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Grundlagen

sozialwissenschaftlicher
Methodologie

1. Einheit
Wozu betreiben wir empirische
Sozialwissenschaften?
Erkenntnis und Wissensformen

Ass. Prof. Dr. Regina Köpl


Ziele der Vorlesung
• Einführung in zentrale wissenschaftstheoretische
und methodologische Grundfragen der modernen
empirischen Sozialwissenschaften
• Kennenlernen ihrer Ausdifferenzierung in
verschiedene Paradigmen
• Schärfung eines sozialwissenschaftlichen
Methodenverständnisses u.a. auch durch
Auseinandersetzung mit klassischen Studien
Aufbau der Vorlesung
• Teil 1: Einführung, Geschichte der empirischen
Sozialforschung (1 und 2 Einheit)

• Teil 2: Sozialwissenschaftliche
Forschungsmethodologien und Strategien
sozialwissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung am
Beispiel ausgewählter „klassischer Studien“
(3-7 Einheit)

• Teil 3: wissenschaftstheoretische und


methodologische Grundpositionen (8 und 9
Einheit)
Forschungsstrategien am Beispiel klass.
Studien

• Die Frage nach dem WAS: Die Arbeitslosen von


Marienthal
• Die Frage nach dem WIE: Street Corner Society
• Die Frage nach dem WARUM: Wahlen und
Wähler
• Die Frage nach der Kausalität: Das Milgram-
Experiment
• Die Frage nach Unterschieden und Gemein-
samkeiten: Der Selbstmord
Prüfung
Multiple-Choice, schriftlich

1. Prüfungstermin: 15.12.2018

Anmeldung: 26.11.2018 (13:00) – 13.12.2018 (13:00)


Abmeldung: bis 14.12. 2018 (13:00 Uhr)

2. Prüfungstermin: 10.01.2019

Anmeldung: 25.12.2018 (13.00) – 08.01.2019 (13.00)


Abmeldung: bis 09.01.2019 (13:00 Uhr)

Achtung: verpflichtende An/Abmeldung zur


Beispiel für eine MC-Frage

Welcher Erkenntnislogik folgt Emile Durkheims


Studie „Der Selbstmord“? (1)

o ethnographischer Ansatz
o verstehender Ansatz
o vergleichender Ansatz
o individualistischer Ansatz
o holistischer Ansatz
Leistungsnachweis

– Vorlesungsinhalte (Folien und Lernunterlage)

– Selbststudium der Referenzliteratur zu den jeweiligen


Vorlesungseinheiten; download auf der e-learning
Plattform

– (freiwillige) Mitarbeit auf der e-learning Plattform

– Bestehensgrenze: 55% der zu erreichenden Punkte


Wozu und zu welchem Zweck
betreiben wir
(Politik)Wissenschaft?
Alltagswissen
• zielt auf die Aufrechterhaltung der Handlungs-
fähigkeit im Alltag, gesteuert durch Routine

• die dem Alltagswissen zugrunde liegende


Alltagswahrnehmung kennzeichnen folgende
Filter:

• unreflektiert selektiv
• unreflektiert perspektivisch (standortgebunden)
• selbstverständlich, d.h. die durch Selektivität und
Perspektivität gezogenen Grenzen werden nicht
reflektiert
Aufgrund der selektiven und perspektivischen
Grenzen des Alltagsdenkens sowie der daraus
entstehenden ideologischen Folgen sollte es

„nirgendwo lohnender sein als bei der Beschäftigung


mit Politik, sich aus den Fesseln des gesunden
Menschenverstandes zu befreien“.

(Patzelt, Werner: Einführung in die


Politikwissenschaft, Passau 1992, S.56)
Wissenschaftliches Wissen
• wird in arbeitsteilig spezialisierten Einheiten
gewonnen (z.B. Universitäten) gewonnen;
institutionalisierte Reflexion
• ist systematisch erzeugtes Wissen, d.h. methodisch
kontrolliert und theoretisch formuliert
• ist intersubjektiv zugänglich und überprüfbar
(objektiv)
• hat Regeln zu folgen
• die Grundregeln werden in sogenannten Meta-
Theorien festgelegt, wie Wissenschaftstheorie und
Methodologie
Wissenschaftstheorie
• was gilt überhaupt als wissenschaftliche
Aussage
• wie kommt wissenschaftliche Erkenntnis
zustande
• welche allgemeinen Regeln sollen den
wissenschaftlichen Erkenntnisprozess
steuern
Methodologie
• konkretisiert wissenschaftstheoretische
Festlegungen für bestimmte Disziplinen und
Gegenstandsbereiche
• formuliert Handlungsanweisungen/Vorgehens-
weisen in Hinblick auf
– den Ablauf des Forschungsprozesses,
– den Umgang mit Daten und Theorie
– das Verhalten der ForscherInnen
• stellt Gütekriterien auf, z.b. Güligkeit oder
Repräsentativität
Methoden

Methoden sind Werkzeuge (Erhebungs- oder


Auswertungstechniken), mit deren Hilfe
gedankliche Konstruktionen über die Wirklichkeit
gemacht werden.

Das Endprodukt eines solchen Konstruktions-


vorhabens besteht in wissenschaftlichen Erkennt-
nissen über die Wirklichkeit, formuliert in
Begriffen, Klassifikationen, Modellen,
Hypothesen - kurz Theorien.
„Die ständige Herausforderung der Politikwissenschaft
liegt darin, die Erkenntnisse über politische Zusammen-
hänge zu erweitern, also Theorien zu konstruieren“

(Moor, Arno: Grundzüge der Politikwissenschaft, 1997, S.79)


Wissenschaftl. Wissen

• ist systematisch erzeugtes Wissen, d.h.


methodisch kontrolliert und theoretisch
formuliert

• hat gewissen Spielregeln zu folgen


Ein früher Versuch Regeln für die
Sozialwissenschaften aufzustellen

Emile Durkheim: Regeln zur


Betrachtung der soziologischen
Tatbestände, in: ders., Regeln der
soziologischen Methode, Neuwied
1961(1885), 115-140
Emile Durkheim
(1858 - 1917)
• Studium an der École
Normale Superieure
• 1887 Dozentur für
Soziologie und
Pädagogik an der
Universität Bordeaux
• 1902 Berufung an die
Sorbonne
Wichtigste Werke
• Über die soziale Arbeitsteilung (1883)
• Die Regeln der soziologischen Methode (1885)
• Der Selbstmord (1887)
• Die elementaren Formen des religiösen Lebens
(1912)
• Gründer der Zeitschrift „Année Sociologique“
• Aufbau einer soziologischen Schule („équipe
durkheimienne“)
Regeln der soziologischen Methode

• Definition des Gegenstandsbereiches =


Wahl einer Gruppe von Erscheinungen, die
zuvor durch gewisse äußere gemeinsame
Merkmale definiert worden ist

alle Erscheinungen welche der Definition


entsprechen, werden in die Untersuchung
eingeschlossen und klassifiziert (keine selektive
Auswahl)
Regeln der soziologischen Methode

• Ausschalten aller Vorbegriffe (Praenotationes)


oder Common-Sense Vorstellungen die außerhalb
der Wissenschaften und für Bedürfnisse, die nichts
Wissenschaftliches an sich haben, gebildet
wurden.

Bildung und Verwendung eigener Begriffe,


einer eigenen Sprache
Regeln der soziologischen Methode

Sozialwissenschaftliche Untersuchungen haben bei


kollektiven Phänomenen oder Einrichtungen anzu-
fangen und nicht bei individuellen Manifestationen,
denn

• Gegenstand sozialwissenschaftlicher Analyse sind


soziale Tatbestände

• Soziale Tatbestände sind wie Dinge zu betrachten


Soziale Tatbestände

• entstehen aus dem Zusammenleben von


Menschen und führen ein von den Individuen
unabhängiges Eigenleben

• sind mehr als die Summe individueller


Handlungen

• treten in der Gesellschaft allgemein auf (z.B. in


Form kollektiven Bewusstseins, Normen,
Institutionen)

• üben aber auf das einzelne Individuum einen


sozialen Druck aus
Soziale Tatbestände

sind eine Realität „sui generis“, die sich weder auf

Physische Faktoren
Biologische Faktoren
Psychische Faktoren

zurück führen lassen, denn

Soziales lässt sich nur durch Soziales erklären


Referenzliteratur:

• Schülein, Johann August/Reitze, Simon: Wieso


Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie?“, in: dies.:
Wissenschaftstheorie für Einsteiger, Wien 2002,
S. 18-28

• Emil Durkheim: Regeln zur Betrachtung der


soziologischen Tatbestände, in: ders., Regeln der
soziologischen Methode, Neuwied 1961(1885),
115-128
Danke für Ihre Aufmerksamkeit!