworden, weil sie den „richtigeren“
Glauben lehrt oder weil ihr Oberhaupt in der Nachfolge Petri steht; sie ist vor allem deswe­
gen so groß geworden, weil die (katholischen) Machthaber Spaniens und Portugals den neu
entdeckten Kontinent Amerika annektierten und ihre Bewohner – mit Segen und Unterstü t­
zung der Kirche – gewaltsam missionierten.
Hä tten die Lä nder der Ostkirche in frü heren Jahrhunderten auf ä hnliche Weise kolonialisiert
und missioniert, sä he die konfessionelle Weltkarte heute sicher anders aus.
86
Kongregation fü r die Glaubenslehre: „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezü glich der Lehre ü ber die Kirche“ (2007)
l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/ ·ei/e )7
68. Die Pä pste sorgten auf fragwü rdige Weise fü r die Einheit der Kirche.
Der Katechismus betont die Bedeutung des Petrusamtes und des Papstes fü r die Einheit der
Kirche
87
. In den ersten Jahrhunderten sorgten die Bischö fe von Rom und spä ter die Pä pste
fü r die Einheit, indem sie diejenigen, die eine abweichende Lehre vertraten, aus der Kirche
ausschlossen.
88

Zu den verurteilten Lehren gehö ren zum Beispiel Arianismus, Markionismus, Montanismus,
Manichä ismus, Adoptionismus, Apollinarianismus, Modalismus, Monophysitismus, Nestoria­
nismus, Donatismus und Pelagianismus; in spä terer Zeit: Protestantismus, Jansenismus, Galli­
kanismus, und Sozinianismus. Dabei waren die Anhä nger dieser Lehren durchaus nicht im­
mer unbedeutende Randgruppen. So hatten zum Beispiel die Arianer Mitte des 4. Jahrhun­
derts die politische und religiö se Vormachtstellung, die erst mit dem Ersten Konzil von Nicä a
endete.
Spä ter verschä rften die Pä pste den Kampf um die Einheit im Glauben durch Folter und Hin­
richtungen. Zu den Opfern gehö ren zum Beispiel Amalrikaner, Apostelbrü der, Beginen und
Begarden, Brü der und Schwestern des freien Geistes, Flagellanten, Fraticellen, Hussiten, Joa­
chimiten, Katharer (Albigenser), Lollarden, Protestanten, Waldenser und Wiedertä ufer.
69. Manche Maßnahmen fü r die Einheit der Kirche bewirken das Gegenteil.
Auch heute sorgen manche Entscheidungen des Papstes nicht fü r die Einheit, sondern fü r
das Gegenteil: Als der Papst am 21. Januar 2009 die Exkommunikation der vier Bischö fe der
Piusbruderschaft aufhob, ging es ihm ausdrü cklich um die Einheit der Kirche:
„8enedi|/ \\/ sie// es mi/ kec// a/s seine /flic// an / r die lin/ei/ der lirc/e
ein;u/re/en \ur das s/e// /in/er seinen 8em /unçen eine 6ru//e rcn la//c­
/i|en die sic/ rcn der lirc/e çe/renn/ /a/ uieder ins 8cc/ ;u /c/en“
89
In der Folge stieg die Zahl der Kirchenaustritte rapide an. Spitzenreiter war das Bistum
Regensburg: Dort verdoppelte sich die Zahl im Januar und Februar 2009 im Vergleich zum
Vorjahr.
90
Andererseits grenzt der Papst ganze Gruppen engagierter Katholiken aus: der von katholi­
schen Christen gegrü ndete Verein Donum vitae
91
sei „eine \ereiniçunç au/er/a/| der |a­
//c/isc/en lirc/e“; kirchlichen Funktionsträ gern (einschließlich Laien, zum Beispiel in Kir­
chenvorstä nden und Pfarrgemeinderä ten) wurde die Mitarbeit in diesem Verein verboten
92
;
die Bischö fe wurden aufgefordert, darauf hinzuwirken, dass mö glichst kein Glä ubiger mehr
die Hilfsorganisation unterstü tzt.
93
87
siehe Kapitel 5.3: „Das Petrusamt als Dienst der Einheit“
88
Exkommunikation galt im Mittelalter als schwerste Bestrafung – und wurde auch so empfunden, da sie die einzelne Person vom Leib Christi, seiner
Kirche, trenne und somit die Erlö sung verhindere. Die Exkommunikation oder die Androhung der Exkommunikation genü gten oft, Hä retiker zum
Abgehen von ihren Ü berzeugungen zu bewegen.
89
Kardinal Christoph Schö nborn; http://www.themakirche.at/panorama/articles/2009/09/25/a3792/
90
Umgekehrt wä re aber genauso damit zu rechnen, dass viele Menschen die Kirche verlassen oder sich der Piusbruderschaft zuwenden, wenn der
Papst zum Beispiel das Pflichtzö libat aufheben oder Frauen zur Priesterweihe zu lassen wü rde.
91
Ziel des Vereins von katholischen Bü rgerinnen und Bü rgern ist die Sicherstellung einer Schwangerschaftskonfliktberatung mit dem Ziel, „sic/ / r
den ·c/u/; des mensc//ic/en le|ens namen//ic/ den ·c/u/; des le|ens unçe|crener linder ein;use/;en und lrauen in ·c/uançersc/a//s|cnfli| ­
/en mi/ ka/ und Ia/ na/e sein ;u uc//en“. http://de.wikipedia.org/wiki/Donum_vitae
92
http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/rundschau/donum-vitae-katholiken-bischof-ID1244537797966.xml
Diese Entscheidung ist besonders bemerkenswert, weil bis 1999 sechsundzwanzig von siebenundzwanzig deutschen Bischö fen (einzige Ausnahme:
Bischof Dyba im Bistum Fulda) die Schwangerschaftskonfliktberatung in ihren Diö zesen unterstü tzten. Ebenfalls bemerkenswert: Der derzeitige
Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), der Politiker Alois Glü ck, ist Mitglied von 0cnum ri/ae; die Politikerin Maria
Eichhorn, Mitglied im ZdK, ist sogar Vorsitzende von 0cnum \i/ae in Bayern.
93
http://www.nrw-donumvitae.de/presse/pressespiegel/presse-2006-2007/
·ei/e )8 l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/
Und das Oberste Gericht des Vatikans hat klar gestellt, dass Bischö fe das Recht haben, aktive
Mitarbeiter der Vereinigung Wir sind Kirche
94
aus kirchlichen Gremien auszuschließen. In
dem Dekret heißt es, dass derjenige, der sich den ö ffentlichen Protesten der Organisation
gegen Papst, Bischö fe und Lehramt anschließe, sich unfä hig fü r die Mitgliedschaft in kirch­
lichen Rä ten mache.
95

Wä hrend der Papst von sich aus in einem „bedingungslosen Akt der Barmherzigkeit“ auf die
Piusbruderschaft zuging, weigert sich die vatikanische Glaubenskongregation bis heute, die
/e/i/icn \a/icanum 2
96
der Initiative Wir sind Kirche und die Unterschriften von ü ber
50.000 Glä ubigen entgegenzunehmen und darü ber mit den Initiatoren der Petition ins Ge­
sprä ch zu kommen.
70. Der Papst muss weder von Kardinä len noch im Konklave gewä hlt werden.
Das aktuelle Verfahren der Papstwahl ist nicht die einzig mö gliche Form. Im Laufe der Ge­
schichte hat sich das Verfahren mehrfach geä ndert
97
– kann also auch in Zukunft wieder ge­
ä ndert werden.
• Die ersten Bischö fe von Rom wurden wahrscheinlich von den Grü ndern der rö mischen
Gemeinde bestimmt; der Ü berlieferung nach waren dies Petrus und einige Mitarbeiter.
• Dieses Wahlverfahren wurde sehr bald durch ein Verfahren abgelö st, bei dem die Kirchen­
vertreter und die Glä ubigen eines Bistums sowie die Bischö fe der benachbarten Diö zesen
den jeweiligen Bischof bestimmten.
• Etwa seit dem 3. Jahrhundert wurde das Oberhaupt der Kirche (der Bischof von Rom)
von Kirchenvertretern, unter Aufsicht der anwesenden Bischö fe, gemeinsam bestimmt.
Ihr Wahlvorschlag wurde den rö mischen Glä ubigen mitgeteilt. Die Rö mer signalisierten
ihre Zustimmung – oder gegebenenfalls Ablehnung – durch Tumulte. Dieses wenig klare
Vorgehen fü hrte mehrfach zur Wahl von Gegenpä psten.
• 769 wurde die Zustimmungspflicht der rö mischen Bevö lkerung abgeschafft;
862 wurde das Recht den rö mischen Adligen wieder eingerä umt.
• 769 wurde festgelegt, dass nur geweihte Priester Bischof von Rom werden dü rfen.
1059 hatten nur noch Kardinä le das passive Wahlrecht.
1179 wurden die Bestimmungen wieder gelockert. Theoretisch kann auch heute noch
jeder mä nnliche Katholik zum Papst gewä hlt werden.
98
• Seit 1059 nimmt der Papst erst nach Zustimmung der ü brigen Kirchenvertreter und der
Gemeinde sein Amt auf. Das Papstwahldekret von Nikolaus II. war das erste Dekret, das
fü r die Wahl feste Regeln aufstellte.
99
Es gibt die Mö glichkeit, dass der kü nftige Papst nicht
aus der rö mischen Kirche stammt, falls dort eine geeignete Persö nlichkeit fü r diese Positi­
on fehlt.
100
• Seit 1139 mü ssen weder die ü brigen Kirchenvertreter noch die Gemeinde zustimmen.
94
http://www.wir-sind-kirche.de/ und http://de.wikipedia.org/wiki/Wir_sind_Kirche
95
http://www.radiovaticana.org/ted/Articolo.asp?c=290133
96
„1i/ einer am 29 /anuar 2999 çes/ar/e/en /e/i/icn /crdern ;a//reic/e I/ec/cçinnen und I/ec/cçen scuie (/ris/innen und (/ris/en aus 0eu/sc/ ­
/and s/erreic/ und der ·c/uei; die uneinçesc/r n|/e +ner|ennunç der 8esc// sse des // \a/i|anisc/en lcn;i/s (I9(2·(5i 0ami/ reaçieren sie
au/ die am 21 /anuar |e|ann/ çeucrdene u/ers/ /rc|/ema/isc/e +u//e|unç der lx|cmmuni|a/icn rcn 8isc/ /en der /radi/icna/is/isc/en 8ru­
dersc/a// /ius \“ (http://www.petition-vaticanum2.org/index.html)
97
Die folgenden Fakten stammen von der Seite http://de.wikipedia.org/wiki/Konklave.
98
Auch andere hohe kirchliche Ä mter sind nicht an die Priesterweihe gebunden: Noch 1858 ernannte Papst Leo XIII. den Juristen Theodolfo Mertel
zum Kardinal, obwohl er keine geistlichen Weihen hatte. http://de.wikipedia.org/wiki/Theodulf_Mertel
99
Allerdings hielt man sich bereits 1073 nicht an diese Regelung. Der bedeutendste Papst des 11. Jahrhunderts, Gregor VII., wurde vom rö mischen
Volk zum Papst ausgerufen. Er trug mit Kaiser Heinrich IV. den Investiturstreit aus, der im Winter 1077 im Gang nach Canossa kulminierte.
100
Papstwahldekret „/n ncmine 0cmine“ (1059); http://de.wikipedia.org/wiki/In_nomine_Domini
l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/ ·ei/e )9
• 1274 wurde das Wahlverfahren im Konklave geregelt.
• 1587 wurde die Anzahl der wahlberechtigten Kardinä le auf 70 begrenzt;
seit 1975 darf es maximal 120 wahlberechtigte Kardinä le geben.
• Bis 1996 war es mö glich, den neuen Amtsinhaber durch Akklamation (Abstimmung per
Zuruf, Beifall oder Handzeichen) zu wä hlen. Der letzte Papst, der auf diese Weise ausge­
wä hlt wurde, war Gregor XV. im Jahre 1621.
Dr. Ludwig Neidhart – ein Verteidiger des Petrusamtes – schreibt dazu:
„I/ecre/isc/ | nn/e der /a/s/ in 2u|un// auc/ rcm çesam/en lirc/enrc/|
çeu /// uerden cder (uas rie//eic// ançemessener u rei rcm çesam/en 8i­
sc/c/s|c//eçium 0ie lraçe ‚/a/s/ ia cder nein‘ is/ demnac/ a/sc nic// iden­
/isc/ mi/ der lraçe c| die lirc/en/ei/unç ‚rcn c|en‘ einçese/;/ cder durc/
‚demc|ra/isc/e‘ wa//en |cns/i/uier/ uerden sc// 0ie eiçen//ic/e lraçe is/
rie/me/r c| es |er/au// eine (uie auc/ immer ;u |cns/i/uierendei lei­
/unç und ke/r sen/a/icn der lirc/e au/ we//e|ene çe|en sc//“
101
101
Dr. Ludwig Neidhart: „Das Papstamt: Anmaßung oder biblisches Amt der Einheit?“; http://www.catholic-church.org/ao/ps/papst.html
·ei/e 19 l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/
Fazit
Ich habe den drei Bibelstellen 70 Argumente entgegengesetzt. Ich denke, das gibt mir das
Recht, mit gutem Gewissen die Positionen der Kirche in Frage zu stellen.
Das heißt aber nic//, dass ich grundsä tzlich gegen den Papst oder das Papstamt bin. Jeder
Verein hat einen Vorsitzenden, jede Firma einen Geschä ftsfü hrer, jeder Staat ein Staatsober­
haupt. Es ist zweckmä ßig, dass eine so gewaltige Institution wie die Kirche durch ein Ober­
haupt regiert, geleitet oder reprä sentiert wird. Um einen Papst mit der Macht eines Bundes­
prä sidenten, der Weisheit eines Richard von Weizsä ckers und der Weitherzigkeit eines Johan­
nes XXIII. wü rden uns wahrscheinlich sogar die meisten evangelischen Christen beneiden.
Es geht mir um die Frage, welchen Auftrag und welche Macht dieses Oberhaupt hat. Und dar­
um, von wem er (oder sie) Auftrag und Vollmacht hat.
l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/ ·ei/e 1I
Schlussbemerkungen
• Ich bin kein Theologe. Aber es war kein theologisches Fachwissen nö tig, um diese Argu­
mente zu sammeln. Und ich glaube, es ist auch kein Fachwissen nö tig, um meinen Argu­
menten zu folgen.
102
• Die meisten Argumente in diesem Text stammen ohnehin nicht von mir, sondern sind
schon frü her von anderen Autoren genannt worden. Mir ist aber keine Quelle bekannt,
die dieses Thema genauso umfassend behandelt.
• Der fundamentalistisch-katholische Einwand, ich sei schon deswegen im Unrecht, weil
das unfehlbare Petrusamt das Gegenteil lehre, mag in anderen Fä llen erlaubt sein; hier
ist er unlogisch, weil es ja gerade darum geht, ob es das Petrusamt ü berhaupt gibt und
– falls ja – ob es unfehlbar ist.
Ostermontag 2010 Klaus Kegebein
Große Altefä hre 13
D-23552 Lü beck
klaus.kegebein@gmx.de
102
1ir darf man fehlendes theologisches Wissen vorwerfen. Ich glaube aber nicht, dass man das auch dem Kirchenlehrer Augustinus, Prof. Dr. Albert
Lang, Prof. Karl Heinz Ohlig, Bischof Joseph Georg Strossmayer, Prof. Otto Bö cher, Prof. Otto Zwierlein, Prof. Reinhold Sebott SJ, Prof. Klaus
Schatz SJ – und allen evangelischen und orthodoxen Theologen – vorwerfen darf.
·ei/e 12 l/aus leçe|ein· +nmer|unçen ;um /e/rusam/
Hinweis zu den angegebenen Internetseiten
Unter Umstä nden stimmen manche Zitate nicht mit den angegebenen Internetseiten ü berein
oder die Links existieren nicht mehr. Das liegt am Wesen des Internets: Im Gegensatz zu ge­
druckten Medien kö nnen Seiten im Internet sehr schnell geä ndert werden. Das betrifft be­
sonders die Online-Enzyklopä die Wikipedia. Dort kö nnen Sie aber frü here Versionen eines
Artikels ü ber die Registerkarte „Versionen/Autoren“ aufrufen. (Ich habe hauptsä chlich zwi­
schen August und November 2009 auf Wikipedia zugegriffen.)
Auch fü r andere Internetseiten gibt es ein digitales „Archiv“. Unter http://www.archive.org/
kö nnen „Snapshots“ von frü heren Versionen eingesehen werden. (Es werden aber nicht alle
Internetseiten archiviert.)
Literaturempfehlungen
Die folgenden Autoren sind teils Befü rworter, teils Kritiker der offiziellen Lehre ü ber das
Papstamt.
Bischof Joseph Georg Strossmayer: „Der Papst und das Evangelium“
http://docs.google.com/anglicanhistory.org/oc/strossmayer_rede.pdf
Prof. Dr. Karl Heinz Ohlig: „Das Papstamt und seine Geschichte“
http://www.phil.uni-sb.de/projekte/imprimatur/2005/imp050705.html
P. Klaus Schatz SJ: „Geschichte des pä pstlichen Primats“
http://www.sankt-georgen.de/leseraum/schatz2.html
Dr. Ludwig Neidhard: „Das Papstamt: Anmaßung oder biblisches Amt der Einheit?“
http://www.catholic-church.org/ao/ps/papst.html
Bischof Ignaz von Dö llinger: „Offener Brief an den Erzbischof Gregor von Scherr“
http://de.wikisource.org/wiki/Offener_Brief_an_den_Erzbischof_Gregor_von_Scherr_(Dö llinger)
Pfarrer Dr. Jö rg Sieger: „Zu Papst, Konzil und Gewissen“
http://www.joerg-sieger.de/glaube/themen/papst.htm (auch seine anderen Seiten sind lesenswert!)
Danksagung
Ich danke besonders
• Sir Timothy John Berners-Lee – Grü nder des World Wide Web,
• der Deuschen Bibelgesellschaft fü r die Online-Bibel www.bibleserver.com,
• Jimmy Donal Wales – Grü nder der Internet-Enzyklopä die Wikipedia
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• und den zahllosen Autoren, die unentgeltlich fü r Wikipedia arbeiten.
Ohne sie wä re es mir unmö glich gewesen, diesen Aufsatz zu schreiben.
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Ich hö re immer wieder von Skeptikern, es sei ja bekannt, dass Wikipedia viele Fehler enthalte. Auf Nachfrage war allerdings bisher niemand in der
Lage, mir einen Fehleintrag zu nennen. Das renommierte Wissenschaftsmagazin „Nature“ urteilte hingegen: „Wikipedia fast so genau wie Encyclo ­
paedia Britannica“. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,390475,00.html
Einen besonders guten Ruf hat das deutschsprachige Wikipedia. In einem Test des Magazins s/ern ü bertraf Wikipedia in den Kriterien Richtigkeit,
Vollstä ndigkeit, Aktualitä t und Verstä ndlichkeit die kostenpflichtige Online-Ausgabe des 15-bä ndigen Brockhaus.
http://www.stern.de/digital/online/stern-test-wikipedia-schlaegt-brockhaus-604423.html
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Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
Was hat Jesus wirklich zu Petrus gesagt? 4
1. Wir kö nnen nicht mehr feststellen, was Jesus tatsä chlich gesagt hat.… … … … … … … … … … … … … 4
2. Nur Matthä us berichtet von der „Berufung des Petrus“.… … … … … … … … … … … … … … … … … … 4
3. Wahrscheinlich gehen diese Worte nicht auf Jesus zurü ck.… … … … … … … … … … … … … … … … … 5
4. Jesus hat sich sehr ungenau ausgedrü ckt.… … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … 5
Welchen Beinamen hatte Simon? 6
5. Es ist unklar, wann und warum Simon seinen Beinamen bekam.… … … … … … … … … … … … … … … 6
6. Jesus nennt ihn nicht Petrus, sondern אפיכ (kefa).… … … … … … … … … … … … … … … … … … … 6
7. Jesus spricht nicht davon, seine Kirche auf Petrus zu erbauen.… … … … … … … … … … … … … … … 6
8. „Stein“ und „Fels“ sind im NT oft ein Synonym fü r Jesus Christus.… … … … … … … … … … … … … … 7
9. Nicht Petrus ist das Fundament der Kirche, sondern Christus selbst. … … … … … … … … … … … … … 7
10. Der Beiname kefa (Fels) kann auch anders gedeutet werden.… … … … … … … … … … … … … … … 8
11. Die Worte sind nicht allein an Petrus gerichtet.… … … … … … … … … … … … … … … … … … … … 9
12. Ein Gebä ude hat nur ein Fundament.… … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … 9
Was meint Jesus, wenn er von ekklesia spricht? 10
13. In den Evangelien erscheint der Begriff ekklesia nur ein einziges Mal.… … … … … … … … … … … … 10
14. Im Alten Testament ist damit „Versammlung“ oder „Gemeinde“ gemeint.… … … … … … … … … … … 10
15. Jesus erklä rt nicht, was er unter ekklesia versteht.… … … … … … … … … … … … … … … … … … … 10
16. Ekklesia wird im NT meistens mit „Gemeinde“ ü bersetzt.… … … … … … … … … … … … … … … … 10
Was bedeutet „Kirche“? 11
17. Mit „Kirche“ meint die Kirche nicht die Gemeinschaft der Glä ubigen.… … … … … … … … … … … … 11
18. Jesus wollte keine Institution Kirche grü nden.… … … … … … … … … … … … … … … … … … … … 11
19. Jesus warnte die Jü nger davor, zu herrschen und Macht auszuü ben:… … … … … … … … … … … … 12
Wie stand Jesus zu einem Oberhaupt der Kirche? 13
20. Jesus hat Petrus nie als seinen Stellvertreter benannt.… … … … … … … … … … … … … … … … … … 13
21. Jesus hat allen Aposteln die gleiche Vollmacht gegeben.… … … … … … … … … … … … … … … … … 13
22. Jesus sagte zu Petrus: „Satan, geh mir aus den Augen!“… … … … … … … … … … … … … … … … … 13
23. Jesus wollte keine Rangunterschiede unter den Aposteln.… … … … … … … … … … … … … … … … 13
Hatte Petrus eine herausragende Stellung? 14
24. Petrus war nicht „der Erste der Apostel“.… … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … 14
25. Petrus war nicht der Lieblingsjü nger Jesu. … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … 14
26. Petrus war nicht „Erstzeuge der Auferstehung“.… … … … … … … … … … … … … … … … … … … … 14
27. Petrus hat nie einen hö heren Rang beansprucht oder eingenommen.… … … … … … … … … … … … 15
28. Die Apostel haben Petrus nie eine herausgehobene Stellung gewä hrt.… … … … … … … … … … … … 15
29. Auf dem Konzil zu Jerusalem hat Petrus keine Leitungsfunktion.… … … … … … … … … … … … … … 16
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30. Paulus weiß nichts von einem Papstamt.… … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … 16
31. Paulus weiß nichts von der besonderen Stellung des Petrus.… … … … … … … … … … … … … … … 16
32. Paulus weiß nichts von Petrus als Fundament der Kirche.… … … … … … … … … … … … … … … … 17
33. Die Apostelgeschichte verliert sehr frü h die Spur des Petrus.… … … … … … … … … … … … … … … 17
Was bedeuten die „Schlü ssel des Himmelreichs“? 18
34. Petrus erhä lt keine exklusive „Schlü sselgewalt“.… … … … … … … … … … … … … … … … … … … … 18
35. Die „Schlü sselgewalt“ kann anders gedeutet werden.… … … … … … … … … … … … … … … … … … 18
Was ist mit dem „Hirtenamt“ gemeint? 20
36. „Weide meine Lä mmer“ begrü ndet keinen Herrschaftsanspruch. … … … … … … … … … … … … … … 20
37. Das Hirtenamt ist kein exklusives Amt… … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … 20
Was bedeutet „Stä rke deine Brü der“? 21
38. Es macht mehr Sinn, diese Anweisung „zeitnah“ zu interpretieren.… … … … … … … … … … … … … 21
39. Petrus hat den Auftrag nicht erfü llt.… … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … 21
War Petrus unfehlbar? 22
40. Lk 22,32 sagt nichts ü ber die Unfehlbarkeit des Petrus aus.… … … … … … … … … … … … … … … … 22
41. Pastor aeternus zitiert Lk 22,32 unvollstä ndig.… … … … … … … … … … … … … … … … … … … … 22
42. Petrus verhä lt sich nicht, als stü nde er fest im wahren Glauben. … … … … … … … … … … … … … … 22
Meinte Jesus nur Petrus oder auch alle seine Nachfolger? 24
43. Die erwä hnten Bibelstellen beziehen sich nur auf Petrus.… … … … … … … … … … … … … … … … 24
44. Die Kirche erklä rt nicht, warum Jesus trotzdem alle Nachfolger meinte.… … … … … … … … … … … 24
45. Es ist unklar, ob Petrus jemals in Rom gewirkt hat.… … … … … … … … … … … … … … … … … … … 24
46. Die Pä pste sind keine Nachfolger des Petrus.… … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … 25
47. Niemand dachte an eine Petrus-Nachfolge.… … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … 25
48. Erst 1871 erklä rte die Kirche den Papst als unfehlbar.… … … … … … … … … … … … … … … … … … 27
49. Die Kirche sagt nicht, welche Lehren vor 1870 unfehlbar sind.… … … … … … … … … … … … … … 28
50. „Dignitatis humanae“ widerspricht „Quanta cura“… … … … … … … … … … … … … … … … … … … 28
51. Pä pste kö nnen auch in Glaubensfragen irren… … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … 29
52. Die Pä pste haben das Geschenk Gottes nicht angenommen.… … … … … … … … … … … … … … … 30
Wie ist das Papsttum entstanden? 31
53. Das Papsttum hat sich im Laufe vieler Jahrhunderte entwickelt.… … … … … … … … … … … … … … 31
54. Die frü hkirchlichen Gemeinden wurden durch Ä lteste geleitet. … … … … … … … … … … … … … … 31
55. Die Kirche teilt sich in fü nf gleichberechtigte Patriarchate auf.… … … … … … … … … … … … … … … 31
56. Die „Petrusverheißung“ spielt ü ber Jahrhunderte keine Rolle.… … … … … … … … … … … … … … … 31
57. Das Konzil von Nicä a lehnt eine Vorrangstellung des Bischofs von Rom ab.… … … … … … … … … … 31
58. Die „Konstantinische Schenkung“ ist eine Fä lschung der Kirche.… … … … … … … … … … … … … … 32
59. Die nordafrikanische Kirche behielt ihre eigene Jurisdiktion.… … … … … … … … … … … … … … … 32
60. Der Hl. Augustinus weiß nichts von einem Jurisdiktionsprimat Roms.… … … … … … … … … … … … 33
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61. Das Konzil von Chalcedon gewä hrt Rom nur einen „Ehrenvorrang“… … … … … … … … … … … … … 33
62. Der Begriff papa („Papst“) wird erst von Gregor I. offiziell eingefü hrt.… … … … … … … … … … … … 33
63. Noch 879 gilt die Jurisdiktion des Papstes nur fü r den Westen.… … … … … … … … … … … … … … 33
Wie sieht die Kirche heute aus? 34
64. Die katholische Kirche ist nicht die eine Kirche, als die sie sich darstellt.… … … … … … … … … … … 34
65. Wenn von „katholisch“ die Rede ist, ist meistens „lateinisch“ gemeint.… … … … … … … … … … … … 34
66. Auch die rö mische Kirche ist keine einheitliche Gemeinschaft.… … … … … … … … … … … … … … 36
67. Die Grö ße der rö mischen Kirche gibt ihr keine Vorrangstellung.… … … … … … … … … … … … … … 36
68. Die Pä pste sorgten auf fragwü rdige Weise fü r die Einheit der Kirche.… … … … … … … … … … … … 37
69. Manche Maßnahmen fü r die Einheit der Kirche bewirken das Gegenteil.… … … … … … … … … … … 37
70. Der Papst muss weder von Kardinä len noch im Konklave gewä hlt werden. … … … … … … … … … … 38
Fazit 40
Schlussbemerkungen 41

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